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Hidden Home- basierend auf der Hobbit (Film- directed by Peter Jackson)

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13 Kapitel - 71.151 Wörter - Erstellt von: Aras - Aktualisiert am: 2017-08-18 - Entwickelt am: - 563 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Glaur ist eine stinknormale Elbin. Eigentlich ganz hübsch, ziemlich sarkastisch, ziemlich stur und kann ziemlich gut mit Pfeil und Bogen umgehen. Sie lebt bei ihrer Ziehmutter Lanadriel, als plötzlich ein Fremder auftaucht. Ein alter Bekannter, Gandalf der Graue. Mit ihm, der Kompanie von dreizehn Zwergen und einem Hobbit macht sie sich auf, um das verlorene Zuhause der Zwerge zurückzuholen. Im Verlauf der Reise wächst sie eng mit den Zwergen zusammen. Bis die Gemeinschaft durch ein unglückliches Missverständnis im Düsterwald getrennt wird und sich das Schicksal Glaurs schlagartig ändert…

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    „Nein“, flüstere ich und drücke meinen Kopf gegen den kalten Körper. Er konnte nicht gestorben sein, er war so stark und er war immer für mich da gewesen. Eine Hand wird sichtbar und zieht mich mit sich durch die vielen Gefallenen. Ich nehme kaum etwas war und meine Beine knicken unter mir weg. Ich kauere mich auf den Boden und weine leise in das weiche Fell meines Teddys. „Komm Kleine, ich bring dich zu mir nach Hause, dort wirst du nicht mehr trauern müssen.“, sagt eine Stimme in mein Ohr. Es ist eine weibliche Stimme und sie ist sanft und warm. Erst als ich älter war, ließ ich den Tod meiner Eltern an mich heran. Doch irgendwie habe ich den Gedanken während des Verdrängens trotzdem verarbeitet. Lanadriel hatte mich aufgenommen. Sie war eine sehr hübsche Elbin, mit langem blonden Haar und goldenen Augen… „Glaur, kommst du bitte?“, ruft meine Ziehmutter mich. „Ja sofort!“, antworte ich und werfe einen letzten Blick in den Spiegel. Über mein Aussehen kann ich nicht klagen, ich habe lange, leicht gewellte braunrote Haare und ziemlich außergewöhnliche Augen. Sie sind graugrün mit einem dunklen Ring um die Iris und goldorangen Sprenkeln. Außerdem habe ich weiche Gesichtszüge und ein paar Sommersprossen. Schwungvoll werfe ich den Köcher mit den Pfeilen über die Schulter und nehme meinen kunstvoll geschnitzten Bogen zur Hand. Dann rutschte ich mit rasanter Geschwindigkeit das Treppengeländer herunter und lande mit einem Salto vor Lanadriel. „Was gibt’s?“, frage ich und bemerke erst ein wenig verspätet den alten Mann vor unserer Haustür. Er lächelt und mustert mich mit einem warmen Blick, er besitzt einen knorrigen Gehstock, einen grauen Spitzhut, ein graues Gewand und einen grauweißen Bard der ihm bis zum Bauchnabel reicht. Also wenn ihr mich fragt, hat der Typ eindeutig zu wenig Cosmopolitan gelesen. „Glaur, das ist Gandalf, er fragt ob du Lust auf ein Abenteuer hättest.“ Aha, der Opa hat anscheinend auch nicht mehr alle Latten am Zaun. Vor allem, ich und Abenteuer. Das ist so wie Pandabär und Staubsaugen. Allerdings, ich sitze wer weiß wie viele hundert Jahre hier fest, ohne Spaß, ohne nichts. Vielleicht, könnte ich. Oder doch nicht? Ist das nicht ziemlich gefährlich. Ach scheiß drauf. Gefahr hin oder her, ich bin dabei! „Für Abenteuer bin ich immer zu haben, wann soll es denn losgehen?“, frage ich und gucke zwischen Gandalf und Lanadriel hin und her. „Morgen Abend im Auenland. Ich habe die Tür wo unser Treffen stattfinden soll mit einer Rune markiert. Also nicht zu verfehlen.“, antwortet er und zwinkert. Ich nicke andächtig, bewege mich rückwärts Richtung Treppe und teile den Beiden mit, jetzt meine Koffer zu packen. Das wird bestimmt ein spannendes Abenteuer. Ein Psycho und ich, eine total langweilige Elbin. Die etwas stur, ziemlich sarkastisch und ziemlich hübsch ist. Aber wenn Lanadriel ihn kennt und ihm vertraut, würde ich versuchen ihm auch zu vertrauen.
    Unentschlossen stehe ich vor meinem Kleiderschrank, das ist eines der größten Probleme die ich momentan habe. Ich ziehe an einer Schublade und an der nächsten, reiße die Klamotte vom Bügel und ziehe wieder die Nächste auf. Währenddessen lasse ich mir meine Entscheidung noch einmal durch den Kopf gehen. Wenn Gandalf und ich uns treffen, im Auenland, können wir nicht die Einzigen sein. Es müssen noch mehr kommen, ob er vielleicht noch ein paar Elben gefragt hat. Ich bin definitiv extrem neugierig. Meine Hand greift ins Leere. Der gesamte Schrankinhalt liegt in meinem Zimmer verteilt. Letztendlich entschließe ich mich dazu meine Lieblingssachen mitzunehmen, lange Tuniken, schulterfrei, in unterschiedlichen Farben, weiß, grün, dunkelblau usw. Korsetts aus Leder mit unauffälligen Stickereien, Lederhosen und ein paar Lederstiefel. Verzweifelt versuche ich ein Buch über Heilkräuter in meinen zu vollen Rucksack zu stopfen. Ich stöhne auf, warum passt es nicht? Zu irgendetwas muss dieses Buch doch mal zu gebrauchen sein und jetzt passt es nicht? Ja, das unendliche Leben ist ungerecht. Ich gebe es auf und lasse mich an der Bettkante herunterrutschen. „Glaur, ich habe hier noch eine Satteltasche für dich!“, ruft Landadriel. „Du bist meine Rettung.“, schreie ich und lächele schwach als sie zur Tür herein kommt. „Du siehst ja völlig fertig aus, dabei dachte ich immer du wärst so sportlich.“, sagt sie vorwurfsvoll grinsend. Ich verdrehe die Augen und nehme dankbar die Satteltasche entgegen. Landadriel hilft mir beim Packen. „Ich habe noch etwas für dich“, murmelt sie und führt mich zu den Ställen. Vor einer großen Box bleibt sie stehen. „Glaur darf ich vorstellen, das ist Ardamir.“, sie zeigt auf einen braunen Hengst mit weißer Blesse. Ich schaue sie ungläubig an, ich habe einen Esel erwartet, keinen wunderschönen Fuchs. „Der, der ist für mich?“, stammele ich. „Wie willst du sonst vorwärts kommen? Außerdem solltest du dich beeilen um bis morgen Abend dort zu sein.“ Sie schiebt mich schneller nach draußen als das ich Zeit habe mich bei ihr wirklich noch einmal richtig zu bedanken.
    Nach stundenlangem reiten durch die schöne Landschaft, machen wir am Waldrand eine kleine Pause. Hier fließt ein kühler Bach und es gibt saftiges Gras für Ardamir. Ich esse derzeit einen Teil von meinem Proviant und versuche auf Landadriels Karte den Weg ins Auenland zu finden. Irgendwie hab ich mir das leichter vorgestellt. „Also gut, eigentlich müssen wir immer Richtung Osten. Das kann ja nicht so schwer sein.“, murmele ich vor mich hin und beiße in den Apfel in meiner Hand. Ardamir schnaubt und knabbert weiter an dem offenbar köstlichen Gras. Nachdenklich sehe ich mich um, warum gibt es hier keine Schilder? Ich esse rasch auf und genieße noch kurz die Ruhe. Kleine Vögel zwitschern fröhlich in den Ästen der Bäume in meinem Rücken. Das leise Rascheln der Blätter und der kleine Bach plätschert leise vor sich hin. Ich rappele mich auf und gehe zu Ardamir. Dann spitze ich die Ohren, um mögliche Gefahren früh genug zu erkennen. Zuerst höre ich gar nichts, dann leise das Geräusch von Wargen. Ich höre genauer hin. Oh verdammt, das sind etwa ein Dutzend. Unmöglich die alle alleine fertig zu machen. „Also gut Ardamir, jetzt müssen wir uns beeilen.“ Ich steige auf, vergewissere mich, wo Osten ist und schon prescht mein Hengst los. „Larca Ardamir!“ (Schneller Ardamir) Ich blicke zurück und sehe am Horizont bereits eine Meute Wargen. Hoffentlich haben sie uns nicht gesehen! Die Bäume fliegen förmlich an uns vorbei und Ardamir´s Hufe donnern rasend schnell über den Boden. Ich spüre den Wind in den Haaren und in meinem Gesicht. Die Warge laufen mittlerweile weit entfernt durch den Wald. Ich muss mein Pferd gar nicht mehr antreiben, denn der Hengst rennt so schnell er kann. Immer wieder sehe ich mich um und irgendwann scheinen die Warge aufgegeben zu haben. Glück für mich. Kurzerhand zügle ich Ardamir, der dankbar schnaufend in einen gemütlichen Schritt verfällt. So gehen wir gemächlich durch den Wald, bis es allmählich dunkel wird. Langsam sollten wir ein Lager für die Nacht suchen. Ich schaue mich um und entdecke einen großen Baum mit mächtigen, ausladenden Ästen. Der Stamm ist mit Moos bewachsen und die Blätter der Eiche rauschen im kühlen Nachtwind. Ich steige ab und nehme die Satteltasche von Ardamirs Rücken „Was meinst du Ardamir, eine Nacht hier werden wir schon überleben.“ Zutraulich schmiegt er sich an meine Schulter und als ich ihm auch den Sattel abnehme blinzelt er mich dankbar an. Ich lege Ardamirs Satteltasche und Sattel neben den Baum. Die alte Eiche steht an einem Felsen, aus dem eine klare Quelle sprudelt. Ich fülle meine Feldflasche auf und schaue dem Pferd beim Trinken zu. Der braune Hengst verschmilzt beinahe mit der Umgebung. „Gute Nacht Ardamir.“, sage ich zu ihm und hauche ihm einen Kuss auf die Stirn. Danach erklimme ich die unteren Äste des kräftigen Baumes und lege mich in eine Astgabel. Ich schaue nach oben zu den Sternen und frage mich wieder einmal, wie sie so hell leuchten können, nach all dem was sie hier in Mittelerde sehen müssen. Mit dieser Frage als Gedanke schlafe ich schließlich ein. Am nächsten Morgen wache ich durch Ardamirs´s Wiehern auf. „Was ist denn? Hast du die Warge von gestern gewittert?“, frage ich ihn. Der Hengst schüttelt den Kopf, scharrt mit den Hufen und stupst den Sattel an. „Was, willst du schon weiter?“ Ardamir nickt als ob er ja sagen will. „Na gut, wenn du unbedingt willst, aber lass mich vorher noch etwas essen.“, lache ich und verdrücke schnell mein Frühstück.Flink sattele ich ihn auf und setze mich auf seinen Rücken. Doch Ardamir ist stürmischer als ich erwartet habe. Er bäumt sich auf und prescht mit Höchstgeschwindigkeit los. „Ardamir, was ist los mit dir?“, frage ich ihn, als ich mich vom ersten Schock erholt habe. Als Antwort erhalte ich nur ein freudiges Wiehern. „Aha, du bist also ziemlich aufgedreht.“, lache ich. Ardamir schnaubt zustimmend und springt elegant über einen umgestürzten Baumstamm. Bis zum Mittag reiten wir ohne Rast gen Osten und als machen schließlich eine kurze Pause an einem kristallklaren See. Ich habe keine Ahnung wie lange die Reise noch dauern wird und die Karte hilft mir dabei auch nicht besonders. Ich nehme die Karte genauer unter die Lupe. Gandalfs Worten nach, müssen wir nach Hobbingen und wenn mich nicht alles täuscht, könnte dieser See „Die Wässer“ sein. „Wie lange glaubst du brauchen wir noch?“, frage ich Ardamir. Der Hengst schnaubt und es klingt beinahe wie ein: „ woher soll ich das wissen!“. Hast ja Recht, ich weiß es ja selbst nicht. Ich steige ab und drehe mich um die eigene Achse um Osten zu finden. Was jedoch nicht leicht ist, wenn der Himmel, wie jetzt von Wolken verhangen ist. „Hast du eine Ahnung, wo dieser verflixte Osten ist?“, will ich
    von dem Hengst wissen. Er schwenkt seinen Kopf in Richtung einer hügeligen, freien Fläche. „Wirklich? Da haben wir keine Deckung, wir sind ungeschützt.“, stelle ich fest. Er nickt als ob er sich ganz sicher wäre. Na gut, dann eben keine entspannte Reise. Ich seufze und steige wieder auf Ardamirs´s Rücken und er trabt los. Hoffentlich sind wir bald in Hobbingen, dort kommen keine Orks hin. Genauer gesagt, trifft man im ganzen Auenland keine Orks an. Warum überhaupt? So bewaffnet sind Hobbits doch gar nicht. Aber wahrscheinlich weil sie den Orks zu langweilig sind und zu unbekannt. Wachsam beobachte ich die Gegend, eigentlich eine schöne Landschaft. Das grüne Gras wiegt sich sanft im Spätsommerwind und am bewölkten Himmel fliegen einige Vögel. Eine leichte Brise zerzaust meine Haare und ich habe mich noch nie so frei gefühlt. Frische Luft durchfährt mich vom Haaransatz bis zur Fußspitze und das ungewohnte Reisen fängt an mir zu gefallen. Zum Glück verziehen sich die Wolken und ich habe wieder etwas Orientierung. Mit der Sonne im Rücken tänzelt Ardamir über die freie Rasenfläche und einige Schmetterlinge flattern um meinen Kopf. Die Sonne hat gerade ihren letzten Strahl über einige Hügel am Horizont geschickt, als ich Hobbingen erreiche.

    Es dauert eine Weile bis ich diese „unübersehbare Rune“ an einer Tür gefunden hatte. Von drinnen höre ich Gelächter, als ob im inneren des Hauses eine Feier stattfinden würde. Dazwischen eine verzweifelte Stimme die so klingt wie „lass das stehen“ oder „nicht das Porzellan“. Bin ich überhaupt beim richtigen Haus? Ich schaue zurück zu Ardamir, der friedlich am Zaun steht und Blätter von einem Baum zupft. Ich hole noch mal tief Luft und klopfe an. „Nicht noch ein Zwerg“ höre ich vom Inneren des Hauses schimpfen. Dann wird die Tür ruckartig aufgerissen und ein kleiner Hobbit mit weißem Hemd, braunen Hosenträgern, großen behaarten Füßen und zerstrubbelten Haaren schaut mich verdutzt an. Warmes Licht scheint auf mein Gesicht und ich gehe ein wenig in die Knie, um mit ihm auf einer Augenhöhe zu sein. „Hallo mein Name ist Glaur. Bin ich hier richtig bei Bilbo Beutlin?“, stelle ich mich vor und werfe einen Blick auf das Klingelschild, um mir ganz sicher zu sein, dass ich seinen Namen richtig ausgesprochen habe. Einige Sekunden starrt er mich an. „Ähm ja. Entschuldige, komm doch rein.“ Ich ziehe den Kopf ein wenig ein und betrete das winzige Heim. „Sehr gemütlich.“, sage ich zu Bilbo. Der scheint sich über das Kompliment zu freuen, doch laute Geräusche lassen seine Mundwinkel schlagartig wieder nach unten hängen. Ich drehe mich um und mir klappt sofort die Kinnlade herunter. Zwerge, wo man auch hinsieht überall Zwerge, die Schüsseln tragen, Pfeife rauchen und Blödsinn machen. Ich zähle bisher 12, aber ich glaube, das sind mehr als genung und mittendrin ein kleiner Hobbit, der klägliche Versuche aufbringt, ihnen seine Vorräte wegzunehmen. Ich fange an zu verstehen warum Bilbo am Verzweifeln ist. Unsicher gehe ich in Richtung Esszimmer und wäre beinahe über eine niedrige Stufe gestolpert. Da erblicke ich einen alten Bekannten. Gandalf der Graue steht neben einem Tisch, raucht eine Pfeife und beobachtet das muntere Treiben mit einem verschmitzten Grinsen. Jetzt erkennt er mich. „Glaur, wie schön, dass du her gefunden hast.“, begrüßt er mich und stößt eine kleine Rauchwolke aus. „Nun ja, es war nicht wirklich leicht, deine unübersehbare Rune zu finden. Aber hier her zu kommen war noch nicht das Abenteuer was du meintest, nicht war?“, antworte ich und erwidere das Lächeln. „Oh nein, das Abenteuer liegt noch direkt vor uns.“ „Schön. Aber jetzt sag mir, wer sind diese Zwerge?“ „Oh das sind unsere Reisegefährten. Fili, Kili, Dwalin, Balin, Oin, Gloin, Bifur, Bofur, Bombur, Nori, Ori und Dori. Aber einer fehlt noch.“, erklärt Gandalf mir geheimnisvoll. Ich weiß nicht ob alle Zauberer solche Geheimniskrämer sind, aber Gandalf ist auf jeden Fall einer. Ich nicke und gehe zögernd zum Tisch, welcher sich unter den Speisen und vor allem dem Bier, bereits biegt. Ich setze mich zu zwei jungen Zwergen, die sich als Kili und Fili vorstellen. Wir verstehen uns sofort und mir fällt auf, das Fili eindeutig Interesse an mir hat und ich kann nicht sagen, dass er schlecht aussieht, aber irgendwie…, kennt ihr das wenn ihr jemanden seht und sofort wisst, das wird euer bester Kumpel, so ist das bei uns auch ungefähr. Außerdem macht er einen netten und lustigen Eindruck. Er hat blonde Haare und seine Augen strahlen in einem sanften blau. Auch mit den anderen Zwergen komme ich gut klar, na gut mal abgesehen von Dwalin, der offensichtlich dauer-mies-gelaunt ist. Allerdings kann Bilbo einem wirklich leidtun, denn er schafft es einfach nicht gegen die Zwerge anzukommen. Er bemüht sich die ganze Zeit darum, seine Speisen zu verteidigen. Doch Erfolg scheint er dabei nicht zu haben. Als die Zwerge dann noch ihr Aufräumspiel anfangen, bei dem ich mich lieber nicht beteilige, reißen beim ihm offensichtlich die Geduldsfäden. Wie einstudiert werfen sie sich das Geschirr zu und schmeißen es dann geschickt zu einem anderen Zwerg. Nebenbei singen sie ein heiteres Lied, welches mir ein breites Grinsen auf das Gesicht zaubert. Die Zwerge sind wirklich eine lustige Versammlung. Vorrausgesetz man hat sich erst einmal an sie gewöhnt. Doch Bilbo will sich anscheinend nicht an sie gewöhnen, denn er rennt weiterhin verzweifelt hinter dem alten Porzellan her und auch das edle Silberbesteck gerät in die Hände der Zwerge. Zwar ist ihre Methode nicht gerade sicher, aber am Ende stehen Teller, Schüsseln, Becher und Besteck schön ordentlich auf dem Tisch. Die Zwerge und Gandalf stehen drum herum und lachen. Ich halte mich etwas im Hintergrund, wo ich nicht auffalle. Kann er den Zwergen wirklich böse sein? Immerhin haben sie ihm einen ganzen Berg Arbeit erspart. Sie haben ihm zwar auch erst einen ganzen Berg Arbeit gemacht, aber das lasse ich jetzt einfach außen vor. Allerdings ist Bilbo das Ergebnis egal, ihm geht es offensichtlich ums Prinzip. Gerade will er los schimpfen, als es plötzlich an der Tür klopft. Die Zwerge verstummen auf einen Schlag und Gandalf sagt geheimnisvoll: „Er ist da.“ „Wer ist da?“, frage ich verwundert in die Runde. Bilbo geht mit einer Miene wie drei-Tage-Regenwetter zur Tür und öffnet sie missmutig. Herein kommt ein Zwerg der eine königliche Aura ausstrahlt. Seine langen schwarzen Haare hängen ihm verwegen ins Gesicht und sein harter Blick aus den eisblauen Augen streift wachsam über die Zwerge, Bilbo und Gandalf und bleibt dann kurz an mir hängen. Es kostet mich einige Mühe diesem Blick Stand zu halten. „Sagtest du nicht es sei leicht hierher zu finden, Gandalf? Ich habe mich verirrt, zweimal.“, begrüßt er Gandalf ruhig. „Nun ja, also...“, druckst Gandalf herum. „Wer ist das?“, fragt Bilbo mich und ich zucke nur mit den Schultern, denn ich habe diesen Zwerg noch nie im Leben gesehen. Um genau zu sein habe ich vor heute überhaupt noch gar keinen Zwerg gesehen. „Das ist unser Anführer, Thorin Eichenschild.“, meint der Zauberer aus tiefstem Enthusiasmus. Thorin Eichenschild, Sohn von Thrain und rechtmäßiger König unter dem Berge. Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn mal wirklich sehen würde. Und jetzt wird er sogar unser Anführer. Wow, welche Ehre. Zuhause haben die Dorfältesten immer wieder von der Schlacht von Moria, dem Drachen Smaug, dem verlorenen Erebor und vor allem der Prophezeiung, dass der König unter dem Berge zurückkehren würde, erzählt. Wir gehen ins Esszimmer zurück und nehmen an dem großen Tisch Platz. Ich setzte mich zwischen Kili und Gandalf. „Und wer seid ihr beide? Ich kann mich nicht entsinnen eine Elbin eingeladen zu haben. Oder einen Hobbit.“, will Thorin von mir und Bilbo wissen. Das Wort Elbin zischt er förmlich, als hätte jeder Elb von ganz Mittelerde ihm persönlich vor die Füße gespuckt. „Mein Name ist Glaur, Gandalf bat mich her. Er sagte ich könnte euch bei eurer Expedition hefen.“, kläre ich ihn mit heller Stimme auf. Den misstrauischen Klang in Thorin´s Stimme ignoriere ich einfach. „Und ich bin Bilbo. Bilbo Beutlin und dies ist mein Haus.“, meint Bilbo verdrossen und macht eine ausladene Bewegung, um seinen Satz zu verdeutlichen. „Gandalf, ich bat dich wertvolle Mitglieder zu finden und nicht, dass du dir Hobbits und Elben raussuchst und dann auch noch eine Frau.“, wendet er sich an den Zauberer. Und wieder lässt er mich den Eindruck haben, dass er Elben abgrundtief hasst. Jetzt reicht es mir aber. Seine sexistischen Bemerkungen kann er sich klemmen. „Was dagegen?“, frage ich hitzig. Langsam wendet er sich wieder mir zu und mustert mich bedrohlich, jedoch ohne ein Wort zu sagen. Was hat er nur gegen uns. Ist es etwa IMMER NOCH wegen der Schlacht von Moria, als Thranduil ihn im Stich gelassen hat? Da kann ich ja wohl nichts für. Ich lausche wieder Gandalf´s Worten. „Nun ich habe durchaus Vertrauen in die beiden. Glaur ist eine gute Kriegerin und Bilbo kann als ein Hobbit an jeder Gefahr vorbei, wie du weißt sind Hobbits sehr geschickt. Er kann an Smaug vorbei schleichen ohne gesehen zu werden.“, verteidigt Gandalf seine Entscheidung, auch wenn er nicht wissen kann, wie ich kämpfe, da ich ihn erst seit gestern kenne. „Glaur welche Waffen führst du?“, fragt Thorin mich nun prüfend. „Nun meist kämpfe ich mit Pfeil und Bogen, doch ich beherrsche auch die Schwertkunst und mit Dolchen komme ich ebenfalls gut zurecht.“, beantworte ich die Frage ohne zu zögern. Zwar funkeln seine Augen immer noch bedrohlich, aber meine Antwort scheint ihm zu genügen. Fili stößt mich freundschaftlich mit dem Ellenbogen an und grinst. „Kennst du Thorin?“, will ich von dem blonden Zwerg wissen. „Na klar, Thorin ist unser Onkel.“, lautet die prompte Antwort. „Von euch allen.“, frage ich erstaunt nach.„Nein nur von Kili und mir.“, lacht Fili und ich atme ein wenig auf. Das wäre sonst ein ziemlich langer Stammbaum gewesen, wer hätte da bitte schön noch Überblick. „Wer ist Smaug?“ Bilbos Stimme zittert leicht. „Ein Drache, den niemand seit 60 Jahren mehr gesehen hat. Er bewacht den Erebor. Und den wollen wir uns zurückholen!“, erklärt Thorin knapp. Bilbo weitet entsetzt die Augen, sagt aber nichts mehr. Auch ich komme aus dem Staunen nicht mehr hinaus. Jahrelang habe ich mich gefragt, wann die Zwerge den einsamen Berg zurückerobern wollen und jetzt werde ich mich dieser Expedition sogar anschließen dürfen. „Gebt ihnen den Vertrag“, ordnet Thorin nun an. Balin, ein alter, weißhaariger Zwerg, nickt und holt ein Stück Papier ans Licht. Er überreicht es mir und ich falte es auseinander. Dazu erhalte ich von Ori eine Feder und ein Tintenfässchen. Ich überfliege es schnell. Dann setze ich in geschwungener Schrift meine Unterschrift auf das Pergament. Thorin sieht mich erstaunt an und Gandalf lächelt nur wissend. Ich gebe den Vertrag an Bilbo weiter der ihn sich gründlich durchliest. „Gewinnbeteiligung maximal ein vierzehntel des Gesamtprofits. Ja klingt angemessen.“, murmelt er vor sich hin. „Ist im Grunde nur das übliche: Zusammenfassung der Reisekosten, Arbeitszeiten, Vergütung, Begräbniskosten und so weiter.“, meint Balin und Bilbo sieht entsetzt von dem Pergament auf. „Begräbniskosten also, interessant.“, brabbelt er vor sich hin und liest weiter: „Die Unterzeichner sind nicht haftbar für zugeführte, sich aus dem Verlauf ergebenen Verletzungen, einschließlich aber nicht ausschließlich Platzwunden, Ausweidung oder VERBRENNUNGEN!“, seine Stimme steigert sich zu einem hysterischen Stottern. Es scheint ihm nicht gut zu gehen. Ich hätte vielleicht den Vertrag auch lesen sollen. Aber dafür ist es nun zu spät, zumindest für mich. „Alles in Ordnung Bilbo?“, frage ich ihn vorsichtig. „ Jaja passt schon, muss nur kurz überlegen.“ „Stell dir einen geflügelten Schmelzofen vor. Ein grelles Licht, ein glühender Schmerz und puff, schon ist man nur noch ein Häufchen Asche.“ Toll, Bofur´s Beschreibung machte ihm offensichtlich wenig Mut. Ich klatsche mir die Hand vor die Stirn. Sind Zwerge immer so direkt? „Sag mal Bofur, war das nötig?“, frage ich ihn leise. Der Zweg zuckt mit den Schultern. „Er wollte es wissen“ Der Hobbit wird auf einmal ganz blass. „Bilbo?“, frage ich ihn noch einmal. Als Antwort kommt nur ein knappes: „Nö!“ und schon liegt der Hobbit auf dem grünen Teppich. „Autsch“, kommentiere ich. Gandalf versucht Bilbo wiederzubeleben, während Thorin noch einige Einzelheiten klärt. Von dem Zauberer erhält Thorin einen Schlüssel, der angeblich eine Geheimtür zum Erebor öffnen soll. Wie gesagt, angeblich. Mit dem ganzen magischen Dingen habe ich nichts am Hut. Jetzt sitzt der Hobbit mit einer Tasse Tee am Kamin in seinem Lesesessel und Gandalf gibt sich alle Mühe ihn doch noch zu dieser Reise zu überreden, doch er beißt anscheinend auf Granit. Dank Bofurs wundervollen Einblicks haben wir ihn nun komplett verloren, ehe er überhaupt dazu gehört hat. Naja, ist vielleicht auch besser, ein Hobbit ist nicht unbedingt für die Wildnis geschaffen. Andererseits wäre diese Expedition eine Chance, wie er sie nie wieder bekommen würde. Während ich mir noch darüber Gedanken mache, stimmen die Zwerge ein Lied an. Nicht fröhlich und unbeschwert, sondern traurig und wehmütig und doch wunderschön. Die Legende des Erebor´s wurde in einem Lied verewigt und die klaren Stimmen der Zwerge hallen durch die Nacht.
    Mitten in der Nacht, der Hobbit hat es inzwischen in sein Bett geschafft, will Thorin bereits aufbrechen, jedoch ohne Bilbo. Der Zauberer legt den Vertrag neben den schlafenden Hobbit, falls er es sich anders überlegt. Als wir dann das Haus verlassen, staune ich nicht schlecht: 16 Ponys stehen neben Ardamir und mein Pferd schaut etwas verloren zwischen seinen kleinen Verwandten umher. Vermutlich hat Thorin sie mitgebracht. Dieser fragt gerade in die Runde: „Wem gehört dieser Hengst?“ „Mir, ich bin auf ihm hierher gelangt.“, antworte ich ihm. „Gut, dann nehmen wir die übrigen Ponys als Packtiere.“ Ich nicke nur, steige auf und rage nun knapp einen Meter über den Zwergen. „Wie ist die Luft da oben?“, fragt Fili mich scherzhaft. „Hmm,“ antworte ich, „Etwas dünner als bei dir schätze ich.“, erwidere ich und zaubere mit dieser Antwort ein Grinsen auf sein Gesicht. Dann reiten wir im Gänsemarsch los. Zuerst Thorin, dann Gandalf, ich, Fili, Kili, Ori, Nori, Bifur, Dori, Gloin, Bofur, Oin, Dwalin, Balin und am Schluss schnauft Bombur´s Pony hinter uns her. Ardamir läuft etwas nervös dem Zauberer hinterher. Dies ist wahrscheinlich auch seine erste Begegnung mit Zwergen. Beruhigend streichele ich sanft seinen Hals und er beruhigt sich ein wenig. Im Mondlicht suchen wir einen Weg aus dem Auenland. Ich versuche so wenig Lärm wie möglich zu machen, denn die Hobbits fänden es bestimmt nicht so toll, wenn ihr Schönheitsschlaf gestört würde. Von dem sie, ganz nebenbei bemerkt, ganz schön viel brauchen. Und was ich mich schon die ganze Zeit frage ist, warum sie so große behaarte Füße haben? Haben die noch nie etwas von Schuhen gehört? „Weiß jemand wo wir sind“, ruft Ori von hinten. „Wir sind gleich raus aus dem Auenland.“, erwidere ich etwas leiser. Thorin lässt sich zu Gandalf zurückfallen und nun reite ich direkt hinter ihm. Er unterhält sich leise mit dem Zauberer, ich verstehe nur wenige Fetzen des Gesprächs. Doch einzelne Wörter sind unverkennbar, wie 'Orks', 'Erebor' oder 'Verfolgung'. Glauben sie etwa, dass die Orks uns verfolgen oder noch schlimmer, bereits eine Falle gebaut haben? Ach, was mach ich mir überhaupt Sorgen, wir haben schließlich Gandalf, 13 Zwerge die kämpfen können und natürlich meine Wenigkeit. Ich drehe mich zu Kili und Fili um, die hinter mir reiten und ebenfalls die Köpfe zusammengesteckt haben. „Glaubt ihr das Bilbo noch kommt?“, will ich in Erfahrung bringen. Die beiden sehen sich an. „Nö.“, antworten sie dann im Chor. „Ich weiß nicht wieso aber ich glaube schon. Es muss schon öde sein, immer am selben Ort zu sein. Ich an seiner Stelle würde sofort mitkommen.“ „Aber du bist auch anders als Bilbo.“, meint Fili. „Ach und wie bin ich?“, frage ich ihn mit zusammengekniffenen Augen. So, jetzt bin ich mal gespannt was jetzt kommt. „Du bist mutiger, hübscher, klüger, süßer, besser im Kämpfen, bist kein Angsthase und...hatte ich süßer schon gesagt?“ Er zwinkert mir zu und Kili hält sich den Bauch vor Lachen. Ich schüttele grinsend den Kopf und konzentriere mich wieder auf den Weg vor uns. Schweigend verlassen wir das Auenland und als die Sonne aufgeht erreichen wir ein kleines Wäldchen. Einige Zwerge, unter anderem Bombur, Gloin, Dori und Nori, sind auf dem Rücken ihres Ponys eingeschlafen, auch wenn ich nicht verstehe wieso. Ich nicht, ich bin viel zu aufgeregt zum Schlafen und ich wundere mich schon die ganze Zeit woher die anderen diese Müdigkeit haben. Ich für meinen Teil bin so wach, ich könnte gerade Bäume ausreißen. Thorin und Gandalf sind ebenfalls noch wach. „Ich habe gehört, dass du glaubst der Hobbit kommt noch.“, fängt Thorin auf einmal ein Gespräch mit mir an. Ich sehe leicht überrascht zu ihm herunter. „Ja, sein Leben muss doch langweilig sein. Das hier ist seine Chance etwas Aufregendes zu erleben. Ich glaube er wird kommen, wetten wir.“, fordere ich den Anführer heraus. „Es gilt.“, brummelt er nur und treibt sein Pony wieder nach vorne. Auch mit einigen anderen schließe ich Wetten ab, denn außer Gandalf, Balin und mir glaubt niemand, dass der Hobbit noch kommt. Ich spitze meine Elbenohren und höre hastige Schritte. Entweder ich hatte Recht und Bilbo rennt uns wie ein wild gewordener Hase hinterher oder wir werden verfolgt. Bitte, große Valar, macht dass es Bilbo ist, ich glaub ich hab nicht so viel Geld. Zum Glück kann ich die Verfolgungstheorie ausschließen, denn schon bald hören wir die Rufe des Hobbits. „Wartet! Wartet auf mich!“ Ardamir bleibt stehen und ich schaue nach hinten, wo der kleine Hobbit durch das Unterholz gepoltert kommt. Erleichtert atme ich auf, das kann meinem Geldbeutel nur gut tun. „Ich habe unterschrieben!“, ruft Bilbo Balin zu und überreicht ihm stolz den Vertrag. Der weißhaarige Zwerg prüft rasch die Unterschrift, nickt und Dori holt dem Hobbit ein Pony. Ich grinse in mich hinein. So mit wem hab ich noch alles gewettet. Thorin, Kili, Fili, Bombor, Oin, Gloin und Nori. Ja, das sind alle. Thorin wirft mir als erstes ein klimperndes Ledersäckchen zu. Lächelnd fange ich es und stecke es in meine Tasche. Die anderen schmeißen mir ebenfalls Säckchen zu, mehr oder weniger freiwillig. Auch unter den anderen Zwergen fliegen die Münzen und Bilbo der etwas schief auf seinem braunen Pony hockt, schaut beleidigt drein. „Haben wirklich so viele geglaubt ich komme nicht?“, fragt er mich. „Ja und danke, dass du es doch getan hast, sonst wäre ich jetzt pleite.“, lache ich. Auf einmal wirft sein Pferdchen den Kopf nach oben und sein Reiter obendrauf fällt vor Schreck beinahe runter. Schnell beuge ich mich zu ihm herunter und halte ihn fest, denn sonst wäre er todsicher gefallen. Wenn wir das hier überleben, gebe ich ihm mal Reitstunden. „Hey, wartet mal. Wir müssen umkehren.“, schreit er plötzlich und bringt mühevoll sein Pony zum Stehen. Verzweifelt durchsucht er seine Taschen. „Was ist los?“, fragt Gandalf verwirrt. „Ich habe mein Taschentuch vergessen!“ Ich klatsche mir die Hand vor die Stirn. Wie will er den Erebor zurückerobern, wenn er nicht mal ohne sein Taschentuch auskommt? „Hier“, ruft Bofur, „Nimm das.“ Er wirft ihm einen braunen Stofffetzen zu. Die Zwerge lachen schallend und auch ich kann mir ein kichern nicht verkneifen. Abschätzig beäugt Bilbo das 'Taschentuch' und steckt es schließlich ein. Thorin drängt uns weiter und wir traben einen kleinen Fluss entlang. Ich lasse mich zurückfallen und unterhalte mich mit Kili und Fili, denn mit den beiden verstehe ich mich immer noch am besten. Und Fili´s Flirtversuche sind eigentlich auch ganz lustig. So reiten wir über windige Ebenen, durch dunkle Wälder und über ein wunderschönes Meer aus Blumen und Kräutern. Auch als es schon dunkel ist, will Thorin noch immer keine Rast einlegen. Ich rede am besten mal mit ihm, sonst schlafen die Ponys noch im Laufen ein. Ich treibe Ardamir, unter großem Protest, zu einem kurzen Galopp an die Spitze des Zuges an. „Thorin.“, rufe ich ihm zu. „Findest du nicht wir sollten ein Lager für die Nacht suchen?“ Ich schaue ihn mit meinem Blick an, der kein Nein als Antwort duldet. Kurz sieht es so aus als ob er widersprechen wollte, aber er besinnt sich, denn diskutieren mit mir, hat eigentlich keinen Sinn. „Ja wir sollten eine geschützte Stelle suchen.“, erwidert er und sieht sich suchend um. „Dahinten.“, schlage ich vor und deute auf eine heruntergekommene Ruine an einem Hügel. „Sieht sicher aus.“, meint er nach einem prüfenden Blick auf das Gemäuer. „Haltet noch ein bisschen durch, wir rasten dort oben.“, ruft er laut .Das scheint allen wieder Kraft zu geben und als wir nach einem kurzen Marsch oben angekommen sind, lassen sich alle erschöpft nieder. Ich bleibe noch ein wenig bei Ardamir, nehme ihm den Sattel ab und streichle ihn über den schwitzenden Rücken. Der treue Hengst schmiegt sich sanft an meine Schulter. „Gute Nacht Ardamir“, hauche ich und gehe in das Innere der Ruine, wo sich die Zwerge in kleinen Grüppchen um drei Lagerfeuer gescharrt haben. Kili und Fili machen sich gerade einen Spaß daraus, Bilbo mit Orkangriffen aufzuziehen. Ich setze mich zu ihnen und will sie gerade in die Schranken weisen, aber Thorin kommt mir zuvor: „Haltet ihr beide einen Orkangriff etwa für lustig?“, fragt er sie schneidend. Betreten schauen die jungen Zwerge zu Boden. „Tut uns leid, wir haben nicht nachgedacht.“, entschuldigt sich Kili aufrichtig. „Ihr beide wisst nichts von der Welt und ihren Gefahren. Ich will nie wieder hören, wie ihr euch über einen Angriff, egal ob von Ork oder sonst jemandem, lustig macht.“, schimpft er auf sie, woraufhin die beiden Brüder, zum ersten Mal seit ich sie kenne, schweigen. Balin erzählt dass niemand so viel Grund hat Orks zu hassen wie Thorin. Er erzählt uns von der Schlacht von Moria. Ich kenne die Geschichte bereits und schaue besorgt zu unserem Anführer, der an einer Felskante steht und zu den Sternen hinauf blickt. Ich stehe auf und gehe zu ihm. „Wie geht es dir? Ich weiß wie das ist, wenn man alles verliert.“ Überrascht schaut er mich an. „Als ich klein war, haben Orks unser Dorf überfallen. Mein Vater und meine Mutter wurden getötet, aber Lanadriel hat mich gerettet und aufgezogen. Du hast dein Zuhause verloren, aber wir werden es zurückholen“, verspreche ich ihm, doch sein Blick bleibt unergründlich. „Du weißt nicht wie ich mich fühle, du hast dein Zuhause und diese Landadriel. Du weißt nicht wie das ist, wenn man verloren ist, wenn man kein Heim hat!“, erwidert er schroff. „Du bist nicht verloren, du hast die Zwerge, Bilbo, Gandalf und mich. Und wir werden dich nicht im Stich lassen. Und wir werden den Erebor zurückholen und dann hast du eine Heimat!“, ermutige ich ihn und lege ihm eine Hand auf die Schulter. Er sieht mich an und in seinen Augen schimmert Hoffnung. Ich lächele ihn an und als wir uns ganz umdrehen, stehen die Zwerge hinter uns und nicken zustimmend. Ich gehe zurück zu Kili, Fili, Balin und Bilbo, die die Szene aus dem Hintergrund beobachtet haben. Wir unterhalten uns noch ein wenig und als wir uns gerade schlafen legen wollen, teilt Thorin Kili für die Nachtwache ein. Der Arme, Nachtwache halten stelle ich mir schrecklich vor. Gemeinsam mit Bilbo und Fili, Balin hat sich vor kurzem zu Dwalin begeben, lege ich mich an die angenehm warme Feuerstelle, in der noch einige Funken glühen. Zuerst habe ich das Gefühl ich würde keinen Schlaf mehr finden und ich bin schon am Überlegen, ob ich mich zu Kili gesellen sollte, da übermannt mich urplötzlich der Schlaf. Am nächsten Morgen wache ich als erstes auf und bemerke wie Kili, der Wache halten sollte, auf einem Felsen eingenickt ist. „Kili! Hey Kili, wach auf.“, flüstere ich eindringlich und rüttele ihn an der Schulter. Verschlafen blinzelt der Zwerg in die aufgehende Sonne, die den Himmle in ein sanftes Morgenrot taucht. „Was is´n passiert?“, nuschelt er müde. „Du bist während des Wachdienstes eingeschlafen.“, informiere ich ihn. Der junge Zwerg reißt entsetzt die Augen auf. „Was! Bitte sag Thorin nichts davon“, fleht er mich, auf einmal hellwach, an. „Hey, wenn ich wollte, dass du auffliegst, hätte ich dich einfach schlafen lassen können.“, lache ich. „Was ist hier los?“, fragt Thorin, der auf einmal
    hinter uns steht. Ich erstarre für wenige Sekunden. „Bist du etwa eingeschlafen Kili?“, verlangt er zu wissen. Der Zwerg öffnet den Mund, doch kein Wort kommt ihm über die Lippen. „Nein, ich hab ihn abgelöst, vor etwa zwei Stunden.“, springe ich schnell ein und bete das Kili mitspielt. „Ja, genauso war es.“, stammelt Kili überrascht. Bei den Valár, Kili ist der schlechteste Lügner, dem ich je begegnet bin. Thorin ist es anzusehen, dass er uns kein Wort glaubt, er zieht eine Augenbraue hoch, belässt es jedoch dabei. „Nun gut, weckt die anderen, wir brechen auf.“, meint er nur und geht wieder weg. Ich bin ehrlich gesagt überrascht, dass unser Anführer nichts gesagt hat, aber ich denke nicht weiter darüber nach. „Danke, das wäre beinahe schiefgegangen.“, seufzt Kili erleichtert. „Gern geschehen.“, antworte ich mit einem Grinsen und wecke Fili, der natürlich gleich wieder einen Spruch parat hat: „Wow, das muss heute ein toller Tag werden, wenn ich von solch Schönheit geweckt werde.“ Ich lächele einfach nur in mich hinein und gehe zum nächsten Zwerg. Nachdem endlich alle wach und mit Frühstücken fertig sind, was sich vor allem auf Bombur bezieht, geht es endlich weiter Richtung Erebor. Heute reite ich neben Oin und Bofur, mit denen ich mich nett unterhalte. Gegen Mittag fängt es auf einmal an aus Kübeln zu gießen. Meine Kleidung klebt mir unangenehm nass am Körper, meine Haare hängen mir in dunklen Strähnen ins Gesicht und auch Ardamir scheint von den kalten Tropfen nicht begeistert zu sein. Immer wieder schüttelt er den Kopf und auch ich wäre jetzt lieber trocken. „Herr Gandalf, könnt Ihr denn nichts gegen den Regen tun?“, fragt Ori höflich. „Nun, Meister Zwerg, es regnet und es wird weiter regnen bis es aufhört zu regnen. Wenn Ihr den Regen stoppen wollt, so müsst Ihr Euch an einen anderen Zauberer wenden.“, erwidert der Graue. „Gibt es denn noch mehr Zauberer?“, will ich von Gandalf wissen. „Nun es gibt fünf. Der mächtigste unter uns ist Saruman, der Weiße, dann gibt es noch zwei weitere Graue...deren Namen ich allerdings vergessen habe. Und dann ist da noch Radagast der Braune.“ „Und dieser Radagast, ist er sehr mächtig?“, quetsche ich ihn weiter aus. „Nun ich persönlich halte ihn für sehr mächtig, auf seine Art. Er meidet die Menschen, seine Gesellschaft besteht mehr aus den Tieren des Waldes, indem er wohnt.“, Gandalf beantwortet jede Frage geduldig, den bringt echt nichts aus der Ruhe. Ich nicke und lasse mich wieder ein wenig zurückfallen. Bofur versucht derzeit bei strömendem Regen seine Pfeife wieder anzuzünden. Das ist ja nicht mit anzusehen. „Du weißt schon, das Wasser Feuer löscht!“, sage ich zu ihm und ziehe eine Augenbraue hoch, als er nur verdattert zwischen mir und der Pfeife hin und her schaut. Ich verdrehe die Augen und reite stumm inmitten eines Zuges aus Zwergen, die anscheinend alle keine Ahnung von Wasser und seinen Wirkungen haben. Ohne Zwischenfälle erreichen wir am Mittag, es ist endlich wieder etwas aufgeklart, eine abgebrannte Bauernhütte zum Übernachten. Wer hier wohl gelebt hat? Die Hütte ist eigentlich nur noch eine schwarze Ruine, das
    eingefallene Dach, drei Stützpfeiler und heruntergefallene Ziegel sind übrig. Und eine dunkle Erinnerung an schlimme Zeiten. Mir fährt ein leichter Schauer über den Rücken und obwohl es relativ warm ist, beginne ich zu frösteln. „Glaur, alles in Ordnung?“, fragt Fili mich auf einmal und ich zucke ein wenig zusammen. „Ja, ich habe nur nachgedacht.“, antworte ich ihm und er kommt zu mir und sieht sich mit gerunzelter Stirn um. „Ein düsterer Ort.“, spricht er meine Gedanken aus. Ich nicke einfach nur. Gemeinsam gehen wir zu den anderen zurück und helfen beim Abladen der Ponys. Während ich die Schnalle von Ardamir´s Sattel löse, lausche ich heimlich dem Streit zwischen Thorin und Gandalf. Thorin warum willst du den nicht, dass wir die Elben besuchen, frage ich ihn in Gedanken. Nur weil die Waldelben euch im Stich gelassen haben? Das ist doch kein Grund, nicht alle Elben sind gleich. Doch plötzlich scheint Gandalf aufzugeben. Wutentbrannt rauscht er auf sein Pferd zu. „Gandalf was ist los?“, frage ich ihn scheinheilig. „Ich suche die Gesellschaft der einzigen Person auf, die hier noch bei klarem Verstand ist!“, schimpft er. „Und wer ist das?“, will Bilbo wissen. „Ich! Das waren genug Zwerge für einen Tag.“, meckert der Zauberer und wir sehen ihn geschockt und verwirrt an, als er ohne ein weiteres Wort davon prescht. „Also gut, das war jetzt unerwartet.“, meine ich noch immer verblüfft. „Wann kommt er wieder? Er kommt doch wieder, oder?“, verlangt Bilbo zu wissen. Darauf weiß ich keine Antwort und auch die anderen gucken ratlos aus der Wäsche. Auf Thorin´s Befehl hin packt Bombur seine Kochkünste aus und wir anderen kümmern uns weiter um die Ponys. Nach getaner Arbeit setzten wir uns um ein kleines Feuer, über dem ein Kessel hängt. Bofur verteilt gerechte Portionen, während Bombur versucht immer mehr abzustauben. Mir reicht jedoch eine Schüssel. Die Suppe schmeckt zwar eigentlich nicht schlecht, doch ich habe keinen besonders großen Hunger. Außerdem möchte ich sowieso nicht irgendwie herausfinden was da drinnen ist, denn dann würde ich mich vermutlich übergeben müssen.

    2
    Die Ponys stehen auf einer eingezäunten Fläche und werden von Kili und Fili bewacht. Warum muss eigentlich immer Kili irgendwas bewachen? Ardamir jedoch steht ganz in meiner Nähe, nicht dass ich den beiden jungen Zwergen nicht vertrauen würde, nur habe ich mein Pferd lieber selbst ein wenig im Auge. Bofur beauftragt Bilbo gerade damit zwei Schüsseln zu Kili und Fili zu bringen. Der dackelt sofort mit dem Essen in der Hand los und ich gehe zu Ardamir und gebe ihm einen Apfel, von denen ich mir einige aus Bilbo´s Haus mitgenommen habe. Genüsslich kaut der Fuchs darauf herum und schnaubt zufrieden. Ich spitze die Ohren und was ich da höre gefällt mir überhaupt nicht. Meine Augen weiten sich vor entsetzten und ich sprinte zu unserem Anführer, der stumm über Gandalf´s Karte hockt, um sie zu entschlüsseln. Als er mich kommen hört hebt er den Kopf, macht den Mund auf und will gerade losreden, als ich ihm zuvorkomme: „Thorin hier sind Trolle und sie haben die Ponys geklaut und Bilbo versucht sie
    zurückzuho...!“ Mehr muss ich nicht sagen. Thorin stürmt zu den anderen informiert sie kurz und knapp und schon haben sie alle Waffen in der Hand. Ich stehe noch immer da wo ich Thorin eben gewarnt habe, der Mund noch immer offen. Dann kommt Bewegung in meinen Körper. Auch ich schnappe mir meine Dolche und mein Langschwert. „Glaur, du kannst sie am besten hören, führe uns zu ihnen.“ Ich nicke und stürme los. Warte, hat Thorin mir gerade freiwillig die Führung überlassen? Egal das ist jetzt nebensächlich. Immer dem Geräusch der unüberhörbaren Trolle nach. Eigentlich ist es ein Wunder, dass die Zwerge die Trolle nicht hören, so laut wie die sind. „Leise, wir sind gleich da.“, flüstere ich den anderen zu und wir schleichen weiter. Ein Strauch mit großen Blättern verdeckt uns die Sicht und als Thorin ihn zur Seite schiebt, erstarren wir. Einer der Trolle hält Bilbo kopfüber über einen Kessel und hält ihn offenbar für ein übergroßes Eichhörnchen. Fili und Kili stehen nur wenige Meter von uns entfernt. Fili erkennt uns und läuft geduckt zu uns. Kili jedoch springt auf die Lichtung und ruft laut: „Lasst ihn runter.“, er schwenkt bedrohlich sein Schwert. Der Troll schaut ihn lange an, grinst dämlich und wirft Bilbo auf Kili, der ihn mehr oder weniger elegant auffängt, wobei der Hobbit ihn glatt umhaut. Thorin nickt und ich stürme an seiner Seite aus dem Gebüsch. Die anderen Zwerge folgen uns mit lautem Gebrüll. Die Trolle gucken noch blöd, bis sie schnallen, dass wir sie angreifen. Ich ziehe mein Schwert und ramme es in den großen Zeh eines Trolles, der laut aufschreit. Ohne Rücksicht zu nehmen attackiere ich ihn immer weiter, zerschneide seine faltige, hellbraune Haut an den Beinen und lasse ihn kreischen. „Bilbo, die Ponys!“, rufe ich dem Hobbit zu, der sich ohne Waffen ein wenig verloren vorkommt und anscheinend nicht weiß was er tun soll. Er nickt und macht sich an die Arbeit. Ich sehe noch, wie er einen Stab mit Metallspitze greift und ein Seil zersägt, um die Ponys zu befreien. Plötzlich schließt sich eine riesige Hand um mein rechtes Bein und ich baumele auf einmal in der Luft und schaue in das auf dem Kopf stehende, böse grinsende Gesicht eines Trolles. Ich schreie auf als er seinen Mund öffnet um mich zu verspeisen, ich rieche seinen stinkenden Atem und will schon die Augen schließen, als er aufschreit und mich fallen lässt. Ich drehe mich im Fall und lande geschickt auf den Beinen. Ich sehe mich um und erblicke Fili der sein Schwert in den Arm des Trolles geschleudert hatte, sodass er mich loslassen musste. „Danke, das wäre kein schönes Ende geworden.“ „Keine Sorge, ich passe auf, das dir nichts passiert.“, verspricht er mir. Ich will gerade noch etwas sagen, aber Dwalin kommt mir dazwischen: „Flirten könnt ihr auch, wenn wir das überlebt haben!“, brüllt er und schwingt seinen Hammer. Er hat Recht, ich werfe Fili noch einen dankenden Blick zu und stürze mich wieder auf die Trolle. Der Troll, der mich beinahe gefressen hätte, zieht Fili´s Schwert aus seinem Arm und schleudert es vor seine Füße. Fili hebt es auf und auch er wirft sich wieder ins Getümmel. Gerade als ich gemeinsam mit Balin und Thorin einen dieser
    dreckigen Ungetüme umzingele, höre ich lautes Wiehern. Bilbo hat es geschafft, die Ponys sind befreit. Doch da sehe ich auch Ardamir, der auf mich zugerast kommt. Was macht mein Pferd hier, ich hätte schwören können ich hätte ihn angebunden. Er muss hier weg, sonst endet er noch als Troll-futter. Ich schwinge mich in vollem Galopp auf seinen Rücken, nehme Pfeil und Bogen zur Hand und schieße aus dem Hintergrund Pfeile auf die Trolle. Es scheint so als würden wir gewinnen, als plötzlich zwei der Trolle Bilbo an Armen und Beinen festhalten. Ich bringe Ardamir zum Stehen und mit den dunklen Bäumen hinter uns, fallen wir, den Valár sei Dank, nicht weiter auf. „Lasst die Waffen fallen, oder wir zerreißen ihn.“, lispelt einer von ihnen böse. Wenn Blicke töten könnten, würden die Trolle jetzt allesamt auf der Stelle umfallen. Die Zwerge funkeln sie wütend an und schmeißen frustriert die Waffen weg. Ich für meinen Teil, denke jedoch nicht daran, meine Waffen aufzugeben. Ardamir geht einige Schritte rückwärts, bis wir zwischen den Bäumen stehen. Die Trolle stecken die Zwerge in Säcke, doch manche hängen sie gleich an den Spieß. Zum Glück bemerken sie mich nicht. Ich wende Ardamir und reite leise einmal um die Lichtung, um meine Gefährten zu befreien. Mein Verschwinden ist sowohl den Zwergen als auch bei den Trollen aufgefallen, doch zum Glück suchen Bill, Bert und Tom, die Trolle, mich nicht. Stattdessen wollen sie die Zwerge gleich roh essen. „Wirklich? Die wollt ihr essen?“, ertönt da Bilbos zittrige Stimme. „Äh ja“, antwortet Bill verwirrt. „Da gibt es aber ein kleines Kochgeheimnis. Das müsst ihr machen, sonst schmecken die furchtbar.“ „Und welches Geheimnis soll das sein?“ „Nun ja.. ähm.. ihr müsst sie zuerst...“, druckst der Hobbit herum. „...häuten!“ Das scheint den Zwergen gar nicht zu gefallen. Lautstark protestieren sie dagegen. „Wenn wir das hier überleben, bring ich dich um!“, ruft Dwalin wütend. Auch von den anderen kommt sowas wie 'Verräter' oder 'das wird dir noch leidtun. „Das glaub ich dem da nicht.“, quengelt Tom, schnappt sich Bombur und will ihn schon fressen, als Bilbo noch eine Idee hat. „Den würde ich nicht essen. Der ist verseucht mit...Würmern.“ „Bääh“, spuckt Tom und wirft den schweren Bombur auf den Zwergenhaufen. Armer Kili, Bombur ist genau auf ihm gelandet. „Ja genau die sind alle infiziert.“, ruft Bilbo, der langsam etwas sicherer wird. Schon wieder Protest von den Zwergen. Haltet einfach den Mund, schnallt ihr den nicht das Bilbo euch gerade den Hintern rettet, schnauze ich sie in Gedanken zusammen. Mein Gott, ich dachte immer, in ihren Köpfen steckt ein Fünkchen Intelligenz, aber wenn jemand ihren Stolz verletzt, sind sie nicht zu halten.Thorin scheint es kapiert zu haben. Ein Tritt von ihm genügt und auf einmal behaupten alle sie hätten die dicksten Würmer, die es gibt. Wenigstens ein schlauer Zwerg in Mittelerde. Auf einmal geht ein Strahlen über mein Gesicht, da ich, genau wie Bilbo vermutlich, Gandalf gesehen habe, der sich im Unterholz anschleicht. „Haltet den Mund“, brüllt Bert, dass die Speichelfetzen nur so fliegen. Die Zwerge verstummen, aber hauptsächlich nur weil sie von dem ganzen Sabber angewidert sind. Auch ich verziehe das Gesicht, das ist einfach nur widerlich. „Wo ist Glaur?“, fragt Fili leise und besorgt in die Runde. „Keine Ahnung“, antworten die anderen. „Ich bin direkt hinter euch.“, flüstere ich. Die Zwerge drehen sich zu mir um und ich steige von Ardamir´s Rücken. „Ich konnte entkommen, als die Trolle sich auf euch konzentriert hatten.“, erkläre ich und schneide mit einem meiner Dolche Thorin´s Fesseln durch, was sich als ausgesprochen schwierig erweist. Doch schließlich entdecken die Trolle mich und wollen mich gerade packen als ich plötzlich Gandalf höre: „Der Tag soll euch treffen!“ Mein Lieblingszauberer steht auf einem Felsen und hinter ihm wird der Himmel schon hell. Also ich wusste ja, dass Trolle dumm sind, aber ihre Kommentare wie zum Beispiel: „ kann man den essen?“, sind nun echt total dämlich. Grelles Sonnenlicht trifft auf die Trolle, die sofort zu Stein werden. Leider sehen sie als Statuen nicht viel hübscher aus als lebendig. Aber immerhin nerven sie nicht mehr so viel und vor allem wollen sie uns jetzt nicht mehr fressen. Ich atme erleichtert auf und zerschneide rasch die Säcke. „Also ich hätte mir andere letzte Worte ausgesucht.“, kommentiere ich, als ich Bert direkt gegenüber stehe und in seine kleinen hässlichen Augen blicke. Gerade als alle Zwerge wieder auf den Beinen sind hören wir Gandalf, der die Höhle der Trolle gefunden hat. Ardamir bleibt ruhig vor der Höhle stehen und knabbert am Gras. Darin befinden sich Gold und Edelsteine aber auch ganz andere Schätze. In einer Ecke liegen Waffen, die mich förmlich anziehen. Auch Thorin gesellt sich zu mir und begutachtet die Schwerter. „Da sind elbische Runen eingraviert.“, murmele ich. Ich zeige es Gandalf, der das bestätigt. „Das sind Klingen, geschmiedet von den Hochelben des ersten Zeitalters. Eine bessere Waffe kann man sich nicht wünschen. „Aber wie kommen Trolle an Waffen von Elben?“, will Thorin wissen. „Wahrscheinlich haben sie auch schon Elben gefressen.“, vermute ich mit belegter Stimme. „Vielleicht. Kommt gehen wir.“, drängt Thorin uns und wir verlassen die Höhle. Draußen kundschaften wir schnell die Umgebung aus, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Ich erklimme geschmeidig einen hohen Baum um die Gegend zu überblicken. Was ich da sehe, raubt mir für einen Moment den Atem: Einen Schlitten, von Kaninchen gezogen mit einem etwas verrückt aussehendem Mann drauf. Ich klettere wieder nach unten und informiere Thorin. Schon zieht er sein Schwert und die anderen tun es ihm gleich. Ich nehme meinen Langbogen, lege einen Pfeil an und spanne den Bogen weit. Da kommen sie schon aus dem Gestrüpp, die Kaninchen mit dem Mann. Er ist etwas kleiner als Gandalf, trägt eine braune Hose, einen ebenfalls braunen Umhang und auf seinem Kopf sitzt eine Mütze. Er wirkt alt, seine Haare sind bereits mit grauen Strähnen durchzogen und seine blauen Augen huschen hektisch von einem zum anderen. Gandalf scheint ihn zu kennen, denn er begrüßt ihn sehr freundlich. „Radagast, mein alter Freund. Was tust du hier?“ Gandalf kennt ihn, na gut, dann kann er ja nicht so schlimm sein.
    Ich stecke den Pfeil zurück in den Köcher. Er stellt ihn uns als Radagast der Braune vor, allerdings wirkt er nicht wie ein Zauberer, sondern eher wie jemand, der nicht ganz klar im Kopf ist. „Etwas stimmt nicht, Gandalf! Etwas stimmt ganz und gar nicht!“ „Ja.“, sagt Gandalf gedehnt, als würde ihn das nicht weiter überraschen. Der Braune holt Luft und will gerade anfangen zu reden, doch anscheinend hat er es vergessen, denn er schließt den Mund wieder. Und noch einmal: Öffnen und wieder schließen. Ich befürchte, dass das noch etwas länger dauern könnte. „Ich...ähm…warte ich hab´s gleich...es liegt mir auf der Zunge.“, stottert er herum. „Ich hatte einen Gedanken, er lag mir schon auf der Zunge und dann war er weg.“ Ich lege die Stirn in Falten. Wenn dieser Mann so zerstreut ist, braucht er dann einen Führer um nach Hause zu kommen? Vielleicht sollte ich ihm meine Hilfe anbieten. „Oh es war gar kein Gedanke! Nur eine Stabschrecke.“, bemerkt er und öffnet den Mund. Auf seiner Zunge liegt ein Ast-ähnliches Tierchen, das sich kaum bewegt. Igitt. Angewidert schüttele ich den Kopf, als Gandalf das Tier aus Radagast´s Mund nimmt. „Ah ja, ich weiß es wieder. Der Grünwald ist krank! Eine dunkle Macht breitet sich aus.“ Sie reden noch über Spinnen und Dol Guldur, die verlassene Festung von der ich keine Ahnung habe und über...warte mal Spinnen! Oh bitte nicht. Spinnen hasse ich seit ich klein bin. Hoffentlich begegnen wir denen nicht. „Hey was war das?“, ruft Nori plötzlich. Er meint ein lautes Geräusch, das klingt wie eine Mischung zwischen Wolfsheulen und Bärengebrüll. „Warge.“, lautet Thorin´s grimmige Antwort.Sogleich tauchen sie auf, zum Glück nur zwei. Wir haben auch echt nie unsere Ruhe. Ich renne zu Ardamir, der noch immer vor der Höhle steht und nehme mein Schwert, das ich an seinem Sattel befestigt habe. Ich lasse das Schwert kreisen und als der Erste mich anspringt, stoße ich meine Waffe in sein Bein. Das Vieh geht zu Boden und Thorin schlägt sein Schwert in das Genick des Monsters. Der Zweite springt aus dem Gebüsch auf Thorin zu, doch Kili trifft ihn mit einem gut platzierten Pfeil und Dwalin haut ihm seinen Schlachthammer um die Ohren. „Da kommen noch mehr, wir sollten hier verschwinden.“, rufe ich. „Können wir nicht. Wir sind umzingelt. Und die Ponys sind durchgegangen“, schreit Ori panisch. „Ich werde sie ablenken! Dann könnt ihr verschwinden.“, schlägt Radagast vor. „Das sind Gundabart-Warge, wie willst du denen entkommen, mit deinen Kaninchen? Die werden dich zerfetzten bevor du den Wald verlassen kannst.“ Gandalf ist wieder mal viel zu realistisch. „Und das sind Rosscowel-Kaninchen! Die sollen es ruhig versuchen!“, verteidigt Radagast sich entrüstet. Er springt auf seinen Schlitten. „Ich werde ihm helfen. Mit Ardamir bin ich schneller.“, zu Gandalf flüstere ich noch leise: „Wir treffen uns in Bruchtal.“ Er nickt und ich springe elegant auf Ardamir´s Rücken. „Viel Glück.“, sagt Thorin noch. „Und pass auf dich auf.“, ergänzt Fili besorgt. Ich nicke und galoppiere neben Radagast aus dem Wald. Die Warge entdecken uns und rennen wie wild hinter uns her. „Trennen wir uns!“, rufe ich Radagast zu. Er stimmt zu und ich biege nach rechts ab. Dort werfe ich einen Blick über die Schulter und sehe die Zwerge, die geduckt über die freie Fläche laufen. Leider erblicke ich auch meine Verfolger, die stetig aufholen. „Lauf Ardamir, lauf!“ Etwa fünf Warge rennen hinter uns her. Ich gebe mein Bestes sie von den Zwergen fernzuhalten, doch Radagast kann da nicht so wählerisch sein. Plötzlich höre ich ein Jaulen und Winseln. Die Zwerge wurden gesehen! Die Orks brechen die Verfolgung auf mich ab, stürmen auf die Zwerge zu und umzingeln sie erneut. Verflucht, diese Zwerge kann man echt nicht alleine lassen. Ich wende Ardamir, ziehe mein Schwert und presche in vollem Galopp auf die Warge zu. Ich kenne die Gegend hier und hoffe, dass die Zwerge den Tunnel nach Bruchtal finden. Sie stehen eigentlich direkt darüber, das kann dann also nicht so schwer werden. Offenbar haben sie ihn tatsächlich gefunden, da sie einer nach dem anderen in ein Loch im Boden verschwinden. Am Horizont erkenne ich erleichtert, wie eine Patrouille der Elben aus Bruchtal angeritten kommen und ihre Bögen spannen. Ich helfe ihnen die Meute zu bekämpfen, ohne Rücksicht auf das Winseln zu nehmen, schneide ich ihnen weiter in das empfindliche Fleisch. Nur wenige können schließlich entkommen.
    Ich reite auf den Anführer zu und erkenne überrascht Elrond, der stolz auf einem Rappen sitzt. „Wer seid ihr und was tut ihr hier?“, fragt er mich misstrauisch. „Nya esse ea Glaur. Ni ya as casar am Mentie ana Erebor a me thel este ned Bruchtal car. (Mein Name ist Glaur. Ich reise mit Zwergen nach Erebor und wir wollen in Bruchtal eine Rast machen.) „Kommt mit, der Tunnel ist eine Abkürzung, deine Reisegefährten dürften gleich in Bruchtal ankommen.“, meint Elrond nach kurzem Überlegen. Dann gibt er ein Signal und wie in einer Bewegung traben wir los nach Bruchtal. Das lief ja schon mal gut. Der Weg ist nicht weit und als wir über den schmalen Weg auf den Vorhof reiten, sehe ich schon von weitem die Zwerge, den Hobbit und den Zauberer. Die Elben reiten in einem Kreis um die Zwerge, ich bahne mir einen Weg durch sie, steige von meinem Hengst ab und gebe ihn in die Obhut eines Elben. Gandalf wechselt noch ein paar Worte mit Elrond. Ich wusste gar nicht das Gandalf elbisch kann. Das hätte er mir ja ein bisschen früher sagen können. Auf einmal meint Elrond das er nicht wüsse, ob er den Zwergen vertrauen könne, natürlich in Sindarin. Doch die Zwerge werten dies sofort als Drohung. Auf Gandalf´s Beschwichtigung, das es nur eine Einladung zum Essen sei, reagieren sie jedoch äußerst annehmend. Elrond sieht den Zauberer überrascht an und geht voran. Die Zwerge zeigen sich beim Essen nicht unbedingt von ihrer besten Seite, aber sie versuchen es wenigstens, was jedoch Bofur nicht davon abhält ein wenig Tischmusik zu machen und bald startet auch eine Essensschlacht. Kili flirtet unterdessen mit einem Elben, den er versehentlich für eine Elbin hält. Fili und ich können schon nach kurzer Zeit nicht mehr vor Lachen. Die Elben schauen
    dabei nur missbilligend zu. Thorin und ich sondern uns schließlich ein wenig von den anderen ab und er beweist mal wieder seine Sturheit, denn er will sich nicht von Elrond helfen lassen, die Karte zu entschlüsseln. „Komm schon. Gib ihm einfach die Karte, sonst schaffen wir es nie, den Erebor zurückzuerobern. Elrond kann dich nicht aufhalten.“, dränge ich unseren Anführer „Man kann den Elben nicht trauen!“, widerspricht er stur. „Ich bin auch eine Elbin, vertraust du mir also auch nicht!“, ich sehe ihn verletzt an. „Doch, aber...!“, er scheint zu wissen, dass er zu weit gegangen ist, doch ich lasse ihn nicht ausreden. „Du kannst ja weiter versuchen, alles alleine zumachen, aber da wirst du scheitern.“ Er reagiert nicht, aber ich weiß, dass ich einen empfindlichen Nerv getroffen habe, denn er verzieht wütend den Kiefer. „ Du solltest mal was Neues ausprobieren und das nennt sich VERTRAUEN!“, langsam werde ich echt wütend. Thorin benimmt sich manchmal wie ein kleines Kind. Er sagt nichts dazu und ich rausche verärgert in mein Zimmer. Auf meinem Bett liegt ein langes weißes Nachthemd. Es passt mir wie angegossen und ich lege mich in mein Himmelbett und schlafe fast sofort ein. Mitten in der Nacht werde ich von Fili geweckt. „Komm schon, wach auf, Thorin hat Elrond die Karte gezeigt und wir ziehen jetzt weiter.“ Sanft rüttelt er an meiner Schulter. Schlaftrunken öffne ich die Augen und blinzele in das helle Licht einer Kerze. „Ich komme!“, nuschele ich verschlafen, stehe auf und ziehe mich um und verlasse das Zimmer. Warte mal, er hat Elrond die Karte gezeigt! Auf einmal bin ich hellwach. Sollte ich mir Sorgen machen? Wahrscheinlich ist ihm nur klar geworden dass ich Recht habe. So wie meistens eigentlich. Fili wartet vor der Tür und wir eilen zu den anderen. Die Zwerge sehen ziemlich verschlafen und auch ein wenig betrunken aus. Und auch Bilbo macht den Eindruck, als ob er gleich im Stehen einschlafen würde. Doch ein wichtiges Mitglied fehlt. „Wo ist Gandalf?“, frage ich Thorin verdutzt. „Wir gehen ohne ihn.“, sagt er knapp und geht los. „Warte was?“ Das war´s ich bin komplett verwirrt. Ich laufe schnellen Schrittes hinter ihm her. „Wir gehen jetzt los, er ist bei Elrond und noch mehr Zauberern und wir nutzen die Gelegenheit und verschwinden, bevor sie uns von der Reise abhalten wollen.“ Damit dreht er sich um und übernimmt die Führung. Ich blicke noch einmal zurück und sehe wie Ardamir aus dem Stall schaut und laut wiehert. Es gefällt mir ganz und gar nicht ihn zurückzulassen. „Ich hole dich wieder“, flüstere ich und folge den Zwergen. Wir wandern über Hügel, durchqueren steinige Schluchten und als wir im Nebelgebirge ankommen, beginnt es aus Kübeln zu gießen. Mit gesenktem Kopf laufe ich am Ende des Trosses, der wegen dem rutschigen Weg nur sehr langsam vorankommt „Vorsichtig. Bleibt weg von der Schlucht.“, brüllt Thorin gegen den tosenden Wind. „Achtung!“, schreit Ori auf einmal und deutet auf einen riesigen Felsen, der an die Felswand über uns knallt und auf uns herabregnet. „In Deckung!“, ruft unser Anführer. Ich presse mich an die
    Wand und schütze mit den Armen meinen Kopf um nicht von den Brocken verletzt zu werden. Als der Steinhagel vorbei scheint sehe ich mich um, woher dieses ungewöhnliche Geschoss kam. Doch alles was ich sehe sind Berge, Steine, ein sich bewegender Fels und...warte mal WAS? Ein Riese aus Stein erhebt sich vor uns und nimmt einen neuen Felsen und wirft ihn auf einen anderen Riesen hinter uns. Gerade haben wir uns vom ersten Schock erholt, als der Boden unter unseren Füßen anfängt zu beben. Wir stehen auf den Knien eines Riesen, der sich gerade erhebt. Genau zwischen Kili´s Beinen ist plötzlich nur noch eine Lücke und er kann sich gerade noch auf eine Seite retten, bevor er in die Tiefe stürzt. Die Kreatur auf der wir stehen liefert sich einen heftigen Kampf mit seinen beiden Rivalen. Mit ihren Steinfäusten schlagen sie aufeinander ein und wir haben große Mühe uns auf den Beinen zu halten. Einer der Riesen schleudert einen gewaltigen Felsen, welcher unserem Riesen prompt den Kopf abtrennt. Entsetzt sehe ich zu wie der große Kopf den tiefen Abgrund hinunter fällt. Der Riese taumelt und wir haben die Chance auf den sicheren Weg zu springen. „Springt!“, ertönt auch schon Thorin´s Kommando. Schon springen die Zwerge einer nach dem anderen in Sicherheit. Gerade als ich zum Sprung ansetze rappelt der Riese sich auf und ich stehe plötzlich 5 Meter über den anderen. Klasse, ich hätte nie gedacht, dass ich mal in einem Faustkampf sterbe! In schwindelerregender Höhe sehe ich zu den anderen hinunter. „Glaur, spring, das schaffst du.“, ruft Thorin mir zu. Ich schaue nach unten in den tiefen Abgrund. Verdammt ist das tief. „Bitte große Valar steht mir bei.“, hauche ich, fasse mir ein Herz, nehme einige Schritte Anlauf und stoße mich an der Kante ab. Ich schwebe einige Sekunden in der Luft, dann lande ich elegant zwischen den Zwergen. „Alles in Ordnung?“, fragt Thorin mich besorgt. „Ja mir geht’s gut, danke.“, antworte ich, obwohl meine Knie ein wenig zittern. Wir schauen zurück zu dem kopflosen Riesen, der gerade durch die Schlucht torkelt. Unsere Gefährten stehen an die Wand gepresst auf dem Knie des halbtoten Riesen, unfähig irgendwas zu tun. Auch wir können nur untätig zusehen. Jetzt rast das klobige Ungetüm auf die Steinwand zu. Schon hören wir das Schreien der Zwerge und wie in Zeitlupe kracht das Ungetüm gegen die Felsen. Dann stürzt der Steinriese in den Abgrund, auf seinem Knie sind keine Zwerge mehr. „Nein!“, brüllt Thorin und ich dränge mich an ihm vorbei zu der Unglücksstelle. Geschockt folgen die anderen mir. Will ich wirklich wissen was mich erwartet? Kann ich diesen Anblick ertragen? Vermutlich nicht, aber vielleicht gibt es Überlebende. Als wir um eine Felsnase klettern, fällt uns allen ein ganzes Gebirge vom Herzen. Alle sind wohlauf und rappeln sich auf. Fili rennt erleichtert zu seinem Bruder und auch die anderen umarmen sich glücklich „Wo ist Bilbo?“, fragt Bofur auf einmal. „Wo ist der Hobbit?“ Suchend
    sehen wir uns um, Bofur hat Recht, Bilbo ist nirgendwo zu entdecken. „Ich bin hier.“, kommt es von unten. Wir beugen uns über den Rand und erkennen Bilbo, der sich mit letzter Kraft an einem kleinen Vorsprung, einige Meter unter uns, festklammert. Schon versuchen die Zwerge ihn zu retten, was jedoch kläglich scheitert. Ohne groß nachzudenken schwinge ich mich nach unten und helfe ihm hoch, sodass die Zwerge ihn wieder auf den Pfad ziehen können. Ich will gerade ebenfalls zurückklettern, als meine Hand abrutscht und ich mit einem Schrei ein ganzes Stück nach unten falle, ehe ich mich an einer hervorstehenden Kante festhalten kann. Ich schiele über die Schulter und noch immer kann ich den Grund der Schlucht sehen. Aber da unten liegt ein kopfloser Steinriese, auf dem landen, da stehen die Überlebenschancen nicht sehr gut. Verbissen halte ich mich weiter fest, versuche mit den Füßen eine Trittmöglichkeit zu finden, doch da ist nichts. Nur eine glatte Wand, an der man keine Möglichkeit hat sich festzuhalten. Meine Hand rutscht immer weiter ab und plötzlich greife ich nur noch ins Nichts. Ich mache mich schon auf den Tod gefasst, da packt mich auf einmal eine starke Hand, bevor ich in die Tiefe stürze. Ich blicke nach oben und erkenne Fili, der mich zu sich rauf zieht. Ich halte mich an ihm fest „Zieht uns rauf!“, ruft Fili gerade nach oben und die Zwerge oben reagieren sofort. Stück für Stück kommen wir der Sicherheit des Weges näher. Oben angekommen werden wir von erleichtert lachenden Zwergen empfangen. Kaum haben wir festen Boden unter den Füßen höre ich Bilbos zitternde Stimme. „Tut mir leid, das du meinetwegen fast gestorben bist.“, meint Bilbo kleinlaut und sieht betreten zu Boden. „Schon gut, wir hätten sonst unseren Meisterdieb verloren.“, erwidere ich und lege ihm eine Hand auf die Schulter. Da ertönt auf einmal eine raue Stimme: „Er ist verloren seitdem wir aufgebrochen sind, seit er sein Haus verlassen hat!“, meint Thorin verächtlich. „Er hätte nie mitkommen sollen, er gehört nicht zu uns!“ Entsetzt sehe ich ihn an und Bilbo schaut etwas geknickt aus der Wäsche. „Kommt, hier ist eine Höhle, wo wir Übernachten können.“, ruft Nori, der gar nicht mitbekommen hat was passiert ist. Als er unsere Gesichter sieht, guckt er mich fragend an. 'Später' forme ich mit den Lippen und der Zwerg nickt nur und führt uns zu dieser Höhle. Thorin wendet sich ab und folgt Nori, ohne unseren Meisterdieb eines weiteren Blickes zu würdigen. Ich schaue Bilbo mitleidig an und gehe dann ebenfalls in die Höhle, welche nur wenige Schritte weiter im Felsen liegt. Die Höhle scheint sicher zu sein, ist groß und geräumig und vor allem leer. Entweder sie ist verlassen, oder die Bewohner sind gerade nicht da. Beides ist mir nur Recht und ich erkunde mit Dwalin den hinteren Teil. Nirgendwo gibt es ein Anzeichen dafür, dass jemand hier lebt. Gloin´s Vorschlag ein Feuer zu machen wird von Thorin sofort abgelehnt. Stattdessen sollen wir lieber schnell schlafen, damit wir morgen bei Tagesanbruch weiter können. Doch schlafen kann ich einfach nicht. Aber das wundert mich nicht, denn was ich heute erlebt habe, möchte ich nicht so gerne wiederholen. Ich drehe mich hin und her um eine bequeme Schlafposition zu finden, doch ständig sticht ein Stein hier und da. Die anderen sind jedoch schnell eingeschlafen, alle außer Bilbo, der mitten in der Nacht aufsteht, seine Sachen packt und sich raus schleichen will. „Wo willst du hin?“ Bofur? Warum ist der denn noch wach? Ach ja natürlich er wurde von unserem lieben, derzeit ziemlich mürrischen, Anführer als Wache eingeteilt. Leise stehe ich auf. „Bilbo, willst du uns etwa verlassen?“, frage ich ihn. Er dreht sich erschrocken um und sagt traurig: „Ihr habt Thorin gehört, ich gehöre nicht zu euch, ich bin ein Leben auf der Straße nicht gewohnt. Ich bin nicht wie ihr.“ „Aber du BIST einer von uns, ohne dich hätten die Trolle sämtliche Zwerge gefressen. Und ohne dich könnten wir nie den Erebor zurückholen.“, rede ich ihm zu, doch der Hobbit schüttelt weiter den Kopf. „Ich kann nicht, ihr seid Zwerge, ihr seid es gewohnt nirgends dazu zu gehören, nirgendwo hinzugehören!“ Auf einmal wird ihm klar was er gesagt hat und entschuldigt sich schnell. Bofur haben Bilbo´s Worte sichtlich getroffen. „Bilbo, ich weiß wie du dich fühlst, auch ich habe ein Zuhause wo ich eigentlich hingehöre. Doch sollte man das Leben nicht nutzen, um Abenteuer zu erleben, um Dinge zu tun an die man sich gerne erinnert! Diese Zwerge haben ihr Heim verloren, es wurde ihnen genommen und ich möchte ihnen helfen es zurückzuholen.“ Ich lasse die Worte wirken. „Und hast du nie Angst gehabt vor dem was kommt?“ „Doch natürlich, vorhin habe ich mich schon tot auf einem Felsen liegen sehen, aber dann haben Fili und die anderen mich gerettet. Denn wir sind eine Gemeinschaft und wir lassen die anderen nicht im Stich. Wir kämpfen Seite an Seite, als Gefährten.“, hoffentlich habe ich es gleich geschafft, mir gehen langsam aber sicher die Argumente aus. Doch da folgt schon die Ernüchterung: „Nun, dann aber ohne mich. Ich kann weder kämpfen, noch etwas stehlen und ich will nur noch zurück in mein Hobbit-Haus.“ Ich sehe ihn lange an und verstehe sein Beweggrund. Er ist ein Hobbit und kein Zwerg und kein Elb. Er hat Heimweh und das ist ganz natürlich und das sollte man niemandem verwehren. „Also gut, dann geh. Wenn du in Bruchtal angekommen bist, nimm Ardamir und reite auf ihm nach Hause. Viel Glück.“, sage ich und umarme ihn kurz. „Ehrlich?“, fragt er und erwidert die Umarmung. Ich nicke und Bofur verabschiedet sich ebenfalls und wünscht ihm alles Glück der Erde, dann wendet Bilbo sich ab und will die Höhle verlassen. „Warte! Was ist das?“, frage ich ihn und deute auf seinen Brieföffner, was mal ein Schwert werden sollte. Er leuchtet in einem strahlenden Blau. Ich weiß leider nur zu gut was das bedeutet. Bilbo sieht mich entsetzt an. „Wacht alle auf!“, brüllt Thorin plötzlich, was mir beinahe einen Herzstillstand einbringt. Hat er etwa unser gesamtes Gespräch mitbekommen? Egal wir haben jetzt andere Sorgen, denn plötzlich gibt der Boden unter unseren Füßen nach und wir rutschen ein dunkles Loch. Wir schlittern über kalten Stein, immer wieder bekomme ich Körperteile oder Steine in den Rücken oder vor mein Gesicht. Was bei den Valar ist hier bitte los. Ich erkenne nicht viel nur, dass wir durch einen Tunnel zischen, in dem vereinzelt Fackeln aufgestellt sind. Sicherheitshalber schließe ich die Augen. Diese Rutschpartie endet abrupt, aus rutschen wird freies Fallen und plötzlich lande ich überraschend weich. Ich hebe den Kopf ein wenig und versuche mich zu orientieren. Ich fühle mich ein wenig platt gedrückt. Kein Wunder, denn Bombur ist genau auf mir gelandet. Ich bekomme durch den dicken Zwerg auf mir, kaum noch Luft. Mein Kopf liegt auf Fili´s Brust, der Rest meines Körpers auf Kili und Ori . Schwert, Bogen und Dolche sind nur einige Schritte neben mir gelandet. Wir sind vollzählig, die Waffen, die wir in der Höhle ordentlich gestapelt hatten, liegen neben uns und ich bin kurz davor aufzuatmen, als ich Bilbo sehe, der beunruhigt auf seine kleine Waffe starrt, die immer stärker glüht. Ich konzentriere mich und höre das Kreischen und gackern von Goblins, einer Unterart von Orks. „Bombur, geh runter von mir“, rufe ich panisch, doch zu spät. Tausende Goblins kommen auf uns zu. Über die Hängebrücke, am Fels hochgeklettert, von überall her krabbeln diese komischen Wesen zu uns. Endlich rollt Bombur seinen massigen Körper von mir runter und ich wollte noch schnell Luft holen, doch Luft wird sowieso überbewertet. Also rappele ich mich hektisch auf. Mit einem Satz stehe ich bei meinen Waffen und kämpfe wild um mich, um mir diese Biester vom Leib zu halten. Auch die anderen sind mittlerweile auf den Beinen und wehren die lästigen Viecher ab. Trotz der Überzahl kämpfen wir tapfer weiter und sogar Bilbo sticht mit seinem Brieföffner um sich. Zwar kommt kein Ork näher als einen Meter, doch schließlich werden wir von den Goblins überwältigt und unter starkem Protest in eine Art Halle geschleift, wo auf einem Thron der hässlichste und fetteste Goblin den ich je gesehen habe, sitzt. Bei diesem Anblick bekomme ich unangenehme Würganfälle. Eine schräge Musik ertönt von einem Balkon über uns und der Goblinkönig stimmt ein furchtbares Lied an. Während der König musiziert zähle ich die Zwerge durch. Von den Zwergen sind alle da, doch wo ist Bilbo? Wie schafft er es nur zu verschwinden, immer wenn es brenzelig wird? „Wo ist Bilbo?“, flüstert da auch Kili hinter mir. Von jedem kommt unwissendes Gemurmel. „Vielleicht hat er ja einen Fluchtweg gefunden und holt Hilfe.“ Bin ich hier die einzige die ein bisschen Hoffnung in den Hobbit hat? Offensichtlich schon, na toll. Mittlerweile weiß ich wo wir sind, das hier ist ein Goblinstollen. In Gebirgen sollen sich Goblins immer mehr ansiedeln. Kann man diese Rasse nicht einfach auslöschen? Das wäre doch gar kein großer Verlust für Mittelerde. Jetzt nehmen sie uns die Waffen ab und schmeißen sie ihrem Herrn vor die Füße. Dann versucht der Goblinkönig uns auszuquetschen, doch niemand sagt ein Wort. „Nun gut, für das Schweigen müsst ihr bezahlen. Holt den Zerfleischer!“, donnert der Fette. „Wir beginnen mit der Elbin.“

    3
    Entsetzt reiße ich die Augen auf. Na gut Bilbo, was immer du vorhast, bitte beeile dich. „Lasst sie bloß in Ruhe!“, ruft Fili, der langsam ganz schön sauer wird. Da tritt Thorin vor und offenbar scheint der Ork ihn zu kennen. Und er kennt Azog! Thorin´s Blick nach zu urteilen würde jeder Goblin der Welt jetzt unter Qualen sterben. Der König des Stollens schickt einen kleinen Goblin in einer Seilbahn zu Azog dem Schänder. Da kommen auch schon einige Orks mit Peitschen an. Ich werde nach vorne gezerrt und schon knallen die Peitschen auf mich herab und schon nach kurzer Zeit könnte ich vor Schmerz zusammenbrechen. Doch diesen Gefallen tu ich ihnen nicht, genauso wenig wie ich schreie. Die sollen doch lange darauf warten, dass ich meine Leiden zeige. Da wirft sich Fili auf einmal schützend vor mich und nun prasseln die Peitschen auf ihn. Goblins um uns herum lachen keckernd und auch der Goblinkönig amüsiert sich. Nun werden auch die anderen gefoltert und jeder gibt sein Bestes, um nicht zu Schreien. Um mich herum sehe ich nur sich krümmende Zwerge und sich freuende Orks. Auch ich krümme mich schon bald vor Schmerzen und ich habe schon das Gefühl das ganze nimmt gar kein Ende. Doch als ich gerade denke, dass es nicht schlimmer werden kann, werden große Foltermaschinen herangerollt. Oh verdammt, Bilbo wie lange brauchst du denn? Ein neugieriger Goblin nimmt sich Thorin´s Schwert, den Orkspalter. Er zieht die Klinge aus der Schneide und lässt es entsetzt fallen. Auch dem fetten König der Goblins vergeht das Lachen und darin sehe ich eine kleine Chance. Doch da habe ich eine Rechnung ohne die Orks gemacht. Sofort stürmen sie auf uns zu und wollen uns zerfetzten. Drei Goblins haben Thorin gepackt und ein Vierter will ihm gerade den Kopf abschlagen. „Neeeiin!“, schreie ich und versuche mich zu ihm durchzukämpfen, als sich auf einmal ein gleißendes Licht ausbreitet. Die kleinen hässlichen Wesen weichen geblendet zurück oder werden fortgeschleudert. Ich bedecke mit der Hand meine Augen, um nicht ebenfalls geblendet zu werden und suche den Boden nach meinen Waffen ab. Da liegen sie, gleich neben Thorin´s Schwert. Ich nehme den Orkspalter und meine Waffen und überreiche ihn Thorin, der sich aufgerappelt hat. Dann sehe ich mich nach dem Ursprung des Lichts um und sehe zu meiner Freude Gandalf. „Nehmt eure Waffen und kämpft“, ruft er den Zwergen zu, die noch etwas belämmert dreinschauen. „Kämpft, kämpft!“, brüllt der Zauberer die Zwerge an, in die endlich Bewegung kommt. Sie schnappen sich ihre Waffen und kämpfen um ihr Leben. Auch ich wirbele mit meinen Waffen herum und meiner Klinge fallen sehr viele Goblins zum Opfer. Nicht selten rollen Köpfe und überall wo ich nur hinsehe, überall sterben Orks. Wir kämpfen uns einen Weg um ans Tageslicht zu gelangen doch immer mehr Feinde stellen sich uns in den Weg. Ich renne am Ende der Schlange aus Zwergen und halte den anderen den Rücken frei. Wir sprinten über die Holzplanken, die zwar nicht sehr stabil wirken, aber uns gerade so noch über die Schlucht tragen. Von der anderen Seite des Abgrundes schwingen sich etwa 20 Goblins zu uns rüber auf das Gestell. „Kappt die Seile!“, ordnet Thorin an und als das Gestell auf die Goblins zurast, schwingen sie sich mehrfach um das Holz und dieses reißt auf der anderen Seite den Weg in die Tiefe. Einige Goblins mit Pfeil und Bogen wollen uns aufhalten, doch die Zwerge schnappen sich eine Leiter und schon schauen die Köpfe der grauenhaften Gestalten zwischen den Sprossen hervor. Da kommt mir eine Idee. Mit einem weiten Satz gelange ich auf die Leiter, nehme meinen Bogen zur Hand und verschieße reihenweise Pfeile von meinem Posten. Erfreut erkenne ich, dass jeder Pfeil mindestens einen Goblin niederstreckt. Als die Zwerge die Leiter als Weg über eine Lücke benötigen, um weiter zu kommen, springe ich geschickt auf die andere Seite und weiter geht es. Wie viele Goblins leben hier unten eigentlich? Das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für solche unnötigen Fragen. Meine Gedanken sind mal wieder klasse. Kurz darauf gelangen wir an eine sich schwingende Plattform. Wir hüpfen alle darauf, doch nur die Hälfte kommt sofort rüber. Ich stehe nach wie vor auf der Plattform, neben Kili, Fili, Thorin, Dwalin, Oin und Dori. Da springen auch schon die Goblins zu uns und kommen auf uns zu. Ich versuche den Zwergen einen sicheren Sprung zu gewähren, indem ich die kleinen Wesen mit meinem Schwert fernhalte. Als ich als einzige vor den Goblins stehe, mache ich ein elegantes Salto rückwärts, zerschneide im Flug eines der Seile an dem die Plattform hängt, welche nun unkontrolliert umherbaumelt, und lande mit dem Schwert in der Hand neben den Zwergen. Wir gelangen auf eine Holzbrücke und ich fange schon an mir Hoffnungen zu machen, dass wir es wieder ans Tageslicht schaffen. Doch eine ganz bestimmte Person, nein einen ganz bestimmten Ork, haben wir komplett vergessen: den Goblinkönig. Mit einem lauten krachen poltert er aus dem Holz. „Ihr habt wohl geglaubt ihr könntet mir entkommen!“ „Ehrlich gesagt, ja.“, antwortet Gandalf ruhig. „HA, da braucht es schon mehr als nur ein bisschen Metall um uns zu besiegen.“, lacht der fette König hämisch. „Was denkst du willst du jetzt tun?“ „Hm, ich könnte es ja mal hiermit versuchen.“, schlägt der Zauberer vor und fährt mit seinem Schwert durch den schwabbelnden Bauchspeck des Königs. Dieser schreit auf und sticht mit seinem Zepter nach Gandalf. Ich lasse mir das nicht länger gefallen und spanne den Bogen und schon surrt ein Pfeil durch die Luft und bohrt sich in den Schädel des Dicken vor uns. „Reicht das?“, fragt Gandalf lächelnd. „Ich denke schon.“, japst der Ork und als Zugabe zerschneidet der Zauberer ihm noch die
    Kehle. Den restlichen paar Millionen Goblins passt das überhaupt nicht. Sie wollen gerade ebenfalls die Brücke betreten, als der Teil auf dem wir stehen, wegbricht und schon wieder rutschen wir ungebremst in die Tiefe. Wir klammern uns fest, wo wir nur können und dieses mehrstöckige Brückenteil schlittert rasend schnell auf den Abgrund zu. Mit einer derart ruckartigen Bremsung haben wir allerdings nicht gerechnet. Die Holzplanken krachen laut auf den staubigen Boden und ich werde von Holzsplittern begraben. „Naja hätte auch schlimmer kommen können.“, meint Bofur erleichtert, als sich die Staubwolke gelegt hat. Doch irgendwie hat das Schicksal eine sehr komische Art des Humors, denn gerade als ich mich aus den Planken befreien will, kracht der tote, fette Goblinkönig auf uns herab. „Das soll wohl ein Scherz sein!“, ächzt Kili. „Du immer und deine große Klappe!“, schimpfe ich leise vor mich hin. Gandalf hilft mir hoch und ich frage mich, ob das Schicksal noch mehr solche Streiche auf Lager hat. „Gandalf! Wir bekommen Besuch!“, stammelt Bofur gerade als die restlichen Zwerge wieder auf den Beinen sind und deutet auf einen steinigen Abhang, von dem die wütenden Goblins auf uns zu rennen. Diese Viecher gehen mir langsam, aber sicher echt auf die Nerven! „Kommt, eilt rasch, nur Tageslicht kann uns jetzt noch retten.“, gibt Gandalf schon wieder Anweisungen. Sicher das Thorin unser Anführer ist und nicht er? Aber wir haben jetzt andere Sorgen. Gemeinsam mit den anderen hetze ich durch den Orkstollen. Endlich, vor uns erkenne ich ein helles Licht. Wir sind gerettet. Gandalf und Thorin laufen als Erste an die frische Luft, doch wir bleiben noch nicht stehen. Wir eilen einen Berg hinunter. An einem großen Felsen machen wir Halt und ich schnappe nach Luft. Gandalf zählt uns durch und einmal fällt mir auf, dass Bilbo nicht bei uns ist. Eine rege Diskussion startet, viele glauben, dass der Hobbit umgekehrt sei, andere, dass er im Stollen verletzt wurde. „Ich sage euch was passiert ist“, ertönt da Bilbo´s Stimme und ich drehe mich ein wenig geschockt um. „Ich konnte entkommen und habe einen Weg gesucht euch zu helfen.“ Ich spüre, dass der kleine Hobbit nicht die ganze Wahrheit sagt, aber was macht das schon. Doch Thorin beharrt auf eine Antwort, wie er den Goblins entfliehen konnte. „Das spielt jetzt keine Rolle mehr wir haben unseren Meisterdi...“ Ich werde von einem sehr bekannten Brüllen unterbrochen. „Warge!“ Aus Thorin´s Mund klingt das wie pures Gift. Ich lausche angestrengt. „Es sind mindestens 7. Aber es könnten auch mehr sein.“, benachrichtige ich meine Gefährten. „Das sind zu viele, vielleicht kommen auch noch Orks wir müssen uns in Sicherheit bringen.“ Da hat Balin nicht ganz Unrecht. Thorin nickt und rennt voran, die Zwerge, der Hobbit, Gandalf und ich folgen ihm. Wir haben zwar keine Ahnung wo wir hinlaufen, doch Hauptsache weg von den Orks. Doch schon bald folgt eine unangenehme Überraschung: direkt vor uns, eine Klippe, von der man geradewegs in ein Meer aus Bäumen stürzt. Na toll wir sitzen in der Falle. Hier ist nichts, außer Bäume, Felsen und...
    warte mal, Bäume? „Los klettert auf die Bäume!“, rufe ich den anderen zu, die dem sofort nachgehen. Wieder einmal frage ich mich, ob Thorin wirklich unser Anführer ist. Mehr oder weniger elegant schwingen sich die Zwerge ins Geäst. Auch ich klettere geschwind auf den Baum neben mir, wo auch Kili und Fili Schutz gesucht haben. Der Baum neben uns knarzt bedenklich und das wundert mich, denn Bombur kraxelt gerade schnaufend die Äste hoch. Da sind sie auch schon, und zwar mehr als nur sieben Warge. Ich zähle bisher 12 und auf etwa fünf davon sitzen Orks. Auf den Felsen wo wir eben noch standen, stolziert auf einmal ein großer weißer Warg und obendrauf niemand Geringeres als Azog, der bleiche Schänder. Ich schaue zu Thorin der mit vor Wut und Erstauen weit aufgerissenen Augen den Schänder anstarrt. Autsch, das muss übel für Thorin sein, seinen alten Erzfeind jetzt da stehen zu sehen. Und er kann nur wie ein Vogel auf einem Baum sitzen, während die Katzen unten schon Schlange stehen. Azog redet in Orksprache mit seinen Kriegern. Ich habe keinen Schimmer was die da reden, aber es ist ganz sicher nicht der heutige Speiseplan. Auf einen Kriegerischen Schrei von Azog hin, springen die Warge zähnefletschend an den Bäumen hoch. Ich klettere noch ein Stück höher und versuche irgendwie das Gleichgewicht zu behalten. Die Orks sehen nur hämisch Grinsend dabei zu wie wir uns verzweifelt an den Stämmen der Kiefern und Eichen festhalten. Brüllend und mit wild funkelnden Augen versuchen sie uns zu erwischen, doch jeder kann ihren tödlichen Zähnen und Klauen ausweichen. Himmel hört auf ihr hässlichen Warge, wegen euch sterben wir noch! Ich weiß, dass das euer Ziel ist, aber wozu? Das bringt euch gar nichts, nur den Orks, denen seid ihr doch vollkommen egal! Meine Gedanken sind wie üblich unnötig. Hilfesuchend sehe ich zu Gandalf, der in Moment offenbar nichts Besseres zu tun hat als einen Schmetterling zu betrachten, der auf der Spitze seines Stabes sitzt. Zauberer, die werde ich wahrscheinlich nie verstehen. Aber das ist gerade nebensächlich, denn die Bäume vor uns beginnen im Dominoeffekt zu fallen. Ein Baum nach dem anderen kippt in Richtung Schlucht. Die Zwerge springen wie Eichhörnchen von Baum zu Baum und plötzlich wackelt auch der Baum auf dem ich hocke. Na toll, wegen euch blöden Wargen fallen wir noch um. Die Wurzeln des Baumes lockern sich und schon stürzt der Baum um. Ich springe gemeinsam mit mittlerweile allen anderen außer Gandalf auf den letzten Baum vor dem Abgrund. So, jetzt müsste Gandalf sich doch was ausgedacht haben, wie wir hier lebend wegkommen. Sonst stirbt Bilbo ohne, dass er reiten kann. Worüber mach ich mir gerade eigentlich Sorgen? Wir haben größere Probleme und eines davon nennt sich Azog! „Glaur, fang!“, ruft Gandalf einige Äste über mir und wirft mir einen brennenden Kiefernzapfen zu. Autsch ist der heiß! Beinahe fällt er mir aus der Hand. Fili, der neben mir hockt, pflückt sich ebenfalls einen Zapfen und ich zünde diesen mit meinem an. Gemeinsam mit den anderen bewerfen wir die Warge mit den
    brennenden Geschossen, bis sie irgendwann die Flucht ergreifen. Zwischen uns und unseren Feinden liegt nun ein brennendes, unüberwindbares Hindernis. Einige Warge laufen mit brennendem Hinterteil. Na geht doch. Dieser Einfall hätte auch ein bisschen früher kommen können! Die Zwerge fangen schon an sich zu freuen, als plötzlich ein knarzen der Wurzeln zu hören ist. Entsetzt sehe ich nach unten. Einige Schreie, ein lautes Krachen und schon hängen wir an einem Baum über einer etwa 1000 Meter tiefen Schlucht. Ich habe noch Glück im Unglück, ich halte mich mit beiden Händen an einem stabil wirkenden Ast fest. Ich blicke mich um und sehe, dass Ori und Nori sich verzweifelt an Gandalf´s Stab festhalten. Dwalin, Fili und Gloin haben relativ sichere Positionen. Die anderen klammern sich irgendwie an irgendwelchen Ästen fest. Mein Blick fällt auf Thorin, der sich mit einem gefährlichen Feuer in den Augen, aufrappelt, den Stamm entlangläuft und sich einen Eichenast als Schild und sein Schwert schnappt. Er will es doch nicht allein mit Azog und seinem Gefolge aufnehmen! Ist der Zwerg noch bei Verstand! „Thorin, halt!“, rufe ich, doch er hört nicht auf mich. Wie üblich. Nie hört jemand auf mich, dabei habe ich doch meistens Recht. Ich schwinge mich, bis ich endlich auf den Stamm gelange. Doch unser Anführer baumelt schon zwischen den spitzen Zähnen des weißen Warges. „Neeiiin!“, schreie ich, spanne den Bogen, den ich zum Glück noch immer über der Schulter habe und schieße einen Pfeil, der genau das Auge des Warges trifft. Wütend schleudert das Monster Thorin wie ein Spielzeug zur Seite und dieser landet hart auf dem Felsen. Etwas erleichtert warte ich darauf, dass Thorin sich aufrappelt und weiter den Warg bekämpft, doch er bewegt sich keinen Millimeter. Auf Azog´s Kommando gleitet ein Ork vom Rücken seines Warges und will gerade Thorin Eichenschild den Kopf abschlagen, als Bilbo wie aus dem Nichts angesprungen kommt und wie wild auf den Ork einsticht. Die Verwunderung in Azog´s hässlichem Gesicht sehe ich als meine Chance. Ich ziehe mein Schwert und stürme auf den Anführer der Orkbande zu versuche irgendwie seinen Warg zu schwächen, was mir jedoch nicht gelingen mag. Das weiße Ungetüm von einem möchte gern Werwolf schnappt ständig nach mir, doch ich schaffe es immer seinen Zähnen auszuweichen. Auf einmal höre ich lautes Gebrüll hinter mir und schon kämpfen die übrigen Zwerge an meiner Seite. Dwalin steht auf einmal neben mir und drescht ungehindert mit seiner Streitaxt auf den Warg ein, der jedoch, trotz der vielen Hiebe, keine Schwäche zeigt. Genauso stur wie Azog oder Thorin, die würden so ein gutes Team bilden. Aber nein, sie müssen ja immer versuchen den anderen umzubringen. Ich sehe zu Dwalin, der den Warg immer weiter zurückdrängt. Der schafft das schon, hoffe ich jedenfalls. Ich stecke mein Schwert zurück in die Schneide und renne so schnell ich kann zu Thorin. „Thorin? Thorin, wach auf, du kannst jetzt nicht sterben! Wach auf, bitte.“, flehe ich ihn an. Er öffnet kurz die Augen und aus seinem Mund kommt nur ein krächzendes: „Glaur?“ Dann fallen ihm die Augen zu und er regt sich nicht mehr. „Thorin? Hey Thorin wach auf!“ Du stirbst mir jetzt aber nicht einfach so, oder? Und wo ist Gandalf wenn man ihn mal braucht? Ernsthaft? Er schaut schon wieder diesen Schmetterling an, als hätten wir keine größeren Sorgen. Zauberer eben! Ich drehe mich um und bemerke schockiert, wie sich ein Ork von hinten an mich ran schleichen will. Ich drehe mich um. „Willst du das wirklich?“, frage ich ihn, um ihm eine kleine Chance zu lassen. Er hebt seinen Säbel, doch ich bin einfach schneller. Ich ziehe mein Schwert und schlage ihm kurzerhand den Kopf ab. Die lernen es auch nie. Plötzlich passiert etwas Unglaubliches. Wie aus heiterem Himmel stürzen sich die Großen Adler auf die Orks und ihre Warge. Es sind bestimmt zwanzig der stolzen Vögel, die uns zu Hilfe kommen. Sie schmeißen die Orks und ihre Warge einfach den Abgrund runter. Mit ihren riesigen Flügeln fachen sie das Feuer an, mit den starken Krallen stoßen sie einige Bäume um, die die Orks komplett unter sich begraben. Mir klappt vor Erstaunen die Kinnlade herunter, doch ich mache schnell den Mund wieder zu. Erneut drehe ich mich zu dem Zauberer um und sehe, dass er erleichtert den großen Vögeln zusieht. Als die Feinde zurückgedrängt sind fliegt einer von ihnen direkt auf Thorin zu, nimmt ihn vorsichtig mit den Krallen und trägt ihn davon. Auch die anderen werden von den Adlern gerettet, mehr oder weniger freiwillig. Ah, der Schmetterling war ein Hilferuf, sag das doch jemand. „Nie habe ich an dir gezweifelt Gandalf!“, rufe ich ihm grinsend zu und steche noch schnell einen Ork ab. Na gut, ich geb´s ja zu, ich hatte kurzzeitig Zweifel, aber die waren immer begründet. Ich renne auf die Klippe zu und springe geradewegs auf den Rücken eines dieser majestätischen Adler. Der stößt einen kurzen Schrei aus und ich streichele ihm beruhigend über das Gefieder. Er klackert kurz mit dem Schnabel und scheint mich zu akzeptieren. Ich drehe mich zu den übrig gebliebenen Orks um, die hinter Azog stehen der uns wütend hinterher starrt. Ha, so leicht bekommst du uns nicht! Ein Grinsen huscht über mein Gesicht, als ich Azog´s wütende Grimasse sehe. Der Anblick ist einfach zu schön. Ich sehe wieder nach vorne zu den anderen Zwergen. Wir fliegen die ganze Nacht, über Berge und weite Ebenen, für die wir zu Fuß mehrere Tage gebraucht hätten. Noch nie war ich den Sternen so nahe. Ich spüre den kalten Morgenwind, als wir auf die Sonne zu fliegen, die zaghaft ihre Strahlen über den Horizont schickt. Kurzzeitig könnte ich vor Erleichterung lachen, doch ein Blick auf unseren Anführer genügt und alle flüchtige Freude ist verschwunden. Thorin bewegt sich immer noch nicht, als ob er schlafen würde oder noch viel schlimmer... nein so darfst du nicht denken! Reiß dich gefälligst am Riemen Glaur, stauche ich mich selbst in Gedanken zusammen. „Thorin!“, schreie ich so laut ich kann, vielleicht hört er mich. Doch das scheint nicht der Fall zu sein. Er kann jetzt nicht sterben. Auch meine Gefährten werfen besorgte Blicke zu unserem Anführer. Wir fliegen über einen großen See, in dem wir unsere Silhouetten erkennen können. Vor uns ragt nun ein riesiger Felsen auf. Von einer wunderschönen grünen Graslandschaft umgeben steht er einsam und doch majestätisch. Dort landen die großen Adler und der Adler mit Thorin in den Klauen legt diesen behutsam auf den kalten Stein. Bevor wir landen, flüstere ich noch einige dankende Worte auf elbisch dem sprachbegabten Geschöpf zu. Danach klettere sofort von meinem Adler und laufe zu unserem Anführer. „Thorin, wach auf, bitte, wach auf.“, flehe ich ihn erneut an und gebe ihm ein paar leichte Ohrfeigen. Normalerweise genügt das, doch in diesem Fall leider nicht. Ich gehe zur Seite und lasse Gandalf zu ihm, vielleicht kann der ja was tun. Unruhig beobachte ich, wie der Zauberer alle möglichen Zaubersprüche ausprobiert. Nichts passiert, ich stehe neben den Zwergen und kaue unruhig an meinen Fingernägeln herum. Plötzlich schlägt Thorin die Augen auf und rappelt sich mit Hilfe von Dwalin und Kili auf. Er sieht zwar etwas erschöpft und übel zugerichtet aus, doch seine Augen haben wieder ihren üblichen Glanz und das wichtigste ist, das er lebt! Vor Freude falle ich dem nächstbesten Zwerg um den Hals. Es ist Fili, der etwas überrascht, aber erfreut, die Umarmung erwidert. Mittlerweile steht Thorin wieder fit auf den Beinen. Er geht langsam auf Bilbo zu, der uns gegenüber steht. Ich stehe am Rand neben Fili und könnte gerade Luftsprünge machen. „Du was hast du getan! Du hast eben dein Leben riskiert! Hatte ich nicht gesagt du seist keiner von uns, das du eine Last seist und das du am besten nie mitgekommen wärst!“ Wie bitte was? Mein Grinsen weicht einer empörten Miene. Die Zwerge sehen ihren Anführer genauso irritiert an. Auch Bilbo scheint nicht zu wissen was jetzt vor sich geht. „Ich habe mich noch nie so geirrt.“, meint Thorin und schließt ihn in die Arme. Verdattert aber erleichtert guckt Bilbo in die Runde. Jetzt wendet sich der Anführer mir zu. Ich trete einen Schritt auf ihn zu und sehe ihn unsicher an. Was kommt jetzt? Etwas betreten sieht er mich an. „Ich weiß, ich bin dir bisher mit einigen Vorurteilen gegenüber getreten. Bitte verzeih mir, dass ich so an dir gezweifelt habe. Ich bin sehr froh, dich in unserer Truppe zu haben.“ Verlegen weiß ich nicht wohin ich schauen soll, als Thorin auch mich kurz umarmt. Total überrumpelt, aber glücklich nicke ich und lächele ihm zu. „Seht doch!“, ertönt da Kili´s Stimme. Wir drehen uns zu ihm um und er deutet auf den einsamen Berg, der am Horizont aufragt. „Wir haben es bald geschafft.“ „Guckt mal ein Rabe wie in der Prophezeiung!“, freut sich Ori. „Das ist zwar eine Drossel, aber egal.“, entgegne ich. „Gleich wie, es ist ein gutes Zeichen.“, bemerkt Gandalf. „Bald sind wir am Ziel“ Ich hab es ja immer gesagt, wir sind zwar eine bunte Truppe: 13 Zwerge, 1 Zauberer, 1 Hobbit und eine Elbin, aber es kommt nicht darauf an, was wir sind, sondern wer wir sind. Und aus diesem Grund, sind wir ein so gutes Team.

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    Wo bleibt er nur? Wurde er gesehen? Mach ich mir zu viele Sorgen? Wahrscheinlich, er ist ein Hobbit. Er wird es schon schaffen ein paar Orks auszuspionieren. „Glaubt ihr er schafft es?“, frage ich die anderen, die alle ebenfalls etwas unsicher drein schauen. „Er ist doch erst vor einem Augenblick hochgeklettert. Er wird es schaffen.“, ermutigt Kili uns, guckt aber nicht besonders überzeugt aus der Wäsche. Ich sehe mich unruhig in den Kreis aus Zwergen um. Sie alle versuchen irgendwie ihre Nervosität zu verbergen, doch ihnen allen ist sie anzusehen. Der Felsenkessel in dem wir stehen, eignet sich eigentlich perfekt für eine Falle. Außer dem niedrigen Aufstieg, den Bilbo erklommen hat und den Weg den wir gekommen sind, gibt es als einzige Ausweichchance den tiefen Abgrund. Hoffentlich wittern die Warge der Orks uns nicht, denn dann haben wir nicht den Hauch einer Chance. Wieso mach ich mir überhaupt Sorgen, diese Warge sind so dumm, die riechen uns noch nicht mal wenn wir direkt vor ihnen stehen würden. Außerdem sind wir 16 mehr oder weniger gute Kämpfer und die in diesen engen Gängen locker diesen riesigen Wargen ausweichen. Nach etwa zwei Minuten kommt Bilbo endlich wieder von dem Felsen runter. „Haben sie dich gesehen?“, will Thorin sofort wissen. „Nein und sie haben uns noch nicht gewittert.“ „Seht ihr was hab ich gesagt, Hobbitfüße kommen überall hin.“, startet Gandalf sein Lobreden. „Aber...“, beginnt Bilbo, doch niemand hört ihm zu. „Hallo, hört ihr mir mal zu?“ Der Arme. Ich räuspere mich einmal und schon wenden sich 15 Augenpaare mir zu. „Was wolltest du uns mitteilen Bilbo?“, frage ich ihn um die seltene, vollständige Ruhe auszunutzen. Warum hört mir jeder, aber Bilbo niemand zu? „Da oben ist noch etwas anderes, ein Wesen das aussieht wie ein...“ „Bär!“, unterbricht Gandalf ihn. Lässt den Hobbit denn nie jemand ausreden? Äh warte mal Bär? Wo hab ich heute nur wieder meinen Kopf? „Ja nur viel, viel größer!“ Gandalf wendet sich ab und unter den Zwergen beginnt eine rege Diskussion. Umkehren und von Orks abgeschlachtet werden oder weitergehen und von einem Bär abgeschlachtet werden. Keine tolle Wahl, eigentlich gar keine. „Ich sage wir gehen weiter!“, ruft Fili. „Ich auch“, stimme ich zu, „wir sind so weit gekommen, da können wir wegen einer Bestie sollten wir nicht die ganze Mission aufgeben.“ Einige nicken, als Gandalf sich wieder zu uns dreht und eine Neuigkeit verkündet, die eigentlich schon früher hätte kommen können: „In der Nähe ist ein Haus, dort können wir Unterschlupf suchen.“ „Wessen Haus? Freund oder Feind?“, fragt Thorin misstrauisch. „Weder noch. Er wird uns helfen oder uns umbringen.“ „Gut gehen wir hin.“ Woher kommt eigentlich mein grenzenloser Optimismus? „Wir dürfen nichts überstürzen Glaur“, mahnt Balin. „Wieso, wir sind 15 gegen einen, dass werden wir schon hinbekommen.“, meine ich zuversichtlich. Mal ehrlich, unsere Chancen stehen recht gut. „Haben wir eine Wahl?“ Thorin muss natürlich immer alles in Frage stellen. Wieso lässt er sich nie auf etwas ein? Typisch, liegt wohl in den Genen. Auf einmal dringt ein lautes Brüllen an unsere Ohren. „Ich schätze das heißt nein.“, bemerke ich, sehe Gandalf fragend an und dieser nickt einfach nur. „Zeig uns dieses Haus, Gandalf.“, verlangt Thorin und Gandalf übernimmt die Führung. Wir rennen durch einen Wald, hören eine Orkmeute hinter uns, einen Bären irgendwo im Wald und wir laufen auf ein Haus zu, dessen Besitzer uns möglicherweise umbringt. Unsere Überlebenschancen sind also nicht sehr hoch. Sogar Bombur nimmt die Beine in die Hand und hetzt an uns vorbei. Wir verlassen den Wald und eilen nun über freie Fläche auf ein Haus zu, welches von einer Holzmauer umgeben ist. Den Weg hätte ich gerne etwas gemütlicher zurückgelegt, die Wiese hat einen satten Grünton und die langen Grashalme werden im Wind umhergeweht. Die vielen Blumen nicken fröhlich mit den Köpfen und betupfen das Gras mit bunten Farbenspielen. Leider drängt die Zeit und die Orks, die uns jagen und natürlich der Monsterbär. Geschickt springe ich über einen kleinen Bach, die Zwerge planschen einfach durch. Also ich hätte ja nicht so viel Lust darauf, jetzt noch nass zu werden, aber na gut wem es gefällt. Nach weiteren wenigen Sprüngen sprinten wir durch das Tor, das im Moment zum Glück hochgezogen ist. Wir hetzen durch den Garten, in dem unter anderem riesige Bienenstöcke stehen, einige Eichen spenden Schatten und auch hier wachsen große Blumen. Der süße Duft der Blüten hängt schwer in der Luft und vermischt sich mit einem leicht würzigen Geruch einiger Kräuter die an der anderen Seite des Hauses stehen. Ich bleibe neben Gandalf am Tor stehen und versuche das Tor herunterzulassen, doch Thorin schickt mich mit einer kurzen Handbewegung weiter zum Haus. Gemeinsam mit dem Zauberer lässt er das Eisengitter hinunter, während die anderen Zwerge sich in Richtung Tür drängen. Bombur, Fili und Dwalin erreichen als erstes die Hütte und werfen sich mit ihrem gesamten Gewicht gegen die Tür, doch irgendwie geht die Tür nicht auf, vermutlich verschlossen. „Beeilt euch“, ruft Gandalf ungeduldig hinter uns. Die Zwerge stehen nun allesamt vor dem Eingang und kommen zum Verrecken nicht rein. Ich hoffe das ist nicht euer Ernst, es kann doch jetzt nicht wahr sein, dass 13 Zwerge und 1 Hobbit nicht im Stande sind eine einfache Holztür zu öffnen. Gut, dann muss halt meine Wenigkeit eingreifen. Ich dränge mich durch bis ich direkt vor der dunkelbraunen Tür stehe. Okay, das ist echt übel, es kann doch nicht so schwer sein einen Riegel zur Seite zu schieben. Innerlich schlage ich mir mit der Hand vor die Stirn, doch da ich das noch später machen kann, hebe ich rasch den schweren Eisenriegel hoch und schon schwingt die Pforte auf. Erleichtert stürmen wir ins Innere des fremden Hauses und wollen die Tür hinter uns zuknallen, als ein großer, schwarzer Bär sein gesamtes Gewicht
    dagegen schmeißt. Erschrocken fahre ich wieder herum, der heiße Atem des Tieres schlägt in mein Gesicht, der bittere Mundgeruch zieht mir alles zusammen. Ich blicke in die wild glänzenden Augen des Tieres und ein Schauer läuft mir über den Rücken, als ich nicht nur Wut, sondern auch Verwirrung in seinem Blick sehe. Vielleicht hat er noch nie Zwerge oder Elben oder Hobbits gesehen, ich meine spitze Ohren, die wilden Bärte oder unnatürlich große Füße können einen schon mal etwas aus der Fassung bringen. Dass ich mich beim deuten des Blickes geirrt habe schließe ich mal aus, da ich was Emotionen von anderen Lebewesen bisher immer recht hatte. Liegt vielleicht in der Familie, das werde ich leider nie herausfinden, aber vielleicht hat auch Lanadriel mir das beigebracht. Ich habe diese Fähigkeit solange ich denken kann oder zumindest kann ich mich nicht an eine Schulung im Bereich Gedankenlesen erinnern. Also muss ich es in jungen Jahren gelernt haben. Und dieser Bär ist kein Mordlustiger Geselle, er will nur etwas beschützen und dafür sollten wir ihn nicht umbringen. Doch da erwischt der Bär beinahe Nori mit seinen scharfen Zähnen. Okay man könnte ihn ja zumindest so einschüchtern, dass er nicht mehr meine Freunde zerfleischen will. Ich spanne meinen Bogen und ziele mit der Pfeilspitze auf die Schnauze des Tieres. Sein Ausdruck ändert sich in etwas verunsichert, doch er gibt nicht auf. Auch Bilbo zückt seinen Brieföffner und die Zwerge schaffen es schließlich, den Bären auszusperren. Kaum ist die Tür mit einem weiteren Riegel an der Innenseite gesichert, atmen wir auf und ich stecke den Pfeil mit der Spitze nach unten zurück in den Köcher. „Was war das Gandalf?“, fragt Ori verängstigt und horcht an der Tür. „Das ist unser Gastgeber.“, lautet die brummige Antwort. Ich sag ja nicht, dass er Freudensprünge machen soll, mir ist auch das Lachen vergangen, aber so grummelig? Ernsthaft Gandalf! Äh Sekunde, das hat er gerade nicht wirklich gesagt, oder? Sorry ich brauch gerade etwas länger. Also noch mal langsam für mich: „Unser was bitte? Gastgeber? Ich verlange eine Erklärung“, sage ich verwirrt und ungläubig. „Ja natürlich, sein Name ist Beorn und er ist ein Hautwechsler.“ Okay das erklärt mal wieder alles oder nichts. Oder halt vielleicht sagt es mir doch etwas. Lanadriel hat mal von Hautwechslern erzählt als ich klein war, sie sagte fast alle seien gestorben durch die Orks, anscheinend ist Beorn einer der wenigen, die überlebt haben. „Sagtest du deswegen, dass er uns entweder umbringt oder uns hilft?“, will ich von ihm wissen. „Richtig, mal ist er ein mörderischer Bär den nichts und niemand aufhält und mal ist er ein großer, starker Mann, mit dem man vernünftig reden kann.“, erklärt Gandalf uns. „Wenn er ein Bär ist, hat er dann Kontrolle über sich selbst?“ Nein, bewusst handeln kann er kaum. Außerdem schätzt er Zwerge nicht besonders.“ Das Grummeln der Zwerge ignoriert er, stattdessen sieht er sich prüfend um. „Nun, legt euch schlafen. Hier müssten wir für die Nacht sicher sein.“, ordnet er an. „Hoffe ich jedenfalls“, fügt er leise hinzu, nur ich höre es dank meiner
    Elbenohren. Ist ja sehr toll, danke für deine Sicherheit, Gandalf der Graue, elegant und flink wie immer erklimme ich einen der breiten, querliegenden Holzbalken, wo ich heute die Nacht verbringen werde, da ich keine Lust habe, im Schlaf von um sich tretenden und schnarchenden Zwergen gestört zu werden. Ich habe echt nichts gegen diese lustige und liebenswerte Rasselbande, aber im Schlaf können die echt unausstehlich sein. Ich suche mir eine bequeme Position, von der ich auf die Zwerge herabschauen kann. Thorin liegt ruhig atmend in einer Ecke, Gandalf hat sich auf einen Strohballen gepflanzt, Bilbo liegt direkt unter mir, an den Holzpfeiler gelehnt und spielt mit irgendwas Glitzerndem. Bombur dreht sich grunzend von einer Seite auf die andere und kratzt sich am Hintern und außer Kili und Fili, die noch leise miteinander tuscheln, versuchen alle etwas Schlaf zu finden. Ja Fili ist eigentlich ganz süß, mit seinem Beschützerinstinkt und seinen Witzen. Aber anderes Thema. Zum Glück kommen weder Beorn noch die Orks hier herein, schließlich haben wir das Tor zuge...! Moment, wenn Thorin und Gandalf das Eisengitter heruntergelassen haben, dürfte Beorn gar nicht erst an die Tür gekommen sein. Wie bei allen Valár hat er das nur angestellt? Nun ich werde ihn einfach selbst fragen, oder Gandalf, der weiß schließlich immer alles. Aber erstmal ein wenig schlafen und von was Schönem träumen von Zuhause oder …, ist mir eigentlich relativ egal. Ich lege den Kopf auf meinen Unterarm und schlafe schnell mit einem Lächeln ein. Am nächsten Morgen wache ich spät auf nach einem verwirrenden Traum. Also von schönem Schlafen hatte das ja wohl nicht sehr viel. Aber gut, neuer Tag, neues Glück. Helles Sonnenlicht dringt durch die Fenster, sanft kitzelt es mein Gesicht, leise klopfen Zweige mit kleinen grünen Blättchen an die staubigen Fenster, als ob sie ebenfalls hereinwollten. Eines der Fenster steht offen und lässt kühle Luft über meine Haut streichen. Die Zwerge, Gandalf und der Hobbit sind bereits auf den Beinen und diskutieren mal wieder, ich werde das Gefühl nicht los, dass sie keine anderen Hobbys haben. Aber dieses Thema ist nun echt lächerlich, denn diesmal geht es darum, zu fliehen bevor Beorn uns bemerkt oder ob wir einfach mal hallo sagen. Ist doch klar, dass wir mit ihm reden, er hat uns nicht umgebracht als wir in sein Haus eingedrungen sind, dafür sollten wir uns zumindest vorstellen. Ich lasse mich vom Balken gleiten und federe den Sprung in den Knien ab. Keiner bemerkt, dass ich wach bin, sie stehen in einem engen Kreis und gestikulieren wild. „Guten Morgen alle zusammen.“, begrüße ich sie voller Tatendrang. Alle drehen sich zu mir um und grüßen zurück. „Ah Glaur, hast du gut geschlafen?“, fragt Gandalf höflich, woraufhin ich wild nicke. Kann mir mal jemand sagen warum ich so gut drauf bin? Fili zwinkert mir zu. Kili und Bilbo rücken auseinander und ich stelle mich zwischen sie. „Also was steht an“, frage ich unternehmungslustig in die Runde, woraufhin Fili schmunzeln muss. „Du bist wieder ganz schön motiviert“, bemerkt Bofur. „Warum auch nicht, bisher läuft doch alles gut, wenn es so weiter geht, haben wir ein Hotel am Fuß des Erebors aufgemacht“, grinse ich. „Wir sollten uns nicht zu sicher fühlen, es kann immer noch viel passieren“, weist Thorin mich zurecht, doch ich gehe nicht weiter darauf ein und schaue Gandalf fragend an, ich habe schließlich immer noch keine Antwort erhalten. „Wir werden uns Beorn vorstellen. Ohne seine Hilfe, schaffen wir es nicht durch das Wilde Land. Überall laufen Orks herum und andere mögliche Gefahren.“, besinnt der Zauberer uns, woraufhin einige Zwerge murren, doch Gandalf ignoriert es wieder. „Dieser Schachzug erfordert ein gewisses Geschick, denn die letzte Person die ihn verschreckt hat, wurde zerfetzt. Bilbo, wir beide gehen voraus und reden mit ihm. Ihr anderen wartet auf mein Zeichen und kommt dann immer paarweise. Seid freundlich, nicht misstrauisch, verlogen oder kämpferisch und stellt euch höflich vor.“ Gandalf gibt gerne Anweisungen hab ich so das Gefühl. Wir alle nicken und während Gandalf und Bilbo das Haus verlassen, späht Bofur durch ein kleines, viereckiges Fenster um uns Bescheid zu sagen, wenn Gandalf das Zeichen gibt. „Habt ihr auch so ein ungutes Gefühl bei der Sache?“, will Ori wissen. „Nö. Was soll schon groß passieren.“, antworte ich locker. Auch die anderen scheinen wenig Bedenken zu haben. Ich lege meine Waffen ab und die Zwerge schauen mich fragend an. „Gandalf hat gesagt wir sollen nicht kämpferisch wirken.“, erkläre ich und lege meine Dolche auf den Tisch. Die anderen folgen meinem Beispiel. Danach biegt sich der Tisch nur so vor Waffen. Schwerter, Äxte, Streithammer, Dolche, Bögen, Messer, Pfeile und viele andere Waffen bringen den Tisch nun beinahe zu Bruch. Ganz schön stabiler Tisch. „Da, Gandalf hat das Zeichen gegeben!“, ruft Bofur vom Fenster aus. Schon gehen die Zwerge alle paar Sekunden paarweise aus der Tür. Zuerst Dwalin und Balin, dann Oin und Gloin, dann folgen Ori und Dori. Mit großen Schritten verlassen schließlich Kili und Fili die Hütte, und auf einmal stolpern Bifur, Bofur, Bombur und Nori aus dem Haus. Als letztes stehen Thorin und ich im Haus. „Nach dir.“, sage ich zu ihm und lächle ihn an. Er nickt und verlässt ebenfalls das Haus. Ich folge ihm wenige Augenblicke später und trete ins helle Tageslicht. Beorn ist wirklich ein Riese, struppige, lange, schwarze Haare und funkelnde, hellbraune Augen. Von seinem Gesicht erkennt man durch die langen Augenbrauen(Die er sich mal zupfen sollte) und den Bart nicht viel. In seiner Hand hält er eine gewaltige Axt. „Oh ja und Glaur, die habe ich beinahe vergessen.“, meint Gandalf zu dem Hautwechsler und lacht künstlich. Wie kann man mich vergessen? Ich deute eine Verbeugung an und als er erkennt, dass ich kein Zwerg bin, huscht ein erleichtertes Lächeln über sein Gesicht. Anscheinend kann er Elben ganz gut leiden und darüber kann ich mich nur freuen. Kurze Zeit später hocken wir alle in einer, naja ich nenne es mal freundlich ausgedrückt Küche und stärken uns mit Ziegenmilch und Brot, Käse und Obst. Endlich mal etwas Vertrautes. Die Krüge sind etwa halb so groß wie ich, aus diesem Grund teilen sich manche einen Becher. „Mir wäre jetzt ein Bier lieber“, murrt Dwalin. „Ach wieso, ist mal was anderes.“, freue ich mich und wende mich an Beorn. „Wieso lebst du hier so alleine. Gibt es nicht noch andere Hautwechsler?“, frage ich Beorn vorsichtig. „Früher haben die Orks sich einen Spaß daraus gemacht uns als Sklaven zu halten. Sie haben uns gefoltert und getötet, wann immer sie wollten. Früher waren wir viele, doch jetzt gibt es nur noch einen.“, erzählt uns der große Mann mit Trauer in der Stimme. „Oh.“ „Ihr wollt euch den Erebor zurückholen, doch ihr schafft es nicht hier weg. Die Orks werden euch töten, bevor ihr den Düsterwald erreicht.“, warnt uns Beorn und wechselt somit das Thema. „Nun deshalb sind wir hier. Wir wollten Euch um Hilfe bitten.“, springt Gandalf ein. Misstrauisch schaut Beorn uns an. „Ich mag keine Zwerge! Sie sind gierig und blind! Blind für das Leben, dass sie für niedriger halten!“, er macht eine lange Pause. Puh, damit bin ich ja nicht gemeint. Auch wenn das unwichtig ist. Den Zwergen ist anzusehen, dass das Gerede von Beorn ihnen ganz und gar nicht gefällt. Glücklicherweise sagen sie nichts dazu. Der Hautwechsler fährt mit seiner tiefen, ruhigen Stimme fort: „Doch Orks hasse ich mehr! Was braucht ihr?“ Überrascht sehe ich ihn an. Ich habe gedacht, dass der Erfolg etwas länger auf sich warten lässt. „Nun, wir brauchen Proviant, und wenn ihr einige Ponys entbehren könnt, sagen wir nicht nein.“, meint Thorin. Beorn nickt, wir beenden das Frühstück und gehen dann raus auf die Koppel. 14 schwarz-weiße Ponys grasen dort friedlich und in einem Schuppen finden wir die passende Ausrüstung. Gandalf bekommt ein etwas größeres braunes Pferd, welches Beorn gerade aus dem Stall führt. Hmm, irgendwie geht die Zahl der Ponys nicht ganz auf. Wir haben ein Pferd zu wenig. Toll und was mach ich jetzt? Ich stehe etwas verloren zwischen den Zwergen, die mehr oder weniger elegant auf ihre Ponys klettern. „Solltest du nicht auch auf einem Pferd sitzen?“, fragt Fili mich, der hinter mir auf seinem Pony sitzt, mit seinem Lächeln. „Es gibt eines zu wenig.“, informiere ich ihn. Grinsend hält er mir die Hand hin und ich nehme sie, das Lächeln erwidernd. Mit seinem kräftigen Griff zieht er mich hinter sich auf das Pony. „Wo bleibt Gandalf?“, fragt Kili seinen Bruder. „Keine Ahnung.“, antwortet Fili. Dann wandert Kili´s Blick von Fili zu mir. „Pass auf Glaur. Er ist ein böser Junge!“, warnt er mich grinsend und reitet zu Thorin. „Ach, weißt du, ich kann mich eigentlich ganz gut verteidigen. Ihr braucht euch nicht um mich zu sorgen.“
    „Gandalf! Wir müssen los, die Orks können bald hier sein!“, ruft Thorin dem Zauberer zu, der einige Meter entfernt mit Beorn redet. Gandalf nickt steigt auf sein Pferd und Thorin gibt das Signal zum Start. Auch Fili treibt das Pony an. „Halt dich gut fest.“, sagt er und ich bin mir sicher, dass er da noch einige Hintergedanken hat. Schon geht es los, neben Thorin, Gandalf und Kili rasen wir über die Ebene. Die anderen Zwerge befinden sich irgendwo hinter uns. Ich drehe mich um und sehe die Zwerge die sich schief irgendwo festhalten. Bilbo hat wiedermal keine gute Haltung und Bombur´s Pony schnauft am Ende der Truppe hinter uns her. Armes Pony. Ich sehe wieder nach vorne über Fili´s Schulter und erkenne den Düsterwald am Horizont. Ich lehne meinen Kopf seitlich an Fili´s Rücken und schaue mir die Landschaft an, die an uns vorbeirast. Am Rand des Düsterwaldes zügeln wir die Ponys. Eigentlich schade, ich könnte ewig mit diesem Zwerg...warte mal, was denk ich überhaupt. „Lasst die Ponys nun frei. Sie finden den Weg zu ihrem Herrn alleine.“, ordnet Gandalf an. Ich steige zuerst von dem Rücken des Pferdes, während Fili es ruhig hält. „Dieser Wald sieht irgendwie krank aus.“, spricht Bilbo seinen Gedanken aus, während auch die anderen sich von den Ponys schwingen. Niemand antwortet darauf, doch ich muss ihm Recht geben. Der Wald sieht wirklich schlimm aus, als hätte ihn irgendeine Krankheit befallen. Die Bäume wirken schwarz, knorrig und tragen kaum Blätter. Nur oben in den Baumkronen verhindern braune, verwelkte Blätter, das Licht den Waldboden berührt. Durch den leichten Wind knarzen sie ein wenig und es klingt, als ob sie jeden Moment zusammenbrechen würden. Gandalf wagt sich als erstes einige Schritte hinein. Ich helfe den Zwergen beim Absatteln der Ponys. Kurz darauf kommt Gandalf wieder aus dem Wald gerauscht. „Ein Pferd bleibt hier, ich brauche es.“, ruft er ohne Einleitung. „Was, du willst uns verlassen?“, frage ich ihn schockiert. „Ich würde es nicht tun wenn ich nicht müsste, aber es geht nicht anders.“, meint Gandalf und ich höre Bedauern in seiner Stimme. Schon kommen die nächsten Anweisungen: „Der Wald ist verflucht, er wird versuchen eure Sinne zu betäuben. Geht immer den Weg entlang, kommt nicht von ihm ab, sonst seid ihr für immer verloren. Glaur, du dürftest nicht so große Schwierigkeiten bekommen, Elben sind da nicht so empfindlich.“ Ich nicke ein wenig erleichtert und Gandalf wechselt noch ein paar Worte mit Thorin und Bilbo. Dann schwingt er sich erneut in den Sattel und reitet fort. Also dann. Auf in den Düsterwald. „Hoffentlich kommen wir da heil raus.“ Ori macht sich mal wieder viel zu viele Sorgen. Die erste Zeit wandern wir ohne Pause dem unverfehlbaren Weg entlang. Für mich ist dieser Wald wie ein
    großer Spielplatz. Tiefhängende Äste und stabile Lianen machen es möglich, dass ich trotz dieses bedrohlich wirkenden Waldes meinen Spaß habe. „Glaur, lass den Unfug. Wer weiß was hier im Unterholz lauert.“, weißt Thorin mich schließlich in die Schranken. Missmutig gehe ich also in der Schlange von Zwergen zwischen Bofur und Nori mit denen ich mich unterhalte. Thorin, führt uns immer weiter in den Wald, doch plötzlich stockt der Zug. Ich dränge mich nach vorne um zu sehen was passiert ist. Die Steinbrücke, die den Weg über den Fluss ermöglicht, ist eingestürzt. „Wir könnten rüberschwimmen.“, schlägt Kili vor. „Hast du nicht gehört was Gandalf gesagt hat? Das Wasser ist verwunschen!“, weist Thorin ihn zurecht „Ich habe gerade keinen Wunsch.“, erwidert Bofur. „Das heißt ja auch nicht das du dir hier was wünschen kannst.“, erkläre ich ihm kopfschüttelnd. „Hier diese Äste sehen stabil aus.“, meint Kili und will schon über braune und trockene Lianen und Äste, die aus dem Wasser ragen, den Fluss überqueren. „Halt!“, ruft Thorin, „Wir schicken den leichtesten voraus.“ Wir sehen alle Bilbo an, der zunächst widerspricht, dann aber klein beigibt. „Ich könnte auch rüber klettern.“, schlage ich vor. „Nein, du kommst über jeden Weg, der Hobbit aber nicht, wenn er es schafft, können wir das auch.“ Thorin bleibt stur. Doch leider hat er damit nicht ganz Unrecht. Ich schaue wieder zu Bilbo der gerade ein wenig in einer misslichen Lage hängt. Sein Gesicht und das Wasser trennen nicht mehr als 10 Zentimeter. Erstarrt hängt er da, offenbar hat die braune Suppe unter ihm eine hypnotisierende Wirkung. „Bilbo!“, rufe ich, was ihn wieder zur Besinnung bringt. Er kraxelt mühevoll den Rest und lässt sich auf der anderen Seite zu Boden sinken. „Ich kann euch nur empfehlen, bleibt wo ihr seid.“, keucht er ein wenig zu spät. Die Zwerge sind bereits im Geäst und schwingen sich mehr oder weniger elegant von Ast zu Ast. Ich hingegen habe keine Schwierigkeiten und lande bereits nach wenigen Augenblicken neben dem Hobbit. Kurz darauf stößt auch Thorin zu uns. Mit schief gelegtem Kopf, beobachte ich wie die Zwerge mit der Botanik kämpfen. Plötzlich hören wir ein lautes Platsch und Bombur treibt schnarchend an der Wasseroberfläche. Wie kann man bitte im Klettern einschlafen? „Holt ihn da raus!“, kommandiert Thorin und ich schwinge mich zu den anderen um ihnen zu helfen. Mit vereinten Kräften schaffen wir es den rothaarigen Zwerg an Land zu schleifen, werfen und tragen. „Bei den Valar, der ist ja schwerer als ein ganzes Haus.“, fluche ich als er mich beinahe plattmacht. Fix bauen wir eine provisorische Trage und hieven die Schlafmütze darauf. „Warum wecken wir ihn nicht einfach?“, frage ich Fili, der zusammen mit Kili, Bofur, Ori, Nori und Dwalin diese Last schleppt. „Weil das keinen Sinn hat, wenn der einmal schläft, weckt ihn nichts auf, es sei denn er riecht was zu Essen. Und wir müssen so schnell wie möglich hier raus, also können wir keine Pause machen, nur um ihn zu füttern.“, ächzt der blonde Zwerg. „Soll ich euch helfen?“, frage ich, weil ich mir blöd vorkomme, wenn ich hier so unbeschwert herum hüpfen kann. „Den bekommst du nicht hoch, da würdest du dir jeden Knochen brechen. Aber danke.“, antwortet Fili. „So schwer wird er nicht sein, wenn sechs ihn tragen.“ „Du kannst es ja mal versuchen, aber sag nicht ich hätte dich nicht gewarnt.“, meint er und ich nehme seinen Platz ein. Ach du liebe Güte, der ist ja noch schwerer auf der Trage. Mit aller Kraft stemme ich die Holztrage nach oben, dennoch rutscht der Schlafende gefährlich weit in meine Richtung. Schnell legt Fili seine warme Hand auf meine und übernimmt wieder einen Teil des Gewichts. „Puh, in Zukunft höre ich auf dich“, stöhne ich. Warum muss ich immer so stur sein? Oder färbt Thorin auf mich ab? Naja egal, warte mal, wo ist der Weg? Oh nein, bitte sag nicht dass wir uns verlaufen haben. „Thorin, wo sind wir hier?“, rufe ich nach vorne. „Wir müssten noch immer nach Osten laufen.“ „Und wo ist Osten?“, brüllt Dwalin. „Wir haben die Sonne verloren!“, jammert Ori. „Los sucht den Weg!“, ordnet Thorin an. „Was ist mit Bombur?“, frage ich ihn. „Legt ihn irgendwo ab, wo er nicht wegrollen kann, wir ihn nicht verlieren oder vergessen und wo es aber trotzdem geschützt ist.“ Na super, das könnte Stunden dauern bis wir so einen Punkt gefunden haben. Aber ich mache mir gerade sowieso mehr Sorgen um meine Reisegefährten. Anscheinend zeigen die Versuche des Waldes, sie in die Irre zu führen, Wirkung. Sie torkeln ein wenig und einige reden nur noch Blödsinn vor sich hin. In kleinen Gruppen durchforsten wir die Umgebung. Bifur passt währenddessen auf Bombur auf. Gemeinsam mit Thorin, Dwalin und Bilbo suche ich den Weg den wir gekommen. „Hier sind wir hergekommen!“, stelle ich fest, denn unsere Spuren sind eigentlich kaum zu übersehen. „Dann müsste da drüben...die Brücke sein.“, schlussfolgert Dwalin. „Sehen wir uns die Brücke mal an.“, beschließt Thorin und geht voran. Der Trampelpfad macht einen scharfen knick um einen Baum und da steht sie auch schon. Die kaputte, alte Steinbrücke, wegen der wir jetzt einen schweren, schlafenden Bombur tragen müssen. Vorsichtig betrete ich sie und wage mich an die Kante, von der es in die träge dahinfließende Suppe geht. „Geh da lieber weg, Glaur. Nicht das die Brücke noch einstürzt.“, warnt Thorin mich und ich gehe zurück auf den festen Waldboden. Dwalin mustert wachsam die Umgebung, auch wenn dieser Wald ihm sichtlich zu schaffen macht und Bilbo und Thorin suchen den Weg, der eigentlich direkt vor unserer Nase sein müsste. Am Rand der Brücke, wo dieser vermaledeite Weg sein muss, liegt eine dicke Blätterschicht. Mit einem abgebrochenen Zweig fege ich sie zur Seite, doch darunter ist nur Erde. „Hier ist gar kein Weg.“, stelle ich fest. „Die Brücke dient nur dem Zweck, diejenigen die hier durch wandern in die Irre zu führen.“ „Vielleicht ist es eine Falle!“, knurrt Dwalin und nimmt seine Streitaxt in die Hand. Auch ich lege vorsichtshalber eine Hand auf den Griff meines Schwertes und lausche die Umgebung ab. „Hier ist niemand. Und wenn doch, bewegt er sich vollkommen geräuschlos.“, berichte ich. „Gut, gehen wir zu den anderen.“, ordnet Thorin an und geht schon los, um unsere
    Reisegefährten zu informieren. Wir folgen ihm eilig. Die anderen Zwerge stehen nun alle in einer großen Gruppe und diskutieren mal wieder. So langsam habe ich das Gefühl, diskutieren ist ihre Lieblingsbeschäftigung. Gleich neben Unfug treiben und Bier trinken. „Habt ihr etwas gefunden?“, fragt Balin sobald wir zu ihnen treffen. „Allerdings!“, knurrt Thorin und berichtet kurz und knapp was sich ereignet hatte. „Das heißt also wir haben uns verirrt, wir werden nie hier rausfinden.“ Ori verbreitet natürlich wieder Panik. „Natürlich kommen wir hier raus, dieser Wald hat ein Ende, wir müssen nur nach Osten gehen.“, widerspreche ich. Auch wenn ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann. „Und wo ist Osten?“, murrt Dwalin. „Das können wir ganz leicht rausfinden.“, meine ich mit einem Lächeln und deute auf die Baumkronen. „Du willst da rauf?“, fragt Gloin mich entsetzt. „Nein, nicht du wirst darauf klettern. Du bist die einzige, die noch etwas Überblick hat, ich gehe darauf!“, meldet sich Bilbo freiwillig. Erstaunt sehe ich ihn an. Thorin nickt müde und der Hobbit macht sich auf, der Sonne entgegen. Ich lasse meinen Blick schweifen und auf einmal sehe ich etwas, was mir ganz und gar nicht gefällt! Spinnennetze! Riesige Netze und ich hasse Spinnen doch so. Sonst habe ich vor kaum etwas Angst, aber wenn ich diese ekeligen Viecher mit ihren acht Beinen und ihre vielen Augen sehe...! Ich verziehe das Gesicht und schüttele mich. „Was ist los?“, will Thorin wissen. „Hier leben irgendwo Spinnen und ich hasse Spinnen.“ „Ich weiß auch welche Spinnen!“, meldet sich Nori. „Es sind riesige Spinnen, die hier leben, sie wickeln jeden, der ihnen zu nahe kommt in ein Netz und fressen ihn dann, wenn das Herz noch schlägt!“ Na toll, hoffentlich sind wir noch nicht in ihre Privatsphäre eingedrungen. Ich sehe die Zwerge an, die sich keuchend an Bäume stützen und nicht wirklich kampffähig wirken. Manche taumeln auch wie betrunken durch die Gegend. Oje es geht bergab mit mir. Und aus irgendeinem Grund fühle ich mich beobachtet. Unruhig blicke ich um mich. Und plötzlich sind sie da. Bestimmt 20 riesige Spinnen, die uns angreifen. Ich habe nicht mal Zeit für eine Warnung, da haben sie schon meine Gefährten zu Netzen versponnen. Ich will gerade mein Schwert ziehen, doch plötzlich sticht mich etwas in den Rücken, alles wird schwarz und ich falle unbeschwert in ein dunkles Nirgendwo. Ich öffne die Augen und erkenne zunächst nichts, als einen weißen Vorhang. Ich blinzele ein wenig und bemerke das um mich herum Spinnen krabbeln und die Zwerge, die ebenfalls eingesponnen sind. Große Valar steht uns bei. Ich kann mich kaum bewegen, geschweige denn mich befreien. Soll ich jetzt etwa als Spinnenfutter Enden? Panisch versuche ich, mich irgendwie aus dieser blöden Lage zu befreien, aber ich bin kopfüber an einen Ast gebunden. Okay ganz ruhig
    Glaur, konzentrier dich. Irgendeinen Weg hieraus muss es geben. Warte mal. Bilbo! Vielleicht findet er ja einen Weg, vielleicht haben die Spinnen ihn nicht gesehen. Wie zur Bestätigung höre ich ein lautes Poltern und die achtbeinigen Kreaturen ziehen ab, wahrscheinlich um herauszufinden was das war. Bitte lass das ein Trick gewesen sein. Ich versuche mich zu drehen und erkenne wie Bilbo auf uns zukommt und mit seinem kleinen Schwert die Zwerge losschneidet. Als letztes kommt er zu mir und auch ich falle kurz darauf auf den Boden. Autsch, zwischendurch habe ich noch einen Ast ans Kreuz bekommen und kurz darauf lande ich zwischen den Zwergen. So schnell ich kann befreie ich mich aus den klebrigen, weißen Fäden. Ich ziehe mein Schwert und sehe nach ob wir vollzählig sind. Bis auf Bilbo sind alle da. Ich blicke nach oben und erkenne, dass er gerade mit einer Spinne kämpft. Zum Glück gewinnt er schnell die Oberhand und was ich erfreut bemerke, ist das die Zwerge wieder klar im Kopf sind. „Achtung!“, brüllt Dwalin auf einmal und deutet auf einen Punkt hinter mir. Ich ahne was dort krabbelnd auf uns zukommt. Langsam drehe ich mich um und meine Vermutung bestätigt sich. Die Spinnen rasen wütend auf uns zu. Angewidert verziehe ich das Gesicht und hebe mein Schwert. Schon wimmelt es auf der kleinen Lichtung nur so von kämpfenden Zwergen und Spinnen. Und ich bin mittendrin und schlachte angeekelt die Biester nieder. Auch die anderen kämpfen verbissen. Dwalin drescht mit den Fäusten auf eine ein. Thorin schlägt gerade einer Spinne sein Schwert in den Nacken, Kili sticht sein Schwert in das Gesicht eines der Krabbeltiere. Fili springt auf den Rücken einer Spinne und rammt ihr seine Waffe in den Rücken. Und auch die anderen greifen zu ihren Waffen und beteiligen sich an dem Gemetzel. Warte mal, wo ist Bilbo? „Sie sind weg!“, brüllt Thorin, als scheinbar auch die letzte Spinne tot ist. Doch das ist nicht der Fall. Vor uns seilen sich zwei Spinnen ab und plötzlich taucht ein Elb mit hellblonden Haaren und blauen Augen auf. Er skatet auf einer Spinne den Baum herunter und schlittert unter der anderen hindurch und schlitzt sie währenddessen auf. Elegant springt er auf, spannt den Bogen und zielt auf Thorin. „Glaubt nicht ich würde euch nicht töten, Zwerg. Es wäre mir ein Vergnügen.“ Blitzschnell spanne auch ich den Langbogen. Von allen Seiten her kommen auf einmal Elben, mit gespannten Bögen treiben sie uns zusammen. Gegen die Überzahl haben wir keine Chance, dennoch lasse ich die Waffe nicht sinken. Plötzlich hören wir einen Schrei. „KILI!“, schreit Fili und will zu ihm stürmen. Im letzten Moment halte ich ihn fest. „Warte, sie würden dich umbringen und dann kannst du ihm auch nicht helfen!“ Ergeben bleibt Fili stehen, als auf einmal noch eine Elbin auftaucht. Geschickt turnt sie durch die Äste und rettet Kili vor den Spinnen. Die anderen Elben interessiert das nicht, sie machen sich daran uns die Waffen abzunehmen. Bei mir dauert es nicht lange, doch ich versuche dem Elben mörderische Blicke zu zuwerfen, um ihm zu sagen: „Ich bin auch ohne Waffen besser als du!“ Der Elb der Fili durchsucht findet jedoch immer mehr Waffen. Wo bringt er die eigentlich unter? Wenn ich es mir recht überlege will ich es gar nicht wissen. Oder doch? Keine Ahnung jedenfalls wundert es mich.

    5
    Der Anführer der Elben heißt, wie ich inzwischen rausgefunden habe, Legolas, er ist der von Sohn Thranduil und ich glaube ich habe noch nie im Leben einen Elben gesehen, der einen so arroganten und selbstgefälligen Eindruck macht. Insgeheim muss ich mir gestehen, dass er nicht der Hässlichste unter den Elben ist, aber sein Charakter ist bisher einfach nur mies. Jetzt erhält der Elbenprinz die Elbenklinge von Thorin. „Woher habt Ihr die?“, fragt er unseren Anführer. „Die wurde mir geschenkt“, lügt Thorin. Ich klatsche mir die Hand vor die Stirn. Oh Gott im Lügen muss ich ihm dringend Nachhilfe geben. „Nicht nur ein Dieb, sondern auch ein Lügner. Was erwartet man von einem Zwerg!“ Dieser Legolas! Ich könnte ihn umbringen, wenn hier nicht seine Kindergartenbetreuung wäre. „Thorin, wo ist Bilbo?“, fragt Bofur leise. Suchend sieht der Anführer sich um. „Autulya!“ (Abführen), ordnet Legolas an. In einer Reihe marschieren wir zum Palast der Waldelben. Diese scheinen den Wald gut zu kennen, denn auf sicherem Weg führen sie uns in ihr Reich. Dort angekommen sperren die Elben uns sofort in den Kerker. In den massiven Stein wurden Wege und Treppen gehauen. Durchzogen ist der Palast mit mächtigen Wurzeln, die ebenfalls als Wege genutzt werden. Die Zellentüren bestehen aus Eisen. Unmöglich sie zu zerbrechen. Manche kommen paarweise in die Zellen. Nori und Ori, Oin und Gloin und zu meiner Freude werde ich zu Fili gesperrt. Das könnte doch eine recht angenehme Gefangenschaft werden. Doch zuerst muss Fili offenbar Frust abbauen. Immer wieder wirft er sich gegen die Zellentür. „Das bringt nichts, wir kommen hier nur raus, wenn der König es zulässt“. Wütend hört Fili auf und lehnt sich neben mich an die kalte Felswand. Kurz darauf wird Thorin zu Thranduil geholt. Zu meiner Überraschung soll ich ebenfalls dabei sein. Zwei Elben führen uns in den Thronsaal. Auf dem Thron sitzt stolz der Waldelbenkönig Thranduil. Auf seinen glatten weißblonden Haaren sitzt die machtverleihende Krone aus edlen Zweigen und seine stahlblauen Augen mustern uns kühl. Jetzt erhebt er sich langsam. Seine edle Kleidung bringt seinen schlanken Körper zur Geltung. Und noch etwas überrascht mich: Er schlägt einen Handel vor, einen, der uns eigentlich nicht viel bringt, aber für ihn wahrscheinlich perfekt ist. Wir dürfen gehen und dafür überreichen wir ihm Edelsteine, die er begehrt. „Nun was sagt Ihr, von einem König zum anderen.“ „Nun ich glaube nicht das der große Thranduil sein Wort hält!“, antwortet Thorin kalt. „Thorin...“, versuche ich ihn zur Vernunft zu bringen, leider erfolglos. „Einst kamen wir zu Euch, hungernd, baten um Eure Hilfe aber IHR, Ihr habt euch abgewandt! Ihr habt keine Ehre!“, brüllt er. Überrascht schaut Thrandruil den wütenden Zwerg an. „Ihr wisst nichts über das Feuer, das uns beinahe vernichtet hat.“ „ICH weiß, was dieses Drachenfeuer anrichtet. Ich warnte bereits Euren Großvater, aber er wollte
    nicht hören!“ Trotzig funkelt Thorin den Elb an. „Bleibt hier wenn ihr wollt! 100 Jahre sind nichts im Leben eines Elben. Ich kann warten!“, zischt Thranduil. „Ich will mit der Elbin reden, führt den Zwerg ab!“ Was? Was will er denn von mir? Thorin sieht jedoch nicht ein, ohne mich wegzugehen. Stur bleibt er an Ort und Stelle stehen. Die Wachen müssen ihn förmlich tragen, damit er wieder zu den anderen kommt. „Wenn Ihr ihr nur ein Haar krümmt bring ich Euch um!“, brüllt er, bevor er weggeschleift wird. Ich sehe den König fragend an und versuche dabei nicht schwach auszusehen. „Was wollt ihr von mir?“, frage ich ihn kühl. „Es ist ungewöhnlich. Eine Elbin reist mit 13 Zwergen durch die Wildnis. Warum?“ Seine Stimme klingt wie immer ruhig und gefasst. „Ich muss mich vor Euch nicht rechtfertigen.“, entgegne ich. „Das ist wahr. Nun denn, ich möchte Euch fragen, ob ihr Interesse habt, Euch dem Waldlandvolk anzuschließen. Meine Krieger haben euch beobachtet als ihr gegen die Spinnen gekämpft habt. Legolas sagte Ihr seid eine gute Kriegerin.“ Ich weite entsetzt die Augen. Dieser Legolas hat uns beobachtet? Die ganze Zeit über im Wald? Was ist das denn für ein Stalker? Und warum redet dieser arrogante Elbenprinz über MICH? Sollte ich mir Sorgen machen? Ich verberge meine Überraschung. „Es wird Euch hier gut ergehen. Ihr werdet neben Tauriel Anführerin der Grenzwachen und müsst Euch nicht mehr mit den Zwergen herumschlagen“, fährt Thranduil fort. Das ist ja nicht zu fassen. Aber vielleicht liegt gerade darin unsere Chance. „Ich fühle mich geehrt, doch verstehe ich nicht ganz, warum Ihr mir so eine hohe Stellung anbietet. Ich nehme nicht an, dass Ihr jeder dahergelaufenen Elbin dieses Angebot macht.“, ich versuche interessiert zu klingen. „Nun ich habe meine Gründe, früher oder später werdet Ihr es erfahren, doch dafür müsst Ihr hier bleiben und die Zwerge ziehen lassen“ Ein geheimnisvoller Glanz tritt in seine Augen und schlagartig wird mir bewusst, dass dieser König mehr über mich weiß als ich selbst. Wütend muss ich mir eingestehen, dass das Angebot nicht schlecht ist. Aber mein Platz ist in der Gemeinschaft, doch um sie zu befreien, muss ich sie alle überlisten. Stolz hebe ich das Kinn. „Mein König, es wäre mir eine Ehre, an Eurer Seite und an der Seite der Waldlandelben die Grenzen dieses Landes zu verteidigen und sollte es mein Leben kosten.“, erwidere ich und erkenne das siegessichere Lächeln, das für den Bruchteil einer Sekunde über das Gesicht Thranduils huscht. „Gut, Legolas wird Euch ein letztes Mal zu den Zwergen bringen, dort könnt Ihr Euch verabschieden oder sonst was tun, aber tut nichts was mein Misstrauen weckt. Danach wird mein Sohn Euch Euer Zimmer zeigen, werte Glaur“, mit einer Handbewegung schickt er mich weg, Legolas wartet einige Schritte hinter mir und verneigt sich leicht vor mir. Woher kannte Thranduil meinen Namen? Weder ich noch Thorin haben ihn genannt, ist er irgendwie Hellseher oder so etwas in der Art? „Folgt mir“, sanft lächelt Legolas und geht voran zurück in Richtung Zellen. Kurz vor der Abzweigung, die zu den Zwergen führt geht er jedoch gerade aus, eine Treppe nach oben. Dort hält er sich links und auf einmal stehen wir auf eine Art Balkon und können sämtliche Zellen überblicken. „Glaur!“, ertönt der erleichterte Ruf aus Filis Richtung und auf einmal drängen sich 13 Zwerge an die Gitterstäbe. Ich werfe einen Blick zurück zu Legolas, der sich knapp hinter mich steht. Ich meine seinen warmen Atem in meinem Nacken zu spüren, doch das verdränge ich und besinne mich auf meine jetzige Tat. Auf dem Weg hierher habe ich mir sorgfältig überlegt, wie ich die Elben hereinlegen werde. Ich muss so kalt und abweisend wie möglich wirken, die Zwerge werden merken, dass es nur eine List ist, so gut sollten sie mich nun langsam echt kennen. Nur die Elben müssen es schlucken und Legolas, dem ich anscheinend echt gefalle, kann ich das bestimmt auftischen. Ich setze einen arroganten Blick auf und schaue herablassend auf meine Freunde. „Da sitzt ihr nun, in euren kleinen mickrigen Zellen und werdet nie mehr das Licht der Sonne sehen. Thranduil hat Recht, es lohnt sich nicht an einem Unternehmen teilzunehmen, das sowieso zum Scheitern verdammt ist.“ Allen bleibt der Mund offen stehen, keiner versteht was ich da sage. „Glaur, was soll das? Du bist eine von uns.“ „Nein nicht mehr. Legolas und Thranduil haben mir die Augen geöffnet, es ist sinnlos mit euch Zwergen weiter zu reisen“, erkläre ich ihnen, während ich das Wort Zwerge mindestens genauso verachtend ausspreche wie der Elbenkönig es vorhin getan hat. „Hier werde ich ein besseres Leben führen, mit meinem Volk“, ergänze ich noch, doch Fili will einfach nicht aufgeben. „Glaur, was immer dieser aufgeblasene möchte-gern König...“ „Schweig, Zwerg!“, unterbreche ich ihn kalt wie Eis. „Du hast nicht das Recht meinen König so zu beleidigen, er ist ein guter König und ein weiser Mann. Und du solltest deine Wortwahl überdenken!“ Oh Gott so schwer habe ich mir das nicht vorgestellt, einige Tränen wollen aus meinen Augen ausbrechen, alles in mir schreit danach mich zu entschuldigen und alles zu erklären. „Glaur, du hast noch die Wahl, komm mit uns oder bleib hier bei dem und den anderen Elben“, meint nun auch Thorin mit rauer Stimme. Schlagartig wird mir klar, dass sie denken müssen ich hätte mich für Legolas entschieden statt für Fili und dass ich sie deswegen im Stich lasse. Große Valár ich wollte nicht, dass das so eskaliert. „Ihr wollt mich vor die Wahl stellen? Fein, dann waren dies die letzten Worte, die wir gewechselt haben“, beschließe ich hart, drehe mich um und rausche scheinbar wütend davon. „Glaur..!“, ertönt noch Fili´s Stimme, die mir das Herz zerreißt, doch ich gehe weiter. Legolas wirft besonders Fili noch einen Killerblick zu und folgt mir dann. „lénna sa lye mai?“ (geht es dir gut?) „Natürlich, warum sollte es nicht? Ich habe nur auf eine Gelegenheit gewartet, mich von diesen ungewaschenen Zwergen zu trennen. Dies war nur der Wink des Schicksals auf den ich gewartet habe.“ „Du willst wirklich hier bleiben“, stellt er fest und scheint darüber alles andere als unglücklich zu sein. „Ich bin froh, dass du dich so entschieden hast.“ Ha, wenn du wüsstest, aber es war eigentlich klar das zumindest er leicht zu manipulieren war. „Ihr bringt mich in Verlegenheit, ich sollte mit Tauriel reden, wegen der Wachen.“ Hey, ich könnte Schauspielerin werden. „Sie erstattet gerade meinem Vater Bericht“, ruft Legolas und ich bleibe abrupt stehen. „Oh“, sage ich einfach nur und tue überrascht. Innerlich veranstalte ich gerade Freudentänze, besser könnte es gar nicht sein, jetzt muss ich nur noch an die Schlüssel kommen und dann ist die Kompanie Thorin Eichenschild´s weg und zwar schneller als ihr denken könnt. „Ich bringe dich zu ihm“, charmant lächelt er und führt mich durch das Waldlandreich. „Seit wann sind wir eigentlich auf, du´?“, necke ich ihn und tatsächlich wird er ein wenig rot. „Oh verzeih, ich dachte...“ „Ist schon okay.“, erwidere ich kokett lächelnd. Unterwegs begegnen wir einigen Elben, die mich misstrauisch und ein wenig verwirrt anstarren. Eine Truppe junger Elbinnen fangen an, hinter unseren Rücken zu tuscheln, was mich etwas verunsichert. „Was reden die da? Was ist so schlimm daran, dass ich mich euch angeschlossen habe?“, will ich wissen und bleibe ruckartig stehen. „Es liegt nicht an dir, es liegt an mir“, genervt stöhnt er auf, während ich ihn mit hochgezogener Braue mustere. „Sämtliche Elbinnen im Waldlandreich machen sich Hoffnungen, dass ich sie zur Frau nehmen würde. Mein Vater will, dass ich heirate um den Thron zu sichern. Aber ich warte immer noch auf die Frau, die ich von ganzem Herzen liebe.“, erklärt er und sieht mir dabei mit seinen ozeanblauen Augen ehrlich an. Aus irgendeinem Grund schlägt mir mein Herz bis zum Hals und ich erwidere den Blick, verdammt was ist los? „Wir sollten gehen“, sage ich und gehe voraus. Da kommt auf einmal von hinten ein Elb angerannt und wechselt einige leise Worte mit Legolas, der seine Augen entsetzt weitet und dann wütend zu mir schaut. „Die Zwerge sind entkommen!“ Auch ich reiße überrascht die Augen weit auf und mir klappt der Mund auf, wie haben sie das angestellt? Bilbo? „Was weißt du davon?“, herrscht Legolas mich an und weiche erschrocken einen Schritt zurück. „Gar nichts, ich schwöre. Woher soll ich denn etwas wissen, ich war die ganze Zeit bei Euch!“, rechtfertige ich mich, das ist doch jetzt echt die Höhe. Der Wütende Gesichtsausdruck weicht einem schuldbewussten. „Tut mir leid, ich wollte Euch nicht anfahren. Aber wie haben sie es geschafft mit den Fässern für die Seestadt zu entkommen?“ „Fässer!“ Jetzt geht irgendetwas komplett den Bach runter, 1. wie sind sie aus den Zellen entkommen 2. warum nehmen sie nicht den Hauptausgang 3. warum sagt mir keiner was? Ich wette Bilbo hat es irgendwie geschafft den Elben die Schlüssel abzunehmen, ich wusste schon immer, dass ein Meisterdieb in ihm steckt. Und der Hauptausgang wird bewacht sein, ergibt also Sinn und okaayy ich gebe zu sie müssen mich jetzt für eine totale Verräterin halten, nachdem ich sie so zur Schnecke gemacht habe. Das war auf jeden Fall einer der schwersten Momente in meinem Leben. „Gut ich mache Euch ein Angebot, ich weiß wo die Zwerge hinwollen und welchen Weg
    sie nehmen werden. Ich nenne ihn Euch und Ihr hört auf, Euch so kindisch zu verhalten.“, herausfordernd schaue ich ihn an, wenn meine Lügen wirklich angeschlagen haben, dürfte er jetzt zusagen. Der Bote schaut ein wenig skeptisch drein, aber Legolas ist überzeugt. Jetzt brauche ich nur noch eine Route, weit weg von den anderen, aber dank meiner Reisen mit Lanadriel kenne ich mich ja recht gut aus in Mittelerde. „Gut, wo wollen sie lang, durch Esgaroth?“ „Große Valár nein, Thorin ist der letzte der irgendwas mit Menschen zu tun haben will. Nein sie gehen außenherum und werden von hinten an den Erebor gelangen“, flunkere ich geschickt. Sofort gibt Legolas den Auftrag eine 10-köpfige Patrouille zusammenzustellen, die sich unter seiner, Tauriels und meiner Führung auf die Jagd nach den Zwergen machen soll. Wow, ich hätte nicht gedacht das es so gut läuft. „Komm mit“, befiehlt Legolas mir und rennt los. Mit großen Sprüngen folge ich ihm, habe zwar keine Ahnung was er vorhat, aber er wird schon wissen was er tut. Hoffe ich jedenfalls. Die Elben an denen wir vorbei sprinten schauen nur verdutzt, normalerweise geht hier alles recht friedlich zu, die meiste Action passiert nur draußen im Wald mit den Spinnen. Kurz darauf gelangen wir wieder ins Freie, auf eine Art Aussichtsplattform. Legolas deutet auf den Fluss, der unterirdisch durch das Waldlandreich fließt und etwa 10 Meter unter uns wieder aus dem Stein sprudelt. Und etwas weiter entfernt tanzen mehr als ein Duzend Fässer in den Stromschnellen, genau auf eine Steinbrücke zu und bei genauerem Hinsehen erkenne ich tatsächlich alle 13 Zwerge und Bilbo, die da den Fluss hinab rauschen. „Schließt das Tor!“, lautet das knappe Kommando aus Legolas´ Mund. Einer der Diener hebt ein geschwungenes Horn an die Lippen und ein lauter Ton erklingt. Sofort kommt Bewegung in die Soldaten auf der Brücke, einer von ihnen geht mit langen Schritten auf einen großen Hebel zu und drückt ihn herunter. Was danach geschieht bemerke ich nicht mehr, da ich mich Legolas zuwende. „Los jetzt, wir können sie wieder einfangen, ich hoffe Ihr könnt mit mir mithalten“, necke ich ihn und springe elegant auf einen dicken Ast, der zu uns hoch reicht, klettere geschwind den Baum herunter. Legolas schlittert einfach den Stamm runter und landet federnd neben mir. „Natürlich kann ich mithalten“, grinst er und sprintet los, ich folge ihm dicht auf den Fersen. Nur das ich einen umgestürzten Baum, der halb an einem anderen Baum lehnt, nutze um in die Baumwipfel zu klettern. Egal ob Bäume oder Dächer, in den Höhen Mittelerdes bin ich unschlagbar. Als hätte ich nie eine andere Strecke zurückgelegt, hüpfe ich durch die Äste und Legolas der sich schon verwirrt umdreht, kapiert gar nicht dass ich ihn schon längst überholt habe. Kurz vor der Brücke, die Zwerge hängen an einem Gitter im Fluss fest und können nicht weiter, bleiben wir plötzlich abrupt an Ort und Stelle stehen. Mehr als 20 Orks überfallen die Grenzen, töten gnadenlos die Wachen und wollen auf die Gemeinschaft losgehen. „Was wollen DIE denn schon wieder“,
    seufze ich von einem Ast, gehe in die Hocke, halte mich mit beiden Händen fest und lasse in eine Hängeposition gleiten und lasse mich auf den Boden fallen, der über und über mit herabgefallenen Blättern bedeckt ist, die leicht zittern, als meine Füße sanft aufkommen. „Ich hoffe du kannst kämpfen“, zieht nun der Prinz mich auf. „Machst du Witze? Du hast mich, laut Thranduil doch schon kämpfen sehen.“ Wenn er das jetzt leugnet bin ich schwer enttäuscht, bisher habe ich noch die Hoffnung, dass er doch recht anständig sein könnte. „Lass uns darüber reden, wenn wir diese Mistviecher zurück nach Mordor gejagt haben“, meint Legolas nur, zückt seinen Bogen und verschießt die ersten Pfeile. Auch ich nehme nun meinen geliebten Langbogen und nach kurzer Zeit fallen die Orks wie die Fliegen. Während Legolas noch aus sicherer Entfernung Pfeile verschießt, nehme ich meine Zwillingsdolche zur Hand und springe die Orks an und zerschneide ihnen reihenweise die Kehlen. Einer versucht mich von hinten abzumurksen, aber der geht bereits zu Boden. Einer von Legolas´ Pfeilen steckt in seinem Hinterkopf. Ich nicke ihm dankbar zu und schenke meine Aufmerksamkeit dann wieder meinen Angreifern. „Glaur, der Hebel“, ruft Fili mir zu, wenigstens er hat noch Vertrauen in mich. „Fili sieh es ein, sie wird uns nicht mehr helfen!“, schimpft Dwalin wütend, woraufhin Kili eilig aus seinem Fass klettert und sich auf den Weg zu dem Hebel macht. „Geh da weg!“, herrsche ich Kili an, doch dieses Mal um ihn zu beschützen, doch das sieht er ganz anders. „Glaur, so bist du nicht, wieso tust du das?“ Ich würde es gerne allen erklären, aber ich bin gerade leider mit diesen dreckigen Orks beschäftigt. Ein besonders großer Ork ragt auf einmal hinter Kili auf, aber der schwarzhaarige Zwerg bemerkt es einfach nicht. Zum Glück bin ich nicht mehr der Mittelpunkt des Kampfes, doch der ist nun Kili, der immer noch nichts von der drohenden Gefahr hinter mitbekommt. Kurzerhand nehme ich wieder meinen Bogen her und ziele auf den Ork hinter Kili. Jetzt geht es um Millimeter, wenn ich hier daneben schieße ist Kili tot und ich bin unten durch bei den Zwergen. Aber vor allem würde ich mir selbst nie verzeihen. Ich nehme den Ork ins Visier, atme ruhig ein und wieder aus und lasse die Sehne, die nun bis zum äußersten gespannt ist, zaghaft los. Ein rasches Gebet an die Valár, dass Kili jetzt nicht in die Flugbahn springt. Aber meine Sorge ist unbegründet, der Pfeil trifft nicht Kili, sondern den Ork, der röchelnd zu Boden geht und sich nicht mehr rührt. Alle schauen mich mit großen Augen an, anscheinend dachten sie ich würde auf Kili zielen, aber das sollten sie lieber für sich behalten, denn dann könnte es passieren dass ich wirklich noch ausraste und das will hier niemand das können sie mir glauben. Trotz allem ziehe ich jetzt schon in Erwägung bei den Waldelben zu bleiben, ich spüre dieses Dazugehörigkeitsgefühl und das Kämpfen macht einen riesen Spaß. Ich weiß nicht was die Elben mit mir angestellt haben aber die vielen Erlebnisse die ich mit der kleinen Kompanie hatte waren nicht mehr als ein verschwommener Streif. Kili rennt nun also unbehelligt weiter die Stufen rauf und hat schon den Hebel in der Hand, als ein weiterer Pfeil angesaust kommt, nur der kommt weder von mir, noch verfehlt er den Zwerg. Der schiefe Pfeil mit der schwarzen Flüssigkeit an der Spitze dringt ungehindert in Kili´s Oberschenkel ein und mit einem lauten Schmerzensstöhnen geht er zu Boden.
    Nur einen Bruchteil einer Sekunde später fliegt auch mein nächster Pfeil an Kili vorbei, ich wollte mit meinem Pfeil die Laufbahn des Orkpfeiles umlenken, doch vergebens. Mit vor Schreck geweiteten Augen sehen 12 Zwerge, 1 Hobbit und ich den jungen Zwerg am Boden liegen. Legolas hat nichts davon mitbekommen, er ist mit einem besonders hartnäckigen Ork beschäftigt, der den Pfeil abgeschossen hat. Es ist Bolg, der Sohn von Azog, der uns mit seiner Orkmeute gefolgt ist und uns hier an der Grenze aufgelauert hat. Immer mehr Orks wollen dem blonden Elb in den Rücken fallen und ihn erstechen, doch dank seiner elbischen Reflexe entkommt er jedes Mal aufs Neue. Erschrocken springe ich zu Kili helfe ihm wieder ins Fass drücke ihn einmal und sage er soll Fili führ mich mit umarmen. Entsetzt gucken mich alle an. „Es tut mir leid, eigentlich wollte ich euch helfen, aber ihr braucht mich nun nicht mehr. Ich habe mein Zuhause gefunden, jetzt sucht und findet euers. Viel Glück!“, es tut mir so weh alle ziehen zu lassen und ich fühle mich schlecht und mir wird schwindelig, als mir klar wird, ich habe sie verraten. Legolas ruft seine restlichen Kumpanen zusammen und verfolgt meine Freunde vom Ufer aus, um sie und die Orks endgültig aus dem Waldlandreich zu verscheuchen. Für uns Elben ist es ein Leichtes, den schwerfälligen Orks zu folgen und einige auch im Laufen mit unseren Pfeilen zur Strecke zu bringen. Während Legolas über die Köpfe der Zwerge in ihren Fässern springt, nehme ich mir mal wieder die Bäume zu nutzen, denn einige Zweige einer Trauerweide hängen perfekt um sie als Liane zu nutzen. Und es klappt besser als ich erwartet hätte, denn bevor ich auf dem Boden aufkomme, schaffe ich es noch im Flug einen meiner Dolche zu werfen, der sich in die Brust eines Orkes bohrt, der auf Fili´s Fass springen wollte. Nun fällt er mehr oder weniger auf Fili drauf, der ihm noch schnell das Messer aus dem Leib zieht, bevor der Ork im kalten Flusswasser versinkt. Der Dolch wird von einer Zwergenhand in die nächste geworfen, immer zu dem, der gerade am dringendsten eine Waffe braucht. Wenn das kein Teamwork ist weiß ich auch nicht weiter. Fili hält mit einer Hand das Fass seines Bruders fest, der sich aufgrund seiner Verletzung nicht wirklich wehren kann. Auf einmal bleibt Legolas stehen und schaut den Zwergen einfach nur nach, anscheinend ist hier die Grenze.

    6
    „Du bist wirklich bei uns geblieben“, murmelt der Elb. Ich sehe ihn überrascht an, er hatte wirklich daran gezweifelt. Dann ist er ja doch nicht so einfach zu manipulieren. „Nun ja, zwischendurch habe ich selbst daran gezweifelt hier zu bleiben“ „Eigentlich hätte ich jetzt erwartet, dass du mir einen Dolch in den Rücken rammst und den Zwergen folgst“, grinst er. „Ist gar nicht mal so abwegig“, sage ich mit hochgezogenen Augenbrauen und drehe mich um. Er folgt mir immer noch grinsend. Mit unserer elbischen Geschwindigkeit dauert es nicht lange bis wir die Hallen von Thranduil wieder erreichen. Legolas verabschiedet sich kurz von mir und sagte irgendwas von Strategien gegen Spinnen und das Tauriel mir mein Zimmer zeigen würde. Bis jetzt habe ich Tauriel noch gar nicht so richtig wahrgenommen. Sie hat orangerote Haare und braune Augen. Sie lächelt mich an: „Komm, dein Zimmer liegt direkt neben meinem.“ „Wohnen alle Waldelben hier in den Hallen?“, frage ich sie während ich mich erstaunt umgucke. Hunderte von Elben strömen in eine Richtung. „Nein, viele leben auch in kleinen Dörfern im Wald oder vereinzelt in kleinen Häusern. Aber wir haben derzeit viele Flüchtlinge wegen den Spinnen, außerdem kommen gerade alle zum Abendessen.“, antwortet sie. Ein leises Knurren ertönt aus meinem Bauch. „Nun vielleicht sollten wir auch erst einmal essen gehen, ich habe nämlich auch einen Bärenhunger!“, grinst sie. Tauriel wechselt die Richtung und wir laufen der langen Schlange von vielen verschiedenen Elben hinterher. Eines muss man den Waldelben ja lassen. Sie haben wirklich großartiges Essen. „Willst du nicht noch eine zweite Portion essen?“, fragt mich eine blonde ziemlich arrogant aussehende Elbin, mit der ich zu meinem Bedauern an einem Tisch sitze. „Nein, danke ich muss ein wenig auf meinen Bauch aufpassen“, wäre ich ab. Das stimmt natürlich nicht ich bin ja schlank und kann so viel essen wie ich will, ohne Fett anzusetzen. „Ist der nicht groß genug um auf sich alleine aufzupassen?“, kichert die bescheuerte Elbin. Alle meine Tischnachbarinnen lachen, sie versuchen ja nicht mal es sich zu verkneifen. Tauriel sitzt mit ernster Miene neben mir. Auch sie scheint nicht die Beliebteste bei den anderen Elbinnen zu sein. „Warum sitzen wir noch einmal mit denen an einem Tisch?“, flüstere ich Tauriel zu. „Waren die einzigen freien Plätze“, kommt die knappe Antwort. In der Gegenwart von den anderen Elben scheint sie nicht so gesprächig zu sein. „Sind die immer so fies zu neuen?“, frage ich sie. „Nein, es liegt nicht an dir sondern an Legolas“, wieder nur eine flüchtige Antwort. So langsam habe ich das Gefühl, dass ich gar nicht erst versuchen muss das Gespräch anzuwärmen. Die Elbinnen mir gegenüber fangen an zu tuscheln. Genervt verdrehe ich die Augen. Wenn ich sie jetzt einfach mit irgendeinem Spruch zum Schweigen bringen könnte. Dumm nur das mir genau jetzt keiner einfällt. Angestrengt denke ich nach. Wie wäre es mit: „An alle die über mich lästern. I love to entertain you! “ Ne zu alt. Plötzlich verstummen sie alle und schauen mit großen Augen auf einen Punkt hinter mir. Tauriel und ich drehen uns um und sehen wie Thranduil und Legolas die Halle betreten. Machen eigentlich alle Elben so viel Gewese um die Beiden? Ist das nicht ein bisschen kindisch? Respekt, ja gut. Aber ist es respektvoll die beiden mit hängender Zunge und Speichelfäden anzuglotzen. Urplötzlich setzt das Getuschel mit vierfacher Lautstärke wieder ein. „Das ist ja untypisch“, murmelt Tauriel. „Warum?“, ich wende mein Gesicht zu ihr. „Legolas sieht man hier öfter, aber Thranduil…, sehr untypisch, sehr, sehr untypisch.“ Oh nein sie fängt an wie Gandalf zu reden. Nicht, dass ich Gandalf nicht mag. Aber er ist ein Zauber und Tauriel eine vernünftige Elbin. „Wollen wir jetzt gehen?“, frage ich leise. Sie fährt blitzschnell mit der Hand vor meinen Mund. Okay, okay ich hab’s verstanden. Das war ein absolutes NEIN ich will zusehen was DIE HIER MACHEN! Thranduil und Legolas scheinen zu diskutieren. Wohl auch eine Freizeitbeschäftigung bei den Elben, nicht nur bei den Zwergen. Ich versuche angestrengt etwas von dem Gespräch mitzubekommen. Verflucht, ich habe doch schon die besten Ohren von ganz Lothlórien und kann dieses Gespräch nicht mithören! Frechheit! Na gut, dann muss ich eben meine Augen anstrengen und Lippen lesen. So richtig lesen kann ich nicht was die da sagen aber zumindest kann ich erkennen wie Legolas scheinbar immer wütender wird. Jetzt wird’s richtig spannend. Plötzlich dreht sich Legolas um und rauscht wütend in Richtung des zweiten Ausgangs. „Komm“, sagt Tauriel, nimmt meine Hand und zieht mich mit sich. „Wo willst du hin?“, frage ich sie und stoppe abrupt als wir aus der Essenshalle raus sind. „Ihm nach und ihn fragen was los ist“, sagt sie als wäre es selbstverständlich. Ich kenne diesen Elb seit einem Tag und will einen auf beste Freundin machen. Da hat sich Tauriel aber bei mir geschnitten. „Warum?“, frage ich deshalb trotzig, „er will bestimmt seine Ruhe haben und wenn er mit Thranduil über Kampfstrategien gegen Spinnen gesprochen hat, wird er uns sowieso nichts sagen.“ „Wir sind genauso führende Kräfte der Wachen wie er“, sie schaut mich vorwurfsvoll an. „Versteh doch, er hat mit dem König über G*E*H*E*I*M*E Kampfstrategien gesprochen, GEHEIM!“, ich verdrehe leicht die Augen und forme noch einmal mit dem Mund geheim. Ich war und bin schon immer stur. Dagegen kann man nichts machen und gerade wenn etwas gegen meine Natur lief, kann mein Gegner genauso gut auf Granit beißen. Anscheinend hat Tauriel dafür keine Argumente mehr, denn sie klappt ihren Mund auf und wieder zu und wieder auf. „Na gut“, seufzt sie. Dann macht sie eine 180° Drehung und zieht mich weiter hinter sich her. Irgendwann kommen wir zu einem recht hübschen Flur und halten vor zwei verschnörkelten Zimmertüren. „So, links ist deins“. Ich nicke und wünsche ihr eine gute Nacht. Der silberne Türgriff knarzt leise als ich langsam die schwere Eichentür öffne. Oh mein Gott, das Zimmer war definitiv eines der schönsten die ich jemals gesehen habe. Wer baut eigentlich solche Gebäude? Also, das ist echt eine Leistung. Die lauwarme Sommerbrise kommt durch die leicht geöffneten Fenster herein und lässt die hellen Vorhänge tanzen. Das große Bett steht zwischen den beiden Frontfenstern und der weiße Kleiderschrank ist genauso verschnörkelt wie die Tür. Außerdem hängt ein großer Spiegel über der Kommode, die meinem Bett gegenüber steht. Doch die größte Aufmerksamkeit schenke ich dem Balkon mit den vielen Ranken und dem atemberaubenden Ausblick. Gerade als ich die Balkontür öffnen will klopft es. Gut dann muss der Balkon eben warten. Ich berühre gerade mal die Türklinke, als die Tür auch schon aufgemacht wird. „Oh Tauriel, das kam ein bisschen unerwartet“, ich reiße die Augen auf. „Entschuldige, aber ich wollte schon den ganzen Abend mit dir reden. Aber irgendwie war die Gelegenheit nie da. Und ich kann einfach nicht auf morgen warten. Außerdem bietet sich da dann vielleicht auch keine Gelegenheit und…“, es sprudelte aus ihr heraus wie aus einem Wasserfall. „Jetzt stopp mal bitte und setzt dich“, ich zeige mit einem Lächeln auf mein Bett, „Was ist denn so dringend?“ Erschöpft lässt sich Tauriel auf das weiche Bett fallen und räuspert sich: „Nun ja, dieser Zwerg, ich glaube er heißt Kili und er hat mir das hier gegeben.“ Was Kili? Was hat er denn mit Tauriel zu tun! „Hallo?“, sie wedelt mit einem Stein vor meiner Nase herum. Ich nehme ihn und betrachte ihn genau. Ja, das ist definitiv Kilis Stein. Er hat häufiger mal abends damit rumgespielt oder wenn ihm totlangweilig war. „Wo hat er ihn dir gegeben?“, frage ich verwundert. Ich bin wirklich verwundert. Warum hat Kili, den Stein, Tauriel geschenkt? Ich weiß, dass der Stein für ihn eine besondere Bedeutung hat. Als ich ihn eines Abends nach dem schwarzen Stein gefragt habe, hat er mir darauf zwar keine richtige Antwort gegeben aber er hat gesagt: „Er ist sehr wichtig für unsere Familie und mich, eine Art Glücksbringer.“ „Als sie im Käfig saßen, ich habe mich mit ihm unterhalten. Für einen Zwerg ist er gar nicht so klein. Naja und dann hat er ihn mir in die Hand gedrückt und hat gesagt, dass ich ab und zu an ihn denken soll“, Tauriel lächelt verträumt. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Liegt es eigentlich in der Familie, dass sich diese Zwerge in Elben verlieben? Ich sitze mit Tauriel bis spät in die Nacht in meinem Zimmer und erzähle ihr von den Zwergen, insbesondere Kili. Als mir plötzlich etwas einfällt, was ist wenn Thranduil sie geschickt hat, um heraus zu finden wie eng ich mit den Zwergen war. Für den Rest des Gesprächs, versuche ich meine Stimme bei dem Wort Zwerg, kalt klingen zu lassen. Irgendwann gegen Mitternacht, steht Tauriel auf und erklärt mir, dass ich morgen zu Sonnenaufgang aus den Federn sein muss. Ich bin wirklich schon todmüde. Seufzend versinke ich in den vielen Kissen meines federweichen Bettes. Ich wache sehr zeitig auf, als der erste Sonnenstrahl durch meine großen Fenster gleitet und mich an der Nase kitzelt. Verflixt, ich habe vergessen die Vorhänge zu zuziehen. Jetzt kann ich sowieso nicht mehr einschlafen. Ein wenig zombiemäßig bewege ich mich Richtung Kleiderschrank und öffne ihn im Schneckentempo. Ich bin zwar kein Langschläfer, aber ein Frühaufsteher bin ich dann auch wieder nicht. Nachdem ich dann aber den ersten Blick in den Kleiderschrank geworfen habe, bin ich hellwach. So viele wunderschöne Sachen. Es gibt Kleider, natürlich Tuniken, Korsetts, Stiefel, Hosen, Rüstungen und zu meiner größten Freude. Extrem scharfe Dolche, die kunstvoll geformt sind. Schnell streife ich mir eine dunkelgrüne Tunika über, die schulterfrei ist und einen langen Schlitz an beiden Ärmeln hat. Dazu ein besticktes Lederkorsett, Lederhose und Stiefel. Und schon sehe ich aus wie eine Waldelbe. Ich bin auf jeden Fall zufrieden mit meinem Aussehen. Schnell bürste ich noch meine Haare und stecke die Dolche ein. „Du siehst umwerfend aus.“ Blitzschnell ziehe ich die Dolche wieder heraus und ziele in die Richtung aus der die Stimme kommt. „Mach, das, nie, nie, wieder!“, stöhne ich und lasse die Dolche wieder an ihren Platz zurück fallen. Legolas steht grinsend und ein wenig verängstigt in der Tür. „Was hättest du gemacht, wenn ich hier nackt gestanden hätte?“, frage ich ihn vorwurfsvoll. „Den kurzen Anblick genossen, mich entschuldigt und danach hätte ich wahrscheinlich blutüberströmt am Boden gelegen.“, er grinst breiter. „Nur nebenbei, es gibt einen Schlüssel“, er zeigt auf das Türschloss. Vielleicht erwartet er ja, dass ich jetzt rot werde, aber diesen Gefallen werde ich ihm nicht tun. „Aber eigentlich wollte ich dich fragen, ob du mich zum Frühstück begleiten willst.“ Ach, jemand wie der arrogante Prinz muss frühstücken. Das hätte ich nicht gedacht. Ich dachte immer die ernähren sich nur von Luft und Eigenliebe. Am liebsten würde ich ihm das ja ins Gesicht sagen. Aber ich will keine lebenslängliche Haft riskieren. Da ich sowieso vorhabe jetzt zu frühstücken, sage ich unter Widerwillen zu. Legolas ist mir irgendwie nicht so richtig geheuer. Schweigend geht er voraus. Irgendwann fängt er an mir den normalen Tagesablauf zu erklären. Sonnenaufgang: Aufstehen. Frühstücken. Erste Grenzpatrouille zusammenstellen. Einer von uns muss die begleiten. Besprechung. Mittagessen. Zweite Grenzpatrouille zusammenstellen. Erstmal frei, aber immer kampfbereit sein. Dritte Grenzpatrouille. Abendessen. Nachtwache zusammenstellen. Mir fällt es schwer nicht zwischendurch immer wieder. Ja Sir, Ai, ai Sir zu sagen. „Und was ist mit Urlaub?“, frage ich ihn sarkastisch. Er dreht sich mitleidig zu mir um. „Gibt’s nicht“ „Habt ihr eigentlich mehr, als mein Wort, dass ich führ euch arbeite?“, frage ich ihn mit nachdenklicher Miene. „Nein“ „Also, könnte ich theoretisch mein Wort brechen oder?“, ich schaue ihn frech an. Er guckt entsetzt zurück. „War nur n Scherz“, murmele ich mit einem Lächeln. Er setzt mich bei meinen netten Tischnachbarinnen ab und sagt wir würden uns nach dem Frühstück vor dem Eingangstor treffen. Ich schaue ihn nicht an und nicke nur. Stattdessen beobachte ich die ganz verschiedenen Reaktionen meiner lieben Freundinnen. Manche starren ungläubig, anderen hängt die Zunge aus dem Mund und wieder andere werfen mir mörderische Blicke zu. Es ist ein Bild für die Götter. Ganz ehrlich wusste ich nicht warum sie so, so komisch waren. Kann man hier nicht ganz normal reden? Das Frühstück ist ja noch schlimmer als das Abendessen. Beim nächsten Mal werde ich diese Halle ganz bestimmt nicht mit Legolas gemeinsam betreten. Jemand tippt mir auf die Schulter. „Guten Morgen Tauriel“, lächle ich. Sie setzt sich wortlos neben mich und fängt an ein Honigtoast in sich herein zu stopfen. „Warum die Eile?“ „Impf zweif Miutenf müschen wif vormpf Torm seimpf!“ Okay, ich habe natürlich jedes Wort verstanden aber gut, wenn sie es eilig hat, ich habe es auch eilig hier weg zukommen. Also verschlinge ich den letzten Löffel meines Müslis und stehe auf. „Euch einen wunderschönen Tag!“, wünsche ich betont freundlich meinen Nachbarinnen. Sie belassen es bei einem trotzigen Blick und lassen Tauriel und mich ziehen. Ob ich mich jemals normal mit denen unterhalten werden kann, ich glaube nicht. Legolas steht schon draußen auf der Brücke und erteilt die ersten Befehle. „Lauft an die Ostgrenze und geht sie die ersten 40km sorgfältig ab. Kommt dann im Zick-Zack-Schritt zurück und tötet alle Spinnen und Orks die ihr finden könnt. Über unwillige Besucher werde ich bitte informiert, bringt sie jedoch als erstes zu meinem Vater. Tauriel wird euch begleiten.“, er nickt ihr kurz zu und sie stellt sich zu der Gruppe, mit der Legolas gerade geredet hatte. „Bei euch das Gleiche nur südlich.“ Ich höre schon dieses: „Glaur wird euch begleiten“ Doch da kommt nichts. Stattdessen wendet er sich an die dritte Gruppe von Elben und sagt: „Ihr kommt mit mir und Glaur!“ Ich brauche keinen Babysitter mehr, nach seinen eigenen Worten kann ich doch gut kämpfen. Ach ja, darüber gesprochen haben wir immer noch nicht. „Komm Glaur!“, ruft Legolas mir zu und sprintet schon Richtung Westen. Kann mich mal irgendjemand aufklären? Ich sehe gerade nicht mehr durch. Ich folge jedoch Legolas und hole ihn nach kurzer Zeit ein. Als wir im mitten im Wald sind nickt Legolas den anderen Elben zu und sofort verteilen sie sich und sind verschwunden. Überrascht stoppe ich. Wo sind sie hin? Sollte ich jetzt auch mich hinter irgendeinem Baum verstecken? Sorry Leggy, aber ich verstehe deine Körpersprache irgendwie noch nicht. Legolas hält auch an und setzt sich gemütlich auf eine Wurzel und lehnt sich zurück. „Und wir warten jetzt einfach bis sie wieder zurück sind?“, ich setze mich neben ihn. „Du hast es erfasst“, er nickt, „wenn sie irgendetwas entdecken, pfeifen sie wir laufen hin.“ „Also gibt es doch sowas wie Freizeit bei euch?“ „Naja, soviel Freizeit ist es für dich jetzt sowieso nicht.“ Ich schaue ihn fragend an. „Mein Vater hat mir befohlen dich auszubilden“, er guckt mich erwartungsvoll an. „Aha, kämpfe ich euch nicht gut genug?“, lautet meine prompte Antwort. „Das habe ich ihm auch gesagt, aber er will, dass alle seine Krieger die gleiche Ausbildung haben.“ Ich runzele die Stirn: „Habt ihr euch deshalb gestern Abend gestritten?“ Er seufzt. Okay das ist gruselig, er streitet sich wegen MIR mit seinem Vater. Ich muss jetzt irgendwie vom Thema ablenken. „Okay fangen wir jetzt bei der Kindergartenausbildung an? Also mit kleinen Holzschwertern kämpfen und so?“, ich stehe auf und beginne wie ein Kleinkind mit einem unsichtbaren Gegner zu kämpfen. Legolas steht auf, wirft mir einen Stock zu und beginnt mir das alberne Rumgetänzele nach zu machen. Er zielt mit dem kleinen Ast auf mich und sagt: „Ergebt Euch!“ Ich grinse, schlage seinen Stock mit meinem zurück und wir fangen mit einem einfachen Schwertkampf an. Ich weiche etwas zu dem Baum zurück und bin mit zwei Sätzen in dem oberen Geäst verschwunden. „Nur zu, fang mich doch!“, rufe ich ihm zu und springe noch etwas weiter in die Baumkrone. „So schwer, wird das ja wohl nicht sein“, meint er und hüpft mir hinter her. Haha, das glaubst auch nur du. Ich schlittere den Stamm herunter und versuche zum nächsten zu gelangen. Das war ein großer Fehler. Denn auf dem Waldboden ist Legolas wirklich nicht der langsamste, das muss ich zugeben. Als ich den ersten Ast greifen kann, spüre ich eine warme Hand an meiner Schulter. Es kribbelt leicht. Mist, ich lasse mich elegant zurück auf den Waldboden gleiten. Legolas steht mit einem siegessicheren Lächeln vor mir. „Ist ja schon gut, du hast gewonnen“, leicht verdrehe ich die Augen. „Lass uns die anderen zurück rufen“, murmelt er und lässt den Blick an den Bäumen entlang schleifen. Er pfeift dreimal und es dauert keine zwei Minuten bis die anderen Elben wieder vor uns stehen. Alle gucken mit ernster Miene und keiner hat irgendwelche Vorfälle zu melden. Ob es zu der Ausbildung gehört, nicht zu lachen egal was passiert? Naja, vielleicht ist es ja so. Werde ich vermutlich bald erfahren. Ich spüre einen Knoten in meinem Magen, dieser Thranduil kann einen echt aufregen. Kann nicht leicht sein ihn als Vater zu haben. „Vielleicht gewinnst du ja jetzt“ Überrascht drehe ich mich zu Legolas um der schon mehrere Meter von mir entfernt, über Bäche und Wurzeln springt. Lächelnd folge ich ihm, vielleicht ist er ja doch ganz in Ordnung. Wieder schwinge ich mich in die Baumkronen hinauf und hangele mich von Ast zu Ast. Ich kann ihn jetzt schon ungefähr, unter dem dichten Laub der dicken Bäume ausmachen. Der Wind verwehte mein glänzendes Haar, als ich auf den großen Ästen entlang schlittere. Ahhh, eine Liane, perfekt. Die eignet sich super, um aus dem Hinterhalt anzugreifen. Ich grabe meine Hände in die grüne Pflanze und lande geräuschlos einen halben Meter hinter Legolas. Dieses Mal tippe ich ihm auf die Schulter. Er bremst abrupt und schaut mich überrascht an. „Unerwartet?“, frage ich ihn mit einem Lächeln. „Etwas, ich dachte ich hätte schon gewonnen.“ Ich folge seinem Blick und sehe nur zwei Meter von uns entfernt das Tor zu der Brücke von Thranduils Hallen. Okay, ich gebe zu das war knapp. Sehr knapp. Tauriel wartet schon vor dem Tor, allerdings ohne ihre Gruppe von Elben. Legolas nickt ihr nur kurz zu und verschwindet ohne ein Wort hinter dem Tor. Ich ignoriere das jetzt einfach mal, anscheinend kann er nicht damit umgehen, wenn er verliert. „Und wie war’s?“, Tauriel schaut mich erwartungsvoll an. Ich zucke leicht mit den Schultern. Ich kann ihr ja schlecht sagen, dass ich mit Legolas um die Wette gelaufen bin und mit Stöckern gespielt habe. „Also war es nicht so gut?“ Okay Glaur, du brauchst eine Ausrede. „Ich war nur enttäuscht, dass ich selbst keine Truppe anführen durfte.“, das ist die dümmste Ausrede ever. Wollen wir nur hoffen, dass sie es schluckt. „Oh glaube mir, in ein paar Wochen wirst du auch eine alleine anführen. Thranduil muss nur sicher sein, dass er dir vertrauen kann.“ WAS? Jetzt muss ich mehrere Wochen mit Legolas meine Stunden absitzen und mich langweilen. Stattdessen lächele ich Tauriel an: „Ich glaube ein paar Wochen halte ich aus.“ Oder auch nicht. „Legolas ist für sowas ja nicht die schlechteste Begleitung.“, sie zwinkert mir zu und lässt mich vor dem Eingangstor stehen. Was war das denn jetzt bitte? Vor allem wie hat sie das gemeint? Alle Alarmglocken schrillen gerade bei mir auf Rot. Ich gehe durch das Tor und… Legolas? „Hast du gewartet?“, stocke ich. „Ja, willst du mit zum Essen kommen?“, er schaut mich fragend an. Okay mein Plan nie wieder mit Legolas die Essenshalle zu betreten geht gerade in Luft auf. Aber warte mal… „Nein danke, aber ich habe keinen Hunger, eigentlich wollte ich mir jetzt die Ställe angucken gehen.“ Puh, gerade so gerettet. „Okay, dann zeige ich sie dir“ Doch nicht gerettet. Ehrlich gesagt, ist es mir wirklich lieber wenn er mitkommt. Die schlechteste Begleitung ist er dann auch wieder nicht. Außerdem will ich noch, das mit dem Kampftraining mit ihm klären. Er geht vor raus, durch die gesamten Hallen. Es kommt mir ewig vor. Mal biegen wir links ab dann rechts, dann wieder links und noch einmal links. Als ich fast im Gehen schlafe sagt er: „Da wären wir“ Es riecht so vertraut, nach Heu, nach, nach Ardamir… Traurig schaue ich auf den Boden, als ich an mein treues Pferd denken muss. Der Arme, er steht in Bruchtal ganz allein und hat niemanden. Er muss dort völlig durchdrehen. „Was hast du?“, Legolas schaut mich nachdenklich an. Ich sehe auf: „Oh, ich musste nur an mein Pferd denken. Er ist noch in Bruchtal. Ganz alleine“, füge ich hinzu. „Wie heißt er?“ „Ardamir“, als ich seinen Namen sage spüre ich wie meine Augen feucht werden. Schnell gucke ich weg. „Ein bisschen wie Amdir, Hoffnung“, er lächelt. „Und wie heißt dein Pferd?“, frage ich schnell, damit die bescheuerten Tränen nicht aus meinen Augen kommen. „Celeb, wie Silber, hier das ist sie.“, er zeigt auf eine hübsche, silberne Stute. Das Pferd schaut mich aus offenen, freundlichen Augen an und wiehert leise. „Sie ist wunderschön!“, flüstere ich und lege sanft meine Hand auf ihre Nüstern. Im gleichen Moment will auch Legolas ihre Schnauze streicheln und unsere Hände berühren sich. Ein leichtes Kribbeln durch fährt meinen Körper. Ich zucke und ziehe meine Hand zurück. Mann, war das peinlich. Immerhin ist er auch zusammen gezuckt. „Wir könnten ihn holen gehen“, meint er zu mir und sieht mich erwartungsvoll an. „Was?“ „Du hast mich schon verstanden“ „Dein Ernst?“ „Ich scherze nie“ „Könnte dir vielleicht gut tun“ „Was?“ „Humor könnte dir gut tun“ „Du hast ja genug für uns beide“ „Nix da, ich teile nicht mit dir“ „Warum nicht?“ „Weil deshalb“ „Deshalb ist keine Antwort“ „Du diskutierst mehr, als jede andere Frau“ „Nur weil es sich gut mit dir diskutieren lässt“ Ich wende mich ab und will den Stall verlassen. „Nein im Ernst jetzt, lass uns ihn holen gehen“ Er meint es wirklich ernst, Legolas will mit MIR eine fünf Tage Reise nach Bruchtal unternehmen, nur um MEIN Pferd zu holen. „Wir könnten morgen aufbrechen, aber wenn du nicht willst…“, versucht er es weiter. „Nein, ich will wirklich, er bedeutet mir viel. Wann denn morgen?“, ich kann es immer noch nicht fassen. „Wenn du bei Sonnenaufgang vor dem Tor bist können wir los. Ich bringe dir ein Pferd mit.“ Ich nicke ein wenig stockend und verabschiede mich von ihm. Erst nach ein paar Metern realisiere ich, dass ich Ardamir bald wiedersehen werde. Ich wage einen Luftsprung. Es ist mir jetzt einfach egal, was die anderen Elben von mir denken. Mein Bauch knurrt und erinnert mich schmerzlich daran, dass ich noch kein Mittag gegessen habe. Ach egal, dann esse ich halt auf meinem Zimmer ein bisschen Obst. Immer noch freudestrahlend laufe ich den Flur, auf dem mein Zimmer liegt, entlang und klopfe übermütig bei Tauriel. „Hast du auch für den Rest des Tages frei? Du siehst ja glücklich aus. Ist was Besonderes passiert von dem ich wissen sollte?“, fragt sie überrascht. „Ich werde Ardamir holen!“, rufe ich aus. „Wer ist das, dein Geliebter?“ Genervt verdrehe ich die Augen: „Nein, er ist mein Pferd.“ Ein Grinsen umspielt ihre Lippen: „Und deshalb bist du so gut drauf, oder wegen etwas anderem?“, ihre Stimme hat einen schelmischen Unterton. Was ist mit ihr los? Erst das vor dem Tor und jetzt das hier? So richtig erklären kann ich es mir nicht. Also warum nicht einfach fragen, oder? „Kannst du mir mal sagen, was du damit meinst?“ „Wer ist denn dein Begleiter?“ Sie geht also, mich ignorierend, weiter im Text. Na gut, du hast es so gewollt, ich kann das auch. „Von deiner vorletzten Frage ausgehend, die grammatikalisch leider nicht ganz korrekt war. Kann ich dir sagen, dass man diese ganz unterschiedlich interpretieren und auswerten kann. Zum einen ist der literarische Aspekt, nicht wirklich vertreten und ich hätte diese Frage mit einer leichten Tendenz in die Lyrik und die Dramatik gestellt und nicht in der Epik, so wie du es getan hast.“, ich schiebe mir eine unsichtbare Brille auf die Nase. Tauriel starrt mich fassungslos an. Super, die Klugscheißer-Verwirrungstaktik hat bei ihr angeschlagen. Ihr Gesichtsausdruck gleicht dem eines Esels, während ich Tauriels Gesicht mit dem von einem Esel vergleiche, kann ich bald nicht mehr vor Lachen. Ihr Gesicht entspannt sich wieder: „Okay, du hast gewonnen, ich erkläre sie dir“ Schon wieder nimmt ihre Stimme einen komischen Ton an. Ist das normal oder muss ich sie zum Psychologen und zum Sprachtherapeuten schicken. „Ich kann sie dir natürlich auch direkter stellen: Ist zufälligerweise Legolas dein Begleiter?“ Ahhh, darauf wollte sie hinaus. Ich kann ihr, dass ja jetzt schlecht verleugnen. „Hmmm“, sie zieht die Augenbrauen hoch. „Ja“, ich zucke mit den Schultern. Sie lächelt wissend. Beziehungsweise unwissend, sie weiß ja gar nichts! Pah, dass ich nicht lache. „Sag mal, magst du Legolas eigentlich?“ Kann sie jetzt nicht einfach mal damit aufhören. So etwas wäre privat! Hat sie schon mal was von Privatsphäre gehört? Aber gut, ich habe ja nichts zu verbergen. „Er ist ganz okay, aber manchmal ziemlich arrogant“, ich verschränke die Arme. „Und wie steht’s mit dem Aussehen?“ Geht das jetzt noch stundenlang weiter. „Ich kann nicht leugnen, dass er schlecht aussieht. Aber so gut jetzt auch wieder nicht“ Ich schaue weg. Mal ehrlich er sieht wirklich gut aus. Aber trotzdem verstehe ich nicht warum alle so viel Wind um ihn und seinen Ada machen. Ihr Gesichtsausdruck weicht immer noch nicht und sie sieht mich prüfend an. Wenn sie glaubt, dass ich auf DIESEN ELB stehe, dann weiß sie gar nichts von mir! Okay, sie weiß wirklich nichts von mir und kennt mich auch erst seit zwei Tagen. Für sie muss es wahrscheinlich Alltag sein, weil irgendwie alle weiblichen Geschöpfe dieser Erde, die sie kennt, in ihn verliebt sind. Aber dann zähle ich eben nicht zu „allen“. Jetzt muss ich erstmal Klartext mit ihr reden. „Tauriel, glaubst du allen Ernstes, dass ich auf LEGOLAS stehe!“ „Ähmm, wenn ich ehrlich bin, ja.“, sie grinst. „Bist du verrückt geworden! Ich muss schleunigst einen Psychologen aufsuchen, ach ja und einen Radiologen, einen Neurologen, ein allgemein Mediziner auch ein Orthopäde? Naja, sicher ist sicher. Außerdem brauchst du noch-...“, ich fange an „beunruhigt“ durchs Zimmer zu gehen. Tauriel liegt mittlerweile vor Lachen schon unter ihrem Bett. Ich stoppe meinen Monolog und sehe sie besorgt an. „War nur n Scherz, du bist die einzige Elbin die ich kenne, die ihn behandelt als wäre er normal.“, prustet sie. Ist es eigentlich immer so kompliziert mit Mädchen zu reden. Mit den Zwergen lässt es sich definitiv einfacher reden. Ich wünsche ihr noch einen schönen Nachmittag und sie verspricht mir, mich zum Abendessen, aus meinem Zimmer abzuholen. Ich öffne meine Zimmertür und widme mich endlich den großen Frontfenstern und dem Balkon. Eigentlich wollte ich mir das Beides schon gleich am Anfang angucken. Hat ja dann doch nicht geklappt. Die Sonne geht gerade unter und taucht alles in einen rotgoldenen Ton. Meine Mutter liebte diese Sonnenauf-und Untergänge, deshalb hat sie mich Glaur genannt. Das ist Sindarin und bedeutet „goldenes Licht“. Mein Vater mochte die Sterne lieber und wollte mich Elvea nennen. Übrigens ist das mein Zweitname und er bedeutet „sternengleich“. Wirklich wundervoller Name: Goldenes Licht Sternengleich. Er ergibt nicht einmal einen Sinn. Aber wenn man ihn normal ausspricht, also auf grauelbisch, hört er sich ganz in Ordnung an. Ich halte noch ein paar Minuten mein Gesicht in die wärmende Sonne, dann denke ich an die morgige Unternehmung. Bald bist du wieder bei mir Ardamir. Legolas Vergleich mit Amdir, passt gut. Ich habe immer viel Hoffnung in ihn gesetzt, die er auch immer erfüllt hat. Aber was ist, wenn er ausgerissen ist, was ist wenn er dort nichts fressen wollte und verhungert ist. Ich atme tief durch. Arwen wird schon wissen, was zu tun ist. Ich kenne sie schon ziemlich lange und ich habe sie und ihren Vater, oft mit Lanadriel besucht. Außerdem ist Arwen eher die Weisere von uns beiden. Während ich mich in meiner Freizeit mit Kampftechniken und den verschiedenen Kräutern und Wesen von Mittelerde beschäftigt habe, saß sie über Büchern von Philosophen, Dichtern und natürlich handelten die Bücher über Weissagungen, die Zukunft von Mittelerde und so weiter. Wie gesagt, das ist ihr Gebiet, ich kenne mich damit nicht aus. Mich interessiert eher das Jetzt, als das Überüberüberüberüberüberüberübermorgen. Na gut, was bringt Weisheit und Zukunftsvisionen, wenn man kämpfen kann, heilen kann, die Geschichte von Mittelerde auswendig kennt, alle möglichen Tierarten aufzählen kann und diese auch zähmen kann. Vielleicht ist das Ansichtssache, aber ich sehe es definitiv so. Elrond hat mir ja auch eine Ausbildung angeboten, aber wenn ich ehrlich bin, hat sich das extrem langweilig angehört. Ich meine ich war noch sehr jung, hatte nichts auf dem Kasten und konnte mich zwischen Abenteuern und Büchern entscheiden. Da fällt mir gerade so ein Spruch ein. Fragt der Lehrer: „Wenn ihr ein Gehirn und ein 500 Euroschein auf dem Boden liegen sehen würdet, was von Beiden würdet ihr nehmen?“ Schüler: „500 Euro, natürlich!“ Lehrer: „Die Jugend, ich hätte natürlich das Gehirn genommen.“ Schüler: „Jeder nimmt das was er braucht“ So ähnlich war es bei mir auch früher. Weisheit kommt schließlich mit dem Alter, fragt Gandalf, und ich bin schließlich für eine Elbin noch gar nicht alt. Außerdem stelle ich mir das gruselig vor, in jungen Jahren schon so zu reden wie Gandalf, brrrr. Da fällt mir gerade ein, ich habe Arwen schon sehr lange nicht mehr gesehen. Als ich mit den Zwergen da war, hat sie sich nicht blicken lassen. „Kommst du? Es gibt gleich Abendessen.“, höre ich Tauriels Stimme. „Ja klar“, antworte ich und schlüpfe durch die geöffnete Tür. „Kommst du zum Meren de y elen“ „Ähm zum Fest der Sterne? Keine Ahnung, hab noch nicht von gehört.“, ich schaue sie verwirrt an. Was redet sie da jetzt schon wieder? „Wirklich nicht? Ich dachte Legolas hätte dir davon bereits erzählt.“, jetzt guckt sie verwirrt. „Warum sollte er?“, was hat sie eigentlich die ganze Zeit mit Legolas? „Naja, ich dachte er hätte dich vielleicht eingeladen, mit ihm hin zu gehen…“ „Nein hat er nicht, er hat nicht einmal davon erzählt und selbst wenn er mich gefragt hätte, wäre ich nicht mit ihm hingegangen.“ „Schade, ich wollte dich gerade fragen.“ Entsetzt mache ich einen Satz nach hinten. Um die Ecke steht Legolas und grinst mich mal wieder an. „Musst du mich immer so erschrecken?“, frage ich schwer atmend. „Irgendwie macht es Spaß, du reagierst immer so vielfältig.“, er grinst breiter. Während Tauriel bereits neben mir im Erdboden versinkt. „Mal willst du mir einen Dolch in die Brust rammen und ein anderes Mal springst du zurück wie ein verängstigtes Kaninchen.“, fährt er fort. „Aber um zu meiner Frage zurück zu kommen, hättest du Lust mitzukommen?“ „So leid es mir auch tut, mein Lieber. Leider habe ich wie du sicherlich weißt, morgen etwas vor, wofür ich viel Schlaf und Motivation brauche. Also, sorry.“, ich lächele zuckersüß. Okay, gerade noch einmal die Kurve gekriegt. So verlockend die Vorstellung auch ist, danke aber nein danke. „Gut, dann begleite ich dich eben zum Abendessen“ Ich höre Tauriel leise husten. „Du kannst ziemlich hartnäckig sein.“ „Jep“, er wirft einen Blick über die Schulter und geht weiter. Super, ich bin gespannt wie meine Tischnachbarinnen gucken werden. Nachdem ich schon nicht zum Mittag erschienen bin, haben sie sich sicherlich Hoffnungen gemacht ich wäre von der nächsten Klippe gestürzt oder von einer Spinne gefressen worden. „Warum gehst du nicht mit ihm hin?“, zischt Tauriel mir mit funkelnden Blick zu. „Falls du es nicht mitgekriegt haben solltest, ich habe es ihm vor wenigen Minuten erklärt.“, warum ist sie denn jetzt bitte wütend auf mich. Was habe ich ihr getan. „Du bist die Erste, die er fragt und du servierst ihn ab?“, wenn Blicke töten könnten, läge ich jetzt wahrscheinlich am Boden. Irgendwie werde ich gerade auch wütend auf Tauriel, aber nur weil sie mir ein schlechtes Gewissen macht. Was kann ich denn dafür wenn ich die Erste bin? Ohh warte, stopp mal ich bin die ERSTE! Das kann ich mir nicht vorstellen. Aber immerhin scheint es Legolas ganz cool aufzunehmen, dass ich ihm nicht zugesagt habe. Meine aufrichtige Erklärung hat ihm wohl gereicht. Sooo, noch ein paar Schritte dann betreten wir die Essenshalle. Tauriel betretet als Erste die Halle, darauffolgend Legolas und ich. Wie erwartet wird es mucksmäuschenstill. „Ist das eigentlich immer so?“, flüstere ich Legolas zu. Gequält nickt er. „Wenn mein Vater und ich die Halle betreten ist es noch schlimmer“ „Ihr könnt einem echt leidtun“, zaghaft grinse ich. „Wo setzen wir uns hin?“, fragt Tauriel in die Runde. Legolas deutet auf die einzigen freien Plätze. Was für ein Zufall, genau neben meinen allerbesten Feindinnen. Ich kann mir einen Lacher kaum verkneifen, als ich in ihre Gesichter gucke. Viele verschiedene Mischungen die meisten ungläubig, verletzt, wütend, überrascht usw. Es sind definitiv zu viele um sie alle aufzuzählen. Das Abendessen verbringen wir mehr oder weniger schweigend, man kann ja sowieso nichts erzählen, ohne dass unsere Tischnachbarinnen in jedes Wort von Legolas ein: „Ich liebe dich!“, rein interpretieren. Irgendwann stehe ich auf, verabschiede ich von den Beiden und wünsche ihnen ein schönes Fest. „Wir sehen uns morgen bei Sonnenaufgang“, flüstert Legolas mir noch zu. Dann bin ich weg. Seufzend lasse ich mich an der Kante meines Bettes heruntergleiten und werfe einen Blick aus dem Fenster. Das was ich sehe, ist unbeschreiblich schön. Die Sterne wirken eine magische Anziehungskraft auf mich aus und wirken näher und weiser denn je. Bunte Lichter tanzen über den Himmel und der Mond ist als schmale Sichel kaum erkennbar. Mit großen Augen öffne ich die Fenster und laufe auf den Balkon. Der laue Nachtwind streicht an meinen Armen entlang und weht mir ein paar Locken ins Gesicht. Unter mir liegt kaum erkennbar die Finsternis des Waldes, ein wenig bedrohlich und mysteriös. In der Luft konnte man leicht den Duft des Waldes, der Sterne und ein bisschen den von Veilchen ausmachen. Moment mal, Veilchen? Wo wachsen denn hier Veilchen! Aber ich bin mir zu tausend Prozent sicher, dass es Veilchen sind. Ich kenne mich mit sowas aus wie keine andere. Angestrengt versuche ich etwas in der Dunkelheit zu erkennen und spitze meine Ohren. Doch da ist nichts. Da ist einfach nichts, der Wald liegt wie vorher da. Doch was ist wenn… Blitzschnell drehe ich mich um und ziele mit Pfeil und Bogen in viele verschiedene Richtung. „Beruhige dich“ „Könntest du das in Zukunft einfach bitte lassen. Was machst du überhaupt hier.“, frage ich fassungslos den blonden Haarschopf und lasse Pfeil und Bogen sinken. „Naja, unten konnte ich ja schlecht mit dir reden“, Legolas zuckt mit den Schultern und setzt sich auf das den Rand des Balkons. „Was gibt’s denn?“. Irgendwie hat er ein Talent dafür, mich zu Tode zu erschrecken. Ich weiß nicht ob ich das ein weiteres Mal verkrafte. „Die Sterne sind wunderschön“ Super, wenn das alles ist, darfst du gerne wieder gehen. „Feiert ihr deshalb das Fest?“, frage ich ihn trotzdem. Er lächelt leicht: „Für die Kinder ist das Fest wie Geburtstag, nur viel besser. Sie dürfen bis in den Morgen aufbleiben und bekommen ein paar kleine Geschenke.“ „Ihr feiert das Fest in der Essenshalle oder?“ „Ja, wieso fragst du?“ „Man sieht ja dann überhaupt nicht die Sterne, obwohl ihr das Fest doch wegen den Sternen feiert.“, konnte es sein das die Waldelben ziemliche Querdenker sind. „Das Fest geht noch über zwei weitere Tage, außerdem ist es alle zehn Jahre. Seit ich lebe gab es noch kein einziges Mal, wo ich die Sterne an diesem Fest gesehen habe. Jetzt kann ich mir auch erklären, warum wir gerade zu dieser Zeit feiern.“, murmelt er und schaut fasziniert in den Himmel. Ein wenig sieht er aus wie ein Kleinkind, das gerade erfahren hat, dass es doch das Pony bekommt. Eigentlich interessiert es mich ja, warum er hier ist. Aber ich will ihm den Moment nicht verderben und setzte mich neben ihn. Und lasse mich auch von der Nacht einhüllen. Als ich aufwache liege ich in meinem Bett, aber eines frage ich mich, wie bin ich hier hingekommen? Ahh, so langsam bekomme ich eine Vorstellung davon, was passiert ist. Ich musste eingeschlafen sein. Ein Glück bin ich nicht vom Rand des Balkons gefallen. Aber, ach du scheiße, es ist trotzdem extrem peinlich. Mal davon abgesehen ich muss noch packen. Erschrocken fahre ich hoch und springe aus dem Bett. Angezogen bin ich noch. Okay erster Punkt ist abgehakt. Wäre ja auch noch schöner gewesen. Ich ziehe mir frische Sachen an, wie immer eine Tunika, ein Korsett… Oh ich glaube das brauche ich nicht mehr zu erwähnen. Jedenfalls stopfe ich gerade meinen Rucksack mit allen möglichen Sachen voll. Kleidung, ein wenig Essen, Waffen, einen Kompass, eine Karte und ein Buch. Der erste Sonnenstrahl scheint gerade durch mein Fenster, als ich das erste Mal mit meiner Bürste durch die braunroten Haare fahre. Ich schultere den Köcher mit den Pfeilen und nehme meinen Bogen, dann laufe oder rutsche ich mehr oder weniger bis ans Eingangstor.

    7
    Legolas wartet bereits mit Celeb und einem weiteren braunen Pferd. „Das ist Rusco“, begrüßt mich Legolas und deutet auf den Hengst. „Wem gehört er?“, frage ich während ich dem Fuchs meine Hand auf die Nüstern lege. „Bis jetzt niemanden.“, antwortet er und schwingt sich elegant auf seine Stute. „Hallo Kleiner, ich bin Glaur“, flüstere ich dem Pferd ins Ohr. Rusco wiehert leise und leckt über mein Gesicht. „Bäähh, lecker!“, ich verziehe angewidert das Gesicht. „Bist du bereit?“, fragt Legolas ungeduldig. „Ja Sir!“ Das bringt sein Gesicht zum Lächeln. „Also los“ „Komm Rusco, Legolas kann es nicht abwarten endlich von hier wegzukommen.“, sage ich zu dem Hengst, aber so laut das Legolas es ohne Mühe verstehen kann. Betont langsam setzte ich mich auf den Rücken des Pferds. Legolas verdreht nur etwas die Augen und reitet los. Der hat anscheinend nicht so gut geschlafen, ansonsten wäre seine Laune deutlich besser. Thema schlafen: „Warst du eigentlich noch auf dem Fest?“, erkundige ich mich. Er schüttelt den Kopf. Nicht gerade sehr kommunikationsfreudig. „Hast du denn wenigstens gut geschlafen?“ „Eher weniger, es war so laut.“, er verzieht sein hübsches ähhh nein nur Gesicht zu einer Grimasse. „Echt? Ich habe nichts mitgekriegt.“ „Kann ich mir gut vorstellen.“, er fängt an zu grinsen. Eigentlich wollte ich das Thema ja etwas weiter herausziehen, aber wenn wir schon mal dabei sind. „Habe ich geschnarcht?“, will ich von ihm wissen ohne rot zu werden. „Ne, nur gesabbert.“, er dreht sich zu mir um, um meinen Gesichtsausdruck zu sehen. Ich schaue ihn verzweifelt an. „Dein Ernst?“ „Nein, war nur ein Witz.“ Ich fange an zu applaudieren: „Glückwunsch, dein erster Scherz!“ Er verbeugt sich leicht. „Wo müssen wir eigentlich lang?“ „Den gleichen Weg, den du mit den Zwergen genommen hast, nehme ich an.“ „Oh ich liebe es wie du dieses Wort Zwerg aussprichst! Was haben sie dir eigentlich getan?“, frage ich ihn. Ich kann das echt nicht nachvollziehen. Legolas ist ja eigentlich voll okay, aber was er gegen Zwerge hat… Fragt mich nicht. „Es kann halt nicht jeder Elb so in Zwerge vernarrt sein wie du.“, seine Miene verfinstert sich. „Was soll das denn heißen?“, will ich vorwurfsvoll von ihm wissen. „Ich will gar nicht wissen, was du mit diesem Zwerg gemacht hast.“, er beschleunigt Celeb so dass sie in einen Trab verfällt. Ich beschleunige ebenfalls. Ich fasse es nicht, Legolas ist eifersüchtig! Auf Fili! Er kennt mich erst seit ein paar Tagen und ist eifersüchtig, super Glaur da hast du ja was geschafft. Vor allem das war nicht mal was zwischen Fili und mir. Fili ist für mich wie ein Bruder und Legolas, mit Legolas ist das was anderes. So Glaur, erstmal vom Thema ablenken. „Wie lange sind wir ungefähr unterwegs?“ So ne bescheuerte Frage, das weiß ich ja schon längst. Auch Legolas sieht mich mit gerunzelter Stirn an. Begrüßt den Themenwechsel aber und antwortet mit. „Fünf Tage insgesamt.“ „Ansonsten habe ich immer länger gebraucht.“ Ich sage bewusst nicht: mit den Zwergen. Schließlich war ich ja auch mit Lanadriel nach Bruchtal und zu dem Düsterwald, damals hieß er noch Grünwald gereist. „Werden wir nachts trotzdem pausieren?“, frage ich weiter. „Klar, mag sein das die beiden hier sehr belastbar sind. Trotzdem brauchen sie eine Pause. Und wenn sie heute Nacht die Sterne sehen, werden sie sowieso keinen einzigen Schritt mehr machen.“, er zeigt auf Rusco und Celeb. „Warum werden sie keinen Schritt mehr machen?“, möchte ich von ihm wissen, während wir wieder in den gemütlichen Schritt verfallen. „Sie haben Angst vor den Lichtern, die wir so faszinierend finden. Die erste Pause werden wir übrigens kurz vor dem Rand des Waldes abhalten.“, er sagt den zweiten Satz, wie während eines Vortrags, zwar frei gesprochen aber monoton. Die alten Bäume des Waldes knarzen leise, als eine Windböe sich ihren Weg durch das kaum durchdringbare Geäst sucht. Viele weitere Stunden vergehen, während wir wortlos durch den Wald reiten. Er ist irgendwie besonders. Ganz anders als der Wald von Lothlórien. Geheimnisvoller, mystischer und er muss auch einmal viel schöner gewesen sein. Aber das was mich am meisten wundert, er fühlt sich mehr nach zu Hause an. Egal wie viele hundert Jahre ich dort verbracht habe, ich fühle mich hier tausendmal wohler. Aber so langsam wird mir langweilig, als erstes fange ich an mit mir selbst „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu spielen. Das funktioniert natürlich nicht. Als zweites zähle ich die Blätter die auf dem Boden liegen. Als ich schließlich bei neunhundertachtundvierzigtausendvierhundertdreiund siebzig angekommen bin, ist es mir dann doch zu dumm und ich betrachte Legolas. Er ist ziemlich groß, vielleicht nicht so groß für einen Mann, aber auf jeden Fall größer als ich. Ich würde ihn auf die 1,80m schätzen. Er hat blondes ziemlich langes Haar, welches er meist geflochten nach hinten trägt. Seine Kleidung beruft sich wie bei mir, eher auf praktisch als auf besonders stylisch. Zwar nicht unmodern, hässlich oder altmodisch, aber definitiv bequem und so, dass man in seinen Bewegungen kein bisschen eingeschränkt ist. Sein Gesicht ist ziemlich hübsch, das muss ich zugeben. Er hat ausdrucksstarke Gesichtskonturen und blaue Augen. Seine Lieblingswaffe ist, wie nicht zu übersehen, Pfeil und Bogen. Doch er kann auch mit allen anderen Waffen total gut umgehen. Aber eines kann ich mit Gewissheit sagen, wenn ihr ihn seht, werdet ihr erstmal denken: Wow! Oder: Igitt, wie kann man nur so arrogant, eingebildet, selbstverliebt und fies sein. Bei mir war eher letzteres der Fall. Er ist aber voll okay, vom Charakter. (Vom Aussehen sowieso.) Vielleicht behandelt er diejenigen, die er nicht leiden kann nicht unbedingt gut. Doch das ist schließlich ziemlich normal, das macht ja jeder. Der eine mehr der andere weniger. Bei ihm ist es halt etwas mehr. „Wir können hier für heute Rast machen.“, sagt Legolas und reißt mich aus meinen Gedanken. Wir stehen auf einer kleinen, grünen Lichtung mit Bäumen umrundend. „Sind wir immer noch im Düsterwald?“, frage ich verwundert. Es sieht hier so anders aus, gesunder, frischer und selbst so eine kleine Wiese macht den Eindruck, als gäbe es keine schönere Wiese in Mittelerde. „Ja, die Lichtung liegt vor den Spinnen verborgen. Deshalb ist sie so sicher.“, er steigt schwungvoll vom Pferd und fängt an die Satteltasche abzunehmen. Ich tue es ihm gleich und krame in meinem Rucksack nach einem Apfel für Rusco. Meine Hand erfasst die Frucht und zieht sie heraus. „Hier“, flüstere ich dem Fuchs zu und halte ihm den Apfel unter die Schnauze. Dankbar nimmt er den Apfel und fängt an zu kauen. Legolas führt Celeb zu einem kleinen Bach, der durch die Wiese fließt und packt ein Zelt aus. Ich reiße die Augen auf: „Wofür brauchen wir denn ein Zelt?“ „Zum einen ist es sicherer zum anderen ist es wesentlich angenehmer als auf dem kalten Boden zu schlafen.“, antwortet er und breitet den ganzen Stoff auf dem Boden aus. „Warte kurz, ich helfe dir.“, sage ich und eile zu ihm. Es dauert nicht lange bis das Zelt steht. Nicht sichtbar, wie diese elbischen Umhänge. Es passt sich einfach der Umgebung an und es sieht aus wie ein umgeknickter mit Moos bewachsener Baumstamm. „Schick“, ich stelle mich mit verschränkten Armen vor das „Zelt“. Dann pfeife Rusco zu mir und binde ihn an dem Zelt fest. Er guckt mich vorwurfsvoll an. „Du kannst auch hier fressen, guck“, ich zeige auf das saftige Gras unter seinen Hufen. Er neigt freudig den Kopf und frisst weiter. Irgendwie passt Rusco ganz gut zu mir, fast genauso gut wie Ardamir. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Bald bin ich bei dir Ardamir, bald bin bei dir. „Willst du auch was essen?“, fragt Legolas und bietet mir ein belegtes Brot an. Ich nicke und nehme dankbar das Brot entgegen. Es schmeckt ziemlich trocken und ziemlich bitter. „Was ist denn da drauf?“, frage ich und verziehe das Gesicht. Er zuckt entschuldigend mit den Achseln: „Heute Morgen hatte ich nicht mehr so viel Zeit und habe nicht darauf geachtet, was ich rauf gemacht habe.“ Ich runzele die Stirn und nehme die obere Brotscheibe ab. Was ich sehe erklärt so einiges. „Ähm Legolas, kann es sein dass du dort einfach statt Rosmarin, Cervina Minze rauf gemacht hast?“ „Kann gut sein, wogegen war Cervina Minze noch einmal?“, fragt er und lässt das Brot mit angewiderten Gesicht zurück in die Satteltasche fallen. „Magen-Darm Beschwerden, das erklärt auch warum es so bitter schmeckt“, ich spucke den Rest von den kleinen Blättern aus und packe auch mein Brot weg. „Hier, nimm lieber Obst“, sage ich und werfe ihm eine kleine Dose mit Weintrauben zu. „Die werden wohl nicht lang vorhalten“ „Ich weiß, wir könnten ja was jagen gehen“, ich schaue ihn erwartungsvoll an. Da er vermutlich auch Hunger hat, kann er jetzt schlecht nein sagen. Mal davon abgesehen, dass es ein ziemlich verlockendes Angebot sein musste. Alles ist besser, als hier für den Rest des Tages rum zu sitzen. „Keine schlechte Idee, besorgst du vielleicht n paar Kräuter, du kennst dich ja mit sowas aus. Bis gleich!“, sagt er noch, dann ist er zwischen den Bäumen verschwunden. Okay ganz ehrlich, so habe ich mir das nicht vorgestellt. Jetzt darf die Kräuterhexe losziehen und Pflanzen suchen. Super! „Kommst du jetzt?“, Legolas Kopf lugt hinter einem Baum hervor. „Ich dachte ich soll Kräuter suchen gehen“, sage ich mit einem Lächeln und verschränkten Armen. „Das was ich ebengerade angewandt habe, nennt man Sarkasmus.“, er grinst mal wieder sein unwiderstehliches Grinsen. Ich verdrehe die Augen: „Ich glaube daran müssen wir noch ein wenig üben.“ „Aber ich bin besser geworden oder?“ „Ja, vielleicht“, sage ich und gehe voran. „Worauf hast du Lust, Reh oder Schwein?“, fragt er und guckt von links nach rechts. Ich gucke ihn verwirrt an: „Keine Ahnung, Schwein?“ Er schießt einen Pfeil nach rechts ab und ein Quieken ertönt. Ich bin überrascht, wie konnte er das Schwein hören? Ich laufe ins Gebüsch und sehe das tote Schwein vor mir. Die Tiere tun mir immer total leid. Aber irgendwie wurde ich in diese Richtung ziemlich abgehärtet. „Pfft, ist das schwer.“, stöhnt Legolas. „Lass mich das doch tragen, du hast geschossen, ich kann tragen.“, biete ich ihm an. „Kannst du gerne versuchen, mal einmal davon abgesehen, dass du es keinen Millimeter anheben können wirst.“ „Das werden wir ja sehen“, sage ich, mich auf die Schwere des Schweins bereit machen. Ach du Sch***e das ist ja wirklich schwer. Aber eigentlich geht’s, wenn man erstmal ein paar Meter gelaufen ist. Legolas steht immer noch am selben Fleck und starrt mich an. „Was? Hast du Hunger oder nicht?“, frage ich so lässig, wie es eben mit einem Wildschwein auf den Schultern geht. Innerlich führe ich gerade Freudentänze auf, dass ich nicht zusammenbreche. Aber Legolas Blick ebengerade war wirklich Gold wert. Ich gehe voraus, bis wir wieder auf der Lichtung stehen. Dort lasse ich das Schwein fallen. Legolas starrt mich immer noch an. „Was ist denn jetzt, so langsam fange ich an mir Sorgen um dich zu machen. Vielleicht habe ich ja ein paar Kräuter gegen Schock mit, warte mal kurz…“, grinse ich erschöpft. „Alles gut, ich warte nur bis du zusammenbrichst damit ich schnell zur Stelle sein kann.“, schon wieder dieses Grinsen. Empört schaue ich ihn an, drehe mich um und beginne ein kleines Feuer zu entfachen. „Du scheinst das ja schon öfter gemacht haben“, sagt er, lässt sich neben mich fallen und beginnt das Wildschwein zu häuten. Ich kann da gar nicht richtig hinsehen und er findet es anscheinend auch nicht so toll, dann alle dreißig Sekunden ertönt ein Ähh, ein Ihh oder sowas ähnliches aus seiner Richtung. „Ich bitte dich, ich war mehrere Wochen auf Reisen. Glaubst du ich habe mich da von Luft und Liebe ernährt?“ „Ja, an sowas ähnliches dachte ich“ Ist das jetzt schon wieder eine Anspielung auf Fili? So langsam geht er mir damit auf die Nerven. Erst beginnt er das Thema und dann bricht er es abrupt wieder ab. „Warst du eigentlich schon mal auf einer so langen Reise?“, frage ich ihn um vom Thema abzulenken. Er schüttelt den Kopf: „Nein, ich war nie lange unterwegs. Aber ich bin häufig in der Umgebung des Düsterwaldes gewesen. „Heißt das du warst noch nie in Bruchtal?“ „Ich bitte dich, mein Vater hat mich oft genug dort mit hin geschleppt. Zu dem werten Herrn Elrond“, er stößt die Luft aus. „Du hältst nicht besonders viel von ihm, oder?“, er klingt ja fast so abwertend als wenn er über Fili spricht. Kann es sein, dass er von niemandem außer von sich selbst was hält! „Er ist weise…“ „Aha, und was noch…?“ „Nichts“ Ich verdrehe die Augen. Elrond und Zwerge scheinen bei ihm kein gutes Thema zu sein. Mal einmal davon abgesehen, dass er nicht zu ertragen sein wird, wenn wir erstmal in Bruchtal sind. „Warum reitest du mit mir nach Bruchtal, wenn du dort nicht gerne bist?“, frage ich schließlich und wenn er jetzt sagt: weiß nich, dann raste ich hier gleich aus und ich glaube das wollen beide Parteien vermeiden. „Alles ist besser, als mich einen weiteren Tag mit meinen Vater zu streiten“, er kickt einen kleinen Stein weg und verschränkt die Arme. Irgendwie sieht er so süß aus, wie ein eingeschnapptes Kleinkind. Ich muss mir ein Lächeln verkneifen. „Du hast Streit mit deinem Vater, seit wann?“ Er zuckt mit den Achseln: „Vielleicht seit anderthalb Tagen“ Ich runzele die Stirn: „Und worüber streitet ihr euch?“ Erst antwortet er nicht und ich will schon aufgeben. Wenn er es mir nicht sagen will, dann ist es eben so. Ich meine, ich kenne ihn auch erst seit knapp drei Tagen. „Er will, dass wir den Zwergen hinter her laufen, sie ausspionieren und sie töten wenn sie den Drachen vertrieben haben.“, er stockt und dreht sein Gesicht von mir weg. Es muss ihn unheimlich viel Überwindung gekostet haben, um mir das zu sagen. Warum will Thranduil das? „Und was hältst du davon?“, ich schaue ihm in die Augen. „Nichts, mein Vater ist schon seit extrem langer Zeit, hinter so einer Kette her, die meiner Mutter gehörte.“, er hält meinem Blick stand. „Ich dachte es wäre dir ein Vergnügen, einen Zwerg zu töten.“, ein leichtes Grinsen umspielt meine Lippen. Jetzt bin ich mal gespannt, was er dem entgegen zu setzen hat. „Solange sie nicht auf meinem Gebiet sind. Außerdem töte ich nicht gerne Unschuldige.“, auch er muss ein wenig grinsen. „Ha, du hast „nicht gerne“ gesagt, also würdest du sie töten.“ „Nein, wie bereits erwähnt, sie sind nicht auf meinem Gebiet, also geht mich das nichts an.“ „Und wenn ganz Mittelerde untergeht bis auf dein >Gebiet<, was würdest du dann machen?“ „Nichts“ „Nichts?“, ich starre ihn fassungslos an. „Scherz“, er fängt an zu lachen, „ich wäre natürlich ein Held und würde die Welt retten.“ Steht ihm echt gut, das Lachen. Ich hätte nicht gedacht, dass der überhaupt lachen kann. Geschweige denn, dass es nebenbei auch echt süß aussieht. Mit so kleinen Grübchen unterhalb der Wangenknochen und an den Augen. Schließlich stimme ich in das Lachen mit ein, stehe auf um ein paar Kräuter zu holen und sie im Bach abzuwaschen. Vom Bach aus beobachte ich Legolas und lasse mir seine Worte durch den Kopf gehen. Ein Halsband, das im Erebor liegt und von Thranduil begehrt wird, ist also der ausschlaggebende Punkt des Streites. Habgier, von allen Seiten. Deshalb wollte Thranduil auch diesen Tausch machen, Freiheit gegen Kette. Also ich fand diese Diel gerecht. Thorin anscheinend nicht so, aber er ist schließlich auch ohne Verhandlung entkommen. Legolas Erklärung klingt ehrlich, er hat die Zwerge schließlich auch nicht bis über seine Grenze verfolgt, sondern sie ziehen lassen. Nachdem er seinem Vater dann davon berichtet hatte, war Thranduil wütend und sie sind streitend durch die Essenshalle gelaufen. Am nächsten Tag heckte Thranduil also diesen „super durchdachten“ Plan aus. Also ich muss schon sagen. Der König der Waldelben ist wirklich ein „richtig guter Stratege“. Wow. Das kühle Wasser des Baches fließt um meine Finger und ein paar Vögel zwitschern leise. Es ist wirklich schön hier. Ich glaube ich könnte sogar länger hier bleiben. Aber gut, ich will schließlich schnell nach Bruchtal und wieder nach Hause. Als ich mich wieder neben Legolas setze ist das Schwein schon fast gut. Sanft beginne ich die Kräuter zu zerreiben und streue sie mit Bedacht über das Schwein. Nachdem wir gegessen haben, kann man schon die ersten Anzeichen des kühlen Nachtwindes spüren. Rusco frisst immer noch das Gras neben mir ab und schmatzt genüsslich. „Wie man nur so viel fressen kann“, schmunzele ich uns streichele ihm übers Fell. „Celeb ist nicht besser“, lächelt Legolas und fährt ebenfalls leicht durch die Mähne seine Stute. „Wann brechen wir morgen auf?“ „Bei Sonnenaufgang, wenn wir schnell reiten, sind wir heute Abend noch in Bruchtal.“ „Aber wir müssen doch durch das Nebelgebirge“ „Nein, das ist viel zu gefährlich, dort gibt es Steinriesen, wusstest du das nicht?“ Nein, ich weiß das nicht. Bin ja auch noch nicht durch das Nebelgebirge gewandert und dabei fast gestorben, als sich zwei Steinriesen einen Kampf lieferten. Aber nein, ich weiß nicht das es da gefährlich ist und das es Steinriesen gibt. Die ersten Sterne zeigen sich und es kommen immer mehr dazu. Die anderen Elben, eingeschlossen Tauriel und Lanadriel feiern jetzt das Fest der Sterne. Ein schwaches Lächeln huscht über mein Gesicht, als ich an Landadriel denke. „Wo kommst du her?“ Die Frage überrascht mich. Verwundert drehe ich mein Gesicht zu Legolas, der mich erwartungsvoll anschaut. „Aus Lothlórien“ „Und warum hast du deine Heimat verlassen, was ist mit deinen Eltern, vermissen sie dich nicht?“ Ich wünschte es wäre so. „Nein sie vermissen mich nicht, sie sind tot. Aber das ist schon okay, ich kann mich kaum mehr richtig an sie erinnern. Das Einzige was ich weiß ist, dass meine Mutter den Sonnenaufgang liebte und mein Vater die Sterne. Deshalb heiße ich Glaur Elvea, aber das wissen nur die wenigsten. Du müsstest ja wissen, was mein Name bedeutet.“, ich lächele schwach. Er nickt: „Goldenes Licht sternengleich, das ist ein sehr schöner Name, zwar ungewöhnlich aber sehr schön“ Mein Lächeln wird breiter. Jetzt fängt er also an mir Komplimente zu machen. Ist ja ganz süß oder? Er hat generell irgendwie eine schüchterne Art. Ganz anders als zum Beispiel Fili. Der hat immer gesagt was er dachte. Ist natürlich auch liebenswert und um einiges einfacher aber ich finde Legolas Art halt süßer. Auch die bunten Lichter tauchen, genauso wie gestern Nacht, wieder auf. Fasziniert schaue ich nach oben. Es ist immer wieder schön, egal wie oft man es schon gesehen hat. Es fasziniert einen immer wieder aufs Neue. Verträumt drehe ich ein Haar um meinen Zeigefinger. Der Nachtwind wird stärker und bringt eine lauwarme Brise mit sich, die leicht meine Haare verweht. Der Veilchenduft kommt näher, bis ich auch den Atem in meinem Nacken spüre und die angenehme Wärme an meinem Rücken. Er hat sich einfach dicht hinter mich gesetzt, was mir eigentlich ziemlich angenehm ist. Es kribbelt leicht in der Magengegend. Na toll, das hat mir noch gefehlt. Ich schüttele mich leicht, aber nicht so stark, dass es Legolas aufgefallen wäre. Eigentlich will ich ihn nicht vertreiben. Und das Kribbeln ist, wenn ich ehrlich bin, ganz angenehm. Ich hoffe nur, dass ich in dieser romantischen Atmosphäre nicht wieder eindöse, oder zumindest nicht als erstes. Die Angst ist unbegründet, denn nach ein paar Minuten wird der Atem hinter mir ruhiger und als ich mich leise und vorsichtig umdrehe, sehe ich wie er schläft. Ganz wichtiger Punkt hierbei, er schläft im Sitzen. Bevor der morgen noch einen steifen Rücken hat und wir nicht weiterkönnen, wecke ich ihn lieber auf und weise ihn darauf hin, dass er selbst gesagt hätte, dass es im Zelt bequemer ist. Also knie ich mich vor ihm hin und … Habe ich schon erwähnt, dass ich er beim Schlafen nicht mal schnarcht. Ich meine selbst Tauriel schnarcht. Er sieht total entspannt aus, aber die Gesichtszüge sind trotzdem nicht schlaff. Genauso ausgeprägt wie vorher, bloß irgendwie unschuldiger. Hey, Glaur! Du wolltest ihn wecken, nicht ihn anschmachten. Das kannst du machen, wenn er im Zelt liegt. Also tippe ich ihm auf die Schulter und warte bis er so wach ist, dass er ansprechbar ist. „Schlaf lieber im Zelt, du hast selbst gesagt, dass es dort bequemer ist als hier draußen“, ich lächele sanft. Er schaut mich erschrocken an: „Habe ich geschnarcht?“ „Nein nur gesabbert“, ich grinse. „Ich bin noch nicht in der Verfassung für solche Scherze, geschweige denn, dass ich mich daran erinnern kann, als ich das zu dir gesagt habe.“, er gähnt und steht auf. „Anscheinend kannst du dich ja doch erinnern.“, sage ich und folge ihm ins Zelt. Mir stockt der Atem, für so raffiniert habe ich die Elben dann doch nicht gehalten. Legolas bemerkt meinen Blick und sagt nur: „Ausdehnungszauber“. Das Zelt ist riesig, mit einer kleinen Küche, Esstisch, Sofa, Badezimmer und abgegrenzten Schlafbereich. „Eigentlich gehört das Zelt meinem Vater, mein Großvater hat es ihm geschenkt.“, er wankt ein wenig und lässt sich auf das Bett fallen. Ich schaue mich immer noch staunend um und setze mich auf die Couch, sie ist federweich. Das wird eine wirklich angenehme Nacht. Keine schnarchende Tauriel im Zimmer nebenan und der Sternenhimmel über dem Kopf. Warte mal kurz, hat das Zelt kein Dach? Ich stelle mich hin, richte den Blick auf irgendeinen Punkt im Himmel und springe. Meine Fingerspitzen berühren federleichten Samtstoff und ich lande leise und elegant wieder auf dem Boden. Dann lasse ich mich wieder auf das Sofa zurück gleiten. Am nächsten Morgen werde ich von einem leichten Geruch nach Veilchen wach. „Aufstehen Schlafmütze, die Sonne ist schon vor zehn Minuten aufgegangen.“ Ich verdrehe die Augen und ziehe mir die Decke über den Kopf. Schlechter Plan, denn keine Sekunde später bin ich meine geliebte Decke los. „Lass mich doch wenigstens richtig wach werden, Legolas“, stöhne ich und bewege mich schlaftrunken Richtung Ausgang, um meinen Rucksack zu holen. Er grinst. Mal wieder. „Ich habe deine Sachen schon in den Schrank geräumt“, er deutet Richtung Schlafbereich. Ich nicke dankbar, hole mir meine Sachen und verziehe mich ins Badezimmer. Nachdem der erste Strahl des kalten Wassers mich berührt, bin ich hellwach. Nach zwei Minuten bin ich fertig und fahre mit der Bürste durch meine langen Haare. Meine Augen leuchten und irgendwie sehe ich das erste Mal seit der Reise mit den Zwergen, wieder richtig gesund aus. Als ich das Bad verlasse höre ich ein anerkennendes Pfeifen. „Du siehst echt gut aus“ „Ähm, danke“ „Hier, wenn du den Apfel aufgegessen hast, können wir das Zelt abbauen.“, er wirft mir einen roten Apfel zu, den ich gekonnt mit einer Hand auffange. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich mich nur noch von Äpfeln ernähre. Morgens: „Hier Apfel“. Mittag: „Hier was hältst du von Apfel?“ Abend: „Nur was kleines, also Apfel“ Ich beiße jedoch hinein und inspiziere in der Zwischenzeit den Esstisch. Eichenholz. Ziemlich hart. Dann sind die Küchenschränke dran, Tür auf: „Oh Essen!“, Tür zu, Tür auf: „Oh Schade, kein Essen!“, Tür zu, Tür auf: „Ah Hafer, das gebe ich jetzt Rusco!“. Also greife ich danach und schüttele das kleine Säckchen einmal. Es ist noch voll. Legolas steht bereits bei Celeb und füttert sie mit grünen Blättern. „Hier, guck mal, was ich gefunden hab.“, ich wedele mit dem kleinen Sack und werfe ihn ihm zu. „Celeb hatte schon Sehnsucht nach dem Hafer, ich musste sie mit Blättern füttern.“ „Lass Rusco noch was drin“ „Klar“, er nickt, nimmt ebenfalls einen kleinen Sack und füllt die Hälfte des Hafers hinein. Dann wirft er den Sack zurück. „Guck mal Rusco, was ich hier für dich habe“, flüstere ich dem braunen Hengst zu und halte ihm den Hafer vor die Nase. Er schnaubt und stupst sanft gegen meine Handinnenfläche. Vorsichtig nimmt der Fuchs ein wenig Hafer von meiner offenen Handfläche und wiehert leise. Es hört sich an, als würde er sich bedanken. Ich lächele leicht. „Können wir jetzt?“ Legolas steht fertig bepackt mit Celeb am Rand der Lichtung. „Wie, können wir jetzt, wir müssen doch noch das Zelt abbau…“, da wo vor wenigen Sekunden das Zelt stand, ist nichts als etwas platt gedrücktes Gras. Er hat es alleine abgebaut. Ich verziehe schmerzlich grinsend das Gesicht: „Hey, ich wollte dir doch helfen“ „Man muss nur an einem Seil ziehen und es ist abgebaut.“ „Aber gestern Abend meintest du noch“ „Es ist mir ja auch erst eben eingefallen, deshalb haben wir es ja auch aufgebaut, ich glaube beim Aufbauen musst du nur die Plane ausbreiten und dann erst am Seil ziehen.“ Jaja, schon klar, ist dir eben gerade erst eingefallen. Ich steige auf mein Pferd. „Gut kommst du?“, ich reite ein paar Meter voraus, dann überlasse ich lieber Legolas die Führung. Wir reiten unendlich lange, schweigend, wie auch schon vorher. Über Wiesen, Felder, durch Wälder, über Hügel. „Ist dir auch langweilig?“, frage ich. „Etwas vielleicht, aber wir sind gleich da.“ „Und was heißt gleich? Wenn gleich in drei Stunden heißt, dann klappe ich zusammen.“, ich stöhne leise. „Nein in zwanzig Minuten“, antwortet er mit einem Lächeln und hochgezogenen Augenbrauen. „Und wenn wir im Galopp reiten?“, frage ich hoffnungsvoll. „Zehn Minuten, allerdings würde ich den Pferden, nach neun Stunden Ritt ohne Pause, keinen Galopp zumuten.“, er guckt mich mitleidig an. „Ja versteh ich schon, schließlich wollen wir ja nicht, dass du uns hier kollabierst nicht wahr?“, sage ich an Rusco gewandt. Also reiten wir weiter, die letzten zwanzig Minuten und die Sonne steht nur knapp über den Hügeln. Die Umgebung kommt mir bekannt vor, hier bin ich mit den Zwergen langgekommen. Ich bin kurz davor Rusco übermütig anzutreiben, als mir einfällt: das schafft er nicht. Die Höhle liegt vor uns und wir steigen vom Pferd. „Also auf gut Glück“ Ich schaue ihn an, mit tausenden von Fragezeichen in meinem Gesicht. „Sagen das die Bergleute nicht, wenn sie in die Höhle gehen?“ Ich schüttele mit hochgezogenen Augenbrauen den Kopf. „Okay, dann wenn Ihr so gnädig wärt und mir folgen würdet“, er schliddert den Hang hinunter und pfeift Celeb zu sich. Die ihm stolpernd folgt. „Oh entschuldige mein Mädchen, das habe ich nicht bedacht“, murmelt er entschuldigend. Ich verdrehe leicht die Augen und setze langsam einen Fuß vor den anderen. Ruscos Zaumzeug fest zwischen den Finger, mal einmal davon abgesehen, dass es überhaupt nichts bringt. Wenn einer fliegt, fliegt der andere hinter her. Nach Minuten oder Stunden stehe ich schließlich mit dem Hengst neben Legolas. „Wenn Ihr jetzt so weit wärt, dann könnten wir jetzt gehen.“ „Du darfst gerne wieder normal mit mir sprechen, Legolas“, sage ich und stolpere fast über einen Stein. Der Blick auf Bruchtal ist jedes Mal atemberaubend. Man sieht von oben auf die wundervolle Architektur herab und die Wasserfälle drum herum geben dem Bild noch den letzten Schliff. Früher habe ich Arwen immer beneidet, aber Thranduils Hallen, können es definitiv locker mit Bruchtal aufnehmen. Ich sprühe fast über vor lauter Vorfreude. Ehrlich gesagt, bin ich kurz davor einen kleinen Luftsprung zu machen, aber ich lasse es dann doch lieber. Viel zu peinlich. „Gut, bist du bereit, Ardamir wieder zu sehen?“, fragt er und schaut mich grinsend an. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es bin.“, ich grinse zurück. „Gut, dann lass uns gehen“ Der Abstieg ist ziemlich steil und Rusco stolpert ein paar Mal, aber er fällt ein Glück nicht. Ich glaube ich hatte zwischendurch ein paar Herzinfarkte, wenn ich nicht unsterblich wäre, dann würde ich jetzt irgendwo auf dem Weg rumliegen. Lächelnd kommt uns eine Elbin mit dunklen Haaren und blauen Augen entgegen. „Arwen, wie schön dich zu sehen!“, rufe ich und eile zu meiner Freundin. „Guten Abend Glaur, tut mir leid, dass ich das letzte Mal nicht hier war, als du in Bruchtal weiltest.“ „Ist schon okay, wie ich gehört habe, warst du beschäftigt.“, ich weiß ihr Sprachstil ist vielleicht etwas anspruchsvoller als meiner, aber es ist auch anstrengender ihr zu zuhören, oder? Oder ist das nur die Einbildung von einer schon lang eifersüchtigen Freundin. „Oh und Legolas, Sohn von Thranduil ich grüße euch“, sie nickt Legolas zu. „Was führt euch nach Bruchtal?“, fragt sie wieder an mich gewandt. „Ich wollte mein Pferd holen, ich habe es bei meinem letzten Aufenthalt hier gelassen.“, ich bin schon ganz hibbelig und kann es gar nicht erwarten Ardamir wieder zu sehen. Ob er mich noch erkennen wird? Bestimmt, er ist schließlich das schlaueste Pferd, das ich kenne. Obwohl Rusco kann locker mithalten, auch wenn er tollpatschig ist. „Lasst uns doch erst einmal reingehen, dann kannst du mir von deinem Pferd erzählen. Ich wusste nicht, dass es hier einen angenehmen Aufenthalt genießt.“, Arwen lächelt und geht die Treppenstufen nach oben. Boah, na toll, jetzt darf ich noch länger warten. Ich folge ihr jedoch, ohne ein Wort zu sagen. Auch Legolas ist ziemlich schweigsam. Und ich denke, ich werde auch die nächste Zeit über nichts von ihm hören. „Bruchtal ist immer wieder eine Augenweide“ Ich drehe mich überrascht zu dem Elb um, der fasziniert die Flure betrachtet, durch die wir laufen. Als Antwort nicke ich nur, ich glaube, er hat es sowieso nicht mitgekriegt. Arwens Kleid raschelt leise. Obwohl man eigentlich denkt, dass dieser Hauch von nichts, was sie da trägt, überhaupt nicht rascheln kann. Aber gut, die Kleider sind echt schön. Fallen super elegant und machen eine hübsche Figur. Ich würde sowas ja höchstens zu meiner Hochzeit tragen, fragt sich nur, was würde Arwen zu ihrer Hochzeit tragen? „Setzt euch doch bitte“, sie deutet auf zwei Stühle, die einem dritten Stuhl auf einer Terrasse mit wundervollem Ausblick gegenüberstehen. Irgendwie erinnert mich das an ein Verhör. Ich folge jedoch ihrer Bitte und setzte mich. „Nun gut“, sie lässt sich auf den Stuhl uns gegenüber fallen, „fahren wir fort. Ich denke der Name deines Pferdes sollte ausreichen.“, sie zwinkert mir zu. „Er heißt Ardamir“, lautet meine knappe Antwort. Auch ich bin heute irgendwie nicht so richtig gesprächig. Oder ich bin einfach müde. „Da sollte sich was machen lassen.“, Arwen nickt einem Elb zu der am Rand der Tür steht und uns ernst anguckt zu. Der Elb verlässt den Raum. „Und wie kommst du in die Begleitung von dem werten Legolas?“ Legolas schaut sie an als hätte sie irgendeine schwerwiegende Behinderung, sowohl geistig als auch körperlich. Ihr kennt doch bestimmt diese Blicke, mitleidig aber irgendwie auch angewidert. Ich muss zugeben die Formulierung war nicht ganz treffend gewählt, so dass ich mir ein Lachen verkneifen muss. „Nun ich bin jetzt eine Waldelbin. Während der Reise mit den Zwergen, wurden wir von den Elben aufgehalten und Thranduil bot mir an, mich ihnen anzuschließen.“ Arwens Blick kann man vielseitig deuten, aber vor allem ist es fragwürdig, wie ihr Blick unschlüssig von Legolas zu mir wandert. Bitte nicht noch so eine, große Valar, bitte, ich flehe dich an, nicht noch so eine. Der Elb betritt die Terrasse und bricht das zweiminütige Schweigen. Er flüstert Arwen etwas zu und ihr Gesichtsausdruck verändert sich merkwürdig. Sie steht auf, ich und Legolas ebenfalls. Der Elb hinter uns, räumt die Stühle bereits weg und meine Vorfreude hält sich kaum in Grenzen. Jetzt gehen wir endlich los und ich werde mein geliebtes Pferd wieder sehen. „Glaur, es tut mir leid dir das sagen zu müssen“, Arwen schaut mich an. Wenn der freche Bengel ausgebüxt ist, um mich zu suchen, wäre ihm das durchaus zu zutrauen. „Vor ein paar Tagen, reiste Lanadriel an. Sie hatte erfahren, dass du und die Zwerge zum Erebor wollen. Sie war völlig überstürzt und wollte euch nach. Sie hatte große Angst um dich. Als sie mit meinem Vater den Stall betrat, um sich ein Pferd auszusuchen, entdeckte sie Ardamir und nahm ihn natürlich mit, für die Suche nach dir. Elrond gab ihr ein paar weitere Elben mit. Deshalb ist Ardamir nicht mehr hier.“ Okay, ich bin den Weg also nur für umsonst geritten, bei Lanadriel ist er schließlich in Sicherheit. „Lanadriel und die weiteren Elben nahmen den Weg durch das Nebelgebirge. Ein Steinschlag prasselte herab und sie stürzten in den Abgrund. Es tut mir leid“, es liegt keine Trauer in ihrer Stimme, höchstens Bedauern und keine Träne funkelt in ihren Augen. Ich spüre wie meine Beine unter mir weg knicken. Hätte Legolas nicht neben mir gestanden, wäre ich wie ein steifes Brett auf den Boden geknallt. Er nimmt mich in den Arm und ich kann den dezenten Geruch nach Veilchen wahrnehmen. Es beruhigt ein wenig, doch es hindert die Tränen nicht daran, trotzdem aus meinen Augen zu fließen. „Es tut mir leid“, höre ich ihn murmeln. Ich spüre seine Stimme leicht vibrieren und vergrabe mein Gesicht in seiner Schulter. Ich habe echt keine Ahnung wie lange wir dort schon stehen, aber irgendwann löse ich mich von ihm und verlasse die Terrasse fluchtartig. Lanadriel ist tot, genauso wie Ardamir. Die letzte „Familie“ die ich noch hatte. Ich wusste nicht, dass der schnelle Abschied, das letzte Wort war, welches ich mit Lanadriel gewechselt habe. Nach ziellosem Laufen, durch ganz Bruchtal, stehe ich schließlich vor dem Stall. Vertrautes Wiehern ertönt und der Duft nach Heu und Pferd liegt in der Luft. Meine Beine haben mich einfach hierher geführt. Ich weiß nicht, ob es helfen wird, wenn ich jetzt reingehe. Aber es ist besser, als hier draußen stehen zu bleiben. Also öffne ich leise die knarzende Tür und verschwinde hinter ihr. Ich sehe Unmengen von Pferden, die fröhlich ihre Köpfe aus den Boxen strecken. Langsam gehe ich an den schönen Tieren vorbei, bis ich vor der Box von Rusco stehe. Er schaut mich aus seinen treuen, dunklen Augen an und eine Träne fließt über mein Gesicht. Ich springe in seine Box und streichele ihn ein bisschen. Die Box ist sehr geräumig und reicht locker für uns beide. Er legt sich hin und ich setzte mich auf einen Strohballen. Sanft fahre ich durch seine samtige Mähne und irgendwo spielen Kinder draußen. Sie freuen sich bestimmt schon wieder auf heute Nacht. Der dritte und letzte Tag des Sternenfests. Rusco drückt seine Schnauze leicht gegen mein Gesicht und schnaubt leise. Irgendwann fange ich an zu singen, ganz leise und sanft. Es ist ein Lied auf grauelbisch und es handelt von Abschied nehmen und der Hoffnung: Amdir. Irgendwie höre ich deswegen auf zu weinen, meine Nase wird frei und ich fange an es zu genießen, neben Rusco hier auf dem Heuballen zu sitzen. Seine Gesellschaft wirkt unheimlich beruhigend auf mich. Ähnlich wie die von Legolas, obwohl so kann ich das nicht sagen. Bei Legolas ist es ziemlich unterschiedlich. Mal rege ich mich total über ihn auf, dann habe ich wieder dieses Kribbeln und ein anderes Mal beruhigt er mich eben. Ich stimme ein neues Lied an, auch ein trauriges. Diesmal ist das Lied fast eine kleine Geschichte. Es handelt davon, wie jemand das erste Mal seit dem Tod seiner Eltern nach Hause kommt und alles ganz anders wahrnimmt, wertvoller. Ich mag diese Geschichtenlieder am liebsten, meine Mutter hat sie mir immer vorgesungen. Schlaflied und Gutenachtgeschichte in einem, so zu sagen. Sie hat mir immer ganz vorsichtig über das Gesicht gestrichen und wenn sie sich zu dem Gutenachtkuss herunter beugte konnte man den zarten Duft nach Vanille wahrnehmen. Auch Lanadriel hatte ihren ganz eigenen Duft nach Haselnüssen, Mandarine und ein ganz kleines bisschen nach Zimt. Jeder Elb hat einen bestimmten Duft, ähnlich wie bei Tieren. Man selbst kann seinen eigenen Geruch nicht definieren. Lanadriel meinte mal aus Spaß, als ich noch klein war, ich würde nach alten Socken riechen und dieser Geruch würde erst verschwinden, wenn ich mein Zimmer aufräume. Als kleines Kind spurt man natürlich gleich und versucht diesen widerlichen Geruch loszuwerden. Eine weitere Träne rollt aus meinen Augen, als ich das letzte Lied noch einmal wiederhole. „Das Lied ist echt wunderschön“ Ich fahre herum. Gut, es war nicht anders zu erwarten gewesen. Legolas lehnt an einem Holzpfeiler, vielleicht zwei Meter von mir entfernt. Genervt schaue ich ihn an: „Ist Anschleichen jetzt eigentlich dein neues Hobby?“ „Von wem ist das Lied“ Ich zucke mit den Schultern und wende mich wieder Rusco zu. „Meine Mutter und Lanadriel sangen es mir immer vor, als ich klein war.“, ich schlucke. „Wenn du lieber allein sein möchtest dann…“, er will sich abwenden und gehen. „Nein ist schon okay, ich glaube Gesellschaft tut mir ganz gut und tut mir leid, dass ich dich vorhin so stehengelassen hab.“ Er dreht sich um und springt zu mir in die Box. „Er spürt, dass du traurig bist.“, sein Blick ist auf Rusco gerichtet. Langsam nicke ich: „Ja, ich glaube er will mich trösten.“ Ein zustimmendes Schnauben ertönt. Ich muss lächeln. Rusco weiß wie ich mich fühle und er ist echt gefühlvoll. „Willst du hier schnell wieder weg?“, fragt Legolas leise. Ich schüttele den Kopf: „Nein, die Pferde brauchen eine Pause.“ „Es geht hier nicht um die Pferde, sondern um dich“, er schaut mir in die Augen. Nicht schon wieder dieses Kribbeln, es fühlt sich falsch an. Zumindest jetzt in diesem Moment. „Ich würde gerne auch noch einmal mit Arwen sprechen. Ich habe sie schon so lange nicht mehr gesehen“ Er nickt verständnisvoll, dann steht er auf. „Wenn ich dich jetzt alleine lassen kann, mein Vater wollte, dass ich Herrn Elrond eine Nachricht überbringe.“ „Ja geh nur, wir sehen uns beim Abendessen.“ Er verlässt den Stall und als die Tür ins Schloss fällt, lasse ich mich erschöpft gegen Ruscos Rücken fallen. Es ist alles so kompliziert. Ich habe keine Ahnung, wie ich Arwen gegenüber treten soll. Irgendwie sagt mein Bauchgefühl, es ist alles normal, sie hat dir nichts getan. Aber mein Kopf sagt, dass sie sich irgendwie verändert hat. Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen, sie ist bestimmt viel weiser geworden. Sieht Dinge die kein anderer sieht. Außerdem muss ich jetzt erstmal damit klar kommen, dass meine Familie tot ist, nicht mehr da, ausgelöscht. Ich hatte mir fest vorgenommen hinzureiten, wenn Thranduil mir vertraut. Jedes Mal wenn ich an Lanadriel oder Ardamir denke, fließt eine Träne über meine Wange. Und dann ist da auch noch die Sache mit Legolas. Ich habe keine Ahnung was ich für ihn empfinde. Ob er Kumpel ist oder vielleicht was anderes… Ich weiß es nicht. Vielleicht passiert noch etwas, das mir sagt in welche Richtung meine Gefühle gehen oder Arwen sagt es mir. Ich denke das ist die einfachere Variante. Nicht zu vergessen, ist die Geschichte mit Tauriel und Kili. Obwohl ich die für mich selbst mehr oder weniger in den Hinterkopf geschoben habe. „So Rusco, jetzt muss ich meine To-Do-Liste nur noch nacheinander abarbeiten. Soll ich mit Arwen anfangen?“, ich gucke ihn kopfüber an. Ein zustimmendes Wiehern ertönt. „Schön, du bist ganz meiner Meinung. Aber um jetzt mir Arwen zu reden, muss ich dich leider verlassen, mein Junge.“, ich klopfe ihm freundschaftlich auf die Schulter und gebe ihm ein kleines Zuckerstück. „Bis dann, Rusco“, flüstere ich noch, dann bin ich hinter der schweren Holztür verschwunden. Als ich an der frischen Luft bin, atme ich einmal tief durch. Okay, erster Punkt: Arwen. Leichtfüßig mache ich mich auf den Weg und stehe irgendwann vor ihrer Zimmertür. „Arwen bist du da?“, flüstere ich und klopfe dreimal leicht mit den Knöcheln gegen die Tür. „Komm doch herein, Glaur“, antwortet Arwens Stimme leicht abgedämpft. Ich öffne sie zaghaft und sehe sofort Arwen, wie sie auf ihrem Sofa sitzt, tief in ein Buch versunken. „Hallo“, sie packt sofort ihr Buch bei Seite und schaut mich aufmerksam an. „Hey, ich dachte ich könnte nach so langer Zeit vielleicht ein bisschen mit dir reden. Es ist bestimmt viel passiert…“, ich lächele zaghaft. „Ist alles wieder okay?“, fragt sie mitleidig. „Ja, solange ich nicht dran denke“, wieder ein unsicheres Lächeln. „Ich habe wirklich ein paar Fragen an dich, aber in der Gegenwart des Elbenprinzes konnte ich sie dir nicht stellen. Also, warum hast du die Reise mit den Zwergen abgebrochen?“ „Nun ja, Thranduil bat mir wirklich an, mich den Elben anzuschließen und ich willigte ein. Aber nur um die Elben zu überlisten und die Zwerge freizulassen. Dabei habe ich jedoch nicht an Bilbo gedacht. Der hat die Zwerge nämlich gerettet. Die Zwerge halten mich deshalb für eine Verräterin. Während die Elben und ich die Zwerge verfolgten, wollte ich eigentlich wieder zu den Zwergen in die Fässer springen. Aber mein Bauchgefühl hat irgendwie gesagt: Bleibe. Und naja, dann bin ich geblieben…“, ich stocke ein wenig und falte ziemlich verlegen meine Finger. Es ist mir ein wenig unangenehm, muss ich zugeben, aber Arwen ist da ja unparteiisch. Sie schaut mich keines Weges überrascht an, eher als hätte sie es gewusst, oder als hätte sie es sich vorstellen können. „Nun eigentlich, habe ich gesehen, wie du mit nach Seestadt reist und dich dort in einen jungen Mann verliebst, den Namen habe ich vergessen, aber ich glaube er heißt Mart oder Bard oder so ähnlich. Fili ist dadurch so eifersüchtig geworden, dass er nicht ganz bei Sinnen war und ihn umgebracht hat. Dann bist du an einem gebrochenen Herzen gestorben.“, Arwen sieht mich prüfend an und rattert den Text runter, wie bei einem Vortrag. Ich schaue sie stattdessen an, als hätte sie nicht alle Tassen im Schrank, ich meine Mensch? Fili bringt jemanden unschuldigen um? Also ich weiß ja nicht, was sie da gesehen hat, aber dann war diese Elbin definitiv nicht ich. „Ich weiß es ist für dich gerade unvorstellbar, aber du hast ein Glück auf dein Bauchgefühl gehört und den anderen Weg eingeschlagen.“, sie lächelt leicht. „Die nächste Frage: Warum reist Legolas mir dir?“ „Das musst du ihn fragen.“, woher soll ich das denn bitte wissen. Wer von uns beiden ist denn hier die Hellseherin. Ich oder sie? „Mach dich nicht lächerlich, ich will nur das hören, was er zu dir gesagt hat.“, sie schüttelt energisch den Kopf. „Keine Ahnung, was er zu mir gesagt hat. Ich vermute, dass er mitkommen musste, weil Thranduil mir nicht vertraut“, eigentlich kenne ich ja den Grund. Er will seinem Vater einfach nur aus dem Weg gehen. Aber für Arwen scheint die Antwort logisch zu sein, denn sie nickt nur. „Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass Thranduil ausgerechnet den Prinzen schickt.“ „Naja er hat ihn ja nicht direkt geschickt“, lenke ich ein, „er ist mitgekommen um seinem Vater, wegen einen Streites aus dem Weg zu gehen.“ „Wusste ich‘s doch“, Arwen‘s Augen leuchten zufrieden. Ich verdrehe die Augen, es bringt anscheinend sowieso nichts, wenn ich ihr was vormache. Also wie bei einem Verhör, wenn man ehrlich ist, spricht das vor Gericht für einen. „Warum willst du das alles wissen?“, frage ich schließlich. „Naja, vielleicht bekomme ich ja noch einmal eine Zukunftsvision von dir und da ist es wichtig dein gesamtes Umfeld zu bestimmen, denn umso deutlicher erkenne ich sie.“ „Also, bei deiner letzten Vision, hast du sie nicht deutlich gesehen?“ „Mhh, mehr oder weniger. Ich habe dich erkannt.“ „Du hast mich schon so lange nicht mehr gesehen, ich habe mich verändert Arwen. Auch wenn ich eine Elbin bin, ich bin erwachsen geworden.“, ich gucke sie schmerzlich an. Sie ist so fremd und irgendwie die letzte vertraute Person in meinem Umfeld. „Ich bin ebenso erwachsen geworden, habe viel gelernt und jetzt habe ich auch noch Erfahrung. Du wolltest den Weg des Wissens nicht einschlagen. Ansonsten wäre dein Leben anders verlaufen.“, ihr Blick ist ausdruckslos. „Ja, und ich bereue es nicht. Ich will nicht ein Leben in ewiger Einsamkeit und Gefühlslosigkeit!“, meine Stimme zittert. Ihr Gesichtsausdruck verändert sich nicht. „Hast du jemals etwas gefühlt? Liebe, Trauer?“, flüstere ich und meine Augen füllen sich mit Tränen. Ich habe anscheinend einen wunden Punkt getroffen. Denn jetzt füllen sich auch ihre Augen mit Tränen und sie legt schluchzend den Kopf auf die Knie. „Ja, ich habe schon etwas gefühlt, aber du hast Recht. Ich habe noch nie andere Gegenden von Mittelerde gesehen, saß nur hier und hockte über den Büchern. Der einzige Weg zu der Welt da draußen. Durch die Bücher bekam ich einen Eindruck, eine Idee, wie es dort draußen sein könnte. Aber gesehen habe ich noch nichts.“, flüstert sie zurück. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzten.“, mitleidig schaue ich sie an. Ich will meine Freundin nicht weinen sehen. „Das hast du nicht, du sagtest mir nur die Wahrheit die ich nicht sehen wollte. Ich kann alles sehen, nur der Wahrheit meines Lebens wollte ich nicht ins Gesicht blicken.“, sie schaut auf und lächelt sanft. „Ich glaube ich möchte überhaupt keine Vision von dir bekommen. Du lebst in dein Leben, anstatt dir Gedanken über die Zukunft zu machen.“ „Das glaub ja nicht“, ich stoße die Luft aus, „ich habe genug Probleme zu bekämpfen.“ „Zum Beispiel?“ „Meine tote Familie, wo mein Zuhause ist“, ich schlucke, „Legolas.“ „Oh, ich glaube in manchen deiner Probleme kann ich dir helfen.“, sie grinst. Und ja wirklich ARWEN GRINST! Es sieht so schön aus, so ehrlich. Erwartungsvoll schaue ich sie an. „Also, was dein Zuhause anbelangt. Du hast jetzt keine Wohnung mehr in Lothlórien, Galadriel würde es vermutlich begrüßen, wenn du wieder dorthin kommst. Aber so manch anderer Elb nicht. In den Hallen Thranduil’s hast du ein Zuhause, Essen und Freunde. Was du machst ist dir natürlich freigestellt.“ Oh, mhhm, welch „schwierige“ Entscheidung, aber ich glaub ich nehme die Hallen Thranduil’s. „Ähm, ich glaube die Entscheidung ist da nicht so schwer.“ „Gut, was Legolas anbelangt…, obwohl ich sag’s dir lieber nicht.“ „Was, nein, rück schon raus mit der Sprache. Ich will es wissen!“, ich springe auf und hüpfe um sie herum. „Nein“, sie kichert, „das musst du selbst herausfinden.“ „Was denn überhaupt herausfinden?“, ich verdrehe die Augen. „Oh, selbst, dass weißt du nicht, na gut, soviel kann ich dir sagen. Du musst selbst herausfinden, was er für dich empfindet.“ „Kannst du mir wenigstens sagen, was ich für ihn empfinde?“, frage ich genervt. „Oh, ich schätze du magst ihn. Vielleicht auch ein bisschen mehr. Aber das sind nur die Worte einer Freundin, nicht einer Weissagerin. Deine eigenen Gefühle, kann ich dir nicht sagen.“, entschuldigend zuckt sie mit den Schultern. Okay, mehr weiß ich immer noch nicht, aber gut. Vielleicht war ihr Anstoß in die richtige Richtung. Was für ein Anstoß überhaupt. Wenn ich aufgeregt bin, denke ich nur Sche**e. Aber warum bin ich noch einmal aufgeregt? Ach ja, wir haben von Legolas gesprochen, fragt sich nur noch warum ich deshalb aufgeregt bin. Boah, Glaur, reiß dich zusammen. Wenn du so weiter machst, weiß gleich ganz Mittelerde, was du denkst. Beziehungsweise an wen du denkst. Ich danke Arwen ganz herzlich, umarme sie einmal und verabschiede mich. Ich werde sie sowieso gleich wiedersehen, beim Abendessen. „Ach ja, Glaur?“ Überrascht drehe ich mich um und sehe Arwen in ihrer Zimmertür stehen. „Kommst du heute zum dritten Tag des Sternenfestest?“ Entschuldigend schüttele ich den Kopf: „Tut mir leid Arwen, aber ich würde gerne einmal die Umgebung erkunden. Es dürfte heute Nacht hell genug sein.“ „Oh ja, ich verstehe. Kommst du denn jetzt gleich mit zum Abendessen?“ „Klar“, ich wechsele die Richtung, komme auf sie zu und gemeinsam gehen wir zum Essen.

    8
    Es ist nicht so eine große Halle, wie Zuhause, eher ein klitzekleiner Saal, indem mittig eine Tafel steht. Mit tausenden von Speisen gefüllt. Oh nein, bitte nur was Kleines zu essen. Ich glaube ich übergebe mich, wenn ich jetzt viel esse. Legolas sitzt schon am Tisch und winkt mir zu. Fragend schaue ich Arwen an. „Geh nur“, lächelnd nickt sie mir zu. Erleichtert gehe ich durch die vielen Elben auf Legolas zu. „Du bist meine Rettung, jetzt muss ich mich wenigstens nicht mehr mit diesen Pfeifen unterhalten.“, er deutet mit einem düsteren Gesicht, auf die Elben ihm gegenüber. Mir fällt auf, dass keine weiteren Elbinnen außer Arwen und mir hier sitzen. „Ich rette dich doch gerne“, lächelnd lasse ich mich neben ihn auf den Stuhl fallen. „Hast du Lust, noch einmal mit in den Wald zu kommen?“, fragt Legolas schließlich. Ich gucke ihn überrascht an: „Dasselbe wollte ich dich gerade fragen. Aber ja gerne.“ „Tja Glaur, da warst du mal wieder zu langsam.“, zieht er mich auf. Ich verdrehe nur leicht die Augen. „Weißt du zufälligerweise wo es hier Salat gibt?“ „Bitte sei nicht so eine, die in meiner Gegenwart nicht zu essen wagt.“ „Steck den Scherzkeks wieder in die Tasche, Legolas. Und nein ich bin nicht so eine. Ich habe halt kein Hunger.“ „Also, ich habe keine Ahnung, wo es Salat gibt, aber ich kann dir einen Apfel anbieten.“, grinsend hält er mir einen grünen Apfel vor die Nase. „Oh, bitte nicht schon wieder Apfel. Ich kann den schon gar nicht mehr sehen.“, mit entsetztem Gesichtsausdruck schiebe ich seine Hand bei Seite. Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass es kribbelt. Ihr müsst da etwas Verständnis haben. Ich lege meine Gefühle nicht so gerne offen da. Erleichtert entdecke ich ein paar Tomaten und Käse. „Wollen wir morgen, bei Sonnenaufgang wieder los?“, er guckt mich erwartungsvoll an. Ich nicke leicht. „Okay, ich glaube, viel länger halte ich es hier in der Gesellschaft von denen sowieso nicht aus.“ „Was war jetzt eigentlich, mit der Nachricht deines Vaters an Elrond?“ Er zuckt mit den Schultern. „Darf ich die erfahren? Oder ist das so eine mega geheime Geheimnachricht?“ Er grinst: „Mein Vater wollte wissen, ob Elrond sich vielleicht mit uns verbündet und die Zwerge ausspioniert. Glücklicherweise ist Elrond doch nicht so doof wie er aussieht und hat sich dagegen entschlossen.“ Ich seufze: „Und was wird dein Vater dazu sagen, wenn du ihm Elronds Meinung überbringst?“ „Ich hoffe, dass ich noch lebend davon komme.“, er lehnt sich zurück. „Wollen wir dann?“ „Jep“, elegant, schwinge ich meine Beine über die Bank und wir verlassen den Raum. „War ziemlich warm da drin, oder?“ „Lag nur daran, dass du neben mir saßt.“, er grinst schon wieder, dieses unheimlich süße Grinsen. „Natürlich, natürlich. Geht es eigentlich noch selbstverliebter?“ „Mein Vater übertrifft mich da locker.“ „Das war eine rhetorische Frage. Aber schön, dann weiß ich ja, wie ich ihm das nächste Mal gegenübertreten werde.“ „Wie denn?“ „Naja, erst einmal ordentlich schleimen, dann wenn er denjenigen anspricht, dumm stellen, damit er sich schlau und überlegen fühlt. Er wird sich bestimmt gut durch so etwas beeinflussen lassen“, sage ich spöttisch. „Wir reden hier von MEINEM VATER“ „Hat man bei der Politik deines Vater keine Meinungsfreiheit?“ Er legt die Stirn in Falten: „Doch ich denke schon.“ „Na dann“, ich öffne die Tür, die uns von der kleinen Stadt trennt. Überall sind Laternen in vielen verschiedenen Farben aufgehängt und Kinder tollen lachend auf einer kleinen Straße herum. Ich lächele, in Lothlórien gab es sowas nie. Ich weiß nicht woran es liegt, dass dieses Fest nur hier und im Düsterwald gefeiert wird. Aber die Kinder scheinen es sehr zu genießen. Sie verstummen für einen kurzen Moment, als sie uns entdecken. Doch vielleicht nur für eine Sekunde, denn dann geht es ungestört weiter. Auch um Legolas Lippen spielt ein Lächeln. Er scheint in Erinnerungen zu schwelgen. Die Schritte der Kleinen hallen durch die ansonsten stille Nacht und auch das Lachen und Quieken wird von der Ruhe zurück geworfen. Elben hörte man eigentlich nicht, wenn sie gehen. Zumindest ist es bei Erwachsenen so. Ob ich als Kind auch so befreit war? Keine Ahnung, ich hatte zwar Spaß, aber ich kann mich nicht an sowas erinnern. Traurig eigentlich. Die Straße ist vorbei und geht in einen sandigen Pfad über, der durch düstere Bäume führt. Kurz vor dem Weg bleiben wir stehen. „Ob wir wieder zurück finden“, sage ich skeptisch und versuche in der durchdringenden Finsternis etwas zu erkennen. „Ja, der Wald ist nicht so groß.“ „Dort sind keine Lichter, selbst das Sternenlicht wird von den Baumkronen vollständig verdeckt“, murmele ich. „Der Wald lichtet sich noch ein wenig, ich war hier schon öfter.“ „Wie oft?“ Er zuckt mit den Schultern: „Zwei, Dreimal.“ „Gut, dann geh du vor.“ Legolas nickt nur kurz und setzt den ersten Schritt auf den Pfad. Er hatte Recht, der Wald lichtet sich nach den ersten zehn Metern und das helle Sternenlicht wirft Kringel auf den grünen Waldboden. Auch die bunten Lichter ziehen in Schleiern um die Äste und suchen sich einen Weg durch den Wald. Der leichte Nebel lässt die Lichter noch intensiver leuchten und bald bleibe ich stehen um sie genauer zu betrachten. „Woher kommen sie?“, ich lasse meine Hand durch ein grünes Licht fahren und spüre eine angenehme Wärme über meine Fingerspitzen streichen. „Ich weiß es nicht, niemand weiß es. Aber es werden viele Geschichten darüber erzählt“, auch er berührt eines der Lichter. „Was sind das für Geschichten?“ „Manche sagen, sie wären die Seelen, von verstorbenen Elben, die an diesen Tagen zurück nach Hause kommen, um mit ihren Familien das Fest der Sterne zu feiern. Es gibt viele mehr, aber das hat mir mein Vater immer erzählt, wenn ich ihn danach fragte“ Ich sage nichts dazu und schaue stattdessen wortlos weiter auf die Lichter. Das Blätterdach über mir rauscht leise und irgendwie bekomme ich Lust hinauf zu klettern. Ich liebe sowas, man fühlt sich jedes Mal so frei. Entschlossen springe ich auf den ersten Ast. Legolas sagt nichts dazu und beobachtet einfach jede meiner Bewegungen. Nach vier weiteren Sprüngen habe ich die Baumkronen erreicht. Und sofort spüre ich die lauwarme Brise über meine nackten Schultern streichen. Die Sterne leuchten tausendmal heller als die beiden Nächte zuvor und versprühen eine nachdenkliche Atmosphäre. Ich setzte mich und schaue zum Himmel empor. Wo bin ich denn jetzt zu Hause? Thranduils Hallen. Der Düsterwald. Legolas. Ne, ne, ne, warte mal kurz. Habe ich das wirklich gerade gedacht. Sorry, ich glaube ich hatte meinen Kopf nicht an. Mein Bauch hat die Kontrolle übernommen, oder mein Herz? Keine Ahnung, aber angeblich steht beides über dem Kopf. Der lauwarme Wind flüstert leise und meinem Nacken läuft ein Schauer herunter. Der Geruch von Blumen, Nacht und Wald liegt in der Luft. Und ja, man kann die Nacht riechen. Vielleicht nicht direkt die Nacht, aber wenn es Nacht ist, riecht alles viel intensiver. Zumindest für einen Elb. Das Laub raschelt leise und ich nehme den Geruch von Veilchen war, die sich mir langsam nähern. Ich spüre die leichte Wärme, die von dem Körper dicht hinter mir ausgeht. Ich rühre mich nicht. Er sagt nichts. Eine Weile sitzen wir so da, bis er irgendwann zu mir nach vorne rückt. „Man könnte ewig so sitzen“, flüstere ich, zu den Sternen empor schauend. Ich nehme ein leichtes Nicken war und ein Arm der sich um meine Hüfte legt. Ein Schauer durchfährt meinen Körper und das Kribbeln ist mehr oder weniger zu Elektroschocks geworden. Zumindest bin ich meinem Körper dankbar, dass er nicht versteift. „Erinnerst du dich noch an deine Eltern?“, überrascht von seiner Frage, sehe ich ihn an. „Ja, nicht stark. Aber an manche Dinge. Zum Beispiel, dass meine Mutter mir zum Einschlafen immer vorgesungen hat. Oder, dass mein Vater mich manchmal mit in den Stall genommen hat, um dort schon verfrüht mit mir zu trainieren.“, ich lächele leicht, als ich mich an diese Dinge erinnere. „Und erinnerst du dich an deine Mutter?“ Er schüttelt den Kopf. „Da ist nichts, keine Erinnerung, kein Bild, kein Geruch oder Geräusch, nichts.“ „Du hattest also nur deinen Vater“ „Er, er hat viel für mich getan“ „Hört sich nicht so an, als wärst du sonderlich begeistert, ihn als Vater zu haben“, ich runzele leicht die Stirn. „Es ist nicht einfach, immer so zu sein, wie er es gerne hätte“, er wendet den Blick ab. Ich fasse es nicht, er, Legolas, Sohn von Thranduil, hat Selbstzweifel! „Er kann nur nicht damit umgehen, dass du selbstständig wirst. Er hat Angst, dass du ihm den Thron wegnimmst.“ „Nein, er will, dass ich so schnell wie möglich sein Nachfolger werde“ „Aber das ist unlogisch. Zum einen will er, dass du auf ihn hörst und nicht SELBSTSTÄNDIG BIST, auf der anderen Seite will er aber, dass du seine Nachfolge antrittst. Mal einmal davon abgesehen, warum wirst du dann nicht einfach sein Nachfolger?“ „Um seinen Platz einzunehmen, muss ich heiraten,…, eine, keine einfache Elbin“, er guckt mich schmerzhaft an. Er tut mir leid. Mag sein, dass er manchmal ein Arschloch ist, aber er tut mir gerade echt leid. „Es gibt ja nicht so viele besondere Elbinnen in Mittelerde, lass mich aufzählen. Arwen und“, ich stocke. Mehr fallen mir auf Anhieb nicht ein. „Was ist mit, okay mehr fallen mit nicht ein“, ich lächele mitleidig. „Du liegst richtig. Es gibt nicht mehr, die mein Vater akzeptieren würde. Nur für die Macht.“, ich weiß nicht, was in seinem Blick liegt. Eine Mischung aus Trauer, Verzweiflung, Schmerz und Wut. Ich verstehe diese Kombination nicht. „Hast du mal versucht mit ihm darüber zu reden?“, frage ich vorsichtig. „Über was soll ich denn mit ihm reden? Über meine Gefühle zu einer einfachen Elbin? Er versteht nicht, er will nicht verstehen.“, seine Augen strahlen in einem dunklen blau. >Über meine Gefühle zu einer einfachen Elbin<, hallt durch meinen Kopf. Der es nur langsam verarbeitet. „Es tut mir leid“, flüstere ich und will mich abwenden, um wieder herunter zu klettern. Er hält mich jedoch fest, zieht mich an sich und legt seine Lippen auf meine. Erschrocken kralle ich meine Finger in seine Schultern. Wie unter Schock schiebe ich ihn weg und klettere schnell herunter. Brennend nehme ich die Blick von Legolas auf meinem Rücken war.
    Ich spüre den Wind in meinen offenen Haaren, als ich mitten durch den Wald laufe. Ich muss den Kopf freibekommen. Viel zu viele Ereignisse auf einmal. Schwer atmend bleibe ich stehen, lehne mich an einen großen Baumstamm und gleite daran herab. Verwirrt lege ich den Kopf auf meine Knie. Was war das eben gerade? Ich habe keine Erklärung dafür, aber ich fange an zu weinen. Leise, irgendwo im Wald, bei Nacht. Es ist zu viel für mich. Der Tod von Ardamir und Lanadriel, die vielen Fragen, die durch diesen Tod offen sind und der Kuss von Legolas. Ich rolle mich zusammen und schlafe irgendwann ein.
    Nebel umhüllt mich, als ich durch das Gezwitscher der Vögel aufwache. Oh ne, ich bin total klamm gefroren. Ich verziehe das Gesicht und strecke mich ausgiebig. Wo bin ich überhaupt? Ja, das habe ich super gemacht. Schön vom Weg abgekommen. Jetzt werde ich also nie wieder zurück finden. Immerhin hat es etwas Positives, ich muss mir nie wieder diese Fragen von gestern Abend stellen. Ich fange jedoch an auf und ab zu tigern. Schließlich kann ich nicht ewig hier bleiben, komm schon, dir wird doch irgendwas einfallen, oder? Es ist so gut wie unmöglich, hier unten den Weg nach Bruchtal zu finden. Im Nebel sieht sowieso jeder Baum gleich aus und riecht auch jeder Baum gleich. Da ich mich selbst nicht riechen kann, ist es auch unmöglich meine eigene Geruchsspur zu verfolgen. Ich schaue hinauf in die Blätter. Das ist es! Freudig klettere ich den dicken Baum hinauf und erreiche nach ein paar Sprüngen das Blätterdach. Ein paar Kilometer von mir entfernt, kann ich die großartige Architektur Bruchtals ausmachen. Leichtfüßig mache ich mich auf den Weg und erreiche nach etwa zwanzig Minuten Bruchtal.
    „Arwen?“, ich klopfe vorsichtig, „bist du schon wach?“ Knarzend öffnet sich die kunstvoll verzierte Tür. Verschlafen und mit verstrubbeltem Haar lugt Arwen hervor. „Jetzt schon“ „Darf ich reinkommen?“ „Klar, was gibt’s, wie siehst du überhaupt aus?“ Entsetzt werfe ich einen Blick in den Spiegel. Meine Augen sind ein wenig aufgequollen und gerötet und mein Haar, das sonst so seidig fällt. Ist verknotet und wird von ein wenig Erde und Blättern geziert. Ein Glück hat mich so noch niemand gesehen. „Das Bad ist links“ „Danke“, ich werfe ihr einen Blick der Erleichterung zu und verschwinde hinter der Tür. Das warme Wasser strömt über meinen Körper und ich fühle mich tiefenentspannt. Nach dem ausgiebigen Duschen, stehe ich wieder frisch vor Arwen und versuche ihr meine Situation beizubringen. „Also, was ist passiert? Du sahst echt nicht gut aus“, besorgt mustert ihr durchdringender Blick mich. Ich zucke mit den Schultern und ich glaube das hat gereicht, denn sie lächelt nur mitleidig. „Es kam so überraschend“, ich laufe von einer Zimmerecke zur anderen. „Echt? Ich finde nicht.“ „Du bist ja auch Hellseherin“ Sie verdreht die Augen: „Das konnte jeder Blinde sehen. Und außerdem, warum bist du weggelaufen?“ „Oh Arwen, ich weiß es nicht“, verzweifelt schaue ich sie an. „Dann sag ihm das doch so.“ „Ich werde ihm nicht mehr gegenüber treten können, ohne im Erdboden zu versinken.“ „Für ihn ist die Situation doch viel schlimmer, schließlich hast du ihm einen Korb gegeben.“ „Aber ich wollte das doch gar nicht.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Ich kann dir nicht alles verraten.“ „Hast du es gesehen?“, ich schlucke. „Natürlich habe ich es gesehen, aber keine Angst. Er wird es dir nicht sehr übel nehmen.“ Toll, das erleichtert mich jetzt ungemein. „Falls du mich jetzt entschuldigen würdest, ich hau mich jetzt wieder aufs Ohr. Bis irgendwann mal, oder bis zum Frühstück. Je nachdem, ob ihr noch bleibt.“ Ich nicke verständnisvoll, dann mache ich mich auf den Weg zum Stall. Dort ist wenigstens einer, der mich trösten kann. Als ich die Tür langsam öffne, wiehert Rusco schon erfreut. „Hallo, mein Großer“ Ich springe zu ihm in die Box. „Wie geht’s so?“ Ein Schnauben. „Das freut mich, hier ist es schön oder?“ Ein Nicken. Vielleicht ist es ein wenig albern, einem Pferd Fragen zu stellen. Aber Rusco versteht mich und weiß auch wie er zu antworten hat, damit ich ihn verstehe. „Ach mein Junge, es ist so viel Mist in der Zwischenzeit passiert. Und ich habe mal wieder alles versaut.“ Er blickt mich fragend an. „Stichwort, Legolas“ Er legt den Kopf schief. Ich seufze: „Das ist vermutlich das Einzige, was du nicht verstehst oder? So ähnlich wie Celeb und du, bloß komplizierter.“, ich betrachte ihn prüfend, ob er mich verstanden hat. Er legt den Kopf wieder gerade und presst seine Blesse gegen meine Wange. Er hat mich also verstanden. „Ist schon okay, ist ja meine Schuld gewesen. Ich bin bloß zu faul, dir alles zu erklären“ Er betrachtet mich vorwurfsvoll. „Du musst dafür Verständnis haben“, gähne ich und lasse mich auf den Strohballen sinken. „Schließlich musste ich wegen meiner eigenen Blödheit im Wald schlafen.“ Sein Blick ruht friedlich auf mir und er schnaubt wieder leise. Ich streiche ihm über sein kurzes braunes Fell. Der Schlaganfall ist mir nahe, als sich die Tür langsam öffnet. Wie James Bond drücke ich mich an die Boxentür und stelle mit meinen Fingern einen Revolver da. Vielleicht fühle ich mich so sicherer. Aber auch nur vielleicht, denn irgendwie ist es ja doch albern. Also rutsche ich wieder langsam zu meinem Heuballen zurück und ducke mich nur ein bisschen, um so zu tun, als würde ich Rusco die Hufe auskratzen. Ich höre Celeb wiehern. Oh nein, bitte nicht, große Valar, bitte lass es nicht Legolas sein. Ich schaue auf, um wirklich ganz sicher zu sein. Mist! Er steht wie festgefroren in der Tür, als hätte er etwas gehört. Durch meine nicht wirklich intelligente Bewegung, entdeckt er meine nicht ganz unauffälligen Haare sofort. Er wendet den Blick ab und will gehen. „Bitte geh nicht Legolas, es tut mir leid“, flüstere ich. Eigentlich habe ich das nur zu mir gesagt, aber er scheint es vernommen zu haben, denn er bleibt stehen und dreht sich wieder um. „Es tut mir leid“, sage ich etwas fester. Sein Blick bleibt ausdruckslos. Ich gehe langsam mit ein paar Schritten auf ihn zu. Mein Kopf ist wie leer gefegt und mir ist übel. „Bitte verzeih mir.“, meine Augen werden feucht und auch in seinem Blick tut sich etwas. „Sag was“, ich suche seinen Blick. Als dieser mich trifft, fühlt es sich an, als würde ich zurück geschleudert werden. Schmerz, Wut, Trauer und etwas anderes, welches ich nicht deuten kann. „Es tut mir auch leid“, er wendet sich ab und geht die ersten zwei Schritte Richtung Ausgang. „Bitte Legolas, mach nicht denselben Fehler wie ich“, die erste Träne rollt über meine Wange. Ich folge ihm, bis ich endlich vor ihm stehe. Sein Blick wird weicher, als er meine Tränen entdeckt und ich schöpfe neue Hoffnung. Als nichts passiert, schließe ich die Augen und lasse den Kopf hängen, die nächste Träne schießt aus meinem Auge. Plötzlich spüre ich eine Hand über meine Wange streichen und blicke auf. „Es tut mir auch leid“, wiederholt er. Tausend kleine Schmetterlinge flattern auf und dann küsse ich ihn. „Guten Morgen“, wir fahren zusammen und gucken Richtung Tür. Oh Gott, bitte nicht. Wieso? WIESO? „Oh tut mir leid“, Arwens Nase wird etwas rot. Ich verdrehe die Augen und Legolas runzelt die Stirn. Irgendwie bin ich ihr dankbar, ich habe keine Ahnung was ich ihm danach gesagt hätte. „Ähm, ich habe Futter, für die Pferde. Also hier“, sie hält einen Sack Hafer hoch. „Ja, danke Arwen“, ich gehe auf sie zu und flehe sie mit einem Blick an, nicht zu verschwinden. Sie versteht und kommt mit zu Rusco. „Er ist hübsch“ ich nicke nur. „Tut mir leid, wegen eben gerade“ ich nicke wieder. „Stehst du unter Schock?“ Genervt schaue ich sie an: „Sehe ich so aus?“ Sie zuckt mit den Schultern. „Etwas“ „Hast du auch noch was für Celeb?“, ruft Legolas. „Ja“, antworte ich ihm und werfe ihm den übriggebliebenen Hafer zu. „Warum bist du wirklich hier?“, flüstere ich. Sie guckt mich betroffen an. „Ich wollte mich nur verabschieden, du wirst doch bestimmt gleich aufbrechen. Hier, ich habe was für dich“, sie holt einen kleinen Anhänger aus ihrer Tasche. „Klapp ihn mal auf“ Der Anhänger liegt leicht in meiner Hand. Als ich ihn öffne sehe ich ein hübsches Bild, von zwei jungen Elbinnen. Die eine mit schwarzen Haaren, blauen Augen und in einem weißen Kleid und die andere mit braunroten Haaren, außergewöhnlichen Augen und in einer grünen Tunika. Ich lächele: „Danke Arwen, das ist wunderschön“ Vorsichtig schiebe ich ihn in meine Hosentasche. „Außerdem habe ich schon deine Sachen gepackt, guck“, sie holt meine Satteltasche unter ihrem Rock hervor. Ich gucke sie entsetzt an. „Arwen, das ist etwas komisch“ Sie zuckt mit den Schultern. „Tschüss, wir werden uns bestimmt bald wiedersehen.“, murmelt sie und steigt aus der Box. „Danke und auf Wiedersehen“, ich bedenke sie mit einem freundschaftlichen Blick und winke ihr nach. Ich freue mich schon auf unser nächstes Zusammentreffen. Ich seufze einmal und beginne Rusco zu satteln. Dieser schnaubt freudig. „Ja Kumpel, jetzt geht es nach Hause.“ „Bist du fertig?“, Legolas steht mir Celeb bereits in der Tür. „Ja, wir können los“ Ich nehme den Fuchs am Zaumzeug und führe ihn nach draußen. „Werden wir genauso lange brauchen, wie auf dem Hinweg?“, frage ich nach zwei Stunden Ritt. „Nein“, er schüttelt den Kopf, „ich dachte wir könnten die Nacht durchreiten. Dann sind wir morgen früh wieder zu Hause.“ „Im Düsterwald, bei Nacht? Hört sich nicht so sicher an.“ „Das geht schon. Mein Vater erwartet uns bereits gegen heute Abend, er wird Patrouillen in den Wald geschickt haben.“ Das beruhigt mich nicht viel. Thranduil mag vielleicht weise sein, aber doch ziemlich auf sein eigenes Wohl beschränkt. Nicht die beste Eigenschaft eines Königs. Thorin war da anders. Thema Zwerg, wie es der verrückten Gruppe wohl ergehen mag? Ob sie den Erebor schon erreicht haben. Ist dieser Drache schon tot, ob Bilbo es an ihm vorbei geschafft hat? Ziemlich viele Fragen, die es zu beantworten gibt, aber ich habe ja noch Zeit. Ich denke sie werden den Berg schon erreicht haben. Und ich habe vollstes Vertrauen, dass Bilbo es schaffen würde, an dem Drachen vorbei zu kommen. Aber haben sie den Eingang gefunden? Ob Gandalf sein Versprechen gehalten hat und zu den Zwergen zurückgekehrt ist, keine Ahnung. Aber ich denke, dass Gandalf in seinem ganzen Leben, noch kein einziges Versprechen gebrochen hat. Warte mal, wie lange lebt Gandalf eigentlich schon. So ganz frisch ist der doch bestimmt nicht mehr oder? Sind Zauberer eigentlich auch unsterblich, also so wie Elben? Ich denke schon. Mittelerde besitzt schließlich nur ein paar und es wäre doch traurig diese zu verlieren. Galadriel ist auf jeden Fall schon ziemlich alt. Was sagen die Bewohner von Lothlórien? Älter als der Mond? Okay, das ist gruselig. Von weitem kann man bereits den Düsterwald ausmachen. „Komm Rusco, gleich sind wir zu Hause.“, ich treibe ihn an, bis ich neben Legolas her trabe. „Mach nicht zu doll, mag sein dass wir gleich den Düsterwald erreicht haben, aber das heißt nicht dass wir zu Hause sind.“, warnt Legolas. „Ach komm schon, soo weit wird es ja wohl nicht mehr sein.“ „Unterschätz das lieber nicht. Wir werden noch vier Stunden reiten.“ „Vier Stunden! Die Sonne ist schon untergegangen, mit den Zwergen habe ich höchstens eine Stunde gebraucht“, entsetzt schaue ich ihn an. „Willst du wieder quer durch ein Spinnennest gehen?“, fragt er mit einem Grinsen. „Brrr, nein!“, ich schüttele mich. „Dann reite die weiteren vier Stunden.“ Ich verdrehe die Augen, trabe jedoch weiterhin neben ihm her. Der Düsterwald strahlt eine gefährliche Aura aus, dennoch fühle ich mich zwischen den Bäumen zu Hause. „Wie weit ist es noch?“, flüstere ich. „Du musst nicht flüstern, hier ist niemand den du wecken könntest.“ „Ne, außer eine Horde Spinnen, die nur darauf warten, dass hier zwei dumme Elben vorbei kommen, die sie zum Frühstück verspeisen können.“, sage ich spöttisch. „Ungefähr eine halbe Stunde“, antwortet Legolas extra laut. Ein Zweig knackt und ich sehe wie sechs vermummte Gestalten hinter den Bäumen heraus treten. Wundervoll du Arschloch, wenn das jetzt keine Waldelben sind, dann wäre das nicht so optimal. *hust* dezent untertrieben. Der vorne stehende nimmt seine Kapuze ab. „Große Valar, Legolas, warum schreist du so?“ Er zuckt mit den Schultern und steigt ab, um sie zu begrüßen. Auch ich verlasse den sicheren Platz meines Pferdes und laufe freudig auf Tauriel zu. „Man vermisst euch beide relativ schnell“, murmelt sie, umarmt uns und geht schon ein paar Schritte voraus. Ich folge ihr, mit den Zügeln meines Pferdes zwischen den Fingern. „Du musst mir zu Hause unbedingt alles erzählen“, flüstert Tauriel mir zu. Ich nicke nur müde und setzte einfach weiterhin einen Fuß vor den anderen. Rusco wiehert unruhig als ich mit ihm, Legolas und Celeb vor der Stalltür stehe. „Ist doch alles gut, du bist wieder daheim.“, sage ich und öffne die Tür. Vorsichtig trottet der Fuchs hinein und schwingt den Kopf von der einen zur anderen Seite. Die anderen Pferde in den Boxen dösen friedlich vor sich hin und das eine oder andere schnaubt einmal. „Komm hier“, ich deute auf seine leere Box. Freudig neigt er den Kopf zur Seite und senkt sogleich seine Schnauze in den frisch aufgefüllten Wassertrog. Auch Celeb scheint sich zu freuen, wieder zu Hause zu sein. Denn sie wiehert zur Begrüßung den anderen Pferden zu, die sie aber mehr oder weniger ignorieren. Aber stören tut es sie nicht und sie macht einfach weiter. „Schlaf gut, mein Großer“, sage ich noch zu ihm, dann klopfe ich ihm freundschaftlich auf den Rücken und springe aus der Box. Legolas verabschiedet sich ebenfalls von seiner silbernen Stute und wir gehen gemeinsam Richtung Zimmer. Als sich die Flure trennen, drückt er mir einen Kuss auf die Wange. „Gute Nacht, Glaur“ Ich schlucke nur schwer und nicke. Dann lässt er mich mit kleinen, Party feiernden Schmetterlingen alleine. Ich berühre meine Wange. Schon komisch oder?

    9
    Meine Fingerknöchel klopfen gegen Tauriels Zimmertür. Die Tür wird aufgerissen: „Ah, da bist du ja endlich. Komm rein“ Ich setzte mich neben sie auf ihr Bett. „Los, erzähl schon. Also wie war der Hin Ritt so? Außerdem wo ist jetzt überhaupt dein Pferd, eigentlich wollte ich dich das schon vorhin fragen.“ „Ich erzähl es dir gleich und der Hin Ritt war ganz angenehm, wir waren schließlich schon gegen Nachmittag am Rand des Düsterwaldes und haben eine ausgiebige Pause gemacht. Am nächsten Morgen sind wir dann früh los und waren gegen Spätnachmittag in Bruchtal. Arwen hat uns empfangen. Sie erzählte mir, dass meine Ziehmutter mein Pferd abgeholt hatte und mit ihm ins Nebelgebirge geritten ist um mich zu suchen. Dort sind sie umgekommen.“, meine Augen füllen sich mit Tränen und nach zwei weiteren Sekunden fließen sie über meine Wangen. Tauriel schaut mich entsetzt und betroffen an. „Und was dann?“ „Ich bin zu Rusco in den Stall gerannt. Er hat mich getröstet und sich meine Leidenslieder angehört.“, ich lächele leicht. Legolas erwähne ich mit keinem Wort, wenn sie nicht direkt nach so etwas fragt, werde ich es ihr auch nicht auf die Nase binden. Hoffen wir einfach, dass sie nicht fragt. „Abends war ich mit Legolas im Wald, heute früh sind wir losgeritten und jetzt sind wir hier“, ich lasse mich zurück fallen und strecke mich. „War noch was? Das kann unmöglich alles gewesen sein. Es ist bestimmt noch etwas passiert, du kannst es mir erzählen, ich bin deine beste Freundin“, sie betrachtet mich mit einem prüfenden, vorwurfsvollen Blick. Ich schüttele den Kopf, ich werde es ihr ein andermal erzählen. Denn ich bin jetzt definitiv zu müde. Ich gähne noch einmal und verabschiede mich flüchtig. „Hey, glaub ja nicht, dass du mir jetzt einfach so davon gekommen bist. Morgen erzählst du es mir!“ Ich verdrehe die Augen und schließe ein wenig genervt die Zimmertür, die ihre Stimme verstummen lässt. Seufzend öffne ich die meine und lasse mich mit Klamotten auf MEIN Bett fallen. Aua! Etwas piekt in mein Hinterteil mit schmerzverzogenem Gesicht ziehe ich diesen heimtückischen Gegenstand hervor. Ah, das hätte ich fast vergessen. Der Anhänger liegt kühl in meiner Hand, ich öffne ihn. „Hallo Glaur, ich habe mich schon gefragt wann du ihn aufklappst“ Entsetzt lasse ich dieses Ding fallen und rette mich auf die andere Seite meines Bettes. „Hey, kein Grund den wertvollen Anhänger fallen zu lassen!“, weißt Arwen mich zu Recht. „Arwen, was in ALLER WELT IST DAS?“, ich fange an mich dem Gegenstand zu nähern. Sie lächelt mich aus dem Bild an. „Ach, das ist unwichtig. Wichtig ist, dass du mich über dieses Ding immer erreichen kannst. Also wenn du Fragen hast, oder mit einer Freundin reden willst… Schlaf gut, du siehst ziemlich müde aus. Bis dann“ Ich klappe das sonderbare Ding wieder zu und lege es auf meinen Nachttisch. Arwen ist immer wieder für Überraschungen gut. Langsam streife ich die Lederstiefel ab und ein Nachthemd über. Dann schlafe ich sofort ein.
    Morgens werde ich von einem kräftigen Klopfen an meiner Zimmertür wach. Verschlafen werfe ich einen Blick in den Spiegel, stelle fest, dass ich mich so zeigen kann und öffne die Eichentür. „Kannst du es mir jetzt erzählen?“, Tauriel lehnt mit verschränkten Armen im Türrahmen. „Darf ich erstmal duschen?“, kommt meine Gegenfrage. „Meinetwegen, aber beeile dich!“ „Die Sonne ist noch nicht mal aufgegangen, einmal davon abgesehen, dass Legolas und ich heute frei haben.“, grummele ich. Vermutlich hätte ich locker noch zwei Stunden geschlafen, es ist um 5:00 Uhr. Ich tappe in die Dusche und stelle das Wasser auf eiskalt, schließlich muss ich hellwach sein, damit ich Tauriel nicht irgendwas verrate, was ich nicht verraten will. Nachdem ich auch etwas Frisches anhabe bin ich endlich bereit. „So, was willst du wissen?“, gähne ich. „Ist was passiert?“ „Was soll passiert sein, es tut mir leid, aber ich bin noch zu müde um deine Frauensprache zu verstehen. Rede doch bitte mit mir so, als würdest du mit einem Mann reden.“ Tauriel verdreht genervt die Augen. „Ob zwischen Legolas und dir was passiert ist“ Ich zucke mit den Schultern. Das ist schließlich Ansichtssache. „Okay es ist also was passiert, was du mir nicht sagen willst. Ich wette Arwen hast du es erzählt!“, sagt sie eingeschnappt. Oh Mann, sie zwingt mich ja förmlich dazu, es ihr zu sagen. „Hat er dich geküsst?“, ihre Augen leuchten. Ich schaue sie entsetzt an, aus ihrem Mund klingt es irgendwie ekelhaft. Dennoch nicke ich langsam und schaue sie erwartungsvoll an. „Und was hast du dann gemacht?“, will sie von mir wissen. „Ähm, ihn weggeschubst, durch den halben Wald gerannt und mich verlaufen“, ich grinse unsicher. „Du hast was gemacht? Du hast ihn weggeschubst? Bist du total verrückt geworden? Alle sind in ihn verknallt und du hast ihn WEGGESCHUBST?“, sie wird total rot im Gesicht und springt auf. „Ich konnte nichts dafür, das war Reflex. Es war so überraschend und ich war noch so unter Schock wegen dem Tod meiner Familie und das war dann halt zu viel“, versuche ich mich kleinlaut zu verteidigen. „Du bist die außergewöhnlichste, dümmste und hübscheste Elbin die ich kenne.“, sie starrt mich fassungslos an. „Ähm, zum einen danke zum anderen du bist ein Arschloch“, murmele ich. „Aber ist doch wirklich so. Du schaffst es, dass Legolas dich FREIWILLIG küsst und dann schubst du ihn weg“, immer noch ungläubig schüttelt sie den Kopf. „Können wir jetzt über was anderes reden?“, frage ich. „Nein, was hast du dann gemacht?“ „Mich entschuldigt.“ Ich muss ja nicht dazu sagen, wie ich mich entschuldigt habe. „Und jetzt ist alles so wie vorher, besser oder schlechter?“ „Kommt darauf an, was du besser oder schlechter findest. Für alle anderen vermutlich schlechter und da es definitiv mehr andere gibt. Sage ich jetzt einfach mal schlechter.“ Sie verdreht die Augen. „Gehen wir frühstücken?“ „Jetzt gibt es schon Frühstück?“, frage ich mit hochgezogenen Augenbrauen. „Jep und es sind keine nervigen Elbinnen da, die uns stören.“ „Na dann, worauf warten wir noch?“ „Vielleicht auf Legolas“, sie grinst. Oh Gott, bitte lass es schnell wieder aufhören. Ich werde das nicht lange aushalten.
    In der Essenshalle herrscht ungewohnte Stille. „Ich bin die letzten Tage immer so früh aufgestanden um unseren Freundinnen aus dem Weg zu gehen.“ Ich nicke zustimmend: „Das ist verständlich. Aber eine Frage, warum mögen sie uns nicht?“ „Du fragst dich das immer noch?“ „Nein, ich kann es mir denken. Aber sicher bin ich mir nicht.“ „Dann ist das, was du denkst richtig.“, sie zieht einen Stuhl hervor und lässt sich an den gedeckten Tisch fallen. „Ähm, okay“, ich setzte mich neben sie. „Oh, wir sind wieder da, meinen herzlichen Glückwunsch. Ich hätte nicht gedacht, dass du die Reise überlebst.“, eine blonde Elbin, lächelt mich mitleidig an. „Tja, tut mir leid, dass ich nicht gestorben bin. Jetzt habt ihr mich wieder an der Backe“, ich zucke mit der Schulter und wende mich wieder Tauriel zu. „Einfach so daher gelaufen und mit sowas gibt sich Legolas ab.“, zischt sie und setzt sich provokativ auf die gegenüberliegende Seite unserer Plätze. Ist das ihr Ernst? Hier gibt es tausend andere Plätze in der Halle und sie muss sich uns gegenüber setzten. „Ja mit so etwas gibt sich Legolas ab. Stell dir vor!“, ich sehe sie nicht an, als ich ihre rhetorische Frage beantworte. War das überhaupt eine Frage? Egal, irgendetwas musste ich dazu sagen. „Wusstest du, dass er auf blond steht?“, sie mustert mich und beobachtet mit glänzenden Augen meinen Gesichtsausdruck. Den Gefallen werde ich ihr nicht tun. „Wie schön für dich, warum hat er dann noch nie mit dir gesprochen. Du bist doch eigentlich ganz hübsch und definitiv blond“, oh, das hat gesessen. Ihr Gesicht ähnelt momentan etwas einer Rosine. Ich weiß nicht wie ich auf den Vergleich komme, aber irgendwie sieht sie so aus. Als ihr Tränen in die Augen treten, tut sie mir leid. Ich sehe sie erschrocken an: „Oh, das tut mir leid“ Ich will sie trösten, aber sie schlägt nach mir. „Ich wusste nicht, dass Ihr so empfindlich darauf reagieren würdet.“ Sie schnieft: „Nie beachtet er irgendeine von uns, er schottet sich komplett ab. Er redet immer nur mit euch. Das ist ungerecht, er soll sich doch nach einer Frau umschauen, schließlich wird er heiraten müssen und es gibt so viele hübsche Elbinnen hier. Und dann kommt eine einfach daher und er nimmt sie auf, als würde er sie schon seit Jahren kennen.“, es sprudelt aus ihr hervor, wie aus einem Wasserfall. Ich runzele die Stirn und bedenke sie mit einem mitleidigen Blick: „Macht euch bitte keine Hoffnungen, er darf keine einfache Elbin heiraten.“ Tauriel und der Elbin klappen die Kinnladen runter. „WAS?“, rufen sie. Ich schaue sie entgeistert an: „Wusstet ihr das nicht?“ Sie schütteln robotermäßig die Köpfe. „Dann behaltet es lieber für euch. Ich weiß nicht, wie viele Elbinnen das ertragen würden.“ Wieder nicken beide schwerfällig. Plötzlich hellt sich das Gesicht der Blonden auf: „Dann darf er eine von euch, ja gar nicht heiraten!“ Begeistert springt sie auf: „Und ich dachte schon. Was für ein Glück!“ „Ähm, dir auch einen wundervollen Tag“, rufe ich ihr hinterher. „Warum hat er dich dann geküsst?“, haucht Tauriel. „Nur weil es verboten ist, heißt es nicht, dass er keine Gefühle entwickelt“, murmele ich und stehe auf. „Dich trifft das DOCH, oder?“ „Sehe ich vielleicht so aus, als würde ich für nichts und niemanden Gefühle entwickeln können?“ „Also liebst du ihn auch“ „Ist das eine Feststellung oder eine Frage?“ „Eine Feststellung“ „Vielleicht, aber ich denke schon. Es hört sich nur so komisch an, wenn du das sagst.“ „Du tust mir leid“ „Ich mir auch“ „Dann willst du eigentlich gar nicht verliebt sein?“ „Du nervst“ „Und du lenkst vom Thema ab“ „Doch, aber es ist halt nicht unbedingt einfach. Wenn wir das Thema jetzt bitte links liegen lassen könnten.“ „Okay, ich muss jetzt sowieso zur Arbeit. Falls du vorbei schauen willst, ich bin im Westen unterwegs.“ „Gut, tschüss, bis zum Mittag.“ Ich verdrehe etwas die Augen. Sie kann ganz schön anstrengend sein. Wäre sie nicht gewesen, würde ich mir jetzt überhaupt keine Gedanken darüber machen. Obwohl, doch. Aber vielleicht würden meine Gedanken nicht in diese Richtung gehen. Sondern, was er gerade macht, zum Beispiel. Im Moment ist diese Frage leicht zu beantworten. Schlafen. Eigentlich wollte ich mit ihm noch einmal über das Kampftraining mit mir sprechen und da ich gerade nicht viel zu tun habe… Es ist um acht, wird Zeit, dass er aus den Federn kommt. Ich laufe durch die Flure und klopfe leise. „Hey Legolas, ich bin’s bist du schon wach?“ „Ne“, kommt die Antwort und die Tür wird geöffnet. Dafür dass er vor zwei Sekunden aufgestanden ist, sieht er umwerfend aus. Sein Haar liegt glatt und seine hübschen blauen Augen blinzeln mich munter an. „Komm rein“, gähnt er. Ich betrete das große Zimmer mit den vielen Frontfenstern, dessen Licht von weißen Vorhängen verdeckt wird. „Nicht schlecht“, sage ich und blicke mich mit verschränkten Armen im Zimmer um. Es ist ungefähr dreimal so groß wie meins oder Tauriels und wie soll ich sagen, es kann sich definitiv sehen lassen. Er legt sich wieder ins Bett und beobachtet mich aus einem Auge. „Wann bist du denn aufgestanden?“ „Viel zu früh“, ich kann mir ein Gähnen kaum verkneifen. „Dann komm doch rein“, er grinst. „Hast du das ernst gemeint?“, entsetzt und mit gerunzelter Stirn schaue ich ihn an. Ist er krank? Hat er Fieber? Was war dagegen noch einmal gut? „Ja“ Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Das Angebot ist ziemlich verlockend. Aber… Na gut. Ich seufze und setzte mich auf das Bett. „He, das ist viel weicher als meins oder Tauriels.“ „Bin ich der Sohn des Königs, oder du?“ „Gilt hier keine Gleichberechtigung?“ „Nö“ Ich verdrehe die Augen: „Das ist ziemlich unfair.“ „Kann schon sein“, er legt einen Arm um mich, „aber das ist schließlich überall so“ Ich spüre seine muskulöse Brust an meinem Rücken und kuschele mich an ihn. Was wollte ich ihn eigentlich noch einmal fragen? Egal. Er riecht so gut. Langsam ziehe ich seinen Duft ein. Er zieht mich fester an sich. „Pass bloß auf, dass ich nicht ersticke“, grinse ich. „So schnell erstickst du nicht“, kommt die verschlafende Antwort zurück. Ich drehe mich zu ihm um, so dass mein Gesicht seinem ganz nah ist. Er betrachtet mich immer noch aus einem Auge. Er ist wirklich sehr hübsch, auch wenn er vermutlich müde ist, strahlen seine Augen wach und sanft. Beziehungsweise strahlt das eine Auge, aus dem er mich betrachtet wach und sanft. „Du riechst so gut nach Wasserlilie und Granatapfel“, flüstert er und streift mir eine rotbraune Haarsträhne aus dem Gesicht. „Echt?“, ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Wonach rieche ich eigentlich?“ „Hat dir das noch niemand gesagt?“ Er schüttelt den Kopf. „Nicht mal dein Vater?“ Wieder ein Kopfschütteln. „Du riechst nach Veilchen“ Er blickt mich überrascht an. „Veilchen? Wie riechen Veilchen eigentlich“ „Ziemlich süß und frisch. Mal einmal davon abgesehen, wie riecht Granatapfel?“, ich lache. „Keine Ahnung, so wie du halt.“, er schließt seine Augen und legt seinen Arm um meine Taille. Es kribbelt extrem und ein Schauer gleitet meinen Rücken herunter. Sein Atem wird ruhiger. Auch ich schließe langsam die Augen. Kann ich es wagen jetzt einzuschlafen? Ich döse eine Weile. Plötzlich blinzelt er. „Hast du schon gefrühstückt?“, murmelt er. Ich nicke leicht. „Ist der werte Prinz noch nicht zum Morgenmahl erschienen?“, frage ich stattdessen. „Ne, der werte Prinz hat noch geschlafen.“ Ich grinse leicht. „Wann bist du gestern eigentlich schlafen gegangen?“ „Gestern? Ich bin heute irgendwann erst schlafen gegangen.“, ich spüre ein Schnauben an meinem Haaransatz. „Dann will ich dich lieber nicht stören. Schlaf gut“, ich will mich aufmachen. „Du störst nicht“, er blinzelt. „Tu ich wohl und diskutier jetzt nicht mit mir, sonst kannst du gar nicht mehr einschlafen.“ Er hält mich kurz fest und drückt mir einen Kuss auf die Wange. „Bis heut Abend“ Es kribbelt intensiv an der Stelle wo seine Lippen meine Haut berührt hatten. Ich lächele leicht. „Bis heut Abend“. Leise ziehe ich die Tür hinter mir zu und schleiche den Flur entlang. Mist, jetzt habe ich vergessen ihn wegen dem Kampftraining zu fragen. Kaum ist er in meiner Gegenwart vergesse ich alles. Oder habe ich einfach Alzheimer? Keine Ahnung, aber ich tippe auf die erste Variante. Wie spät ist es eigentlich? Ich sehe mich nach einer Uhr um und entdecke erleichtert eine Wanduhr die mitten im Gang steht. Es ist 10:30 Uhr, wie lange lag ich da eigentlich. Zweieinhalb Stunden? Ach du heilige Scheiße. Immerhin habe ich noch genug Zeit um mit Rusco auszureiten und Tauriel bei der Patrouille zu besuchen. Fröhlich schlendere ich die vielen Treppen, Flure und Wurzeln entlang. Außerdem könnte ich mich ja auch noch einmal mit Arwen unterhalten. Naja, wenn ich im Stall bin, werde ich vermutlich ungestört sein. Die Waldelben machen sich nicht viel aus den Tieren. Ich habe hier auch noch niemanden mit einem Hund gesehen, oder einer Katze oder mit einem Wolf. Falls ihr mich fragt, ich hätte total gerne einen Wolf. Einen rotbraunen, ich finde die so cool. Außerdem sind sie schnell, stark und intelligent. Eigentlich perfekt für einen Elb. Aber es ist natürlich ziemlich viel Arbeit. Um die Pferde kümmern sich schließlich die Angestellten. Ich bevorzuge es, wenn ich mich selbst um mein Tier kümmere. Ob ich mir einen Wolf holen dürfte. Frag ich einfach Tauriel oder Legolas. Falls ich es nicht wieder vergesse. Nach wenigen Minuten erreiche ich den Stall. Rusco wiehert freudig, als ich seine Box betrete. „Na, mein Großer. Wie geht’s so?“ Er schnaubt und stupst mit der Schnauze meine Hand an. „Sorry, ich habe nichts für dich. Der Essensdienst war ja schon da, oder?“ Er wiehert zustimmend und verdreht die Augen. Ich betrachte seinen leergeschleckten Futtertrog. Typisch Rusco. So gefräßig kann man gar nicht sein. Ich glaube wenn er kein Pferd wäre, dann wär er ein Zwerg. So ein dicker mit rotem Bard. Bombur. Schlagartig fällt der dicke Zwerg mir ein und ich muss grinsen, als ich an die Schlafmütze denke. „Hey“, ein dunkelhaariger Elb betretet den Stall. Das erste was mir an ihm auffällt sind die kurzen Haare. Sie liegen verwuschelt nach rechts liegend. Man sieht nicht häufig Elben mit kurzen Haaren. Was heißt nicht häufig, eigentlich nie. Er mustert mich aus grünblauen goldbesprenkelten Augen. „Bist du nicht diese dahergelaufene Elbin?“ Das war die falsche Begrüßung mein Lieber. Vor allem war sie so nett, aufgeschlossen und freundlich. „Vermutlich“, antworte ich freundlich und hole den Striegel für Rusco hervor. Er runzelt die Stirn: „An irgendjemanden erinnerst du mich“ Aha. Ich schaue ihn mitleidig an. Vielleicht hat er ja irgendeine fiese Krankheit oder so. Er setzt sich und beobachtet mich. „Wie heißt du und woher kommst du?“, fragt er schließlich. Ich schaue auf: „Ich bin Glaur und bin die dahergelaufene Elbin aus Lothlórien.“, ich lächele. „Ich bin auch aus Lothlórien, meine Zieheltern haben mich einfach im Düsterwald abgesetzt. Aber das ist schon ziemlich lange her. Meine Eltern sind vor langer Zeit gestorben. Sie haben mich abgeschoben, als meine kleine Schwester zur Welt gekommen ist. Ich weiß nicht was mit ihr passiert ist. Geschweige denn wie sie aussieht oder heißt.“ „Ähm, okay. Du hättest mir nicht gleich deine ganze Lebensgeschichte erzählen müssen“, ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Wie heißt du überhaupt?“ „Oh, wie unhöflich. Ich bin Anoras“, er grinst, „manchmal bin ich etwas zu voreilig.“ „Ich hab‘s gemerkt“, seine Eltern sind also auch gestorben. Vor langer Zeit und seine Zieheltern haben ihn einfach bei Thranduil abgesetzt. Wie nett. „Als was arbeitest du hier?“, will ich von ihm wissen. „Als persönlicher Bote des Königs. Ich habe mich über die Jahre hochgearbeitet und bin fast wie ein bester Freund.“, erwidert er stolz. „Weißt du jetzt schon an wen ich dich erinnere?“, frage ich ihn. Er nickt andächtig. „Ja, ein bisschen an meine Mutter. Aber Mama war nicht ganz so hübsch wie du.“ „Ähm, danke?“ „Und vermissen dich deine Eltern gar nicht?“, verlangt er zu wissen. „Ne, sie sind auch gestorben, meine Ziehmutter ebenfalls vor zwei Tagen.“, ich wende den Blick ab. Warum verrate ich ihm das alles? Ich fühle mich so familiär in seiner Gegenwart, dabei kenne ich ihn seit fünf Minuten. Er starrt mich an und kommt näher. „Ist alles in Ordnung?“, frage ich vorsichtig. „Verstehst du nicht? Wir sind Geschwister!“, sagt er fassungslos. Ich weiche zurück. Der ist ja total durchgedreht. Aber wer ein Freund von Thranuil ist, kann ja nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. „Ist das nicht ein bisschen zu voreilig?“, frage ich und rette mich auf die andere Seite der Box. Er schüttelt den Kopf. „Wie hießen deine Eltern?“, hakt er nach und sein Blick durchbohrt mich. „Ich weiß es nicht“, flüstere ich. „Du bist meine Schwester Glaur, da bin ich mir sicher.“, er kommt näher und will mein Gesicht berühren. „Du hast sie ja nicht mehr alle!“, schreie ich und verlasse fluchtartig die Box. „Warte, lauf nicht weg. Thranduil kann das bestimmt klären. Oder warum hat er dir so eine hohe Stellung angeboten, wenn ich nicht sein engster Freund wäre.“ Ich stolpere und werfe ihm einen vernichtenden Blick zu. Die Sekunden Verlust durch meine Tollpatschigkeit, nutzt er aus und versperrt mir den Weg nach draußen. „Denk doch mal nach. Es passt alles.“, ein schmerzlicher Blick streicht mich. Ich atme schwer. Er ist gruselig, ich will mit diesem Typen nichts zu tun haben. „Geh bei Seite“, murmele ich mit kratziger Stimme. Stur schüttelt er den Kopf. „Geh bei Seite“, wiederhole ich etwas fester. „Nein“ Wütend gebe ich ihm einen Kinnhaken, der ihn in die Knie zwingt. Tut mir leid Bruder. Ich kämpfe mir den Weg frei und laufe ohne Halt durch die Hallen bis ich endlich den Wald erreiche. Seufzend lasse ich mich in die Knie fallen. Warum zum Teufel muss mir immer sowas passieren? Ich rutsche den Baumstamm herunter und vergrabe mein Gesicht in den Händen. Es kann nicht sein, dass ich einen Bruder habe, oder doch? Leider klangen seine Argumente nicht wirklich abwegig, sie klangen sogar ziemlich logisch. Aber was heißt leider, ein großer Bruder wäre schon cool. Wahrscheinlich würde ich ihn nicht mal richtig mögen, als bester Freund von Thranduil. Pah. Wie widerlich. Haha, sehr witzig Glaur, nur zur Erinnerung du liebst den Sohn von Thranduil. Aber das ist etwas anderes. Legolas und Thranduil, verschiedener geht’s kaum. Vor allem kommen alle Ereignisse immer auf einmal. Mein neues Zuhause, der Verrat an die Zwerge, vor allem an Fili, der dachte ich hätte etwas für ihn empfunden, eine neue Freundin, Legolas, der Tod meiner Familie und ein Bruder. Kann das nicht einfach immer mit hundert Jahre abstand passieren. So schwer kann das doch nicht sein oder? Etwas vibriert in meiner Hosentasche. Arwen. Schnell hole ich das kleine Medaillon heraus und klappe es auf. „Hallo“, lächele ich. Sie sieht etwas aufgelöst aus. „Was ist los?“, will ich von ihr wissen. „Ich hatte eine Vision von dir“, keucht sie. „Ich dachte du willst sie mir nicht erzählen“, weise ich sie zu Recht. „Aber diese muss ich dir erzählen! Glaur, du hast einen Bruder!“ „Aha“, ich bin ja nicht sonderlich überrascht. Das ist nur die richtige Bestätigung. „Wie aha? Bist du da? Weißt du das schon? Er heißt Anoras.“, sie schaut mich entsetzt an. „Ich habe schon Bekanntschaft mit meinem Bruderherz gemacht“, erzähle ich ihr. „Wirklich? Und wie ist er so?“, ihre Augen leuchten, „also in meiner Vision sah er echt heiß aus!“ „Ähm, ich denke er ist normal und ich werde ganz bestimmt nicht mit dir über meinen Bruder schwärmen“, ich ziehe die Augenbrauen hoch. Zu meinem eigenen Erstaunen nehme ich diese Informationen sehr gelassen auf. Vor allem wundert es mich, dass Arwen, die Nonne, das Wort heiß in Verbindung mit männlichen Lebewesen überhaupt in den Mund nimmt. „Und wie läuft’s so mit Legolas?“, fragt sie mit einem schelmischen Grinsen. „Ganz gut“, ich lächele, als ich an eben gerade denken muss. „Was ist passiert, dass du so glücklich bist?“, verlangt sie zu wissen. „Bin ich die Hellseherin oder du?“ „Weiß Thranduil, was er für dich empfindet?“ „Außer Tauriel und du weiß es keiner und das ist auch gut so“ „Passt auf, dass er euch nicht erwischt“ „Wobei soll er uns bitte erwischen, er hockt doch sowieso nur den ganzen Tag auf seinem Thron und trinkt abends höchstens mal ein Schlückchen Wein“ „Naja, vielleicht dabei, was junge Pärchen so machen“, sie grinst breiter. „Ach hör auf“, ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen und klappe den Anhänger zu. Arwen hat mit Thranduil nicht ganz Unrecht. Meine Stimmung schlägt schlagartig um. Wir dürfen es gar nicht. Er wird bald heiraten müssen, ich werde es nicht ertragen können. Schreckliche Bilder kriechen in meinen Gedanken hoch. Arwen, wie sie ihn verliebt anschaut und in einem weißen Kleid langsam auf das Altar zuschreitet. Ich schüttele den Kopf um die Gedanken loszuwerden. Doch ich muss diese Szene weiter angucken. Sie stehen beide vor dem Altar und küssen sich leidenschaftlich, während Thranduil und Elrond beide im Hintergrund stehen, beide mit einem Glas Wein in der Hand, sich die Hände schüttelnd. Ich weiß, dass es bald geschehen wird, es ist nur eine Frage der Zeit und das werde ich nicht ertragen können. Es sei denn, man kriegt Thranduil von etwas anderem überzeugt. Naja, ich habe ja jetzt meine linke Hand an Thranduils Seite. Für alle die es noch nicht mitgekriegt haben, meinen Bruder. Anoras. Ich bin gespannt, wann ich ihn wiedersehen werde. Dann muss ich erstmal einige Dinge mit ihm klären. Zum Beispiel, dass ich nicht damit umgehen kann, wenn mir jemand den Weg versperrt. Obwohl, ich glaube nach meinem schmerzhaften Kinnhaken hat er es verstanden. Ich lehne mich etwas zurück und genieße das leise Gezwitscher der Vögel, die munter durch das dichte Geäst flattern. Nach kurzer Zeit fallen mir die Augen zu. „Hey, aufwachen du Schlafmütze.“, Tauriel hängt kopfüber vor mir. Ich blinzele sie an. „Wie spät ist es?“, frage ich sie verschlafen und rappele mich auf. „Abendbrotzeit“ „Mist, ich habe definitiv zu wenig in der Nacht geschlafen“, ich gähne einmal und strecke mich. „Daran bin ich ja nicht ganz unbeteiligt“, meint sie zerknirscht. „Wie hast du mich gefunden“, ich putze mir Erde und Blätter von der Hose. „Durch Zufall, ich bin noch einmal so zum Spaß durch den Wald. Komm jetzt mit, ansonsten sind schon alle Plätze weg“ Ich nicke und folge ihr schnell. „Wenn du jetzt so viel geschlafen hast, wollte ich dich fragen…“, fängt sie plötzlich, mitten im Laufen, an. „Was?“ „Naja, ob du heute zu der Party kommst?“, druckst sie herum. Was für eine Party, sind die Waldelben denn nur am Party machen? Gibt es hier auch Alltag? „Was denn für eine Party?“, frage ich sie gedehnt. „Anoras schmeißt eine, ihn kennst du bestimmt noch nicht, er ist sozusagen die linke Hand von Thranduil. Aber wenn du ihn erstmal kennengelernt hast, wirst du merken, dass er eigentlich ne coole Socke ist.“, sie grinst während mein Gesichtsausdruck sich zu Eis verwandelt. „Doch ich habe schon mit ihm Bekanntschaft gemacht. Zufälligerweise ist er mein Bruder.“, ich lächele leicht. Ihr klappt die Kinnlade herunter. „Ich erklär es dir ein andermal, ich habe es auch erst heute erfahren“, entschuldigend zucke ich mit den Schultern. „Bitte reite nicht darauf rum und zu deiner Einladung, eigentlich habe ich keine Lust.“ Hoffentlich hakt sie nicht weiter nach. Erst nickt sie verständlich und ich atme erleichtert auf, doch dann. „Du hättest morgen frei, wenn du kommen würdest. Eigentlich habe ich mir einen Tag unter Freundinnen gewünscht, weißt du, nur wir beide. Aber naja, wenn du nicht willst.“, sagt sie patzig. Sie weiß ganz genau, wie sie mich rumkriegt und angucken, schadet ja nicht. „Na gut“, ich verdrehe die Augen, „aber bitte nicht zu lange“ „Super“, sie springt übermütig in die Luft und nimmt meine Hände. „Wir müssen dir noch ein Outfit zusammenstellen.“, sie mustert mich eingehend. „Und ich glaube, ich habe da schon was im Hinterkopf.“ Sofort bereue ich meine Entscheidung wieder. „Lass den Kopf nicht hängen, Legolas sollte auch kommen.“ Super, als wenn das mich großartig aufmuntern würde. Ich bin mal gespannt, was Tauriel mit mir anstellt. „Ich glaube wir brauchen nicht so viel zu essen“, murmelt sie. Wir stehen in der randvollen Halle und es ist nicht möglich irgendwelche freien Plätze auszumachen. „Glaub ich auch“, stimme ich ihr zu. „Auf der Party gibt es sowieso was“, meint Tauriel achselzuckend. Ja, aber ich wollte mich hier mit Legolas treffen. Angestrengt kneife ich die Augen zusammen. Er muss hier doch irgendwo sein. Aber ich kann nirgends den blonden Haarschopf entdecken. Langsam fange ich an, durch die Reihen zu gehen. „Ich glaube es nützt nichts, wenn wir einen Platz suchen Glaur“, flüstert sie mir zu. Ich winke nur ab, ich habe jetzt keine Lust es ihr zu erklären. Überall fangen die Elben an zu tuscheln, wenn ich vorbei gehe. Was gehen denn jetzt schon wieder für Gerüchte rum? „Na Schwesterherz, du bist etwas spät dran. Kommst du eigentlich zu meiner Party“ Erschrocken drehe ich mich um und sehe Anoras einen halben Meter hinter mir auf einer Bank sitzend. Ich lächele zuckersüß: „Aber natürlich Bruderherz. Geht’s eigentlich noch lauter?“ „Oh, es wissen schon alle. Ich wusste nicht, dass du es geheim halten wolltest.“, meint er zerknirscht. „Tuscheln deshalb alle?“, will ich von ihm wissen. „Ne, es geht das Gerücht rum, dass Tauriel mit Thranduil liiert.“, er kichert kindisch. Entsetzt schaue ich ihn an. „Hast du allen den Floh ins Ohr gesetzt?“, ich verschränke die Arme. „Vielleicht“ „Dann bist du ein Arschloch“ Tauriel die direkt neben mir steht, schießt die Röte ins Gesicht. „Du kleines Miststück“, zischt sie und will ihm an die Kehle. „Nein, das war nur ein Scherz. Sie tuscheln natürlich wegen Glaur. Sie ist neu, niemand weiß was über sie. Man kann viele Geschichten über sie erzählen.“, hustet er und versucht Tauriels Finger von seinem Hals zu ziehen. Ich wende mich ab. Tauriel bleibt jedoch stehen und beugt sich neugierig vor: „Und was sind das für Geschichten?“ Er zuckt mit den Schultern: „Zum Beispiel, dass sie einen Zwerg als Lebensgefährten hat, wie hieß er noch gleich? Fili? Oder dass sie…“ „Okay, das reicht. Tauriel?“, ich nehme ihre Arme und ziehe sie weiter. Oh, oh, wenn solche Gerüchte an Legolas gelangen sollten… Woher kommen sie? Niemand kennt mich hier, ich kann doch auch nichts dafür, dass ich mit Fili in einer Zelle saß. „Du Arme, dass ich angeblich mit Thranduil liiert bin, ist nichts dagegen“ Ich nicke düster. „Lass uns gehen, wir finden sowieso keinen Platz mehr“ Ich nicke wieder und folge ihr hinaus. Wir laufen die Flure entlang. „Geh schon mal vor und leg ein paar Sachen raus. Ich komm gleich nach“, sage ich zu Tauriel und bin schon hinter der nächsten Wegabzweigung verschwunden. „Hey da bist du ja“, erleichtert laufe ich auf Legolas zu. „Kommst du gerade vom Abendessen?“, frage ich. „Ja, ich habe dich nicht gefunden. Und ich glaube ich werde nie wieder Essen gehen.“, er vergräbt sein Gesicht in meinen Haaren und zieht meinen Duft ein. „Warum?“, ich runzele die Stirn. „Hast du eine Ahnung, was da für Gerüchte über dich, Tauriel, meinen Vater oder mich rumgehen, auch über Anoras?“, fragt er. Ich schüttele den Kopf: „Ne, aber das Gerücht, dass Anoras mein Bruder ist, stimmt. Frag nicht, ich habe es selbst vor ein paar Stunden herausgefunden. Ich wusste vorher nicht mal, dass ich einen Bruder habe.“ Er schnaubt: „Ihr seht euch ähnlich“ Ich lächele: „Ist das das einzige Kommentar dazu?“ „Von meiner Seite schon, ich glaube ich muss nicht mehr dazu sagen. So lange die anderen Gerüchte nicht stimmen…“, er schaut mir in die Augen. „Ich denke, ich habe dir schon mehr über mich erzählt, als ich selbst über mich weiß“, erwidere ich und versinke in den Tiefen seiner blauen Augen. Er grinst: „Thema Anoras: Kommst du heute Abend zu der Party?“ Ich verdrehe leicht die Augen. „Ich wurde mehr oder weniger gezwungen.“ „Gut, wir sehen uns ja dann gleich“ „Ja“, ich hauche ihm einen Kuss auf die Wange, „bis gleich“ Lange sehe ich ihm nach. Er ist so…, okay ich lasse es jetzt einfach mit den Schwärmereien. „Oh my God, was war das?“ Ich stoppe abrupt. „Bist du verrückt? Hast du die ganze Zeit gelauscht?“, fassungslos starre ich meine Freundin an. „Man, was sollte ich denn machen. Ich bin halt neugierig.“, sie verschränkt die Arme und stampft mit dem Fuß auf. „Hast du schon mal was von Privatsphäre gehört“, frage ich Tauriel mit hochgezogenen Augenbrauen. Ich fasse es nicht. Wie kann man nur so neugierig sein? Sie zuckt mit den Schultern. „Aber der steht ja wirklich voll auf dich!“, sagt sie nach den ersten Metern mit großen Augen. „Halt den Mund“, ich bin immer noch sauer. Zerknirscht schaut sie auf den Boden. „Ich kann verstehen, wenn du jetzt nicht mehr mit mir hingehst.“ „Tauriel es ist halt einfach blöd und ich verzeih dir und ich geh mit dir hin aber wenn du mir hinterher spionierst…“, ich hole tief Luft. „Frag mich doch einfach, wenn du etwas darüber wissen willst.“ Na gut, ich sag ihr ja eigentlich nichts. Aber ich nehme mir jetzt vor ihr mehr zu erzählen. Vorausgesetzt sie fragt. Erleichtert schaut sie mich an. „Danke, du bist die Beste“, juchzt sie und drückt mich einmal fest. „Ist schon okay, jetzt such mir erstmal was raus.“, sage ich und deute auf meinen Kleiderschrank. Entschlossen legt sie mir ein luftiges gelbes Kleid raus. „Himmel, pack das wieder ein. Gelb ist widerlich. Lass mich mal gucken“, ich schiebe sie bei Seite und nach kurzem Wühlen ziehe ich ein wirklich hübsches Kleid hervor. „Wenn du unbedingt Kleid haben willst, dann sowas“, ich lächele zufrieden. „Frauen, müssen zu der Party ein Kleid tragen, das ist vorgeschrieben“, meint sie schnippisch und betrachtet es. „Findest du nicht, dass es zu unauffällig ist?“, fragt sie nach ein paar Sekunden des Schweigens. „Unauffällig? Ich bin ja auch schon so auffällig genug, da brauche ich nicht auch noch ein auffälliges Kleid.“, schnaube ich und streiche über den feinen Stoff. Es ist ein kurzes Kleid. Es ist Schulterfrei und die Ärmel gehen bis zum Unterarm. Sie sind ziemlich weit und am Ende mit einem Bündchen versehen, sodass sie nicht in der Gegend rumhängen. Das ledernde Korsett bringt die Taille gut zur Geltung und sieht trotzdem nicht zu stark betont aus. Außerdem ziert es ein paar Stickereien. Der Rock ist aus feinem Stoff und fällt leicht herunter, er hat ein paar Falten und fliegt wenn man sich schnell im Kreis dreht. Tauriel schafft es sowieso nicht mich umzustimmen. Also ziehe ich mich in meinen begehbaren Schrank zurück und ziehe mich um. Als ich wieder herauskomme erkenne ich Tauriels anerkennendes Nicken. „Ich nehme alles zurück, du siehst echt gut aus. Deine Haare und deine Augen harmonieren perfekt zu dem Grün, der Ärmel und des Rockes.“ Ich werfe selbst einen Blick in den Spiegel, so schlimm sehe ich echt nicht aus und super bewegen kann ich mich auch. Zur Probe mache ich einen Salto. Entschlossen stecke ich auch noch die beiden Dolche in den Ledergürtel. Man kann nie wissen. „Bleibt nur noch die Frage offen, was du anziehst.“, ich schaue sie erwartungsvoll an. „Ich habe mich schon entschieden“, sie zeigt auf ein bodenlanges, nachtblaues Kleid mit Schleppe. „Zieh mal an“, ich nicke ihr zu. Sie seufzt und schreitet zu der Kabine. „Stell dich nicht so an, du hättest es sowieso anziehen müssen“, grinsend schüttele ich den Kopf. Als sie herauskommt kann ich mir ein Pfeifen nicht verkneifen. Sie sieht wunderschön aus. Der Stoff fällt seidig und unauffällig an ihrer schlanken Figur herunter und zieht ein paar elegante Falten. Das Kleid wird durch ein Halsband an ihrem Körper gehalten, es ist durch dieses Halsband hochgeschlossen. Doch der Rückenausschnitt ist ziemlich verführerisch. Er geht sehr weit nach unten und hilft, dass die A-Linie perfekt liegt. Kritisch betrachtet sie sich: „Ich bin mir mit der Frisur nicht sicher…“ Ich gehe ein paar Schritte auf sie zu und streiche über ihre glatten Haare. „Hmm, ich würde eine Hochsteckfrisur wählen. Aber eher locker und luftig“, überlege ich. Zustimmend nickt sie: „Ja, das kann ich mir gut vorstellen. Wärst du so lieb“, sie sieht mich mit einem Dackelblick an und hält mir die Bürste hin. „Klar“, ich nehme die Bürste entgegen und wühle in meinem Frisiertisch nach Gummis, Nadeln und nachtblauen Blumen. Nach kurzer Zeit finde ich welche, die mir gefallen. Mit schnellen Strichen fahre ich durch ihre langen hellroten Haare. Und ich brauche nicht lange bis ich mit dem Ergebnis zufrieden bin. Auch Tauriel lächelt selig und versucht ab und zu gekonnte sexy Augenaufschläge. Vermutlich glaubt sie ich würde das nicht mitkriegen. „Was machst du da?“, frage ich sie schließlich. „Ähm, …nichts?“, schnell guckt sie weg und fängt an einen Kamm zu betrachten. „Warum übst du sowas?“, will ich mit gerunzelter Stirn wissen und fummele ein wenig an den Blumen herum. „Naja, ich bin ja noch Single… und auf den Partys von Anoras sind meist ganz vernünftige Leute…“ Oh Gott, man lernt doch nicht jemanden auf einer Party kennen. Ich meine es gibt so viele Betrunkene die nicht wissen was sie tun. Sie macht sich dann Hoffnungen und morgen weiß derjenige nicht mehr, dass er mit ihr in einer Ecke stundenlang rumgeknutscht hat. Ich verziehe angewidert das Gesicht, sage aber nichts dazu. Sie muss selbst wissen, was sie tut. „So, du siehst umwerfend aus“, ich klatsche in die Hände. „Dankeschön“, sie lächelt über beide Backen. „Hier“, immer noch grinsend wirft sie mir einen grünen Umhang zu und zieht selbst einen dunkelblauen an. „Wofür?“, frage ich verwundert. „Man kann nie wissen, was so manche Betrunkenen von einem wollen, da ist es besser wenn man sich unter seiner Kapuze verstecken kann.“, meint sie ernst. „Okayyy“, sage ich und schlüpfe in meine braunen Lederstiefel während sie blaue Wildlederstiefel wählt. „Ich denke wir können los, holen wir Legolas vorher ab?“, sagt sie und steht auf. „Du wolltest wohl sagen, holst DU Legolas vorher ab und holt ihr mich dann zusammen aus meinem Zimmer ab.“, grinse ich. „Nein das wollte ich nicht sagen, aber meinetwegen können wir es so machen.“, sagt sie eingeschnappt und verschwindet mit verschränkten Armen in ihrem Zimmer. Lächelnd schüttele ich den Kopf und mache mich auf den Weg zu Legolas Zimmer. Als ich den Flur betrete fällt mir auf, das dieser viel breiter und schöner ist, als die anderen Flure. Außerdem sind hier noch zwei weitere Zimmer. Wem die wohl gehören? „Ah Schwesterherz. Was lungerst du auf meinem Flur rum?“, Anoras guckt aus der linken Tür heraus. „Definitiv nicht um dich abzuholen.“, ich wende mich wieder der mittleren Zimmertür zu. „Ach nicht? Wen dann? Thranduil?“, er grinst und stellt sich neben mich. „Warum bist du noch nicht auf deiner eigenen Party?“, mit zusammengezogenen Augenbrauen schaue ich ihn an. „War schon da und habe sie eröffnet. Ich war nur noch einmal kurz duschen. Also warum bist du jetzt hier?“ Ich lächele: „Na wonach sieht es denn aus“, meine Fingerknöchel sind nur noch Millimeter von der Zimmertür entfernt. „Als ob du Legolas abholen möchtest“, kritisch mustert er mich. „Ganz recht“, einen Millimeter. Er nickt langsam. „Aha, ich gehe dann mal wieder zu meiner eigenen Party.“ Mit weit geöffneten Augen winke ich ihm nach, wie eine Horrorpuppe. Als er endlich um die Ecke gebogen ist, verdrehe ich die Augen und klopfe. „Ich wollte gerade los um dich abzuholen“, er lehnt unwiderstehlich grinsend in der Tür. Ich zucke mit den Schultern: „Diesmal war ich erster.“ Legolas sieht aus wie immer, wie immer umwerfend gut. „Hübsches Kleid“, meint er und nimmt ebenfalls einen grünen Umhang. „Danke, können wir dann?“, frage ich und erhasche einen Blick auf die Pfeile und seinen Bogen unter dem Umhang. „Ja“, er nimmt meine Hand und schließt die Tür. Lächelnd stellt er sich vor mich und zieht mir sanft die Kapuze über den Kopf. Seine setzt er ebenfalls auf. Als er meinen fragenden Blick bemerkt sagt er: „Glaub mir, ist besser, wenn uns niemand Hand in Hand sieht“, er grinst leicht. „Hast du eigentlich immer Pfeil und Bogen mit dabei?“, frage ich mit hochgezogenen Augenbrauen und deute auf seinen Köcher unter dem Umhang, als wir den hübschen Flur verlassen haben. „Bist du immer bewaffnet?“, kommt die Gegenfrage. „Ähm ja, man weiß nie…“ „Siehst du“, er grinst. Schließlich ziehe ich ihn in den Flur von Tauriel und mir und klopfe leicht gegen Tauriels Zimmertür. „Oh Legolas, du auch?“, tut sie überrascht und zieht die Augenbrauen hoch. Elben können definitiv besser lügen als Zwerge. „Ja, ich auch“, sagt er und umschließt lächelnd meine Hand fester. Nebenbei schiebt er sie unter die Umhänge, also nicht sichtbar für Tauriel. Vermutlich sehen wir aus, wie zwei alte Jedimeister in den Umhängen. Ich grinse. „Übrigens du siehst echt gut aus, Tauriel“, meine ich auf dem Weg zu dem Saal, wo die Party stattfinden soll. Legolas nickt zustimmend. „Danke Glaur, du ebenfalls“, sagt sie mit einem Zwinkern. Boah Mensch Tauriel, Legolas ist doch nicht bescheuert. Das Zwinkern hätte sie sich echt sparen können. Wir gehen mittig durch die Hallen und laufen viele Treppen und Wurzeln entlang, dabei folgen wir einem langen Strom von Elben. Die meisten sehr zurechtgemacht und doppelt so auffällig wie Tauriel. In knalligen Kleidern mit glitzernden Umhängen, die sie allerdings nur halbherzig über die Schulter geworfen haben. „Wollen die alle zu der Party?“, frage ich leise an Legolas gewandt. „Ja, alle“, er nickt bedächtig. „So viele… Weiß dein Vater davon?“, hake ich nach. Wieder nickt er: „Vermutlich wird er selbst kommen, allerdings nur weil Anoras ihn ausdrücklich darum gebeten hat.“ Ich reiße ungläubig die Augen auf. Ich meine Thranduil, zu einer Party. Party und Thranduil, das sind zwei Begriffe die nicht zusammen passen. Eigentlich dachte ich immer er würde in seinem stillen Kämmerlein beziehungsweise Thronsaal sitzen und an seinem Weinglas nippen. Anscheinend habe ich ihn in der Hinsicht falsch eingeschätzt. „Gleich sind wir da“, sagt Tauriel und nimmt schon mal ihre Kapuze ab. Ich entziehe meine Hand, der von Legolas und setze die Kapuze ebenfalls ab. Ich lächele als wir endlich vor der großen Tür stehen. „Ich denke, du kannst deine Kapuze abnehmen Legolas. Du fällst mit Kapuze mehr auf als ohne hin schon“ Er zuckt mit den Schultern: „Wenn du meinst.“

    10
    Tauriel öffnet die Tür und ein hitziger Beat dröhnt uns entgegen. Ich zucke zurück. Was ist das denn? Das ist doch keine Musik, das ist Geräuschkulisse! Auch Tauriel verzieht das Gesicht. Ich weiß, das ist ziemlich geschmacklos oder Tauriel? Der Geruch nach Alkohol und Nacht liegt in der Luft. Gemischt von den Düften der vielen verschiedenen Elben, die entweder auf der Tanzfläche, an der Bar, auf dem Balkon oder an den Stehtischen zu sehen sind. Die Gespräche werden eingestellt und selbst die „Musik“ scheint leiser zu werden, als wir den Raum betreten. Nach einem kurzen Moment der Erstarrung fängt das Getuschel schon wieder an. Ich verdrehe die Augen. Ich gebe es auf, das wird wohl nie aufhören. „Lasst uns einen Platz suchen und dann dem komischen Typ, der die Musik macht sagen, dass er verschwinden soll!“, schreit Tauriel über den Lärm hinweg. So viele Elben sind gar nicht hier. Es ist sogar noch ziemlich leer, wenn ich es so formulieren darf. Legolas nickt zustimmend und folgt Tauriel durch die Tische. Ich gehe den Beiden ebenfalls nach. Nach kurzer Zeit haben wir einen Platz gefunden der uns gefällt. In einer Nische, dicht am Balkon mit Pflanzen ein weinig isoliert. Und so das niemand richtig weiß, wer da drin eigentlich sitzt. Ein Glück ist diese schreckliche Musik hier nicht so laut zu hören, so dass man sich noch gut unterhalten kann. „Ich geh uns ein paar Drinks holen. Legolas mit oder ohne Alkohol?“, Tauriel schaut ihn erwartungsvoll an. „Ohne bitte“, er runzelt die Stirn. „Und du Glaur?“, ihr Blick scheint genervt. „Auch ohne, danke“, antworte ich und betrachte sie fragend. „Mit euch kann man kein Spaß haben“, sie verdreht die Augen und macht sich auf den Weg. „Wir sind auch ohne Alkohol witzig“, rufe ich ihr nach. Doch sie winkt nur ab. Legolas grinst: „Tauriel trinkt sonst nie“ „Du hast auch ihre Absichten bemerkt oder?“, ich lasse mich seufzend neben ihn fallen. Er zieht die Augenbrauen hoch und fragt unschuldig: „Welche Absichten?“ „Du weißt was ich meine“ „Ja, ich bin gespannt nach dem wievielten Drink sie so betrunken ist, dass sie sich traut jemanden anzusprechen.“, er lehnt sich zurück und legt einen Arm um meine Taille. „Sie traut sich nicht jemanden anzusprechen?“, frage ich überrascht. Er schüttelt den Kopf: „Ich glaube sie kennt auch nicht so viele“ „Ach und du kennst jeden Elb von Mittelerde persönlich“ „Klar, ich bin bloß zu faul allen Hallo zu sagen“, er grinst. „Immerhin stehst du dazu“ „Ja, ich bin ein sehr ehrlicher Elb“ „Deshalb hast du auch gesagt, dass du jeden Elb von Mittelerde persönlich kennst“ „Okay, du hast mich erwischt“, er gibt mir einen Kuss auf die Wange. Ich schiebe ihn sanft weg. „Pass lieber auf, dass dich keiner erwischt“, flüstere ich. Er erwidert nichts und schaut erwartungsvoll Tauriel entgegen, die gerade angelaufen kommt. Sie strahlt. „Der Typ hat gesagt, dass er gleich weg ist und dass ein richtiges Orchester kommt. Mit Streichern und Blasinstrumenten und Klavier“, teilt sie uns außer Atem mit. Aha. Momentmal Klavier? Oh, ich liebe das Klavier! Und kann nebenbei auch echt gut spielen. Wirklich ich bin eigentlich ganz gut. Zuhause hatten wir ein Klavier im Wohnzimmer stehen und ich habe jeden Nachmittag gesessen und geübt. Bis ich meine Lieblingstücke spielen konnte. Die habe ich auch über hundert Jahre nicht verlernt. Bis heute nicht. Sie setzt sich neben uns und fängt an, an ihrem Cocktail zu schlürfen. „Hoffentlich spielen die auch ein paar langsame Lieder.“, murmelt sie und greift hungrig in die Schale mit Erdnüssen. Schmerzlich erinnere ich mich daran, dass ich noch kein Abendbrot gegessen habe. „Auf wen machst du dir Hoffnungen?“, flüstere ich ihr zu. Sie zuckt mit den Schultern. „Komm schon. Ich weiß, dass du irgendwelche Vorstellungen hast“, ich stupse sie mit dem Ellenbogen an. Doch sie grinst nur vor sich hin und mümmelt weiter Erdnüsse. Als sie ein weiteres Mal in die Schale greifen will, ziehe ich sie zur anderen Tischseite und ernte vorwurfsvolle Blicke von ihrer Seite. „Jetzt sag schon. Welche Haarfarbe?“, treibe ich sie weiter an. Legolas betrachtet uns lälchend. Sie verdreht die Augen. „Keine Ahnung. Schwarz oder dunkelbraun?“ „Gut, Augenfarbe?“ „Braun oder grün“ „Größe?“ „Egal, solange er nicht sehr klein ist…“ „Langes Haar und Bart?“ „Egal, aber Bart wäre schon cool. Gibt es ja eigentlich so gut wie keinen“, verlegen schaut sie auf den Boden. Legolas kann sein Lachen sichtlich schwer unterdrücken. Ich trete ihm leicht auf den Fuß. Findet er anscheinend noch lustiger. Ich hätte stärker zutreten sollen. „Super, dann lass uns deinen Traumelb jetzt suchen gehen“, ich stehe auf und werfe Legolas einen vielsagenden Blick zu. Tauriel folgt mir unsicher. „Trink lieber deinen Cocktail vorher aus, ansonsten schmeckt der nachher so abgestanden“, rät Legolas ihr mit einem Grinsen und erwidert meinen Blick. Sie greift nach dem langen Glas und ext ihn. Gekonnt unterdrückt einen Rülpser und wird sofort ein wenig rosiger um die Wangen. Ich gehe weiter und sie legt selbstsicher ihren Umhang ab. Ich will gar nicht wissen wie viel Alkohol da drin war. Anscheinend geht er ziemlich schnell ins Blut. Mit einem sexy Lächeln folgt sie mir. Ich nehme ihr Hand und schiebe sie vor mich. Schließlich soll ihr Zukünftiger nicht mich, sondern sie als erstes sehen. Verstohlen sehe ich mich um und entdecke recht schnell einen Elb mit dunklen Haaren und grünen Augen. Seine Haare sind recht kurz und stehen verwuschelt von seinem Kopf ab. Er ist ungefähr so groß wie Legolas und scheint ein echter Glückstreffer zu sein, denn es ist ein Dreitagebart zu erkennen. Aber ein leichter Fang ist er denke ich nicht, denn um ihn herum stehen mindestens drei Elbinnen und schmachten ihn an. Ich tippe Tauriel auf die Schulter und zeige auf ihn. Ihre Augen werden groß und ihr Lächeln wird breiter. „Und?“, frage ich. „Liebe auf den ersten Blick“, seufzt sie. „Dann spreche ihn an“, ich trete etwas zurück. Sie schluckt schwer und nickt. „Viel Glück“ Wieder ein langsames Nicken, dann geht sie mit schwingenden Hüften und einem hübschen Lächeln um die Lippen auf den Elb zu. Befriedigend sehe ich wie sein Blick sofort zu ihr wandert und sein Mund etwas offen steht. Sie stellt sich vor ihn und fängt locker ein Gespräch mit ihm an. Tauriel sieht sehr entspannt aus. Nach kurzer Zeit verscheucht er die anderen Elbinnen und lädt sie zu einem Drink ein. Ich glaube sie kommt jetzt gut alleine klar. Ich drehe mich um und sehe aus dem Augenwinkel wie die beiden an der Bar sitzen und er ihr eine lästige Strähne aus dem Gesicht streicht. Vielleicht kann ich das nicht so gut von weitem einschätzen, aber ich würde sagen, dass sie flirten. Hätte nicht gedacht, dass das so gut laufen wird. Inzwischen hat auch das Orchester angefangen zu spielen und auf der Tanzfläche tummeln sich viele Pärchen die engumschlungen dastehen und im Takt der Musik hin und her wiegen. Ich weiß nicht ob das Tanzen ist, aber immerhin sind sie im Takt. Legolas schaut mich erwartungsvoll an, als ich endlich zu unserem Platz zurückkehre. „Und bei wem hast du sie abgeliefert?“ „Keine Ahnung wie er heißt. Aber ich denke, dass sie jetzt schon verknallt ist. Zumindest hat sie gesagt: Liebe auf den ersten Blick.“, ich zucke mit den Schultern und setze mich wieder neben ihn. „Wär das bei uns nur so gewesen“, er grinst. „Davon hast du immer geträumt, was?“, sage ich mit einem spöttischen Lächeln. „Klar, was dachtest du denn?“, sein Grinsen wird breiter. Ich kann dieses Grinsen nicht ab. Es ist so sexy? Unwiderstehlich? Ich weiß nicht das richtige Wort dafür. Ich strecke mich und lehne mich gegen seine Schulter. „Wie lange müssen wir noch bleiben?“, frage ich. „Was war denn dein Ziel für heute Abend?“, flüstert er in mein Ohr. „Das Tauriel heute noch knutschend mit irgendeinem Typen irgendwo rumliegt. Ich freue mich schon, wenn sie mir morgen die Ohren vollheult, dass ihr Kerl sie betrogen hat und gestern auch mit Lena, Sara und Anna rumgemacht hat“ Meine Antwort lässt ihn leise lachen. „Wer sind Lena, Sara und Anna?“ „Keine Ahnung, das musst du Tauriel fragen“ Jetzt lacht er richtig. Mit den süßen Grübchen an den Augen und unterhalb der Wangenknochen. Er ist sehr hübsch und leider weiß er das auch. Er vergräbt sein Gesicht in meinen Haaren und zieht die Luft ein. Dann zieht er mich dicht an sich und fängt sanft an meinen Nacken zu küssen. Schmetterlinge flattern auf und seine Mund wandert leicht nach oben zu meinen Wangen. Es kribbelt überall und es fällt mir schwer dem zu widerstehen. Ich schiebe ihn leicht zurück. „Sei vorsichtiger Legolas“ „Bin ich doch“, murmelt er und drückt seine Lippen auf meine Wange. Ich drücke ihn etwas energischer zurück. „Bist du nicht“, ich lächele und gebe ihm ebenfalls einen Kuss. Eingeschnappt verzieht er den Mund. Ich verdrehe leicht die Augen und nippe an dem Getränk. Es schmeckt nach exotischen Früchten und Basilikum. Ich weiß, die Mischung hört sich widerlich an, aber es schmeckt wirklich total gut. „Sollten wir mal nach Tauriel gucken?“, fragt Legolas und sein Blick gleitet suchend durch die vielen Pflanzen, die uns von den anderen trennen, hindurch. „Machst du dir etwa Sorgen?“, frage ich mit einem spöttischen Lächeln. „Etwas, ich habe ja keine Ahnung wem du sie anvertraut hast“ „Ich auch nicht, aber wir können gerne mal schauen.“, ich stehe auf und sehe mich um. Legolas warmer Atem streicht über meinen Nacken und mir fährt eine Gänsehaut den Rücken herunter. Wie macht er das? „Kannst du sie irgendwo sehen?“, murmelt er. Ich schüttele den Kopf und kneife die Augen zusammen. Eben waren sie doch noch an der Bar. „Lass uns die Nischen und den Balkon abgehen“, schlage ich vor und gehe ein paar Schritte voraus. Er folgt mir dicht auf den Fersen und zu unserem Glück schenkt uns niemand große Beachtung. Es kichern zwar immer wieder ein paar Elbinnen oder werfen Legolas heiße Blicke zu, aber sonst kommen wir eigentlich relativ gut durch. In den ersten beiden Nischen werden wir nicht findig, doch in der dritten… Legolas deutet auf sie und wirft einen kurzen Blick hinein. Erschrocken zuckt er zurück und hält mir demonstrativ die Hand vor die Augen. „Was ist?“, flüstere ich und bringe klägliche Versuche auf seine Hand abzuschütteln. „Das willst du nicht sehen.“, ich nehme ein leichtes Kopfschütteln war, „Komm, lass uns an die frische Luft gehen.“ Ich verdrehe die Augen und er lässt nach den ersten Metern endlich seine Hand fallen. Kritisch betrachte ich ihn. Er sieht so aus als würde er unter Schock stehen. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, was so schlimm gewesen wäre. „Was war da drin?“, will ich von ihm wissen. Er schüttelt angewidert den Kopf, als würde er die Bilder aus seinen Gedanken verscheuchen wollen. „Komm schon, so schlimm wird es nicht gewesen sein…“ „Doch“ Ich runzele die Stirn und gehe durch die geöffneten Balkontüren nach draußen. „Dort war nicht Tauriel“, sagt er schließlich und schaut sich um, um festzustellen ob uns jemand belauscht. Er zieht mich etwas zur Seite in eine abgelegene Ecke. „Wer dann?“ Er schüttelt wieder ungläubig den Kopf. „Mein Vater“ Ich lache: „Was ist an deinem Vater so schlimm?“ „Er war in dieser Nische mit vier leeren Weinflaschen und einer Frau“, er stockt und schließt die Augen. „Ich verstehe“, ich schlucke und schaue betreten zu Boden. Wie widerlich! Armer Legolas, sein Vater mit einer anderen Frau. „Das ist eigentlich normal, aber diese Frau ist Anoras Verlobte“ Oh doch nicht armer Legolas, sondern armer Anoras. Stopp mal, das ist NORMAL! Bei jeder Party mit einer anderen Frau und vier Flaschen Wein! Eigentlich hatte ich Thranduil für intelligent gehalten… Genie gleicht an Wahnsinn. So war das Sprichwort doch oder? „Wirst du Anoras davon erzählen?“, frage ich vorsichtig. „Himmel nein! Ich habe mit ihm nichts zu tun er ist doch mit Thranduil befreundet nicht mit mir.“ „Und warum hat es dich so geschockt wenn es eigentlich normal ist…“, frage ich scheinheilig. Er zuckt mit den Schultern: „War nur der erste Moment“ „Gut dann lass uns weiter nach Tauriel suchen.“, sage ich und stell mich auf die Zehenspitzen um über seine Schulter zu spähen. Er geht ein paar Schritt zur Seite und blickt sich ebenfalls um. „Da müssen wir wohl alle versteckten Ecken abgehen“ „Und du kennst sie alle?“, frage ich lächelnd. „Klar“ Super, von wegen ich wäre die Erste. „Man hört ziemlich stark diese gewissen Geräusche“, sagt er grinsend. Stimmt, jetzt höre ich sie auch. Ich stoße ihn leicht an. Oh bitte, warum hast du mich darauf hingewiesen. Das ist ja widerlich. Er grinst breiter und lugt um die erste Ecke. Eine Millisekunde später dreht er sich zu mir um und lächelt. „Volltreffer“ „Lass mich auch mal gucken“, ich schiebe ihn leicht zur Seite. Tauriel sitzt auf einer Marmormauer auf einer kleinen Lichtung mit Springbrunnen. Ihre Beine sind eng um die Hüfte des unbekannten Elben umschlungen und ihre Hände ruhen auf seiner Brust. Die Drinks stehen neben den beiden auf der Mauer. Das Geschmatze ist bis hier zu hören. Ich verziehe das Gesicht und drehe mich wieder zu Legolas um, der einfach über meine Schulter geschaut hat. „Ich glaube wir können sie jetzt alleine lassen“, flüstere ich und ziehe sanft an seinem Ärmel. Er schreckt zurück. „Entschuldige habe ich dich so erschreckt? Warst du so vertieft? Hast du so mitgefühlt?“, frage mit einem Grinsen. Er schüttelt nun ebenfalls grinsend den Kopf und nimmt meine Hand. „Lass uns unsere Umhänge holen und dann verschwinden“ Ich nicke und lasse mich von ihm durch die vielen Pärchen ziehen. Hier achtet sowieso niemand auf uns. Im Saal lässt er meine Hand los und ergreift sie erst wieder, als wir die Kapuzen auf haben. Wie selbstverständlich gehen wir die vielen Flure entlang. Kurz bevor wir in seinen einbiegen, halte ich inne. Da ist was, denn ich nehme komische Geräusche war. „Was ist?“, fragt Legolas überrascht. Ich lege den Zeigefinger auf die Lippen und bringe ihn so zum Schweigen. Auch er spitzt die Ohren. „Lass uns aufs Zimmer gehen“ „Warum, das können wir doch auch hier“ Eine weibliche und eine männliche Stimme, die männliche unverkennbar die von Anoras. Oh, oh. Es gehen also beide Partner fremd. Legolas verzieht das Gesicht, während ich mein Ohr dichter an die Wand presse um weiter zu hören. „Nein, lass uns aufs Zimmer gehen“ „Na gut Süße, du hast mich überstimmt“ Auch mein Gesicht nimmt einen angewiderten Ausdruck an. Erstarrt warte ich auf das Geräusch der zufallenden Eichentür. Doch da kommt nichts. Sanft zieht Legolas mich von der Wand weg, mit dem Arm um meine Hüfte. „Sie sind weg“, murmelt er. „Zu deinem Bedauern, gibt es da nichts mehr zuhören“ Er grinst schon wieder. Ich verdrehe die Augen und gebe ihm einen schnellen Kuss auf den Mund. Er lächelt befriedigt und zieht mich weiter um die Ecke. Wie festgefroren bleiben wir stehen, die Tür von Thranduils, sowohl auch die von Anoras stehen offen. Aus beiden Zimmern kommen nicht wirklich appetitliche Geräusche. Legolas gibt mir zu verstehen, dass er die rechte Tür schließt und ich die linke schließen soll. Ich nicke und werfe blitzschnell die Tür zu. Er ist etwas schneller und öffnet bereits die eigene, hinter der wir schnell verschwinden. Falls eine der beiden Parteien herausfinden will, wer die Tür zugemacht hat. Anscheinend sind sie aber zu beschäftigt. Seufzend lasse ich mich auf das bequeme Bett fallen und strecke mich ausgiebig. Wie eine Katze in der Abendsonne. Er legt sich neben mich und blinzelt mich an. „Wie spät ist es?“, will ich von ihm wissen. Er wirft einen Blick auf die Uhr hinter mir. „Zwanzig nach eins“, erwidert er lächelnd. „Oh Gott“, ich kuschele mich an ihn und schließe die Augen. Ich will nur noch schlafen. Wo ist mir egal, na gut nicht ganz egal. Wenn er neben mir liegt ist das schon mal eine gute Voraussetzung. Ich habe keine Ahnung wodurch ich müde bin. Schließlich habe ich den halben Tag geschlafen. Legolas wird erst recht nicht müde sein, er ist erst heute Abend aufgestanden. Bei mir ist es immer so, für fünf Minuten bin ich jetzt noch müde und wenn ich dann nicht eingeschlafen bin, drehe ich wieder total auf. Also nur noch fünf Minuten durchhalten, dann bin ich wieder hellwach. Nach den ersten Minuten fühle ich wie neue Energie mich durchfährt und schließlich schaue ich Legolas aus wachen Augen an. „Wie hast du das gemacht?“, fragt er. Ich zucke mit den Schultern: „Das ist meistens so“ Er zieht mich an sich. „Und was wollen wir jetzt machen?“, flüstert er verführerisch in mein Ohr. „Keine Ahnung, aber was hältst du von Kampftraining?“, nach seinem Gesichtsausdruck hält er nicht besonders viel davon, „Hat dein Vater noch was dazu gesagt.“ Oh mein Gott, es ist mir eingefallen! Es ist mir eingefallen! Danach wollte ich ihn fragen, seit er es mir gesagt hat. Er schüttelt den Kopf. „Ich habe noch nicht mit ihm gesprochen.“ Ich stütze meinen Kopf auf den Händen und lege ihn schief. „Echt nicht? Auch nicht über Elronds Entscheidung?“ „Nein“ „Dann solltest du es jetzt machen, wenn er betrunken ist und da gerade eine gewisse Frau mit ihm in einem Zimmer ist. Dürfte ihm ziemlich egal sein, was du zu ihm sagst“ Er schaut mich nicht gerade überzeugt an, trotzdem folgt er meinem Rat und verlässt den Raum. In der Zwischenzeit betrachte ich den großen Balkon und stehe auf um ihn genauer zu inspizieren. Marmor, mit Ranken bewachsen. Von dem Balkon aus, hat man einen großartigen Ausblick auf den Wald und auf die Terrasse, wo die Party immer noch im vollen Gang ist. Die Blätter der großen Bäume rascheln lockend und es hört sich an, als würden sie mich einladen, endlich wieder zu klettern. Ich setzte mich auf den Rand und lasse die Beine baumeln. Oh, Tauriel und ihr Geliebter kommen endlich aus der Ecke heraus. Hand in Hand verlassen sie den Balkon. Mich würde ja mal interessieren, was sie jetzt wohl vorhaben. Ich beuge mich etwas mehr nach vorne um durch die großen Terrassentüren durchsehen zu können. Dabei bin ich immer darauf bedacht, dass ich genug Halt habe. Wenn ich hier runterfalle, bin ich so gut wie tot. „Pass auf, dass du nicht runterfällst. Könnte eine ziemlich schmerzhafte Angelegenheit werden“, Legolas lässt sich neben mit nieder. „Pass du lieber auf dich selbst auf.“, ich stupse ihn leicht an. „Wie war das >Gespräch<?“, frage ich. „Ähm, nicht wirklich Aufschluss reich. Aber er hat gesagt, dass du eine gute Kämpferin bist und nur die Abschlussprüfung absolvieren musst.“ Ich ziehe die Augenbrauen hoch: „Woher will er wissen, dass ich gut kämpfe“ „Ich habe da mal ein gutes Wort für dich eingelegt“ „Wie nett von dir“ „Ja, ich weiß“ Ich betrachte schweigend die Bäume, zwei Meter unter mir. Wenn ich jetzt springen würde, könnten die Äste mich locker auffangen, ich könnte mehrere Kilometer auf der Blätterkrone laufen, ohne abzustürzen. Verstohlen werfe ich einen Blick zu Legolas, er betrachtet die Sterne. Super Timing! Ich springe. Blitzschnell kralle ich mich in dem Geäst fest und stehe schließlich aufrecht auf dem Blätterdach. Die Äste knacken leise und die nächtliche Brise ergreift sacht mein Haar. Erwartungsvoll schaue ich zu Legolas hoch. Er krallt sich am Geländer fest. „Jage mir nie wieder so einen Schrecken ein“, murmelt er, als er neben mir landet. „Irgendwann musste ich es dir doch Heim zahlen“, lache ich und gebe ihm einen Kuss. Er lächelt widerwillig und zuckt mir der Nase, dann ergreift er wieder meine Hand und wir gehen ein paar Meter. So weit, dass man den Lärm der Party nicht mehr hören kann. Die Blätter rascheln leise durch die vorsichtigen Schritte. Es ist vollkommen still und wir setzen uns. Ich spüre seine Brust an meinem Rücken und seinen süßen Atem an meinem Hals. Keine Eule ist zu hören und wieder einmal weiß ich ganz genau, dass ich hier zu Hause bin. Der Duft von Veilchen umgibt mich langsam und ich drehe mich leicht zu ihm um. Seine Augen strahlen in einem sanften blau und ich versinke in der Tiefe seines Blickes. Unsere Lippen kommen sich näher und ich schließe erwartungsvoll die Augen. Schließlich berühren sie sich, vorsichtig, als wolle er mich nicht verletzen. Ich erwidere seinen Kuss stärker und lege einen Arm um seinen Hals. Seine Hände gleiten zur meiner Taille und umschließen sie sanft. Meine andere Hand ruht auf seiner Brust. Die Küsse werden stärker, inniger und wollender. Er zieht mich fester an sich. Sie schmecken süß und frisch und nach Nacht. Plötzlich hält er inne. Überrascht blinzele ich ihn an. Sein Blick gleitet an meinem Gesicht herunter. In seinem Blick ist nicht nur Liebe zu lesen. Sondern auch Schmerz. Leider weiß ich auch warum. Tröstend lege ich eine Hand an seine Wange, bis er wieder aufschaut. „Bitte rede mit deinem Vater“, flüstere ich und in meiner Stimme schwingt Trauer mit. „Ich liebe dich“, murmelt er. „Ich dich auch“, sage ich leise, kaum hörbar. Dann küsse ich ihn wieder. Nach Minuten oder Stunden hören wir schließlich auf. Ich habe keine Ahnung, wie lange wir hier saßen. Er steht auf und hilft mir ebenfalls auf die Beine. „Wir sollten wieder nach Hause gehen“, sagt er sanft. Ich nicke und eine Gänsehaut überfährt mich. Eigentlich frieren Elben nicht so schnell. Aber irgendwie fröstelt es mich schon. Mein warmer Atem macht kleine weiße Wölkchen in der dunklen Nacht, das Einzige, was mich wärmt ist Legolas warme Hand um meine. Ich schüttele mich leicht. Er scheint es bemerkt zu haben, denn er legt mir seinen Umhang um. Ich werfe ihm einen dankbaren Blick zu. Warum habe ich eigentlich meinen eigenen nicht mitgenommen? Der Duft nach Veilchen umfängt mich und ich fange an den relativ kurzen Spaziergang auf den Baumkronen zu genießen. Schließlich stehen wir vor dem Balkon und blicken nach oben. Tja, das hast du nicht bedacht Glaur. Ich lasse Legolas Hand los. Und schätze den Abstand von Blätterdach zu Geländer noch einmal genauer ein. Ein bisschen über zwei Meter sollten kein Problem darstellen. Ich zucke mit den Schultern und springe einfach. Meine Hände erfassen taufeuchten Marmor und rutschen etwas. Ich spanne meine Arm und Bauchmuskeln an und ziehe mich nach oben. Legolas kriegt das Geländer besser zu fassen und steht daher schnell neben mir. Ich streiche mir die Haare aus dem Gesicht und gähne herzhaft. Legolas grinst. Er hält mir Gentleman mäßig die Tür auf und ich verabschiede mich mit einem flüchtigen Kuss von ihm. „Kann ich dich denn jetzt noch alleine durch die Hallen laufen lassen?“, fragt er lächelnd. „Du brauchst dir um mich keine Sorgen zu machen“, ich lege die Kapuze meines eigenen Umhangs über den Kopf und ziehe grinsend die beiden Dolche heraus. „Ich mache mich nicht um dich Sorgen, sondern um die anderen.“ Er drückt mir ebenfalls einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich von mir. Ich verdrehe die Augen. Schnell durchquere ich die vielen Flure und bin froh als ich endlich im eigenen stehe. Etwas benebelt durch die Müdigkeit mache ich meine Zimmertür auf und bin sofort hellwach. Zwei Gestalten wühlen in MEINEM BETT herum. Oh bitte, das ist ja wirklich widerlich! Warum muss immer ich sowas mitkriegen? Ich knipse das Licht an. „Lady, Gentleman. Wenn sie so freundlich wären und mein Zimmer jetzt verlassen würden“, ich halte den beiden die Tür auf. Erschrocken starren mich beide an. Zu meinem Entsetzen, Tauriel eine von ihnen. Jetzt ist das peinlich. Für Sie. Für mich vielleicht auch, aber nicht so, wie für sie. Ich schüttele den Kopf und drehe ihn weg. Um den beiden zu gewähren sich anzuziehen. Mit hochrotem Kopf tapsen sie endlich in Tauriels Zimmer. Angeekelt rieche ich an meinem Kissen. Holla die Waldfee! Ich weiß nicht wie viel die beiden gesoffen haben. Mit spitzen Fingern ziehe ich mein Bett ab und lege die Bettwäsche in den Waschkorb. Das muss ich dann wohl morgen machen. Ich ziehe eine dünne Kuscheldecke aus dem Kleiderschrank und mache es mir auf der Couch bequem. Im Schnelldurchlauf lasse ich mir die Ereignisse des Tages durch den Kopf gehen. Heute habe ich also erfahren, dass ich einen Bruder habe und ich muss sagen, für meine Verhältnisse bin ich sehr locker damit umgegangen. Zufrieden schließe ich die Augen. Eigentlich war der Tag ziemlich gut. Ich glaube ich muss nicht erwähnen durch wen. Wenn ihr etwas schwer von Begriff sein solltet: Legolas. Die Party war wohl doch nicht ganz für umsonst gewesen. Ganz plötzlich schießt mir dieses Wort durch den Kopf als ich im Halbschlaf bin. KLAVIER! Verwirrt schrecke ich hoch. Warum gerade jetzt? Ich weiß nicht, was mein Unterbewusstsein da gerade anstellt, aber besonders begeistert bin ich nicht gerade. Ruhe da…, wo auch immer das Unterbewusstsein ist. Irgendwo im Gehirn bei irgendeiner Nervenzelle. Da bin ich mir ziemlich sicher. Also Nervenzelle, denk an etwas anderes, an was schöneres, Legolas zum Beispiel. KLAVIER! Hör zu, ich habe keinen Bock weiter mit dir zu diskutieren, also Ruhe jetzt! Na gut, LEGOLAS! Nörgelt die Stimme in meinem Kopf. Geht doch. Ich schüttele den Kopf. Was machst du da eigentlich, Glaur? Du meckerst eine Nervenzelle aus. So langsam geht es bergab mit dir. Wahrscheinlich bin ich einfach müde. Verzweifelt werfe ich einen Blick auf die Uhr. Gott sei Dank! Ich liege erst eine Viertelstunde in meinem Zimmer. Erschöpft lasse ich mich auf das Sofa zurück sinken. Nach kurzer Zeit trägt mich endlich beruhigende Dunkelheit davon.

    11
    Aua! Ich schrecke hoch. Was war das? Verschlafen blicke ich mich um. Die Decke liegt auf der anderen Seite des Zimmers, während ich selbst zur Hälfte auf dem Fußboden und zur Hälfte auf dem kleinen Tisch, neben der Couch liege. Ich rappele mich auf und betrachte mitleidig meinen linken Unterarm. Das sieht schmerzhaft aus und ist auch schmerzhaft. Warmes Blut läuft meinen Arm entlang bis es von meiner Fingerspitze tropft. Ich hebe schnell einen meiner Dolche vom Fußboden auf und den anderen vom Tisch. Wie kann ich nur so blöd sein und mit zwei Dolchen ins Bett gehen? Ich schlage mir mit der flachen Hand auf die Stirn. Das hätte wortwörtlich ins Auge gehen können, eigentlich hätte es überall hingehen können. Oh Mann, das brennt wie Feuer. Durch einen Schmerzensschleier versuche ich die Kommode mit den Heilkräutern auszumachen. Während ich in den Schubladen nach Ringelblume wühle, werfe ich einen Blick aus den großen Fenstern. Die Sonne scheint vor einer halben Stunde aufgegangen zu sein. Na super, schlafen kann ich jetzt sowieso nicht mehr. Aber was soll man gegen seine eigene Blödheit schon tun? Nichts, ganz recht! Immerhin habe ich schon mal erkannt, dass ich blöd bin und Anerkennung ist der beste Weg zur Besserung. Dankbar entdecke ich endlich das Kraut und fange an es mit meiner rechten Hand zu zerpflücken, um es dann zu einem Brei zu zerreiben. Vorsichtig desinfiziere ich die Wunde mit Wasser und trage die kühlende Masse auf. Erleichtert merke ich, wie der Schmerz langsam nachlässt. Trotzdem ist die Blutung noch nicht ganz gestillt. Ich verdrehe die Augen und krame weiter in der Schublade nach einem sauberen Verband. Es dauert nicht lange bis ich findig werde. Immer darauf Bedacht den heilenden Brei nicht zu verschmieren, binde ich den Stoff um. So schlimm sieht’s gar nicht aus. Na gut, es sieht schon schlimm aus. Aber es hätte weitaus schlimmer kommen können. Und was soll ich jetzt machen? Duschen wäre keine schlechte Idee und danach könntest du dir ja mal das Klavier ansehen… Ähm hallo? Ich glaube ich bin nicht mehr ganz richtig im Kopf. Hoffentlich hört es auf, wenn ich mir das KLAVIER ANGEGUCKT HABE… Seufzend gehe ich in die Dusche, was nicht ganz einfach ist, wenn der Verband nicht nass werden darf. Deshalb dauert es auch nicht lange, bis ich wieder heraus hüpfe. Hätte noch länger da gestanden, wäre mein steifer Arm abgefallen. Und jetzt nachdem ich auch frische Sachen anhabe, kann ich mich ja langsam Richtung Klavier aufmachen. Sicherheitshalber lege ich den Umhang um. Wer weiß schon, ob die überhaupt schon alle schlafen. Beziehungsweise ob manche noch irgendwo besoffen auf den Fluren liegen. Schnell mache ich mich auf den Weg und sehe zum Glück nirgendwo Betrunkene. Leise öffne ich die schwere Tür. Sie haben nicht abgeschlossen. Dröhnendes Schnarchen lässt mich zurückzucken. In dem Saal liegen vielleicht zwölf schlafende Elben, sowohl männlich als auch weiblich. Sowohl schnarchend und Dank an die Valar, angezogen. Manchmal hüpfend bahne ich mir meinen Weg durch die Nickerchen haltenden. Da steht es, in edlem Holz. Das Klavier. Langsam gehe ich auf das wertvolle Instrument zu. Es ist ein Flügel. Sanft fahre ich mit meinen Fingern über die Tasten. Ich übe nur sachten Druck aus, so dass man sie nicht klingen hört. Kann ich es wagen zu spielen? Keine Ahnung, aber warum bin ich sonst hergekommen. Mein Bauch wollte es so, oder wie gesagt irgendeine Nervenzelle in meinem Gehirn Wie auch immer. Ich setze mich auf den weichen Hocker und stimme ein absolutes Lieblingsstück an. Es geht wunderbar leicht von den Fingern und klingt verdammt schön. Schnell und ohne Ziel gleiten meine Finger über die Tasten. Erst spiele ich vorsichtig und leise, doch dann versinke ich in der Musik und schenke meinem Umfeld keine Beachtung mehr. Als ich endlich aufhöre gucken mich zwölf Augenpaare aus großen Augen an und fangen an zu applaudieren. Ich werde etwas rot um die Nase, aber bringe jedoch ein krächzendes: „Dankeschön, tut mir leid“ heraus. Fluchtartig verlasse ich den Saal und mache mich wieder auf den Weg zu meinem Zimmer. Weder Legolas noch Tauriel werden jetzt schon wach sein. Also kann ich genauso gut meine Bettwäsche zur Reinigung bringen. Ich umfasse den Wäschekorb und hieve ihn auf meine rechte Schulter. Erschrocken durch die Schwere, die von diesem kleinen Korb ausgeht taumele ich Richtung Küche. Da ist doch gar nicht so viel drin! Als ich endlich in der Küche bin, lasse ich mich seufzend auf einen Stuhl fallen. „Glaur, wie schön dass du mich mal wieder besuchst!“, Maddy kommt auf mich zu gerannt. „Maddy“, rufe ich erleichtert. Maddy ist eine tollpatschige, schon etwas ältere Elbin. Sie hätte genauso gut ein Hobbit sein können. Ich schwöre. Ihre braunen Augen blitzen immer fröhlich und sie trägt ständig irgendwelche schrägen Kleider. Kunterbunt und wenn sie die Suppe für das Buffet umrührt, hört man tausende von goldenen Armreifen um ihr Handgelenk klimpern. Sie ist sehr liebenswert. Mit allen kommt sie gut klar und ich glaube alle mögen sie. Sofort schließt sie mich in ihre Arme und der Geruch nach Flieder und Tee umhüllt mich. Ich lächele: „Wie kannst du dir eigentlich alle Namen merken?“ „Kann ich gar nicht“, sie versinkt schon mit ihren grauen seidigen Haaren in dem Korb, den ich vor meinen Füßen abgestellt habe. „Was hast du denn da alles? Mhmm“, nuschelt sie nimmt einen Arm voll Wäsche hinaus und reicht ihn an eine jüngere Elbin weiter. Die sich sofort daran macht das dreckige Zeug zu waschen. „Bettwäsche, ein Kleid und halt normale Arbeitskleidung“, ich zucke mit den Schultern. „Es wird nicht mehr lange dauern bis wir durch sind“, sagt Maddy und zwinkert mir verschwörerisch zu. „Soll ich dir trotzdem einen Kaffee oder einen Tee machen? Wenn du so früh auf bist, warst du denn gestern gar nicht auf der Party? Ich habe gehört Legolas und Thranduil waren da.“, sie gießt schon heißes Wasser in eine weiße Porzellantasse. „Ähm danke für den Tee und ich war gestern auf der Party.“, antworte ich. Sie drückt mir die dampfende Tasse in die Hand. Mhmm, Himbeer-Holundertee. Mein Lieblingstee. Momentmal, woher wusste sie das? „Warte mal kurz, woher wusstest du…?“, ich starre auf die Tasse in meiner Hand. „Ach Kindchen, ich weiß so einiges über dich. Mit dem Alter kommt das, du wirst sehen“, lächelnd lässt sie sich neben mich auf den Stuhl sinken und schlürft an ihrem Kaffee. Oh, jetzt ist nur noch die Frage, was sie alles über mich weiß. Ich schlucke. Komm schon, sie wird dir nicht den Kopf abreißen, wenn du sie danach fragst. Ich weiß nicht mal, ob ich überhaupt wissen will, was sie alles weiß. „Ähm und was weißt du alles?“ „Dass das dein Lieblingstee ist, dass Tauriel deine beste Freundin ist, na gut sie ist mit Arwen glaube ich gleich aufzuwiegen, dass du nicht wirklich beliebt bist und du keine Ahnung hast warum das so ist.“, sie beugt sich dicht zu mir vor, „ich aber schon.“ Ich runzele die Stirn, soviel wussten viele. Na gut, Arwen oder mein Lieblingstee… Für sie ist das viel, Maddy kommt nie raus aus ihrer Küche. Ich habe auch eine Ahnung warum ich nicht wirklich beliebt bin… Wollen wir hoffen, dass sie die falsche Ahnung hat. Legolas. „Nun ja, wer bei dem Elbenprinz gut ankommt, kommt bei allen anderen nicht gut an.“, sie lächelt und setzt sich wieder zurück. Ich schaue sie erstaunt und fassungslos an. Ich merke wie sich die junge Elbin weiter an uns heranschleicht um mit zuhören, denn anscheinend werden hier gerade geheime Dinge ausgetauscht. Ruckartig drehe ich mich um, nehme mir meine Wäsche aus ihrer Hand und weise sie mit einem freundlichen Lächeln darauf hin, dass alles Interessante gesagt worden sei. Ich glaube, ich habe sie damit ziemlich überrumpelt.
    Seufzend beziehe ich mein Bett mit der frisch duftenden Wäsche und werfe einen genervten Blick auf die Uhr. Halb sieben. Was soll ich denn jetzt noch machen? Ich werde auf keinen Fall alleine frühstücken gehen. Das kommt gar nicht in Frage. Nachdenklich wippe ich auf den Füßen hin und her. Schließlich fällt mir nichts Besseres ein und ich fange an die Spitzen meiner Pfeile zu kontrollieren. Sie sind alle noch scharf und total in Takt. Halb acht. Wird Zeit das Tauriel aufsteht. Jetzt habe ich hier eine Stunde lang, die Spitzen von über hundert Pfeilen kontrolliert. Ich bin echt aufgeschmissen ohne Tauriel oder Legolas oder Arwen. Voller Vorfreude verlasse ich mein Zimmer und klopfe übermütig an ihrer Tür. Eine hellwache Tauriel schaut mir entgegen. „Du bist auch schon wach?“, fragt sie verwundert. „Ja, schon seit Stunden. Ich wollte dich jetzt wecken gehen…“, ich lache. „Und du bist nicht früher gekommen?“, sie zieht eine Schnute und verschränkt eingeschnappt die Arme. „Nein, ich dachte du brauchst Schlaf nach so einer Nacht“, ich ziehe die Augenbrauen hoch und zwicke ihr freundschaftlich in den Bauch. Sie lächelt breit und umarmt mich stürmisch. „Oh Glaur, ohne dich wäre ich nie so glücklich gewesen“ Ich erwidere die Umarmung etwas unbeholfen und sage leicht verwirrt: „Ähm, du darfst mit gerne drinnen alles erzählen.“ Ihre Augen leuchten und sie wirft sich auf ihr Bett. Verträumt gleitet ihr Blick an der Decke entlang und gleitet dann ins Nirgendwo. „Mittelerde an Tauriel, jetzt erzähl schon! Ich will alles wissen. Lass kein Detail aus, selbst wenn es noch so schmutzig ist“, lache ich und setze mich auf einen Hocker. Sie errötet leicht. „Er hat so wundervoll geküsst“, murmelt sie und wieder nimmt ihr Gesicht einen verträumten Ausdruck an. „Fang mal lieber erstmal damit an, wie er heißt“, ich verdrehe leicht die Augen. „Oh, ja natürlich, Ranesis.“, sie seufzt und zieht tief die Luft ein. „Und wie viel hast du gestern getrunken?“, frage ich grinsend. „Ach, weiß nicht. Das war mir nicht so wichtig“, sie zuckt mit den Achseln. „Kann ich mir vorstellen“, sage ich spöttisch, „was hat er dir über sich erzählt?“ Erschrocken guckt sie mich an. „Ist es schlimm wenn wir nicht viel erzählt haben?“, ihre Augen werden größer. „Nein ich denke nicht, komisch vielleicht. Aber schlimm nicht. Wie du gesagt hast, Liebe auf den ersten Blick“, beruhige ich sie. „Ja das stimmt wohl, er hat mir die ganze Zeit Komplimente gemacht“, kichert sie. Aha. Irgendwie ist es schon komisch, dass Beide nichts über sich erzählt haben, sondern gleich zur Sache gekommen sind. „Wie viel lief da?“, frage ich unschuldig. „Naja ziemlich viel“, druckst sie grinsend herum. Das wäre geklärt. Entweder er war stockbesoffen, es war wirklich Liebe auf den ersten Blick oder er hat ihre Unschuld schamlos ausgenutzt. Alle Theorien sind gleich wahrscheinlich. Zwei davon sind nicht wirklich positiv, was die Zukunft der Beiden anbelangt. „Wie wirst du ihm beim Frühstück gegenübertreten?“ Sie schüttelt verwirrt den Kopf und schaut mich an. Ich habe sie schon wieder aus ihren Tagträumen gerissen. „Wir haben uns zu um 8:00 Uhr auf der Terrasse verabredet. Da gibt’s heute für mich Frühstück. Er ist nämlich einer von Thranduils Beratern. Die essen immer da“, erklärt sie stolz. „Und sonst sitzt da niemand anderes?", hake ich nach. Sie schüttelt lächelnd den Kopf. Das würde mir noch weniger Spaß machen, als neben den ganzen Zicken in der Essenshalle zu sitzen. Lieber Zicken, als Oberschnösel die alle den gleichen Charakter haben wie Thranduil. Bei dem Gedanken schüttelt es mich. Bäh. Dann muss ich wohl heute alleine essen. „Bist du deshalb schon ganz aus dem Häuschen?“, will ich von ihr wissen. Sie springt auf und hüpft wie eine Verrückte im Kreis herum, dabei nickt sie übermütig. „Jetzt atme mal tief durch und beruhige dich Tauriel. Bleib ganz cool. Du schaffst das schon. Denk an gestern Abend, du hattest ihn doch nach dem ersten Wort schon in der Tasche.“, ich lege ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Huuu“, sie verdreht die Augen und sinkt in sich zusammen. „Sehe ich gut aus?“, fragt sie schließlich. „Umwerfend und jetzt beeile dich es ist zwei vor acht.“, sage ich und gebe ihr einen Klaps auf ihr Hinterteil. „Ach du meine Güte schon so spät“, schnell verlässt sie den Raum ohne dass ich noch etwas sagen kann. Oh Mann. Die Tür wird wieder aufgerissen. „Danke Glaur“ „Gern geschehen, Viel Glück!“, rufe ich ihr hinterher und verlasse ebenfalls das Zimmer. Ich werde jetzt wohl alleine frühstücken gehen. Ich möchte Legolas jetzt nicht wecken, sei ihm viel Schlaf gegönnt. Mir anscheinend nicht. Ich werfe einen verdrossenen Blick auf meinen linken Unterarm, der immer noch ziemlich schmerzt. Vorsichtig krempele ich den Ärmel hoch. Die Tunika scheuert auf dem Verband. „Ah Schwesterherz“ Der hat mir noch gefehlt. „Was gibt’s Anoras?“, frage ich möglichst freundlich. „Du magst mich nicht besonders oder?“, stellt er beleidigt fest. Super, jetzt ist er auch noch beleidigt. „Weißt du Anoras, ich mag Leute nicht, die fremdgehen.“, sage ich und bedenke ihn mit einem finsteren Blick. Das hat gesessen. „Woher weißt du das?“, fragt er lauernd. „Ich habe euch auf dem Flur gehört“, antworte ich ehrlich. „Was machst du auf meinem Flur? Nebenbei auch noch der von Legolas und Thranduil.“, er grinst selbstsicher. Ha, glaubst du, du hast mich erwischt? Das hättest du wohl gerne. Ein Glück bin ich was sowas angeht, Oscarreif. „Euer Gestöhne konnte man durch die gesamten Hallen hören“, sage ich mit einem angeekelten Gesicht und lasse ihn stehen. „Haha, wie witzig. Ich habe eine Vermutung das da irgendwas läuft Glaur. Ich wäre vorsichtiger mit deinem Ton.“, ruft er mit drohend hinterher. „Also bist du derjenige der überall Gerüchte verbreitet Anoras. Großer Bruder. Lass dir was gesagt sein, Gerüchte sind nichts weiter als Lügen, die für andere Wahrheit sind, außer für die, die wissen, dass es Lügen sind. Logisch oder? Außerdem habe ich die Vermutung, dass du verlobt bist“, zische ich zurück. Er wird komisch weiß und blass im Gesicht. Bei Wortduellen gewinne ich immer. „Jaja, geh nur. Du hast sowieso keine Freunde. Kleine Schwester! Niemand kann dich leiden. Du hättest mal hören sollen was Tauriel über dich erzählt, wenn du nicht da bist.“, höre ich ihn noch stottern. Ich winke nur ab. Soll er doch die Klappe halten. Ich bin fast etwas erleichtert als ich die anderen Elbinnen am Tisch sitzen sehe. Die sind immerhin weniger Zicke als Anoras. Das Schlimme ist ja, Anoras ist Zicke und Oberschnösel. So ein Bruder kann einem gestohlen bleiben. „Oh hallo Glaur“, lächeln sie. Verdächtig, sehr verdächtig. Ich runzele die Stirn. „Wunderschönen guten Morgen“, erwidere ich zuckersüß. „Weißt du, wir haben es uns überlegt. Lass uns noch einmal von vorne anfangen.“, die Blonde, die mir direkt gegenüber sitzt und Anführerin dieser Clique zu sein scheint, streckt mir ihre Hand entgegen. „Was treibt ihr für ein Spiel?“, frage ich und greife nach der Milch. Sie zieht eine Augenbraue hoch und fragt unschuldig: „Was für ein Spiel?“ „Ich glaube, dass ihr eigentlich ganz vernünftig und intelligent seid. Also stellt euch nicht so dumm und fragt einfach was ihr wirklich von mir wollt. Dann können wir den ganzen Wir- Sind-Aller-Beste-Freundinnen-Kram lassen. Dauert sowieso viel zu lange.“, ich gieße etwas der frischen Milch in meine Schüssel. Am Glas bilden sich kühle Wasser Tröpfchen. Die Freundinnen sehen sich fragend an. „Also, es geht das Gerücht herum, dass Tauriel und Ranesis ein Paar sind. Stimmt das?“ Ich werde doch nicht meine beste Freundin an diese Zicken verraten. Also runzele ich die Stirn. „Wer ist Ranesis?“, fragend sehe ich die Blonde an. „Ein ziemlich heißer Berater von Thranduil.“, sie verdreht die Augen. „Ich kenne diesen Typen nicht, aber kann schon sein. Ich meine schließlich kenne ich Tauriel noch nicht so lange, sie wird schon noch ihre Geheimnisse vor mir haben. Fragt sie einfach selber, wenn sie zum Frühstück kommt. Kann aber noch dauern, sie schläft noch“, sage ich achselzuckend. Alle Elbinnen verdrehen die Augen und gehen ihren allmorgendlichen Ritualen nach. Das heißt im Klartext tuscheln, lästern, kichern mit dem Zeigefinger auf Personen deutend meistens ziemlich in meine Richtung. Ich glaube irgendeine interessante Person sitzt hinter mir. Oder auch nicht. Rede ich mir nur ein, für mein gesundes Selbstbewusstsein ist das besser. Nach einer Tasse Tee verlasse ich die Halle schnell. Ich halte es dort nie lange aus. Außerdem könnte ich Rusco einen Besuch abstatten, solange mir nicht auch noch der nächste Elb vor die Füße fällt und sagt er sei mein Bruder. Als ich die Stalltür öffne strömt mir ein vertrauter Geruch entgegen. Der einzige Ort, wo ich meine Ruhe habe und nicht alleine bin. Mein Hengst wiehert erfreut, als er mich erblickt. „Na du. Hättest du Lust, dich ein bisschen zu bewegen?“, frage ich ihn und streichele ihm sanft über die Schnauze. Er lehnt seinen Kopf gegen meine Wange und schnaubt zustimmend. „Dann lass mich dich aufsatteln“, lächele ich und hole aus der Sattelkammer Zaumzeug und Ledersattel. Rusco tänzelt aufgeregt hin und her. „Beruhige dich mein Junge, du warst schon wieder viel zu lange in der Box. Ich will gar nicht wissen wie viel Energie du schon wieder gesammelt hast“, ich ziehe die Riemen fest und greife nach den Zügeln. „So, gleich geht’s los“, beruhigend klopfe ich auf seine Schultern. Gewissenhaft führe ich ihn durch die Hallen bis wir vor dem Tor stehen. Zwischendurch grüßen mich ein paar Elben, aber die meisten ignorieren mich einfach. Wie sagt man? Menschen können schrecklich sein? Tja, Elben auch. Nicht dass es mich großartig stören würde, doch es stört mich. Vielleicht sehne ich mich nach Anerkennung oder nach Freunden, ich weiß es nicht. Vor allem bin ich verunsichert, meine Zukunft ist sehr ungewiss. Ich hefte meinen starren Blick auf den vorbei fliegenden Boden. Ich kann nicht zulassen, dass er … Ich schneide mir selbst das Wort ab. Ich liebe ihn, das ist das größte Problem an der ganzen Sache. Ohne das wäre alles viel einfacher. Wäre ich bloß bei den Zwergen geblieben, hätte ich sie bloß nicht verraten. VERRAT! Langsam hallt dieses schreckliche Wort durch meinen Kopf. Was habe ich ihnen angetan und jetzt bin ich hier und bin glücklich. Tränen treten in meine Augen und fließen über mein Gesicht. Erst über die obere Hälfte meiner Wangenknochen bis sie schließlich von meinem Kinn herabtropfen. Meine rechte Hand fängt sie auf, wischt sie jedoch automatisch schnell an meiner Hose ab. Zu lange habe ich diesen Gedanken verdrängt. „Du hast die Zwerge verraten“, ein ernstes Gesicht meiner selbst schießt durch meinen Schädel. Ich habe sie nicht verraten, es war ein Missverständnis. Versuche ich mich zu beruhigen. Doch ich kenne die Wahrheit, ich weiß wie es passiert ist. Weil ich zu schwach war. Zu schwach um den Ruf einen neuen Zuhauses zu widerstehen. Dem Ruf von Thranduil? Dem von Tauriel oder gar dem von Legolas? Ich war ein Narr. Wütend schüttele ich den Kopf und wische mir mit dem Ärmel übers Gesicht. Wie konnte ich ihnen nur vertrauen? Grob ziehe ich an Ruscos Zügeln und springe von seinem Rücken. „Lauf!“ Er legt den Kopf schief und sieht mich verwirrt an. „Du hast mich schon verstanden, Lauf!“, ich weine. Er rührt sich nicht. „Jetzt lauf schon“, schreie ich und gebe ihm einen Klaps auf den Hintern. Rusco geht ein paar Schritte nach hinten. „Geh, lass mich alleine. Lauf nach Hause“, flüstere ich und sinke in mir zusammen. Er weicht weiter zurück und galoppiert schließlich davon. Benebelt stolpere ich durch das Unterholz. Mit diesem Gedanken, Verrat an die Zwerge begangen zu haben, kann ich nicht weiterleben. Ich stolpere und meine Hände graben sich in zerfallendes Laub. Mein Kopf dröhnt und ich kann den eisigen Geschmack von Blut auf meiner Zunge wahrnehmen. Zitternd fasse ich mir an die Stirn. Rote warme Flüssigkeit fließt über meine Hand. Verwirrt stehe ich wieder auf und laufe weiter. Nach weiteren Stunden breche ich schließlich zusammen. Mein trockener Hals schreit nach Wasser und sämtliche Muskeln in meinem Körper sehnen sich nach einer Auszeit. Durch einen grauen Schleier vor meinen Augen, erkenne ich nicht weit von mir, das Ufer eines Sees. Auf allen Vieren schleife ich mich zum sandigen Ufer. „Nehmt sie fest“, höre ich dumpf eine männliche Stimme. Trotzdem lasse ich mich nicht beirren und schöpfe mit den Händen Wasser aus dem glasklaren See. Durstig trinke ich und bleibe erschöpft am Ufer liegen. Große Hände packen mich. Ich könnte kämpfen, doch jeglicher Kampfgeist hat mich verlassen. „Was führt dich hier her?“, fragt ein dunkelhaariger Mann mit Pfeil und Bogen. Die beiden weiteren Männer lassen mich auf den Boden gleiten. Anscheinend haben sie bemerkt, dass ich zum Kämpfen nicht in der Lage bin. Trotzig und aus leeren Augen blicke ich ihn an. „Meine Beine“, krächze ich, „und eventuell auch meine Füße. Allerdings weiß ich das nicht ganz genau“, wütend blinzele ich. „Selbst vor dem Tod noch in der Lage zu scherzen, was?“, überrascht schaut er mich an und lässt seinen Blick über mich schweifen. Ich versuche würdevoll aufzustehen, allerdings tuen mir meine Beine diesen Gefallen nicht. Die Männer, bis auf den dunkelhaarigen, lachen schallend. Da sie nicht weit von mir wegstehen könnte ich… Entschlossen und mit aller Kraft, die mir noch bleibt ramme ich den Beiden die Faust in die Magengrube. Sie stöhnen auf und sacken zusammen. „Wie heißt du und wo kommst du her?“, will der Mann von mir wissen, ohne die anderen beiden zu beachten. Vergiss es, ich werde mit dir jetzt keine Freundschaft schließen! „Habe ich vergessen“, sage ich deshalb. Er lächelt und ja wirklich er lächelt. „Du weißt aber wo du hin willst.“ „Ist das eine Feststellung?“, knurre ich. „Ja und um es anders zu formulieren. Wo willst du hin?“, er hält mir die Hand hin. „Nach Hause“, murmele ich. „Und wo bist du Zuhause“, fragt er mir gerunzelter Stirn. „Ich weiß es nicht“, eine Träne kullert über meine Wange. Vor kurzem war mir noch klar wohin ich gehörte, aber jetzt. Sein Blick wird weicher. „Kommt, nehmt meine Hand. Ihr benötigt dringend was zu trinken und was zu essen.“, er kniet sich hin und hält seine Hand direkt vor mich. „Von Euch, benötige ich gar nichts.“, sage ich und schiebe seine Hand weg. Mittlerweile sammele ich immer mehr Kraft, das Kauern tut mir gut. „Gut, dann sterbt halt. Mir kann das egal sein“, sagt er arrogant und ruft seine Männer zu sich, die mir funkelnde Blicke zu werfen. „So schnell stirbt es sich nicht“, sage ich zu ihm, „zumindest wenn man nicht getötet wird.“ „Das ließe sich einrichten“, grummelt einer der beiden anderen Männer. „Versuch es doch“, sage ich spöttisch und springe auf. Überrascht schaut er mich an, zieht jedoch sein Schwert. Der Typ will es also wirklich auf die Spitze treiben. Auch ich hole mein Schwert heraus und schlage nach seinem. Er stolpert unbeholfen zurück. Erschrocken von der unerwarteten Kraft meiner Hiebe. Als er am Boden liegt und ich ihm das Schwert an die Kehle halte zische ich: „Lasst mich in Ruhe“ Ängstlich rappelt er sich auf. „Kommt schnell Leute, diese Frau ist ein Tier!“ Die Beiden anderen laufen schnell weg, nur der Dunkelhaarige schaut mich noch an. „Falls du Hilfe brauchst, ich bin Bard. Komm zu dem Bootsanleger dahinten, dort komm ich jeden Tag vorbei.“, damit dreht er sich um und folgt den Männern. Bard, dieser Name kommt mir bekannt vor. Ja, ich glaube mich zu erinnern. Bard, der Mensch, in den ich mich verlieben sollte. Ha, das ich nicht lache. Aber wo soll ich jetzt hin? Zu den Zwergen? Nein, sie würden mich vielleicht töten, bevor ich ihnen alles erklären kann. Zurück zu Thranduils Hallen? Eine weitere Träne fließt aus meinem Auge, als ich an Legolas und Tauriel denke. Ich kann die Zukunft nicht aufhalten. Er wird Arwen heiraten und ich würde es nicht ertragen, das mit anzusehen. Lothlórien? Da hält mich erst Recht nichts mehr. Keine Familie, nur verschwommene Erinnerungen, die ich mit niemandem teilen könnte. Ich gehöre nirgendwo hin. Traurig schaue ich auf den Boden. Wie konnte es nur so weit kommen? Wäre ich nur bei den Zwergen geblieben. Arwens Vision tretet in meine Gedanken. „Du wirst dich in einen Menschen verlieben, namens Bard. Fili wird ihn aus Eifersucht töten und du wirst an einem gebrochenen Herzen sterben.“ Halt die Klappe Arwen! Ist es so besser? Ist es besser wenn Legolas und du mir das Herz brechen, anstatt Fili? Ist es besser? Nein Arwen, ist es nicht. Du wirst natürlich glücklich sein… Oder? Hättest du mir nicht damals gesagt, dass er mich mag, hätte ich ihn dann überhaupt geküsst? Vermutlich nicht. Hätte ich mich richtig verliebt? Vermutlich nicht. Wer hat also all diese Geschehen in Gang gebracht? Richtig, das warst du! Unbändiger Zorn durchfährt mich vom Haaransatz bis zur Fußspitze. Ich muss mit ihr reden, ich muss einfach! Tief durchatmend ziehe ich das Amulett hervor und klappe es auf. „Arwen?“, flüstere ich. „Glaur, wie schön dich zu seh…- Ist was passiert? Du siehst nicht gut aus, gar nicht gut.“, dem strahlenden Lächeln weicht ein ernster Gesichtsausdruck. Als wenn du nicht wüsstest was los wär oder? Du hast es die ganze Zeit gewusst. Warum habe ich mich überhaupt darauf eingelassen. Richtig. Weil Arwen es mir gesagt hat. „Arwen, es ist wichtig, dass du mir die Wahrheit sagst.“, meine Stimme zittert. Sie nickt heftig, als würde sie alles tun, nur damit ich wieder lächele. „Wusstest du, als ich das letzte Mal in Bruchtal war. Dass du Legolas heiraten wir…“, meine Stimme versagt. In meine Augen treten weitere Tränen. Sie nickt schwer. Ich schließe die Augen, alle meine Vermutungen werden durch diese kleine Geste bestätigt. „Ich will aber nicht, ich meine ich liebe ihn nicht. Ich habe ihn nicht verdient. Wenn du willst rede ich mit meinem Vater.“, sie redet extrem schnell und schaut immer wieder verlegen zu Boden. Anscheinend hat sie den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Für sie mochte es nicht schlimm sein. Sie würde sich früher oder später in ihn verlieben. Für mich ist es schlimm. Nicht auszuhalten. „Bitte rede mit deinem Vater“, ich schlucke und öffne die Augen wieder. „Ja, ja, mach ich. Gute Besserung“, stottert sie und klappt ihr eigenes schnell zu. Ein stechender Schmerz macht sich in der Brustgegend bemerkbar. Warum hat sie das getan? Tief in meinem Unterbewusstsein weiß ich, dass sie keine Schuld hat. Aber es macht den Schmerz erträglicher. Ich lehne mich gegen einen Baum am Rand des Düsterwaldes. Wo soll ich jetzt hin? Wieder schießt diese Frage durch meinen Kopf. Komm schon Nervenzelle, irgendwo in meinem Gehirn oder komm schon Unterbewusstsein. Du hast auf so gut wie jede Frage eine Antwort. Nur auf die nicht? Herzlichen Dank auch. Jetzt lasse ich mich sogar selber im Stich. Ich schließe die Augen. Geh zurück! Da gehörst du hin! Dort hast du Freunde, ein kleines bisschen Familie und Liebe! Ich kann nicht zurück, mein Schicksal ist besiegelt. Man kann dort nichts mehr dran rütteln. Es wird passieren. Ich weiß es! Für jedes Problem gibt es eine Lösung, er liebt dich. Er wird alles tun, nur damit er keine Andere heiraten muss! Du bist viel zu optimistisch Glaur! Enttäuscht schüttele ich den Kopf. Es liegt nicht an Legolas, es liegt an Thranduil. Er wird stur bleiben, keiner hat einen so großen Einfluss auf ihn. Nicht einmal sein eigener Sohn. Ich stehe auf. Irgendetwas muss ich schließlich unternehmen, also stolpere ich wieder Richtung Düsterwald. Schnell verschlucken mich die dunklen Schatten. Nach den ersten hundert Metern bin ich schon wieder total am Ende. Die kurze Pause hat nicht genügt um sich vollständig zu erholen. Sowohl von einigen Tatsachen, als auch von den vielen Kilometern, die ich gelaufen bin. Mit zitternden Beinen lasse ich mich zurück auf den sicheren Waldboden gleiten. Das tote Laub stiebt leicht bei Seite und gibt knackende Geräusche von sich. Ich atme schnell ein und aus. Dass ich keine Ahnung habe, warum ich so schwach bin, macht mir am meisten Angst. Normalerweise können Elben nicht so leicht geschwächt werden. Ich setze mich auf und ziehe meine Knie dicht an meinen Oberkörper. Einige Zeit lang sitze ich zusammengekauert da. Plötzlich höre ich Fauchen und markerschütterndes Schreien. Erschrocken bewege ich meinen Kopf in alle Himmelsrichtungen, um herauszufinden woher diese bedrohlichen Geräusche kommen. Meine Ohren zucken und versuchen angestrengt zu erkennen um welches Wesen es sich handelt. Irgendwie hallt es so. Verwirrt schleiche ich näher in Richtung Geräusch. Die Schallwellen führen mich zu einer Schlucht, durch die ein reißender Fluss fließt. Das Fauchen hallt von den Steinwänden durch die Schlucht. Ich trete näher heran und versuche die Meter abzuschätzen die zwischen mir und dem Boden der Klippe liegen. Mhm, vielleicht zwanzig? Wäre nicht so günstig dort runter zu fallen. Ein paar Erdstücke fallen in die Tiefe. Die Geräusche klingen nicht wirklich nach Ork, es könnte aber eine Unterart sein. Jetzt sehe ich ein paar große Tiere um die Ecke kommen. Sie kämpfen unerbittlich und es fällt einem ziemlich leicht, die vielen Blutflecken auf dem hellen Gras auszumachen, auf dem sie kämpfen. Allerdings habe ich keine Ahnung, was das für Wesen sind. Neugierig beuge ich mich etwas vor. Plötzlich schwirrt etwas haarscharf an meinem Kopf vorbei. Überrascht schreie ich auf und verliere das Gleichgewicht. Gerade so kann ich mich an dem oberen Klippenrand fest halten. Verzweifelt bemerke ich, dass meine Kraft immer mehr nachlässt. Ich kann erkennen wie eines dieser widerlichen Viecher auf mich zu läuft. Unter mir kämpfen die Tiere ungestört weiter. Angstvoll lasse ich mit einer Hand los und taste meinen Gürtel nach den Dolchen ab. Ein Glück. Meine linke Hand erfasst einen und zieht ihn triumphierend heraus. So du Miststück. Was sind deine letzten Worte? Es faucht. Na gut, ich habe sie zwar nicht verstanden, aber du wirst schon wissen was du tust. Beinahe hätte ich mit den Schultern gezuckt. Ich kneife die Augen etwas zusammen, ziele und treffe. Erleichtert atme ich aus, als das Tier in sich zusammensackt. Ich versuche mich hochzuziehen, aber meine Muskeln ziehen sich zusammen und machen es mir somit nicht möglich. Runter klettern wäre viel zu riskant. Ich habe nur noch einen Dolch. „Hilfe!“, rufe ich verzweifelt. „HILFE!“, meine Hände werden schweißnass. Ich schließe die Augen. Jetzt werde ich wohl sterben. Super! Und warum? Tränen treten mir in die Augen. Weil ich mal wieder stur war. Zu stur um mir von irgendjemanden helfen zu lassen. Nicht mal von mir selbst wollte ich mir helfen lassen. Es tut mir leid Arwen. Du warst eine gute Freundin und konntest immer einen passenden Rat geben. Ich hoffe du wirst mit Legolas glücklich. Die Tränen fließen über meine Wangen. Du hast ihn verdient, im Gegensatz zu mir. Ich habe nicht daran geglaubt, dass aus uns was wird. Vielleicht lag genau darin der Fehler. Vielleicht sterbe ich jetzt deshalb. Aber man kann es nicht ändern.
    Jetzt zu dir Tauriel, dass du in so kurzer Zeit, so eine tolle Freundin werden konntest. Hätte ich nie gedacht. Aber es stimmt. Du bist immer ehrlich und ich hoffe du wirst mit deinem Freund glücklich. Sorry, ich habe seinen Namen vergessen. Ich hoffe du nimmst mir das nicht übel. Wenn wir uns dann irgendwann sehen. Versuch ich bestimmt irgendeine Ausrede zu erfinden. Hoffentlich habe ich dafür noch ganz lange Zeit! Wie lief eigentlich euer gemeinsames Frühstück? Vielleicht erzählst du es ja Legolas oder Maddy und ich kann vielleicht von irgendwo zuhören.
    Weißt du Legolas, ich habe dich wirklich geliebt. Wirklich. Ich weiß nicht, ob du mitgekriegt hast, wie ich deine Liebeserklärung erwidert habe. Ich hoffe du hast. Denn hören kannst du mich jetzt nicht. Wahrscheinlich sehe ich beim nächsten Sternenfest bei dir vorbei. Als Licht, du weißt schon. Vor unserem ersten Kuss, hast du mir die Geschichte erzählt. Werde glücklich. Und bitte trauere nicht um mich! Ich habe es nicht verdient, genauso wie ich dich nie verdient habe. Wenn du irgendwann vielleicht zu mir kommst, liebst du hoffentlich Arwen. Oder jemand anderes. Aber am meisten hoffe ich natürlich, dass du gar nicht kommst.
    Na du Fresssack? Ich weiß, dass du mich vermissen wirst, Rusco. Aber es gibt bestimmt viele, die dich ausreiten wollen. Außerdem kriegst du weiterhin deine große Portion Futter. Also was soll‘s wenn ich nicht mehr da bin? Celeb ist ja auch noch da. Sie wird dich und Legolas trösten. Wenn sie zu faul ist, sag ihr ich hätte darauf bestanden. Keine Ahnung, ob du mich verstehst. Aber ich wünsche dir ein schönes Leben und wer weiß, vielleicht bist du ja bald stolzer Papa… Ein sanftes Lächeln huscht über mein Gesicht und ich merke wie die Kraft aus meinen Armen weicht. Befreit lasse ich los. Den Aufprall spüre ich kaum, es fühlt sich an, als wäre ich auf einem federweichen Bett gelandet. Danach gleite ich in ein wunderbares Nichts.

    12
    Verwirrt blinzele ich. Wo bin ich? Verschwommene Lichtpunkte gleiten in mein Sichtfeld. „Oh sie wacht endlich auf!“, ruft eine bauschige Stimme, die sich dicht zu mir herunter beugt. Lanadriel. Beruhigt ziehe ich den vertrauten Duft ein. Ne, warte mal. Tauriel? Ich schüttele den Kopf und kneife die Augen zusammen. Tatsächlich! Tauriel! „Du bist wach.“, seufzt sie erleichtert. „Ja, sieht so aus“, sage ich und setze mich langsam auf. „Wie kannst du uns nur so einen Schrecken einjagen! Wir dachten du wärst tot! Du,…, du…! Was hast du dir dabei gedacht? Wie ist das überhaupt passiert? Dass du überlebt hast, grenzt an Wunder!“, sie springt auf und fängt an zu schimpfen wie ein Rohrspatz. Entschuldigend ziehe ich den Kopf ein. Ich bin heilfroh, dass ich nicht tot bin. Die Lebensgeister kehren wieder zurück und ich springe auf und umarme Tauriel stürmisch. „Mann o Mann, ich dachte schon mein letztes Stündlein hätte geschlagen. Ich habe mich schon von euch allen verabschiedet. Wirklich, ich habe geheult wie ein Schlosshund!“ Tauriel schaut mich an und sofort erkenne ich, dass sie mir nicht mehr böse sein kann. „Ich habe dich geduscht, ähm, ich hoffe das hat dir nichts ausgemacht“, druckst sie. „Nein, ich bin dir unendlich dankbar“, winke ich ab und fange an mein Bett frisch zu machen. „Alle dachten, du wärst tot. Du hättest Legolas Gesicht sehen sollen, als er dich gefunden hat.“, sie schüttelt den Kopf, „und Anoras sah total erschrocken aus. Man hat ihm förmlich angesehen, dass er sich irgendwie schuldig gefühlt hat.“ „Wie hat Legolas denn ausgesehen?“, frage ich interessiert und durchwühle nebenbei meinen Kleiderschrank. „Ungefähr so“ Ich drehe mich zu ihr um und breche sofort in Gelächter aus. Ihre Gesichtszüge sind so verschoben, dass man nicht so recht weiß wo Nase und wo Mund sitzt. Währenddessen sind ihre Augen weit aufgerissen und ihre Körperhaltung deutet darauf hin, dass sie anscheinend der Ohnmacht nahe ist. „Glaub mir, in dem Moment, war keinem von uns zum Lachen zu Mute“, trotzdem stimmt sie in mein Lachen mit ein. „Was heißt eigentlich keinem von UNS? Wie viele ward ihr denn?“, ich wende mich wieder meiner Kleidung zu. „Naja, Legolas, Anoras, Ranesis und ich“, sie zuckt mit den Schultern, „achja, Rusco wollte auch unbedingt mit und da Celeb ihm nicht von der Seite weichen wollte, sind die beiden ebenfalls mitgekommen.“ „Warum Anoras und Ranesis? Den bedeute ich doch gar nichts!“, grummele ich. „Naja, Ranesis ist mitgekommen um bei mir zu sein und Anoras,…, keine Ahnung!“, sie zieht mich sanft vom Kleiderschrank weg. „Glaur, du bist schon längst ordentlich angezogen. Setz dich hin! Du bist ja noch komplett verwirrt“, ein wenig energisch drückt sie mich auf die Couch, in der ich dankbar versinke. „Wie spät ist es?“, verlange ich zu wissen und bewege meinen schmerzenden Nacken Richtung Uhr. „Halb zehn, Legolas ist vor einer Stunde schlafen gegangen. Ich musste ihn förmlich dazu zwingen. Er wollte dich auf keinen Fall alleine lassen. Die ganze Nacht saß er hier und hat dich nicht aus den Augen gelassen.“, sie lächelt leicht. Ein Kribbeln durchfährt mich. Er war also die ganze Zeit da. Der Gedanke ist beruhigend. Lautes Vogelgezwitscher dringt durch die leicht geöffneten Fenster neben meinem Bett. Die Sonne lacht, wie Lanadriel jetzt gesagt hätte. Ein leises Knurren ist aus meiner Magengegend zu vernehmen. „Super, ich habe auch Riesenhunger! Lass uns essen gehen.“, strahlt Tauriel und hält mir hilfsbereit die Hand hin. Dankbar nehme ich sie an und lasse mich von ihr hochziehen. Alles schmerzt, als wir nicht wirklich langsam und vorsichtig durch die Flure laufen. Kurz vor der Eingangstür stütze ich mich leicht gegen die Wand und stöhne leise. „Oh entschuldige bitte Glaur. Ich bin auch noch etwas durch den Wind“, sie bleibt abrupt stehen und schaut mich besorgt an. „Nicht schlimm Tauriel, es ist ja sowieso alles meine Schuld“, murmele ich und zwinge mich weiter zu gehen. Schnell erblicke ich zwei freie Plätze nicht weit vom Eingang. Auch Tauriel steuert direkt auf sie zu. Es ist sehr voll in der Halle. „Welchen Tag haben wir eigentlich?“, frage ich. „Samstag“ Das erklärt auch warum es um halb zehn so voll ist. Was, ich habe zwei Tage in wohlwollender Dunkelheit verbracht? „Von den Toten auferstanden, was?“, fragt eine meiner Lieblingselbinnen. „Ja, da könnt ihr euch noch eine Scheibe von mir abschneiden“, erwidere ich gespielt stolz. Sie zieht nur die Augenbrauen hoch und wendet sich wieder ihren drei Salatblättern zu, die sie versucht mit einem Messer in Krümel zu zerschneiden. Beim ersten Mal sah das so komisch aus, dass ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen wäre. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Hungrig schaufele ich das Müsli in mich hinein. Schnell ist es in mich hinein verschwunden und ich schaue mitleidig meine viel zu leere Schale an. „Noch was?“, fragt Tauriel. Ich schüttele jedoch dankend den Kopf. Mein Essensplan wird eingehalten, egal ob ich zwischendurch zwei Tage ohnmächtig war oder nicht. Ich stehe auf. Tauriel will ebenfalls aufspringen doch ich halte sie zurück. „Iss du lieber auf und treffe dich noch mit Ranesis. Er wird froh sein, dich zu sehen. Danke noch einmal! Ich glaube du weißt wo du mich findest“, verschwörerisch deute ich auf die anderen Elbinnen. Langsam lässt sie sich wieder auf ihren Platz sinken und verabredet sich mit mir zum Mittagessen um 13:00 Uhr. So schnell wie es mir meine schmerzenden Beine erlauben, mache ich mich auf den Weg zu Legolas. Ich will ihn zwar nicht unbedingt wecken, ihn aber auch nicht als einzigen unwissend lassen. „Glaur, du lebst“, erleichtert stürmt Anoras auf mich zu, dem ich gekonnt ausweiche. „Überrascht?“, ich ziehe eine Augenbraue hoch. Er schluckt schwer, dann werden seine Augen feucht. „Es tut mir so leid“, er geht auf die Knie. Stirnrunzelnd betrachte ich ihn. „Was tut dir leid? Du hast mir doch gar nichts getan“, sage ich hilflos zusehend, wie Tränen aus seinen Augen treten. Verwirrt schaut er mich aus großen Augen an und steht wieder auf. „Ich habe gesagt, dass du keine Freunde hast, dass dich niemand mag und dass Tauriel hinter deinem Rücken lästert. Das stimmt gar nicht. Ich wollte doch nicht, dass du dich deswegen versuchst umzubringen.“ Ich lache lauthals los. Er schaut mich nur an, als wäre ich nicht ganz dicht. „Oh Anoras“, ich kriege kaum Luft, „das habe ich schon längst wieder vergessen. Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wurde angegriffen, von irgendwelchen komischen Kreaturen, sie haben mich an den Rand der Klippe getrieben, von der ich gestürzt bin.“, immer noch lachend schüttele ich den Kopf. Vorsichtig stimmt er in das Gelächter mit ein. „Ist also jetzt wieder alles in Ordnung zwischen uns?“, er schaut mich mit Dackelaugen an. „Das war es noch nie und wird es auch nie sein. Aber es ist auf jeden Fall besser als vorher.“, lächele ich. Erleichtert sieht er mich an und verschwindet dann schnell ohne Verabschiedung hinter der Flur Ecke.
    Leise betrete ich das Zimmer von Legolas ohne zu klopfen. Die Vorhänge sind etwas zu gezogen, trotzdem durchdringen ein paar Lichtstrahlen den leichten Stoff. Langsam gehe ich auf ihn zu und setze mich vorsichtig neben ihn auf das Bett. Sein Atem geht gleichmäßig und seine Brust hebt und senkt sich regelmäßig im Takt der Atemzüge. Sanft streiche ich ihm eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Es ist makellos. Er hat mir gefehlt, in meinen „letzten“ Stunden. Mit einem leichten pschts, befördere ich meine hohen Lederstiefel auf den Fußboden und lege mich neben ihn. Meine Nasenspitze berührt fast seine. Mit geschlossenen Augen ziehe ich seinen Duft ein. Ich werde ihn nicht einfach kampflos Arwen überlassen! Etwas wütend atme ich tief ein. Verscheuche den Gedanken aber schnell wieder. Legolas blinzelt. War ich zu laut? Gespannt halte ich die Luft an. Seine blauen wunderschönen Augen werden weich und er hebt eine Hand um mein Gesicht zu berühren. Sanft fahren seine Fingerspitzen an meiner Wange entlang. „Du bist wach“, flüstert er. Ich nicke leicht und bemerke die stark kribbelnde Gesichtshaut. Wie macht er das? Er zieht mich vorsichtig an sich, immer darauf bedacht, dass meine Knochen nicht schmerzen. „Ich habe dich vermisst“, murmelt er und drückt mir einen Kuss aufs Haar. Ich kuschele mich dicht an ihn und vergrabe mein Gesicht an seiner Schulter. Sein Atem wird schnell wieder ruhiger und ich spüre wie er leicht an meinem Haaransatz entlang streicht. Langsam versuche ich mich aus seinen Armen zu befreien, die er um meine Taille gelegt hat. Ich drehe mich etwas und krieche dann rückwärts aus dem Bett. Für umstehende Personen muss das zum Totlachen aussehen. Jetzt muss ich selbst ein wenig grinsen. Schnell streife ich mir meine Lederstiefel wieder über und verlasse den Raum. „Wusste ich’s doch!“, Anoras steht an die Wand gelehnt und zischt mich an. Ich zucke etwas zusammen, aber so schnell werde ich es nicht preisgeben, mein Lieber, so schnell nicht! „Was wusstest du?“, frage ich scheinheilig und gehe lächelnd auf ihn zu. Bloß nichts anmerken lassen. „Was läuft da?“, er mustert mich aus zusammengekniffenen Augen. „Hä? Kannst du dich bitte ordentlich ausdrücken?“, ich runzele die Stirn, „bist du krank?“ Wäre ich nur Schauspielerin geworden. „Was läuft zwischen Legolas und dir?“, er geht an mir vorbei und will die Zimmertür aufreißen. Ich stelle mich jedoch vor sie. „Er schläft. Lass ihn bitte und zwischen uns läuft nichts, Anoras. Ich habe ihm gelegentlich seinen Dolch wiedergebracht. Er hatte ihn vergessen.“, beteuere ich ohne mit der Wimper zu zucken. „Und Glaur, hast du Legolas-…“, Tauriel kommt um die Ecke und bleibt abrupt stehen, „seinen Dolch wiedergegeben?“ Puh, zwei Dumme ein Gedanke. Das war knapp. Ich zwinkere ihr unauffällig zu. „Ja, habe ich. Siehst du Anoras. Da kannst du noch so viele Gerüchte in die Welt setzen.“, kopfschüttelnd lasse ich ihn stehen und hake mich bei Tauriel unter. „Ähm, tut mir leid Glaur!“, ruft er mir hinterher. „Schon gut, Anoras. Frag vorher einfach, bevor du sagst, du weißt es.“ Als Tauriel und ich um die nächste Ecke gebogen sind wische ich mit der flachen Hand über die Stirn. „Puh, Tauriel, das war knapp. Ich hatte Anoras auch erzählt, dass ich ihm gelegentlich seinen Dolch vorbei gebracht habe.“ Sie nickt verständnisvoll: „Ja, ich habe irgendwie das Wort Dolch mitbekommen.“ „Was machen wir jetzt?“, will ich von ihr wissen. „Wir sollten uns jetzt mal auf die anstehende Diskussion von Legolas und Thranduil vorbereiten.“, sagt sie und schiebt mich in ihr Zimmer. „Was für eine Diskussion?“, ich runzele die Stirn und setzte mich auf den Sessel. „Naja, ich denke er wird bald versuchen Thranduil in Sachen Heirat umzustimmen. Und…“ „Moment mal, Tauriel. Bevor er das versucht, oder auch nicht, wird er erstmal mit mir reden und wie willst du dich denn bitte darauf vorbereiten?“, ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Naja“, duckst sie herum, „er hat mit mir zwar nicht drüber gesprochen, aber…“ „Aber?“ „Du solltest dich darauf vorbereiten, dass es möglicherweise nicht klappt. Ich meine Thranduil umstimmen?“, sie schüttelt den Kopf. „Was wollt ihr dann machen?“ „Ne, ne, Tauriel, ich werde keinen einzigen Gedanken daran verschwenden, was zu tun ist, wenn es nicht klappt. Als ich dran gedacht habe, wäre ich fast gestorben.“, ich deute aus dem Fenster. „Glaub mir, es ist nicht wirklich einfach, sich an so einen Gedanken zu gewöhnen.“ „Deshalb müssen wir es ja üben, außerdem wenn es nicht klappt, dann, dann…“, sie sucht nach irgendwelchen Worten. „Dann was? Was sollen wir dann machen? Dann wird er Arwen heiraten. Das ist dann.“ „Dann könnt ihr ja immer noch weglaufen“, sie sieht mir tief in die Augen. Ich lache laut auf. „Genau, dann können wir weglaufen“, äffe ich sie nach. „Vor was sollen wir denn weglaufen, vor unserem Schicksal, der Realität oder Thranduils Armee die uns hinterher rennen wird?“, ich spüre wie meine Augen schon wieder feucht werden, ich schüttele mich und drehe den Kopf weg. Hilflos zuckt sie mit den Schultern: „Vor allem? Kann Arwen nicht mit ihrem Vater reden? Wenn er dagegen ist. Kann Legolas sie sowieso nicht mehr heiraten.“, schlussfolgert sie sachlich und sieht mich erwartungsvoll an. Eine kleine Stimme der Hoffnung meldet sich. Arwen hat mir versprochen mit ihrem Vater zu reden, vielleicht… Sobald ich alleine bin, werde ich mich kurz bei ihr melden. „Huhu, Glaur!“, Tauriel wedelt mit ihrer flachen Hand vor meiner Nase herum. „Jaja, was ist?“ Sie verdreht die Augen. „Jemand klopft“ „Oh. Ja“ Jetzt höre ich es auch. Ich springe auf und eile zur Tür. Ich reiße die Augen auf als Maddy lächelnd in der Tür mit einer Kanne Himbeer-Holundertee steht. „Oh Maddy, das ist ja eine Überraschung. Komm doch rein“, ruft Tauriel und läuft ihr mit ausgebreiteten Armen entgegen. Maddy erwidert ihre Umarmung, stellt die Kanne mit dem dampfenden Tee ab und drückt mich schließlich auch fest an sich. Meine Nasenspitze berührt die Oberfläche ihrer Haare und es kitzelt ziemlich fies, ich kann ein leichtes Niesen kaum unterdrücken. „Ach Kindchen, lass dich ansehen“, sie schiebt mich in Armeslänge von ihr weg und mustert mich kritisch. „Was ist das?“, sie zeigt auf meine fast verheilte Dolchwunde. Ich winke nur ab. „Das war schon vorher da“ Sie zieht eine Augenbraue hoch und man sieht ihr an, dass sie mir nicht glaubt. Aber mehr als beteuern, kann ich es eh nicht. „Nun dann, erzähl uns doch mal, was passiert ist“, sie setzt sich auf das Sofa und gießt meinen Lieblingstee in drei Tassen. Außerdem zaubert sie auch noch drei Butterkekse hervor. Seufzend setze ich mich neben sie. „Ich bin ganz normal mit Rusco ausgeritten. Einfach so hin und her. Plötzlich kamen wir zu einer Schlucht. Ein Fluss rauschte hindurch und ich konnte merkwürdiges Fauchen wahrnehmen. Also ließ ich Rusco stehen und ging nah an den Rand der Klippe. Zwei merkwürdige Kreaturen kämpften um ein Beutestück. Auf einmal merkte ich wie ein Stachel nah an meinem Kopf vorbei sirrte. Ich verlor das Gleichgewicht, konnte mich mit den Händen aber gerade so festhalten. Während ich versuchte, einen Dolch aus meinem Gürtel zu ziehen, rief ich Rusco zu, zu verschwinden. Er gehorchte. Schließlich stand eine widerliche gefährliche Kreatur nur wenige Meter von ihm entfernt. Ich schaffte es den Dolch zu greifen und konnte ihn zielsicher dem Mistvieh entgegen werfen. Ich traf und wollte mich wieder über den Rand ziehen. Ich schaffte es aber nicht. Irgendwann gab ich auf und ließ los.“ Die Augen von Maddy und Tauriel hängen wie gebannt an meinen Lippen. Dann schütteln beide den Kopf, als könnten sie es nicht glauben. Immerhin habe ich ihnen die halbe Wahrheit erzählt. Immer noch kopfschüttelnd greifen sie zu ihrer Teetasse und nehmen einen großen Schluck. Tauriels Kopf schnellt nach vorn und sie bekommt einen großen Hustenanfall, während Maddy ihre Tasse auf ex trinkt. Ich nippe ebenfalls, etwas verwirrt von ihren Reaktionen, an meinem Tee. Nachdem Tauriels Hustenanfall beendet ist frage ich: „Was ist denn los?“ Sie schaut mich an. „Nichts, deine Geschichte war nur. Du bist diese Klippe runtergefallen und hast überlebt? Ich meine, das waren locker zwanzig Meter.“ Maddy nickt ernst: „Du wolltest wohl unbedingt weiter leben, dein Körper hat nicht aufgegeben, einfach weiter gearbeitet.“ Ich zucke nur mit den Schultern. Naja, um ehrlich zu sein, wollte ich doch gar nicht wirklich weiterleben. Aber hey, mein Unterbewusstsein war da wohl anderer Meinung. Oder mein Bauch, oder mein Herz. Wie auch immer. Mein Kopf hat sich darauf bereit gemacht zu sterben. „Nun gut“, Maddy steht ruckartig auf. „Ich geh dann mal wieder“, sie lacht einmal kurz künstlich auf und nimmt auch die benutzten Tassen mit. Kurz bevor die Tür ins Schloss fällt, schaffe ich es noch mich mit einer leichten Umarmung mich für den Tee und ihr offenes Ohr zu bedanken. „Zurück zu dem blöden Teil deiner komplizierten Beziehung“, Tauriel verschränkt die Arme und mustert mich kritisch. Ich verdrehe die Augen: „Na gut, wie willst du mich auf das Unbevorbereitbare vorbeireiten?“ „Ähm, das muss ich mir noch überlegen“, sie grinst verlegen. „Während du überlegst können wir ja zu unseren Pferden gehen. Moment mal, hast du überhaupt eins?“, ich runzele die Stirn. Sie hat nie mir gegenüber ihr Pferd erwähnt. „Natürlich“, sagt sie entrüstet und schnappt sich ihren Umhang, „und ich kann auch reiten. Komm ich zeig’s dir“, sie nimmt meine Hand und zieht mich durch die Hallen zum Stall. „So da wären wir und jetzt möchte ich dir gerne Saminala vorstellen“, ihre Hand streicht über die Schnauze einer weißen Stute. „Hallo, du Schöne“, ich lächele leicht und gebe ihr einen freundschaftlichen Klaps. Aus der hinteren Ecke nehme ich ein empörtes Schnauben war. „Ach Rusco, dich hätte ich ja fast vergessen“, grinse ich und wende mich meinem geliebten Pferd zu. „Es tut mir leid, dass ich dich weggeschickt habe. Ich habe dich lieb“, sanft lehne ich meinen Kopf gegen seinen. „Nimmst du meine Entschuldigung an?“, frage ich ihn mit traurigen Augen. Er nickt leicht. „Das ist mein Junge!“, meine Hand greift in die Tasche und holt ein Zuckerstückchen heraus. Er schnaubt freudig. Und schleckt sofort über meine jetzt leere Handfläche. Ich lache: „Die Zunge hättest du dir sparen können.“ Sofort ist auch der Rest meines Körpers dran. „Bäh, lass das“, angewidert verziehe ich das Gesicht und versuche mich auf der anderen Seite der Box in Sicherheit zu bringen. Wiehernd hüpft er auf mich zu. „Jaaaa, wenn du mich in Ruhe lässt gebe ich dir noch einen.“, schützend halte ich meine Arme über den Kopf und kauere mich in eine Ecke. „Da hat dich wohl jemand vermisst“, lächelt Tauriel, „hat Legolas genauso reagiert?“ „Hahaha, sehr witzig“, ich stehe auf, drücke Rusco sanft zur Seite, springe aus der Box und werfe ihm den letzten Zuckerwürfel zu. „Die Frage war ernst gemeint“, sie zieht gekonnt eine Augenbraue hoch. „Okay, dann gebe ich dir eine ernste Antwort. Nein“, ich lege den Kopf schief und grinse sie an. „Wie verlief eigentlich das Frühstück mit Ranesis?“, frage ich schließlich scheinheilig. „Oh“, sie hält sich die Hand vor den Mund, wird rot und fängt an zu kichern. Sie kriegt sich kaum noch ein. „Ist alles in Ordnung? Soll ich dir was zu trinken bringen?“, ich lege ihr besorgt eine Hand auf die Schulter. „Geht schon wieder“, sie ringt nach Atem. „War okay“, jetzt wird sie noch röter. „Tauriel, du darfst mir gerne die Wahrheit erzählen“, ich ziehe die Augenbrauen zusammen. „Ähm, da fällt mir gerade ein das ich mit jemanden zum Mittag verabredet war. Wir sehen uns dann“, sie versucht unter meinen Armen durchzuschlüpfen. Was ihr jedoch nicht gelingt. „Ja, du warst mit mir zum Mittag verabredet“, grinse ich. „Ach ja, hätte ich fast vergessen“, sie schlägt sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Jetzt sag schon“, unruhig tippe ich mit der Spitze meines Stiefels auf den Boden. „Ja also, er hat mich reingelegt. Er hatte schon gefrühstückt und ist mit mir in den Garten gegangen und vor dem großen Springbrunnen hat er mir einen Heiratsantrag gemacht“, ich sehe ihr an, dass sie den Tränen nah ist. Mir klappt die Kinnlade runter. Heiratsantrag? Nach einem Abend? Wie verrückt ist das denn! „Ich habe zugesagt, ich liebe ihn wirklich, aber ist das nicht zu früh?“, dicke Krokodils Tränen kullern aus ihren Augen. „Oh Tauriel“, ich nehme sie ganz fest in den Arm, „wenn du dich dafür bereit fühlst ist das völlig okay“, beruhige ich sie und reiche ihr ein Taschentuch. Schluchzend schnäuzt sie hinein. „Das ist es ja, ich weiß nicht ob ich bereit bin“, der Anblick ist herzzerreißend. „Dann sage ihm das doch so, ein Antrag heißt noch lange nicht, dass ihr morgen heiraten müsst“, tröste ich. „Wenn er dich wirklich liebt, was er natürlich tut, da er dir den Antrag gemacht hat, wird er dich verstehen.“ „Meinst du?“, ihre verquollenen Augen schauen mich hoffnungsvoll an. „Ja klar“ „Du bist die Beste“, flüstert sie und drückt mich ganz fest. „Falls es dir nichts ausmacht, würde ich jetzt gerne zu Ranesis gehen und mich aussprechen. Ähm“, sie guckt mich erwartungsvoll an. „Klar, geh nur“, nicke ich und sofort ist sie hinter der Tür verschwunden. „Wie schlimm, wenn man verliebt ist nicht war, SCHWESTERHERZ?“, Anoras steht plötzlich in der Tür. „Bist du eigentlich mein persönlicher Agent, sollst du mich ausspionieren?“, frage ich misstrauisch. „Es sollte normal sein, dass ich mich für meine Schwester interessiere“, murmelt er. „Schön, haust du wieder ab, wenn ich dir sage, was du wissen willst?“, hake ich nach. „Vielleicht“, er zuckt die Achseln. „Was ist denn jetzt schon wieder? Ich habe das Gefühl du bist überall, musst du nicht auch mal arbeiten?“, sage ich schnippisch. „Das sagt die Richtige“, schießt er zurück, „was läuft denn jetzt zwischen Legolas und dir?“ „Ich glaube mich zu erinnern, dass wir das Thema bereits hatten.“ „Ja und? Ich will die Wahrheit wissen.“ Und warum, damit du es Thranduil berichten kannst? Vergiss es, Freundchen. Früher oder später wird er es sowieso erfahren, aber nicht durch ihn. „Es ist die Wahrheit, ich kann es hundert Mal wiederholen. Du wirst mir nicht glauben. Ich kann aber nicht mehr tun, als dir die Wahrheit zu sagen“, ich kneife die Augen zusammen. Er lacht leise und rau: „Ach meine Liebe, ich kenne die Wahrheit. Das brauchst du nicht verleugnen, ich bin nur gespannt, was ihr jetzt macht. Er wird wohl Arwen heiraten müssen. Oder irgendjemand anderes aus der angeseheneren Abteilung, zu der du jedenfalls nicht gehörst“, ein siegessicheres Lächeln umspielt seine Lippen. „Halt die Klappe! Ich sage dir die ganze Zeit die Wahrheit“, fahre ich ihn an. „Warum lügst du? Ich bin dein Bruder, ich habe es Thranduil bis jetzt doch auch noch nicht erzählt“, beleidigt verschränkt er die Arme. Große Valár! Wenn er wirklich Bescheid weiß, aber wenn er nur versucht mich reinzulegen… Fieberhaft überlege ich. „Weil du Nichts weißt, deshalb hast du dem König noch nichts erzählt. Weil du die ganze Zeit nur irgendwelche wilden Vermutungen anstellst, die du nicht beweisen kannst.“, jetzt bin ich dran mit Arme verschränken. „Ich kann es wohl beweisen“, er nähert sich mir lauernd, „ich habe euch gesehen“ „Wo willst du uns gesehen haben?“, hake ich grinsend nach. „Als du am unteren Rand der Klippe ohnmächtig da gelegen hast.“, seine Nasenspitze ist meiner nur wenige Zentimeter entfernt. „Wie schön, ich glaube da haben mich viele liegen sehen“, zische ich und stoße ihn heftig zurück. „Aber viele haben nicht gesehen, wie er dich angesehen hat“, seine Mundwinkel wandern nach oben. „Oh Tauriel zeigte mir bereits eine Version“, sage ich unbeeindruckt. Anoras bricht in Gelächter aus, als ich ihm die Gesichtsverrenkungen präsentiere, die Tauriel mir nahe gebracht hat. „Ja so ungefähr“, keucht er. Als er sich wieder einiger Maßen beruhigt hat, geht er wieder bedrohlich auf mich zu. „Übrigens es waren nicht mehr da, außer Legolas, Tauriel, Ranesis und mir. Ich habe mich mit Ranesis über euch unterhalten, ihm war sein Gesichtsausdruck auch nicht entgangen. Ist es nicht komisch, das er sich ebenfalls bereit erklärt hat, dich zu suchen?“ „Also erstens, wäre mein Gesichtsausdruck genauso gewesen hätte Tauriel dort so gelegen und falls du es noch nicht bemerkt haben solltest. Tauriel ist meine beste Freundin, ebenso wie ich einfach eine Freundin von Legolas bin. Zweitens finde ich es eher bedenklich das Ranesis und du mit gekommen seid. Und drittens, du hast Celeb und Rusco vergessen. Die beiden waren auch mit.“, ich ziehe die Augenbrauen hoch und es fällt mir nicht schwer zu erkennen wie Anoras sich ein Grinsen verkneift. „Aber dort war etwas in seinem-…“ „Gibst du jetzt endlich mal auf? Wie kann man nur so stur sein?“, energisch schüttele ich den Kopf und funkele ihn an. „Du bist auch nicht gerade nachgiebig. Liegt wohl in der Familie.“, seine Augen sprühen ebenso wie meine, Funken. „Was für eine Familie? Du bist mehr mit einem Ork verwandt, als mit mir!“, schlagartig wird mir bewusst das ich zu weit gegangen bin. Er zuckt zurück. „Es tut mir leid, das wollte ich nicht, ich meine, ich meinte das nicht so, Entschuldigung, verzeih mir bitte“, stammele ich. Er blickt auf: „Ich verzeihe dir erst, wenn du mir die Wahrheit sagst.“ „Was lässt dich glauben, dass ich nicht die Wahrheit sage?“, frage ich. „Weil ich die Wahrheit kenne, ich brauche nur eine Bestätigung aus deinem Mund, ich kann es nämlich nicht glauben“, murmelt er. Ich taumele zurück. „Woher kennst du die Wahrheit?“, meine Stimme ist rau. „Du gibst es also zu?“, fragt er misstrauisch. Ich nicke ergeben. „Bitte sage es keinem, es ist“, ich suche nach Worten. „Kompliziert?“ Ich nicke wieder und schaue betreten zu Boden. „Keine Angst, kleine Schwester, ich werde es niemandem verraten. Aber jetzt erzähl’s mir erst“, fordert er mich auf. „Was soll ich dir erzählen? Dass ich ihn mag? Das ist doch sowieso kein Geheimnis mehr, zumindest für dich.“, murmele ich. „Weiß auch nicht, wie ist das, wenn man verliebt ist?“, er setzt sich und deutet links neben sich. „Du bist doch verlobt, nicht ich.“, mit diesen Worten verlasse ich den Stall. „He, warte mal. Mag sein, dass ich eine Bestätigung habe, okay? Aber ich will mehr erfahren. Wie hast du das gemacht? Ich meine, es gibt ja wohl noch hübschere Elbinnen als dich hier. Warum ausgerechnet du? Du mochtest ihn ja anfangs nicht mal.“, er rennt mir hinterher und erwischt mich am rechten Ärmel meiner Tunika. „Woher soll ich das wissen? Frag ihn doch“, fahre ich ihn an und schüttele seine Hand ab. „Na gut, dann erfährt er eben, dass du es verraten hast.“ Augenblicklich bleibe ich stehen und drehe mich langsam um. „Was willst du wissen?“, frage ich müde. „Was ihr jetzt tun wollt“ „Ich weiß es nicht“, flüstere ich und wende mich ab. Er versucht nicht mich aufzuhalten.
    „Legolas?“, ich klopfe leise. „Was gibt’s? Komm rein“, ertönt eine dumpfe Stimme, von der anderen Seite der Tür. „Wir haben ein Problem“, erkläre ich. „Das wäre nicht das erste“, murmelt er. „Ich habe Anoras erzählt, was zwischen uns läuft“, erschrocken sehe ich ihn an. Wir haben diesen Satz zur gleichen Zeit gesagt. „Du auch?“, ich runzele die Stirn und er zieht die Augenbrauen zusammen. „Wie lange musste er dich bearbeiten?“, fragt er grinsend. Ich zucke mit den Schultern und werfe einen Blick auf die Uhr. „Eine ¾ Stunde.“, antworte ich. „Bei mir hat er nur eine ½ Stunde gebraucht“, seufzt er und beginnt sich ungeniert und schamlos vor meinen Augen umzuziehen. Ich tue so, als würde ich einen Vogel auf dem Balkon betrachten. Was ist das eigentlich für eine Art? Er ist sehr bunt, grün, blau und rot. Ich kenne dieses Tier nicht, er pickt ein paar alte Blumensamen auf. „Bin ich dir peinlich?“ Ich fahre etwas zusammen, als ich seine nackte Brust an meinem Rücken spüre. „Vielleicht etwas“, flüstere ich grinsend. Sein warmer Atem streicht meinen Nacken und eine Gänsehaut fährt meinen Rücken herunter. Demonstrativ legt er seine Arme um meine Taille. „Würdest du dir bitte ein Oberteil anziehen?“, frage ich und drehe mich etwas, bis ich ihm in die blauen Augen schauen kann. „Willst du das wirklich?“, der Schelm blitzt aus seinen Augen. „Ja“, ich ziehe eine Augenbraue hoch. Blitzschnell drückt er seine Lippen auf meine. Ich erwidere seinen Kuss. „Immer noch?“ Nein. Ich drehe mein Gesicht weg. „Ja“ „Gut, dann hat das wohl noch nicht gereicht“, murmelt er und fängt an meinen Nacken zu bearbeiten. „Lass das Legolas“ Bist du verrückt geworden, Glaur? Sanft lässt er mich los und dreht mich zu ihm um. Seine Augen zeigen nicht, dass ich ihn verletzt haben könnte. „Würdest du dir jetzt bitte ein Oberteil holen“, murmele ich und kann mir ein Grinsen kaum verkneifen. Ergeben wendet er sich wieder seinem Kleiderschrank zu. „Du bist ziemlich stur“, sagt er. „Ja, das meinen viele“ „Zufrieden?“, er dreht sich, mit Oberteil, zu mir um. „Zufrieden.“ „Schön, dann lade ich dich jetzt zum Mittagessen ein“, er nimmt mein Hand. „Was für eine Ehre“, lächele ich. „Denke ich auch“, er schließt die Tür ab und lässt den Schlüssel in die Tasche gleiten. „Hier nimm den Umhang“, er wirft mir einen dunkelgrünen zu. Ich schnuppere leicht daran. Er riecht nach ihm, nach Veilchen. Legolas fackelt nicht lange und zieht sich selbst einen über. „Lass uns bei der Küche vorbeischauen.“, schlägt er vor. „Warum?“, ich streife die Kapuze über. „Um unser Mittag abzuholen. In der Halle können wir nicht reden, was wir allerdings dringend tun sollten. Deshalb…“ „Okay, versteh schon“ Seine warme Hand umschließt meine fester. Über Treppen und Wurzeln erreichen wir schließlich Hand in Hand die Küche. „Glaur! Oh Legolas, welche Ehre!“, Maddy kommt auf uns zu gerannt. „Hey Maddy, ich weiß, dass ihr momentan viel zu tun habt, weil Mittagszeit ist. Aber könntest du vielleicht ein wenig einpacken? Bitte nicht viel. Saft und Brote sollten genügen.“, fragt Legolas freundlich. „Aber natürlich“, sofort flitzt sie los und kommt keine zwei Sekunden mit einem großen Korb in der Hand wieder, den sie mir stolz in die Arme drückt. „Saft, Wasser und ein paar belegte Brote. Guten Appetit“ Etwas überrumpelt bedanke ich mich. Sie zwinkert mir nur zu. Gentleman mäßig nimmt Legolas mir den Korb ab und es entweicht ihm sofort ein Stöhnen. „Was zur Hölle, hat sie da alles eingepackt?“ Ich zucke mit den Schultern und ein: „keine Ahnung“ entweicht meinen Lippen. Hinter dem großen Eingangstor lässt Legolas den Korb sinken und beginnt darin rumzuwühlen. „Und, was ist alles drin?“, frage ich mit verschränkten Armen erwartungsvoll. „Eine Saftflasche, eine Wasserflasche, zwei Gläser und sechs Brote, unterschiedlich belegt.“, ich kann mir nicht erklären warum er dann so schwer ist, aber gut. Auch Legolas kratzt sich ratlos am Kopf. „Komm, ich helfe dir tragen“, sage ich und eile ihm zu Hilfe. Gemeinsam schleppen wir ihn irgendwo in den Wald. Als wir zu einer hellen Lichtung kommen lasse ich mich keuchend zu Boden sinken. „Alles okay?“ „Sehe ich so aus?“, eine Augenbraue wandert nach oben. „Ähm nein, es tut mir leid, du bist noch etwas mitgenommen, ich hätte dich nicht überforde-…“ „Hast du nicht“, korrigiere ich schnell und ziehe den Korb zu mir. „Jetzt lass mich mal gucken, kann ja gar nicht sein, dass das Ding so schwer ist und da nur Flaschen und ein paar belegte Brote drin sind.“, ich räume die Lebensmittel sorgfältig aus und inspiziere interessiert den Korb. Der Boden scheint ziemlich dick, vielleicht ist da irgendwo ein Geheimfach. Meine Finger erfassen eine Schnur und ich ziehe daran. Etwas Hartes fliegt gegen meine Schultern und ich werde zurück geschleudert. Als ich meine Augen blinzelnd öffne sehe ich einen großen, durchsichtigen Luftballon. Oder ist es eine Glaskugel. Ich taste nach dem durchsichtigen Stoff. Es fühlt sich leicht an, jedoch sehr fest und undurchdringbar. „Das nenne ich eine Überraschung“ Ich drehe mich um. Legolas steht etwas benommen dicht hinter mir. „Ein Schutzwall“, stelle ich fest und fange an um das Ding herum zu schleichen. „Ja, ich bin gespannt, was drin ist. Allerdings müssen wir erst den Eingang finden.“, lächelt er. „Wieso? Es sieht doch alles so aus wie eben.“, angestrengt kneife ich die Augen zusammen. „Nein“, er schüttelt den Kopf, „es ist wie das Zelt, weißt du. Bloß dass innen drin viel mehr sein kann. Dort könnte ein großes Feld liegen, oder das Auenland, oder das schönste Fleckchen von ganz Mittelerde und wenn du Pech hast, kannst du sogar in Mordor landen.“, erklärt er. „Aber davon droht keine Gefahr, oder?“, hake ich nach und betrachte die durchsichtige Kugel misstrauisch. „Nein, dort gibt es keine Orks, oder sonst schlimme Kreaturen. Meistens kommt man auch dahin, wo sich die Person hin wünscht.“, erwartungsvoll sieht er mich an. „Ich habe mich in dem Moment nirgendwo hin gewünscht.“, ich runzele die Stirn. „Dann lass uns schauen, wohin uns die Magie der Kugel hingebracht hat“, er nimmt meine Hand und berührt eine bläulich schimmernde Stelle, die mir vorher nicht aufgefallen war. Der Boden unter meinen Füßen ist weg, einfach weg. Da ist gar nichts und ich spürte wie ich schwebte, irgendwo in hellem Licht. „Legolas?“, rufe ich verzweifelt. „Ich bin hier. Keine Angst. Die Kugel überlegt noch wo sie uns hinschickt.“, seine warme Stimme beruhigt mich etwas. „Hoffentlich dahin, wo unser Essen ist.“, murmele ich leise. Mir ist die Situation einfach nicht Geheuer. Plötzlich schlagen meine Füße unsanft auf hartem Fußboden auf. „Tut das immer so weh?“, will ich von Legolas wissen, der sich schon locker umschaut. Ich rappele mich auf. Die Essenshalle? „Oh super, die hätten wir auch so haben können, ohne dass wir uns beinahe die Köpfe aufschlagen“, sage ich sarkastisch. „So sind wir wenigstens im vertrauten Umfeld und ungestört“, er zuckt mit den Schultern. „Vermutlich sind wir hier gelandet, weil du Essen gesagt hast.“ Okay, das funktioniert also mit Stichwörtern. „Gut dann lass uns was anderes probieren“, schlage ich vor. „Das ist kein Spielzeug“, erklärt er mahnend. Doch ich kann die Neugier in seinen Augen erkennen. „Komm schon, noch zweimal. Einmal ich, einmal du und dann entscheiden wir, wo es am besten war“, ich sehe ihn bittend an. „Okay“, sagt er gedehnt. „Gut“, ich überlege kurz, „hübsche Lichtung im Wald“ Das Bild der Essenshalle verschwimmt und ein anderes setzt sich langsam zusammen. Federweiches Gras macht sich unter meinen Füßen bemerkbar und ich höre bereits das Rauschen eines kleinen Baches. Das Bild wird scharf und eine wunderschöne Waldlichtung zeigt sich in ihrer besten Blüte. Viele Blumen wachsen auf der Wiese und Vögel zwitschern. „Gute Wahl“, murmelt Legolas leise. „Ich denke, das sollten wir so lassen“, flüstert er und küsst mir sanft von hinten auf die Wange. „Was ihr auch für wundersame Dinge besitzt“, sage ich fasziniert zu ihm. Er nickt leicht und bedächtig. „Wir sollten jetzt aber zum Punkt kommen, ich denke du weißt warum wir reden müssen“, sein Blick wir schmerzlich. „Ja, das weiß ich“, ich lasse mich in das kurze Gras gleiten. „Ich habe einen Entschluss gefasst. Ich werde mit meinem Vater heute Abend sprechen.“, er schaut mir tief in die Augen, „ Nachdem er die ersten paar Gläser Wein getrunken hat, sollte er genießbarer und lockerer sein.“ Er stockt kurz. „Ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht dich und Tauriel mitnehme. Ranesis und Anoras werden ebenfalls dabei sein, weil sie die engsten Berater von ihm sind.“, er guckt mich fragend an und setzt sich dicht neben mich ins Gras. „Ich denke, das ist keine gute Idee. Ich weiß nicht, wie ich mich verhalten werde und du schon gar nicht“, zärtlich streiche ich ein blondes Haar zurück und sehe ihm in die Augen. „Wie wirst du versuchen ihn zu überzeugen?“, frage ich schließlich leise. „Ich weiß es nicht“, seine Augen werden dunkel. Vorsichtig lehne ich mich gegen seine Schulter. „Was wird aus uns, wenn er nicht einverstanden ist, wenn du ihn nicht überzeugt kriegst?“, meine Stimme zittert etwas. Die Antwort ist für mich klar. Allerdings will ich nicht die Einzige sein, die so gut wie keine Hoffnung mehr hat. „Ich werde dich nie aufgeben. Egal was passiert, ich liebe dich. Wenn mein Vater es nicht akzeptiert dann“, seine Fingerspitzen streichen über meine Wange, „werden wir verschwinden. Irgendwo hin, alleine.“ „Das war die kitschigste Liebeserklärung die ich je gehört habe“, grinse ich. „Ich sage nur die Wahrheit und du hast die Stimmung kaputt gemacht“, flüstert er lächelnd und gibt mir einen leichten Kuss, den ich gerne erwidere. „Was für eine Stimmung? Selbst wenn eine da war, war sie nicht besonders gut“, ich ziehe eine Augenbraue hoch. Er zuckt mit den Schultern und rückt näher an mich heran. „Das ließe sich ändern“ Zärtlich streicht er an meinen Gesichtskonturen entlang bis seine Hände an meiner Taille liegen. „Du bist echt unverbesserlich“ „Kann schon sein“, murmelt er und ehe ich mich‘s versehe liege ich auf dem Rücken, er über mir, die Arme rechts und links von meinem Gesicht aufgestützt. „Weißt du, manchmal bist du etwas zu stur“, flüstert er leise. Ich lächele. „Aha?“ Er nickt und berührt mit den Lippen meinen Mund. Der Kuss ist sanft und zärtlich und durchströmt meinen ganzen Körper. „Ja, aber irgendwie ist es ziemlich sexy“ Wieder küsst er mich, dieses Mal länger und intensiver. Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Ich glaube, da bist du so ziemlich der Einzige, der es sexy findet“ Lächelnd schlinge ich meine Arme um seinen Hals. Er lässt die Hand über meine Taille bis zum Oberschenkel gleiten, bevor er entschlossen mein Bein über seine Hüfte zieht. „Außerdem bin ich nicht stur, ich bin-…“ „Ungezogen?“ Ich erschaudere als er mich in die Halsgrube küsst. „Ja klar, ungezogen. Und du bist artig, nicht wahr?“ „Mhmm“, er vergräbt das Gesicht in meinem Haar, während er sich langsam aufrichtet und mich mitzieht. „Sicher, du Unschuldsengel“, „Das habe ich nie behauptet, ich bin-…“ Ich schlinge auch das zweite Bein um seine Hüfte. „Ungezogen?“ Er lacht leise, setzt mich auf einen niedrigen Ast einer alten Eiche ab und haucht mir mehrere Küsse auf die Wange. Ich lege eine Hand auf seiner Schulter ab und erwidere seine Aufmerksamkeit intensiv. „Legolas?“, murmele ich nach einiger Zeit. „Was?“, fragt er leise und streicht mir eine leichte Locke aus dem Gesicht. „Wir sollten uns auf den Heimweg machen“ Er nickt und gibt mir einen letzten langen Kuss. Ich lasse mich von dem Ast gleiten und trete dicht an die bläulich schimmernde Kugel heran. Meine Finger gleiten sacht hindurch und ich spüre keinen Widerstand. Entschlossen gehe ich hindurch. Die Sonne steht hoch am Himmel und ich bin froh, dass ich wieder vertrautes Laub unter meinen Stiefeln spüren kann. Legolas steht einen kurzen Augenblick später hinter mir. Und wie verschwindet das Ding jetzt wieder. Ich drehe mich um und… Da ist nichts mehr, der Korb steht leer in der Mitte der Lichtung. Ein Problem weniger, das ich zu bewältigen habe. Maddy, Maddy, das hätte ich dir gar nicht zugetraut. Wo hat sie dieses Teil her, oder weiß sie gar nicht davon? Das Zwinkern könnte bedeuten, dass sie davon wusste. Allerdings würde ich dieses Teil, keines Falls hergeben, wenn ich es besitzen würde. Es ist doch extrem wertvoll. Ich stehe vor dem Korb und umfasse mit beiden Händen den Griff, mich auf die Schwere bereitmachend. Mit aller Kraft hebe ich ihn hoch und stolpere etwas unbeholfen nach hinten, fange mich jedoch schnell wieder. Der Korb ist leicht. Viel leichter als vorher. Es sind nur die Lebensmittel draußen. Vermutlich freuen sich gerade zwei andere Personen über belegte Brote und Saft. Dort, wo diese komische Kugel das Essen hingeschickt hat. „Soll ich dir helfen?“, bietet Legolas sich an. „Ach wo, ich habe doch schon auf dem Hinweg gesagt, dass er federleicht ist“, winke ich ab und hüpfe fröhlich pfeifend Richtung Zuhause. Oder was Thranduils Hallen auch immer für mich sein mögen. Legolas klappt die Kinnlade runter. Ob die Hallen mein Zuhause sind, werde ich wohl erst heute Abend in Erfahrung bringen können. Vielleicht ist es ja doch besser wenn ich zum Gespräch mitkomme. Ich habe ja ein gewisses schauspielerisches Talent. Wird wohl nicht so schwierig werden, so zu tun, als wisse ich nicht, wovon Legolas spreche.
    Ich verabschiede mich mit einem flüchtigen aber sanften Kuss von Legolas. Er sagt, dass er mich holen wird, kurz bevor er mit seinem Vater spricht. Mit dem leichten, leeren Korb in der Hand mache ich mich auf den Weg zur Küche, um Maddy ihren wundersamen Korb wiederzubringen. „Ah Glaur, da bist du ja wieder. War es schön?“, fragt sie und schließt mich wie immer in ihre Arme. „Komm setz dich, ich brühe uns schnell eine Kanne Tee auf.“ Ich werde etwas rot um die Wangen und winke leicht beschämt ab. „Nein danke Maddy, es ist lieb, aber ich habe keinen Durst“ „Tee kann man immer Trinken und ein zweites Mittag kann man auch essen, hier“, sie stellt einen Teller mit Keksen auf den Tisch. Da kommt mal wieder der Hobbit in ihr durch. Warum sie keiner geworden ist, finde ich wirklich fragwürdig. Sie ist schließlich sehr klein und hat für eine Elbin, ziemlich große Füße. Ich weiß nicht, ob sie so behaart sind, aber man kann ja nie wissen. Bei dem Gedanken an Maddys haarige Füße muss ich grinsen. „So Kindchen, wie war’s?“, fragt sie neugierig. „Schön, danke“, wehre ich ab und stecke mir schnell einen Keks in den Mund, um ihren Fragen auszuweichen. Schokolade, lecker. „Hier dein Korb“, murmele ich und schiebe ihn, zu ihr herüber. „Ach, behalte ihn. Der ist schon so alt und schäbig, den will doch keiner mehr haben. Ich hatte gehofft, ihr würdet ihn verlieren, weil ihr mit etwas anderem beschäftigt seid“, wieder zwinkert sie. Maddy weiß also nichts, von diesen gewissen magischen Kräften, die ihr Picknickkorb besitzt. Ich runzele die Stirn. „Maddy, deine Andeutungen sind etwas rätselhaft.“ „Ach komm schon, Glaur. Ich war auch mal so jung, wie du und Legolas. Glaube mir, die Blicke, die ihr euch zuwerft, kann ich ganz leicht deuten. Da magst du noch so viel schauspielerisches Talent haben, meine Liebe. Die Seele hinter den Augen, lässt sich nicht verstecken. Zumindest nicht vor mir. Selbst Thranuil weiß es nicht. Ich bin überrascht und frage mich, wie viele wissen eigentlich von eurer Beziehung?“, ihre Stimme klingt ruhig, aber etwas gekränkt. Meine Augen weiten sich. „Du bist sehr besonders Glaur. Ich weiß nicht was an dir so besonders ist. Aber gleich, als ich dich das erste Mal sah, strahltest du eine so reine Aura aus, wie ich sie noch nie wahrgenommen habe. Manche Elben spüren das, sie wissen bloß nicht warum und wieso. Deshalb fürchten sich manche. Aber die, die ihre Furcht überwunden haben, lernen dich lieben. Diejenigen Elben, die keine Angst mehr vor deiner Gegenwart haben, trauen sich nicht dich anzusprechen, weil sie glauben, dass du etwas Besseres als sie verdient hast.“, sie stockt kurz, als könnte sie nicht glauben, dass sie mir das alles verraten hat, „aber zurück zu meiner Frage, wie viele wissen von dieser verbotenen Beziehung?“, sie schaut mir tief in die Augen und ein kalter Schauer fährt meinen Rücken hinunter. Schnell nippe ich an meiner Teetasse und verbrühe mir glatt die Zunge. „Nur vier, Tauriel, Arwen, Anoras und du.“, ich erwidere ihren festen Blick. „Was ist mit Tauriels Verlobten?“, hakt sie nach. Ich schüttele den Kopf, aber momentmal. „Woher weißt du, dass Tauriel verlobt ist?“, frage ich verwirrt. „Sie war auch vorhin, hier. Mit diesem Typen, ach, ich vergesse immer wieder seinen Namen, Rinase oder so-…“ „Ranesis“ „Wie auch immer, sie waren hier und ich konnte ihre Aura erkennen. Die von Risanes kannte ich natürlich nicht aber-…“ „Ranesis“ Sie winkt mit einer Hand ab. „Aber Tauriels hatte sich verändert. Ich konnte ganz leicht ablesen, dass sie verlobt ist und da sie immer wieder diesen Schnösel auf den Mund geküsst hat, war es nicht schwer zu erraten, wer die Glückliche ist. So, du solltest jetzt gehen. Ich habe noch eine Menge zu tun. Bis zum nächsten Mal Glaur“, sie steht ruckartig auf und fegt mich vom Hocker. Ich stolpere etwas und verabschiede mich mit gerunzelter Stirn. Immer noch etwas verwirrt, von Maddys überraschender Reaktion, mache ich mich auf den Weg zu der Terrasse. Ich brauche jetzt etwas Gesellschaft, wenn ich mich nicht ablenke, würden meine Gedanken nur an dem bevorstehenden Gespräch mit Thranduil kleben bleiben. Vom kleinen Saal aus, in dem auch die Party stattgefunden hat, höre ich Gelächter und Gespräche. Es sitzen mehrere fröhliche kleine Versammlungen auf der Terrasse und quatschen ausgelassen. Ich werfe einen flüchtigen Blick auf die Uhr. Dienstschluss. Ihr Geplapper verstummt schlagartig, als ich die Plattform betrete. Wie gewohnt, setzt augenblicklich danach lautes Getuschel ein. Ich nicke den Grüppchen freundlich aber schüchtern zu und gehe langsam hindurch. Siedend heiß spüre ich die neugierigen Blicke im Rücken, aber manche wenden auch angstvoll die Köpfe ab, wie Maddy gesagt hat. Viele sind neugierig, aber noch mehr haben Angst. Ich bleibe vor einer kleinen Gruppe von zwei Elbinnen und einem Elb stehen. „Hey, ich bin Glaur. Darf ich mich setzen?“, frage ich höflich und deute auf ein Fleckchen der grauen Mauer, auf der sie es sich bequem gemacht haben. Die Elben wechseln untereinander fragende Blicke. „Ähm ja, setzt Euch“, die dunkelhaarige Elbin rückt etwas näher zu ihrer dunkelblonden Freundin, um mir Platz zu machen. Oder um vor mir zurück zu weichen. Der Elb betrachtet mich neugierig. „Seit Ihr nicht die, die mit Tauriel und Legolas die Grenzwachen führt?“, fragt er schließlich und betrachtet mich mit zusammen gezogenen Augenbrauen. „Ja, vermutlich“, antworte ich ihm und lächele zaghaft. „Alle reden über Euch“, sagt die Blonde schnippisch. „Ich habe es mir nicht ausgesucht“, ich zucke mit den Schultern, „und ehrlich gesagt, interessiert es mich nicht die Bohne, was andere über mich sagen. So lange ich noch selbst weiß, was war ist und was nicht.“ Die Augen der Dunkelhaarigen werden groß. „Ihr wisst wirklich nicht, was über Euch geredet wird, oder?“ „Nein, ich weiß es nicht und unbedingt wissen, will ich es auch nicht. Aber da ich davon ausgehe, dass ihr es mir sowieso erzählen werdet“, ich seufze und lehne mich zurück, mich darauf vorbereitend, dass sie mir die übelsten Gerüchte an den Kopf knallen werden. Das Getuschel hat sich gelegt und die ersten verlassen die Terrasse wieder. „Es heißt Ihr wärt eine Zauberin, die Tochter von Galadriel und Ihr versucht, dass der Düsterwald untergeht und Galadriel die alleinige Herrschaft über Mittelerde erlangt“, die Blonde fährt dem Elb über den Mund. „Pscht“, ihre Augen blitzen. Ich breche in lautes Gelächter aus. Die Dunkelhaarige schaut mich erschrocken an. „Was?“, lache ich. „Für so kreativ hätte ich beim besten Willen niemanden gehalten“, ich schnappe prustend nach Luft. Sie gucken mich entgeistert an. „Okay, lasst mich noch eine hören, es gibt doch bestimmt viele Theorien, über mein plötzliches Auftreten, oder?“ Die Dunkelhaarige nickt eifrig. „Ihr seid von Gandalf verzaubert worden und sollt uns ausspionieren. Jeder hier weiß, wie neugierig Gandalf ist und er würde am liebsten alle Geheimnisse herausfinden. Zauberer lieben Rätsel.“ „Woher wisst ihr eigentlich, dass ich Gandalf den Grauen kenne?“, frage ich nachdenklich. „Ihr seit die Geliebte von dem Neffen, von Thorin Eichenschild. Der rechtmäßige Erbe von Erebor. Und die Zwerge waren mit Gandalf unterwegs, wie man aus dem Verhör entnommen konnte“, die Blonde hebt arrogant den Kopf. „Klar, Geliebte eines Zwergs. Hört sich irgendwie widerlich an“, ich nicke wissend. „Ebendrum“, ihre Augen sind zu Schlitzen zusammengezogen. „Und das glauben alle?“, frage ich. „Nein, nur manche Leute. Aber der Großteil glaubt überhaupt keinen Gerüchten mehr, da es so viele unterschiedliche gibt. Allerdings machen es sich viele zum Hobby sich interessante Dinge über Euch auszudenken und sie beim nächsten Dienstschluss heraus zu posaunen.“, der Elb beugt sich dicht zu mir vor. Ich weiche etwas zurück. „Wie schön, dass ich euch beschäftigen kann“, stelle ich fest. „Und was glaubt ihr so über mich?“, meine Stimme erduldet keinen Widerspruch. Wieder werfen sie sich fragende Blicke zu. „Naja, eigentlich nichts so richtig. Man hört mal das und mal das und man lacht darüber, aber glauben tun wir nichts“, die Dunkelhaarige nickt zustimmend. „Okay, dann gehe ich jetzt mal wieder, ich habe noch zu tun“, verabschiede ich mich schnell. „Tschüß“, rufen die drei im Chor und irgendwie hoffe ich, dass ich sie nicht wiedersehen muss. Das Gespräch war alles andere, als angenehm. Ich eile durch die Flure, ich bin ziemlich spät dran. Hoffentlich vermisst mich noch niemand und schickt eine Patrouille raus um mich von dem unteren Rand einer Klippe aufzusammeln. Ich muss grinsen. „Hey, wir warten schon alle“, Tauriel rennt auf mich zu und schließt mich in die Arme. „Wie geht’s dir?“, kritisch mustert sie mich. „Anscheinend besser als dir“, antworte ich und betrachte besorgt ihre zitternden Gliedmaßen. „Das legt sich gleich, du solltest dir lieber um Legolas Gedanken machen“, wehrt sie ab und schiebt mich in ihr Zimmer. In dem Anoras, Ranesis und Legolas unruhig auf und abgehen. Ich begrüße sie kurz und knapp und erfahre von Anoras in wenigen Worten, dass er Ranesis bereits eingeweiht hatte, bevor er zu mir kam. Es macht mir nicht viel aus und ich winke nur ab. Bringen tut es sowieso nichts, wenn ich mir jetzt unnötigen Stress mache. „Gut dann lasst uns, alles einmal kurz besprechen“, angespannt setzt Legolas sich und faltet seine Finger. „Ihr geht vor und kündigt an, dass ich gerne mit meinem Vater sprechen würde, Glaur, Tauriel, ihr beiden kommt gleich nach den Beiden rein und stellt euch an die Seite, zu den anderen Wachen. Ich werde ebenfalls kurze Zeit später eintreten. Den weiteren Verlauf werden wir schlecht planen können. Ihr wisst aber, wie es weitergeht, wenn ich ihn nicht überzeugt kriegen sollte.“, er schaut mir tief in die Augen und ich schüttele als Einzige leicht den Kopf, während die anderen monoton Nicken. „Erklär ich dir später“, flüstert er. „Gut, dann lasst uns gehen“, Ranesis steht bereits auf. „Legolas? Wirst du Glaur namentlich erwähnen?“, fragt Anoras ernst. „Ich weiß es nicht“ Sanft nimmt er meine Hand und wir marschieren im Gänsemarsch Richtung Thronsaal. „Was werden wir tun, wenn es dir nicht gelingen sollte?“, ich bin meiner Stimme sehr dankbar, dass sie nicht zittert. „Tauriel wird schnell mit dir ins Zimmer gehen und packen, während Anoras mit mir kommt. Ranesis wir Celeb und Rusco holen“, ich höre den Schmerz in jedem einzelnen Wort. „Alles wird gut, das schaffst du schon“, murmele ich. Das hoffe ich zumindest.

    13
    Ich möchte euch erst einmal danken, dass ihr euch überhaupt die Zeit nehmt so eine Anfängergeschichte zu lesen. Glaubt mir, ich hatte nicht vor eine Liebesgeschichte daraus zu machen. Eigentlich sollte es nur eine kurze Abenteuergeschichte werden. Aber naja, dann ist Legolas ins Spiel gekommen. Ich sage jetzt mal einfach, dass Legolas immer gut für die Quote ist. Ehrlich jetzt, Legolas ist der Fanfiktionschwarm schlecht hin. Und es gibt unendlich viele Liebesgeschichten mit ihm. Ein wenig traurig, dass meine eine von vielen sein wird. Fanfiktion eignet sich immer am besten zum Anfangen von Geschichtenschreiben. Da das wirklich Komplizierte ist, sich Charakterfiguten und wenn möglich sogar Welten auszudenken, in denen die Geschichte handelt, ist es besser man hat solche schon vorgegeben und kümmert sich meist nur um den selbst erdachten Hauptprotagonisten. Der oft, dem eigenen Charakter ähnelt. Es ist nämlich extrem schwierig gewisse Charakterzüge zu berücksichtigen, die eure Person einzigartig machen soll, wenn ihr selbst ganz anders tickt. Bevor ihr also eigene Geschichten entwickelt, guckt euch einen schönen Film oder ein spannendes Buch aus und schreibt Fankfiktion. Okay sorry, ich habe euch jetzt mit ziemlich unsinnigen Zeug's belästigt. Entschuldigung, manchmal rutscht mir sowas schnell mal raus. Jedenfalls, vielen Dank noch einmal und vielleicht bis zum nächsten Teil. Denn ja, ich habe wirklich vor einen weiteren Teil zu schreiben. Weil ich weiß, ich habe da aufgehört, wo es am spannendsten war.

Kommentare (4)

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Aras ( von: Aras)
vor 95 Tagen
Es freut mich, dass sie euch gefällt.😄 Wahrscheinlich müsst ihr euch aber noch etwas gedulden, da mein Terminkalender in den nächsten Monaten ziemlich voll ist.😢
Dark-Secret (59857)
vor 95 Tagen
Ich finde dir ist die Fanfiktion gut gelungen und ich würde mich über eine Fortsetzung freuen.
dragon girl (36500)
vor 97 Tagen
coole story schreib doch bitte weiter es grad so spannend
legolas 03 (09370)
vor 97 Tagen
Mir gefällt deine Geschichte mega gut und hoffe du schreibst bald weiter😉