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Seaboy

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7 Kapitel - 8.564 Wörter - Erstellt von: The Master of Time and Relative Dimensions - Aktualisiert am: 2017-10-08 - Entwickelt am: - 67 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Hallo, mein Name ist Yuki Ito, ich bin inzwischen 19 Jahre alt und es ist ein Wunder, dass ich jetzt hier sitze und euch meine Geschichte aufschreibe. Ich bin nämlich seit meinem 6. Lebensjahr blind und querschnittsgelähmt. Zumindest die Hälfte der Zeit, die andere verbringe ich unter Wasser mit denen, die ich durch die Gewässer werde führen müssen, wenn die Zeit reif ist.

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    Geboren wurde ich am 26. September 1998 in einem Tokioter Kreiskrankenhaus. Es war ein regnerischer Tag und glücklicherweise war der Arzt, der meinen Eltern bei der Entbindung beistand ein Angehöriger unseres Meermenschenschwarms, er half ihnen zu verbergen, dass ich mit roten Familienmalen und einer weißen Fischflosse auf die Welt kam. Ich bin ihm sehr dankbar, ohne ihn wäre ich wohl in einer Forschungseinrichtung gelandet und wir wissen alle, wie schrecklich es dort ist. Aber so wuchs ich glücklich mit meinen Eltern auf. Da mein Vater ein Meermann war und meine Mutter ein normaler Mensch, lebte ich unter der Woche wie normale Kinder, aber am Wochenende fuhr Vater immer mit mir ans Meer und besuchte unseren Schwarm. Da mein Großvater der Älteste ist, werde ich irgendwann die anderen führen und schützen müssen, weshalb ich sie alle kennengelernt habe. Ich musste sowohl die Meer- als auch die Landmenschen kennen und einschätzen lernen, sonst würden wir keine noch so kleine Chance haben, egal wie sehr wir es versuchen sollten. Doch trotz dieser Pflichten wuchs ich glücklich und wohlbehütet auf.
    Bis zu diesem verhängnisvollen Februartag im Jahr nach meinem sechsten Geburtstag. Bis zum 24. Februar war mein Leben perfekt, Freunde, Spiel und Spaß, mehr wünschte ich mir nicht und mehr sollte sich ein Erstklässler auch nicht wünschen müssen. Doch an diesem verhängnisvollen Montag verlor ich die fünf wichtigsten Dinge meines Kinderlebens:
    Meine Eltern, meine Freunde, mein Augenlicht, meine Eigenständigkeit und meinen ständigen Kontakt zum Wasser.

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    Viele behaupten, ich sähe meinem Vater sehr ähnlich, was ja auch stimmt. Vor allem als ich jünger war, war ich ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Dieselbe weiße Haarfarbe, die gleiche Frisur, die selben Gesichtszüge, dieselbe niedliche Falte beim Nachdenken, wie Mutter immer sagte. Alles, was uns unterschied, waren Größe, seine Brille mit den ovalen Gläsern und das Alter. Ich trug sogar oft die gleiche Kleidung und behauptete, er sei mein Vazwi – die Abkürzung für Vaterzwilling, die ich aus einem Gespräch in der Schule aufgeschnappt hatte. Zwei der älteren Kinder hatten über ein Buch geredet, in dem es um Klone ging. Inzwischen habe ich das Buch auch gelesen - es heißt Blueprint - und ich muss zugeben, der Vergleich war ziemlich unpassend, die Situation zwischen meinem Vater und mir war völlig anders. In meinem kindlichen Übermut hatte ich das allerdings überall herumerzählen müssen und wurde noch heute scherzhaft von allen anderen damit aufgezogen.
    Auch wenn ich Vater früher so ähnlich sah, heute haben sich doch auch Elemente meiner Mutter durchgesetzt. Meine Haare sind im Laufe der Jahre ein paar Nuancen dunkler geworden, ihr früheres schneeweiß ist heute eher ein undefinierbares helles graubraun. Meine Haare sind dünn und fetten schnell, weshalb ich sie mindestens zweimal die Woche wasche. Es ist echt unangenehm, wie Severus Snape herumzulaufen. Sie fallen mir eng am Hals bis auf die Schultern, ich lasse sie am Anfang des Frühlings und am Anfang des Sommers kinnlang schneiden. Ein paar zerzauste Strähne fallen mir ins Gesicht und verdecken so meine hellbraunen Augen, die seit dem Unfall völlig vernarbt sind und jeden, der mich zum ersten Mal sieht, erschrecken. Dafür, dass ich mein Leben im Rollstuhl fristen muss, bin ich erstaunlich muskulös, vor allem an den Unterarmen und Handgelenken. Natürlich bin ich kein Chuck Norris, aber gänzlich unansehnlich bin ich auch nicht.
    Das ist zwar eine wirklich schmeichelhafte Beschreibung von mir, aber leider weiß ich nicht, wie viel davon tatsächlich ist, aber ich vertraue Nik, dass er nahe an der Wahrheit geblieben ist. Schließlich kennen wir uns jetzt schon mehrere Jahre. Also geht einfach davon aus, dass das so stimmt oder behauptet, Nik hätte gnadenlos übertrieben. Aber ich kann es euch nicht sagen, ich weiß nicht, wie ich - vor allem im Vergleich zu anderen - aussehen und wirken muss.

    Es war Montag, die Sonne schien und wir waren gerade auf dem Weg zur Schule. Beziehungsweise meine Eltern wollten mich zu Fuß zur Schule bringen und danach noch einen Spaziergang durch den Park machen – sie mussten erst um neun bei der Arbeit sein.
    Wenn ich die Augen schließe und mich nicht auf etwas konzentriere, sehe ich immer noch alles so vor mir, als ob es gerade geschehen würde. Meine Erinnerung, die bei allem anderen so nachlässig war, schien mich nicht vergessen lassen zu wollen, mich bis in alle Ewigkeit quälen zu wollen. Die Psychologen meinten, dass das niemals ganz weggehen würde, dass es immer wieder unter der Oberfläche hervorbrechen würde, dass es Zeiten geben würde, in denen es mir besser ging und Zeiten, in denen mir die Erinnerungen auflauerten, mich alles an diesen Tag erinnern würde. Sie konnten nichts dagegen tun – es gehört zu meinem Leben, ist untrennbar mit mir verbunden. Ich kann nicht aufhören mich zu erinnern, genauso wie ich nicht aufhören kann, zu atmen. Ich habe keine Kontrolle darüber.

    Ein Montag Ende Februar, der 24. Februar 2005, um genau zu sein. Ein Montag, der alles zerstörte, der die Welt, die Kristallkugel, die lustige Kristallkugel mit den kinderfreundlichen und bunten Stickern, durch die ich die Welt bisher gesehen hatte, zersplittern ließ. Ein Autofahrer, der es zu eilig hatte und nicht nur mich, sondern auch all meine Träume und Wünsche über den Haufen fuhr. Ein unbedachter Augenblick, der der Sonne ihr Licht, ihre beruhigende Wärme stahl und mich allein zurückließ mit einer Welt, die zersprungen und unsichtbar zu meinen Füßen lagen, Träumen und Wünschen, die mich in ihren Luftballons weit entfernt am Horizont verhöhnten und über meine Naivität lachten. Wie hatte ich nur jemals glauben können, dass alles gut werden würde und ich keine Probleme mehr haben würde, wenn ich erwachsen war? Warum hatte jemand meinen Traum vom Leben zerstören müssen?

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    Es war ein wirklich toller Morgen, die Sonne schien und es hatte zum ersten Mal mehr als 10°C. Man merkte, dass der Frühling kam und ich hatte meine Eltern überreden können, meine Jacke ausziehen zu dürfen, sodass sie jetzt zusammengerollt in meinem Rucksack mit den aufgenähten Fischen lag und ich über meinem Unterhemd nur noch einen meerblauen Kapuzenpullover trug. Meerblau ist meine Lieblingsfarbe, ganz eindeutig. Aber... kann man den überhaupt eine Lieblingsfarbe haben, wenn man sie nicht sehen kann? Ich lenke schon wieder ab, zurück zum 24. Februar.
    Fröhlich erzählte ich meinen Eltern von der Serie, die ich mir am vorigen Abend angesehen hatte. Dabei balancierte ich wild gestikulierend auf der Bordsteinkante. Meine Eltern hörten mir lächelnd zu und hatten die Arme umeinander gelegt, Mutters Wange ruhte an Vaters Schulter. Ich achtete nicht wirklich darauf, wo ich lang lief und rutschte plötzlich mit meinem Fuß ab, sodass ich stolperte und von der Kante zu Rutschen drohte. Erschrocken schrie ich auf und ruderte hilflos mit den Armen, auf einmal hatte ich schreckliche Angst vor dem Asphalt und den Autos, denen ich sonst oft aufgeregt zuwinkte. Der Boden kam näher, aber plötzlich drückte etwas gegen meinen Hals, ich bekam keine Luft mehr und wurde noch panischer. „Mama!“, krächzte ich, während mich etwas an meiner Kapuze zurück auf den Bürgersteig hob. Die tiefe Stimme meines Vaters ermahnte mich: „Du sollst doch besser aufpassen, Yuki.“ Erleichtert drehte ich mich zu meinen Eltern um und fiel Mutter um den Hals. Alles war gut, ich stand wieder auf beiden Beinen.
    Plötzlich wurden meine Knie weich und ich begann zu zittern. Ich war gerade fast auf die Straße gefallen. Trotz meiner kindlichen Unschuld konnte ich nicht glauben, dass das gut hätte gehen können. „Sht!“, meine Mutter strich mir zärtlich über den Rücken, um mich zu beruhigen. Wenn ich mich heute an ihre Stimme erinnern will, will mir einfach nicht einfallen, wie sie klang. Ich hatte unzählige Stunden damit verbracht, darüber nachzugrübeln, wie sie wohl geklungen haben musste. Für mein kleines, naives Kinderhirn klang sie wie ein Engel.
    Dann schob sie mich wieder von sich und strich mir die Haare aus der Stirn. „Willst du nicht schon mal den Knopf an der Ampel drücken?“, schlug sie mir vor. „Dann müssen wir nicht so lange warten.“ Gott, wie ich sie vermisste. Ich vermisste es, dass sie mir durch die Haare strich und wie sie mir half, Peinlichkeiten zu überspielen. Egal, was ihr behaupten wollt, für mich wird meine Mutter immer die großartigste der ganzen Welt sein. Sie war ein Engel in menschlicher Gestalt, der kam um uns zu erleuchten, aber vom menschlichem Egoismus vernichtet wurde.
    An der Ampel angekommen drückte ich mehrmals rhythmisch auf den Schalter: Insgesamt viermal viermal kurz gedrückt, nach jedem vierten Drücken ließ ich eine Pause. So verging die Zeit bis Mutter und Vater bei mir waren schneller und ich langweilte mich nicht. Gebannt starrte ich auf die Lackierung der Autos, während die Ampel langsam von Grün zu gelb schaltete. Rot – Rot – Schwarz – Grau – Weiß – Blau. Vater und Mutter nahmen mich beide an die Hand. Straßen waren schließlich gefährlich, dachte ich mir. Außerdem liebte ich es, wenn sie so fürsorglich waren, auch wenn ich das niemals zugegeben hätte.
    Als die Ampel endlich grün wurde, liefen wir auf die Straße, nicht zu schnell, aber auch nicht zu langsam. Zügig wie man sollte. Plötzlich heulte links von uns ein Motor auf, ich riss den Kopf herum und starrte fassungslos auf den schwarzen Jeep, der sich uns von der Seite schnell näherte und statt zu bremsen, sogar noch schneller zu werden schien. Vater rannte los und zog Mutter und mich mit sich. Aber das Auto war doch viel zu schnell! Nacht nicht einmal zwei Metern war es schon bei uns. So schnell, Mutter schlang schützend die Arme um mich und Vater zog stärker an uns, aber die Straßen war doch viel zu weit weg! Ich klammerte mich an Mutters Arm, wusste genau wie Vater und sie, dass wir nicht ausweichen konnten, das uns das Auto treffen würde.
    Ich schloss die Augen, wollte einfach nur noch aufwachen aus diesem Alptraum, doch aus der Realität kann dich kein Wecker reißen. Pancakes, wir wollten Pancakes zu Mittag essen, schoss es mir durch den Kopf und dann kam der unbarmherzige Aufprall. Ein scharfer Schmerz zuckte durch meinen Unterleib, ich wurde gegen Mutter gepresst -oder sie gegen mich?-, etwas warmes rann über mein Gesicht, etwas scharfkantiges drückte gegen meine Augen und ein gnadenloser roter Schmerz bohrte sich in meinen Kopf. Dann schlug mein Kopf auf den Boden und ich versank in wohltuender, endloser Schwärze.
    Meine Eltern starben noch am Unfallort. Innerhalb weniger Minuten, nachdem das Auto uns über den Haufen gefahren hatte. Ich kenne inzwischen noch einige grausige Details zum näheren Hergang, auf die ich aber nicht weiter eingehen will, da mir das ganze sowieso schon schwer genug fällt.
    Man sagte mir später immer, dass ich großes Glück gehabt hatte, überhaupt noch zu leben, aber ich verstand nicht, was für ein Glück das sein sollte. Ich hatte nichts, war hilflos und abhängig, da konnte ich auch gleich sterben!

    Als herauskam, dass bei dem Unfall, den er verursacht hatte, zwei Menschen gestorben waren und ein Kind schwer verletzt wurde, stellte sich der Fahrer. Er war zu schnell gefahren, weil er unbedingt der erste seiner Freunde sein wollte, der irgendeine technische Spielerei besaß und hatte sich vom Alkohol dazu verleiten lassen, zu schnell zu fahren, ohne darauf zu achten, ob jemand über die Straße ging. Als Grund für seine Fahrerflucht nannte er seine Angst, dass er bestraft werden würde. Wie ich ihn hasste, dieses miese egoistische Schwein. Der Richter entschied sich für die höchstmögliche Strafe, doch all die Jahre, die er hinter Gitter verbringen musste, geben mir nicht ansatzweise zurück, was ich durch seinen fahrlässigen Fahrstil verloren hatte. Kein Gefängnis der Welt konnte die Toten lebendig werden lassen, die Narben an meinen Augen verschwinden lassen oder die Nerven, die nun getrennt in meinem Rückenmark vegetierten, wieder zusammenfügen.

    Kein Gefängnis der Welt konnte ihn so leiden lassen, wie ich litt.

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    Ich wachte erst nach 3 Tagen wieder auf, lag quasi kurzzeitig im Koma. Von mir aus hätte ich auch gar nicht aufwachen zu brauchen.
    Es dauerte ein paar Momente, bis ich realisierte, dass ich überhaupt wach war, das schwache Piepsen im Hintergrund verriet es mir, aber meine Augen.... Sie waren zwar ganz sicher offen, aber... alles, was ich wahrnahm war endlose Schwärze. Ich versuchte die Hand zu heben, allerdings war ich zu schwach und es reichte für kaum mehr als ein zaghaftes Zucken. Panik stieg in mir auf und vernebelte mein Denken. Wo war ich hier? Warum Konnte ich nichts sehen? Wo waren meine Beine? Oh Gott, ich konnte meine Beine nicht fühlen. Tränen schossen mir in die Augen, was war das nur für ein Alptraum?
    Vorsichtig versuchte und langsam versuchte ich erneut, meine Hand zu bewegen. Diesmal gelang es mir, ich war vorsichtig genug. Dennoch dauerte es eine Ewigkeit bis ich gegen etwas stieß. Stoff, langsam schloss ich die Hand um ihn. Was war das? Es fühlte sich ein wenig rau an und war scheinbar dicker. Ich dachte nach, mein Kopf lief auf Hochtouren. Ich schmiegte mich an die Wärme des Stoffes, der auf meinem Oberkörper lag, meine Arme lagen auf ihm. Ein paar Tränen liefen mir über die Wangen, aber die Wärme beruhigte mich. Ein Ort, an dem es so schön warm war, konnte nicht böse sein. Ich ließ meine Lider herabsinken und konzentrierte mich ganz aufs Fühlen. Ich lag auf etwas weichem, aber auch festem. Ich weiß nicht, auf mir lag etwas angenehm warmes aus Stoff. Als es Klick machte, hätte ich mich am liebsten geohrfeigt. Es war so einfach! Ich lag in einem Bett!
    Aber jetzt stellte sich die Frage, wie ich hier hingekommen war. Gerade war ich doch noch an dieser Kreuzung gewesen. Zusammen mit Mutter und Vater war ich über die Straße gegangen und dann... Oh mein Gott, dann war das Auto gekommen und... Schmerzen und Schwärze. Diesmal konnte ich die Tränen nicht zurückhalten, wo waren meine Eltern? Meine engelsgleiche blonde Anwaltsmutter mit den lustigen weißen Anzugkleidern, warum war sie nicht hier und sagte mir, was los war? Wo war mein Vazwi? Mein Anwalts-Vater, dem ich so ähnlich war? Warum kamen sie nicht her und beruhigten mich? Warum trösteten sie mich nicht? Leises Wimmern füllte den Raum. Es dauerte kurz, bis ich verstand, dass ich diese Klagelaute von mir gab. Warum kam niemand und half mir?
    Nach ein paar Minuten, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, hörte ich wie sich die Tür öffnete und wieder schloss. Jemand hatte den Raum betreten und kam jetzt auf mein Bett zu. Als die Person mein Schluchzen bemerkte, beschleunigten sich ihre Schritte. Neben mir senkte sich die Matratze und etwas schweres ließ sich darauf nieder. „Hey Kleiner, nicht weinen. Alles ist gut“, ihre Stimme, den es war eindeutige eine Frau, hatte einen tiefen, aber angenehmen Klang, der mich instinktiv beruhigte. Sie erinnerte mich an meinen Vater und ich musste nur noch stärker weinen, der Fluss war einfach nicht zu stoppen und bald lief mir eine undefinierbare Mischung aus Nasenschleim und Tränen übers Gesicht. Aber es war mir egal, wo blieben meine Eltern. Die Frau strich mir über die Haare, bis mir die Tränen ausgingen. Ihre Hände waren groß und stark. Ich weinte und schluchzte, bis meine Tränen versiegten und meine Augen rot angeschwollen waren. Ich spürte, dass es nicht gut sein konnte, dass meine Eltern noch nicht gekommen waren. Wo waren sie nur?
    Die Frau wischte mir mit einem Tuch sanft das Gesicht ab: „Du heißt Yuki, oder?“ Ich nickte schwach, das Weinen hatte mich erschöpft, völlig ausgelaugt. Außerdem schmerzten meine Augen. „Ich heiße Ai, ich bin Krankenschwester im Aiiku Krankenhaus“, stellte sie sich vor. Ich versuchte zu sprechen, bekam aber kaum mehr als ein heiseres Krächzen heraus: „W-wa-warum... bin ich.... im... K-Kran..Kranken...haus?“, die Worte fielen mir schwer, meine Zunge schien Tonnen zu wiegen. Sie zerzauste mir die Haare, bevor sie mit leiser Stimme zu sprechen begann: „Erinnerst du dich an das, was an der Kreuzung passiert ist?“ Matt nickte ich, worauf wollte sie hinaus? „Das war vor drei Tagen“ Wahnsinn! Ich hatte ganze drei Tage am Stück geschlafen! Meine Freunde würden Augen machen. „Das Auto hat euch frontal erwischt“ Frontal, was für ein lustiges Wort! „Es hat euch umgefahren, du hast dir den Kopf gestoßen und wurdest ohnmächtig“ Schmerzen und Schwärze.
    „Bei dem Unfall wurden deine Beine und Augen schwer verletzt, du wirst wahrscheinlich nie wieder sehen oder laufen können. Außerdem“, sie schluckte, es war ihr eindeutig unangenehm, diejenige zu sein, die mir diese schrecklichen Nachrichten mitteilen musste „sind deine Eltern noch am Unfallort gestorben.“

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    Ich war nicht auf ihrer Beerdigung. Sie fand ziemlich genau zwei Wochen nach dem Unfall statt. Zu der Zeit lag ich den größten Teil des Tages im Bett und versuchte zu verstehen, warum das alles hatte passieren müssen. Ich kam nicht weit mit der Frage, ich scheiterte meist schon an dem Gedanken daran, dass meine Eltern tot sein sollten. Mein Verstand begriff nicht, dass sie weg sein sollte, dass ich sie nie wieder sehen konnte. Ich wollte den Gedanken, allein sein zu müssen, einfach nicht akzeptieren. Das Ganze wurde nicht unbedingt leichter, als keiner meiner Freunde zu Besuch kam. Ich weiß nicht, warum sie mich im Stich ließen. Ich hab sie nicht ausreden lassen, als sie sich erklären wollten, ich habe sie gehasst und seit Jahren nicht mehr gesehen.
    Am Tag, nachdem ich aufgewacht war, wurde ich von der Intensivstation verlegt. Ich weiß nicht mehr, wohin ich kam, aber bei mir im Zimmer lag ein älterer Mann. Sein Name war Tegusa, eigentlich arbeitete er als Butler. Allerdings hatte er sich bei einem Sturz von der Treppe seinen Arm gebrochen und jetzt musste er noch ein paar Tagen hier bleiben, bevor er wieder zur Arbeit konnte. Jeden Tag kam seine Frau Malbyne um Punkt 3 Uhr vorbei und brachte Kuchen zum Essen mit – zugegeben und bestätigt den besten Kuchen der Welt. Die beiden waren sehr freundlich und halfen mir sehr durch diese ersten zwei Wochen. Tegusa brachte mich mit seinen Anekdoten über die Familie, zu deren Dienerschaft die beiden gehörten, sogar ab und zu zum Lachen. Auch wenn ich nachts schlecht schlief und weinend aufwachte, er störte sich nicht daran und redete beruhigend auf mich ein. Ich glaube, das beste was mir hätte passieren können, waren er und seine Frau.
    Leider wurde Tegusa schon nach einer Woche wieder entlassen und ich war den größten Teil des Tages für mich mit meinen Gedanken allein. Ich konnte nicht lesen, ich konnte nicht mal fernsehen und Radios gingen auch nicht, falls irgendwelche Unfälle in den Nachrichten waren, hätte ich sofort wieder heulen müssen. Auch meine Familie kam nicht zu Besuch, da meine Großmutter, die wie meine Mutter ein Mensch war, schon vor langer Zeit gestorben war und die anderen, die reine Meermenschen-Gene besaßen das Wasser nicht verlassen konnten, ohne sofort in Labore gesperrt zu werden, wo sie von da an ein tristes und grausames Schicksal zu fristen hätten. Auch die Eltern meiner Mutter waren schon gestorben, bevor ich überhaupt geboren wurde, also auch kein menschlicher Besuch. Trotz der täglichen Besuche von Tegusa und Malbyne begann ich zu verzweifeln. Was sollte ich tun, jetzt wo ich nicht mehr sah? Wo ich nicht mehr Fußball spielen kannte? Was sollte ich tun, wo mich meine Freunde doch im Stich gelassen hatten? Ich wurde immer ruhiger und weinte immer weniger, wieso sollte ich auch. Es störte ja niemanden mehr, dass es mir schlecht ging. Es wurde ein Spiel, ich wollte herausfinden, wie schlecht es mir gehen musste, damit eine der Schwestern oder Tegusa und Malbyne etwas merkten.

    Zum Glück wurde dieses Spiel zwei Tage nach der Beerdigung abrupt unterbrochen:
    Ich lag mal wieder Trübsal blasend im Bett, als Ai ins Zimmer kam. Die Krankenschwester von der Intensivstation, die sich um mich gekümmert hat, als ich aufgewacht bin. Sie kam ab und zu am Ende ihrer Schicht bei mir vorbei. „Hallo Yuki“, ich hörte an ihrer Stimme, dass sie lächelte. „Wie geht’s dir heute?“ „Ganz okay“, murmelte ich und wandte mein Gesicht in ihre Richtung. „Wie geht es dir?“ Sie schien sich zu freuen: „Mir geht es auch gut. Ich geh gleich heim, oh... tut mir Leid, Süßer.“ Ich hörte, wie sie das Zimmer noch einmal verließ. Auf ihre Aussage reagierte ich nicht, ich wusste, dass sie es nicht böse gemeint hatte. „Heute ist ein großer Tag!“, erklärte sie fröhlich und rollte etwas neben mein Bett. Das war bestimmt wieder der Rollstuhl, in den man mich schon zum Kuchen Essen gesetzt hatte. Vorsichtig hob ich die Hände und tastete nach diesem Dreieck, an dem man sich hochziehen konnte. Ich wollte mir nicht schon wider den Kopf stoßen, ich hatte vom letzten Mal noch eine Beule. „Heute kommt der Leiter des Waisenheims, in dem du ab nächster Woche leben wirst. Er möchte mit dir ein paar Dinge besprechen und dir vier der anderen vorstellen“, erklärte sie mir freudig. Erschrocken klammerte ich mich an das Dreieck. Ich hatte noch gar nicht darüber nachgedacht, wo ich jetzt leben würde, wo ich doch keine Eltern mehr hatte. Natürlich, ein Waisenheim war die logischste Lösung, aber lebten da nicht nur gefährliche und gewalttätige Kinder? War es dort nicht gefährlich und waren sie nicht alle verflucht?
    Ai nahm mich unter den Achseln hoch und hob mich vom Bett in den Rollstuhl, ich stemmte mich noch einmal mit den Armen hoch, um eine bequeme Position einzunehmen. Ich musste hier ja jetzt schließlich länger sitzen.
    „Yuki? Ist irgendwas?“, besorgt legte sie mir eine Hand auf die Wange. Am Knittern des Stoffes ihrer Hose hörte ich, wie sie in die Hocke ging. Ich war inzwischen wirklich gut im Hören geworden, sogar verschiedene Personen konnte ich schon anhand ihrer Schritte erkennen! Der Stationsarzt hatte einen sehr energischen und schnellen Gang, er trat etwas fester auf und seine Turnschuhe quietschten immer auf dem Boden. Ai hatte einen sehr weichen leisen Gang, trotz der unkomfortablen Crocs, die sie trug, hörte ich sie nie auf dem Gang. Tegusa lief langsam, außerdem wurde jeder zweite seiner Schritte von einem hölzernen „Klack“ begleitet, er benutzte einen Gehstock.
    Ich seufzte, Ai hatte gesagt, ich konnte ihr alles sagen. Ich vertraute ihr, sie würde mich sicher verstehen. „Ich will nicht ins Heim!“, platzte ich heraus. „Da sind doch alle dumm und fies!“ Ai lachte, fiel sie mir etwa in den Rücken? Sanft strich sie mir die Haare aus der Stirn: „Lerne sie doch erst mal kennen, bevor du sie so beschimpfst. Vorurteile sind eine schlimme Sache!“ „Aber!...“ „Shhhh...“, sie legte mir kurz einen Finger auf den Mund, um mich zum Schweigen zu bringen. Ich seufzte, protestieren half nichts. „Na gut, aber wenn sie auch nur ein böses Wort sagen, dann bleib ich hier!“, stur verschränkte ich die Arme vor der Brust. Wenn ich schon nicht zu meinen Eltern konnte, dann nur zu netten Leuten! „Danke, Yuki. Glaub mir, es wird dir dort gefallen, mein kleiner Seaboy...“, sie strich mir die Haare aus der Stirn und schmatzte mir einen Kuss auf die Haut. Stopp! Seaboy? Woher wusste sie, dass ich? „Bist du auch?“, die Frage blieb mir im Hals stecken. Was wenn sie jemand war, der Tests mit mir machen wollte? „Nein, ich bin ein Mensch. Aber ich werde dir auch nicht wehtun“, anscheinend hatte man mir meine Angst aus dem Gesicht lesen können. Wie schaffte Ai es nur, dass ich mich ihr so öffnete? Keinen Trübsal blies? „Ich war auch in diesem Waisenhaus, Yuki“, sie nahm meine Hand. „Es ist speziell für Wesen, allerdings sind auch ein paar Menschen dort. Der Leiter ist ein sehr freundlicher alter Mann aus Europa.“ Europa? Konnte man das essen? „Sag nicht, du hast noch nie von Europa gehört!“, ihr Lachen ließ mir die Hitze ins Gesicht steigen und ich fühlte mich wieder so wie damals, als wir in der Schule über Drachen geredet hatten und ich keinen von ihrer Existenz überzeugen konnte. Ich war ein kleines und dummes Kind. Beschämt senkte ich den Kopf. „He“, sie drückte mein Kinn nach oben und sah mir in die Augen. Ich konnte es zwar nicht sehen, aber auch Mutter hatte das immer so gemacht. Oh Gott, nicht weinen, nicht jetzt. „Weißt du was, ich geh mich jetzt schnell abmelden und dann warte ich mit dir auf Amandus und die Kinder. Dann erzähl ich dir von Europa. Und Yuki, es ist nicht schlimm, wenn du etwas nicht weißt. Jeder weiß irgendetwas nicht und ich bin mir sicher, dass auch du einiges weißt, was mir völlig neu wäre.“ Ai hatte es geschafft, ich lächelte. Wie machte sie das nur immer? In ihrer Gegenwart waren meine Gedanken heller und ich konnte zumindest für kurze Zeit akzeptieren, was mit meinen Eltern und mir passiert war.
    „Na gut. Aber nur wenn du mir auch erklärst, was Vorurteile sind.“

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    Ai erklärte mir so einiges, während wir zusammen auf den Leiter des Heims und die Kinder warteten. Als es dann an der Tür klopfte, war ich doch so um einiges schlauer. Nun wusste ich, was Europa und Vorurteile waren, dass es Bücher und sogar speziell eine Schrift für Blinde wie mich gab und dass ich so nicht aufs Lesen verzichten musste. Leider gab es aber keine Möglichkeit für mich, weiter Fußball zu spielen. Da ich diese Nachricht ziemlich entmutigt aufnahm, schlug sie mir vor, mich doch mal an der Musik zu probieren und so sangen wir die nächste halbe Stunde, bis es endlich an der Tür klopfte und Ai aufstand, um zu öffnen.
    „na, ihr? Wie geht es euch? Was macht das Baumhaus?“, begrüßte Ai jemanden, offenbar mehrere Kinder. Nervös richtete ich mich auf, hoffentlich waren sie wirklich so nett, wie Ai behauptet hatte. Manchmal ein bisschen ungestüm, aber sehr nett, hatte sie gemeint. „Dyl will gar nicht mehr mit uns hoch!“, quengelte eine recht hohe Jungenstimme. „Aber allein dürfen wir nicht!“ „Das ist ja ärgerlich“, man konnte förmlich hören, wie Ai schmunzelte. „Geht ihr schon einmal zu Yuki, Jungs. Amandus und ich kommen gleich nach. Hallo Dad“, mit diesen letzten Worten musste sie sich wohl an diesen Amandus gewandt haben. Eigentlich wollte ich dem Gespräch der Erwachsenen lauschen, kam aber nicht mehr dazu, als sich etwas kleines gegen mich warf. Überrascht sog ich die Luft ein. Einer der Jungen war wohl auf den Rollstuhl gesprungen und presste seine flauschigen Locken jetzt gegen meinen Hals. „Ni-i-i-i-ik!“, beschwerte sich eine noch jüngere Stimme. Oh Gott, war ich hier in der Kindergrippe gelandet? „Will auch hoch!“, meinte der Kleine und boxte den anderen. So hörte es sich jedenfalls an. Irgendwas traf auf Stoff, irgendwas festes – eine Kinderfaust zum Beispiel. Ich griff nach den Armen des Jungen auf meinem Schoß, die er um mich geschlungen hatte, und löste sie mit sanfter Gewalt: „Niemand turnt auf mir herum!“ Etwas grob schubste ich den Jungen von mir herunter, ich wollte nichts mit diesen Waisen zu tun haben!
    „Au“, kam es kleinlaut von dem Jungen, der mit einem dumpfen Geräusch zu Boden stürzte. „'e!“, ein anderer Junge mit eindeutig französischem Akzent. „Was machst du mit Nik?“ War ja schon irgendwie süß, wie der Kleine sprach, aber dafür hatte ich gerade keine Aufmerksamkeit über. Was besprachen die denn so lange da an der Türe? Ich verrenkte mir den Hals, um etwas mitzubekommen und ignorierte die Kinder um mich herum.
    Plötzlich kniff mir einer der drei in den Arm „Autsch! Was sollte das denn bitte?“, fuhr ich ihn scharf an. Was wollten die bitte von mir? Der Kleine stammelte einen recht krüppelhaften Satz zusammen, hatte ich wirklich auch mal so geredet? „Jetzt 'Dith traurig!“, ich spürte, wie sich sein vorwurfsvoller Blick in mich bohrte. Man, der war vielleicht gut. Dabei konnte er doch gar nicht älter als zwei sein, so wie er sprach! „Na gut“, seufzte ich. „Wer ist Dith? Bist du das?“ „Nein“, kam es prompt und ich hörte, wie jemand zu mir geschoben wurde. „Das Dith“, meinte er und griff nach meinen Händen, die er dann um einen wirklich kleinen Jungen legte. Gespannt ließ ich ihn machen, der Kleinere stieß einen leisen erschrockenen Laut aus und wand sich in meinen Griff. Ich strich ihm über die Locken, wie Ai das bei mir gemacht hatte: „Ich tu dir doch nichts!“ „Aber Nik“, mischte sich der zweijährige wieder ein. Mist, der war echt gut. Okay, wenn er unbedingt wollte. Wahrscheinlich war ich wirklich nicht nett zu den vieren gewesen. Jemand zupfte an meinem Ärmel: „Tut mir Leid, dass ich auf dich geklettert bin“ Der Kleine mit den Locken. „Schon okay, ich hätte dich nicht schubsen dürfen. Mein Name ist Yuki, wie heißt ihr?“

    In der nächsten Stunde erfuhr ich so einiges über die vier Kurzen. Der mit den Locken, der zuerst auf mir saß, hieß Nikolaus, er war vier Jahre alt, hatte blonde Locken und verschiedenfarbige Augen, da er allerdings ein Gestaltwandler war, nicht immer. Der mit dem französischen Akzent hieß Gratien, stammte „wundersamerweise“ aus Frankreich, war ebenfalls vier Jahre alt und ein Magier, welche Elemente wusste er noch nicht. Seine Haarfarbe war blau und er trug immer einen herbst-braunen Schal. Die anderen beiden waren zwei Jahre alt und eineiige Zwillinge, auch wenn Dith, der eigentlich Meredith hieß, viel kleiner war als Yale. Die beiden hatten rote Locken, laut Nik tolle Augen, und einen älteren Bruder namens Dylan, der genau wie ich sechs Jahre alt war. Als sich die Erwachsenen dann endlich zu uns setzten, hatte ich noch absolut keine Ahnung, dass die Vier später mal meine besten Freunde sein sollten:

    Als erstes hoben die beiden die Kleineren aufs Bett, wo sie dann irgendetwas geheimes besprachen. Da dann allerdings nicht mehr genug Platz für die Erwachsenen blieb, wurde Meredith kurzerhand auf meinen Schoß verfrachtet. Ich glaube, es war gar nicht zu wenig Platz und die beiden setzten ihn nur dahin, weil sie unseren Streit mitbekommen hatten und wohl verstanden hatten, dass ich ihn nicht auch schubsen würde. Das war mir aber in dem Moment ziemlich schnurz und ich legte die Arme schützend um ihn. Meine Nase vergrub ich in seinen Haaren und am liebsten hätte ich die Knie angezogen und ihn an mich gedrückt, er war der kleine Bruder, den ich immer haben wollte.

    Man hörte Amandus an, dass er schon uralt war. Zwar hatte Ai behauptet, dass 86 nicht uralt sei, aber ich sah das anders. 83 war so alt, dass er den letzten großen Krieg erlebt hatte! Nein, 83 war absolut steinalt! „Hallo Yuki, mein Name ist Amandus“, begann er das Gespräch. „Das mit deinen Eltern tut mir wirklich Leid, egal wie wenig verständnisvoll das jetzt klingen mag“ Ich versteckte mein Gesicht in Merediths Locken, er brauchte nicht zu wissen, dass ich bei der Erwähnung meiner Eltern weinen musste. „Aber da es nun so ist, wie es ist, wirst du zu uns ins Waisenheim kommen.“ Der Kleine war eingeschlafen und lag warm an meiner Brust, ich schätzte, dass er gerade mal halb so groß war wie ich, dabei gehörte ich nun wirklich zum Durchschnitt in meiner Klasse! Nachdenklich nickte ich. „Du bist so schnell einverstanden?“, fragte Amandus amüsiert. „Ich hab doch sowieso keine andere Wahl“, erwiderte ich. „Außerdem hört sich das, was Ai erzählt hat, gar nicht so schlimm an.“ „Das freut mich. Zur Zeit sind außer dir noch elf andere Kinder im Waisenheim, du wirst sie morgen kennenlernen“, erklärte er. „Zumindest die sieben, die du noch nicht kennst.“ Klang vernünftig, halt! „Morgen?“, fragte ich irritiert. „Wir holen dich morgen Nachmittag hier ab und dann gehen wir zusammen zum Waisenhaus, wo du die anderen beim Mittagessen kennenlernen wirst“, erklärte er. Halt! Das ging mir eindeutig zu schnell! „Warum schon morgen? Ist das zu nicht zu schnell?“, ich hatte vermeiden wollen, panisch zu werden, aber das beunruhigte mich zu sehr. „Aber Yuki“, klinkte sich jetzt Ai ein. „Was ist, wenn jemand kommt, der krank ist und der bekommt dann kein Zimmer, nur weil du Angst vor netten Leuten hast?“ Das war fies, eindeutig. „Aber...“, versuchte ich es noch einmal, wurde aber sofort von Nik unterbrochen. „Aber wir freuen uns doch auf dich!“ Ich seufzte, das war eine Verschwörung, die trieben mich in die Enge, das war eindeutig geplant. „Na gut“, murrte ich. „Aber ich will wissen, mit wem ich es morgen zu tun bekomme!“, komplett vertraute ich Amandus nämlich nicht, wer wusste schon, zu welchen Monstern er mich stecken wollte?
    „In Ordnung“, stimmte Amandus zu. „Ich würde auch wissen wollen, was auf mich zukommt.“ Machte er sich etwa über mich lustig? „Also, da wären erst mal Max und Sam, zwei blonde 7 Jahre alte gefallene Engel“ Okay, bei denen musste ich echt aufpassen, schließlich waren sie aus irgendwelchen Gründen aus dem Himmel verbannt worden. „und dann noch der ältere Bruder von Yale und Meredith, die vier haben dir doch sicher schon von ihm erzählt, nicht?“, beendete er sseine Aufzählung. Ja, das hatten sie. Sehr viel sogar. „Solange du den beiden nichts tust, wird er auch freundlich bleiben.“ Okay, ich hatte sowieso nicht vorgehabt ihnen etwas zu tun.
    „Hast du noch Fragen?“, Amandus Blick bohrte sich in meinen Kopf. Wow, hatte der Typ etwa Laseraugen? Kurz überlegte ich, dann drückte ich den Meredith fester an mich, so unernst gemeint war die Frage gar nicht, irgendwie wirkte der Kleine beruhigend auf mich. Sanft strich ich ihm über die Locken. „Kann er heute Nacht hierbleiben?“

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    Natürlich hatte er nicht bei mir übernachten dürfen, das wäre auch irgendwie zu schön gewesen. Stattdessen musste ich mich bis zum nächsten Nachmittag um 16 Uhr gedulden. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen und konnte in der Nacht kaum schlafen. Am nächsten Morgen legte Ai ihren MP3-Player ins Zimmer und ließ Musik laufen, ich bestand darauf, dass sie mir keine Kopfhörer aufsetzte. Ich bekam sowieso schon viel zu wenig von der Welt mit, ich wollte nicht noch stärker abgeschieden sein. Also lag ich den ganzen Tag im Bett und lauschte der Musik, die Ai auf ihrem Player hatte. Es war hauptsächlich klassisches Zeug, Beethoven und sowas. Früher hatte ich das immer furchtbar langweilig gefunden, aber heute half es mir, nicht durchzudrehen.

    Um 16 Uhr sollte mich allerdings eine Überraschung erwarten, denn es kamen nicht Amandus und die Kinder ins Zimmer sondern Ai! „Was machst du denn hier?“, ich hatte sie sofort an ihren Schritten erkannt. „Freust du dich denn gar nicht, mich zu sehen?“, wollte sie gekränkt wissen. „Ich bring dich ins Heim, Amandus ist etwas dazwischen gekommen.“ Sie hob mich vom Bett und setzte mich vorsichtig in den Rollstuhl, auf meine Decke legte sie eine Decke, die etwas gegen meinen Bauch drückte, mich aber sonst nicht weiter störte. „Natürlich freue ich mich“, sie schaltete ihr Telefon aus. „Aber ich hatte gehofft, dass ich...“, begann ich, aber sie redete dazwischen. „Dass du weniger Angst hast, wenn du mit den anderen zusammen bist?“, beendete sie den Satz für mich. Erstaunt blieb mir der Mund offen stehen. War ich so leicht zu durchschauen? Nervös bohrte ich mir die Eckzähne in die Lippen, irgendwie wurde mir Ai unheimlich, sie wusste immer so genau, was ich dachte. „Jaaa...“, gab ich zögernd zu. Sie lächelte: „Das ist okay, so ging es mir früher auch.“ Und was brachte mir das jetzt? Ich schwieg und sie verstand, wortlos schob sie den Rollstuhl zur Türe und auf den Flur.

    Wow, ich hatte glatt vergessen, wie laut Tokios Straßen doch waren. Es war wirklich ungeheuerlich, mir fielen sicher gleich die Ohren ab! Erschrocken presste ich mir die Hände auf die Ohren, Ai lachte: „Na, froh wieder draußen zu sein.“ Nein, nein, ich wollte wieder nach drinnen, hier war es laut und die Abgase brannten mit in Rachen und Kehle. Warum war mir noch nie aufgefallen, was für eine Hölle das hier war?
    Hustend krümmte ich mich zusammen, Ai legte mir eine Hand auf die Schulter und drückte mir sanft etwas gegen Mund und Nase. Panisch fing ich an, um mich zu schlagen. Was machte sie da? Ich bekam so doch gar keine Luft! Sie beugte sich zu meinem Ohr: „Halt still, Baka.“ Hatte sie mich gerade beleidigt? „Ist doch nur ein Mundschutz, ich dachte mir, dass du den vielleicht gebrauchen könntest, wo du doch so lange nicht mehr draußen war“; sie schob mir zwei haken artige Gebilde hinter die Ohren, dann ließ sie mich los. Es war tatsächlich ein Mundschutz. Erleichtert atmete ich aus, der Rollstuhl setzte mich in Bewegung. Alles gut, sei nicht so schreckhaft, Yuki!, ermahnte ich mich selbst und lehnte mich zurück. Die Hände faltete ich im Schoß, ich wollte nicht, dass sie mir irgendein Arbeitshengst in seinem Drang auf keinen Fall zu spät zu seiner dämlichen Arbeit zu kommen, abschlug. Ich war schon gehandicapt genug. Den Rest des Weges schwiegen Ai und ich uns an, was sollten wir auch reden?

    Nach etwa 20 Minuten blieben wir stehen, ich schätzte mal, dass wir jetzt da waren. Schon vor ein paar Minuten waren wir in eine ruhigere Gegend abgebogen, hier fuhren kaum noch Autos, dafür hatte ich ein paar Kinder beim Ballspielen gehört. Eine Welle von Wut und Eifersucht hatte mich überschwemmt, ICH würde nie wieder so spielen können. Ich war also schlecht gelaunt, als Ai verkündete, dass wir jetzt angekommen seien und sie meine Hand an die Mauer führte, damit ich klingeln konnte. Ungestüm entzog ich mich ihr, warum gab es überhaupt eine Mauer? Das war ein Waisenheim und kein Gefängnis, oder irrte mich etwa? Vielleicht sollte ich es mir noch einmal überlegen, ob ich nicht doch versuchen sollte, zu türmen. Dann könnte ich auch den Ball der anderen Kinder kaputt machen, ja das klang nach einem guten Plan. Ja, so würde ich es machen, ich musste nur den richtigen Zeit... „Hallo!“, riss mich eine fröhliche Jungenstimme aus meinen finsteren Gedanken. Warum mussten mich alle unterbrechen? Wütend schnauzte ich ihn an: „Verzieh dich, ich geh da nicht rein!“
    „Yuki!“, Ai, bestürzt. Mir doch egal. „Na, gehen tust du sowieso nirgends hin“, ich konnte sein dämliches Grinsen gerade zu hören und verspürte fast sofort das Bedürfnis, ihn zu würgen. Fand er das etwa lustig? Jemand, wahrscheinlich Ai trat seufzend hinter mich. „Max, warum musst dich immer bei allen so beliebt machen?“, das war eindeutig nicht Ai. Das war zwar ein Mädchen, aber da hörte die Ähnlichkeit zwischen den beiden auch schon auf. Die hinter mir war deutlich jünger, würde mich nicht daran hindern, sie zu hauen, damit sie wegging. Ich konnte das allein, ich konnte schon alles allein und dieser dumme, dämliche Unfall würde mir das nicht kaputt machen. „Lass das!“, fauchte ich sie an und boxte auf Höhe meiner Ohren nach ihr. Das gestaltete sich als schwieriger als gedacht, nach hinten schlagen ist ziemlich kompliziert. Wahrscheinlich sah ich so ziemlich dämlich aus, aber das war mir so egal. Obwohl sie sofort erschrocken zurück sprang, streifte ich sie am Arm. Da ich dort über ihre Haut streifte, vermutete ich, dass sie ein T-Shirt oder Kleid trug. Ich konnte mir schwer vorstellen, dass sie öberkörperfrei da stand, das ziemte sich nicht. „Lass den Stinkstiefel in Ruhe, Sam. Wenn er nicht will, dass wir ihm helfen, soll er doch allein klar kommen. Wegen so einem Idioten lass ich meine Suppe nicht kalt werden!“, da seine Stimme erst lauter und dann wider leiser wurde und ich noch dazu zwei Paar Schritte hörte, nahm ich an, dass er diese Sam hinter sich hergezogen hatte. Jedenfalls waren die beiden kurz darauf nicht mehr zu hören.
    „Soll ich dir helfen?“, Ai. Ich hatte ganz vergessen, dass sie auch noch da war. „Nein!“, ich schrie sie wütend an. „Ich kann das allein! Ich will keine Hilfe! Geh weg!“ Sie verstummte, aber noch eine ganze Weile hörte ich ihren Atem, bevor sie verstand, dass ich das tatsächlich ernst gemeint hatte. Ich wollte keine Hilfe, ich wollte nicht wieder wie ein kleines Kind behandelt werden. Ich war alt genug, wütend verschränkte ich meine Arme vor der Brust. Die konnten mich alle mal kreuzweise. Ai blieb noch ein paar Mal stehen, so als ob sie sich immer noch nicht sicher wäre, ob ich sie nicht doch noch rufen wollte. Schließlich verhallten ihre Schritte auf dem Kies und ich war endgültig allein. Tief atmete ich durch, um mich zu beruhigen. Ich bebte vor Anspannung und Wut. Ich kam alleine klar, ich kam sehr gut alleine klar. Sehr, sehr gut sogar. Entschlossen griff ich nach den Rädern meines Rollstuhls und schob sie nach vorne, ich bewegte mich ein paar Zentimeter nach vorne. Uff, warum war das so schwer? War ich dicker geworden? Ich tastete meinen Bauch ab, alles wie immer. Puh, ich konnte also doch noch Pfirsich Ringe essen! Erneut holte ich tief Luft und schob dann den Rollstuhl immer wieder an, wieder und wieder kämpfte ich mich Zentimeter um Zentimeter voran, bis ich mit den Rädern gegen eine Kante stieß und fast gestürzt wäre. Nein, nein das konnte ich wirklich nicht brauchen. Keuchend beschloss ich eine kurze Pause zu machen, konnte ja nicht schaden, ausgeruht an die Sache heranzugehen.

    Fünf Minuten später machte ich mich wieder daran, diese dämliche Kante hochzufahren, ich würde das schon schaffen. Ich war kein Versager, ich konnte das. Ich kam allein sehr gut klar. Ich brauchte keine Hilfe, die konnten mich mal allesamt.
    Energisch spannte ich die Arme an und schob kräftig gegen die Reifen, ich würde das schaffen, ich konnte das! Ich konnte das... ich konnte das... Meine Muskeln brannten, nein, ich würde jetzt nicht aufgeben. Ich konnte das, ich konnte das. Nutzlos drückten die Reifen gegen diese dämliche Kante. Warum, warum ging das nicht? Trotzdem gab ich nicht auf, immer stärker drückte ich gegen die Reifen, obwohl meine Arme schon zitterten vor Anspannung. Stärker versuchte ich über diese Kante zu kommen. Warum, warum ging das nicht?
    Und dann rutschten meine Arme ab und ich stürzte vornüber. Panisch riss ich die Arme vor, um mich abzufangen, wo war der Boden? Was wenn ich in etwas spitzes fiel? Trotzig heulte ich auf, als meine Handflächen über den Kies rutschten und dieser die Haut aufriss. Es tat zwar weh, aber mein Gesicht war unversehrt geblieben.
    Ich blieb liegen, ich konnte nichts allein, ich brauchte Hilfe, ob ich wollte oder nicht. Ich wollte aber keine Hilfe, ich wollte doch nur nicht abhängig sein! Wütend ballte ich die Hände zu Fäusten, leise wimmerte ich auf, als ich so Dreck in die Wunde rieb. Verdammt, tat das weh! Das Blut lief mir warm und klebrig über die Handflächen, die ich zu meinem Kopf führte, um mir die Haare aus der Stirn zu streichen. Meine Augen brannten: Nicht weinen, denk nicht daran, dass du nichts kannst. Gegen meinen Willen bildeten sich Perlen aus der klebrigen salzigen Flüssigkeit in meinen Augenwinkeln, salzig wie das Meer. Salzig wie das Meer, das mir als einziges geblieben war von meiner Familie. Es würde mich nie im Stich lassen und doch war ich jetzt so weit entfernt von seinen kühlen, sicheren Wogen und Strömungen. Das brachte das Fass zum Überlaufen, ich konnte die Tränen nicht länger halten und schluchzte hemmungslos in meine Hände, hinter denen ich mich versteckte. Das Salz brannte in meiner Hand, so ganz anders als das Meer.
    Ich hatte alle angeschrien und vertrieben, die mir helfen wollten. Ich hatte sie wütend gemacht, hatte mich von meinem Zorn und einer kurzen Genugtuung verführen lassen. Ich war schrecklich, ich sollte wirklich gehen. Aber das ging allein auch nicht und ich hatte keine Ahnung, wie ich die anderen auf meine Misere aufmerksam machen sollte. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Bei jedem Gedanken verstärkte sich das Beben, das durch meinen Körper ließ und ich fühlte mich schlechter. Am liebsten hätte ich die letzte halbe Stunde rückgängig gemacht, ich hatte mich wie ein verzogenes Balg benommen. Garantiert hassten sie mich jetzt. Schluchzend blieb ich liegen und wünschte mir, dass sich unter mir ein Loch auftat, in dem ich verschwinden konnte.

    Keine Ahnung, wie lange ich so da lag und mir wünschte, einfach zu verschwinden. Ich war der festen Überzeugung, dass es das beste für alle wäre, wenn ich einfach verschwinden würde. So hing ich immer noch schluchzend meinen wenig heiteren Gedanken nach, bis mich jemand aus meinen Gedanken riss. „Hasi“, ich hatte die tapsigen Schritte des Kleinen, der mir jetzt etwas weiches ins Gesicht drückte in all meinem Selbstmitleid gar nicht gehört. Bei dem etwas tippte ich auf ein Stofftier, vorsichtig drückte ich mich in eine sitzende Position hoch, er ließ das etwas sinken und umarmte mich heftig: „Nicht weinen. Hasi...“ Wieder drückte er mir das Vieh ins Gesicht, zaghaft griff ich danach und tastete es ab, wie ich mir schon hatte denken können war es ein Stoffhase. Plüsch konnte man wohl nicht sagen, dafür war es zu rau. Erwartungsvoll schwieg mich der Kleine an, ich war mir nicht sicher, welcher der Zwillinge es war, sie klangen sehr sehr gleich. „Danke dir“, brachte ich krächzend hervor, meine Stimme geschunden vom Geheul. „Du kommen?“, fragte er und lehnte sich gegen mich. Okay, jetzt war es einfach, eindeutig der kleine Dith. „Tut mir Leid, Meredith“, hoffentlich verstand er schon, was ich sagte. „Aber ich kann nicht. Ich bin aus meinem Rollstuhl“, ich deutete zur Verdeutlichung, was ich meinte, in die Richtung, in der ich das Ding vermutete. „gefallen und ich hab zuvor die anderen verärgert. Also werden sie mir nicht helfen.“ „Ver-ärgert?“, er drehte den Kopf an meiner Schulter, eindeutig verwirrt. Mist, er kannte das Wort nicht. „Ähm....“, ich überlegte. „Sauer, sie sind böse auf mich“ Das schien er zu verstehen und wankte los, den Hasen ließ er mir. „Warte!“, rief ich ihm hinterher. „Wo willst du hin?“ Ich wollte nicht auch noch von ihm alleingelassen werden. Verlassen von einem zweijährigen, das wäre das Ende der gesellschaftlichen Leiter. Kurz blieb er stehen, um etwas unverständliches zu brabbeln, dann tapste er weiter. Meine Hände verkrampften sich um die Stummelärmchen des Hasen in meinem Schoß. Er würde ganz sicher wiederkommen, er würde mich nicht allein lassen.

    Wenn ich schätzen sollte, würde ich sagen, dass er nach 20 Minuten wiederkam. Ich bin mir ziemlich sicher. Erstaunlicherweise kam er aber nicht allein sondern mit einem anderen älteren Jungen. Da ich nur die Schritte des Älteren hörte, vermutete ich, dass der Meredith trug. Kurz vor mir setzte er den Kleinen ab, der daraufhin zu mir sprang und mich umarmte. „Melvi holt!“, berichtete er mir stolz. „Melvi helfen.“ Der andere musste wohl Melvi sein, seltsam Amandus hatte ihn gar nicht erwähnt. Jemand fasste mich unter den Achseln und schleifte mich über den Kies zurück zum Rollstuhl, in welchen er mich dann keuchend hievte. Wortlos ließ ich es geschehen, ich war einfach nur dankbar, dass er mir half. Auch wenn Meredith mich losgelassen hatte, um den Hasen zu tragen. „Danke“, wandte ich mich an den Typen neben mir. Der schwieg kurz, bevor er sich verlegen entschuldigte. „Ups, tut mir Leid, ich hab ne Handbewegung gemacht, aber dass kannst du ja nicht...“, er brach ab, das Ganze war ihm sichtlich unangenehm. Aber eigentlich hatte ich es verdient, also beschwichtigte ich: „Kein Problem.“ Ich holte tief Luft, jetzt kam der schwerste Teils. Ich musste mir eingestehen, dass ich Hilfe brauchte. „Kannst du mir vielleicht helfen?“, ich atmete tief aus. So schlimm war das gar nicht. Er rannte los, verwirrt drehte ich den Kopf seinen Schritten hinterher und versuchte zu erraten, was ich jetzt wieder falsch gemacht habe, als er auch schon zurück kam. „Klar kann ich dir helfen reinzukommen und dir alles zeigen und dafür sorgen, dass dir die anderen nicht mehr ganz so böse sind“, er sagte das ganz nebenbei, aber mir stieg trotzdem die Hitze in die Wangen. „Aber“ was kam denn jetzt? Er setzte etwas auf mir ab und legte meine Arme um einen kleinen Körper. „dafür musst du Merle festhalten, er rennt sonst weg.“

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