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Angst?

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2 Kapitel - 2.418 Wörter - Erstellt von: XMarie Potter - Aktualisiert am: 2017-11-06 - Entwickelt am: - 28 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich rannte ohne ein Ziel zu haben. Ich rannte nur um meinen Beinen diese Genugtuung zu geben, die sie von mir verlangten. Ich konnte nicht schreien, nicht weinen, nicht schluchzen. Alles was ich konnte war, meine Gefühle in mir zu verstauen. Sie würden mir nur zu Last fallen.

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    Alles in mir schrie. Und am liebsten hätte ich mir ein Messer in die Brust gerammt, um dieses Schreien zu stillen. Es riss mir ein riesiges Loch in d
    Alles in mir schrie. Und am liebsten hätte ich mir ein Messer in die Brust gerammt, um dieses Schreien zu stillen. Es riss mir ein riesiges Loch in die Brust und ich schlang die Arme um meinen Körper, um mich nicht von diesem Loch zerfetzen zu lassen. Ich wusste nicht was ich wollte, es tat nur so unbeschreiblich weh. Ich war dieser Qual nicht gewachsen. Ich war wie erstarrt. Mein Herz zerbrach unter der Last. Vollkommen kraftlos sank ich zu Boden auf die Knie, presste mein Kinn gegen meine Brust und meine verschränkten Arme. Dann konnte ich es nicht mehr aufhalten und all die Tränen, die sich über die Jahre in mir aufgestaut hatten, durchfluteten meine Augen und liefen dann über. Ich hatte gedacht, ich hätte meine Gefühle unter Kontrolle, aber dieser Zusammenbruch überzeugte mich vom Gegenteil. Nein, das kann nicht passiert sein! Es kann einfach nicht passiert sein! Sie können nicht tot sein! Ein Schluchzen verließ meine Kehle und ich warf den Kopf in den Nacken, schrie alles hinaus, was mich bedrückte:,, Wacht auf! Ihr könnt mich nicht einfach alleine lassen! Das könnt ihr nicht!“ Dann versagte meine Stimme und ich hob den Blick auf das Trümmerfeld, das sich vor mir erstreckte und die gähnende Leere in meinem Kopf spiegelte.
    Sie sahen so friedlich aus. Als würden sie schlafen. Die zarten Augenlider hatten die Farbe von Lavendel und ihre Haut war kreidebleich. Ihre Hände hatten sie ineinander verschränkt, als wären sie zusammen in den Tod gegangen. Sie hatten gewusst, dass es kein Nach der Schlacht geben würde. Das Gefühlschaos in mir rumorte. Blanke Wut auf meinen Vater, der einfach geflüchtet war, als es hieß, wir müssten fliehen und unbeschreibliche Trauer um meine Mutter und meine kleine Schwester, die nun hier auf den Trümmern unseres Hauses lagen. Ich wünschte, es würde mein Ende sein. Ich wollte nicht weitermachen. Nicht ohne sie. Nun stand ich alleine in der Welt, ohne irgendjemanden, den ich liebte, oder den ich kannte. Ich betete, dass sie mich hier in dieser Wüste finden würden und einfach schnell töten würden.,, Warum bin ich nicht früher gekommen?“, wisperte ich mir selbst zu und wischte mir die Tränen von den Wangen. Mit zitternden Fingern strich ich meiner kleinen Schwester eine kastanienbraune Haarsträhne aus dem Gesicht und betrachtete ihre jungen Augen, die sie geschlossen hatte. Ihre Lippe war aufgeplatzt, aber sonst sah sie aus, als wäre sie noch am Leben. Ich senkte den Blick auf ihren Bauch. Unter ihrem Rock sah man nur das Einschussloch und Blut, das die Steine unter ihr rot färbte. Ich war so unendlich glücklich gewesen, als sie geboren wurde. Meine Mutter lag friedlich neben ihr und hatte ihre Hand genommen. Ihre rosigen Wangen waren noch immer feucht von Tränen, die sie vor ihrem Tod vergossen hatte. Ich wollte mir die Szene gar nicht vorstellen, denn mein leeres Inneres schnürte mir die Kehle zu. Sie hatten nicht einmal versucht zu fliehen. Meine Tränendrüsen waren leer, ich konnte nicht mehr weinen, aber alles in mir schrie danach.,, Jetzt seit ihr wenigstens glücklich und erlöst von diesem grausamen Leben“, flüsterte ich meiner Familie zu und legte meiner Mutter und meiner Schwester meine Jacke über das Gesicht. Ich fror zwar in meinem Pullover, aber es war mir im Moment egal.
    Mir ist eure Sicherheit am aller wichtigsten. Es ist mir egal, was mir passiert, ich will nur dass meine Kinder überleben und glücklich werden. Alles kam in mir hoch. Die Worte meiner Mutter vor dem letzten Kampf hallten in meinem Kopf herum und prallten schmerzhaft gegen meine Seiten ab. Sie wollte dass Stella und ich überleben. Aber nun ist es um Stella geschehen. Das war ich meiner Mutter schuldig. Dass ich überlebe und ihre Geschichte niemals vergesse. Mut und Willenskraft überkamen mich und ich richtete mich auf. Ich würde weitermachen, egal was passiert. Ich würde leben und die Leute rächen, die mir das angetan hatten.

    Ich erhob mich und blickte der aufgehenden Sonne entgegen. Was brauche ich um hier lebendig wieder rauszukommen? Ohne dass einer von ihnen mich erwischt? Ich muss mich wehren können. Ich blickte mich verzweifelt um und räumte einige Trümmerteile beiseite, auf der Suche nach irgendeiner brauchbaren Waffe. Ich riss mir die Finger auf, doch es machte mir nichts aus, meine Finger waren so durchgefroren, dass ich nichts mehr spürte. Ich durchwühlte die Tasche einer Leiche und fand schließlich ein kleines Taschenmesser, das ich aufklappte und mich aufrichtete. Es tat so unfassbar gut etwas zwischen den Fingern zu halten und nicht komplett wehrlos zu sein gegenüber ihnen.,, Hey, du da!“ Ich erschrak, da die tiefe Stimme unmittelbar hinter mir war. Mein Herz pochte in meiner Brust und Adrenalin schoss mir ins Blut. Ich fühlte mich, als könnte ich Bäume ausreißen.,, Gibt es ein Problem?“, fragte ich gelassen, ohne mich umzudrehen. Ich war unfassbar aufgeregt, meine Knie wurden weich und alles in mir wollte mich direkt auf den Gegner stürzen. Doch mein Verstand hielt mich zurück, da ich mir ziemlich sicher war, dass der Typ eine Schusswaffe auf mich gerichtet hatte und jeden Moment schießen könnte.,, Kannst du dich ausweisen?“ Mein Herz rutschte mir in die Hose, was sollte ich jetzt machen? Da kam mir ein Gedankenblitz.,, Dazu bin ich imstande“, antwortete ich mit einer gespielten Arroganz in der Stimme. Ich wollte meine Angst auf keinen Fall zeigen.,, Bloß, ich habe meinen Ausweis in meiner Tasche und die liegt wohl hinter mir, wenn ich recht liege“, log ich und dachte an die Tasche, in der ich das Messer gefunden hatte und die nun hinter dem Typen liegen müsste.,, Dann nimm sie doch!“, schnaubte dieser und ich hörte, wie er einige Schritte nach hinten wich. Ich hob eine Augenbraue und drehte mich langsam um. Das Messer steckte ich in die Bauchtasche meines Pullovers. Als ich mich umdrehte, suchte ich die Gegend nach der Tasche ab und fand sie schließlich dort, wo ich sie zurückgelassen hatte, zwischen den Trümmern. Ich hob sie auf und wühlte nervös darin herum. Jetzt musste ich irgendetwas Brauchbares finden. Lippenstift, Geld, Handspiegel, Handy, Nagelfeile, Nagellackentferner. Ich griff nach dem Nagellackentferner und drehte den Deckel auf.,, Wird's bald?“, drängte der Gegner. Ich presste die Lippen aufeinander und wartete ab.,, Ah, hier hab ich ihn ja“, flüsterte ich, dann wirbelte ich herum, zückte die Flasche und drückte. Die brennende Flüssigkeit spritzte in seine Augen und erst schrie schmerzerfüllt auf. Seine Waffe ließ er fallen und presste die Hände auf seine Augen. Ich ergriff die Waffe ohne zu Zögern und drückte ab. Das Schreien verstummte und mit leeren, glasigen Augen, sank der Typ zu Boden und Blut rann in seine gelb gefärbten Haare. Ich konnte es kaum fassen.

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    Es war ein bedrückendes Gefühl, dass ich jemandem das Leben genommen hatte. Aber es war auch eine gewisse Genugtuung mit dem Leben dieses Gegners f
    Es war ein bedrückendes Gefühl, dass ich jemandem das Leben genommen hatte. Aber es war auch eine gewisse Genugtuung mit dem Leben dieses Gegners für das Leben meiner Familie zu bezahlen. Jedoch bezweifelte ich, dass ich sie ganz alleine ausrotten konnte. Darüber machte ich mir im Moment keine Gedanken, zuerst musste ich mich verstecken, bevor noch mehr von ihnen kamen. Ich steckte die Waffe zu dem Taschenmesser in meine Tasche und durchsuchte die Taschen des Leichnams. Nichts, außer Kaugummi und Kippen.
    Schnell, räumte ich einige Trümmerteile beiseite und versteckte mich in einer Höhle, die mir die ehemalige Bunkerwand unseres Hauses bat. Und wie ich da so saß, die Waffe in meiner Tasche fest umklammert und wartete, dass ich hinaus konnte, musste ich über alles nachdenken. Ich wollte es verdrängen, doch in dieser Totenstille regte es meinen Kopf an.
    Das ganze Dorf hatten sie abgefackelt und jeden einzelnen Bewohner kaltblütig ermordet. Ich war zu diesem Zeitpunkt im Wald, um mich mit einem Freund zu treffen und hatte nichts von alldem mitbekommen, bis ich Schreie gehört hatte. Mein Vater hatte meine Mutter eine alte Stunde vor der Schlacht verlassen, weil er wusste, dass er sonst nicht überleben würde. So ein verf*cktes Schwein! Ich spürte wie Tränen in mir hochkamen, doch ich schluckte sie kaltblütig herunter. Als ich nun schlussendlich zurückgerannt kam, war es schon zu spät, das erste was ich sah war, wie meine Mutter, mit Tränen überströmt, am Bein eines Mannes klammerte und um Gnade gegenüber ihrer fünfjährigen Tochter flehte. Stella weinte ebenfalls, doch der Mann hielt ihr das Gewehr an den Kopf und drückte ab. Ein Schuss ertönte und ich spürte ihn, als würde er selbst durch mich hindurch dringen und ewige Narben hinterlassen Ein zweiter Schuss und das Weinen meiner kleinen Schwester verstummte bis in alle Ewigkeit. Ich konnte nichts tun. Ich hätte sie retten können, wären sie mit mir in den Wald gekommen. Ich konnte nicht weinen, nicht heulen, nicht schluchzen. Alles was ich konnte, war ihre Leichen anzustarren und mit anzusehen, wie ihr Mörder ihnen alle Wertsachen vom Körper riss und in seine Tasche steckte, dann ging er weiter, ohne mich zu bemerken, wie ich am Waldrand kauerte und dem Herzinfarkt nahe bin. Mit zitternden Schritten wagte ich mich auf die Trümmerteile und blieb unmittelbar ein paar Schritte vor meinem Albtraum stehen.

    Ich zuckte zusammen. Waren das etwa Schritte? Mit klopfendem Herzen richtete ich mich auf und zog die Waffe aus meiner Tasche. Mein Atem stockte als ich Beine durch den freien Spalt sah. Mein Herz pochte inzwischen so schnell, dass ich mir fast sicher war, dass der Typ es hören müsste. Ich richtete die Waffe auf seinen Knöchel, schloss die Augen und drückte ab. Ein Klicken ertönte. Dann wieder Stille. Ich schlug die Augen auf und drückte ein weiteres Mal ab. Wieder nur ein klicken. Warum hatte diese verdammte Waffe nur eine Kugel? Mit zitternden Fingern steckte ich die Pistole wieder ein und zückte das Taschenmesser. Ich wusste, dass ich bei einem bewaffneten Typen keine Chance hatte, also hoffte ich, dass ich unentdeckt bleiben würde. Plötzlich drehten sich seine Füße zu mir und ich kauerte mich zusammen.,, Hast du das gehört?“ Ich dachte, mein herz würde einfach nachgeben. Die Willenskraft von vorhin hatte mich verlassen. jetzt hatte ich nur noch Todesangst.,, Nein, da ist niemand mehr. Ich hab die Toten persönlich gezählt. Dreiundsechzig, das waren genug für dieses schäbige Dorf. Und jetzt komm, der Chef wartet nicht gerne“, hörte ich eine Stimme, die etwas weiter weg war und Schritte, die sich von mir entfernten. Der Typ vor dem Spalt blieb jedoch stehen.,, Und was, wenn da doch wer ist? Dann wären es vierundsechzig und einer hatte verdammt Glück gehabt. Ich bin mir sicher, da war ein Klicken und ein schnelles Atmen!“,, Wenn da jemand unter den Trümmern begraben liegt, musst du jetzt auch keine Kugel mehr verschwenden.“,, Aber was ist, wenn sich jemand unter den Trümmern versteckt? Es wäre dumm von uns, ihn zu verschonen, damit er dann schließlich sein mickriges Leben behält.“,, Du hast recht, aber vermutlich reden wir hier nicht über ihn sondern über sie.“ Ich verschluckte mich an meiner eigenen Zunge und spürte wie mein Hals trocken wurde. F*ck. Ein Knirschen ertönte, das mir Gänsehaut bereitete. Alles in mir war erstarrt, meine Knie wurden weich und ich spürte, wie meine Fingerspitzen anfingen zu zucken. Ich wusste, dass es nun vorbei war, so sehr ich auch versucht hatte, zu fliehen, waren sie unberechenbar. Dann spürte ich einen harten Griff an meinem Nacken und ich wurde brutal nach hinten gerissen, sodass mein Kopf durch die geschaffene Luke gegen einen Stein prallte. Ich sah Sterne vor meinen Augen tanzen, aber ich zwang mich, nicht in Ohnmacht zu fallen.,, Autsch“, zischte ich nur und kniff die Augen zusammen. Ich wollte mich aufrappeln, doch kaltes Metall an meiner Stirn drückte meinen Kopf ein weiteres Mal mit voller Wucht gegen den Stein. Zwei schwarze Scheiben schwebten vor meinen Augen, doch ich blinzelte so lange, bis ich wieder eine klare Sicht hatte.,, Ich muss Ihnen wohl beschwichtigen, dass sich das nicht gehört. Schon gar nicht für mich, wo ich doch schon Stunden da unten hocke“, stöhnte ich und umklammerte das Taschenmesser in meiner Bauchtasche.,, Stunden zu lange, Kleine“, fauchte jemand, den ich nach einigem Hinschauen als einen älteren Mann mit schütterem hellbraunen Haar identifizierte. Er drückte mir seine Waffe gegen die Stirn und presste mich so gegen den Boden.,, Ich finde es ziemlich ungemütlich“, entgegnete ich mit einem arroganten Hauch. Mit einem herausfordernden Blick blickte ich den Typen an.,, Jetzt bist du dran!“, brüllet er nun am Ende seiner Nerven und drehte seine Waffe auf. Ich schloss die Augen und wartete auf den Knall, doch ehe ich eine Kugel in meinem Kopf spürte, schlug jemand den Lauf von meinem Gesicht.,, Bryan warte! Ihr Gesicht erinnert mich an wen“, unterbrach der zweite seinen Freund und ich atmete dankbar aus.,, Ich bin dir was schuldig, Bro“, seufzte ich und richtete mich auf. Der zweite Typ hatte dunkelblau gefärbte Haare und stahlgraue Augen, die mich misstrauisch musterten.,, Schweig! Wie ist dein Name, Süße?“ Ich hielt meine Lippen verschlossen und grinste ihn provozierend an.

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Angst?
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Ich rannte ohne ein Ziel zu haben. Ich rannte nur um meinen Beinen diese Genugtuung zu geben, die sie von mir verlangten. Ich konnte nicht schreien, nicht weinen, nicht schluchzen. Alles was ich konnte war, meine Gefühle in mir zu verstauen. Sie würden...
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2017-11-02
40J0
Horror, Krimi

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