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Mobbing

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2 Kapitel - 2.202 Wörter - Erstellt von: Anastorias - Aktualisiert am: 2017-09-27 - Entwickelt am: - 96 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit


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Hallo,
schön, dass du Interesse an meiner kleinen Geschichte hast. Ich werde ab und zu in der Perspektive springen (du und ich), aber ich denke, dass dürfte nicht weiter schlimm sein. Du fragst dich bestimmt wer ich bin. Nun, ich bin durch die Erfahrungen sehr vorsichtig geworden und vertraue wenigen Menschen. Das ist schon einmal eine mehr oder weniger direkte Folge des Mobbing. Ich bin seit einer Weile Volljährig und kann dementsprechend mit etwas mehr Abstand auf das Zurückliegende blicken. Vor ein paar Jahren war mir das noch nicht möglich gewesen, aber ich greife vor. Damals war ich nicht übergewichtig oder dick, sondern schlank, aber (noch) nicht dünn oder dürr.

Alles fängt mit der Grundschule erst richtig an aber ich fang mal kurz mit den Kindergarten an, denn da da gab es schon Ausgrenzungen. So durfte ich eigentlich nie irgendwo mitspielen. Vielleicht kennen das einige von euch, wenn man nur daneben steht und anderen zuschaut. Der Höhepunkt war, dass mir jemand den Kopf gegen die Wand geschlagen hat, ich kann sogar noch den Namen nennen. Dem hab ich später zwischen die Beine getreten, unbeabsichtigt natürlich. Ich weiß nicht mehr viel aus dem Kindergarten zumindest nicht das, was interessant wäre. Ich war froh endlich da raus zu sein, aber als dann die Einschulung dran war ahnte ich schon, dass es nicht so toll wird, wie ich dachte. Mein Schulranzen war, so lächerlich es klingt, der ausschlaggebende Punkt. Diesem verdammten Teil verdanke ich die ersten vier Jahre mit vergleichsweise harmlosen Sticheleien, die aber mit jedem Jahr schlimmer werden. Es war ein altes Ding aus Leder. Klar, dass man sich darüber lustig macht, leider konnte man sich einen Neuen nicht leisten. Ich habe das natürlich nicht verstanden. Am ersten Tag gab es schon komische Blicke von den anderen Kindern. Der Tag darauf war schon voll mit Geläster über das alte Ding. Dabei war der nur auf alt getrimmt und neu gekauft, wie ich erst später erfahre. Die ersten Wochen vergingen damit, dass man sich schließlich über weitere Dinge lustig macht. Der Schulranzen hatte die Spirale angetreten und die ließ sich nicht mehr aufhalten. Nach ein paar Wochen ging es vom Ranzen zur Kleidung. Kinder sind grausam, sie finden immer etwas Neues. Ich verspürte damals schon Hass, als Achtjähriger. Es legte sich immer wenn ich nach Hause kam, aber irgendwann fand man es toll, auf körperliche Dinge zu gehen. Große Ohren, die ich mittlerweile nicht mehr habe, ein unglücklicher Haarschnitt und so weiter. Dann wurde das volle Programm durchgezogen: Ich wurde ausgegrenzt, wie im Kindergarten. Durfte in den Pausen nicht mit den Jungs mitspielen. Also spielte ich mit den Mädchen. Die waren nur fünf, auf etwa zwölf Jungs. Das hat natürlich auch noch mehr Geläster ausgelöst und in der Parallelklasse fing man auch schon an zu reden. Man sagt ja immer, dass man bei sowas Freunde finden sollte, was sich immer so einfach anhört. Ich war alleine. Meine „Freunde“ saßen zwar oft neben mir im Unterricht, aber in der Pause wollten sie nicht mit mir zusammen spielen. Im Sportunterricht war ich auch unter den typischen Loser, die keiner in dem Team haben will. Sport wurde damit sehr schnell zu meinem verhasstesten Fach weil ich als letzter in der Halle stand und sich die beiden Gruppen stritten, wer mich mitnimmt. Selten war ein dickerer Junge auch noch neben mir und wurde oft zuerst gewählt. Da ich es nicht mochte Fußball zu spielen, war mir das auch nicht so wichtig. 70% des Unterrichts bestand aus Fußball. Meist wählten mich die Mädchen, weil die mich kannten und weniger über mich herzogen. Abgesehen von einer kleinen Schlange, die immer wieder etwas gegen mich sagte, sobald einer der Jungs was gesagt hatte. Das sind die klassischen Rudelführer. Sie fangen an und der Rest macht mit. Meine „Freunde“ machten gezwungenermaßen mit oder blieben ruhig und schauten weg. Die Lehrer haben das gar nicht mitbekommen. Das ging dann das restliche Jahr immer so weiter. Ich fing an unter Aggressionproblemen zu leiden. Sobald ich den Schulbus betrat bekam ich einen Hassanfall und habe ihn runtergeschluckt. Immer wieder. Jede Bemerkung habe ich verdrängt und reingefressen. Ich kannte das nicht und wenn ich es meinen Eltern sagte, dass man mich ärgert… Nun, da kam ein „wehr dich“. Die kannten das in dem Ausmaß nämlich auch nicht. Meine Lehrer haben das Problem nicht verstanden und haben einfach weitergemacht wie immer. Was soll ein Neunjähriger auch sonst machen?

Mit der Zeit wurde es schlimmer. Ich wollte nicht zur Schule gehen, entwickelte Abneigungen gegen den Unterricht. Besonders Mathematik war so ein Fach. Ich saß meist vorn und hörte die ganzen Lästereien in meinem Rücken. Von dem Frust habe ich weniger gegessen und nahm trotz Wachstum nicht so viel Gewicht zu. Da fing es dann mit den Beleidigungen wie Spargel und dergleichen an. Vorzugsweise in Matheunterricht weil die Lehrerin immer mit der Rechentafel beschäftigt war. Wenn ich einen Fehler machte, gab es eine Bemerkung von hinten. Dabei war ich gar nicht so schlecht. Nur wurde ich immer wieder davon abgelenkt, später soweit, dass ich mich weniger beteiligte. Ich habe immer gehofft, dass ich krank werde um nicht zur Schule zu gehen. Hab auch öfters mit Absicht den Schulbus verpasst, dass meine Mutter mich gefahren hat. Hat aber alles nichts gebracht. Wenn es auf Klassenfahrt ging, änderte sich natürlich nichts. Allerdings fand ich in zwei Mädchen mehr oder weniger Freunde, wobei eine ( sagen wir Tanja) sich nur mit mir abgab wenn ihr langweilig war. So als Zeitvertreibt. Mir fiel das nicht auf, meiner Mutter schon. Die Zweite –nennen wir sie Nina- dagegen war extrem Scheu und hörte nur darauf, was das andere Mädchen sagte.
Die deutlichste Erinnerung an diese Zeit ist folgende: Der Schulbus musste an einer anderen Station halten weil die Straße gesperrt war. Wir mussten also einen ziemlich langen Weg laufen. Ich lief mit den beiden Mädchen vor und die Klasse/n hinterher. Das war in der Dritten. Meine Klasse fing dann an einen Spottgesang zu grölen, was genau sie gesungen haben weiß ich nicht mehr. Es war aber das erste Mal und man konnte es in dem ganzen Park hören. Nina lief neben mir und tat so, als ob nichts war. Tanja nahm dagegen meine Hand. So sind wir weitergelaufen und ich habe mich nicht getraut zurückzuschauen oder etwas zu sagen. Als die anderen bemerkten, dass wir Händchen hielten kamen auch Sprüche wie „Was willst du mit dem“ und ähnliches. Also fing man an auch sie zu sticheln, wegen mir. Was Tanja sich dabei dachte weiß ich ehrlich gesagt bis heute nicht. Irgendwie war sie die undurchschaubarste in der ganzen Klasse. Sie hatte nie gelästert. Zumindest nicht, bis ich sie mit einer Nachbarin von mir gesehen habe. Ich wollte gerade zu ihr und sehe/höre wie die beiden über mich herziehen. Das ist auch schon einmal ein weiterer Grund warum ich wenigen Leuten vertraue. Diese Lästerattacken gingen dann von meiner Klasse auf meine Nachbarschaft über. Den Teil, der bisher davon verschont geblieben war. Also hatte ich jetzt den gleichen Mist wie in der Schule auch direkt vor meiner eigenen Haustüre. Das war in der vierten Klasse mittlerweile. Meine Aggressionprobleme waren auch nicht besser geworden und da ich niemanden hatte, mit dem ich darüber reden konnte, blieb es auch so. Man wunderte sich nur, warum ich schnell auf die Palme gebracht werden kann. Ich selbst verspürte jeden Tag und vor dem Einschlafen Hass. Irgendwann in den Sommerferien platzte mir der Kragen als die Nachbarskinder wieder anfingen zu mobben. Wir hatten in einem kleinen Wald kleine Hütten aus Holz gebaut, die sie jetzt kaputt machten. Als ich mit meinen Brüdern das verhindern wollte, warf man mich mit Stöcken, Ästen und Nägeln ab. Von meiner Seite flogen Pflastersteine zurück, weil ich ausrastete. In dem Moment, als sie Nägel nach mir waren hatte ich nur noch rot gesehen, ohne Verluste. Ich war glaube ich zehn und nicht kräftig, aber trotzdem habe ich einen Stock genommen und bin auf die los. Meine Brüder waren in der Zeit meine Eltern holen bzw. meine Mutter weil mein Vater arbeiten war. Also stand es einer gegen sechs, davon zwei Jungs die drei Jahre älter als ich waren. Da ich mit dem Stock einen der Jungs kräftig auf den Rücken gehauen hatte, blieben die anderen auf Abstand und warfen wieder Dinge nach mir. Auch wieder ein Moment, den ich klar vor Augen habe, war als ich mit meinem tollen Stock einen Ast aus der Flugbahn gedrängt habe, der mich sonst ins Auge getroffen hätte. Was dann passiert ist weiß ich nicht mehr, nur ging es zu Ende als die mich zu dritt festgehalten haben. Dann kam meine Mutter dazu und die sind abgehauen. Das hat so ziemlich das Ende mit allen Freundschaften bedeutet, die ich in Nachbarschaft und Grundschule hatte. Der Kleinkrieg mit den Nachbarskindern hat sich auch auf die Erwachsenen ausgeweitet weil die Eltern sich gegenseitig angifteten. „Mein Kind macht sowas nicht“. Jo, ist klar. Heuchler. Man merkt, es nervt mich noch immer.

Irgendwie hat sich der Vorfall zu meiner Klasse verbreitet und man wurde vorsichtiger, was man sagte. Meine Eltern reagierten endlich und redeten mit der Schule, dass das zu weit geht und die Lehrer endlich etwas dagegen tun sollten. Für mich selbst war es aber zu spät. Ich stand da und hab eigentlich alle hasserfüllt angeblickt. Keine Emotionen gezeigt, um nicht für irgendwelche „komischen Grimassen“ die ich angeblich mache ausgelacht oder gemobbt zu werden. Wenn ich mir ein Kinderfoto anblicke von mir, vor der Zeit und nach der Zeit der Grundschule, dann weiß ich ehrlich nicht, was ich davon halten soll. Die Zeit dort war aber noch harmlos im Gegensatz zur weiterführenden Schule. Wie genau ich von der Grundschule weggekommen war weiß ich nicht mehr. Allerdings weiß ich sehr wohl, dass ich im Schwimmunterricht ebenfalls durch diese Mobber extrem lange gebraucht habe um schwimmen zu lernen. Ich habe es aber nicht gelernt, zumindest nicht in der Schulzeit. Das habe ich mir später selbst beigebracht, ohne irgendwelche Lästermäuler im Hintergrund. Einer der schlimmsten Dinge war, dass mich auf dem Weg von der Schule zum Bus jemand von hinten geschubst hat. Ich bin über den Bordstein nach vorn gestolpert und mit der Stirn auf den Asphalt. Hab zuerst die Orientierung verloren. Gedächtnislücken hab ich immer noch. Ich weiß nicht mehr wie ich in den Bus gekommen bin. Als ich gesessen habe, hat ein Mädchen (die kleine Schlange) gesagt, dass ich wohl ne Gehirnerschüttern hätte. Dann weiß ich nicht mehr weiter. Irgendwie bin ich nach Hause gekommen. Der Weg von der Bushalte zu meinem Haus fehlt ebenfalls. Dann weiß ich noch, dass meine Mutter dutzende Steinchen aus der Platzwunde geholt hat. Wer der Schubser war konnte ich nicht sehen, oder kann mich nicht dran erinnern...

Kann sein, dass ich ein paar Dinge ausgelassen habe, aber ich bin wie gesagt, sehr vorsichtig geworden. Wie es in der weiterführenden Schule, einer Hauptschule übrigens, weiterging schreibe ich später. Ich selbst hatte damals die Hoffnung, dass man nichts von meiner Grundschulzeit mitbekommen würde. Dass es vielleicht anders ist und außerdem war ein Bruder von mir ebenfalls dort auf der Schule, was der ausschlaggebende Punkt war auf die Hauptschule zu gehen, anstelle der Gesamtschule. Einer meiner Leitsätze wurde: „Verlasse dich auf Andere und du bist verlassen.“

Merke: Mobbing ist Scheiße und man macht sich Jahre später noch darüber Gedanken. Es beeinflusst die Entwicklung einer Persönlichkeit maßgeblich und auf Jahre hinweg. Die Probleme davon wieder in den Griff zu bekommen ist schwerer als man denkt, da sich, besonders bei psychischen Attacken viele Dinge in das Unterbewusstsein schleichen oder in die eigene Persönlichkeit eingehen. Das auszusortieren erfordert Selbstreflektion. Also darüber nachdenken, ob man wirklich auch so ist, wie man sich selbst sieht.
Mehr dazu später,
Peace.


PS: Was ein einfacher, dämlicher Schulranzen auslösen kann... wundert mich, dass ich das Ding damals nicht verbrannt habe...

Kommentare (2)

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Anastorias ( von: Anastorias)
vor 12 Tagen
@Sky Life
Hey,

kannst du vielleicht sagen warum und was du darüber denkst?

Oh, und bist du selbst betroffen?

lg
Sky Life ( von: Sky Life)
vor 14 Tagen
Oha...ich weiß nicht was ich zu dieser Geschichte noch sagen soll...