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Life in Middelearth

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1 Kapitel - 29.674 Wörter - Erstellt von: Alexa2187 - Aktualisiert am: 2017-09-01 - Entwickelt am: - 218 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Elanime, Elanime, wer war noch einmal Elanime? Ganz genau, das denken alle über sie, glaubt sie zumindest...
Naja, das stimmt aber nicht ganz, denn schon bald wird sie feststellen, dass sie eine Menge Entscheidungen zu treffen hat, wenn sie das Richtige für Mittelerde tun will.

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    Ich verdrehe die Augen. Noch mehr von denen… Ich spanne meinen Boden erneut und lasse die Sehne zischen, doch die Spinnen lassen sich nicht zurückdrängen. Also springe ich von dem Ast, von dem aus ich mit dem Bogen geschossen habe und ziehe einen meiner Dolche. Diesen ramme ich jetzt der nächstbesten Spinne in den Kopf und steche ihn einer weiteren ins Auge. Sie lernen auch nie dazu. „Elanime!“, höre ich Tauriel hinter mir rufen und drehe mich um. Drei weitere Spinnen kommen von dort auf mich zu gerannt und ich stöhne. Wenn ich die schon sehe… Schnell stecke ich meinen Dolch weg und ziehe einen Pfeil aus dem Köcher an meinem Rücken und ziele auf das Auge der Kreatur. Der Pfeil schnellt los und trifft auf den Millimeter. Da waren es nur noch zwei. Der nächste Pfeil bohrt sich in den Schädel der zweiten Spinne und die dritte erledige ich auch ohne Umwege und geselle mich dann zu den anderen Elbenwächtern. „Das waren alle!“, verkündet Legolas und Tauriel nickt. „Ja, aber sie dürften gar nicht hier sein! Wie oft haben wir den Wald nun schon gesäubert?“, meckert sie und ich stimme ihr zu. „Ja, wir sollten ihre Brutplätze zerstören, das wäre effektiver!“ „Sie liegen außerhalb der Grenzen! Das ist nicht unsere Aufgabe!“, meldet sich ein anderer Elb zu Wort. Ich zucke nur mit den Schultern und wir begeben und wieder zurück in die Stadt. „Du warst gut, heute!“, sagt Tauriel, als wir nebeneinander über die Bäume streifen. „Danke! Du auch!“, erwidere ich und sie lächelt mir zu. „Wir sollten uns besser beeilen…“, murmelt sie und wir legen einen Zahn zu. Innerhalb der Tore erstattet Tauriel dem König Bericht und ich warte auf sie. Dabei säubere ich meine Dolche im Keller und streiche über die von mir selbst Handgearbeiteten Griffe. „Tauriel?“, höre ich eine Stimme direkt hinter mir und drehe mich ruckartig um. Mein fuchsbraunes Haar schwingt herum und ich blicke in Legolas‘ ozeanblaue Augen. „Tut mir leid, aber Ihr irrt euch.“ „Verzeih, Elanime! Wo ist sie?“ „Sie erstattet deinem Vater Bericht.“ Er nickt, dreht sich dann wortlos um und geht. Es ist nichts Neues, dass ich mit Tauriel verwechselt werde. Das Einzige das meine Zwillingsschwester und mich unterscheidet sind meine Augen, die einen leichten grün-Stich haben und meine Nase, die etwas schmaler und zierlicher ist, als die ihre. Sonst gleichen wir uns im Aussehen komplett. Wir besitzen auch die selbe Stimme und tragen die gleichen Klamotten. Ich wende mich wieder meinen Waffen zu und gehe dann wieder nach oben. Tauriel kommt mir schon entgegen und zusammen gehen wir zu unserem Haus in den Bäumen. Ich koche uns beiden einen Kräutertee und meine Schwester legt ihre Waffen ab. „Legolas hat uns wieder verwechselt…“, erzähle ich und sie kichert. „Und ich dachte, er würde es irgendwann lernen…“ Ich grinse und reiche ihr eine Tasse. „Du, Elanime, ich müsste dich noch einmal um einen Gefallen bitten…“, beginnt sie vorsichtig. „Lass hören…!“ „Heute Abend, beim Fest… könntest du vielleicht…“ „Wo willst du denn hin?“, frage ich, weil ich diese Worte schon genau kenne. Sie lächelt und bekommt ein verträumtes Gesicht. „Ich wollte mir noch einmal die Wasserfälle im Osten ansehen. Du weißt, bei Vollmond sind sie besonders schön.“ Ich seufze. Und ich soll dann… „Kannst du wieder meine Rolle…“ „Einnehmen und so tun, als wäre ich du? Meinetwegen… Aber bleib nicht allzu lange weg, okay? Mich wird sonst auch jemand vermissen.“ Sie nickt wild und umarmt mich. „Du bist die Beste!“ Ich lächle ein wenig. „Danke! Du aber auch!“
    Ich setze mich an einen Tisch im Festsaal und lausche dem Gesang der anderen Elben, als jemand nach mir ruft. „Tauriel?“ Ich drehe den Kopf und sehe Legolas auf mich zukommen. Na super… „Hallo Legolas!“, begrüße ich ihn und versuche verkrampft so zu klingen, als wäre er mein bester Freund. Meine Schwester und er sind gut befreundet, ich allerdings kenne ihn kaum. Die einzigen Worte, die er normalerweise mit mir wechselt beziehen sich darauf wo Tauriel ist oder irgendwelche Wachen-Angelegenheiten. Er setzt sich neben mich und fragt: „Warum bist du nicht draußen und beobachtest die Sterne?“ Ich könnte mich Ohrfeigen! Mein Schwesterherz macht das schließlich immer, wie konnte ich das nur vergessen! Legolas sieht mich immer noch fragend an, da merke ich, dass er mir ja eine Frage gestellt hat und ich sie lieber beantworten sollte. „Ich… wollte etwas essen.“, bringe ich schließlich über die Lippen. Er nickt langsam und scheint zum Glück nicht misstrauisch zu sein. „Wollt ihr...du etwas zu trinken?“, frage ich nach kurzer Zeit und beiße mir auf die Lippe. Ich hab‘ ja schon einige Male so getan als wäre ich meine Schwester, aber noch nie habe ich mich so blöd angestellt wie jetzt. Ich bin irgendwie einfach abwesend heute… Er zuckt mit den Schultern und ich schenke ihm etwas in sein Glas. Natürlich kippe ich etwas daneben und nervös wische ich es auf. Besorgt beobachtet er mich dabei und fragt: „Ist alles in Ordnung?“ Als er dann seine Hand auf meine Schulter legt, zucke ich zusammen und stammle: „Nein, ja...“ Er runzelt die Stirn und ich stehe auf. „Ich bin nur… müde!“ „Oh… dann solltest du zu Bett gehen.“ Ich nicke. „Ja… gute Nacht!“ Er lächelt mir zu und senkt den Kopf. „Gute Nacht!“ Erleichtert atme ich aus, als ich endlich aus dem Festsaal draußen bin. Was ist heut‘ nur los mit mir? Ich bin doch sonst nicht so… Hoffentlich vergisst Legolas das ganz schnell. Ich unterhalte mich sonst nicht mit ihm, nur als Tauriel. Wir, also meine Schwester und er haben schon viel miteinander gemacht, aber das weiß er natürlich nicht… Meine Beine tragen mich automatisch nach Hause und ich verschließe die Tür hinter mir. Dann schnappe ich mir meine Flöte und stimme die Melodie eines alten, elbischen Liedes an. Ich liebe die Musik. Ich kann mich in ihr verlieren. Noch eines der sehr wenigen Dinge, die mich von meiner Schwester unterscheiden. Der Text des Liedes ist eigentlich sehr traurig, doch ich mag die Melodie einfach sehr und schließe die Augen. Plötzlich höre ich ein Knacken von draußen vor dem Fenster. Sofort unterbreche ich das Lied und greife nach meinem Bogen und einem Pfeil. Langsam, um so wenig Geräusche wie möglich zu erzeugen, öffne ich das Fenster und klettere auf den Ast davor. Mit zusammengekniffenen Augen erkenne ich Thranduils Sohn, der von unserem Baumhaus wegläuft. Elegant springt er von Ast zu Ast in den Düsterwald und ich ziehe eine Augenbraue hoch. Leise folge ich ihm und als wir ein Stück von der Stadt entfernt sind, ziele ich mit meinem Bogen. Er scheint mich bemerkt zu haben und sieht sich mit gespanntem Bogen um, da erkennt er mich auf dem Baum neben ihm. Sofort senkt er die Waffe und springt zu mir hinüber. „Oh, hallo…“ „Elanime.“, helfe ich ihm aus. „Ja, Elanime.“ „Was führt euch hier her?“, frage ich. „Nun ja… Ich wollte nur nach Tauriel sehen, ob sie schon zu Bett gegangen ist, da hörte ich diese Musik und… nun ich habe mich gefragt, was dich veranlasst, eine so traurige Melodie zu spielen.“ Ich hebe die Schultern. „Ich finde sie sehr schön… Warum seid Ihr gegangen?“ „Ich weiß nicht, ich wollte nicht stören.“ Langsam nicke ich. „Nun, warum warst du nicht beim Fest?“, fragt er. Ich weiche seinem Blick aus. Verdammt… „Nun ich war dort, allerdings draußen…“ „Du liebst eben die Sterne, nicht?“ „Natürlich!“ Gut das war jetzt aber wirklich einfach… „Weißt du vielleicht, was mit Tauriel los war heute? Ich hatte das Gefühl, etwas stimmte nicht mit ihr. Wo ist sie überhaupt?“ „Oh, sie ist…“ Jetzt fällt mir aber wirklich nichts mehr ein… „Schon wieder außerhalb der Grenzen?“, ergänzt er meinen Satz und ich sehe zu Boden. „Könnte sein…“, murmle ich und Legolas lächelt. „Wann kommt sie denn wieder?“ „Ich weiß nicht, sicher bald… Ihr sorgt Euch wohl um sie?“ Sofort sieht Legolas weg, fängt sich aber schnell wieder und antwortet: „Ich bin nur neugierig…“ Etwas ungläubig ziehe ich eine Augenbraue hoch, deute dann allerdings eine Verbeugung an. „Gute Nacht, mein Herr!“ „Gute Nacht, Elanime!“, verabschiedet er mich auch und ich begebe mich nach Hause.
    Laut vernehme ich den Klang eines eisernen Schwertes, das aus der Scheide gezogen wird und lege meine rechte Hand auch an den Griff des meinen. Von hinten stürmt jemand mit großen Schritten heran und ich ziehe meine Waffe. Mit einem lauten Klang treffen die Klingen aufeinander und ich drücke die Angreiferin von mir weg. Mit einem verspielten Lächeln, beginnt ein faires Duell und ich pariere jeden der Angriffe geschickt. So geht das jetzt noch bestimmt 25 Minuten weiter, bis wir uns beide von Anstrengung den Bauch halten. „Methed? (Ende?)“, keucht sie und ich nicke. Von einem Steinvorsprung aus sehen ein paar der anderen Wächterelben zu und beginnen jetzt zu klatschen. Tauriel und ich verbeugen uns vor einender. Dann fangen wir beide an zu lachen und umarmen uns. Dann setzen wir uns zurück auf die Mauer und das nächste Duell zwischen zwei anderen Wachen. „Ich werd‘ dich wohl nie besiegen, was?“ Ich stoße sie leicht mit dem Ellenbogen und wir beide grinsen uns an. Tja… Tauriel und ich besitzen nicht nur das gleiche Schwert, sondern auch den selben Kampfstil. Außerdem sind wir nun einmal Zwillinge, die eine tiefe Verbindung zueinander besitzen. Das ist ja auch nichts Schlechtes – so ist ein Kampf gegen sie das perfekte Training. Nach dem auch alle anderen ein Duell bestritten haben, begeben wir uns auf eine große Fläche, wo einige Zielscheiben aufgebaut sind. Das Bogentraining beginnt und nacheinander müssen wir alle sowohl stille, als auch sich bewegende Ziele treffen. Die meisten Elben bleiben vor jeder der Scheiben stehen, um zu zielen, doch ich mache alles in einem Durchlauf. Im Gehen lege ich den ersten Pfeil an und lasse die Sehne los. Noch bevor der Pfeil sich genau in die Mitte der Zielscheibe bohrt, hole ich schon den Nächsten aus meinem Köcher und lasse ihn auf die Zweite zufliegen. Wieder verfehle ich um keinen Millimeter. Ein hin und her schwingender Sack ist die nächste Herausforderung, doch ich erwische genau den richtigen Zeitpunkt und treffe auch hier erneut. Die nächsten Ziele sind ebenfalls kein Problem für mich und ich absolviere den kompletten Parkour fehlerfrei. Als ich abgeschlossen habe, ertönt erneut ein kurzer Applaus, dann machen die restlichen Wachen weiter. „Han mae! (Das war gut!)“, flüstert Tauriel leise, als ich mich wieder neben sie setze. „Hannon le! (Ich danke dir!)“, gebe ich leise zurück.
    Als gerade Legolas an der Reihe ist, ertönt plötzlich das Horn der Wachen am Osttor und sofort sind alle in Alarmbereitschaft. Ich ziehe meinen Bogen und zusammen mit zehn anderen Elben, darunter auch meine Schwester und der Prinz des Düsterwaldes, begebe ich mich sofort zu dem Ort, von dem das Geräusch kam und muss eine schreckliche Entdeckung machen. Orks! Sie streifen schon wieder durch unsere Wälder, wie töricht! Es dauert nicht eine Sekunde, schon habe ich einen Pfeil angelegt und ziele auf den nächstbesten Ork. Als sich mein Köchel langsam leert, greife ich zu meinen beiden Dolchen und schleudere sie auf einen Ork, der gerade versucht einen der Wächter aus dem Hinterhalt anzugreifen. Sofort springe ich zu seinem schlaffen Körper und ziehe meine nun blutüberströmten Dolche wieder aus seinem Fleisch und ramme einen davon dem nächsten Ork in die Kehle. Es sind nicht so viele, also dauert es nicht lange, bis wir sie zurückgetrieben haben und sie die Flucht ergreifen. Die Meisten atmen auf und beginnen, die toten Körper wegzuschaffen, doch ich hebe einige Pfeile vom Boden auf und springe von Ast zu Ast hinter der Horde her. Ich verschieße die Pfeile und stelle mit Genugtuung fest, dass einige der Bestien fallen und nun ein noch kleiner Anteil der Orks entkommen können. Ich wäre ihnen am liebsten noch weiter gefolgt und hätte alle endgültig ausgelöscht, doch ich werde zurückgerufen. „Elanime, dartho! (Elanime, warte!)“ Zu meiner Überraschung ist es aber nicht meine Schwester Tauriel, die ja eigentlich die Anführerin der Wachen ist, sondern Legolas. Mit aufeinandergepressten Zähnen drehe ich mich um. „Amman? (Warum?)“, gebe ich wütend zurück. „Sagt mir warum! Warum…“ Ich blicke in seine eisblauen Augen und verstumme wieder. „Díheno enni! (Vergebt mir!)“, murmle ich mit gesenktem Kopf und komme wie mir befohlen zurück zu den anderen. Als wir alles am Osttor wieder in Ordnung gebracht haben, gehe ich resigniert nach Hause. Ich bin sauer! Also schmeiße ich meinen Gürtel, an dem sowohl mein Schwert, als auch meine Dolche sind, auf den Tisch in der Küche und lasse mich auf einen Stuhl fallen. „Elanime? Ist alles in Ordnung?“ Ich seufze leise. „Ja, Tauriel… Mir geht es gut, es ist bloß… naja du weißt schon…“ Wir beide haben uns schon oft darüber aufgeregt, dass wir als Volk uns nur allein vor Gefahren schützen, doch die anderen Landen sind König Thranduil leider komplett egal… Ich beschließe, früh ins Bett zu gehen, um schnell von meinem Zorn wegzukommen und falle bald in den bekannten Halbschlaf. Meine Augen geöffnet liege ich auf meinem Bett und schone meine scharfen Sinne.
    Die Vorbereitungen für das Sternenlichtfest sind in vollem Gange und sogar einige der Wächter sind mit dem Fest beschäftigt. Einige andere aber, darunter auch Tauriel, Legolas und ich, machen unseren gewohnten Rundgang im Wald, als wir lautes Kampfgebrüll vernehmen. „Der Lärm kommt aus dem Süden. Ich schätze eine halbe Meile von hier.“ Legolas führt uns an und bald schon sehen wir die Urheber des Geschreis.
    Zwerge! Was tun die hier im Düsterwald? Und viel mehr warum wurden sie von Spinnen angegriffen, die haben wir doch schon so oft vertrieben… Unser lieber Prinz kann es natürlich nicht lassen, einen beeindruckenden Auftritt zu liefern und schwingt sich elegant an dem Faden der einen Spinne hinunter, surft dann auf dem Tier eine kurze Senke hinunter und spannt den Bogen. Sein Pfeil ist etwa 30 Zentimeter von dem Gesicht des Zwergs entfernt und wir restlichen Wächter kommen aus der Deckung. Unsere Pfeile richten sich ebenfalls auf die Eindringlinge. „Glaubt nicht, ich würde Euch nicht töten, Zwerg! Es wäre mir ein Vergnügen.“ Ich verdrehe die Augen. Musste das sein? Naja das ist eben Legolas… Ein lauter Hilfeschrei ertönt und Tauriel kümmert sich sofort um das Problem. Locker aus dem Handgelenk macht sie die fünf restlichen Spinnen fertig und bringt dann den letzten Zwerg zu den anderen. „Durchsucht sie!“, kommt der Befehl vom Prinzen. Sofort machen sich einige Elben an die Arbeit, den Zwergen die Waffen abzunehmen, doch ich halte einfach weiter meinen Bogen auf sie und begebe mich zu Legolas. Einer der Wächter reicht ihm ein Schwert und mit gerunzelter Stirn betrachtet er es. Es ist eine Elbenklinge, von unserem Volk geschmiedet. Auch er stellt das schnell fest, doch als er den Zwerg, der sie geführt hat, danach fragt, antwortet er nur, er habe sie geschenkt bekommen. Diese Antwort scheint Legolas gar nicht zu gefallen und er richtet das Schwert auf den Winzling. „Nicht nur ein Dieb, sondern auch noch ein Lügner.“, schimpft er und lässt uns die Eindringlinge abführen. Zusammen mit Tauriel und Legolas bin ich die Letzte, die durch das Tor tritt, welches sofort geschlossen wird. Ich bringe einen der Zwerge zu seiner Zelle und als ich ihn gerade als ich ihn hineinschiebe, spüre ich noch einen Dolch in seinem Mantel und nehme ihn sofort an mich. Dann verschließe ich aber endgültig die Tür.
    Als Tauriel von ihrem Bericht vor König Thranduil zurückkommt, bin ich gerade dabei mir ein Kleid für das, Mereth Nuin Giliath‘ herauszusuchen. Schließlich ist das Sternenlichtfest etwas sehr Besonderes, vor allem für Waldelben wie mich. Sie ist aufgewühlt, das spüre ich sofort. „Was ist los?“, frage ich und setze mich neben sie auf ihr Bett. Sie spielt mit ihren Fingern und sieht nachdenklich auf den Boden. „Thranduil hat gesagt… Ich weiß ja nicht…“ „Was denn?“ Sie dreht sich zu mir und hebt endlich ihr Kinn. „Was glaubst du, denkt Legolas von mir?“ Meine Augenbrauen schnellen nach oben und ich überlege. Tja, was wird er denn schon von ihr denken? Er mag sie, dass ich klar, sie sind ja befreundet… „Keine Ahnung. Ihr seid Freunde, also muss er dich ja irgendwie mögen, nicht? Warum stellst du diese Frage?“ Sie beißt sich auf die Unterlippe. „Naja, Thranduil hat gesagt, dass er…“ Na was schon? „Dass Legolas etwas an mir findet.“, vollendet sie schließlich ihren Satz und ich ziehe die Brauen zusammen. Warum sollte Thranduil das sagen, wenn es nicht stimmt, schließlich ist es ja klar, dass sie nicht zusammenkommen werden. Wir sind nun mal einfache Waldelben und er der Prinz… „Er meinte außerdem, dass ich ihm eben keine Hoffnung machen sollte, weil er ja viel höher steht als ich und…“ Ich nicke. „Hm… Was findest du denn an ihm?“, frage ich nach. Sie weicht meinem Blick aus und ich ziehe vielsagend eine Augenbraue hoch. „Komm schon, muinthel! (Schwester)“ „Ich weiß es nicht so genau…“, lautet ihre Antwort und sie steht auf. „Was hast du herausgesucht?“, lenkt sie vom Thema ab und ich zucke mit den Schultern. Wenn sie nicht sprechen will… „Hier, ich dachte… Du hast es bereits an.“, meine ich schmunzelnd. Das Kleid, das ich herausgelegt habe, ist dunkelgrün und hat einen Kragen. Außerdem trägt man es mit einem dünnen Gürtel und ledernen Handschuhen und Stiefeln. Lachend sieht Tauriel es sich an. „Ich habe das zweite davon vorhin angezogen, lustig, oder?“ Ich nicke und ziehe mich schnell um.
    Es ist schon spät in der Nacht, als ich aufhöre, mir das wundervolle Licht der Sterne anzusehen. Ich begebe mich in die Hallen zurück und will wieder nach Hause gehen, da entdecke ich Legolas allein auf einem der Treppen sitzen. Er starrt auf den Boden und langsam nähere ich mich ihm. Obwohl ich kaum ein Geräusch mache, bemerkt er mich, doch er dreht sich nicht um. Als ich mich neben ihn setze, sieht er mich kurz an, wendet sich dann aber wieder ab. „Elanime…“, murmelt er sogar für Elbenohren kaum hörbar. Meine Mundwinkel zucken. „Hír Legolas. (Herr Legolas) Wen würdet Ihr wünschen jetzt neben Euch zu sitzen?“ Er dreht seinen Kopf zu mir und sieht mich fragend an. „Was meinst du?“ „Nun, ich würde nicht sagen, dass ich Abweisung in Eurer Stimme erkannt habe, aber eine gewisse Enttäuschung war schon zu hören.“ „Entschuldige!“ „Nicht schlimm, ich weiß, meine Schwester wäre Euch wohl lieber.“ Er zuckt kaum merkbar zusammen, steht dann aber abrupt auf. „Womöglich…“, haucht er und verschwindet. Allein bleibe ich noch eine Weile sitzen, dann erhebe ich mich ebenfalls und gehe zu unserem Baumhaus. Er scheint wirklich gefallen an ihr zu finden, wie seine Gedanken um Tauriel kreisen. Ich könnte schwören, dass das früher noch nicht so war… Naja, es muss schwer für ihn zu sein, schließlich ist er sich dem bewusst, dass eine Verbindung zwischen den Beiden nicht möglich ist, wegen ihrem sozialen Stand.
    Es ist wirklich nicht leicht, zu ihm durchzukommen, so verschlossen, wie er ist...

    Ich begebe mich gerade zu unserem bescheidenen Haus, als ich eine laute Stimme aus den Kellern hören kann. „Wo ist die Wache mit den Schlüsseln?“ Es ist meine Schwester! Sofort legt sich meine Hand auf mein Schwert und ich sprinte zu ihr. Die Zwerge sind abgehauen! Das Horn ertönt und sofort gehen wir nach draußen und folgen dem Fluss, auf dem sie gerade versuchen in Fässern zu entkommen. Das Tor ist allerdings verschlossen und sie kommen nicht durch, da greifen erneut Orks an. Sofort ziehe ich mein Schwert und steche es dem ersten in den Bauch. Blitzschnell wechsle ich die Waffe und schieße dem Ork direkt vor mir einen Pfeil in den Kopf. Ich sehe, wie einer der Zwerge den Hebel zum Tor betätigt und schon schwimmen die Fässer mit der Strömung. Kopfschüttelt richte ich mich wieder den Eindringlingen zu und puste mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann wechsle ich die Waffe und schleudere meinen Dolch in das Fleisch eines weiteren Orks. Schnell hole ich ihn mir wieder und ignoriere das dunkle Blut, das daran herunterläuft. Die Zwerge treiben unterdessen immer weiter mit der Strömung und erstaunlicherweise folgen die Orks ihnen. Seite an Seite mit Tauriel versuchen ich mit den Orks Schritt zu halten und dabei diese Bestien so gut es geht zu töten. Ich hole erneut meinen Bogen aus, das ist wohl in dieser Situation die sinnvollste Waffe, und die Pfeile bohren sich in die Körper der Orks. Legolas kann natürlich nicht widerstehen und lässt sich zu etwas Show hinreisen. Er springt auf die Köpfe der Zwerge, die immer noch in den Fässern treiben und bekämpft die Orks von dort aus. Ich muss zugeben, es sieht elegant aus, wie er da springt und sich dreht und kein einziger Pfeil verfehlt sein Ziel… Jetzt kommt er zurück an Land, bleibt dort aber nicht lange. Nachdem er die drei Orks dort fertiggemacht hat, springt er von Zwerg zu Zwerg ans andere Ufer. Dort nimmt er es wieder mit einigen Viechern auf und bleibt dann stehen. Ich ramme noch einigen mein Schwert in das Fleisch, dann stoppe ich aber ebenfalls die Verfolgung. Ein letzter Ork springt hinter Legolas und schießt auf ihr, doch Tauriel wehrt geschickt den Pfeil ab und will ihm gerade den Kopf abschneiden, als der Prinz vorschlägt, ihn gefangen zu nehmen.
    Meine Schwester und er bringen den Ork zu Thranduil und beginnen das Verhör und natürlich darf ich nicht dabei sein…
    Also streiche ich ein wenig durch die Hallen, bis ich den Dienst der Palastwache übernehmen muss. Es ist schon spät, als ein älterer Elb meinen Namen ruft und auf mich zu kommt. „Was gibt es?“ „König Thranduil möchte dich sprechen. Ich übernehme den Dienst, in Ordnung?“ Ich nicke und verlasse meinen Posten. Im Thronsaal angekommen verbeuge ich mich vor unserem König und warte auf sein Anliegen. „Ich möchte, dass du mir sämtliche deiner Waffen übergibst.“, beginnt er schließlich ohne mich anzusehen. „Wie bitte?“ Er dreht sich zu mir um und starrt mich mit seinen eisblauen Augen an. „Du hast mich verstanden.“ Ich räuspere mich und lege dann alle Waffen ab, die ich bei mir trage. Mitsamt den Dolchen und Messern, die ich an meinem Gürtel und hinter meinem Rücken trage, gebe ich ihm auch meinen Langbogen und den Köcher mit Pfeilen. „Darf ich den Grund für all das hier erfahren, Herr?“, frage ich nun vorsichtig und seine Mundwinkel zucken. „Ich will nur vermeiden, dass du auf dumme Gedanken kommst… wegen Tauriel.“ Ich runzle die Stirn und kneife die Augen zusammen. „Was ist vorgefallen?“ Mein kompletter Verstand setzt für einen Moment aus und ich schüttle langsam den Kopf. Was ist geschehen? Was ist mit meiner Schwester? Wenn ihr etwas passiert ist… „Das wirst du schon noch herausfinden, da bin ich sicher. Nun geh!“ Er nimmt auf seinem Thron platz und ich senke den Kopf und deute eine Verbeugung an. „Ja, Herr!“ Dann drehe ich mich um und begebe mich zu unserem Baumhaus. Dort lasse ich mich auf einen Küchentisch fallen und raufe die Haare. Was bei den Valar ist hier vor sich gegangen. Wo ist Tauriel? Ich gehe zu dem Schrank in meinem Schlafsaal und öffne ihn. Natürlich… Er ist vollkommen leer. Sowohl meine, als auch die Waffen meiner Schwester sind nicht mehr da. Das hätte ich mir aber auch denken können, schließlich lässt mich der König nicht vor ihn treten um mir die Waffen abzunehmen, ohne mein Haus zu durchsuchen. Da fällt mir etwas ein… Ich gehe zum Kleiderschrank und ziehe den Umhang heraus, den ich gestern getragen habe, als wir die Zwerge gefangen genommen haben und tatsächlich: Das Messer, des einen Zwerges hängt noch in der Innentasche und ich ziehe er heraus. Es ist nicht gerade elegant, aber von Zwergen geschmiedet und egal wie abscheulich man sie findet, eines muss man ihnen lassen: Sie können schmieden. Es wird schon reichen. Also… Tauriel ist offensichtlich nicht mehr hier, wo würde sie hingehen? Ich beginne unruhig in meinem Zimmer auf und ab zu laufen, als es mir wie ein Schuppen vor die Augen fällt.
    Die Orks! Ja, das wird es sein. Sie ist den Orks gefolgt… Ehrlich gesagt, hatte ich das auch vor, aber sie hat es anscheinend wirklich getan. Na dann los! Ich greife mir einen schwarzen Umhang mit langen Ärmeln und einer großen Kapuze, die ich mir tief ins Gesicht ziehe und steige aus dem Fenster. Leichten Fußes springe ich fast Lautlos von Ast zu Ast, bis ich zu dem Fluss komme, auf dem die Zwerge entkommen sind. Dem folge ich dann lautlos, bis ich. Ich habe schon längst die Grenzen unseres Reiches überschritten und erkenne in einiger Entfernung das Menschendorf Esgaroth erkennen. Es ist auf Holzpfählen aufgebaut und von viel Nebel und Gischt umgeben. Die Spuren der Orks enden hier im Wasser, also bedeutet das, dass sie zu der Seenstadt gegangen sind? Ich seufze. Jetzt muss ich auch noch über den See kommen?
    Als ich dann an der Stadt ankomme, sehe ich, wie einige der Orks sich an der Brücke sammeln. Sobald ich auf festem Boden angekommen bin, ziehe ich das Messer aus meinem Umhang und bringe den ersten Ork zu Fall. Ich kämpfe mich weiter in die Stadt durch, da sehe ich Legolas, der gerade ziemlich benommen an einem Holzpfahl lehnt. Er will gerade einem der Orks folgen, doch ich stoße ihn an eine Wand und halte ihm mein Messer an den Hals. Er ist völlig überrumpelt und ich zische: „Wo ist Tauriel?“ Es kümmert mich weder das er blutet, noch dass er eigentlich der Prinz meines Volkes ist nicht. Er antwortet nicht und ich öffne gerade den Mund um weiter nachzuhaken, da schafft er es, meinen Griff zu lockern und schlägt mir die Waffe aus der Hand. Jetzt bin ich diejenige, die gegen die Wand gedrückt wird und er hat einen seiner Dolche fest umschlossen direkt an meiner Schlagader. Mit der freien Hand zieht er mir nun die Kapuze aus dem Gesicht und kneift die Augen zusammen. Als er mich dann schließlich erkennt, macht er sofort einen Schritt zurück und nimmt seinen Dolch von mir weg. „Elanime! Was tust du hier?“ Ich antworte nicht und frage nur erneut: „Wo ist Tauriel.“ Er deutet auf eines der Häuser dann bemerkt er sein Nasenbluten. „Der Ork, der Euch das angetan hat…“, beginne ich und Legolas beendet meinen Satz: „Mit dem habe ich noch eine Rechnung offen!“ Und schon ist er in der Dunkelheit verschwunden. Ich sehe noch einen Moment an die Stelle, an der er verschwunden ist, dann habe ich das Zwergenmesser vom Boden auf und begebe mich zu dem Haus, in dem Tauriel anscheinend ist. Langsam und lautlos steige ich die Treppe zur Haustür hinauf und spähe hindurch. Sofort stoße ich sie auf und stürme hinein. „Muinthel! (Schwester)“, rufe ich und gehe auf sie zu. „Elanime! Was tust du hier?“, fragt sie, da bemerke ich die Zwerge im Raum. Sofort bin ich in Kampfbereitschaft, doch meine Schwester beruhigt mich. „Es ist in Ordnung! Sie sind okay.“ Ich entspanne mich wieder und mustere einen der Zwerge. Er liegt auf einem Holztisch und sein Bein ist verbunden. Es ist der Zwerg, der es geschafft hat, das Tor für die anderen zu öffnen. Er ist allerdings verletzt, er wurde von einem der Pfeile getroffen. „Tauriel, das Gift!“ Sie nickt. „Ich habe es bereits entfernt.“ Erleichtert lasse ich die Schultern fallen. „Gut! Jetzt sag mal hast du eigentlich eine Ahnung wie viele Sorgen ich mir gemacht habe! Ich hab‘ ja nichts dagegen, dass du die Grenzen verlässt, aber mir nicht Bescheid zu geben … Thranduil ist sauer, glaub mir! Er hat unser Haus durchforstet und mir all meine Waffen genommen. Er wollte nicht, dass ich dir folge und womöglich sogar helfe mit den Orks…“ Etwas beschämt sieht sie zu Boden, da schalten sich die Zwerge ein. „Zwillinge? Gleich zwei von diesen Kriegerinnen.“, meint der Blonde. Ich fahre ihn an: „Ja, Zwillinge, was dagegen?“ Tut mir leid, wenn ich etwas unhöflich bin, aber Zwerge sind mir einfach nicht geheuer… Er hebt schützend die Hände und macht einen Schritt zurück, als auf einmal ein Beben durch den Boden geht. Alarmiert sehe ich mich um und ein kleines Mädchen kommt unter einem Tisch hervor. „Es kommt vom Berg!“, piepst sie und ich ziehe die Brauen zusammen. Vom Berg? Dem einsamen Berg? Mein Blick fällt auf die Zwerge und da geht mir ein Licht auf. Der Erebor! Deshalb sind sie hier! „Der Drache!“, hauche ich und alle im Raum halten die Luft an. Wenn sie ihn aufgeweckt haben… Wenn er jetzt schon auf dem Weg hier her ist… Ich sehe zu dem verletzten Zwerg, der immer noch mit geschlossenen Augen auf dem Kissen aus Walnüssen liegt. Ich bin mir nicht sicher ob er es schaffen wird… Tauriel geht nach draußen um zu sehen, was los ist, während ich mit den Kindern des Hausbesitzers helfe, alles Wichtige zusammenzupacken. Sie kommt wieder hinein und sagt: "Uns bleibt keine Zeit, wir müssen fort." "Helft ihm hoch!", meint einer der Zwerge. "Komm Bruder, Na los." Er will den Verletzten auf die Beine ziehen, doch dieser drängt ihn weg. "Lass mich los, ich kann gehen!" "Wir verschwinden so schnell es geht.", sage ich zu einem der Mädchen, da ertönt eine Stimme hinter mir. "Wir werden nicht gehen, nicht ohne unseren Vater." Ich seufze. "Wenn wir bleiben werden deine Schwestern sterben. Würde euer Vater das wollen?", kommt Tauriel mir zu Hilfe und der Junge hinter mir ist still. Wir gehen schnell nach untern ans Wasser, wo ein Boot an einem Steg befestigt ist. Schnell klettern alle hinein, ich bin die einzige noch an Land. "Elanime, komm!", ruft Tauriel, doch ich schüttle den Kopf. "Das Boot ist voll, Tauriel, geht! Los!" Es ist einfach kein Platz mehr, mit mir würde das Boot kentern, obwohl ich so gut wie nichts wiege und dann würde keiner von uns hier weg kommen. Einen Moment lang starren Tauriel und ich uns in die Augen, dann nickt sie mit Tränen in den Augen und beginnt zu paddeln. Ich drehe mich weg und versuche gerade zurück im Haus die Treppe hinauf zu gehen, da kommt die erste Feuerwelle. Die Wucht stößt mich gegen die Wand und mit Kopfschmerzen, unter anderem auch wegen der Hitze, klettere ich weiter bis aufs Dach hinauf und sehe Smaug direkt auf mich zufliegen. Dann wird alles schwarz.
    Ich öffne die Augen. Ein nervtötend hoher Piepton ist in meinem Kopf und mit verzerrten Gesicht versuche ich mich aufzurichten. Die vielen Sachen, unter denen ich begraben bin, schiebe ich alle zur Seite und stehe auf. Ich bin noch etwas wacklig auf den Beinen, als jemand mich von hinten umarmt. Ich bin völlig überrumpelt, als ich mich umdrehe und in Tauriels blaue Augen blicke. "Ech cuia! (Du lebst!)" "Mae, cuion! (Ja, ich lebe!)" Dann fällt sie mir erneut in die Arme. "Was ist passiert?", frage ich. "Die Stadt wurde vollkommen zerstört, doch Smaug ist tot." Ein großer Stein fällt mir vom Herzen, doch dann sehe ich das Chaos, das um mich herum herrscht. Es ist schrecklich, überall herumrennende Menschen, schreiende Kinder, Tote... "Tauriel.", ertönt eine Stimme hinter ihr. Der Zwerg mit dem langen, dunklen Haar steht dort und sie dreht sich zu ihn um. "Kili, komm jetzt, wir brechen auf!", rufen die anderen Zwerge ihm zu, doch er nimmt nicht den Blick von ihr. "Es sind Eure Leute, Ihr müsst weiter.", sagt sie nur und will sich abwenden, doch Kili hält sie zurück. "Kommt mit mir! Ich weiß was ich empfinde, ich habe keine Angst. Ihr gebt mir das Gefühl lebendig zu sein." Meine Augenbrauen schnellen nach oben. "Ich kann nicht.", seufzt sie. "Tauriel." Dann sagt er noch etwas auf einer fremden Sprache. "Ich weiß nicht, was das bedeutet.", sagt meine Schwester und ein Lächeln zeichnet sich auf sein Gesicht. "Ich glaube doch." Da tritt jemand hinter sie und ich wende mich ab. Legolas ist wieder hier. Langsam gehe ich ein Stück und richte meine Aufmerksamkeit auf einen der Menschen, der gerade von einigen anderen gefeiert wird. Sie sagen, er habe den Drachen getötet. Etwas abseits beobachte ich das Treiben, sie scheinen einen Mann auseinanderreißen zu wollen... Menschen... Dann beginnen alle ihre Sachen zu packen und Legolas geht zu dem Drachentöter. "Wohin geht ihr?", fragt er ohne ihn anzusehen. "Es gibt nur einen Ort." Legolas' Blick wandert zum einsamen Berg und ich gehe nach kurzem Überlegen zu ihm. "Sie wollen die Zwerge um Hilfe bitten?" "Sieht so aus." "Und was..." Er hebt die Hand um mich zum Schweigen zu bringen und sofort verstumme ich. "Die Nachricht über Smaugs Tod wird sich schnell verbreiten." "Ja.", antwortet der Mann. "Andere werden ihren Blick zum Berg richten. Wegen seines Reichtums, seiner Lage.", erklärt Legolas weiter. "Was wisst Ihr?", spricht der Mensch meine Gedanken aus. "Nichts Gewisses. Ich fürchte was geschehen mag." Da kommt Tauriel und die beiden lassen mich stehen. Na vielen Dank auch... Ich folge ihnen also durch die verbrannte Stadt. "Du hast da draußen etwas gesehen." "Der Ork, den ich in der Seestadt verfolgt habe, ich weiß, wer er ist.", antwortet er ihr. "Bolg, ein Spross von Azog dem Schändel, eine Wragenmeute hat an dem Rande Esgaroths auf ihn gewartet, sie sind in den Norden geflohen. Diese Orks waren anders, sie trugen ein Zeichen, dass ich lange nicht gesehen habe. Das Zeichen Gundabards." "Gundabard?" "Eine Orkfestung, hoch im Norden des Nebelgebirges." "Hír nin, Legolas. Ich bringe Wort eures Vaters..." Legolas nickt. "Tolo, Tauriel!(Komm, Tauriel!)" Der Elb hält ihn zurück. "Hír nin, edlenden Tauriel.(Mein Herr, Tauriel wurde verbannt.)" "Edlenden?(verbannt?) Dann sage meinem Vater, wo kein Platz für Tauriel ist, ist auch kein Platz für mich." Meine Schwester redet ihm zu. "Legolas, es ist deines Königs Befehl." Ich bekomme eine Gänsehaut, schiebe es allerdings darauf, dass ich meinen Umhang verloren habe. Und... und Tauriel soll verbannt sein? Das kann Thranduil doch nicht machen! "Ich reite nach Norden, kommst Du mit mir?", fragt Legolas Tauriel. "Wohin?" "Nach Gundabard." Gerade will ich auf mich aufmerksam machen, als der Botschafter König Thranduils sich an mich wendet, während er von seinem Pferd absteigt, um es Legolas zur Verfügung zu stellen. "Elanime, Du sollst umgehend zu König Thranduil zurückkehren. Er möchte einen Bericht über das, was hier passiert ist." Wie bitte? Wie kann er Tauriel verbannen, aber mich zurückschicken? Gehorsam tue ich allerdings wie mir geheißen und befinde mich schon einen Tag später wieder in den großen Hallen, wo ich für eine Schlacht ausgerüstet werde. Mit leerem Blick lege ich die Rüstung an und marschiere dann Seite an Seite mit vielen anderen zum einsamen Berg. Wir haben viel Essen in Wägen dabei, da ich sehr bildlich beschrieb, wie schlecht es den Menschen aus Esgaroth geht. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht einmal, was der König aus dem Erebor will, aber es muss ihm sehr wichtig sein... Nun, als wir schließlich in Tal angekommen sind, werden wir von den Menschen, die dort Zuflucht gesucht haben mehr oder weniger freudig empfangen. Ihr Anführer, der Drachentöter zieht es allerdings vor, mit den Zwergen erst einmal zu reden, doch dieser Thorin Eichenschild weist uns ab. Erst schreit er unserem König etwas von Ehre vor uns jetzt bricht er selbst sein Wort, das er anscheinend den Menschen gegeben hat...Zwerge...
    Die Nacht ist hereingebrochen und ein Zauberer ist zu uns gestoßen, Gandalf der Graue. Ich habe mich nicht mit ihm unterhalten, doch über irgendetwas spricht er mit dem König und Bard, dem Anführer der Menschen. Ich stehe also vor dem Zelt, indem sie sich befinden und versuche ihr Gespräch mitzuverfolgen. "Thorin ist dieser Stein mehr wert als alles andere. Um ihn zurück zu bekommen wird er euch sicherlich geben, was er euch schuldet. Es gibt für Krieg also keinen Grund.", sagt eine unbekannte Stimme. von was für einem Stein spricht er? Wenn essen stimmt und Theorien Eichenschild ihn wirklich so begehrt, dann bedeutet das einfache Verhandlung! Was für eine edle Tat von wem auch immer die Stimme gehört. Eine Gruppe Menschen läuft an mir vorbei, sodass ich nicht verstehen kann, was sie nun sagen, als Gandalf mit einem Hobbit? Aus dem Zelt kommt. Mit zusammengezogen Brauen gehe ich zu meinem König. Ich habe den Helm abgenommen und verbeuge mich tief. "Mein Herr, ich… möchte Euch etwas fragen." Da stutze ich. Der Arkenstein liegt da, vor Thranduil und er leuchtet wie ein heller Stern. "Das Herz des Berges...", hauche ich fast unhörbar. Das muss der Stein sein, von dem der Halbling gesprochen hat. "Wie kommt der Halbling dazu, ihn Euch zu geben?", frage ich verwirrt. Mit desinteressierten Stimme antwortet mein König: "Ich glaube kaum, das das für dich von Bedeutung ist. Wie lautet deine Frage?" "Was ist mit Tauriel?", frage ich direkt. Er verdreht fast unmerklich die Augen. "Sie wurde verbannt. Du wirst sie im Grünwald wohl nie wiedersehen." Ich schlucke. "Warum tut Ihr das? Wie könnt Ihr?" Ich bin unfähig weiterzusprechen. Sein Gesichtsausdruck ist so kalt. So gefühllos. Der Anblick meiner Majestät verschwimmt durch einen Tränenschleier und ich schniefe: "Warum nicht ich?" Bard, der das Gespräch bisher nur halbwegs interessiert verfolgt hat, sieht mich nun mit einem besorgten Blick, der wohl so viel wie 'Ist alles in Ordnung?' heißen soll, doch ich achte nicht darauf, meine volle Aufmerksamkeit ist meinem König gewidmet. Er starrt mich eine Weile an, bis sein Ausdruck ein wenig weicher wird. "Geh, ruh dich aus!", meint er und ich verbeuge mich kurz. Dann verlasse ich das Zelt und wische mir schnell die Tränen aus dem Augenwinkel.
    Ich stehe auf einer der Ruinen des Dorfes, in dem wir uns befinden und sehe zum Berg. Sie haben das Tor verbaut und scheinen mir nicht so, als hätten sie Lust zu reden. Ich habe meine Rüstung abgelegt, ich finde sie einfach unpraktisch. Was Tauriel wohl gerade macht? Ob sie mit Legolas Gundabard erreicht und nun das Geheimnis um diesen Ork, Bolg, gelüftet hat? Ich hoffe es! Bard tritt zu mir und sieht einen Moment schweigend in die Ferne. "Wer ist Tauriel?", fragt er schließlich und ich richte meinen Blick auf ihn. "Meine Schwester. Zwillingsschwester." "Tut mir leid, dass sie verbannt wurde." Ich nicke nur und bleibe still. "Ich heiße Bard." "Elanime.", stelle ich mich knapp vor und starre wieder zum Berg. "Seasamin!", nuschle ich nach einiger Zeit und bin im Bezug zu gehen, doch er fragt: "Was bedeutet das?" "Es war mir eine Freude.", antworte ich und verschwinde dann in der Dunkelheit. Ich lege mich ein paar Stunden zu Ruhe und als ich wieder aus einem der Zelte hinauskomme, rückt der Sonnenaufgang näher. Wie auch unser Angriff.
    Ich stehe Seite an Seite mit meinesgleichen und ein paar Menschen der Seestadt, als die Sonne aufgeht und warten gebannt auf die Schlacht, wenn den nun eine stattfinden wird. Thranduil und Bard, auf dem Rücken eines Elches und Pferdes stehen. Sie versuchen mit dem Zwerg zu verhandeln, doch ich erkenne das Glitzern in seinen Augen, wenn er über seinen Reichtum spricht. Die Drachenkrankheit. Er ist süchtig nach Gold, ebenso wie das Rech zu herrschen. Wie erwartet lässt er sich nicht kleinkriegen, als auf einmal eine Zwergenarmee über den Hügel zu unserer Rechten kommt. Sie sind unter der Führung von Dain, der anscheinend gekommen ist um seinen Vetter zu unterstützen und hätten uns glatt den Krieg erklärt, wenn nicht eine riesige Orkarmee angekommen wäre, bevor sie etwas tun konnten. Anscheinend hassen sie Ork mehr als Elben, denn sie stürzen sich sofort in den Kampf. Erwartungsvoll sehe ich zu unserem König, doch er macht keine Anstalten ihnen zu helfen. Jetzt reicht‘s aber! Ich reiße mir den Helm vom Kopf, er war so wie so unbequem! „Bei allem gebührendem Respekt, aber es ist eine Schande, wegen Zwergen Orks unberührt zu lassen!“, rufe ich zu unserem Anführer. Er sieht mir lange in die bittenden Augen und dann, endlich, lässt er sich erweichen. Er schickt uns ebenfalls zum Angriff! Ich atme tief durch und greife nach meinem Bogen. Dann ziehe ich den ersten Pfeil aus dem Köcher, den ich wie alle anderen auch am Gürtel befestigt habe. Treffer! Noch einer! Und der nächste! 4…5…6… Ich laufe weiter auf die Massen zu und werfe dann einem Schwertträger meine Pfeile und den Bogen zu, der mir dafür in der gleichen Sekunde das Schwert übergibt. Ich muss lächeln, jetzt rein in die Massen! Ich stürme auf die Orks zu und meine Klinge durchschneidet ihr Fleisch wie Butter. 13…14…15… Ein lautes Horn ertönt und Trolle mischen sich in die Schlacht ein. Sie schalten die Widder und Maschinen der Zwerge in Windeseile aus und nehmen die Zwergenarmee auseinander. Erneut wird ein Horn geblasen und eine weitere Orkarmee erscheint, die die Stadt angreift. Sie benutzen die Trolle um die Mauern einzubrechen. Sofort strömen Orks durch die Straßen und die Menschen werden vollkommen überrannt. Ich habe allerdings keine Möglichkeit ihnen zu helfen, denn wir haben hier, direkt vor dem Erebor noch einiges zu tun. Ich versuche immer Thranduil im Blick zu behalten, es gelingt mir allerdings nicht wirklich. Zu allem Überfluss fängt es jetzt auch noch an zu schneien. Die weißen Flocken bleiben in meinen langen Haaren hängen, von denen ich mir das Deckhaar nach hinten geflochten habe, damit sie mir nicht in’s Gesicht fallen. 22…23…24…
    Ich bin mitten im Eifer des Gefechts, als das Rückzugshorn ertönt. Sofort versuche ich mich nach Tal durchzuschlagen, von wo der lange Ton kam. Als ich ankomme, sehe ich gerade Legolas und Tauriel den Rabenberg hinaufzusteigen. Sind sie nicht nach Gundabard! Ich will ihnen hinterher, doch mein König sieht mich warnend an. Nach einiger Zeit schaffe ich es, mich von seinem Blick loszureißen du renne ihnen hinterher. Ich kann förmlich spüren, wie er mir wütend hinterherstarrt… Ich erklimme den Berg schnell, doch als ich oben auf der ersten Plattform ankomme, habe ich meine Schwester längst aus den Augen verloren. Auf der Hut schleiche ich durch die Gemäuer und drehe mich immer wieder langsam im Kreis, um sofort reagieren zu können, falls etwas passiert. Schließlich ist das hier feindliches Gebiet! Da stürmen einige Orks auf mich zu. Sofort hebe ich das Schwert und trenne ihnen den Kopf ab. Schnell gehe ich weiter. Ich habe einen Blick auf die höheren Plattformen des Berges, wo einiges los ist! Thorin Eichenschild befindet sich mitten in einem Duell gegen Azog den Schänder. Außerdem steht Legolas weit oben auf einem Turm und schießt von dort aus Pfeile hinab auf das Geschehen. Dann ist da Tauriel, ich will mich gerade zu ihr in Bewegung setzen, da sehe ich, wie sie einige Meter den Berg hinunterrollt. Sie blutet und sieht schlimm zugerichtet aus. Mit weit aufgerissenen Augen beobachte ich die Szene, sodass ich nicht bemerke, wie sich einige Goblins nähern. Als ich mich dann umdrehe ist es bereits zu spät und ich kann gerade so die Klinge abblocken, jedoch werde ich so rückwärtsgedrängt, dass ich von der Plattform stürze. Der Aufprall auf den Boden ist hart und mein Kopf scheint einiges abbekommen zu haben, denn für einen Moment wird mir schwarz vor Augen. Als ich wieder zu mir komme, liege ich auf einem Hang, mein Schwert einige Meter von mir entfernt. Der Boden vibriert, eine Armee ist im Anmarsch! So gut es geht stehe ich auf und greife nach meiner Waffe, die ich fest in die Hand nehme. Eine riesige Anzahl Ork kommt aus dem Norden auf mich zu. Ich stehe noch etwas wacklig auf den Beinen, an wegrennen ist in meinem Zustand gar nicht zu denken. Bleibt noch kämpfen. Allein. Gegen eine ganze Armee. Um mich herum kein Verbündeter. Ich atme tief durch. „Le melin, Tauriel! (Ich liebe dich, Tauriel!)“, flüstere ich und stürze mich dann mit aller mir verbliebenen Kraft in den Kampf. Ich schlage auf die Orks ein und mein Schwert ist nach kurzer Zeit schon vollkommen blutüberströmt. Schon muss ich kurz stehen bleiben, keine gute Idee, doch mir bleibt keine andere Wahl. Die Klinge eines Orks streift meine linke Schulter und eine grün schimmernde Flüssigkeit vermischt sich mit meinem Blut. Der höllische Schmerz durchzuckt meinen ganzen Körper und ich beiße fest die Zähne zusammen um nicht zu schreien und weiche dem nächsten Schlag der Kreatur aus. Ich durchbohre sein Fleisch mit meinem Schwert und er sinkt zu Boden. Tapfer drehe ich mich um und strecke noch einige andere Orks von Gundabard nieder. Gerade erhebe ich erneut die Waffe, als ich ein unmenschliches Kreischen vernehme. Mein Blick wandert zum Himmel und ich sehe, wie die Adler von Lady Galadriel geschickt, die gesamte Armee vernichtet. Erleichtert laufe ich zurück nach Tal, wo der Rest meines Volkes sich eingefunden hat. Thranduil kommt mit leicht traurigem Gesichtsausdruck auf mich zu und sagt: „Tauriel darf wieder ins Waldreich zurückkehren, sie ist bereits auf den Weg dorthin.“ Meine Augen erhalten sofort ihren Glanz zurück und völlig ungeduldig wie ein kleines Kind will ich ebenfalls umgehend in unsere Hallen zurückkehren. Das entlockt ihm ein Lächeln und alle übrigen Krieger setzen sich auf seinen Befehl hin in Bewegung.
    Ich betrete die großen Hallen und laufe sofort zu Tauriel, die ich auf dem Weg nach Hause erkennen kann. "Tauriel!", rufe ich und umarme sie erleichtert. Sie lächelt mich an, geht dann aber mit gesenktem Kopf zu unserem Baum Haus und lässt mich stehen. Ich wundere mich zwar etwas, drehe mich aber um und beobachte die Waldelben, die aus der Schlacht zurückkehren. Als ich Legolas nicht unter ihnen entdecken kann, stürze ich auf König Thranduil zu. "Mein Herr, wo ist Legolas?", frage ich, doch er geht ohne mich eines Blickes zu würdigen an mir vorbei. "Weg!", antwortet er und meine Augen weiten sich. Das kann nicht sein! Er kann nicht gefallen sein! "Aber...", beginne ich, als der König sich endlich zu mir umdreht. "Er ist gegangen. Keine Sorge, er lebt, doch er wollte nicht in den Grün Wald zurückkehren." Eine große Erleichterung macht sich in mir breit, doch kann ich mich nicht freuen. "Ihr habt ihn gehen lassen?", Frage ich mit gedämpfter Stimme und Thranduil nickt. Ich deute eine Verbeugung an und gehe aus dem Thronsaal. "Elanime! lass deine Verletzung bitte so schnell wie möglich behandeln!", ruft er mir noch hinterher und ich nicke mit einem Blick zu meiner linken Schulter. Langsam mache ich mich auf den weg zu Tauriel, als plötzlich meine beine nachgeben und ich mit einem stöhnen zu Boden falle. Die Luft vor meinen Augen flimmert und die Decke der Hallen ist das letzte, dass ich scharf sehen kann. Vor alles andere legt sich ein Schleier, als würde ich alles nur durch ein verdrecktes Fenster sehen und durch eine Mauer hören. Ich werde in einen Raum getragen, ich erkenne nicht, wer mich auf ein Bett legt, da stürmt Tauriel herein. "Muinthel! Nein!", ruft sie aufgelöst, da verliere ich das Bewusstsein.
    Als ich wieder erwache, sitzt ein blonder Elb an meinem Bett und starrt auf den Boden. Ich gebe einen leisen Laut vor mir, um zu zeigen, dass ich wach bin und der Elb dreht sich zu mir. Ich traue meinen Augen kaum, als ich ihn erkenne. "Legolas! Ihr seid wieder hier!" Er nickt abwesend. "W...wo ist Tauriel? Was ist passiert." Mit einer Mischung aus Mitleid und Trauer sieht er mich an. "Sie hat DEN Zauber angewandt.", murmelt er und ich kreische auf. "Nein!", schreie ich und springe aus dem Bett. Ich will aus diesem Raum, zu ihr, doch ich bin zu schwach und stolpere gegen den Prinzen. Legolas legt seinen Arm in meine Kniekehlen und trägt mich wieder auf das Bett. "Es tut mir leid!", flüstert er mir zu und lässt mich dann allein. Weinend lasse ich mich in das Kopfkissen sinken und schließe die Augen. Das kann nicht wahr sein!


    Dass ich ihren Verlust bedauern würde, war keine Frage, doch dass es 60 Jahre dauert, bis ich es verarbeitet habe, hat wohl niemand gedacht. Und so kommt es, dass ich an ihrem Geburtstag, meinem Geburtstag, erneut hier knie. Auf der Lichtung in Grün Wald, auf der ich sie bestattet habe. Seit ihrem Tod habe ich auch Legolas nicht wiedergesehen, sein Vater hat mich zur neuen Anführerin der Wachen ernannt und nur gesagt, Legolas würde nach den Dunedain im Norden suchen, doch heute ist mir all das egal. Ich sitze hier auf der Wiese und Spiele auf meiner Flöte. Meine langen, rotbraunen Haaren fallen bis auf den Boden und umrahmen den Rock meines schneeweißen Kleides. Die lieblichen Töne werden vom Wind fortgetragen, als auf einmal ein Elb hinter mir auf die Lichtung tritt. "Elanime, König Thranduil möchte dich sprechen." Langsam drehe ich mich um und erhebe mich.
    Als ich vor seinen Thron trete, erwartet mich der König bereits. "Elanime, schön, dass du hier bist.", begrüßt er mich und ich deute eine Verbeugung an. Was ist denn mit Thranduil los? Er hat sich seit der Schlacht der fünf Herren zwar zum Guten gebessert und ist nicht mehr so kalt und arrogant, doch heute scheint er überaus fröhlich zu sein, so habe ich ihn ja noch nie gesehen... "Erst einmal möchte ich dir alles Gute zum Geburtstag wünschen, doch habe ich auch noch gute Nachrichten zu verkünden. Du wirst dich mit einigen anderen der Palastwache auf den Weg nach Bruchtal machen. Lord Elrond hat um deine Anwesenheit gebeten, mir allerdings verschwiegen warum. Dort findet im Moment eine Versammlung statt, der auch einige aus unserem Volk beigetreten sind und ich bitte dich, in Bruchtal das Ergebnis des Rates herauszufinden und mir dann mitzuteilen. Du selbst wirst allerdings nicht die Möglichkeit haben, der Versammlung teil zu haben, denn sie hat bereits begonnen. Ihr werdet so schnell wie möglich losreißen, mache also dich und dein Pferd bereit. Die anderen Ausgewählten wissen bereit von eurer Reise." Ich nicke etwas aufgeregt. Das wird sicher ein Spaß! Ich war noch nicht oft in Bruchtal, einmal um genau zu sein, doch kann ich mich genau an die wunderschöne Natur dort erinnern. "Ach und Elanime, richte meinem Sohn bitte schöne Grüße aus. Er selbst vertritt unser Volk bei der Versammlung." Meine Augen weiten sich und ich frage: "Legolas?" "Ganz richtig! Nun mach dich auf den Weg!" "Natürlich, mein König!" Erneut verbeuge ich mich und gehe dann mit einem breiten Lächeln nach draußen.
    In den Ställen streiche ich über das schneeweiße Fell meiner Stute. "Northanc na Imladris, Elen.(Wir reiten nach Bruchtal, Elen (Stern).)", flüstere ich ihr ins Ohr und sie wiehrt abenteuerlustig. Ich muss lächeln, dann lege ich ihr eine Decke über und befestige mit einem Gurt Proviant und meinen Bogen daran. Dann schwinge ich mich auf Elens Rücken und reite aus dem Stall. Draußen warten meine Begleiter schon und gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Meine Reiseklamotten bestehen aus einem taubenblauen Kleid, dessen Stoff vorne aufgeschnitten ist und mir damit das Reiten erlaubt und außerdem auch im Kampf nicht behindernd ist. Es ist hinten länger als vorne und ist relativ figurbetont. Darunter trage ich eine weiße Hose und schwarze Stiefel. Meinen grau-blauen Mantel habe ich an dem Gurt festgemacht, denn noch fröstelt es mich nicht. Wir reiten quer durch den Grünwald und das auch nicht allzu langsam, weg vom Einsamen Berg und Esgaroth in Richtung Carrock. Als es zum Abend dämmert, legen wir eine Rast ein um den Pferden eine Pause zu gönnen. Ich verspüre keine Müdigkeit, deshalb biete ich an, die erste Wache zu übernehmen, während die anderen sich ausruhen. Deshalb sitze ich nun hier, hoch oben auf einem Baum und blicke auf unser kleines Lager. Die Sterne sind hell heut Nacht und um mir die Langeweile zu vertreiben, versuche ich Bilder daraus zu erkennen. Ich werde endlich, nach all diesen Jahren Legolas wieder treffen. Was er wohl alles so getrieben hat, draußen in der weiten Welt? Auch bin ich gespannt Arwen wiederzusehen. Es ist zwar eine Weile her, dass ich sie das letzte Mal gesehen habe, doch damals verband uns eine starke Freundschaft. Ob sie sich noch daran erinnert? Ein paar Stunden später, es ist noch immer dunkel, machen wir uns wieder auf. Die Pferde sind wieder einigermaßen ausgeruht und für uns Elben ist es auch kein Problem jetzt weiterzureiten. Nach zwei weiteren Tagen und Nächten, erreichen wir das Ende des Grünwaldes und kommen auch bald an den Anduin. Hier lassen wir die Pferde laufen, sie werden wieder ins Wald Reich finden, das ist sicher. Wir können sie schließlich nicht in die Booten mitnehmen, mit denen wir jetzt den reißenden Fluss überqueren. Es dauert einen weiteren Tag, den wir damit verbringen, die Alte Wald Straße entlang auf das Nebelgebirge zuzulaufen. Und noch eine Ewigkeit, in der wir es überqueren, doch dann sind wir endlich in dem wunderschönen Bruchtal angekommen. Es ist mitten in der Nacht und die Sterne leuchten wie tausend Lichter am Himmel, als wir staunend durch das große Tor gehen. Sofort kommt uns ein vornehm aussehender Elb entgegen und nimmt uns in Empfang. "My Lady, Lord Elrond erwartet Euch bereits." Ich mache einen kurzen Knicks und lasse mich dann von dem Elb zu Lord Elrond führen. Auf einer großen Terrasse treffe ich ihn dann schließlich und verbeuge mich tief vor ihm. "Elanime, Es freut mich, Euch erneut in Bruchtal willkommen zu heißen. Ich schlage vor, Ihr begebt euch erstmal auf Euer Zimmer, die Reise muss Euch erschöpft haben. Fühlt Euch wie zuhause!" "Ich danke Euch, Herr." Er winkt einen anderen Elben zu uns und er geleitet mich auf mein Zimmer. Es ist geräumig, mit großen Fenstern und ich lege mein Gepäck auf dem Bett in der Mitte des Raums ab. In einem edel aussehenden Schrank hängen wunderschöne Kleider und an der Wand ist ein stark verzierter Spiegel angebracht, indem ich mich einen Moment betrachte. Dann sehe ich eine Weile aus dem Fenster, als ich eine Gestalt entdecke, die dort draußen herumschleicht. Von der Neugierde gepackt lege ich sicherheitshalber meinen Gürtel an dem meine Schwert hängt, an und gehe dann vor die Tür. Ich folge dem Elb auf eine Klippe, von der ein Wasserfall in die Tiefe rauscht. Er bleibt stehen und blickt in die Ferne und sein Haar weht im Wind. Ein paar Meter hinter ihm stoppe ich und flüstere: "Gwenwin in Enninath!(Es ist Jahre her!)" Sofort dreht der Elb sich um und endlich kann ich wieder in Legolas' tiefblaue Augen sehen. "Elanime!", haucht er ungläubig und ich lächle sanft. "Was tust Du hier?" Ich trete neben ihn. "Euer Vater schickte mich. Ich soll ihm das Ergebnis der Versammlung beibringen. Außerdem erwünscht Lord Elrond meine Anwesenheit, also folgte ich seiner Bitte." "Ich habe bereits einen Boten ausgesandt. Er wird meinem Vater über die Versammlung berichten." "Oh... nun das ist gut. Nur frage ich mich, worum es bei dem Rat überhaupt ging." Eine Weile schweigt Legolas, doch dann erzählt er: "Der EINE Ring ist gefunden worden. Du weißt, was das bedeutet." "Sauron..." "Ist wieder auf dem Weg zur Macht, ja. Und er will den Ring. Ein Halbling aus dem Auenland hat sich zu der Aufgabe bereit erklärt, den Ring in den Flammen des Schicksalsberges zu zerstören! Drei seiner Hobbit-Freunde, Boromir, Sohn des Denethor von Gondor, Gimli, Sohn von Gloin, Aragorn, Sohn von Arathorn, Gandalf der Graue und ich werden ihn Begleiten und unterstützen." "Aragorn? Er ist einer der Dunedain, richtig? Der Erbe des Throns von Gondor!" "Richtig. Nach ihm habe ich all die Jahre gesucht." Ich nicke langsam.
    "Dann lasst mich Euch ebenfalls begleiten!" Sofort wieder spricht er: "Nein! Du wirst nicht mitkommen!" "Aber warum nicht?" "We... weil das gefährlich ist! Der Ring ist gefährlich, Sauron ist gefährlich, die Orks, die uns jagen werden sind gefährlich! Und dann sind da noch die nazgul, die er auf uns hetzen wird." "Du weißt, ich habe keine Angst vor alle dem!", setze ich stur entgegen, doch Legolas hebt die Hand um mich zum Schweigen zu bringen. "Elanime, ich bewundere deinen Mut, aber du musst mir versprechen hier zu bleiben. In Sicherheit. Es wird noch eine Zeit kommen, in der Du dich in Gefahr bringen kannst, doch sie ist noch nicht jetzt." Ich lasse die Schultern fallen und Legolas lässt mich alleine stehen. Ich seufze. Nach ein paar Minuten in denen ich in den Sternenhimmel gestarrt habe, gehe ich dann auch wieder zu meinem Zimmer und lege mich ins Bett. Es wird schon bald wieder dämmern und ich nutze die Zeit um mich ein wenig zu entspannen und meine Sinne auszuruhen.
    Als dann tatsächlich die Sonne aufgeht, stehe ich auf und ziehe mir eins der mir zur Verfügung gestellten Kleider an. Meine Haare lasse ich halb offen, nur zwei Strähnen flechte ich zu meinem Hinterkopf. Dann gehe ich nach draußen in die warme Sonne. Das zarte hellgrün meines Kleides strahlt und ich gehe zu Lord Elrond. "Guten Morgen, mein Herr!", begrüße ich ihn und auch er wünscht mir einen guten Tag. "Die Gefährten sind gerade in Bezug aufzubrechen.", teilt er mir mit und meine Augenbrauen schnellen nach oben. "Entschuldigt Ihr mich, sodass ich mich verabschieden kann?" Er nickt, ich verbeuge mich kurz und steige dann schnell die Treppen hinunter und laufe schnell zum Tor. Keine Sekunde zu früh. Die Gruppe aus vier Hobbits, zwei Menschen, Gandalf, einem Zwerg und Legolas wendet sich gerade mit einem einzigen Pony zum Gehen. Schnell greife ich nach Legolas' Arm. "Mein Herr, ich muss mich entschuldigen! Ich hätte nicht wieder sprechen sollen, ich bitte um Verzeihung!" Seine Mundwinkel zucken und er blickt mir tief in die Augen. "Ich hätte dich nicht so anfahren sollen. Es gibt nichts zu verzeihen, Elanime. Pass auf dich auf!" Ich nicke und lasse ihn los. "Galu vaer, Legolas! (Viel Glück, Legolas!)" Jetzt dreht er sich um und die Gefährten machen sich auf den Weg. Ich bleibe noch einen Moment am Tor stehen, dann seufze ich und gehe zurück zu Lord Elrond. "Ihr kennt Legolas, Thranduils Sohn wohl näher.", sagt er, als ich wieder zu ihm getreten bin. Offenbar hat er die ganze Szene beobachtet. "Wir kommen aus demselben Königreich und er war der Oberbefehlshaber der Palastwache, ähnlich wie ich, nichts weiter." "Nun, Ihr habt euch sicher gefragt, warum ich um Eure Anwesenheit gebeten habe." "Das ist richtig, mein Herr." "Es geht mir um etwas persönliches. Das letzte Mal, als Ihr in Bruchtal ward, habt Ihr euch gut mit meiner Tochter Arwen verstanden. Deshalb habe ich Euch her gebeten. Es ist eine schwierige Zeit für Arwen. Ihr Verlobter, Aragorn, hat sich auf den Weg in den Krieg gemacht und wird für sie nicht zurückkehren können. Ihr wisst, dass er der Erbe des Throns von Gondor ist." "Ich verstehe die Situation, Herr, doch sagt mir, was habe ich damit zu tun?" "Ihr sollt mit Arwen reden. Sie wieder glücklich machen." Ich überlege einen Moment. Ich wurde also her gebeten um etwas mit meiner Freundin zu machen? Na, da habe ich natürlich nichts dagegen. "Es wird mir eine Freude sein, wieder Zeit mit Eurer Tochter zu verbringen, Herr." Er nickt dankbar und ich gehe mit einer Verbeugung. Gerade will ich zu ihrem Zimmer gehen, da sehe ich Arwen an einem der Wasserfälle. Sehnsüchtig starrt sie an der Horizont und langsam trete ich neben sie. Als sie mich bemerkt, senkt sie den Kopf und will gerade gehen, da erkennt sie mich wieder. "Ist nicht wahr! Elanime! Du bist hier!", ruft sie fröhlich und umarmt mich. Ich muss lächeln und drücke sie kurz an mich. "Ich bin hier. Es ist schön dich zu sehen." Auf ihrem wunderschönen, glatten Gesicht zeichnet sich ein Lächeln und sie nimmt meine Hand. "Es ist viel zu lange her... Ach, ich habe etwas für dich.", flüstert sie und neugierig folge ich ihr in eines der Häuser. Geheimnisvoll öffnet sie eine schmale Schatulle und zieht einen länglichen Gegenstand heraus. "Hier!" Sie reicht ihn mir und ehrfürchtig betrachte ich ihn. Es ist eine Flöte. Sie scheint sehr alt zu sein und doch ist sie noch sehr schön. Vorsichtig setze ich sie an und spiele eine kurze Tonfolge. "Sie ist unglaublich! Ich danke dir!", sage ich und umarme Arwen erneut. Dann gibt sie mir ein Stück Pergament, auf dem die Noten zu einem Lied stehen. "Möchtest Du es für mich spielen?", fragt sie und ich nicke. Ich sehe mir die Noten noch einmal an und beginne dann mit dem Lied. Es dauert nicht lange, bis Arwen zu singen anfängt.
    Wir unterhalten uns noch bis zum Abend, sie zeigt mir die riesige Bibliothek und die wunderschönen Gärten von Bruchtal.
    Nachdenklich sitze ich am Abend in meinem Zimmer. Ich kann einfach nicht hier sitzen und nichts tun! Von Arwen habe ich erfahren, dass die Gefährten am Nebelgebirge entlang reißen werden und die Tatsache, dass ich dies weiß macht es nur noch schwieriger hier zu bleiben.
    Da fasse ich einen Entschluss. Ich werde nicht hier sitzen bleiben und nichts tun! Also packe ich leise meine Sachen: Meinen Umhang, etwas zu Essen und ein paar Heilkräuer aus den Gärten in Bruchtal. Lautlos schleiche ich ausgerüstet mit Bogen, einem Köcher voll Pfeilen und Schwert am Gürtel zu den Ställen. Gerade steige ich auf eines der Pferde, da vernehme ich eine zarte Stimme vom Tor: "Gwannog? (Du gehst?)" Ich seufze. "Arwen, Im magor! Ú-pelin derin sî. (Arwen, ich bin eine Kämpferin! Ich kann nicht hierbleiben.)" Sie senkt den Kopf. "Cuio vae! (Lebe wohl!)" Ich lächle dankbar. "Cuio vae, Arwen!(Lebe wohl, Arwen!)" Und schon bin ich los galoppiert. Mit einem Pferd durch das Gebirge, nun ich weiß nicht, wie weit es mich noch tragen wird, aber ich bin so schneller als zu Fuß... Am Morgengrauen des nächsten Tages sehe ich sie dann. Zwar ein ganzes Stück weiter als ich, doch sie sind in Sichtweite, zumindest für meine Elbenaugen. Erleichtert, dass ich wirklich den richtigen Weg eingeschlagen habe, treibe ich mein Pferd weiter voran. Im sicheren Schutz der Bäume folge ich ihnen viele Tage lang, wage nicht ein Auge zuzumachen und erreiche eines Tages fast schon die Wald Grenze des Berges, als ich beobachten muss, wie die Gefährten in einem gewaltigen Schnee Sturm begraben werden. Offenbar scheint ihnen der Caradhras nun doch keine so gute Idee mehr zu sein, denn sie kehren um. Sofort folge ich ihnen, jedoch lasse ich mein Pferd laufen. Es ist einerseits zu auffällig und andererseits ist es zu gefährlich für ein Pferd auf diesem verschneiten Boden. Meinen Proviant trage ich in einem Beutel und den Umgang habe ich längst angezogen, schließlich ist es bereits Januar und wir sind hier auf einem der höchsten Berge im Nebelgebirge! Ich laufe also auf der dicken Schneeschicht immer in sicheren Abstand hinter den Gefährten her, als sie den Weg in die Minen von Moria einschlagen. Sie laufen und laufen, bis sie an dem versteckten Tor nach Moria ankommen. Ich schleiche lautlos, wie ein Schatten zu einer Felsspalte in der ich mich verstecken kann. "Annon Edhellen endro hi ammen! (Tor der Elben öffne dich für mich!)", ruft Gandalf der Graue, doch das Tor bewegt sich nicht. "Fennas Nogothrim lasto beth lammen! (Tür des Zwergenvolkes erhöre meine Zunge!)", versucht er es erneut. Ich beuge mich ein wenig aus meinem Versteck, um das Geschehen mitzuverfolgen und ich werfe einen kurzen Blick auf das Tor. "Die Türen von Dorin, des Herrn von Moria, sprich Freund und tritt ein.", steht darauf geschrieben. Freund... Schnell drücke ich mich wieder an die Felswand, als Legolas sich umdreht und in meine Richtung sieht. "Da rührt sich überhaupt nichts!", stellt einer der Hobbits fest. Jetzt reicht es Gandalf aber und er murmelt irgendetwas vor sich hin, während er versucht das Tor aufzudrücken. "Und was willst Du nun tun?", kommt es von dem vorlauten Hobbit. "Mit deinem Kopf die Tür einschlagen Peregrin Tuk. Wenn der sie nicht aufbringt und ich Ruhe vor törichten Fragen habe, dann werde ich nach dem Lösungswort suchen." Ich muss schmunzeln. Dieser Gandalf... ich habe schon viel von ihm gehört und als ich ihn damals in Thal kennen gelernt habe, war er nicht anders. Nun vielleicht ein wenig besorgter, aber sonst... Gandalf versucht es noch einige Male und die anderen Gefährten beschäftigen sich anderweitig. So lässt einer der Menschen das Pony frei, zwei der Hobbits werfen gelangweilt Steine ins Wasser, werden jetzt aber von diesem Mann aufgehalten. Der Zauberer setzt sich resigniert auf einen Stein und wirft den Zauberstab weg. "Scht!", mache ich, als Legolas mit Blick zu Boden an meiner Felsspalte vorbei läuft. Sofort liegt seine Aufmerksamkeit auf mir und er greift schon nach dem Schwert, als er auf mich zukommt. Als er dann ebenfalls in der Felsspalte steht, halte ich seine Hand zurück und flüstere: "Ich würde das lassen." Jetzt erkennt er mich endlich und zischt: "Elanime, was tust Du hier? Ich habe dir gesagt, Du sollst nicht..." Ich hebe die Hand und bedeute ihm damit zu schweigen, denn von draußen vernehme ich eine Stimme: "Es ist ein Rätsel." Es war einer der Hobbits. "Mellon.", flüstere ich. "Das Passwort lautet Mellon!", ergänze ich, auf seinen fragenden Blick hin. "Sprich Freund und tritt ein. Wie heißt das elbische Wort für Freund?", fragt der Hobbit und Gandalf antwortet: "Mellon!" Sofort tut sich etwas und das Tor öffnet sich. "Geh!", raune Ich und schiebe Legolas aus der Felsspalte. "Na los, ich versuche auch nach Lórien zu kommen. Vielleicht sehen wir uns da wieder!" Zusammen mit den restlichen Gefährten betritt Legolas nun dir Minen von Moria und ich atme erleichtert auf. Nach einer Weile ertönt ein lauter Leidensruf auf der Mine, doch ich habe keine Zeit, mich zu fragen was das war, denn ein riesiger einzelner Tentakel ist aus dem Wasser aufgetaucht und greift nach einem der Hobbits. Sofort sind seine Freunde zur Stelle und können ihn befreien, doch da taucht der überdimensionale Krake aus dem Wasser auf und hat schon wieder einen Hobbit gegriffen. Ein anderer Mensch schafft es, ihn zu befreien und Gandalf ruft: "In die Mine!" "Legolas, in die Mine!", kommt es auch von dem Menschen. Tatsächlich schaffen sie es zu flüchten, doch der Eingang stürzt ein und ich kann ihnen nicht folgen. Vergeblich versucht der Kraken zu ihnen durchzukommen und ich spanne meinen Bogen. Die Sehne saust und mein Pfeil trifft genau in das Auge des Tieres. "Hier drüben, Bestie!", rufe ich und sie wendet sich tatsächlich zu mir. Mit einem verspielten lächeln ziehe ich geräuschvoll mein Schwert aus der Scheide und trenne die ersten Tentakeln, die nach mir greifen, durch. Es ist ein verbitterter Kampf, doch ich schaffe es, mich zu dem eigentlichen Körper durchzuschlagen und rammte mein Schwert dann direkt in den Schädel des Kraken. Schnell ziehe ich es wieder heraus und das Tier verschwindet im Wasser. Etwas außer Atem puste ich mir ein paar Haarsträhnen aus dem Gesicht und stecke das Schwert weg. Was mache ich jetzt? Ich muss irgend einen anderen Weg nach Lóthlorien finden...
    Ich beschließe es durch die Pforte von Rohan zu versuchen. Dafür muss ich allerdings das gesamte Nebelgebirge umrunden un das wird eine Weile dauern.
    Viele Tage und Nächte habe ich gebraucht, bis ich endlich Rohan erreiche. Von der Pforte dauert es noch einen Tagesmarsch, bis ich die Wälder von Lórien endlich erreiche. Erleichtert ziehe ich mich an einem Ast hinauf und lehne mich an den Baumstamm. Ich habe es geschafft! Nach einigen Stunden Ruhe, die ich dringend benötige, mache ich mich dann auf nach Caras Galadhon. Das Reich von Lady Galadriel kann nicht mehr weit sein, da tauchen vor mir einige Waldelben auf. Sie sind bewaffnet, bedrohen mich aber vorerst nicht. Der Anführer der Elben tritt hervor und fragt: "Wer seid ihr und was führt euch in dieses Land?" Ich mache eine höfliche Verbeugung und antworte: "Mein Name ist Elanime, ich komme aus dem Grünwald. Ich bin gekommen, um eine Gruppe von Gefährten zu treffen, sie sind auf dem Weg nach Mordor. Wisst ihr etwas über ihren Aufenthalt hier?" Der Anführer überlegt einen Moment, erklärt sich dann aber bereit, mich in die einzige Stadt des Waldes mitzunehmen. Dort bringt er mich zu Lady Galadriel. Ich bin vollkommen beeindruckt von ihrer Schönheit und Ausstrahlung. Natürlich habe ich viel von ihr gehört, sie ist eine der ältesten Elben in Mittelerde, eine der einzigen, die tatsächlich Quenya als Muttersprache lernten. Mit ihrer unglaublich ruhigen Stimme erzählt sie: "Eine Gruppe von acht Gefährten hat vor einer Weile hier Quartier gefunden, sie sind allerdings schon weitergezogen." So ein Mist! Moment mal, nur acht? "Neun Gefährten brachen von Bruchtal auf, nur acht kamen hier an. Wisst Ihr etwas über den Verbleib des Neunten?" "Der Zauberer Gandalf der Graue viel. Er wurde gleichzeitig von Feuer und Schatten in die Tiefe gerissen." Die Neuigkeit trifft mein Herz. Was muss wohl in den Minen vorgefallen sein, dass ausgerechnet der Zauberer daran zu Grunde geht? "Was habt Ihr nun vor?", fragt mich die Elbin und ich weiche ihrem durchdringlichen Blick aus. "Ich weiß es nicht. Ich hatte vor, der Gemeinschaft zu folgen, doch ich bin mir nicht mehr sicher, Herrin." "Es wird wenig Sinn ergeben. Die Gemeinschaft ist Zerstört. Der Ring Träger ist auf dem Weg nach Mordor, Boromir fiel im Kampf und der Rest der Gemeinschaft sucht nach zwei der Hobbits, die von Uruk-Hai mitgenommen wurden. Ich schlage vor, Ihr bleibt für den Moment hier." Ich nicke dankend und folge einem der Elben zu einem Baumhaus. Es erinnert sehr an mein Zuhause, man hat ein Bett für mich gerichtet. Erschöpft lasse ich mich in die Kissen fallen und atme lang aus. Boromir ist gefallen? Erst Gandalf, jetzt Boromir...
    Am nächsten Morgen kommt Galadriel persönlich zu mir. "Elanime ich möchte dir etwas zeigen. Folge mir, bitte!" Neugierig stehe ich auf und lasse mich von ihr bis zu einer Wasser Quelle führen. Sie nimmt einen elegant aussehenden Kelch und füllt etwas von dem Wasser in eine Art Schüssel. "Sieh in den Spiegel!" Etwas zögerlich beuge ich mich über das Wasser und blicke hinein. Es dauert einen Moment, bis ich mich orientieren kann, doch dann erkenne ich den Grünwald. Auf einem der Elbenwege laufe zwei kleine Elbinnen. Sie sind noch sehr jung, ich würde sie auf 46 schätzen. Beide haben lange, rotbraune Haare und tragen eine grüne Bluse und eine schwarze Hose. Jetzt bleiben sie stehen und zielen mit ihren Bögen auf eine Markierung an einem Baum. Weil beide Pfeile ungefähr getroffen haben, beginnen die Elbinnen zu lachen und holen fröhlich ihre Pfeile wieder. Ein älterer Elb, er ist vielleicht 500, lehnt lässig an einem Baum und beobachtet mit einem sanften Lächeln das Treiben. Dann verschwimmt die Sicht wieder und Ich richte mich an Galadriel. "Du sahst die Vergangenheit, richtig?", fragt sie und ich nicke. "Sagt mir, ist es das, was er in mir sieht? Das kleine Mädchen, dem er einst das Bogenschießen beibrachte?" "Ich weiß es nicht. Vielleicht will der Spiegel dir auch sagen, dass Du es nicht mehr bist, dass Du dich verändert hast, dass Du... davon loslassen solltest." "Das will ich aber nicht! Ich will SIE nicht loslassen, sie vergessen." Etwas mitleidig sieht sie mich an, dann deutet sie auf das Konstrukt neben mir. "Sieh, was der Spiegel dir zeigen möchte." Ich sehe ein paarmal zwischen Lady Galadriel und dem Spiegel hin und her, dann beuge ich mich erneut darüber. Ich sehe in einen weißen Raum. Ich sehe mich selbst, ohnmächtig auf einem Bett und Tauriel ganz verzweifelt daneben. "Was ist mit ihr?", fragt sie einen der Elben, die ebenfalls an meinem Bett stehen. Er deutet auf den Schnitt an meiner Schulter. "Wir wissen es nicht, sie wurde vergiftet, aber so eine Auswirkung habe ich noch nicht gesehen, es hilft nichts dagegen... "Nein! Nein, sie wird nicht sterben!" Dann atmet sie einen Moment tief ein und aus. "Nicht wenn ich es verhindern kann." Dann presst sie ihre eine Hand auf meine verletzte Schulter, nimmt mit der anderen meine. "Mabo cuil nin, Anno han ethen! (Nimm mein Leben, gib es ihr!)", murmelt sie immer wieder vor sich hin. Die anderen Elben im Raum versuchen krampfhaft, sie aufzuhalten, doch Tauriel hört nicht auf. Erst als sie die Augen verdreht, auf die Knie sinkt und Schaum aus ihrem Mund quillt, hört sie auf zu sprechen. Schwer atmend verzieht sie das Gesicht, bevor jegliche Kraft aus ihrem Fleisch weicht.
    Entsetzt reiße ich mich von dem schrecklichen Bild los und starre in Galadriels Gesicht. "Du wirst es irgendwann akzeptieren müssen, Elanime!" Einen Moment starre ich auf den Boden, dann nicke ich.
    Etwa zwei Wochen verbleibe ich hier, in denen ich warte und warte. ich bin gerade dabei mein Bogenschießen zu trainieren, da erreicht uns eine Nachricht, dass die Grenzen Lóthloriens angegriffen werden. Sofort mache ich mich zur Verteidigung auf, doch als ich am Schlachtfeld ankomme, zieht die enorme Armee Uruk-hai und Orks schon ab. Dass sie sich so schnell zurücktreiben ließen…
    Als ich in die Wald Stadt zurückkehre werde ich von Haldir beiseite genommen. "Die Armee der Uruk-hai reißt von Dol Goldur weiter nach Helms Klamm. Die Rohirrim werden dem nicht standhalten können, Galadriel wird einen Truppen von Elben zur Hilfe schicken." Ich lächle. "Das ist gut! Wir müssen Rohan unterstützen!" "Also bist Du dabei?" Nach einem kurzen Moment nicke ich. Ich habe die Armee gesehen. Es sind bestimmt 10 000, doch es kümmert mich nicht. Ich habe nicht mehr zu verlieren. "Ich bin dabei!" "Sehr gut!"
    Ich trage einen schneeweißen, extrem dünnen, aber stabilen Unterrock, über dem ich gerade eine elbengearbeitete Brustplatte ziehe. Dann schlüpfe ich in eine braune Hose aus festem Leder und ziehe mir ein Kleid über. Es ist dunkelgrün und hat wie immer Einschnitte am Rock für optimale Bewegungsfreiheit. Meine langen Haare habe ich in einen großen Knoten auf meinem Kopf zusammengefasst, damit sie mich in der Schlacht nicht stören. Zu guter Letzt lege ich lederne Armschützer an und greife nach meinem Gürtel. An ihm habe ich mein Schwert, sowie auch neue Zwillingsdolche, die ich von Galadriel bekommen habe und klemme noch zwei Messer an meinen Rücken. Dann lege ich den Köcher mit bestimmt 30 Pfeilen an und befestige auch meinen Bogen an meinem Rücken. Ich trete aus meinen Baum Haus und steige auf den Waldboden hinunter. Hier haben sich auch schon an die tausend andere Elben zusammengefunden und ich bekomme ebenfalls einen dunklen Umhang, in den ich mich vollständige einhülle, bevor wir nach Rohan marschieren.
    Es ist mitten in der Nacht, als wir die großen, uneinnehmbare Festung erreichen. Mit lautem Horn kommen wir an und werden sofort freudig begrüßt. Wir Bogenschützen postieren uns an der äußersten Mauer und bekommen sowohl von Haldir, als auch von einem Menschen, Aragorn, die Befehle erteilt. Die enorme Armee der Uruk-hai lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Mit lautem Kampfgebrüll kommen sie an und Stellen sich in ihrer vollen Größe vor der Festung auf, als es anfängt zu Regnen. Ich verdrehe die Augen. Das musste ja sein... Jetzt verstummen all die Orks und mit zusammengekniffenen Augen warte ich ab. Da beginnen die Uruks auf einmal mit einem riesigen Lärm. Sie brüllen und stampfen mit den Füßen auf. Der Mensch zieht sein Schwert. Die Bogenschützen der Rohirrim spannen ihre Bögen und ein einzelner Pfeil saust los. "Dartho! (Wartet!)", schreit der Mann sofort. Ein Ork wurde tatsächlich getroffen und fällt zu Boden, was der Rest der Armee wohl als Start-Signal gesehen haben, denn deren Oberbefehlshaber lässt angreifen. Sofort stürmen die Kreaturen auf die Mauern zu. "Tangado a chaded!(Bereit machen zum Feuern!)", kommt es von irgendwo und synchron mit den anderen Elben ziehe ich einen Pfeil aus dem Köcher und lege ihn an. "Hado i philinn!(Pfeile los!)" Sofort beginnt der erste Pfeilhagel auf die Orks und ich schieße und schieße. 2...3...4... immer mehr Orks fallen unter meinem Beschuss. Auch die Rohirrim geben Befehl und von ihrer Seite kommen die Pfeile auf die Armee. Die Orks haben allerdings einige armbrustschützen und ein Elb direkt neben mir wird getroffen. Ich zucke zusammen und starre kurz die Mauer hinunter, doch dann fasse ich mich wieder und hole weitere Pfeile. 7...8...9... "Leitern!", schreit der Mensch, da sehe ich es auch. Die Orks haben Leitern, die sich direkt an unsere Mauern hängen. "Schwerter!" Wie auch alle anderen Elben ziehe ich mein Schwert und strecke die ersten Viecher nieder, die die Mauer erklimmen. In fließenden Bewegung schwinge ich meine Waffe und Wirbel sie herum, doch es scheinen einfach immer mehr zu kommen. Als ich endlich alle in meiner Nähe außer Gefecht gesetzt habe, greife ich erneut zu meinem Bogen und versuche weiter entfernte Teile der Mauer zu säubern. Erneut nehme ich einen Pfeil, als eine Gruppe Orks sich auf den Weg zum Tor machen. Der Befehlshaber hat es auch bemerkt und ordnet sofort an, sie aufzuhalten. Ich schieße einen Pfeil nach dem anderen und immer mehr fallen, doch es sind zu viele, die weiterkommen. Erneut spanne ich den Bogen, als es eine riesige Explosion gibt und ein Teil der Mauer Links von mir in die Luft geht. Verdammt! Wie haben sie das hinbekommen? Eine Horde Uruks stürmt durch das gesprengte Loch und sofort richte ich meinen Bogen auf sie, da sehe ich einen Elb auf einem Schild die Treppe auf der anderen Seite hinunterrutschen. Er hat den Bogen fest in der Hand und erschießt auf dem Weg nach unten bestimmt fünf Orks auf einmal. Ich schüttle nur den Kopf, das ist Wahnsinn. Dann greife ich allerdings ebenfalls nach meinen Dolchen und springe von der Mauer. Mit einer Mischung aus Konzentration und Erleichterung töte ich immer mehr und mehr. Mit den Dolchen im Invertgriff ersteche oder enthaupte ich Ork um Ork und drehe mich dabei im Kreis und tänzle von hier nach da. Es kümmert mich nicht mehr. Nichts kümmert mich mehr. Und 26...27...28... "Nan bared! (Rückzug!)", schreit Aragorn. Ich drehe mich zu ihm. Ernsthaft? Ich werde doch Grad erst warm... Dann rammte ich meine Dolche dem nächsten in das Fleisch, steige jedoch dann wieder die Treppe zur Mauer hinauf. Mir reicht es! Der erste, der mir in den Weg kommt, kriegt meinen Dolch in der Brust zu spüren, dem zweiten hacke ich den Kopf ab. Noch zwei weitere kommen auf mich zu und nach einer schnellen Bewegung liegen sie am Boden. Auf der anderen Seite des Loches erkenne ich wie jemand sich auf einer der Leitern schwingt und sich damit in die Menge der Uruks stürzt. Wow, er hat Mut! Die Orks haben das Tor aufgebrochen und sofort gelten meine Pfeile ihnen dort drüben. Ich habe allerdings nicht viel Zeit, mich um das Tor zu kümmern, denn ich bin so ziemlich die einzige hier oben und habe alle Hände voll zu tun, die Angreifer von mir fern zu halten. Ich seufze, als ich einsehe, dass ich auch in die Burg sollte, denn hier wird man einfach überrannt. Schnell mache ich mich auf und suche nach einem Platz weit vorne, um weiter meine Aufgabe als Bogenschützin zu erfüllen. Schwere Leitern voller Orks werden gerade an der Mauer hochgezogen. Sie sind mit festen Harken an dem Gestein befestigt und ich suche hektisch nach einem Weg, sie wieder abzustoßen, da sehe ich einen Elben, der auf das Seil zielt, mit dem die Leitern an dem Harken befestigt sind. Sein Pfeil schießt los und die Leiter stürzt zurück in die Tiefe. Gute Idee! Sofort tue ich es ihm gleich und die nächste Leiter fällt. Meine Inspiration wirft ein Seil nach unten und scheint jemanden hochzuziehen, als einige Orks von seiner linken kommen und sofort ziele ich auf sie. Dann hänge ich mir den Bogen an den Rücken und ziehe meine Dolche erneut. Blitzschnell bin ich direkt neben dem Elb und verteidige ihn so gut ich kann. Endlich hat er es geschafft, den Menschen und einen Zwerg? hochzuziehen, da erkenne ich sein Gesicht. Legolas! "Vielleicht solltet Ihr erst versuchen selbst zu überleben, bevor ihr andere rettet!", rufe ich ihm zu und ersteche den letzten Ork, der es geschafft hat ganz hier hoch zu kommen. "Rückzug!", schreit jemand und gemeinsam mit Legolas renne ich hinein. Wir verbarrikadieren die Eingänge mit allem was wir haben, doch es scheint nicht zu reichen. So wenig überlebende... sie passen alle in diesen Raum. Legolas läuft mit weiteren Holzstücken an mir vorbei. "Kannst du mir vielleicht erklären..." Er rennt zu einem der Tore und baut das Holz dort an. "...was Du hier zu suchen hast?", beendet er seine Frage und ich schiebe ihm eine Bank zu. "Naja... ich bin nach Lóthlorien gegangen. Ich musste allerdings einen ziemlichen Umweg gehen..." Dann greife ich nach einem weiteren Holzbalken und gebe ihn an einen Menschen, der in sofort an eine Tür baut. "Ich wollte so weit wie möglich von Isengard entfernt bleiben, deshalb kam Ich zu spät. Ihr ward schon weg und..." Legolas dreht sich von mir weg und drückt noch mehr Gegenstände gegen eines der Tore. "Dann schickte Galadriel mich mit ihren Elbenkriegern mit hierher um Rohan zu unterstützen.", vollende ich meine Erzählung, als ein lautes Rumsen ertönt uns eines der Tore durchbricht. Ein Mann mit dunklen Locken und blauen Augen kommt zu Legolas und sagt: "Der König und ich reiten raus, bist Du dabei." Ich erkenne, wie sich ein leicht verspieltes Lächeln auf den Lippen des Prinzen zeichnet und er stimmt zu. "Ihr wollt da raus? Jetzt? Das ist Wahnsinn!", rufe ich und Legolas steigt grinsend auf sein Pferd. "Ich weiß!", meint er noch, dann stürmt er mit dem Mann von vorhin, dem König und ein paar der letzten nach draußen in den Sonnenaufgang.
    Ich schüttle den Kopf... Demonstrativ ziehe ich dann aber ebenfalls mein Schwert und renne hinterher. Egal, was er tut, sieht so aus, als müsse ich ihm folgen... Ich wirble mein Schwert herum und beginne einen tödlichen Tanz, indem ich Uruks wie Kegel umstoße. Wenn ich mich nicht verzählt habe, bin ich bereits bei 44, als ich am Tor ankomme. Einen Moment habe ich Pause und sehe zu Legolas, der immer noch hoch zu Ross unzählige Viecher niedergestreckt und ich muss lächeln. Dann richte ich meinen Blick zu einem Hügel, den... Reiter von Rohan hinunterreiten, angeführt von einem weißen Zauberer. Bei etwas genauerem Hinsehen, erkenne ich ihn dann: Gandalf! Dann hebe ich das Schwert erneut und renne in die Masse von Orks. Es dauert nicht lange, da haben wir die Schlacht tatsächlich gewonnen und ich stehen auf dem riesigen Feld voller Leichen. Die Überlebenden Uruk-Hai sind alle geflohen und erleichtert gehe ich zurück in die Festung. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis auch Legolas, Aragorn, der König und die restlichen Reiter von Rohan zurückkehren, doch ich treffe sie an der vordersten Mauer wieder. Legolas scheint sich gerade mit dem Zwerg zu streiten, als ich zu den beiden trete. "Oh Elanime, gut, dass Du da bist, sag, wie viele hast du?", fragt Legolas und ich ziehe eine Augenbraue hoch. "Wie viele Orks?" "Oh, ich hab am Anfang nicht alle mitgezählt, aber sonst komme ich auf 53." "Was?", grummelt der Zwerg und ruft: "Du lügst!" Blitzschnell greife ich meinen Bogen und einen Pfeil und halte ihn gespannt auf den Zwerg. "Wie kannst du es wagen, Zwerg!", zische ich, doch Legolas stellt sich vor den Vorlauten und senkt meinen Bogen. Ich seufze und hänge ihn an meinen Rücken, als plötzlich in einem Schwall, die ganze Wiedersehensfreude über mich kommt. Ohne jegliche Kontrolle umarme ich Legolas, trete aber sofort wieder einen Schritt zurück, als ich merke, was ich überhaupt tue. "Hast mir ja gar nicht erzählt, dass du eine Freundin hast.", meint der Zwerg amüsiert. Sofort dreht Legolas sich zu ihm und beginnt auf ihn einzureden, was für ein Quatsch das doch ist. Ist wahrscheinlich auch gut so, denn so sieht niemand, dass ich leicht errötet bin. Ich gehe einfach Ziellos ein wenig weiter über die Bruchstücke der Mauer, als ein Mensch mich anspricht: "Dagrog mae!( Du kämpfst gut!)" "Hannon le! Im Elanime! (Danke! Ich bin Elanime!)" "Im Aragorn.(Ich bin Aragorn.)" Er reicht mir die Hand, doch ich nehme sie nicht. Aragorn... doch nicht etwa... Sofort senke ich den Kopf. "Mein König!" Er hebt mein Kinn mit seinem Zeigefinger und sieht mich fragend an. "Warum König?" "Ihr seid es, Isildurs Erbe, nicht?" Er starrt einen Moment auf den Boden, nickt dann aber nachdenklich. Seine Hand verweilt immer noch an meinem Kinn und er zieht sie erst weg, als jemand zu uns kommt. Misstrauisch sieht Legolas zwischen Aragorn und mir hin und her, sagt dann aber: "Elanime, kann ich kurz mit dir sprechen?" "Natürlich!“ Aragorns Mundwinkel zucken und er lässt und allein. "Was gibt es?", frage ich und Legolas geht ein paar Schritte. Schnell folge ich ihm die Treppe an der Mauer hoch. "Ich würde gern wissen, warum du hier bist." Ich beiße mir auf die Lippen. Ihm gefällt es bestimmt gar nicht, dass ich seine Befehle missachtet habe... "Ich... Es tut mir leid, ich habe nicht auf Euch gehört..." Legolas unterbricht. "Das soll doch keine Standpauke werden! Ich will nur wissen wo dein Weg dich lang geführt hat." "Nun, ich sagte, ich würde versuchen Euch in Lórien wiederzusehen, allerdings müsste ich weite Umwege gehen, um nicht zu nah an Isengard heranzukommen. Den Isen zu überqueren war ebenso nicht ganz einfach. Nun, dann ging ich durch Rohan in die Wälder, wo ich von den Elben Galadriels Volkes aufgenommen wurde. Ihr ward bereits aufgebrochen. Sie sagte, ich solle bei ihr bleiben, da sie etwas gesehen hat. Ihr wisst von ihrer Weisheit, also befolgte ich ihren Rat. Einige Zeit später wurde das Wald Reich von einer Armee Uruk-Hai angegriffen, jedoch konnten wir sie abwehren, sodass sie weiterzogen, allerdings direkt nach Helms Klamm. Galadriel schickte einige Elben zur Hilfe der Menschen und ich erklärte mich bereit sie zu begleiten.", erzähle ich ihm von meiner Reise. "Das war sehr mutig! Ich bin froh, dass sie Hilfe gesand hat, ohne euch hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft..." "Nun, es haben zum Glück einige gut überstanden. Ich sollte vielleicht Haldir suchen und ihm..." "Haldir ist gefallen!", klärt er mich auf und mein Mund bleibt mir offenstehen. Das kann nicht sein! Meine Augen füllen sich mit Tränen, doch ich blitzte sie weg. "So möge er in Frieden ruhen...", hauche ich bedrückt. Legolas scheint auch traurig und weiß nicht so Recht was er machen soll, bis er mir dann etwas unbeholfen die Hand auf die Schulter legt und murmelt: "Tut mir leid!" "Das muss es nicht. Ich kannte ihn ja auch nur ein wenig, doch er war ein großartiger Kämpfer." Er nickt und nach einem Schweigemoment gehen wir wieder zu den anderen Gefährten. Gandalf, der Zwerg und Aragorn stehen zusammen und unterhalten sich, als wir dazustoßen. "Das ist Elanime, sie ist eine Kriegerin aus meinem Volk und kam mit Haldir um uns zu unterstützen.", stellt Legolas mich seinen Freunden vor. Aragorn lächelt mir zu, während der Zwerg nur amüsiert zwischen Legolas und mir hin und her sieht. "Gandalf, der Weiße.", stellt sich der Zauberer vor. "Ich weiß, wer Ihr seid, Mithrandir. Bitte entschuldigt die Frage: Ich hörte von Eurem Tod, wie kommt es, dass Ihr nun erneut vor mir steht?" "Ich wurde zurückgesandt um meine Aufgabe zu erfüllen.", antwortet er mir mit rauchiger Stimme und ich beschließe nicht wegen seiner 'Aufgabe' nachzufragen. "Ihr seid aus dem Grünwald, so sagt, wie ist der Stand der Dinge?", fragt Aragorn. "Es tut mir leid, doch das kann ich Euch nicht beantworten. Ich ging noch bevor mir der Fund des EINEN Rings bekannt war. Das dürfte etwa um die Zeit kurz nach dem Ringrat gewesen sein. Doch bitte, lasst die formelle Anrede. Ich bin das aus meinem Volke nicht gewöhnt." "Wieso das, bei einer so liebreizenden Dame?" Er zieht fragend eine Augenbraue hoch und ich sehe ihn entrüstet an. "Entschuldigt, doch Arwen würde dies nicht gutheißen, wenn sie davon erführe." "Ihr kennt Arwen?" "Das tue ich, sie hat mir schon viel von Euch erzählt, doch Ich wiederhole mich, lasst bitte die höfliche Anrede!" "Nur wenn Ihr das auch tut." Ich lache kurz und nicke leicht. Dann tritt der Zwerg vor, es sieht fast so aus, als würde er mit sich Ringen, bis er dann "Ich bin Gimli, kannst, du' sagen." über die Lippen bringt. Etwas misstrauisch sehe ich ihn an, lächle dann aber und nicke ihm zu. Gimli also...
    Es dauert nicht lange und Gandalf scheucht uns zum Gehen auf. Er möchte nach Isengard. Legolas, Aragorn, Gimli, König Théoden von Rohan und ich begleiten ihn. Als wir allerdings an Sarumans Turm ankommen, erwartet und eine Überraschung. Die Baumriesen haben Isengard eingenommen und die Orks vernichtet! Saruman, einst ein großer Zauberer steht nun eingesperrt auf seinem Turm und sieht zu uns hinab. Gerade ist er dabei, nachzugeben und uns etwas über Saurons Pläne zu erzählen, als Schlangenzunge, sein Diener ihn mit einem Dolch ersticht. Sofort reagiert Legolas und erschießt den Kerl, doch Saruman hat bereits seinen letzten Herzschlag getan und fällt, wie es der Zufall will, direkt auf ein Rad, dass ihn erneut tödlich verletzt hätte, wäre er nicht bereits nur noch eine Leiche. Nach diesem eher unglücklichen Geschehnis, reiten wir zurück nach Rohan, zur Stadt ..., in der Théoden sein Heim hat. An dem Abend, an dem wir ankommen, findet eine große Fete statt, um den Sieg um die Schlacht von Helms Klamm zu Feiern. Halb erfreut, halb besorgt laufe ich durch die Halle und sehe mir die anderen Leute an. Da haben wir Éowyn, die Ärmste hat sich ziemlich in Aragorn verliebt, obwohl er bereits verlobt ist... Sie tut mir auf jeden Fall leid, es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass dein Schwarm dir eine andere vorzieht. Außerdem die kleinen Hobbits, die wir in Isengard aufgegriffen haben, sie machen eine großartige Stimmung durch ihr Singen und Tanzen. Lächelnd gehe ich weiter und beobachte wie Legolas und Gimli bei dem Trinkspiel der Rohirrim mitmachen. Ich schüttle darauf nur den Kopf. Als ob die anderen auch nur den Hauch einer Chance haben. Auf Elben hat Alkohol, den sie nicht selbst hergestellt haben, so gut wie keinen Einfluss... Ich esse und trinke ein wenig und gehe dann nach draußen und betrachte das heutige Sternbild. Die Nacht ist unruhig. Es ist, als würde ein Sturm aufziehen, jedoch im bildlichen Sinne. Es schlafen bereits alle, als ich Schritte hinter mir vernehme. Legolas tritt zu mir und schweigt still, während wir an den Horizont blicken. "Wer hat gewonnen?", frage ich nach einiger Zeit. Er dreht sich mit unverständlichem Gesicht zu mir. "Bei dem Trinkspiel, meine ich." "Nun, Gimli liegt immer noch unter dem Tisch." Ich muss schmunzeln. "Grüße von Eurem Vater.", meine ich dann und Legolas Blick richtet sich auf mich. "Was?" "Euer Vater bat mich, Euch Grüße auszurichten, als er mich lossand. Er vermisst Euch. Sehr sogar." "Woher weißt du?" "Man merkt es, wenn man genau hinsieht. Er ist so ein starker Mann, Euer Vater." "Warum meinst du?" "Nun, Eure Mutter starb im Krieg, nicht? Thranduils Herz ist gebrochen, doch er lebt weiter. Unglaubliche Leistung für einen Elben. Nun, Ihr seid es auch." "Was?" "Stark. Nun, ist Euer Herz nicht ebenfalls? Entschuldigt, Ihr wollt sicher noch weniger über Tauriel reden als ich." "Sprich ruhig weiter, es ist in Ordnung.", meint er und klingt ehrlich. Ich runzle die Stirn, fahre dann aber fort: "Ich meinte, dass Ihr auch ein solches Leid erfahren musstet. Sie liebte diesen Zwerg, Kili. Ich glaube, er war ebenfalls einer der Gründe, weshalb sie... nun ja, sich geopfert hat. Ihr Herz war zerbrochen, nach seinem Tod. Ihre Tage waren so oder so gezählt. Eure sind es nicht, wie kommt das?" Er antwortet nicht und starrt weiter an den Horizont. Ich lasse unterdessen meinen Blick über die Stadt streifen. Alles ist so friedlich in der Nacht. Nur weiß ich, dass dies nur Schein ist. Die Dunkelheit verdeckt das Leiden, die Bosheit, den Krieg. Nachdem Legolas immer noch keine Anstalten macht, mit mir zu reden, gehe ich wortlos wieder in die Hallen und lehne mich an eine Säule, etwas entfernt von den anderen Schlafenden. Dann atme ich tief durch und versuche trotz der vielen Gedanken in meinem Kopf in Ruhe zu schlafen.
    Ich erwache durch eine schrecklich bedrohliche Anwesenheit des Bösen. Meine Sinne sind vollkommen überfordert und ich muss erst einmal blinzeln, bevor ich mich auf den Weg mache, herauszufinden woher dieses Gefühl von Bedrohung kommt. Ich sprinte durch dir Gänge, bis ich in dem Hauptsaal des Schlosses ankomme, wo sich die meisten schlafen gelegt haben, jedoch herrscht große Aufruhr. Gandalf, vollkommen gestresst, kniet vor einem schluchzenden Hobbit und ruft: "Was hast du ihm über Frodo und den Ring gesagt?" Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Dann fällt mein Blick auf Aragorn, der ebenfalls sehr mitgenommen aussieht. Er erwidert meinen Blick und nickt zu einem Stoffbündel, das auf dem Boden liegt. Fragend ziehe ich eine Augenbraue hoch und er bedeutet mir, dass es sich um den Palantir Sarumans handelt. Der Hobbit hat ihn wohl doch nicht in die Hand genommen, oder! Mit Gestik Frage ich Aragorn und er führt die Unterhaltung mit Hand Bewegungen fort. Er erklärt mir, dass der Hobbit, Pippin heißt er, das hat Gandalf gesagt, einen Baum? sah und Saurons Stimme in seinem Kopf hörte. Einen Baum? Ich bekomme gar nicht mehr mit, was der Halbling sagt, meine Gedanken kreisen um den Palantir.
    Die Sonne ist bereits aufgegangen, als Gandalf unter Anwesenheit der Hobbits, Legolas, Aragorn und mir, dem König die Situation erklärt. Der Zauberer teil uns mit dass Pippin nichts über Frodo, dem Ring Träger, gesagt hat jedoch durch Glück einen Teil Saurons Pläne erkennen konnte. Er hat vor Minas Tirith anzugreifen und deshalb schlägt Aragorn sofort vor loszureiten, um sie zu warnen. Gandalf wieder spricht allerdings. Er wird gehen und den Hobbit Pippin mitnehmen. Schmerzhaft muss ich den Abschied von Merry und Pippin miterleben, dann stürmt Gandalf auf seinem wunderschönen Pferd aus den Ställen und Merry rennt los. Er sprintet auf einen Aussichtsturm hinauf und beobachtet, wie sein Freund mit dem Zauberer davongetragen wird. "...", erzählt er Aragorn und mir, die ihm auf den Turm gefolgt sind. Ich seufze leise, er tut mir so leid, vielleicht werden die beiden sich nie wieder sehen... Merry starrt traurig zu Boden und geht wieder ins Schloss, doch ich bleibe noch hier oben stehen. Aragorn direkt neben mir, sieht ebenfalls Gandalf nach. "Glaubt Ihr... tut mir leid, du, dass Rohan Hilfe schicken wird? Der König hat ja ziemlich bissig reagiert, als Gandalf ihn darum gebeten hat.", frage ich und Aragorn wendet seinen Blick zu mir. "Ich hoffe es! König Théoden muss sich erweichen, gehören wir nicht alle zusammen?" "Ihr...Du hast recht." "Ist es so seltsam mich zu duzen?" "Ich... meine Schwester war die einzige, die ich jemals nicht mit höflicher Anrede angesprochen habe. Auch die Leute, die ich mein Leben lang kenne, wie Legolas, spreche ich so an, sie stehen eben alle gesellschaftlich über mir. Ich habe mich daran gewöhnt." "Du kennst Legolas dein Leben lang?" Ich nicke. "Er brachte mir und meiner Schwester die Kampf Kunst bei, manchmal hat er Spaß daran mich immer noch zu belehren, obwohl das 500 Jahre her ist." Aragorn schmunzelt, offenbar kann er sich das gut vorstellen. "Wo ist deine Schwester jetzt?" Das Lächeln schwindet aus meinem Gesicht. "Tauriel verweilt bereits einige Jahre nicht mehr unter uns.", erkläre ich und Aragorns Gesicht wird mitleidig. "Das tut mir leid! Wenn es hilft darüber zu sprechen..." "Ich glaube kaum.", unterbreche ich ihn und wechsle schnell das Thema. "Arwen erzählte mir, dass Du sie verlassen wolltest. Was hättest Du für einen Grund?" Er senkt den Kopf. "Ich wusste, ich würde nicht zurückkehren. Ich wollte, dass sie ein glückliches Leben hat und habe sie gebeten mit ihrem Volk nach Valinor zu segeln. Sie kann all das hier hinter sich lassen, doch sie entschied sich für mich. Es rührt mich und ich finde es unendlich stark von ihr. Ich liebe sie.", schließt er ab und ich muss sachte lächeln. Liebe... "Sie bereut ihre Entscheidung sicher nicht. Ihr werdet bestimmt glücklich werden." "Sehr optimistisch. Dazwischen steht allerdings ein Krieg." "Sehr pessimistisch. Du wirst ihn sicher überleben und dann werdet ihr als süßes Ehepaar Gondor regieren." Er lächelt. "Wenn du das sagst..." Jetzt ziehen sich meine Mundwinkel auch zu einem Grinsen. "Es wird so werden. Glaub mir!" Lachend gehen wir zurück ins Schloss, aus dem Legolas uns schon entgegen kommt. "Hab mich schon gefragt wo ihr bleibt.", begrüßt er uns. "Was habt ihr denn noch gemacht?" "Nichts.", antworte ich wahrheitsgemäß. Er zieht darauf nur eine Augenbraue hoch, geht aber dann mit uns hinein.
    Hier warten wir dann. Und warten und warten... Ein paar Tage verstreichen, Aragorn und ich verstehen inzwischen uns ziemlich gut und auch mit Éowyn habe ich flüchtig Bekanntschaft gemacht, da rennt unser liebster Thronfolger völlig überstürzt in den Thronsaal und ruft: "Die Leuchtfeuer von Minas Tirith, die Leuchtfeuer brennen! Gondor ruft um Hilfe!" Erwartungsvoll blicke ich zu Rohans König, bis er endlich: "Und Rohan wird antworten! Die Heerschau soll beginnen!", befiehlt. Strahlend und gleichzeitig besorgt, gehe ich zu Legolas. "Mein Herr, erlaubt mir mit Euch zu gehen! Ich bitte Euch! Tauriel habt Ihr es nie verboten." Er schaut ernst, doch dann zeichnet sich ein Lächeln auf seinem Gesicht. "Dann machen wir uns für einen Kampf bereit, nicht?" Ich nicke und lächle ebenfalls. Ich habe immer noch einige der Waffen, die ich von Galadriel bekommen habe, darunter die Dolche und Messer. Meinen Bogen und mein Schwert nehme ich natürlich ebenfalls mit, ich verzichte nie auf meine Schusswaffe. Ich mag es, verschiedene Kampftechniken zu haben und universell einsetzbar zu sein. Wie auch schon bei der letzten Schlacht, trage ich eine Brustplatte unter meinem Kleid, allerdings neben den Lederarmschützern keine weitere Rüstung. Als Waldelbin brauche ich Bewegungsfreiheit. Meine Haare binde ich wieder zu einem Knoten zusammen, damit sie mir nicht stören und schwer bewaffnet mache ich mich an Legolas' Seite auf den Weg. Wir reiten und reiten immer weiter in Richtung Minas Tirith, der weißen Stadt in Gondor.
    In der Nach vor der Schlacht von Gondor halte ich mich an einem der Lagerfeuer auf, als Legolas aus einem der Zelte kommt. Ich begebe mich also zu den Pferden und sattle seines. Dann kommt auch er. "Was tust du?" "Ich denke Ihr wollt gehen, dann wünsche ich Euch viel Glück!" Er lächelt. "Woher wusstest Du..." "Sagen wir, ich hatte da so eine Ahnung..." Ich reiche ihm die Zügel seines Pferdes und er macht eine ausladende Geste mit der Hand. Auch ich verabschiede mich auf elbische Art und er geht zu Aragorn. Ich seufze. Schon wieder diese Unwissenheit über alles was geschehen wird. Ich beschließe, mich an Éomer zu halten, er scheint Ahnung vom Krieg zu haben und hat so wie so den Oberbefehl. Nachdenklich setze ich mich zu ihm ans Lagerfeuer. Er mustert mich erst einmal, dann bemerkt er meine spitzen Ohren. "Ihr seid eine Elbin!", stellt er fest und ich nicke. "Ich komme aus dem Grünwald, bereit, mein Leben in der Schlacht für Euer Volk zu geben.", meine ich, nur um schnell klar zu stellen, dass ich auf jeden Fall kämpfen werde. "Wie kommt Ihr dazu?", fragt er nun. "Ich war schon immer eine Kämpfernatur. Ihr müsstet mich bei der Schlacht von Helms Klamm gesehen haben. Ich war..." "Die einzige, die bei unserem Eintreffen nicht hoch zu Ross war und trotzdem unendlich viele Uruks abgeschlachtet hat? Unmöglich!", unterbricht er mich. Letzteres war allerdings nicht ernst gemeint, sondern eher zu sich selbst gerichtet, soweit ich das beurteilen kann. "Richtig, das war ich." Anerkennend nickt er mir zu. Da merken einige andere Ritter Rohans, dass Aragorn sich mit Legolas und Gimli auf den Weg macht und können es gar nicht glauben. "Heerführer Aragorn, warum geht Ihr am Vorabend der Schlacht?", rufen sie ihm nach, doch er zeigt keine Reaktion. "Er geht, weil es keine Hoffnung mehr gibt.", meint ein weiterer. Sofort will ich wieder sprechen, da kommt Théoden. "Er geht, weil er gehen muss.", stellt er fest. "Zu wenige sind gekommen, wir können die Streitkräfte Mordors nicht besiegen." Deprimiert senken einige den Kopf und ich spüre, wie jegliche Hoffnung und alles Selbstbewusstsein aus ihnen schwindet. "Nein, das können wir nicht. Doch nichts desto trotz werden wir ihnen in der Schlacht entgegentreten.", spornt der König seine Männer an und ich lächle. Das werden wir!
    Mit wenig Last reiten wir dann als die Sonne wieder am Himmel steht, in Richtung Minas Tirith. Es wird etwa drei Tage dauern, ein langer Ritt, doch ich habe nichts dagegen. Wir haben keine Zeit um zu rasten! Wenn wir Saurons Streitmächte aufhalten wollen, dürfen wir nicht zu spät kommen! Ich hoffe nur, dass dann auch Legolas, Aragorn und ... na gut, auf den Zwerg kann ich verzichten, aber die anderen müssen dringend mit reichlich Unterstützung auch kommen! Mit nur 5.998 Mann und zwei Frauen (Ja Eówyn, ich weiß, dass Ihr hinter mir reitet) können wir nicht gerade viel gegen ganz Mordor ausrichten...
    Als wir an der Stadt ankommen, ist die Schlacht schon in vollem Gange. Schön aufgereiht stehen wir auf dem Hügel und Théoden hält eine reißende Motivationsrede. Mit lautem Horngebläse reiten wir in den Kampf und der erste Pfeilhagel der Orks kommt. Einige Pferde und Reiter fallen, doch ich weiche geschickt aus. Weitere Pfeile kommen, doch dann haben wir die Armee erreicht und das Gemetzel beginnt. Ich ziehe meine beiden Dolche und kann somit mit beiden Händen kämpfen. Mein Pferd hört perfekt auf meine Befehle, die ich ihm mit den Waden geben, also sollte das reiten kein Problem werden. Die ersten Orks fallen durch meine Hand und ich reite einfach durch all die Mengen hindurch. Die ersten Reihen, die nur aus einfachen Viechern bestanden, sind bald besiegt, doch die Haradrim rücken mit ihren Truppen an. Sofort bauen wir eine Art Mauer aus Pferd und Reiter auf, um die Stadt zu beschützen. Dann kommt der Befehl und wir stürmen auf sie zu. Ich wechsle schnell zu meinem Bogen und ziele auf die Bogenschützen auf den Olifanten. Die riesigen Tiere zerstören so viele unserer Reihen und ich muss mein Pferd akkurat umlenken, um nicht direkt gegen so eines zu reiten. Ich ziele weiter und weiter, jetzt auch auf das Auge des Geschöpfs. Nach ein paar Pfeilen direkt in ihr Gesicht fällt es dann endlich. Ich greife nach weiteren Pfeilen und schieße sie auf den nächsten Olifant. Dann schnappe ich mir meine beiden Messer und werfe sie in die Waden eines anderen. Beide fallen zu meiner Genugtuung und ich nehme wieder den Bogen in die Hand. Die Sehne wird ganz schön beansprucht heute, denn sie schnellt und schnellt immer wieder und wieder. Wir sind bereits deutlich in Unterzahl, als einer der Nazgúl auch noch über unseren Köpfen auftaucht. Ich halte den Atem an, als der Schrei seines Reittiers ertönt und springe von meinem Pferd, das mit dem Schwanz des Drachen weggeschlagen wird. Reglos bleibt es am Boden liegen und ich rapple mich auf. Beinahe werde ich vollkommen überrannt von der Armee, die sich nun daranmacht, die Stadt einzunehmen. Ich gebe mir jegliche Mühe und meine Dolche durchschneiden das Fleisch wie Butter, doch es will einfach nicht genug sein. Da taucht auf einmal eine Gestalt vor mir auf. Es ist Arwen, sie spricht mit schwachen und zerbrechlicher Stimme zu mir: „Wirst du ihn beschützen? Aragorn? Wenn ich weg bin?“ Ich reiße die Augen auf, da verblasst sie wieder und verschwindet. Arwen liegt im Sterben! Regungslos stehe ich da und starre auf den Punkt, an dem sie aufgetaucht ist, da bemerke ich, wie Aragorn, Gimli und Legolas ankommen. Und sie sind nicht allein! Sie haben eine ganze Geisterarmee im Schlepptau, die schnell durch die Mauern der Stadt dringt und die dort anwesenden Truppen auslöscht. Jetzt kommt wieder Leben in mich, von Rachsucht getrieben, strecke ich Ork um Ork nieder und springe von hier nach da. Ich drehe mich im Kreis und ramme meine Dolche hier hinein und schneide dem den Kopf ab. Ein Olifant kommt auf mich zu und mit zusammengezogenen Brauen strecke ich die Dolche weg. Dann springe ich und klettere an ihm hoch. Ich sehe, wie Legolas anscheinend den selben Gedanken hatte, nur mit dem Unterschied, dass er bereits wieder den Rüssel des Tieres hinunterrutscht. „Das zählt trotzdem nur als einer!“, ruft der Zwerg und fährt mit dem Abschlachten fort. Ich springe von dem Olifant hinunter und rolle mich auf dem Boden ab. „Ich finde, es zählt mindestens 10!“, meine ich lächelnd zu Legolas und der Zwerg grummelt nur. Legolas hingegen schaut immer wieder zwischen dem soeben gefallenen Olifant und mir hin und her und zischt dann: „Nachmacher!“ „Schlechter Verlierer!“, gebe ich sofort zurück und er schüttelt grinsend den Kopf. Dann ziehen wie synchron einen Pfeil aus dem Köcher und zielen auf den nächsten dieser enormen Tiere. Die Sehnen schnellen gleichzeitig los und es fällt. Der Kampf dauert nicht mehr lange, dann sind die Mächte Saurons zurückgetrieben. Wir haben es tatsächlich geschafft! Mit einem gemischten Gefühl aus Erleichterung und Trauer steige ich über die vielen Leichen auf dem Schlachtfeld. So unendlich viele Tote. Ein lauter Leidensschrei ertönt und sofort wendet sich meine Aufmerksamkeit dort hin. Es ist Eómer, der um den Verlust seiner Schwester weint. Eówyn? Ich laufe zu ihr und sehe ihren blassen Körper vor mir. Eómer sieht mich an, sein Gesicht tränenüberströmt und ich strecke die Hände aus. Also lässt er seine geliebte Schwester los und ich sehe mir ihre Verletzungen an. „Es… sie ist am Leben! Wir können sie noch retten!“, verspreche ich Eómer und sie wird in die Stadt getragen. Théoden allerdings ist von uns gegangen, ein schlimmer Verlust, doch ich kann mir vorstellen, dass Eómer ebenfalls ein guter König ist.
    Nachdem Éowyn fürs Erste behandelt wurde, werde ich von Gandalf zu Faramir gebeten. Er wurde schwer verletzt, bei dem Versuch, die Stadt Osgiliath zurückzuerobern. Außerdem erlitt er Branntschäden, als sein Vater ihn verbrennen wollte, woran dieser jämmerlich zu Grunde ging. Es dauert nicht lange, und ich habe auch ihn in einen vorerst sicheren Zustand gebracht.
    Als ich ihn nach ein paar Tagen wieder besuche, wacht er tatsächlich bei der Wechslung der Verbände auf und blinzelt mich ungläubig an. „Wer seid Ihr?“, röchelt er. „Oh, Ihr seid aufgewacht, das ist sehr gut! Entschuldigt, mein Name ist Elanime, ich bin eine Elbin aus dem Grünwald.“ Damit binde ich ihm seinen Verband wieder fest und er setzt sich langsam auf. „Ich würde empfehlen, Ihr ruht euch noch eine Weile aus, dann aber liegt es an Euch, ob Ihr aufstehen wollt, oder nicht. Allein Euer Wille und Eure Einschätzung zu den Schmerzen zählt. „Vielen Dank!“ Er hält sich den Kopf und fährt sich dann durch die rot-blonden Haare. „Soll ich jemand bestimmten Informieren, dass ich aufgewacht seid?“ Er schüttelt den Kopf. „Nein, danke!“ Ich verbeuge mich und gehe dann zur Tür. „Wenn Ihr mich dann entschuldigt…“ Er nickt und ich verlasse sein Zimmer.
    Ich betrete den Thronsaal, wo Aragorn, Eómer, Legolas, Gimli und Gandalf anscheinend wieder in einer Strategiesitzung sind. „Wir müssen Saurons Streitmacht herausfordern, damit er seine Kraft entblößt. Wir bringen unsere ganze Kraft auf und marschieren zum schwarzen Tor.“, schlägt Aragorn überzeugt vor, doch Eómer ist da nicht ganz so optimistisch. „Wir können keinen Sieg erringen, durch Waffenstärke!“ „Nicht für uns, aber so lenken wir die Aufmerksamkeit von Frodo ab, wenn sich Saurons tödlicher Blick nur auf uns richtet, wenn er blind bleibt, für alles, was sich sonst bewegt.“ Richtig, der Ringträger ist anscheinend in Mordor angekommen, jetzt muss er nur noch bis zum Schicksalsberg kommen und der Ring zerstören! „Eine Ablenkung!“, bringt es Legolas auf den Punkt. „Der Tod als Gewissheit, geringe Aussicht auf Erfolg… Worauf warten wir noch?“, ruft der Zwerg rauchend. Ich muss schmunzeln. Also ich bin auf jeden Fall dabei! Wenn wir Frodo damit helfen können, dann lohnt es sich dafür zu sterben. Ich gehe zu Legolas, während Gandalf Aragorn etwas ins Ohr flüstert. „Seid Ihr an Aragorns Seite?“, frage ich und er zieht die Mundwinkel zu einem Lächeln. „Bis zum bitteren Ende!“ Ich erwidere sein Lächeln und nicke. „Ich ebenfalls.“ Da er es wahrscheinlich aufgegeben hat mir zu wiedersprechen, seufzt er nur und sagt nichts dazu. „Ich bin froh, dass wir uns wiedersehen!“, gebe ich zu, als Legolas und ich ein wenig auf der Ebene draußen vor dem Thronsaal spazieren. „Ich auch…“, meint er und wir blicken zu den Grenzen nach Mordor. „Sicher, dass du mitmöchtest? Du weißt, es ist eine Selbstmordmission.“ Ich verdrehe die Augen. „Nun, ich werde stolz sein, an Eurer Seite Selbstmord für Mittelerde begangen zu haben.“ Er scheint etwas verdutzt über meine Direktheit, lächelt dann aber. „Nun, dann schauen wir mal, dass wir immerhin ein paar dutzend Orks fertig machen können dabei.“ Ich grinse. So mag ich das doch. Ich habe schon oft mein Leben riskiert, dann kann ich es noch einmal mehr machen. Ich meine, bei der Schlacht um Helms Klamm habe ich auch geglaubt, dass wir alle sterben werden, ebenso wie bei der Schlacht um Minas Tirith, wenige Tage zuvor, doch ich habe überlebt.
    Spät in der Nacht merke ich, dass jemand im Thronsaal ist. Von der Neugierde gepackt, schleiche ich mich lautlos hinein und sehe, wie Aragorn den Palantir Sarumans fallen lässt. Ich erschrecke und Aragorns Anhänger, der Abendstern, Arwen, fällt zu Boden. Ich kann es nicht glauben! Das kann nicht wahr sein! Arwens Geschenk ist auf dem Boden in tausend kleine Stücke zersprungen! Ich höre auf zu atmen, ringe nach Luft, doch obwohl mir der Mund offensteht, bekomme ich keinen Sauerstoff. Jetzt bemerkt Aragorn, dass ich hinter ihm stehe, sieht mich besorgt an und meine Augen starren ihn mit Tränen gefüllt an. Endlich mache ich einen Atemzug und sinke dann auf die Knie. „Arwen…“, ist das einzige, dass mir über die Lippen kommt und Aragorn nimmt mich in den Arm.
    Für den Kampf gerüstet, reiten wir am nächsten Tag zum schwarzen Tor und starren unmotiviert vor uns hin. Als wir dann tatsächlich dort ankommen, reitet Aragorn mit Gimli, Legolas und Gandalf ganz nach vorne an das Tor. „Lasst den Herren des schwarzen Landes herauskommen, er soll seine Gerechte Strafe erhalten!“ Ein Sprecher Saurons reitet auf einem schwarzen Pferd hinaus und versucht uns klar zu machen, dass Frodo tot sei, doch ich kann es nicht glauben! All das hier für nichts? Und was tun wir jetzt! Die Entscheidung nimmt mir Aragorn gekonnt ab und köpft den Vortreter. „Ich glaube es nicht! Ich will es nicht glauben!“, ruft er und das Tor öffnet sich weiter. Eine riesige Armee von Orks tritt in Vorschein und wir schließen die Reihen. So beginnt es also… Nach einer mitreißenden Rede von Aragorn, steigen wir von den Pferden ab und warten auf eine Art Startsignal. Das sollen wir auch bekommen! „Für Frodo!“, flüstert Aragorn und stürmt dann auf Saurons Armee zu. Sofort folgen ihm die zwei Hobbits Merry und Pippin mit lautem Geschrei und ich greife nach meinem Schwert. Dann stürme ich in das Getümmel und beginne den Orks die hässlichen Köpfe abzuschlagen. Ich konzentriere mich nur noch auf das Draufhauen, jegliche Technik ist längst vergessen. Mit verbissenen Blick schlage ich einfach drauf zu und das für Tauriel, und das für Arwen und das für Frodo und das für Théoden! Das kommen der Nazgúl kommentiere ich ebenfalls zur mit einem Stöhnen und strecke dann weitere der Viecher nieder. Als dann aber die Adler kommen und die Drachen erledigen, zeichnet sich kurz ein Lächeln auf mein Gesicht, bevor ich dem nächsten Ork mein Schwert in die Brust ramme. Ein rießiger Troll stapft auf mich zu und ich hebe das Schwert. Mit einem Kampfschrei ramme ich es ihm ins Bein, doch es scheint ihm nichts auszumachen. Er schwingt seine Keule und ich mache einen verzweifelten Satz zur Seite, um mich dem Schlag zu entziehen. Mein Schwert steckt immer noch in dem Bein dieser Bestie, deshalb greife ich nach meinem Bogen. Während ich immer mehr Pfeile auf ihn schieße und er doch nicht fallen will, stolpere ich immer weiter rückwärts. Ich muss Waffe wechseln und ziele mit beiden Dolchen auf den Troll. Allerdings scheinen sich aber mit verrinnender Zeit auch immer mehr Orks um mich kümmern zu wollen und ich habe genug mit ihnen zu tun, sodass den Troll mich völlig unerwartet greift und in die Luft hebt. Sein Griff drückt mir die Lunge zu und ich bekomme keine Luft mehr, als er mich auf einmal loslässt und ich zum Boden falle. Der Schlag auf den Kopf lässt mich einen Moment taumeln, als ich versuche aufzustehen, doch ich schaffe es, mich zu koordinieren. Ich ziehe mein Schwert aus dem Bein des Trolls und schlage damit einigen Orks um mich herum die Köpfe ab. Als ich mich wieder dem überdimensional großem Tier zuwenden will, merke ich, dass er Aragorn angreift. Dieser hat sichtlich Probleme, allerdings gibt es keine Chance für mich, zu ihm durchzukommen, deshalb muss ich hilflos zusehen, wie der Troll ihn zu Boden tritt und gerade zum Schlag ausholt, als der schwarze Turm beginnt in dich zusammenzufallen. Ungläubig beobachte ich das Spektakel. Die Orks stürmen in großen Mengen davon, oder werden von der Erde verschluckt und die Siegesrufe um mich herum beginnen. Da allerdings stürzt auch der Schicksalsberg ein, indem sich Frodo und Sam noch befinden und die Hoffnung um die beiden scheint verloren. Gandalf fliegt auf einem der Adler nach Mordor, um nach den beiden zu sehen. Sogar Legolas kann man die Trauer richtig ansehen und er starrt unbeholfen auf den Berg, aus dem die Lava läuft. „Es tut mir so unendlich leid, mein Herr!“, sage ich, als ich neben ihn getreten bin. Er antwortet nichts und ich beschließe ihn allein zu lassen. Aragorn hat sich fluchend auf den Boden fallenlassen und kratzt Dreck auf, nur um es dann wegzuwerfen. Ich fühle mich ziemlich hilflos, zwischen all den trauernden Menschen und beschließe zu Aragorn zu gehen. Ich brauche ihm nichts zu sagen, ich setze mich einfach neben ihn und lege ihm meine Hand auf die Schulter. Er sieht mich an, ich erwidere seinen Blick. Dann lehnt er sich zu mir und ich nehme ihn in den Arm. Er legt seinen Kopf vollkommen kraftlos auf meiner Schulter ab und ich streichle seinen Rücken. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber ich empfinde etwas für ihn. Es ist, als wäre ein Teil meiner Wunde im Herz geheilt, als hätte ich jetzt einen Bruder.
    Es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis Gandalf und der Schrei der Adler Aragorn wieder aufmerksam machen und er steht auf. Alles, was an Trauer da war, als der Berg einstürzte, erscheint nun als Freude wieder, als wir sehen, dass Frodo und Sam leben! Auch die Wiedervereinigung der Ringgemeinschaft ist unendlich glücklich und wunderschön mit anzusehen, als Frodo und Sam wieder wohlauf sind.
    „Das ist Elanime, sie hat uns im Kampf sehr unterstützt!“, stellt Aragorn mich vor, nachdem sich alle wieder eingekriegt haben. Ich deute eine Verbeugung an und Frodo nickt mir zu. „Freut mich sehr!“
    „Mich auch!“, meint der Hobbit freundlich und steht dann auf. Zusammen mit Sam, Merry, Pippin und Gandalf geht er nach draußen und sieht sich die weiße Stadt an. Ich blicke zu Aragorn und er lächelt. „Deine Heilkunst ist bewundernswert.“, lobt er und ich winke ab. „Ist doch nichts Besonderes…“ Er schmunzelt. „Ich bin mir sicher, Legolas hätte das nicht so hinbekommen!“ Dieser sieht ihn nur mit einer hochgezogenen Augenbraue an, lächelt jedoch. „Dafür ist er viel geschickter im Umgang mit dem Schwert und den Dolchen und dem Bogen!“, meine ich und Legolas sieht mich fragend an. „Ach ja?“ „Natürlich, Ihr habt mich die Kampftechnik gelehrt, wie sollte ich besser sein als Ihr?“ Aragorn legt mit einem Grinsen seine Arme um uns beide und zieht uns dann nach draußen in die Sonne, damit wir aufhören.
    („Wir haben es tatsächlich geschafft!“, meint er feierlich nach einem kurzen Schweigen und ich nicke. „Ja, es ist unglaublich!“)
    Nur ein paar Tage später, treffen die ersten Gäste für die Krönung von Aragorn, dem König von Gondor, ein. Die Vorbereitungen sind schon seit der gewonnenen Schlacht in vollem Gange und die Bauarbeiter tun, was in ihrer Kraft steht, um die Stadt wiederaufzubauen. Hier und da findet man noch Gerüste und Ruinen früherer Häuser, doch ansonsten sieht es schon fast wieder so aus, als hätte der Krieg nie stattgefunden. Ich gehe auf die große Ebene vor der weißen Zitatelle Minas Tiriths und blicke auf die großen Pelennor-Felder, über die gerade ein paar Elben auf Pferden kommen.
    Es treibt mir Tränen in die Augen, als ich sehe, wie Lord Elrond aus Bruchtal mit einigen seiner Gefolgsleute durch das Tor der Stadt reitet, um bei der Krönung König Elessars dabei zu sein. Nicht seine Anwesenheit macht mich traurig, nein, es ist, dass eine bestimmte Person nicht da ist! Ein Tropfen fällt vor mir auf das weiße Gestein und ich schniefe. Ich merke, wie jemand hinter mich tritt und behutsam und tröstend seine Arme um mich legt. Ohne aufzusehen, drehe ich mich um und weine in die Schulter des Mannes, wahrscheinlich Aragorn. Es dauert eine Weile, bis ich mich beruhigt habe, dann mache ich einen Schritt von ihm weg und wische mir über die Augen. Als ich dann aber sehe, wer wirklich vor mir steht, keuche ich: „Legolas!“ Peinlich berührt drehe ich mich um und will sofort weg von ihm, doch er hält mich am Arm fest und ich wende mich wieder zu ihm. Eine Weile starren wir uns einfach nur an, dann frage ich flüsternd: „Sie ist jetzt in Frieden, nicht?“ Er nickt und sieht lächelt mir aufmunternd zu. Gezwungen erwidere ich das Lächeln und er lässt mich los. Dann nimmt er meine linke Hand und legt etwas hinein. Noch bevor ich sehen kann, was es ist, schließt er meine Hand zu einer Faust und zieht dann seine zarten Finger weg. Mit gerunzelter Stirn blicke ich ihn fragend an, doch sein Gesicht bleibt ausdruckslos. Unsicher öffne ich meine Hand und ziehe scharf die Luft ein, als ich sehe, welchen Gegenstand ich dahalte. Es ist eine Kette mit einem silbernen Anhänger. Sie gehörte Tauriel und ihr und mein Name sind auf der Rückseite eingraviert. „Ihr habt sie die ganze Reise mit Euch getragen!“, stelle ich fest und merke, wie mein Herz schwer wird. „Aber jetzt gebe ich sie dir. Sie war für mich eine Freundin, für dich wird sie immer eine Schwester sein. Sie steht mir nicht zu.“ Ich nehme die Kette und lasse den Anhänger ein wenig baumeln. „Ich danke Euch!“ „Ich möchte, dass du sie an der Krönung trägst!“, fügt er hinzu. „Ist das eine Bitte, oder ein Befehl?“ „Nun das, Elanime, kommt ganz darauf an, was du auf eine Bitte antworten würdest. Wäre es ein ‚Nein‘ ist es ein Befehl!“ Ich lächle und lege die Kette an. Dann gehe ich allerdings endgültig hinein.
    Am Tag der Krönung herrscht allgemeine hektik. Viele Menschen schwirren in der Zitadelle herum, in dem Glauben, irgendetwas vergessen zu haben, oder noch dringen etwas erledigen zu müssen. Ich suche unterdessen nach Aragorn, schließlich ist es sein großer Tag. Ich finde ihn schließlich in einem Ankleidezimmer, vollkommen unschlüssig, was er tragen soll. Lächelnd trete ich hinter ihn und er schreckt hoch, als ich ihm von hinten die Augen zuhalte. „Elanime?“, rät er richtig und ich ziehe meine Hände wieder weg. „Gut, dass du kommst. Vielleicht kannst du mir helfen.“ Ich schmunzle und sehe mir die Unordnung in dem Raum an. Überall verteil liegen Umhänge, Mäntel, Hosen und so weiter.
    Es dauert eine Weile, dann aber haben wir etwas Passendes gefunden. Nachdem er auch seine Rüstung angezogen hat, kämme ich hm erneut das Haar, bis es glänzt. Es ist nur noch eine Stunde, bis die Krönung stattfinden soll und schnell verabschiede ich mich, um mich selbst fertig zu machen. Ich entscheide mich für ein dunkelblaues, enganliegendes Kleid, das einen bodenlangen Rock und ein silbernes Muster auf der Taille hat. Meine Haare stecke ich halb hoch und lege dann Tauriels Kette an. Kurz betrachte ich mich noch im Spiegel, dann gehe ich mit einem Lächeln auf dem Gesicht zur Zeremonie.
    Ehrfürchtig beobachte ich, wie Gandalf die strahlende Krone auf das gekämmte Haupt des neuen Königs setzt und feierlich „Nun kommen die Tage des Königs!“ sagt. Als Aragorn dann endlich aufsteht und sich umdreht, scheint eine große Last von ihm gefallen zu sein und die Menschen beginnen zu jubeln. Auch ich klatsche freudig, bis Aragorn das Wort erhebt: „Dieser Tag gehört nicht einem einzigen Mann, sondern uns allen. Lass uns zusammen diese Welt wiederaufbauen, damit wir sie uns teilen können in Zeiten des Friedens.“ Wieder bricht Begeisterung aus und alle klatschen. Es beginnt, Blütenblätter zu regnen und mein Freund singt: Et Eärello Endorenna utùlien. Sirtome maruvan air Hiinyar tenn‘ Ambar metta!“, es ist das Lied der Geschichte von Beeren und Lúinthel, während er langsam durch die Reihen schreitet. Bei so viel königlichem Anmut, kann ich nicht anders und verbeuge mich tief von dem König Ellesar. Legolas tritt hervor und sie legen sich gegenseitig die hand auf die Schulter. „Hannon le! (Vielen Dank!)“, meint Aragorn, doch Legolas sieht nur wissend lächelnd zu Lord Elrond. Er blickt ebenfalls dort hin und ich traue meinen Augen kaum, als ich erkenne, welche Person die große Fahne mit dem weißen Baum von Gondor trägt. Es ist Arwen Undomiel! Aber wie kann das sein, ich denke ihr Stern ist verblasst! Langsam schreitet sie auf Aragorn zu und Legolas geht sofort zur Seite, als sie sich gegenüberstehen. Meine Freundin neigt den Kopf, doch Aragorn hebt ihr Kinn wieder. Einen Moment sehen sie sich tief in die Augen, dann lehnt er sich vor und küsst sie. Die Menschen und Elben um sie herum applaudieren und eine Freudenträne läuft meine Wange hinab. Ein zarter Finger fängt sie auf und Legolas flüstert: „Sollte dies nicht ein glücklicher Moment sein?“ Ich lächle und antworte: „Das ist es!“ Das jüngst vereinte Königspaar tritt vor die vier Hobbits, die die lange Reise mitgestaltet haben. Als sie sich aber verbeugen wollen, winkt Aragorn ab. „Meine Freunde, ihr verneigt euch vor niemanden!“ Damit geht er auf die Knie und alle umstehenden tun es ihm gleich. Ich ziehe Legolas kurzerhand einfach auf den Boden, nachdem er einen Moment zögert und er sieht mich kopfschüttelnd an. So knien wir vor den mutigsten und stärksten Hobbits Mittelerdes!
    Nach den vielen Glückwünschen an Aragorn, beginnt eine große Feier mit viel Musik und Speisen. Sofort laufe ich zu Arwen und falle ihr um den Hals. „Wie kannst du mir nur so einen Schrecken einjagen? Ich freue mich so sehr dich lebend zu sehen, glaub mir, dein Tod war ein Grund zu weinen.“ Sie drückt mich fest an sich und lächelt mich dann an. „Ich kann mir deine Augen nicht traurig vorstellen, Elanime und ich glaube, ich will es auch nicht. Der Ring wurde zerstört, meine Kraft zurückgeholt, ich verdanke es dir und der Ringgemeinschaft, dass ich am Leben bin.“ „Nicht mir, Frodo und Sam, Aragorn und Legolas, meinetwegen auch Gimli, dem Zwerg, aber nicht mir!“ Sie sieht mich tadelnd an und ich ziehe die Mundwinkel hoch. Dann kommt Aragorn zu uns und umarmt mich. „Na, mein König? Wie fühlt man sich?“ Er lacht kurz und zuckt dann mit den Schultern. „Du bist ein guter König, glaub mir!“, ermutige ich ihn und ein neues Lied wird angespielt. Ich bemerke seinen sehsüchtigen Blick und meine nur: „So geht doch tanzen, ich komme klar!“ Arwen nickt mir dankbar zu und Aragorn hält ihr die Hand hin. „Erlaubt Ihr mir diesen Tanz?“ Sie nimmt sie lachend und die beiden beginnen zu tanzen. Eine Weile sehe ich ihnen dabei zu, dann laufe ich ein wenig durch die Zitadelle. Überall Menschen, doch ein Paar fällt mir sofort ins Auge. Éowyn und Faramir stehen in einer der Ecken und küssen sich gerade, als ich an ihnen vorbeigehe. Sofort zeichnet sich ein Lächeln auf meine Lippen und ich schlendere weiter. Schön, dass sie sich gefunden haben. Nach den Erzählungen ist Faramir ein guter Mann und Éowyn eine gute Frau, perfekt!
    „Garich thír bain! (Du siehst schön aus!)“, ertönt eine Stimme hinter mir und ich erröte leicht. „Hannon le! (Danke schön!)“, antworte ich ohne mich umzudrehen. „Warum bist du nicht auf dem Fest?“, fragt Legolas und langsam drehe ich mich um. „Aragorn und Arwen sind beschäftigt…“ Er lächelt. „Und sonst kennst du niemanden?“ Ich verdrehe die Augen. „Doch schon, ich wollte nur ein wenig herumgehen…“
    Wir begeben uns zurück auf das Fest und ich koste von dem enormen Festmahl. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie Gimli mit einem Grinsen im Gesicht Legolas einen Stoß in meine Richtung gibt und ich ziehe die Brauen zusammen. Was soll das denn jetzt? Tatsächlich kommt Legolas auf mich zu. Eine Weile steht er einfach nur hinter mir, ohne etwas zu tun, dann tippt er mir auf die Schulter. „Ich wusste auch so, dass Ihr hinter mir steht.“, sage ich nur dazu und er räuspert sich. „Willst du tanzen?“, fragt er dann und ich verschlucke mich fast. Ich muss husten und sanft klopft Legolas mir auf die Schulter. „So abwägig?“, fragt er dann mit einem leichten Anflug eines Lächelns im Gesicht. Ich schüttle den Kopf und antworte: „Nein... ja… ich meine, gerne tanze ich…“ Jetzt hält er mir lächelt die Hand hin und ich greife vorsichtig nach ihr. Er legt seine andere Hand auf meine Taille und langsam bewegen wir uns im Takt der Musik. Gimli grinst ununterbrochen, während er uns zusieht, doch meine Konzentration liegt darauf, nicht über mein Kleid zu stolpern. „Du tanzt gut!“, meint Legolas mit einem Anflug aus Überraschung. „Was habt Ihr denn erwartet?“ „Naja, dass ich dir Nachhilfe geben muss, wie auch in der Schwertkampftechnik. Du bist unpräziser geworden…“ Ich sehe ihn nur tadelnd an und er verstummt. Nach ein paar Tänzen flüchte ich ohne ein Wort nach draußen und erhole mich im Licht der Sterne. Ich bleibe allerdings nur einen Moment alleine. Aragorn tritt neben mich und legt seine Hand auf meine Schulter. „Ich bekam heute Morgen eine Nachricht von deinem König.“ Mein Mund öffnet sich und ich verfluche mich innerlich. Wie konnte ich das nur vergessen. „Wie lautete die Nachricht?“, frage ich und Aragorn zieht eine Pergamentrolle aus dem Nichts hervor. Er räuspert sich und liest dann vor:
    Meine Glückwünsche an den neuen König der Menschen, Isildurs Erbe, möge Euer Regiment friedvoll sein und lange andauern! Ich hörte auch davon, dass meine teuerste Kriegerin unter Euch in der weißen Stadt weilt, so gebt ihr bitte den beiliegenden Brief! Unter Absprache mit Herrin Galadriel, der Herrin des Lichts und der Herrscherin von Lórien, und Lord Elrond von Bruchtal, habe ich mich entschlossen, dem Ursprung meines Volkes zu folgen und mit meinen Leuten nach Valinor, zu den unsterblichen Landen, zu segeln. Das Zeitalter der Menschen hat begonnen, die Elben zieht es auf das Meer. Ich wünsche Euch alles Gute, das diese Welt zu bergen hat und verabschiede mich in ewiger Freundschaft,
    Thranduil, König des Grünwaldes.
    Gebannt lausche ich den Worten meines Gebieters und nehme dann den Brief, den Aragorn mir entgegenstreckt.
    Elanime, ich muss dir hoffentlich nicht sagen, dass deine Tat vollkommen unverantwortlich war! Du kannst nicht ohne Erlaubnis und jegliche Vorbereitung in den Krieg ziehen, ohne mich zu informieren! Nun, dennoch muss ich zugeben, dass ich ein wenig stolz bin, eine Elbin wie dich entbehrt zu haben, um sich gegen Mordor zu wehren, auch wenn du das hier genauso gut hättest tun können. Glaub mir, es ist nicht einfach, den gesamten Norden Mittelerdes gegen eine solche Schlagkraft zu verteidigen, erst recht, wenn meine zwei besten Krieger nicht anwesend sind. Nun kommen wir aber zurück in die Gegenwart. Dein Volk, mein Volk, wird nach Valinor segeln und ich wünsche, dass du mitkommst, doch gebe ich dir die Wahl. Ich erwarte dich unabhängig von deiner Entscheidung trotzdem bald wieder in deiner Heimat. Das ist ein Befehl! In der Hoffnung, dass du wohl auf bist,
    Thranduil, König des Grünwaldes.
    Moment mal, er gibt mir die Wahl? Das verstehe ich nicht! Egal, Fakt ist, dass ich bald in den Grünwald zurückkehren und eine Entscheidung treffen muss. „Danke!“, sage ich in Gedanken versunken zu Aragorn und er sieht mich ein wenig traurig an. „Wirst du ihnen nach Valinor folgen?“ Ich seufze: „Ich weiß es nicht…“ Eine Weile überlegen wir beide, dann fällt ihm etwas ein: „Was ich dich noch fragen wollte, was ist das mit Legolas und dir?“ Ich zucke zusammen und sehe ihn unwissend an. Er legt nur den Kopf schief und sagt: „Ach komm schon, ich merke doch, wie du ihn ansiehst…“ Ich schüttle energisch den Kopf und mein Haar schwingt von links nach rechts. Dann hebt Aragorn die Hände und geht wieder nach drinnen auf das Fest. Er weiß, dass ich jetzt nachdenken muss, allein.
    Ich grüble noch bis spät in der Nacht, wie es mit meinem Leben weitergeht, als eine zierliche Gestalt hinter mich tritt. Es ist Éowyn. „Ihr solltet schlafen!“, sage ich nach einem Moment. Sie schmunzelt. „Mir ist nicht danach.“ „Ich freue mich sehr für Euch!“ „Wofür?“, fragt sie. „Faramir und Ihr, Ihr seid glücklich, nicht?“ Ihre Augen bekommen einen verträumten Ausdruck. „Ja, das bin ich… Und was ist mit Euch?“ Meine Augenbrauen schnellen nach oben. „Wie bitte?“ „Nun, tut doch nicht so, wem gehört Euer Herz?“ Ich blinzle ein paar Mal und merke, wie mein Herz schneller zu schlagen beginnt. Doch es ist kein gutes Gefühl, es ist wie ein Krampf in mir. Ich fühle mich nicht frei und leicht, nein, beschränkt und bezwungen. Mein Gesichtsausdruck versteinert sich und ich antworte leise: „Es würde nie funktionieren…“ „Warum nicht?“ „Er ist adelig, ich bin es nicht.“ „Das ist nicht immer ein Problem!“, widerspricht sie, doch ich war noch nicht fertig. „Außerdem gehört sein Herz einer anderen.“ „Oh…“ Éowyn verstummt und ich fahre herum. War da nicht…? „Was ist?“ „Ich dachte nur, ich hätte jemanden gehört…“ „Hm… ich denke, ich sollte vielleicht doch schlafen gehen…“ Ich nicke ihr zu. „Gute Nacht!“ „Danke, Euch auch!“ Damit verschwindet sie in der Zitadelle und ich seufze.
    Ich schließe die Augen und lasse den Wind durch mein Haar wehen, bis ich dann schließlich auch hineingehe und ein wenig Schlaf suche.
    Am nächsten Morgen werde ich von Aragorn geweckt, der an der Tür zu meiner Stube klopft. „Elanime, willst du mit uns frühstücken?“ „Gerne!“ Etwa zehn Minuten später komme ich zu den Anderen, die bereits an einem langen Tisch platzgenommen haben. Aragorn, Arwen, Leolas, Gimli, Merry, Pippin, Sam und Frodo sind da und ich setze mich auf den letzten freien Platz. „Dann können wir ja anfangen!“, meint Merry und greift sofort zu. Ich quittiere das nur mit einem Schmunzeln und beobachte erst mal ein wenig die Runde. Nach einer Weile ergreift Gimli das Wort: „Was Habt ihr denn jetzt so vor?“ Ich senke den Blick, doch nachdem niemand anderes zu antworten beabsichtigt, sage ich leise: „Ich werde in den Grünwald zurückkehren…“ Betroffenes Schweigen. „Also gehst du mit ihnen?“, meint Aragorn niedergeschlagen. „Das weiß ich noch nicht… Ich… vermisse nur meine Heimat, die Wälder, die Wasserfälle, mein Flett…“ Legolas Augen bekommen einen verträumten Glanz und ich reiße mich zusammen. „Werdet Ihr mit mir kommen?“, frage ich und überrumpelt sieht er mich an. „Ich…“, ist alles, was er rausbringt. Gimli kann sich ein Glucksen nicht verkneifen, wofür er einen tödlichen Blick von dem Prinzen bekommt. „Also wir…“ „Wir gehen definitiv zurück ins Auenland!“, löst Pippin Merry ab.
    Ein paar Tage später mache ich mich auf den Weg. Nach einem sehr emotionalen Abschied und vielen Versprechen, Minas Tirith besuchen zu kommen, reite ich auf einem weißen Ross, das Aragorn mir geschenkt hat, über die Felder. Ich habe nicht viel bei mir, außer den Waffen, die Lady Galadriel mir zu Verfügung gestellt hat und ein wenig Wegzehrung und habe schon beinahe den Anduin erreicht, als ich einen Ruf hinter mir vernehme. Sofort drehe ich mich um und sehe Legolas hinter mir her preschen, in Begleitung eines Pferdes und Gimli. Vollkommen überrumpelt warte ich, bis die beiden mich eingeholt haben und steige ab. Der Prinz des Düsterwaldes tut es mir gleich und ich sehe ihn erwartend an. Warum ist er mir gefolgt? Was tut der Zwerg hier? Will er mit mir zurück in den Grünwald? „Ich möchte dich begleiten… Ich vermisse mein zuhause und möchte es gern noch ein letztes Mal voller Leben sehen. Bevor alle gehen…“ „Ihr werdet nicht nach Valinor segeln?“ Sofort schüttelt er den Kopf und deutet auf die weite Landschaft. „Es gibt noch so viel zu sehen in dieser Welt. Gimli will mit mir noch einige Orte besuchen.“ Nachdenklich nicke ich und deute auf eine Brücke am Horizont, über die man den Fluss überqueren kann. „Dort müssen wir lang. Kommt Ihr?“ Elegant schwinge ich mich auf den Rücken meines Pferdes und reite darauf zu. Legolas‘ Pferd läuft dich neben meinem und mein Blick haftet auf ihm, auf seinen fließenden Bewegungen, seinen glatten Haaren, seinen blauen Augen… Ich schüttle den Kopf. Sachlich bleiben! Wir kommen in den Fennfeldern an, das Sumpfgebiet ist mühsam zu überqueren, wir machen schon bald Rast, auf Grund der untergehenden Sonne. Während der Zwerg sofort einschläft, nachdem er sich ein wenig über den Ort beschwert hat, bleiben nur noch Legolas und ich. Wir sitzen am Lagerfeuer, keiner sagt ein Wort, bis ich die Stille nicht mehr aushalten kann. „Euer Vater wird sich freuen, Euch wiederzusehen…“ Legolas nickt ein wenig und dreht sich dann zu mir. „Ist es wie damals?“ „Der Wald hat seine Krankheit verloren, seit Ihr weg wart, er begann wieder zu blühen und mehr Tiere zogen wieder ein. Die Frühlingsmonate waren wunderschön, hätte ich sie nicht allein verbringen müssen.“ „Es tut mir leid!“ Ich zucke mit den Schultern. „Wir können jetzt nichts mehr ändern, nicht?“
    Viele Tage lang, überqueren wir die braunen Lande, bis wir endlich den Waldrand erreichen. Weitere Ewigkeiten, bis wir durch den Düsterwald bis zu den Hallen der Waldelben. Immer wieder meckert der Zwerg, ist aber auch sichtlich beeindruckt vom Wald. Ich sauge immer wieder die Erinnerung an all diese Orte, die wir passieren, auf. Ich kenne jeden der Wege auswendig, kenne jede Abkürzung, wir müssen allerdings auf einige verzichten, Gimli kann nun mal nicht so gut auf Bäumen herumspringen. Es scheint eine Ewigkeit zu dauern, bis wir endlich durch das Tor der Hallen schreiten. Die Wachen haben ihren Prinzen schon freudig begrüßt, da kommt Thranduil uns entgegen. Gimli steht der Mund noch immer offen, so beeindruckt ist es von den Bauten, da kann der vernichtende Blick des Elbenkönigs auch nichts mehr ändern. „Legolas, mein Sohn, es ist so schön, dich wiederzusehen!“ Und das erste Mal in meinem Leben sehe ich, wie mein König jemanden in die Arme schließt. „Ich bin auch froh, wieder hier zu sein…“, meint der Prinz aufrichtig und sein Vater richtet sich an mich. „Elanime, schön, dass auch du wieder zu uns gekommen bist.“ Ich verbeuge mich tief und Thranduil wendet sich an den Zwerg. „Und wen habt ihr da mitgebracht?“, fragt er abwertend. Legolas strafft seine Haltung. „Das ist Gimli, Sohn von Gloin, er ist ein guter Freund von mir und ich versprach ihm, eine gute Behandlung bei uns Elben.“ König Thranduils Augenbrauen sind weit nach oben gezogen, dann aber winkt er einen Elben zu uns. „Bitte, richte ein Flett für den Zwerg. Und bringt etwas Wein in den Salon.“ Mit einer Verbeugung ist er auch schon wieder verschwunden und mein König führt uns drei in den Salon. Hier setzen wir uns an einen kleinen Tisch, es kommt wohl nicht oft jemand anderes als der König her, und warten, bis der Wein serviert wurde. Es ist so wunderbar, wieder hier zu sein, in den Hallen, in denen man sich geborgen fühlt, in denen man wieder vollkommen ist. Hier gehöre ich hin, oder gehörte es jedenfalls. Wenn alles Leben von hier gegangen ist, werde ich auch nicht bleiben wollen, man spürt schon, dass alle im Bezug sind zu gehen. Spätestens in einem Jahr ist nichts von all dem Leben mehr hier. Dann wird alles leer sein, niemand mehr ein Fest auf den Balkonen feiern, niemand mehr den Wein lagern, niemand mehr die Grenzen bewachen… Ich merke, wie alle Blicke auf mir ruhen und reiße mich von meinen Gedanken los. „Entschuldigt, was habt Ihr gesagt?“, frage ich in die Runde und Legolas wiederholt seine Frage: „Wirst du nun unser Volk zu den unsterblichen Landen begleiten, oder nicht?“ „Ich…“ atme tief durch und schlucke dann. „Nein, das werde ich nicht, ich… möchte hierbleiben, zumindest im Moment. Ich habe das Gefühl, sie zu verlassen, wenn ich von dieser Welt gehe und das ist das letzte, was ich will. Ich möchte die Erinnerung an sie nicht verlieren…“ Die beiden Elben nicken Verständnisvoll, doch der Zwerg versteht kein Wort. „Von wem ist hier die Rede?“ „Ihre Schwester verstarb einige Jahre zuvor.“ „Oh… na, dass tut mir leid!“ ich erzwinge ein kurzes Lächeln, dann starre ich wieder auf die Tischplatte.
    Das Gespräch verläuft auch ohne meine Beteiligung weiter und Thranduil scheint sich sehr zu bemühen, nicht doch ein paar bissige Anmerkungen zu machen, aber generell scheint seine ganze Aufmerksamkeit auf mir zu liegen. Ich spüre förmlich seinen Blick auf mir, obwohl ich selbst nur die ganze Zeit in eine Richtung starre. Manchmal nehme ich einen Schluck Wein, doch sonst… Was ist daran nun so interessant?
    Einige Wochen verbringe ich in meiner Heimat, doch dann sind bald alle aufgebrochen. Nur einzig allein der König mit ein paar Untergebenen, Legolas, Gimli und ich sind noch in den Hallen, doch die Zeit des Abschieds ist gekommen. Nachdem Thranduil seinen Sohn umarmt hat, dreht er sich zu mir. „Elanime…“, beginnt er und greift nach meiner Hand. Mit leicht zusammengezogenen Brauen warte ich einfach ab. „Ich bin mir sicher, wir werden uns wiedersehen. Ich wünsche dir alles Gute auf der Suche nach der Erfüllung. Wie die Valar zu sagen pflegen, Namärie!“ Dann steigt er auf sein Reittier und reitet mit ein paar restlichen Elben davon. Ich stehe noch immer da, als sie schon längst außer Sichtweite sind und grüble über dem, was er gesagt hat. Die Suche nach der Erfüllung?
    Als ich am nächsten Morgen beim ersten Sonnenstrahl in meinem trauten Baumhaus aus meinem Bett steige, übermannt mich sofort die Traurigkeit. Mit schweren Lidern öffne ich meinen Kleiderschrank und ziehe das einzige weiße Kleid heraus. Schnell ziehe ich es über den Unterrock und schnüre es zu. Dann betrachte ich mein Spiegelbild für einen Moment. Es war zwar schon immer so, aber heute fallen mir wieder die Unterschiede zwischen meine Zwillingsschwester und mir auf. Meine grün-blauen Augen und meine schmale Nase. Es macht mir Angst, an meinem Gesicht erkennen zu können, wie ich mich langsam von Tauriel entferne, mich absondere. Sie loslasse, wie Lady Galadriel es gesagt hat. Mit einem Seufzer wende ich mich ab und ziehe eine hölzerne Schatulle hervor. Genau wo ich sie zurückgelassen habe! Darin bewahre ich meine Flöte aus, die ich nun zum Vorschein bringe und damit nach draußen gehe. Es dauert eine Weile, bis ich die Lichtung erreiche, auf der ich diesen Tag schon seit 61 Jahren verbringe. Unglaublich, vor einem Jahr wurde ich losgesandt, auf ein Abenteuer durch Mittelerde. Nun, zumindest östlich des Nebelgebirges und westlich Mordors. Ich knie mich in das hohe Gras und lasse meine Haare um mich herum auf den Boden fallen. Dann setze ich zum ersten Trauerlied an.
    Es ist bereits Nachmittag, als ich einen Ruf aus dem Wald vernehme. „Elanime?“ Ich rühre mich nicht von der Stelle, die Augen geschlossen spreche ich mein Gebet zu Ende und bleibe ruhig sitzen. Er wird mich schon finden. Und tatsächlich, ein paar Minuten später – ich hatte wieder das Flötespielen begonnen – und Legolas tritt hinter mir auf die Lichtung. Ich reagiere zuerst nicht, erst, als er sich beinahe lautlos umdreht um zu gehen, unterbreche ich die Musik. „Ich wollte nicht stören…“, meint er und ich lächle. „Das tut Ihr nicht.“ Er macht ein paar Schritte auf mich zu und ich stehe auf und drehe mich zu ihm auf. „Gibt es einen Grund für die traurige Melodie?“ Mein Gesichtsausdruck verhärtet sich wieder und ich nicke. „Heute ist ihr Geburtstag!“, erkläre ich traurig und er senkt den Blick. „Tut mir leid!“ Dann fällt ihm etwas ein. „Dann hast du auch…“ „Ja. Ich feiere aber nicht!“, unterbreche ich ihn und er nickt verständnisvoll. „Alles Gute…“ Ich ziehe gezwungen die Mundwinkel hoch und er schlendert weiter, nimmt auf einem großen Stein platz und fragt: „Spielst du ein wenig für mich?“ Einen kurzen Moment bin ich baff, dann hebe ich die Schultern und setze erneut an.
    „Das Lied heißt nîr siria.“, sage ich, als die Schlusstöne vom Wind davongetragen werden. Dann spiele ich weiter.
    Als dann die Sonne den Himmel wieder rot färbt, kehren wir in die großen Hallen zurück. Alles ist leer. Wie ausgestorben, bis auf eine kleinwüchsige Gestalt mit roten Haaren, die freudig auf uns zu läuft. „Da seid ihr ja, hätte mir beinahe Sorgen gemacht, wenn ich nicht mit den Vorbereitungen auf das Abendessen beschäftigt gewesen wäre.“ Er lässt etwas wie ein Glucksen hören, dann zieht er uns hinter sich her. „Kommt! Es wird köstlich, versprochen!“ Seine zwergische, aber doch zuvorkommende und irgendwie sympathische Art lässt mich lächeln. Und er behält Recht, das Mahl, welches er zubereitet hat, schmeckt unglaublich gut.
    Den Abend verbringe ich dann mit den beiden, hoch oben auf einer Terrasse und betrachte die Sterne. „Und dann sehen wir uns noch die Blauen Berge an und können bei der Gelegenheit auch noch mal das Auenland ansehen. Ich habe ja gehört, die Hobbits leben unglaublich gemütlich mit gutem Essen!“, erzählt Gimli und ich nicke alles ab. Sie wollen zusammen verreißen. Weit weg und durch ganz Mittelerde. Und sie wollen das zu zweit machen. Keine Elanime, die sie begleiten kann… Alles Gute zum Geburtstag, meine Liebe. „Und was wirst du so unternehmen?“, fragt der Zwerg nun und ich blicke auf. „Ich weiß es nicht. Ich reiße nach Minas Tirith…“ „Da waren wir doch erst vor einigen Monaten.“, meint Legolas. „Für uns mag das kaum der Rede wert sein, aber für einen Menschen ist das eine lange Zeit! Ich habe versprochen, sie zu besuchen.“ „Hm…“
    Am nächsten Morgen stehe ich schweren Herzens auf und greife mein Schwert. Es ist wunderbar ausbalanciert mit eleganten negativstellen an der Klinge und gemusterten Griff. Vor dem Spiegel bleibe ich kurz stehen. 661 Jahre bin ich schon auf dieser Welt. Kenne ihn seit meiner Geburt und jetzt lässt er mich hier allein wegen einem Zwerg! Ich meine, ich habe ja nichts gegen Gimli, es ist auch nicht seine Schuld, aber er hat ja nicht einmal gefragt, ob ich vielleicht mitkommen möchte, einfach nicht daran gedacht, dass mir womöglich etwas an seiner Gesellschaft liegt, dass ich ständig die Regeln breche und mich dem Willen meines Königs widersetze, um bei ihm zu sein.
    Ich funkle mein Spiegelbild noch einmal wütend an und rausche dann nach draußen. In einem Innenhof des Trainingsgeländes der Wache befinden sich noch einige Übungsfiguren und ich stelle einige davon auf. Achtlos beginne ich darauf zu schlagen und lasse all meine Energie aus, bis ich der Strohfigur schließlich den Kopf abschlage. „So aggressiv heute?“, vernehme ich eine belustigte Stimme und mache mir gar nicht erst die Mühe mich umzudrehen. „Nein, ich verausgabe mich nur…“, sage ich, während ich wieder in Kampfposition gehe und mein Schwert auf die zweite Strohfigur richte. Ich versuche höflich zu klingen, nicht angestrengt oder sarkastisch, wie es meine Stimmung gerne hätte. Legolas tritt näher und ich drehe den Kopf von ihm weg. Sanft korrigiert er meine Haltung und ohne einen klaren Gedanken zu fassen, schlage ich seine Hand weg. Er soll jetzt bloß nicht auf Lehrer machen, das wäre ein großer Fehler bei meiner Stimmung. Ich sehe ihn nicht an, spüre aber seinen vorwurfsvollen, aber hauptsächlich fragenden Blick. „Ich bin nicht in Stimmung mich belehren zu lassen!“, zische ich etwas unbeherrschter als ich wollte. Dann drehe ich mich schwungvoll zu ihm um, dass meine langen Haare aus meinem Gesicht fliegen. Nach einigen Sekunden, in denen keiner von uns den Mund aufgemacht hat, werfe ich ihm mein Schwert zu und ziehe mich an einem Ast hoch und springe über die Mauer in den Wald. Ich renne und bewege mich mit Leichtigkeit von Baum zu Baum, bis ich bestimmt drei Meilen gelaufen bin, halte ich inne und lasse mich in einer Astgabel nieder. Kurz schließe ich die Augen um mich zu beruhigen und als ich sie wieder öffne, merke ich erst, wo ich überhaupt bin. Ich höre das Rauschen der Wasserfälle, die Tauriel so fasziniert haben und langsam richte ich mich auf, um auf den Boden zu springen und den steinigen Hügel hinaufzusteigen. Als ich an der Kante angekommen bin, bleibe ich stehen und blicke die Klippe hinunter. Das kristallklare Wasser entspringt aus dem kalten Gestein und fällt bestimmt zehn Meter nach unten, wo sich ein See gebildet hat. Ich höre jemanden hinter mir und kurzerhand mache ich ein paar Schritte zurück, nehme Anlauf und springe. Meine Haare fliegen um mich herum wie ein Schleier und auch der Rock meines Kleides flattert umher, dann senke ich meinen Körper und steche ins Wasser. Hoffe, dass es tief genug ist und dass Legolas mir nicht hinterherspringt, dass wäre jetzt wirklich unangebracht, doch es passiert nichts. Als ich wiederauftauche und nach oben blicke, kann ich niemanden mehr an der Klippe erkennen und lächle. Auch wenn jetzt sowohl meine Kleidung, als auch meine Haare an mir kleben, hat es immerhin Spaß gemacht. Ich ziehe mich aus dem Wasser und suche mir einen Platz in der Sonne, wo ich mich einfach hinlege und warte, bis alles getrocknet ist.
    Erst abends komme ich wieder zurück in die Hallen des Waldreiches und schleiche mich unbemerkt in mein Baumhaus. Morgen werden wir aufbrechen, also sowohl Legolas und Gimli auf ihre Erkundungstour durch Mittelerde, als auch ich nach Gondor.
    Die Reise in Richtung Anduín ist sehr schweigsam, da auch der Zwerg offenbar gemerkt hat, dass etwas nicht stimmt, die Stimmung bleibt also angespannt. Gimli ist der einzige, der etwas dabei hat „Die gute Küche darf man doch nicht einfach liegen lassen“. Ich bin vollständig bewaffnet, auch wenn der Krieg vorbei ist, Orks gibt es immer noch genug und irgendwie sind sie ja ein Teil von mir, ich will sie nicht einfach liegen lassen… Unsere erste Rast findet erst statt, als es schon dunkel ist, um Gimli und den Pferden etwas Schlaf zu geben. Ich setze mich auf einen Baum und halte quasi Wache, während ich Legolas‘ ständigen Blick in meinem Rücken spüre. Als ich mich dann einmal kurz umdrehe, beschäftigt er sich auf einmal ganz konzentriert mit seinem Bogen und ich schmunzle. „Iston, tiril nin! (Ich weiß, Ihr beobachtet mich!“, flüstere ich, weiß aber, dass er es trotzdem gehört hat. Seine Sinne sind unglaublich geschärft, doch er antwortet nichts. Also zucke ich mit den Schultern und lehne meinen Kopf an den Baumstamm. Das wird eine unangenehme Zeit…
    Tage später erreichen wir dann den Fluss und steigen in ein Boot, dass dort am Ufer befestigt war. Die Pferde überlassen wir der Freiheit, sollen sie ihr Leben in der Natur leben. König Thranduil hat versprochen, eines der Boote hier zu lassen, damit wir es benutzen können, so schippern wir über den Fluss, bis es Abend wird. Wir steuern schon auf das Ufer zu, da erschüttert etwas das Boot, sodass wir herumgeschleudert werden und der Zwerg sogar über Bord fällt. Sofort ist mein Bogen gespannt und ich sehe mich um. Da erkenne ich zwei Ork-Bogenschützen und kneife meine Augen zusammen. Die Sehne saust zweimal und schon fallen die beiden um. Legolas hat währenddessen nach Gimli gerufen, doch der Kleine taucht nicht wieder auf. Sofort ist der sonst so ruhige Prinz in Aufruhr und will gerade seinen Umhang ablegen, als ich ihn festhalte. „Ich springe!“, meine ich bestimmt, doch er schüttelt den Kopf. „Er kümmert dich doch nicht einmal!“ Entrüstet starre ich ihn an. „Wie bitte? Wie könnte er mich nicht kümmern? Mir ist sein Leben doch nicht egal!“ Er hört mir gar nicht richtig zu und will gerade ins Wasser, da drücke ich ihn ins Boot und springe in den Fluss. Mit kräftigen Zügen drücke ich mich weiter in Richtung Grund, doch ich kann Gimli nicht erkennen. So gut ich kann, sehe ich mich um, doch nichts ist zu sehen. Langsam geht mir die Luft aus, also tauche ich auf und sehe entschuldigend zu dem Prinzen. Ein kurzes Kopfschütteln meinerseits und wieder tauche ich ab. Diesmal tauche ich noch tiefer, da erkenne ich etwas Rotes hinter einem Felsen und schwimme hin. Tatsächlich ist es Gimlis Haar gewesen, dass ich sehen konnte und ich versuche den Zwerg in Richtung Oberfläche zu hieven, doch ich bin durch das Luftanhalten deutlich geschwächt und schaffe es nicht. Also lasse ich ihn los und tauche auf. Atme tief ein und beeile mich wieder nach unten zu kommen, der Kleine wiegt einiges und sinkt deshalb auch ziemlich schnell. Zum Glück kann ich ihn am Arm packen und schiebe ihn vor mir her bis ans Ufer. Ich warte aus dem Wasser und ziehe Gimlis ohnmächtigen Körper ins Trockene. Sofort paddelt Legolas zu uns und springt aus dem Boot.
    Es dauert glücklicherweise nicht lang und der Zwerg wacht wieder auf. Was für eine Aufregung, wundert mich, dass Legolas nicht auch getaucht ist, hätte ich nicht erwartet, dass er auf mich hört.

    Einige Tage später trennen sich dann unsere Wege, als wir in Rohan wieder an Land gehen.
    „Tja dann…“, beginnt er. „Lebt wohl…“, schließe ich seinen Satz ab und er nickt nach einem Moment. „Leb wohl, Gimli und viel Spaß! Vielleicht kommt ihr ja auch mal nach Minas Tirith. Würde mich freuen…“ Dann drehe ich mich um, trotz Legolas‘ Ansatz etwas zu sagen und gehe schnellen Schritts in Richtung Gondor.
    Als ich dann endlich die weiße Stadt vor mir habe, sind wieder viele Tage vergangen.
    Bei dem großen Stadttor angekommen, werde ich von einer Wache aufgehalten. „Ich bin eine Freundin der Königin und des Königs.“, erkläre ich und er nickt. Nach ein paar Minuten kommt dann jemand aus der Burg, bestätigt meine Aussage und ich werde hineingelassen. Als ich dann schließlich zum weißen Baum Gondors komme, werde ich von der Stille überrascht. Ich denke, der Mann hat Arwen und Aragorn benachrichtigt… Ich sehe mich ein wenig um und umrunde die Burg, wobei mir der Garten auffällt. Ein wenig Bruchtal in Minas Tirith lässt sich darin erkennen. Nicht viel blüht, doch die Blätter der Bäume sind noch immer gefärbt, da der Herbst ziemlich warm war. Neugierig gehe ich einen gepflasterten Weg entlang und erreiche schon bald mein Ziel. Aragorn und Arwen stehen in mitten des Gartens unter einer großen Eiche und küssen sich. Sofort bin ich darauf bedacht keinen Laut zu machen um sie nicht zu stören. Als sie sich dann voneinander lösen, beginne ich leise zu applaudieren und die beiden drehen sich zu mir um. „Elanime, meine Freundin! Schön dich zu sehen!“, begrüßt mich Arwen und lächelt mich an. Aragorn grinst und drückt mich kurz, dann deutet er auf meine Waffen. „Ziehst du wieder in den Krieg?“, fragt er belustigt. Ich beginne zu lächeln. „Das sind Meisterwerke, ich lasse sie nie wieder aus den Augen!“

    Viele Jahre verweile ich in der weißen Stadt bei meinen Freunden, bin glücklich und fühle mich wohl, doch kann mir meine Sehnsucht nicht verkneifen. Sehnsucht nach Abenteuer, nach spannenden Kämpfen, langen Reisen und… einem blonden Elben... Außerdem kann ich es fast nicht ertragen zu sehen, wie Aragorn, Eowyn und Faramir immer älter werden, während man Arwen und mir kein einziges Jahr ansehen kann. Also beschließe ich wegzuziehen. Schwere Entscheidung, aber sie steht fest. Ich baue mir ein Flett westlich der Turmberge in Arthedain. Hier lebe ich mehr oder weniger allein, besuche oft die Hobbits und halbjährig auch Gondor für einige Wochen.


    Ich spiele ein wenig auf meiner Flöte, als es an meiner hölzernen Tür klopft. Schnell unterbreche ich und öffne sie. Sofort zeichnet sich Lächeln auf meine Lippen und ich gehe ein Schritt zur Seite. "Legolas! Kommt doch rein!" Er rührt sich allerdings nicht vom Fleck. Traurig starrt er auf den Boden und besorgt Frage ich: "Was ist passiert?" Er seufzt und hebt dann den Kopf. "Aragorn... ist tot." Ich reiße die Augen auf und lasse die Schultern fallen. Ein Tränenschleier bildet sich vor meinen Augen und alles verschwimmt. Die erste Träne kullert meine Wange hinunter. Es tut eben trotzdem weh, auch wenn man wusste, dass es passieren wird. Er war nun mal schon ziemlich alt. "Ich wollte dir noch etwas sagen.", meint Legolas nach einiger Zeit, in der ich nur betroffen in sein Gesicht gestarrt habe. Ich versuche die Tränen wegzublinzeln und wische mir mit dem Handrücken über die Augen. "Ja?" "Ich..." Er schein innerlich mit sich zu kämpfen, bis er "Ich reiße nach Valinor." ausspricht. Sofern das möglich ist, weiten sich meine Augen noch weiter und ich stottere: "A...aber das... könnt..." Dann schließe ich die Augen und senke den Kopf. Es steht mir nicht zu, ihn davon abhalten zu wollen. "Cuio vae! (Auf Wiedersehen!)", murmle ich und schniefe leise. Nichts passiert. Ich öffne die Augen, schließe sie aber sofort wieder, denn Legolas Atem streicht mein Gesicht, bevor er seine Lippen auf meine legt. Das völlige Chaos bricht in mir aus und ich würde Luftsprünge machen und gleichzeitig weiter heulen, während in mir ein Feuerwerk explodiert. Andererseits kann ich es immer noch nicht fassen, was Legolas gerade tut und warum ich nur da stehe ohne mich zu regen, doch ich kann mich einfach nicht bewegen. Viel zu schnell endet der Kuss, Na gut, zugegeben, ich habe jegliches Zeit Gefühl verloren und keine Ahnung, wie lange wir so dastanden, doch da haucht Legolas: "Das wollte ich dir sagen" und schlägt die Tür hinter sich zu. Er ist weg.
    Ich wache auf und schrecke aus dem Kissen. Ich... habe mit geschlossenen Augen geschlafen, das ist kein gutes Zeichen. Und außer dem hatte ich einen Traum, Elben träumen nicht! Langsam stehe ich auf und beginne in meinem Zimmer auf und ab zu gehen. Was ist da gerade passiert? Elben haben keine Träume, nur... Visionen! Und sie können Visionen erzeugen! "Nein!", fluche ich und Stürme nach draußen. Der Rock meines Laubgrünen Kleides flattert hinter mir her, ebenso wie meine Haare. Schnell steige ich auf mein Pferd und galoppierte los. "Noro lim! (Reite schnell!)", flüstere ich meinem Ross zu und lenke es zu den Grauen Anfurten. Ich reite und reite, ohne Pause, bis ich endlich beim Sonnenuntergang an einem Anleger ankomme. Ich springe von meinem Pferd und renne auf die gerade aufbrechenden zu. Es sind Legolas und Gimli. Der inzwischen sehr, sehr alte Zwerg sitzt bereits im grauen Boot und Legolas ist gerade dabei ebenfalls einzusteigen, doch ich halte ihn fest. "Ihr könnt nicht... bitte... lasst mich hier nicht allein!" Er seufzt. "Ich habe meine Entscheidung getroffen.", meint er und will sich losreißen, doch ich halte stur seinen Arm. "Dann lasst mich meine Treffen!" Einen Moment zögert er, Dann schüttelt er den Kopf. "Du hast gesagt, Du möchtest nicht, wegen Tauriel. Ich glaube dir nicht, dass Du deine Meinung geändert hast. Ich will nicht, dass Du etwas tust, was Du später bereust. Du wirst jetzt nicht alles zurücklassen!" "Es gibt hier nichts mehr, was ich zurücklassen kann. Tauriel ist fort, sie ist mir hier nicht näher als in Valinor." Dann nehme ich meinen ganzen Mut zusammen. "Ihr ward der Grund, weshalb ich nicht ging." Legolas Augen weiten sich und mit einem Glanz darin starrt er mich an. "Ich wusste es! Ich hab es immer gewusst, von dem Moment, wo ich die Kleine das erste Mal gesehen habe!", kommt es von dem Zwerg und ich spüre wie meine Wangen sich röten. Legolas beginnt leicht zu lächeln und sagt dann sanft. "Na, dann sollten wir los." Ich nicke und steige langsam in das Boot ein und die Reise beginnt. Ich sitze ganz hinten und starre auf Mittelerde, den Ort, den ich für seine Schön- und Grausamkeit nie vergessen werde, den ich so geliebt habe und jetzt für immer verlasse. Unsicher setzt Legolas sich neben mich und folgt meinem Blick. "Ich hoffe so sehr, Du bereust es nicht." Ich blicke ihm in die Augen und das reicht schon vollkommen aus. "Werde ich sicher nicht!", flüstere ich und versinke beinahe vollkommen in diesem unglaublichen Blau. Gerade so schaffe ich es mich loszureißen und schaue schüchtern auf das Wasser. Ich kann darin unser Spiegelbild betrachten und sehe, wie Legolas mich anschaut. Wieder legt sich ein rosa farbener Hauch auf meine Wangen und ich lächle zart. Dann erinnere ich mich wieder an die Vision, die ich vorhin hatte. "Aragorn...", beginne ich und Legolas beendet meinen Satz. "...ging am heutigen Tag vor uns." Wieder füllen sich meine Augen mit Tränen, doch ich halte sie zurück. Er hatte ein langes und erfülltes Leben, mehr kann man sich für einen Menschen nicht wünschen. "Es tut mir sehr leid, Elanime.", meint er mitleidig und ich sehe ihn fragend an. "Er war auch Euer bester Freund, Ihr müsst mich nicht trösten." "Aber ich dachte..." "Was?" "Nun, dass Du ... naja gefallen an ihm fandest." Ich kann nicht glauben, was ich da höre! Das kann doch nicht wahr sein! Ich meine, ja, ich möchte ihn unendlich gerne, ich würde es auch als Liebe bezeichnen, aber nicht so... "Da müsst Ihr etwas missverstanden haben! Er war ein guter Freund und ich habe ihn geliebt, aber auf freundschaftliche Art. Ich würde es mir auch Arwen gegenüber nie verzeihen solche Gefühle zu haben, Nein, wie kommt Ihr denn darauf?" "Ich habe gehört... wie du zu Eowyn sagtest, dass es jemanden gibt, doch du hättest nie eine Chance, da er adelig ist und sein Herz einer anderen gehört..." Ich ziehe die Brauen zusammen. Stimmt, das habe ich gesagt und es passt auf Aragorn, aber ihn habe ich doch nicht gemeint. "Außerdem wolltest Du unbedingt in Mittelerde bleiben, obwohl unser ganzes Volk hinfort segelte, bis zu seinem Tod." Mein Herz beginnt wieder schneller zu schlagen und ich sage: "Ich sagte bereits, Ihr ward der Grund für mein bleiben." Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch verstummt er wieder und unsere Blicke scheinen sich erneut magnetisch anzuziehen, ich kann mich einfach nicht von ihm lösen. Vollkommen wortlos sehen wir uns an und ich habe das Gefühl, dass wir einen Dialog sprechen, so offensichtlich muss es sein, was ich gerade denke. Ein lautes Schnarchen reißt uns aus unserer Zweisamkeit und wir beide sehen zu dem Urheber des Lautes. Gimli ist anscheinend eingeschlafen und lässt sich das auch anmerken. "Zwerge...", lächle ich und Legolas sieht mich warnend an. Bloß nichts falsches über seinen Freund sagen, schon klar... "Ich kann manchmal immer noch nicht glauben, dass er Euer bester Freund ist...", sage ich kopfschüttelnd. "Warum?", fragt er unschuldig und ich ziehe eine Augenbraue hoch. "Wenn ich Zitieren darf: glaubt Nicht, ich würde Euch nicht töten Zwerg, es wäre mir ein Vergnügen." Er grinst in Erinnerung an die damalige Zeit und auch ich lächle. Bald sind wir dann vom Horizont verschwunden und Mittelerde ist unerreichbar geworden. "Woher wusstest Du, dass ich gehe?", fragt Legolas wieder nachdenklich. "Ihr habt es mir gesagt... Ihr habt mir doch die Vision geschickt, nicht?" Er nickt und scheint eine Reaktion darauf zu erwarten und ich weiß auch wozu genau, doch starre ich weiter geradeaus. "Und...", fängt er an, doch kann er sich nicht dazu bringen fortzufahren. Schließlich bekomme ich es über die Lippen. "Warum habt Ihr..." "...dich geküsst? Weil... Ich bin nicht so gut mit Worten..." Ich gluckse verlegen, als er sich vorsichtig wieder zu mir beugt. Sanft nimmt er mein Gesicht in die Hand und Ich kann seinen warmer Atem spüren. "Elanime, garich veleth nín. (Elanime, Du besitzt meine Liebe.)" Ich öffne ungläubig den Mund, doch Legolas legt seine zarten Finger auf meine Lippen, damit ich nichts sage. "A hanion ae ù-mathog han... (Und ich verstehe, wenn du nicht so fühlst...)" Jetzt bin ich diejenige, die ihn zum verstummen bringt. "Ich glaube darüber musst Du dir kaum Gedanken machen." Als er das hört, beginnt er zu lächeln und vernichtet den letzten Abstand zwischen unseren Gesichtern, indem er seine Lippen auf meine legt. Wieder spüre ich die kleinen Explosionen in meinem Bauch und lächle in den Kuss hinein. Als er sich dann wieder von mir löst, lege ich meinen Kopf auf seine Schulter und blicke an den Horizont. Es dauert nicht mehr lange, dann erscheint die Silhouette einer Insel in meinem Blickfeld. Ein starker Wind kommt auf und innerhalb von Minuten sind wir nah genug, um mehr als die Umrisse zu erkennen. Blitzschnell bin ich ganz vorne am Boot und starre in die Ferne. Da erkenne ich Wasserfälle, die von kreideweißen Felsen herabschlagen, ein paar wunderschöne Häuser. Neben dem Anleger ist ein wunderschöner Strand mit feinem, weißem Sand, an den sanfte Wellen schlagen. "Es ist so schön!", flüstere ich und Legolas tritt nah hinter mich. "Nicht so schön, wie du.", raunt er mir ins Ohr und ich erröte. Dann drehe ich mich zu ihm um und versuche krampfhaft nicht in seinen Augen zu versinken. Ich spüre, wie meine Hände zittern, so nah, wie er bei mir steht. Nicht eine Handbreit passt noch zwischen uns und Legolas leht sich langsam vor. "Ey, macht das, wenn ich nicht zuschauen muss!", ruft der gerade aufgewachte Zwerg und wir stoben auseinander. Gimli beginnt zu lachen, als er unsere erschrockenen Gesichter sieht und ich falle nach einem Moment mit ein. Bald schon stößt der Bug unseres Schiffes auf Grund und Legolas springt auf den Steg und befestigt unsere Reisemöglichkeit daran. Der Zwerg steigt ebenfalls aus und läuft staunend los, doch ich zögere. Das ist der letzte Schritt in eine andere Welt. Eine Welt ohne Krieg, Krankheit und Tod. Erwartungsvoll sieht Legolas zu mir und langsam setze ich meinen linken Fuß an Land. Vorsichtig verlasse ich das Boot und Legolas umarmt mich. "Ich hab es getan!", murmle ich in sein Ohr und er quittiert das nur mit einem Lächeln. Dann gehen wir beide Hand in Hand in Richtung der Häuser. Der Kies knirscht angenehm unter unseren Füßen und mit geschlossenen Augen genieße die Harmonie hier. Ich merke gar Nicht, wie Legolas stehen bleibt, erst als er mich völlig unerwartet nach hinten zieht, reiße ich die Augen auf und finde mich in seinen Armen liegend wieder. Er beugt sich über mich und ein paar blonde Haarsträhnen fallen in mein Gesicht. Das bringt mich zum Schmunzeln und er küsst sanft meine Lippen. Sofort erwidere ich den Kuss und noch während unsere Lippen aufeinander liegen, richtet er mich langsam wieder auf. Wir kommen gar nicht mehr voneinander los, bis ich merke, wie jemand neben uns tritt. Wir lösen uns voneinander und als ich erkenne, wer bei uns steht, mache ich einen erschrockenen Satz von Legolas weg. Es ist König Thranduil und ich setze schon zu einer Erklärung an, als ich etwas in seinen Augen erkenne, dass ich zuvor noch nie bei ihm gesehen habe. Tränen. "Ist alles in Ordnung, Vater?", fragt Legolas und der König nickt. "Du erinnerst dich nicht daran, wie deine Mutter aussah, richtig?" Er schüttelt nachdenklich den Kopf und auf Thranduils Gesicht zeichnet sich ein Lächeln ab. "Rote, lange Haare, verträumte Augen." Alle Blicke richten sich auf mich und ich verstehe gar nichts mehr. "Ihr saht aus wie wir damals..."
    Meine Augen haben Legolas' fixiert und lassen sie erst los, als ich spüre, wie schlanke, zarte Finger meine Hand umschließen und leicht anheben. Auf meiner Stirn bildet sich eine leichte Falte und ich blicke in Thranduils Augen. Mit seiner anderen Hand greift er nach Legolas' und legt meine hinein. Dann lächelt er uns bei den noch einmal aufmunternd zu und tritt dann ein paar Schritte zurück. Erneut hängt meine Aufmerksamkeit an dem Prinzen und er zieht mich näher an sich ran. "Ich liebe dich!", raunt er und ich beginne zu lächeln. "Und ich liebe Euch!" Wieder versinken wir in einen langen Kuss, den sein Vater lächelst beobachtet, wenn auch aus einiger Entfernung. Als er dann wieder von mir ablässt, sieht er mich streng an. "Nenne mich nur wieder mit höflicher Anrede!" Ich grinse bloß selbstsicher. "War das eine Bitte, oder ein Befehl?" Er erwidert mein Grinsen und drückt mir einen kurzen Kuss auf den Mund. Dann fegen wir weiter Hand in Hand zu der Siedlung, auf dessen Wegen uns bereits einige Bekannte aus dem Grünwald begegnen. Außerdem kommt Gimli wieder auf uns zu. Auf seinem Gesicht ein breites Grinsen. "Na endlich, war ja nicht auszuhalten..." Fragend legt Legolas den Kopf schief und der Zwerg deutet auf unsere verschränkten Hände.

Kommentare (4)

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Alexa2187 (99613)
vor 19 Tagen
Vielen Dank, Leute, für das Feedback!
Lonukira (98615)
vor 24 Tagen
Eine wirklich schöne, berührende Geschichte. Dein Schreibstil gefällt mir und auch sonst ist es angenehm zu lesen. Großes Lob!
Elenath ( von: Elenath)
vor 76 Tagen
Wunderschöne Geschichte!
Ich liebe deinen Schreibstil, und würde mich sehr über eine neue Geschichte freuen !!😍
L.G. Elenath
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 77 Tagen
Großartige Geschichte! Weiter so!