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In Worlds of Magic 3

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1 Kapitel - 20.710 Wörter - Erstellt von: Alexa2187 - Aktualisiert am: 2017-10-05 - Entwickelt am: - 83 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    *Zeitsprung* Der Brief (10. August 1995)
    Mit zitternden Fingern öffne ich die Schatulle und hole hölzernen Stab heraus. Zu lange habe ich mich davon ferngehalten. Langsam streiche ich über das Ulmenholz, aus dem der Zauberstab besteht. Es ist der meiner Mutter, er passte auch zu ihr. Zauberstäbe aus Ulme suchen sich meist stolze, erhabene und reinblütige Zauberer aus, für die sie dann sehr fortgeschrittene Magie hervorbringen… Ich habe ewig nicht gezaubert, aber seit mich Dumbledores Brief erreicht hat, weiß ich, dass ich wieder damit anfangen muss. Als atme ich tief ein und aus und schließ meine Augen. Also dann… womit fangen wir an? Erst mal etwas Einfaches… „Accio!“ Augenblicklich fliegt das Buch, auf das ich meinen Zauberstab gehalten habe, zu mir. Aufgeregt fange ich es auf. Es ist ein tolles Gefühl, wieder Magie zu benutzen! „Reparo!“ Lächelnd repariere ich den Blumentopf, der mir vor ein paar Tagen heruntergefallen bist. Ich hatte einfach noch keine Zeit, die Scherben aufzuräumen. „Lumos!“ Ein grelles Licht leuchtet auf. „Knox!“ Es erlisch wieder, da spüre ich einen Impuls von meinem Kopf aus. Neugierig blicke ich in den Spiegel und sehe eine junge Frau mittezwanzig mit schulterlangen, goldblonden Haaren und hellen, grauen Augen. Wow! Ich drehe mich einmal im Kreis und fahre mir durch’s Haar. Dann mustere ich mein Gesicht erneut, um doch noch irgendetwas zu finden, was auf mein Alter hinweist, aber ich sehe einfach zehn Jahre jünger aus, als ich bin… Naja… ich zucke mit den Schultern und über weiter. Eine halbe Stunde später klopft eine Eule an mein Fenster und schnell hole ich sie rein. Was sollen die Nachbarn denken, wenn alle paar Tage eine Eule ankommt? Muggel sind es nicht gewöhnt Post von Tieren zu bekommen. Ich lege dem Kauz ein paar Körner aus der Küche hin und öffne den Brief. Er ist von Remus. Ich habe früher noch viel mit ihm geschrieben und ihm von meinem neuen Leben erzählt, aber seit 2 Jahren haben wir keinen Kontakt mehr gehabt.
    Liebe Kate,
    ich denke Dumbledores Brief hat dich schon erreicht… Was passiert ist, ist schrecklich und wir brauchen dich wirklich! Bitte komm zurück und kämpfe mutig und riskant, wie du es früher getan hast! Außerdem kannst du dann endlich Harry und Neville kennenlernen.
    Ich schlucke… ich schaff das schon!
    Dazu gibt es noch einige Ereignisse in der letzten Zeit, von denen ich dir gerne persönlich erzählen möchte.
    Bis hoffentlich bald,
    Remus
    Langsam falte ich den Brief zusammen und versuche meine Schultern zu entspannen. Oh man, die die arme Eule musste den ganzen Weg über den Atlantik zurücklegen. Wie hat sie das geschafft? Naja, ich hole dem Tier Wasser und noch etwas zu Essen. Dann umschließe ich wieder den Zauberstab und übe weiter.
    *Zeitsprung* 10. November 1995
    Ich atme noch einmal tief durch, dann konzentriere ich mich auf das apparieren. Natürlich habe ich es geübt, aber Remus‘ Wohnung ist ziemlich weit weg… dann öffne ich die Augen wieder und stehe tatsächlich wieder vor seiner Haustür. Und offenbar habe ich auch alles noch bei mir. Meinen Zauberstab und den Beutel mit dem Ausdehnungszauber. Es fühlt sich an, als wäre eine große Last von meinen Schultern gefallen, als ich endlich klingele. Ich habe ihn jetzt schon 14 Jahre nicht mehr gesehen… Nach einer kurzen Zeit öffnet Remus die Tür und mustert mich von oben bis unten. Dann fragt er vorsichtig: „Kathrine?“ Ich lächle sanft, hauche: „Remus!“ und falle ihm um den Hals. Auch er drückt mich fest und lässt mich in seine Wohnung. „Du kommst spät…“, sagt er und fährt sich durch das leicht graue Haar. „Aber ich bin gekommen. Ich hab‘ dich vermisst!“ Er lächelt. „Du siehst toll aus, wirklich!“ Ich muss schmunzeln. „Blond steht dir, das habe ich dir schon einmal gesagt!“ „Danke!“ „Wie geht es dir?“, fragt er. „Ganz gut, dir?“ „Auch eigentlich. Die Situation ist beunruhigend…“ „Ja, das stimmt. Voldemort wird seine Todesser wieder zusammenrufen, stimmt‘s?“ „Hm…“ Einen Moment genieße für einen Moment einfach nur, dass ich endlich wieder zurückgekommen bin, dann fällt mir etwas ein. „Ähm Remus, du hast geschrieben, dass du mir noch etwas erzählen willst…“ Seine Miene hellt sich schlagartig auf. „Ja, du solltest dich vielleicht setzen.“ Etwas verunsichert nehme ich am Küchentisch platz. „Also, es ist ziemlich kompliziert.Alles hat damit angefangen, dass Sirius aus Askarban ausgebrochen ist…“ „Was!“, rufe ich laut. „Sch… ganz richtig. Er hat es tatsächlich geschafft zu entkommen.“ „Aber wie? Wie konnte er aus seiner Zelle fliehen und dann noch an den Dementoren vorbeikommen?“ „Tja, das hat vor ihm noch keiner geschafft. Ehrlich gesagt, weiß ich nichts Genaues, nur, dass er sich mit Hilfe seiner Animagusgestalt befreit konnte.“ „Und… und wann war das? Und was hat er vor? Wo ist er jetzt?“ „Ganz ruhig, Kate! Langsam!“ „Tut mir leid!“ „Also es war vor ungefähr zwei Jahren Im August 1993.“ Erwartend schaue ich ihn an. „Und weiter? Was hat er getan? Warum wurde er nicht wieder gefasst? Dieser Mann ist gefährlich!“ „Ist er nicht!“, unterbricht er mich laut. Etwas verblüfft halte ich sofort inne. „Er ist nicht gefährlich!“ „Wie meinst du das? Er ist...“ „Lass mich bitte ausreden!“ „Entschuldigung! Also…?“ „Ich fang ganz von vorne an, okay? Vor all diesen Jahren wurde Sirius eingesperrt, weil er für den Tod von Lily und James, Peter und 12 Muggeln verantwortlich gehalten wurde. Das… war ein Fehler!“ Ich runzele die Stirn. „Worauf willst du hinaus?“ „Er hat nie eine Straftat begangen… Sieht mich nicht so an, als wäre ich verrückt! Alles hat sich aufgeklärt, als er nach Hogwarts gekommen ist, vor zwei Jahren. Er wollte zu Harry…“ „Um ihn zu töten?“ „Nein! Sirius wollte nie irgendjemanden töten! Also… all die Jahre haben wir geglaubt, Sirius hätte Lily und James an Voldemort verraten, aber das war nie der Fall.“ Nach einer kurzen Stille erzählt er weiter. „Es war Peter. James hat Peter zum Geheimniswahrer gemacht, da er geglaubt hat, Sirius sei eine zu offensichtliche Wahl gewesen. Tja, blöd nur, dass unser lieber Wurmschwanz mit der Information zum dunklen Lord gerannt ist, dieser Feigling! Für den Tod der Muggel war Pettigrew auch verantwortlich, dann hat er sich einen Finger abgeschnitten, damit alle glauben, er sei tot. Sirius wurde ohne Anhörung nach Askarban gebracht, weil ja bekannt war, dass er der Geheimniswahrer gewesen ist. Jetzt, nach 14 Jahren ist er raus aus dem Gefängnis auf der Flucht!“ Remus bemerkt mein blasses Gesicht und unterbricht seinen Monolog. „Kate? Hey, alles in Ordnung?“ Mit trockener Kehle antworte ich leise: „Ja… ist nur ziemlich viel Information.“ „Stimmt… Aber ist es nicht toll, dass er wirklich entkommen ist?“ Er glaubt wirklich, dass ich mich freuen würde, aber ich… was bedeutet das jetzt? Ich meine, was soll ich jetzt mit den Neuigkeiten machen? Gerade wo ich mich damit abgefunden habe, zurückzukommen und ohne meine früheren Freunde (außer Remus natürlich) zu kämpfen und dann werde ich wieder in diese Unsicherheit hineingeworfen… „Möchtest du etwas trinken?“ Ich nicke und Remus holt mir schnell ein Glas Wasser. Ich trinke es sofort. „Wirklich alles in Ordnung?“ „Ja, klar! Also wo... wo ist er jetzt?“ Es dauert eine Weile, bis er antwortet. „Im Hauptquartier.“ Ruckartig stehe ich auf und mein Stuhl kippt um. „Was?“ „Der Orden deckt ihn. Das neue Hauptquartier ist außerdem… naja sein Haus. Er hat es Dumbledore zur Verfügung gestellt.“ „Aber das bedeutet ja…. Nein! Du erwartest ja jetzt nicht ernsthaft, dass ich da MIT IHM wohne, oder?“ „Also doch, eigentlich war das so gedacht.“ „Aber da… das geht nicht!“ Er seufzt, Entschuldigend sehe ich ihn an. „Es tut mir leid, Remus, aber er hat mein Leben einmal auf den Kopf gestellt, muss das noch einmal sein?“ „Bitte Kate! Wir brauchen dich!“ Er fleht mich geradezu an… ich weiß, dass er Recht hat, aber… da kommt mir eine Idee. „Na gut… ich… weiß er, dass ich komme?“ Remus schüttelt den Kopf. „Nein, er weiß, dass jemand kommt, aber nicht, dass du das bist.“ „Das ist gut! Denn ich werde nicht bei ihm wohnen…“ „Und wo willst du…“ „Sondern jemand anderes.“ Fragend zieht er die Augenbrauen hoch. Ich gehe zum Küchenfenster und betrachte mein Spiegelbild. „Ich muss zugeben, dass er sich so wahrscheinlich nach 14 Jahren eh nicht erkennt.“, sagt Remus, der verstanden hat, worauf ich hinauswill. Ich nicke. „Stellst du mich vor?“ „Natürlich Miss, wie war ihr Name noch einmal?“ Ich schmunzle, dann antworte ich: „Kathrine Evangeline, aber von meinem ersten Namen muss niemand etwas wissen. So gesehen ist es keine Lüge…“ „Evangeline war der Name deiner Mutter?“ Einen Moment zögere ich. „Ja, das war er…“ „Tut mir leid!“ Ich winke ab. „Und du bist sicher, dass niemand weiß, dass Kathrine Croft wieder zurückkommt?“ „Ja, ziemlich. Dumbledore hat nur gesagt, dass wir einen Neuzugang haben, der bei Sirius wohnt. Ich wusste am Anfang ja auch nicht, dass du damit gemeint bist.“ „Gut! Und wann werden wir erwartet?“ Remus zuckt mit den Schultern „Die Versammlung beginnt in etwa 20 Minuten erst, aber wir können bestimmt schon vorher hin…“ „Okay, dann los. Nimmst du mich mit?“ „Klar!“, antwortet er und hält mir den Arm hin. Ich umschließe meine Tasche fester und atme tief durch. Dann greife ich nach seinem Arm und kneife die Augen zusammen. Wieder habe ich das Gefühl zu fallen und mein Bauch krampft sich zusammen. Als wir wieder Boden unter den Füßen haben, verziehe ich das Gesicht. „Dass ich das früher jeden Tag gemacht habe…“ Remus lacht. „Du gewöhnst dich wieder daran. Früher hattest du sogar noch Spaß dabei.“ Ich verdrehe die Augen und sehe mich um. Wir stehen in einer dunklen Gasse in der Nähe eines Waldes. Die Reihenhäuser vor uns Tragen die Nummern 11 und 13. Ich runzle die Stirn. „Wo ist Nummer 12?“ Kaum habe ich diese Worte ausgesprochen, da erscheint ein drittes Haus in mitten der beiden anderen. Remus steigt die Treppen vor der Haustür hinauf und ich folge ihm in den dunklen Flur.
    - Sirius‘ Sicht -
    Einige Mitglieder haben sich schon in der Küche versammelt, als Remus hineinkommt. Ich lächle ihm zu, als er sagt: „Hallo Leute! Also für alle, die schon da sind, wir haben ein Neues Mitglied.“ Neugierig recke ich den Kopf und hatte schon fast gehofft es wäre sie, aber da betritt eine junge Frau in Tonks‘ Alter den Raum. Ihre Honigblonden Haare sind schulterlang und sie lässt etwas angespannt ihren Blick durch den Raum schweifen. Als sie zu mir sieht und merkt, dass ich sie anschaue, zuckt sie zusammen, lächelt dann aber. „Das ist Evangeline und sie wird hier im Grimmauldplatz wohnen. Ich würde vorschlagen eine kleine Vorstellungsrunde zu machen, weil sie ja noch niemanden kennt.“, fährt Remus fort und Evangeline setzt sich neben Tonks, die auch sofort das Wort ergreift. „Also ich bin Nymphadora Tonks, aber ich mag nur den Nachnamen lieber.“ Die Neue nickt und lächelt sie höflich an. „Mein Name ist Kingsley Shackelbolt.“ „Molly Weasley, freut mich.“ „Und ich bin Sirius Black, der berüchtigte Massenmörder aus Askarban. Ich denke mal, man hat dich schon über meine Unschuld informiert…“, stelle ich mich als Letzter lässig vor. Augenblicklich stirbt das Lächeln in ihrem Gesicht und ernst sagt sie: „Ja, hat man…“ Einen kurzen Moment herrscht Stille, dann räuspert Remus sich leise. „Gut, dann würde ich sagen, Sirius zeigt dir dein Zimmer und die anderen müssten ja auch bald kommen…“ „Okay, dann komm mal mit.“ Ich stehe auf und sie folgt mir die Treppe hinauf. „Also hier gibt ein paar bewohnbare Zimmer hier aber die anderen sollte man besser nicht betreten. Hier links ist dein Zimmer. Meins ist oben.“ Sie öffnet die Tür zu ihrem Schlafraum und betritt ihn, nicht ohne mir einen misstrauischen oder auch etwas ängstlichen Blick zuzuwerfen. Was hat sie den gegen mich? Ich meine gut, vielleicht ist es, weil ich als Verbrecher bekannt bin, aber irgendwie… keine Ahnung…
    Ich gehe also wieder nach unten in die Küche, wo sich nun auch schon Mad-eye, Arthur Weasley, Mundungus Fletschler und -ich stöhne- Schniefelus eingefunden haben. Ich setze mich also wieder hin und warte, bis die Versammlung beginnt.
    Als alle wieder weg sind, durchstöbert Evangeline ein paar Regale und Schränke und sucht offenbar nach einer Beschäftigung. Ich dagegen beginne wieder das Gerümpel irgendwie aufzuräumen. Etwa eine Stunde später suche ich nach meiner Mitbewohnerin. Leise klopfe ich an ihre Tür und betrete das Zimmer. Dort sitzt sie auf ihrem Bett und betrachtet ein Bild. Ich trete etwas näher und als sie mich bemerkt, zuckt sie zusammen und versteckt das Foto unter ihrem Kopfkissen. „Hab‘ ich, herein‘ gesagt?“ „Tut mir leid! Also ich würde jetzt etwas essen, als wenn du willst…“ Sie nickt und murmelt. „Ja…okay… Danke! Ich komm dann gleich.“ „Gut…“ Dann gehe ich wieder nach unten und stelle das Essen, das Molly vorhin für mich gemacht hat, auf den Tisch. Dazu zwei Teller, zwei Gläser und Besteck. Ein paar Minuten später kommt sie in Gedanken versunken schließlich auch in die Küche und setzt sich an den Tisch. Evangeline wirft einen Blick auf das Essen, dann sagt sie: „Das hast du nie im Leben selbst gekocht.“ Ich schmunzle. Eine schöne Art, ein Gespräch zu beginnen. Vielleicht sollte ich mir das aufschreiben, ich meine das erste, was sie jemals zu mir gesagt hat, ist dass ich niemals so gut kochen könnte… amüsant. „Denkst du, ich könnte das nicht?“ Argwöhnisch zieht sie eine Augenbraue hoch. „Molly hat es vorhin gemacht.“, gebe ich zu. „Na bitte…“ Sie nimmt sich etwas und ein langes Schweigen breitet sich aus. Nach dem Essen räumt sie allein die Küche auf. Ich habe ihr Hilfe angeboten, aber sie wollte das selbst machen. Als sie fertig ist, setzt sie sich wieder gegenüber von mir und ergreift nach ein paar stillen Minuten das Wort. „Wie geht’s dir?“ Großartige Konversation. „Okay…“, antworte ich kurz angebunden, aber sie fragt weiter. „Und das ist dein Haus hier? Heißt das, deine Eltern sind…“ „Tot? Ja, sind sie.“ Sie kaut auf ihrer Unterlippe und nuschelt: „Tut mir leid!“ Meine Mundwinkel zucken. „Was?“, fragt sie. „Hast du jemals von der Familie Black gehört?“ „Natürlich!“ „Dann weißt du ja auch, dass wir eine der dunkelsten Familien in Großbritannien sind.“ „Ja schon, aber…“ Sie bricht ab und zuckt mit den Schultern. Dann fällt ihr etwas ein und sie steht auf. „Ich… ich hab‘ noch etwas für dich.“ Evangeline holt eine kleine Viole mit einer durchsichtigen Flüssigkeit aus ihrer Jackentasche und reicht sie mir. „Er leuchtet im Dunkeln wenn man es berührt, ich weiß, es ist nicht viel, aber ich wollte es dir… zum Geburtstag schenken.“ Wow, das ist wirklich nett von ihr, aber… „Woher weißt du, wann ich Geburtstag habe?“ „Ähm…“ Sie stottert eine Weile und scheint zu überlegen, was sie jetzt sagen kann, was mich nur noch misstrauischer macht. „Remus hat… das mal erwähnt.“ Ich runzle die Stirn. „Du kennst Remus schon länger?“ „Ja… äh unsere Eltern sind befreundet…“ Langsam nicke ich und verlegen starrt sie auf den Tisch. „Also danke! Das ist echt nett…“, sage ich. Ihre Mundwinkel zucken und wieder schweigen wir uns eine Weile an. Nach gefühlten drei Stunden steht sie auf und sagt: „Also… ich werde dann mal in meine Zimmer gehen. Bis morgen dann!“ „Ja, gute Nacht…“ Dann geht sie nach oben und ich sitze wieder allein da.
    Am nächsten Tag nach dem Frühstück führe ich Evangeline ein wenig im Haus herum. Schließlich gibt es einige Räume, die sich auf keinen Fall betreten sollte. „So, hier ist der Salon. Die Weasley, Harry, Hermine und ich haben ihn in den Sommerferien in Ordnung gebracht.“ „Harry war hier? Und wer ist Hermine?“ „Eine Freundin von Harry und Ron. Ron ist einer von Mollys Söhnen.“, ergänze ich auf ihren fragenden Blick hin. Beeindruckt bleibt sie vor dem großen Wandteppich der Familie Black stehen. „Ist das dein Familienstammbaum?“ „Jap, da bin ich… oder war ich, bevor meine Mutter mich weggebrannt hat.“ „Warum hat sie…“ „Ich bin von zuhause abgehauen, als ich 16 war. Ich hatte ihren Wahn nach reinem Blut einfach satt. Da hat sie mich aus der Familie ausgeschlossen. Nicht, dass mich as gestört hat. Ich wollte nie ein Teil dieser Verrückten sein.“ Traurig sieht sie mit ihren grauen Augen zu mir hoch und ich muss lächeln. „Tu ich dir jetzt etwa leid?“ Sie antwortet nicht und inspiziert weiter das Abbild. Dann stößt ihr Blick auf eine bestimmte Person und sie zieht die Augenbrauchen hoch. „Bellatrix Lestrange und Narzissa Malfoy sind Schwestern?“ Ich verdrehe die Augen. „Ja, Bella und Zissy… der ganze Stolz meiner Tante.“ „Draco…“, murmelt sie vor sich hin. „Und wer ist das?“ Sie deutet auf ein weiteres Schwarzes Loch neben den beiden. „Oh, da stand mal Andromeda, aber sie hat Ted Tonks, einen Muggelstämmigen, geheiratet, da wurde sie ausradiert…“ Evangeline runzelt die Stirn. „Ted TONKS? Du bist mit Tonks verwandt? Cool...“ Ich lächle ein wenig und sie läuft ein wenig im Raum hin und her. „Ted war dann also der Metamorphmagus, wie sie, stimmt‘s?“ „Ja genau…“ „Und wie ist Harry so?“, fragt sie beiläufig und streicht mit einem Finger über die Möbel. Ich zucke mit den Schultern. „Er ist… naja nett und höflich. Er war ein wenig unter Druck, als er zu uns gekommen ist, weil er ja von Dementoren angegriffen wurde. Das Ministerium hat ihn zu einer Anhörung geholt, weil er deshalb eben gezaubert hat und naja wer ist da nicht gestresst…“ „Dementoren?“ „Ja, hast du nicht davon gehört?“ Sie schüttelt den Kopf. „Naja ist auch nicht so wichtig, also er wurde auf jeden Fall freigesprochen, weil er ja schließlich nur wegen einer lebensgefährlichen Situation gezaubert hat…“ „Ja auch gut so… hätte mich nicht gewundert, wenn Fudge ihn dafür nach Askarban gebracht hätte, der tut ja im Moment alles, um Harry irgendwie runter zu machen, nicht?“ Ich nicke ein wenig und wir setzen uns auf die Couch.“ Was machst du eigentlich sonst so?“, frage ich nach einiger Zeit. „Wie meinst du das?“ „Naja, arbeitest du, oder wo hast du gewohnt?“ „Ähm ich… ich hab‘ keine Arbeit im Moment, ich hab in einem No-M... ich meine Muggel-Wohngebiet gewohnt - Bis gestern eben…“ „Gibt es in Amerika Zauberer?“ „Natürlich! Es gibt eine ganze Gesellschaft, wie hier. Die Macusa ist so wie hier das Ministerium. Die Regeln was die Geheimhaltung von Magie angeht sind ziemlich streng. Man darf auch eigentlich nicht mit no…Muggeln Kontakt haben…“ „No- was?“ „Naja No-Maj. So nennen sie da die Muggel.“ Ich nicke. „Und warum bist du dann jetzt hier?“ „Ähm… Naja ich… Dumbledore hat mir geschrieben, dass ich… dass ihr Unterstützung brauchen könntet…“ Zweifelnd ziehe ich eine Augenbraue hoch, beschließe aber nicht weiter nach zu fragen. Es scheint, dass sie jetzt endlich ein wenig lockerer ist und ich will sie nicht sofort wieder verunsichern. „Und was ist denn dein Lieblingsessen?“, frage ich stattdessen. „Keine Ahnung, ich mag eigentlich alles…“ Aha… „Hast du eine Lieblingsfarbe?“ Sie runzelt die Stirn. „Nein, ich denke nicht. Willst du mir vielleicht verraten, was diese Ausfragerei soll?“ Ich muss lächeln. „Nur so…“, antworte ich mit einem Unschuldsgesicht. Sie schüttelt lächelnd den Kopf. „Du, wir könnten den Flur ein bisschen aufräumen, findest du nicht?“, schlägt sie vor und ich zucke mit den Schultern. Sie nickt und steht auf. Lächelnd folge ich ihr aus dem Salon.
    Etwa zwei Stunden später haben wir den Eingangsbereich von dem Gerümpel, dass ich in den letzten Wochen aus anderen Zimmern hierher verschoben habe, befreit. Natürlich nicht ohne das Portrait meiner Mutter bestimmt zehnmal zum Schweigen gebracht haben zu müssen. „Hinreißende Frau, deine Mum!“, stellt sie mit einem sanften Lächeln fest. Ich lache kurz und wir gehen in die Küche um etwas zu trinken. „Ja, wirklich liebenswürdig!“ Ich streiche mir wieder eine Haarsträhne aus dem Gesicht, als ich bemerke, dass sie kein bisschen erschöpft aussieht, obwohl wir all die magischen Gegenstände ohne Zauberei aufräumen mussten. Scheint, als wäre sie Handarbeit gewöhnt… „Wann hast du Geburtstag?“, frage ich nebenbei. „Am 17. März.“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Am 17? Das war auch Kates Geburtstag… ach egal. Es gibt bestimmt Tausende, die am 17. März Geburtstag haben… „Und äh warst du auf Hogwarts?“ „Ja, Gryffindor!“ „Lieblingsfach?“ „Zaubertränke, definitiv! Ich hab‘ aber leider das Meiste schon wieder vergessen…“ Warum vergessen? Was hat sie überhaupt in Amerika gemacht, wenn sie ja offenbar ihre Kindheit hier verbracht hat? „Wann bist du nach Amerika gezogen und warum? Ich meine du hast ja offenbar hier gelebt…“ Darauf scheint sie wieder keine Antwort zu wissen, denn sie knetet nervös ihre Hände… „Ich… bin kurz nach dem Schulabschluss gegangen…“ Plötzlich ertönt ein metallisches Klicken und ich drehe mich um. „Das ist die Haustür…“, murmle ich und gehe in den Flur.
    - Kathrines Sicht -
    Ich atme erstmal tief durch. Meine Rettung! Dann folge ich Sirius in den Eingangsbereich, wo er sich mit dem gerade eingetroffenen Remus unterhält. „Remus!“, begrüße ich ihn fröhlich. Kurz umarme ich ihn und bemerke dann Sirius etwas verwunderten Blick. Offenbar hat er nicht erwartet, dass wir uns so gut kennen…. Erneut öffnet sich die Tür und ein pinker Schopf streckt sich durch die Tür. Es ist Tonks, die nette junge Frau, neben der ich gestern gesessen habe. „Hi, Sirius! Remus? Was tust du denn hier?“ Er ist etwas überfordert, doch zu seinem Glück schien es keine ernstgemeinte Frage gewesen zu sein denn Tonks wendet sich schon zu mir. „Hallo, Eve! Ich darf doch Eve sagen, oder?“ Ihr strahlendes Lächeln ist ansteckend und ich lächle zurück. „Klar!“ Wir gehen zurück in die Küche und ich setze schnell Tee für alle auf. „Ich hab‘ heute frei bekommen und da dachte ich, ich schau mal vorbei. Wie es euch beiden so geht. Witzig, dass du auch gerade jetzt da bist!“ Letztes war an Remus gerichtet, der lächelt. „Ja, tja…“ „Da fällt mir eine lustige Geschichte ein… Also ich bin letztens zur Arbeit gegangen und wollte ins Aurorenbüro, ist ja klar. Dann wird‘ ich aufgehalten und der Typ meint, ich dürfe nicht eintreten, weil ich kein Mitglied bin und die gerade eine Besprechung haben. Ich frag mich natürlich, was der denn für ein Problem hat, schließlich bin ich sehr wohl Aurorin, da hab‘ ich erst gemerkt, dass ich eine andere Haar- und Augenfarbe hatte als sonst. Ein Wunder, dass er mich nicht erkannt hat.“ Sirius lacht laut und Remus zwinkert zu mir. Ich schmunzle zurück. Ja, das ist mir auch schon einige Male passiert…
    Mit den Beiden vergeht schnell ein paar Stunden mit Tee und lustigen Geschichten. Sie erzählen mir auch alles, was gerade so im Orden vor sich geht und so weiter…
    „Ähm Remus, ich würde gerne noch einmal mit dir reden, bevor ihr geht…“, sagt Sirius und deutet unauffällig zur Tür. „Okay, dann gehen wir in den Salon, oder?“, antwortet Remus und Sirius nickt langsam. Misstrauisch runzle ich die Stirn und auch Tonks schaut etwas verwirrt, dann hebt sie aber die Schultern und dreht sich zu mir. „Wie findest du es eigentlich hier zu leben?“, fragt sie. „Keine Ahnung… ich meine das Haus ist halt alt, aber an Sonsten… ich bin ja auch noch nicht lange hier, also kann ich das nicht so beurteilen.“ „und was hältst du davon, bei Sirius zu wohnen? Ich meine, du hast doch bestimmt früher auch gedacht, er sei ein Verbrecher und jetzt wirst du mit ihm in des selbe Haus gesteckt…“ „Naja, ich hab‘ bisher kein großes Problem damit und ich hab‘ ja auch keine Angst vor ihm oder so… Er ist ja nett und witzig, also ja…“
    - Sirius‘ Sicht -
    „Also ich wollte dich etwas wegen Eve fragen…“ Remus‘ Augenbrauen schnellen nach oben. „Naja, sie hat gesagt, dass sie in Amerika war, aber sie hat ihre Schulzeit hier verbracht und naja… sie spricht davon, dass sie einiges verlernt hat und… naja ich werde nicht wirklich schlau draus und da dachte ich, ihr kennt euch ja offenbar schon ziemlich gut und…“ „Warum fragst du sie nicht selbst, was sie gemacht hat?“ „Ich hab‘ einfach nicht das Gefühl, dass sie mit mir darüber reden will.“ Entschuldigend sieht mein Freund mich an. „Bitte… du musst mir ja nicht alles über sie erzählen, nur… keine Ahnung…“, setze ich nach. Er verdreht nur die Augen. „Nachdem sie die Utzs bestanden hat, ist sie bald weggezogen. Sie hat unter Muggeln gelebt und naja nicht mehr gezaubert, deshalb hat sie einige Rückstände. Sie ist es noch gewöhnt alles ohne Zauberei zu machen, weil sie es, glaub‘ ich, in Amerika auch so gemacht hat.“ Mit zusammengezogenen Brauen nicke ich langsam. „Danke!“ Remus setzt einen strengen Blick auf. „Aber nächstes Mal fragst du sie selbst! Bist doch kein Kind mehr…“ Ich verdrehe jetzt die Augen, muss aber dennoch schmunzeln. Wir gehen in die Küche zurück, wo Tonks gerade ihre Metamorphmagusfähigkeiten vorführt. Eve schaut ihr in Gedanken versunken zu und lächelt sachte, allerdings hat man nicht wirklich das Gefühl, dass sie wirklich anwesend ist. Unser Eintreten reißt sie aber wieder aus der Gedankenwelt. „Ich werd‘ mich dann mal verabschieden…“, sagt Remus und sie steht auf, um ihn zu umarmen. Auch Tonks erhebt sich. „Dann denke ich, dass ich auch gehen werde.“ Eve lächelt und drückt sie auch kurz. Sieht so aus, als würden die zwei sich ganz gut verstehen… etwas später sind sie auch disappariert und meine Mitbewohnerin sieht mich erwartend an. „Was?“, frage ich. „Was willst du jetzt machen?“ Ich zucke mit den Schultern und gehe in die Küche. „Hast du Hunger?“ Sie schüttelt den Kopf. „Ich wollte fragen, ob wir… naja ein bisschen üben können.“ Ich runzle die Stirn. „Was genau meinst du?“ „Ähm… also ich hatte nicht so viele Möglichkeiten Duellieren zu trainieren.“ Ich verstehe worauf sie hinaus will und sage: „Dann können wir das meinetwegen jetzt machen…“ Sie lächelt „Danke! Wo ist denn genug Platz?“ „Ähm vielleicht (Keine Ahnung…).“ „Okay, na dann…“
    Etwas später stehen wir uns mit erhobenen Zauberstäben gegenüber. „Also ich würde sagen, wir fangen mit dem Entwaffnungszauber an. Den Zauberspruch kennst du, nehme ich an.“ Sie nickt sofort. „Ja, ich weiß die Zauber und auch die Bewegung ja alle theoretisch, ich muss quasi nur ausprobieren, ob ich sie dann auch so ausführen kann.“ „Gut, dann versuch es einfach!“ „Okay…“ Sie räuspert sich noch einmal, dann spricht sie deutlich: „Expelliarmus!“ und mein Zauberstab fliegt in hohem Bogen aus meiner Hand. Ich hebe ihn wieder auf und sie grinst begeistert. „Sehr gut!“, muss ich zugeben. „Jetzt kannst du mal probieren, ob du es schaffst, dass der Zauberstab nicht irgendwo hin, sondern zu dir fliegt.“
    In den nächsten Tagen verbessert sich ihr Umgang mit dem Zauberstab immer mehr und sie lernt schnell dazu. Innerhalb von einer Woche hat sie sich zu einem würdigen Gegner entwickelt und ihr Wissen über verschiedenste Zauber und non-verbale Sprüche ist enorm. Sie muss eine gute Kämpferin gewesen sein, bevor sie sich von der Magie abgewandt hat, meine ich. Erstaunlich, dass sie all das schon mit 17 gekonnt hat…
    Etwas außer Atem streicht sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hebt den Zauberstab wieder.
    Wir schreiben den 18. November 1995 und wie die ganze letzte Woche trainieren wir unermüdlich. „Pause?“, frage ich, doch sie erwidert herausfordernd: „Da träumst du von!“ und ich lächle. „Wie du meinst.“ Sie nickt und feuert den nächsten Zauber ab. Ohne Probleme kann ich ihn abwehren, doch es kommen weitere. Sie hat noch ordentlich Power… Langsam komme ich außer Puste und muss mich tatsächlich anstrengen, konzentriert zu bleiben. Da! – Eine kurze Lücke in ihrem Angriff und ich starte eine Offensive. Fast schon spielerisch kann sie alle Flüche abblocken, doch ich dränge sie immer weiter nach hinten. Kurz stolpert sie und mein Zauber verfehlt ihren Kopf nur um Millimeter. „Du wirst unvorsichtig!“, stichle ich und sie zieht eine Augenbraue hoch. „Und Sie nicht, Mr. Black? Der Letzte hätte treffen müssen!“ „Man schock doch keine Mädchen!“ Ihre Mundwinkel zucken und sie schüttelt ihren Kopf. „Tja, das ist eine große Schwäche von Ihnen! Expelliarmus!“ Gespielt verzweifelt reiße ich die Arme nach oben, als sie meinen Zauberstab auffängt. Das bringt sie zum Lachen und sie gibt ihn mir wieder. „Also mir reicht’s für heute…“ „Ach schwächeln Sie jetzt, Miss?“ „Sicher nicht! Sie haben gerade verloren, falls Sie’s nicht gemerkt haben! Mir ist nur aufgefallen, dass ich noch nie im dritten Stock war…“ „Da ist mein und Regulus‘ Zimmer. Soll ich es dir zeigen?“ Sie nickt und folgt mir die Treppe hoch. Im obersten Stockwerk führe ich sie in mein Zimmer.
    - Kathrines Sicht -
    Ich staune über die Vielzahl von Postern, die über der silber-grauen Tapete kleben. Leicht übertrieben verdrehe ich die Augen, als ich die Bilder von lauter Muggel-Mädchen, die starr lächelnd im Bikini dastehen, sehe und Sirius schmunzelt. „Ich hab‘ das so eingerichtet, als ich 15 war.“ „Und die kann man nicht wieder wegmachen?“ „Dauerklebefluch…“ „Ein bisschen Mamie ärgern?“, frage ich schmunzelnd. Er nickt und ich lasse meinen Blick über die restliche Dekoration, die hauptsächlich aus Muggel-Motorrädern und einem riesigen Gryffindor-Banner besteht, schweifen.
    Mit gerunzelter Stirn bleibe ich vor dem einzigen Zauberfoto stehen. Lächelnd sind die Rumtreiber darauf abgebildet. „Das bist du, oder?“, frage ich und er nickt. „Zusammen mit meinen früheren Freunden. Das ist James.“ Er deutet auf den Jungen links neben ihm. Als ob ich das nicht wüsste… Sein Gesicht bekommt einen traurigen Ausdruck. „Harrys Dad…“ „Du vermisst ihn sehr, nicht?“ Er hebt eine Schulter und fährt fort. „Hier ist Peter. Er hat sich Voldemort angeschlossen. Und da ist Remus.“ Ich muss lächeln, doch Sirius‘ Gesicht bleibt ernst. „Das tut mir sehr leid, das mit James meine ich.“ Er setzt sich auf sein Bett und sagt mit rauer Stimme: „Das muss es nicht.“ „Doch muss es! Ich weiß, wie du dich fühlst.“ „Ach ja?“ „Mhm…“ Nach einiger Zeit des Schweigens fragt er: „Warum bist du damals gegangen?“ Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe. „Was… meinst du?“ „Remus hat gesagt, dass du nach der Schule weggezogen bist und bei Muggeln gelebt hast. Warum? Du bist eine begabte Hexe.“ Ich schlucke. „Ich hab‘… jemanden verloren…“ Er runzelt die Stirn. „Wen?“ Soll ich es dir wirklich aufzählen? – Meine Mutter, Marlene, Lily, James, Alice, Frank und… dich! „Ei… eine Freundin!“, antworte ich nur. „Was ist passiert?“ Kalt rauscht es mir den Rücken hinunter, wenn ich daran denke… „Ich will nicht darüber sprechen!“, hauche ich und er nickt langsam. Ich atme noch einmal tief ein und aus, dann stehe ich auf. „Ich würd‘ uns jetzt etwas zu Abend kochen, kommst du mit runter?“, frage ich und halte ihm die Hand hin. Nach kurzem Zögern ergreift er sie und ich ziehe ihn auf die Beine. Dann schenke ich ihn noch ein aufmunterndes Lächeln und wir gehen nach unten in die Küche. Nach dem Abendessen schweigen wir beide unermüdlich und ich beschließe lieber früher ins Bett zu gehen, als hier unten in der Stille zu sitzen und mit Sirius Löcher in die Luft zu starren.
    Am nächsten Morgen fälle ich eine Entscheidung. Etwas, über das ich schon die ganze letzte Woche nachgedacht habe…
    „Sirius?“ „Hm?“ Er blickt von einer Kiste hoch, die er gerade aussortiert. „Ich bin für etwa eine Stunde weg, okay?“ „Was? Wo willst du denn hin? „Ich werd‘ jemanden besuchen.“ „Ich denke du kennst hier…“ „Remus!“, unterbreche ich ihn. Er runzelt die Stirn. „Remus…“, murmelt er, dann zuckt er mit den Schultern. „Dann bis später!“ und er wendet sich wieder den alten Gegenständen zu. Ich ziehe mir eine Jacke über und verlasse das Haus.
    An Remus‘ Tür angekommen, klingele ich und mein Freund öffnet die Tür. „Hey, was machst du denn hier?“ „Ich wollte… naja ich gehe jetzt ins St.-Mungos und habe aber Sirius erzählt, dass ich zu dir gehe. Also wollte ich Bescheid sagen, falls er fragt.“ „Oh… okay! Du gehst zu Alice, oder?“ Ich nicke. „Bist du sicher, dass du das… naja machen willst?“ „Ja, ich schulde es ihr…“ „Na gut. Also falls er nachfragt, wir haben über dies und das gequatscht.“ „Danke!“ Er nickt und ich appariere ins Zaubererkrankenhaus. Wie vor all den Jahren gehe ich in den 4. Stock und stehe vor ihrem Behandlungszimmer. Unsicher trete ich ein und schaue mich um. Da erkenne ich sie. Ihr Anblick treibt mir Tränen in meine Augen. Ihr Gesicht ist eingefallen und sie hat dunkle Schatten unter den Augen. Ihr Haar ist grau und müde starrt sie auf den Boden. „Hallo Alice!“ Meine Stimme ist zerbrechlich und leise, verstohlen wische ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel. Weil niemand außer Frank und mir noch in diesem Raum ist, beginne ich einfach mit ihr zu reden. „Ich weiß, du erkennst mich nicht, aber ich wollte dir trotzdem einfach sagen, dass ich wieder hier in London bin. Ich glaube, du würdest es gut finden, dass der Orden weiter gegen Voldemort kämpft und wenn du nicht… naja, du würdest dich wahrscheinlich auch gegen ihn wehren und…“ Jemand betritt den Raum und ich drehe mich abrupt um. Es dauert einen Moment, bis ich die Person zugeordnet habe, doch dann sage ich: „Miss Longbottom!“ Wir haben uns auf der Hochzeit der Beiden kennengelernt. Sie runzelt die Stirn. „Ja? Kennen wir uns?“ „Ein wenig. Ich war eine Freundin von… Alice und Frank.“ „Sie scheint zu überlegen, dann nickt sie aber. „Kathrine?“ Ich lächle. „Du hast dich gut gehalten über die Jahre!“ „Naja Metamorphmagus eben…“ „Stimmt…“ Dann trübt sich ihr Lächeln aber wieder. „Du solltest nicht lange bleiben… ich wollte meinem Sohn nur schnell neue Blumen bringen, aber es macht nur traurig hier zu sein.“ Ernst nicke ich. „Sie haben recht… Wie geht es Neville?“ Ihre Miene hellt sich ein wenig auf. „Er ist ein wunderbarer Junge geworden! In den Weihnachtsferien kommt er wieder von seinem fünften Jahr in Hogwarts.“ „Ich würde ihn gern mal besuchen.“ „Ach, dann komm in den Ferien doch mal auf ein Tässchen Tee vorbei.“ „Das wäre sehr nett!“ „Gerne doch! Ich schicke ihnen eine Eule!“ „Danke sehr! Einen schönen Tag noch.“ Sie nickt und disappariert. Ich setze mich auf einen Stuhl, der Ecke des Raumes steht. „Ich bin mir sicher, ihr wärt sehr stolz auf euren Sohn!“, murmle ich und sehe zwischen den beiden hin und her. Franks Mutter hat Recht, ich sollte nicht allzu lange hier sein… Also stehe ich auf und verlasse das St.-Mungos. Ich laufe noch ein wenig durch die Straßen von Muggel-London und erreiche Eine leere Gasse. Von dort aus appariere ich vor das Hauptquartier. Mit meinem Zauberstab öffne ich die Tür und spaziere in die Küche. „Sirius, ich bin wieder da!“, rufe ich, doch außer Miss Blacks Geschrei ist Nichts im Haus zu hören. Ich sprinte die Treppen hinauf und durchsuche das komplette Haus, doch er ist nicht aufzufinden. Verzweifelt raufe ich mir die Haare und fluche laut. Dann stürmt ich wieder die Treppe runter und renne dabei fast Kreacher, den Hauselfen um. „Kreacher, wo ist Sirius?“ „Kreacher muss einer Blutsverräterin keine Fragen beantworten.“ „Kreacher!“ Meine Stimme wird lauter und wiederwillig antwortet er: „Der Herr ist nicht im Haus.“ „Das hab‘ ich auch gemerkt! Wo ist er?“ „Kreacher weiß es nicht.“ Da höre ich das Klicken, welches immer ertönt, wenn die Haustür geöffnet wird und ich hebe meinen Zauberstab. Vorsichtig gehe ich in den Flur, als die Tür aufschwingt und mein Mitbewohner eintritt. „Wo warst du?“, fauche ich wütend. „Oh, Eve, du bist schon wieder da…“, sagt er, als hätte er meine Frage überhört. „Sirius, was hast du draußen gemacht?“ „Ich war nur mal frische Luft schnappen.“, antwortet er lässig. „Was! Sirius Orion Black, hast du den Hauch einer Ahnung wie gefährlich das ist? Die Leute halten dich für einen verrücktgewordenen Massenmörder, auch die Muggel! Außerdem hat Dumbledore dir ausdrücklich befohlen im Haus zu bleiben!“, rufe ich laut und er versucht mich zu beruhigen. „Tut mir leid, ich halt’s hier einfach nicht aus. Ich wollte dir keine Schrecken einjagen.“ „Schon gut… ich hab‘ nur wirklich keine Lust mitzuerleben wie sie dich wieder nach Askarban bringen. Du weißt ja nicht was ich mir für Sorgen gemacht habe!“ Fragend zieht er eine Augenbraue hoch und ich senke etwas verlegen den Blick. Nach ein paar Sekunden räuspert er sich und fragt: „Warum bist du so früh wieder da?“ „Ähm… also… Remus hatte noch was vor…“ Er runzelt die Stirn. „Was denn?“ „Keine Ahnung… er musste weg…“ „Passt nicht zu ihm…“ „Ja, ich hab‘ mich auch gewundert… Hast du Hunger?“ Er schüttelt den Kopf. „Ne, aber ich könnt‘ ein Butterbier vertragen.“ „Ja, gute Idee.“, sage ich schnell. Vom Thema abgelenkt… „Accio Butterbier!“, ruft er mit erhobenen Zauberstab und schon kommen zwei gefüllte Krüge zu uns geflogen.
    - Sirius‘ Sicht -
    Wow, so viel Temperament hätte ich nicht zugetraut… ich meine, dass sie so eine Standpauke verteilen kann… Sie erinnert mich fast ein bisschen an… Nein! Egal…
    *Zeitsprung* 30. November 1995
    / Mit Eve hier wohnen macht so viel mehr Spaß als allein! Im Moment ist sie einkaufen und ich bereite alles vor, damit wir schön für Weihnachten schmücken können. /
    Gerade räume ich die Küche auf, da höre ich metallische Klickgeräusche und ordne sie sofort der Tür zu. „Bin wieder da!“, ertönt es aus dem Flur. Ein Lächeln zeichnet sich auf mein Gesicht, als ich sie „Du könntest mir ruhig tragen helfen!“ rufen höre. Dann gehe ich in den Gang und nehme ihr eine der Einkaufstüten ab. „Danke!“, sagt sie etwas außer Atem und streicht sich ein paar Haarsträhnen, die ihr aus den Zopf gefallen sind, hinter’s Ohr. In der Küche angekommen, lässt sie sich auf einen Stuhl fallen. „Warum so erschöpft?“, feixe ich und sie wirft mir einen strengen Blick zu. „Du hast ja keine Ahnung wie lang man bis zum nächsten Dekoladen braucht!“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Ich war bei Muggeln einkaufen, da kann ich weder einfach disapparieren, noch eine Tasche mit Ausdehnungszauber benutzen.“ „Hast du den sowas?“ „Klar, was glaubst du, wo ich meine Sachen herhabe. Hast du mich hier vielleicht schon einmal mit einem großen Koffer gesehen?“ ich nicke. „Und woher hast du Muggelgeld?“ Demonstrativ lässt sie die Schultern fallen. „Du bist ein hoffnungsloser Fall Sirius!“ „Was denn?“ „Ich hab‘ unter Muggeln gelebt, schon vergessen?“ Ich schlage mit der Hand vor die Stirn. „Natürlich!“ Sie zuckt mit den Schultern und kippt den Inhalt der ersten Tasche auf den Tisch. Es sind tatsächlich hauptsächlich Dekorationen für Weihnachten und ich zücke meinen Zauberstab um sie aufzuhängen, doch Eve hält mich zurück. „Selbst schmücken macht viel mehr Spaß, glaub‘ mir!“ „Okay…“ Sie grinst und schnappt sich eine Girlande. Als wir alles zugeordnet haben, machen wir uns an die Arbeit. Es dauert bestimmt zwei Stunden, aber das Ergebnis ist auch dem entsprechend. Sie hat wirklich schöne Sachen ausgesucht und irgendwie sieht es schon nicht mehr ganz so düster und langweilig aus. Außerdem hat sie darauf bestanden, dass wir etwas über die Elfenköpfe hängen, weil es – mit ihren Worten – gruselig ist, sich das immer wieder ansehen zu müssen.
    „Also ich bin zufrieden.“, sagt sie und ich nicke. „Ja, es sieht gut aus!“ „Ach ja, ich hab‘ noch etwas für dich.“ Ich runzle die Stirn und sie kramt in einer anderen Einkaufstasche und holt nun etwas aus Karton daraus. „Was ist das?“, frage ich als sie es mir in die Hand drückt. „Ein Adventskalender. Es gibt ein Türchen für jeden Dezembertag bis Weihnachten. An jedem Tag öffnest du eins davon und darin ist etwas versteckt. Also in dem ist nur Schokolade drin, aber es gibt sie auch in riesig mit Geschenken für jeden Tag. Das find‘ ich nur ein bisschen übertrieben, schließlich gibt es an Weihnachten Geschenke, aber gegen Schokolade hab‘ ich nichts.“ „Cool! Und woher hast du das?“ „Das ist eine Muggel-Tradition. Jeder hat da so ein Ding.“ Ich nicke langsam. „Oh und noch etwas.“ Sie holt einen Kranz aus Tannennadeln. „Noch eine Muggel-Tradition?“ „Jip. Da steckt man Kerzen drauf und jeden Sonntag vor Weihnachten zündet man eine an.“ „Interessant…“ „Ich hab‘ mir all das angewöhnt, als ich unter Muggeln gelebt habe und dachte, das macht euch bestimmt auch Spaß…“ „Euch?“ „ja, Tonks und Molly kommen morgen zum Plätzchen backen.“ „Aha…“, sage ich langgezogen und sie verdreht die Augen. „Kekse! Plätzchen sind wie Kekse.“ Ich schnipse mit dem Finger und nicke. Sehr interessant… dann schwingt sie den Zauberstab und die restlichen Einkäufe räumen sich von selbst auf.
    Der nächste Tag verläuft ziemlich witzig, weil Tonks jede zehn Minuten irgendwas umstößt oder kaputt macht, was dazu führt, dass sich Molly und meine Mutter ein Schreiduell liefern. Eve und ich stehen meistens nur lachend daneben. So auch jetzt wieder.
    „Oh, das tut mir furchtbar leid!“, beteuert Tonks, als sie Mollys gerade fertigen Plätzchenteig auf den Boden hat fallen lassen. Eve und ich sind kurz vor einem Krampf, weil die Szene, die sich abspielt wirklich zu witzig ist: Tonks, die vergeblich versucht noch etwas von dem umgestoßenen Teig zu rette und dabei eine Schüssel Zuckerguss umschmeißt und Molly, der man wirklich anmerken kann, dass sie wieder kurz vor einem Anfall ist. „Ich mach das schon, Tonks. Du solltest vielleicht einfach aus der Küche gehe.“, presst sie nun krampfhaft nett zwischen den Zähnen hervor. Molly verpasst ihr einen sanften, aber bestimmten Stoß aus der Küche, aber diese stolpert und reißt noch einen Stuhl mit zu Boden. Das ist zu viel für Molly und sie muss sich immer wieder beruhigend zusprechen, während Eve Tonks auf die Beine hilft. Und als sie dann zu ihr geht und „Das tut mir wirklich leid!“ sagt, platzt ihr der Kragen und sie ruft laut: „Geh einfach raus! Ich mach das alleine, los, RAUS!“ Sofort verstummt Tonks und scheint diesmal wirklich verletzt zu sein. „Ähm okay… dann tschüss Leute…“ und mit gesenktem Kopf geht sie zur Tür. Blitzschnell packt meine Mitbewohnerin sie am Arm und hält sie vom Gehen ab. „Molly meint es nicht so, okay? Weißt du was, ich zeigt dir jetzt mein Zimmer und wir quatschen einfach ein bisschen, okay? Wir müssen Mrs. Weasley ja nicht beim Backen helfen.“ Augenblicklich hellt sich Tonks‘ Miene auf und sie folgt Eve nach draußen. Ich gehe ebenfalls aus der Küche allerdings nur, um im Flur meine Mutter zum Schweigen zu bringen, die bei Mollys Anfall natürlich mitkreischen musste.
    - Kathrines Sicht -
    „Schönes Zimmer hast du…“, sagt Tonks und lässt sich auf mein Bett fallen. Ich nicke und setze mich neben sie. „Es ist so schön gemütlich, weißt du. Nicht so ordentlich.“, fügt sie hinzu. „Ja, stimmt. Ich bin viel zu viel am Ausprobieren und üben.“ Ich deute auf die vielen Bücher, die überall auf dem Boden verteilt sind und auf den Kessel, in dem ich versuche Zaubertränke zu brauen. Tonks hebt ein Buch vom Boden auf und liest die aufgeschlagene Seite. Sie handelt von der Zubereitung von Wolfsbanntrank. Sofort hält sie inne. „Bist du ein…“ „Nein, nein! Keine Sorge, ganz sicher nicht!“ Ein erleichterter Ausdruck macht sich auf ihrem Gesicht breit. „Wozu brauchst du das dann?“ Ich reagiere nicht auf ihre Frage und lege das Buch schnell zur Seite. „Weißt du was, wir beide machen mal was zusammen.“ Sie nickt heftig und sagt mit Begeisterung: „Oh ja! Ich kann dir zeigen, wo ich wohne und dich meinen Eltern vorstellen. Und ich könnte dir die coolsten Zaubergeschäfte zeigen!“ Ihr Grinsen steckt mich sofort an und ich sage zu. „ich würde ja nächsten Donnerstag vorschlagen. Da hab‘ ich nur Vormittags Aurorendienst.“ „Am 7. also… ja, das ist gut!“
    *Zeitsprung* 6. Dezember 1995
    Verdammt, verdammt, verdammt! Das hatte ich total vergessen! Ich raufe mir die Haare und schlage mit der Faust auf den Tisch. Morgen ist bereits Vollmond und ich hab‘ den Trank nicht rechtzeitig für ihn fertig! Und ich kann ihm noch nicht mal als Wölfin beistehen, weil ich zu blöd bin mich zu verwandeln! Okay… Remus bekommt das schon hin… „Alles in Ordnung?“ Ich fahre herum. Sirius steht lässig im Türrahmen und sieht sich das Chaos in meinem Zimmer an. „Jaja, alles in Ordnung!“ Er nickt. „Was war denn los?“ Ich ziehe fragend eine Augenbraue hoch. „Was war das für ein Lärm?“, harkt er nach. „Oh, es gab eine klitzekleine Explosion. Ich mach das gleich sauber.“ Als er mich mit hochgezogenen Brauen mustert, sehe ich an mir herunter und lasse die Schultern fallen. Sowohl mein T-Shirt, als auch meine Jogginghose ist voller Ruß. Sirius kann sich ein Grinsen nicht verkneifen und ich verschränke die Arme. Doch als ich ihn mir genauer ansehe, muss ich den Kopf schütteln. Wie kann es sein, dass er immer so verdammt gt aussieht? Das ist echt unfair! „Was?“, fragt er, als er meinen Blick bemerkt. „Es ist bloß…“ Ich winke ab. „Egal…“ Er nickt langsam und wir fangen beide an zu lachen. Dann greife ich zu meinem Zauberstab und lasse mit einer schnellen Bewegung den Ruß von meinen Klamotten verschwinden. Sirius lächelt anerkennend. „Non-verbal und ein Reinigungszauber und das perfekt ausgeführt!“ Ich zucke mit den Schultern. Dann schwinge ich den Stab wieder und das Chaos in meinem Zimmer wird in Ordnung gebracht.
    Kurz darauf beschließe ich, ins Bett zu gehen und Sirius geht in sein Zimmer.
    Am nächsten Tag verlasse ich das Haus gegen 12 Uhr und appariere zu Remus. Etwas gestresst öffnet er die Tür und lässt mich rein. „Ich erinnere mich noch an den Tag, an dem du diese Narben bekommen hast.“, erzähle ich, als wir und am Tisch gegenübersitzen. „Ja, Sirius…“ „Hey, es tut mir wirklich leid, dass ich dir nicht helfen kann, aber ich krieg es nicht hin mich zu verwandeln und… der Trank… Ich versprech‘ dir, dass ich ihn bis zum nächsten Vollmond hinbekomme!“ „Das musst du nicht machen! Bitte bleib einfach im Haus und such nicht nach mir. Ich komm schon klar…“
    Etwa eine Stunde später verabschiede ich mich wieder und begebe mich ins Ministerium. Mit gerunzelter Stirn lese ich die Schlagzeilen des Tagespropheten und betrachte das Foto darunter.
    Es ist Harry! Harry Potter! Oh, er ist schon so groß geworden… und er sieht James tatsächlich ziemlich ähnlich! Empört lese ich die Schlagzeile erneut und meine Hand formt sich zu einer Faust. Dass die sich trauen so etwas zu schreiben! Wie können sie die Rückkehr von Lord Voldemort einfach so ignorieren? Naja Fudge nutzt seine Macht eben, dieser verdrehte, alte … Ich schüttle den Kopf und gehe schnell weiter. Auf dem Weg ins Aurorenbüro treffe ich dann auch schon auf Tonks, die auf dem Weg nach unten war, weil sie schon Feierabend hat. „Hey, Eve! Wir können sofort los!“ „Schön!“ Wir gehen zusammen wieder in den achten Stock und stellen uns in den Kamin. Als ich meine Augen wieder öffne, stehe ich in einem kleinen, gemütlichen Wohnzimmer und Tonks zieht mich aus dem Kamin. Sie schmeißt ihre Tasche in eine Ecke und zeigt mir das Haus. „Willst du etwas trinken?“, fragt sie in der Küche. Ich winke ab und sie zuckt mit den Schultern.
    Nachdem sie mich ihren Eltern vorgestellt hat, schnappt sie sich einen coolen Wintermantel und geht mit mir vor die Tür. „Sieh mal! Es schneit!“, ruft sie begeistert und ihr Haar färbt sich für einen kurzen Moment in ein süßes Erdbeerblond. Auch ich sehe lächelnd in den Himmel und beobachte die weißen Flocken. Umso überrumpelter bin ich, als ich auf einmal von Boden gerissen werde und mich die Sekunde darauf in der Winkelgasse befinde. „So, da sind wir! Also dann… suchst du etwas Bestimmtes, oder willst du dich einfach nur umsehen? Weil, ich mein‘ es würde vielleicht ein bisschen lang dauern sich jedes Geschäft anzuschauen…“, sprudelt es aus ihr heraus und ich unterbreche sie: „langsam, langsam. Also... eigentlich suche ich nicht bestimmtes, oh doch, Murtlap-essenz und Blutblasenschoten könnte ich gebrauchen.“, überlege ich. „Du stehst wirklich auf Zaubertränke, was? Also da sollten ir in die Apotheke da vorne. Du weißt aber, dass die meisten Zutaten ziemlich teuer sind, oder?“ Ich nicke und deute auf meinen Beutel. Als wir den Laden betreten, ertönt eine helle Glocke und ich sehe mich um. Es dauert nicht lange, da habe ich alles gefunden und gehe zur Kasse.
    Der restliche Nachmittag vergeht wie im Flug. Tonks zeigt mir alle ihre Lieblingsgeschäfte und ich wundere mich, dass ich manche Teile der Winkelgasse tatsächlich noch nie gesehen habe…
    Es ist spät abends, als ich wieder in den Grimmauldplatz zurückkehre. Tonks und ich waren noch Essen und sind deshalb ziemlich lang weggewesen. Schweigend steige ich die Treppe hoch und gehe zu meiner Zimmertür. Als ich sehe, dass sie offensteht, lehne ich mich lässig in den Türrahmen. Sirius sitzt auf meinem Bett und blättert durch eins meiner Bücher. Ich zücke meinen Zauberstab. „Accio!“ und schon fliegt das Buch zu mir, welches ich dann auffange. Erschrocken steht Sirius auf und dreht sich zu mir. „Ich glaub‘, du hast dich in der Tür geirrt. Dein Zimmer ist zwei Stockwerke weiter oben.“ Unbeeindruckt kommt er auf mich zu und ignoriert den leicht vorwurfsvollen Ton in meiner Stimme. „Hast du eigentlich auch andere Bücher als Zaubertrankrezepte?“ Ich gehe sofort darauf ein, obwohl ich ein wenig nach oben schielen muss, um ihm in die Augen zu blicken. Wäre ich doch an meinem ersten Tag hier etwas größer gewesen… Ich hebe mein Kinn und antworte frech: „Vielleicht suchst du nur an der falschen Stelle…“ Seine Mundwinkel zucken kurz und sein Blick bleibt weiter auf mir haften. Ich halte dem trotzig stand und starre zurück. Er hat sich ja schon immer gern Blickduelle geliefert. Einen Moment scheint er beeindruckt, dass ich gegenhalten, dann schüttelt er leicht den Kopf. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lang wir uns schon anschauen, da räuspert er sich und unterblicht den Kontakt. Ein leichtes Lächeln zeichnet sich auf mein Gesicht und Sirius schmunzelt. Nach kurzem Schweigen schiebe ich mich dann an ihm vorbei in mein Zimmer und deute auf mein Bett. „Ich würde dann…“ langsam erwacht er auf seiner Starre und sagt: „Oh, ja klar! Gute Nacht!“ und er schließt die Tür, nachdem er den Raum verlassen hat. Erschöpft von dem langen Shoppingtag plumpse ich auf mein Bett und atme lang aus. Weil ich zu faul bin jetzt noch aufzuräumen, ziehe ich mich einfach schnell um und schlüpfe unter die Bettdecke.
    Es ist bestimmt schon ein Uhr morgens, als ich mich endlich beschließe aufzustehen. Die letzten Stunden habe ich nur an die Decke gestarrt, wissend, dass ich trotz meiner Müdigkeit nicht einschlafen werde. Ich schreite langsam in meinem Zimmer auf und ab, als mein Blick auf den Beutel fällt, den ich vorhin nicht mehr hatte aufräumen wollen. Gute Idee! Also breite ich meine Decke auf dem Bett aus und schütte den Beutel darauf aus. Ein Haufen Bücher, es sind mindestens zehn… außerdem die Holzbox von meinem Zauberstab, die leere Box von dem Zauberstab, den ich benutze… Als dann vier große Kartons aus der Tasche fallen, höre ich auf. Meine Güte! Wie viel habe ich denn noch da drin! Es wird aber absolut Zeit, das auszuräumen!
    Die Bücher schiebe ich von meinem Bett auf den Boden, die müssen da später wieder rein, ich hab‘ hier einfach keinen Platz mehr in den Schränken! Meine Zauberstabboxen kann ich auf das Fensterbrett legen. Dann greife ich nach dem ersten Karton. Darin sind hauptsächlich T-Shirts und andere Klamotten. In dem zweiten und dritten auch. Im letzten finde ich eine Haarbürste, zusammen mit anderen Zeug für’s Badezimmer. Wo soll das alles denn hin? Ich schüttle den Kopf und greife nach meinem Zauberstab. Dann schmeiße ich einfach alles wieder in den Beutel. Als ich bei den Büchern angekommen bin, fällt mir ein dickes Buch auf. Mit gerunzelter Stirn wische ich den Staub von dem Einband und schlage die erste Seite auf. Meine Augen werden groß, als ich die Schrift erkenne, mit der mein Name in das Fotoalbum geschrieben wurde und sofort schlage ich das Buch zu. Für einen Moment muss ich schmunzeln, als ich meinen rasenden Herzschlag spüre. Nur zwei Worte von Alice geschrieben können mich komplett aus der Fassung reißen.
    Mit beiden Händen umschließe ich den alten, roten Einband und schleiche in den Salon, um mir auf dem urigen Sofa die Bilder anzusehen. Ich atme noch einmal tief durch, dann blättere ich die Seite um und schaue mir das erste Foto an. Meine erste Reaktion ist ein Grinsen, worauf eine Träne folgt. Es zeigt Alice und mich im Alter von elf Jahren. Arm in Arm sehen wir uns erst kurz an und lächeln dann in die Kamera. Im Hintergrund kann man das Schloss Hogwarts sehen. Die nächsten Bilder sind alle on dieser Art. Meine beste Freundin und ich hatten uns damals geschworen jedes Jahr ein Foto zu machen und das haben wir tatsächlich auch gemacht. Als ich bei dem des fünften Jahres angekommen bin und weiterblättere, finde ich eine Fotografie von Lily, Alice und mir auf der Seite. Darauf folgt eine von mir und Remus. Ich streiche über die Narben, die er damals erst vor kurzer Zeit erhalten hat. Etwas erschöpft lächelt er und ich habe meinen Arm um ihn gelegt. Was er gerade durchmachen muss… Durch das winzige Fenster kann ich den vollen Mond erkennen und stütze meinen Kopf in meine Hände. Ohne zu blinzeln starre ich wieder auf den Boden. Es dauert nicht lange und ein Schleier aus Tränen bildet sich in meinen Augen, doch ich realisiere es nicht, so sehr bin ich in Gedanken bei Remus, der gerade bestimmt durch den Wald irrt, auf der Suche nach einer Person, die er verschlingen könnte.
    Plötzlich höre ich, wie sich jemand räuspert und fahre herum. Sirius steht in Schlafklamotten in der Tür und erschrocken knalle ich das Fotoalbum zu und halte es hinter meinen Rücken. „Tut mir leid, hab‘ ich…“ „Nein, nein… alles in Ordnung!“ Langsam kommt er näher und setzt sich neben mich auf das Sofa. „Kannst du nicht schlafen?“, will er nach kurzer Zeit wissen. Ich nicke leicht. „Was hast du dir angesehen?“ „Nichts!“, antworte ich sofort, aber er hebt nur eine Augenbraue und sieht mich mit diesem Blick an, den er immer aufsetzt, wenn ihm eine Antwort nicht passt. Ich wende mich ab und sehe wieder auf den Boden. Nach fünf Minuten Schweigen steht Sirius auf und seufzt: „Ich lass dich lieber allein…“ „Nein!“, entfährt es mir. Sofort halte ich mir den Mund zu, räuspere mich aber schnell, als er sich mit erwartendem Gesicht umdreht. „Wir können ja einfach ein bisschen reden oder so… Ich kann so wie so nicht schlafen. Der Mond…“ Einen Moment scheint er nachzudenken, dann zuckt er mit den Schultern und setzt sich wieder. „Danke!“, hauche ich leise. Er lächelt und ich beginne wieder ihn nach irgendeinem Fehler zu scannen, bleibe aber an seiner Brust hängen. Ein Symbol ist dort in dem tiefen Ausschnitt zu sehen. Er, meinen Blick bemerkt, dreht sich ein wenig zu mir. „Was ist?“ „Seit wann hast du ein Tattoo?“ Ich habe es vorher noch nie gesehen… Sirius folgt meinem Blick und antwortet dann beiläufig: „Ach das… keine Ahnung… ich glaub‘ ich war so 20.“ Ich runzle die Stirn und seine Stimme bekommt einen leicht trotzigen Unterton. „Was ist daran so seltsam?“ Erst jetzt wird mir klar, wie das für ihn ausgesehen haben muss und ich hebe meine Hände. „Oh nein… ich… es ist cool, ich hab‘ mich nur gewundert…“ Er kann ein Grinsen nicht verkneifen, dann fragt er: „Wo sind eigentlich deine Eltern?“
    Nein, nein, nein! Okay… Irgendwas erfinden…
    „Ähm… m… meine Eltern sind getrennt und… ich weiß nicht wo meine Mutter hingegangen. Sie hat den Kontakt abgebrochen. Mein Vater ist viel auf Reisen. Ich hab‘ ihn seit Jahren nicht gesehen…“ „Oh...“ „Ich komm eigentlich gut damit klar. Ich war schon immer ziemlich selbstständig.“ Er nickt langsam. „Wie warst du so in der Schule?“, frage ich nun. Irgendwas muss, Evangeline‘ ja auch von ihm wissen wollen. Er schmunzelt und antwortet dann: „James und ich waren die besten im Jahrgang!“ „Entschuldige mal, ich auch!“, schießt es mir durch den Kopf, doch ich kann mich gerade so zurückhalten. War ja klar, dass er sich daran nicht erinnert…
    Ich blinzle ein paar Mal. Ein einzelner, roter Lichtstrahl fällt durch das Fenster und ich richte mich auf. Sofort rutsche ich ein Stück von Sirius weg, auf dessen Schulter mein Kopf lag. Was zur… Ich schüttle den Kopf und sehe wieder nach draußen. Ist das der Sonnenaufgang? Oder etwa -Untergang? Keine Ahnung… Verschlafen stehe ich langsam auf. Mein Mitbewohner schlummert noch selig in einer sehr ungemütlich aussehenden Position. Wahrscheinlich wollte er sich nicht bewegen, um mich nicht aufzuwecken… Peinlich! Ich knie mich vor ihn und betrachte noch einmal sein Tattoo. Es sieht so aus wie ein Dreizack, wie das Symbol des Planeten Neptun, nur dass die mittlere Zacke fehlt. Ob Remus und die anderen davon gewusst haben? James bestimmt…
    Oh nein, Remus! Ich schlage mir auf die Stirn und stehe wieder auf. Deshalb konnte ich auch nicht schlafen… Ich werfe einen kurzen Blick aus dem Fenster. Ist der Mond schon untergegangen? Egal… Ich stürme in mein Zimmer und stopfe die schon ausgepackten Heiltränke und die Diptam-Essenz in meinen Beutel, greife nach meinem Zauberstab und wäre fast disappariert, als mir Sirius wieder einfällt. Schnell schnappe ich mir einen Zettel und meine Feder um dann
    Hey, ich bin bei Remus! Bis im Laufe des Nachmittags,
    Eve
    draufzukritzeln und ihn im Salon auf den Tisch zu legen. Dann appariere ich und stehe vor seiner Wohnung. Ohne zu zögern öffne ich die Tür mit meinem Zauberstab und trete ein. „Remus?“, rufe ich laut. Als keine Antwort kommt, durchsuche ich jeden Raum, doch er ist nicht hier. „Okay… alles in Ordnung… ich finde ihn schon…“, versuche ich mich zu beruhigen. Wo könnte ein unkontrollierter Werwolf hingehen? Ich denke mal, Remus ist vor seiner Verwandlung weit weg gegangen… aber wo hin? Und… und wie soll ich ihn finden? Vielleicht verblutet er gerade auf dem Waldboden, o… oder liegt bewusstlos auf einer Wiese… Okay, atmen! Ein und aus… gut, an alle möglichen Orte zu apparieren, um ihn zu suchen wäre Schwachsinn. Er könnte überall sein… wenn ich ihn nur irgendwie kontaktieren könnte… Warum haben wir nicht auch so was wie Muggel? Diese Telefone sind total praktisch. Und zudem noch sehr interessant aufgebaut! Zurück zur Frage: wie bei Merlin finde ich ihn? Das Ticken der Wanduhr in seinem Schlafzimmer macht mich nur noch nervöser! Sie zeigt 8.07 Uhr. Der Mond muss doch schon untergegangen sein! Plötzlich höre ich wie die Haustür geöffnet wird und jemand in die Wohnung stolpert. Sofort hebe ich den Zauberstab und schaue, wer es ist. Als ich Remus übel zugerichtet und auf die Kommode gestützt erkenne, stoße ich einen spitzen Schrei aus und er dreht sich mit schmerzverzerrten Gesicht zu mir um. „Kathrine… was machst du denn hier?“ Ich hebe die Hand, um zu verdeutlichen, dass das jetzt wirklich nicht wichtig ist und lege seinen Arm um mich. Langsam bringe ich ihn ins Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa legt. Mit zitternden Händen hole ich etwas Diptam aus meinem Beutel und träufle es auf einen tiefen Schnitt an seinem linken Arm. „Ich denke ich spare mir die Frage was passiert ist…“ Er schneidet eine Grimasse und ich zücke den Zauberstab. Mit ein paar Griffen untersuche ich sein Bein und greife dann nach meinem Beutel. „Accio Abschwelltrank! So, das trinkst du erstmal wegen deinem Arm! Ferula!“ Sofort legt sich eine Schiene um Remus‘ Bein. Brav trinkt er dabei den Trank und sein linker Arm sieht wenig später schon viel besser aus. „Wow, du machst aber auch alles gleichzeitig…“, murmelt er, als ich mich seinem Gesicht zuwende. Hier finde ich zum Glück nur ein paar leichte Kratzer, die ich erst mit einem Tuch säubere und dann mit einem leichten Zauber heil. Ich zucke auf Remus‘ Bemerkung nur mit den Schultern und sehe mir wieder sein Bein an. Der Knochen ist angebrochen. „Also soweit ich das beurteilen kann, ist es nur ein leichter Bruch. Ich kann ihn sofort richten, wenn du willst.“ Er lächelt ein wenig. „Nur zu…“ „Okay… Episkey!“ Remus stöhnt kurz, dann setzt er sich auf und betastet sein Bein. „Ich würde die Schiene noch ein wenig dran lassen, aber spätestens morgen bist du so gut wie neu!“ „Krass, dass du alles noch so gut kannst.“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Keine Ahnung… irgendwie kam alles wieder.“ Remus grinst mich an. „Du bist einfach eine klasse Heilerin! Warst du schon immer.“ Ich lächle verlegen. „Wie war’s eigentlich mit Tonks?“ „Es war schön! Sie hat mir so viele Läden in der Winkelgasse gezeigt, die ich noch nie gesehen habe. Also entweder die sind erst seit kurzem da, oder ich war früher einfach blind.“ Das bringt ihn zum Schmunzeln und er fährt sich durch das gräuliche Haar., „Wie findest du sie denn so?“, fragt Remus betont beiläufig. „Sie ist super nett und witzig! Ich mag sie wirklich und… warum willst du das eigentlich wissen?“ Misstrauisch ziehe ich eine Augenbraue hoch und Remus zuckt mit den Schultern. „Naja… schöne Grüße übrigens.“ Er lächelt, dann deutet er auf meine Kleider. „Schickes Outfit!“ Ich lege den Kopf schief. Ich hab‘ mich nicht umgezogen, deshalb bin ich immer noch in Jogginghose und T-Shirt wie vorhin. „Sehr witzig!“ Dann lache ich aber auch ein wenig. Nach einer kurzen Stille sage ich unsicher: „Remus, ich… bin nicht sicher, ob… naja ich weiß nicht, warum ich damals überhaupt in Gryffindor war…“ „Soll das ‘n Witz sein? Muss ich dir aufzählen, was du alles Mutiges getan hast?“ „Was denn bitte schön?“, frage ich ernst. „Naja zu, Beispiel hast du dich gegen den Willen deiner Eltern gestellt, obwohl du erst 14 warst.“ Ich seufze. „Und dann bist du meine Freundin geworden, obwohl du von meiner… Infizierung wusstest. Du hast mich dabei sogar unterstützt.“ „Remus, das Thema hatten wir schon einmal!“ „Ich bin noch nicht fertig. Du hast dich neben Lily als einzige getraut, James und Sirius bei ihren Hexereien zurechtzuweisen. Ich hab‘ ihnen nie gesagt, dass das falsch ist.“ „hast du wohl! Du hast…“ „Und du bist im Orden des Phoenix und hast schon einige Kämpfe hinter dir. Du bist allein nach Irland gegangen, um um Hilfe zu bitten. Du hast trotz des Verlusts von Lily und James weitergekämpft. Du hast drei Todesser auf einmal fertiggemacht, um Alice und Frank zu rächen. Du bist zurückgekommen, um wieder den Orden zu unterstützen und gegen Voldemort zu kämpfen. Also für mich reicht das als Beweis für deinen Mut.“ „Wenn du das so aufzählst, klingt alles viel besser als es wirklich ist… Ich meine, schau dir an, was ich alles Feiges gemacht habe!“ „Was?“ „Ich… naja ich habe dich hier im Stich gelassen! Ich bin abgehauen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe. Ja, wir hatten Briefkontakt, aber den hab‘ ich irgendwann einfach abgebrochen und jetzt, wo ich zurück bin, traue ich mich nicht es ihm zu sagen!“ Er streicht mir sanft über meine linke Schulter, wo sich die Narbe weiß von dem Rest der Haut hervorhebt. „Kate, du hast hier so viele Verluste erfahren! Es ist verständlich, dass du weggegangen bist! Außerdem hab‘ ich genauso aufgehört dir weiter zu schreiben.“ Etwas verwirrt sehe ich ihn an. „Wie kannst du mir einfach so verzeihen? Ich habe dich allein gelassen. Dabei hast du auch so viel verloren! Und jetzt redest du das auch noch schön?“ Seine Mundwinkel zucken leicht. „Stell die Frage mal anders! Würdest du mir eine solche Tat immer noch nachtragen?“ Ich runzle die Stirn. „Nein…“, antworte ich schließlich. „Also warum sollte ich es tun?“ Wieder kaue ich auf meiner Lippe herum. Eigentlich hat er Recht… „Danke, Remus! Du… ich weiß nicht genau warum, aber du konntest mich schon immer gut trösten!“ Er nimmt meine Hand und drückt sie leicht. „Weil ich dein bester Freund bin, darum!“
    *Zeitsprung* 21 Dezember 1995
    Ein fröhliches Weihnachtslied reißt mich aus dem Schlaf. Was ist denn jetzt los? Ich steige aus dem Bett und öffne die Zimmertür, an der gerade Sirius, Morgen kommt der Hippogreif‘ singend, vorbeiläuft. „Oh, guten Morgen, Eve! Gut geschlafen?“, unterbricht er sein Lied und grinst mich fröhlich an. Etwas misstrauisch runzle ich die Stirn und antworte: „Ja, danke! Was ist mit dir los?“ „Ich weiß nicht, was du meinst!“ Er schlendert weiter und begibt sich in den Abstellraum, um Seidenschnabel, der dort untergebracht ist, zu füttern. Völlig verdattert stehe ich im Gang und schließe abwesend meine Zimmertür.
    Als Sirius wieder summend aus der Kammer kommt, packe ich ihn am Arm und drehe ihn zu mir. „Was hast du intus?“ Fragend legt er den Kopf schief. „Warum bei Merlin bist du so fröhlich?“ Einen Moment scheint er zu überlegen, warum ich so eine dumme Frage stelle, dann scheint es ihm einzufallen. „Ach ja, du hast das ja gar nicht mitbekommen, weil du nur in deinem Zimmer warst…“ jetzt bin ich diejenige, die unwissend die Augenbrauen hochzieht. „Harry ist hier!“, platzt es aus ihm heraus. „Was!“, rufe ich laut und er nickt mit leuchtenden Augen. „Er und die Weasley-Kinder sind gestern Abend gekommen. Einmal Fred und George, die Zwillinge, Ron, Harrys bester Freund und Ginny, die jüngste der vieren.“ Ich runzle die Stirn. „Es sind doch noch nicht mal Ferien!“ Er zuckt mit den Schultern. „Und warum sind sie hier?“ „Arthur ist verletzt worden…“ „Was?“ „Er… Harry hat es gesehen… er hatte so etwas wie eine Vision. Aber keine Sorge, Arthur kommt sicher durch.“ Ich nicke etwas angespannt. Wenn er im Mungos ist, dann ist alles in Ordnung… Jemand kommt langsam die Treppe aus dem zweiten Stock hinunter und mit bleibt fast das Herz stehen. Es ist Harry! Harry Potter! Er geht langsam auf Sirius und mich zu und mustert mich dabei gründlich. Ich bin vor Erstaunen vollkommen starr und erst als Harry direkt bei uns steht und Sirius fragt, wer ich bin, kommt leben in mich. Ich schlucke und strecke die Hand aus. „Hallo… Harry… ich bin Evan… ach einfach nur Eve!“ Er schüttelt meine Hand etwas unsicher und Sirius ergreift das Wort. „Sie ist auch im Orden und wohnt hier seit November.“, erklärt er und Harry nickt und zwingt sich ein Lächeln auf. Man sieht allerdings deutlich, dass er nicht glücklich ist.
    Beim Mittagessen kommen dann auch die Koffer aus Hogwarts und Tonks und Mad-eye begleiten uns durch London. Als wir in der U-Bahn sitzen, gesellt sich Tonks zu Harry und beginnt ihn ein wenig zu bequatschen. „Du hast nicht zufällig Seher-Blut in der Familie?“, fragt sie neugierig. „Nein.“, antwortet Harry kurz. „Nein… nein du machst ja eigentlich keine Voraussagen, nicht wahr? Ich meine, du siehst nicht du Zukunft, du siehst die Gegenwart… seltsam was? Aber recht nützlich…“ Harry antwortet nicht mehr und ich sage: „Wir müssen bei der nächsten raus!“ Sofort springt Tonks auf und als wir aussteigen, übernimmt sie sofort die Führung und wir folgen ihr bis zu dem Kaufhaus namens Reinig & Tunkunter GmbH. Tonks spricht kurz mit der Schaufensterpuppe in dem grünen Kleid und zieht dann Mrs Weasley und Ginny durch die Scheibe. Harry bleibt völlig verdattert stehen, als Ron, Fred und George ihr folgen. Er war offenbar noch nie im St.-Mungos… Als auch ich als letzte durch die Scheibe gleite, gehen wir zu Dilys Derwent, der Aufsicht für heute und sie weißt uns in den ersten Stock, zur Dai-llewellyn-Station. Tonks, Mad-eye und ich warten erstmal draußen, um Arthur nicht zu sehr anzustrengen. Schließlich ist es sehr aufregend zu viel Besuch zu haben. Nach einiger Zeit kommen die Kinder auch wieder hinaus und Tonks, Mad-eye und ich gehen zu Arthur. Es beginnt eine nervige Konversation voller Theorien, warum Voldemort eine Schlange schicken würde und wie sie überhaupt da reingekommen ist. Außerdem haben sie den ganzen Bereich abgesucht und offenbar ist die Schlange nirgendwo zu finden… Mad-eye bringt sogar mit ein, dass Voldemort womöglich Besitz von Harry ergriffen hat, aber das glaube ich kaum. Ich beteilige mich nur halbherzig an dem Gespräch, wir wissen schließlich einfach noch nichts Genaueres und deshalb sollten wir nicht zu viel interpretieren. Es dauert eine Weile, bis wir uns dann schließlich von Arthur verabschieden und wieder in den Grimmauldplatz zurückkehren. Als wir endlich wieder dort ankommen, gibt Mrs Weasley Harry strickte Order, ins Bett zu gehen. Sie hat vollkommen Recht, Harry sieht schrecklich blass aus. Tatsächlich geht dieser auch sofort in sein Schlafzimmer im zweiten Stock. Ich werde allerdings von Sirius abgefangen und er will sofort wissen, wie es Arthur geht. „Er hat das Gift noch in den Adern, aber die Heiler geben sich alle Mühe. Er verspürt kaum Schmerzen, sieht aber ziemlich schlimm zugerichtet aus. Er muss jetzt jede Stunde einen blutbildenden Trank trinken, naja… Harry sieht auch gar nicht gut aus…“ „Hm…“, grummet Sirius vor sich hin. „Ja, ich glaube er macht sich Vorwürfe. Es ist ja auch nicht ganz einfach… Schließlich hat er diese Visionen und weiß nicht warum…“ Ich nicke. Wir gehen in die Küche und setzen uns an den Tisch. „Fred und George setzen sich sofort auf beide Seiten neben mich und schauen mich erwartungsvoll an. „Und…“ „…was tut ihr im Orden gerade so?“, frage sie. Augenblicklich schnellen meine Augenbrauen nach oben und Sirius muss schmunzeln. „Seit wann bist du überhaupt Mitglied?“, hakt Fred nach. „Ich…“, gerade möchte ich antworten, da werde ich schon von George unterbrochen. „Und wie alt bist du eigentlich?“ „Wo wohnst du?“, fährt der andere Zwilling fort. „Stop, stop, stop!“, unterbreche ich jetzt ihren Redeschwall. „Ganz von vorne. Also was tun wir im Orden? - Tut mir leid, aber ich darf euch nichts erzählen. Zweite Frage. Seit wann bin ich Mitglied? - Ich bin hier seit November. Drittens. Wie alt bin ich?“ Ich überlege einen klitzekleinen Moment. Wie alt sehe ich denn aus? Naja ich würde sagen Anfang Zwanzig, oder so… „Ich bin 22 Jahre alt. Weiter. Wo wohnst du? – Im Moment eben hier. Davor in Amerika. Sonst noch Fragen?“ Die beiden werfen sich einen Blick zu. „In Amerika?“, stoßen sie gleichzeitig aus. „Ja! Es ist toll da! Ich habe…“ Ich werde von einem lauten Gebrüll von oben unterbrochen. Es ist Harry, der da schreit. Als er fertig ist, seufze ich lasse meinen Kopf in den Nacken fallen. „Okay, dass Harry so schlecht drauf ist, hatte ich nicht erwartet…“ Auch die anderen scheinen etwas niedergeschlagen. Nach einem Moment schweigen halte ich es nicht mehr aus. „Ich werd‘ mal nach ihm sehen, okay?“, sage ich, stehe auf und steige die Treppenstufen hinauf. Als ich leise an seine Tür klopfe, rührt sich nichts. Also trete ich langsam ein und hatte schon fast eine Standpauke erwartet, doch Harry gibt keinen Mucks von sich. Er liegt da, schlummernd auf einem der Betten und ich lächle sanft. Na dann, schlaf gut, Harry!“, flüstere ich fast Tonlos und schleiche wieder raus. Als ich wieder nach unten komme, sehen mich alle erstaunt an. Offenbar hatten sie nicht damit gerechnet, dass ich lebend wieder hier runterkomme, nach dem Lärm vorhin… „Er schläft jetzt…“, erkläre ich und alle atmen auf.
    Den ganzen restlichen Abend und auch den nächsten Tag bekommt keiner von uns Harry zu Gesicht. Es hat auch niemand Lust, die ganze Zeit auf ihn einzureden, also sitzt er allein irgendwo im Haus und tut irgendwas. Allein. Gegen sechs Uhr abends läutet die Türglocke und ich gehe, um sie zu öffnen. Sirius steht ebenfalls auf, um seine Mutter zum Schweigen zu bringen und wir verlassen die Küche. Vor der Tür steht ein etwa 15-jähriges Mädchen mit bauschigen hellbraunen Haaren und geröteten Wangen. Sie stellt sich als Hermine vor und sofort lasse ich sie ins Haus. Ron hat mir schon von ihr erzählt. Er meinte eigentlich, dass sie mit ihren Eltern Skifahren gegangen ist, aber anscheinend hat sie das abgesagt. „Mein Name ist Evangeline. Du kannst mich Eve nennen.“ Ich schüttle ihr die Hand und sie lächelt mir zu. „Und du bist dann auch im Orden, nehme ich an?“ Ich nicke und bringe sie in die Küche zu den anderen. „Wo ist Harry?“, fragt sie in die Runde, als sie sieht, dass er fehlt. „Er ist irgendwo oben, ich glaub im Abstellraum bei Seidenschnabel. Er will aber mit niemanden reden…“, gebe ich etwas resigniert zurück. Sie beißt sich auf die Lippe, dann sagt sie bestimmt: „Mit mir wir er jetzt gefälligst reden! Kommt dann hoch in Ron’s Zimmer!“, sagt sie bestimmt zu Ron und Ginny und stampft damit die Treppe hinauf. „Ich mag sie!“, meine ich und setze mich zurück an den Tisch, während Ginny und Ron nach oben gehe, wie Hermine es ihnen angeordnet hat.
    „So, jetzt können wir uns darüber unterhalten, was bei Merlin ich allen schenken soll!“, sage ich, als alle Kinder aus dem Raum verschwunden waren. „Also ich hab‘ ja was für Remus, Sirius, Molly und Arthur. Und was bekommt Harry von mir? Und Ron? Und Hermine? Und Ginny? Und Fred? Und George?“, zähle ich immer schneller auf und Sirius hebt schon schützend die Hände, weil ich immer lauter geworden war. „Oh, tut mir leid!“, sage ich jetzt wieder leiser und beginne mit meinen Händen zu spielen. „Wie wär‘s mit etwas für alle zusammen?“, schlägt Molly vor. Ich schneide eine Grimasse. „Und was?“ Sie überlegt einen Moment, dann scheint ihr etwas einzufallen. „Du könntest uns eine amerikanische Spezialität am Weihnachtsfeiertag kochen!“ Ich ziehe etwas argwöhnisch eine Augenbraue hoch, dann sehe ich aber ein, dass ich wohl keine andere Möglichkeit habe. „Na gut… aber vielleicht fällt mir auch noch etwas ein…“
    Am Weihnachtsmorgen sind alle fröhlich und ausgelassen, bis Molly mit geröteten Augen in die Küche gestürmt kommt und sich niedergeschlagen an den Küchentisch fallen lässt. „Was ist, Molly?“, frage ich sorgvoll. Sie deutet auf das Päckchen, das sie mitgebracht hat. Mit einem fragenden Blick zu den anderen öffne ich es und finde einen Weihnachtspulli mit dem Buchstaben, P‘ darauf. „Percys, stimmt‘s?“ Sie nickt leicht und ich lege meine Hand auf ihre Schulter. Ihr Sohn Percy hat den Weihnachtspulli zurückgeschickt. Es gibt im Moment einige Probleme in der Weasley-Familie, aber ich glaube nicht, dass Molly darüber reden will, deshalb schicke ich Fred und George auch sofort wieder aus der Küche, als sie herunterkommen. Dann gehe ich aber auch mal nach oben und treffe auf der Treppe Harry und Ron. Ich wünsche ihnen lächelnd, Frohe Weihnachten‘, da kommt auch Hermine zu uns. Sie will Kreacher eine Flickendecke schenken und ich lasse sie einfach machen. Schnell hole ich die Päckchen aus meinem Zimmer und gehe damit wieder runter. Strahlend verteile ich die Geschenke und ernte viel Dank. Molly bekommt von mir ein Buch mit Muggel-Rezepten, Sirius freut sich auch über …. Und Remus packt lächelnd den versprochenen Wolfsbanntrank aus.
    Als wir mit dem Weihnachtsessen fertig sind, fahren wir in einem vergrößerten Auto erneut zum St.- Mungos um Arthur zu besuchen. Er findet mein Geschenk, es ist ein …, äußerst interessant und stellt es sich auch strahlend auf den Tisch an seinem Bett. Da schaut Molly sich die Verbände unter Arthurs Gewand an und sagt dann scharf: „Arthur man hat die den Verband gewechselt. Warum hat man dir einen Tag früher den Verband gewechselt, Arthur? Man hat mir gesagt, das wäre erst morgen nötig.“ „Was? Nein, nein… nicht der Rede wert… es ist… ich.“, stottert er recht verängstigt und zieht sich die Bettdecke fast bis zum Kinn. „Also… jetzt reg dich nicht auf, Molly, aber Augustus Pye hatte da so eine Idee… er ist der Heiler im Praktikum hier, weißt du, netter junger Mann und sehr interessiert an… ähm… alternativer Medizin… ich meine, manche von diesen alten Muggel-Heilmethoden… als es heißt Fäden, Molly, und sie wirken sehr gut bei… Muggel-Wunden…“ Schnell wende ich mich ab und ziehe Remus hinüber zu dem Bett des Werwolfs, der keinen Besuch hat, als Mrs Weasley so etwas wie ein Schrei ausstößt. Auch die Weasley-Kinder scheinen die Gefahr zu wittern und machen sich langsam aber sicher aus dem Staub. Als Molly dann aber wirklich das Brüllen anfängt, zucke ich trotz Vorahnung zusammen. „WAS SOLL DAS HEIßEN, DAS IST SO UNGEFÄHR DER GEDANKE?“, erschallt es durch das komplette Zimmer und Arthur scheint zu schrumpfen, wie er sich unter der Decke verkriecht. „Irgendjemand muss Molly dieses Gekreische austreiben, die Armen Patienten…“, flüstere ich Remus zu und er scheint es sich sofort zur Aufgabe zu nehmen und geht zurück auf Mrs Weasley zu. „Hey, Molly, beruhig dich! Es ist ja nicht Schlimmes passiert.“, redet er auf sie ein und ich komme dazu. „Stimmt. Weißt du, bei Muggel-Wunden funktioniert das tatsächlich. Ich hab‘ selbst mal so eine Behandlung bekommen, als ich in Amerika war. Ich finde, das war gar keine so schlechte Idee.“
    Nachdem wir Molly endlich beruhigt haben, gehe ich die Kinder suchen. Schließlich finde ich sie im vierten Stock. Gerade, als ich die Station betrete, kommen mir zwei Personen entgegen. Es ist Mrs Longbottom mit Neville. Glaube ich zumindest. Er sieht Alice zumindest ziemlich ähnlich. „Mrs Longbottom?“, mache ich sie auf mich aufmerksam, als sie schon an mir vorbei aus der Station gegangen sind. Sie dreht sich um und lächelt mir zu. „Oh, Kathrine! Schön, dich zu sehen. Neville, komm doch mal her! Das hier ist Kathrine Croft, eine Freundin deiner Eltern. Was für ein Zufall, dass wir dich hier treffen!“, plappert sie darauf los. „Guten Tag! Hallo, Neville!“ Etwas schüchtern lächelt er mich an und ich greife nach seiner Hand. „Du siehst deiner Mutter sehr ähnlich.“, ist das erste, dass ich über die Lippen bekomme. Er blickt betreten zu Boden. „Hey, sie wäre sehr stolz auf dich, Neville. Leider können wir uns jetzt nicht länger unterhalten, ich muss zu Harry, aber vielleicht kann ich ja mal auf eine Tasse Tee vorbeikommen und dann kann ich dir von ihnen erzählen, wenn du willst.“ Diesen Vorschlag findet er offenbar gut, denn er beginnt nach kurzer Zeit zu nicken und Mrs Longbottom verabschiedet sich. Ich sehe ihnen noch einen Moment hinterher, dann trete ich wieder durch die Tür und gehe auf Harry, Ginny, Hermine und Ron zu. „Eve, hallo!“, begrüßen sie mich, offenbar froh, endlich einen Grund zu haben von hier zu verschwinden und kommen zu mir an die Tür. „Tut mir leid, Professor, aber wir müssen jetzt leider gehen. Liebe Grüße!“, ruft Hermine noch einem Mann mit gewellten blonden Haaren und hellblauen Augen über ihre Schulter zu. Etwas verwirrt lasse ich mich einfach von ihnen mitziehen und werfe Alice und Frank noch schnell einen kurzen Blick zu. „Frohe Weihnachten!“, hauche ich und gehe dann zusammen mit den Kindern wieder zu Mr Weasley.
    Auf dem Weg zurück zum Grimmauldplatz, setze ich mich neben Harry, der offenbar in Gedanken versunken ist. „Woran denkst du?“, reiße ich ihn auf seinen Überlegungen. Er antwortet erst nach einem kleinen Moment. „An meine Eltern.“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Wie viel weißt du über sie?“, frage ich nach. Man weiß ja nie… „Naja… Sirius war der beste Freund meines Vaters. Und Remus auch. Er hat mir erzählt, dass er sich immer in Schwierigkeiten gebracht hat… Und von meiner Mutter hat er gesagt, dass sie immer für ihn da war… auch wenn es sonst keiner war.“ Ich ziehe die Brauen zusammen. „Wenn sonst keiner… hat es das wirklich so gesagt?“ „Ja, wieso?“ Ich kneife die Augen zusammen. Was soll das heißen, wenn es sonst keiner war? Wo war ich denn dann die ganze Zeit, wenn nicht bei ihm? „Sieht so aus, als wäre deine Mutter eine tolle Frau gewesen…“, murmle ich nur auf Harrys Frage hin und er lächelt sanft. „Ja, ich glaub‘, das war sie…“
    Als wir dann wieder im Hauptquartier angekommen sind, greife ich Remus‘ Arm und ziehe ihn in eine Abstellkammer. „Was soll das denn jetzt?“, fragt er etwas verdutzt. Ich erwidere etwas trotzig: „Also Lily war immer für dich da, auch wenn es sonst niemand war, ja?“ Er runzelt die Stirn. „Was meinst du?“ „Ist es nicht das, was du gesagt hast? Und… und wo war ich? Was ist mit mir? War ich nicht immer für dich da? Warst du immer alleine ohne Lily?“ Langsam scheint er zu verstehen, woher ich das alles habe und hebt beruhigend die Hände. „Kate, natürlich war ich nicht alleine ohne sie. Und ja, du warst auch immer für mich da, aber als ich das zu Harry gesagt habe, wusste ich einfach nicht… Ich, du warst weg und ich wusste nicht wo, oder ob du überhaupt noch lebst, da habe ich…“ Ich lasse die Schultern fallen. „Schon gut, Remus… Ist in Ordnung. Ich weiß, ich habe dich im Stich gelassen, es ist verständlich, dass du dann nicht herumerzählst, dass ich für dich da war, schließlich bin ich gegangen… Es war meine Schuld…“ Es treibt mir schon wieder Tränen in die Augen und ich senke den Kopf. „Nein, es war nicht deine Schuld, nur…“ „Ist okay… ich weiß schon was du meinst. Du wusstest nicht, wo ich bin, also wolltest du auch nicht darüber sprechen.“ Er nickt und ich wische mir mit dem Handrücken über das Gesicht. „Tut mir leid, Remus! Wir sollten zu den anderen…“
    *Zeitsprung* Ferienende
    / Mein Besuch bei den Longbottoms hat sich als sehr schön herausgestellt. Ich habe Neville alles Mögliche über seine Eltern erzählt, ihm dann aber eingetrichtert, dass er es niemanden sagen soll. Wenn er anfängt, Harry, Ron und Hermine in der Schule zu erzählen, dass Kathrine Croft bei ihm war und ihm alles über seine Eltern erzählen konnte, weil sie im ersten Orden war, wer weiß, was die anstellen würden…/
    Die tolle Zeit mit Harry, Fred, George, Ginny, Ron und Hermine geht langsam zu Ende… Ich mache mich auf den Weg zum St.-Mugos, als Snape in den Grimmauldplatz kommt. „Wo ist Potter?“, fragt er mich unhöflich ohne Begrüßung. Entrüstet schnaube ich. „Also bitte…“ Er verdreht die Augen und rempelt mich zur Seite als er an mir vorbei in die Küche geht. Ich bin kurz davor ihm ordentlich die Meinung zu sagen, doch ich schließe die Augen und versuche mich zu beruhigen. Dann schüttle ich den Kopf und schlüpfe in meinen Wintermantel und disappariere. Molly wird sich schon um Snape kümmern… Im St.-Mungos gehe ich kurz in die Station für lebenslänglich geschädigte Zauberer und Hexen und stelle Alice und Frank neue Blumen hin, dann gehe ich zurück in den ersten Stock zu Arthur. Er steht auch schon bereit in seinem gestreiften Schlafanzug. Glücklich grinst er, als ich durch die Tür trete und greift nach einem Regenmantel und zieht ihn über. „Kann’s losgehen?“, fragt er und ich nicke. „Klar!“
    Dann bringe ich ihn zurück ins Hauptquartier und die anderen Weasleys begrüßen ihn auch fröhlich. Als wir aber in die Küche gehen, müssen wir uns eine schreckliche Szene betrachten. Arthur ruft noch strahlend: „Wieder gesund! Vollkommen genesen!“, da sieht auch er, was los ist. Snape und Sirius bedrohen sich gegenseitig mit ihren Zauberstäben und Harry zwischen den beiden mitten in dem Versuch sie zu trennen. „Beim Barte des Merlin, was geht hier vor?“, sagt Mr Weasley und das Lächeln ist aus seinem Gesicht verschwunden. Snape steckt seinen Zauberstab weg und rauscht durch die Tür an uns allen vorbei, dann zischt er noch: „Montagabend um sechs, Potter.“ und schon ist er verschwunden.
    „Was ging hier vor?“, fragt Arthur erneut und Sirius antwortet sofort: „Nichts, Arthur… Nur eine freundliche kleine Unterhaltung zwischen zwei alten Schulkameraden.“ Ich kann mir ein Glucksen nicht verkneifen und Sirius lächelt gestellt. „Also… du bist geheilt? Das ist ja großartig, wirklich großartig.“
    Nach einer Weile kommen auch Mad-eye und Mungungus vorbei um Arthur zu beglückwünschen und essen mit uns zu Abend. Es war das letzte Abendessen mit den Kindern, doch anstatt dass es fröhlich und lustig zuging, kann man die Anspannung deutlich spüren. Da können Fred und George noch so viele Witze reißen, man merkt einfach, wie Sirius vor sich hin grübelt und Harry leise und bedrückt mit Ron und Hermine redet.
    Als die Gäste wieder gegangen sind und auch die Kinder im Bett liegen, gehe ich mit Sirius in den Salon. „Musste das vorhin sein?“, beginne ich ein Gespräch. „Was?“ Ich ziehe tadelnd die Augenbrauen hoch und er seufzt. „Snape hat angefangen…“ „Ich weiß, heißt aber nicht, das…“ Er unterbricht mich: „Du weißt?“ „Ja, natürlich will Snape dich provozieren. Das heißt aber nicht, dass du darauf so reagieren musst. Das hätte ganz anders enden können!“ Er verdreht die Augen. „Sei doch nicht so…“, fange ich an, doch mir fällt kein Wort ein, dass sein Verhalten angemessen beschreiben würde. Jetzt ist es an ihm, die Augenbrauen hoch zu ziehen. „Wie denn?“ „Na… ich meine… ich weiß, Harry muss morgen wieder gehen, aber du tust ja so, als wärst du komplett allein, wenn die Weasleys und er weg sind…“ Jetzt verziehen sich seine Mundwinkel zu einem Lächeln und auch ich grinse. „Schon besser! Ach und wehe, du tust irgendetwas Unüberlegtes, nur weil Snape dir immer sagt, dass du keine Hilfe für den Orden bist.“
    Nach dem Frühstück am nächsten Tag, legen alle Kinder, Tonks und Remus ihre Jacken und Schals an und wir verabschieden sie. Ich habe beschlossen, die anderen nicht bis zum Bahnhof zu begleiten, sonst ist Sirius ganz alleine und heute habe ich das Gefühl, er braucht dringender Gesellschaft, als zuvor. „Auf Wiedersehen, Harry! Ach und lass dich von Umbridge nicht so sehr ärgern…“, füge ich zwinkernd hinzu. Diese Ministeriumstussi soll ruhig mal kommen… Als ich alle verabschiedet habe, beobachte ich, wie Sirius Harry ein kleines Päckchen überreicht. Jetzt steckt Harry das Geschenk in seine Jackeninnentasche. „Dann mal los.“, sagt Sirius nun und schon geht sein Patensohn zu den Weasleys an die Haustür. Molly umarmt Harry auch noch fest und Arthur schüttelt ihm die Hand. Nun, da sie sich wirklich verabschieden müssen, drückt Sirius ihn noch einmal an sich, dann wird er auch schon nach draußen geschoben und stolpert die Treppe zur Straße hinunter. Dann fällt die Tür hinter ihm mit einem Knall zu und Sirius seufzt und geht wortlos in die Küche. Nach ein paar Sekunden folge ich ihm und setze mich neben ihn an den Tisch. „Woran denkst du?“, frage ich. Er zuckt mit den Schultern. „James… Wir haben uns immer riesig gefreut wieder nach Hogwarts zu kommen.“ Ich muss lächeln. Ja, das kann man sich prima vorstellen. Sie hatten schließlich nicht die geringsten Probleme mit Lernen oder so, bleibt also nur der Spaß, die schönen Landschaften und seine Mitschüler. „Und daran, dass ich jetzt akzeptieren muss, dass Harry auch wieder dahin muss.“, vollendet er seinen Gedanken. Ich nicke langsam. Es scheint ihn wirklich ziemlich zu beschäftigen…
    *Zeitsprung* 23.Mai 1996
    Ich bin dabei ein paar der letzten Kisten mit geerbten Gegenständen auszuräumen, als Sirius völlig in Gedanken versunken, auf ein Foto starrend in den Salon kommt. Er setzt sich auf das Sofa und spielt mit seinen Haaren. „Was hast du da?“, frage ich und schaue ihm über die Schulter. Sofort weicht jegliches Lächeln aus meinem Gesicht. Warum hat er ein Foto von mir? Immer wieder wiederholt sich eine Szene, die offenbar in Hogwarts stattgefunden hat: Ich drehe mich lachend im Schnee und wende dann lächelnd den Kopf zur Kamera. Ich kann mich daran nicht mal erinnern! „Äh… wer ist das?“, frage ich unschuldig und endlich verliert Sirius diesen abwesenden Blick. „Ihr Name ist Kathrine, Kathrine Croft, sie war mit mir in der Schule.“ „Und?“ „Und was?“ „Und warum hast du ein Foto von ihr?“ Er antwortet eine Weile nicht, dann schluckt er. „Sie war mit Remus befreundet, sie war, also ich dacht früher immer, sie war in ihn verliebt.“ Meine Augenbrauen schnellen nach oben. Wie bitte! „War sie nicht!“, kommt es aus meinem Mund und ich könnte mich ohrfeigen. Jetzt wird Sirius hellhörig und er dreht sich zu mir um. „Und woher willst du das wissen?“ „Remus hätte mir bestimmt davon erzählt.“, versuche ich mich zu retten. Er scheint mit der Antwort nicht ganz zufrieden zu sein, doch er bleibt still.
    *Zeitsprung* 19. Juni 1996
    Ich steige die Treppe in den dritten Stock hinauf und betrete Sirius‘ Zimmer, doch hier ist er nicht aufzufinden. Hm… Langsam gehe ich zu dem anderen Zimmer in diesem Stockwerk. Hier drin war ich noch nie… Auch in diesem Raum ist er nicht. Ich drehe mich gerade um und mache einen Schritt durch die Tür, da rumpelt es in dem alten Kleiderschrank. Mit gerunzelter Stirn gehe ich langsam darauf zu. Den Zauberstab schon in der Hand, öffne ich langsam die Tür und ein schlaffer Körper fällt heraus.
    - Sirius‘ Sicht -
    Ich vernehme einen verzweifelten Schrei von oben und sofort bin ich in Alarmbereitschaft. Ich zücke meinen Zauberstab und steige dann die Treppe hoch bis in den dritten Stock, aus dem der Schrei kam. Als ich oben angekommen bin, bleibe ich stehen. Eine zierliche, junge Frau kniet vor etwas auf dem Boden von Regulus‘ Zimmer und lehnt sich darüber. Ihr braunes, langes Haar fällt bis auf den Boden und als sie mich bemerkt, dreht sie den Kopf zu mir und blickt mich flehend mit verweinten, grünen Augen an. Ich trete ungläubig näher und erkenne, neben was sie kniet. Es ist ein toter, blutüberströmter Körper. Als ich ihn mir genauer ansehe, erkenne ich auch die Person: Es ist Alice Longbottom. Die Frau wendet sich wieder zu der Leiche, da verändert sie plötzlich Erscheinungsbild und Lily liegt vor uns. Vollkommen überrumpelt starre ich auf ihr blasses Gesicht, das von roten Haaren umrahmt ist. Ich schüttle den Kopf, das kann nicht sein! „Nein!“, schnieft die kniende Frau und wieder dreht sie sich zu mir. Als ich erneut ihr Gesicht sehe, weiten sich meine Augen. „Kathrine!“, hauche ich und eine weitere Träne kullert ihre Wange hinunter. „Hilf mir!“, weint sie und als sie sich wieder zu dem Irrwicht dreht, verändert er erneut seine Gestalt und ich sehe einen Klon von mir aus dem Boden liegen. Mein Gesicht ist blass und meine Augen geschlossen. Kathrine schüttelt nur den Kopf und murmelt immer wieder: „Das kann nicht sein! Das ist völlig unmöglich!“ Dann dreht sie sich wieder zu mir und formt mit dem Mund: „Tu doch was!“, dann starrt sie wieder auf den Irrwicht, der nun wieder so aussieht wie Alice und das war’s dann. Ihr Kopf sinkt auf ihre Schultern und ihre Augen sind geschlossen. Endlich kommt wieder Leben in mich und ich räuspere mich. Okay… was tue ich? Dann ziehe ich Kate auf die Beine, trage sie dann in mein Zimmer und lege sie auf mein Bett, wo sie dann auch wieder zu sich kommt. „Ich kümmere mich darum.“, murmle ich gehe zurück zu dem Irrwicht.
    - Kathrines‘ Sicht -
    Vollkommen hilflos richte ich mich auf und starre auf den Boden. Alles in Ordnung… es, es war nur ein Irrwicht, nichts weiter… U… und Sirius hat…. Er hat mich Kathrine genannt! Ich versuche aufzustehen, falle aber sofort wieder auf die Matratze zurück. Also greife ich nach meinen Haaren und sehe mir die Längen an. Sie sind wieder braun. Na dann kann ich auch erraten, was für eine Augenfarbe ich habe… Nach einem Moment kommt Sirius wieder zurück ins Zimmer und bleibt etwas unbeholfen vor mir stehen. Ich vermeide es komplett ihm in die Augen zu sehen und kaue auf meiner Unterlippe herum. „Kate?“, fragt er schließlich mit rauer Stimme. Ich nicke. Er schüttelt seinen Kopf und schmunzelt kurz. „Du siehst genauso aus wie früher…“ Jetzt muss ich auch kurz leise lachen. Dann greift er nach meinem Arm und zieht mich wieder auf die Beine. Anfangs schwanke ich ein wenig, dann atme ich tief durch und hebe den Blick. „Ich… versteh‘ es irgendwie nicht…“, sagt er und ich schlucke. „Ich auch nicht.“, antworte ich leise. Darauf zieht er die Brauen zusammen und ich blicke ihm weiter tapfer in die Augen. „Okay…. ähm naja… es… ist schön dich zu sehen, Kate.“ Meine Mundwinkel verziehen sich zu einem sanften Lächeln und ich erwidere: „Ich habe es dir doch schon mal gesagt… für dich Kathrine!“ Er schmunzelt und ich falle mit ein. Doch dann wird er auf einmal wieder ernst und wirft mir einen durchdringlichen Blick zu. Jetzt stirbt das Lächeln auch aus meinem Gesicht und er streicht mir eine Strähne hinters Ohr. Kurz zucke ich zusammen und er zieht die Hand zurück. „Tschuldigung…“, murmelt er und ich starre einen Moment auf den Boden. Dann schlucke ich und atme tief ein und aus. Ich hebe mein Kinn und blicke ihm wieder in die Augen. Einen Moment starren wir uns einfach nur an, dann trete ich einen Schritt auf ihn zu. Er öffnet den Mund um etwas zu sagen, doch ich lege meinen Finger auf seine Lippen. Ich stelle mich ein wenig auf die Zehenspitzen und drücke ihm einen kurzen Kuss auf den Mund. Schnell mache ich wieder einen Schritt zurück und sehe ihn auf seine Reaktion wartend an. Er starrt mich allerdings nur völlig ausdruckslos an und ich senke den Kopf und nuschle: „Tut mir leid…“ Da streckt er die Hand aus und hebt mein Kinn und ich öffne die Augen wieder, schließe sie aber sofort, als er sich zu mir lehnt und meine Lippen seine berühren. Er legt seine Hand in meinen Nacken und zieht mich an ihn ran. Ich spüre seinen Herzschlag direkt an meinem und sein Atem streift meine Lippen. Wir versinken in diesem längst überfälligen Kuss. Meine Sinne setzen vollkommen aus, doch da ertönt ein lauter Knall und ich drehe den Kopf zur Tür. Sirius hat die Augen ebenfalls wieder geöffnet, sagt: „Ist wahrscheinlich nur Kreacher…“ und streicht mir über die Wange. Ich sehe ihn entschuldigend an, löse mich dann aber von ihm und hauche: „Tut mir leid…“ Schnell sprinte ich in Regulus‘ Zimmer, hebe meinen Zauberstab vom Boden auf und steige die Treppe hinunter. Während ich renne verfärben sich meine Haare und auch Augen wieder zu goldblond und grau. Das war nie im Leben Kreacher! „Evangeline? Sirius?“, ertönt ein lauter Ruf aus dem Salon und ich folge meinem Ohr. „Tonks? Remus?“ Außerdem stehen noch Mad-eye und Kingsley im Raum und scheinen ziemlich aufgelöst. „Was… was ist los?“, frage ich etwas außer Atem. „Eve, wo ist Sirius? Harry, er… Snape hat gesagt…“, stammelt Tonks komplett überfordert und Remus löst sie ab. „Harry ist ins Ministerium, weil er glaubt, Sirius ist dort. Eve, wo ist er?“ „Ich zeige zur Tür und antworte immer noch ohne Verständnis: „Er ist doch hier! Oben.“ Na gut, das stimmt jetzt nicht mehr so ganz, Sirius kommt durch die Tür und sieht all die Besucher erstmal ziemlich verdutzt an. „Sirius, Harry ist ins Ministerium, um… naja, Snape hat gesagt, er hatte wieder eine Vision von dir und Voldemort in der Mysteriumsabteilung und ist jetzt dorthin um dich zu retten.“, erklärt Tonks noch einmal von vorne. „WAS?“, ruft Sirius laut. „Da…dann hat er nicht Okklumentik gelernt. Von Voldemort und mir… Er glaubt… Dann ist das wahrscheinlich eine…“ „Falle!“, unterbreche ich seinen Redeschwall. „Glauben wir auch.“, meint Kingsley und Mad-eye grummelt: „Na worauf warten wir dann?“ Ich nicke und umschließe meinen Zauberstab fester. „Gut, los!“, spricht Tonks sich selbst zu.
    Wir reisen per Flohpulver ins Ministerium und sprinten nach unten. Endlich finden wir Harry in der Halle des Todes. Er ist gerade dabei Lucius Malfoy eine Prophezeiung zu überreichen, doch dieser wendet sich zu uns und hebt gerade den Zauberstab, doch Tonks ist schneller und schon werden die ersten Flüche abgefeuert. Ich sprinte die Treppe hinunter und versuche mir dabei einen Überblick zu verschaffen. Ich erkenne Neville einige Meter unter mir, er kriecht auf dem Boden um sich vor den vielen Zaubern zu schützen. Harry liegt ebenfalls flach auf dem Boden. Als ich endlich unten angekommen bin, finde ich mich auch schon sofort in meinem ersten Duell gegen einen Todesser namens Avery. Er feuert unentwegt Flüche auf mich ab, doch es ist keine sonderlich schwere Aufgabe sie abzuwehren. Der nächste Blitz verfehlt mich so weit, dass ich fast laut auflache, doch dann fällt mir wieder ein, was für eine verdammt ernste Situation das hier ist. Ich starte jetzt meine offensive und Avery ist so überfordert, dass er immer weiter rückwärts stolpert, bis er über seine eigenen Füße fällt und ich ihn mit einer schnellen Bewegung schocke. Gerade, als ich seinen Zauberstab wegstoße, saust ein Blitz so knapp an mir vorbei, dass ich vollkommen überrascht herumfahre. Rudolphus Lestrange scheint es auf mich abgesehen zu haben und schon befinde ich mich in einem Duell gegen ihn. Sein Stil ist explosiv, anstrengend, äußerst stark, allerdings nicht gerade ausdauernd. Funken schießen aus unseren Zauberstäben und Flüche fliegen hin und her. In diesem Tempo kann es unmöglich weitergehen! „Stupor! Impedimenta! Protego!“ und so kämpfen wir eine gefühlte Ewigkeit noch, als Neville auf einmal laut schreit: „DUBBLEDORE!“ Ich fahre herum. In dem Türrahmen zu einem der anschließenden Räume. Na das wurde aber auch langsam Zeit! Ich drehe mich wieder zu dem Todesser um, doch das Letzte, was ich sehe, ist ein orangenes Licht, das auf mich zurast. Mit voller Wucht stoßt der Zauber mich gegen die nackte Steinwand und ich spüre, wie Blut aus meinem Kopf fließt. Außerdem habe ich höllische Schmerzen an einer der unteren Rippen, doch mit zusammengebissenen Zähnen richte ich mich wieder auf. Mit zusammengekniffenen Augen kommen wir in die Endphase unseres Duells und ich gewinne die Oberhand. Endlich schaffe ich es, Rudolphus zu entwaffnen und verpasse ihm einen ordentlichen Schockzauber, sodass er umkippt.
    Ich wische mir über die Stirn und bemerke, dass nur noch ein Paar kämpft. Es sind Sirius und Bellatrix. Das Familienduell… Sirius weicht fast schon spielerisch den Blitzen aus Bellatrix‘ Zauberstab aus und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. „Komm schon, du kannst es doch besser!“, ruft er durch das Gewölbe, doch seine Cousine hat sich das anscheinend zu Herzen genommen, denn der nächste Strahl trifft ihn direkt auf der Brust. Ich reiße die Augen auf und renne los. Nein, tue ich nicht, meine Füße sind wie festgewachsen und vollkommen regungslos beobachte ich die schreckliche Szene vor mir. Elegant wie immer macht sein Körper einen Bogen und sinkt nach hinten. Alles in Ordnung… es war nur ein Schockzauber! Du bekommst ist wieder hin, es ist alles okay… Langsam fällt er durch den Schleier, der von einem Steinbogen auf dem Podium herabhängt und jetzt, wo ich ihn genauer betrachte, fällt mir wieder ein, was das für ein Vorhang ist. „NEIN!“, versuche ich zu kreischen, doch aus meinem Mund kommt kein Ton. Ich weiß, wenn er dort hindurchfällt, gibt es keinen Weg zurück. Die Stimmen, die von der anderen Seite kommen, scheinen nach ihm zu rufen und ich will losrennen. Ich will zu ihm, ihn auffangen, von diesem Schleier wegziehen und den Zauber auflösen, doch ich bewege mich keinen Zentimeter. Bellatrix triumphierender Schrei ertönt, doch ich blende alles um mich herum aus. Auch Harrys Hilferufe und seine verbissenen Versuche zu seinem Patenonkel zu kommen, realisiere ich nur schwach. Einige Todesser beginnen wieder Flüche abzufeuern, doch ich stehe einfach da und lasse alles um mich herum geschehen. Ich fühle mich leer. Ausgelaugt. Einfach nicht mehr ganz. Ein Blitz rauscht nur einen Millimeter an meinem Ohr vorbei, doch ich tue einfach nichts. Ich weiß nicht wie lange ich da stehe, als ich von einer Person zur Seite gestoßen werde und langsam beginnt mein Körper wieder auf meine Befehle zu reagieren. Ich sehe mich um. Der Mann, der mich zur Seite gestoßen hat, was Remus. Er duelliert sich jetzt mit ich glaube Dolohow und Ich hebe ebenfalls meinen Zauberstab. Ich stelle mich an Remus‘ Seite und gemeinsam dauert es nicht lange, bis wir den Todesser besiegt haben. „Kate, du kannst nicht einfach mitten in einer Schlacht stehen bleiben und nichts tun!“, schimpft er lautstark, als endlich niemand im Raum mehr einen einzigen Fluch abfeuert. Wie in Trance drehe ich mich zu ihm um. „Tut mir leid!“, murmle ich, dann starre ich ihn mit glasigen Augen an. „Was ist mit mir los, Remus?“ Er zieht fragend eine Augenbraue hoch. „Ich fühle mir so… leer.“ Er blinzelt ein paar Mal und öffnet gerade den Mund um etwas zu sagen, da bemerke ich ein leises Schluchzen hinter mir. Sofort drehe mich um und finde eine auf dem Boden kauernde Tonks. Ihr Haar hat sich braun verfärbt und ihr Gesicht ist in den Händen vergraben. Schnell knie ich mich neben sie und lege meinen Arm um sie. „Ww…warum?“, heult sie und ich sehe hilfesuchend zu Remus. Er weiß sich aber auch nicht wirklich zu helfen. „Warum musste er…?“, nuschelt Tonks wieder und ich antworte: „Er ist jetzt bei seinen Freunden. Wir können nichts mehr tun.“ Endlich richtet sie sich auf und blickt mir mit verheulten Augen entgegen. Einen Moment sehen wir uns einfach so an, dann schluchzt sie erneut auf und fällt in meine Arme. Sie klammert sich an meine Schultern und eine Weile halte ich sie so fest. „Entschuldigung!“, schnieft sie und steht langsam auf. „Ist in Ordnung!“, erwidere ich und bin selbst überrascht, wie ruhig meine Stimme klingt. Tonks wischt sich noch einmal mit dem Handrücken über das Gesicht, dann atmet sie tief durch. „Geht wieder!“, behauptet sie tapfer, doch ich weiß, dass es eine Lüge ist. „Ach du… Was bei Merlin ist denn mit dir passiert?“, ruft sie nun laut. Fragend runzle ich die Stirn, was meint sie denn? Tonks deutet auf meinen Kopf und da spüre ich wieder, wie Blut daraus läuft. Auch der Schmerz an meinem Rücken setzt wieder mit voller Wucht ein und ich verziehe das Gesicht. Sie tastet meine Rippen ab und stellt besorgt fest, dass eine davon wahrscheinlich gebrochen ist. Jetzt hat sie auch Remus‘ Aufmerksamkeit und er sieht sich meine Verletzungen an. „Mugos!“, ist das einzige, was er kommentiert und legt seinen Arm in meine Kniekehlen. Trotz meines lautstarken Protestes, trägt er mich bis in das Zaubererkrankenhaus, wo sich sofort ein Heiler um mich kümmert.
    *Zeitsprung* 30. Juni 1996
    Wieder vollkommen genesen warte ich zusammen mit Remus, Moody, Tonks, Arthur, Molly, Fred und George ungeduldig in Kings Cross. Der Hogwarts-Express ist doch bestimmt schon längst eingetroffen… Da! Na endlich! Harry, Ron und Hermine kommen zusammen mir Ginny vom Gleis 9 ¾ und Molly stürmt sofort auf sie zu. Als sie endlich fertig ist, alle zu begrüßen, erklärt Remus Harry, was wir vorhaben. Am anderen Ende des Bahnhofes warten auch schon die Dursleys und ich muss sagen sie sehen schon von der Ferne ziemlich unsympathisch aus. Harrys Tante Petunia hat ein paar Ähnlichkeiten mit Lily, aber man kann nicht sagen, dass sie die schönere Seite ist. Nachdem wir einen kleinen amüsanten Plausch mit ihnen gehalten haben, verabschiede ich mich von Harry und er hebt noch die Hand zum Abschied, bevor er mit seinem Onkel und seiner Tante den Bahnhof verlässt. Auch die Weasleys und Hermine verabschieden sich und gehen in die Ferien. „K… Eve, wie geht’s dir?“, fragt Remus ernst und Tonks meint: „Stimmt, du bist ja gestern erst entlassen worden…“ Ich winke ab. „Mir geht es Bestens“ Es war ja auch nur ein leichter Bruch.“ Remus zieht argwöhnisch eine Augenbraue hoch. „Der Heiler hat gesagt, es ist viel schlimmer als es aussieht. Du hast dir drei Rippen gebrochen!“ Ich verdrehe nur die Augen. „Außerdem meinte ich das nicht.“ Ich schlucke und auch Tonks wendet sich ab. Mad-eye grummelt irgendetwas Unverständliches vor sich hin und humpelt davon. Ich werfe Remus einen strafenden Blick zu, als ich vernehme, dass Tonks ein leidendes Schluchzen unterdrückt. Dann lege ich wieder einen Arm um sie und spreche ihr leise zu. „Hey, wollen wir vielleicht zusammen noch einen Kaffee trinken gehen?“, schlage ich vor um sie abzulenken. Sie nickt und schnieft noch einmal. Also umarme ich schnell Remus und verabschiede mich.
    Ich zeige ihr ein nettes Muggel-Café in London, dass sie noch nicht kennt und wir setzen uns an einen kleinen, runden Tisch. Ich habe ihr schon einmal die Muggel-Getränke vorgestellt und sie war so vernarrt in Kaffee, dass sie seitdem immer einen bestellt, wenn wir in einem Muggel-Restaurant sind. „Ich hab‘ gar kein Muggel-Geld dabei“, sagt sie leise und ich ziehe meine Geldbörse aus meinem Beutel. „Ich lad‘ dich ein!“ Sie lächelt dankbar und winkt dem Kellner. Nachdem wir bestellt haben, setzt eine traurige Stille ein, bis sie fragt: „Hast du vielleicht ein Taschentuch?“ Ich reiche ihr meinen Beutel. „Ja, irgendwo da drin. Benutz Accio, wenn nötig!“ Sie nimmt ihn und greift hinein. Nach einer Weile suchen, zieht sie ein Buch hinaus. „Oh…“ Sie blättert kurz durch und stutzt. Mit weit geöffneten Augen zeigt sie auf eines der Bilder, die in das Album eingeklebt sind und schlägt sich dann mit der Hand vor den Mund. „Was ist?“, frage ich vollkommen überfordert, da erkenne ich das Buch, dass sie in der Hand hält. „Oh nein, verdammt!“, fluche ich und ziehe sie auf die Beine. Dann schnappe ich mir den Beutel und ziehe sie zu den Toiletten. Von dort aus appariere ich dann auf eine Waldlichtung im Jackwood, einem der kleinen Wälder in London.
    Sie sinkt auf die Knie, als wir dort angekommen sind und es treten Tränen in ihre Augen. „Woher hast du das?“, fragt sie durch die Tränen hindurch und ich seufze. „Ich versteh das nicht, Eve, woher hast du solche Bilder?“, ruft sie laut. Ich knie mich neben sie und sehe mir das Foto an, von dem sie geredet hat. „Es ist…“ Ich muss es ihr erklären… „Hast du dich nie gewundert, dass du mich nicht schon vorher mal getroffen hast? Ich meine wir hätten uns doch von Hogwarts kennen müssen, wäre ich da wirklich vor ein paar Jahren noch hingegangen.“, beginne ich und sie hört auf zu schluchzen. Offenbar hat sie sich noch nie darüber Gedanken gemacht. Naja ich habe jedenfalls ihre vollkommene Aufmerksamkeit, als ich fortfahre: „Es tut mir leid, dass ich… euch etwas vorgespielt habe, aber mein richtiger Name ist Kathrine. Remus weiß das, ich… war mit ihm in der Schule.“ Tonks stößt einen unerklärlichen Ton aus, dann schüttelt sie den Kopf. „Nein!“, meint sie ruhig. „Nein, das kann nicht sein! Dann wärst du ja jetzt 36!“ Ich schließe die Augen und meine Haare färben sich braun, bevor sie wachsen bis sie mir bis zur Taille reichen. „Meta… aber wie? Das…“, stottert sie vor sich hin und ich hebe die Hand um sie zum Schweigen zu bringen. „Ich weiß, das ist viel auf einmal, aber ich musste das jetzt mal sagen. Das Foto, dass du in der Hand hast, da ist Sirius drauf, das hast du ja schon erkannt. Es war im siebten Jahr kurz vor’m Abschluss. Hier ist Remus, da James mit Lily, Peter und hier bin ich.“ Sie starrt wortlos das Bild an und es dauert eine Weile, bis wieder Leben in sie kommt. „Aber warum hast du das getan? Ich verstehe das alles nicht!“, fragt sie mit zusammengezogenen Brauen. „Ich…“ weiß einfach nicht, wie man es erklären kann… Also breche ich ab und blicke zu Boden. Nach ein paar Sekunden meint sie nachdenklich: „Du hast viele deiner Freunde verloren.“ Ich sehe ihr in die Augen und ernte einen mitleidigen Blick. „Alle auf dem Bild außer Remus und dir sind…. Gestorben, das ist so schrecklich!“ Ich nicke. „Ja, es war hart. Ich hab‘ mich damit abgefunden, nach einiger Zeit. Jetzt müssen sie wenigstens diesen Krieg nicht auch noch miterleben, aber das mit Sirius…“ Jetzt liegt es an ihr mich zu trösten, denn meine Augen werden feucht. Nein! Ich habe die ganze Woche nicht geweint, ich werde jetzt nicht damit anfangen! Mit aller Kraft wehre ich mich dagegen, doch ich kann nichts gegen diese Welle von Trauer tun. Ich beginne stumm zu weinen und wische aber nach einiger Zeit die Tränen aus dem Gesicht. Irgendwie fühlt es sich gut, alles losgelassen zu haben. Nicht nur das ich Sirius schrecklich vermisse, nein, auch, dass Tonks, meine neue beste Freundin, endlich weiß, wer ich wirklich bin.
    Ich räuspere mich und murmle: „Der Kaffee wird kalt!“ Tonks schmunzelt und steht auf. Auch ich erhebe mich und wir apparieren mit Buch und Beutel zurück in das Café.
    Wir setzen uns wieder an unseren Tisch, auf dem tatsächlich schon unser Kaffee steht. Zum Glück habe ich meine Jacke über dem Stuhl hängen lassen, sonst hätte der Kellner wahrscheinlich gedacht, wir wären gegangen. Tonks schlägt wieder das Fotoalbum auf, doch ich greife danach. „Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.“ Sie nickt und gibt es mir wieder zurück und ich lasse es in meinem Beutel verschwinden. „Wie war er denn so… also früher?“, fragt sie mit einem Kloß im Hals und ich halte für einen Moment die Luft an. „Sicher, dass ich dir von ihm erzählen soll?“ Sie nickt heftig und sagt bestimmt: „Ich will ihn nicht vergessen! Niemals! Und es wäre schön, noch mehr über Sirius zu erfahren.“ Meine Mundwinkel zucken leicht und ich atme tief durch. „Na gut… also naja… wir haben uns eigentlich nicht wirklich gut verstanden. Weißt du, es war schon im ersten Jahr so, dass wir uns irgendwie voneinander abgestoßen haben…“
    Flashback
    Ich hieve meinen Koffer in den Zug und steige dann ein. Neugierig sehe ich mich um. Es ist sicher abenteuerlich auf Hogwarts. Wo ich doch so viele Dinge über Ilvermorny gelesen habe, vielleicht wird es hier ja auch so schön! Ich hätte natürlich Bücher über diese Schule in Schottland gewälzt, aber ich weiß ja erst seit ein paar Monaten, dass ich auf diese Schule gehen werde und hoffe einfach, dass ich mich gut einfinden werde. Langsam schaue ich mich nach einem noch freien Platz um und finde tatsächlich noch ein vollkommen leeres Abteil. Ich setze mich auf den Platz am Fenster gegen die Fahrtrichtung und schiebe meinen Koffer zur Seite. Ein Junge mit schwarzen, abstehenden Haaren steckt seinen Kopf durch die Tür und fragt: „Kann ich mich setzen?“ Ich nicke freundlich und strecke ihm die Hand hin. „Kathrine! Und wie heißt du?“ Er drückt sie kurz und antwortet: „Ich bin James!“ Ich lächle ihm zu und richte meinen Blick dann wieder aus dem Fenster. Der Zug ist inzwischen losgerollt und ich beobachte all die Elternpaare, die ihren Kindern zuwinken. Etwas geknickt versinke ich in Gedanken an meine Familie, als James sich räuspert und fragt: „Weißt du schon in welches Haus du willst?“ Ich runzle die Stirn. „Hier gibt es auch Häuser in den Schulen?“ Er schmunzelt. „Ja! Es gibt vier. Gryffindor, das ist das Beste! Dann Slytherin, da kommen nur die Reinblüter hin, also die die stolz darauf sind und so… Außerdem noch Hufflepuff, das ist das Haus für die loyalen, treuen und fairen Schüler. Und Rawenclaw, dort kommen die sehr intelligenten und kreativen Schüler rein. Sag mal, bist du Muggelgeboren?“ „Hä?“ „Na, dein Blutstatus.“ Ich lege den Kopf schief und James sieht mich unverständlich an. „Sind deine Eltern Muggel? Also normale Menschen, die nicht zaubern können?“, fügt er auf meinen immer noch total verwirrten Blick hinzu. Jetzt endlich verstehe ich, was er von mir will und antworte. „Nein, meine Eltern sind beide Zauberer, warum?“ Jetzt ist es an ihm, fragend zu schauen, doch er zuckt dann mit den Schultern und betrachtet wieder seinen Zauberstab. Offenbar hat er mich jetzt schon als seltsam abgestempelt… Nach einer Ewigkeit stehe ich mal auf um mir die Beine zu vertreten. Ich mochte lange Fahrten noch nie. Also laufe ich ein wenig durch den Zug und sehe unauffällig in die anderen Abteile. Meine braunen Haare fallen mir dabei immer wieder ins Gesicht, weshalb ich in meiner Hosentasche nach einem Haargummi suche und sie mir in einen Zopf zusammenfasse. Ich laufe noch ein wenig weiter, als ich mit einem Jungen zusammenstoße. Er hatte etwas zu trinken in der Hand, was sich jetzt über mein komplettes T-Shirt ergießt und wütend funkle ich ihn an: „Pass doch auf!“ Meine grünen Augen blitzen und der Junge vor mir meint nur: „Entschuldigung!“, kann sich aber ein Grinsen bei meinem Anblick nicht verkneifen. Ich verdrehe nur die Augen und stoße ihn einfach zur Seite und will gerade die Toilette suchen, als er mir hinterherruft: „Ich bin übrigens Sirius Black.“ Wütend drehe ich mich um. „Denkst du, das interessiert mich?“ Und schon rausche ich ab. Nach einer Weile treffe ich ein Mädchen mit schwarzen, kurzen Haaren auf dem Gang. „Hallo, oh, was ist denn mit dir passiert?“, fragt sie, als sie mein Oberteil bemerkt. Ich stöhne und will gerade einfach weitergehen, als sie ein Taschentuch aus der Tasche zieht und es mir gibt. „Ich kann dir die Toilette zeigen, da kannst du dich dann komplett abtrocknen.“, sagt sie und lächelt mir zu. Es ist ein nettes, hilfsbereites Lächeln. Sie macht sich nicht über mich lustig, sie will mir helfen und dagegen habe ich nun wirklich nichts. „Danke schön!“, sage ich und sie winkt ab. „Komm!“, meint sie und führt mich durch den Zug bis zur Toilette. Sie hilft mir mit meinem T-Shirt und dabei reden wir ein wenig. „Ich heiße Alice… . Ist das auch dein erstes Jahr in Hogwarts?“ Ich nicke. „Ja, es ist alles ein wenig ungewohnt hier. Ich bin Kathrine. Eigentlich sollte ich nach Ilvermorny, aber wir sind jetzt doch hierhergezogen, deshalb kenne ich mich irgendwie gar nicht aus…“ Sie fragt höflich: „Ist Ilvermorny auch eine Zaubererschule?“ „Ja, sie ist in Amerika, ich komme von da.“ „Ist ja spannend! Soll ich dir etwas über Hogwarts erzählen?“ Ich nicke begeistert. Ich war schon immer ziemlich wissbegierig und gespannt höre ich ihr zu, wie sie mir alles erzählt, was sie weiß. Endlich haben wir es geschafft, das ganze Wasser zu trocknen und ich verabschiede mich wieder von mir. „Vielleicht sehen wir uns ja später wieder! Hat mich gefreut!“ Dann gehe ich zurück zu meinem Abteil, doch als ich ihn betrete, bleibe ich abrupt stehen und schließe die Augen. James sitzt neben einem Jungen, dessen Gesicht ich mir lieber nicht gemerkt hätte. Sirius! Sie lachen gerade total ausgelassen, als James mich bemerkt. „Kathrine, das ist Sirius. Sirius, das ist Kathrine.“ Sirius grinst wieder verschmitzt und meint amüsiert: „Und, alles wieder trocken?“ Ich kneife meine grünen Augen zusammen und schnaube. Mit dem werde ich sicher nicht den Rest der Fahrt verbringen! Also greife ich einfach nach meinem Koffer und will gerade wieder aus dem Abteil verschwinden, als Sirius aufsteht und mir den Weg versperrt. „Hey, war doch nicht böse gemeint.“ Und beruhigend hebt er die Hände. „Es ist mir ehrlich gesagt vollkommen egal, wie es gemeint war, würdest du jetzt bitte zur Seite gehen und mir rauslassen?“ Als er sich keinen Zentimeter bewegt, remple ich ihn einfach und verlasse das Abteil mit einem Seufzen. Na das war ja mal ein guter Start in das erste Schuljahr…
    Ich finde wieder das Mädchen von vorhin und sie ist so freundlich und lässt mich noch in ihr Abteil. Als wir dann endlich nach Hogwarts kommen, ist es bereits dunkel und wir fahren mit Booten auf das wunderschöne Schloss zu. Wir werden in die große Halle geführt, wo anscheinend eine Art Zeremonie stattfinden soll. Eine etwas ältere Hexe, ihr Name ist McGonnagall, erklärt uns erneut, welche Häuser es gibt und wir werden bald schon zugeteilt. Nicht wie in Ilvermorny, wo die Staturen der verschiedenen Häuser reagieren, wenn sie den Schüler in ihrem Haus haben wollen, sondern ein alter, lederner Hut teilt uns zu, nachdem er ein lustiges Lied gesungen hat. Sirius Black ist einer der ersten und etwas nervös setzt er sich auf den Stuhl. Es dauert eine Weile, doch dann ruft der Hut laut: „Gryffindor!“ Diese Nachricht hat Mr Black anscheinend so umgehauen, dass er wie starr vor Schreck auf dem Stuhl sitzen bleibt und nicht wie die Schülerin vor ihm zu dem entsprechenden Tisch geht. Professor McGonnagall muss ihn in die richtige Richtung schieben und fast wäre er gestolpert, als er die paar Treppenstufen herunter zu seinem Tisch geht. Es fällt mir sichtlich schwer nicht loszukichern, doch all meine Albernheit verfliegt, als mein Name aufgerufen wird: „Kathrine Croft?“ Langsam trete ich hervor und setze mich ebenfalls auf den Stuhl. Da höre ich eine sanfte Stimme in meinem Ohr: „Kathrine Croft, Kathrine Croft. Von deiner Familie habe ich noch nie etwas gehört… Ach aus Amerika kommst du… dann ist das hier alles relativ neu für dich, aha… Nun, du bist durchaus intelligent, doch Ravenclaw, ich weiß ja nicht. Gryffindor wäre wohl eine bessere Entscheidung. Jaja, ich denke, da passt du gut rein, mit deinem Mut und Stolz. Du bist äußerst tapfer, Mädchen, ich weiß, was deine Familie mit dir macht… Nun denn, pass bloß auf, dass jemand dich nicht als arrogant abstempelt, wenn du niemanden an dich ranlässt, oh ja… Viel Glück! GRYFFINDOR!“, das Letzte war wohl für jeden deutlich zu hören und die Mitlieder dieses Hauses beginnen zu klatschen. Nicht ganz sicher, ob ich mich freuen sollte oder nicht, stehe ich auf und setze mich an den langen Tisch mit dem roten Wappen. Leider ist dort auch eine gewisse andere Person, die mich nun neugierig mustert. „Da hat der Hut aber eine Weile gebraucht, bis er dich zugeteilt hat…“ Ich verdrehe die Augen. „Hat er das? Naja lieber braucht der Hut lange, als dass ich vor Schreck fast die Treppe runterfalle.“, gebe ich kalt zurück. Für einen Moment ist er still, dann meint er: „Wo bist du eigentlich hingegangen vorhin?“ „An einen Ort an dem mich keine schwarzhaarigen Jungs nerven!“ „Hey, sag nichts gegen meine Haare!“ Kurzerhand greife ich einfach nach meinem Kürbissaft und ergieße ihn vollständig auf seinen Umhang. Sieht so aus, als wären wir quitt. Wenigstens hält er jetzt den Mund…
    Flashback Ende
    Als ich die Geschichte zu Ende erzählt habe, beginnt Tonks kurz zu lachen, kriegt sich aber relativ schnell wieder ein. „Naja wir haben uns einfach nicht wirklich gut verstanden… Das ging dann eigentlich die ganzen nächsten Jahre so, bis es nicht mehr bei einfachen Sticheleien und Generve blieb. Das war so in der Vierten… James und Sirius hatten immer Spaß andere Schüler, meistens Slytherins zu ärgern. Da hatte ich aber ordentlich was dagegen, und dadurch haben wir uns halt auch ziemlich oft in die Haare gekriegt…“
    Eine Weile schweigen wir, dann fragt Tonks ernst: „Wie war es damals? Im ersten Krieg meine ich…“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Nun ja… es war nicht viel anders als jetzt… Also am Anfang…“ „Meinst du, es wird wieder…“ „…einen Krieg geben? Ja, ich denke schon.“

Kommentare (3)

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Alexa2187 (31639)
vor 9 Tagen
Hey... so, *lang ausatmen* das war's. Und ich denke eigentlich, dass man das nicht extra sagen muss, aber nehmt sie euch nicht als Vorbild. Also das Ende, das hat nichts heldenhaftes oder was auch immer. Naja auf jeden Fall noch einmal Danke, dass ihr so lange durchgehalten habt.
Liebste Grüße,
Alexa2187
rosa einhorn (92025)
vor 17 Tagen
Bitte schreib weiter das ist voll spannend❕❕❕
Saphira (98127)
vor 25 Tagen
Wann schreibst du weiter???