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Kampf um eine Seele - Teil 1

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1 Kapitel - 1.626 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-10-14 - Entwickelt am: - 162 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Verschwiegen, misstrauisch, einsam. Alle drei Worte treffen auf die geheimnisvolle Frau zu, die den Zwergen, einem Hobbit und einem Zauberer mithilfe der Adler vor dem sicheren Tod rettet. Wer ist sie wirklich? Warum meidet sie jede Berührung? Und wieso scheint sie alles über die Gemeinschaft zu wissen?

1
Prolog: Aufbruch nach Osten
Unablässig prasselte der Regen gegen die Fenster und auf die gepflasterte Strasse. Im warmen Innern eines Hauses saßen zwei Gestalten vor einem Kaminfeuer. Außer dem Knistern des Feuers und den Geräuschen außerhalb des Hauses war es völlig still. Bis eine der beiden Gestalten zu sprechen begann. „Ich bitte Euch, denkt über mein Angebot nach.“ Die Männerstimme klang besorgt, beunruhigt und voller Trauer. „Ich weiß das Ihr nach wie vor trauert. Aber Ihr werdet gebraucht. Bitte, kommt mit mir nach Imladris. Mein Vater will Euch helfen.“
„Das kann er nicht Elrohir.“ Antwortete die Frau leise und starrte düster in die Flammen. „Arador war für mich so etwas wie ein Bruder. Nun ist er tot. Erschlagen von einem Höhlentroll. Und ich war nicht da um es zu verhindern. Sauron hatte damals Recht als er mich verspottete. Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst, zu nichts mehr zu gebrauchen, unfähig die zu schützen die mir am Herzen liegen.“
„Das ist nicht wahr! Als unsere Mutter nach Valinor segelte habt Ihr uns beigestanden. Ihr habt nicht zugelassen, dass uns Trauer und Schmerz zerrissen, habt Euch um uns gekümmert. Für meinen Bruder, Arwen und mich seid Ihr so etwas wie eine zweite Mutter! Ihr seid nicht alleine. Bitte kommt mit mir. Nachhause. Nach Bruchtal.“
Schöne Worte. Ja, der junge Elb glaubte, was er sagte. Das spürte sie auch ohne ihn berühren zu müssen. Sie lächelte müde und starrte in die Flammen. In ihr breitete sich eine tiefe umfassende Leere aus.
Für den Fehler, den sie in ihrer Jugend gemacht hatte, als sie noch eine menschliche Frau mit übersinnlichen Gaben gewesen war, büßte sie bitter. Trotz des Feuers fror sie. Um ihre jüngere Schwester zu schützen hatte sie eingewilligt ihren Platz als Melkors Gefangene einzunehmen. Nicht das es ihr viel gebracht hätte. Die Kleine war trotzdem vor ihren Augen getötet worden und Melkor hatte sie selbst in allererster Linie wegen ihrer Fähigkeiten begehrt. Um zu verhindern, das sie sich etwas antat und ihm wegstarb, hatte er sie verflucht.
Niemand wusste, welchen Preis sie dafür bezahlte, dass diejenigen überlebten, die ihr nach ihrer Schwester am Herzen standen. Nach und nach hatte sie alles aufgegeben was zu ihr gehörte.
Ihren Körper. Ihr Leben. Ihre Seele.
Weil Morgoth ab einen bestimmten Augenblick seine dunklen Verstecke nicht mehr verlassen konnte, hatte er sich ihren Körper zunutze gemacht, sich wie ein Parasit in ihr eingenistet und gezwungen, seine üblen Schandtaten zu begehen. Sie konnte sich nicht dagegen wehren.
Nicht mehr. Er hatte versucht die Elben, Menschen und Zwerge zu töten, die ihr nahestanden nur um an ihrer Macht zu scheitern. Mit ihrem Opfer hatte sie alle vor seinen Angriffen geschützt. Indem sie ihr Schicksal mit ihnen verflocht, verbarg sie diese Wesen vor seinen Augen.
Kaum wurde ihm ihre passive Kampfstrategie bewusst hatte er begonnen, sie zu vergewaltigen. Nicht nur er hatte widerrechtlich einen Zugriff auf ihren Körper gehabt. Seine Diener hatten es genoßen sich an ihr zu vergehen. Irgendwann hatte sie alles nicht mehr berührt.
Ebenso wenig die Folter, die man ihr angedeihen ließ.
„Sére.“ Ihr Name, denen die Elben ihr gegeben hatten, kaum das man sie gefunden und befreite, klang noch immer seltsam in ihren Ohren. Aber sie hatte ihn angenommen. Ihr alter Name brachte zu viel Schmerzen mit sich, als das sie ihn ertragen könnte. Melkor, später von Feanor Morgoth genannt, hatte bei seinem Versuch sie zu brechen Erfolg gehabt.
„Bitte verschließt Euch nicht. Sagt uns, wie wir Euch helfen können.“
Sie seufzte, stand auf, nahm ihre Maske ab und zog ihr Kopftuch zurück. Drehte sich zu dem jungen Elben um. Er rang keuchend nach Luft.
Schimmernde, dichte violettschwarze Locken umspielten ihr Gesicht. Die anderen Haarsträhnen waren zu dünnen oder dicken Flechten gebändigt und zu einem Knoten festgesteckt. Unter den langen gefiederten Wimpern musterten ihn wachsame, regungslose schwarze Augen. Er konnte die scharfe Intelligenz in ihnen ebenso erkennen wie eine ruhige Entschlossenheit. Hohe Wangenknochen, leicht goldgebräunte Haut, volle sinnliche Lippen und filigrane Gesichtszüge – Morgoth hatte darauf geachtet ihrem Gesicht keinen bleiben Schaden zuzufügen.
Ihre Verletzungen waren längst verheilt. Nur die Tödlichsten oder jene, die von einer vergifteten Waffe verursacht wurden, hatten Narben hinterlassen. Solange der Fluch nicht gebrochen wurde, konnte sie nicht sterben oder getötet werden. Ihr geschärftes Wahrnehmungsvermögen war ihr während ihrer jahrelangen Folter immer wieder zum Verhängnis geworden. Sie empfand alles viel intensiver als Menschen es eigentlich sollten. Das lag einerseits an ihren telepathisch-empathischen Fähigkeiten aber auch ihre angeborene Bereitschaft, andere zu heilen hatten sie viel zu sehr sensibilisiert. Für die Schmerzen und Gefühle anderer, wie auch für ihre eigenen. Es hatte sie immer viel Kraft gekostet bei klarem Verstand zu bleiben, da die Gefühle und Gedanken der Menschen um sie herum ununterbrochen auf sie einstürmten. Flucht an entlegene, verlassene und unwirtliche Orte waren für sie die einzige Möglichkeit gewesen, nicht wahnsinnig zu werden.
Mit den Jahren hatte sie gelernt sich geistig abzuschotten und die Informationen, die sie unfreiwillig erhielt zu filtern.
Niemand hatte gewusst, wie viele Qualen ihr Körperkontakt mit anderen über Jahre hinweg bereitete. Es war eines ihrer am besten gehüteten Geheimnisse. Wenn es nach ihr ging, würde niemals jemand erfahren, wie ihre Vergangenheit wirklich aussah und wie gebrochen sie aus der Gefangenschaft in die scheinbare Freiheit gekommen war.
Niemals würde sie wirklich frei sein, das wusste sie.
Ihr Körper war nicht stark genug um Morgoth ernsthaften Widerstand zu leisten, sollte er Anstalten machen, erneut von ihr Besitz zu ergreifen.
Für Elrond und seine Familie, für alle in ihrer Nähe stellte sie eine Gefahr dar, solange der Fluch nicht gebrochen war.
So sehr sie sich in ihrem Herzen auch nach Liebe, Familie und Geborgenheit sehnte durfte sie es nicht riskieren auch nur ein Wesen in ihr Leben oder ihr Herz zu lassen. Es gab nichts mehr, was sie bieten konnte. Sie war ein Wrack, ein Krüppel.
Für sie gab es längst keine Rettung mehr, dass hatte sie in eine der Nächte, in der Morgoth sie einmal mehr folterte, akzeptiert.
„Es tut mir Leid Elrohir.“ In ihrer Stimme klang eine Endgültigkeit mit, die ihm Angst einjagte. „Aber ich kann dich nicht nach Bruchtal begleiten.“
„Arathorn ist völlig verzweifelt! Er und Gilraen brauchen Euch auch.“
„Du irrst dich. Sie werden sich erholen. Arathorn wird von Gilraen und ihrem gemeinsamen Sohn gebraucht. Er wird keinen Selbstmord begehen. Ihm steht ein anderes Schicksal bevor.“
Er starrte in ihr schönes Gesicht, das erschreckend kalt wirkte.
Nicht einmal ihre Augen schienen nun mehr Wärme zu haben, sondern wirkten leblos und leer. War es das, was die Trauer um den alten Freund ihr antat? Allein diese Vorstellung erschreckte ihn.
„Was habt Ihr nun vor? Wohin werdet Ihr gehen?“
„Fort.“ Sie blinzelte und wandte den Blick ab. „Wer weiß schon, wohin das Schicksal die Schritte der Einzelnen lenkt? Sollte ich sterben werdet ihr es erfahren. Zerbrecht euch bitte nicht den Kopf wohin ich gehe oder sucht nach mir. Es ist für uns alle besser, wenn ich für eine Weile verschwinde.“
Langsam ging sie zum Fenster und starrte ohne etwas wahrzunehmen in die Nacht. Sie konnte nicht länger an diesem Ort bleiben.
Etwas zog sie in den Osten. Was es war konnte sie nicht bestimmen. Aber sie wusste, das jeder geistige Widerstand schreckliche Qualen bedeutete.
„Werdet Ihr zurückkommen?“ In der Stimme des Elben klang eine Angst, die jeden anderen vielleicht beunruhigt hätte. Aber für sie war es längst vorbei. Sie hatte mit dem Leben abgeschlossen. Was ihr nach den Jahren der Gefangenschaft geblieben hatte war eine schattenhafte Existenz.
Nichts lebenswertes. Kein Lachen. Keine Liebe.
Nur noch Leere, Resignation und innere Kälte.
„Ich weiß es nicht. Vielleicht, vielleicht auch nicht.“
Der Kampf um Mittelerde war noch lange nicht gewonnen. Sie spürte das im Verborgenen das Böse erneut erstarkte, sich sammelte und lauerte.
Es würde zuschlagen und sie hätte keine andere Wahl als erneut zuzulassen, das Morgoth in ihrem Innern die Kontrolle an sich riss.
Für sie gab es kein Entkommen.
Um den Willen der Elben und Menschen hoffte sie, das sie sich irrte. Nur kam das immer seltener vor. Schweigend wandte sie sich vom Fenster ab, ergriff ihre Maske und ihren Kapuzenumhang. Nach einem letzten Nicken zu Elrohir verschwand sie.
Mit der Absicht ihren Weg niemals wieder mit dem seines Geschlechts zu verbinden. Nur hatte sie das Schicksal zu jenem Zeitpunkt unterschätzt.

Kommentare (2)

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Sarah Laureen (66313)
vor 32 Tagen
Der Schatten im Osten erhebt sich und Sére sieht jemanden wieder, den sie hasst... nur so viel als Vorgeschmack 😉
Sternenschreiber (61489)
vor 33 Tagen
Interessante Geschichte. Toll das sie in Hobbit spielt. Bin schon gespannt was genau sie nach Osten zieht und was passieren wird!