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Tödliche Schönheit

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6 Kapitel - 12.844 Wörter - Erstellt von: Lethe - Aktualisiert am: 2017-10-31 - Entwickelt am: - 1.600 mal aufgerufen - User-Bewertung: 4.83 von 5.0 - 18 Stimmen- Die Geschichte ist fertiggestellt - 16 Personen gefällt es

Ich weiß, dass ich kein netter Mensch bin. Aber habe ich das wirklich verdient? Seit einem Jahr lebe ich nur noch in Furcht. Ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Die meisten würden vermutlich sagen, dass ich das verdient hätte. Das dies meine gerechte Strafe für meine früheren Vergehen sei. Klar bin ich ein Miststück. Das will ich nicht mal bestreiten. Aber habe ich das laut den anderen wirklich verdient? War ich wirklich so schlimm? Tauche in meine Vergangenheit ein und bilde dir selbst ein Urteil...

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    Gegenwart Während ich davon rannte, warf ich einen panischen Blick nach hinten. Verdammt! Der Polizist war mir immer noch auf den Fersen und holte la
    Gegenwart
    Während ich davon rannte, warf ich einen panischen Blick nach hinten. Verdammt! Der Polizist war mir immer noch auf den Fersen und holte langsam auf. Das durfte doch nicht wahr sein. Wofür hab ich denn so oft trainiert? Ich holte noch einmal alles aus mir heraus obwohl ich schon total kaputt war. Lange würde ich wohl nicht mehr durchhalten können. Meine Lunge drohte mir zu platzen und der Atem wurde immer unregelmäßiger und rasselnder. Ich drückte mich in der engen Gasse an einer Mülltonne vorbei und sprang über einen kaputten Stuhl. Was die Menschen hier alles so liegen lassen. Viel Zeit um mich darüber zu wundern blieb mir aber nicht, denn der Polizist holte schon wieder auf. Ich rang panisch nach Luft und presste eine Hand auf meinen Bauch. Dieses bescheuerte Seitenstechen würde noch mein Verderben sein. Da ... endlich erreichte ich das Ende der Gasse und bog links in die nächste enge Gasse ab. Jetzt war es nicht mehr weit. Vor mir konnte ich schon das Ende der engen Häuserblocks ausmachen. Ich hörte den Polizisten hinter mir fluchen. Ein Glück, dass ich ihm vorher die Pistole aus der Hand gekickt habe und weggeworfen habe, denn hier könnte er mich problemlos erschießen. In der engen Gasse gab es nicht viel hinter dem man sich ducken konnte. Außerdem stank es hier entsetzlich nach Pisse. Ich wollte gar nicht wissen welche üblen Typen nachts hier herumlungern. Erleichtert bemerkte ich, dass das Ende immer näher kam. Wenn ich erst mal draußen war, konnte ich mich unter die Menschen mischen und in der Menge abtauchen. Ich riskierte noch einen Blick zurück und triumphierte innerlich. Der Polizist war wohl nicht der sportlichste. Er wurde immer langsamer und blieb irgendwann schwer nach Atem ringend stehen. Ein arrogantes Lächeln entfuhr mir. Nach einigen Sekunden habe ich es dann endlich geschafft. Das Ende der Gasse war endlich erreicht. Ein Blick über die Schulter, zeigte mir, dass der Polizist in sein Funkgerät sprach. Immerhin folgte er mir nicht mehr. Schnell trat ich auf die belebte Straße und ließ mich von der Menschenmenge treiben. Nach einigen Minuten wurde mein Atem wieder gleichmäßig und das Seitenstechen ließ nach, schnell sah ich mich um. Keiner schien mir auch nur das kleinste bisschen Beachtung zu schenken. Also zog ich mein Handy aus der Jackentasche und verschickte die SMS ^Ich bin draußen!^. Eine Minute später kam auch schon die Antwort. ^Du weißt wo wir warten!^ Zufrieden steckte ich das Handy wieder ein und machte mich auf den Weg zum Treffpunkt. Es war ein ziemlich heißer Sommertag und ich kochte regelrecht in den dicken Sachen. Während ich mit zielstrebigen Schritten durch die Straßen ging, beobachtete ich die anderen Leute. Leute in teuren Anzügen sprachen in ihr Handy, Frauen mit prallen Einkaufstüten bummelten umher, verliebte Pärchen schlenderten Hand in Hand herum. Die meisten von ihnen wirkten ganz glücklich und zufrieden und für einen kurzen, flüchtigen Moment kam mir der Anflug von Neid. Diese Menschen können ein normales Leben haben, eine Familie, Freunde. All das was mir nicht vergönnt war. Ich seufzte leise. Na ja gut ... Ich war auch ein bisschen selbst schuld an meiner Lage. Gekonnt wich ich den ganzen Parisern aus und bahnte mit einen Weg Richtung Notre-Dame. Nach einem fünfzehn minütigen Fußmarsch, welchen ich sehr genoss erreichte ich mein Ziel. Verächtlich schaute ich die Massen an Touristen an. Wie Hühner in einem Stall erfüllten sie den ganzen Platz vor Notre-Dame. Schulter an Schulter. Kaum Platz war da. Ich verstand das nicht. Was soll so toll daran sein eng aneinander gedrängt hier rum zustehen und Bilder zu machen? Ich persönlich finde ja, dass die Touristen das schlimmste an Paris sind. Egal wo man hingeht sind welche. Ständig haben sie die Kamera am Anschlag und knipsen dämliche Fotos. Am liebsten würde ich sie alle in die Seine schubsen. Bevor ich ich mich durch die Masse quetschte, hob ich meinen Blick zum Himmel und ließ die Sonne auf mein Gesicht strahlen. Ich lächelte leicht und genoss die prickelnden Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Mit schubsen und fluchen bahnte ich mir einen Weg quer über den Platz. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis mich die Menge am anderen Ende wieder ausspuckte und ich die Straße hinunter gehen konnte. Rechts von mir befand sich die lange Seite von Notre-Dame und die Wasserspeier grinsten zu mir herunter. Bei deren Anblick fühlte ich mich schon etwas besser. So komisch es auch sein mag aber die Wasserspeier gefallen mir am besten. Sie geben mir ein Gefühl von Sicherheit, denn ich wusste mein Ziel war nicht mehr fern. Als ich unten an der Straße ankam, wartete sie schon. Die glänzend schwarze Limosine. Bis auf die Scheiben beim Fahrer vorne, waren alle Fenster verdunkelt. Worüber ich auch ganz froh war. Ich verkniff mir ein Augen rollen. War ja klar. Ich war auf der Flucht und Jon der Idiot taucht mit der Limosine auf. Überhaupt nicht auffällig. Mit schnellen Schritten hastete ich an ihr Ende und stieg hinten ein. Dort saß Jon und blickte schon leicht ungeduldig. Er trug wie immer einen von seinen Designeranzügen und fuhr sich durch sein braunes, nach hinten gekämmtes Haar. "Jon", sagte ich kühl und schnallte mich an. Der Neuwagen Geruch stieg mir in die Nase und ich verzog leicht mein Gesicht. "Hallo Liebling!", erwiderte er in seinem bescheuerten italienischen Akzent und lächelte mich überheblich an, während der Chauffeur los fuhr. Ich hasse es wenn er mich so nennt und biss mir verlegen auf die Unterlippe. Er sah schon verdammt heiß aus. Das kann selbst ich nicht verleugnen. Er hat einen trainierten Körper und seine grünen Augen passen perfekt zu seinen italienischen Gesichtszügen. Das Problem lag auch nicht mal am Alter. Mit seinen 24 Jahren würde er sogar in mein Beuteschema passen. Es lag mehr an seinem Charakter, welcher so was von daneben ist. Seine arrogante und überhebliche Art macht mich immer total zornig. Zudem ist er ein kaltherziges Arschloch, welches ich über alles hasse. Dieser Mann hat mir alles genommen was mir lieb und teuer war. Er hat mich zu der gemacht die ich jetzt bin. Und dafür hasse ich ihn. Aber leider Gottes, war ich auf ihn angewiesen und war mehr oder weniger seine Sklavin. Überrascht von meinem Schweigen sah er mich an. "Ähm... lief alles nach Plan Lethe?". Ich wandte den Blick von ihm ab und sah aus dem Fenster, sah zu wie die Häuser an uns vorbeizogen. Ich konnte es nicht ertragen ihm ins Gesicht zu sehen. Sonst hätte ich es möglicherweise darauf eingeschlagen und das wäre für mich definitiv nicht gut ausgegangen. "Der Auftrag wurde ausgeführt. Es lief ... relativ nach Plan ... nun ja ... zwei Polizisten tauchten unglücklicherweise auf. Der eine hat Meldung erstattet während mich der andere verfolgt hat. Aber ich konnte ihn in einer der kleinen Seitengassen abschütteln". Ich blickte wieder zu ihm. Er lächelt beruhigt und tippte irgendwas in sein Handy. Ich rutschte in eine bequemere Sitzposition, während meine Gedanken wieder zu der Tat flogen. Mir wurde bei dem Gedanken daran übel. Was war nur aus mir geworden? Wann bin ich zu so einem Monster geworden? Jon merkte mir an, dass irgendwas nicht in Ordnung war. So etwas merkt er immer. Als wäre ich ein offenes Buch für ihn. Er legte eine Hand auf meinen Oberschenkel und streichelte ihn sanft. Ich fuhr zusammen. Ich finde es total ekelhaft wenn er mich berührt. Am schlimmsten ist es aber, wenn er versucht mich zu küssen. Sein Atem riecht immer nach Minze. Nicht auf die angenehme Weise wie durch einen Kaugummi. Es ist mehr ein aufdringlicher, penetranter, ja fast schon künstlicher Geruch. Er ist jetzt kein schlechter Küsser oder so. Nur finde ich seine Berührungen abstoßend. Ich starrte ihm in seine Augen. Diese kalten, seelenlosen Augen eines berechenbaren Arschlochs. Ich begann leicht zu zittern. Ob vor Wut oder Trauer konnte ich nicht sagen. "Du Mistkerl hast mir nicht gesagt, dass seine Tochter gerade mal acht ist. Acht Jahre Jon! Wie kannst du nur so ein gemeines Arschloch sein?". Meine Stimme klang ziemlich gequält. Tränen schossen mir in die Augen und ich versuchte verzweifelt sie weg zublinzeln. Meine Lippen bebten. Jon's Gesicht erstarrte zu einer kalten Maske. Sein Mund nahm diesen verkniffenen Zug an, den er immer bekam wenn er sehr zornig war. Einen Moment lang bereute ich meine Worte. Aber dann musste ich wieder an die kleine Noelle denken und ich wurde wieder wütend. Bemüht ruhig presste Jon hervor: "Du kleine Hure wirst mich nie wieder so nennen! Sonst wirst du es bereuen. Hast du mich verstanden?". Ich gab ihm keine Antwort, sondern funkelte ihn nur wütend an. Jon nahm das offenbar als Provokation auf und verlor mal wieder die Beherrschung. Seine linke Hand schnellte blitzschnell hervor und legte sich um meinen Hals. Mit seinem Daumen schnürte er mir immer mehr die Luft ab. Wie schon so oft wagte ich es nicht mich zu rühren, saß einfach regungslos auf dem Sitz und ließ es über mich ergehen. Ob er mir wohl wieder blaue Augen schlagen würde? Mit der freien Hand riss er mit die Kapuze vom Kopf und krallte seine Finger in mein langes, weiches, blondes Haar und zog kräftig daran. Tränen des Schmerzes schossen mir in die Augen und ein qualvoller Schrei entschlüpfte mir. Ich versuchte mich von ihm loszureißen. Wer weiß ob der mich nicht sonst umbringt. Das war schon wieder ein Fehler. Wütend über meinen Widerstand, boxte er mir immer und immer wieder in den Bauch. Ich krümmte mich zusammen und flehte ihn um Gnade an. "BITTE JON HÖR AUF! ... bitte das tut weh...!". Doch all mein Flehen half nichts. Er legte nun beide Hände an meinen Hals und drückte leicht zu während er mich durch schüttelte und meinen Kopf immer wieder gegen die Scheibe schlug. Zum Glück wurde mir irgendwann schwarz vor Augen und ich konnte so seinen Misshandlung erst mal entfliehen. Fürs erste...

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    ((bold))Zwei Jahre zuvor((ebold)) "Wie bitte?", knurrte ich, warf die Tür von meinem Spind zu und drehte mich zu dem Jungen um. Meine Händ
    Zwei Jahre zuvor

    "Wie bitte?", knurrte ich, warf die Tür von meinem Spind zu und drehte mich zu dem Jungen um. Meine Hände stemmte ich in die Hüften und verengte meine Augen zu wütenden Schlitzen. "Hast du gerade wirklich gesagt du tust das nicht?" Der Junge, ich glaube sein Name war Lukas oder so, besaß tatsächlich die Unverschämtheit mir ins Gesicht zu grinsen. "Ja das habe ich gesagt! Was willst du jetzt machen?", er hob spöttisch eine Augenbraue. Ich trat einen Schritt auf ihn zu und legte sanft eine meiner perfekt manikürten Hände auf seine Wange. Ich lächelte ihn strahlend an. Irritiert sah er mich an. Er schluckte schwer. "Was ich tun werde? Das werde ich tun!", antwortete ich ihm. Ich trat einen Schritt zurück und nahm die Hand von seiner Wange. Ich schnippte mit den Finger und sah zu meinen beiden Schlägern, die ich Ork und Gollum getauft habe, da diese Namen viel besser zu ihnen passten. "Ihr wisst was zu tun ist", sagte ich mit einem eiskaltem Lächeln. Jetzt ging alles ganz schnell. Ork stellte sich hinter Lukas und hielt ihn von hinten fest. Währenddessen postierten sich Gollum vor ihm und begann mit der Bestrafung. Zuerst trat er ihm ein paar mal in den Magen. Lukas schrie laut auf. Was für eine Memme. Ich zuckte nicht mit einer Wimper und sah zu. Ork legte eine Hand auf Lukas Mund, um ihn am schreien zu hindern. Ich fixierte Lukas, aus den Augenwinkeln konnte ich jedoch sehen, dass sich einige der Mitschüler abwendeten. Ich grinste. Allesamt waren sie solche Memmen. Gollum schlug nun auf Lukas Gesicht ein. Dieser heulte nun und winselte. Ich verdrehte die Augen. Ich ließ Gollum Lukas noch eine Zeit lang quälen bevor ich eingriff. "Das reicht! Ich denke er hat sein Platz in der Rangordnung begriffen". Lukas nickte. Sein Gesicht sah ganz schön geschwollen aus und er würde sicher blaue Augen bekommen. Die Jungs ließen ihn los und er wankte davon. Ich wusste er würde es nicht den Lehrern sagen. Niemand verpetzte es. Die haben alle zu viel Angst. Ich sah meine Mitschüler an. Zumindest die, die noch da waren. "Das alles ist nie passiert!". Die unterschwellige Drohung reichte aus. Alle nickten brav oder murmelte etwas zustimmendes. Ich schaute Gollum und Ork an. Ein Wunder das ich dies schaffte, ohne mich zu übergeben. Beide haben eine typische Schläger Statur. Extrem groß und muskulös, mit einem Stiernacken. Die Gesichter jedoch ... naja man könnte deren Gesichter mit Kloaken vergleichen. Ich schritt würdevoll an den Schülern vorbei. Die beiden Schläger im Schlepptau. Wo zum Henker steckt eigentlich Kylie. Die hab ich heute noch gar nicht gesehen. Ob meine beste Freundin wohl wieder mal Schule schwänzte? Auf den Weg zum Klassenzimmer flirtete ich mit dem ein oder anderen Typen. Ich bin seit drei Jahren an dieser Schule. Schon innerhalb der ersten Woche habe ich es geschafft alle in meinen Bann zu ziehen. Erst verzauberte ich mit meiner Art alle. Dann suchte ich mir Schläger und eine beste Freundin. Ab da war ich startklar. Jetzt begann der ganze Spaß. Ich fing an die Loser der Schule zu schikanieren. Es war definitiv amüsant. Nach einer Weile jedoch wurden mir die Beleidigungen zu langweilig. Ich begann andere zusammenschlagen zu lassen, ihre Sachen zerstören zu lassen oder sie auf andere Weise zu erniedrigen. Wenn jemand nicht auf mich hörte, so wie Lukas vorher ließ ich ihn bestrafen. Denn mein Wort ist Gesetz an der Schule. Ich bin die verdammte Queen. Weiter vorne auf dem Gang sah ich Lara und Monika. Perfekt! Die beiden waren meine Lieblingsopfer. Ich eilte auf die beiden zu, ein sadistisches Lächeln auf den Lippen. Ich drückte meine Sachen irgendnem Schwachmaten in die Hände. "Wehe du lässt was fallen!" Ich ging zu Monika und riss ihr den Ordner aus der Hand. Diesen öffnete ich nun, nahm die Blätter raus und verstreute sie auf dem Boden. Monika begann zu weinen und Lara legte tröstend einen Arm um sie. Aber keine von beiden traute sich den Mund aufzumachen. Ich sah mir die Schuhe von den umstehenden Schülern an. "Du da!", ich deutete auf einen Möchtegern Gangster mit verdammt dreckigen Springerstiefeln. "Lauf auf den Blättern rum und mach sie dreckig!" Er gehorchte sofort und nach kurzer Zeit zierten schmutzige, braune Schuhabdrücke Monikas Blätter. Ich lachte. Lara und Monika sammelten die Blätter wieder auf, während ich schon weiter ging. Ach ein herrlicher Tag ist das. Das kann doch nur gut weiter gehen. "Hey Lethe warte mal", ertönte ihre helle, fast noch kindliche Stimme an mein Ohr. Na endlich. Ich drehte mich um und sah Kylie auf mich zu eilen. Ihre braunen Haare waren offen und flatterten hinter ihr her und die grünen Augen funkelten amüsiert. "Ich hab gerade Monika und Lara gesehen", sie lacht. Ich lachte mit ihr und umarmte sie kurz. Zusammen setzen wir den Weg fort. Kurz vorm Klassenzimmer piepste jedoch mein Handy. Eine Nachricht. Ich holte mein Handy raus um nachzusehen wer mir schreibt. "Oh!", entfuhr es mir. Was will den Jon von mir? Mit dem hab ich doch kaum Kontakt. Ich runzelte die Stirn. Gollum und Ork waren schon im Klassenzimmer verschwunden. Kylie wartete noch auf mich. Allerdings sah sie schon leicht ungeduldig aus. "Kommt du Le?" Ich sah kurz vom Handy auf. "Kannst du mich bitte bei Fr. Lehmann entschuldigen? Mir ist schlecht. Ich geh mal lieber aufs Klo". Kylie nickte ausdruckslos und verschwand im Raum. Sie schloss die Tür hinter sich und ich starrte diese kurz an. Hätte ich doch nur gewusst, dass dies der letzte Moment meines normalen Lebens sein würde. Ich eilte Richtung Klo. Auf den Weg dorthin öffnete ich die Nachricht und Begriff erst gar nicht was sie bedeutete. Als ich es endlich begriff, wurde ich blass. Nein das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein! Ich schloss die Augen und zählte innerlich bis Zehn. Ich hegte die Hoffnung, dass wenn ich die Augen wieder öffnete, die Nachricht anders lauten würde. Es war aber immer noch die selbe.
    ^Hallo Lethe. Es tut mir leid, dir das per SMS mitzuteilen, aber ich kann es einfach nicht aussprechen. Jack hatte einen Autounfall und starb noch vor Ort. Es tut mir so leid. Bitte melde dich!^
    Mehr stand da nicht. Es war nicht viel. Aber dennoch genug um alles zu zerstören. Meine Hoffnungen zu zerstören. Mich zu zerstören. Meine Pläne zu zerstören. Diese kurze SMS zerstörte meine Leben. Ein Schluchzen bahnte sich in meiner Kehle hoch und entfuhr mir. Mit dem Handy in der Hand sank ich zu Boden und kauerte mich zusammen. Weinend schlang ich die Arme um mich und wiegte mich hin und her. Es ist Jahre her, seit ich das letzte mal geweint habe. Es schien als würden all die ungeweinten Tränen mit hervorbrechen. Es schien kein Ende nehmen zu wollen. Ich begann am ganzen Körper zu zittern. Eine Panikattacke bahnte sich an. Das durfte nicht passieren. Nicht hier. An einem Ort wo mich alle als Eiskönigin kannten und mich jeder sehen könnte. Ich versuchte mich abzulenken und dachte an die schöne Zeit mit Jack zurück. Ich hoffte das würde mich beruhigen. Jack war der einzige Mensch dem ich jemals vollkommen vertrauen konnte. Er war wie ein Bruder für mich. Der große, tolle Bruder den ich nie hatte. Seit meiner Geburt schien es als würde mich meine Familie hassen. Meine Mutter, mein Vater und mein großer Bruder Danny. Seit ich denken konnte verachteten die mich. Obwohl ich nichts getan habe. Ich wusste nicht was deren Problem mit mir war. Ich machte es mir zur unmöglichen Aufgabe meine Eltern mit stolz erfüllen zu wollen. Doch vergeblich. Egal wie gute Noten ich schrieb, egal wie sehr ich meiner Mutter beim Haushalt half, egal wie brav ich war, ständig meckerte man nur an mir rum. Wenn etwas kaputt ging schob man sofort mir die Schuld in die Schuhe. Auch wenn ich es nicht war. Es war als würde ich mit Fremden zusammen wohnen. Ich bekam zum Geburtstag nie das was ich mir wünschte. Nicht ein einziges mal. An meinem letzten Geburtstag, meinem 15. wünschte ich mir einfach nur eine neue Schultasche. Mehr nicht. Was bekam ich stattdessen? Einen verdammten Basketball. Was soll ich den mit so was anfangen? Ich hasse Basketball. Aber das wissen die ja nicht mal, da sie schon lange das Interesse an mir verloren haben. Da ich mit gute Taten das Interesse meiner Eltern nicht wecken konnte, versuchte ich es andersherum. Ich sprayte Graffiti, legte mich mit Lehrern an. In den anderen Schulen war ich deshalb immer die Außenseiterin. Das komische Mädchen das nicht ganz richtig tickt. Ich war froh als ich hierher versetzt wurde. Ich schwor mir hier alles anders zu machen. Und es klappte. Ich bin das krasse Gegenteil von früher. Ich bin die Anführerin und zweifelsfrei das schönste Mädchen der Schule. Ich stellte mich mit den Lehren gut, damit sie nicht ahnen was ich für Intrigen spann. Es lief alles perfekt. Ich hatte das Spiel voll heraus. Vor zwei Jahren dann wurde ich mit gerade mal dreizehn auf eine Party eingeladen auf der eigentlich nur 10. und 11. Klässler waren. Auf dieser Party hat sich in meinem Leben einiges geändert. Denn da traf ich ihn. Jack Tomson. Er stand an der improvisierten Bar, nippte an einem Drink und beobachtete die anderen verächtlich. Seine schwarzen Locken hingen ihm so ins Gesicht, dass eins seiner eisblauen Augen verdeckt wurde. Sein Shirt war ziemlich eng und betonte seinen durchtrainierten Oberkörper. Als ich ihn da entdeckte, wunderte ich mich, denn ich habe ihn nie auf unserer Schule gesehen. Was machte der hier? Weil es mich interessierte, ging ich zu ihm und fing ein Gespräch an. Er sagte zu mir, dass er den Gastgeber kenne und deshalb eingeladen wurde. Er fände aber, dass hier ein Haufen Idioten wären. Ich stimmte ihm lachend zu und unterhielt mich den ganzen Abend mit ihm. Wir verstanden uns prächtig. Als es für mich Zeit wurde zu gehen, tauschten wir unsere Nummern aus. In den nächsten paar Wochen schrieben wir jeden Tag und trafen und öfters. Irgendwann trafen wir uns jeden Tag. Ich konnte ihm alles erzählen und vertrauen. Er wurde zu meinem Beschützer und besten Freund. Wenn ich bei ihm war konnte ich alles andere vergessen. Zum ersten mal in meinem Leben war ich wirklich glücklich. Eines Tages stellte er mich seinen besten Freunden vor. Diese nahmen mich herzlich auf. Da ich mit Abstand die Jüngste war, denn die anderen waren größtenteils zwischen 16 und 18, wurde ich ständig bevorzugt. Zu der Zeit wurde ich in der Schule nachsichtig und hörte auf die Schüler zu quälen. Jon allerdings, der mit 20 Jahren der älteste in der Clique war, zog mich bei einem DVD-Abend auf die Seite. Irgendwie hatte er raus gefunden, wie ich an meiner Schule geherrscht habe. Er ermutigte mich dazu, wieder so wie früher zu werden. Denn nur so könnte ich mir deren Treue und Respekt verschaffen. Dumm wie ich war hörte ich auf ihn und wurde wieder zum fiesen Miststück. Obwohl mir das gar kein Spaß mehr machte. Teilweise wachte ich nachts mit Schuldgefühlen auf. Aber die unterdrückte ich und machte wie gewohnt weiter. Die Zeit mit meinen neuen Freunden wurde zur besten meines Lebens. Wir bauten einen Haufen Scheiße und hatten total viel Spaß. Aber wie alle guten Dinge endet alles einmal. So saß ich nun heulend im Gang. So kann es gehen. Erst total happy und im nächsten Moment totunglücklich. Ich fühlte mich leer. Innerlich war ich wie tot. Ein Teil von mir war gestorben. Ich wusste nicht mehr weiter. Als ich mit verheulten Augen aufsah merkte ich, dass sich der Flur langsam mit Schülern füllte. Sie alle starrten mich an als wäre ich ein Alien. Alle tuschelten sie. Keiner wagte irgendwas zu sagen. Zumindest eine Zeit lang nicht. Dann begann ein Junge den ich öfters mal fiese Kommentare an den Kopf geworfen habe lauthals zu lachen. "Seht mal Leute. Die Eiskönigin heulend am Boden. Hat sie sich einen Fingernagel abgebrochen?". Seine Stimmte klang rau und machte mich wütend. Wie kann er wagen so etwas zu sagen. Wie kann er lachen wenn Jack tot war. Für immer aus meinem Leben verschwunden. Zornig blickte ich ihn an. Er lachte nur noch mehr und drückte einen blöden Spruch nach dem anderen. Anfangs kicherte einige. Zuerst nur die, die mal von mir scheiße behandelt wurden. Dann stimmten die anderen mit ein und auf einmal fingen alle an mich zu beleidigen. Ich war außer mir vor Wut und ein roter Schleier fiel mir über die Augen und ich sprang auf. "Haltet eure scheiß Fressen!", schrie ich die ganzen Spasten an. Doch sie lachten nur noch mehr. Ich stürzte auf den Jungen zu der mit allem angefangen hat. Ich wollte auf ihn einschlagen. Ich wollte sein Blut fließen sehen. Auge um Auge ... Zahn um Zahn ... und Leben um Leben. Es würde mir Jack nicht zurückbringen, aber zumindest Genugtuung verschaffen. Ich schlug ihm so fest ich konnte ins Gesicht. Er war allerdings viel größer und stärker als ich. Er schubste mich von ihm weg und ich fiel zu Boden. Direkt auf meine Handtasche. Da fiel mir etwas ein. Das Messer welches ich immer bei mir hatte. Man kann ja nie wissen ob man überfallen wird. Es steckte irgendwo in meiner Handtasche. Während mich die anderen verspotteten, kramte ich hektisch danach in meiner Tasche rum. Schließlich fand ich es und stand damit auf. Es lag schwer aber fest in meiner Hand. Jetzt lachte niemand mehr. Sie wurden alle leise und wichen zurück. Selbst der Junge der vorher noch so große Töne gespuckt hatte schwieg jetzt. Ich ging mit einem grausamen Zug um dem Mund auf ihn zu. Er ging rückwärts, kam aber nicht weit, denn er stieß gegen die Spinde. Jetzt sah ich meine Chance. Als er deshalb einen kurzen Moment abgelenkt war sprang ich vor und rammte ihm das Messer mit einem Schrei in den Bauch. Er schrie auf. In seinen grauen Augen sammelten sich Tränen, die langsam seine Wange runter liefen. Jetzt musste ich lachen. Es war das Lachen einer Irren. Einer Verrückten. War das aus mir geworden? Ich zog das Messer raus. Die Klinge war blutrot. Seltsamerweise fand ich das hübsch. Jetzt glänzte die Klinge so schön. Ich stieß wieder zu. Immer und immer wieder. Selbst als der Typ schon längst zu Boden gesackt war und keinen Ton mehr von sich gab. Ich stieß ihm das Messer in den Bauch und in die Brust. Ich gab währenddessen nicht mehr menschliche Laute von mir und vergaß alles um mich herum. Ich fühlte nichts mehr. Ich bekam nicht mal mehr wirklich mit was ich da tat. Aber eins wusste ich. Ich tat es für Jack. Das trieb mich an. Ich schrie den jungen an, ohne zu merken das er tot war. "DU VERDAMMTER BASTARD WIRST DICH NIE WIEDER ÜBER JACK LUSTIG MACHEN. HAST DU MICH VERSTANDEN?". Langsam bekam ich wieder einen klaren Kopf und tauchte aus meiner Trance auf. Ich sah meine Mitschüler an. In ihren Mienen spiegelte sich Angst, Panik, Entsetzen und Abscheu. Da hörte ich eine Stimmte panisch rufen: "Da ist sie. Sie ist vollkommen irre. Sie müssen Lethe von Bärenstein verhaften! Schnell bevor sie noch mehr killt" Ich drehte mich um. Was wird das hier? Ich sah eine Gruppe komplett bewaffneter Polizisten auf mich zu rennen. Ihre Waffen zielten auf mich. Ist das das SEK? Oh fuck. Da steckte ich wohl richtig in der Scheiße. "Lassen sie das Messer fallen!", befahl mir einer mit einer dunklen Stimme. Ich war wie gelähmt und stand einfach nur mit dem Messer da und sah sie an. Deshalb bemerkte ich nicht, dass sich einer von denen von hinten an mich angeschlichen hatte, um mich zu betäuben. Zu spät spürte ich den kalten Luftzug in meinem Nacken. Ehe ich reagieren konnte, drückte er mir schon einen in Chloroform getränkten Lappen ins Gesicht. Das letzte was ich für lange Zeit sah waren die Gesichter meiner Mitschüler...

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    Gegenwart Unentschlossen tigerte ich in meinem Zimmer auf und ab. Am großen Schrank vorbei, hinüber zum Bett, an der Badtür vorbei zum Schreibtisch
    Gegenwart

    Unentschlossen tigerte ich in meinem Zimmer auf und ab. Am großen Schrank vorbei, hinüber zum Bett, an der Badtür vorbei zum Schreibtisch. Hin und her. Immer im Kreis. Nervös kaute ich auf meiner Unterlippe herum. Scheiß drauf ich werde mich dem jetzt stellen. Ich ging zu der Zimmertür und fasste zur Klinke. Mir war etwas mulmig zumute. Wie würde John reagieren? Seit seinem Wutausbruch sind fünf Tage vergangen. Während dieser Zeitspanne habe ich mein Zimmer nicht ein mal verlassen. Ich ernährte mich von Süßigkeiten und Dosenlimo. Nicht gerade das gesündeste, aber das war mir weitauslieber als John unter die Augen zu treten. Als ich nach der Autofahrt in meinem Bett aufgewacht
    bin, wusste ich erst nicht was passiert war. Als ich mich jedoch im Spiegel sah erschrak ich. Meine ganze linke Gesichtshälfte, die Seite die John gegen das Fenster geschmettert hatte war zugeschwollen und von blauen Flecken übersät. Beide Augen wurden von Veilchen geziert. Zögernd tastete ich mit einer Hand mein Gesicht ab und zuckte jedesmal tierisch zusammen. Beim Hades tat das weh. Jede noch so kleine Berührung schmerzte. Ich ließ es relativ schnell wieder bleiben und zog stattdessen den Halsausschnitt meines Shirts herunter. Ich biss die Zähne zusammen um nicht zu fluchen. Mein Hals war voll von Würgemalen. Dieses mal war ich so klug nicht hinzufassen. Wegen dem einen Satz musste der mich gleich so zurichten? Unweigerlich musste ich schnauben und murmelte sarkastisch: "Ich sollte mich bei The Walking Death bewerben. Ich bräuchte ja nicht mal ein Kostüm. Innerhalb der letzten fünf Tage sind die Schwellungen zum Glück etwas zurück gegangen. In der Hoffnung das Jon sich beruhigt hatte drückte ich die Klinke nach unten und trat in den Flur. Ich sah mich um, konnte aber nichts ungewöhnliches entdecken. Langsam folgte ich dem Flur und ging die Treppe hinab. Unten angekommen blieb ich erst mal stehen und lauschte. Ich wagte nicht zu atmen, aber alles blieb ruhig. Es war nichts zu hören. In mir keimte die Hoffnung auf, dass Jon vielleicht nicht da war und ich mir endlich was gescheites zum Essen machen konnte. Also änderte ich meinen ursprünglichen Plan ins Wohnzimmer zu gehen und ging stattdessen in die große Küche. Vielleicht war ja Betty hier und könnte mir was leckeres kochen. Betty ist die Köchin von Jon. Sie ist eine etwas ältere, rundliche aber total liebenswürdige Person die mich ständig verhätschelte. Ich sah mich um. Keine Betty zu sehen. Enttäuscht ging ich zum Kühlschrank um ihn zu öffnen. Bevor ich nach dem Griff greifen konnte, legte sich eine Hand um meinen Hals. Ich drehte mühsam meinen Kopf nach hinten und sah Jon. Er sah mich finster an. "Na Süße. Endlich Mut gefasst nach unten zu kommen?" Er beugte sich mit seinem Kopf zu meinem Ohr. "Ich habe dich schon sehnlichst erwartet!" Ich funkelte ihn an. "Tja Pech für dich!". Er lachte sarkastisch. "Ich hab schon fast vergessen wie witzig du sein kannst". Langsam nahm er seine Hand von meiner Kehle und sah mir in die Augen. "Und hast du dich wieder beruhigt?". Ich nickte brav. Soll er doch zumindest glauben ich gehorche ihm. "Gut dann komm mit ins Wohnzimmer. Es gibt vieles zu besprechen. Die Situation hat sich drastisch verschlechtert". Mit diesen Worten drehte sich Jon um und ging durch die Tür, die zum Wohnzimmer angrenzt. Ich warf dem Kühlschrank einen letzten sehnsüchtigen Blick zu und folgte ihm widerstrebend. Jon nahm auf einem eleganten Sessel Platz, den ich still und heimlich "Thron des Tyrannen" getauft habe, da Jon immer nur da Platz nimmt. Er deutete auf das Sofa gegenüber. "Setz dich", sagte er herrisch. Um ihn nicht zu verärgern nahm ich Platz. In Gedanken jedoch verfluchte ich ihm. Zwischen uns war nur ein kleiner, niedriger aber sündhaft teuerer Glastisch. Jon verschränkte die Beine, lehnte die Arme ganz lässig auf der Lehne ab und musterte mich kühl. Mir war etwas unbehaglich. Diese Stille war ziemlich erdrückend. "Also was ist denn passiert?", begann ich zaghaft. Jon zog eine Grimasse bevor er mit dem Problem herausrückte. "Du hast den Auftrag nicht so ganz erledigt. Das Mädchen hat überlebt und hat der Polizei ein treffendes Phantombild von dir schildern können." Sein Blick verfinsterte sich und ich biss mir auf die Lippen. "Hast du ernsthaft erwartet, dass ich ein Kind töte. Sie ist doch noch so klein. Du hast gesagt nur er wäre da. Ich sollte nur die Wachen und ihn töten. Von einem Kind hast du nie gesprochen!", presste ich verzweifelt hervor. Jon seufzte kurz. "Ich hab nicht damit gerechnet, dass seine Tochter auch da wäre. Laut meinem Informanten hätte sie bei ihrer Mutter in Florenz sein sollen. Sie hat dich gesehen Le. Weißt du wie sie dich beschrieben hat?", er blickte mich fragend an. Ich zuckte ahnunglos mit den Schultern. "Sie sagte du seist so schön wie ein Engel gewesen. Dann fragte sie den Polizisten der mit ihr sprach ob du auch ein gefallener Engel wie Luzifer seist, denn sonst würdest du doch so was niemals machen". Jetzt lachte Jon. "Sie hat dich mit dem Teufel verglichen". Ich schloss die Augen. Was hätte ich denn tun sollen? Ein kleines, unschuldiges Mädchen töten? Nein! Niemals! Ich sah ihn unsicher an. "Was machen wir jetzt Jon? Wenn die Polizei jetzt weiß wie ich aussehe?". Jon überlegte kurz. "Vorerst bleibst du im Haus, bis ich eine Möglichkeit gefunden habe dich außer Land zu schmuggeln. Dann versuch ich dein Fahndungsfoto zu ändern." Ich seufzte. Na toll. Das war ja mal wieder typisch ich. Ich spürte Jons Blicke auf meiner Haut brennen. Er musterte mich. "Du hast ja ganz schön was abbekommen". Es klang beiläufig, so als wäre es ihm egal. Er sagte es so, als wäre er nicht dafür verantwortlich. In mir keimte der Zorn auf. Wie kann jemand nur so ein Arschloch sein! Trotzig lächelte ich ihn an. "Ja ich hab mir schon überlegt am Halloween als Zombie zu gehen. Ist am günstigsten, da ich ja kein Kostüm mehr brauche". Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. "Willst du mich etwa verarschen Lethe?" Unschuldig schüttelte ich meinen Kopf und meine blonden Engelslocken fielen mir ins Gesicht. Abwehrend hob ich die Hände. "Ich doch nicht!", gab ich entrüstet von mir. Jetzt zuckte sein Gesicht und ich dachte er würde mich wieder schlagen. Doch ich hab mich getäuscht. Sein Mund verzog sich erst zu einem Grinsen, das immer breiter wurde und schließlich lachte er aus voller Kehle. Ich sah ihm verdutzt an. Das schien er nur noch lustiger zu finden. "Du siehst aus", er rang nach Luft, "wie ein erschrockenes", er schüttelte sich vor lachen. "Schaf", endete er den Satz. Ich verstand nicht was so witzig war und starrte ihn einfach nur an. Nach einer Weile schaffte er es mühsam sich in den Griff zu bekommen. Er sah mir tief in die Augen und lächelte leicht. "Na siehst du, das ist die Lethe die ich kennengelernt habe. Das Mädchen das Witze gerissen hatte und Spaß am Leben hatte". Er zog seine Mundwinkel leicht runter. "Dieses Mädchen vermisse ich. Sehr sogar". Bei seinen Worten traten mir unwillkürlich die Tränen in die Augen. Er hatte recht. Seit meiner Flucht aus Deutschland, war nichts mehr wie vorher. Aber innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich so viel geändert. Und das meiste davon war negativ. Also kann mir keiner verübeln, dass meine Taten mich zu einem anderen Menschen gemacht haben. Zu einem kalten, seelenlosen Monster. Ich hab viel schreckliches gesehen und auch selber angerichtet. Nur damit ich überleben konnte. Aber mir kamen die Zweifel. Ist denn mein Leben wertvoller, als das von all den anderen Menschen? Eigentlich nicht. Diese Erkenntnis traf mich hart und ich wusste nicht was ich davon halten sollte. Ich schloss einen Moment lang die Augen und atmete tief ein und aus. Als ich sie wieder öffnete, kniete Jon vor mir. Sanft sah er mich an. Ich biss mir wie üblich, wenn ich meine Emotionen nicht im Griff hatte, auf die Unterlippe. Jon nahm zögernd meine Hände in seine und streichelte sie sanft. "Ich will dich glücklich machen. Du musst es nur wollen! Sag den Satz den ich hören will und das alles hier kann sofort beendet werden. Du hast die Wahl. Ich werde dich nicht dazu zwingen". Ich sah ihn ausdruckslos an. Wow. Jetzt waren wir also wieder an dem Punkt. Mir war klar was er wollte. Vor einem Jahr, als die Flucht begann machte er mir das selbe Angebot. Seine Worte damals waren nicht mit bedacht gewählt. Sie waren plump und hartherzig. So hatte ich mir einen Heiratsantrag nicht vorgestellt. Obwohl von Antrag damals nicht die Rede sein konnte. Entweder ich heirate ihn und hab dafür ein sorgenfreies Leben oder ich bin fürs erste seine Dienerin und er würde mich beschützen und in Sicherheit bringen. Seine Worte. Er hat es nicht mal beschönigt. Deshalb bin ich damals so ausgerastet und hab geschrien, dass ich eher Hitler geheiratet hätte. Das hatte definitiv gesessen. Denn bis heute hat er mich nicht mehr danach gefragt. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Ich hatte keine Worte. "Ähm... Ähh... bist du dir überhaupt sicher ob du das willst?" Na super. Was rede ich denn für dummes Zeug. Aber meine Worte konnte ich leider nicht zurück nehmen. Jon nickte. "Ich wollte dich seit dem Augenblick an dem ich dich sah. Du warst so wunderschön. So perfekt. Du hast mir damals den Verstand geraubt und ich schwor mir, dass du die einzige sein wirst die ich heiraten werde". Ungläubig riss ich meine Augen auf. Das wäre das letzte, was ich erwartet hätte. Das ausgerechnet Jon mich von Anfang an liebte erschien mit wie ein Hohn der Götter. Denn seine Gefühle entsprachen nicht seinen Taten. "Warum ich? Von all den Frauen auf der Welt. Wieso ausgerechnet ich? Ich bin ein gottverdammtes Miststück!", den letzten Satz schrie ich verzweifelt, während mir die Tränen übers Gesicht liefen. Jon hatte es tatsächlich geschafft meine Deckung nieder zu reißen. Ich fühlte mich nackt. Ihm ausgeliefert. Es war John hoch anzurechnen, dass er nicht zurück wich. Stattdessen nahm er mich in die Arme. Er war warm und es fühlte sich komischerweise echt gut an. Ich fühlte mich geborgen. Er drückte mich sanft an ihn und ich weinte mich an seiner Schulter aus. Er hielt mich einfach nur fest und sagte nicht. Dafür war ich sehr dankbar. Nachdem ich mich etwas beruhigt hatte, hörte ich mich sagen: "Ja ich will dich heiraten. Bitte mach mich glücklich". Ich hatte gesprochen ohne nachzudenken. Aus einem blödsinnigen Impuls heraus. Jon drückte mich etwas von sich weg um mich anzusehen. Auf seinem Gesicht bildete sich erst Erstaunen, was jedoch von unbändiger Freude erfüllt wurde. "Das ist für mich das schönste, was ich je gehört habe! Ich bin dank dir gerade der glücklichste Mann auf Erden". Damn it! Was hab ich mir da eingebrockt? Jetzt konnte ich mich nicht mehr aus der Affäre ziehen. Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte er auch schon seine Lippen auf meinen Mund gepresst. Vollkommen überrumpelt erwiderte ich den Kuss. Nach einer Weile fing ich sogar an den Kuss zu genießen und legte meine Arme ebenfalls um ihn. Nach einer halben Ewigkeit lösten wir uns voneinander. Sein glückliches Grinsen war ansteckend. Wenn ich so überlegte, war meine Entscheidung vielleicht gar nicht mal so schlecht. Er sah echt heiß aus und war auch noch verdammt reich. Das konnte ja nie schaden. Außerdem hatte er mich gerettet und mir geholfen zu flüchten. Man konnte auch nicht außer acht lassen, dass er mich wirklich liebte. Es gibt schlimmeres als mit jemanden verheiratet zu sein der einen wirklich liebt. Und wer weiß. Vielleicht könnte ich ihn irgendwann auch lieben. Diese Gedanken beruhigten mich und ich küsste ihn deshalb noch mal kurz. Als der Kuss vorbei war, streichelte er sanft meine Wange. "Ich denke wir müssen wohl eine Hochzeit planen Mrs. Venier". Mit diesen Worten gab er mir einen Kuss, der mir jeglichen Verstand raubte.

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    1 1/2 Jahre zuvor Ich lag in meinem Bett und grübelte. Die Sonne war schon seit zwei Stunden untergegangen und mein Zimmer lag nun im Dunkeln. Das Li
    1 1/2 Jahre zuvor
    Ich lag in meinem Bett und grübelte. Die Sonne war schon seit zwei Stunden untergegangen und mein Zimmer lag nun im Dunkeln. Das Licht hab ich ausgelassen. Seit ich in die Psychatrie eingewiesen wurde, verabscheute ich Licht. Ich weiß nicht ob ich froh sein sollte, dass ich in die Klapse eingeliefert wurde. Immerhin ersparte mir das einige Jahre Gefängnis. Zum Glück konnte Jon erklären was passiert ist und alle hielten das für einen Schockreaktion. Sie waren sich einig, dass Jacks Tod bei mir für einen Aussetzer gesorgt hatte. Ich bin immer noch der Ansicht, dass der Junge es verdient hatte. Meine ganze verfickte Schule hatte den Tod verdient. Und die Polizisten und die Ärzte hier auch. Sie allesamt. Wenn ich doch nur ein Messer oder so hätte. Seit einem halben Jahr nun war ich hier eingesperrt. Wenn das so weitergeht werde ich meinen 16. Geburtstag mit irgendwelchen Gestörten feiern müssen. Die anderen Patienten widerten mich an. In Pantoffeln und Bademantel schlürften sie durch die Gänge. Eine Frau die mich an dieses kranke Mädchen aus The Ring erinnert, wollte mir immer durch die Haare fahren. Nachdem ich ihr mit meiner Tasse Kaffee, die ich ihr drüber geschüttet habe, Verbrennungen 2. Grades zugefügt habe, ließ sie mich endlich in Ruhe. Die meiste Zeit verbrachte ich eh in meinem Zimmer. Diese Psychos wollte ich mir nicht antun. Ich war froh, dass mir meine Eltern wenigstens einmal in meinem Leben einen Gefallen getan haben und für ein Einzelzimmer gesorgt haben. Sie besuchten mich mit meinem Bruder einmal die Woche. Sie waren ungewöhnlich nett und brachten mir ab und an Sachen mit. Musste ich wirklich erst jemanden töten und in der Klapse landen, damit sie sich um mich kümmern? Außer meiner Familie besuchte mich von den alten Freunden aus der Clique nur Jon. Er hatte es sogar geschafft mir ein Handy zu besorgen. So konnte ich mich zumindest ein bisschen ablenken und hatte Kontakt zur Außenwelt. Das vibrieren meines Handys brachte mich aus meinen Grübeleien. Ich grinste. Eine Nachricht von Jon. ^Ich komme morgen vorbei ;)^. Ich lächelte. Wenigstens einer vergaß mich nicht. Einen Augenblick lang freute ich mich schon darauf, bis es mir einfiel. Ich schrieb ihm zurück. ^Das geht leider nicht. Morgen darf ich nämlich das erste Mal mit meinen Eltern raus:)^. Darauf freute ich mich schon total. Es war das erste Mal seit ich eingewiesen wurde. Das wollte ich nicht verpassen. Nach ein paar Sekunden kam auch schon die Antwort. ^Na dann genieße den Tag morgen. Vielleicht wird das ja dein letzter Tag hinter Gittern^. Häh? Was meinte er denn damit? Will der sich etwa über mich lustig machen. Wütend schaltete ich das Handy aus und nahm die Medikamente, die mir die Schwester vorher gegeben hatte. Dann legte ich mich wieder ins Bett und schlief kurz darauf ein. Am nächsten Morgen stand ich schnell auf und ging duschen. Ungeduldig wartete ich auf meine Familie. Meine Vorfreude war kaum zu bändigen. Endlich durfte ich wieder raus. Ich hatte es tatsächlich geschafft meine Psychiater davon zu überzeugen, dass ich nicht sofort den nächsten abstechen würde. Sie nahmen es mir alle ab. Als meine Eltern endlich kamen, hüpfte ich ihnen lachend entgegen und fiel ihnen um den Hals. Der übliche, langweilige Smalltalk begann. Aber im Gegensatz zu früher, war das schon ein enormer Fortschritt. Wir verabschiedeten uns von den Schwestern und ich folgte meinen Eltern zum Auto. Sie hatten einen Zoobesuch geplant. Normalerweise hätte mich das echt angekotzt. Aber jetzt war mir das egal. Hauptsache mal wieder in Freiheit sein. Wir schlenderten durch den Zoo. Als wir bei einem Kiosk ankamen, holte mein Dad uns allen ein Eis. Meine Mum beobachtete währenddessen die Flamingos und schenkte mir keine Beachtung. Ich wollte mich gerade auf einen Stein hinsetzen, als mich jemand am Arm packte. Ich wollte schon zu einer Beleidigung ausholen, als ich erkannte wer da vor mir stand. "Jon?", sagte ich ungläubig. Er grinste mich an. "Hey Kleines. Für große Worte haben wir später Zeit. Erstmal bringen wir dich hier weg". Er zog mich einfach mit sich bis zum Ausgang. Dort wartete schon eine Limosine auf uns. Wir stiegen hinten ein. Seit wann hat der denn ne Limo? "Jon dir ist klar das meine Eltern die Polizei informieren werden oder? Wenn die mich hier schnappen, bin ich für immer in der Klapsmühle bei den ganzen Gestörten". Er sah mich beruhigend an. "Sie werden uns schon nicht finden". Er sagte das mit so einer Selbstverständlichkeit, dass ich ihm glaubte. Ich war froh, dass er da war, dass er versuchte mich zu retten. Nach einer viertelstündigen Autofahrt hielt die Limosine an und ich blickte aus dem Fenster. Das konnte doch nicht wahr sein. Warum brachte er mich ausgerechnet hier hin? Fassungslos drehte ich mich zu Jon. "Was machen wir an meiner Schule?", meine Stimme klang leicht hysterisch. Er sah mich ernst an. "Du bekommst deine Rache. Allerdings sollten wir uns beeilen, bevor auch hier nach dir gesucht wird". Er zog eine große Sporttasche unter dem Sitz hervor und öffnete sie. Ich konnte meinem Augen nicht trauen. Da lagen Waffen. Pistolen und Maschinengewehre. Ich sah ihn mit großen Augen an. "Du willst doch Rache oder?". Ich brachte kein Wort raus und nickte einfach nur. Ja und wie ich das wollte. Aber woher hatte er denn die Waffen? Jon half mir einen Waffengurt umzulegen und ich nahm mir zwei Pistolen und ein Maschinengewehr. Er zeigte mir schnell wie ich die Waffen nachladen konnte, dann sah er mich an. Das wird dein Alleingang okay. Du schießt und ich sorge dafür, dass niemand fliehen kann. Ich verriegel die Türen. Die Fenster wurden von meinem Leuten so manipuliert, dass sie sich nicht mehr öffnen lassen. Ich warte am Haupteingang auf dich. Er öffnete die Tür und stieg aus. Ich folgte ihn mit leicht zitternden Händen. Der Moment meiner Rache war tatsächlich gekommen. Wie oft hatte ich nur dieses Tag vorgestellt. Wir gingen zur Tür. Auf halbem Weg dorthin, kamen 5 schwarz gekleidete, schwer bewaffnete Männer auf uns zu und grüßten uns. Das waren also Jons Leute. Ich war erleichtert, dass sie hier waren. Sie sahen kampferfahren aus. Als wir drinnen waren, stellten sich Jon und die Männer vor die Tür. Wir warten hier auf dich. Ich stutzte leicht. Irgendwas war komisch. Zwei von den Typen hielten irgendwelche Koffer in der Hand. Aber ich wollte nichts dazu sagen. Denn die Chance auf Rache wollte ich mir nicht nehmen lassen. Deshalb drehte ich mich um und ging den Gang lang. Es war still. Alle saßen in ihrem Klassenzimmern. Ich ging in die Richtung von meinem alten. In meinem Kopf hatte ich schon eine Liste aufgestellt. Mein Lächeln war bösartig. Als ich endlich ankam, drückte ich die Klinke runter und kickte die Tür auf. Das Maschinengewehr im Anschlag. Die Gesichter meiner Klassenkameraden wandten sich zu mir um. Erst war Unglaube, dann Furcht in ihren Gesichtern zu sehen. Ich blickte sie alle kalt an. "Ich bin zurück ihr Bitches. Ich hoffe ihr habt mich vermisst!". Bevor jemand antworten konnte eröffnete ich das Feuer. Zuerst Kylie, Gollum und Ork. Sie haben mich schließlich am meisten im Stich gelassen. Dann schoss ich alle ab die laut kreischten. Als es endlich ruhig war, waren nur noch mein Lehrer und fünf Schüler am Leben. Ich deutete auf den Lehrer. "Werf deinen verdammten Schlüssel her!". Schnell folgte er der Anweisung. "Na dann machts gut ihr Arschgeigen!". Ich trat wieder auf den Gang und schloss sie ein. Dann ging ich zum nächsten Zimmer. Das von Lara und Monika. Zum Glück war ein Schalldämpfer vorne auf dem Lauf und man konnte die Schüsse kaum hören. Bevor ich die Tür öffnete lud ich nach. Dann ging alles ganz schnell. Ich knallte meine Mitschüler. Wie schon zuvor, sperrte ich die Überlebenden ein. So arbeitete ich mich von Zimmer zu Zimmer. Das Geschrei klang wie Musik in meinen Ohren. Ich tötete alle, die mich auf dem Gang verspottet haben. Es war ein berauschendes Gefühl. Ich fühlte mich allmächtig und genoss meine Macht. Es ging alles wie von selbst. Ehe ich mich versah, war ich wieder an der Eingangstür. Dort stand Jon lächelnd. "Da bist du ja. Hattest du Spaß?". Ich grinste ihm zu. "Und wie". Er öffnete mir die Tür. Draußen standen seine Gefolgsleute und sicherten die Umgebung. Die beiden Typen hatte jetzt kein Koffer mehr in der Hand. Ich blickte mich um. Aus den Fenstern lugten vorsichtig die Gesichter meiner ehemaligen Mitschüler. Eins der Fenster war blutverschmiert. Ich winkte ihnen lächelnd zu und warf ihnen eine Kusshand zu. "Und Tschüss!". Jon grinste. "Können wir dann?". Ich nickte und folgte ihm zum Wagen. Die fünf Männer gingen zu einem schwarzen Van, den ich vorher nicht gesehen habe und stiegen ein. Als wir wieder in der Limosine saßen, brauste der Van schnell weg. Auch wir setzen uns in Bewegung. Allerdings verließ die Limosine nicht gleich die Stadt, wie ich es eigentlich annahm. Stattdessen fuhren wir zu einem Hügel von dem man perfekt auf die Schule sehen konnte. Ich war verwirrt. "Sollten wir nicht flüchten?" Jon schüttelte nur kurz den Kopf und holte dann etwas, was wie ein Uralthandy aussah, aus seiner Jackentasche. "Warte noch kurz einen Augenblick." Er wählte etwas und Ich schaue irritiert. Auf einmal explodierte die Schule an drei Stellen. Geschockt starrte ich dahin. Als sich der Rauch gelegt hatte, suchte ich den Trümmerhaufen ab. Aber von der Entfernung konnte ich nichts erkennen. Ich schloss die Augen. Meine Schule war Vergangenheit. Ich fühlte in diesem Moment nichts. Als ich die Augen wieder aufschlug sah Jon mich an. "Was hast du denn auf einmal? Erschießen kannst du sie, aber wenn ich Bomben lege meldet sich etwa dein Gewissen?" Ich schüttelte den Kopf. Er hatte tatsächlich meine Schule in die Luft gejagt. Ich wurde sauer. Er kann doch nicht meinen, dass er sich das herausnehmen darf. Das war meine Schule. Nicht seine! Ich funkelte ihn an. "War das wirklich nötig?" Er verdrehte die Augen. "Dadurch wirst du für immer im Gedächtnis der Leute bleiben!". Ich konnte nicht glauben was er da sagte. Da war mir zutiefst zuwider. Langsam fing ich sogar an, Gewissensbisse zu bekommen. Wann habe ich mir das Recht herausgenommen über Leben und Tod zu entscheiden? Warum bin ich so geworden. Wieso hab ich das überhaupt getan. Nur wegen Rache? So viele unschuldige sind wegen mir ums Leben gekommen. Mir wurde die Tragweite meiner Handlung bewusst und ich presste meine Hand auf den Mund. Er hatte mich zu einem Monster gemacht. Er blickte mich spöttisch an. "Mein Gott jetzt sei doch nicht so eine Memme". Ich wand mich von ihm ab. Jon gab dem Fahrer die Anweisung weiterzufahren. An mir zog meine Heimatstadt vorbei. Ich fühlte mich leer und sah stundenlang aus dem Fenster. Städte, Dörfer, Wälder und weite Wiesen zogen an mir vorbei. Ich realisierte es nicht wirklich. Zu groß waren meine Schuldgefühle. Irgendwann schlief ich erschöpft ein. Der Geruch von Café weckte mich. Auf einen kleinen Tisch hatte Jon mir Frühstück hingestellt. Ich war total hungrig und stürzte mich darauf. Jon ignorierte ich erst mal. Als ich satt war, sah ich ihn an. "Wohin fahren wir eigentlich?" Jetzt lächelte er wieder. "In die Stadt der Liebe, Liebling". Ich verschluckte mich fast an meinen Kaffee. "Aber was sollen wir denn in Paris? Was soll denn da aus mir werden?". Jon beugte sich etwas vor und sah mich an. "Du musst jetzt eine Entscheidung treffen, wie deine Zukunft aussehen wird. Du hast die Wahl zwischen zwei Optionen".

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    Jon's Sicht Ich war so glücklich wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben. Endlich würde sie mir gehören. Wie viele Jahre habe ich nun darauf
    Jon's Sicht
    Ich war so glücklich wie noch nie zuvor in meinem ganzen Leben. Endlich würde sie mir gehören. Wie viele Jahre habe ich nun darauf gewartet? Definitiv zu viele. Jetzt hatte ich sie endlich für mich. Auch wenn das ziemlich lange gedauert hatte. Aber der Einsatz hat sich gelohnt. Auch wenn ich viele dafür opfern musste. Meinen kleinen Bruder Jack eingeschlossen. Ich hab ihn geliebt aber er ließ mir keine Wahl. Da er Lethe wie eine kleine Schwester behandelt hat, wollte er sie vor allem beschützen. Mich inbegriffen. Er ist ausgerastet als er erfahren hatte, dass ich Lethe liebe. Ich kann mich noch ganz genau an seine Worte erinnern. Du verdammter Bastard bist sieben Jahre älter als sie. Halt dich von ihr fern du pädophiles Arschloch. Das saß. Ich habe ihn fassungslos angeschaut und bin dann gegangen. Seit diesem Streit hab ich kaum noch mit ihm geredet und hielt erstmal Abstand von Lethe. Als Lethe dann aber anfing mit Luke anzubändeln musste ich eingreifen. Sie würde nur mir gehören. Niemand anders hatte das Recht sie zu berühren. Also musste ich Luke ausschalten. Das war einfach. Fast schon zu einfach. Da ich schon sehr früh durch illegale Geschäfte zu viel Geld gekommen war, ohne dass das jemand wusste, war es einfach einen Auftragskiller anzuheuern. Wir ließen es wie Suizid aussehen. Mit einer Pistole in der Hand zwang ich Luke noch einen herzzerreißenden Abschiedsbrief zu schreiben. Es lief alles glatt. Schon am nächsten Tag wurde Luke von den anderen für seinen Egoismus gehasst. Besonders Lethe war enttäuscht. Bei dem Gedanken musste ich grinsen. Und es kam wie es kommen musste. Jeder hat mir den Suizid abgekauft. Ich dachte zumindest alle würden es glauben. Bis Jack eines Tages einen seltsamen Kommentar brachte. Wir waren gerade beide bei unseren Eltern zu Besuch. Alles verlief ganz normal und wir plauderten eine Weile. Unsere Mutter ging dann in die Küche um das Mittagessen und dn Kuchen zu zubereiten. Unser Vater mähte draußen den Rasen. Zwischen mir und Jack herrschte angespanntes Schweigen. Seit unseren letzten Streit hatten wir nicht viel miteinander zu tun gehabt. Ich wippte nervös mit dem rechten Fuß auf und ab, als Jack plötzlich sagte: "Und? Zufrieden dass Luke endlich tot ist?". Ich glaubte erst nicht was er da gesagt hatte. Wie zum Henker hat er davon erfahren? Unsicher sah ich ihn an. "Wie meinst du das denn jetzt?" Er erwiederte kühl meinen Blick. "Ich denke du hast mich schon verstanden Bro". Ich schluckte und fuhr mir mit der Zunge über meine trockenen Lippen. Ich dachte mir, dass die Wahrheit das einzige ist, was jetzt noch hilft. "Ich konnte es nicht ertragen ihn mit ihr zu sehen. Das war pure Folter für mich. Außerdem war er doch eh ein Idiot, der sie nicht verdient hatte!". Ich hoffte er würde mich verstehen. Jacks Miene verfinsterte sich. "Du bist echt krank. Weiß du das?". Abwertend sah er mich an. Ich versuchte es mit der Mitleidsmasche. "Bitte sag ihr nichts davon. Sie würde mich sonst hassen!". Doch es war vergeblich. Jack hatte seine Entscheidung gefällt. "Das kann ich nicht. Sie ist wie eine Schwester für mich. Das kann ich ihr nicht antun. Tut mir leid Jon". Wütend sprang ich auf. "Ach und ich bin nicht dein Bruder oder was?". Ich war zutiefst verletzt. Jack musterte mich undurchdringlich. "Es tut mir leid", er schnitt eine Grimasse, "ich helfe Mum mal beim kochen". Mit diesen Worten verließ er das Zimmer. Ich stand sprachlos da. Das konnte er mir nicht wirklich antun. Ich würde Lethe für immer verlieren. Das durfte ich nicht zulassen. Fieberhaft suchte ich nach einer Lösung. Mir fiel aber nur eine ein. Aber war Lethe es wirklich wert so weit zu gehen? Ich schloss meine Augen und mir kamen Erinnerungen an sie. Ja sie war es definitiv wert. Egal wie sehr ich Jack liebe, ich brauchte Lethe zum Leben. Und Jack hatte mit eigentlich nur noch eine Wahl gelassen. Ich griff in mein Jackentasche. Mein Klappmesser war da. Für einen kurzen Augenblick gestattete ich mir ein Grinsen. Mehr brauchte ich nicht. Schnell huschte ich zur Küche. Prima! Mum und Jack waren mit kochen beschäftigt. Schnell ging ich durchs Haus und trat vor die Haustür. In der Einfahrt standen Jacks und mein Auto. Ich blickte mich um. Keine Menschenseele war zu sehen. Mit großen Schritten ging ich auf Jacks Wagen zu und kniete mich daneben hin. Es war ein Kinderspiel die Bremsen mit dem Messer zu manipulieren. Nach getaner Arbeit stand ich wieder auf. Niemand hatte mich gesehen. Schnell verstaute ich das Messer wieder in der Tasche und ging einmal um das Haus herum, in den hinteren Teil des Gartens. Dort war mein Vater mit mähen beschäftigt und ich bot ihm meine Hilfe an. Nach kurzer Zeit kam Jack heraus und meinte zu uns, dass er kurz was erledigen müsse, aber rechtzeitig zum Essen wieder da sei. Ich musterte ihn. Noch könnte ich ihn hindern in das Auto zu steigen. Ich ging auf ihn zu um ihn zu umarmen. Doch er wich zurück und zog ein finsteres Gesicht. Das bewies mir endgültig, dass ich richtig gehandelt hatte. Ich ließ ihn gehen. Ich ließ ihn in das Auto einsteigen, mit dem er hundertprozentig einen Unfall haben würde. Ich war mir dessen bewusst, doch irgendwie war mir das egal. Ich tat es für die Liebe und nur das zählte für mich! Nachdem wir fertig waren, gingen Dad und ich wieder ins Haus und setzten uns mit meiner Mutter aufs Sofa. Nach einer halben Stunde klingelte es an der Tür. Ich dachte mir schon wer das sein könnte. Meine Vermutung bestätigte sich, als ich die Tür öffnete und zwei uniformierte Polizeibeamte vor der Tür standen. "Guten Morgen Offizier!", grüßte ich die beiden. Meine Eltern waren hinter mich getreten und sahen mit besorgten Blicken zu den beiden Cops. "Ich fürchte das ist kein sonderlich guter Morgen", sprach der größer der beiden. Er sah zu meinen Eltern und ich machte ihm Platz. "Ich nehme an Jack Thompson ist ihr Sohn!". Die Augen meiner Mutter weiteten sich. "Ja... gibt es ein Problem? Steckt er in Schwierigkeiten?" Der Polizist schüttelt verneinend dem Kopf. "Ich fürchte das hier ist schlimmer. Er hatte vor kurzem einen Autounfall, welchen er nicht überlebt hatte!". Meine Mutter kippte vor Schreck um. Gerade noch rechtzeitig, fing mein Vater sie auf. Auch er sah sichtlich geschockt aus. Mit meiner Hilfe schleppten wir sie ins Wohnzimmer und legten sie auf die Couch. Die Polizisten waren uns gefolgt. Ich versuchte ein betrübtes Gesicht zu machen. Es hatte also geklappt. Innerlich frohlockte ich. Von Schuldgefühlen oder dergleichen war keine Spur. Der kleinere Cop musterte mich. "Sie müssen wohl der ältere Bruder sein! Ihr Verlust tut mir sehr leid Mr. Thompson!". Ich knurrte innerlich. Ich hasste diesen Namen. "Nein. Ich heiße Venier! Ich habe den Mädchennamen meiner Mutter angenommen, nachdem ich aus dem italienischem Internat zurück gekommen bin", erklärte ich dem Bullen. Der Name Venier gefiel mir viel besser. Auf meine italienischen Wurzeln war ich sehr stolz. Vorallem als ich erfuhr, dass meine Mutter, bevor sie meinen Vater heiratete, in einem Mafiaclan lebte. Der Polizist nickte nur und die beidem verabschiedeten sich bald wieder, denn es gab noch viel Papierkram zu erledigen. Ich saß eine Weile bei meinen Eltern und schaffte es sogar, einige Tränen zu vergießen. Als ich mich kurz entschuldigte um aufs Klo zu gehen, zog ich mein Handy raus und schrieb eine SMS an Lethe, in welcher ich ihr den Tod von Jack mitteilte. Wie sie wohl darauf reagieren würde? Da sie nicht antwortete, verbrachte ich den restlichen Tag bei meinem Eltern. Als ich am nächsten Tag nach ihr schauen wollte, traf mich der Schock hart, als ich erfuhr wie sie ausgerastet ist. In dem Moment verspürte ich Hass gegen alle. Wie konnten sie Lethe nur einsperren? Wegen so einem dummen Jungen. Ich schwor mir in diesem Moment, dass ich sie da raushauen würde und für ihre Rache sorgen würde. Und wenn es das letzte ist was ich tue!
    Das alles ist nun zwei Jahre her und ich stand am Fenster und blickte zum beleuchteten Eiffelturm. Endlich war der Tag gekommen, denn ich mir schon so lange erträumt hatte. Morgen schon würde Lethe meine Frau sein. Ich grinste glücklich. Jetzt war ich endlich am Ziel angelangt. Es war ein blutiger Weg. Mit viel Schmerz und Kummer verbunden. Aber ich habe ihn letztendlich gemeistert.

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    ((bold))Und am Ende wird alles gut!((ebold)) Es war so weit. Der große Tag, oder wie ich ihn auch immer nennen sollte war gekommen. In wenigen Stunde
    Und am Ende wird alles gut!
    Es war so weit. Der große Tag, oder wie ich ihn auch immer nennen sollte war gekommen. In wenigen Stunden würde ich Jon heiraten. Über meine Gefühle zu ihm war ich mir noch nicht sicher. Trotzdem versuchte ich das beste daraus zu machen. Die letzten paar Wochen waren ziemlich anstrengend. Anscheinend hat er eine große Hochzeit geplant. Ständig die Anprobe für ein Kleid. Es hat ewig gedauert, bis ich eins hatte, das mir wirklich gefiel. Auch zwei Brautjungfern hattet er mir gesucht. Zwei Mädchen die zwei Jahre älter waren als ich. Alice und Jasmin. Ich kannte die beiden nicht mal. Der ganze Trubel verwirrte mich. Wieso konnten wir nicht einfach in einer kleinen Runde heiraten? Sonst hat er sich ja auch nie darum bemüht, dass ich viel Kontakt zu anderen habe. Und jetzt das! Ich war mir ziemlich sicher, dass ich nicht einen von den Gästen kennen würde. "Autsch!". Meine Gedanken wurden davon unterbrochen, dass mir meine Stylistin aus Versehen zu fest an dem Haaren zog. Sie entschuldigte sich überschwänglich, was ich mit einer Handgeste abtat. Nach einer gefühlten Ewigkeit, war sie endlich mit meiner Frisur fertig. Ich hatte mich gegen hochgesteckte Haare entschieden. Stattdessen trug ich die Haare offen. Deshalb verstand ich auch nicht, wieso die so lange gebraucht hatte. Zum Glück hatte sie mich schon davor geschminkt. Jetzt fehlte nur noch das Kleid. Vorsichtig, um nicht die Frisur oder mein Make-Up zu zerstörten, zog ich mir meine Kleidung aus, und ließ mir von der Stylistin in das weiße Kleid hinein helfen. Schnell zog mir diese den Reißverschluss hoch und musterte mich. Mit einem zufriedenem Lächeln, zog sie mich zum Spiegel. Wow! Mir verschlug es fast den Atem. Die Frisur und das Make-Up waren schlicht. Doch trotzdem sah das alles ziemlich edel aus. Das Kleid saß perfekt und sah wundervoll an mir aus. Lächelnd sah ich die Stylistin an. Ihren Namen hatte ich schon wieder vergessen. Ich bedankte mich bei ihr auf französisch und betrachtete mich wieder im Spiegel. Als ich mich das nächste mal umdrehte, war sie schon weg. Seufzend sah ich auf die Uhr. Noch drei Stunden bevor mich Taxi abholte. Jon bestand darauf, dass ich mich Zuhause fertig machte und dann das Taxi in die Kirche nahm. Nur war ich einfach schon viel zu früh fertig. Gelangweilt sah ich mich in meinem Zimmer um. Jon hatte mir nicht verboten hinaus zu gehen. Also stöckelte ich zur Tür und öffnete sie. Es herrschte Totenstille. Ich wusste nicht mal ob Jon da war oder nicht. Leise ging ich durch das Haus. Doch plötzlich hörte ich eine vertraute Stimme. Meine Augen wurden groß. War das nicht Dave? Er war einer von Jack's und Jon's Freunden gewesen. Früher als alles noch in Ordnung war. Hatte Jon ihn zur Hochzeit eingeladen? Daves Stimme wurde lauter und wütender. Dann hörte ich auch Jon's Stimme. "Verdammt sei leiser. Lethe ist oben im Zimmer Und ich habe kein Bock, dass sie uns hört!". Erschrocken schlug ich mir die Hand vor den Mund. Ich durfte jetzt keinen Mucks von mir geben. Weshalb die auch immer streiten, dies war nicht für meine Ohren bestimmt. Vorsichtig schlich ich etwas näher an die Tür. Dave versuchte nun mühsam seine Stimme in de Griff zu bekommen. "Du hast ihn umgebracht und sie weiß es nicht? Ist das jetzt dein scheiß Ernst? Wie kannst du deinen eigenen Bruder töten Jon?". Mir blieb die Luft weg. Was reden denn die beiden da? "Du musst das verstehen Dave. Sie und ich sind füreinander geschaffen. Jack war im Weg. Er wollte mich von ihr fernhalten. Was hätte ich denn tun sollen? Etwa die Liebe meines Lebens verlieren?" Ich biss mir auf die Lippen um nicht aufzuschreien. Jon hatte Jack getötet? Ich konnte das nicht fassen, die Tränen liefen mir die Wangen runter. All die Zeit hatte er mich belogen. Dieser Arsch hatte Jack umgebracht. Seinen eigenen Bruder. Den Menschen, der mir am wichtigsten war. Meine Trauer verwandelte sich in blinden Hass und Zorn. Damit würde dieses Arschloch nicht davon kommen. Ich werde Jack rächen! Nur wie? In den Raum stürmen konnte ich kaum. Ich wusste nicht ob Dave mir helfen würde. Ich überlegte. Mir kam eine geniale Idee. Jon wollte heute die große Show. Dann sollte er sie auch bekommen. Ich würde diese Hochzeit zu einem Blutspektakel machen. Leise entfernte ich mich von der Tür und bekam nicht mehr so wirklich mit, was die beiden wütenden Stimmen beredeten. Ich huschte in die Küche. Dort schnappte ich mir ein scharfes Küchenmesser und versuchte es mir irgendwie unterm Kleid fest zubinden. Es klappte. Leise ging ich wieder die Treppen hoch. Dave und Jon diskutierten noch immer. In meinem Zimmer holte ich einige Geldscheine aus meinem Geldbeutel und schob sie mir in den BH. Den Drahtschneider aus meinem Nachtisch, machte ich ebenfalls unter dem Kleid fest. Dann richtete ich wieder mein Make-Up, dass durch die Tränen ein wenig zerlaufen war. Nachdem ich dies beendet hatte, ging ich den Plan immer und immer wieder im Kopf durch. Heute würde alles enden. All der Schmerz, die Lügen und der Kummer. Ich sah aus dem Fenster und fühlte mich zum ersten Mal wirklich frei. Denn jetzt hatte ich einen Ziel. Einen Sinn. Heute würde ich Jack Wiedersehen. Mein Leben würde ich nicht wirklich vermissen. Da einfach zu viel schlechtes passiert ist. Ich wollte einfach nur noch meinen Frieden finden. Ich ließ mir die Bilder meiner Vergangenheit durch den Kopf gehen. Ich wusste, dass ich viele Fehler gemacht habe. Aber für Reue war es eh schon zu spät. Ich war doch eh schon ein seelisches Wrack. Zu helfen war mir nicht mehr. Es gab nur noch eins was ich tun musste bevor ich meinen Frieden finden konnte. Kalt starrte ich hinaus. Mein Ende war gekommen. Unser Ende. Aber das war mir egal. Mich interessierte nur meine Rache. Ich sah auf die Uhr. Das Taxi müsste gleich kommen. Schnell stieg ich die Treppen hinab. Jetzt waren keine Stimmen mehr zu hören. Wahrscheinlich war Jon schon bei der Kirche. Ich war immer noch erstaunt, dass er es geschafft hatte Die Basilika Sacré-Cœur für die Hochzeit zu mieten. Ich öffnete die Haustür. Es war ein warmer, sonniger Tag. Ich lächelte kurz. Einen besseren Tag gäbe es wohl nicht um meinen Plan durchzuführen. Vorsichtig stieg ich die Stufen herunter. Die Leute auf der Straße sahen mich neugierig an. Ich ignorierte sie. Endlich kam das Taxi um die Ecke. Der Fahrer hielt vor unserer Hausnummer und stieg aus. Fragend sag er mich an. "Sind sie Mrs. Venier?", seine Augen weiteten sich. "Nun ich würde sagen ich bin die zukünftige Mrs. Venier", antwortete ich lächelnd. Schnell half mir der Fahrer ins Taxi. Sein Blick blieb ziemlich oft an meiner Brust haften. Als ich endlich sicher verstaut im Taxi saß, stieg er vorne ein und fuhr los. Wir machten Smalltalk und unterhielten uns angeregt. Plötzlich sah ich meine Chance gekommen. "Mr. könnten Sie mir vielleicht einen Gefallen tun?". Er nickte eifrig. "Was immer sie wollen Madam". Ich setzte eine unglückliche Miene auf. "Wissen sie, diese Heirat geschieht nicht ganz freiwillig. Ich wurde dazu gezwungen. Aber ich will es ihnen nicht ganz so einfach machen. Könnten sie vielleicht mit dem Taxi in der Nähe der Kirche warten und wenn ich rausrenne, mich blitzschnell nach Notre-Dame fahren?". Mit meinem Hundeblick sah ich ihn an. Er lief rot an. "Aber ich...", er stockte kurz, "okay. Es wäre eine Schande einer so schönen Dame in Not etwas zu verweigern". Ich lächelte ihn an und holte die Geldscheine hervor. "Dies ist für sie. Damit sie einen Anreiz haben, mir wirklich zu helfen". Er nahm das Geld und zählte. "Madam ist wirklich sehr großzügig. Das ist das fünffache der eigentlichen Fahrt". "Sie haben es verdient", lächelte ich. Der Rest der Fahrt verlief schweigend. Er parkte vor einem Nebeneingang. "Ich werde hier stehen bleiben Miss. Viel Glück!". Ich verabschiedete mich von ihm und stieg aus. Alice und Jasmin liefen auf mich zu. "Süße du siehst ja zauberhaft aus!". Ich machte gute Miene zum bösen Spiel und machte den beiden ebenfalls Komplimente. Als wir endlich in der Kirche ankamen war ich schon total genervt von ihnen. Zum Glück musste ich nicht lange warten, bis die Glocken anfingen zu läuten. Jetzt kam mein Einsatz. Alice und Jasmin, stellten sich hinter mich und wir marschierte los. Heilige Scheiße. Jon hatte wirklich nicht übertrieben. Fast alle Plätze waren besetzt. Alle sahen sie mich an. Die hingerissenen Seufzer der Frauen kotzen mich an. Ich musste grinsen. Jetzt seufzen sie noch. Später aber würden sie dann alle schreien. Mit langsamen Schritten, die der Musik angepasst waren, schritt ich zum Altar. Dort stand er schon. Der Mann der mein Leben zerstört hatte. Wie konnte ich mal ernsthaft denken, dass ich ihn irgendwann lieben könnte. Nach einer Minute war es dann endlich geschafft und ich stand vorne neben ihm. Er lächelte zu mir herunter und ich versuchte das Lächeln zu erwidern. Jetzt begann der Pfarrer zu reden. Jon und ich sahen uns in die Augen als wir unser Gelübde sprachen. Wie konnte er mir jetzt noch in die Augen schauen nach allem was er getan hatte? Als wir fertig waren, riskierte ich einen kurzen Blick in die Reihen der Gäste. Da stand er. Dave. Ich grinste kurz. Dann würde zumindest einer von den früheren Freunden wissen wie es endet. Jon sah mich unbeirrt an, und uns wurden die Ringe gereicht. Vorsichtig steckten wir sie und gegenseitig an. Als er sich hinunter beugte um mich zu küssen, stoppte ich ihn. Verwirrt sag er mich an. Auch das Publikum runzelte die Stirn und tuschelte. Ich verzog meine Augen zu schlitzen und schrie laut: "Du solltest über deine Verbrechen lieber nur reden wenn ich nicht da bin!". Mit vor Schreck geweiteten Augen sah er zwischen mir und Dave hin und her. Ich spuckte ihm ins Gesicht und zog das Messer unter meinem Kleid hervor. Der Pfarrer schwankte ein paar Schritte nach hinten und die Gäste schrien auf. Mit kalter Miene sah ich Jon in die Augen. "Das ist für Jack", sprach ich laut und rammte ihm das Messer ins Herz. Jon ging zuckend zu Boden und brachte kein Wort mehr raus. Schnell zog ich mein Kleid hoch und rannte zum nächstgelegenen Eingang. Da das Kleid bodenlang war, konnte ich heimlich Turnschuhe tragen, in denen ich viel besser laufen konnte. Jetzt kamen die ersten Leute wieder aus ihrer Erstarrung und einige rannten mit hinterher. Schnell lief ich durch die dunklen Gänge und erreichte endlich eine Tür. Das helle Licht blendete mich. Ich war auf der richtigen Seite raus gekommen. Weiter vorne konnte ich das Taxi sehen und lief schnell darauf zu. Der Fahrer sah mich zum Glück rechtzeitig und fuhr mit entgegen, schnell öffnete er die Tür auf der Beifahrerseite. Hastig stieg ich ein. Die anderen waren dicht bei uns. "Schnell!", drängte ich den Fahrer. Dieser gab Vollgas. Er traute sich nichts zu sagen, bis wir ankamen. "Kommen Sie alleine zurecht?", zweifelnd sah er mich an. "Ja, vielen Dank für Ihre Hilfe. Machen Sie es gut", verabschiedete ich mich von ihm. Ich ging am Eingang von Notre-Dame vorbei. Die Leute machten mir alle Platz. Tja als Braut hat man ja doch einige Vorteile. Diesen Vorteil wollte ich nutzen. Ich ging zu der langen Menschenschlange, die vor dem Eingang der Turmbesteigung war. Ich sprach sie alle direkt an und versuchte gehetzt und verzweifelt auszusehen. "Mein Mann wartet oben mit dem Fotografen um Hochzeitsbilder machen zu lassen. Könnten sie mich vielleicht Bitte vorlassen?". Es klappte. Grinsend stieg ich die Treppen hoch. Oben angekommen war ich ganz schön außer Atem. Ich sah mich um. Es waren nicht so viele Leute hier oben. Ich ging zu einer Stelle und zog den Drahtschneider raus. Mit etwas Mühe hatte ich ein paar Drähte durch gezwickt. Jetzt musste ich schnell sein. Ich kletterte auf die Brüstung und schob mich durch die Öffnung. Wow. Ganz schön hoch. Unter mir konnte ich die Menschenmassen ausmachen. Ein Mitarbeiter hatte mich bemerkt und rannte auf mich zu. "Hey sie da. Kommen Sie sofort da runter! Das ist lebensgefährlich". Ich stand mit dem Rücken zum Abgrund und lächelte ihn an. "Das ist ja auch der Sinn der Sache!". Lächelnd ließ ich mich nach hinten fallen und stürzte dem Boden entgegen. Das Schreien der Menschen klang wie Musik in meinen Ohren. Alles war eine Lüge. Das ganze Leben. Selbst die Behauptung, dass wenn man stirbt, das ganze Leben an einem vorbei zieht. Das stimmte nicht. Ich sah einfach nur den hellen Himmel und die weiße Wolken. Dachte an nichts. Ich fühlte mich geborgen. Es ging ganz schnell. Nur ein paar Sekunden die ich fiel, die sich aber wie Minuten anfühlten. Ich hatte keine Angst oder Panik. Ich freute mich auf das was kommen würde. Als ich unten aufkam wurde alles schwarz.

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1504998131
Tödliche Schönheit
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Ich weiß, dass ich kein netter Mensch bin. Aber habe ich das wirklich verdient? Seit einem Jahr lebe ich nur noch in Furcht. Ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Die meisten würden vermutlich sagen, dass ich das verdient hätte. Das dies meine gere...
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2017-09-10
40J0
Horror, Krimi

Kommentare (20)

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Lethe ( von: Lethe)
vor 31 Tagen
Ne ich finde dieses Ende so besser. Sorry 🙈
Hello, it's me (48280)
vor 45 Tagen
Oder sie ihn killt und alleine glücklich wird?
Hello, it's me (48280)
vor 45 Tagen
Nein nein nein. So darf das nicht enden 😢 wieso denn so? Kann sie ihn nicht einfach heiraten, Kinder bekommen und alt werden? Das ist so traurig...
Lethe ( von: Lethe)
vor 45 Tagen
Danke schön 😘. Das war jetzt das letze Kapitel. Danke für das Lesen ^^
Sarah (05343)
vor 46 Tagen
Ich liebe deine Story und hoffe du schreibst weiter
Lethe ( von: Lethe)
vor 50 Tagen
Okay ich weiß nicht was da schief lief aber bei Jons Sicht ist irgenwie ein teil verschwunden. Ich schreib des am Wochenende dann nochmal
Lethe ( von: Lethe)
vor 50 Tagen
Findest du wirklich? Ich fand die Idee eigentlich ganz cool. Und um deine Frage zu beantworten: Warum killt eigentlich irgendwer irgendjemanden. Warum killen Eltern ihre Kinder. Oder umgekehrt. Tut mir leid aber diese Welt ist einfach nur krank. Das ist auch dass was ich mit dieser FF verdeutlichen will. Das wir in einer Welt leben in der soetwas nicht mal wirklich abwegig ist. Die Menschheit ist am durchknallen.
(88321)
vor 50 Tagen
Am sich liebe ich diese Geschichte. Bloß ist das in die Luft sprengen der Schule nicht etwas übertrieben. Und wer killt bitteschön seinen Bruder???
Lethe ( von: Lethe)
vor 52 Tagen
Ach ja und Danke an euch alle für die netten Kommentare 😘😍
Seppi (61134)
vor 53 Tagen
I hob grad dei Gschicht entdeckt. De is echt supa wordn. Dei Schreibstil is a echt toll 👍 Bitte schreib unbedingt weita
LG aus dem Schäna Bayern 🍻
Lethe ( von: Lethe)
vor 54 Tagen
Sorry das ich so lang nichts mehr geschrieben habe, aber ich hatte zurzeit viel Stress. Ich versuch dieses Wochenende das dritte Kapitel zu schreiben
Foltermeisterin (25128)
vor 62 Tagen
GEIL!!!!!!!!! kennst du die app wattpad? damit könntzest du das sogar international veröffentlich
Schoko Lade (54570)
vor 63 Tagen
Verkaufst du es auch als Buch? Würde dir ein Vermögen einbringen!
Hello, it's me (16261)
vor 87 Tagen
Echt nice Story Bro. Wann kommt das nächste Kapitel? Bitte schreib unbedingt weiter. Es ist echt voll spannend. Ich mag Lethe. Teilweise bin ich auch echt kurz davor Klassenkameraden zu töten. Ich kann verstehen warum sie das getan hat. XD😂😂
Lethe ( von: Lethe)
vor 89 Tagen
Danke Zuki 😊 😙
Um ehrlich zu sein weiß ich selber nicht was ich von Lethe halten soll 😂 Aber eins kann ich schon mal verraten, dass es noch krasser wird...
Zuki (77510)
vor 91 Tagen
Oh Gott das ist der Wahnsinn *hüpfe aufgeregt umher* Das hätte ich niemals gedacht. Diese krasse Wendung... ich weiß nicht ob ich sie mögen oder hassen soll. Ich kann ihre Handlung irgenwie nachvollziehen. Auch wenns echt krass ist. Dieses Kapitel dir super gelungen. Und mega ist echt, dass es so eine Wendung gab 👍
Lethe ( von: Lethe)
vor 91 Tagen
Danke dir ^^ :) Ich hab das nächste Kapitel und überarbeite es nochmal schnell. Dann stell ich es rein. Ich hoffe euch gefällt es ❤
Knad ( von: Knad)
vor 92 Tagen
Echt coole Geschichte! :D Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht^^
Lethe ( von: Lethe)
vor 92 Tagen
Es freut mich das sie dir gefällt. Ich versuch am Wochenende ein neues Kapitel reinzustellen. Dann wirst du schon noch sehen warum Lethe ein Biest ist... einfach abwarten
Zuki (77267)
vor 93 Tagen
Ich liebe deine Geschichte. Die ist total cool. Bitte Schreib unbedingt weiter. Ich will wissen wie es mit lethe weitergeht. Aber eine Frage warum ist lethe so schlimm? Sie ist doch das Opfer. Warum soll sie kein guter Mensch sein?