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Sieben Worte - Aquarium

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1 Kapitel - 924 Wörter - Erstellt von: KillerRabbit - Aktualisiert am: 2017-10-22 - Entwickelt am: - 87 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

OKTOBER

http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewerb

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    Da war sie. Da war sie und wieder in ihrem Schloss aus Glas, in ihrer verschwiegenen Nutzlosigkeit und all der Stille und all dem fernen Lärm, der si
    Da war sie. Da war sie und wieder in ihrem Schloss aus Glas, in ihrer verschwiegenen Nutzlosigkeit und all der Stille und all dem fernen Lärm, der sie langsam taub werden ließ. Das falsche Licht hatte ihr schon längst die Haut gebleicht, all die betrogenen Tage machten sie müde und manchmal, wenn sie aufwachte, hatte die Nacht ihr bereits die Sicht genommen und der Regen fiel mit einer Lautlosigkeit, die Andersartig war. Da fehlte das Summen in ihren Ohren, zwei grüne Lichter und ein rotes, das blinkte. Auf Knopfdruck würde alles anders werden. Auf Knopfdruck eine neue Welt. Auf Knopfdruck ließ sie ihren Körper zurück und badete ihre Seele in Nebensächlichkeit und erschreckend ist, dass gerade das ihre Hauptsache geworden war. Und auch in dieser Nacht stülpte sie einen lichweißen Umhang über und verschloss ihre Ohren, um mehr zu hören, um alles zu hören, die ganze Welt. Die Welt, die sich irgendwo hinter dieser Nacht verborgen hatte, hinter all den schwarzen Worten auf weißen Grund, hinter den Stimmen, die in echt doch immer etwas anders klangen. Ihre Seele war da, sie wanderte schon wieder und sie fragte sich, ob sie dieses mal, nur dieses eine mal den richtigen Weg finden würde, ohne über einen Satz zu stolpern, der doppeldeutig war. Ihre Finger wurden ihre Zunge und ihre Sprache entschwand irgendwohin um vielleicht irgendjemandes Herz irgendwann einmal hinter dem Glas zu erkennen. In dieser Welt, in der jeder ihr Gesicht kennen konnte, wenn er sich Mühe gab, da suchte sie und sie glaubte, dass man gar nicht aufmerksamer suchen könnte. Vielleicht war ihr verloren gegangen, dass auch Augen sie sehen könnten, dass die Luft durchsichtig war und viel kälter in Schwindelerregender Höhe. Das war in die Nebensächlichkeit gerückt.
    Sprechen wir von dem Mädchen das da saß, ein Mädchen, eine Seele, ob Nacht oder Tag, weil ihr Licht nie erlosch und wenn doch, dann begann sie sich krank zu fühlen. Ihre Verstand siebte Informationen, baute sie auf, tauschte sie aus, sortierte sie nach Wichtigkeit und vergaß alles wieder. Es gab Menschen in der Welt hinter der Welt, in der Realität, da sah man sie ungefiltert und irgendwie wirkten sie unecht, als hätten sie ihren Glanz an etwas anderes verschenkt und das Mädchen kannte sie nicht, wenn es sie sah, aber sie wusste doch wer sie waren, ohne ihren Namen zu brauchen. Denn sie waren Zweierlei und wir sprechen hier von vielen, so vielen, aber doch nicht allen. Die Augen des Mädchens waren ausgebrannt vom Licht und irgendwie hatte sie sich eine neue Identität geschaffen und irgendwie hatte sie wohl auch vergessen, dass diese Identität nicht ihre war, aber das war nicht schlimm, denn so konnte sie sich verwandeln und es ist doch eine gute Eigenschaft des Menschen, dass er Wandelbar ist. Da gab es ein Gesicht, dass ihr gehörte und ein Gesicht für den Spaß, für die ausgeschnittenen Szenen, für das Lachen, für das feiern und freuen an der Individualität, die da herrschte. Ein Gesicht für die Tränen, das Mitgefühl, für den Zorn und die Angst und die nächtlichen Träume, für den Spott und die starke Miene, die alles einfacher werden ließ. Ein Gesicht für die Sünde, für die Dunkelheit, für das böse und das raue Lachen, für Geheimnisse und Sehnsüchte und Unziehmlichkeit, die der Tag nicht kennen durfte. Ein Gesicht, das beteuerte das wahre zu sein, so unfälschlich und weiß, so furchtlos und ausgebrannt, schon einhundert mal durchschaut.
    Da war sie. Da war sie wieder und diesmal gab es nur das grüne Licht und ihr Finger schwebte über dem Knopf, der ihr wie gewohnt die Türen öffnen würde. Da war die Nacht und wie jedes Mal konnte sie nicht weit sehen, aber etwas war anders und das lag vielleicht daran, dass die Leere sie erschaudern ließ, dass sie vergaß, wessen Geschichte sie heute schreiben wollte, dass die Nichtigkeit … die Leere und ihre beschränkte Winzigkeit, sie zu einem Zwerg bei Vollmond machten.
    Da war sie. Ein Wunder der Welt, ein Weltwunder, die Sklavin ihres Verstandes und verraten von dem Fleisch, das an ihren Knochen faulte. Und sie fragte sich, ob sie einen Würfel für ihre Entscheidungen brauchen würde und wie sich die Welt bei Tag anhörte und alles war Zweifelhaft, weil sie es gewohnt war, anders zu handeln, diesen Knopf zu drücken, die Maske aufzusetzen, um nicht das Gesicht zu verlieren. Aber da schien etwas nach ihr zu rufen und als sie ihr Schloss verließ, als sie weit genug gegangen war, um sich umzusehen, da erkannte sie ein Aquarium hinter sich und Millionen bleicher Gesichter.
    Und da war sie. In schwindelerregender Höhe. Und sie atmete die kühle Luft des Morgens.

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1508525475
Sieben Worte - Aquarium
Sieben Worte - Aquarium
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2017-10-20
40SB
Schreibwettbewerb

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