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Sanare - Die Gabe der Magie (II)

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2 Kapitel - 8.135 Wörter - Erstellt von: Silent screams - Aktualisiert am: 2017-08-18 - Entwickelt am: - 711 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Jessica Vance tritt ihr sechstes Jahr in Hogwarts an, das Jahr, in dem das Trimagische Turnier stattfindet. Doch hätte sie sich nie gedacht, wie viel sich dieses und die folgenden Jahre verändern würde. Neue Freundschaften, Romanzen, tragische Schicksalsschläge und überdies hinaus erfährt sie auch noch, dass sie eine besondere Gabe hat. Eine Gabe, die es ihr erlaubt eine Entscheidung fürs Leben zu treffen. [Fred Weasley x Jessie Vance]

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((bold))((big))MORNING GROUCH JESSY((ebig))((ebold)) ((cur))((unli))02. September 1994((eunli))((ecur)) »Jessy, aufstehen. Jessy? Jessy! Jessica Vanc
MORNING GROUCH JESSY
02. September 1994

»Jessy, aufstehen. Jessy? Jessy! Jessica Vance, entweder du stehst jetzt auf oder wir gehen ohne dich. Fünf, vier, drei…«

»Noch fünf Minuten, Mum, dann bin ich wach«, murrte ich in mein Kissen und zog mir die Decke über den Kopf. Wie konnte Mum es auch wagen mich um so eine Uhrzeit schon zu wecken.

»Komm, wir gehen«, meinte jemand und wenig später hörte ich, wie sich eine Tür schloss. Das war mein Zeichen um wieder einzuschlafen.

*~*

Beim Barte des Merlin! Wieso lag ich noch im Bett? Es war Unterricht! Und das schon seit zwei Stunden! Wieso hatte mich niemand geweckt?

So schnell ich konnte zog ich mir meine Uniform an und band mir meine Haare zu einem Zopf. Kämmen könnte ich sie auch später noch, jetzt war es wichtig pünktlich – zumindest so pünktlich wie man sein konnte, wenn man verschlafen hatte – zum Unterricht zu kommen. Ich suchte mir alle meine Bücher zusammen, stopfte diese in eine Tasche und stürmte dann aus dem Schlafsaal. Natürlich nicht ohne ein gewaltiges Chaos um mein Bett herum zu hinterlassen.

Immer zwei Stufen auf einmal nehmend, erreichte ich den Gemeinschaftsraum, wo, zu meiner Überraschung, Fred und George auf dem Sofa saßen.

»Morgen, Jess«, begrüßten die beiden mich unisono mit ein und demselben Grinsen.

»Wieso seid ihr nicht im Unterricht?«, fragte ich verwirrt und vergaß dabei ganz, dass ich nun eigentlich zum Unterricht gehen wollte.

»Freistunde.«
»McGonagall sucht dich übrigens …«
»… und sie ist nicht sehr begeistert davon, dass du direkt am ersten Tag schwänzen willst.«
»So etwas haben noch nicht einmal Fred und ich gewagt.«

»Weil ich das gerade auch so freiwillig mache«, erwiderte ich augenrollend, fügte aber noch ein: »Wo finde ich McGonagall jetzt?« hinzu.

Die beiden zuckten nur mit den Schultern, was mir eine echt große Hilfe war. Dann würde ich wohl zuerst im Lehrerzimmer und danach in Professor McGonagalls Büro suchen müssen.

Schnellen Schrittes ging ich in Richtung Lehrerzimmer. Die Gänge kamen mir wie ausgestorben vor, da vermutlich alle im Unterricht waren. Deswegen musste ich auch nur ein einziges Mal durch einen Geheimgang im dritten Stock gehen, als Peeves – bewaffnet mit mehreren vollen Tintenfässern – durch den Gang schwebte und die Fässer um sich warf.

Wenig später hatte ich das Lehrerzimmer erreicht und klopfte an. Es dauerte einen Moment, bis Professor McGonagall die Tür öffnete: »Miss Vance, folgen Sie mir bitte.«

Mit einem mulmigen Gefühl im Magen folgte ich meiner Hauslehrerin, die zu ihrem Büro zu gehen schien. Vermutlich würde mich jetzt eine strenge Ansprache und Nachsitzen erwarten. Womit ich dann auch gleich einen neuen Rekord aufgestellt hätte. Noch nicht einmal meine beiden Lieblingschaoten hatten es schon einmal geschafft, direkt am ersten Tag Nachsitzen zu bekommen – wegen unnötigen Verschlafens!

In Professor McGonagalls Büro angekommen, ließ sie sich auf einen Stuhl hinter ihrem Schreibtisch nieder. Ich setzte mich ihr gegenüber und wartete darauf, dass sie anfing.

»Können Sie mir erklären, weshalb Sie es heute nicht für wichtig erachtet haben in den Unterricht zu gehen?« Sie hatte denselben Ton angeschlagen, den sie benutzte, wenn jemand ihren Unterricht störte.

»Es tut mir wirklich leid, Professor, aber ich habe verschlafen. Angelina und Alicia haben noch versucht mich zu wecken, doch waren sie dabei nicht sonderlich erfolgreich«, erklärte ich und versuchte es mit meinem patentierten ich-bin-unschuldig Blick.

Der bei Professor McGonagall jedoch nie wirkte.

»Fünf Punkte Abzug für Gryffindor – Sie brauchen mich nicht so ansehen, Miss Vance – und Nachsitzen für Sie. Heute Abend um Sechs hier in meinem Büro. Verstanden?«

Ich nickte, immerhin war mir diese Art von Bestrafung klar gewesen. Im Gehen reichte Professor McGonagall mir noch meinen neuen Stundenplan, den ich mir erst im Gemeinschaftsraum angucken würde. Nach Ende der dritten Stunden war eh eine kurze Pause.

Ich ging also zurück in den Gemeinschaftsraum, wo Fred und George noch immer auf dem Sofa saßen und über irgendwelche Zettel gebeugt waren. Hätte ich es nicht besser gewusst, hätte man sogar vermuten können, die beiden würden Hausaufgaben machen. Ich ließ mich auf einen Sessel bei ihnen in der Nähe fallen, was der erste Moment war, in dem sie mich bemerkten.

»Jess, du schon wieder hier? Wie war’s?« Es war Fred gewesen, der kurzzeitig von den Zetteln aufgeblickt hatte und mir direkt in die Augen sah.

»Naja, darf heute Abend zum Nachsitzen. Wahrscheinlich ist McGonagall noch gut drauf, sonst hätte es vermutlich noch mehr Ärger gegeben«, antwortete ich gelassen. »Was macht ihr da überhaupt?«

Erst jetzt hatte ich bemerkt, dass sich abgesehen von Zettel auch noch ein Buch auf dem Tisch befand. Ein Buch für Zaubertränke. Ich beugte mich ein wenig vor um die Überschrift zu lesen. Sofort gab ich ein genervtes Stöhnen von mir: »Alterungstränke, euer Ernst?«

Nun war es George, der aufblickte und meinte: »Warum denn nicht? Da du uns ja nicht helfen willst beim Turnier mitzumachen, mussten wir uns eine andere Lösungsmöglichkeit suchen, die Altersbegrenzung zu umgehen.« Während seiner Erklärung begann er zu grinsen, wohingegen ich den Kopf schütteln musste.

Ich wollte doch nur, dass sie nichts Dummes taten. Wobei das bei den beiden eigentlich eine Unmöglichkeit war, so viel war klar. Ich hoffte nur, dass die beiden sich damit nicht selbst Schaden zufügen würden. Und hoffentlich war Dumbledores Altersbegrenzung auch so ausgerichtet, dass bemerkt werden würde, wenn jemand einen Alterungstrank nahm.

»Wo du gerade hier bist, Jess, ich wollte dich noch was fragen«, meinte Fred, der, nachdem er einen kurzen Blick mit George getauscht hatte, mich ansah. »Sieh es als eine Art Wette an.«

»Eine Wette? Mit dir? Du weißt, dass ich bei deinen Wetten immer verliere, oder?«, fragte ich und zog skeptisch eine Augenbraue hoch.

Auf dem Gesicht meines Gegenübers breitete sich ein Grinsen aus. »Genau deswegen wette ich doch so gerne mit dir. Also, machst du nun mit oder nicht?«

Um was sollte es sich bei der Wette denn handeln? Die ganze Zeit über drückte Fred sich undeutlich aus, so als wollte er mir gar nicht erst verraten, worum es ging – als wüsste er es selber noch nicht genau. Ich wartete, ob er noch weiter erklären würde, doch scheinbar sagte er nichts Weiteres mehr, sondern wartete meine Antwort ab. Mit einem Seufzen gab ich mich geschlagen, war mir jedoch sicher, dies später noch zu bereuen: »Na gut, ich mache mit. Vorher willst du mir scheinbar eh nicht sagen worum es geht.«

»Und auch jetzt werde es dir nicht sagen. Du wirst es heute nach deinem Nachsitzen erfahren«, antwortete Fred, der noch immer sein Grinsen trug. Auch George grinste nun und die beiden blickten sich wieder an, als wüssten sie etwas, was ich nicht wusste (was vermutlich auch der Wahrheit entsprach). Ich schüttelte den Kopf mit einem einzigen Gedanken: worauf hatte ich mich da nur eingelassen?

*~*

Wie nicht anders zu erwarten war, hatte ich von Angelina und Alicia auch noch einmal Vorwürfe bekommen, dass nicht auf sie reagiert und stattdessen lieber weiter geschlafen hatte. Zum Glück waren sie mir deswegen nicht wirklich böse, eher fanden sie es witzig.

Wir saßen gerade beim Abendessen, als meine beiden Zwillinge das Thema wieder in Richtung Trimagischen Turnier lenkten. Offenbar war ihnen gerade eingefallen, dass Angelina auch demnächst volljährig sein würde, und sie ihnen somit genauso gut helfen könnte wie ein Alterungstrank.

Ich rollte nur mit den Augen und schaute flehend zu Lee: »Kannst du die beiden nicht irgendwie dazu bringen, endlich damit aufzuhören unbedingt am Turnier mitmachen zu wollen? Immerhin bist du ihr bester Freund.«

»Sorry Jessy, ich glaub die beiden kann man nicht mehr davon abbringen«, erwiderte Lee, womit er das bestätigte, was ich bereits vermutet hatte. Leider war somit auch meine letzte Hoffnung verflogen. Da Lee nämlich der Vernünftigste der drei Chaoten war (und Fred und George außerdem auch – teilweise – auf ihn hörten), war er der einzige gewesen, der sie vielleicht hätte umstimmen können.

»Musst du nicht jetzt zum Nachsitzen?«, kam es plötzlich von Alicia an mich gewandt.

Erschrocken schaute ich auf meine Uhr. Es war bereits fünf vor sechs. Schnell schlang ich einen letzten Bissen herunter, bevor ich mit einem »bis später« meine Freunde verließ und fast schon aus der Halle stürmte. Ich sprintete so schnell wie ich konnte hoch zum Gemeinschaftsraum um meine Tasche zu holen und dann sofort zu Professor McGonagalls Büro zu eilen.

Noch immer etwas außer Atem klopfte ich an, woraufhin ich auch gleich herein gebeten wurde. Die Professorin hatte mich scheinbar schon erwartet, weshalb ich mich nun für die Verspätung entschuldigte (zwar war ich nur ungefähr eine Minute zu spät, was manche andere Lehrer nicht gestört hätte, doch legte Professor McGonagall Wert auf Pünktlichkeit).

»Wenn Sie mir bitte folgen würden, Miss Vance«, sagte die Professorin und erhob sich von ihrem Stuhl. Ich nahm an, dass ich Arbeiten von Filch übernehmen musste, ansonsten würde ich nicht woanders hin gebracht werden. »Ich habe mit Mr. Filch gesprochen, der eine passende Aufgabe für Sie hätte.«

Damit war meine Vermutung bestätigt, ebenso wie meine Hoffnung, dass es nicht allzu schlimm werden würde, zerschlagen war. In meinen letzten Jahren auf Hogwarts hatte ich schon oft nachsitzen müssen, meistens dank irgendwelcher Dinge, die ich zusammen mit Fred, George und Lee getan hatte, und wusste deshalb, dass Nachsitzen bei Filch immer am schlimmsten war. Nicht etwa, weil seine Aufgaben besonders schwierig oder anstrengend waren, vielmehr lag es daran, dass die Zeit bei ihm rückwärts zu laufen schien. Jedes Mal hatte ich das Gefühl, ich würde bereits seit Stunden da sitzen, obwohl gerade erst einmal fünf Minuten vergangen waren. Seine Aufgaben waren halt einfach ziemlich eintönig.

Filch schien bereits auf uns gewartet zu haben, genauso wie er schon die Arbeit für mich bereitgestellt hatte. Direkt erkannte ich, was ich zu tun hatte: alte Akten sortieren. Dieselbe Arbeit, die ich schon ich weiß nicht wie oft hatte tun müssen. Allerdings war dies nicht ganz so schlimm wie beispielsweise die Aufgaben von Snape, der uns schon einmal unzählige von Kesseln ohne Magie hatte schrubben lassen.

»In zwei Stunden dürfen Sie wieder gehen. Schönen Abend noch«, verabschiedete Professor McGonagall sich und ließ mich zusammen mit Filch alleine.

Ich seufzte und setzte mich auf den Stuhl vor den Schreibtisch. Filch ließ mich die meiste Zeit in Ruhe, während ich die Akten sortierte. Dabei sah ich immer wieder Namen, die mir schon öfter aufgefallen sind. Abgesehen von Fred, George und mir fanden sich auch oft die Namen James Potter und Sirius Black. Die beiden waren beste Freunde gewesen, deswegen fand ich es auch umso tragischer, dass Sirius die Potters an Voldemort verraten hatte.

Zwei Stunden eintönige Arbeit vergingen, bis Filch mich endlich entließ. Als ich die Stufen nach oben zurück in den Gemeinschaftsraum lief, musste ich mir ein Gähnen unterdrücken. Zwar war es für einen Freitag noch relativ früh, doch war die Arbeit einfach einschläfernd gewesen.

Wie vermutet war der Gemeinschaftsraum noch immer ziemlich voll, da morgen kein Unterricht war. Deswegen blieben die meisten freitags und samstags länger wach, am nächsten Morgen konnten sie sowieso ausschlafen.

Meine Freunde hatten sich unseren üblichen Platz gesichert und winkten mir auch sofort zu, sobald sie mich sahen.

»Hat McGonagall dich endlich gehen lassen?«, fragte Fred, neben den ich mich nun fallen ließ. Ich unterdrückte ein weiteres Gähnen, ehe ich ihm antwortete. Zuvor wurde ich allerdings von George gestört: »Keine Müdigkeit vortäuschen, Jessy.«

»Du wärst auch müde, wenn du die ganze Zeit Akten sortieren musstest. Langsam hab ich das Gefühl Filch zerstört die Ordnung jedes Mal selber, so oft wie wir die schon wieder richtig sortieren mussten«, meinte ich und legte meinen Kopf mit einem weiteren Gähnen auf Freds Schulter ab.

»Nicht einschlafen, Jess. Wir haben noch eine Wette vor uns«, grinste Fred mich schief an.

Die Wette hatte ich ja schon vollkommen vergessen – wobei, so viel zu vergessen gab es da ja nicht. Bisher hatte ich ja nur erfahren, dass Fred eine Wette mit mir vorhatte, worum es ging, hatte er mir ja immer noch nicht verraten.

»Sag nicht du hast dich wieder auf eine Wette mit ihm eingelassen«, meinte Alicia und blickte mich vorwurfsvoll an. »Du weißt, dass du bisher fast immer diejenige warst, die verloren hat und immer irgendwelche bescheuerten Dinge tun musste?«

»Also fast immer ist ja auch nicht wirklich richtig…«, begann ich, doch fiel mir Angelina direkt ins Wort.

»Und was war letztes Jahr, als du eine Woche lang alles tun musstest, was Fred von dir verlangt hat? Oder die Wette davor, wo du auf Fragen nur noch mit Ja oder Nein antworten durftest? Oder…«

»Ich glaube sie hat es verstanden, Angie«, unterbrach Alicia sie. Dankbar lächelte ich sie an. Ich mochte Angelina, keine Frage, doch manchmal konnte auch sie ziemlich nervig werden. Vor allem wenn sie damit anfing, dass ich vielleicht nicht bei fast allem mitmachen sollte, was Fred und George taten. Was ich auch eigentlich nicht tat.

»Verrätst du mir denn jetzt auch mal, was ich tun muss, Freddie?«, fragte ich und klang dabei müder, als ich mich fühlte. Trotzdem unterdrückte ich mir ein weiteres Gähnen.

»Noch nicht. Wir treffen uns um halb zwölf heute Nacht wieder hier – Lee, George und ich haben jetzt nämlich noch was zu erledigen«, erwiderte Fred. Überrascht davon nahm ich meinen Kopf von seiner Schulter, damit er aufstehen konnte, ohne dass ich auf hartem Untergrund aufkam. Auch George und Lee standen nun auf; zusammen verließen die drei den Gemeinschaftsraum.

Verwirrt blickte ich den dreien nach, die mich nun mit Angelina, Alicia und Katie alleine gelassen hatten. Zwar war es nicht untypisch für sie, dass sie abends noch etwas unternahmen – meisten gingen sie entweder in die Küche um etwas zu essen zu besorgen, oder sie gingen durch einen Geheimgang nach Hogsmeade, um ein paar andere Dinge wie beispielsweise Alkohol zu beschaffen – doch nahmen sie mich sonst immer mit. Deswegen war ich umso verwunderter, weshalb sie mich nicht fragten, ob ich mitkommen wollte.

»Da fällt mir gerade ein: wir haben auch noch was zu erledigen. Sorry Jessy«, entschuldigte Katie sich, die den anderen beiden einen bedeutsamen Blick zuwarf. Allerdings wusste ich nicht, was sie damit sagen wollten.

Nun standen also auch meine Freundinnen auf, weswegen ich alleine war. Ich blickte mich etwas im Gemeinschaftsraum in, in der Hoffnung jemanden zu finden, zu dem ich mich setzen konnte. Doch schienen momentan alle Leute mit denen ich etwas zu tun hatte, nicht hier zu sein. Im Grunde konnte ich auch einfach schon ins Bett gehen, müde war ich mittlerweile tatsächlich. Letztendlich tat ich dies auch.

*~*

»Jessy? Aufstehen, Fred wartet unten auf dich«, weckte Alicia mich und rüttelte dabei leicht an meiner Schulter. Ich gab ein Murren von mir, schlug aber dennoch die Augen auf. Am liebsten wäre ich weiter im warmen Bett liegen geblieben, doch zwang ich mich selber aufzustehen.

Schnell wechselte ich von meinen Schlafsachen in ein Top, eine Jeans und Sneakers. Ich zog mir noch eine Jacke über, bevor ich den Schlafsaal verließ. Bei Fred konnte man sie nie sicher sein, was genau er geplant hatte, weshalb ich lieber in Alltagskleidung sein wollte, anstatt weiterhin in meinen Schlafsachen was-auch-immer zu tun.

Wie Alicia gesagt hatte erwartete Fred mich unten bereits mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Mich wunderte es doch ein wenig, dass der Gemeinschaftsraum ansonsten schon fast komplett leer war und nur noch vereinzelt ein paar Sechst- und Siebtklässler in den Sesseln oder an den Tischen saßen.

Ich trat neben meinen besten Freund, dessen Grinsen sich noch nicht verändert hatte.

»Also, Freddie, was hast du nun mit mir vor?«, fragte ich und zog eine Augenbraue hoch, als sein Grinsen noch breiter wurde – falls das überhaupt möglich war.

»Lass dich überraschen. Das wirst du alles noch früh genug erfahren. Komm einfach mit.«

Mit diesen Worten griff er nach meiner Hand und ging mit mir aus dem Gemeinschaftsraum. Ein wenig verwundert war ich schon, wenn wir sonst nach der Ausgangssperre noch draußen waren wusste ich bisher immer, dass wir einen festen Plan hatten. So musste ich mich darauf verlassen, dass wenigstens Fred einen Plan hatte. Was er offensichtlich auch hatte, da er mich zielstrebig durch die Korridore zog.

Zu meinem Erstaunen ging er relativ schnell, weshalb es mir schwer fiel mit ihm mitzuhalten. Leider war Fred schon immer größer als ich gewesen (was eigentlich auch so ziemlich jeder meiner Mitschüler war) und hatte deshalb auch die längeren Beine, die es ihm erlaubten schneller zu laufen.

Als er endlich stehen blieb wäre ich fast in ihn hineingelaufen, so überrascht war ich von seinem abrupten Stillstand. Es dauerte eine Weile ehe ich herausfand wo wir waren. Wir befanden uns am Eingang zum geheimen Tunnel nach Hogsmeade.

»Die Wette hat irgendwas mit Hogsmeade zu tun, stimmt’s?«, fragte ich so leise wie möglich. Immerhin wusste man nie ob sich hier nicht irgendwo Lehrer, Geister oder Mrs. Norris herumtrieben.

»Genau. Ich wette du schaffst es nicht alleine nach Hogsmeade zu gehen.«

Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte ich ihn an. Seine Wetten waren auch schon einmal anspruchsvoller gewesen. Die ganze Aufregung und Spannung für nichts und wieder nichts? Ein wenig enttäuscht war ich schon von ihm, eigentlich hatte ich etwas Besseres erwartet.

»Du weißt, dass ich das schon öfter getan habe, oder? Was genau hast du vor?«

»Nichts Bestimmtes«, meinte er, doch ich merkte, dass er log. Zwar konnte ich es in der Dunkelheit nicht ganz genau erkennen, allerdings war ich mir sicher gesehen zu haben, wie sein Mundwinkel zuckte. Dies war etwas was er jedes Mal tat wenn er log.

»Ah ja. Auch wenn mir das alles ein wenig merkwürdig erscheint mache ich es – ich meine, wirklich schlimm ist das ja nicht. Was ist der Wetteinsatz?«

Gerade als er mir antworten wollte hörten wir ganz aus der Nähe ein Mauzen: Mrs. Norris. Und wo sie war, war auch Filch nicht weit. Wieder griff Fred nach meinem Arm und zog mich in den Geheimgang. Gerade noch rechtzeitig, denn schon Sekunden danach sahen wir das Licht einer Lampe durch einen kleinen Spalt und hörten Filch, der sich mit seiner Katze unterhielt.

Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich die Luft angehalten hatte, erst als ich tief ausatmete bemerkte ich es.

»Meinst du die Luft ist wieder rein?«

»Ich vermute ja, aber wir haben ein Problem…«, begann Fred und das erste Mal in dieser Nacht war das Grinsen von seinem Gesicht verschwunden. Dafür mischte sich nun etwas Schuldbewusstes in seinen Blick.

»Was hast du getan?«

»Gar nichts… also nicht direkt. Wir kommen hier jetzt nur nicht raus. Ich hab meinen Zauberstab vergessen und du hast deinen gar nicht erst mit in den Gemeinschaftsraum genommen gehabt. Und ohne Magie kommen wir hier nicht raus«, erklärte Fred und ich ließ mich auf den Boden sinken.

Leider hatte er Recht, mein Zauberstab lag noch immer oben auf meinem Nachttisch. Ich hatte nicht vergessen ihn mitzunehmen, nur wusste ich nicht wohin damit. Außerdem dachte ich seine Wetten würden wie sonst auch ohne Magie funktionieren.

Fred setzte sich neben mich und schweigend starrten wir beide die Wand gegenüber an. Hier im Korridor war es ziemlich kalt und dunkel.

»Wir hätten zwei Möglichkeiten: entweder wir warten hier und hoffen darauf, dass morgen früh irgendjemand bemerkt, dass wir nicht da sind und uns suchen kommt, oder aber wir gehen weiter in Richtung Hogsmeade und gucken wo wir da bleiben können«, meinte ich, während ich mich mit dem Kopf an die kühle Steinwand lehnte, die Augen dabei geschlossen.

»Klingt beides nicht besonders gut«, kommentierte Fred, der nun ebenfalls die Augen schloss. »Das war alles doch gar nicht so geplant gewesen. Tut mir leid, dass ich dir deinen Geburtstag verderbe, Jess.«

Bei diesen Worten blickte ich ihn aus großen Augen an: »Meinen Geburtstag verderben? Jetzt sag mir bitte nicht, dass das alles eine Ablenkung gewesen war und ihr in Wirklichkeit eine Party für mich veranstalten wolltet. Und diese Wette nur ein Vorwand war um mich raus zu kriegen, weil ihr wusstet, dass ich von meinem Geburtstag nicht besonders viel halte und niemals freiwillig für diese Party mitgekommen wäre.«

Verlegen kratzte Fred sich am Hinterkopf. Ein Zeichen, das mir Antwort genug war.

»Du weißt doch warum ich meinen Geburtstag nicht gerne feire – und dabei ist es mir auch egal, dass ich nur einmal in meinem Leben volljährig werde«, sagte ich leise.

Einerseits war es echt lieb eine Geburtstagsparty für mich zu veranstalten, andererseits hatte ich seit ungefähr zehn Jahren meinen Geburtstag nicht mehr richtig genießen können. Denn vor vielen Jahren an meinem Geburtstag hatte ich mit Dad einen Unfall, den er nicht überlebte. Seitdem fühlte ich mich an diesem Tag immer an meinen Dad und seinen Tod erinnert; was einen nicht sonderlich in Feierstimmung brachte.

Fred und George waren die einzigen meiner Freunde denen ich davon erzählt hatte. Die anderen wussten zwar, dass Dad tot war, was genau passiert war hatte ich allerdings nur meinen Chaoten erzählt. Deshalb war ihnen eigentlich auch bewusst, dass eine Party an meinem Geburtstag nicht das Richtige für mich war.

»Wir dachten nur wir würden dich damit ein wenig von deinen Gedanken ablenken können«, meinte Fred, bevor wir von hellem Licht geblendet wurden.

Erst dachte ich Filch oder einer der Lehrer hatte uns entdeckt, doch handelte es sich nur um George, dessen leuchtende Zauberstabspitze auf uns gerichtet war. George trug wie eigentlich immer ein Grinsen auf dem Gesicht und schien nur wenig verwundert uns beide hier anzutreffen.

»Wenn ihr nächstes Mal Zeit zu zweit verbringen wollt dann tut das bitte nicht, wenn wir etwas anderes vorbereitet haben«, grinste er, fast so als wüsste er, dass Fred mir schon von der Party erzählt hatte – was mir bei ihnen ziemlich wahrscheinlich erschien. Ich hatte schon öfter das Gefühl gehabt, dass die beiden öfters mal zu wissen schienen, was der andere dachte. »Wir haben uns schon Sorgen gemacht, weil ihr noch nicht aufgetaucht seid.«

»Weniger reden, mehr uns hier raushelfen, George«, meinte ich augenrollend.

Wie geheißen reichte er mir seine Hand und half mir aus dem Geheimgang raus. Mich wunderte es ein wenig, dass uns noch niemand gehört beziehungsweise entdeckt hatte. Wir waren nicht gerade unauffällig.

»Ach übrigens Jess, alles Gute zum Geburtstag«, sagten Fred und George unisono, als wir aus dem Geheimgang waren und nun in Richtung der oberen Stockwerke schlichen.

»Dankeschön Jungs.«

»Kannst uns bitte einen Gefallen tun?«
»Zwar ist das jetzt alles nicht so ganz wie geplant gelaufen,…«
»…aber könntest du so tun, als wüsstest du nicht, dass wir die Party für dich geplant haben?«
»Vergiss einfach am besten, dass wir dir das schon gesagt hatten…«
»… und dass wir unsere Tarnung stattdessen aufrechterhalten konnten.«

»Ich werde mein Bestes geben«, lächelte ich und hakte mich bei den beiden unter.

Wir bogen in einen Korridor ein, in dem ich eine Tür zugehen hörte. An dem Blick den Fred und George miteinander austauschten, erkannte ich, dass wir da waren. Allerdings war ich schon ein wenig überrascht, als wir vor einer kahlen Steinwand stehen blieben. Wo sollte hier bitteschön eine Party sein?

Fred bat mich die Augen zu schließen, was ich dann auch tat. Ich spürte wie die beiden vorwärts gingen und mich dabei mitnahmen, als ich auch schon einen lauten Ruf hörte: »Überraschung!«
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Sanare - Die Gabe der Magie (II)
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2017-08-15
402D
Harry Potter

Kommentare (1)

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Ayumi ( von: Shi)
vor 116 Tagen
Ich bin durch Zufall auf die Geschichte gestoßen und finde sie fantastisch ;) Mach weiter so! :D