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Die Flamme Gondolins

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1 Kapitel - 1.620 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-09-17 - Entwickelt am: - 112 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Caliels Herz ist schwer vor Trauer, seit dem Tod ihres Bruder, der an Turgons Seite Fingon zur Hilfe eilte (der Schlacht Nirenaeth Arnoediad, 472 E.Z.). In Gondolin versucht sie mit ihrem Verlust klarzukommen als eine Warnung sie erreicht und die Lage sich für ihr Volk zuspitzt. Wird sie den Angriff Maeglin' überleben oder gemeinsam mit ihrem ältesten Freund untergehen? Gibt es für sie überhaupt noch Hoffnung, jemals wieder ihre Lebensfreude zu finden?

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15. Mai 477 Erstes Zeitalter, (J. S.) Der Wind wisperte in den Bäumen, fuhr durch das silbrig schimmernde Gras und kräuselte die Wasseroberfläche.
15. Mai 477 Erstes Zeitalter, (J. S.)
Der Wind wisperte in den Bäumen, fuhr durch das silbrig schimmernde Gras und kräuselte die Wasseroberfläche. Auf einem Stein am Ufer des kleinen Flusses saß eine schlanke rothaarige Elbin, vertieft in ihrer Musik. Ihre schlanken zarten Finger spielten fast selbstvergessen auf der Laute und brachten helle melodische Töne zum Klingen. Die Melodie hatte einst ihr Bruder sie gelehrt weshalb sie immer melancholischer wurde, je länger sie das Lied spielte. Sie vermisste die Zeiten, wo sie gemeinsam umherwanderten, sangen und lasen. Obwohl zwischen ihnen mehr als ein Jahrhundert lag, waren sie doch unzertrennlich gewesen. Nur der Tod hatte es geschafft ihre Geselligkeit zu brechen. Seufzend ließ sie den letzten Ton verklingen und starrte in die Ferne. Es machte keinen Sinn mehr zu spielen. Bald würde die Nacht hereinbrechen und ihr ältester Freund nach ihr suchen. Er machte sich Sorgen um sie, weil sie kaum noch sprach und sich absonderte. Aber sie konnte kein Gefallen mehr an ihrem Leben finden. Dennoch konnte sie Mittelerde nicht verlassen. Jedes Mal hatte das Meer sie zurückgewiesen.
Schweigend erhob sie sich und verließ ihre Lichtung, die einst der Treffpunkt der Geschwister gewesen war. Sie kehrte nach Gondolin zurück. Es erstaunte sie kaum, dass Turgon sie bereits ungeduldig erwartete. Sie lächelte ihm zu und legte eine Hand auf seine Schulter. „Idril braucht deine Unterstützung, Caliel. Wo warst du?“ Vorwurfsvoll musterte er sie. Stumm deutete sie auf ihr Instrument und hinter sich. Tief atmete er durch. „Du weißt wie sehr ich es liebe dich spielen zu hören. Warum bleibst du einfach nicht hier? Wir machen uns Sorgen um dich, wenn du ganz alleine da draußen bist, ohne jeglichen Schutz.“
Ihre Augenbrauen hoben sich spöttisch. So hilflos wie Turgon sie darstellte war sie nicht. Sie konnte nicht nur gut musizieren oder war in alten Sprachen bewandert – sie war eine Kriegerin auch wenn sie nur dann kämpfte, wenn es unbedingt nötig war. Für sie war es ein Verbrechen anderen das Leben zu nehmen, sei es aus Selbstverteidigung. Er verstand ihre stumme Zurechtweisung auch ohne Worte.
Zerknirscht senkte er den Kopf. „Verzeih. Ich wollte dich nicht so anfahren.“ Sanft hob sie sein Kinn an und hauchte ihm einen Kuss auf die Wange. Freundlich lächelnd nickte sie ihm zu und deutete auf den Palast, ehe sie sich bei ihm einharkte und wegzog. „Hast du deine Zeit genossen?“ Sie zuckte mit den Schultern und betrachtete trübsinnig ihre Laute. Er seufzte. „Es bringt nichts, wenn du dir ständig den Kopf zerbrichst, ob du seinen Tod hättest verhindern können. Es war allein seine Entscheidung trotz der schweren Verletzungen mitzuziehen. Selbst wenn du es versucht hättest – Elethael wäre trotzdem mitgekommen um Fingon zu unterstützen. Niemand hätte ihn umstimmen können. Auch du nicht. Lass ihn endlich ruhen.“ Ein scharfer Stich durchbohrte ihr Herz, als die Erinnerungen von jener Schlacht wiederkehrten. Ihre gesamte Heilkunst hatte nicht ausgereicht, um ihren Bruder am Leben zu erhalten. Ihn zu retten. Sie hatte in seinem Blut gekniet, geweint, geschrien und gefleht, aber er kehrte nicht zu ihr zurück. Natürlich nicht. Stattdessen hatte sie einen kalten verstümmelten Körper in den Armen gehalten, eine Hülle ohne jeglichen Lebens. Der Ausdruck der Erleichterung auf seinem Gesicht als sein Leiden ein Ende hatte. Ein Blick in seine gebrochenen Augen hatten ihr die grausame Wahrheit allzu deutlich gezeigt.
Zischend atmete sie ein und verschloss den Geist vor ihren Erinnerungen. Wie konnte Turgon von ihr verlangen, ihn zu vergessen? Ihren geliebten älteren Bruder? Düster musterte sie den Elben, ehe sie sich von ihm löste und alleine weiterlief. Turgon fluchte und folgte ihr.
„Caliel! Bleib stehen! Ich wollte dich nicht verletzen!“
Mit einem ungnädigen Blick über die Schulter beschleunigte sie ihr Tempo und ließ ihn zurück. Wieso verstand er einfach nicht, das sie noch nicht so weit war, Elethael ziehen zu lassen! Fünf Jahre waren nicht mehr als ein Wimpernschlag, wenn man eine Ewigkeit zu leben hatte. Sie würde Elethael immer vermissen. Er war so lange ein Teil von ihr und ihrem Leben gewesen. Noch immer weigerte sich ihr Herz, seinen Tod zu akzeptieren. Ihr ganzes Sein sträubte sich gegen ein Leben ohne ihn. Tief atmete sie durch um sich zu beruhigen. Es brachte nichts, sich darüber aufzuregen. Es war in der Zeit sich in ihrem Zimmer zurückzuziehen.
Aber Idril vereitelte ihren Plan. Caliel blieb stehen und betrachtete die flehende Miene des Mädchens. „Cal, ich brauche deine Hilfe!“
Mit einem Seufzen nickte sie und folgte der jüngeren Elbin in den Bereich des Palastes, der allein der Königsfamilie vorbehalten war. Da sie mit Turgon und Idril befreundet war gehörte sie zu den wenigen Elben, denen es gestattet wurde, sich hier aufzuhalten. Sie erreichten das Musizierzimmer und Caliel sog scharf die Luft ein, als sie die zerstörte Harfe sah. Es wirkte so grausam unwirklich. Erschüttert kniete sie sich neben den Bruchstücken nieder. Dieses wunderbare Instrument hatte Finrod Elenwe und Turgon als Hochzeitsgeschenk überreicht. Zum ersten Mal seit langer Zeit brach sie ihr Schweigen.
„Was ist passiert?“ Da Caliel ihre Stimme selten benutzte hatte sie einen rauen leicht kratzigen Unterton. Idril zuckte bei dem ungewohnten Klang zusammen. Behutsam strichen schlanke Finger über die Überreste.
Tränen liefen ihr nun ungehindert über die Wangen.
„Ich habe auf ihr versucht die Melodien zu spielen die du mich lehrtest. Auf einmal zerbrach das Instrument.“ Die ältere Elbin seufzte und stand wieder auf. „Die Magie, die Finrod in ihr band ist außer Kontrolle geraten. Die Lieder die ich dich lehrte sind zu machtvoll als dass man sie auf dieser Harfe spielen sollte. Außerdem hat die Magie dich nicht als ihre Gebieterin anerkannt. Du bist zwar Turgons Tochter, aber nicht einmal er konnte auf ihr spielen. Nur deine Mutter und Aredhel waren dazu in der Lage.“
„Kannst du sie wieder reparieren?“
Caliel zögerte. War sie dazu in der Lage? Ihr Geist streckte sich nach der Magie der Harfe aus während sie gleichzeitig ihre beiden Freundinnen anflehte ihr zu helfen. Staunend trat die junge Elbin zurück als ein Leuchten den Körper der Älteren umgab. Weiße, goldene und roten Funken stoben auf, während die Bruchstücke der Harfe sich in die Luft hoben. Sie glühten in einem sanften Goldton und eine schimmernde Verbindung zwischen ihnen entstand. Langsam bewegten sie sich aufeinander zu, ehe sie miteinander verschmolzen. Die gesamte Harfe strahlte in einem gleißenden Licht. Um nicht zu erblinden musste Idril die Augen abwenden. Als sie wieder sehen konnte, wollte sie ihnen nicht trauen. Die Harfe sah noch schöner aus als zuvor.
In dem dunklen Holz hatten sich weiße Edelsteine niedergelassen, silberne Ranken schmiegten sich an sie und die Seiten schienen aus gebündelten Mondlicht zu bestehen. Als sie die Hand ausstreckte um sich davon zu überzeugen, dass es kein Traum war, hielt Caliel sie auf.
Schüttelte mit einem sanften Lächeln den Kopf.
„Nein.“ Nur ein Wort. Idril fügte sich widerspruchslos ihrem Befehl.
Schritte erklangen und beide Frauen drehten sich zum Neuankömmling an. Maeglin. Der Prinz von Gondolin. Caliel wusste, dass der Elb Turgons Tochter begehrte und liebte, Idril seine Gefühle allerdings nicht erwiderte. Sein schwarzes Haar fiel ihm offen über die Schulter, er war groß, hatte eine helle Haut und schwarze Augen. Mit seinem Gemüt ähnelte er mehr seinem Vater Eol als seiner Mutter. Er neigte nicht dazu, allzu viel zu sprechen, außer von den Dingen, die ihm viel bedeuteten. In seiner Stimme lag eine Macht, die Caliel Sorge bereitete, denn er konnte jeden in seinen Bann ziehen und seinem Willen unterwerfen. Es musste das Erbe seines Vaters, einem Dunkelelben sein. Sie wagte es nicht, ihm zu vertrauen. In den Augen anderer mochte er untadelig erscheinen, aber sie war vorsichtig. Zu sehr spürte sie die unterschwellige Gewaltbereitschaft und den Groll, da seine Liebe nicht erwidert wurde. Was würde geschehen, wenn er Konkurrenz bekam und Idril sich entschied, einen anderen als ihn zu heiraten? Würde er dann Turgon und seine Familie aus lauter Hass verraten? Konnte man ihm überhaupt vertrauen? Immerhin hatte Eol damals ein Zauber angewandt um Aredhel' habhaft zu werden.
Von den Elben Gondolins wurde Maeglin gerühmt und genoß hohe Gunst bei Turgon. Oh, er hatte durchaus Tapferkeit und Kraft in jener verhängnisvollen Schlacht bewiesen. Was sein Ansehen nur gesteigert hatte. Aber die Verbindung mit Idril würde er niemals eingehen können. Eine Ehe zwischen so nahen Verwandten war verboten.
Die beiden waren Cousins, denn seine Mutter war Turgons kleine Schwester Aredhel gewesen. Er lächelte Idril an und ignorierte einmal mehr Caliel. Es störte sie nicht, denn so konnte sie ihn aufmerksam beobachten. „Maeglin? Ich dachte, du wärst auf den Weg zu den Zwergenstädten?“ Erkundigte sich Idril bemüht höflich. Wie die Ältere mochte auch sie den Prinzen nicht. Die Art wie er um sie herumschlich und beobachtete war zu unheimlich. Er zuckte leicht mit den Schultern. Antwortete nicht, sondern beobachtete sie aufmerksam. Sie unterdrückte den Drang vor ihm zurückzuweichen und sich hinter Caliel zu verstecken. „Hast du mein Geschenk erhalten, Prinzessin?“
„Welches Geschenk?“
„Sag nicht, du hast es nicht erhalten! Du lügst!“
Erregt ging er auf sie zu nur um Sekunden später von Caliels Schwertspitze aufgehalten zu werden. Ihr Lächeln ähnelte mehr dem Aufblitzen weißer perfekter Zähne. Eine Warnung, die er besser beherzigen sollte. Er starrte in ihre rauchgrünen Augen die sich langsam zu einem metallischem Schwarz verfärbten. Caliel war ohne zu Zögern zwischen die beiden getreten und hatte ihr Schwert gezogen. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Idril hatte hinter ihr erschrocken nach Luft geschnappt. „Ausgerechnet du, eine gewöhnliche Elbin bedrohst mich? Einen Prinzen?“ Er konnte es nicht fassen. Aber sie war nicht die gewöhnliche Elbin für die er sie fälschlicherweise hielt. „Ich könnte dich dafür in den Kerker werfen lassen.“ Spöttisch musterte sie ihn, hob mit der Schwertspitze sein Kinn an. Dann lächelte sie herablassend. Wut loderte in ihm hoch. Das sie es wagte ihn zu verspotten!
„Caliel, bitte tu das nicht!“ Anders als ihr Cousin wusste Idril nur zu gut, dass man Caliel besser nicht zu sehr reizte. Spielerisch ließ die ältere Elbin die Klinge seinen Hals hinunter bis zu seinen Genitalien wandern. Langsam bekam er es mit der Angst zu tun. „Das wagst du nicht!“
Ihre Augen blitzten auf. Mit einer blitzschnellen Bewegung warf sie ihr Schwert in die Luft, fing es auf und schlug den Schwertknauf auf seinen Schädel. Sie hätte ihn zwar gerne getötet oder zumindest entmannt, aber sie wusste ihn auch anders zu demütigen. Den bewusstlosen Elben warf sie sich über die Schulter und verließ pfeifend das Zimmer.
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Die Flamme Gondolins
Die Flamme Gondolins
Caliels Herz ist schwer vor Trauer, seit dem Tod ihres Bruder, der an Turgons Seite Fingon zur Hilfe eilte (der Schlacht Nirenaeth Arnoediad, 472 E.Z.). In Gondolin versucht sie mit ihrem Verlust klarzukommen als eine Warnung sie erreicht und die Lage si...
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2017-09-08
402C
Herr der Ringe

Kommentare (2)

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Sternenschreiber (61489)
vor 5 Tagen
Interessante Geschichte. Tolle Idee mit dem das sie nie spricht und mir gefällt der Name gut. Caliel hat so was besonderes an sich.
Elenath ( von: Elenath)
vor 8 Tagen
Eine tolle und emotionale Geschichte, bitte schreib weiter !!