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Time of his Life

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4 Kapitel - 1.983 Wörter - Erstellt von: The Master of Time and Relative Dimensions - Aktualisiert am: 2017-09-17 - Entwickelt am: - 272 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Amandus liegt im Sterben, niemand kann das mehr ändern. Er erinnert sich an all seine Fehler und all das Gute. Doch vor allem erinnert er sich an Elenor, das erste Kind, das er je adoptiert hat. Das Kind, das er nicht hatte retten können. Das Kind, das ihm die Augen geöffnet hatte, wie ignorant er tatsächlich war. Das Kind, das von einer Brücke gesprungen und in seinen Armen gestorben war. Doch in der schwersten Nacht seines Lebens kehrt sie zu ihm zurück und hilft ihm, loszulassen.

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    Er verstand nicht, warum die Kinder immer zu ihm gekommen waren, um ihm ihre Geschichten zu zeigen. Auch war es ihm ein Rätsel, warum er sie jedes Ma
    Er verstand nicht, warum die Kinder immer zu ihm gekommen waren, um ihm ihre Geschichten zu zeigen. Auch war es ihm ein Rätsel, warum er sie jedes Mal lobte und noch nie das ausgesprochen hatte, was er eigentlich dachte. Er fand die Geschichten schlecht, nur ein einziges Mal hatte ihm eine der Waisen eine gute Geschichte vorgelegt. Aber das war lange her. Viel zu lange. Damals war er wütend gewesen und eifersüchtig auf ihr Talent, die Worte waren ihr nur so zugeflogen. In seiner Eifersucht hatte er jeden Makel und jedes noch so kleine Fehlerchen hervorgezogen und ihr nicht sagen können, wie gut diese Geschichte war. Er hatte in seinem Wut und seinem Staunen über ihr unglaubliches Talent nicht gemerkt, dass diese Worte ein Hilferuf waren. Ein Hilferuf an ihn. Sie wollte nicht berühmt sein, sie wollte, dass er sie anerkannte. Aber er, er hatte auf ihr herumgetrampelt. Er war ein schrecklicher Vater, egal was ihm die anderen Kinder heute versicherten. Er war ein Idiot. Er hatte sie retten können.
    Er sollte nicht über sie nachdenken, es schmerzte einfach zu sehr. Zu viele Fehler hatte er bei ihr gemacht, alles hatte er falsch gemacht bei diesem ersten von vielen Kindern, dass er auf den Wunsch seiner Frau, die keine Kinder bekommen konnte, adoptiert hatte. Platz und Geld hatten sie genug gehabt für 20, aber er war dumm gewesen und hatte nur an noch mehr Geld denken können. Dann waren sie beide gegangen und hatten ihm gezeigt, so klar und schmerzhaft, was er alles hätte haben können. Innerhalb von einem Jahr war er von allem zu nichts gefallen. Er hatte sie beide sterben lassen.
    Doch selbst wenn ihm jemand die Möglichkeit gäbe, er könnte jetzt nicht mehr alles gerade rücken. Er war alt, sehr alt geworden. 99 Jahre zählte und schon seit Jahren quälte ihn sein Körper durch das Leben. Doch er hatte nicht aufgegeben, niemals. Immer weiter hatte er gekämpft, um den Wunsch seiner Frau und seiner ersten Tochter zu erfüllen. Er hatte viele Kinder großgezogen, ihnen ein sicheres Heim gegeben. Er war für sie da gewesen, zu jeder Tag- und Nachtzeit. Nie wieder würde er ein Kind so behandeln, das hatte er sich geschworen. Nie wieder wollte er allein mit etwas so nichtigem wie Geld sein – und er hatte es geschafft. Er würde nicht allein und in Frieden sterben können.
    Nun da alles geschafft, auch das jüngste Kind 18 Jahre alt geworden war, nun war seine Zeit gekommen. Bereitwillig würde er mit dem Tod gehen, wenn er kam. Niemand konnte mehr etwas für ihn tun, heute Nacht würden sie die Geräte abschalten, die ihn am Leben erhalten hatten, damit er seine Kinder ein letztes Mal hatte sehen können. Heute Nacht konnte man nur noch seine Hand halten und zusehen, wie er sein Leben aushauchte. Niemand konnte seine Seele noch zurückhalten, wenn er ein letztes Mal die Augen schloss.

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    Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, immer wieder, immer weiter. Dabei ging sie äußert bedacht vor, so als ob sie noch jemand hören ko
    Vorsichtig setzte sie einen Fuß vor den anderen, immer wieder, immer weiter. Dabei ging sie äußert bedacht vor, so als ob sie noch jemand hören konnte. Aber es konnte sie schon seit mehr als einem halben Jahrhundert niemand mehr hören.
    Doch heute, heute würde es anders sein, heute würde sie wieder jemand hören können. Amandus würde sie hören. Nach so vielen Jahren würde er sie tatsächlich hören können. Aufgeregt spielte sie mit einer Strähne ihres langen Haares. Sie musste sich gedulden, noch ein bisschen. Bis die jungen Frauen und Männern um sein Bett herum sich größtenteils schlafen gelegt hatten, sie konnten nichts mehr für ihn tun. Er würde heute sterben. Ein letztes Mal würden sie sich unterhalten, bevor er weiterging. Die meisten gingen weiter. Selten entschied sich jemand für das Leben als Geist, der die Seelen der Todgeweihten durch die Nacht zum Licht führte. Zum Licht dessen, was nach dem Leben kam. Es war ein Leben im Schatten, man konnte sehen, wurde aber nur von denen, die man in diesem Moment führte, gesehen. Es war ein einsames Leben, es war ein Leben für jene, die dachten, sie hatten es nicht anders verdient.
    Man sollte sich verabschieden dürfen. Sie ließ den Hinterbliebenen oft Zeit, sie holte so viel raus, wie erlaubt. Doch, wenn es niemanden gab, der kam, beschleunigte sie das Ende. Erst spät hatte sie begriffen, was für ein Geschenk es war, sich von einem Sterbenden verabschieden zu dürfen. Was für ein Geschenk es war, nicht alleine sterben zu müssen. In der Zeit des Ungewissen, in der Angst eine Hand halten zu können, die dir verspricht, dass alles besser wird.
    Elenor hatte nie bereut, von dieser Brücke gesprungen zu sein, sie war immer froh gewesen, die Qualen ihres irdischen Lebens hinter sich gelassen zu haben und ihre neue Aufgabe empfand sie als sehr erfüllend. Sie war nun ein Geist, sie geleitete die Seelen der Sterbenden in das Leben danach. Half ihnen, stark zu bleiben. Der einzige Preis dafür war, dass sie selbst niemals dorthin gehen durfte. Sie würde für immer auf Erden wandeln müssen, nie würde sie erfahren, wie sich der richtige Tod anfühlte. Doch es war ihre Entscheidung gewesen, sie hatte sich für einen Weg entschieden, der sie in genauso unbekannte Gefilde brachte, wie jeder andere es auch getan hätte.

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    Es rührte ihn zu Tränen, dass sie alle gekommen waren. Akira, der Polizist geworden war und für ihn einen Tag lang die Verbrecher ihre Geschäfte e
    Es rührte ihn zu Tränen, dass sie alle gekommen waren. Akira, der Polizist geworden war und für ihn einen Tag lang die Verbrecher ihre Geschäfte erledigen ließ. Mirabella und Asali, die beiden bezaubernden Sängerinnen, die für ihn ihre Tournee unterbrochen hatten. Nikolaus, der ihm in den letzten Wochen nicht von der Seite gewichen war. Es erfüllte ihn mit Freude, dass sie alle gekommen waren, um ihn noch einmal zu sehen. Doch gleichzeitig brach es ihm das Herz zu wissen, dass es das letzte Mal sein sollte, dass sie sich je sehen würden. Es machte ihn traurig, dass sie bald alle von Kummer geplagt sein würden. Er hatte Angst davor, sie zurückzulassen. Er hatte Angst davor, zu gehen. Doch fühlte er seine Zeit in Gedanken verrinnen und wusste, dass er heute sterben würde. Er wusste es so bestimmt, wie man wusste, dass Weihnachten war.
    Wie zerbrechlich er doch geworden war, wie klein sein Körper war, wie ausgemergelt. Selbst ein Blinder hätte gesehen, dass er sterben würde. Vorsichtig legte sie die Hand an seine uralte, runzlige Wange. Er war alt geworden, ja, aber noch immer züngelte in ihm eine solche Kraft. Eine Kraft, die er jahrelang zu verbergen versucht hatte. Eine Kraft, die ihm half, andere zu schützen. Sie wusste nicht, warum er sie früher verborgen hatte. Warum er ihr das vorenthalten hatte, was die anderen Kinder, die nach ihrem Tod gekommen waren, alle bekommen hatten. Das hatte sie stark gemacht.
    Ihre Berührung war kaum mehr als ein Lufthauch, aber es genügte, um seine Augen flatternd zu öffnen. „Aber, Sir! Sie sollten sich ausruhen!“, kam es von dem jungen Mann mit den großen rot umrandeten Augen, der seine Hand hielt. „Ist schon gut“, flüsterte sie. „El...enor...“, brachte er irgendwie hervor. „Schließ die Augen...“, flüsterte sie „und dann nimm meine Hand, ich helfe dir.“ Langsam, fast als ob es ihm schwerer fallen würde, sie noch einmal zu schließen, glitten seine Lider hinab und blieben geschlossen. Zaghaft schloss sie die Finger um seine Hand: „Nur du kannst mich sehen. Wenn du jetzt mit mir gehst, wird es dein letzter Augenblick sein. Aber hab keine Angst, das Sterben ist einfach. Du musst dir nur vorstellen, wie du schwebst. Das ist der angenehmste Weg, deinen Körper zu verlassen.“ Sie beobachtete die Tränen, die sich in seinen Augen sammelten. Die Augen zu müde sie in die Welt zu lassen, die Tränen zu schwer, um sie zu halten. Das Mädchen löste ihre Beine vom Boden und schloss die Augen, sie glitt nahe an sein Ohr. „Vertrau mir, bitte... Lass los... Lass das Leben los...“, während sie ihm zuflüsterte, glitten ihre Locken über seine haarloses Haupt, kitzelten seine Nase. Es war ein wunderbares Bild, wie dieses wunderschöne Mädchen mit den engelsgleichen Locken über ihm schwebte, dem verschrumpelten Wesen, das einst ein Mensch gewesen sein mochte. Rasselnd saugte er Luft ein, aus seinem Körper stiegen vereinzelt goldene Fäden empor. Sie verteilten sich im ganzen Raum und ließen die Menschen aufsehen, verstehen. Der Moment war gekommen. „War ich ein guter Mann?“, fragten die Goldfäden Elenor. Und sie antwortete: „Du warst ein Krieger, ein Wächter, ein Kaufmann, aber vor allem warst du ein Vater -unser Vater- Du warst der beste Mann, den ich mir vorstellen kann.“
    In diesem Moment, in dem sie seine Hand hielt, ein letztes Mal, in diesem Moment, in dem er sich entschied, weiterzugehen, in diesem Moment, in dem keiner wegsah, in diesem Moment, in dem ein monotones Piepen die Stille des Sterbens durchbrach, in diesem Moment, in dem er seine Kinder ein letztes Mal sah, alle vereint, in diesem Moment, in dem er losließ, sah er auf seine Kinder, auf sein Leben hinab und verzieh sich selbst, denn Elenor hatte ihm auch verzeihen können, war zu ihm zurückgekommen. In diesem Moment, in dem er starb, in diesem Moment verlor die Welt ein Licht, das viele gerettet hatte. In diesem Moment erhellte ein gleißendes goldenes Licht den Raum des Todes und spendete die Verbliebene Hoffnung in ihrer Trauer. In diesem Moment gewann eine andere Welt eine fantastische Seele hinzu, die sie besser werden ließ, so viel besser.


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    Hi, ich hoffe, die Geschichte war nicht zu schlecht. Es ist zwar nicht ganz meine erste, aber die erste, die ich seit längerer Zeit geschrieben habe.
    Hi,
    ich hoffe, die Geschichte war nicht zu schlecht. Es ist zwar nicht ganz meine erste, aber die erste, die ich seit längerer Zeit geschrieben habe. Die Personen sind größtenteils von mir erfunden, allerdings haben Amandus und Elenor durch zwei dieses Jahr verstorbene Personen eine ziemlich starke Charakterentwicklung bekommen, also möchte ich den beiden danken, dass sie mir auch noch helfen, wo sie jetzt nicht mehr leben.
    Diese Geschichte ist diesen beiden gewidmet und ich hoffe, dass sie sie gemocht hätten.
    Ich freue mich sehr über konstruktive Kritik, die ich dann bei meiner nächsten Geschichte umsetzen kann.
    Dann wünsche ich euch noch einen schönen Tag und bedanke mich dafür, dass ihr das hier gelesen habt!

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1504719878
Time of his Life
Time of his Life
Amandus liegt im Sterben, niemand kann das mehr ändern. Er erinnert sich an all seine Fehler und all das Gute. Doch vor allem erinnert er sich an Elenor, das erste Kind, das er je adoptiert hat. Das Kind, das er nicht hatte retten können. Das Kind, das...
http://www.testedich.de/quiz50/quiz/1504719878/Time-of-his-Life
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2017-09-06
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (4)

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Le petit docteur ( von: Le petit docteur)
vor 83 Tagen
Danke :3
Ist wirklich lieb von dir :3
Du kennst mich :) (29372)
vor 84 Tagen
**** Du hast es drauf:)
Der HAMMER, ernsthaft, mach weiter!!!
Die Geschichte ist so gut geschrieben und die Story einfach GENIAL
Blu3D1r3x ( von: Blu3D1r3x)
vor 91 Tagen
Dankeschön ^^
Miharu (67100)
vor 91 Tagen
Diese Geschichte war DER HAMMER. Ich bin Sprachlos. Ehrlich. Das ist die Beste Geschichte, die ich je gelesen hab, das meine ich ernst. Wirklich. Ich bin stolz auf dich :)