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Warrior Cats Tigerkralles Wut

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18 Kapitel - 22.934 Wörter - Erstellt von: Phoenix1410 - Aktualisiert am: 2017-10-04 - Entwickelt am: - 315 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Dies ist die inoffizielle vom englischen Buch "Tigerclaw's Fury".

    1
    Bild vom Wald-Territorium
    Bild vom Wald-Territorium

    2
    Grafisches Bild vom Wald-Territorium
    Grafisches Bild vom Wald-Territorium

    3
    HIERACHIE - DONNERCLAN

    "Folgt"

    4
    HIERACHIE - SCHATTENCLAN

    "Folgt"

    5
    HIERACHIE - WINDCLAN

    "Folgt"

    6
    HIERACHIE - FLUSSCLAN

    "Folgt"

    7
    AUßERHALB DER CLANS

    "Folgt"

    8
    Kapitel 1

    »Tötet ihn!«
    »Blendet ihn!«
    »Treibt ihn aus dem Wald hinaus!«
    Die Wunde in Tigerkralles Bauch pulsierte Qualvoll und er fühlte wie sich warmes, klebriges Blut um seine Pfoten sammelte. Die wütenden Worte seiner Clankammeraden schienen von weit weg zu kommen, als ob er unter Wasser wäre, eingehüllt in friedvolle Kälte.
    »Du hast verloren!«
    Kreischte eine Stimme in seinem Kopf.
    »Geschlagen von einem Hauskätzchen und einem Haufen Dummköpfen!«
    Tigerkralle fühlte, wie sich seine Lippen zu einem Knurren verzogen.
    »Ich habe diesen Kampf verloren«,
    gab er schweigend zu.
    »Aber so lange noch Blut in meinen Adern fließt, werde ich nicht aufgeben.«
    »Tigerkralle«, miaute Blaustern, »hast du etwas zu deiner Verteidigung zu sagen?«
    Das blau-graue Fell der DonnerClan Anführerin war Blut verklebt, ihre Augen waren trüb und leer. Tigerkralle fühlte wie Zufriedenheit in ihm aufstieg. Wenigstens hatten seine Taten und seine sorgsam geschmiedeten Pläne sie innerlich verwirrt und zerschmettert.
    Er erkannte eine gebrochene Katze wenn er sie sah. Dies würde das Ende von Blausterns Führung sein, auch wenn er es nicht geschafft hatte, ihr ihr letztes Leben zu nehmen. Seine Gedanken betäubten den Schmerz in seinem Bauch und gaben seinen zitternden Beinen kraft.
    »Mich vor dir verteidigen, du armseliges Exemplar einer Möchtegern-Kriegerin?«, zischte er.
    »Was für eine Anführerin bist du denn? Den Frieden mit anderen Clans bewahren! Ihnen ''helfen!'' Du hast Feuerherz und Graustreif kaum dafür bestraft, dass sie den FlussClan mit Nahrung versorgt haben, und du hast sie losgeschickt, den WindClan nach Hause zu holen. Ich hätte nie solche Hauskätzchen Schwäche gezeigt. Ich hatte die Tage des TigerClans zurückgebracht. Ich hätte den DonnerClan groß gemacht!«
    »Und wie viele Katzen wären dafür gestorben?«, fragte Blaustern mit leiser Stimme.
    Sie schüttelte sich und hob dann den Kopf.
    »Wenn du sonst nichts zu sagen hast, verbanne ich dich hiermit ans dem DonnerClan«, verkündete sie.
    »Du wirst das Territorium des DonnerClans sofort verlassen. Wenn eine Katze dich morgen nach Sonnenaufgang hier noch sieht, hat sie meine Erlaubnis, dich zu töten.«
    »Mich töten?«, fauchte Tigerkralle.
    »Den möchte ich sehen, der das versucht.«
    »Feuerherz hat dich besiegt!«, jaulte Graustreif.
    »Feuerherz.«
    Tigerkralle drehte langsam den Kopf um das orangefarbene Hauskätzchen anzublicken.
    »Ein Kriegername wird dich niemals Clan geboren machen, ganz egal was deine Kammeraden sagen!«
    »Lauf mir noch einmal über den Weg, du stinkende Fellkugel, und wir werden sehen, wer der Stärkere ist.«
    Feuerherz sprang mit peitschendem Schwanz auf, sein Auge war geschwollen von einem Prankenhieb den Tigerkralle ihm verpasst hatte.
    »Jederzeit, Tigerkralle«, fauchte er.
    »Nein«, knurrte Blaustern. »Keine Kämpfe mehr. Tigerkralle, geh mir aus den Augen.«
    Tigerkralle hievte sich auf die Pfoten, seine Beine zitterten.
    Eine frische welle Blut pulsierte aus seinem Bauch als die Ränder seiner Wunde wieder aufrissen.
    Er hörte wie die Katzen um ihn herum nach Luft schnappten, ignorierte es aber.
    »Schmerz ist nichts! Eine Niederlage ist nichts!«
    »Glaubt nicht ich wäre am Ende«, warnte er und schaute in die verausgabten Gesichter um ihn herum.
    »Ich werde ein Anführer sein. Und jede Katze, die jetzt mit mir kommt, wird gut versorgt werden.«
    Er suchte nach seinen engsten Verbündeten im DonnerClan, die Katze die ihm immer gesagt hatte, dass er Anführer sein sollte.
    »Dunkelstreif?«
    Der schwarz gestreifte Krieger blieb wo er war, zwischen all den anderen Kriegern.
    »Ich habe dir vertraut, Tigerkralle«, wimmerte er.
    »Ich dachte, du wärst der nobelste Krieger im ganzen Wald. Aber du hast ein Komplott geschmiedet mit diesem… diesem ''Tyrann.''«
    Tigerkralle vermutete, dass er Braunschweif meinte, den verbannten Anführer des SchattenClans der nun im DonnerClan Lager lebte.
    »Und du hast mir nichts davon erzählt. Da erwartest du, dass ich mit dir komme?«
    Er senkte den Kopf, unfähig in Tigerkralles Augen zu schauen.
    »Verräter! Du wagst es mich vor all diesen Katzen zu leugnen? Du wirst mit jedem Haar deines Pelzes dafür bezahlen!«
    Tigerkralle zwang sein Fell angelegt zu bleiben.
    »Ich brauchte Braunschweifs Hilfe um die Streunenden Katzen zu kontaktieren. Wenn du das persönlich nimmst, ist das dein Problem«, schnaubte er.
    Er schaute zu einer anderen Katze die auf seine Pläne gehört hatte und versprochen hatte ihm treu zu sein wenn er dem Clan eine klare und starke Führung verschafft hatte.
    »Langschweif?«
    Der helle getigerte Kater zuckte zusammen.
    »Mit dir kommen, Tigerkralle? In die Verbannung?«, seine Stimme bebte.
    »Ich… nein, ich kann nicht. Ich bleibe dem DonnerClan treu!«
    »Du armseliger Feigling!«
    Schrie Tigerkralle stumm.
    Er betrachtete die Reihen der Katzen und suchte nach einem Anzeichen von Verständnis, dass dieser schwache Hauskätzchen bevorzugende Clan kein Ort für wahre Krieger war.
    »Wie steht’s mit dir, Borkenpelz?«, grollte er.
    »Du wirst mit mir erfolgreicher sein, als du es jemals im DonnerClan sein wirst.«
    Der junge braun getigerte Kater erhob sich auf die Pfoten und suchte sich seinen Weg durch die umstehenden Katzen, bis er direkt vor Tigerkralle stand.
    »Ich habe zu dir aufgeschaut«, räumte er ein.
    »Ich wollte so sein wie du. Aber Rotschweif war mein Mentor. Ich verdanke ihm mehr als jeder anderen Katze. Und du hast ihn umgebracht.«
    Seine Augen wurden riesig und er fing an den Kopf zu schütteln. »Du hast ihn umgebracht und den Clan verraten. Ich würde lieber sterben als dir zu folgen!«
    Rotschweif hatte den Tod verdient! Er ähnelte Blaustern zu sehr, suchte immer nach Frieden und Freundschaft.
    Es war eh nur glück gewesen, dass Eichenherz ihn nicht vor dem Erdrutsch schon getötet hatte. Rotschweif hätte diesen Kampf niemals überlebt.
    »Tigerkralle!«
    Blaustern unterbrach seine Erinnerung von Staub und fallenden Steinen und einem breiten roten riss der sich in Rotschweifs Kehle öffnete.
    »Nichts mehr davon. Geh jetzt!«
    Tigerkralle reckte sich zu voller Höhe auf, und traf ihren Blick. »Ich gehe. Aber ich werde zurückkommen, darauf kannst du dich verlassen. Ich werde mich an euch allen rächen!«
    Er drehte sich um und ging mit zusammengebissenen Zähnen davon.
    »Ich werde ihnen nicht zeigen wie schwer ich verletzt bin!«
    Er blieb auf einer Höhe mit Feuerherz stehen.
    »Und was dich angeht…«, zischte er.
    »Halt die Augen offen, Feuerherz. Und spitz die Ohren. Schau immer hinter dich. Denn eines Tages werde ich dich finden und
    dann bist du Krähenfraß.«
    »Du bist jetzt schon Krähenfraß«, schnappte Feuerherz, doch Angstgeruch stieg aus seinem Pelz auf.
    Tigerkralle schaute in die geweiteten grünen Augen des Kriegers.
    »Du wusstest schon, dass ich dich eines Tages töten werde. Deinen Letzter Atemzug wirst du zwischen meinen Pfoten keuchen. Dein letzter Tropfen Blut wird auf meinem Fell vergossen werden. Steine werden bersten und der Himmel wird fallen wenn wir in unserem Finalen Kampf aufeinander treffen.«
    Mit einem schnippen seines Schwanzes das sich anfühlte, als würde es seinen Bauch auseinander reißen, lief er über die Lichtung ohne zurück zu blicken.
    In der Kinderstube konnte er das winzige miauen seines Sohns und seiner Tochter, Brombeerjunges und Bernsteinjunges, hören, das schnell von ihrer Mutter Goldblüte erstickt wurde.
    »Ich werde für euch zurückkommen«, schwor Tigerkralle.
    Er würde nicht zulassen, dass seine Jungen in einem Clan von Schwächlingen aufwuchsen.
    Sie verdienten es von ihm zu lernen und sich ein Beispiel an seinem Mut und seinen Fähigkeiten zu nehmen.
    »Einige Fähigkeiten hast du heute schon gezeigt!«
    Sprach die Stimme in seinem Kopf.
    »Stachelkralle hätte dir eins auf die Ohren gegeben dafür, dass du dich von einem Hauskätzchen und einer Sternen-verrückten alten Kätzin hast besiegen lassen.«
    »Stachelkralle hätte es niemals gewagt die Führung seines Clans an sich zu reißen.«
    Tigerkralle zuckte zurück.
    »Wenn er Blaustern nicht den Vortritt als zweiter Anführer gelassen hätte, wäre jetzt alles anders. Er hätte mich ausgewählt um mit ihm erfolgreich zu sein und der DonnerClan wäre so stark wie er es verdient hätte!«
    Er bahnte sich seinen Weg durch den Ginstertunnel, und nahm nur nebenbei die Dornen war die an seinem Blutigen Fell kleben blieben.
    Der Dornenwahl war von fliehenden Katzen zertrampelt und zerrissen worden, Katzen die geschworen hatten an Tigerkralles Seite zu kämpfen bis er Blaustern getötet hatte, als er ihnen versprach sie zu den nobelsten Kriegern im DonnerClan zu machen. Tigerkralle spukte auf die staubige Erde.
    Im hätte etwas Besseres einfallen sollen als auf dieser halb trainierten Streuen dazu vertrauen.
    Nur eine clangeborene Katze hatte den wahren Instinkt eines Kriegers.
    Die Vertriebenen SchattenClan Katzen hatten ihn enttäuscht, zu verweichlicht durch die Mond die sie allein überleben mussten, waren sie leicht von den kämpfenden Katzen vertrieben worden. Tigerkralle brauchte mehr Zeit, um sie an ihr hartes Training bei Braunstern zu erinnern.
    Sie hatten den früheren Schattenclananführer vielleicht dadurch kritisiert das er zu viel von seinen Kriegern verlangte, aber er hatte sein Clan zu dem meist gefürchteten und stärksten im Wald gemacht.
    Wer konnte ihn dafür schon verurteilen?
    Und Tigerkralle hätte vielleicht sogar gewonnen wenn der FlussClan nicht am Wendepunkt des Kampfes aufgetaucht wäre, Nebelfuß und Leopardenfell waren aufgebrochen um die Clankatzen zu retten die vor einigen Monden noch ihre Feinde gewesen waren.
    Warum zeigten die Clan so viel Gnade gegenüber den anderen?
    Was scherte es den FlussClan wenn der DonnerClan sein Anführer verlor?
    Tigerkralle spürte wie sein Fell sich aufstellte. Natürlich war es im Interesse des FlussClans Blaustern am Leben zu erhalten, verweichlicht, dumm und unfähig die Sonnenfelsen zurückzuerobern.
    Wahrscheinlich war Streifensterns größte Angst Tigerkralle als Anführer des nächstliegenden Clans zu haben.
    Die gesprenkelten Schatten die von den durch den Wind geschüttelten Eichen und Birken auf den Boden geworfen wurden wichen der kalten feuchten Düsternis der Kiefern die die Grenze zum Zweibeinerort markierten.
    Tigerkralle hielt einen Moment inne um sich zu versichern, dass keine Katze ihn verfolgte, aber der Wald war still abgesehen von dem Ruf einer Amsel und dem knirschen der Äste wenn sie gegeneinander schlugen.
    Mit einem schmerzerfüllten knurren ließ er sich auf einen Fleck Moos fallen.
    Er reckte seinen Hals um die wunde an seinem Bauch in Augenschein zu nehmen.
    Feuerherz hatte Glück gehabt das er ihm so nahe gekommen war. Aber wenn er Tigerkralle wirklich hätte verletzen wollen, hätte er ihm an die Kehle gehen sollen.
    Tigerkralle presste ein wenig Moos auf die Wunde und er zischte als er stärker presste um die Blutung zu stoppen.
    Sein Kopf war taub vor Schmerz und er kämpfte gegen die schwärze die hinter seinen Augen hinaufkroch.
    Er stellte sich den Clan vor den er zurückgelassen hatte, durch den Kampf verletzt und im Staub kauernd.
    Wollte er wirklich der Anführer von Kriegern sein, die sich fast von einer Halb Trainierten Patrouille Streuner hatten Schlagen lassen?
    Feuerherz hatte all den Ruhm eingeheimst, wie immer, und alle Katzen hatten mit Reh-Äugiger Bewunderung an seinen Lippen gehangen.
    Wenn sie so bereitwillig auf ein Hauskätzchen hörten, verdienten sie einen Anführer wie Tigerkralle gar nicht. Wie konnte Blaustern es wagen ihn zu verbannen?
    Hatte sie vergessen wie viele Schlachten er für den DonnerClan gewonnen hatte, wie er Beute für seinen Clan besorgt hatte, und die Grenzen gegen ihre Feinde verteidigt hatte?
    Sie verdankten ihm alles!
    Doch letzten Endes hatten sie ihn schlimmer als einen Läusebefallenen Fuchs behandelt.
    Er hätte der beste Anführer den der DonnerClan jeh gekannt hatte werden können!
    »Besser als dein Vater, Kiefernstern«, schnurrte die Stimme in seinem Ohr.
    »Er hat seinen Clan betrogen, er hat dich betrogen, als er ging um ein Hauskätzchen zu werden. Du würdest deine Clangefährten niemals verlassen wenn du ihr Anführer wärst.«
    Das Moos unter seinen Pfoten quoll über vor Blut.
    Mit einem Grunzen schob er es beiseite und suchte nach einem weiteren Klumpen.
    Da war kein weiches grünes Moos mehr, aber er entdeckte trockenes Laub in Reichweite.
    Er presste es gegen seinen Bauch und schob es in seine Wunde.
    Er fühlte wie Triumpf in ihm aufstieg: Der Wald hatte versucht ihm das Moos wegzunehmen, aber er hatte etwas anderes gefunden!
    Tigerkralle setzte sich auf und lauschte als er in die Bäume starrte.
    Es gab mehr als einen Clan im Wald. Mehr als eine Chance Anführer zu werden. Sein Schicksal musste wo anders liegen. Tigerkralle würde nur zum DonnerClan zurückkehren um seine ehemaligen Clankammeraden im Kampf zu zerschmettern.
    Er würde nicht noch einmal versagen.

    9
    Kapitel 2:

    Die Luft zwischen den Kiefern wurde kälter und die Erde unter Tigerkralle fing an feucht zu werden.
    Er leckte daran um ein wenig Feuchtigkeit aufzunehmen, dann hievte er sich auf die Pfoten.
    Er konnte nicht hier bleiben.
    Die Abend Patrouille würde bald hier entlang kommen.
    Er wollte kein Mitleid in den Augen seiner Clangefährten sehen wenn sie ihn verwundet und müde, immer noch im DonnerClan Territorium fanden.
    Bei jedem Schritt wimmernd, humpelte Tigerkralle tiefer in die Kiefern hinein.
    Er blieb weg vom Zweibeinerort mit seinen feigen Hauskätzchen und streunenden Hunden.
    Stattdessen ging er in Richtung des Hölzernen Baus hinter dem großen Zaun wo die Zweibeiner tagsüber hingingen um Bäume zu fällen.
    Er quetschte sich durch den Zaun und verschmierte sein Blut an den hölzernen Pfosten.
    Da war ein Loch neben dem Holznest. Tigerkralle kroch in den Schatten und streckte sich auf dem Boden aus.
    Er bemerkte eine Spur von Maus weiter unter dem Nest aber Tigerkralle hatte nicht genug Kraft dem Geruch zu folgen.
    Wo ist das Moos das dein Nest im Kriegerbau auspolstert?
    Wo sind die Federn? Wird dein Leben von jetzt an so sein?
    Auf der bloßen Erde zusammengesunken, zu schwach um dir selbst Beute zu beschaffen?
    Tigerkralles Magen knurrte, aber er presste seine Wange noch tiefer in den Boden um das Geräusch auszublenden.
    Im Moment war Schlaf wichtiger als Nahrung.
    Wenn er sich ausgeruht hatte, wenn er gegessen hatte, dann würde er mit der Zerstörung des DonnerClans beginnen.
    Er träumte das er in Flammen stand verbrannt durch die Narben die Feuerherz auf seiner Haut hinterlassen hatte.
    Er schlug mit den Pfoten, aber der Schlaf hielt ihn fest, umklammerte ihn in einer halb bewusstlosen Betäubung.
    Er nahm das Tageslicht das von draußen herein schien kaum wahr, aber bevor er sich aufraffen konnte nach Beute zu suchen, wurde es schon wieder Nacht, und verwandelte Tigerkralles Träume in einen Wirbel aus Schmerz und Pein. Er schlug blindlings in Richtung der Schreie die ihn durch den Nebel hindurch erreichten, fühlte wie Krallen sich in sein Fell senkten und Zähne nahe an seinem Ohr schnappten.
    Er wirbelte herum, stolperte über seine Beine die sich schwer und Wund anfühlten, aber da war nichts als die feuchten grauen Wolken hinter ihm.
    »Zu langsam«, zischte die Stimme.
    »Lass dich nicht von Feuerherz und Blaustern fangen! Sie werden dich wie einen Käfer zerquetschen!«
    »Niemals!«, brüllte Tigerkralle.
    Er wachte atemlos und sich auf seinem Rücken windend auf. Sein Bauch brannte wie Feuer und seine Krallen, die ausgefahren waren, starrten vor Dreck.
    Er kroch aus seinem hölzernen Bau hinaus in den kalten, fahlen Morgen.
    Wie viele Tage hatte er hier gelegen?
    Einen? Zwei? Mehr?
    Seine Sicht verschwamm für einen Moment und er schüttelte sich um sie zu klären.
    Sein Mund war so trocken und wund als hätte er Federn geschluckt, also humpelte er hinüber zu einer schmutzigen Pfütze neben dem Zaun.
    Das Wasser war schwarz und trüb, aber er zwang sich zu trinken bis seine Kehle aufhörte zu schmerzen.
    Eine Amsel pickte auf dem Boden herum ein Stück weiter den Zaun entlang. Tigerkralle zog seine Hinterbeine unter sich und kroch auf den Vogel zu, wobei er jedes seiner Beine ausprobierte. Er fühlte sich schwach, aber als er vorsichtig seinen Bauch besah zeigte sich das die Wunde nicht mehr blutete und die Ränder mit dunkelrotem Schorf bedeckt waren. Solang er sich nicht zu sehr streckte, sollte er in der Lage sein zu jagen.
    »Lieber sterbe ich beim Jagen als das ich verhungere.«
    Als er sich näher an den Vogel heranzog, trat er auf einen Haufen Kiefernnadeln die knackten.
    Die Amsel stieß einen Schrei aus und flog geräuschvoll in die Luft. Tigerkralle fluchte und setzte sich.
    Er leckte sich das zerzauste, staubige Brustfell.
    Es schmeckte nach Blut und Erde.
    Er spuckte, drehte sich um und schaute in die schatten neben dem Hölzernen Nest.
    Er hatte ein rascheln wärend seines unruhigen Schlafs wahrgenommen, das gedämpfte quieken von Mäusen und ein köstlicher Geruch in der muffigen Luft.
    Es würde ein enger und ungünstiger Ort zum Jagen sein, aber auch nicht schlimmer als die Brombeerdickichte die er schon früher abgesucht hatte.
    Er kauerte sich hin und kroch unter den Bau, wobei er fühlte wie die Wunde an seinem Bauch spannte.
    Die Erde hob sich auf der anderen Seite und blockierte das Licht. Tigerkralle kroch in den dichtesten Schatten und fühlte seine Schnurrhaare zittern als er den Geruch von kleinen Pelzigen Kreaturen wahrnahm.
    Er hielt einen Moment inne um seine Augen an das Zwielicht zu gewöhnen, dann stürzte er sich auf zwei schimmernde Lichtpunkte die von einer Maus kamen die ihn Panisch anstarrte. Ein zufriedenstellendes knirschen war unter seinen Pfoten zu hören, das hohe quieken brach plötzlich ab und Tigerkralle grub sein Maul in das warme Blut und Fell seiner Frischbeute.
    Er sah nicht ein warum er dem SternenClan für diese Beute danken sollte. Es war sein Fang, seiner ganz allein.
    Die Maus schickte kraft in seine müden Glieder, Tigerkralle tauchte blinzelnd in das Licht ein und schüttelte sich Schmutz aus dem Pelz.
    Er schob sich zwischen den Holzpfählen hindurch und verfiel zwischen den Kiefern in einen ungleichmäßigen Trab.
    Er biss die Zähne zusammen gegen den Schmerz in seinem Bauch.
    Hier war er außerhalb der DonnerClan Grenze aber es gab nicht viel Unterholz, sodass eine vorbeikommende Patrouille ihn von weitem entdecken würde.
    Die großen Holzzäune und die roten Steinwände die die Grenze zum Zweibeinerort markierten zeichneten sich zwischen den Bäumen ab.
    Die Bäume wurden lichter, Brombeeren und dichte Farnklumpen fingen an um Tigerkralles Pfoten herum zu wachsen. Er senkte den Kopf und schnüffelte an der Spur einer Kreatur die die Wedel zur Seite geknickt hatte.
    Da! Kaum eine Fuchslänge entfernt von der DonnerClan Grenze bemerkte er einen scharfen, angstgetränkten Geruch von Katzen die an seiner Seite gekämpft hatte.
    »Gekämpft? Sie sind eher weggelaufen wie verängstigte Junge!« Kam wieder die Stimme in Tigerkralles Kopf.
    »Du warst ein Dummkopf ihnen zu vertrauen!«
    Tigerkralle legte die Ohren an.
    »Ich hatte keine Wahl! Aber jetzt wo ich frei von den Fesseln des DonnerClans bin, wird sich einiges ändern.«
    Vorsichtig lief er durch das dichte Gras und folgte dem Geruch bis zum Rand des Zweibeinerorts.
    Blut war auf dem Weg sichtbar und er hoffte, dass die Katzen nicht zu stark verwundet waren. Diese bemitleidenswerten Kreaturen waren schon schwach genug.
    Er drehte ein Ohr in Richtung DonnerClan Territorium und lauschte nach einer Patrouille.
    Die Sonne stand hoch am Himmel, die Schatten am Fuß der Zweibeinernester waren kaum lang genug um ihn zu verbergen. Tigerkralle vermutete, dass seine ehemaligen Kameraden sich gerade nach der Morgenpatrouille ausruhten und Frischbeute teilten bevor sie wieder aufbrachen.
    Sein Magen knurrte bei dem Gedanken an Beute, aber er zwang sich weiter zu gehen. Er würde nicht dabei erwischt werden wie er Beute von DonnerClan stahl!
    Das rumpeln des Donnerwegs erreichte ihn durch die Bäume und der Geruch von verängstigten Katzen wurde vom Geruch der Monster und ihrem schwarzen Atem verdeckt.
    Tigerkralle bahnte sich seinen Weg durch ein Brombeergebüsch. Er vermutete, dass die verängstigten und verwundeten Katzen sich den dichtesten Schutz gesucht hatten den sie finden konnten. Er versteifte sich als er leises Geflüster vor sich hörte.
    »Sei still! Irgendjemand kommt da!«
    »Hat uns eine DonnerClan Patrouille gefunden? Wir können nicht hier bleiben, gefangen wie Hasen im Bau!«
    »Still! Sie werden uns hören!«
    Tigerkralle brach mit einem Jaulen durch die Wand aus Dornen. Fünf Augenpaare starrten ihn voller Entsetzen an.
    Dann, blinzelte einer nach dem anderen und das Entsetzen wich von ihnen.
    »Tigerkralle!«, miaute ein schlanker brauner Kater.
    »Du hast überlebt!«
    »Nicht dank dir, Narbengesicht«, knurrte Tigerkralle.
    »Wir wären zu dir zurück gekehrt sobald unsere Wunden verheilt wären«, protestierte ein breitschultriger weißer Kater mit einer schwarzen Vorderpfote.
    Sein Name war Schwarzfuß, und wie Narbengesicht, war er ein Krieger des SchattenClans gewesen.
    Loyal gegenüber Braunstern, bevor dieser gefangen genommen worden war und seine Anhänger aus dem Lager vertrieben worden waren.
    Zwei weitere ehemalige SchattenClan Krieger, ein braun getigerter Kater namens Stummelschweif und eine grau braune Kätzin namens Filzklette standen auf, um sich neben ihn zu stellen und ihre Schweife über seinen Pelz zu streifen.
    »Ich bin so froh dich zu sehen«, schnurrte Filzklette, aber das vor reue aufgestellte Fell an ihrer Wirbelsäule entlang sagte Tigerkralle, dass sie log.
    All diese Katzen, einschließlich dem ehemaligen Streuner Haken, einem riesigen orangenen Kater der im hinteren Teil des provisorischen Baus verweilte und ihn mit warmen bernsteinfarbenen Augen ansah, waren entsetzt darüber, Tigerkralle von den Toten auferstehen zu sehen.
    Sie wussten, dass sie ihn enttäuscht hatten. Waren geschlagen worden von einer Gruppe Königinnen und Älteste in einem ungeschützten Lager.
    Tigerkralle fühlte wie ihn Erregung packte als er ihren Angstgeruch inhalierte.
    Diese Katzen würden alles tun was er wollte.
    Er zwang seine langen Krallen eingezogen zu bleiben, unterdrückte das verlangen ihnen die Ohren abzureißen dafür, dass sie ihn mit seinen früheren Kammeraden allein gelassen hatten. Dies waren die einzigen Verbündeten die er im Moment hatte und solang sie Angst vor ihm hatten und in seiner Schuld standen, konnte er sie exakt so Formen wie er wollte.
    Er schaute sich um.
    »Wo ist Mowgli?« Er hatte den grün äugigen, braunen Kater zwischen den Streunern im Zweibeinerort entdeckt.
    Tigerkralle hatte versprochen ihn zu einem der erfahrenen Krieger zu machen wenn er an seiner Seite kämpfen würde und der braune Kater hatte sein Versprechen so gierig wie jede nicht im Clan geborene Katze aufgenommen.
    Stummelschweif zuckte zusammen.
    »Ich weiß es nicht. Seine Ohren wurden ziemlich schlimm zerfetzt von diesem brauen DonnerClan Schüler – Farnpfote hieß er glaub ich. Seit dem haben wir ihn nicht mehr gesehen.«
    Tigerkralle zog die Lippen hoch.
    Geschlagen von einem Schüler?
    Er hoffte, dass er Mowgli nicht falsch eingeschätzt hatte. Offensichtlich brauchte er mehr Training, mehr Ermutigung im Kampf bis an die Grenzen seiner Kraft zu gehen, selbst wenn sein Gegner noch das flauschige Fell eines Jungen hatte.
    Narbengesicht kroch vor mit einem fetzen Fell und Fleisch zwischen den Zähnen. Er legte es vor Tigerkralles Pfoten.
    »Ich habe diese Maus heute Morgen gefangen«, miaute er.
    »Du kannst den Rest haben wenn du möchtest.«
    Tigerkralle beäugte das armselige stück Frischbeute.
    Würde er Schwäche zeigen wenn er seinem Hunger nachgab und es aß?
    Oder sollte er es lieber ausnutzen, dass diese Katzen ihm Futter und Schutz anboten?
    Was würde ein Clan Anführer tun?
    »Blaustern würde nach dem schwächsten Ältesten suchen und ihm die Frischbeute geben«, schnurrte die Stimme.
    »Aber ist das die Art Anführer die du sein willst?«
    Tigerkralle beugte den Kopf und verspeiste die Überreste der Maus mit einem Bissen. Er schaute auf und leckte sich die Lippen.
    »Wir werden mehr als das brauchen um zu überleben. Wer von uns ist am wenigsten verwundet?«
    Filzklette hob ihren Schwanz.
    »Ich habe einen Biss an meiner Flanke, aber der wird schnell heilen.«
    Sie schaute über ihre Schulter.
    »Und Hakens Fell war dick genug um ihn vor tiefen Kratzern zu schützen.«
    Der Einzelläufer schlich aus den Schatten hinaus.
    »Ich werde jagen wenn du es willst«, grollte er.
    Tigerkralle nickte.
    »Gut. Ihr Zwei bringt jeweils zwei Stück Frischbeute mit zurück.«
    Filzklettes Augen weiteten sich, aber sie sagte nichts.
    »Gut gemacht, du lernst dazu«, lobte die Stimme Tigerkralle.
    Die zwei Katzen suchten sich ihren Weg aus den Brombeeren hinaus.
    »Tigerkralle, dein Bauch blutet«, miaute Schwarzfuß zögernd.
    Er streckte seinen Nacken um das verklebte rote Fell an Tigerkralles Seite zu untersuchen.
    »Es ist nichts«, schnappte Tigerkralle.
    »Es wird in ein paar Tagen verheilt sein.«
    Schwarzfuß trat zurück.
    »Diese DonnerClan Katzen haben wilder gekämpft als ich erwartet hatte«, gab er zu.
    Neben ihm nickte Narbengesicht.
    »Besonders das so genannte Hauskätzchen Feuerherz«, fuhr Schwarzfuß fort.
    »Er ist vielleicht im Zweibeinerort geboren worden, aber er hat wirklich gelernt zu kämpfen wie ein Krieger.«
    »Er ist ein Hauskätzchen!«, spuckte Tigerkralle.
    »Wage es nicht noch einmal von ihm als Krieger zu sprechen.
    Er hat kein recht im Wald zu sein, kein recht mit Blaustern zu sprechen als würde das Blut des Clans durch seine Adern fließen.«
    Er wandte sich ab und ging mit schlagendem Schwanz auf und ab.
    »Ich werde mehr Katzen finden, ihnen beibringen zu kämpfen wie wahre Krieger und dann werden wir den DonnerClan zurück erobern und Feuerherz wird sterben!«

    10
    Kapitel 3:

    Dünne, graue Lichtstrahlen schienen durch die Brombeeren als Tigerkralle die Augen öffnete.
    Es war noch nicht einmal Dämmerung, aber die Luft war warm und stickig durch die Katzen die um ihn herum schliefen.
    Vorsichtig, um Narbengesicht nicht zu stören der gegen seinen Rücken gepresst lag, erhob sich Tigerkralle und schritt aus dem Dickicht hinaus.
    Der Donnerweg war still und der Wald roch klar und grün. Er spähte zwischen den Bäumen hindurch, und sah trotz des wenigen Lichtes genau die Baumstämme die das DonnerClan Territorium markierten.
    Er fühlte wie seine Wut hochkochte als er sich Feuerherz vorstellte, eingerollt im Kriegerbau und glücklich von seinem Sieg träumend.
    »Schlaf friedlich solange du noch kannst, Hauskätzchen.«
    Die Blätter raschelten hinter ihm und Haken, der sich Staub aus seinem dicken Pelz schüttelte, tauchte auf.
    »Hast du eine Patrouille entdeckt?«, fragte er.
    »Nein, es ist noch zu früh.«
    Tigerkralle drehte sich um und schaute in Richtung Donnerweg, der durch die Bäume gerade so zu sehen war.
    »Wir können nicht hier bleiben. Wir wollen nicht die Aufmerksamkeit des DonnerClans erwecken und wir brauchen mehr Platz zum Jagen. Weck die Anderen. Wir brechen sofort auf, bevor die Morgen-Patrouille beginnt.«
    Haken verschwand in den Brombeeren und ließ Tigerkralle allein zurück in den Wäldern in denen er geboren worden war.
    Ich werde zurückkommen, schwor er.
    »Aber erst wenn ich stark genug bin Feuerherz und den gesamten DonnerClan mit ihm zu zerstören.«
    Filzklette gähnte als sie sich ihren Weg hinaus aus den Brombeeren suchte, doch als sie Tigerkralle sah schloss sie schnell den Mund und hob den Kopf.
    »Wo gehen wir hin?«
    Tigerkralle schnippte mit dem Schweif in Richtung Donnerweg. »Wir überqueren den Donnerweg und folgen der Grenze des SchattenClans bis wir den verwilderten Teil des Waldes erreichen.«
    Stummelschweif hob allarmiert den Kopf.
    »Was wenn uns eine Patrouille findet? Der SchattenClan wird es nicht gut heißen uns an seiner Grenze zu sehen!«
    »Die Sonne ist noch nicht aufgegangen. Es werden noch keine Patrouillen dort sein«, miaute Schwarzfuß.
    Tigerkralle führte die Katzen durch das hohe Gras zwischen dem Rand der Bäume und dem schwarzen Donnerweg.
    Der Fluss aus Stein war ruhig, immer noch nach Monstern riechend feucht vom Tau, was es kühl und angenehm machte darüber zu laufen.
    Die Katzen trotteten darüber hinweg und tauchten in das Gras auf der anderen Seite ein.
    Keiner von ihnen sagte ein Wort als sie die hoch wachsenden Kiefern erreichten.
    Tigerkralle sah wie sich Schwarzfuß‘ Fell bis zum letzten Haar sträubte, und Narbengesichts Augen sich weiteten als er nach feinseligen ehemaligen Clangefährten Ausschau hielt.
    Aber die Wälder hier waren genau so still wie die auf der anderen Seite des Donnerwegs.
    Die Katzen krochen ungestört über die Zäune und Mauern des Zweibeinerorts bis sie die verschlungenen Kronen der alten Bäume mit dicken, glänzenden Blättern und herabhängenden lilafarbenen und roten Blüten erreichten.
    »Das ist ein weit entfernter Winkel des Territoriums«, flüsterte Narbengesicht.
    »Diese Büsche kommen aus dem Zweibeinerort, und weil es so schwer ist sie zu durchqueren benutzt der SchattenClan sie als Verteidigung gegen den verwilderten Teil des Waldes.«
    »Uns werden sie genauso gut schützen«, miaute Tigerkralle.
    »Es muss einen Weg hinein geben.«
    Schwarzfuß lief am Rand des Geästs entlang.
    »Es gibt einen Weg hinein«, murmelte er.
    »Ich bin ihn einmal gegangen als ich noch ein Schüler war.«
    Filzklette schnippte mit den Ohren.
    »Du hattest Glück, dass du wieder hinaus gefunden hast! Wer weiß was auf der anderen Seite mit dir hätte passieren können.«
    Haken blinzelte.
    »Es sind doch nur noch mehr Bäume«, miaute er.
    »Was erwartest du denn? Einen Clan aus Füchsen und Dachsen die darauf warten dir das Fell über die Ohren zu ziehen?«
    Filzklette schlug mit dem Schwanz.
    »Ich war ein loyaler Krieger des SchattenClans«, schnaubte sie. »Es ging mich nichts an was außerhalb der Clangrenzen vor sich geht.«
    »Nun das hat sich ja geändert, nicht?«, knurrte Tigerkralle. »Kommt.«
    Er schob sich an Schwarzfuß vorbei und kletterte über einen knorrigen silbernen Ast ins Zentrum der Bäume.
    Er konnte die andere Seite durch die dichten Blätter nicht sehen, aber da war erstaunlich viel Raum zwischen den verschlungenen Stämmen.
    Er hörte wie die Anderen ihm folgten und kämpfte sich weiter voran, wobei er den reißenden Schmerz in seinem Bauch ignorierte.
    Bald war er wieder von schimmernden Blättern umgeben, er schob sich hindurch und landete auf einem freien Platz auf der anderen Seite.
    Der verwilderte Teil des Waldes streckte sich vor ihm aus. Er sah mehr nach DonnerClan Territorium als nach SchattenClan aus, mit seinen moosbewachsenen Eichen und gesprenkelten Eschen.
    Die anderen Katzen reihten sich keuchend neben ihm auf.
    »Das ist jetzt also unser Territorium«, murmelte Narbengesicht.
    Schwarzfuß spitzte die Ohren.
    »Dieser umgestürzte Baum da drüben sieht nach einem guten Bau aus«, miaute er.
    Er lief über den laubbedeckten Boden, wobei er über Zweige und Klumpen von Pilzen die im feuchten Boden wuchsen sprang.
    Er verschwand einen Moment hinter der gefallenen Eiche, dann tauchte er auf dem Stamm wieder auf.
    »Es ist perfekt!«, jaulte er. »Kommt und schaut es euch an!«
    Tigerkralle folgte den Anderen als sie wie übermütige Jungen losstürmten um die Eiche zu erforschen.
    Schutz zu finden war keine Herausforderung. Selbst das Jagen würde hier leicht sein, mit keinen anderen Konkurrenten als den herumstreunenden Hauskätzchen.
    Sie mussten so schnell wie möglich mit dem Kampftraining beginnen, und Tigerkralle musste Andere Katzen finden, die sich ihnen anschließen würden.
    Er würde den Sieg nicht noch einmal in die Hände so weniger Katzen legen.
    Als er die Rückseite des gefallenen Baumes erreichte, hatten Filzklette und Stummelschweif schon damit begonnen Efeu aus einer Senke im Boden herbei zu tragen.
    »Das wird ein großartiges Nest werden«, miaute Filzklette zwischen einem Maul voll Reben.
    Haken trottete um die absterbenden Zweige des Baumes herum. »Hier ist eine Pfütze mit frischem Wasser«, bemerkte er.
    »Es schmeckt genießbar.«
    Schwarzfuß schaute zu Narbengesicht hinüber.
    »Sollen wir jagen gehen und einen Frischbeutehaufen anlegen?«
    Narbengesicht nickte, aber Tigerkralle schritt vor und hielt ihn auf.
    »Wir spielen hier nicht Mini-Clan«, warnte er.
    »Ihr glaubt doch nicht etwa ich hätte es aufgegeben den DonnerClan zu übernehmen? Blaustern ist schwächer als jemals zuvor und sie schwächt den gesamten Clan indem sie so viel Vertrauen in ein Hasukätzchen setzt. Sobald wir stark genug sind, werden wir noch einmal angreifen!«
    Unsicherheit blitzte in den Augen der Katzen auf, und Tigerkralle bemerkte wie Schwarzfuß die Wunde an seinem Bauch betrachtete als wäre er besorgt darüber das sie niemals gut genug heilen würde um wieder Kämpfen zu können.
    »Bist du dir sicher, dass diese Katzen wissen, dass du das Sagen hast?«, flüsterte die Stimme in seinem Kopf.
    »Wenn sie nicht davon überzeugt sind, dass sie dich genau so dringend brauchen wie Nahrung und Schutz, bedeutest du ihnen gar nichts.«
    Tigerralle fuhr die Krallen aus und senkte sie in die weiche Erde. »Geht jagen, bereitet Nester vor und geht sicher, dass die SchattenClan Patrouillen uns nicht sehen können«, ordnete er an. »Morgen beginnen wir mit dem Training.«

    »Haken, hab keine Angst dein Gewicht zu deinem Vorteil zu nutzen. Wenn dein Gegner nicht Atmen kann, wird er leichter zu schlagen sein.«
    Tigerkralle streckte seine Pfote aus und drückte Haken nach vorn, sodass er über Narbengesicht ragte, welcher langsam besorgt aussah.
    Stummelschweif schnippte mit den Ohren.
    »Aber jetzt balanciert Haken doch auf drei Pfoten, also könnte ich ihn einfach umwerfen oder?«, schlug er vor.
    »Ja, aber pass auf wo er landet. Du willst Narbengesicht schließlich nicht zerquetschen.«
    Tigerkralle ging ein paar Schritte zurück und schaute zu wie Haken seine Pfote auf Narbengesicht niedersausen ließ und im selben Moment Stummelschweif in seine Seite krachte.
    Der große orangene Kater taumelte mit einem fauchen seitwärts, sodass Narbengesicht sich zur Seite herauswinden konnte. Wärend Haken am Boden lag, stürzten sich die anderen Beiden Katze auf ihn.
    »Viel besser«, miaute Tigerkralle. Er suchte die Bäume ab.
    »Wo sind Schwarzfuß und Filzklette? Sie sollten schon seit einer Ewigkeit vom Jagen zurück sein.«
    Seit drei Sonnenaufgängen waren sie nun in den Wäldern. Alle Katzen erholten sich schnell, selbst Tigerkralles Wunde hatte aufgehört zu nässen, und ihr Bau hatte sich als guter Schutz während ein paar schweren Regenfällen erwiesen.
    Die Bäume um sie herum waren üppig und schwer, das Jagen war eine Kleinigkeit da die Beute aus ihrem Versteck kam um die Samen und Nüsse die der Regen herunter gewaschen hatte zu essen.
    Stummelschweif warf einen Blick auf Narbengesicht.
    »Sie werde sicher bald zurück sein«, miaute er.
    Tigerkralle sprang beim Anflug von Unsicherheit in dessen Stimme auf.
    »Wo sind sie?«, knurrte er.
    »Sie haben die Grenze nicht überquert, ich schwöre«, miaute Narbengesicht der seine Ohren unbehaglich angelegt hatte. »Aber … aber wir sind immer wieder an der Grenze entlang gelaufen und haben nach Zeichen Ausschau gehalten, dass es dem SchattenClan gut geht. Wir machen uns Sorgen um unsere Clankammeraden. Wir sind schon eine Weile hier aber haben keine Patrouillen gehört oder gesehen. Was ist wenn irgendetwas Schlimmes passiert ist?«
    Tigerkralle verengte die Augen zu schlitzen.
    »Warum sollte dich das interessieren? Sie sind im Moment nicht unsere Clangefährten.«
    Stummelschweif hob den Kopf.
    »Aber sie haben uns einst nahe gestanden. Wir haben nicht aufgehört uns um sie zu sorgen nur weil wir nicht mehr mit ihnen zusammen leben.«
    Da war eine Art Trotz in seinen Worten, der Tigerkralle beeindruckte.
    »Diese Art von Loyalität könnte dir sehr nützlich sein«, kommentierte die Stimme in seinem Kopf.
    »Ich gehe sie suchen«, miaute er.
    Narbengesichts Augen weiteten sich.
    »Du wirst sie doch nicht bestrafen, oder?«
    »Angst ist der Schlüssel.«
    »Das kommt ganz darauf an was sie getan haben.«
    Tigerkralle entfernte sich vom Trainingsplatz, einer freien, weichen Lichtung abgegrenzt durch einen Baumstumpf, eine Reihe Brombeeren und einem winzigen, steinigen Bach.
    Er verschwand im Unterholz und folgte dem plattgedrückten Gras zur Reihe der verschlungenen Bäume.
    Er vermutete, dass die früheren SchattenClan Katzen ihre Zeit nicht damit verschwendet hatten hier zu Patrouillieren da Mann durch die dichten grünen Blätter sowieso nichts erkennen konnte.
    Er folgte dem Rand der Barriere bis die Landschaft offenerem Waldland wich, in dem die alten, knorrigen Eichen großen geraden Kiefern wichen.
    Es dauerte nicht lang bis er Schwarzfuß‘ weißen Pelz zwischen den Stämmen hindurch schimmern sah.
    Filzklette war ein paar Schritte hinter ihm, besser verborgen zwischen dem Laub. Tigerkralle blieb wo er war, in riechweite der SchattenClan Grenze, und wartete.
    Sie schienen der Linie der Grenze zu folgen, sie übertraten sie nicht, aber waren nahe genug, dass sie von vorbeikommenden Katzen gesehen werden würden.
    Sie sprachen mit leiser Stimme miteinander.
    »Habt ihr das Kampftraining vergessen?«, miaute Tigerkralle als sie in Hörweite waren.
    Beide Katzen starrten ihn an, Schuld glänzte in ihren Augen. »Wir … wir waren gerade auf dem Weg«, stammelte Schwarzfuß.
    »Lüg mich nicht an«, miaute Tigerkralle, lief zu ihnen und beschnüffelte ihr Fell.
    »Ihr riecht nach SchattenClan, mehr als sonst, meine ich. Mit wem habt ihr geredet?«
    Filzklette legte die Ohren an.
    »Wir haben die Grenze nicht übertrete, das schwöre ich. Wir wollten nur sehen wie es ihnen geht.«
    Tigerkralle schnippte mit dem Schwanz.
    »Und wie ging es ihnen?«
    Er wollte sie zwingen zuzugeben, dass ihre Loyalität immer noch ihrem früheren Clan galt, dass er ihnen niemals würde trauen können und dass all sein Training um sonst gewesen war.
    »Du solltest sie sofort töten«, ermutigte ihn die Stimme.
    Schwarzfuß trat vor, und Tigerkralle wäre beinahe zusammen gezuckt als er bemerkte, dass der weiße Katzer genau so groß und breitschultrig wie er war.
    »Wir haben nichts falsches getan«, beharrte Schwarzfuß.
    »Wir wollten nur wissen warum es so wenige Grenzpatrouillen gibt. Wir haben Dämmerwolke und Eschenbeere allein beim Jagen getroffen. Eine schreckliche Krankheit ist im Clan ausgebrochen, und fast Jeder Krieger hat sich angesteckt. Ohne Jagdpatrouillen, ist der gesamte Clan am Verhungern.«
    »Die Krankheit kam von den Ratten im Krähenort«, warf Filzklette ein.
    »Triefnase tut alles was in seiner Macht steht, aber es gibt einfach zu viele kranke Katzen.«
    »Warum denkt ihr, dass das unser Problem ist?«, fragte Tigerkralle milde.
    »Eure Clangefährten werde nichts mit euch zu tun haben wollen wegen eurer Verbindung zu Braunstern.«
    Schwarzfuß’ Augen blitzten auf.
    »Ich war loyal gegenüber Braunstern weil er der Anführer meines Clans war, so wie es jeder SchattenClan Krieger hätte sein sollen. Ich bin immer noch eine SchattenClan Katze, egal was passiert.«
    Filzklette nickte.
    »Die Katzen die krank sind und verhungern, sind meine Familie, meine Freunde. Ich habe vielleicht das Territorium verlassen, aber ich kann sie doch nicht einfach so vergessen.«
    Für einen Moment fühlte Tigerkralle einen Stich der Eifersucht. Er vermisste nicht einen seiner Clangefährten, weder die Verräter Dunkelstreif oder Langschweif, noch die schwachen und schmeichlerischen Hauskätzchen Liebhaber unter den anderen Kriegern.
    Würde er die Kontrolle über Schwarzfuß und Filzklette wegen ihrer sentimentalen Anhänglichkeit an Katzen, die sich nicht länger um sie scherten verlieren?
    »Du kannst ihre Loyalität nicht erzwingen«, warnte die Stimme. »Also nutze sie für deine eigenen Zwecke. Wenn der SchattenClan so schwach ist wie sie behaupten, ist er keine Bedrohung für dein Schicksal. Denk daran, Barmherzigkeit ist ein Zeichen großer Macht.«
    Tigerkralle blinzelte.
    »Zu eurer eigenen Sicherheit verbiete ich euch das Territorium des SchattenClans zu betreten«, miaute er.
    »Aber ich will mir selbst anhören was im SchattenClan Lager vor sich geht. Wir werden auf die nächste Patrouille warten und dann werde ich mit ihnen sprechen.«
    Sie mussten nicht lange warten.
    Das knacken von Zweigen und rascheln trockener Blätter kündigte eine Patrouille an.
    Regelmäßige Pausen sagten Tigerkralle, dass sie die Markierungen erneuerten, als ob Geruch allein die anderen Clans fern halten würde.
    Drei Katzen kamen zwischen den Bäumen in Sicht. Tigerkralle verengte die Augen und sah Farnschatten, Hirschfuß und Kieselstein.
    Der große graue Katzer, der im Zweibeinerort geboren worden war, entdeckte die wartenden Katzen zuerst und preschte vorwärts.
    »Filzklette! Schwarzfuß! Eschenbeere hat mir gesagt, dass sie euch getroffen hat! Was macht ihr hier?«
    Kieselsteins Augen waren Klar, aber seine Rippen zeichneten sich unter seinem Pelz ab und seine Flanken waren Mager vor Hunger.
    »Wir leben hier«, miaute Filzklette, und zeigte mit ihrem Schweif in Richtung der gefallenen Eiche.
    »Stummelschweif und Narbengesicht sind bei uns … und Tigerkralle.«
    Kieselsteins Augen verengten sich.
    »Wir haben Gerüchte über einen Angriff auf den DonnerClan gehört«, miaute er. »Warst du das?«
    Schwarzfuß schlug mit dem Schwanz.
    »Das ist nicht worüber wir mit euch reden wollen. Was passiert im SchattenClan? Sterbt ihr wirklich alle durch diese Krankheit?«
    Farnschatten trat vor. Sie sah älter aus als Tigerkralle sie in Erinnerung hatte, ihr schildpattfarbenes Fell war schmutzig und verfilzt, eines ihrer Augen war durch gelben Eiter verklebt.
    »Wir sind schon früher durch die Ratten krank geworden, aber es war niemals so schlimm«, krächzte sie.
    »Triefnase hat einen viertel Mond lang nicht geschlafen weil er versucht genug Heilkräuter für uns alle zu finden.«
    »Warum erzählst du ihnen das?«, knurrte Hirschfuß und schob sich zwischen seine Kameraden.
    »Diese Katzen gehören nicht länger zu unserem Clan. Sie haben dem Gesetz der Krieger den Rücken zugekehrt als sie Braunstern gefolgt sind.«
    Sein Blick flog über Schwarzfuß und Filzklette, und verharrte dann auf Tigerkralle.
    »Und dieser Katze kann man nicht trauen«, grollte er leise.
    »Was hast du vor, Tigerkralle? Ich dachte deine Kammeraden hätten dir das Fell über die Ohren gezogen?«
    Tigerkralle zwang sein Fell angelegt zu bleiben.
    »Ich entschied mich zu gehen«, miaute er.
    »Der DonnerClan wird von einem Hauskätzchen regiert, jetzt, da Blaustern nur noch auf Feuerherz hört.«
    Hirschfuß‘ Nasenflügel bebten.
    »Ich kann mir nicht vorstellen, dass du so einfach aufgibst, Tigerkralle.«
    Filzklette drückte ihre Nase gegen Farnschattens Flanke.
    »Du siehst müde aus«, miaute sie traurig.
    »Sollen wir für euch jagen?«
    »Nein!«, schnappten Tigerkralle und Hirschfuß gleichzeitig.
    »Wir können für uns selbst jagen«, bekräftigten die SchattenClan Katze.
    »Ihr schuldet diesen Katzen nichts«, zischte Tigerkralle.
    »Ich habe genug gehört. Kommt, folgt mir.«
    Er drehte sich um und für einen Moment schlug sein Herz schneller als er sich fragte ob Filzklette und Schwarzfuß gehorchen würden.
    Eine kurze Stille trat ein, dann hörte er Pfotenschritt die ihm folgten.
    »Möge der SternenClan euren Weg erleuchten!«, rief Farnschatten.
    »Euren auch«, flüsterte Filzklette leise.

    »So treffen wir uns wieder Tigerkralle!«, knurrte der orangene Kater.
    »Und dieses Mal, werde ich dich nicht am Leben lassen!«
    „Wirklich Feuerherz?«, höhnte Tigerkralle.
    »Hast du vergessen, dass du nichts weiter als ein verweichlichtes Hauskätzchen bist?«
    Er sprang los, seine Krallen durchschnitten die Luft auf der Suche nach dem orangenen Pelz.
    Überall um sich herum konnte er das wütende jaulen der DonnerClan Katzen, dumpfe Schläge von Pfoten und das Kratzen von Krallen hören.
    In seinem Traum schaute Tigerkralle sich langsam um, um zu sehen, wer an seiner Seite kämpfte. Sollte er es ganz allein mit seinem ehemaligen Clan aufnehmen?
    Aber anstelle von gut trainierten Kriegern, sah er nur Schatten. Schatten die erfüllt waren vom Jaulen und schlagen von Pfoten, aber trotzdem nur dünne schwarze Luft.
    Tigerkralle fühlte wie Feuerherz‘ Krallen die halb verheilte Wunde an seinem Bauch fanden und sprang seitwärts, seine Zähne schnappten zusammen wo die Kehle des Katzers sein sollte.
    Sein Kiefer schloss sich um ein maul voll Blätter und Tigerkralle erwachte hustend und spuckend in seinem zerwühlten Nest.
    »Alles in Ordnung?«, fragte Narbengesicht verschlafen neben ihm.
    »Alles prima«, grollte Tigerkralle.
    Er stand auf und verließ sein Nest, wobei der Traum noch über sein Fell schlich. Selbst wenn er jede Schlacht allein bestreiten musste, er würde nicht aufgeben!
    Selbst mit einer Armee aus Schatten würde er gewinnen!
    Er hielt inne.
    Er hatte von Schatten geträumt die, schreiend und kratzend, an seiner Seite gekämpft hatten. Er hob den Kopf und schaute hinauf zum Sternenbedeckten Himmel zwischen den Ästen.
    »War das ein Zeichen des SternenClans?«
    »Würde es der SchattenClan sein der ihm helfen würde Feuerherz zu zerstören?«

    11
    Kapitel 4:

    Tigerkralle wartete bis die Patrouille beinahe auf gleicher Höhe mit ihm war bevor er aus einem Büschel Farn hervortrat. Eschenbeere blieb abrupt stehen, ihr braun cremefarbenes Fell stellte sich auf ihrem Rücken auf.
    Hinter ihr kam die Patrouille stolpernd zum Stehen und starrte Tigerkralle allarmiert an.
    Tigerkralle zuckte mit dem Schwanz. »Ich komme in Frieden«, grollte er.
    »Ich weiß über die Krankheit im SchattenClan Bescheid. Meine Freunde und ich werden für euch jagen, und wir verlangen im Gegenzug nur, dass euren ehemaligen Kameraden ihre fehlgeleitete Loyalität zu Braunstern vergeben sei. Sie wissen, dass sie falsch lagen und sie wollen es wieder gut machen.«
    Eschenbeere blickte hinter ihn.
    »Ich kann sie hier aber nicht sehen.«
    Tigerkralle beugte den Kopf.
    »Sie wissen nicht, dass ich mit euch spreche. Sie wären zu stolz um euch um Vergebung zu bitten, also tue ich das in ihrem Namen. Bitte, lasst uns euren Frischbeutehaufen auffüllen und uns Kräuter für Triefnase sammeln, zumindest bis ihr die Krankheit überwunden habt.«
    Dämmerwolke trat vor, ihr hell roter Pelz glühte in der Dämmerung.
    »Wollen sie zurück ins Lager kommen?«, fragte sie.
    Tigerkralle schüttelte den Kopf.
    »Nein, wir werden hier draußen bleiben, in dem Bau den wir für uns geschaffen haben. Ich verspreche, wir wollen nichts anderes als helfen.«
    »Ich kann verstehen warum unsere ehemaligen Kameraden für uns jagen wollen«, miaute Kieselfang, ein grauer Kater der aussah als wäre er bereit den Ältesten beizutreten, wenn seine Beine ihn lang genug aufrecht erhielten um ins Lager zurück zu kehren. »Aber warum gerade du, Tigerkralle? Du warst niemals ein Freund des SchattenClans.«
    Tigerkralle zuckte zusammen.
    »Ich bin keinem Clan feindlich gesinnt, jetzt, wo ich außerhalb der Grenzen lebe. Eure Clangefährten haben mir vor nicht zu langer Zeit geholfen, und ich stehe in ihrer Schuld.«
    Der alte Kater verengte die Augen zu schlitzen.
    »Ich weiß nicht was Nachtstern dazu sagen wird.«
    »Er würde sagen ‚Stolz füllt den Frischbeutehaufen nicht auf!«, erwiderte Dämmerwolke feurig.
    »Tigerkralle, dies ist ein großzügiges Angebot, und wir nehmen es an.«
    »Aber du musst die Frischbeute nicht ins Lager bringen«, miaute Kieselfang.
    »Wir werden dich morgen zum Sonnenaufgang hier treffen und sie dir abnehmen.«
    Tigerkralle nickte. »Natürlich, wie du wünschst. Kehrt sicher ins Lager zurück. Wir treffen euch morgen.«
    Er wirbelte herum bevor die Katzen noch irgendetwas dagegen einwenden konnten und stürmte tiefer in den Farn hinein. »Barmherzigkeit ist ein Zeichen großer Macht.«
    Wenn die Sonne wieder aufging, würde der SchattenClan in seiner Schuld stehen.

    Schwarzfuß und Filzklette waren erfreut zu hören, dass der SchattenClan sie für sich jagen lassen würde, aber Narbengesicht traute der Sache nicht.
    »Was, wenn es eine Falle ist?«, murmelte er.
    »Sie sind vielleicht Krank, aber sie sind immer noch mehr als wir. Wenn wir erst einmal im Lager sind, kann alles Mögliche passieren.«
    »Sie nehmen und die Beute an der Grenze ab«, miaute Tigerkralle. »Ich bringe keinen von uns in Gefahr um ihnen die Bäuche zu füllen.«
    Zwischen den alten Eichenbäumen gab es viel Beute, auch wenn der Boden feuchter war als Tigerkralle es gewohnt war.
    Haken schaffte es ein Eichhörnchen mit nur einem Pfotenschlag aus einem Baum zu befördern, und Filzklette kam mit ein paar Fröschen zurück.
    »SchattenClan Katzen mögen die«, miaute sie verteidigend als sie Tigerkralles vor Ekel verzogenes Gesicht sah.
    Zur verabredeten Zeit kehrten sie zu dem Farnbüschel an der Grenze zurück.
    Tigerkralle war zufrieden mit ihrem Angebot.
    Genug um eine nennenswerte Ergänzung des Frischbeutehaufens eines Clans zu sein, aber nicht so viel das es aussah als ob das Jagen für den SchattenClan die einzige Sorge der Katzen wäre. Selbst nach zwei langen Jagden am Vortag, hatte Tigerkralle auf das Kampftraining bestanden als die Sonne unterging.
    Filzklettes starke Nackenmuskeln verliehen ihr einen kräftigen Biss und Tigerkralle hatte sie dazu ermuntert ihre Zähne am Stumpf eines alten Apfelbaumes, welcher das stärkste Holz hatte, zu schärfen.
    Haken hatte weniger bedenken sein Gewicht zu seinem Vorteil zu nutzen und Stummelschweif hatte einige Augenblicke gebraucht um sich von seinem kräftigen Schlag zu erholen.
    »Ihr seid gekommen.«
    Tigerkralle ignorierte den überraschten Unterton in Kieselfangs Stimme.
    »Ich halte meine Versprechen immer.« Miaute er.
    Kieselfang senkte den Kopf und schnüffelte an dem Haufen aus Beute.
    »Das wird unseren Frischbeutehaufen größer machen als er seit Tagen war«, kommentierte er.
    Dämmerwolkes Blick war warm gegenüber ihren ehemaligen Kammeraden.
    »Wir danken euch. Ich werde sicherstellen das Nachtstern weiß was ihr getan habt. Hiernach wird keiner mehr einen Groll gegen euch hegen.«
    »Gut«, miaute Tigerkralle. »und um sicher zu sein das Nachstern auch wirklich weiß wem er dies zu verdanken hat, werden wir euch helfen das hier ins Lager zu tragen.«
    Kieselfang zuckte zusammen.
    »Du sagtest du würdest dich vom SchattenClan Territorium fern halten. Wir können nicht sagen wie der Clan reagieren wird.«
    Tigerkralle schritt selbstbewusst über die Duft Linie.
    »Wie Dämmerwolke schon sagte, eure Clangefährten werden nur Dankbarkeit für unsere Hilfe zeigen.«
    Er schaute über die Schulter zu den Katzen die im Farn warteten. »Kommt schon, ihr alle.«
    Die ehemaligen SchattenClan Katzen schlossen sich ihm zögernd an.
    Haken bildete den Schluss, seine Nase bebte als der Geruch des Clans über ihn hinweg fegte.
    Tigerkralle hob das Eichhörnchen auf, welches das größte Beutestück war, und bedeutete den anderen mit dem Schwanz es ihm gleich zu tun.
    Kieselfang verengte die Augen aber sagte nichts.
    Dämmerwolke führte sie durch die Kiefern und berührte Stummelschweif mit der Schwanzspitze.
    Tigerkralle wusste, dass sie als Schüler gute Freunde gewesen waren und hatte beschlossen den braunen Kater sorgsam zu beobachten um sicher zu sein, dass seine Loyalität nicht zu leicht wieder seinen ehemaligen Clankammeraden galt.
    Als sie das Brombeerdickicht erreichten in dem der SchattenClan sein Lager hatte, füllte eine Welle von Gestank Tigerkralles Mund und Nase. Das Eichhörnchen noch in seinem Maul, versuchte er ein würgen zu unterdrücken, und auf den allarmierten Gesichtern seiner Kammeraden konnte er denselben Ausdruck sehen.
    Kieselstein legte den Spatz den er trug ab und hielt außerhalb des Eingangs des Lagers an.
    »Keine Katze ist der Krankheit entkommen«, miaute er leise. »Wenn ihr nicht riskieren wollt infiziert zu werden, solltet ihr jetzt umkehren.«
    Tigerkralle hob den Kopf.
    »Wir haben keine Angst davor Hilfe zu leisten«, beharrte er durch sein Maul voll Eichhörnchen.
    Neben ihm nickte Schwarzfuß, auch wenn Haken so aussah als wäre er lieber zurückgegangen.
    Sie folgten Kieselstein durch ein Loch in den Brombeeren auf die Lichtung im Zentrum des Lagers.
    Tigerkralle entdeckte die Überbleibsel des Frischbeutehaufens in einer Ecke, der allerdings nur noch aus Knochen und Federn bestand, und ging darauf zu.
    Er platzierte das Eichhörnchen sorgfältig darauf und schaute sich um. Dutzende von Augen leuchteten ihn azs den Schatten an und die Luft war mit schockiertem Flüstern gefüllt.
    Eschenbeere tauchte aus einem Bau auf.
    »Dämmerwolke hat uns erzählt, dass ihr für uns jagen wollt. Aber wir haben nicht erwartet das ihr die Beute persönlich her bringt.«
    Filzklette lies ihre Frösche auf den Haufen fallen und trottete hinüber zu ihrer alten Kameradin.
    »Wir mussten einfach sehen wie es euch geht«, miaute sie. »Bitte schickt uns nicht weg.«
    Hinter Tigerkralle war ein leises Rascheln zu hören und als er sich umdrehte sah er Triefnase, die kränkliche Heilerkatze des SchattenClans, der neben einem schwarzen Kater her stolperte der so dünn war, dass sein Fell aussah als würde es gleich von den Knochen fallen.
    »Du musst ziemlich mutig sein wenn du hier her kommst«, krächzte Nachtstern.
    Tigerkralle neigte den Kopf.
    »Deine ehemaligen Kammeraden hätten nicht einfach zusehen können wie ihr verhungert, und meine Loyalität liegt jetzt bei ihnen. Dies ist kein Mut, wir folgen nur dem Gesetz der Krieger.«
    Dämmerwolke wandte sich an Nachtstern.
    »Schau, siehst du den Frischbeutehaufen?«, regte sie ihn sanft an.
    »Wir werden heute Nacht alle unsere Bäuche füllen können!«
    »Wir können immer noch für uns selbst jagen«, knurrte eine Stimme von der anderen Seite der Lichtung.
    Hirschfuß trat vor, seine Augen glänzten, und Tigerkralle vermutete, dass dies das erste Anzeichen der Krankheit war. »Diese Katzen haben unseren Clan aus gutem Grund verlassen. Vielleicht sollten wir lieber zweimal nachdenken bevor wir sie willkommen heißen.«
    Triefnase legte die Ohren an.
    »Diese Katzen wie du sie nennst, haben uns wahrscheinlich alle davor bewahrt zu Tode zu hungern«, miaute er. „Zeig ein wenig Respekt ihnen gegenüber, Hirschfuß.«
    Narbengesicht schaute sich um.
    »Wo ist Hellpelz?«, fragte er.
    »Ich habe gehört, dass er jetzt zweiter Anführer ist.«
    Eschenbeere trat zu ihm. Tigerkralle erinnerte sich das sie und Narbengesicht vor langer Zeit Gefährten gewesen waren, und Hellpelz eines ihrer Jungen war.
    »Er ist gestorben, Narbengesicht«, flüsterte sie und lehnte sich an seine Schulter. »Er war derjenige der die Krankheit mit ins Lager brachte als er eine infizierte Ratte fing.«
    Narbengesicht schwankte und trat einen Schritt zurück.
    »Er ist gestorben?«, echote er. »Ich hätte hier sein sollen, Eschenbeere. Wenn ich diese Ratte an seiner Stelle gefangen hätte…«
    Die Kätzin legte ihm den Schwanz über den Mund.
    »Pscht. Unser Sohn wandelt jetzt im SternenClan. Er wird wissen was du heute für uns getan hast.«
    Tigerkralle legte seinen Kopf auf eine Seite.
    »Wer hat Hellpelz als Stellvertreter ersetzt?«, fragte er Nachtstern.
    Der alte Anführer zuckte zusammen, als ob er im Stehen eingedöst gewesen wäre.
    »Nachtstern war zu krank um einen neuen zweiten Anführer zu ernennen«, warf Triefnase ein. Er stellte sich ein wenig näher an den schwarzen Kater heran um ein wenig von seinem Gewicht stützen zu können.
    Tigerkralle dachte, dass er noch nie ein schwächeres, armseliger aussehendes paar Katzen gesehen hatte.
    »Ich erfülle im Moment die Pflichten eines Stellvertreters«, sprach die Heiler Katze weiter.
    Tigerkralle konnte sich nicht vorstellen, dass dies viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Es gab nicht genug gesunde Katzen um regelmäßige Patrouillen zum Jagen oder überwachen der Grenzen auszusenden, wie er und die anderen von ihrer Grenze aus beobachtet hatten.
    Er fühlte einen Stich der Neugier in seinem Bauch.
    Ein kranker, alter Anführer, kein Stellvertreter, eine Heiler Katze die verrückt wurde in dem versuch die Krankheit zu besiegen die ihren Clan verwüstete… Der SchattenClan ging schneller unter als ein Stein im Fluss.
    Nachtstern zuckte und stellte sich mehr aufrecht hin. »Tigerkralle, ihr seid willkommen zu bleiben und Frischbeute mit uns zu teilen«, miaute er förmlich. Er gestikulierte mit seinem Schweif. »Bitte bedient euch.«
    Tigerkralle beugte den Kopf.
    »Nicht mal im Traum würden wir das tun«, miaute er.
    »Wir haben diese Beute für euch gefangen. Die Not des SchattenClans ist viel größer als unsere. Aber, wenn du es erlaubst, würden wir gern weiter für euch jagen, bis es deinen Clankammeraden besser geht und sie wieder zu Kräften gekommen sind.«
    Nachstern ließ ein leises schnurren ertönen.
    »Du bist so gütig«, krächzte er. »Möge der SternenClan deinen Weg erleuchten, für immer.«
    »Oh das wird er«, murmelte Tigerkralle als er sich umdrehte und seine Katzen mit einem Schnippen seines Schwanzes um sich versammelte. Narbengesicht löste sich wiederwillig von Eschenbeere und Stummelschweif warf Dämmerwolke einen sehnsüchtigen Blick zu, aber sie alle folgten ihm als er aus dem Lager hinaus in den Kiefernwald trabte.
    »Ich werde euch zur Grenze führen«, bot Kieselfang an, aber Tigerkralle schüttelte den Kopf.
    »Bleib hier und iss mit deinen Kammeraden«, drängte er ihn.
    »Wir kennen den Weg zurück.«
    Hinter ihm flüsterten die Katzen schockiert darüber, dass sie ihren Clan so krank und schwach vorgefunden hatten. Haken fühlte mit ihnen mit, und schwor das er jedes Eichhörnchen im Wald fangen würde wenn nötig, um die Katzen wieder gesund zu machen. Tigerkralle hörte nur mit halbem Ohr zu. Es war ihm egal ob jede SchattenClan Katze krank wurde und Starb. Im Moment stand ein ganzer Clan in seiner Schuld, und das konnte nur zu seinen Gunsten sein.
    »Wenn Barmherzigkeit wirklich Macht bedeutet, dann war ich nie mächtiger als jetzt.«

    Am folgenden Tag ließ Tigerkralle die Anderen wieder auf die Jagd für den SchattenClan gehen, gab ihnen aber zu verstehen, dass sie nach Sonnenhoch mit dem Training beginnen würden. Als die Katzen geräuschvoll im Farn verschwunden waren, tiefer in die Wälder, machte sich Tigerkralle auf in Richtung Zweibeinerort.
    Die Erinnerung an Mowgli nagte an ihm. Der Einzelläufer hatte vielleicht den Schwanz eingezogen und war während des Kampfes mit dem DonnerClan geflohen, aber da war etwas an dem jungen braunen Kater gewesen, sein Eifer mehr über das Clanleben zu erfahren, sein Hunger nach Kämpfen, dass vermuten ließ das er immer noch nützlich sein konnte. Tigerkralle erinnerte sich wie er Mowgli das letzte Mal gesehen hatte, Ringend mit Feuerherz, seine Krallen nach dessen Kehle ausstreckend, bevor Farnpfote ihn aus der Balance gebracht und weg geschleift hatte.
    Tigerkralle wusste, dass er Mowgli nicht zu hart verurteilen konnte, nicht nachdem Feuerherz ihn in Blausterns Bau übertrumpft hatte.
    Dieser Zweibeinerort Streuner hatte Fähigkeiten die noch sehr nützlich sein konnten. Tigerkralle entschied, dass er ihm noch eine Chance geben würde.
    Aber wenn der braune Kater wieder versagen würde, würde er es mehr bereuen als alles andere in seinem Leben.
    Er erreichte einen großen, hölzernen Zaun und quetschte sich durch eine Lücke in den Brettern. Sein Kopf drehte sich als die verwirrenden Eindrücke des Zweibeinerorts auf ihn herein brachen: Blumen in Farben die man im Wald selten sah, der kränklich süße Geruch des zu kurzen Grases, und, alles untermalend, der Gestank nach Monstern, die ihren faulen Atem über das Labyrinth aus Donnerwegen bliesen. Tigerkralle rannte durch einen Busch mit hellgrünen Blättern und sprang über eine niedrige Steinmauer. Auf jeder Seite führte ein schmaler schwarzer Weg zwischen den roten Steinen der Zweibeinernester entlang. Er hatte eine vage Erinnerung hier schon einmal gewesen zu sein. Wenn er diesen Weg gehen würde, er drehte sich und lief über den harten Stein, wobei er darauf achtete in den Schatten zu bleiben, würde er zu einem staubigen, offenen Platz kommen an dem sich die Streuner versammelten um in der Sonne zu baden. Vor ihm wurde es heller bis er seine Augen zusammenkneifen musste. Der geschützte Weg fand ein abruptes ende und Tigerkralle lugte auf den hellen, weißen Platz der sich vor ihm erstreckte. Mehrere flauschige Gestalten lagen auf der Seite und schnippten faul mit den Schwanzspitzen.
    Ein Kopf hob sich in seiner Nähe.
    »Wir haben besuch«, miaute die silberne Kätzin ihren Kammeraden zu.
    Ein fetter brauner Tigerkater schaute zu Tigerkralle hinüber.
    »Er stinkt.«
    »So riechen Waldkatzen eben«, miaute die erste Katze.
    »Was machst du hier, Fremder? Hast du vergessen wie man Eichhörnchen fängt?«
    Tigerkralle ignorierte sie. Eine Bewegung auf der anderen Seite des Platzes hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Er verengte die Augen und konnte einen gerade noch einen schwarzen Schatten mit gesprenkelter Schnauze ausmachen bevor er hinter einem Haufen steinen verschwand.
    Mit kribbelndem Pelz lief er am Rand des Platzes entlang.
    Die meisten Streuner schenkten ihm keine Beachtung, einer knurrte, dass er aufhören solle seinen Schatten auf ihn zu werfen.
    Tigerkralle erreichte den Ort an dem er die braune Katze hatte verschwinden sehen und schnüffelte an den zerbrochenen Steinen. Er kannte diesen Geruch…
    »Mowgli?«, miaute er leise.
    Er hörte ein rascheln in dem langen Gras hinter den Steinen. »Tigerkralle?«, kam ein allarmiertes flüstern zurück. Es entstand eine kurze Pause, dann glitt der braune Kater hinaus. Seine Augen waren riesig und sein Fell war gesträubt.
    »Hast…. Hast du nach mir gesucht?«
    Tigerkralle blinzelte.
    »Ich will es nicht zur Gewohnheit werden lassen zum Zweibeinerort zu kommen«, knurrte er.
    Mowgli kroch näher, sein Kopf soweit gesenkt das seine Schnauze den Boden berührte.
    »Es tut mir leid, Tigerkralle«, miaute er.
    »Ich weiß ich hätte mich nicht von dieser Katze verjagen lassen sollen. Ich weiß wie sehr du dir wünschst, dass der orangene Kater stirbt.«
    »Fehler gehören der Vergangenheit an«, grollte Tigerkralle.
    Er wollte nicht das Mowgli dachte er wäre nicht enttäuscht von ihm.
    »Ich will wissen ob du sie wieder passieren lassen wirst.«
    Die braune Katze sah mit seinen grünen Augen zu ihm auf, hungrig nach Anerkennung.
    »Niemals!«, schwor er. »Ich würde meinen letzten Blutstropfen geben um an deiner Seite zu kämpfen!«
    »Das werde ich im Moment nicht von dir verlangen«, miaute Tigerkralle.
    »Die Dinge haben sich geändert. Die anderen Katzen und ich leben jetzt in der Nähe des SchattenClans, aber ich will den DonnerClan immer noch eines Tages zerstören. Und den orangenen Kater töten«, er endete mit einem fauchen.
    Mowgli stellte sich aufrecht hin, er war gerade mal so hoch wie Tigerkralles Schultern.
    »Lass mich zu Ende bringen was ich begonnen habe«, erklärte er. »Du wirst es nicht bereuen Tigerkralle.«
    »Ich werde dafür sorgen, dass ich das nicht tun werde«, miaute Tigerkralle.
    »Komm, wir haben viel zu tun.«
    Er drehte sich um und lief geradewegs über den offenen Platz. Bewusst wirbelte er dabei eine Wolke von Staub über den dösenden Streunern auf.
    Er hörte wie sie hinter ihm Husteten und spuckten, aber er und Mowgli hatten schon die Lücke zwischen den Zweibeinernestern erreicht bevor eine der Katzen ihren faulen Körper erheben konnte.

    12
    Kapitel 5:

    Als Tigerkralle mit Mowgli an seinen Fersen zum umgestürzten Baumstamm zurückkehrte, sah Haken erstaunt aus, begrüßte seinen alten Freund aber herzlich und zeigte ihm wo er sein Nest bauen konnte. Schwarzfuß war vorsichtiger.
    »Bist du dir sicher, dass du ihm trauen kannst?«, miaute er zu Tigerkralle.
    »Falls du denkst, dass er ein Spion des DonnerClans sein könnte, ist das sehr unwahrscheinlich«, gab Tigerkralle zurück.
    »Das letzte Mal als der DonnerClan ihn sah, hat er versucht Feuerherz‘ Kehle aufzuschlitzen.«
    »Ich meinte nicht, dass er jetzt vielleicht den DonnerClan bevorzugen würde«, argumentierte Schwarzfuß.
    »Ich frage mich nur wie sehr wir uns auf eine Katze verlassen können die beim ersten Anzeichen eines Kampfes den Schwanz einzieht. Was, wenn er uns wieder verlässt?«
    »Dann wird er nicht zurückkommen.« Antwortete Tigerkralle.
    »Er weiß, dass dies seine letzte Chance ist.«
    Filzklette trottete zu ihnen hinüber.
    »Wir sind bereit fürs Kampftraining, Tigerkralle«, miaute sie.
    »Oh, und Narbengesicht und ich haben ein paar SchattenClan Krieger an der Grenze gesehen als wir jagen waren. Sie wollten wissen ob sie morgen mit uns zusammen jagen könnten.«
    Tigerkralle runzelte die Stirn. „Was, in diesen Wäldern?“
    »Nein«, miaute Filzklette. »Im SchattenClan Territorium. Dort kennen sie sich am besten aus und wissen wo es Beute gibt. Aber sie dachten, sie hätten vielleicht mehr Glück wenn wir ihnen helfen würden.«
    Tigerkralle fühlte wie ihm ein Schauer des Triumpfes über den Rücken lief. Hatten die SchattenClan Krieger schon begriffen wie sehr sie ihn und seine Kammeraden brauchten? Er wartete einen Moment bevor er antwortete.
    »Nun gut, aber wir werden immer noch getrennt für uns selbst jagen. Der SchattenClan muss verstehen, dass wir ohne ihn überleben können.«
    Filzklette nickte.
    »Natürlich. Danke, Tigerkralle. Ich... Ähm…habe Nassfuß gesagt, dass wir uns bei Sonnenhoch an der Grenze treffen.«
    Sie blinzelte nervös. »Wenn du sagst das es okay ist.«
    Tigerkralle schnippte mit der Schwanzspitze um Filzklette zu warnen, dass er genau wusste, warum sie dem SchattenClan ihre Hilfe so sorglos angeboten hatte. Die Kätzin schaute hinunter auf ihre Pfoten.
    Mowgli sah verwirrt aus.
    »Ich dachte du kannst die Clans nicht ausstehen«, miaute er.
    »Nur den DonnerClan nicht«, grollte Tigerkralle.
    »Der SchattenClan leidet an Krankheit und Hunger. Solang wir stark genug sind um ihnen zu helfen, werden wir das auch tun.«
    Narbengesicht trabte an ihnen vorbei in den Schatten der Eiche. »Ich erlaube mir ein Schläfchen zu halten«, murmelte er.
    »Bevor wir mit dem Kampftraining beginnen.«
    Tigerkralle versperrte ihm den Weg mit einer Pfote.
    »Wirst du immer die Chance haben ein Schläfchen zu halten bevor der Feind angreift? Nein. Du wirst jetzt trainieren, mit der Energie die du noch hast. Verstanden?«
    Ärger blitzte in Narbengesichts Augen auf, dann nickte er.
    »Ich habe verstanden, Tigerkralle.«
    »Gut«, flüsterte die Stimme in Tigerkralles Gedanken.
    »Diese Katzen dürfen keine Entscheidung selbst treffen, nicht wenn du verhindern willst, dass sie sich mächtiger fühlen als du.«
    Tigerkralle fühlte wie sich seine Schultern verkrampften. Niemals, schwor er lautlos.

    Als die Sonne am folgenden Tag die Wipfel der Bäume erreichte, sah Tigerkralle zufrieden wie Erleichterung in den Augen des Grau gestreiften Katers zu sehen war der an der Grenze auf sie wartete.
    »Ich hatte befürchtet das ihr es euch vielleicht anders überlegt habt«, plapperte Nassfuß als sie näher kamen.
    Filzklette warf Tigerkralle einen Seitenblick zu.
    »Wir werden euch helfen wen wir können«, miaute sie vorsichtig.
    Tigerkralle schritt über die Grenze.
    »Richtig, wo gehen wir zuerst lang?«
    Eine kleiner, hellbrauner Kater spitzte die Ohren.
    »Nassfuß führt die Patrouille an«, zwitscherte er.
    Schnell schüttelte Nassfuß den Kopf.
    »Es ist in Ordnung, Eichenpfote. Tigerkralle kann uns anführen.«
    Eine knochige, schwarze Kätzin scharrte über die Blätter am Boden.
    »Mein Bauch denkt meine Kehle ist aufgeschlitzt worden«, murmelte sie.
    »Gehen wir nun jagen oder quatschen wir nur?«
    »Okay, Dunkelblüte, behalt dein Fell an«, neckte Schwarzfuß, und mit einem Ruck wurde Tigerkralle daran erinnert das seine Kammeraden, abgesehen von Haken und Mowgli, diese Katzen viel besser kannten als er, dass sie befreundet und sogar verwandt waren.
    Er konnte nicht zulassen, dass dies zu einer Schwäche für ihn wurde.
    »Wir werden an der Grenze zu den Wäldern bleiben«, verkündete er.
    »Folgt mir, und wartet auf mein Zeichen mit dem Jagen zu beginnen.«
    »Wir suchen uns normalerweise unsere eigene Beute«, begann Eichenpfote aber Filzklette unterbrach ihn.
    »Was immer du für das beste hältst, Tigerkralle«, miaute sie.
    Tigerkralle stürzte voran, genoss das Gefühl seiner Pfoten die über den Boden trommelten und atmete den grünen Duft des Waldes ein der ihn verschluckte.
    Hinter ihm folgten ihm die anderen Katzen Schritt für Schritt. Vor ihnen eine Schneise stiller Bäume die mit Beute gefüllt waren die nur darauf wartete gefangen zu werden.

    »Warum genau hast du den DonnerClan verlassen?«, miaute Apfelfell. Die braun gefleckte Kätzin räkelte sich in einem Fleck Sonnenlicht und schnippte mit dem Schweif.
    Tigerkralle musterte sie, und bemerkte das neugierige schimmern in ihren hellgrünen Augen.
    Er war mit einer weiteren erfolgreichen Jagd Patrouille ins Lager zurückgekehrt. Die Junge Kriegerin Rostfell hatte ihn beeindruckt, sie war im Zweibeinerort aufgewachsen genau wie Kieselstein, aber sie war scharfsinnig und totbringend wie eine Clangeborene Katze wenn es darum ging Beute zu jagen. Um ihn herum aßen die SchattenClan Katzen friedlich und genossen das Gefühl der Sonne auf ihren gefleckten Fellen.
    Alle, außer Nachtstern, der zu krank war um seinen Bau zu verlassen. Tigerkralle konnte ihn hinter dem Brombeervorhang husten hören.
    Er zog mit einer seiner langen Krallen eine Spur in den Staub.
    »Du wirst genug Getratsche über mich hören um dir eine eigene Geschichte zusammenreimen zu können«, miaute er.
    Apfelfell blinzelte und ließ ihren Blick auf dem Boden verweilen. »Deswegen frage ich dich ja nach der Wahrheit.«
    Tigerkralle stand auf und betrachtete die Lichtung.
    »Ich kann keinem Clan loyal sein der mehr auf ein Hauskätzchen hört als auf seinen Zweiten Anführer. Ich glaube immer noch an das Gesetz der Krieger, auch wenn mein früherer Clan es nicht tut.«
    »Redest du von Feuerherz?«, fragte Rattennarbe, ein junger Krieger mit einer Narbe die sich von seinem dunkelbraunen Fell abhob, und der er seinen Namen zu verdanken hatte.
    Tigerkralle verzog die Lippen zu einem knurren.
    »Wenn du nicht noch eine Narbe in deinem Fell haben willst, wirst du diesen Namen nie wieder in meiner Gegenwart erwähnen«, grollte er.
    Er nickte Schwarzfuß zu der sich mit Farnschatten unterhielt.
    »Komm, es wird Zeit das wir gehen.«
    Ein dunkelgrauer Kater hob den Kopf von einer Taube die er gerade mit den anderen Ältesten teilte.
    »Müsst ihr schon gehen?«, rief er.
    »Die Sonne wird für eine Weile nicht aufgehen. Ich wollte euch doch noch davon erzählen wie ich mal einen Dachs gefunden habe der im Sumpf stecken geblieben war.«
    Tigerkralle versuchte enttäuscht auszusehen.
    »Nächstes Mal, Zedernherz. Ich würde diese Geschichte liebend gern hören. Aber meine Freunde und ich haben uns eurem Clan für heute schon lange genug aufgedrängt.«
    Mit dem Schnippen seines Schwanzes sammelte er seine Kumpane um sich.
    »Ihr werdet doch morgen wieder kommen, oder?«, miaute Triefnase der seinen Kopf aus Nachtsterns Bau streckte.
    »Ich…Ich dachte du könntest vielleicht die Jagdpatrouillen an meiner Stelle arrangieren. Ich muss an der Grenze nach mehr Kräutern suchen.«
    Tigerkralle legte seinen Kopf auf eine Seite.
    »Wenn du es wünschst, Triefnase. Wir werden kurz nach Sonnenaufgang hier sein.«
    Er trabte aus dem Lager heraus und ließ seine Kammeraden Abschiedsgrüße über ihre Schultern rufen.
    »Sie brauchen dich langsam so sehr wie der Wald den Regen«, flüsterte die Stimme in seinem Kopf.
    »Gute Arbeit, Tigerkralle.«

    Die vier Katzen sahen aufgeregt und stolz aus als Tigerkralle sie für seine Jagdpatrouille auswählte.
    Rostfells Muskeln spannten sich unter ihrem Fuchs farbenem Fell als sie sich schon zu ihrem ersten Sprung bereit machte, wärend Rattennarbe seine Krallen ausfuhr und ihre Schärfe überprüfte. Narbengesicht sah so gelassen wie immer aus, aber seine Ohren waren gespitzt und sein Schwanz zuckte.
    Neben ihm stand Weißkehle, ein schwarz weiser Kater der klein für sein Alter war, aber schnell und wendig aussah.
    Tigerkralle wollte gern sehen wie schnell er sich wohl bewegen konnte.
    »Ich dachte mir, wir jagen heute mal etwas anderes als SchattenClan Beute«, verkündete Tigerkralle.
    Rostfell legte ihren Kopf zu einer Seite.
    »Was gibt es denn anderes?«
    »Vielleicht, Beute von irgendwo anders?«, miaute Narbengesicht, seine Augen begannen zu strahlen.
    Tigerkralle nickte.
    »Lasst uns mal das DonnerClan Territorium probieren«, schlug er vor und beobachtete jeden Krieger genau.
    Rostfell und Rattennarbe strafften die Schultern und verengten die Augen, aber Weißkehle machte einen Schritt zurück.
    »Do…DonnerClan?«, stammelte er.
    »Wirklich? Aber das wäre stehlen!«
    Tigerkralle blinzelte.
    »Hast du ein Problem, Weißkehle?«
    Der kleine Kater schaute hinunter auf seine Pfoten.
    »Ich würde lieber keine Beute vom DonnerClan nehmen, das ist alles«, miaute er.
    Narbengesicht stellte sich an Tigerkralles Seite.
    »Es gibt Gerüchte«, begann er schnell, »das Weißkehle und Kleinwolke Schutz beim DonnerClan gesucht haben wären die Krankheit am schlimmsten war.«
    »Denkst du das stimmt?«, zischte Tigerkralle.
    Narbengesicht musterte den schwarz weißen Krieger, der anscheinend versuchte in seinem eigenen Pelz zu verschwinden. »Ich kann mir vorstellen das zwei verängstigte Katzen von einem Clan flüchten würden der um sie herum stirbt«, miaute er.
    »Dann müssen wir sicher gehen, dass die Loyalität zu ihrem Clan nicht ins Stocken gerät«, kommentierte Tigerkralle grimmig.
    Er erhob seine Stimme und miaute:
    »Weißkehle, dies ist keine jag-wenn-du-möchtest Patrouille. Du wirst mir dahin folgen wo ich euch hin leite, ist das klar?«
    Er schritt hinüber zu dem Krieger und ließ seine Krallen hinaus gleiten.
    »Alle anderen Clans sind Feinde des SchattenClans. Wenn wir also Bbeute von ihnen nehmen wollen, sollte uns nichts davon abhalten. Verstehst du?«
    Mit ängstlichem Blick nickte der kleine Kater. Tigerkralle ließ seinen Blick über die Lichtung schweifen bis er auf Kleinwolke ruhte.
    Der graue Tigerkater schaufelte sich durch einige Kräuter für Triefnase.
    Tigerkralle verzog die Lippen. Jetzt wo Kleinwolke ein Heilerschüler war würde es schwer werden seine Loyalität in Form von jagen oder kämpfen zu testen.
    Tigerkralle würde ihn im Auge behalten müssen.
    »Auf geht’s«, miaute er, richtete seinen Schwanz hoch auf und leitete die Katzen in schnellem lauf aus dem Lager.
    Er legte die Ohren an um zu prüfen das vier paar Pfoten ihm folgten, dann duckte er sich in das verworrene feuchte Gras wo kleine Pfade sie zu einem Tunnel führen würden der unter dem Donnerweg entlang führte.
    Bevor er sich in das enge Loch duckte, pausierte Tigerkralle um einen letzten Atemzug SchattenClan Luft zu nehmen. Gehörte er jetzt hier hin? Er war nicht mehr im DonnerClan Territorium gewesen seit… Er schob die Erinnerung von Blaustern die ihm befahl zu gehen beiseite und rannte in den Tunnel.
    Seine Pfotenschritte echoten einen Moment um ihn herum, dann brach er in den dichten grünen Wald auf der anderen Seite ein.
    Zu Hause! Rief ein verräterischer Sinn in ihm als ihm die zahllosen Gerüche von Blättern, Farnen und anderen grün wachsenden Dingen in die Nase stiegen.
    Darunter verwoben waren Spuren von kleinen, felligen Kreaturen die durch den Untergrund raschelten, über moosbewachsene Stämme krochen und unsichtbare Spuren für Katzen auf der Jagd hinterließen.
    »Wow«, hauchte Rattennarbe. »Das riecht nach einer guten Jagd!«
    Tigerkralle nickte.
    »Bleibt nahe am Donnerweg. Es gibt keinen Grund auf uns aufmerksam zu machen bevor wir eine anständige Strecke zurückgelegt haben.«
    Er stürzte sich in den Farn und genoss das Gefühl von tau feuchten Blättern die gegen sein Fell schlugen.
    Plötzlich hörte er das Knuspern einer Maus die an einem Samen nagte.
    Er ließ sich ins Jagdkauern fallen und kroch vorwärts, Pfote für Pfote, bis seine Schnauze aus einem Büschel Farn auftauchte und die kleine braune Kreatur freigab.
    Tigerkralle zog die Hinterpfoten fest an den Bauch und sprang dann geräuschlos vorwärts um direkt auf der Maus zu landen. Sie ließ ein schwindendes quieken ertönen, weich, warm und gutriechend in Tigerkralles Pfoten. Er schluckte das Wasser das sich in seinem Maul gesammelt hatte herunter und vergrub seine Beute schnell.
    Hinter ihm, starrten ihn die SchattenClan Katzen mit offenen Mündern an.
    »Das war schnell!«, kommentierte Rostfell.
    Tigerkralle fühlte eine Welle des Stolzes.
    Dies war jetzt sein Territorium. Er kannte jeden Trick den seine Vorfahren jemals bei der Jagd angewendet hatten. Er zuckte mit den Schultern als wäre es keine große Sache und bahnte sich seinen Weg durch einen Holunderbusch der mit schweren weißen Blüten beladen war. Der Geruch kitzelte in seiner Nase und ließ ihn beinahe niesen, aber er hielt inne als er ein leises rascheln auf der anderen Seite des Busches hörte. Tigerkralle lugte vorsichtig durch die Blätter und entdeckte der hellbraune gestalten die zwischen ein paar Eschen in Richtung Grenze hindurchschlüpfte.
    Eine DonnerClan Patrouille! Er schnüffelte, und erkannte Mausefell, Sturmwind und Dornenkralle.
    Eine Erinnerung blitzte in Tigerkralles Gedanken auf von diesen drei Katzen die ihn höhnisch ansahen als er das DonnerClan Lager das letzte Mal verließ.
    Jeder von ihnen hatte ihn nicht besser behandelt als einen Gefangenen, übel zugerichtet und geschlagen von ihrem kostbaren Hauskätzchen. Tigerkralle fühlte eine Flamme der Wut in seinem Bauch brennen.
    Diese Gelegenheit war zu gut im sie zu verpassen.
    »Katzen des SchattenClans!«, jaulte er über seine Schulter.
    »Greift an!«

    13
    Kapitel 6:

    Tigerkralle explodierte aus dem Busch heraus und sprang auf Sturmwinds schmalen Rücken. Der Krieger fiel neben ihn wie ein Stein.
    Tigerkralle ließ seine Krallen in Sturmwinds Kehle sinken und hielt ein triumphierendes Jaulen zurück als Blut unter seinen Pfoten hervorquoll. Hinter ihm hörte er Mausefell und Dornenpfote davon stürmen, deren Pfotenschritte in Richtung DonnerClan-Lager verschwanden. »Feiglinge!«, spuckte Tigerkralle.
    »Beim SternenClan!«, keuchte Rostfell. »Du hast ihn umgebracht!«
    Tigerkralle trat von Sturmwinds bewegungslosem Körper zurück.
    »Er hätte schneller reagieren müssen«, miaute er.
    Weißkehle trat auf zitternden Beinen näher und senkte den Kopf um Sturmwinds Pelz zu beschnüffeln.
    »Aber… er hat nicht erwartet angegriffen zu werden! Er war nur auf einer Patrouille.«
    »Ein guter Krieger ist immer auf der Hut«, grollte Tigerkralle. »Nun, wer wird mir helfen die Anderen zu finden?«
    Narbengesicht scharrte mit der Pfote über den Boden.
    »Aus welchem Grund? Wir sind in ihr Territorium eingedrungen. Du hast einen Krieger getötet. Wir wollen unsere Clangefährten nicht in einen Kampf mit dem DonnerClan verwickeln. Wir sind noch nicht stark genug dafür!«
    Tigerkralles Nackenhaare stellten sich auf.
    »Es gibt immer einen Grund einen anderen Clan anzugreifen! Mehr Territorium, bessere Beute, die Chance zu beweisen wie stark wir sind!«
    »Aber wir sind nicht stark«, protestierte Rattennarbe. »Und wir wollen das Territorium des DonnerClans nicht übernehmen oder ihre Beute jagen.«
    In der Ferne konnten sie hören wie Katzen durch das Unterholz preschten, die sich nicht darum scherten wie viel Beute sie verjagten. Narbengesicht trat vor.
    »Tigerkralle, wir kamen hierher um zu jagen, nicht um zu kämpfen. Dies ist kein Kampf den wir gewinnen können. Zumindest noch nicht.«
    Rostfell knetete den Boden unruhig mit ihren Pfoten.
    »Wir müssen hier weg!«
    Tigerkralle zwang das Fell auf seinem Rücken angelegt zu bleiben.
    »Gib ihnen das Gefühl das es deine Entscheidung ist sich zurück zu ziehen, nicht ihre«, warnte die Stimme in seinem Kopf.
    »Sonst könnte das hier das dümmste sein was du jemals getan hast.«
    »Na gut. Dieser Krieger« – er trat gegen Sturmwinds Körper welcher wie ein Blatt im Wind zitterte – »wird die Nachricht das der SchattenClan wieder stark wird deutlich genug übermitteln.« Er schnippte mit dem Schwanz kurz bevor Narbengesicht, Rostfell und Rattennarbe sich in den Holunderbusch stürzten und in Richtung Donnerweg rannten.
    »Ich habe euch das Signal zum Rückzug gegeben! Vergesst das nicht!«
    Weißkehle blieb wo er war und grub seine Schnauze in das noch warme Fell des toten Krieger.
    »Kommst du?«, knurrte Tigerkralle.
    Weißkehle bewegte sich nicht. »Du wartest darauf, dass deine DonnerClan Freunde auftauchen, nicht wahr?«, spuckte Tigerkralle.
    »Ich wusste, dass ich dir nicht trauen kann. wisse, Weißkehle, du wirst nie wieder im SchattenClan willkommen sein, das verspreche ich dir.«
    »Hier entlang!«, rief Mausefell von der anderen Seite eines Büschel Farns aus. »Schnell!«
    Tigerkralle hob den Kopf und schnüffelte.
    Neben dem beißenden Geruch des Donnerwegs konnte er den Geruch von Feuerherz und Weißpelz wahrnehmen, der schnell näher kam.
    So gerne er auch geblieben wäre um zu sehen wie sie um Sturmwind trauerten, wusste er doch, dass er es nicht mit ihnen allen aufnehmen konnte.
    Er drehte sich um und schlüpfte in den Holunderbusch gerade als Feuerherz auf der Lichtung auftauchte.
    »Er ist Tod!«, jammerte Weißkehle.
    Tigerkralle sprang aus dem Holunderbusch heraus und folgte der Spur bis zum Farnbüschel.
    Vertrocknete Wedel schlugen gegen seinen Pelz und stachen ihn in die Augen. Schwer atmend stoppte er am Rand des Donnerweges.
    Plötzlich tauchte zu Tigerkralles Überraschung Weißkehle ein Stück von ihm entfernt aus den Brombeeren auf.
    Seine Augen waren geweitet, er atmete schwer und Blut klebte an seiner Schnauze.
    »Führt er eine Patrouille an um den SchattenClan anzugreifen?«, fragte sich Tigerkralle, und machte sich bereit los zu rennen um die anderen zu warnen. Verräter!
    Feuerherz tauchte hinter Weißkehle auf und der schwarz weiße Krieger drehte den Kopf um den roten Kater anzustarren.
    »Hol so viel Verstärkung wie du willst! Ich werde sie alle Töten!«, schwor Tigerkralle.
    Ohne das Gespräch mit Feuerherz zu beenden rannte Weißkehle auf den Donnerweg.
    Tigerkralle trat einen Schritt zurück als ein Monster vorbeiraste, welches ihm Kies und eine stinkende Wolke ins Gesicht blies. Als die Luft aufhörte zu wirbeln sah er wie Feuerherz voller Entsetzen auf die schwarzweiße Gestalt schaute die in der Mitte des Donnerwegs lag.
    »Das Monster hat Weißkehle getroffen.«
    Tigerkralle verengte die Augen.
    »Wird der DonnerClan trotzdem angreifen?«
    Auf dem gnadenlosen schwarzen Stein begann Weißkehle sich zu bewegen. Feuerherz rannte zu ihm.
    Er kauerte sich nieder und schien mit Weißkehle zu sprechen, aber seine Worte wurden von einem zweiten Monster verschluckt das vorüber raste.
    Als Tigerkralle Feuerherz wieder sehen konnte war dieser bereits aufgestanden. Weißkehle lag ausgestreckt auf seinen Pfoten seine Augen trüb, ein Rinnsal aus Blut lief aus seinem Maul. Feuerherz starrte ihn an.
    »Fällt dir nichts besseres zur Verteidigung deines Territoriums ein, als mickrige Katzen zu Tode zu jagen?«, höhnte Tigerkralle.
    Als Antwort schoss Feuerherz auf ihn zu und krachte in ihn hinein. Überrascht fiel Tigerkralle zu Boden, wärend der Geruch des DonnerClans vom Gras um ihn herum aufstieg.
    Feuerherz schlug mit den Pfoten gegen Tigerkralles Rippen aber Tigerkralle bäumte sich auf und schleuderte den roten Kater zu Boden. Tigerkralle ließ sich mit seinem vollen Gewicht auf ihn krachen und senkte seinen Krallen in Feuerherz‘ Kehle.
    Wut kochte in ihm.
    »Hörst du zu, Hauskätzchen?«, zischte er.
    »Ich werde dich töten, dich und all deine anderen Krieger, einen nach dem anderen.«
    Plötzlich war das trommeln von Pfoten auf dem Donnerweg zu hören und eine Stimme miaute in Tigerkralles Ohr,
    »Dachtest du wir würden dich hier allein kämpfen lassen?«
    Er drehte sich um und schaute in Schwarzfuß‘ hungriges Gesicht.
    »Nein, mein Freund«, miaute Tigerkralle. »Ich wusste, dass du kommen würdest.«
    Schwarzfuß hatte fast jede Katze mitgebracht die nicht krank war – unter ihnen Rostfell und Rattennarbe wie Tigerkralle bemerkte.
    Als die SchattenClan Katzen sich auf dem Donnerweg versammelten sprangen Mausefell und Weißpelz aus dem Unterholz.
    Sie hatten mutig gekämpft, aber die DonnerClan Krieger waren ganz einfach in der Unterzahl.
    Zwar hatte Feuerherz es geschafft sich aus Tigerkralles Griff zu befreien, doch diesen Kampf würde der SchattenClan auf keinen Fall verlieren.
    Mowgli schoss vorwärts und traf eines von Feuerherz‘ Hinterbeinen mit seinen Krallen. Feuerherz stolperte und Tigerkralle stellte sich über ihn, bereit ihm den Todesstoß zu versetzen. Mowglis Augen leuchteten mit Triumpf.
    Plötzlich fühlte Tigerkralle einen stechenden Schmerz im Bauch und sah überrascht hinunter.
    Ein breitschultriger grauer Tigerkater hatte sich auf seinen entblößten Bauch gestürzt und bearbeitete die gerade verheilte Wunde mit den Krallen.
    »Graustreif! Was macht er hier? Er lebt im FlussClan!«
    Tigerkralle sank auf die Pfoten und schaute sich um. Seine Katzen kämpften gegen mehr als nur drei DonnerClan Katzen.
    Es sah so aus als wäre eine ganze FlussClan Patrouille gekommen um Feuerherz zur Hilfe zu eilen.
    »Sich immer auf die Hilfe von Anderen verlassen!«, spuckte Tigerkralle.
    Er bereitete sich vor als Graustreif und Feuerherz ihn Seite an Seite angriffen.
    Tigerkralle wurde zurück auf den Donnerweg gedrängt, dann verhedderte sich seine Pfote in einer Brombeerranke und er fiel schwer auf den Boden. Er schaute sich nach Mowgli und Schwarzfuß um, aber sie kämpften mit den nach Fisch stinkenden Katzen.
    Narbengesicht und Rostfell hatten sich zum Donnerweg zurückgezogen, ihre Flanken hoben sich schwer und waren mit Kratzern übersäht.
    Feuerherz schaute auf zu den SchattenClan Kriegern die sich langsam zurückzogen und Tigerkralle fühlte wie sich das Gewicht des roten Katers langsam von seinen Schultern hob. Er wand sich frei und rannte in Richtung Donnerweg.
    Er konnte hören wie die anderen SchattenClan Katzen im folgten aber er lief erst langsamer als sie tief im Inneren des Kiefernwaldes waren.
    Er humpelte zu einem flecken Moos, sein Bauch brannte vor Schmerz und seine Schnauze stach vor lauter Kratzern. Hinter ihm plumpsten die anderen Katzen zu Boden und leckten ihre wunden.
    Eine dünne Stimme jammerte in Tigerkralles Ohr:
    »Du bist geflohen! Du hättest bleiben sollen und kämpfen! Beginne niemals einen Kampf den du nicht beenden kannst, du Idiot.«
    Tigerkralle hob den Kopf.
    »Wir müssen den Rest des SchattenClans darüber in Kenntnis setzen, dass wir ohne Grund angegriffen worden sind«, ordnete er an.
    Er sah Narbengesicht in die Augen und wartete, dass der braune Kater nickte.
    »Tragischer weise starb Weißkehle als er versuchte seine Clangefährten vor der Grausamkeit des DonnerClans zu schützen. Er starb durch Feuerherz’ Pfoten wärend er versuchte die Sicherheit seines eigenen Territoriums zu erreichen.«
    Kieselfang knurrte, »Kein Krieger tötet einen Meiner Clangefährten ohne eine Antwort von mir zu bekommen. Lass mich zum DonnerClan gehen und Weißkehles Tod rächen!«
    Tigerkralle legte Kieselfang seinen Schweif auf die Schulter.
    »Hab Geduld mein Freund. Die FlussClan Katzen könnten immer noch auf uns warten. Warte bis die DonnerClan Katzen allein sind, und dann werden wir sie zerstören ohne auch nur einen Tropfen Blut zu verlieren.«
    »Weißkehles Tod war nicht umsonst!«, schrie Rostfell und ihre Clangefährten fielen mit einem Klagelaut ein.
    »Der DonnerClan hatte heute Glück, das ist alles«, miaute Tigerkralle als es wieder still wurde.
    »Dies ist kein Kampf der verloren ist. Nur einer der für eine Weile aufgeschoben ist.«
    Er traf Schwarzfuß‘ Blick. Der weiße Kater schien zu verstehen was Tigerkralle sagte.
    Was heute passiert war würde dem SchattenClan als ein tragischer Moment für Weißkehle und ein Grund zur Rache an dem DonnerClan dienen wenn sie die Chance dazu hatten. Feuerherz‘ Tage in denen er eine Horde Hauskätzchenliebhaber anleitete würden bald vorbei sein.

    14
    Kapitel 7:

    Graue feuchte Farnwedel strichen Tigerkralles Pelz als er durch den Wald lief.
    Über ihm war der Himmel schwarz, ohne das Kleinste schimmern des Mondes oder der Sterne. Trotzdem gab es genug Licht um die endlosen Baumstämme die vor ihm aufragten und einen Weg aus schleimigem Matsch zu sehen.
    Die Luft roch verrottet, wie Pilze oder vergessene Frischbeute. Die Blätter über Tigerkralle raschelten leise obwohl kein Wind wehte und der schwere Nebel schien vom feuchten Boden aufzusteigen und sich an das Fell seines Bauches zu hängen.
    »Wo bin ich?« Wunderte sich Tigerkralle. »Ist das der SternenClan?«
    »Nein, dies ist der Wald der Finsternis«, miaute jemand hinter ihm.
    Tigerkralle erstarrte.
    Er kannte diese Stimme! Es war jene, die in seinem Kopf mit ihm sprach. Mit gesträubtem Pelz drehte er sich langsam um.
    Eine Kätzin mit breitem Gesicht stand zwischen den Farnen, ihr schildpatt und weiß getupftes Fell vernarbt von längst vergangenen Kämpfen.
    Ihre bernsteinfarbenen Augen leuchteten wie goldene Monde.
    Sie sahen viel heller aus als der Rest der Kätzin und Tigerkralle wurde sich unangenehm bewusst, dass er die Blätter und den Boden hinter der Kätzin sehen konnte.
    »Willkommen im Wald der Finsternis, Tigerkralle«, miaute die Kätzin.
    »Das ist also nicht der SternenClan?«
    »Pah!«, spuckte die alte Kätzin.
    »Warum solltest du zum SternenClan wollen? Dieser Ort ist voll von schwachköpfigen Feiglingen die sich an das Gesetz der Krieger klammern wie Ameisen an ein Blatt in einer Pfütze. Du wirst unter den Katzen hier bessere Kammeraden finden, Tigerkralle.«
    Tigerkralle knetete den Boden mit den Pfoten. »Wer bist du? Und woher kennst du meinen Namen?«
    Die Kätzin schnurrte, es klang wie zwei tote Äste die aneinander rieben.
    »Ich beobachte dich schon seit langer Zeit.«
    Sie schritt vorwärts und streckte den Kopf vor um an seiner Flanke zu schnüffeln. Tigerkralle versuchte beim Gestank ihres Atems nicht zusammen zu zucken.
    »Der SchattenClan brauch einen Furchtlosen und starken Anführer«, murmelte die alte Katze.
    »Du weißt das du ihnen alles geben kannst was sie wollen, Tigerkralle. Und danach… werde ich warten.«
    Sie drehte sich um und machte Anstalten zu gehen.
    »Stopp!«, kreischte Tigerkralle.
    »Was meinst du mit, du wirst warten? I weiß nicht mal wer du bist!«
    Die Kätzin hielt inne und schaute zu ihm zurück.
    »Mein Name ist Ahornschatten«, miaute sie.
    »Ich bin seit dem Tag deiner Geburt an deiner Seite, ich leite deine Pfotenschritte und lege dein Schicksal vor dir aus. Im Moment brauchst du nicht mehr zu wissen. Noch viel, viel mehr liegt vor uns, Tigerkralle. Habe Geduld, dann wirst du alles herausfinden.«
    »Warte!« Tigerkralle wirbelte herum um ihr nachzurennen, aber seine Beine verfingen sich im Farn, und Ahornschatten verschwand im Gestrüpp.
    Mit einem Sprung wachte er auf, sein Fell immer noch feucht und voll vom Geruch der Pilze und sterbender Dinge.
    »Ewww!«, hustete Stummelschweif und stolperte zur anderen Seite des Nestes.
    »Hast du dich gestern in irgendetwas Fauligem gewälzt?«
    Tigerkralle lugte aus dem Bau heraus und duckte sich unter dem umgestürzten Baumstamm.
    »Sei nicht albern!«, zischte er.
    »Komm mit, wir müssen sofort zum Lager.«
    Schwarzfuß sprang an seine Seite.
    »Ist etwas passiert? Hattest du einen Traum vom SternenClan?«
    Tigerkralle schüttelte ungeduldig den Kopf.
    »Wir müssen einfach nur dort sein.«
    Er stürmte zwischen den Bäumen hindurch wärend Ahornschattens Worte immer noch in seinen Ohren hallten:
    »Der SchattenClan brauch einen Furchtlosen und starken Anführer. Du kannst ihnen alles geben was sie wollen.«
    Er hörte wie die anderen Katzen hinter ihm hechelten und stolperten, aber er wurde nicht langsamer bis er den Eingang zum Lager erreichte.
    Sofort hörte er einen tiefen, klagenden Ton, viele Stimmen stimmten in den Klang der Trauer ein.
    Triefnase stand in der Mitte der Lichtung, umgeben von Katzen die trauernd zusammen hockten.
    Sein Schweif schleifte im Dreck und er sah noch älter aus als die Tage zuvor. Er trottete zu Tigerkralle und leitete ihn zum Rand des Lagers.
    »Nachtstern ist letzte Nacht gestorben«, murmelte er.
    Tigerkralle senkte den Kopf.
    »Ich bedauere euren Verlust«, miaute er.
    »Ich hoffe er wandert jetzt mit dem SternenClan.«
    Triefnases Schweif zuckte.
    »Wo auch immer Nachtstern ist, ich hoffe er hat Frieden gefunden. Das wichtigste was jetzt zu tun ist, ist den Rest meines Clans zu beschützen.«
    Er starrte Tigerkralle an, seine Augen riesig und vernebelt.
    »Meine Clangefährten haben Angst weil sie keinen Anführer haben. Es gibt keinen Stellvertreter der Nachsterns Position übernehmen kann und der SternenClan hat mir kein Zeichen gesendet was wir tun sollen. Wie soll ich diesen Katzen verdenken das sie sich von ihren Vorfahren verlassen fühlen?« Seine Stimme steigerte sich in ein grauenerfülltes Jaulen.
    »Was wenn wir uns niemals von dem erholen was Braunstern uns angetan hat? Die Wunden sind so tief und nichts was ich tue wird sie heilen.«
    Tigerkralle legte seinen Schweif auf die Schulter des alten Katers.
    »Du musst stark sein«, mahnte er.
    »Ohne einen Anführer werden deine Clankammeraden sich an dich halten. Der SternenClan hat den SchattenClan noch nicht aufgegeben, und du solltest solche Gedanken nicht zulassen.«
    Er hoffte das Triefnase seine zitternden Muskeln als ein Zeichen von Trauer und nicht Aufregung wahrnahm.
    »Dies ist deine Chance!«, zischte Ahornschatten.
    »Handle mit bedacht. Du begibst dich auf dünnstes Eis und du solltest lieber nicht einbrechen.«
    Tigerkralle straffte die Schultern, als ob er eine Entscheidung getroffen hätte.
    »Triefnase, du musst den SchattenClan leiten bis der SternenClan seinen Wunsch äußert. Bis dahin werden meine Katzen und ich alles tun um euch zu helfen. Ich weiß, deine Clankammeraden sind doppelt verwundet, einmal von Braunstern und dann noch von der Krankheit die von den Ratten kam. Wenn du mich lässt, werde ich dir helfen sie zu heilen.«
    Triefnase schniefte.
    »Ich danke dir, Tigerkralle«, miaute er.
    »Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann.«
    Er humpelte über die Lichtung zu dem rankenbedeckten Stein und hievte sich hinauf.
    »Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind um Beute zu machen, sich hier unter dem Stein zu versammeln!«
    Der erdige Platz füllte sich mit trübäugigen Katzen die sich zusammendrängten wie Blätter in einem Fluss.
    Tigerkralle sah wie Stummelschweif sich neben Dämmerwolke setzte, wären Narbengesicht seine Schwanzspitze auf Eschenbeeres Schulter legte um sie auf einen leeren Platz zu führen.
    »Was hast du zu Triefnase gesagt?«, flüsterte Haken in Tigerkralles Ohr.
    »Das er und seine Clankammeraden unsere volle Unterstützung haben bis der SternenClan ihren neuen Anführer enthüllt.«
    Ein überraschtes Flacken ging durch Hakens Augen.
    »Dieser alte Kater und sein Schwacher Clan könnten wirklich jede Menge Unterstützung gebrauchen«, kommentierte er.
    Tigerkralle nickte.
    »In der Tat. Und wir werden dafür belohnt werden, keine Sorge.«
    »Gut«, miaute Haken.
    »Clangefährten!«, begann Triefnase von der Spitze des Felsens aus.
    »Bald werden die Ältesten Nachtsterns Körper aus seinem Bau tragen und wir können unsere Totenwache beginnen. Da wir keinen Stellvertreter haben der seinen Platz einnehmen kann, werde ich euch leiten bis der SternenClan seinen Wunsch bekannt gibt. Selbst wenn wir um Nachstern trauern, muss unser Leben weiter gehen. Den schlimmsten Teil der Krankheit haben wir überstanden und wir müssen wieder Kraft schöpfen. Jagd und Grenzpatrouillen werden wie immer von statten gehen und das Kampftraining wird wieder aufgenommen.«
    Er wurde vom Lärm der Stimmen unterbrochen.
    »Wir haben die Krankheit gerade erst überstanden! Wir brauchen mehr Zeit um uns zu erholen!«
    »Wie sollen wir jagen, unsere Grenzen patrouillieren und unsere Schüler trainieren?«
    »Wir wollen unserem Clan dienen, Triefnase, aber du verlangst zu viel!«
    Triefnases Augen verdunkelten sich vor Verwirrung und er trat einen Schritt zurück auf den Rand des Felsens zu.
    Tigerkralle hob den Kopf.
    »Wenn ihr erlaubt, Katzen des SchattenClans, kann ich euch helfen. Meine Katzen und ich haben euren Frischbeutehaufen in den letzten Monden gut gefüllt. Jetzt seid ihr stark genug um selbst zu jagen, also warum sollten wir euch nicht mit den Patrouillen helfen, und das Kampftraining übernehmen?«
    Er senkte den Blick und kratzte mit einer Pfote über den Boden. »Wenn ihr das wünscht, natürlich.«
    »Übertreibs nicht mit der Bescheidenheit Tigerkralle«, warnte Ahornschatten.
    »Das ist nicht gerade sehr überzeugend.«
    Triefnase trat wieder vor und zwinkerte dankbar.
    »Tigerkralle, wir werden alle Hilfe annehmen die wir kriegen können«, miaute er.
    »Warte«, rief Hirschfuß.
    »Der SchattenClan hat immer allein überlebt. Warum sollten wir jetzt Außenseiter alles für uns machen lassen?«
    Tigerkralle traf Hirschfuß‘ Blick.
    »Das ist nicht was ich vorhabe«, miaute er.
    »Wir wollen nur mit euch zusammen arbeiten, wollen euch Zeit zum Erholen geben jetzt wo die Gefahr der Krankheit vorüber ist.«
    Er schaute sich um.
    »Katzen des SchattenClans, vergesst niemals das ihr von Feinden umzingelt seid die beim kleinsten Anzeichen von Schwäche angreifen werden. Ihr hattet Glück das ihr wärend der Krankheit in Ruhe gelassen wurdet. Aber könnt ihr es für immer verheimlichen? Es braucht nur eine scharfäugige Katze bei der Großen Versammlung, ein kleines Gerücht an der Grenze um die anderen Clans dazu zu bewegen eure Stärke zu testen. Der SchattenClan war schon immer der am meisten gefürchtete Clan im Wald und ich verspreche, dass ich nicht zulassen werde das sich das ändert!«
    Die Kiefernbäume erzitterten als auf der Lichtung Jubel und Triumpfschreie explodierten.
    »Er hat Recht! Wir können keine Schwäche den anderen Clans gegenüber zeigen!«
    »Ich werde mit dir Trainieren, Tigerkralle! Bring mit alles bei was du weißt!«
    »Der SchattenClan wird einmal mehr gefürchtet sein!«
    Tigerkralle schloss die Augen und badete in der Wärme der Jubelrufe.
    »Behalte dir diesen Moment gut in Erinnerung«, flüsterte Ahornschatten. »Denn so, fühlt sich Macht an.«

    15
    Kapitel 8:

    Triefnase erschien an seiner Seite.
    »Bitte organisiere das Kampftraining so wie du es für passend hältst.« Er schnurrte verlegen.
    »Das ist überhaupt nicht mein Fachgebiet!«
    »Kein Problem«, miaute Tigerkralle.
    Er schnippte mit dem Schwanz.
    »Schwarzfuß, Haken, Mowgli? Ich will, dass jeder von euch einen Krieger und einen Schüler übernimmt. Übt mit ihnen die grundlegenden Angriffs und Verteidigungszüge. Später treffen wir uns dann für einen Übungskampf. Okay?«
    Seine Begleiter nickten. Stummelschweif spitzte die Ohren.
    »Und was ist mit mir?«
    »Du, Narbengesicht und Filzklette könnt Jagdpatrouillen leiten«, ordnete Tigerkralle an.
    Ein leises hüsteln war hinter ihm zu hören.
    »Wir können die Jagdpatrouillen selbst organisieren, Tigerkralle«, miaute Hirschfuß.
    Seine Stimme war ruhig doch seine Augen glänzten herausfordernd.
    Tigerkralle neigte den Kopf.
    »Natürlich Hirschfuß. Ich meine nur das meine Katzen euch helfen können den Frischbeutehaufen zu füllen.«
    Hirschfuß zwinkerte.
    Tigerkralle wusste das dieser Krieger alles was er tun würde hinterfragen würde und er fühlte wie seine Krallen sich in den Boden gruben.
    Hab Geduld, flüsterte Ahornschatten.
    »Später wird genug Zeit sein sich um ihn zu kümmern.«
    Während er sich umdrehte, nickte Tigerkralle Kieselfang und Mohnblüte zu.
    »Ihr beide kommt mit mir.«
    Mohnblüte zuckte mit den Ohren.
    »Wir brauchen kein Training«, betonte sie.
    »Wir sind schon länger Krieger als du Tigerkralle!«
    Sie klang amüsiert, als ob sie zu einem unverschämten Jungen sprach.
    Tigerkralle stellte das Fell auf seinem Rücken auf.
    »Triefnase hat gesagt, dass ich mich um das Kampftraining kümmern soll«, miaute er leise.
    »Das kann ich aber nicht tun bis ich die Fähigkeiten jedes Kriegers hier im Clan kenne.«
    Mohnblüte zwinkerte.
    »Ich glaube nicht, dass er es so gemeint hat.«
    Tigerkralle trat einen Schritt auf sie zu.
    »Wirklich? Willst du das vielleicht mit ihm ausdiskutieren, oder meinst du er hat im Moment nicht schon genug zu tun?«
    Er schnippte mit der Schwanzspitze in Richtung Mitte der Lichtung, wo Triefnase den Ältesten half Nachtsterns Körper aus dem Anführerbau zu tragen.
    Mohnblüte schaute hinunter auf ihre Pfoten.
    »Ich will ihn jetzt nicht stören«, miaute sie.
    »Kieselfang und ich werden dir zeigen wie SchattenClan Krieger trainiert werden.«
    Tigerkralle führte sie zu einem sandigen Platz zwischen den Kiefern nicht weit vom See entfernt.
    Der Wald hallte vom Klang der kratzenden, springenden und flüchtenden Katzen wieder als Schwarzfuß, Haken und Mowgli die restlichen Katzen testeten.
    Tigerkralle trat zurück und beobachtete wie Kieselfang und Mohnblüte die typischen SchattenClan Techniken demonstrierten.
    Er erkannte einige von ihnen: die schleichende Annäherung, den Sprung mit erhobenen Vorderpfoten, den Hinterbein Schnitt der Gegner ausschaltete und sie mit blutenden und lahmen Hinterpfoten zurück ließ.
    »Wartet!«, rief Tigerkralle als Mohnblüte sich nach einem Angriff von Kieselfang grazil über den Boden rollte.
    Tigerkralle ging hinüber und verengte die Augen als er die braune Kätzin betrachtete.
    »Warum hast du dich so schnell abgerollt? Selbst wenn du einen Schlag abbekommst, hast du trotzdem noch die Chance deinen Gegner mit den Zähnen oder Krallen zu erwischen. Wenn du das mit einer kleineren Katze machst, oder eine größere Katze aus der Balance bringst wirst du sie auf jeden Fall zu Boden ringen.«
    »Ich bin mir sicher Mohnblüte würde das in der Hitze eines Gefechts tun«, hechelte Kieselfang und leckte das zerzauste Fell auf seiner Brust.
    »Aber wir haben unsere Krallen im Moment eingezogen.«
    Tigerkralle starrte ihn an.
    »Und was soll das nützen wenn es zu einem Kampf kommt? Fahrt eure Krallen aus, alle beide, und fangt an das hier ernst zu nehmen. Wenn die Gefahr besteht das ihr euch verletzen könntet, werdet ihr beide besser auf eure Techniken achten.«
    Mohnblütes Augen weiteten sich.
    »So hat uns Braunstern trainieren lassen«, miaute sie.
    »Das ist eine Übung, Tigerkralle, keine echte Sache. Warum sollen wir Verletzungen riskieren wenn Frieden herrscht?«
    »Wenn du so gut im Kämpfen bist wie du sagst, wirst du auch nicht verletzt werden«, grollte Tigerkralle.
    »Und jetzt, versuch noch einmal den Hinterbein Schnitt, Kieselfang, und gibt Mohnblüte etwas richtiges zum Ausweichen.«
    Kieselfang stürzte sich erneut auf Mohnblüte, und diesmal konnte Tigerkralle seine Krallen zwischen dem grauen Fell an seinen Pfoten schimmern sehen.
    Aber Kieselfang zog sie einen Herzschlag bevor er Mohnblütes Hinterbein erreichte wieder ein und noch einmal warf sie sich zu Boden ohne auch nur berührt worden zu sein. Tigerkralle drängte Kieselfang aus dem Weg.
    »Lass mich mal versuchen«, ordnete er an.
    Er wartete bis Mohnblüte wieder stand, dann stürmte er auf sie zu, fuhr seine Krallen aus und zielte auf den weichen Teil ihres Hinterbeines ein Stück über der Pfote.
    Mohnblüte kreischte und stürzte von ihm weg. Tigerkralle hielt inne und schaute hinunter auf sie als sie ihren Kopf drehte um ihr blutendes Hinterbein zu lecken.
    »Das nächste Mal wirst du schneller sein, verstanden?«, forderte er sie heraus.
    Mohnblüte schaute ihn nicht an, sie nickte nur und leckte weiter an ihrem zerrissenen Fell.
    »Ich denke nicht, dass das nötig war«, fing Kieselfang an aber Tigerkralle brachte ihn mit einem Schwanzschnippen zum Schweigen.
    »Lasst und zurück ins Lager gehen«, miaute er.
    »Die Jagdpatrouillen sollten zurück sein.«

    Stummelschweif und Narbengesicht hatten ihre Aufgabe den Frischbeutehaufen aufzufüllen beeindruckend gut erledigt. Die Katzen schwärmten um ihn herum, hielten ihr Stimmen in Respekt vor Nachtstern gedämpft, aber sie konnten ihre Freude über solch ein reichliches Mal nicht verstecken.
    Tigerkralle trat vor als Eichenpfote gerade dabei war sich eine Wühlmaus vom Haufen zu nehmen.
    »Ich möchte etwas sagen«, verkündete Tigerkralle. Überall um ihn herum verstummten die Katzen. Tigerkralle zeigte auf den Frischbeutehaufen. „
    »Jeden Bissen den wir heute Nacht fressen, sollten wir in Gedanken an Nachtstern nehmen. Der SchattenClan hat einen noblen Anführer verloren und meine Kameraden und ich fühlen und geehrt eure Trauer zu teilen.«
    Er neigte den Kopf um Respekt zu zeigen. In seinem Kopf lachte Ahornschatten rau auf.
    »Nachtstern war schwächer als ein neugeborenes Junges. Glaub nicht, dass diesen Kriegern das nicht bewusst ist.«
    »Ich danke dir, Tigerkralle«, miaute Triefnase.
    Seine Stimme brach.
    »Wir fühlen uns geehrt dich bei uns zu haben. Dich, und all deine Kammeraden.«
    Er stand ein wenig gerader.
    »Im Namen meiner Clankammeraden möchte ich euch einladen in unser Lager zu ziehen. Ihr habt dem SchattenClan oft genug eure Loyalität bewiesen und es wäre das was Nachtstern gewollt hätte. Ihr gehört jetzt hier her.«
    Tigerkralle blinzelte.
    Er hatte dies nicht so schnell erwartet und anhand des unruhigen Geflüsters hinter ihm wusste er, dass Triefnase nicht für alle seine Clankammeraden gesprochen hatte.
    Sollte er Triefnase noch ein wenig länger warten lassen, bis der ganze Clan wollte das Tigerkralle sich ihm für immer anschloss?
    »Du gewinnst sie schneller für dich wenn du die ganze Zeit in ihrer Nähe sein kannst«, merkte Ahornschatten an.
    Tigerkralle wartete noch eine Herzschlag lang, dann beugte er den Kopf.
    »Du bist sehr großzügig Triefnase. Wenn du dir sicher bist das es das ist, was Nachtstern gewollt hätte, dann nehmen wir das Angebot an.«
    Er hob den Kopf um die Krieger herauszufordern, etwas was ihr Anführer und ihre Heilerkatze befürworteten in Frage zu stellen.
    Eschenbeere trat vor.
    »Willkommen im SchattenClan, Tigerkralle.«
    Sie schaute liebevoll zu Narbengesicht hinüber.
    »Und für die die schon zuvor unter uns gelebt haben, willkommen zu Hause.«
    Ein zustimmendes Gemurmel ging durch die Katzen, und Stummelschweif und Dämmerwolke berührten sich Nase an Nase.
    Haken und Mowgli standen unsicher am Rande der Menge.
    Tigerkralle hob den Schwanz.
    »Triefnase, ich muss dich um einen großen gefallen bitten. Könnte ich meinen Freunden Haken und Mowgli Kriegernamen geben? Nur dann werden sie sich hier richtig zu Hause fühlen. Ich bin mir sicher, das Nachtstern dasselbe gewollt hätte.«
    Triefnase nickte.
    »Natürlich Tigerkralle. Bitte fahr fort und wähle ihre Namen.«
    Tigerkralle blickte zu den gespannten Katzen um sich herum. »Nur wenn deine Clankammeraden damit einverstanden sind«, miaute er.
    »Immerhin sollte eine Namens Zeremonie von einem Anführer ausgeführt werde. Ich will niemanden beleidigen.«
    »Ich bin wir sicher wir werden damit zurechtkommen, Tigerkralle«, miaute Farnschatten trocken.
    »Wir wollen nicht, dass die anderen Katzen auf der Großen Versammlung fragen wo diese Katzen herkommen«, stimmte Nassfuß zu.
    Tigerkralle sprang auf den Stein und ignorierte das überraschte miauen der SchattenClan Katzen.
    »Haken, Mowgli, kommt bitte her.«
    Der riesige rote Kater und sein schlanker brauner Freund traten vor bis sie vor ihm standen.
    Tigerkralle atmete tief ein.
    »Haken, Mowgli, versprecht ihr, das Gesetz der Krieger zu ehren und den Clan zu beschützen, selbst wenn es euer Leben kostet?«
    Die zwei Katzen neigten die Köpfe.
    »Ich verspreche es, Tigerkralle«
    »Ich verspreche es.«
    »Dann gebe ich euch mit der Kraft des SternenClans eure Kriegernamen. Haken, von diesem Augenblick an wirst du Schiefzahn heißen. Der SternenClan ehrt deine Stärke und deine Kampfbegabung und wir heißen sich als vollwertiges Mitglied im SchattenClan willkommen.«
    Tigerkralle beugte sich hinab und legte seine Schnauze auf den breiten orangenen Kopf. Dann drehte er sich zu dem braunen Kater um.
    »Mowgli, von diesem Augenblick an wirst du Nachtgeflüster heißen. Der SternenClan ehrt deine List und deinen Mut und wir heißen sich als vollwertiges Mitglied im SchattenClan willkommen.«
    Tigerkralle berührte seinen Kopf und trat zurück.
    »Clankameraden, hier sind Schiefzahn und Nachtgeflüster!«
    »Schiefzahn! Nachtgeflüster!«, jubelten Stummelschweif und Schwarzfuß. Andere SchattenClan Katzen fielen mit ein und die neuen Krieger hoben stolz die Köpfe.
    »Das ist nicht fair! Sie mussten überhaupt nicht trainieren!«, beschwerte sich eine hohe Stimme aus dem Hintergrund. Tigerkralle erblickte Eichenpfote und fixierte ihn mit einem kalten Blick.
    Der Schüler zog den Kopf ein und sagte nichts mehr.
    Tigerkralle sprang vom Felsen hinunter.
    »Und nun, Clankammeraden, werden wir unseren gefallenen Anführer Nachtstern mit einer Totenwache ehren die er verdient. Kommt und schließt euch mir an.«
    Er lief hinüber zu dem kleinen schwarzen Umriss der so sehr versucht hatte dem SchattenClan stärke und einen Anführer zu geben nachdem sie Braunstern besiegt hatten.
    »Wie konntest du nur glauben, dass du erfolgreich in seine Pfotenstapfen treten könntest?«, dachte Tigerkralle verächtlich als er sich neben Nachtsterns Kopf niederließ.
    Er schloss seine Augen, lauschte dem Rest des SchattenClans der sich um ihn herum versammelte und presste seine Schnauze in das kalte, schmutzige Fell.
    »Dieser Clan gehört jetzt mir, Nachtstern. Sieh zu wie ich ihn wieder stark mache, gefürchtet und respektiert im ganzen Wald.«

    16
    Kapitel 9:

    »Tigerkralle, wach auf!«
    Tigerkralle streckte sich und öffnete seine Augen, kurz vor dem Gewirr von Brombeersträuchern sah Kopf er statt Erde glatte graue Stämme.
    Dann erinnerte er sich: Er war jetzt im SchattenClan Lager, nicht wie ein König vor Schurken in den wilden Wäldern versteckt.
    Er fühlte den vertrauten Schein der Zufriedenheit.
    Er und seine Begleiter sind einen Viertelmond im Lager gewesen und in den Kampf Ausbildung, Jagd und Grenzpatrouillen, war ständig eine beruhigend Stille, dar bald der SternenClan einen neuen Anführer wählen würde ....
    »Tigerkralle, du musst kommen und das sehen!«
    Tigerkralle setzte sich auf und sah Narbengesicht.
    »Was ist denn?«, knurrte er.
    »Ich bin heute nicht auf der Abend Patrouille.«
    »Ich weiß, ich bin gerade mit ihnen zurückgekehrt. Aber etwas geschieht auf der anderen Seite des Donnerweg. Der Wald brennt.«
    Tigerkralle sprang aus seinem Nest und stieß Narbengesicht an.
    Hinter ihm, rief der dürre braune Krieger:
    »Es sieht aus als wären die Flammen direkt im Lager des DonnerClans!«
    Tigerkralle schlug sich durch die Dornen und raste durch die Kiefern, ignorieren die Brombeersträucher die in seinem Fell verhakten.
    Nachtflüstern blieb neben dem Donnerweg stehen, drückte sich durch die Bäume um die anderen Seite zu sehen.
    Ein schreckliches Gebrüll, Knistern hallte aus dem DonnerClan Territorium, und die Luft war gefüllt mit hellgrauen Rauch.
    Wegen dem Leuchten von orangen Flammen flackerte es unter den Stämmen, und jeder sprang zurück, durch das Geräusch eines Baumes, der krachend am Boden zersplitterte.
    Tigerkralle hockte am Rande des Donnerwegs und überprüfte ob die Luft rein war.
    »Willst du etwa da rüber?«
    Nachtgeflüster jaulte über den Lärm der brennenden Bäume hinweg.
    »Willst du das ich mitkomme? Vielleicht kann ich dir helfen?«
    Tigerkralle schüttelte seinen Kopf.
    »Ich bin nicht auf eine Rettungsmission«, knurrte er.
    »Ich muss nur sehen, was los ist. Bleib hier; Ich möchte dies alleine tun.«
    Nachtgeflüster verlagerte sein Gewicht auf den Vorderpfoten als Tigerkralle zu überqueren begann, wie ob er ihn folgen würde.
    Tigerkralle starrte über seine Schulter ihn an.
    »Ich sagte, bleib hier!«
    Er sprang über den Rest des harten schwarzen Steins und stürzte sich in das lange, kühle Gras.
    Auf einmal roch er die Düfte von dem DonnerClan in seiner Nase, geschnitten durch den Geruch von Schlacken.
    Tigerkralle atmete tief ein, der Rauch stach in seine Kehle und er fing an zu lachen.
    Er senkte den Kopf und rannte durch das Gras zwischen den Bäumen.
    Der Blattmulch unter seinen Pfoten war ihm sofort vertraut, und er fand schnell seinen Weg, der ihn tiefer in Richtung der Schlucht führte.
    Das Knistern der Flammen wurde lauter, und Tigerkralle spürte, wie sein Fell heißer wurde, je näher er dem Lager war.
    Soweit er sagen konnte brannten die Bäume zwischen der Schlucht und des Zweibeinerortes und das ohrenbetäubende Getöse schlug vor, dass das Feuer gerade wegs in Richtung des DonnerClan Lagers lag. Nein!
    Dies ist der Clan, der dich vertrieben hat!
    Erzwungen haben sie als Streuner zu leben, drehten sich weg für ein Hauskätzchen!
    Ahornschattens Stimme fauchte in seinem Ohr.
    Tigerkralle verzog die Lippen.
    Verwechselst du das nicht für die Sorge um meine ehemaligen Clankameraden.
    Ich möchte die Zufriedenheit sie selbst zu zerstören, nicht zu beobachten wie sie als gefangene Kaninchen verbrennen, das ist alles.
    Er fragte sich, ob Ahornschatten den Grauen spüren konnte, der sich in seinem Bauch wandte.
    Keine Katze verdient es in den Flammen zu sterben, oder?
    Er zuckte zusammen, als Zweibeiner Schüsse dicht an seinem Ohr fielen und Riesenfiguren, gedämpft durch dicke dunkle Pelze, stürzten durch das Gestrüpp.
    Ein zweifaches Heulen ertönte von dem Donnerweg und etwas langes und schweres wurde an ihm vorbei gezogen.
    Tigerkralle sprang in die andere Richtung, durch die Eichen und Buchen, bis der Boden steil in den Spalt weg fiel, die für so viele Monde seine Heimat gewesen war.
    Rauch wogte über die Schlucht und Flammen lagen bereits an den Brombeersträuchern auf der anderen Seite.
    Kreischen und Heulen von verängstigten Katzen schnitten durch den Lärm des Feuers.
    Tigerkralle schlich an den Rand der Klippe und spähte hinüber.
    Frostfells weißer Pelz war schnell durch den Rauch zu finden, sie führte die Anführerin aus dem Lager.
    Die Anführerin stolperte den halben Lauf entlang, unter ihren fliehenden gefangenen Clanangehörige.
    »Lauft zum Fluss!«, rief von unten eine Stimme.
    Tigerkralle spürte, wie sich seine Muskeln anspannten.
    Feuerherz war verantwortlich, natürlich.
    Sicher, das die DonnerClan Anführerin ihn zum Stellvertreter gemacht.
    Mausehirnig!
    »Behaltet eure Nestkameraden im Blick«, befahl Feuerherz.
    »Verliert euch nicht aus den Augen!«
    Ich sollte da unten sein, dachte Tigerkralle wütend.
    Ich sollte meine Clanangehörige retten, nicht dieses Hauskätzchen!
    Nun reichte Feuerherz Glanzfells Junge Langschweif und Mausefell, er sage ihnen, in der Nähe der Königin zu bleiben und übergab das dritte Junge.
    Tigerkralle suchte die Katzen ab und fand einen blassen goldenen Pelz und stieß ein Knurren der Erleichterung aus.
    Goldblüte war an der Spitze der Gruppe und ging in Richtung Fluss.
    Ein kleines blassbraunes Junges lief an ihren Fersen:
    Es war Bernsteinjunges.
    Feuerherz folgte den Katzen an die Spitze der Gruppe und machte eine Pause.
    »Wartet! Fehlt irgendeine Katze?«
    Wolkenpfote flauschiger weißer Kopf tauchte auf.
    Er sah so wie ein Hauskätzchen aus, wie eh und je.
    »Wo sind Kurzschweif und Flickenpelz?«, quiekte er.
    »Bei mir sind sie nicht!«, rief Kleinohr aus den fliehenden Katzen.
    »Sie müssen noch im Lager seien!«, miaute Weißpelz.
    Tigerkralle zuckte mit den Schultern.
    Wenn die Ältesten nicht auskommen und sich nicht retten konnten, waren sie eine Verschwendung von Frischbeute.
    »Wo ist Brombeerjunges?«, kreischte Goldblüte und Tigerkralle spürte das sein Blut gefror.
    Brombeerjunges!
    »Es war hinter mir, als ich die Schlucht hochgeklettert bin!«, jammerte die Königin.
    »Ich werde sie finden«, miaute Feuerherz.
    »Es ist zu gefährlich, hier noch länger zu bleiben. Weißpelz und Dunkelstreif, stellt sicher, dass der restliche Clan den Fluss erreicht.«
    »Du kannst doch nicht zurück in die Schlucht!«, jaulte Sandsturm.
    »Ich muss«, beharrte Feuerherz.
    Ja, spiele den Held, laufe ins Feuer und zeig was ein treuer kleiner Krieger tut.
    Tigerkralle sank seine Krallen in den staubigen Boden.
    Wo ist Brombeerjunges?
    »Dann komme ich mit«, erklärte Sandsturm.
    »Nein!«, sagte Weißpelz ihr.
    »Wir haben jetzt schon zu wenig Krieger. Wir brauchen dich, um den Clan zum Fluss zu bringen.«
    »Dann komme ich mit!«
    Tigerkralle blinzelte, als Rußpelz an den Rand der Schlucht kam.
    Die hellgraue Heilerin sah erschöpft aus, ihre Augen strömenden voll Rauch.
    »Ich bin kein Krieger«, sagte Rußpelz.
    »Ich wäre sowie nicht von Nutzen, wenn wir auf eine feindliche Patrouille stoßen würden.«
    »Auf keinen Fall!«, fauchte Feuerherz.
    Dann taumelte Gelbzahn zu ihnen.
    »Ich mag alt sein, aber ich stehe sicherer auf meinen Pfoten als du«, miaute die alte Heilerin zu Rußpelz.
    »Der Clan wird deine Heilkünste brauchen. Ich gehe mit Feuerherz. Du bleibst beim Clan.«
    Tigerkralle starrte sie ungläubig an.
    Ist das Leben seines Sohnes abhängig von einer alten Heilerin und einem arroganten Hauskätzchen?
    Rußpelz öffnete ihren Maul, aber Feuerherz fuhr sie an:
    »Wir haben keine Zeit, um uns zu streiten. Gelbzahn, du kommst mit mir. Alle Übrigen, lauft zum Fluss!«
    Er drehte sich um und lief wieder zum Lager mit Gelbzahn hinter ihm.
    Tigerkralle spähte durch den Rauch, verzweifelt auf der Suche eines kleinen dunkelbraunen Fellknäuel.
    Flammen fraßen sich durch die Farne um das Lager und windend um die schlanken Baumstämme.
    Zwei schmutzige, verschmierte Gestalten waren gerade sichtbar am Fuße einer Birke geworden.
    Gelbzahn stürzte sich nach vorne und griff nach den Körper. Tigerkralle war ziemlich sicher, dass es Kurzschweif war und sie begann ihn über die Lichtung zu ziehen.
    Feuerherz schleppte Flickenpelz durch den Ginstertunnel und schaffte es die alte Katze an die Spitze der Klippe zu bringen.
    Gelbzahn und Kurzschweif waren viel langsamer und die Bäume um sie herum standen in Flammen, bevor sie auf halbem Weg den Hang hinauf waren.
    »Hilfe! Hilfe!«
    Tigerkralle peitschte seinen Kopf herum und starrte entsetzt auf die winzige Katze, die an einen Ast hing, der auf der anderen Seite der Schlucht war.
    »Brombeerjunges!«, brüllte er.
    Die Rinde war knapp unter seinem Sohn und im nächsten Herzschlag stand der ganze Stamm in Flammen.
    Tigerkralle wollte zur Spitze der Klippe rennen, doch eine rußgeschwärzte Gestalt lief auf den Baum zu.
    »Feuerherz, hilf mir!«, als Brombeerjunges schrie, ließ er den Baum los und fiel auf den Boden.
    Tigerkralle beobachtete, nicht in der Lage zu atmen, das Feuerherz Brombeerjunges im Mund fing.
    Es gab keine andere Möglichkeit, der Baum würde umfallen.
    Feuerherz kroch entlang der Zweige, er trug immer noch Brombeerjunges.
    Jedes Haar auf Tigerkralle Fell sträubte sich und er wollte Brombeerjunges selbst retten.
    Aber er würde nur gegen den Baum fallen und in die Flammen stürzten.
    Die Flammen waren zu groß, um den Baum zu erreichen.
    Der Baum begann zu fallen, aber Feuerherz schaffte es irgendwie im letzten Moment zu springen und die andere Seite der Schlucht zu erreichen.
    Brombeerjunges taumelte und Tigerkralle stemmte sich nach unten um in den Fluss des Feuers zu stürzen, aber Feuerherz lies die kleine Katze nicht los und lief an die Spitze der Klippe.
    Unter ihm füllte der brennende Baum die Schlucht mit Flammen, so das man Gelbzahn und Kurzschweif nichtmehr sehen konnte.
    Tigerkralle erkannte, dass er zitterte.
    Danke dir, SternenClan, das ihr meinen Sohn verschont habt.
    Er zog sich in den Farn zurück und funkelte Feuerherz an, der wurde hofiert wie er seine Clankameraden und seinem eigenen Wald rettete.
    Du hast vielleicht meinen Sohn gerettet, aber das ändert nichts, knurrte Tigerkralle unter seinem Atem.
    Ich werde dich töten, wenn ich die Chance dazu habe.

    17
    Kapitel 10:

    »Lege dich nicht hin, wie eine tote Taube! Stehe sofort auf und kämpfe!«, zischte Tigerkralle.
    Eichenpfote lag mit dem Rücken auf dem Boden, durch einen Schlag von einem Schüler namens Eschenpfote.
    Die geschmeidigen rote Katze tanzte aus dem Weg, schnurrend. »Zu langsam, Eichenpfote!«, spottete er.
    Tigerkralle peischte mit dem Schwanz.
    »Willst du das deine Gegner so mit dir sprechen?«, forderte er Eichenpfote auf.
    Die blasse braune Katze rappelte sich auf.
    »Niemals!«
    Er dreschte auf Eschenpfote ein.
    Eschenpfote fiel mit einem Grunzen zurück und Tigerkralle stellte mit Befriedigung fest, dass Eichenpfote seine Krallen aus der Scheide gezogen hatte und entnommenem Blut überzogen war.
    Langsam lernten diese SchattenClan Katzen.
    »Ist Eschenpfote verletzt?«, miaute hinter ihm eine besorgte Stimme.
    Tigerkralle wandte sich um und sah Triefnase, der aus einem Büschel von Farnen kam, wie üblich war seine Nase feucht und seine Augen waren bedeckt.
    »Er ist in Ordnung«, miaute Tigerkralle.
    »Er wird beim nächsten Mal schneller sein müssen, das ist alles.«
    Triefnase nickte.
    »Ich vertraue dir, das du die Ausbildung von den Schüler übernimmst, Tigerkralle«, murmelte er.
    »Keine Katze sollte an meiner Treue zu unserem Clan zweifeln können.«
    Nicht für einen Moment dachte Tigerkralle.
    Als er aus der Patrouille zum verbrannten DonnerClan Territorium zurückgekehrt war, hatte er den SchattenClan Katzen glauben lassen, dass seine schockierten Blick auf seine Angst zurückzuführen waren, dass die Flammen den Donnerweg überqueren würden.
    Tigerkralle hatte auf der Streife, er hatte darauf bestanden die Grenze den ganzen Tag allein zu patrouillieren, gerade löschte die lange hohle Wasser Schlange die brennenden Bäume, die Zweibeiner huschten über den Waldboden und die Zweibeiner Monster jaulten.
    Auch nach drei Sonnenaufgänge waren noch die Wälder voll Rauch und geschwärzt, verkohlten Stämme konnte man im DonnerClan Gebiet sehen.
    Tigerkralle fragte sich, ob Blaustern ihre Katzen zurück in die Schlucht gebracht hatte. Alle Höhlen mussten wieder aufgebaut werden und Beute war knapp, die von den Flammen vertrieben oder getötet wurden.
    »Ich fragte mich, ob ich ein Wort haben könnte?«, miaute Triefnase neben ihm und riss ihn aus seinen Gedanken.
    »Natürlich.«
    Tigerkralle vergewisserte sich, dass Eichenpfote und Eschenpfote sich nicht gegeneinander töten und führte dann den Heiler aus dem Trainingsbereich weg zum Hochstein.
    »Stimmt etwas nicht?«
    Triefnase blinzelte.
    »Die Große Versammlung kommt. Wie kann der SchattenClan zur Versammlung gehen, wenn wir keinen Anführer und keinen Stellvertreter haben?«, fragte er.
    »Aber wenn wir nicht gehen, wird jeder andere Clan wissen, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht sollte ich einfach fragen, ob der SternenClan Wolken senden wird, um den Mond zu bedecken!«
    Er strengte sich an, das seine Stimme zuversichtlich klang, aber Tigerkralle konnte seine Angst riechen, die von der alten Katze kommt.
    »Hat der SternenClan dir ein Omen gesendet, wer den SchattenClan anführen wird?«, fragte er und versuchte seine Stimme mild zu halten.
    Im Inneren etwas gerührt, ein Gefühl von Hunger, die Gewissheit und dass alles, was er wollte kam näher.
    Triefnase schüttelte den Kopf.
    »Nichts«, miaute er.
    »Aber vielleicht war ich zu beschäftigt gewesen oder zu müde, um die Zeichen zu sehen. Mein Clan ist am Rande der Zerstörung und es könnte meine Schuld sein!«
    Tigerkralle legte seinen Schwanz auf die Schulter des alten Katze.
    »Schau dich mal um«, drängte er.
    »Der SchattenClan ist nicht auf dem Rand der Zerstörung! Dein Clan ist voll von starken, Krieger im Lage. Du weist, in deinem Herzen, wer der beste Anführer zu machen.«
    Er trat von Triefnase weg und musterte ihn sorgfältig.
    »Du weist ganz allein die Anzeichen, die der SternenClan dir senden wird. Ihre Vorfahren vertrauen dir genug, um ihre Stimme im SchattenClan zu erheben. Du könntest ihnen helfen, den nächsten Anführer zu wählen.«
    Triefnase Kopf zuckte hoch.
    »Willst du damit sagen, dass ich ein Zeichen fälschen soll? Das könnte ich nicht!«
    »Natürlich nicht«, meinteTigerkralle. "Aber jede Wahl, die von einem Heiler gemacht wird vom SternenClan geführt, ob er es weiß oder nicht?"
    Triefnase sah besorgt aus.
    »Du meinst, der SternenClan würde sicherstellen, dass ich die gleiche Entscheidung treffe, wie sie?«
    Tigerkralle nickte.
    »Denk du darüber nach, Triefnase. Es gibt immer noch einige Tage bis zur Versammlung. Wache auf Anzeichen von deinen Vorfahren, aber höre auch auf die Stimme in ihren eigenen Geistern.«
    Ha! Schnurrte Ahornschatten.
    Triefnase begann seinen Weg schon vom Hochstein weg, seine Augen waren immer noch beunruhigt.
    Die Zweige auf der anderen Seite der kleinen Lichtung raschelten und Schiefzahn kam hervor.
    »Er sollte sich entscheiden, wenn es keinen Sinn hat«, miaute der rote Kater.
    »Warum hast du ihm nicht sagt, dass du ihn helfen kannst die Entscheidung zu treffen?«
    Tigerkralle blinzelte.
    »Ich kann nicht den Willen des SternenClans bestimmen.«
    Schiefzahn Augen glitzerten.
    »Ich teile nicht ihren Glauben an toten Katzen«, miaute er. »Vielleicht macht das die Sache einfacher?«
    Tigerkralle hielt seinen Blick stand und nickte ihm zu.
    »Du bist ein guter Freund für mich, Schiefzahn. Ich werde das nie vergessen.«
    Schiefzahn nickte zurück.
    »Ich weiß«, miaute er.

    Der Himmel über den Kiefern war so dunkel wie das Wasser in den Sümpfen, aber die Bäume leuchteten Silber im Licht des geschwollenen Mondes.
    »Morgen ist die Versammlung«, hörte Tigerkralle, wie Farnschatten zu Eschenbeere flüsterte.
    »Hat Triefnase gesagt, was er zu den anderen Clans sagen will?«
    »Ich glaube nicht, dass er das brauch, nämlich das geht ihnen nichts an«, fiel Rostfell ein.
    »Es ist ziemlich offensichtlich, dass Nachtstern gestorben ist und wir keinen Anführer haben.«
    »Oder einen Stellvertreter«, fügte Apfelfell hinzu.
    »Die andere Clans werden im Baumgeviert über uns lachen.«
    »Seid ein wenig geduldig«, drängte eine ruhige Stimme.
    Rankenklette hatte sich ihnen angeschlossen.
    »Es ist noch Zeit das der SternenClan unsere Gebete beantworten.«
    Er war außerhalb des Heilerbaus, ging zum Hochstein und Triefnase grau-weißes Fell leuchtete im Mondlicht.
    Er kletterte auf den Hochfelsen.
    »Alle Katzen die alt genug, um ihre Beute selbst zu fangen, kommen zum Hochfelsen!«, rief seine dünne Stimme und hallte durch die Bäume.
    Tigerkralle schlich sich aus dem Schatten und gesellte sich zu den anderen, die am Fuße des Felsens saßen.
    Triefnase sah nicht größer oder stärker als ein Junges und Tigerkralle staunte über die Art und Weise wie seine Clanangehörige ihn mit solchen Respekt ansahen, wie Vertrauen, das er ihr Clan wieder herstellen würde, wie es sein sollte.
    »Clanangehörige, ich weiß, ihr seid beunruhigt über die Große Versammlung«, begann Triefnase.
    »Ich teile eure Ängste, aber wir müssen stark sein! Wir haben Vertrauen in unsere Krieger Vorfahren und bald sie schicken uns einen neuen Anführer bald!«
    Es gab ein Gemurmel von den Katzen und Rehfuß stand auf.
    »Bald ist nicht jetzt!«, zischte er.
    »Die Versammlung ist morgen! Will der SternenClan, dass wir vor den anderen Clans schwach und führungslos aussehen?«
    »Hat der SternenClan uns aufgegeben?«, jammerte Eschenpfote.
    Er wurde von Stummelschweif totgeschwiegen, der ihn mit einer Pfote sanft boxte.
    »Natürlich haben sie uns nicht aufgegeben«, miaute Triefnase, aber seine Worte wurden übertönt von einem zunehmend lauten Proteste.
    »Sie werden auf uns stürtzen, als wären wir Ratten, sobald die Clans über Nachtsterns Tod hören!«, jaulte Rattennarbe.
    »Wie können wir ohne einen Anführer überleben?«, fauchte Mohnblüte.
    »Kein anderer Clan ist jemals bei einer Versammlung ohne einen aufgetaucht!«
    Triefnase ließ den Kopf hängen und sagte nichts.
    Tigerkralle konnte das Elend riechen, das von ihm kam.
    Du darfst jetzt nicht aufgeben, forderte er.
    Es gibt noch etwas, was du tun könntest.
    Plötzlich wurde der Heiler angespannt.
    Er spitzte seine Ohren und fixierte seinen Blick auf etwas am Fuße des Felsens.
    Es war ein winziges, blasses Schimmern unter dem Gras, das im Mondlicht gesprenkelt war.
    Triefnase sprang hinunter und legte seine Schnauze dorthin.
    Dann schoss er erstaunt den Kopf nach oben.
    »Es ist eine Kralle!«, jaulte er.
    »Hier, am Fuße des Felsens. Hat jemand heute eine Klaue verloren?«
    Krieger und Schüler schüttelten ihre Köpfe und ein verwirrtes Murmeln verbreitete sich im Clan.
    Triefnase studierte die wieder Klaue.
    Er griff sorgfältig nach der Kralle und berührte sie mit der Pfote, lag sie so hin, dass die anderen Katzen sie sehen konnten.
    »Schau«, flüsterte er.
    »Der Mond wirft Schatten auf die Kralle. Nicht Schatten, Streifen.«
    Er blickte auf und starrte auf Tigerkralle.
    »Streifen wie das Fell eines Tigers. Es ist ein Zeichen!«, keuchte Dämmerwolke.
    »Das muss es sein!«
    »Der SternenClan hat uns unseren neuen Anführer gewählt!«, rief Schwarzfuß.
    »Tigerkralle!«, hauchte Triefnase, wandte sich zu den SchattenClan Katzen und blickte Tigerkralle an.
    »Der SternenClan hat gesprochen«, miaute der Heiler.
    »Und wir müssen hören.«
    Tigerkralle spürte seinen Atem in seiner Brust.
    Nach all dieser Zeit hatten die Vorfahren ihn gewählt!
    Er hatte ihnen so lange gedient, versuchte in dem DonnerClan die schwache Führung herauszufordern, wurde vertrieben und gezwungen, seine Loyalität zu seinen neuen Clan zu beweisen.
    Und nun hatte der SternenClan ihn endlich belohnt und ihn zum Anführer eines eigenen Clan gemachts.
    »Danke«, flüsterte er.
    Tigerkralle schloss die Augen und spürte die Reihen von beschatteten Katzen um ihn herum anschwellten.
    Wie eine dunkle Welle stiegen sie
    durch den Wald, um ihn zu tragen, die schwerelos zu sein schienen.
    Er fühlte ein Jaulen der Freude in ihm aufstiegen, als er seine Clanangehörige trainierte.
    »Folgt meinem Beispiel!«, rief er und unzählige Krieger fiel hinter ihm her, passend zu seinem Schritten.
    Vorneweg, unsere Feinde zittern vor Angst. . . .
    »Tigerkralle?«, miaute Schwarzfuß leise.
    »Triefnase will mit dir sprechen.«
    Tigerkralle blinzelte mit den Augen.
    Der Heiler stand vor ihm, nah genug für Tigerkralle um seinen ranzigen Atem zu riechen.
    Triefnase verbeugte sich tief.
    »Wirst du uns mit Ehre führen, Tigerkralle? Der SternenClan hat gesprochen und er hat dich erwählt.«
    Wir haben es geschafft! Kreischte Ahornschatten in seinem Kopf.
    Ich kann nicht versprechen, was passieren wird?
    »Und wir wählen dich auch!«, jaulte Kieselstein über die Köpfe seiner Clanangefährten.
    »Du hast uns gezeigt, wie wir nach Nachtsterns Tod aus der Dunkelheit kommen und was bedeutet wieder stark zu sein!«
    Tauchte Tigerkralle den Kopf.
    »Ich bin von der Entscheidung unserer Vorfahren betäubt«, miaute er.
    »Ich kam zu spät SchattenClan, obwohl ich hoffe das keine Katze, meine Treue zu jedem von euch in Frage stellen würd. Ich bin nicht dafür. Wenn ihr sicher seid und wenn der SternenClan gesprochen hat, dann kann ich nur sagen, ja.«
    »Heil dem neuen SchattenClan Anführer!«, rief Triefnase, und die Nachtluft wurde mit kreischender Freude und Erleichterung gespalten.
    Es war ein schwaches Rascheln in den Brombeersträuchern hinter Tigerkralle.
    Er drehte sich um und sah ein Paar strahlende bernsteinfarbende Augen.
    Schiefzahn hinkte nach vorn, ein Zeh blutete, wo er die Klaue raus gerissen hatte.
    Tigerkralle blickte nach unten auf die Verletzung.
    »Du bist ein großes Risiko eingegangen, dass es auch funktionieren würde«, murmelte er.
    Schiefzahn zurrte mit dem Schwanz.
    »Es hat sich gelohnt«, knurrte er.
    »Du kannst mir später danken.«
    Tigerkralle wandte sich um und ging auf die Mitte der gefüllten Lichtung.
    Die anderen Katzen verstummten, als er auf den Felsen sprang.
    Tigerkralle siedelt seine Pfoten auf dem kalten, glatten Stein und schaute nach unten auf seine Clanangehörige: Nachtgeflüster und Schiefzahn, ehemaliger Streuner, die ihm bis zu ihrem letzten Atemzug treu sein würden; Triefnase und Kleinwolke, seine Heiler, die gerade Anzeichen dafür, dass der SternenClan ihnen ihren Anführer geschickt hatten; starke Krieger, gesunde Königinnen und Schüler die verzweifelt lernen wollen, wie man als Krieger tapfer kämpft, wie er es tat.
    Er sah in Schwarzfuß Auge; er würde ihn zum Stellvertreter machen, bevor der Mond über die Baumwipfel stieg.
    Nicht Schiefzahn, der verstehen soll, dass Tigerkralle schuldete ihm nichts schuldete.
    Tigerkralle stemmte seine Schultern.
    Er sollte sich für die Versammlung vorbereiten, wenn die Anführer gezwungen werden, ihn als ebenbürtig zu sehen, an der Spitze eines Clans, die sie jeden Tag angreifen könnten.
    Aber die Versammlung ist erst morgen.
    Vorerst hörte Tigerkralle seine Clanangehörige seinen neuen Namen rufen. Tigerstern! Tigerstern!

    18
    Mein eigenes Cover für "Tigerclaw's Fury" aka. "Tigerkralles Wut"
    Mein eigenes Cover für "Tigerclaw's Fury" aka. "Tigerkralles Wut"

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1503819488
Warrior Cats Tigerkralles Wut
Warrior Cats Tigerkralles Wut
Dies ist die inoffizielle vom englischen Buch "Tigerclaw's Fury".
http://www.testedich.de/quiz50/quiz/1503819488/Warrior-Cats-Tigerkralles-Wut
http://www.testedich.de/quiz50/picture/pic_1503819488_1.jpg
2017-08-27
406A
Warrior Cats

Kommentare (1)

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Nachtkralle (91646)
vor 37 Tagen
Wow einfach nur wow... Danke 😉