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Kriegerherz Teil 1

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4 Kapitel - 9.940 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-10-16 - Entwickelt am: - 331 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Einst war Layli ein Mädchen voller Hoffnung, Träume und Liebe. Bis sie einer Intrige aufsass und glaubte, das der Mann, den sie liebte ihrer Stiefschwester verfiel. Verletzt verließ sie ihr Volk, wandte sich von ihren Freunden ab und wurde zu einem einsamen Söldner bekannt unter den Namen Arochal. Doch das Schicksal spielt nicht immer mit offenen Karten - werden die beiden zusammenkommen in den Wirren des Krieges? Oder hält das Schicksal wohlmöglich eine andere Liebe für sie bereit?

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Elrond betrachtete mich und ich betete stumm, dass er mich nicht erkannte. Mit meinem Vater war ich früher in Bruchtal immer wieder zu Besuch gewesen
Elrond betrachtete mich und ich betete stumm, dass er mich nicht erkannte. Mit meinem Vater war ich früher in Bruchtal immer wieder zu Besuch gewesen, aber damals noch als Layli. Aber das war vorbei. Seit neun Jahren lebte ich als Mann verkleidet in der Wildnis und hatte nicht mehr gesprochen. Es hätte ohnehin nichts gegeben, was ich sagen wollte. Ich war nicht bereit nach Edoras zurückzukehren. Nicht nachdem ich gesehen hatte, wie Éomer meine Stiefschwester küsste als ob sie ihm alles bedeuten würde. An jenem Abend war ich zu Arochal geworden. Kaum kam ich nachhause, zerriss ich meine Kleider, schnitt meine dunklen Haare ab, nahm meine Waffen und Lederrüstung und verschwand für immer aus dem Leben meines ehemalig besten Freundes. Seither hatte ich kein Wort mehr gesprochen. Weder mit den Waldläufern, mit denen ich ab und zu herumzog, noch mit irgendwelchen alten Bekannten von früher. Rohan mied ich.
Nun war ich eher unfreiwillig in Bruchtal. Ich hatte in der näheren Umgebung Orks gejagt und war dabei verletzt worden. Die Elben hatten mich gefunden und zu Elrond gebracht. Nun saß ich im Schlamassel. Dabei hatte ich mich nicht einmal schwer verletzt. Es waren lediglich ein paar Kratzer im Gesicht und am linken Arm. Nicht der Rede wert. Ich hatte schon schlimmere Verletzungen überlebt. Dennoch beharrten die Elben darauf, dass ich bei ihnen bleiben sollte, bis die Verletzungen ganz verheilt waren. Nur mühsam hatte ich meinen Ärger zurückhalten können. Körperliche Schmerzen erreichten mich längst nicht mehr. Sie waren mittlerweile allgegenwärtige Begleiter. Die unzähligen Wunden durch Peitschenhiebe, die ich vor drei Jahren in der Gefangenschaft von drei Trollen erhalten hatte, waren längst nicht verheilt. Ich konnte dankbar sein, dass ich mich überhaupt bewegen konnte, denn sie hatten mein Rücken damit in Fetzen gerissen. Nicht das sie es bei diesen Verletzungen belassen hätten. Eine hübsche Narbe zerteilte meine Augenbraue und sie hatten Spaß dabei gehabt, meine Finger zu brechen. Nun waren sie verkrüppelt. Aber wenigstens konnte ich sie benutzen um Waffen zu halten und damit zuzuschlagen. Ich sollte dankbar sein, dass Aragorn mich gesucht hatte, sonst wäre ich wahrscheinlich immer noch der Brutalität der Trolle ausgeliefert. Warum er mich allerdings vermisst hatte war mir unerklärlich. Immerhin hatte ich nie mein Schweigen gebrochen oder zugelassen, das er mir nahe kam. Ich war einfach nur erleichtert gewesen, das Aragorn mich nicht drängte mein Schweigen zu brechen, denn ich hatte ihm durchaus angemerkt, das er mir nicht glaubte, dass ich stumm wäre. Wie gerne hätte ich meine gegenwärtige Situation verhindert. Hätte Elrond mich nicht abgefangen wäre ich längst verschwunden. Jetzt saß ich in der Falle.
Denn zu den eingeladenen Ratsmitgliedern gehörte auch Boromir, der mich von früher kannte. Was, wenn er meine Tarnung auffliegen ließ? Ich würde Erklärungen geben müssen, zu denen ich nicht bereit war. Nicht jetzt. Niemals. Denn das setzte voraus, dass ich anderen vertraute. Nach Éomers verrat hatte ich mir geschworen niemals anderen mehr zu vertrauen. Ich wollte nicht verletzt werden. Diese Hölle hatte ich schon einmal durchgemacht. Dorthin würde ich freiwillig nicht zurückkehren, besten Dank auch! Verärgert presste ich die Lippen aufeinander. Zum Glück trat einer der Elben auf den Freund meines Vaters zu und lenkte ihn mit seiner Nachricht ab. „Mein Herr Elrond? Die Männer aus Gondor sind eingetroffen.“ Perfekt. Elrond konzentrierte sich auf den anderen Elben. Da ich nicht plante, Boromir oder anderen früheren Bekannten zu begegnen, war das mein Stichwort zu verschwinden. Waffen und Proviant trug ich bereits bei mir. Hätte Elrond mich vorher nicht abgefangen, wäre ich schon längst verschwunden. Leider wurde mein Plan vereitelt. In dem Moment als mein Blick den meines alten Freundes kreuzte wusste ich, das er mich erkannt hatte. Trotz der Narben und des veränderten Aussehens. Verdammt. Warum musste ausgerechnet er Teil des Rates sein? Ja ich hatte unfreiwillig mitbekommen, das morgen ein Rat stattfand. Alles nur wegen eines kleinen verhängnisvollen Schmuckstückes!
„Layli? Bist du das wirklich! Ich dachte du wärst tot!“ Stürmisch umarmte er mich und ich sah, wie die Elben begriffen, wer ich wirklich war. Er schien sich aufrichtig zu freuen mich zu sehen. Nur traute ich dieser Wahrnehmung nicht. Menschen konnten Gefühle vortäuschen und wer sagte denn, dass er mich jemals als Freundin gesehen hatte? Ich traute ihm nicht über den Weg. Nicht mehr. Aufmerksam musterte er mich. „Wo hast du nur die letzten neun Jahre gesteckt? Weißt du, dass wir alle nach dir gesucht haben und verzweifelt waren, weil wir keine Spur von dir fanden?“ Genervt verdrehte ich die Augen. Unverbesserlicher Lügner. Oh, ja, ich hatte diese sogenannte >Verzweiflung< gut beobachtet! Ich versteifte mich und versuchte Abstand zu gewinnen. Boromir meinte es nur gut, aber da ich ihn und die anderen beobachtet hatte wusste ich nur zu gut, wie kurz ihre Suche nach mir ausgefallen war. Nachher hatten sie sich mit Freude ihrer Lieblingsbeschäftigung neben Reiten, Kämpfen oder Orksjagen gewidmet: der Jagd nach Rockzipfeln von Frauen. Schließlich gelang es mir mich aus seinen Armen zu befreien. „Warum sagst du denn gar nichts? Hat es dir die Sprache verschlagen dich wiederzusehen?“ Das hätte er wohl gerne. Solange ich es vermeiden konnte, würde ich nicht sprechen. „Arochal ist stumm. Aber es scheint, als ob er in Wahrheit eine Frau ist.“ In seiner Stimme lag ein Vorwurf, den ich nicht ignorieren konnte. Ich funkelte Elrond verärgert an. Na schön, sie hatten es so gewollt! „Und selbst wenn ich eine Frau wäre gäbe es Euch noch lange nicht das Recht mich so vorwurfsvoll anzusehen, Herr Elrond!“ Die neugierigen Gaffer, zu denen auch Aragorn gehörten, schnappten beim Klang meiner eindeutig weiblichen Stimme nach Luft. Wütend musterte ich Boromir. „Nur zu deiner Information Bo, wenn ich hätte gefunden werden wollen, wäre es euch auch gelungen. Ich hatte meine Gründe zu verschwinden und euch alle im Unklaren über mein Leben zu lassen. Sag ja nicht, ihr hättet lange nach mir gesucht. Ich war immer wieder in Gondor und Ithilien, aber ihr habt mich nicht einmal erkannt, als ich als Söldner für euch gekämpft habe. Wenn du meinem Vater unbedingt erzählen willst, das du mich gesehen hast, nur zu. Es wird ihn ohnehin nicht kümmern. Für ihn hat es nach der Heirat nur meine ach so bezaubernde Stiefmutter und ihre Tochter gegeben. In ihrem Leben gab es schon lange keinen Platz mehr für mich.“ Ich stürmte davon und ignorierte die Rufe hinter mir. Sollte er mir doch gestohlen bleiben! Ich hatte kein Interesse daran, mein altes Leben wiederaufzunehmen. Lieber erduldete ich noch einmal die Gefangenschaft die mich beinahe zerbrochen hatte. Die Zeiten, in denen ich mich den strengen Gesetzen für Frauen untergeordnet hätte waren längst vorbei. Grimmig beschleunigte ich mein Tempo und pfiff. Es war ein Ruf, der bisher immer beantwortet wurde. Auch heute erschall das vertraute Wiehern. Ich lächelte. Das einzige Wesen dem ich bedingungslos vertraute und zu dem mich so etwas wie Freundschaft verband. Der Hengst Eledon, ein alter Freund von mir, kam sofort auf mich zu galoppiert und ich schwang mich elegant auf seinen Rücken ohne das ich an Geschwindigkeit verlor. Mit den Schenkeln lenkte ich ihn in Richtung Wildnis. Hinter mir hörte ich das Wiehern der Pferde meiner Verfolger. Glaubten sie ernsthaft es mit mir aufnehmen zu können? Ich war eine Rohirrim, eine Tochter Rohans. In meiner Kindheit und Jugend hatten Éomer, Théodred, Boromir und Faramir sich mit mir wilde Verfolgungsjagden und Wettrennen geleistet. Keinen Einzigen hatte ich verloren. Sollten sie doch versuchen mich einzufangen. Ich grinste spöttisch. Das einzige Pferd das sich mit Eledon messen konnte war Schattenfell. Kein Wunder, denn Eledon war sein Sohn. Zum Glück war Schattenfell nicht hier. Ansonsten würde ich in Schwierigkeiten stecken. So aber dauerte es nicht lange bis ich meine lästigen Verfolger abhängte und mich zu den Nebelbergen aufmachte. Mein nächstes Reiseziel waren die Eisenbergen. Ich wollte zu den Zwergen und sie warnen, dass Sauron wahrscheinlich einen Angriff auf sie und ihre Vettern in Erebor plante. In Moria waren die Zwerge längst überrannt worden. Ich wollte verhindern, dass es den anderen auch so erging. Jemand musste sie warnen. Die Elben würden ihnen kaum zur Hilfe eilen. Warum also nicht ich? Denn ich hatte nichts mehr zu verlieren. Nicht einmal mehr mein Herz. Es war mit Éomers Verrat gestorben.
Wen sollte es schon kümmern wenn ich starb? Meine alten sogenannten Freunde? Ich schnaubte verächtlich. Wohl kaum. Für die war ich doch schon lange gestorben. Sollte ich in dem Krieg, der sich über uns zusammenbraute fallen würde ich endlich Ruhe finden. Es tat weh sich an die Zeit zu erinnern in der ich mit Éomer, meiner Familie und meinen Freunden glücklich gewesen war. Ein trauriges Lächeln umspielte meine Lippen. Mein Vater war ein Waffenschmied gewesen und nach dem Verschwinden meiner Mutter hatte er sich alleine um mich gekümmert. Über sie hatte er nie gesprochen. Weil ich ihn nicht traurig sehen wollte hatte ich ihn nicht nach ihr gefragt. Wahrscheinlich war er von mir ein wenig überfordert gewesen. Ich war ein richtiger Wildfang gewesen und hatte mit den Prinzen gespielt, statt mich wie ein wohlerzogenes Mädchen um den Haushalt zu kümmern oder den langweiligen Regeln zu beugen. Ganz anders als Eowyn. Théodred, Éomer und ich waren unzertrennlich gewesen. Bis mein Vater heiratete und meine Stiefschwester sich zwischen uns drängte. Beständig hatte sie Éomer schöne Augen gemacht und mich als plumpen dummen Trampel dargestellt. Auf einmal erwarteten alle von mir, auch meine beiden besten Freunden, das ich mich wie ein Mädchen benahm und mich von meinem Vater verheiraten ließ. Vielleicht hätte ich mich diesen Wünschen auch gebeugt, wäre ich nicht unfreiwillig Zeugin von dem Kuss geworden. Nach diesem Vorfall hatte ich nicht länger in Rohan bleiben können und war verschwunden. Doch ganz abgeschlossen hatte ich noch nicht mit der Sache. Als Söldner war ich in der Nähe meiner Freunde geblieben und hatte beobachtet, wie sie mich sehr schnell vergasen. Layli. Boromir schien zu glauben, dass ich immer noch dieselbe war wie vor neun Jahren. Tja, so sehr konnte man sich irren. Ich konnte nicht zurückkehren.
Ich riss mich aus meinen Erinnerungen und konzentrierte mich auf die Landschaft um uns herum. Das Gebiet wurde zunehmend von steilen Hängen, Felsen und wenig Pflanzen geprägt. Sehr bald würde ich die Nebelberge erreichen. Dort würde ich Eledon fortschicken. Ich wollte nicht riskieren das er den Orks in die Hände fiel. In letzter Zeit wurden sie immer dreister und dehnten ihre Überfälle immer weiter aus. Mordend, plündernd und blutrünstig zogen sie durch die Lande. An Schlaf war nicht zu denken. Zu groß war das Risiko, dass sie einen nachts überfielen und die Kehle durchschnitten. Leider boten auch größere Gruppen den Reisenden keinen Schutz mehr. Ununterbrochene Wachsamkeit war lebenswichtig geworden. Da ich oft alleine reiste und durch die entlegensten Gebiete streifte musste ich noch vorsichtiger sein. Zum Glück war ich mit einem hervorragenden Gehör gesegnet das mir mehr als nur einmal das Leben gerettet hatte. Ich kämpfte nur wenn ich es nicht vermeiden konnte oder um Hilfe gebeten wurde. Orks zu jagen und von Dörfern fernzuhalten war etwas, das mich mit den Waldläufern verband. Wenn ich eine Orkgruppe jagte gönnte ich mir keine Ruhe ehe ich sie getötet hatte. Entschlossenheit und ein eiserner Wille, der während der Gefangenschaft gewachsen war, machten mich zu einer gefährlichen Feindin. Ich stand zu meinen Entscheidungen wenn ich sie einmal gefällt hatte. Unvollendete Aufgaben waren für mich ein Ärgernis das ich zu vermeiden gelernt hatte. Ich wusste, das Aragorn und die anderen Waldläufer von meinem Kampfstil beeindruckt waren.
Oft genug hatten sie das geäußert und der Respekt dem sie mir entgegenbrachte zeigte sich in ihrem Verhalten mir gegenüber. Wenn ich kämpfte war es mir gleichgültig ob ich verletzt wurde. Mir ging es nur darum möglichst schnell und ohne allzu viel Energie zu verschwenden meine Gegner zu töten um rasch zu verschwinden. Ich war eine Meisterin der Überraschungsangriffe. Die wenigsten Orks konnten von sich behaupten eine Begegnung mit mir überlebt zu haben. Man kam mir nicht in die Quere oder forderte mich heraus. Wenn ich erst entschieden hatte, das jemand es Wert war beschützt zu werden, konnte derjenige sicher sein, das ich ihn um jeden Preis vor dem Tod bewahren würde. Selbst wenn es bedeutete, das ich starb. Denn ich hatte nichts mehr außer meinem Leben, was ich verlieren konnte. Ehre, Stolz und Status waren für mich längst Worte ohne jeglichen Wert. Sie erhielten mich nicht am Leben. Es war einzig allein mein Wille und mein Verlangen Schwächere zu beschützen, die mich davon abhielten meiner Existenz ein Ende zu setzen. Denn mehr war mein Leben nicht mehr. Oft fühlte es sich so an, als würde ich sinnlos vor mich hin vegetieren. Was hielt mich außer meinem Willen und diesem Verlangen davon ab, Abschied zu nehmen? Nichts. Es gab kaum einen Grund weiter zu kämpfen. Dennoch tat ich es. Doch den Kampf für mich selbst, für meine Überzeugungen und meine Träume, die ich einst hatte, war längst aufgegeben. Seit dem Tag, als ich aufgehört hatte Layli zu sein. Menschen veränderten sich. Manchmal so drastisch, das nichts mehr an die Persönlichkeit erinnerte, die sie einst waren. Alles im Leben, ganz gleich, ob es von Außen auf uns einwirkte oder ob es eine innerliche Entwicklung war nahm Einfluss auf das was wir waren. Vor neun Jahren war ich ein Mädchen gewesen das an Liebe glaubte, sich in ihrem Herzen eine Familie wünschte und dachte, das Träume Wirklichkeit werden konnten. Wie naiv ich doch damals gewesen war. Umso härter hatte mich die Realität getroffen. Träume waren Hoffnungen und Liebe existierte lediglich in Büchern oder alten Sagen. Die Liebe war eine undankbare Eigenschaft. Sie lockte mit Versprechungen von Glück, Zugehörigkeit und Geborgenheit. Doch wagte man es nach ihr zu greifen, zu träumen, das sie ihre Versprechungen hielt wurde man in einen bodenlosen Abgrund der Verzweiflung gestürzt. Sie gaukelte einem vor, dass die Welt kein grausamer Ort war, in dem nur die Stärkeren überlebte und das man von anderen trotz Fehler angenommen, sogar geliebt wurde. Gerade dann, wenn man sich fast am Ziele seiner Wünsche glaubte offenbarte sie ihr hässliches Gesicht. Nie wieder würde ich auf diese süßen Versprechungen hereinfallen.
Einmal und nie wieder.
Diesen Schmerz würde ich nicht riskieren. Kein Mann war die Tränen und die Qualen wert die ich Éomer zu verdanken hatte. Nein. Diese Hölle würde ich kein weiteres Mal betreten. Ich war dort gewesen und hatte es nur mit Mühe geschafft, zurückzukehren. Der Preis, den ich für meine Liebe gezahlt hatte war viel zu hoch. Die Narben die sein Verrat und den Verlust der Meinen für mich bedeuteten erinnerten mich an meine wichtigste Lektion: „Lasse niemanden an dich heran und du wirst nicht verletzt werden. Viele Menschen gehen mit den Gefühlen anderer um wie mit ihrem Besitz. Wenn er für sie wertlos geworden ist werfen sie ihn weg oder verstauen ihn an einen Ort, wo er Staub ansetzt. Worte wie Freundschaft, Treue und Liebe werden benutzt um Dinge zu bekommen, die mit der Zeit an Bedeutung verlieren.“ Diese Erkenntnis begleitete mich immer. Welche freundschaftlichen Gefühle ich auch immer für Éomer oder die anderen Männer empfunden hatte, die einst meine Freunde gewesen waren, waren zerstört. Ich war nicht mehr das Mädchen von einst. Die Zeiten in denen ich grundsätzlich davon ausging, dass alle eine gute Seite hatten und nicht unbedingt andere verletzen wollten waren vorbei. Was gingen mich die Belange meiner ehemaligen Freunde noch an? Bald würde die Resignation und der unterschwellige Schmerz Gleichgültig Platz machen. Es machte keinen Sinn einen Kampf auszufechten der längst verloren war und an einer Vergangenheit festzuhalten die nur Schmerz, Zorn, Verzweiflung und tiefe Trauer bereithielt. Mein Schweigen hatte mich vor unliebsamen Fragen geschützt und verhinderte, das es anderen gelang mein wirkliches Ich zu erkennen. Das Wissen, dass ich innerlich mich niemals erholt hatte und das ich ein emotionaler Krüppel war, ging nur mich etwas an. Jede Hilfe kam zu spät. Innerlich und äußerlich vernarbt, ein seelisches Wrack. Begraben, vergessen, gleichgültig.
Das Wiehern von Eledon brachte mich unsanft zurück in die Gegenwart. Ich lächelte müde und klopfte ihm auf den Hals. „Danke mein Freund.“ Murmelte ich leise und stieg ab. Der Zeitpunkt Abschied zu nehmen war gekommen. Von hieraus würde ich die Reise allein fortsetzen. Ich zog einen Apfel aus meiner Provianttasche und gab dem Hengst ihn. Anders als Schattenfell war sein Fell so schwarz wie die Nacht. Nur seine Mähne und sein Schweif waren silbern wie das Mondlicht in einer sternenklaren Novembernacht. Außergewöhnliche bernsteinfarbene Augen musterten mich verständnisvoll und besorgt. Der stolze Mearas war mir seit sieben Jahren ein treuer Freund und Begleiter geworden. Der Einzige in dessen Nähe ich ohne Mühe frei atmen konnte und mich sicher fühlte. Ich hatte nie versucht ihn zu zähmen, denn das hätte bedeutet, seinen Willen zu brechen oder ihn meinen Willen aufzuzwingen. Uns verband das Wissen, dass wir dem anderen bedingungslos vertrauen konnten. Nachdem ich ihn aus der Gefangenschaft befreit hatte war er mir gefolgt und hatte mir so manches Mal das Leben gerettet. Er war das einzige Wesen, das mir noch nahestand und den ich vermisste, wenn wir getrennte Wege gingen. Wenn ich nach ihm rief kam er. In den Zeiten, in denen wir getrennt waren, blieb er bei seinesgleichen und genoß seine Freiheit. Die Mearas waren nicht für ein Leben als Nutztiere des Menschen oder Elben geboren worden. Sie brauchten ihre Freiheit. Das verstand ich und genau deshalb fiel es mir nicht schwer ihn jedes Mal ziehen zu lassen. Er würde mir beistehen wenn ich ihn brauchte. Dieses Wissen genügte mir. Niemals würde ich einem Wesen meinen Willen aufzwingen oder gefangen halten. Nach allem was ich durchlebte hatte konnte ich das nicht. Pferde waren Kinder der Natur, Geschenke der Götter. Sie waren nicht dazu bestimmt, als Besitz der Menschen in beengten Ställen untergebracht zu werden und jegliche Freiheit zu verlieren. Es war ein Verbrechen, das nur die wenigsten Betroffenen als solches erkannte. Woher nahmen wir uns das Recht, Wesen unseren Willen aufzuzwingen und ihrer Freiheit zu berauben? Wenn uns das Gleiche widerfuhr, empfanden wir es als große Ungerechtigkeit und schworen oft genug Rache. Doch taten die Pferde etwas in dieser Art? Nein. Sie beugten sich demütig und nahmen ihr Schicksal hin auch wenn in ihren Herzen die Sehnsucht nach ihrer Freiheit bestehen blieb. Wir sollten dankbar sein, wenn ein Pferd uns als Freund akzeptierte und uns gestattete, auf ihm zu reiten. Mit dieser Haltung stand ich in Rohan alleine da. Ein weiterer Grund Abstand zu halten. Zärtlich berührte ich seine Nüstern. „Geh. Kehr zu den Deinen zurück. Sie werden dich brauchen wenn der Krieg kommt. Ich möchte nicht, dass diese widerlichen Orks euch in die Finger bekommen. Bitte, bleib am Leben.“ Sanft stupste er mich an, schnaubte und wandte sich ab. Ein einziges Mal drehte er den Kopf zu mir, sah mich an und ich lächelte. Nickte. Mit einem leisen Wiehern verschwand er und ich konzentrierte mich auf meine Aufgabe. Zeit, diese Berge zu bezwingen und meinen Weg fortzusetzen. Alleine. Wieder einmal.
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1506859412
Kriegerherz Teil 1
Kriegerherz Teil 1
Einst war Layli ein Mädchen voller Hoffnung, Träume und Liebe. Bis sie einer Intrige aufsass und glaubte, das der Mann, den sie liebte ihrer Stiefschwester verfiel. Verletzt verließ sie ihr Volk, wandte sich von ihren Freunden ab und wurde zu einem ei...
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2017-10-01
402C
Herr der Ringe

Kommentare (10)

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Sarah Laureen (08246)
vor 4 Tagen
PS: schaut mal bei der Fanfiction "Im Visier der Jägerin Teil 2" vorbei😉
Sarah Laureen (08246)
vor 4 Tagen
Kriegerherz Teil 2 ist in Arbeit. Wahrscheinlich kommt er erst nächste Woche raus bzw. ich kann ihn veröffentlichen. Leider ist diese Woche streng verplant...
Sternenschreiber ( von: Kleeblatt)
vor 5 Tagen
Die neuen Kapitel sind echt toll. Besonders gut hat mir der Traum mit Eomer gefallen;) und ich wüsste zu gern wie er weiter geht. Bitte schreib bald weiter mir geht die Geschichte sehr nahe und sie ist soooo schön!!!
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 8 Tagen
...online ;) ... viel Freude beim lesen!
Sarah Laureen (65615)
vor 8 Tagen
Teil 4 wird gerade bearbeitet 😉
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 9 Tagen
Diesen Wunsch erfüllte ich dir nur zu gerne;) Das dritte Kapitel ist geschrieben und online.
Elenath ( von: Elenath)
vor 9 Tagen
Mit jedem Satz wird es spannender ! Man fühlt sehr mit ihr mit und hofft, dass sie auch die ein oder andere gute Sache passiert. Diese Geschichte ist sehr gefühlvoll und ich würde wirklich gerne weiter Kapitel lesen !😍

Ganz liebe Grüße, Elenath
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 11 Tagen
Zweites Kapitel hinzugefügt ;) Viel Vergnügen beim Lesen!
Sternenschreiber (11710)
vor 14 Tagen
Diese Geschichte ist so traurig. Ich kann mich total in sie hinein versetzen,da mir schon viele ähnlich Dinge passiert sind. Bitte schreib an der Geschichte weiter,sie ist zu schön um nicht vorgesetzt zu werden!!!!
Elenath ( von: Elenath)
vor 14 Tagen
Eine tolle Geschichte ! Bitte schreib weiter, es ist gerade so spannend !😍