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Wildherz

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23 Kapitel - 17.227 Wörter - Erstellt von: Gallop - Aktualisiert am: 2017-09-21 - Entwickelt am: - 457 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich hörte sie. Sie riefen mich. Mich, die doch ein Zweibeiner war. War, denn nun sollte ein neues Kapitel anfangen. Anfangen, der Beginn von etwas Neuem. Und ich lief los.

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    Regen prasselte gegen meine Fensterscheiben, färbte den Himmel grau und die Pflanzen dunkelgrün. Ich schlief ein. ((cur))Pfoten trampelten über die
    Regen prasselte gegen meine Fensterscheiben, färbte den Himmel grau und die Pflanzen dunkelgrün. Ich schlief ein.

    Pfoten trampelten über die Erde. Irgendwo schrie eine Katze. Ich musste helfen. So schnell mich meine Pfoten trugen, rannte ich in Richtung des Kampfes. Mein Clan brauchte mich. Jemand lachte hinter mir, auf eine Art und Weise, die mir das Fell zu Berge stehen ließ. Aber ich hielt nicht an. Die Erde unter mir fühlte sich nass an und ich wusste, ich hätte vorsichtiger sein müssen, als ich in vollem Tempo ausrutschte und zu Boden fiel.

    Ich wachte auf. Es war nun schon dunkel und das Gewitter hatte längst aufgehört. "Charly!" "Ja, Mama?", rief ich zurück. "Essen ist fertig!"

    Als ich im Esszimmer ankam, saßen meine Schwester Rose, Mama und Papa schon am Tisch. Rose war schon immer in allem besser gewesen als ich; sie war beliebter, sie war schöner, sie war netter. Ich nicht. Ich las nur Bücher. Vorzugsweise Fantasy, aber Thriller gingen auch. "Es gibt Spaghettie", sagte Mama, lächelte dabei ihr Perfektes-Familie-Lächeln und holte mich wieder zurück in die Wirklichkeit. Unsere Katze Nena lag auf der Fensterbank und warf mir einen freundlichen Blick zu. Irgendwie beneidete ich sie um diese blauen Augen und das elegante, dunkelgraue Fell mit hellen Pfoten. Ich setzte mich, lächelte eisig, um keine Probleme zu bekommen. "Toll." In Wahrheit mochte ich keine Nudeln, Fisch oder Steak war mir lieber. Letztes Jahr in Japan in den Sommerferien hatte ich sogar einen Frosch probiert und so schlecht wie sie aussahen, waren sie gar nicht. Zumindest fand ich das so. Meine Eltern hatten mich die ganze Zeit mit diesem Dringend-zum-Psychiater-Blick angesehen und Rose hatte nur auf ihrem Handy herumgetippt.
    Nachdem wir eine Weile über das schlechte Wetter (dabei fand ich es gar nicht so schlimm), Schule, Handys, Klamotten und zu guter Letzt über die Anschaffung eines Welpen geredet hatten, durfte ich endlich aufstehen. Die Spaghetti hatte ich nicht angerührt.

    Oben in meinem Zimmer ging ich erst einmal zu meinen zwei Bücherregalen. Ich hatte fast alles an Fantasy. Survivor Dogs, Seekers, Harry Potter, Herr der Ringe, Magnetic Valley, Nightmares, Weltenspringer, Magic Girls, The School for Good and Evil, Clan der Wölfe, Spur der Donnerhufe.

    Warrior Cats.

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    Manchmal tat ich Dinge, die nicht viel Sinn ergaben. Dann wurde ich immer komisch angeguckt, aber wenn man WhatsApp schrieb, ging das ja nicht so leic
    Manchmal tat ich Dinge, die nicht viel Sinn ergaben. Dann wurde ich immer komisch angeguckt, aber wenn man WhatsApp schrieb, ging das ja nicht so leicht. Also machte ich einen Versuch.

    Wenn ich die Chance gehabt hätte,
    Hätte ich Geißel gerettet.
    Tigerstern eigenhändig getötet.
    Blaustern aus dem Fluss gezogen.
    Mit Wieselpfote gekämpft.
    Rabenpfote zurückgeholt.
    Aschenpelz getröstet.
    Distelblatt davon abgehalten, ihn zu töten.
    Sturmpfote und Federpfote selbst beschützt.


    Ich hatte Mina, meiner engsten Freundin geschrieben. Die Antwort war nicht weiter wunderlich.



    Sie konnte das nicht verstehen. Nur wahre Warrior Cats konnten das. Bei TesteDich.de war ich deshalb auch inzwischen bei mehr als zehn Rollenspielen dabei. Dort hatte ich echt viele Namen, ich liebte Warrior Cats-Namen einfach. Sturmgeflüster. Rosenblut. Rabenfluch. Knochenpfote. Seetätzchen. Es waren sehr viele! Und es war auch schon mehr als einmal vorgekommen, dass ich abends im Bett gelegen und mit dem SternenClan geredet hatte. Natürlich hatte man mir nicht geantwortet, aber gut tat es immer.

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    ((cur))Ein majestätischer, feuerroter Kater kam auf mich zu. Seine smaragdgrünen Augen blitzten, aber er konnte mich dennoch nicht sehen. Das Kampfg
    Ein majestätischer, feuerroter Kater kam auf mich zu. Seine smaragdgrünen Augen blitzten, aber er konnte mich dennoch nicht sehen. Das Kampfgeschrei hatte aufgehört, es war Frühling, das merkte ich daran, dass alles so grün war und die Vögel schon wieder angefangen hatten, zu singen. Neben dem roten Kater erschien ein dunkelbraun gestreifter Kater und miaute eindringlich: "Wir können nicht länger bleiben. Die Zweibeiner kommen immer näher und bald werden es noch mehr Tote sein! Wir können nicht mehr auf Graustreif warten!" "Ich weiß.", seufzte der Erste. "Ich weiß..."

    Ich wachte auf, als es draußen laut donnerte. Ein Blick auf meinen türkisen Wecker mit den kleinen Herzchen verriet mir, dass es kurz nach Mitternacht war. Es blitzte und gleißendes Licht erhellte kurz mein mit Postern gespicktes Zimmer. Hauptsächlich waren es Bilder von meinen Lieblingsbuchreihen, aber einige waren auch selbst gemalt. Auf dem neben meinem Bett sah man Feuerstern, wie er gegen Tigerkralle kämpfte, um Blaustern zu beschützen. Trotzdem hatte ich es ihm nie verziehen, dass er Geißel getötet hatte und würde es auch nie tun. Schon seit der schwarze Kater das erste Mal in den Büchern aufgetaucht war, hatte er eine seltsame Anziehungskraft auf mich ausgestrahlt. Ich hatte sogar einmal mit Mina darüber geredet.

    Wir gingen über den Pausenhof, Mina hatten ihren Kopf schon das gefühlte hundertste Mal ins Physik-Buch gesteckt. Ich seufzte sichtlich genervt. "Lass es. In fünf Minuten ist die Pause um, dann kannst du sowieso nichts mehr machen." Sie schnaubte. "Dabei bist du es doch immer, die ihren Kopf in Fantasy-Kram steckt. Sag bloß noch, du magst diese Warrior-Dingsdabumsta-Charaktere!" "Tu ich auch!", fauchte ich ziemlich Dunkelstreif-like und bekam dann einen schwärmenden Unterton. "Geißel mag ich aber am allerliebsten! Er ist so...so...so geheimnisvoll und düster und hat sein Schicksal eigentlich gar nicht verdient!" Mist, schon wieder hatte ich Tränen in den Augen. Mina starrte mich an. "Hallo? Geht's dir gut? Das sind KATZEN! Die gefühlt langweiligsten und feigsten Lebewesen dieses Planeten!" "Sag das noch einmal!" Ich knurrte schon fast. Ängstlich riss sie die Auge auf. "Mensch, Charly, krieg dich ein! Sind doch nur Bücher." Ich sagte nichts mehr dazu.

    Wieder donnerte es laut und Wasser klatschte gegen die Fensterscheiben als wolle der SternenClan unser Haus vernichten. So ziemlich wie Tigerstern Feuerstern. Oder anders herum. Es knarzte.
    Ich zuckte. Was war das? Schon wieder quietschte es laut und deutlich. Vielleicht war es Rose? Ich hatte meine Schwester schon öfters dabei erwischt, wie sie sich nachts einen Schokopudding oder Erdbeerjoghurt holte. Alle anderen Joghurts mochte sie nicht. "Rose?", flüsterte ich. Niemand antwortete. Natürlich nicht, wie sollte man mich bei diesem Krach da draußen hören? Jetzt fauchte jemand oder etwas und es klirrte. Jetzt reicht's. Ich gehe nachsehen. Möglichst leise schlich ich die Treppe herunter. Die Geräusche mussten aus der Küche gekommen sein.

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    Jemand flüsterte: "Du solltest nicht hier sein!" Eine Weile war es still. Ich wagte es nicht, um die Ecke zu sehen und mein Herz klopfte wi
    Jemand flüsterte: "Du solltest nicht hier sein!" Eine Weile war es still. Ich wagte es nicht, um die Ecke zu sehen und mein Herz klopfte wie das von Kaninchen auf dem WindClan-Territorium, wenn sie gerade Riesensterns Geruch bemerkt hatten. Dann miaute (MIAUTE!) eine zweite Stimme: "Vielleicht. Aber der SchattenClan braucht Nahrung. Und wenn wir sie uns von dreckigen Zweibeinern holen müssen!" Es war wieder still und draußen tobte es. "Was, wenn die anderen Clans das erfahren?" "Werden sie nicht. Und jetzt gib's her!" Ganz langsam blickte ich um die Ecke. Zwei kleine Gestalten kauerten in einer Ecke der Küche. Eine der beiden erkannte ich sofort. Es war Nena. Ihre Umrisse waren mir so vertraut wie für andere ihre Kuscheltiere. Ich hatte so etwas noch nie gemocht. Die andere war mir allerdings unbekannt. Es war ein massiger Kater, aber mehr konnte ich auch nicht sehen. Da fuhr Nena herum, ihre blauen Augen blitzten auf vor Schreck. "Schnell, lauf, Schwarzstern!" Wie der Blitz draußen schoss die Katze an mir vorbei ins Wohnzimmer. Ich rannte hinterher. Eines der Fenster dort aber war geöffnet und ehe ich in die Reichweite unseres Besuchers kam, war er auch schon in der stürmischen Nacht verschwunden. Ich machte das Fenster zu und ging zurück in die Küche. Nena lag auf den Fließen wie immer und ich seufzte. In letzter Zeit hatte ich eindeutig zu wenig geschlafen. Meinen Eltern würde ich aber nichts von den Ereignissen erzählen. Nicht, dass sie mich wirklich noch zum Psychiater brachten. Als ich wieder ins Bett ging, fiel mir trotzdem auf, wie Nena mir folgte und mich von meiner Zimmertür aus mit wissendem Blick beobachtete. Ich brauchte dringend Ruhe.

    Dieser "Zwischenfall", wie ich ihn nannte, war nun drei Wochen her. Ohne dass ich es wirklich gewollt hätte, hatte ich ab und zu in der Nacht Augen und Ohren aufgehalten und war zu dem Ergebnis gekommen, mir dringend ein bisschen Ruhe gönnen zu müssen. Auf meinem Handy, das ich erst vor knapp zwei Monaten zum Geburtstag bekommen hatte, besaß ich auch eine Krieger-Playlist, also legte ich mich an einem goldenen Samstagabend ins Bett, scrollte durch meine Playlists und beobachtete aus den Augenwinkeln das helle, schirmende Licht an der gegenüber liegenden Wand beim Spielen. Da hatte ich sie. Viele der Songs kamen selten oder gar nicht im Radio, weshalb ich sie nur umso mehr schätzte.

    My Demons (Nightcore)

    Ich ließ meine Gedanken schweifen, mein Blick fiel auf die dritte Staffel, die ordentlich im Regal darauf wartete, erneut gelesen zu werden. Es kostete mir eindeutig mehr Überwindung als gut war, um nicht aufzustehen und anzufangen, zu blättern. In die Buchstaben einzutauchen. In die Welt der Clans. Weg von Perfektes-Familie-Lächeln. Kuscheltieren. Hunden. Ich wusste nicht warum, aber ich konnte diese wolfsähnlichen Wesen nicht leiden.

    Mrs. Potato Head (Melanie Martinez)

    Der Welpe schlich sich mir in die Gedanken, wie ein listiger Räuber. Zum ersten Mal dachte ich wirklich darüber nach, was passieren wird, wenn wir Pluto erst einmal geholt haben. Was wird mit Nena geschehen? Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, sie mit einem wilden, kräftigen Hund in einem Raum sehen zu müssen.

    Troublemaker (Olly Murs)

    Was würden Feuerstern, Brombeerkralle, Blaustern, Tüpfelblatt, Ahornschatten und Tigerstern denken, wenn sie von den Büchern wussten. Wenn sie in Erfahrung bringen würden, dass sie nicht echt sind. Würden sie die Erins mögen oder sie verbannen, dafür dass sie ihre Welt zum Entertainment der Kinder gemacht haben? Ich wusste nicht einmal, ob auch Erwachsene Warrior Cats lasen. Wahrscheinlich waren sie sich zu erwachsen dafür.

    Snow (Snow Patrol)

    Die Sonne schien auf ein selbst gemaltes Bild von mir. Es war das Erste, das ich gemacht hatte, nachdem ich mit In die Wildnis begonnen hatte, weshalb man sich wohl denken konnte, wen es zeigte. Natürlich war es Sammy gewesen, wie er den Wald beobachtete. Ich hatte den Wind fühlen gekonnt, hatte die raschelnden Blätter und Gräser vernommen, wie sie nach mir riefen. Komm nach Hause, kleiner Kater. Das ist es schon immer gewesen... Meine Tür schwang auf und ich machte die Musik aus.
    Es war Nena, die mit eleganten Bewegungen das Zimmer betrat und sich neben mir niederließ. "Von Türen zumachen, hast du wohl noch nie etwas gehört, was?", scherzte ich und grinste. Nena sprang wieder auf und stemmte sich gegen das Holz, bis es einrastete. Mein Grinsen gefror. Nenas Augen funkelten belustigt, als sie sich wieder umdrehte und sie miaute: "Stimmt. Sicher ist sicher, nichts, dass uns jemand belauscht. Obwohl Rose sowieso nur die ganze Zeit auf ihr Handy starrt und die Großen eh beim Einkaufen sind." Ich wusste nicht, über was ich mehr schockiert sein sollte. Dass Nena das Geschehen im Haus besser kannte als ich? Oder dass sie gerade GEREDET HATTE! Ich atmete einmal tief ein und wieder aus. Blinzelte. Nena sprang wieder an meine Seite. "Wir müssen reden."

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    Das tat sie doch schon. Trotzdem nickte ich. Langsam aber immerhin.
    Sorgsam ringelte die sprechende Katze ihren dunkelgrauen Schweif um ihre Pfoten und begann: "Du kannst mich hören." Ach ne.
    Ich nickte.
    Sie schnurrte. "Du hockst da wie ein versteinertes Kaninchen bei Fuchsjagd! Ich tu dir schon nichts! Seit wie lange kennen wir uns schon? Zehn Jahre? Oder sind es schon elf?" Erst jetzt fiel mir auf, wie betagt unsere Nena schon war. Kein Wunder, dass meine Eltern bereits ein neues Haustier planten. Anders als in der Welt der Clans wurde hier in der Welt der Zweibeiner Trauer nicht geduldet. Sie zerstörte das perfekte Weltbild. Die Ilusion.
    Sie fuhr fort: "Hast du mich schon oft sprechen gehört?"
    Diesmal schüttelte ich den Kopf. Aber ich wollte nicht weiter als Kaninchen da stehen und krächzte: "Nein. Das erste Mal ist es passiert, als dieser Kater da war. Er hat vom SchattenClan geredet." Ich machte eine kurze Pause. "Warum?"
    Langsam nickte sie, ihre Augen nahmen einen dunklen Glanz an. "Es sind schwere Zeiten für die Clans. Vor allem jetzt, wo der Herbst sich dem Winter zuneigt." Wieder wurde es kurz still? Worüber unterhielt man sich mit einem sprechenden Haustier?
    Doch Nena gab mir gar nicht erst die Chance weiter darüber nachzugrübeln. "Du wirst mich heute Abend begleiten, damit ich dir meine Freunde vorstellen kann." "Schwarzstern?", flüsterte ich fast lautlos. Der Besucher war schon längst kein Rätsel mehr. Aber sie verneinte. "Keine Clan-Katzen. Zumindest nicht die, die du meinst. Aber sie werden dir helfen können." Wozu brauchte ich überhaupt Hilfe? "Warum?" Sie sah mir tief in die Augen. Dann machte sie einen Satz, kratzte kurz an der Tür, wie normale Katzen es taten, und ich ließ sie gehen. Katzengespräch Nummer 1 beendet. Oh SternenClan.

    "Wach auf!" Eine Katzenpfote schlug mir direkt auf die Nase und ich richtete mich, nein, sprang auf. Ich hätte schwören können, Nena lächelte. "Folge mir. Aber sei bloß leise!" "Meine Eltern..." "Schlafen. Rose auch. Komm jetzt!" Und weil ich außer Schlafen sowieso nichts besseres vor hatte, schlich ich mich einfach Nena hinterher.

    Erst als wir aus dem Haus waren, fingen wir wieder an, zu reden. "Wohin gehen wir?" "Keine Ahnung, wie ihr Zweibeiner diesen Ort nennt." "Gib mir ein paar Anhaltspunkte." "Hmm. Stickig. Dunkel? Dreckig. Überall Sofas und Abfall." Ich blieb kurz stehen. "Der alte Schrottplatz?" "Kann sein." Ich seufzte. Warum war ich nicht einfach im Bett geblieben. "Weil du zu etwas anderem bestimmt bist.", antwortete Nena und bog wieder rechts ab. Ich werde niemals im Leben jemals wieder eine Katze unterschätzen.
    Tatsächlich erreichten wir bald den Schrottplatz. Er lag sehr außerhalb der Stadt und es war zu gleichen Teilen beruhigend und gruselig. Obwohl, doch eher unheimlich. Ob es hier Ratten gab. "Gibt es nicht." Ab diesem Zeitpunkt versuchte ich möglichst wenig zu denken.

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    "Rauchvogel!" Ich zuckte zusammen, als hätte mich jemand geschlagen, als ein kleiner, rabenschwarzer Kater mit runden, grünen Augen hinter
    "Rauchvogel!" Ich zuckte zusammen, als hätte mich jemand geschlagen, als ein kleiner, rabenschwarzer Kater mit runden, grünen Augen hinter einem ausrangierten Kühlschrank hervortrat. Nena schnurrte und eilte auf die andere Katze zu. Zögerlich folgte ich ihr. Der Kater kam mir bekannt vor.
    Nena stellte mich vor. "Hab keine Angst. Das hier ist Charly, aber sie kann uns verstehen." Sie klang stolz. "Sie ist auserwählt!" Empört sträubte der Schwarze das Fell. "Ich hab keine Angst!"
    "Guten Abend, Rauchvogel, Schwarzherz." Ein weiterer Besucher kam aus Richtung Tor auf uns zu. Er war hellbraun getigert und sein Schweif buschig und mit Dutzenden Distels bestreut. Nena, falsch, Rauchvogel wollte etwas sagen, aber der zweite Kater unterbrach sie ruhig: "Vorstellen tun wir später. Froschfell muss jeden Moment mit Anna da sein, wir sollten schon einmal zum Lager."

    Das Lager war ein großer Bretterschupfen mit haufenweise Kissen und Sofas, aus denen die Füllung herausquoll. Eine kleine Glühbirne in der Ecke spendete ein wenig Licht, konnte aber die düsteren Schatten dennoch nicht verdrängen. Es kamen noch weitere Katzen und auch ein Mädchen und ein Junge. Dann fingen wir an, wieder zu reden. Hier eine kleine Beschreibung der Hierarchie:

    Rauchvogel (Nena)
    Dunkelgraue Kätzin mit hellen Pfoten, blaue Augen

    Schwarzherz (Draco)
    Kleiner, schwarzer Kater, giftgrüne Augen

    Streifensturm (Merlin)
    Hellbraun getigerter Kater, sehr groß, Disteln im Schweif, dunkelgrüne Augen

    Froschfell (Daisy)
    Hellgraue, schöne Kätzin mit dunklen Augen

    Rattensprung (Claire)
    Schwarz-weiße Kätzin, dunkelbraune Augen

    Sonnenblumenschweif (Toby)
    Dunkelbrauner, langhaariger Kater, grellgelbe Augen

    Nachtblüte (Lucy)
    Schwarze, schlanke Kätzin, bernsteinfarbige Augen

    Wolkenblatt (Diamond)
    Pummelige, weiße Kätzin, grüne Augen

    Rostpelz (Jumper)
    Tiefdunkelroter Kater, große Narbe am Hinterbein, bernsteinfarbige Augen

    Maulwurfkralle (Rufus)
    Alter, grauer Kater, hellblaue Augen (Wahrscheinlich blind)


    Die Vorstellung bestand eigentlich nur daraus, dass jeder seinen Namen sagte.
    Außer mir gab es noch ein Mädchen und einen Jungen. Ich glaube, ich spinne. JUNGS lasen auch Warrior Cats! Das wäre ja, als gäbe es Feuerstern wirklich! Dass ich trotzdem nicht mehr als ihre Namen erfuhr, war bedauerlich. Anna und Tobi. Dann schwiegen wir wieder alle. Dieses ganze Nicht-wissen ging mir allmählich echt auf den Wecker! Also fragte ich einfach: "Was wird das?" Nena, falsch, Rauchvogel bedachte mich mit einem missbilligenden Blick und ich biss mir auf die Lippe. "Entschuldigung." Meine Stimme war kaum mehr als ein Murmeln. Da aber meldete sich Anna zu Wort: "Ich will es auch wissen!" "Ich auch!", flüsterte Tobi, hörte sich aber eher nicht so an. Maulwurfkralle sprang auf eine Kiste in der Mitte des winzigen Hauses und sagte: "Nun, da der Mond seinen hellsten Punkt erreicht hat, können wir beginnen!" Verwirrt wollte ich schon fragen, als Anna das für mich tat: "Wir haben euch etwas gefragt." Maulwurfkralle nickte. "Das habe ich und sicher auch die anderen gehört. Es ist aber bei uns Tradition, dass erst gesprochen wird, wenn der Mond dafür bereit ist." "Zweibeiner haben nicht den dafür notwendigen Instinkt.", sagte Rattensprung und blickte zu Anna und mir. Okay. Und wie sollten wir dann wissen, wann es so weit ist? "Das werdet ihr, sobald ihr Teil der Clans seid.", antwortete Schwarzherz und warf mir einen giftigen Blick zu. Launischer Kater.

    Moment, WAS?

    7
    "W...was hast du gesagt?" Katzen konnten sprechen. Eine Sache. Manche von ihnen hielten nachts heimlich Versammlungen ab. Okay. Ab und zu nahmen sie auch Zweibeiner mit und machten sie zu Clan-Tieren. Was?

    Maulwurfkralle meldete sich wieder zu Wort: "Ich bin sicher, dass das nicht einfach für euch ist. Aber unter den Zweibeinern ist kein Platz für euch. Der Wald der Finsternis würde euch holen und töten." "Was unterscheidet uns denn von den anderen Menschen?", fragte Anna. "Entschuldigung. Zweibeinern." Sonnenblumenschweif sagte: "Ihr kennt doch die Erins?" Wir drei nickten. "Es gibt Katzen, die in den Büchern vorkommen. Die anderen aber kennt ihr nicht. Sie leben nicht dort, wo der DonnerClan, der WindClan, der FlussClan oder der SchattenClan wohnt. Sie wohnen im Wald jenseits dieser Zweibeinersiedlung. Über sie wird in den Büchern nicht geschrieben, aber es gibt sie." Wolkenblatt fuhr fort: "Wenn diese Katzen sterben, werden sie zu Hauskätzchen oder in seltenen Fällen zu Zweibeinern." Anna schnappte nach Luft, auch ich hielt den Atem an. "Heißt das?" "Ja.", beantwortete Sonnenblumenschweif die Frage. "Die Erins sind Clan-Katzen." "Und was ist mit den Katzen aus den Büchern?", fragte ich und blickte unsicher in die Runde. "Sie wissen von nichts. Weder von den Büchern, noch von den anderen Katzen.", miaute Rauchvogel. Ich nickte. "Und was hat das mit uns zu tun?", fragte Anna. Maulwurfkralle seufzte. "Ihr seid Katzen-Junge. Diejenigen, die zu früh von ihrer Welt gegangen sind und als Zweibeiner-Babys wiedergeboren wurden." Schock breitete sich in mir aus, raubte mir den Atem, alle meine Sinne. "Nein." Schwarzherz fauchte: "Doch!" Maulwurfkralle sagte: "Und unsere Aufgabe ist es, euch einzusammeln und wieder nach Hause zu bringen."

    "Es funktioniert so:", miaute Maulwurfkralle, der wohl der Anführer war und durchbohrte mich mit seinen blicklosen Augen. "In den Augen der Clan-Katzen seid ihr tot. Ihr werdet genau zu dem Zeitpunkt zurückkehren, an dem ihr gestorben seid. Aber als Katzen im Schüleralter. Ihr werdet irgendwo in der Nähe der Territorien auftauchen, vielleicht auch in ihnen." "Aber..." "Kommt mit." Schwarzherz sprang auf und führte uns zu einem kleinen, von Müll umlagerten Hügel. Die Sonne erhob sich schon am Horizont. "Tretet hier her und rührt euch nicht."

    Rauchvogel trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir den Mutterinstinkt.
    Beschütze jedes Kind mit deinem Leben, so wie ich selbst dich alle Jahre im Auge behalten habe!"
    Sie trat weg.

    Schwarzherz trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Geschicklichkeit.
    Nutze sie für das Gute in allen Katzen und lass dich nicht unterkriegen, egal, was geschieht!"
    Er trat weg.

    Streifensturm trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Mut.
    Helfe den Schwachen und sag den Starken, wo es langgeht!"
    Er zwinkerte.
    Dann trat er weg.

    Froschfell trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Angst.
    Sie wird dich am Leben halten, selbst, wenn der Mut dich längst verlassen hat!"
    Sie trat weg.

    Rattensprung trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Demut.
    Siehe, wer du bist, aber lass nicht zu, dass der Stolz dich einholt. Das ist dein Tod!"
    Sie trat weg.

    Sonnenblumenschweif trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Trauer.
    Sie wird dich stärker und mutiger machen, als Freude es je gekonnt hat!"
    Er trat weg.

    Nachtblüte trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Liebe.
    Ich selbst verlor sie vor langer Zeit im Kampf. Lass nicht zu, dass dir dasselbe passiert. Es wird dich vernichten!"
    Sie trat weg.

    Wolkenblatt trat auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Zukunft.
    Du hast hiermit die Macht, alles zu verändern. Nutze sie für uns, denn wir haben sie nicht!"
    Sie trat weg.

    Rostpelz traf auf mich zu.
    "Mit dieser Energie gebe ich dir Hoffnung. Sie ist das Licht, das "Bleib!" ruft, wenn die Dunkelheit näher kommt und so lange du sie hast, werden wir bei dir sein!"
    Er trat weg.

    Maulwurfkralle trat auf mich zu.
    Erst jetzt erwachte ich aus meiner Trance, was passierte hier, ich musste weg! Tränen rannen mir über die Wangen, ich schluchzte. Langsam ließ sich der graue Kater vor mir nieder und sprach die letzte Formel:
    "Wir sind der SternenClan. Mit aller Macht schicken wir dich in dein neues Leben. Du wirst Großes vollbringen, wichtiger sein, als Blaustern, Feuerstern und Riesenstern zusammen. Vergiss uns niemals. Nur dann wirst du stark genug sein. Und mit dieser Energie bestimme ich deinen neuen Namen: Wildpfote!"


    Alles drehte sich. Verzweifelt versuchte ich mich irgendwo festzuhalten, aber es gelang mir nicht. Ich stürzte zu Boden. In mein neues Leben.

    8
    Ich wachte auf. Helles Tageslicht fiel auf mich und wärmte mein Fell. Was? Ich stöhnte, vorsichtig richtete ich mich auf. Maulwurfkralle. Rauchvogel. Wo waren sie? Neben mir ertönte ein erschrockenes Fauchen und ich drehte mich um. Es war Tobi. Nein, das konnte nicht sein. Anstelle von Tobi stand dort ein hellbrauner Kater mit einem Stich ins Sandfarbene und weit aufgerissenen grauen Augen. "Wer...wer bist du?", keuchte er und wich vorsichtig vor mir zurück. "Das ist Charly, du Dummkopf!", fauchte eine dunkelbraun getigerte Kätzin mit grünen Augen neben mir und betrachtete mich kurz. "Wo sind wir?" "Ich weiß es nicht." Das war auch die Wahrheit. Wir befanden uns in einem Wald mit dichtem Blattwerk und viel Moos. Ein Tümpel lag nur ein paar Fuchslängen von uns entferng und eine Amsel saß auf einem Ast über dem Wasser, beobachtete uns und ergriff dann die Flucht.
    Erschrocken sprang Tobi auf und wäre wohl weggerannt, wenn ich ihn nicht rechtzeitig am Nackenfell gepackt hätte. "Keine Angst, Tobi, das war nur ein Vogel!" Ich wollte mich nach Anna umdrehen, aber die Kätzin war längst im Wald verschwunden. "Ich heiße nicht mehr Tobi.", meinte der Kater und ich lockerte meinen Griff; lodlassen tat ich aber erst, als Tobis Nackenfell auch wieder flach anlag.
    "Wie heißt du jetzt?", fragte ich und Tobi lächelte. "Sonnenpfote." "Ich bin Wildpfote." Er taxierte mich eine Weile, dann nickte er. "Das passt!" Verlegen schnurrte ich und sah mich um. "Anna hat uns einfach alleine gelassen!" Beruhigend strich Sonnenpfote mit dem Schweif über meinen Rücken. Kleine dunkelbraune Punkte befanden sich in ihm.
    "Sie heißt jetzt Eulenpfote.", miaute er, als plötzlich ein spitzer Schrei durch die Luft flog. "Tobi!" Ich hatte es gewusst. Der Kater war geflohen. Ich musste aber helfen! "Halte durch!", schrie ich und rannte los.

    Ein kleines Katzenjunges baumelte über einem ungefähr eine Schwanzlänge breiten Spalt und blickte mich mit großen, grünen Augen flehentlich an. "Hilfe!"
    Ich sprang los, packte das Junge am Nackenfell und setzte es sicher auf die Erde. "Ist alles okay?"
    Der Kleine zitterte, seine rostroten Flanken senkten und hoben sich. "D...danke."
    Ich schüttelte den Kopf. "Keine Ursache."
    In diesem Moment bebte die Erde und ein Geruch machte sich bemerkbar, es roch ein wenig wie das kleine Kind, aber viel durchdringender. Instinktiv rannte ich los. "Hey!", brüllte jemand, aber ich hielt nicht an.
    Plötzlich riss mich ein Gewicht zu Boden, Zähne gruben sich in meinen Nacken und ein anderer knurrte: "Wen haben wir denn da?" Langsam hob ich meinen Blick. Vor mir befand sich der größte Kater, den ich jemals gesehen hatte. Sein Fell war pechschwarz und seine Augen von einem tiefen Dunkelgrün.
    "Niemand rührt die Jungen des FuchsClans an!"
    Krallen fuhren quälend langsam meine Flanke entlang und ich schrie laut vor Schmerz.
    In diesem Moment hörte ich eine andere Stimme.
    "Hey, was macht ihr da? Lasst sofort das arme Kätzchen los!"
    Mein Angreifer hob mich am Nackenfell in die Luft und der schwarze Zweite trat vor mich, so, dass ich nicht sehen konnte, wer gesprochen hatte.
    "Vogelstern, was machst du hier? Du bist ziemlich nahe an der Grenze!", fauchte der Schwarze und der, der mich hielt nickte schwungvoll, mit der Folge, dass ich wild hin und her geschwungen wurde.
    "Sie hat blaue Augen.", knurrte der Schwarze. "Gehört sie zu euch?"
    Vogelstern knurrte: "Lass das arme Junge los!"
    Mein Angreifer schnurrte rumpelnd und ließ mich auf die Erde fallen. "Besser?"
    Im nächsten Moment wurde der Schwarze vorbeigefegt und ein junger, rostroter Kater mit strahlend blauen Augen erschien vor mir. Ich dachte schon, er wollte mir das Gesicht zerfetzen, aber Vogelstern zielte höher und traf meinen Wächter an der Stirn. Heulend taumelte er ein paar Schritte zurück und als ich herumwirbelte sah ich, dass es ein hellweißer Kater mit grausam zusammengekniffenen grünen Augen war. Sein Fell war lang und buschig und schien und doppelt so groß aussehen zu lassen.

    Vogelstern postierte sich vor mich und ein zweiter Kater, ein hellbraun getigerter, dem man sein hohes Alter schon ansehen konnte, sprang an mir vorbei und eilte seinem Anführer zu Hilfe.
    Da packte mich jemand am Nacken und zerrte mich ein paar Schritte zurück. Ich schrie.
    "Ganz ruhig!", knurrte die Stimme und ich wusste, dass es eine Kätzin war. Nachdem sie mich losgelassen hatte, konnte ich auch ihr hellgraues Fell und ihre dunkelgrauen Pfoten sehen. Sie hatte mittellanges Fell und genauso wie Vogelstern blaue Augen. Als sie bemerkte, wie ich sie anstarrte, musste sie schnurren. Sie war wahrscheinlich noch nicht lange Kriegerin, sie wirkte so lebendig. "Ich bin Taubenschweif, meine Kleine. Du brauchst keine Angst zu haben. Vogelstern, Nusspelz und auch ich werden nicht zulassen, dass dir etwas passiert!"

    9
    Nusspelz schrie. Der Schwarze hatte sich drohend über den am Boden liegenden Kater aufgebaut, während Vogelstern im Hintergrund immer noch mit meinem Angreifer kämpfte und blitzschnell seinen wirbelnden Pfoten auswich. Knurrend machte Taubenschweif einen Satz nach vorne, wurde aber plötzlich von einer riesigen Kätzin mit Fell wie der große Kater umgestoßen. Sie musste sich im Gebüsch versteckt und darauf gewartet haben, dass Taubenschweif angriff!
    Ich schoss nach vorne und warf mich auf die Schultern des Schwarzen. Hinter mir schrie die schwarze Kätzin: "Achtung, Pestfluch!" Doch der Kater riss überrascht die grünen Augen auf und ich wusste, er hatte nicht mit meinem Eingreifen gerechnet. Fauchend und schnappend hielt ich mich auf seinem Rücken, allem Springen, Rennen und Wälzen zum trotz und dachte nicht einmal daran, einen Moment locker zu lassen.
    Da schubste mich eine braune Pfote mit eingefahrenen Krallen zur Seite und ich landete auf der Erde. Nusspelz hatte sich wieder erholt und bearbeitete Pestfluch mit beiden Vorderpfoten.
    Taubenschweif rief: "Vogelstern, Nachtigallenherz ist weg! Sie wird Verstärkung holen!" Vogelstern nickte und wich einem Pfotenschlag seines Gegners aus. "Wir verschwinden!" Mit einer geschickten Wendung brachte er sich vor der Schulter des Katers in Sicherheit und sprang über den Graben. Nusspelz, Taubenschweif und ich folgten ihm.

    Zum Glück folgte uns niemand. Unterwegs schnaubte Taubenschweif zornig: "So etwas habe ich noch nie erlebt! Noch nicht einmal dem FuchsClan hätte ich das zugetraut! Einfach ein kleines Junges angreifen." Vogelsterns Augen funkelten. Auch er schien aufgebracht, sagte aber nichts. Nusspelz stimmte zu: "So etwas darf niemand machen. Auch nicht Nachtigallenherz, Pestfluch und Nadelsprung!" "Wie...wie geht es jetzt weiter?", fragte ich so leise, dass man es fast gar nicht höhrte. Ich hatte Tränen in den Augen. Was für ein Chaos! In den Büchern hatte immer alles so einfach gewirkt! Aber das war es nicht. Meine rechte Schultet schmerzte und bei meinem Sturz hatte ich mir wohl sämtliche Pfoten aufgeschürft. Wie empfindlich Ballen doch waren! Beruhigend fuhr mir Vogelstern mit der Zunge über ein Ohr, Wärme trat nun in seinen Blick. "Wir bringen dich ins Lager und Rosenwolke wird sich deine Wunden ansehen. Niemand wird dir etwas tun! Versprochen." Wir gingen schweigend weiter. Der Kampf verband uns.

    "Taubenschweif!" Eine hysterische, kleine, weiße Kätzin kam uns in großen Sprüngen entgegen und machte erst kurz vor uns halt. "Das halbe Lager sucht nach euch!" Sie drehte sich zu Vogelstern und Nusspelz. "Man hat sich schon Sorgen gemacht!" Ein leichtes Lächeln umspielte Nusspelz' Lippen. "Jetzt ist alles wieder in Ordnung, Federfell. Es gab nur ein paar...Komplikationen beim FuchsClan." "Habt ihr etwa gekämpft?", schrie Federfell. "Nusspelz, du bist Ältester! Du solltest nicht mehr so schwere Arbeiten erledigen! Ich bringe euch alle gleich zu Rosenwolke." Abwartend sahen Taubenschweif und Nusspelz zu Vogelstern; er nickte.
    Dann miaute er an mich gewandt: "Aber zuerst will ich dir das Territorium zeigen, bevor du dich noch aus Versehen zu den anderen Clans verirrst." Stumm nickte ich, erst jetzt nahm ich meine Umgebung genauer wahr.
    Federfell ging mit Nusspelz und Taubenschweif weiter, auch Vogelstern setzte sich wieder in Bewegung, allerdings in eine andere Richtung. Mit gespitzten Ohren und prickelnden Pfoten folgte ich ihm.
    Wir waren in einem angenehm schattigem Nadelwald mit wenig Deckung auf dem Boden. Das Moos kühlte unsere Pfoten und der süßliche Geruch von Baumharz lag in der Luft. Es roch nach...Freiheit.
    Vogelstern sagte: "Taubenschweif, Federfell, Nusspelz, noch einige andere und ich gehören zum LibellenClan. Pestfluch, Nachtigallenherz und Nadelsprung sind Teil vom FuchsClan. Du hast sicher den breiten Spalt im Boden bemerkt, das ist die Grenze. Das andere Territorium, das an uns grent, gehört dem RobbenClan. Bei ihnen gibt es fast gar keine Bäume, nur Sand, eine Klippe und vereinzelt ein paar Sträucher. Ich zeige dir die Grenze." Er trabte zu einem kleinen Holzzaun und sah mir in die Augen. Irgendwo kribbelte es in mir. "Das ist das Holzgespann. Es ist sehr deutlich zu sehen, es sollte also keine Verwirrungen geben." Zögerlich fragte ich: "Gibt es denn noch andere Clans?" Vogelstern nickte. "Allerdings. Aber davon brauchst du noch nichts zu wissen. Im Lager sollte schon irgendetwas zu finden sein, was dich satt macht, und es wird dunkel. Ich will nicht, dass du stolperst und ich dich dann ins Lager tragen muss." Wir kehrten um.

    Das Lager war nicht am Boden. Echt nicht. Stattdessen befand es sich in den Baumkronen mehrerer nebeneinander wachsender Tannen und war so fantastisch vor Zweibeinern, Füchsen und Dächsen getarnt. Ich staunte nicht schlecht. Trotzdem versuchte ich vor Vogelstern einigermaßen cool rüberzukommen und sagte nicht besonders viel. Wie es wohl gerade Eulenpfote ging? Oder Sonnenpfote.
    Hoffentlich hatte ihn nicht Pestfluch erwischt! Mir wurde ganz schwarz vor Augen, wenn ich nur daran dachte, was er Tobi antun könnte.
    "Hey!" Vogelstern rief mich zu sich, er saß neben einem breitem Stamm mit vielen Ästen. Ich lief zu ihm. Bei ihm fühlte man sich seltsam geschützt und geborgen. Ob er vielleicht deshalb so jung Anführer geworden war?
    "Bist du schon einmal auf Bäume geklettert?", fragte er und betrachtete meine kleinen, zierlichen Pfoten. Sie waren schwarz. Wie ich wohl als Katze aussah? Auf einmal wollte ich es unbedingt wissen. "Äh...gibt es hier irgendwo...Wasser? Oder etwas, in dem man sich selbst sehen kann?", stammelte ich und meine schwarzen Pforen prickelten vor Verlegenheit. Ich traute mich nicht, Vogelstern in die blauen Augen zu sehen. Er legte den Kopf schief und musterte mich nun besorgt: "Tut dir etwas weh? Wir können auch sofort zu Rosenwolke gehen, sie ist die Heilerin des LibellenClans und kennt sich wirklich gut mit Verletzungen aus. Du brauchst dich auch nicht zu schämen, Wunden gibt es hier oft." Ich schnurrte. "Das ist es nicht. Es ist so ein...Streuner-Ding." "Okay." Er wirkte erleichtert. Mit dem Schweif deutete er auf ein paar Lerchen. "Dahinter sind manchmal ein paar Pfützen. Aber pass auf, manchmal ist es dort schlammig, dann kann man leicht ausrutschen."
    Dankbar nickte ich und verschwand hinter den Bäumen. Tatsächlich hatte sich dort Wasser vom letzten Regen angesammelt. Erst jetzt bemerkte ich, wie stark ich zitterte. War ich hässlich?
    Vorsichtig spähte ich in die Pfütze.
    Zwei dunkelblaue Augen mit kleinen silbernen Splittern sahen zurück. Sie waren groß, aber nicht zu groß. Vom Körperbau war ich eher zierlich und mein Fell war schwarz wie Pestfluchs und glänzte seidig. Mein Schweif war ein wenig buschig, aber nicht zu auffällig. Ich fand mich hübsch.
    Zufrieden und beruhigt ging ich zu Vogelstern zurück. Noch immer schüchterte er mich ein bisschen ein, aber ich musste mich ja für nichts schämen und das half schon. "Also, wie klettert man?"
    Vogelstern musste schmunzeln und seine Augen funkelten freudig. "Es ist recht einfach. Du musst dich dicht am Stamm halten und gut an der Rinde festkrallen. Diese Tanne hat die meisten Äste, sie ist für Anfänger am besten geeignet." Ich fuhr die Krallen aus. Wenn ich eine Clan-Katze sein wollte, würde ich mir auch die Pfoten schmutzig machen müssen.
    Insgesamt kam ich mehr schlecht als recht in der Baumkrone an und auch nur mit Vogelsterns Hilfe. Er lobte mich dennoch und meinte, für einen Anfänger hätte ich mich echt gut geschlagen. Eine Flamme entstand in meiner Brust und wärmte mich von innen. Stolz hob ich den Kopf. Statt mehreren Bäuen gab es Nester, welche gut mit Erde, Steinen, Moos oder Ästen und Blättern geschützt waren. Ich hatte noch nie Höhenangst gehabt und fühlte mich sofort wohl.
    Mit der Aufmerksamkeit aller Katzen hatte ich aber nicht gerechnet.
    Ohne zu zögern, ging Vogelstern auf das höchste aller Nester zu und setzte sich. Mit dem Schweif deutete er mir, zu ihm zu kommen. Dann miaute er laut und deutlich:

    10
    "LibellenClan, versammle dich!
    Heute haben Nusspelz, Taubenschweif und ich den Angriff auf ein Junges im FuchsClan-Territorium mitbekommen und eingegriffen, wie es das Gesetz der Krieger von uns verlangt."

    Vogelstern wollte fortfahren, da zerriss ein spitzer Schrei die Luft. Ein paar Schwanzlängen von mir entfernt saß eine junge, seltsam braun getigerte Kätzin mit blauen Augen und starrte mich mit vor Schreck geweiteten Augen an. "Habichtpfote?" Vogelstern klang verwundert. "Was hast du?"
    Die Kätzin atmete schwer. Dann spuckte sie es aus: "SIE wird uns alle verraten. Ich habe von IHR geträumt! SIE wird uns ALLE töten!"
    Erschrockenes Gemurmel breitete sich aus und Vogelstern wollte etwas sagen, als eine schon etwas ältere weiße Kätzin mit rot getigerten Flecken zu uns sprang. Ihre Augn waren blau. Moment mal. Konnte es sein, dass sich die Clans in...Augenfarben unterschieden?
    Jedenfalls wirkte Vogelstern erleichtert, dass die Kätzin eingriff. "Rosenwolke, wovon redet deine Schülerin?", miaute er und sah sie mit einer Mischung aus Beunruhigung und Ärger an. "Ich weiß es nicht.", hauchte Rosenwolke so leise, dass es niemand außer uns hören konnte. "Ich lehre sie erst seit zwei Monden, aber manchmal wird sie ganz seltsam. Vor allem bei der Farbe Schwarz."
    Vogelstern seufzte. "Schatten sind schwarz, genauso wie die Nacht und der Tod. Und Raben. Und Hoffnung."
    Ich blinzelte überrascht. "Hoffnung ist schwarz?"
    Er nickte. "In einiger Entfernung gibt es einen Berg, wir nennen ihn den Mondfelsen. Kurz bevor ein neuer Tag anbricht und die Vögel zu singen beginnen, wirft er seinen Schatten auf unser Territorium und für ein paar Momente wird alles schwarz."
    Rosenwolke fuhr fort: "Aber wir wissen, dass danach die Sonne wieder kommt. Und deshalb hoffen wir in diesem Augenblick."
    Langsam nickte ich. Tatsächlich machte das irgendwie Sinn.
    Nun wandte sich Vogelstern wieder an den Clan: "Es gibt absolut keinen Grund zur Beunruhigung. Habichtpfote, für das Unterbrechen einer heiligen Zeremonie wirst du für den nächsten halben Mond die Nester der Ältesten wechseln."
    Doch Habichtpfote reagierte nicht, starrte noch immer mich mit großen ängstlichen Augen an.
    (Grün = FuchsClan
    Blau = LibellenClan)
    Was gab es sonst noch für Farben?
    (Grau = Unbekannt
    Bernsteinfarbig = Unbekannt
    Gelb = Unbekannt
    Braun = Unbekannt)
    Es gab also noch vier andere Clans!
    "Sie wird für die nächste Zeit hierbleiben, bis ich entschieden habe, was zu tun ist. Hiermit ist die Versammlung beendet.", sagte Vogelstern und die Katzen zerstreuten sich wieder. "Aschenvogel und Pferdesturm? Ich bringt sie zu Rosenwolke und Habichtpfote." Ein hellgrau getigerter Kater und eine dunkelbraune Kätzin drehten sich um und kamen auf mich zu.
    Liebevoll blinzelte Pferdesturm mir zu, Aschenvogel knurrte dagegen nur misstrauisch. "Hier geht's lang!"
    Das Nest der Heiler lag etwas niedriger als das Nest von Vogelstern und ich musste aufpassen, auf den schmalen Ästen nicht herunterzufallen.

    "Wir sind da!", fauchte Aschenvogel und verdrückte sich auch wieder. Pferdesturm blieb. "Denk dir nichts dabei. Habichtpfote ist nur seine Tochter, also..." Wie ein Geist erschien wieder Aschenvogel und rempelte die Kätzin grob mit der Schulter an. Fadt wäre sie vom Ast gefallen! "Ach ja?", knurrte er. "Deine übrigens auch, du Fuchsherz! Und jetzt komm, ich kann dich mit diesem Streuner nicht sehen!" Schweigend verschwanden die beiden zwischen den Nadeln. Aschenvogel war ja richtig handgreiflich geworden! Warum ließ Pferdesturm sich das gefallen?
    Doch weiter kam ich nicht, denn da trat Rosenwolke zu mir und schob mich ins Nest. Die Kräutervorräte lagerten in einer verlassenen Spechthöhle, was ich ziemlich klug fand, und Rosenwolke betrachtete eingehend meine Ballen. "Aufgeschürft, hoffentlich entzündet es sich nicht. Heiliger SternenClan, ich habe noch nie so zarte Pfoten gesehen! Sehen ja aus, als wärst du noch nie gelaufen!"
    Fast wäre es mir herausgerutscht, dass ich das ja auch wirklich noch nie war, aber ich konnte mich zusammenreißen. "Echt?", fragte ich stattdessen und beobachtete eine Elster, die uns ein paar Äste weiter beobachtete. Mein Magen grummelte und ich schämte mich. Rosenwolke rief: "Habichtpfote?" Wie ein Geist saß die Schülerin im Schatten einiger Nadeln und Tannenzapfen, rührte sich nicht. Ich wusste, dass sie mich beobachtete.
    Rosenwolke schien das jedoch nicht zu kümmern und wartete nicht auf eine Antwort: "Hohl der Streunerin ein wenig Frischbeute. Sie hat Hunger."
    Zögerlich nickte Habichtpfote und machte sich langsam auf den Weg.
    Als Rosenwolke mit mir fertig war und ich auch in den Genuss eines Frosches gekommen war (an den Geschmack gewöhnte man sich), miaute die Heilerin: "Du wirst heute Nacht bei Vogelstern schlafen. Ich habe vorhin mit ihm gesprochen, er besteht darauf." Ich nickte, dann kletterte ich zurück zum Nest des Anführers. "Hallo?", flüsterte ich, im Lager war es inzwischen still geworden. Alle schliefen.
    Es raschelte und ein paar glühend blaue Augen sahen zu mir gerab. "Komm hierher, Wildpfote." Warum nannte er mich so?
    Zögerlich legte ich mich zu ihm, das ganze wurde immer gruseliger.
    Er rückte näher zu mir heran.
    Dann fing er an mein Fell zu putzen. Augenblicklich spannte ich mich an, aber er hörte nicht auf.
    "Bitte..." "Ja?" Er sah mich an. Ich wollte nicht unhöflich sein. "Nichts."

    11
    Grillen zirpten und irgendwo schwebten zwei Glühwürmchen durch die Luft. Es war kühl und ich fröstelte. "Was?" Jemand hatte mich am Nackenfell gepackt und musste mich heimlich aus dem Lager getragen haben!
    Ich schrie: "Hey, lass mich ja los! Ich kann kämpfen!"
    Sofort ließ mich der fremde Kiefer fallen und ich wirbelte herum. Ein schuldbewusster Sonnenpfote stand mir gegenüber. Langsam glättete sich mein Nackenfell wieder. "Du bist es. Wie geht es dir? Hast du etwas von Anna gehört? Wo sind wir?"
    Beruhigend leckte mir Sonnenpfote über die Schulter. "Du brauchst keine Angst zu haben, wir sind immer noch in deinem Territorium. Du kannst jederzeit wieder ins Lager, wenn du willst. Eigentlich wollte ich dir auch gar nicht folgen, aber da habe ich dich schreien gehört und als ich mich endlich getraut habe nachzusehen, war es schon dunkel und alle weg. Deshalb bin ich zu euch ins Lager gekommen. Ich wollte die Nacht nicht alleine verbringen." Beschämt senkte er den Blick.
    "Ist schon gut.", tröstete ich ihn und lächelte. "Ich weiß, wie du dich fühlst. Hast du schon deinen Clan gefunden. Ich weiß, dass ist echt verrückt, aber ich denke, sie unterscheiden sich durch ihre Augenfarbe."
    Verdutzt sah Sonnenpfote mich an. "Echt jetzt?"
    Ich kicherte leise. "Kein Witz!"
    Plötzlich wurde er wieder traurig und seine Ohren hingen nachdenklich herab. "Du hast blaue Augen. Meine sind nicht blau, oder?"
    Ich seufzte. "Sie sind grau."
    "Aber ich will nicht alleine bleiben! Bitte geh nicht weg, Wildpfote! Geh nicht zurück zu diesem Kater!"
    Ich überlegte kurz, dann erinnerte ich mich an die Momente kurz bevor ich eingeschlafen war. Vielleicht hatte ich das auch nur geträumt? "Du meinst Vogelstern?"
    "Wenn das der Typ ist, der dich halb unter sich vergraben und seinen Kopf auf deinen Bauch gelegt hat, dann ja. Ist alles okay? Hat er dir wehgetan?"
    Heftig schüttelte ich den Kopf. "Nein, nein. Alles gut. Lass uns ein Versteck für uns suchen, damit wir schlafen können."
    Er nickte. "Danke."

    Die ersten Sonnenstrahlen weckten mich am nächsten morgen und ich wollte Sonnenpfote wachstupsen, als ich sah, dass er bereits sein Fell säuberte. "Du bist ja schon wach! Hast du gut geschlafen?"
    Er schüttelte den Kopf. "Überhaupt nicht. Als du eingeschlafen bist, hatte ich plötzlich Angst, dass dir jemand etwas tun könnte, wenn ich nicht auf dich aufpasse. Also habe ich Wache gehalten."
    Ich seufzte. "Du weißt echt nicht, was du willst."
    "Doch." Er grinste. "Bei dir sein?"
    Ein Schnurren wanderte meine Kehle hoch, aber ich hustete, um es zu übertönen. "Ich muss jetzt wieder gehen. Keine Ahnung, ob schon jemand vom Clan wach ist. Aber ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn ich so kurz nach meinem Auftauchen wieder verschwinde."
    Sonnenpfote reagierte nicht. Dann wurde sein Blick unglücklich. "Vermisst du deine Familie?"
    Ich dachte nach. Bei den Zweibeinern war nicht mein richtiges Leben gewesen und jetzt wusste ich auch, dass ich eigentlich als Katze geboren war. Dann antwortete ich: "Ja. Auch wenn ich eigentlich nicht mit ihnen verwandt war. Ich habe dreizehn Jahre mit ihnen gelebt. Auch wenn sie mich immer komisch fanden. Und meine Freunde auch. Vor allem Mina."
    Tobi seufzte. "Ich hatte nicht viele Freunde."
    "Oh."
    Wir hatten das Pfotengetrappel zu spät bemerkt. Ein großer, dunkelgrauer Kater und zwei Kätzinnen, eine weiß mit kleinen schwarzen Flecken und eine Sandfarbene mit grauen Pfoten bauten sich vor uns auf. Ich erinnerte mich schwach daran, sie gestern bei der Versammlung gesehen zu haben.
    "Wer bist du?", fauchte die Weiße in Sonnenpfotes Richtung. Er zitterte, brachte kein Wort über die Lippen. Sein Gesicht war eine einzige Maske der Angst.
    "Hast du sie nicht gehört?", fuhr ihn die Zweite an und bleckte die Zähne.
    Autoritär stellte sich der Kater zwischen seine Clan-Gefährten und Sonnenpfote. "Mein Name ist Dunstkralle. Hellschweif, Wüstensonne, ich regle das. Wir sind LibellenClan-Katzen und wollen dir nichts Böses. Trotzdem musst du unser Territorium jetzt verlassen."
    Er sagte immer noch nichts. Da schaltete ich mich ein: "Es tut mir leid. Das hier ist ein Streunerfreund von früher, äh...Tobi. Er hat nach mir gesucht und ich habe ihm gerade erzählt, dass er hier nicht bleiben kann."
    Jetzt nickte er eifrig. "Ich wollte gerade gehen, wirklich!"
    "Okay.", miaute Dunstkralle, dann nickte er Wüstensonne und Hellschweif zu. Die beiden verstanden und führten die Morgenpatroullie zu Ende. Nun wandte sich der Kater mir zu. "Ich vertraue dir, Wildpfote. Bitte bring deinen Freund aus dem Territorium." Ich zögerte. Er nickte mir zu.
    "Wieso nennst du mich so?"
    "Ich bin der zweite Anführer, Kleine. Vogelstern hat heute früh mit mir beschlossen, dass du dem Clan beitreten solltest. Den Namen hat er für dich ausgewählt. Normalerweise erzähle ich Schülern so etwas nicht, aber Rosenwolke ist mit Habichtpfote zu Vogelstern gegangen und die Schülerin meinte, der SternenClan sei ihr im Traum erschienen und hätte deinen Namen verkündet."
    "Echt?", fragte ich. "Glaubst du eigentlich an den SternenClan?"
    Er schüttelte den Kopf. "Nein. Sagen wir es so: Ich vertraue meinen eigenen Krallen mehr, als denen von Verstorbenen." Dann nickte er mir ein letztes Mal zu und folgte Hellschweif und Wüstensonne.

    12
    Nachdem ich den nun ziemlich wortkargen Sonnenpfote weggebracht hatte, machte ich mich auf den Rückweg ins Lager.
    Auf einmal hörte ich etwas.

    "Ich warne dich, du Fuchsherz!"
    "Nein, das mache ich nicht länger mit! Ich werde nicht weiter für Aschenpelz büßen! Ich bin seine Tochter, nicht ER!"
    "Wegen deinem Vater bin ich GESTORBEN. Weißt du, was das für ein Gefühl ist?"
    "Und wie! Aber...du hast recht. Aschenpelz hätte niemals Eichhornschweif bedrohen dürfen."
    "Dein Vater hat mich ERMORDET!"

    Jetzt schluchzte jemand.

    "Ich weiß! Es tut mir so leid! Ich...ich schulde dir wirklich etwas. Alleine schon dafür, dass ich seine Tochter bin. Ich werde weiterhin deine Gefährtin sein."
    "Gut so."

    Dann entfernten sich die Stimmen und ich war wieder alleine. Mein Herz pochte vor Aufregung. Worüber hatten sie geredet? Wer waren SIE?
    "Wildpfote, da bist du ja!"
    Ich drehte mich um und Vogelstern lächelte mir zu. "Nach dir habe ich gesucht! Wüstensonne hat mir von dem Vorfall berichtet. Keine Sorge, niemand ist dir böse deswegen. Es kommt nun einmal manchmal vor, dass Streuner hierher kommen. Denk dir nichts dabei. Aber deine Zeremonie müssen wir noch abhalten! Selbstverständlich kommst du auch zur Großen Versammlung heute Abend mit! Sie findet beim Mondfelsen statt. Dort treffen sich dann alle Clans!"
    Zärtlich fuhr er mir mit dem Schweif über den Rücken. Damals bei Sonnenpfote war sie beruhigend gewesen, diese Geste. Jetzt war sie einfach nur unangenehm und ich zuckte zurück. Vogelstern schnurrte. Anscheinend hatte er nichts von dem Gespräch der beiden Unbekannten mitbekommen. "Worauf wartest du noch? Ab ins Lager!" Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.

    Bei den Tannen waren schon alle versammelt und Vogelstern und ich schienen die Letzten zu sein. Eigentlich war mir die ganze Aufmerksamkeit unangenehm, aber Dunstkralle saß gleich neben dem Nest des Anführers, wo Vogelstern mich hinführte, und nickte mir respektvoll zu. Ich schnurrte. Sofort ging es mir besser.

    "LibellenClan, versammle dich!"

    Augenblicklich wurde sämtliches Geflüster eingestellt. Vogelstern genoss diese Achtung.
    "Heute in der Früh, noch bevor die ersten Strahlen unser Lager erreicht haben, haben Dunstkralle, Rosenwolke, Nusspelz und ich uns beraten." Mir fiel auf, wie Dunstkralle bei Nusspelz' Namen ärgerlich die Augen zusammenkniff. Zu gerne hätte ich auch die Reaktion des Ältesten gesehen, konnte ihn aber zwischen den unzähligen Katzen nicht entdecken.
    "Und wir haben beschlossen, dass die Streunerin uns beitreten soll."
    Mich hatte niemand gefragt. Trotzdem sagte ich nichts.
    "Ab heute soll sie den Namen Wildpfote tragen und Schülerin des LibellenClans sein, bis wir sie in den Stand der Krieger willkommen heißen. Wildpfote?"
    Meine Augen strahlten, ich hielt den Atem an.
    "Nusspelz wird von heute an sein Mentor sein."
    Überraschte Rufe breiteten sich im Lager aus, bis sie auch die vorderste Reihe erreichte. Habichtpfote miaute: "Aber Nusspelz ist doch Ältester!"
    Mit einem Schwanzschnippen brachte Vogelstern sie zum Schweigen. "Habichtpfote, mir dir werde ich nach der Versammlung reden."
    Jetzt trat Nusspelz zu uns und berührte meine Stirn mit seiner Nase.
    Erschrockenes Gemurmel breitete sich wieder aus.
    "Das kann er doch nicht machen!"
    "Erlaubt das der SternenClan überhaupt?"
    "Er ist doch schon Ältester!"
    "Was ist, wenn er sich beim Training verletzt?"
    Vogelstern ignorierte alle. "Hiermit ist die Versammlung beendet."

    13
    Als sich die Menge wieder aufgelöst hatte, leckte Vogelstern mir noch ein letztes Mal über's Ohr, flüsterte: "Wir sehen uns später!" und führte die Jagdpatroullie los. Taubenschweif und Federfell waren dabei, die zwei Schüler kannte ich nicht.
    Nusspelz folgte Vogelstern mit nervösem Blick, dann miaute er: "Als erstes zeige ich dir das Lager." "Okay."
    Mit ein paar Sätzen stand er vor einer Ansammlung von Nestern, die mit Farn und Erde geschützt waren. Es waren insgesamt zwei, aber nur eins war besetzt. Eine schwarz-weiße Kätzin saß dort, um sie herum tobten drei Junge. "Guten Tag, Milchblüte!", grüßte sie Nusspelz und die drei Jungen schrien: "Opa!" Spingend umringten sie meinen Mentor, ich schätzte sie auf drei Monde. Ich nickte Milchblüte zu. Sie lächelte herzlich. "Hallo, Wildpfote. Das alles muss total neu für dich sein. Ich bin Milchblüte, Nusspelz' Tochter."
    Ich fragte: "Wo ist denn deine Gefährtin, Nusspelz?"
    Seine Augen verdunkelten sich. "Im SternenClan. Sie hieß Wolkenblatt."
    Ich erinnerte mich an die weiße Kätzin. Sie hatte mir eine Zukunft gewünscht. Vielleicht, weil sie selbst keine mehr hatte?
    "Mein Beileid.", flüsterte ich, aber Milchblüte schien nicht traurig zu sein. "Es ist in Ordnung. Ich war damals sieben Monde alt und sie starb bei einem Gefecht mit dem FuchsClan. Nachtigallenherz hat sie getötet."
    "Wie geht es den Kleinen?", fragte Nusspelz und Milchblüte schnurrte. "Wenn man schon 33 Monde alt ist, halten sie einen ganz schön auf Trab! Gestern hat sich Steinjunges an einem Ast verletzt und Enzianjunges wollte schon wieder zu den Kriegernestern." Er nickte. "Und Hirschjunges?" "Sein Bein lahmt noch immer." Sie seufzte.
    Ich war neugierig. "Was ist denn passiert?"
    Nusspelz antwortete an Milchblütes Stelle. "Er ist mit einem lahmen Hinterbein auf die Welt gekommen. Rosenwolke meint, dass so etwas in seltenen Fällen wieder weggeht, aber Habichtpfote hat nicht viel Hoffnung." "Und wer ist der Vater?" "Vogelstern. SternenClan, bist du neugierig! Da hast du ja eine tolle Schülerin erwischt!" Sie blinzelte Nusspelz belustigt zu. Vogelstern? Ich fand das irgendwie seltsam.
    Nusspelz sagte: "Aber jetzt müssen wir weiter. Richte Honigwind meinen Gruß aus und sag Rosenwolke, sie soll mir unbedingt Bescheid sagen, wenn die Jungen kommen!" "Mach ich!"
    Wir gingen weiter. Neben den Königinnennestern waren die Kriegernester, aber momentan war ebenfalls nur eins belegt, ein beleibter roter Kater lag darin und schlummerte.

    "Das ist Rotpelz.", miaute Nusspelz. "Wir haben ihn letzten Mond völlig niedergekämpft in der Nähe der FuchsClan-Grenze gefunden. Dem SternenClan sei Dank, dass in unser Territorium geflohen ist, sonst hätten sie ihn womöglich noch getötet! Bis jetzt hat er mit noch niemandem geredet und Rosenwolke meint, wir sollten warten, bis er den Schock hinter sich hat, bevor wir ihn wegschicken." Auf einmal wirkte er furchtbar alt. "Jetzt ist noch Blatgrüne, aber was können wir noch für ihn tun, wenn die Blattleere naht? Ich hoffe für ihn, dass er bis dahin wieder okay ist, sonst tut's mir wirklich leid um ihn."
    "Hat er denn keinen Hauskätzchen-Namen?", wollte ich wissen. Nusspelz schnurrte. "Meine Kleine hat recht, du bist wirklich die neugierigste Kätzin, die sich je in unser Lager verwirrt hat! Sicher hat er einen. Nur wissen wir ihn nicht, er hat ihn uns ja nie gesagt und irgendwann hatte niemand mehr Lust dazu, ihn den fetten, roten Unbekannten zu nennen. Seit dem heißt er einfach Rotpelz." "Das passt!" Ich grinste. Sein Fell schien in der Sonne in Flammen zu stehen. Wie bei Feuerstern. Moment. War das...Jake? Ich dachte angestrengt nach.
    Schwarzstern war bei Rauchvogel, um Essen für seinen Clan zu hohlen. Folglich waren sie vielleicht nicht direkt in der Nähe, aber womöglich am anderen Ende der Stadt! Das hieß ja, dass Prinzessin, Wulle und Jake die ganze Zeit in meiner Nachbarschaft gelebt hatten. "Er heißt Jake.", rutschte es mir heraus.
    "Ehrlich? Kennst du ihn?"
    "Ich...habe von ihm gehört." Puh.
    "So, so. Das ist gut. Weißt du auch, wo er lebt?"
    Ich schüttelte den Kopf. Er seufzte. "Schade. Dann hätten wir ein Problem weniger gehabt."
    "Gibt es denn noch andere Schwierigkeiten?"
    "Nur den FuchsClan zur Zeit, aber der hat es uns schon immer nicht leicht gemacht. Und jetzt komm zu den Schülern. Als du vorhin weg warst habe ich Flusspfote und Erdbeerpfote aufgetragen, dir ein Nest zu bauen. Ich denke, sie sind schon damit fertig geworden. Dann kannst du heute alleine schlafen."
    War das gerade Erleichterung gewesen?
    Wusste er von Vogelsterns seltsamen Verhalten?
    Die Nester der Schüler waren am niedrigsten von allen, aber gut mit Steinen und Rinde verstärkt. Es waren fünf.
    Ich fragte: "Schläft Habichtpfote auch hier?"
    Er sah mir in die Augen. "Sie mag dich nicht besonders. Halte lieber Abstand zu ihr, ich will nicht, dass es möglicherweise Schwierigkeiten zwischen euch gibt. Erdbeerpfote und Flusspfote sind auch hier, Schwarzpfote auch. Er ist vor drei Monden vom FuchsClan zu uns gekommen. War nicht leicht für ihn."
    "Warum ist er hierher?"
    "Wegen seiner Augen."
    Ich schnappte nach Luft. "Wenn ein Junges aus dem eigenen Clan also eine andere Augenfarbe hat, wird es..."
    "...den betreffendem Clan überreicht.", schloss Nusspelz meinen Satz. "Genauso ist es."
    "Und wenn man zwei unterschiedliche Augen hat?"
    "Dann wird man von den Clans verbannt. Unterschiedliche Augen bringen immer Unglück." Mehr sagte er nicht dazu.
    Wie die Vorsilbe Schnee bei den Buch-Clans.
    Er fuhr fort: "Das Nest des Anführers kennst du bereits, und Rosenwolkes Bereich auch. Dann nur noch die Ältestennester."
    Die Ältestennester lagen fast direkt neben dem Nest des Anführers und bestanden zum Teil auch aus Spechthöhlen. Es gab besonders viel Moos und auch Federn und Nadels polsterten die am besten geschütztesten Nester des LibellenClans. Dann brachte er mich zu den Schülernestern zurück. "Gibt es noch Fragen?"
    "Ja."
    "Damit hatte ich schon fast gerechnet."
    "Wieso heißt ihr..."
    "Wir, Kleine" Er lächelte. "Du gehörst ab jetzt immer dazu."
    Ein Gefühl von Wärme breitete sich in mir aus.
    "Warum heißen wir LibellenClan?"
    Er schnurrte laut und miaute: "Komm mit!"

    Zusammen kletterten wir die Tannen herunter und er führte mich zum Zentrum des Territoriums. Mindestens fünf Tümpel mit Seerosen, Sträuchern, Farn, Moos und glitzernden Steinen befanden sich dort und wurden von Millionen von Libellen umschwirrt. So viel Magie an einem einzigen Ort! Ein Kaninchen hoppelte zwischen ein paar Gräsern hervor und beugte sich zum Trinken hinunter. Mit einem Satz war Nusspelz bei ihm und tötete es. Ich staunte nicht schlecht.
    In diesem Moment hörte ich Vogelstern: "Echt guter Fang, alter Freund!" Er hatte uns vom anderen Ende der Gewässer beobachtet und trabte nun zu uns. Stolz hob Nusspelz den Kopf. "Bring es am besten gleich zu Milchblüte. Ich werde heute mit Wildpfote trainieren, dann kannst du dich jetzt etwas ausruhen.", meinte der Kater und auf einmal wirkte Nusspelz zu tiefst beunruhigt. "Das geht auf jeden Fall noch, Vogelstern! Vertrau mir. Mir wird die Bewegung gut tun!" "Ganz sicher?", fragte er und wirkte enttäuscht. "Ich hätte wirklich gerne etwas Zeit mit ihr verbracht." "Das kannst du auch noch später." "Dann sehen wir uns." Schon verschwand Vogelstern wieder.

    14
    Die erste Übungsstunde werde ich wohl nie wieder vergessen.
    "Und jetzt greif mich an!", forderte Nusspelz mich auf und ich bemerkte sehr wohl, wie anstrengend das alles für ihn war. So konnte es nicht weitergehen. Mein Mentor zitterte am ganzen Körper und sein Schweif schleifte kraftlos über die Nadeln. Wäre sein Fell nicht so kurz gewesen, dann wäre er schon längst verfilzt.
    "Nusspelz!", rief jemand. Ich drehte mich um und Dunstkralle trabte auf uns zu. Mein Mentor wirkte erleichtert durch die kurze Verschnaufpause. "Was gibt's, Dunstkralle?" Dunstkralle rümpfte die Nase, als Nusspelz ihn bei seinem Namen nannte, blieb aber komplett ruhig: "Ich werde jetzt Wildpfotes Training übernehmen, du gehst zu den Ältesten." "Aber...", wollte Nusspelz dagegen halten und wurde wieder von Dunstkralle unterbrochen: "Nichts da! Das ist eine Anordnung vom zweiten Anführer, es gibt nichts zu diskutieren!"
    Angst trat in Nusspelz' Augen. "Sollst du sie zu Vogelstern bringen?" "Nein!" Erleichtert atmete er aus. "In Ordnung. Ich sollte mich wirklich hinlegen. Bring später noch ein wenig Moos für Milchblüte und Honigwind mit. Du findest es bei den Libellenseen." Ich nickte. Dann verschwand mein Mentor Richtung Lager.
    Ich drehte mich wieder zu Dunstkralle. "Warum machst du mein Training wirklich weiter?"
    Er schnaubte, jetzt schien er angespannt. "Nusspelz ist eindeutig müde und ich will nicht, dass Vogelstern das macht."
    "Warum?"
    Er zögerte. Dann fauchte er: "Für so etwas hat er keine Zeit! Ich auch nicht. Los, du hast Nusspelz gehört. Greif an!" Doch ich kam nicht dazu. Drei Schatten flitzten auf uns zu und warfen sich auf Dunstkralle. Dieser hatte definitiv nicht damit gerechnet und kippte stöhnend um. "Lasst ihn!", fauchte ich und sprang auf den Nächstbesten zu. Wider Erwarten schnellte er herum und wehrte mich mit einer lässigen Bewegung seiner Pfote ab. Es war ein dunkler, schildpattfarbener Kater mit grünen Augen. Mit einem Satz war er bei mir und drückte mich zu Boden. Ich keuchte vor Angst, Überraschung und Schmerz.
    "Lass sie los, Laubpfote.", wies ihn ein Kater mit breiten Schultern und cremefarbenen Fell grinsend zu recht. "Die Trainingseinheit ist jetzt beendet."
    Der andere hellgraue Kater und eine schöne, zierliche, weiße Kätzin mit schwarzen Streifen rannten bereits los, Richtung FuchsClan-Grenze. Laubpfote lachte bei meinem Versuch, mich zu verteidigen. Langsam beugte er sich zu mir herunter und flüsterte mir ins Ohr: "Das nächste Mal krieg ich dich, Kätzchen."
    Dann sauste er mit dem letzten Kater davon.
    Ich wollte hinterherlaufen, aber Dunstkralle sprang mir in den Weg. Sein linkes Ohr war eingerissen und aus einem Kratzer am Hals trat ein Bluttropfen, doch ansonsten schien er nicht verletzt zu sein. "Du kannst sie gehen lassen.", knurrte er. "Sie holen wir nicht mehr ein. Die Trainingsstunde ist jetzt beendet, ich muss zu Vogelstern und diesen Vorfall melden." Nun klang seine Stimme wieder wärmer. Langsam legte sich wieder mein Fell. "Kann ich etwas tun?", fragte ich zögerlich. Er nickte. "Bei mir bleiben, um unbeschadet ins Lager zu kommen." Das tat ich dann auch.

    Irgendwie freute ich mich, als ich nicht mit zu Vogelstern musste. Seine Aura machte mir ein wenig Angst. Da erinnerte ich mich aber an mein Versprechen, Moos zu holen und lief wieder zurück. Auf einmal hörte ich ein wütendes Zischen und kletterte flink auf den nächstbesten Baum. Zwei Kater traten unter mir aus einem Gestrüpp, sie schienen mich nicht bemerkt zu haben. Einer war Laubpfote, der andere vollkommen schwarz, hatte aber eindeutig blaue Augen. Wir mussten uns sehr ähnlich sehen.

    "Schwarzpfote, du darfst auf keinen Fall etwas sagen! Bitte versprich es mir!"

    Was hatte Schwarzpfote nur mit dieser FuchsClan-Katze zu tun? Der schwarze Kater seufzte niedergeschlagen.

    "Ihr müsst mit diesen Übungen aufhören. Was ist, wenn Dunstkralle verletzt worden wäre? Oder diese Streunerin?"
    "Versprich es mir!"
    "Manchmal bist du auch echt elsternhirnig! Ich würde doch mindestens genauso viel Ärger wie du bekommen, wenn jemand von unseren Treffen erfahren täte. Aber ich mag es nicht, dass ihr diese Katzen angreift. Sie sind jetzt meine Clan-Gefährten. "

    Nun dämmerte es mir. Schwarzpfote und Laubpfote waren Brüder! Es konnte gut sein, dass sie sich so nahe standen, dass sie sich jetzt trafen, obwohl sie in unterschiedlichen Clans waren! Wahrscheinlich hätte ich für Rose dasselbe getan. Plötzlich vermisste ich mein altes Leben schrecklich.

    Laubpfote knurrte. "Du weißt, dass das nicht stimmt, genauso gut wie ich. Wenn ich erst einmal Anführer bin, werde ich dich zurückholen!"
    "Pestfluch will Anführer werden, das weiß echt jeder. Du bist noch nicht einmal Krieger. Du hast keine Chance."

    Frustriert fauchte Laubpfote: "Dann bleib doch bei deinen tollen Libellen!" und rannte weg. Es bestand kein Zweifel darin, dass er wohl in wenigen Minuten bei seinem eigenem Lager sein würde. Da fiel ich vom Ast.

    15
    Ich wusste nicht einmal wirklich, wieso. Ob es der Wind oder meine körperliche Schwäche, habe ich auch nie erfahren.
    Jedenfalls landete ich mit einem lauten "Ufff!" direkt vor Schwarzpfotes...äh, ja Pfoten.
    "Hi." Ich versuchte zu lächeln. SternenClan sei Dank, war ich nicht tief gefallen, sonst hätte ich mir womöglich noch das Genick gebrochen. So war ich noch mit einer verknacksten Pfote davongekommen.
    Schwarzpfote stand der Schock sichtlich ins Gesicht geschrieben. Er öffnete den Mund und wollte etwas sagen, schloss ihn dann aber wieder. Seine Ohren zitterten, seine Augen waren weit aufgerissen und sein Fell gesträubt. Allmählich bekam ich es mit der Angst zu tun. Was sollte ich tun, wenn er angriff? Ich wusste doch gar nicht, wie man sich verteidigte!
    Doch der schwarze Kater tat nichts dergleichen. Schließlich legte sich auch sein Fell wieder an. Seine Krallen waren eingefahren.
    Dann lächelte er, es hatte etwas Wahnsinniges und zugleich Erleichtertes.
    "Du bist Wildpfote."
    Vorsichtig nickte ich. "Genau. Und du Schwarzpfote. Und das da eben war dein Bruder Laubpfote aus dem FuchsClan."
    "Stimmt." Er betrachtete mich abschätzig, dann stolzierte er einfach los. Humpelnd folgte ich ihm. "Hey!" Er reagierte nicht.
    Ich stellte mich ihm in den Weg.
    "Willst du mir nicht irgendetwas sagen?", fragte ich und hatte selbst keine Ahnung, was ich eigentlich von ihm erwartete.
    "Nö." Er zuckte mit den Schultern. "Was denn?"
    "Na ja." Mein Fell prickelte unangenehm. "Ich glaube nicht, dass das erlaubt ist. Sich mit Katzen aus anderen Clans zu treffen, meine ich.
    Er blieb gelassen und miaute: "Da hast du absolut recht. Aber es interessiert mich nicht."
    Jetzt platzte mir der Kragen. Dieser blöde Kater ging mir allmählich richtig auf die Nerven!
    "Hör zu!", fauchte ich. "Falls du denkst, ich traue mich nicht mit Nusspelz, Dunstkralle oder Vogelstern über dieses Treffen zu sprechen, dann irrst du dich! Ich bin vielleicht noch nicht lange LibellenClan-Katze, aber das heißt nicht, dass ich nicht weiß, wie wichtig Loyalität hier draußen ist!"
    Nun grinste er. "Und das ist auch genau der Grund, warum du keine Gefahr für mich bist."
    "Ach ja? Dann pass mal auf!" Ich wollte zum Lager rennen, aber Schwarzpfote trat mir einfach auf den Schweif und ich fiel der Länge nach hin. "Ich sehe schon, jetzt habe ich ja wirklich Panik!"
    Gehässig lief er an mir vorbei. "Kätzchen, du lebst hier seit ziemlich genau einem Tag. Vertrauen ist etwas, das mit Zeit kommt, nicht mit Hochmut." Er ließ mich einfach liegen. Ich dachte schon, das Gespräch sei für ihn beendet, als er sich noch einmal umdrehte. "Ich weiß, dass Vogelstern ziemlich aufdringlich sein kann. Bis jetzt hatte er schon fast mit jeder Katze im Clan etwas. Ich bin, glaube ich, der Einzige, der sich traut das laut auszusprechen. Aber mehr als körperliche Nähe wollte er nie." Er kam zu mir zurück und beugte sich zu mir herunter. Ich hielt den Atem an. Sein Grinsen entblößte spitze, raubtierartige Zähne.
    Er hauchte: "Ich denke auch, du weißt was ich meine."

    Als ich aufgestanden war, war er natürlich schon längst verschwunden. Genauso wie meine Hoffnung.

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    Ich wusste nicht recht, was zu tun und beschloss einfach an der Grenze entlang zu laufen. Ich musste nachdenken und das Moos konnte ich noch später holen. Jetzt wollte ich es nicht riskieren, Schwarzpfote erneut begegnen zu müssen. Am liebsten würde ich diesen schrecklichen Kater für immer aus meinen Gedanken verbannen, aber das war wohl kaum möglich.
    In der Nähe erkannte ich sandfarbenes Fell und ich rief: "Sonnenpfote?" "Wildpfote!" Es war aber nicht Sonnenpfote, der geantwortet hatte, jemand war hinter mir. Nervös schluckend drehte ich mich um und erblickte Taubenschweif. "Wer ist Sonnenpfote?", wollte sie wissen, sie wirkte auf einmal sehr streng. Die Katze mit dem hellen Fell kam näher und ich konnte Wüstensonne erkennen. Oh.
    "Nur jemand, den ich früher gekannt habe." Ich seufzte. Mein altes Leben hatte ich für immer aufgegeben und wofür? Für einen Clan voller Katzen, die mir misstrauten oder mich am liebsten tot sehen würden. Taubenschweif schnurrte mitfühlend und legte ihren Schweif auf meine Schulter. "Wir alle haben eine Vergangenheit und wir sehnen uns alle danach, wieder in besseren Zeiten zu leben können. Aber was zählt, ist das Hier und Jetzt und wie das Morgen aussehen wird. Hänge nicht dem Alten nach, Wildpfote. Es gibt doch so viel Neues!"
    Gegen meinen Willen musste ich lächeln.
    Wüstensonne fauchte: "Taubenschweif, wir haben eine Patroullie zu führen! Federfell fragt sich schon, wo wir bleiben!"
    "Na gut. Aber Wildpfote kommt mit."
    Wüstensonne musste knurren über Taubenschweifs Sturheit, winkte uns aber nur mit der Schwanzspitze weiter, statt uns irgendetwas ziemlich Unhöfliches an den Kopf zu werfen.

    Das Lager war jedes Mal wieder aufregend, wenn man es betrat. So auch nach der Grenzpatroullie.
    Nusspelz rief mich zu sich, zwei weitere Kater saßen neben ihm. Einer war hell schildpattfarben und der andere schwarz mit ein paar weißen Tupfen. "Ich dachte, du solltest auch Flockenfall und Krähenfuß kennenlernen, bevor wir zur Großen Versammlung aufbrechen. Es ist Tradition, dass die Ältesten immer mitkommen." Das hatte ich ja fast vergessen! Möglicherweise sah ich gleich Eulenpfote und Sonnenpfote wieder!
    Mein Herz machte einen Sprung.
    Aufgeregt sprang ich von einer Pfote auf die andere. "Wann gehen wir los?" Flockenfall schnurrte. Es war sehr hell und gefiel mir. "Wenn Vogelstern so weit ist. Keine Sorge, er kommt sicher jeden Moment." Fockenfall sollte recht behalten. Nur wenige Augenblicke spätet erschien Vogelstern zusammen mit Dunstkralle in der ersten Tanne. Sie schienen zu streiten, dann schnaubte unser Anführer und lief zu uns. "Nusspelz, guter Freund! Ich hoffe, du hast dich vom Training erholt. Wir können sofort aufbrechen!"
    Nusspelz spitzte die Ohren. "Wer bleibt dieses Mal bei Rotpelz? Entschuldige." Er warf mir einen nervösen Blick zu. "Wildpfote hat mir heute erzählt, dass er anders heißt. Sie kennt ihn von früher. Er heißt eigentlich Jake."
    "Okay." Vogelstern lächelte höflich. "Eigentlich hatte ich mir überlegt, ob nicht Wildpfote mit mir dableiben sollte. Es ist ja noch alles so neu für sie. Aber der LibellenClan hätte wohl kaum ohne Anführer zur Großen Versammlung gehen können. Milchblüte und Honigwind sind eingeteilt."
    "Das ist gut.", meinte auch Nusspelz. "Dann können wir ja los."

    Wir überquerten die FuchsClan-Grenze, indem wir einen Fluss folgten, der wenige Meter parallel zum Spalt war, eine Kurve machte und in den dichten Laubwald führte. Wie hielten es hier die Katzen mit dem ganzen Efeu, Dornen und Gestrüpp nur aus?
    Aber schon bald hatten wir das Territorium verlassen und bahnten uns einen Weg durch Weizenfelder mit langen, dicht beieinander wachsenden Halmen. Die nackte Erde und Kieselsteine machten es allerdings nicht gerade besser und ich spürte, wie meine Ballen bei jedem Schritt gepickst wurden. Dann hielten wir an. Nun befanden wir uns vor einem Tunnel, der direkt in den Mondfelsen führte. Ich hielt den Atem an. Was war, wenn sich hier auch die Heiler der anderen Clans trafen? War dies der Mondstein?

    17
    "Wir müssen hier warten, bis Vogelstern mit den anderen Anführern gesprochen hat und uns hereinbittet."
    Ich spitzte die Ohren. "Echt? Habe gar nicht bemerkt, dass er schon weg ist." Tatsächlich war nichts mehr vom roten Kater zu sehen.
    Ich drehte mich meinem Gesprächspartner zu. Es war Habichtpfote.
    "Heiliger SternenClan!", rief ich und zuckte zusammen. Ein paar neugierige Köpfe wandten sich uns zu und ich schämte mich, als ich auch Dunstkralle erblickte.
    Etwas leiser fügte ich hinzu: "Du hast mich erschreckt!"
    "Merkt man.", kommentierte sie ruhig und fügte hinzu: "Und jetzt komm. Sonst verlieren wir den Anschluss."
    Verflucht, Vogelstern musste uns schon gerufen haben und nur noch wenige Katzen warteten darauf, sich als Nächste durch den Tunnel zwängen zu können. Wie lange er wohl sein würde?
    "Wo sind eigentlich die anderen Clans?", fragte ich stattdessen und mein Herz raste, während ich hinter Habichtpfote in den Felsen trat.
    "Jeder Clan hat seinen eigenen Eingang", erwiderte sie sachlich. "Sie sind durch eingeritzte Tiere über den Tunnelanfängen gekennteichnet. Unseres zeigt eine Libelle."
    "Und das Tier vom FuchsClan einen Fuchs."
    Trotz der Dunkelheit konnte ich erkennen, dass sie nickte und nahm mir für das nächste Mal vor, besser auf den Stein zu achten.
    Plötzlich schienen die Felswände näher zusammenzurücken und ich keuchte, hielt an. Hinter mir stolperte jemand in mich hinein und fauchte: "Kannst du nicht aufpassen? LAUF WEITER!"
    Habichtpfote miaute: "Ich, an deiner Stelle, würde den Mund nicht so weit aufreißen, Erdbeerpfote. Du bist nur so gereizt, weil du wie Wildpfote, an Platzangst leidest."
    Erdbeerpfote wollte schon zu einer patzigen Bemerkung ansetzen, als Hellschweif ein paar Schritte hinter uns zischte: "Vorwärts jetzt! Und seid gefälligst leiser!"
    "Ja, Mentorin.", seufzte Erdbeerpfote, konnte sich aber eine Spur Hohn in ihrer Stimme nicht verkneifen. Hellschweif seufzte nur gestresst.
    "Was bedeutet Platzangst überhaupt?", meldete sie sich einige Sekunden später wieder zu Wort und Hellschweif schien es aufgegeben zu haben, ihre Schülerin zum Schweigen bringen zu wollen.
    Habichtpfote erstarrte kurz, eine Welle Angstgeruch schlug mir entgegen, hatte sich aber sofort wieder unter Kontrolle und flüsterte: "Dass du Panik verspürst, wenn du dich in zu engen Höhlen befindest. Und jetzt: Leise!"

    Eine halbe Ewigkeit später konnten wir endlich den ersten Schimmer blaues Licht sehen und meine Anspannung verflog zu recht. Schon stand ich in einer großen Höhle mit hoher Decke und einem Loch, so dass das Licht des Vollmonds den gewaltigen Stein darunter schimmern ließ. Das war also der Mondstein. Unzählige Male hatte ich von ihm in den Büchern gelesen, aber nie hätte ich gedacht, einmal selbst diesen heiligen Ort betreten zu dürfen. Erfurcht ließ mich niederkauern und das blaue Wunder mit großen, blauen Augen betrachten. Der Treffpunkt der Heiler war echt auch die Große Versammlung der anderen Clans? Moment mal. Die Heiler trafen sich hier jeden halben Mond.
    Konnte es sein, dass es im Mondfelsen mehrere Höhlen mit je einem Mondstern gab? Hatte das...der SternenClan bewerkstelligt?
    Ich sah mich um. Da! Sechs Katzen saßen auf dem Mondstein, jede hatte eine andere Augenfarbe; auch Vogelstern war dabei. So weit ich es erkennen konnte, waren es drei Kätzinnen und drei Kater. Ich schnurrte. Mit dieser Gleichheit war der SternenClan sicher zu frieden.
    Um mich herum tummelten sich zahlreiche Katzen. Ich beschloss, mich an Nusspelz ranzuhängen, konnte meinen Mentor aber nirgends sehen. Dann würde ich ihn wohl suchen müssen.
    Da rannte ein Kater auf mich zu. Es war Sandpfote! Oh, nein, doch nicht. Dieser war schon älter und sein Fell sah ziemlich rau aus. Trotzdem war die Ähnlichkeit verblüffend. Konnte das...Sonnenpfotes Vater sein?
    Bis jetzt hatte ich noch nicht viel darüber nachgedacht, aber wer waren wohl meine Eltern?
    Der fremde Kater rannte auf einen blassgrauen Kater mit schwarzer Schwanzspitze zu. Das musste Luftpfote sein, ich erkannte ihn am LibellenClan-Geruch. Vielleicht war er genau wie Schwarzpfote ursprünglich aus einem anderen Clan und sie waren verwandt? Ich beobachtete sie.
    "Hallo, Vater!", begrüßte ihn Luftpfote, sein Blick aber war kühl. Sämtliche Emotionen aus seinem alten Leben schienen verblasst.
    Der Kater wirkte traurig. Konnte es witklich sein, dass Luftpfote und Sonnenpfote Brüder waren?
    Unauffällig versuchte ich einen Blick auf die Augenfarbe der unbekannten Katze zu werfen, aber ich schaffte es nicht. Jemand stupste mich von der Seite an, es war natürlich Habichtpfote. "Komm mit.", befahl sie tonlos und ich hatte sowieso nichts besseres zu tun. Sie ging zu zwei Katzen. Eine war eindeutig Eulenpfote, diese funkelnden, grünen Augen waren unverwechselbar. Die andere war...Sonnenpfote! Ich versuchte, mir meine Begeisterung über unser Wiedersehen im Zaum zu halten, trotzdem stahl sich ein fröhliches Lächeln auf meine Lippen.
    "Das hier ist Wildpfote." Habichtpfotes Vorstellung klang nicht gerade herzlich, eher so, wie wenn sie sich zum Geburtstag eine Maus gewünscht und eine Kakerlake bekommen hätte.

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    Was hatte sie vor? Hoffentlich erkannte niemand von der Patroullie, die zu Sonnenpfotes Vertreibung geführt hatte, dass dieser Streuner sich gerade auf einer Großen Versammlung befand.
    Eulenpfote schnaubte. "Was soll das, Habichtpfote?"
    Die Heiler-Schülerin hatte also das Treffen organisiert.
    Ich ließ sie aber erst gar nicht antworten. "Komm, Sonnenpfote, ich stelle dir meinen Mentor vor!"
    Wir gingen weg und ließen eine sichtlich empörte Habichtpfote und eine noch gereiztere Eulenpfote zurück.
    "SternenClan sei Dank, du hast mich gerettet!", stöhnte er und lächelte erschöpft. "Eulenpfote kann ziemlich frostig sein. " Mich schüttelte es. "Aber nicht so wie Habichtpfote! Irgendwie glaube ich, sie hasst mich."
    Er zuckte mit den Schultern. "Kann sein. Freundlich sah sie nicht gerade aus."
    Ich nickte. "So sieht sie nicht nur aus. Bei meiner Ernennung zur Schülerin ist sie regelrecht ausgerastet und hat behauptet, ich wäre der Untergang des Clans. Weißt du schon wie die anderen Clans heißen?"
    Er nickte. "Schattenfell hat es mir erzählt, sie ist meine Mentorin.
    Blaue Augen heißen LibellenClan, graue Augen RabenClan, grüne FuchsClan, gelbe RobbenClan, braune BärenClan und bernsteinfarbige TigerClan."
    "Aber es ist doch nur Platz für vier Clans!"
    "Das stimmt." Eine schwarze Kätzin mit grauen Augen kam auf uns zu. "Der RabenClan und der TigerClan wohnen auf der anderen Seite des Mondfelsens. Ich bin übrigens Schattenfell, die zweite Anführerin des RabenClans. Sonnenpfote ist mein Schüler."
    "Und ein guter ist er!" Der fremde Kater, der Vater von Luftpfote war zu uns gekommen! Und von Sonnenpfote. "Ich habe heute gesehen, wie er trainiert hat! Kräftige Schultern hat er, das bezweifelt keiner!"
    Schattenfell schnurrte vor stolz. "Da hat Sandvogel recht, auf jeden Fall!"
    Ich hielt es nicht länger aus. "Stimmt es, dass vor kurzem ein Junge bei euch gestorben ist?"
    Sandvogel schüttelte den Kopf. "Es waren zwei. Aber das geht den LibellenClan nichts an."
    Ich verstand."Das tut mir sehr leid."
    "Allerdings! Immerhin sind sie auf dem Territorium deines Clans gestorben."
    Ich riss die Augen auf, aber Sandvogel war noch nicht fertig.
    "Sie wollten ein anderes Junges besuchen. Es sind am selben Tag zwei Junge von euch gestorben! Auf diesselbe Art und Weise wie unsere!"

    19
    "Hey!", rief da Vogelstern und sprang vom Mondstein zu uns herunter. "Es reicht, Sonnenvogel!"
    "Sag meinen Kriegern nicht, was sie zu tun haben!", fauchte eine Kätzin mit einem Auge, deren Fell früher weiß gewesen sein musste, jetzt aber nur noch von einem stumpfen Dottergelb war.
    Ihr Auge war grau und es war klar, dass sie die Anführerin des RabenClans sein musste.
    "Vogelstern? Kükenstern?" Ein massiger, grauer Kater mit braunen Augen gesellte sich zu uns. Er sah Dunstkralle sehr ähnlich.
    "Es ist nichts, Graustern.", seufzte Vogelstern und senkte den Kopf, er hatte eindeutig Respekt vor dem Leiter des BärenClans.
    Kükenstern fauchte: "Der LibellenClan steht nur nicht zu der Schlacht, bei der vier Junge ums Leben gekommen sind!"
    Nun wurde auch Vogelstern zornig. "Das wäre nie geschehen, wenn der RabenClan nicht besser auf seinen Nachwuchs aufgepasst hätte!"
    Die zwei anderen Kätzinnen und der letzte Kater eilten zu uns und der Anführerkreis war wieder komplett. Katzen aller Clans rannten zu uns, um dem Gespräch zu lauschen und mein Fell fing an, sich vor Angst aufzustellen. In was war ich da nur hineingerannt? Auch Sonnenpfote wirkte gestresst.
    Eine schildpattfarbene Kätzin mit gelben Augen fragte: "Geht es um den Kampf vor ein paar Tagen?"
    Eine nachtschwarze Kätzin mit ebenso gelben Augen jaulte: "Mondjunges und Rosenjunges sind tot, ihr habt mir meine Jungen gestohlen!"
    Vogelstern blieb ruhig. "Zu diesem Zeitpunkt waren deine Kleinen schon LibellenClan-Katzen, du solltest nicht mehr so für sie empfinden."
    Mit weit aufgerissenen Augen machte sie einen Sprung auf ihn zu, wurde aber von einem dunkelbraun getigerten Kater niedergerungen.
    "Farnwolke, ich hätte mich nie mit dir einlassen sollen!", kreischte sie und versuchte sich seinem Griff zu entwinden.
    Der letzte Kater (hellbraunes Fell, dunkelbraune Flecken, grüne Augen) jaulte: "Bitte beruhige dich doch, Nachtblume!"
    "NEIN!" Sie schrie und fluchte, aber Farnwolke ließ sie nicht los.
    Vogelstern sprang auf.
    "Der LibellenClan verlässt jetzt die Große Versammlung!"
    "Fuchsherzen!", brüllte Kükenstern und peitschte mit dem Schweif wild hin und her. Ihre Augen glichen denen eines Tigers, der gerade ein Reh entdeckt hatte. Zischend machte sie einen Satz auf Vogelstern zu, aber dieser wich aus und jaulte jetzt lauter: "Der LibellenClan geht!"
    Alle Katzen meines Clans strömten auf unseren Tunnel zu.
    Ich warf Sonnenpfote einen letzten, enttäuschten Blick zu, dann war ich Teil dieser Menge.

    In der aufkommenden Panik war der Gang noch enger und endloser als sonst und ständig hörte man ängstliches Miauen und Fauchen. Die Stimmung war am überkochen, und wer immer auch vor mir lief, haute mir ständig mit seinem peitschendem Schweif ins Gesicht.
    Sobald die Katzen draußen waren, wurde das Rennen zum Lager noch schlimmer, Vogelstern und Dunstkralle, ja, auch Rosenwolke hatten die Kontrolle verloren. Einen Augenblick sah ich Schwarzpfote und Flockenfall neben mir, dann waren sie auch schon wieder im Feld verschwunden.
    Im Wald wurde der Boden ebener und weicher, meine Ballen waren noch nicht rau und Erde blieb an meinen Aufschürfungen hängen. Es brannte wie Feuer und ich rannte auch so, als wenn es hinter mir her wäre.

    20
    "LibellenClan, versammle dich!"

    Es war schon sehr spät geworden und die meisten Katzen lagen schon längst in ihren Nestern, nur noch wenige tuschelten hinter Nadeln und im schwachen Licht des Vollmonds.
    Ich selbst war auch auf meinem Weg zu meinem neuen Schüler-Nest und unendlich erleichtert, dass ich nicht mehr bei Vogelstern schlafen musste. Es war mir auch egal, wenn das an Untreue grenzte, Hauptsache ich musste nie mehr sein Fell an meinem Fell fühlen. Die Farbe erinnerte mich inzwischen an Blut.
    Ich war schon so müde und fertig, dass ich mich nur noch bruchstückhaft an die Ereignisse nach der Flucht vom Mondfelsen erinnern konnte.
    Ungeheuerlicher Angstgeruch hatte die Luft auf's Übelste verpestet und mir war klargeworden, dass die Katzen hier mir inwischen etwas bedeuteten. Auch wenn es nur Furcht war, die ich ihnen gegenüber empfand. #Vogelstern.
    Eben dieser hatte auch versucht, eine ruhige Versammlung einzuberufen, war aber kläglich gescheitert; im Großen und Ganzen hatte ich weder etwas erfahren noch kapieren können.
    Ich fiel in mein Nest und im nächsten Moment war ich auch schon weit weg von all den Sorgen und Problemen.

    Folglich hatte ich auch beinahe einen Herzinfarkt, als ich um Mitternacht grob mit einer krallenbesetzten Pfote geweckt wurde.
    Zurecht.
    Es war Vogelstern.
    Er flüsterte: "Komm mit, Wilfpfote. Dunstkralle ist schlafen gegangen, du kannst jetzt wieder zu mir kommen."
    Ängstlich keuchte ich auf. "Aber...Vogelstern...ich habe doch jetzt ein eigenes Nest?"
    Er antwortete nicht. Ich dachte schon, er würde überhaupt nichts mehr sagen, aber dann beugte er sich zu mir herunter, bis ich nichts mehr außer seinen großen, strahlend blauen Augen erkennen konnte.
    "Nenn mich Liebster..."
    Das alles war ein furchtbarer Alptraum.
    "NEIN!" So laut ich konnte, schrie ich meine Angst in die Nacht hinein und kniff die Augen zusammen, als hinge mein Leben davon ab.
    Aufgeregtes Jaulen breitete sich im Lager aus, Pfoten näherten sich. "Wildpfote!"
    Vorsichtig öffnete ich ein Auge.
    Beruhigend leckte mir Nusspelz über die Nase und ich bemerkte, wie stark ich zitterte.
    Mehrere Katzen hatten sich um mich herum versammelt und beobachteten mich mit den verschiedensten Ausdrücken in den Gesichtern. Jede Katze ein anderes Geheimnis.
    Erdbeerpfote hatte ihr Nest am nähesten zu meinem und dieses Mal wirkte sie überhaupt nicht, selbstsicher, als sie miaute: "Ist alles mit ihr okay?"
    "Aus dem Weg!", rief eine herrische Stimme aus den hinteren Reihen und Rosenwolke erschien. Besorgt begutachtete sie mein Gesicht und meine bebenden Flanken.
    "Geh da weg, Nusspelz, sie könnte unter Schock stehen. Habichtpfote, wo bist du, wenn man dich braucht!"
    "Hier?", flüsterte sie direkt neben mir und ich wäre fast aus dem Nest gefallen.
    "SternenClan, kannst du noch etwas anderes, als Katzen von Bäumen fallen lassen?", fauchte die Heilerin verbittert, packte die junge Schülerin am Nackenfell und hob sie hinter sich. "Wenn sie keinen Schock hatte, hat sie jetzt einen!"
    Ich versuchte, meine Atmung zu kontrollieren, aber ich schaffte es einfach nicht.
    "Leg dich hin!", befahl Rosenwolke barsch und drückte mich auf den Boden. Instinktiv probierte ich mich wieder hochzustemmen, aber Hellschweif trat neben mich und half ihr.
    Blinzelnd senkte sie den Kopf, um meine Augen besser sehen zu können, Adrenalin pumpte durch meine Pfoten und im nächsten Moment hatte ich auch schon die Krallen ausgefahren und blutende Kratzer an der Wange der Kätzin hinterlassen.
    Luftpfote, Erdbeerpfote, Schwarzpfote und sogar Habichtpfote schnappten nach Luft.
    Rosenwolke aber blieb ruhig und rief: "Dunstkralle, Wüstensonne, tragt sie in mein Nest!"

    21
    "Hier" Habichtpfote hielt mir ein Blatt Thymian hin, ich erkannte es am Geruch. "Iss."
    Die meisten Katzen hielten nun Abstand zu mir, immerhin waren die Äste neben Rosenwolkes Nest gerade dick. Nur die Heilerin, Dunstkralle und Habichtpfote waren noch da.
    "Wo ist Vogelstern?", wollte Rosenwolke wissen, zog Habichtpfote wieder von mir weg und warf mir das Kraut vor die Pfoten.
    Mein Herz raste.
    "Er schläft.", knurrte Dunstkralle und ließ mich dabei nicht aus den Augen. Ich hatte furchtbare Angst.
    Rosenwolke seufzte. "Heute Nacht kann ich nicht mehr für sie tun."

    "Sie kann in meinem Nest schlafen.", flüsterte Habichtpfote.

    Rosenwolke lachte freudlos. "Bei mir schläfst du sicher nicht! Es ist ja kaum noch Platz für ein Blatt!"

    "Ich schlafe neben ihr."

    Dunstkralle miaute: "Sie könnte dich vom Baum schubsen."

    "Das ist mir egal."

    Auch er seufzte. "Na gut. Ich bringe sie zu deinem Nest."

    Es war so warm. So sicher. Hier wird Vogelstern nicht herkommen. Habichtpfote lag auf dem Ast neben mir.
    "Du?"
    Sie sah zu mir. "Du wirst uns alle töten."
    "Schlaf bei mir."
    "Ich will nicht. Dann hast du weniger Platz."
    "Bitte erkläre es mir, Habichtpfote!" Ich hatte Tränen in den Augen. "In einem Moment sagst du, ich bin dein Untergang. Im nächsten schläfst du nicht mehr in deinem Nest, damit ich vor ihm in Sicherheit bin."
    Sie nickte.
    Ich fauchte: "Rede mit mir!"
    "Es ist spät." Sie legte den Kopf auf die Pfoten, drehte sich weg und legte den Schweif neben meinen Kopf.
    Dann würde ich wohl heute nichts mehr erfahren. Erschöpft vergrub ich meinen Körper im duftenden Moos und seufzte.
    Ihre Schweifspitze fuhr über mein Ohr und ich musste schnurren. "Lass das.", miaute ich und meinte es nicht so.
    "Nö.", flüsterte Habichtpfote. "Es ist mir egal, was du von mir denkst. Aber du brauchst keine Angst mehr zu haben. Vogelstern wird jetzt nicht mehr kommen."
    Sie hatte recht.

    In dem Augenblick stutzte ich und es fiel mir wie Schuppen vor Augen. "Ich habe dir nicht gesagt, dass ich mich vor Vogelstern fürchte."

    Sie antwortete nicht.

    22
    Es waren nun zwei Monde ohne weitere Ereignisse vergangen.
    Ich machte große Fortschritte im Training mit Nusspelz und Vogelstern bekam ich immer seltener zu sehen. Es kehrte so etwas...wie Normalität ein. Und das tat so gut!
    "Nochmal! Das war SternenClan-Klasse!", rief mein Mentor und kauerte sich nieder.
    Ich schnurrte. Dann warf ich mich auf seinen Rücken und umklammerte seinen Bauch, so, dass eine Befreiung seinerseits zur Unmöglichkeit wurde. Er lachte. "Genau so, du kleine Elster!"
    Er nannte mich so, weil meine erste Beute eine Elster gewesen war. Und ich trug diesen Namen mit Stolz.
    "Wildpfote! Nusspelz!" Federfell lief auf uns zu. "Die Zeremonie beginnt!"
    Wir wechselten einen begeisterten Blick und folgten dem vor Aufregung zitternden Schweif der weißen Kriegerin.

    "LibellenClan, versammle dich!"

    Obwohl schon längst alle Katzen anwesend waren, ertönte Vogelsterns Stimme und ermahnte uns zur Ruhe.
    "Erdbeerpfote, tritt vor!"
    Erdbeerpfote war sehr groß geworden, die größte Katze, die uch je gesehen hatte!
    Vogelstern fuhr fort: "Versprichst du, dich an das Gesetz der Krieger zu halten? Selbst, wenn es dein Leben fordert?"
    Ihre blauen Augen strahlten.
    "Ich schwöre es bei meinen vier Pfoten!"
    Vogelstern schnurrte. "Dann heißt du von heute an Erdbeertraum!"
    "Erdbeertraum! Erdbeertraum! Erdbeertraum!"
    Luftpfote rief am lautesten.
    In diesem Moment schossen vier kleine Junge zu den restlichen Katzen. Die einen drei waren Hirschjunges, Enzianjunges und Steinjunges waren dabei, die letzte honigfarbene Kätzin mit weißer Tigerung war Tigerjunges, Honigwinds Tochter. Noch hatte die schöne Kätzin noch niemandem verraten wollen, wer der Vater war und ich hegte den Verdacht, dass Honigwind und Milchblüte Schwestern waren.
    Jake saß ebenfalls bei den Kriegern, auch wenn er bis jetzt immer noch nicht geredet hatte, fing aber an, sich bei den Grenz- und Jagdpatroullien zu beteiligen.
    Und von Sonnenpfote hatte ich schon so lange nichts mehr gehört. Ich hoffte, es ging ihm gut.
    "Hirschjunges!" Keuchend rannte Milchblüte ihren Kleinen hinter her, hinter ihr Honigwind, jedoch eindeutig eleganter.
    Vogelstern schnurrte. "Es ist in Ordnung, Milchblüte. Jetzt sind sie dran."
    "Enzianjunges, tritt vor."
    Die kleine schwarz-weiße Kätzin mit den großen, hellblauen Augen gehorchte.
    "Von heute an heißt du Enzianpfote. Deine Mentorin ist Federfell."
    Federfell lief zu Enzianpfote und berührte ihre Stirn mit ihrer Nase.
    "Steinjunges, tritt vor."
    Mit ängstlich angelegten Ohren bewegte sich die dunkelgraue Kätzin mit den helleren Flecken auf Vogelstern zu. Fast wäre ich dazwischen gesprungen.
    "Von heute an bist du Steinpfote. Dein Mentor ist Jake." Es wurde getuschelt, aber niemand wagte, zu widersprechen.

    "Hirschjunges, tritt vor. Du hast eine Beeinträchtigung am Bein, so leid es mir tut, eine Lehre zum Krieger ist dir nicht möglich und eine Heiler-Schülerin haben wir schon. Die anderen Clans werden dich ebenso nicht aufnehmen. Wüstensonne und Pferdesturm bringen dich heute zur Grenze. Von heute an heißt du Hirsch und bist verbannt."
    Hirschjunges zitterte. "Bitte..."
    Milchblüte sprang vor und baute sich vor Vogelstern auf. "Er ist dein Sohn."
    "Deiner auch."
    Dann drehte er sich weg und die Versammlung war beendet.

    23
    Wir hatten Hirschjunges seit diesem Tag nie wieder gesehen. Ich wusste auch, dass es falsch war, ihn bei seinem alten Namen zu nennen. Ich tat es trotzdem.
    Außerdem fand ich, dass Erdbeertraum eine echt gute Kriegerin geworden war, mit der Zeit verflog die Arroganz. Bald würde auch Luftpfote ihren Pfad teilen.

    In jener Nacht schlief ich tief und fest, selbst Vogelstern hätte mich nicht wecken können. Ich träumte.
    Ein nebeliger Wald umgab mich. Tausend Stimmen schienen auf einmal zu flüstern und die Stille umgab mich wie ein dickes Tuch. Es war so kalt.
    "Was machst du hier?", säuselte eine besonders krächzende und ich fuhr erschrocken zusammen. Nicht weit entfernt saß eine alte schildpattfarbene Kätzin mit bernsteinfarbigen Augen.
    Sie musste früher sehr schön gewesen sein.
    "Schätzchen.", flüsterte sie und lächelte auf eine Art und Weise, die ich nie wieder jemand lächeln sehen wollte.
    Diese Katze hatte so viele andere in den Tod geschickt. Zu viele.
    Plötzlich hauchte jemand neben mir, ich traute mich nicht, mich umzudrehen: "Sei vorsichtig..."
    Ahornschatten kam auf mich zu. "Sag, kleines SternenClan-Kind, hast du Streifilein gesehen? Ich vermisse ihn so sehr."
    "Bitte!"
    "Was?" Sie legte den Kopf schief. "Ich habe doch gar nichts gemacht?" Grinsend umkreiste sie mich, immer enger, bis sie schließlich meine Flanke berührte und beugte sich zu mir. "Wähle deine Seite jetzt. Hier kann dir der SternenClan nicht helfen. Du wirst diesen Ort nie wieder verlassen können, wenn ich dich jetzt töte. Wie lautete deine Entscheidung, Schülerin?"
    Mir stockte der Atem. Gefangen im Wald der Finsternis. Für immer...

    "Folge mir...", zischte Ahornschatten und verschwand im Nebel.
    Ich folgte ihr.

    Ein See befand sich vor und, funkelnder und blauer als in der Realität je möglich.
    "Davon haben die Erins nichts geschrieben, was?", feixte sie und zog eine Grimasse. "Der See der blauen Zukunft. Er ist in der Lage, uns kurze Abschnitte von dem, was noch vor uns liegt, zu zeigen. Willst du nicht einen Blick hineinwerfen?"
    "Ich..."
    "Ach, komm schon!" Ihre Augen blitzten eindringlich. "Sei doch kein Feuerstern!"
    Konnte ein winziger Blick in die Zukunft schaden? Was, wenn ich doch die Bedrohung war, für die Habichtpfote mich hielt? Wie sollte ich den Clan dann vor mir selbst beschützen? Ich musste es wohl tun. Ich hatte einfach keine Wahl.
    Leise seufzte ich. Dann miaute ich lauter: "Was muss ich dafür tun?"
    "Haha!" Begeistert sprang die Mörderin in die Luft. "Ich liebe dich, Wildpfote! Komm schon! Komm und mach deinem Namen Ehre!"
    "Was muss ich tun?", erwiderte ich jetzt fester.
    Die leise Stimme neben mir flüsterte: "Nein..." Ich durfte nicht hinhören.
    Ahornschattens Schweif schlug vor Aufregung und Freude wild hin und her. Dann verfinsterte sich ihr Blick und sie erstarrte. "Besiege mich."
    Es konnte nicht falsch sein, eine Katze anzugreifen, die so viele ermordet hatte. Die Stimme miaute: "Das hatte sie damals auch gedacht!"
    Ich knurrte kurz und es war wieder ruhig.
    Meine Krallen funkelten im blassen Mondlicht und ich sprang auf die ehemalige DonnerClan-Kriegerin zu. Sie jubelte und landete mit einem gewaltigen Satz hinter mir. Ich hatte keine Zeit, mich umzudrehen. So kräftig ich konnte, stieß ich mich mit meinen Beinen vom Boden ab und schoss nach vorne. Ahornschatten erwischte mich trotzdem und umklammerte mich mit eisernem Griff. Jetzt war ich keine LibellenClan-Schülerin mehr, höchstens noch ein armes, verirrtes Hauskätzchen, an das sich nach zwei Wochen niemand mehr erinnern würde.
    Ahotnschatten lachte wahnsinnig. "Ist das alles, was der alte Nusspelz dir beigebracht hat? Ich hätte da schon mehr erwartet!" Sie stieß mich von sich und ich schlitterte durch den Staub.
    Ich hustete.
    Im nächsten Moment war sie über mir und grinste. Ich wusste, was sie tun würde und ich war zu langsam, um es zu verhindern.
    Mit beiden Vorderpfoten sprang sie auf meinen Hals und trat mir heftig mit den Hinterbeinen in den Bauch. Ich röchelte.

    "Wildpfote, wach auf! Ich soll dich zu Rosenwolke bringen!" Habichtpfote stand neben unserem gemeinsamen Nest und stupste mich an. Ich atmete aus. Es war alles gut. Nur ein Traum. Ein Traum. Ein böser.
    Mit zitternden Beinen stand ich auf und folgte ihr. Rosenwolke wartete bereits auf mich.

article
1503131867
Wildherz
Wildherz
Ich hörte sie. Sie riefen mich. Mich, die doch ein Zweibeiner war. War, denn nun sollte ein neues Kapitel anfangen. Anfangen, der Beginn von etwas Neuem. Und ich lief los.
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1503131867/Wildherz
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1503131867_1.jpg
2017-08-19
406A
Warrior Cats

Kommentare (17)

autorenew

Morgen (79847)
vor 4 Tagen
Das neue Kapitel ist super!
Gallop ( von: Gallop)
vor 6 Tagen
@Goldi: DANKE ❤❤❤
Goldi (88852)
vor 6 Tagen
ich stimme Morgen zu aber nicht alle anführer sind perfekt. Also ich find das Vogelstern Creepy und Gemein ist. Aber mal @Gallop du schreibst voll schön
Morgen (79847)
vor 6 Tagen
Vogelstern ist so grausam!
Gallop ( von: Gallop)
vor 6 Tagen
Sorry dass ich jetzt Werbung mach aber in "Das Schattenrudel - ein RPG" habe ich wirklich viel Zeit und Mühe investiert. Zur Zeit schreiben wir nur zu dritt aber ich glaube nicht, dass es schon vorbei ist!
Morgen (79847)
vor 8 Tagen
Endlich neue Kapitel!
Morgen (79847)
vor 12 Tagen
Das neue Kapitel ist... umwerfend! Ich finde vogelstern irgendwie cool...
Morgen (15970)
vor 15 Tagen
Okay, ich freu mich trotzdem schon. ^^
Gallop ( von: Gallop)
vor 17 Tagen
Ich versuche jeden Tag ein neues Kapi zu schreiben, jetzt ist aber bald wieder Schule wundert euch also nicht falls nicht sofort etwas Neues kommt ;)
Gallop ( von: Gallop)
vor 17 Tagen
Vielen Dank😊❤❤💙
Morgen (15970)
vor 17 Tagen
Wow... Das neue Kapi ist umwerfend gut!
Morgen (15970)
vor 17 Tagen
Ich bin immer noch nicht fertig... xD
Gallop ( von: Gallop)
vor 18 Tagen
Danke Morgen❤ Sorry dass ich heute nicht weitergeschrieben habe. Wenig Zeit und so. Wird morgen nachgeholt! ;)
Morgen (15970)
vor 19 Tagen
Coole Geschichte! ❤😀 Ich bin zwar noch nicht fertig aber egal... 👍🐾
Luna nighmares (04400)
vor 24 Tagen
Jup deine Geschichten sind halt cool genauso wie deine Bilder
Gallop ( von: Gallop)
vor 25 Tagen
Danke 😙😙 Toll dass es dir gefällt!
Luna nightmares (82032)
vor 25 Tagen
Cool mach doch weiter es hört sich so cool an 😍😍😍😍😍😍😍