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Das vergessene Feuer der Drachenwandler

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5 Kapitel - 6.118 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-08-25 - Entwickelt am: - 403 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Vor Jahrtausenden schlossen die mächtigsten Magier und Unsterbliche einen Pakt mit einigen Drachen, die der Hetzjagd entkommen waren und versuchten, sich vor den Drachenjägern zu verstecken. Sie verbanden sich zu einem Volk den Drachenwandlern. Ihre Nachkommen konnten sowohl zu Drachen werden als auch mit ihrer menschlichen Gestalt sich unter ihre Feinde mischen. Die meisten von ihnen starben, weil sie, sobald ihre Tarnung aufflog selbst von ihren Gefährten und menschlichen Freunden verraten wurden. So begannen sie sich zurückzuziehen. Verkannt, verraten und vergessen – die Drachenwandler gerieten ins Dunkle der Geschichte bis die Letzte ihrer Art, Rowena Moriel im Kampf gegen Smaug wieder ins Licht der Öffentlichkeit trat. Wird sie ihren Zorn und Hass gegenüber den Verrätern fallen lassen? Kann die Liebe eines Mannes ihr verletztes Herz heilen? Und wie viel von dem Monster, das die Elben Loriens in ihr sahen steckt wirklich in ihr?

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    Steckbrief der Hauptperson Name: Rowena (Beiname Moriel -> elb. „schwarz, dunkel“) Alter: geboren um 500 im Ersten Zeitalter Volk: Drachenwandl
    Steckbrief der Hauptperson

    Name: Rowena (Beiname Moriel -> elb. „schwarz, dunkel“)
    Alter: geboren um 500 im Ersten Zeitalter
    Volk: Drachenwandler (nahezu unsterblich)
    Familie: unklar ob sie tot sind oder noch leben
    Freunde: Thorin, Fili und Kili
    Feinde: Elben, Orks, Menschen, Sauron & Morgoth
    Aussehen (menschlich): rote Haare, schwarzblaue Augen, 1,87m groß, schlank, kräftig
    Aussehen (Drache): rote Schuppen, glühende goldene Augen, Flü-gelspannweite 8 m, messerscharfe Klauen und Reißzähne
    Waffen: zwei große Schwerter, Armbrust, Wurfpfeile, Dolche, Würgedraht, Peitsche mit Eisenhaken
    Gaben: Illusionszauber, heilen, Gedankenlesen, töten mit einem einzigen Gedanken, Feuer
    Charakter: grimmig, kühl, verschlossen, vergisst niemals etwas, hält wenig von Vergebung, mit Freunden Mitgefühl, zielstrebig, hasst Ungerechtigkeit und Verräter
    Tabuthemen: Ihre Zeit bei den Elben, Drachenwandler allgemein, ihre Vergangenheit

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    Wie viele Jahrtausende seit Morgoths Verbannung und Saurons Schreckensherrschaft vergangen waren interessierte mich nicht. Die Welt draußen ging mich nichts an. Nicht mehr. Warum sollte ich jenen helfen wollen, die mich verspottet, belächelt und verhöhnt hatten? Als ich damals gegen Ancalagon gekämpft hatte waren es die Elben gewesen, die mich solange mit ihren Pfeilen beschossen, bis ich vom Himmel fiel und mit gebrochenen Gliedmaßen in meinem eigenen Blut direkt vor den Füßen des Drachen landete. Er hatte mich ausgelacht. Unter Schmerzen hatte ich meine halbwegs menschliche Gestalt angenommen, aber niemand kam mir zur Hilfe. Nicht einmal Celeborn, dessen Blick ich noch auffing, ehe er sich abwandte. So viel zu Solidarität unter Freunden. Elben konnte man nicht trauen. Erst recht keinen, die von ihren Anführern nicht einmal davon abgehalten wurden, ein Kind zu quälen - nur weil es offensichtlich nicht zu ihrem Volk gehörte. Mein Vertrauen zu Celeborn und Galadriel war schon als ich knapp zwanzig war gebrochen. Ich verließ sie und schlug mich alleine durch die Welt.
    Zwiespältig beobachtete ich nun wie die Orks sich gerade über die Zwerge und einen Halbling unterhielten, sie sogar bedrohten. Sollte ich eingreifen? Aber sobald ich Feuer spie, würden alle verbrannt werden nicht nur die Orks. Außerdem waren die Tunnel, die Orks bevorzugten die perfekte tödliche Falle für einen Drachen. Hinzu kam, dass ich das Nahen eines Zauberers bemerkte. Er würde ihnen sicher helfen. Schweigend wandte ich mich ab und verließ die Berge um die frische Luft einzuatmen. Die dunkle Energie die im Nebelgebirge schlummerte zerrte nach wie vor an mir. Es erinnerte mich an die Macht des Ringes, den Sauron getragen hatte. Nach wie vor fragte ich mich, ob ich nicht hätte verhindern können, das der Schatten völlig Besitz von ihm ergriff. Vielleicht hätte ich ihn heilen können. Aber ich war zu lange allein, gefangen und gefoltert worden um jemanden zu trauen der so gezielte Fragen nach meiner Vergangenheit stellte. Ich würde es wohl nie erfahren. Schweigend setzte ich mich in Bewegung. Anders als viele Drachen hatte ich nie das Verlangen gehabt Reichtum zu horten geschweige darauf zu schlafen. Meine raubtierhaften Instinkte hatte ich unter Kontrolle. Die Drachen galten als ausgestorben und ich selbst war längst vergessen worden. Zum Glück. Ich hatte die Drachenjäger gar nicht geschätzt. Die raue Schönheit der Nebelberge erreichte mich längst nicht mehr. Mit den Jahren war mein Herz versteinert. Ich empfand weder Angst, Hass, Schmerz, Trauer, Freude oder Glück. Endlose Monotonie. Wenn ich tötete geschah es ohne jegliche Reue. Meine Gefühle waren vergessen und begraben. Nur so hatte ich überleben können. Morgoth war ein Meister in Manipulation gewesen. Hätte ich zugelassen, das ich in seiner oder in der Nähe seiner Diener Gefühle zeigte wäre ich entweder tot oder hätte Mittelerde zerstört.
    Es spielte ohnehin keine Rolle mehr. Als ich durch die dichten Wälder streifte nahm ich den vertrauten Geruch von Wargen auf. Die Vögel verstummten und die meisten Tieren flohen zitternd vor Angst davon. Sie spürten die tödliche Gefahr. Ein Raubtier das nur von seinesgleichen bezwungen werden konnte. Der Drache in mir streckte sich zufrieden und schärfte die Klauen. Oh ja, es gefiel uns beiden, das es kaum echte Feinde mehr gab. Orks waren ein netter Zeitvertreib aber kaum einem Gedanken wert. Ich lächelte und berührte mit der Zunge meine scharfen Zähne. Hunger war die einzige Empfindung die ich regelmäßig verspürte neben der Vorfreude die Zähne in die Beute zu schlagen. Ohne Eile folgte ich dem verräterischen Herzschlag. Es viel mir nicht schwer den jungen Warg zu erkennen. Dumm das er sich von seinem Rudel entfernt hatte. Der Wind drehte sich und er witterte mich. Verängstig jaulte er auf und wirbelte herum. Ich schlug die Kapuze zurück. Angst durchsetztes Blut schmeckte besonders köstlich. Für den Warg gab es kein Entkommen mehr. Meine Hände krümmten sich zu tödlichen Klauen und ich lächelte boshaft. Er versuchte zu fliehen. Grimmig ließ ich den Drachen übernehmen. Gnadenlos presste ich den Warg auf den Boden, die Zähne in seiner Kehle versenkt. Er versuchte dem tödlichen Biss zu entkommen hatte aber keine Chance. Mit einer einzigen ruckartigen Bewegung riss ich ihm den Kopf ab und versengte das Fell. Schön gebraten verzehrte ich das saftige Fleisch. Für den Augenblick war der Hunger gestillt. Aber ich hatte Blut geleckt und Appetit bekommen. Ich lächelte und ging weiter. Zeit, sich um meine Bedürfnisse zu kümmern. Hungrig waren Drachenwandler unausstehlich und sehr aggressiv.
    Es war Abend als Bewegung oben entstand. Anscheinend war es den Zwergen gelungen zu fliehen. Wachsam lauschte ich. Sechzehn Herzschläge. Der Zauberer und der kleine Halbling mussten ebenfalls entkommen sein. Nur half ihnen das wenig, da sie bereits zu viel Aufmerksamkeit erregten. Warge und Orks. Aufmerksam konzentrierte ich mich auf die angeblichen Könige der Lüfte. Sie würden den Reisenden zur Hilfe kommen. Noch waren sie weit entfernt, aber das würde sich bald ändern. Also kein Grund unnötig Energie zu verschwenden. Die seltsame Gesellschaft würden entkommen. Die Adler würden sie retten. Ruhig ging ich weiter. Mir war es ohnehin viel lieber mich von anderen fernzuhalten. Dol Guldur war mein nächstes Reiseziel. Saurons Geist verschanzte sich dort und verbreitete seinen Schrecken im Waldreich. Höchste Zeit ihn daran zu erinnern, das selbst ihm Grenzen gesetzt waren. Freudlos lächelte ich.
    Alles verlor zunehmend an Bedeutung. Wenn ich jemanden fragen würde, ob er sich an eine Rawena Moriel erinnerte, wäre die Antwort ein Nein. Das gleiche Ergebnis bekäme ich, wenn ich nach den Drachenwandlern fragte. Wir waren in Vergessenheit geraten oder wie ein grauenhafter Albtraum verdrängt worden. Nicht sonderlich schmeichelhaft aber mit einiger Zeit gewöhnte man sich daran. Ich brauchte keine Gesellschaft oder Leute die neugierig Fragen nach meiner Vergangenheit stellten.

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    60 Jahre waren seit Smaugs Tod vergangen und ich langweilte mich unendlich. Die Welt bot einfach keine echten Herausforderungen mehr. Es war unerträglich! Besonders nach dem Tod von Thorin. Ich hätte nicht gedacht, das eine Drachenwandlerin einen Zwerg lieben könnte zumal er mir anfangs mit seiner Art auf die Nerven gegangen war. Leider hatte ich ihn nicht davon abhalten können zum Erebor zurückzukehren und den launischen Smaug, den ich noch von meiner Gefangenschaft und einigen zufälligen Treffen kannte, aufzuwecken. Eine dumme Idee, denn Saug war alles andere als ein harmloser Zeitgenosse, im Gegenteil. Er war gierig, egoistisch, verblendet, bösartig und tückisch. Ihn aufzuwecken und herauszufordern kam einem Selbstmord gleich. Die Zwerge und die Menschen der Seestadt hatten einen hohen Preis bezahlt. Zu hoch meiner Meinung nach. Viel zu viele waren entweder durch das Drachenfeuer gestorben, im See ertrunken oder in der Schlacht der fünf Heere gefallen. Unter ihnen auch Thorin, Fili und Kili. Ich hatte sie nicht retten können. Von Verstand her wusste ich es, dennoch machte ich mir Vorwürfe. Vielleicht hätte Thorin noch Vernunft angenommen, wenn ich nicht kaum das Smaug in Richtung Seestadt flog, den Erebor verließ. Aber ich hatte die Menschen nicht sterben lassen wollen. Dabei kannte ich die Risiken, die Drachengold sowie das Feuer der Drachen bargen. Gegen Verbrennungen durch das Drachenfeuer gab es kaum ein Heilungsmittel. Die meisten nützlichen Heilpflanzen waren längst zerstört worden oder verschwunden. Drachen, die besonders lange auf einem Schatz lagen hatten (sofern sie von bösartiger Natur waren) einen negativen Einfluss auf sämtliche Energieströme in der Umgebung. Ihre Bosheit sowie ihre Magie, verdarb das Gold und belegte es mit einem Fluch, der kaum aus eigener Kraft gebrochen werden konnte. Thorin war laut Bilbos Erzählungen von dieser Krankheit, diesem Fluch, heimgesucht worden hatte sie aber am Ende überwunden.
    Nicht, dass es ihm letzten Endes viel gebracht hatte. Ich hatte ihn nur einmal von weitem gesehen, während er kämpfte. Es waren zu viele Orks zwischen uns gewesen, als dass ich ihn schnell erreichen oder rufen konnte. Seine Kühnheit hatte mir einerseits Sorgen gemacht, auf der anderen respektierte ich ihn als Krieger umso mehr. Er war gestorben und ich war nicht da gewesen, um es zu verhindern. Ich seufzte und blickte auf meine Hände hinab. „Woran denkt Ihr Rawena?“ Erkundigte sich der Zauberer neugierig. Wir waren uns kurz begegnet und ich hatte mich ihm angeschlossen. Es erinnerte mich ein wenig an unsere Reise, nachdem wir Bilbo in seiner Heimat abgeliefert hatten. Ach ja, alte Zeiten und alte Freunde. Wie sehr ich es doch vermisste, wieder das Gesicht meines störrischen Lieblingszwerg zu sehen. Aber er würde nie wieder mit mir lachen oder mit mir streiten.
    „An die Vergangenheit. Ich hoffe Thorin und den Zwillingen geht es gut, wo auch immer sie sind.“ Gandalf lächelte mich wissend an.
    „Er würde nicht wollen das Ihr trauert meine Liebe. Er liebte Euch wirklich.“ Ich lächelte und sah mich um. Der Zwerg hatte mein Herz wieder zum Leben gebracht und kaum das ich mir meiner Gefühle wirklich bewusst waren es mit sich ins Grab genommen. Aber es stimmte. Nach anfänglichem gegenseitigen Misstrauen hatte unsere Beziehung eine entscheidende Wendung genommen. Er hatte mich mit allem akzeptiert was ich war. Eine Meisterleistung wie ich sehr wohl wusste. Bei seiner Erfahrung mit Drachen hätte ich nie geglaubt das er jemals eine Drachenwandlerin lieben konnte. Er war schon tot gewesen als ich ihn fand. Ich hatte ihm nicht einmal sagen können wie sehr ich ihn liebte. Das schmerzte mich am meisten. Doch das alles war Vergangenheit. Über meine Zukunft würde ich mir keine Gedanken machen. Zeit war längst bedeutungslos für mich geworden. Gespielt gleichgültig zuckte ich mit den Schultern. „Wer weiß ob unsere Liebe überhaupt eine Zukunft gehabt hätte. Ein Zwerg und eine Drachenwandlerin. Seltsame Kombination nicht wahr?“ Er zog versonnen an seiner Pfeife. Vernebelte sich absichtlich das Hirn. Nun, er musste wissen was er tat. „Nicht seltsamer als die Tatsache das er Euch das zurückgab, was Ihr einst verlort. Euer Herz. Eure Gefühllosigkeit ist nur noch auf den Kampf beschränkt. Ihr habt wieder Euer Mitgefühl, Eure Güte und sanfte Warmherzigkeit.“ Ja, manchmal geschahen Wunder. Schweigend blickte ich in die Ferne. Nur hatte mir all das nichts gebracht. Thorin war tot und mit ihm jegliche Hoffnung auf Liebe. Wie bitter der Gedanke doch war.
    „Galadriel fragte mich bei meinem letzten Besuch nach Euch.“ Oh bitte keine Vorwürfe. Ich hatte gute Gründe warum ich Lorien nach wie vor mied. Es war nicht so, dass ich die Elben hasste – zumindest nicht alle. Aber die Galadhrim hatten grausame Freude daran gehabt mich zu verletzen und mich zu quälen. Für sie war ich ein Monster, eine Abscheulichkeit ohne das Recht zu leben. Nein, ich hatte nichts vergessen. Mochten mich auch nicht alle so behandelt haben, waren sie doch nicht für mich eingetreten und hatten zu mir gehalten. Der Verrat schmerzte noch immer. Nein, ich würde nicht zurückkehren, gleichgültig was andere darüber dachten. Ich wusste, das Elrond und Gandalf mich wegen dieser Weigerung für kindisch und stur hielten. Mochte sein das ich ein Dickkopf hatte aber ich wusste immerhin wessen Gesellschaft mir gut tat und welche nicht. Ich war keine Masochistin die sich freiwillig verbal die Haut vom Leib ziehen ließ. Sie konnten lange warten. „Sie vermisst Euch.“ Bitter lachte ich auf. Was für schöne Lügen er doch glaubte. Ich brauchte die Liebe der beiden Elben, die mich eigentlich hatten aufziehen sollen nicht.
    „Das bezweifle ich.“ Gab ich zurück. Die schöne unnahbare Galadriel sollte mich, ein Monster vermissen? Unwahrscheinlich. Ich war für sie und Celeborn nur eine Last gewesen mit der sie nichts anfangen konnten. Es war für uns alle besser gewesen, das ich fortging. „Sie kommen gut ohne mich zurecht. Was soll ich schon in Lorien? Mich verspotten, verhöhnen und schneiden lassen? Weder Celeborn noch Galadriel haben etwas getan, um das Treiben ihrer Elben zu unterbinden. Mich verbindet nichts mehr mit ihnen. Mir ist es gleichgültig ob sie in ihren kalten Herzen etwas für mich fühlen oder nicht.“ Ich war nicht bereit ihren Verrat zu vergeben. Drachenwandler vergasen niemals ein Unrecht und sie vergaben auch nicht. Er musterte mich nachdenklich. Das er auf Galadriels Seite war, wunderte mich nicht. Ich kannte seine Schwäche für sie. Oh ja, der Istari liebte sie abgöttisch. Auch wenn er es besser wissen sollte. Diese Frau war nicht fähig zu lieben. Dort wo ein Herz sein sollte war lediglich ein Granitbrocken. Kälter als Eis, unerreichbar wie ein Stern und so herzlos das die Götter weinten. Wie konnte ein kluger Mann sich in eine solche Frau verlieben? War er völlig blind für ihre wahre Natur? Wie tief doch die Mächtigen fielen. Und Gandalf war schon längst gefallen. „Rawena Ihr wisst, das Bitterkeit aus Euch spricht. Es ist an der Zeit zu vergessen und zu vergeben.“
    Vergessen und vergeben? Nichts widersprach dem Naturell meines Volkes mehr als diese beiden Wörter. Nein. Ich würde weder vergessen noch vergeben. Und vertrauen zu den beiden Elben, die nicht zu mir gestanden hatten, als ich ihre Unterstützung am meisten gebraucht hatte würde ich ganz sicher nicht fassen. „Drachenwandler fühlen alles intensiver als Elben. Warum glaubt Ihr sonst wurden wir so gefürchtet? Weil wir für diejenigen die wir lieben die Welt zerstören würden wenn es uns zusammenbrächte. Meine Eltern haben mich verlassen als ich ein Kind war. Bis heute habe ich nicht erfahren ob sie noch leben oder tot sind. Meine wichtigste Lektion war absolute Selbstkontrolle. Ich kann mir keine Schwäche erlauben.“ Es war eine Warnung die er zum Glück beherzigte. Schweigend starrte ich in die Flammen. Wie konnte ich nur so dumm sein, überhaupt jemanden mein Herz zu schenken? Hatte ich meine Lektion noch immer nicht gelernt? Alle die ich liebte verließen mich oder starben qualvoll. Der Schmerz war es nicht wert. „Werdet Ihr mich dennoch ins Auenland begleiten?“ Sein Freund Bilbo Beutlin feierte Geburtstag. Für einen Hobbit hatte er das stolze Alter von 111 Jahren erreicht. Mich machte das Ganze misstrauisch. Denn äußerlich war er kaum gealtert. Hinzu kam, das ich, sobald ich in die Nähe des Auenlands kam eine dunkle pulsierende Energie spürte. Ein Zauberring, geschaffen um die Völker Mittelerdes zu versklaven. Der Halbling hatte keine Ahnung, was er damals in den Stollen der Orks fand.
    Erneut würde es zu einem Ringkrieg kommen. Sollte ich mitkämpfen? Eigentlich war ich es leid, zu töten. Kriege waren brutal, sinnlos und grausam. Dennoch würde es dazu kommen. Sauron und seine Schergen suchten stets nach dem Einen Ring. Der Maia hatte vor, Mittelerde gänzlich zu unterwerfen. Nun war rasches Handeln gefragt. Für mich war völlig klar, dass der Ring zerstört werden musste. Nur so konnte Saurons Macht gebannt und gebrochen werden. Der Grund, warum wir uns überhaupt noch einmal mit ihm auseinandersetzen mussten war die Schwäche der Menschen. Hätte Isildur den Ring zerstört, an den die Essenz des Ringschmieds gebunden war, wären viele Ereignisse in der Vergangenheit nicht passiert und wir stünden nun nicht vor einer Katastrophe. Aber natürlich konnte das Schicksal es nicht gut mit Mittelerde meinen und Isildur erlag den Einflüsterungen des Rings. Typisch Menschen. Schwach wie neugeborene Kätzchen und absolut unfähig die richtige Entscheidung zu treffen.
    „Rowena? Werdet Ihr mich nun begleiten?“ Gandalf klang ein wenig ungeduldig. Ich schüttelte nach kurzem Überlegen den Kopf. Nein, das machte wenig Sinn. Zumal es noch lange dauern würde, bis der Ring endlich aus Mittelerde verschwand. „Wohin werdet Ihr stattdessen gehen?“ Spöttisch zog ich eine Augenbraue hoch.
    Da war jemand sehr neugierig. Leider war es eine Eigenschaft, die Gandalf sehr ausgeprägt besaß auch wenn er meistens diesen Drang zügelte. Zauberer. „Ihr seid sehr neugierig. Kennt Ihr nicht das Sprichwort mit der neugierigen Katze die dafür mit ihrem Leben bezahlt?“ Erstaunt musterte er meine reglose Miene.
    „Droht Ihr mir?“ Ich lächelte. Ihm drohen? Nein. Es war nur eine gutgemeinte Warnung. Es hatte eine Zeit gegeben, wo ich ihn für diese Frage vielleicht einen Kopf kürzer gemacht hätte. Zu seinem Glück war das längst Vergangenheit. „Warum sollte ich? Ihr wisst selbst, was ich bin und solange Ihr gewisse Grenzen nicht überschreitet braucht Ihr Euch nicht um Eurer Leben zu sorgen.“

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    Er brummte nur und holte seine Pfeife aus einer seiner versteckten Taschen. Ich lächelte kurz und legte den Kopf in den Nacken. Meine Sinne schlugen mittlerweile jede Sekunde Alarm. Ein Hinweis darauf, dass Sauron ununterbrochen nach seinem Ring rief und zusätzlich seine ergebensten Sklaven durch Mittelerde schickte. Es würde ein Wettlauf gegen die Zeit werden. Ehrlich gesagt machten mir die Veränderungen die ich hatte feststellen müssen Sorgen. Die Menschen waren zerstrittener denn je. Gondor hatte den denkbar schlechtesten Truchsess seit langem der immer mehr dem Schatten und dem Wahnsinn verfiel. Sie waren schwach. Rohan befand sich knapp vor dem Ruin und sein König war mittlerweile gänzlich im Bann des verräterischen Zauberers Saruman geraten. Von der Bedrohung durch die Harnischen Stämme ganz zu schweigen. Es sah schlecht aus, dennoch würde ich die Hoffnung nicht gänzlich aufgeben. Noch war nicht alles verloren. Isildurs Linie war nicht versiegt. Es war an der Zeit, das Arathorns und Gilraen’ Sohn seiner Bestimmung gerecht wurde. Was mich selbst anging – ich gedachte Sauron einen Besuch abzustatten. Vielleicht konnte ich so ein wenig Zeit gewinnen. Es mochte töricht und verzweifelt erscheinen, aber dieser Wahnsinn hatte Methode. Während Sauron versuchte mich zu bezwingen und auf seine Seite zu ziehen, würde seine Aufmerksamkeit was gewisse andere Völker anging nachlassen. Er würde hoffen, das die Verbindung zu den Drachen Morgoth’ mich zwang, seinen Befehlen zu gehorchen. Die Ablenkung würde den anderen helfen, alles für die Zerstörung des Rings vorzubereiten. Sauron konnte mich nur so lange in seinem Kerker festhalten, wie ich es zuließ. Als Maia war er nicht stark genug um meinen Willen zu brechen. Einzig Morgoth wäre das gelungen, aber der hatte sich zum Glück nie wirklich für mich interessiert. Sein loyalster Diener würde erst mit falschen Versprechungen versuchen mich zu ködern und wenn er merkte, dass seine Strategie die falsche war, mich foltern. Nur brachte ihm das herzlich wenig. Ich besaß hervorragende Selbstheilungskräfte von meiner Fähigkeit, jegliche Schmerzen auszublenden und keine Gefühle mehr wahrzunehmen ganz zu schweigen. „Bilbo wird Euch vermissen, Rowena.“ Offensichtlich schien Gandalf immer noch zu hoffen, dass ich mitkam. Aber ich war nicht bereit dazu. So wie ich die Hobbits kannte, würden sie mich mit neugierigen Fragen förmlich bombardieren und mir keine ruhige Minute lassen. Außerdem erregte ich mit meinem Aussehen erschreckend viel Aufmerksamkeit. Was exakt der Grund war, warum ich meine roten Haare unter einem Tuch verbarg, eine Kapuze aufgesetzt und eine Halbmaske trug. Die Maske half mir zusätzlich meinen Drachen unter Kontrolle zu halten. Der war in letzter Zeit äußerst aggressiv, hungrig und nervtötend rebellisch. Ich konnte es nicht riskieren, ihn von der Kette zu lassen. „Er wird es verkraften. Ihr müsst ihm ja nicht erzählen, dass Ihr mich getroffen habt.“ Mal davon abgesehen kannte Bilbo mich gut genug um zu wissen, dass ich immer meinen eigenen Weg ging und mich nur selten den Wünschen anderer beugte. Ich machte keine Kompromisse und wenn ich erst einmal einen Entschluss gefasst hatte, zog ich das Ganze gnadenlos durch – ohne Rücksicht auf Verluste. Nein. Ich war keine nette Frau. In erster Linie war ich eine Drachin die sich in ihrem menschenähnlichen Körper äußerst unwohl fühlte. Drachenwandler waren egoistische höhere Wesen, die sich aus guten Gründen von anderen fern hielten. „Er kennt mich gut genug um meine Gründe für das Fernbleiben zu verstehen. Drängt mich nicht.“ Verpflichtungen, Druck, Zwang, Erwartungen anderer – nichts machte mich mehr wütender als ein derartiges Verhalten mir gegenüber. Ich war niemanden außer mir selbst Rechenschaft schuldig und lebte nach meinen eigenen Gesetzen. Man konnte mich nicht wirklich als zivilisiert oder angepasst bezeichnen. Dafür war ich zu dickköpfig. Mein Leben ging nur mich etwas an. Niemand sonst hatte ein Recht auf Erklärungen, Vorwürfe oder Fragen. Wen diese einfachen Regeln nicht respektiert wurden, mussten die Betreffenden mit den oft sehr schmerzhaften Konsequenzen leben. Gandalf kannte mich lange genug um das zu verstehen. Das er trotzdem versuchte mich zu beeinflussen, bzw. mir leicht Druck zu machen brachte ihn in eine ungünstige Position. Denn bisher hatte ich keinen Kampf gegen einen Zauberer verloren. Mich auf diese Weise herauszufordern war dumm und selbstmörderisch. Er hob kapitulierend die Hände.
    „Ich mache mir nur Sorgen um Euch, Rowena. Ihr habt einen Gesichtsausdruck, der nichts Gutes für jemanden verheißt.“ Da traf er genau ins Schwarze. Ich gedachte Sauron eine Lektion in Willensstärke zu erteilen. Wer den Kampf gewinnen würde muss ich nicht wirklich sagen, oder?
    „Je weniger Ihr wisst, desto besser für Euch.“ Beschied ich ihn knapp. Ich hasste es, anderen die Gründe für mein Verhalten zu erklären. Schließlich war ich niemanden außer mir selbst Rechenschaft schuldig. Seine Augen musterten mich noch immer besorgt. Nur wenige hatten mich so angesehen. Die Letzten, die das getan hatten waren an drei Fingern abzuzählen. Womit der Kreis geschlossen wäre. Denn einzig Thorin hatte ich es gestattet, Einfluss auf meine Entscheidungen zu nehmen und mich von einem eingeschlagenen Weg abzuwenden. Warum ich das zugelassen hatte? Weil ich ihn liebte. Aber Liebe machte Drachenwandler schwach und verletzlich. Die Trauer und den Schmerz um ihn und die Zwillinge würden nie verblassen. Wenn ich liebte dann mit allem was mich ausmachte. Was mein kaltes Herz und meine Seele einschloss.
    Ich seufzte und verdrängte sämtliche Erinnerungen. Sie hielten bittersüßen Schmerz bereit von dem ich in noch dunkleren Stunden zehren würde. Ob die Zeit jemals die Wunden heilen würden, die der Tod dieser drei einzigartigen Männer in mein Herz gerissen hatten? Ich konnte es nicht sagen. Denn nur die wahren Gefährten eines Drachenwandlers konnten seelische Verletzungen vollständig heilen. Aber es gab keine anderen Drachenwandler mehr. Niemanden. Ich war völlig allein. Schon wieder.
    „An Eurer Stelle würde ich noch einmal den Ring des Hobbits überprüfen.“ Murmelte ich und schloss die Augen. „Er ist mehr als er zu sein scheint.“
    „Was habt Ihr gesehen?“ Ich lächelte innerlich. Seine Sinne für Magie mussten abgestumpft sein. Nun er hätte keinen menschlichen Körper wählen müssen. Tja, menschliche Sinne waren nicht so hervorragend wie die anderer Lebewesen. Selbst Schuld. „Oder werdet Ihr Euer Wissen nicht preisgeben?“
    Erraten. Wissen war nicht ungefährlich und manche hinterfragten wichtige korrekte Informationen, nur weil manche Berichte ungeheuerlich erschienen. Er musste selbst sehen, spüren und erleben, um den Ausmaß des Verrats seines Vorgesetzten zu verstehen. Nur dann konnte er ihm etwas entgegensetzen. Hinzu kam, dass ich mich nicht zu sehr in die Schicksale anderer einmischen konnte. Zumindest nicht, in dem ich Wissen über ihre Zukunft preisgab. Es war nicht an mir, die Wahrheit herauszufinden.
    „Ihr seid alt genug um die Wahrheit selbst herauszufinden. Nur würde ich Euch raten, vorsichtig zu sein. Es gibt einen Maulwurf im Weißen Rat und jemand, der das Vertrauen aller genießt hat Saurons Widersacher verraten. Seid auf der Hut, denn der Feind kann sich hinter der Maske der Freundschaft, des Alters und Ansehen verbergen. Nichts ist wirklich wie es scheint.“ Er knurrte leicht verärgert und brummte etwas, das sich verdächtig nach einem >Verdammte Geheimniskrämerin. Warum muss sie immer so kryptische Aussagen machen?< anhörte. Meine Mundwinkel verzogen sich leicht nach oben. Armer Gandalf.
    „Ich würde sagen, hier schimpft ein Esel ein anderes Langohr – nur um eine menschliche Phrase zu verwenden, damit Ihr es begreift.“ Das war gemein. Aber mir war es herzlich egal, was andere von mir dachten. Ich brauchte niemanden außer meinen Drachen. Und der war untrennbar mit mir verbunden. „Ihr solltet bald aufbrechen ins Auenland. Oder wollt Ihr zu spät kommen?“ Entrüstet sah er mich an. „Ein Zauberer kommt nie zu spät! Das solltet Ihr langsam wissen Rowena!“
    „Und da gehen die Meinungen auseinander.“
    „Ihr kennt die Wahrheit, Rowena. Ich komme nicht zu spät.“
    Ansichtssache. Aber ich würde dazu nichts mehr sagen. Es war spät und ich würde noch vor Morgengrauen den Zauberer verlassen.
    „Ihr gebt nie nach, oder?“
    „Warum sollte ich? Ich bin kein Mensch oder Elb und muss mich den Gesetzen anderer unterwerfen. Warum also sollte ich nachgeben?“
    „Höflichkeit? Respekt anderen gegenüber?“
    „Ich bin in allererster Linie eine Drachin, ein Raubtier. Glaubt Ihr wirklich, ein Raubtier fragt seine Beute höflich, ob es denn still halten möge, damit es besser das schwächere Tier töten kann? Nein. Hört auf dumme Fragen zu stellen.“ Entspannt, zumindest für meine Verhältnisse, lehnte ich mich gegen den Baumstamm in meinem Rücken. Ich schlief immer mit offenen Augen und nie so tief, als das ich nichts mehr wahrnehmen konnte. „Gute Nacht. Wir werden uns sicher irgendwann wiedersehen.“
    „Was soll das heißen?“
    „Das Ihr zu viele Fragen stellt, ich müde bin und morgen früh aufbreche.“
    „Sehr charmant, junge Dame.“
    „Gandalf...“
    „Entschuldigung. Schlaft gut.“
    Endlich wurde er still und ich ließ meine Gedanken treiben. Ich war tatsächlich müde. Eigentlich seltsam, den ich verbrauchte nur so viel Energie wie möglich.
    Nachdenklich blickte ich nach oben und spürte wie die Grenzen von Wirklichkeit, Vergangenheit und Traum verschmolzen. Eine Vision? Oder hielten die Sterne eine wichtige Erinnerung für mich bereit? Neugierig öffnete ich meinen Geist und tauchte in eine vertraute Szenerie ein.

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    Verwirrt blickte ich mich um. Als meine Eltern mir gesagt hatten, wir würden einen kleinen Ausflug machen, hätte ich nicht gedacht, das sie zu den Elben reisen würden. Eigentlich hatten Drachenwandler und Elben ein eher angespanntes Verhältnis auch wenn es natürlich Ausnahmen gab. Die Drachenkönigin Reagan beispielsweise war eng mit Felagund, Thingol und Feanor befreundet gewesen. Nie hätte ich gedacht, dass meine Eltern Elben genügend vertrauten um ihr Reich mit mir zu betreten. Mein Vater Gwaithir seufzte und kniete sich mit mir in den Armen hin. Mehrmals waren wir auf dem Weg angegriffen worden und weil ich unfähig war mich zu verwandeln hatten meine Eltern in Menschengestalt bleiben müssen. Ich machte sie verwundbar, das wusste ich nur zu gut. Es hinterließ einen bitteren Geschmack in meinen Mund. Obwohl Reagan, Galadriel und meine eigene Mutter in mir große Macht erkannten, konnte ich auf meine Fähigkeiten nicht zurückgreifen. Ich war zu jung dafür. Mit meinen knapp zwölf Jahren war ich nicht mehr als ein Schlüpfling, ein Küken, ein Kleinkind das von anderen beschützt werden musste. Ich war hilflos und dieses Gefühl machte mir Angst. In unserer Heimat herrschte ein brutaler grausamer Krieg der schon vielen Drachenwandlern und Drachen das Leben gekostet hatte. Vielleicht war ich noch zu jung um mich zu verteidigen, aber ich verstand nur zu gut, worum es ging. Würden sie mich zurücklassen, weil ich sie angreifbar und verletzlich machte? Reagan hatte meinen Eltern befohlen mich in Sicherheit zu bringen damit wenigstens ein Kind unseres Volkes den Krieg überlebte. Das klang so düster und hoffnungslos...
    „Es tut mir Leid Rowe.“ Ich blickte hoch in das bekümmerte Gesicht meines Vaters. Es sah alt, verbraucht und schrecklich aus. Narben und frische Wunden hatten ihn als der Krieger gezeichnet der er war. „Ich würde dich nicht hier lassen, wenn ich nicht überzeugt wäre, das Galadriel und Celeborn sich gut um dich kümmern.“ Was? Diese Elben? Hilfesuchend sah ich zu meiner Mutter die sich kaum mehr auf den Beinen halten konnte und sich deshalb an einen Baum lehnte. Die Kämpfe mit den aufständischen Drachen forderten ihren Tribut. Obwohl sie schreckliche Schmerzen haben musste setzte sie ein liebevolles Lächeln auf als sie meinen Blick bemerkte. „Liebes, ich kann dich nicht bei Reagan lassen. Sie ist unsere Königin und hat alle Hände voll damit zu tun, Morgoths Drachenhorde abzuwehren. Im Augenblick kann sie nicht einmal die Sicherheit ihrer Tochter garantieren.“ Eire meine beste Freundin. Entsetzt sah ich sie an. Sie konnte es doch nicht ernst meinen. Das würde bedeuten, dass Eire in Lebensgefahr schwebte. Ich musste zu ihr! Wir hatten uns geschworen zusammen zu sterben! Warum hatten sie mich nicht zu Reagan gebracht! „Du kannst nicht bei uns bleiben. Die Gefahr das du den Rebellen oder schlimmer, Morgoth in die gierigen Klauen fällst können wir nicht verantworten. Sei ein braves Kind und tu was man dir sagt. Bleib bei den Elben und versuche nicht, Kontakt zu uns aufzunehmen.“
    Sie sprach von unserer angeborenen Fähigkeit telepathisch miteinander zu kommunizieren. Eine nützliche Gabe in Kriegszeiten wenn man den Feind nicht an seinen Plänen teilhaben lassen wollte. „Gwaithir? Rin? Ein Bote verlangt euch zu sprechen.“ Ich zuckte zusammen. Den Elben hatte ich nicht gemerkt bis er neben mir stand. Er war groß, hatte silberblonde Haare und strenge Gesichtszüge die leicht besorgt wirkten. Dann sah er auf mich hinunter. Überraschung zeigte sich in seinen Zügen. Kein Wunder, denn äußerlich hatte ich keine Ähnlichkeit mit meinen Eltern. Meine Mutter hatte weißes Haar und meinem Vater standen die roten Locken wild vom Kopf ab. Ich dagegen hatte zwei verschiedenfarbige Augen, menschliche Gesichtszüge, kinnlange schwarze glatte Haare und einen stämmigen Körperbau. Nein, man konnte mich mit der Schönheit meiner Mutter nicht vergleichen. „Das ist Eure Tochter?“
    Zweifelnd musterte der Elb mich. Als ob er bezweifelte, das ich die Tochter meiner Eltern war! Dann erkannte ich so etwas wie Abscheu als er den Drachen in mir wahrnahm. Verdammt. Ich war mehr menschlich als ein Drache zumindest noch. Er verurteilte mich ohne mich überhaupt näher zu kennen. Die Ablehnung die er mir entgegenbrachte bohrte sich schmerzhaft wie ein Dolch in mein Herz. Und ausgerechnet hier sollte ich bleiben? Das konnten sie mir nicht antun! Die perfekten Elben würden mich schon allein wegen meines Aussehens verspotten.
    >Verdammtes Spitzohr!< Schimpfte ich lautlos. >Er denkt, ich sei euch untergeschoben worden oder ihr erlaubt euch einen Scherz mit ihm. Was habt ihr ihm über mich erzählt?< Sofort umfing die warme Präsenz meiner Mutter mich tröstend und mein Vater sprach beruhigend auf mich ein. Als der Elbe sich hörbar räusperte richtete sich die Aufmerksamkeit meiner Eltern auf ihn. Peinlich.
    „Rowe, darf ich dir Celeborn vorstellen? Cel, das ist meine Tochter Rowena. Bis zu ihrem einundzwanzigsten Geburtstag wird sie dieses Aussehen mehr oder weniger beibehalten.“ Was für eine Strafe. Aber mein Vater war noch nicht fertig. „Ich bitte Euch sie vor den Augen Fremder zu verbergen. Morgoth hat seine Spione überall und ich weiß nicht, ob seine Männer erkannt haben, wer das Kind in unserer Gruppe war. Wenn ja, werden sie versuchen, die Kleine umzubringen. Noch ist sie nicht stark genug um sich zu verteidigen. Sie ist mehr Mensch als Drache und das in vielerlei Hinsicht. Passt auf sie auf und lasst sie nicht aus den Augen.“
    Der Elb nickte und seufzte leicht. Ich war ganz und gar nicht glücklich. Er hasste mich – warum konnte ich nicht bei Eire sein und vielleicht mit ihr zusammen sterben? Warum musste ich mich stattdessen mit Spitzohren herumschlagen? Zumal er von der Aussicht nicht gerade begeistert wirkte. „Macht Euch keine Sorgen Gwaithir. Eure Tochter ist in Sicherheit. Ihr solltet Reagan nicht warten lassen. Sie hat ihren engsten Vertrauten Rois hierher geschickt damit dieser euch beide auf dem schnellsten Weg zu ihr geleitet.“ Meine Mutter lächelte und zerzauste mir zärtlich die Haare. Dann drehte sie sich um und verschwand im aufsteigenden Nebel. Ich sah meinen Vater an. Er würde doch nicht etwa...! Aber er tat es obwohl er fühlte, wie unwohl mir in der Gegenwart des Elben zumute war. Ich fühlte mich verraten und einsam.
    >Vertrau mir Kleines. Die Elben werden dich beschützen und die Sterne deine Schritte sicher lenken. Es gibt keinen Grund für Furcht.<
    >Vater! Er hasst mich! Ich will hier nicht bleiben.<
    >Gib ihm eine Chance dich kennenzulernen. Mehr verlange ich nicht von dir, Rowe. Er hat mit der Erziehung von Kindern nicht so viel Erfahrung. Du musst Geduld mit ihm haben. Natürlich wird er Fehler machen. Elben sind nicht perfekt, ganz gleich, was sie auch erzählen. Versprich mir eins, kleine Flamme.< Mit Tränen in den Augen sah ich ihn an. Was auch immer er von mir verlangte ich würde versuchen es zu tun. Liebevoll berührte er mein Gesicht. >Verschließe nicht dein Herz vor der Liebe. Bewahre dir dein Lachen, deine Güte und dein Mitgefühl. Du bist einzigartig, vergiss das nicht. Du bist mehr als das, was Unwissende in dir zu sehen glauben. Du bist kein Monster, keine Abscheulichkeit, keine missgeratene Kreatur. Du bist eine wunderschöne Drachenwandlerin. Du musst niemanden außer dir selbst etwas beweisen. Vertraue auf deine innere Stärke. Vergiss niemals wer und was du bist. Du bist eine Prinzessin.<
    Damit wandte er sich ab und ging wie meine Mutter. Ich spürte wie jede Verbindung zu ihm, meiner Familie, meinen Freunden und meinem Volk abbrach. Etwas in mir starb, als mir der Verlust in seiner ganzen Tragweite bewusst wurde. Ich hatte sie verloren.

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1502629376
Das vergessene Feuer der Drachenwandler
Das vergessene Feuer der Drachenwandler
Vor Jahrtausenden schlossen die mächtigsten Magier und Unsterbliche einen Pakt mit einigen Drachen, die der Hetzjagd entkommen waren und versuchten, sich vor den Drachenjägern zu verstecken. Sie verbanden sich zu einem Volk den Drachenwandlern. Ihre Na...
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1502629376/Das-vergessene-Feuer-der-Drachenwandler
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2017-08-13
402C
Herr der Ringe

Kommentare (5)

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Sarah Laureen (15319)
vor 66 Tagen
Wir werden sehen, wie es weitergeht. Momentan kann bzw. sollte ich keine zu großen Versprechungen machen. Ich habe dieses Wochenende schon eine Hochzeit sausen lassen, weil ich wirklich lernen muss (💗 Oberstufe). Also werdet ihr euch ein wenig gedulden müssen, bis es weitergeht. In den nächsten zwei Jahren stehen wichtige schulische Events bzw. Arbeiten an. Ich kann also nicht mehr versprechen, regelmäßig zu schreiben.
legolas 03 (44400)
vor 66 Tagen
Hat mir bisher sehr gut gefallen😉Hoffentlich geht es bald weiter...
Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 68 Tagen
Die Geschichte ist bereits auf eine längere Zeitspanne angelegt und einige Ideen für den Verlauf habe ich auch. Ab und zu werde ich sicher weitere Kapitel hinzufügen. Die Lovestory wird leider noch ein wenig warten müssen (zumindest von ihrer Seite aus).
Sternenschreiber (61489)
vor 68 Tagen
Echt coole Geschichte. Wie immer ein klasse Schreibstill und eine tolle Idee. Schön das du einen Steckbrief mit dabei gemacht hast und das Bild ist mega cool.

Lg stern
Flammara (36206)
vor 68 Tagen
Die Geschichte war echt der Hammer. Schreib schnell weiter und mache eine sehr lange Geschichte daraus.
:-)