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Tödliche Schönheit

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2 Kapitel - 4.741 Wörter - Erstellt von: Lethe - Aktualisiert am: 2017-09-17 - Entwickelt am: - 550 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 9 Personen gefällt es

Ich weiß, dass ich kein netter Mensch bin. Aber habe ich das wirklich verdient? Seit einem Jahr lebe ich nur noch in Furcht. Ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Die meisten würden vermutlich sagen, dass ich das verdient hätte. Das dies meine gerechte Strafe für meine früheren Vergehen sei. Klar bin ich ein Miststück. Das will ich nicht mal bestreiten. Aber habe ich das laut den anderen wirklich verdient? War ich wirklich so schlimm? Tauche in meine Vergangenheit ein und bilde dir selbst ein Urteil...

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    Während ich davon rannte, warf ich einen panischen Blick nach hinten. Verdammt! Der Polizist war mir immer noch auf den Fersen und holte langsam auf.
    Während ich davon rannte, warf ich einen panischen Blick nach hinten. Verdammt! Der Polizist war mir immer noch auf den Fersen und holte langsam auf. Das durfte doch nicht wahr sein. Wofür hab ich denn so oft trainiert? Ich holte noch einmal alles aus mir heraus obwohl ich schon total kaputt war. Lange würde ich wohl nicht mehr durchhalten können. Meine Lunge drohte mir zu platzen und der Atem wurde immer unregelmäßiger und rasselnder. Ich drückte mich in der engen Gasse an einer Mülltonne vorbei und sprang über einen kaputten Stuhl. Was die Menschen hier alles so liegen lassen. Viel Zeit um mich darüber zu wundern blieb mir aber nicht, denn der Polizist holte schon wieder auf. Ich rang panisch nach Luft und presste eine Hand auf meinen Bauch. Dieses bescheuerte Seitenstechen würde noch mein Verderben sein. Da ... endlich erreichte ich das Ende der Gasse und bog links in die nächste enge Gasse ab. Jetzt war es nicht mehr weit. Vor mir konnte ich schon das Ende der engen Häuserblocks ausmachen. Ich hörte den Polizisten hinter mir fluchen. Ein Glück, dass ich ihm vorher die Pistole aus der Hand gekickt habe und weggeworfen habe, denn hier könnte er mich problemlos erschießen. In der engen Gasse gab es nicht viel hinter dem man sich ducken konnte. Außerdem stank es hier entsetzlich nach Pisse. Ich wollte gar nicht wissen welche üblen Typen nachts hier herumlungern. Erleichtert bemerkte ich, dass das Ende immer näher kam. Wenn ich erst mal draußen war, konnte ich mich unter die Menschen mischen und in der Menge abtauchen. Ich riskierte noch einen Blick zurück und triumphierte innerlich. Der Polizist war wohl nicht der sportlichste. Er wurde immer langsamer und blieb irgendwann schwer nach Atem ringend stehen. Ein arrogantes Lächeln entfuhr mir. Nach einigen Sekunden habe ich es dann endlich geschafft. Das Ende der Gasse war endlich erreicht. Ein Blick über die Schulter, zeigte mir, dass der Polizist in sein Funkgerät sprach. Immerhin folgte er mir nicht mehr. Schnell trat ich auf die belebte Straße und ließ mich von der Menschenmenge treiben. Nach einigen Minuten wurde mein Atem wieder gleichmäßig und das Seitenstechen ließ nach, schnell sah ich mich um. Keiner schien mir auch nur das kleinste bisschen Beachtung zu schenken. Also zog ich mein Handy aus der Jackentasche und verschickte die SMS ^Ich bin draußen!^. Eine Minute später kam auch schon die Antwort. ^Du weißt wo wir warten!^ Zufrieden steckte ich das Handy wieder ein und machte mich auf den Weg zum Treffpunkt. Es war ein ziemlich heißer Sommertag und ich kochte regelrecht in den dicken Sachen. Während ich mit zielstrebigen Schritten durch die Straßen ging, beobachtete ich die anderen Leute. Leute in teuren Anzügen sprachen in ihr Handy, Frauen mit prallen Einkaufstüten bummelten umher, verliebte Pärchen schlenderten Hand in Hand herum. Die meisten von ihnen wirkten ganz glücklich und zufrieden und für einen kurzen, flüchtigen Moment kam mir der Anflug von Neid. Diese Menschen können ein normales Leben haben, eine Familie, Freunde. All das was mir nicht vergönnt war. Ich seufzte leise. Na ja gut ... Ich war auch ein bisschen selbst schuld an meiner Lage. Gekonnt wich ich den ganzen Parisern aus und bahnte mit einen Weg Richtung Notre-Dame. Nach einem fünfzehn minütigen Fußmarsch, welchen ich sehr genoss erreichte ich mein Ziel. Verächtlich schaute ich die Massen an Touristen an. Wie Hühner in einem Stall erfüllten sie den ganzen Platz vor Notre-Dame. Schulter an Schulter. Kaum Platz war da. Ich verstand das nicht. Was soll so toll daran sein eng aneinander gedrängt hier rum zustehen und Bilder zu machen? Ich persönlich finde ja, dass die Touristen das schlimmste an Paris sind. Egal wo man hingeht sind welche. Ständig haben sie die Kamera am Anschlag und knipsen dämliche Fotos. Am liebsten würde ich sie alle in die Seine schubsen. Bevor ich ich mich durch dir Masse quetschte, hob ich meinen Blick zum Himmel und ließ die Sonne auf mein Gesicht strahlen. Ich lächelte leicht und genoss die prickelnden Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Mit schubsen und fluchen bahnte ich mir einen Weg quer über den Platz. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis mich die Menge am anderen Ende wieder ausspuckte und ich die Straße hinunter gehen konnte. Rechts von mir befand sich die lange Seite von Notre-Dame und die Wasserspeier grinsten zu mir herunter. Bei deren Anblick fühlte ich mich schon etwas besser. So komisch es auch sein mag aber die Wasserspeier gefallen mir am besten. Sie geben mir ein Gefühl von Sicherheit. Denn mein Ziel war nicht mehr fern. Als ich unten an der Straße ankam, wartete sie schon. Die glänzend schwarze Limosine. Bis auf die Scheiben beim Fahrer vorne, waren alle Fenster verdunkelt. Worüber ich auch ganz froh war. Ich verkniff mir ein Augen rollen. War ja klar. Ich war auf der Flucht und Jon der Idiot taucht mit der Limosine auf. Mit schnellen Schritten hastete ich an ihr Ende und stieg hinten ein. Dort saß Jon und blickte schon leicht ungeduldig. Er trug wie immer einen von seinen Designeranzügen und fuhr sich durch sein schwarzes, nach hinten gekämmtes Haar. "Jon", sagte ich kühl und schnallte mich an. Der Neuwagen Geruch stieg mir in die Nase und ich verzog leicht mein Gesicht. "Hallo Liebling!", erwiderte er in seinem bescheuerten italienischen Akzent und lächelte mich überheblich an, während der Chauffeur los fuhr. Ich hasse es wenn er mich so nennt und biss mir verlegen auf die Unterlippe. Er sah schon verdammt heiß aus. Das kann selbst ich nicht verleugnen. Er hat einen trainierten Körper und seine grünen Augen passen perfekt zu seinen italienischen Gesichtszügen. Das Problem lag auch nicht mal am Alter. Mit seinen 24 Jahren würde er sogar in mein Beuteschema passen. Es lag mehr an seinem Charakter, welcher so was von daneben ist. Seine arrogante überhebliche Art macht mich immer total zornig. Zudem ist er ein kaltherziges Arschloch, welches ich über alles hasse. Dieser Mann hat mir alles genommen was mir lieb und teuer war. Er hat mich zu der gemacht die ich jetzt bin. Und dafür hasse ich ihn. Aber leider Gottes, war ich auf ihn angewiesen und war mehr oder weniger seine Sklavin. Überrascht von meinem Schweigen sah er mich an. "Ähm... lief alles nach Plan Lethe?". Ich wandte den Blick von ihm ab und sah aus dem Fenster, sah zu wie die Häuser an uns vorbeizogen. Ich konnte es nicht ertragen ihm ins Gesicht zu sehen. Sonst hätte ich es möglicherweise darauf eingeschlagen und das wäre für mich definitiv nicht gut ausgegangen. "Der Auftrag wurde ausgeführt. Es lief ... relativ nach Plan ... nun ja ... zwei Polizisten tauchten unglücklicherweise auf. Der eine hat Meldung erstattet während mich der andere verfolgt hat. Aber ich konnte ihn in einer der kleinen Seitengassen abschütteln". Ich blickte wieder zu ihm. Er lächelt beruhigt und tippte irgendwas in sein Handy. Ich rutschte in eine bequemere Sitzposition, während meine Gedanken wieder zu der Tat flogen. Mir wurde bei dem Gedanken daran übel. Was war nur aus mir geworden? Wann bin ich zu so einem Monster geworden? Jon merkte mir an, dass irgendwas nicht in Ordnung war. So etwas merkt er immer. Als wäre ich ein offenes Buch für ihn. Er legte eine Hand auf meinen Oberschenkel und streichelte ihn sanft. Ich fuhr zusammen. Ich finde es total ekelhaft wenn er mich berührt. Am schlimmsten ist es aber, wenn er mich küsst. Sein Atem riecht immer nach Minze. Nicht auf die angenehme Weise. Es ist mehr ein aufdringlicher, penetranter, ja fast schon künstlicher Geruch. Er ist jetzt kein schlechter Küsser oder so. Nur finde ich seine Berührungen abstoßend. Ich starrte ihm in seine Augen. Diese kalten, seelenlosen Augen eines berechenbaren Arschlochs. Ich begann leicht zu zittern. Ob vor Wut oder Trauer konnte ich nicht sagen. "Du Mistkerl hast mir nicht gesagt, dass seine Tochter gerade mal acht ist. Acht Jahre Jon! Wie kannst du nur so ein gemeines Arschloch sein?". Meine Stimme klang ziemlich gequält. Tränen schossen mir in die Augen und ich versuchte verzweifelt sie weg zublinzeln. Meine Lippen bebten. Jon's Gesicht erstarrte zu einer kalten Maske. Sein Mund nahm diesen verkniffenen Zug an, den er immer bekam wenn er sehr zornig war. Einen Moment lang bereute ich meine Worte. Aber dann musste ich wieder an die kleine Noelle denken und ich wurde wieder wütend. Bemüht ruhig presste Jon hervor: "Du kleine Hure wirst mich nie wieder so nennen! Sonst wirst du es bereuen. Hast du mich verstanden?". Ich gab ihm keine Antwort, sondern funkelte ihn nur wütend an. Jon nahm das offenbar als Provokation auf und verlor mal wieder die Beherrschung. Seine linke Hand schnellte blitzschnell hervor und legte sich um meinen Hals. Mit seinem Daumen schnürte er mir immer mehr die Luft ab. Wie schon so oft wagte ich es nicht mich zu rühren und saß regungslos auf dem Sitz und ließ es über mich ergehen. Ob er mir wohl wieder blaue Augen schlagen würde? Mit der freien Hand riss er mit die Kapuze vom Kopf und krallte seine Finger in mein langes, weiches, blondes Haar und zog kräftig daran. Tränen des Schmerzes schossen mir in die Augen und ein qualvoller Schrei entschlüpfte mir. Ich versuchte mich von ihm loszureißen. Wer weiß ob der mich nicht sonst umbringt. Das war schon wieder ein Fehler. Wütend über meinen Widerstand, boxte er mir immer und immer wieder in den Bauch. Ich krümmte mich zusammen und flehte ihn um Gnade an. "BITTE JON HÖR AUF! ... bitte das tut weh...!". Doch all mein Flehen half nichts. Er legte nun beide Hände an meinen Hals und drückte leicht zu während er mich durch schüttelte und meinen Kopf immer wieder gegen die Scheibe schlug. Zum Glück wurde mir irgendwann schwarz vor Augen und ich konnte so seinen Misshandlung erst mal entfliehen. Fürs erste...

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    ((bold))Zwei Jahre zuvor((ebold)) "Wie bitte?", knurrte ich, warf die Tür von meinem Spind zu und drehte mich zu dem Jungen um. Meine Händ
    Zwei Jahre zuvor

    "Wie bitte?", knurrte ich, warf die Tür von meinem Spind zu und drehte mich zu dem Jungen um. Meine Hände stemmte ich in die Hüften und verengte meine Augen zu wütenden Schlitzen. "Hast du gerade wirklich gesagt du tust das nicht?" Der Junge, ich glaube sein Name war Lukas oder so, besaß tatsächlich die Unverschämtheit mir ins Gesicht zu grinsen. "Ja das habe ich gesagt! Was willst du jetzt machen?", er hob spöttisch eine Augenbraue. Ich trat einen Schritt auf ihn zu und legte sanft eine meiner perfekt manikürten Hände auf seine Wange. Ich lächelte ihn strahlend an. Irritiert sah er mich an. Er schluckte schwer. "Was ich tun werde? Das werde ich tun!", antwortete ich ihm. Ich trat einen Schritt zurück und nahm die Hand von seiner Wange. Ich schnippte mit den Finger und sah zu meinen beiden Schlägern, die ich Ork und Gollum getauft habe, da diese viel besser zu ihnen passten. "Ihr wisst was zu tun ist", sagte ich mit einem eiskaltem Lächeln. Jetzt ging alles ganz schnell. Ork stellte sich hinter Lukas und hielt ihn von hinten fest. Währenddessen postierten sich Gollum vor ihm und begann mit der Bestrafung. Zuerst trat er ihm ein paar mal in den Magen. Lukas schrie laut auf. Was für eine Memme. Ich zuckte nicht mit einer Wimper und sah zu. Ork legte eine Hand auf Lukas Mund, um ihn am schreien zu hindern. Ich fixierte Lukas, aus den Augenwinkeln konnte ich jedoch sehen, dass sich einige der Mitschüler abwendeten. Ich grinste. Allesamt waren sie solche Memmen. Gollum schlug nun auf Lukas Gesicht ein. Dieser heulte nun und winselte. Ich verdrehte die Augen. Ich ließ Gollum Lukas noch eine Zeit lang quälen bevor ich eingriff. "Das reicht! Ich denke er hat sein Platz in der Rangordnung begriffen". Lukas nickte. Sein Gesicht sah ganz schön geschwollen aus und er würde sicher blaue Augen bekommen. Die Jungs ließen ihn los und er wankte davon. Ich wusste er würde es nicht den Lehrern sagen. Niemand verpetzte es. Die haben alle zu viel Angst. Ich sah meine Mitschüler an. Zumindest die, die noch da waren. "Das alles ist nie passiert!". Die unterschwellige Drohung reichte aus. Alle nickten brav oder murmelte etwas zustimmendes. Ich schaute Gollum und Ork an. Ein Wunder das ich dies schaffte, ohne mich zu übergeben. Beide haben eine typische Schläger Statur. Extrem groß und muskulös, mit einem Stiernacken. Die Gesichter jedoch ... naja man könnte deren Gesichter mit Kloaken vergleichen. Ich schritt würdevoll an den Schülern vorbei. Die beiden Schläger im Schlepptau. Wo zum Henker steckt eigentlich Kylie. Die hab ich heute noch gar nicht gesehen. Ob meine beste Freundin wohl wieder mal Schule schwänzte? Auf den Weg zum Klassenzimmer flirtete ich mit dem ein oder anderen Typen. Ich bin seit drei Jahren an dieser Schule. Schon innerhalb der ersten Woche habe ich es geschafft alle in meinen Bann zu ziehen. Erst verzauberte ich mit meiner Art alle. Dann suchte ich mir Schläger und eine beste Freundin. Ab da war ich startklar. Jetzt begann der ganze Spaß. Ich fing an die Loser der Schule zu schikanieren. Es war definitiv amüsant. Nach einer Weile jedoch wurden mir die Beleidigungen zu langweilig. Ich begann andere zusammenschlagen zu lassen, ihre Sachen zerstören lassen oder sie auf andere Weise zu erniedrigen. Wenn jemand nicht auf mich hörte, so wie Lukas vorher ließ ich ihn bestrafen. Den mein Wort ist Gesetz an der Schule. Ich bin die verdammte Queen. Weiter vorne auf dem Gang sah ich Lara und Monika. Perfekt! Die beiden waren meine Lieblingsopfer. Ich eilte auf die beiden zu, ein sadistisches Lächeln auf den Lippen. Ich drückte meine Sachen irgendnem Schwachmaten in die Hände. "Wehe du lässt was fallen!" Ich ging zu Monika und riss ihr den Ordner aus der Hand. Diesen öffnete ich nun, nahm die Blätter raus und verstreute sie auf dem Boden. Monika begann zu weinen und Lara legte tröstend einen Arm um sie. Aber keine von beiden traute sich den Mund aufzumachen. Ich sah mir die Schuhe von den umstehenden Schülern an. "Du da!", ich deutete auf einen Möchtegern Gangster mit verdammt dreckigen Springerstiefeln. "Lauf auf den Blättern rum und mach sie dreckig!" Er gehorchte sofort und nach kurzer Zeit zierten schmutzige, braune Schuhabdrücke Monikas Blätter. Ich lachte. Lara und Monika sammelten die Blätter wieder auf, während ich schon weiter ging. Ach ein herrlicher Tag ist das. Das kann doch nur gut weiter gehen. "Hey Lethe warte mal", ertönte ihre helle, fast noch kindliche Stimme an mein Ohr. Na endlich. Ich drehte mich um und sah Kylie auf mich zu eilen. Ihre braunen Haare waren offen und flatterten hinter ihr her und die grünen Augen funkelten amüsiert. "Ich hab gerade Monika und Lara gesehen", sie lacht. Ich lachte mit ihr und umarmte sie kurz. Zusammen setzen wir den Weg fort. Kurz vorm Klassenzimmer piepste jedoch mein Handy. Eine Nachricht. Ich holte mein Handy raus um nachzusehen wer mir schreibt. "Oh!", entfuhr es mir. Was will den Jon von mir? Mit dem hab ich doch kaum Kontakt. Ich runzelte die Stirn. Gollum und Ork waren schon im Klassenzimmer verschwunden. Kylie wartete noch auf mich. Allerdings sah sie schon leicht ungeduldig aus. "Kommt du Le?" Ich sah kurz vom Handy auf. "Kannst du mich bitte bei Fr. Lehmann entschuldigen? Mir ist schlecht. Ich geh mal lieber aufs Klo". Kylie nickte ausdruckslos und verschwand im Raum. Sie schloss die Tür hinter sich und ich starrte kurz die Tür an. Hätte ich doch nur gewusst, dass dies der letzte Moment meines normalen Lebens sein würde. Ich eilte Richtung Klo. Auf den Weg dorthin öffnete ich die Nachricht und Begriff erst gar nicht was sie bedeutete. Als ich es endlich begriff, wurde ich blass. Nein das konnte nicht wahr sein. Das durfte nicht wahr sein! Ich schloss die Augen und zählte innerlich bis zehn. Ich hegte die Hoffnung, dass wenn ich die Augen wieder öffnete, die Nachricht anders lauten würde. Es war aber immer noch die selbe.
    ^Hallo Lethe. Es tut mir leid, dir das per SMS mitzuteilen, aber ich kann es einfach nicht aussprechen. Jack hatte einen Autounfall und starb noch vor Ort. Es tut mir so leid. Bitte melde dich!^
    Mehr stand da nicht. Es war nicht viel. Aber dennoch genug um alles zu zerstören. Meine Hoffnungen zu zerstören. Mich zu zerstören. Meine Pläne zu zerstören. Diese kurze SMS zerstörte meine Leben. Ein schluchzen bahnte sich in meiner Kehle hoch und entfuhr mir. Mit dem Handy in der Hand sank ich zu Boden und kauerte mich zusammen. Weinend schlang ich die Arme um mich und wiegte mich hin und her. Es ist Jahre her, seit ich das letzte mal geweint habe. Es schien als würden all die ungeweinten Tränen mit hervorbrechen. Es schien kein Ende nehmen zu wollen. Ich begann am ganzen Körper zu zittern. Eine Panikattacke bahnte sich an. Das durfte nicht passieren. Nicht hier. An einem Ort wo mich alle als Eiskönigin kannten und mich jeder sehen könnte. Ich versuchte mich abzulenken und dachte an die schöne Zeit mit Jack zurück. Ich hoffte das würde mich beruhigen. Jack war der einzige Mensch dem ich jemals vollkommen vertrauen konnte. Er war wie ein Bruder für mich. Der große, tolle Bruder den ich nie hatte. Seit meiner Geburt schien es als würde mich meine Familie hassen. Meine Mutter, mein Vater und mein großer Bruder Danny. Seit ich denken konnte verachteten die mich. Obwohl ich nichts getan habe. Ich wusste nicht was deren Problem mit mir war. Ich machte es mir zur unmöglichen Aufgabe meine Eltern mit stolz erfüllen zu wollen. Doch vergeblich. Egal wie gute Noten ich schrieb, egal wie sehr ich meiner Mutter beim Haushalt half, egal wie brav ich war, ständig meckerte man nur an mir rum. Wenn etwas kaputt ging schob man sofort mir die Schuld in die Schuhe. Auch wenn ich es nicht war. Es war als würde ich mit Fremden zusammen wohnen. Ich bekam zum Geburtstag nie das was ich mir wünschte. Nicht ein einziges mal. An meinem letzten Geburtstag, meinem 15. wünschte ich mir einfach nur eine neue Schultasche. Mehr nicht. Was bekam ich stattdessen? Einen verdammten Basketball. Was soll ich den mit so was anfangen? Ich hasse Basketball. Aber das wissen die ja nicht mal, da sie schon lange das Interesse an mir verloren haben. Da ich mit gute Taten das Interesse meiner Eltern nicht wecken konnte, versuchte ich es andersherum. Ich sprayte Graffiti, legte mich mit Lehrern an. In den anderen Schulen war ich deshalb immer die Außenseiterin. Das komische Mädchen das nicht ganz richtig tickt. Ich war froh als ich hierher versetzt wurde. Ich schwor mir hier alles anders zu machen. Und es klappte. Ich bin das krasse Gegenteil von früher. Ich bin die Anführerin und zweifelsfrei das schönste Mädchen der Schule. Ich stellte mich mit den Lehren gut, damit sie nicht ahnen was ich für Intrigen spann. Es lief alles perfekt. Ich hatte das Spiel voll heraus. Vor zwei Jahren dann wurde ich mit gerade mal dreizehn auf eine Party eingeladen auf der eigentlich nur 10. und 11. Klässler waren. Auf dieser Party hat sich in meinem Leben einiges geändert. Denn da traf ich ihn. Jack Tomson. Er stand an der improvisierten Bar, nippte an einem Drink und beobachtete die anderen Verächtlich. Seine schwarzen Locken hingen ihm so ins Gesicht, dass eins seiner eisblauen Augen verdeckt wurde. Sein Shirt war ziemlich eng und betonte seinen durchtrainierten Oberkörper. Als ich ihn da entdeckte, wunderte ich mich, denn ich habe ihn nie auf unserer Schule gesehen. Was machte der hier? Weil es mich Interessierte, ging zu ihm und fing ein Gespräch an. Er sagte zu, mir dass er den Gastgeber kenne und deshalb eingeladen wurde. Er fände aber, dass hier ein Haufen Idioten wären. Ich stimmte ihm lachend zu und unterhielt mich den ganzen Abend mit ihm. Wir verstanden uns prächtig. Als es für mich Zeit wurde zu gehen, tauschten wir unsere Nummern aus. In den nächsten paar Wochen schrieben wir jeden Tag und trafen und öfters. Irgendwann trafen wir uns jeden Tag. Ich konnte ihm alles erzählen und vertrauen. Er wurde zu meinem Beschützer. Wenn ich bei ihm war konnte ich alles andere vergessen. Zum ersten mal in meinem Leben war ich wirklich glücklich. Eines Tages stellte er mich seinen besten Freunden vor. Diese nahmen mich herzlich auf. Da ich mit Abstand die Jüngste war, denn die anderen waren größtenteils zwischen 16 und 18, wurde ich ständig bevorzugt. Zu der Zeit wurde ich in der Schule nachsichtig und hörte auf die Schüler zu quälen. Jon allerdings, der mit 21 Jahren der älteste in der Clique war, zog mich bei einem DVD-Abend auf die Seite. Irgendwie hatte er raus gefunden, wie ich an meiner Schule geherrscht habe. Er ermutigte mich dazu, wieder so wie früher zu werden. Denn nur so könnte ich mir deren Treue und Respekt verschaffen. Dumm wie ich war hörte ich auf ihn und wurde wieder zum fiesen Miststück. Obwohl mir das gar kein Spaß mehr machte. Teilweise wachte ich nachts mit Schuldgefühlen auf. Aber die unterdrückte ich und machte wie gewohnt weiter. Die Zeit mit meinen neuen Freunden wurde zur besten meines Lebens. Wir bauten einen Haufen Scheiße und hatten total viel Spaß. Aber wie alle guten Dinge endet alles einmal. So saß ich nun heulend im Gang. So kann es gehen. Erst toll happy und im nächsten Moment total unglücklich. Ich fühlte mich leer. Innerlich war ich tot. Ein Teil von mir war gestorben. Ich wusste nicht mehr weiter. Als ich mit verheulten Augen aufsah merkte ich, dass sich der Flur langsam mit Schülern füllte. Sie alle starrten mich an als wäre ich ein Alien. Alle tuschelten sie. Keiner wagte irgendwas zu sagen. Zumindest eine Zeit lang nicht. Dann begann ein Junge den ich öfters mal fiese Kommentare an den Kopf geworfen habe lauthals zu lachen. "Seht mal Leute. Die Eiskönigin heulend am Boden. Hat sie sich einen Fingernagel abgebrochen?". Seine Stimmte klang rau und machte mich wütend. Wie kann er wagen so etwas zu sagen. Wie kann er lachen wenn Jack tot war. Für immer aus meinem Leben verschwunden. Zornig blickte ich ihn an. Er lachte nur noch mehr und drückte einen blöden Spruch nach dem anderen. Anfangs kicherte einige. Zuerst nur die, die mal von mir scheiße behandelt wurden. Dann stimmten die anderen mit ein und auf einmal fingen alle an mich zu beleidigen. Ich war außer mir vor Wut und ein roter Schleier fiel mir über die Augen und ich sprang auf. "Haltet eure scheiß Fressen!", schrie ich die ganzen Spasten an. Doch sie lachten nur noch mehr. Ich stürzte auf den Jungen zu der mit allem angefangen hat. Ich wollte auf ihn einschlagen. Ich wollte sein Blut fließen sehen. Auge um Auge ... Zahn um Zahn ... und Leben um Leben. Es würde mir Jack nicht zurückbringen, aber zumindest Genugtuung verschaffen. Ich schlug ihm so fest ich konnte ins Gesicht. Er war allerdings viel größer und stärker als ich. Er schubste mich von ihm weg und ich fiel zu Boden. Direkt auf meine Handtasche. Da fiel etwas ein. Das Messer welches ich immer bei mir hatte. Man kann ja nie wissen ob man überfallen wird. Es steckte irgendwo in meiner Handtasche. Während mich die anderen verspotteten kramte ich hektisch danach in meiner Tasche rum. Schließlich fand ich es und stand damit auf. Es lag schwer aber fest in meiner Hand. Jetzt lachte niemand mehr. Sie wurden alle leise und wichen zurück. Selbst der Junge der vorher noch so große Töne gespuckt hatte schwieg jetzt. Ich ging mit einem grausamen Zug um dem Mund auf ihn zu. Er ging rückwärts, kam aber nicht weit, denn er stieß gegen die Spinde. Jetzt sah ich meine Chance. Als er deshalb einen kurzen Moment abgelenkt war sprang ich vor und rammte ihm das Messer mit einem Schrei in den Bauch. Er schrie auf. In seinen grauen Augen sammelten sich Tränen, die langsam seine Wange runter liefen. Jetzt musste ich lachen. Es war das Lachen einer Irren. Einer Verrückten. War das aus mir geworden? Ich zog das Messer raus. Die Klinge war blutrot. Seltsamerweise fand ich das hübsch. Jetzt glänzte die Klinge so schön. Ich stieß wieder zu. Immer und immer wieder. Selbst als der Typ schon längst zu Boden gesackt war und keinen Ton mehr von sich gab. Ich stieß ihm das Messer in den Bauch und in die Brust. Ich gab währenddessen nicht mehr menschliche Laute von mir und vergaß alles um mich herum. Ich fühlte nichts mehr. Ich bekam nicht mal mehr wirklich mit was ich da tat. Aber eins wusste ich. Ich tat es für Jack. Das trieb mich an. Ich schrie den jungen an, ohne zu merken das er tot war. "DU VERDAMMTER BASTARD WIRST DICH NIE WIEDER ÜBER JACK LUSTIG MACHEN. HAST DU MICH VERSTANDEN?". Langsam bekam ich wieder einen klaren Kopf und tauchte aus meiner Trance auf. Ich sah meine Mitschüler an. In ihren Mienen spiegelte sich Angst, Panik, Entsetzen und Abscheu. Da hörte ich eine Stimmte panisch rufen: "Da ist sie. Sie ist vollkommen irre. Sie müssen Lethe von Bärenstein verhaften! Schnell bevor sie noch mehr killt" Ich drehte mich um. Was wird das hier? Ich sah eine Gruppe komplett bewaffneter Polizisten auf mich zu rennen. Ihre Waffen zielten auf mich. Ist das das SEK? Oh fuck. Da steckte ich wohl richtig in der Scheiße. "Lassen sie das Messer fallen!", befahl mir einer mit einer dunklen Stimme. Ich war wie gelähmt und stand einfach nur mit dem Messer da und sah sie an. Deshalb bemerkte ich nicht, dass sich einer von denen von hinten an mich angeschlichen hatte um mich zu betäuben. Zu spät spürte ich den kalten Luftzug in meinem Nacken. Ehe ich reagieren konnte, drückte er mir schon einen in Chloroform getränkten Lappen ins Gesicht. Das letzte was ich für lange Zeit sah waren die Gesichter meiner Mitschüler...

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1504998131
Tödliche Schönheit
Tödliche Schönheit
Ich weiß, dass ich kein netter Mensch bin. Aber habe ich das wirklich verdient? Seit einem Jahr lebe ich nur noch in Furcht. Ich kann mich nicht mehr sicher fühlen. Die meisten würden vermutlich sagen, dass ich das verdient hätte. Das dies meine gere...
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2017-09-10
40J0
Horror, Krimi

Kommentare (7)

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Hello, it's me (16261)
vor 7 Tagen
Echt nice Story Bro. Wann kommt das nächste Kapitel? Bitte schreib unbedingt weiter. Es ist echt voll spannend. Ich mag Lethe. Teilweise bin ich auch echt kurz davor Klassenkameraden zu töten. Ich kann verstehen warum sie das getan hat. XD😂😂
Lethe ( von: Lethe)
vor 9 Tagen
Danke Zuki 😊 😙
Um ehrlich zu sein weiß ich selber nicht was ich von Lethe halten soll 😂 Aber eins kann ich schon mal verraten, dass es noch krasser wird...
Zuki (77510)
vor 10 Tagen
Oh Gott das ist der Wahnsinn *hüpfe aufgeregt umher* Das hätte ich niemals gedacht. Diese krasse Wendung... ich weiß nicht ob ich sie mögen oder hassen soll. Ich kann ihre Handlung irgenwie nachvollziehen. Auch wenns echt krass ist. Dieses Kapitel dir super gelungen. Und mega ist echt, dass es so eine Wendung gab 👍
Lethe ( von: Lethe)
vor 11 Tagen
Danke dir ^^ :) Ich hab das nächste Kapitel und überarbeite es nochmal schnell. Dann stell ich es rein. Ich hoffe euch gefällt es ❤
Knad ( von: Knad)
vor 11 Tagen
Echt coole Geschichte! :D Ich will unbedingt wissen, wie es weitergeht^^
Lethe ( von: Lethe)
vor 12 Tagen
Es freut mich das sie dir gefällt. Ich versuch am Wochenende ein neues Kapitel reinzustellen. Dann wirst du schon noch sehen warum Lethe ein Biest ist... einfach abwarten
Zuki (77267)
vor 12 Tagen
Ich liebe deine Geschichte. Die ist total cool. Bitte Schreib unbedingt weiter. Ich will wissen wie es mit lethe weitergeht. Aber eine Frage warum ist lethe so schlimm? Sie ist doch das Opfer. Warum soll sie kein guter Mensch sein?