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Amoniel - Liebe in Mittelerde 2

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2 Kapitel - 4.869 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-09-04 - Entwickelt am: - 262 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Der Ringkrieg ist vorbei, Amoniel und ihre Freunde haben gesiegt. Trotzdem ist die junge Halbelbin nicht glücklich. Was ist genau zwischen Legolas und ihr vorgefallen? Hat ihre Liebe eine zweite Chance verdient? Warum hat der Prinz sie die letzten zwei Jahre gemieden? Fragen die nur eine einzige Person beantworten kann...

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Kapitel 1: Nach dem Ringkrieg
Die Zeit verging überraschend schnell. Meine Freunde sorgten für genug Ablenkung das ich tagsüber gar nicht in Trauer, Selbstmitleid oder Grübeleien versinken konnte. Dafür war ich ihnen dankbar. Legolas bekam ich nicht mehr zu Gesicht, was ich mit gemischten Gefühlen aufnahm. Anscheinend hatte er eine dringende Nachricht von seinem Vater erhalten, sodass er sofort nachdem er mein Zimmer verlassen hatte, in den Düsterwald zurückkehren musste. Ich versuchte nicht allzu sehr oft an ihn zu denken und mich darauf zu konzentrieren gesund zu werden. Zur allgemeinen Erleichterung / Freude machte ich schnelle Fortschritte. Schließlich kam der Tag, an dem ich gänzlich widerhergestellt war. Um das zu feiern lud mein königlicher Freund Aragorn alle ein. Alle der alten Gefährten bis auf Legolas kamen. Bitter gestand ich mir ein, dass ich mich gefreut hatte ihn widerzusehen und ihn trotz meines gebrochenen Herzens vermisste. Es war dumm, töricht und unvernünftig. Wann begann ich endlich zu begreifen, dass er niemals dasselbe für mich empfinden würde, wie ich für ihn? Auch wenn ich versuchte ihn aus meinem Herzen herauszureißen. Leider ohne großen Erfolg. Hoffentlich würde die Liebe für ihn verdorren und verschwinden! Das Glück und die tiefe Liebe, die das Königspaar ausstrahlte verstärkte meinen Schmerz nur noch mehr. Natürlich freute ich mich für Arwen und Aragorn und war glücklich über die Schwangerschaft meiner Schwester, aber ich konnte nicht verleugnen dass ich traurig und ein wenig eifersüchtig war. Es war anstrengend, vorzutäuschen glücklich zu sein und zu lachen. Als Arwen erkannte, dass mein Lächeln und die gute Laune lediglich vorgetäuscht waren, nahm sie mich beiseite. Nach kurzem Zögern erzählte ich ihr alles. Nicht nur von meinen Gefühlen für Legolas und die Szene in meinem Zimmer kurz vor seinem Aufbruch. Nein, ich ließ sie wirklich in mein Herz hinein in dem ich ihr die Wahrheit über meine Vergangenheit und mich selbst erzählte. Anders als Legolas ließ sie mich nicht auflaufen sondern tröstete mich und gab mir Kraft.
Sie konnte sich Legolas Verhalten nicht erklären. Als ich sie nach dem Grund fragte, erklärte sie mir, dass er die ganze Zeit während meiner Bewusstlosigkeit kaum von meiner Seite gewichen war, weder schlief noch aß und ängstlich jedem meiner Atemzüge lauschte, aus Angst, ich könne sterben. Er hätte ihr und den Gefährten gegenüber gesagt, dass er sich davor fürchtete, dass ich starb und er niemals die Chance erhielt, mir zu sagen, wie sehr er mich liebte. Aber wenn sie wirklich Recht hatte und mir keine Märchen erzählte um mich aufzumuntern, hätte er es mir doch gesagt. Er hätte mein Zimmer nicht verlassen als ich ihn an jenem Tag aufforderte zu gehen. Als Prinz hatte er einen größeren Handlungsspielraum als ich. Wenn er gewollt hätte wäre ihm ein Weg eingefallen um mir die Wahrheit zu sagen. Aber letzten Endes spielte es keine Rolle mehr. Ich hatte genügend anderes zu tun.
Das Leben in Minas Tirith war für mich nicht das Wahre. Ich fühlte mich eingesperrt, denn die Menschen, von meinen Freunden und meiner Familie mal abgesehen, behandelten mich entweder wie eine Heldin und überschütteten mich mit Geschenken aus Dankbarkeit oder sie sahen in mir einen Weg um sich mit dem neuen König durch eine Heirat gut zu stellen. Die letzte Gruppe war die Schlimmste. Ihre heuchlerische Freundlichkeit, die Komplimente und die Einladungen zu irgendwelchen belanglosen Veranstaltungen gingen mir auf die Nerven. Viele adlige heiratsfähige Männer Gondors behaupteten, ich sei wunderschön und eine echte Prinzessin. Leider hatte ich die Fähigkeit entwickelt, Gedanken und Gefühle zu lesen, weshalb ich die Wahrheit kannte. In Wirklichkeit fanden sie, das ich zu viele Narben hätte, mich nicht wie eine Prinzessin verhalte und eine Schande für meine Familie sei. Auf solche Leute konnte ich getrost verzichten. Ich würde mich nicht ihren Wünschen beugen.
Aber nicht alles war schlecht. Ich verbrachte viel Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie oder entfloh der heuchlerischen Meute der Adligen auf Ardens Rücken. Aragorn hatte mich entgegen meiner scharfen Proteste zu seiner Beraterin und neben Faramir zu seiner Stellvertreterin gemacht. Einige Aufgaben führten mich aus Gondor weg und diese Aufträge liebte ich. Es gab sehr viel zu tun, denn der Krieg hatte in allen Königreichen bleibende Schäden hinterlassen um die wir uns kümmerten. Der Wiederaufbau des durch Denethor fast in den Ruin getriebenen Königreiches sowie die Vereinigung mit Arnor forderte viel Aufmerksamkeit neben dem königlichen Familienzuwachs, der sehr bald erwartet wurde. Arwen war richtig rund geworden und sehr anhänglich. Natürlich freute ich mich für sie und Aragorn. Aber dennoch war ich unglücklich. Ich verstand nur nicht warum.
„Ah, hier steckst du also!“ Aragorn hatte mich einmal wieder mit einem Buch in der Hand in der Bibliothek erwischt. „Eine Botschaft aus dem Düsterwald ist eingetroffen und dein Vater ist wieder hier.“
Aus dem Düsterwald? Vielleicht – nein, er hatte sich das ganze vergangene Jahr nicht gemeldet, also warum sollte er jetzt etwas schreiben! Er war zu keinem der Feste gekommen und hatte sogar das Jubiläum sausen lassen. Angeblich war er zu verhindert. Verächtlich schnaubte ich. Natürlich und Schweine können fliegen.
„Ich komme.“ Bedauernd legte ich das Buch weg und folgte Aragorn in das Zimmer, indem wir in kleiner Runde immer die Besprechungen machten. Elrond, der aus dem Fenster geblickt hatte, drehte sich bei unserem Eintreten um. „Ada!“ Rief ich und warf mich in seine ausgebreiteten Arme. Er lachte und wirbelte mich herum. „So ungestüm wie eh und je, hm?“ Dann ließ er mich wieder auf den Boden und betrachtete mich aufmerksam. „Du siehst gut aus, Kleines. So schön.“
Ich lachte. Guter Witz. Schön? Meine Schwester war schön selbst mit dickem Babybauch aber egal. Die Voreingenommenheit eines Vaters.
„Ja sicher. Wie war die Reise? Hast du schon ein Zimmer bekommen?“
„He, ein bisschen mehr Vertrauen, Fräulein!“ Beschwerte Aragorn sich lachend. „Als ob ich meinem Schwiegervater nicht richtig unterbringen könnte oder meine Manieren vergessen würde.“
„Na ja, in letzter Zeit hast du ziemlich viel um die Ohren und manchmal sogar vergessen, dass du auch nur ein Mensch bist, der Schlaf, Ruhe und Erholung braucht. Aber lenk nicht ab. Vater?“
„Alles lief gut. Keine Zwischenfälle und nichts Besonderes.“ Ernst blickte Elrond meinen Freund an. „Wie geht es Arwen? Ist mit ihr und dem Kind alles in Ordnung?“ Aragorn lächelte beruhigend und erzählte von dem, was in den letzten zwei Monaten passiert war. Schließlich kamen sie auf Düsterwald zu sprechen. „Thranduil bat mich um eine Allianz. Der Krieg habe ihn gezeigt, dass er sein Königreich nicht länger abschotten wolle und zudem hätte er Interesse, Handel mit den anderen Königreichen zu führen.“ Das stimmte mich nachdenklich. Warum sollte ein König, der sein Reich seit Jahrhunderten hermetisch nach außen abriegelte, auf einmal davon absehen? Steckte mehr dahinter? Elrond warf mir einen kurzen Blick zu. „Da ich diese Reise nur ungern antreten würde und mir nicht sicher bin, ob ich ihm glauben soll, wollte ich dich fragen, Aragorn, wen ich zur Aufklärung schicken könnte.“ Und was hatte das mit mir zu tun? Verwirrt sah ich ihn an. Wollte er etwas mich vorschlagen? Das wäre definitiv eine schlechte Wahl. Ich hatte Probleme mit Autoritätspersonen oder arroganten Monarchen. Zum Glück war Aragorn weder arrogant noch gab er mir Befehle. Warum? Weil er es besser wusste. Ehrlich gesagt bezweifelte ich, dass ich in Gegenwart eines arroganten Elbenkönigs ruhig und höflich bleiben könnte. Ich hielt sehr wenig von Heuchelei und sehr viel von schonungsloser Ehrlichkeit im Umgang mit anderen. Die Spielchen und Intrigen des Adels oder Politiker waren mir verhasst.
Sollte ich ihm etwa Komplimente machen und ihn mit übertriebener Höflichkeit behandeln? Auf der einen Seite süß lächeln und auf der anderen diplomatisch den Kern der Sache zu umkreisen? Das war nicht mein Stil. Ich stellte klare Fragen und erwartete Fakten keine Beschönigungen oder vagen Phrasen. Schonungslose Ehrlichkeit verhinderte viele Missverständnisse. Legolas und ich waren das beste Beispiel was passierte, wenn beide Parteien nicht sagten was sie wirklich dachten oder wollten. Am Ende war ich schonungslos ehrlich gewesen, hatte mich ihm praktisch ausgeliefert und er – nichts. „Was wäre mit meinen Brüdern?“ Fragte ich ruhig. „Arwen beschwert sich darüber, dass sie seitdem sie schwanger ist, sie gar nicht mehr aus den Augen lassen und überfürsorglich sind. Sie würden die Sache sehr gut machen.“ Beide Männer wechselten vielsagende Blicke. Dann seufzte mein Vater. „Mag sein, aber mir wäre es lieber, wenn sie hier blieben. Außerdem wäre es für dich die ideale Gelegenheit andere Elbenkönigreiche als das von Galadriel oder mir kennenzulernen.“
„Ich bin unhöflich, respektlos, schonungslos ehrlich und hasse die Spielchen die manche Politiker meinen mit mir spielen zu müssen.“ Scharf sah ich ihn an. „Wenn ich ihn nicht ausstehen kann werde ich das weder überspielen noch verbergen. Ich kann nicht versprechen das ich höflich und freundlich sein werde. Eine Krone gibt keinem Menschen, Elben oder Zwerg das Recht andere von oben herab zu behandeln. Respekt muss man sich verdienen.“ Aragorn legte die Hände auf meine Schultern. Sein Blick zeigte eine Mischung aus Verständnis und Entschlossenheit.
„Im Umgang mit dem Hofstaat bist du allerdings äußerst gelassen und geduldig.“ Hart lachte ich auf. Gelassen? Nur weil ich dem Drang widerstand ein paar Köpfe abzuschlagen war ich weder gelassen noch geduldig. Ich hasste Politik. Und was meine scheinbare Geduld anging: wäre ich nicht so häufig unterwegs oder könnte mich mit meinen Freunden treffen hätte ich längst jede Höflichkeit in den Wind geschlagen. „Ach ja? Der einzige Grund warum ich die Hälfte dieser Speichellecker nicht umgebracht habe ist, dass ich Arwen nicht aufregen möchte.“
„Es ist eine wichtige Aufgabe Amoniel.“ Erinnerte mein Vater mich. „Thranduil plant irgendetwas und wir müssen wissen was. Einer muss es tun. Aragorn kann nicht gehen. Das Gleiche gilt für deine Brüder und für Faramir. Es hängt alles von dir ab. Bitte sei jetzt nicht stur.“
Na klar. Haha. Das ich nicht lache. Misstrauisch verengte ich die Augen. Das klang eher so, als hätten sie sich verschworen. Konnte es sein, dass sie mich zwingen wollten mit Legolas zu sprechen und die Botschaft nur als Vorwand nutzten? Für wie blöd hielten sie mich eigentlich?
>Ich hoffe nur das sie sich darauf einlässt. Wenn sie Verdacht schöpft, dass die Botschaft lediglich ein Vorwand ist um sie in den Düsterwald zu locken könnte der Plan ins Leere gehen. Aber sie braucht Antworten und muss die Wahrheit erfahren. Ein Jahr lang hat sie gebraucht um vollständig zu genesen und um in Ruhe zu trauern. Es ist höchste Zeit das dieses Versteckspiel und ihr Schmerz ein Ende finden. Sie sagt es zwar nicht, aber sie leidet noch immer und vermisst Legolas. Die beiden müssen sich aussprechen und das geht nur, wenn sie dort ist.<
Wie nur war es mir gelungen in Aragorns Gedanken einzudringen? Das war nicht beabsichtig gewesen. Eigentlich hatte ich diese Fähigkeit doch in den Griff bekommen. Ich war der Meinung, dass ich die Gabe nur im Notfall oder im Umgang mit dem Adel einsetzten sollte. Hartnäckig hatte ich solange trainiert, bis ich sie bewusst und kontrolliert einsetzen konnte. Aber was ich erfahren hatte war aufschlussreicher als alles, was sie bisher erzählten und es bestätigte meinen Verdacht. Also, was sollte ich tun? Mich auf dieses Spiel einzulassen oder sie auffliegen lassen? Ihre Geschichte war wenig glaubwürdig und wies viele Schwachstellen auf. Sie mussten ziemlich verzweifelt sein, wenn sie auf eine solche Methode zurückgriffen. Eigentlich hätte ich mehr von ihnen erwartet.
„Amoniel?“ Abwartend sah ich Aragorn an. „Ich vertraue dir, weil ich weiß, das du mir immer die Wahrheit sagen wirst, selbst wenn ich sie nicht hören möchte oder sie unangenehm ist. Du beschönigst nicht sondern nennst mir klare Fakten. Ohne dich wäre ich oft genug auf dem gesellschaftlichen Parkett gestrauchelt oder hätte falsche Entscheidungen getroffen.“ Okay und worauf wollte er hinaus? Er zuckte mit den Schultern. „Ich würde ja gerne gehen, aber du weißt ja wie Arwen im Augenblick drauf ist. Wenn ich sie zu lange in der Obhut der Zwillinge lasse wird sie ausrasten. Die Niederkunft steht bald bevor und ich will dabei sein. Du bist die Einzige, der ich zutraue, dass sie die Sache schnell vorantreibt und keine unnötigen Umwege geht.“
„Respekt Aragorn.“ Ich verschränkte grinsend die Arme. „Appelliere an ihren Familiensinn und ihre Eitelkeit. Vielleicht lässt sie sich dann auf die Sache ein. Eure Geschichte weist mehrere Schwachstellen auf, aber gut. Vielleicht hast du Recht und es ist an der Zeit das ich das Prinzlein zur Rede stelle. Ich will in der Tat Antworten und ich werde sie bekommen. Aber zu meinen Bedingungen. Dieses Spiel kann ich ebenfalls spielen und ich werde gewinnen.“ Die erschrockenen Mienen hätten meinen Verdacht bestätigt wäre ich noch unsicher gewesen. „Keine Sorge, ich werde zum Düsterwald reisen – aber ich gedenke nach meinen Regeln zu spielen. Ihr solltet euch noch einmal überlegen, ob ihr euch wirklich im Verkupplungsgeschäft engagieren wollt. Denn wenn ja, habt ihr noch einen langen Weg vor euch. Wenn das alles ist: mein Buch wartet.“
Erst als ich fast schon aus dem Zimmer war rief mir Elrond hinterher:
„Das war nicht höflich Tochter!“ Ich lachte. „Wenn ihr mich erfolgreich an der Nase herumführen wolltet solltet ihr besser auf eure Gedanken achten! Sie haben meinen Verdacht nämlich bestätigt.“

Später am Nachmittag, sah ich meinen Vater wieder. Mit einem Lächeln bat er mich, mit ihm auszureiten. Verwundert und erfreut zugleich nahm ich das Angebot an. Ich würde sehr bald zum Düsterwald aufbrechen, weil ich das Ganze schnell hinter mich bringen wollte. Aber jetzt wollte ich erst einmal die Zeit mit meinem Vater genießen. Lachend veranstalteten wir ein Wettrennen nach dem anderen bis wir nicht mehr konnten. Als wir schließlich an einem kleinen Bach eine Pause einlegten dachte ich nicht länger an die Verschwörung. Es war ein schöner warmer Tag. Wir ließen die Pferde frei herum laufen und ich setzte mich ans Ufer. Nach einer Weile gesellte er sich zu mir, legte einen Arm auf meine Schulter. Eine Weile schwiegen wir. Es war kein peinliches oder verlegenes Schweigen. Schließlich seufzte er und ich blickte ihn von der Seite an. Deutlich konnte ich Sehnsucht, Wehmut, Trauer und Verständnis in seinen Augen lesen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals die Chance bekommen würde, meine Tochter kennenzulernen.“ Ich schluckte. Es war so weit. Wir würden über meine Mutter sprechen. „Als ich deine Mutter das erste Mal sah war ich von ihr fasziniert. Sie strahlte eine Mischung aus unbeugsamer Stärke, Wärme, Verletzlichkeit und Unbezähmbarer Energie aus. Diese Widersprüchlichkeit und die Lebensfreude, die ihre Augen zum Leuchten brachte zogen mich in ihren Bann. Alles in mir drängte mich sie anzusprechen, sie wirklich kennenzulernen. Du hast viel von ihr geerbt.“ Er lächelte mich so liebevoll an, das mir fast die Tränen kamen. „Amara war so anders als die Frauen die ich kannte. In ihrer Gegenwart fühlte ich mich frei, lebendig und voller Energie. Wenn wir zusammen gegen Orks kämpften erstaunte sie mich immer wieder mit ihrer katzenhaften Geschmeidigkeit und ihren schnellen Reflexen. Ich konnte mich darauf verlassen, das sie mir den Rücken freihielt, mich deckte und notfalls beschützte.“ Während er erzählte, wirkte er so viel jünger und ich erkannte, dass die Liebe nicht nur eine grausame Seite hatte. Er hatte nie aufgehört meine Mutter zu lieben, obwohl alles gegen diese Liebe sprach. Amara kam aus einer ganz anderen Welt, war eine Sterbliche und hatte sich schließlich entschieden, ihn zu verlassen. Mit ihrer neugeborenen Tochter. Er hatte nie die Chance erhalten mich kennenzulernen oder glücklich mit meiner Mutter zu werden. Wenn ich nicht nach Mittelerde gekommen wäre hätte er nie die Wahrheit erfahren. Wie schlimm musste es ihn treffen, zu erfahren, dass die Frau die er liebte sich nicht nur gegen ihn entschieden und ihm seine Tochter vorenthalten hatte, sondern tot war? „Auf der einen Seite war sie die fürsorgliche, warmherzige, sanfte, liebevolle und freundliche Frau, die in allen Menschen und Elben das Gute sah und das Leben liebte. Eine andere Seite war ihr unabhängiges, stolzes, schonungslos ehrliches und manchmal verschlossenes Wesen. Beide Seiten lagen ständig im Kampf miteinander.“ Aufmerksam lauschte ich seinen Worten. Er beschrieb Seiten meiner Mutter die mir vertraut und fremd zugleich waren. „Wir waren sehr gute Freunde und bald erkannte ich, das ich noch mehr für sie empfand als nur Freundschaft und eine tiefe Zuneigung. Natürlich war mir klar, das sie als Mensch altern und sterben würde, anders als ich.“ Warum nur kamen mir diese Bedenken und Gefühle so bekannt vor? Nur das meine Mutter seine Gefühle erwidert hatte ganz im Gegensatz zu einem gewissen blonden Elbenprinzen. Ein wehmütiges Schmunzeln kräuselte seine Lippen. „Als sie mir verriet, dass sie mich liebte war ich unendlich glücklich. Ich wollte nicht ohne sie leben und mit ihr alt werden. Die Vorstellung, das sie sterben würde während ich weiterlebte, brach mir das Herz. Ich konnte mir ein Leben ohne ihr Lachen, ihre Liebe und ihre Anwesenheit nicht länger vorstellen. Aber deine Mutter wollte nicht, das ich auf meine Unsterblichkeit verzichtete. Sie fürchtete, das ich sie irgendwann hassen würde. Gleichgültig wie oft ich beteuerte, dass ich das nie könnte, sie wollte nicht, das ich es tat. Schließlich erzählte sie mir, dass sie nicht aus dieser Welt sondern einer anderen stammte. Ich spürte ihre Trauer. Natürlich sagte sie es nicht aber ich konnte ihre Sehnsucht und ihren Schmerz sehen, wenn sie sich unbeobachtet glaubte. Sollte ich sie gehen lassen? Alles in mir wehrte sich dagegen.“ Wie sehr mussten beide gelitten haben. Einerseits zu wissen, das der andere sie liebte aber dennoch gab es Hindernisse. Doch wenn er sich in Amara verliebt hatte, die ja ein Mensch gewesen war, warum war er dann anfangs gegen die Liebe von Arwen und Aragorn gewesen? Hatte er etwa Angst, dass sie an gebrochenen Herzen sterben würde? Allerdings ging es jetzt nicht um Arwen oder mich, sondern um die Liebe eines Elbenfürsten und einer Sterblichen. Die Geschichte meiner Eltern. „Dann wurde sie mit dir schwanger. Ich war außer mir vor Freude. Meine Söhne und meine Tochter liebten Amara genauso wie ich und konnten die Ankunft des Kindes kaum erwarten. Alles hätte perfekt sein können. Aber es sollte anders kommen.“
Seine Stimme war traurig, enttäuscht und hart. Wie nur hatte sie ihn verlassen können? Sie wurde von seinen Kindern akzeptiert und er liebte sie wirklich. Was nur war geschehen, dass sie mit mir verschwand und meinem Vater das Herz brach? Aber er sprach nicht weiter. Das Schweigen dehnte sich aus. Eigentlich wollte ich die Frage nicht stellen, aber es ging hier um meine Vergangenheit. „Was ist geschehen, Vater? Warum ist sie gegangen?“ Er seufzte und schlang die Arme um mich. „Wir waren in Lorien zu Besuch und Galadriel bot Amara an, in den Spiegel zu sehen. Was auch immer er ihr zeigte, es hat sie in Angst und Schrecken versetzt. Egal was wir auch versuchten, sie weigerte sich über die Vision zu sprechen. Aus irgendeinem Grund wollte sie in Lorien bleiben und so blieb sie zurück. Einen Monat später kamst du verfrüht auf die Welt und sie verschwand spurlos. Als du vor nun fast zwei Jahren vor mir standst konnte ich meinen Augen nicht trauen. Du warst das genaue Abbild von Amara wenn auch paar Zentimeter kleiner und zierlicher. In deinen Augen sah ich die gleiche Verletzlichkeit und Stärke die auch deine Mutter ausgestrahlt hatte. Aber ich wagte nicht zu hoffen, dass dieses Wunder möglich wäre. Bis Arwen mir von der Kette erzählte, die sie an deinem Hals gesehen hätte. Diese Kette mit dem weißen Tropfen war ein Geschenk von mir an Amara. Sie hatte gesagt, dass sie die Kette, sollte unsere Kind eine Tochter sein zu ihrem zwanzigsten Geburtstag schenken würde.“ Ich berührte den kleinen Anhänger. Das war die Geschichte hinter diesem Schmuckstück? Aber wieso hatte Tarik sie in der Ruine gefunden? „Mama hat sie mir nicht gegeben und mir auch nicht von dir erzählt. Als ich nach Lorien kam erfuhr ich erst, dass mein bisheriges Leben eine einzige Lüge war. Ich verstand nicht, warum mir meine Mutter nie die Wahrheit erzählte. Hatte sie Angst um mich oder den Fragen die ich nach dir stellen würde? Warum nur ist sie in ihre alte Welt zurückgekehrt?“ Elrond lächelte traurig und fuhr durch meine Haare. Ich lehnte mich an ihn und er verstärkte seinen Griff. „Ich glaube, dass sie Angst hatte wie man dich behandeln würde, da wir nicht verheiratet waren. Aber welche Gründe sie auch immer hatte. Ich bin froh, dass ich die Chance bekommen habe dich kennenzulernen Amoniel.“
Nur weil sie nicht mehr im körperlichen Zustand bei uns sein konnte bedeutete es nicht, dass wir sie für immer verloren hatten. Meine menschliche Familie und meine beiden besten Freunde mochten vielleicht tot sein, aber solange ich die Erinnerung an sie aufrechterhielt, würde ein Teil von ihnen bei mir sein, gleichgültig wohin ich auch ging. Ich hatte endlich einen Platz gefunden den ich Zuhause nennen konnte. Elladan, Elrohir, Arwen, Elrond, Aragorn... all diese Menschen bzw. Elben hatten mich in ihren Kreis aufgenommen und mich mit allem akzeptiert, was mich ausmachte. Mehr noch: ich fühlte mich geliebt und geborgen.
„Und ich bin froh dich zu haben, Ada. Endlich habe ich einen Ort gefunden, wo ich so akzeptiert werde wie ich bin.“
„Versprich mir eins Kleines.“ Ernst sah er mich an und tippte leicht auf meine Nasenspitze. „Gib Legolas eine Chance. Er hat im vergangenen Jahr genauso sehr gelitten wie du. Amoniel. Der Junge hat dich verletzt, das weiß ich. Liebe ist nicht immer schön und manchmal macht sie einen Narren aus dir, aber sie verzeiht auch. Er weiß, dass er einen Fehler gemacht hat, als er dich einfach alleine ließ und nicht in diesem Moment bei dir geblieben ist. Es ist kompliziert und ich habe nicht das Recht, dir seine Gefühle und Gründe zu offenbaren. Aber bitte: versuche ihm wenigstens anzuhören. Es ist an der Zeit, das ihr euch aussprecht.“
„Warum nur, hat er einfach den Mund gehalten und ist gegangen? Wieso ist er zu keiner der Feiern gekommen? Bin ich ein so schlechter Mensch?“ Wenn er mit mir hätte sprechen wollen, wäre es ihm nur allzu leicht gefallen einen Weg zu finden. Nichts war geschehen. Nur schwer konnte ich mir sein Verhalten erklären. Es sah Legolas gar nicht ähnlich. Vielleicht plagten ihn dieselben Zweifel und die Unsicherheit, die auch mir in Bezug auf ihn zu schaffen machte. Aber das würde voraussetzen, dass er für mich mehr empfand als er bisher hatte erkennen lassen. Warum nur war ich so dumm gewesen mein Herz auszuschütten? Würde ich ihn und meine Gefühle je vergessen? Wollte ich das überhaupt? Frustriert über mich schloss ich die Augen. Diese Überlegungen führten zu nichts. Ich brauchte Antworten, denn mir fielen keine nachvollziehbaren Erklärungen für sein Verhalten ein. Mein Vater seufzte und fuhr mir durch die Haare. „Ich hätte nie gedacht, dass du so ein geringes Selbstbewusstsein hast. Amoniel, es gibt eine Sache, der Männer nicht gewachsen sind, auch wenn die meisten zu stolz sind um es sich einzugestehen – Frauen. Nicht nur euch macht die Liebe zu hilflosen Geschöpfen, wir sind ihrer Gnade genauso ausgeliefert wie ihr. Jede Frau kann einen Mann von sich und ihren Qualitäten überzeugen. Oft genug erkennt sie jedoch nicht die Macht, die sie über den Mann hat und manchmal, wenn sie es nach Jahren erkennt hat es für ihn bittere Folgen. Das Leben ist nicht so einfach, wie wir es gerne hätten und niemand kann ein anderes Lebewesen zwingen, Liebe zu erwidern.“
Wie wahr. Dennoch verstand ich einfach nicht, wie Legolas sich so verhalten konnte. Das war doch nicht der Elb, der sich um mich gekümmert und mich vor allem hatte beschützen wollen. Wie hatte er nur so kalt sein können? Erst in Medulseld und dann in Minas Tirith? Warum hatte er auf meine Offenbarung nicht reagiert und hatte ohne zu murren das Zimmer verlassen, nachdem ich ihn zugegebenermaßen dazu aufforderte? Hoffentlich würde ich endlich die Antworten finden.



Kommentare (3)

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Elenath ( von: Elenath)
vor 38 Tagen
Das ist alles so toll geschrieben, man kann sich alles bildlich vorstellen und das liebe ich an deinen Geschichten! ;)
Bitte schreib weiter !!
L.G. Elenath
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 43 Tagen
Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, wohin die Reise geht. Klar ist einfach, das die beiden Dickköpfe endlich klar miteinander reden müssen. Du hast die halbtot gelacht? Geht es dir noch gut? Spaß beiseite, es freut mich das der zweite Teil dir gefällt. Mal sehen was als Nächstes passiert.
Sternenschreiber (80875)
vor 44 Tagen
Der nächsten Teil ist echt super! Besonders die Ausrede sie in denn Düsterwald zu schicken. Ich hab mich halb Tod gelacht als sie das versucht haben! Einfach zu gut. Bitte schreib bald weiter! Ich galt es nicht mehr aus ich will das Ende wissen!*mit Welpenaugen schauen*

Lg. Stern