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World of Mystik 29

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2 Kapitel - 3.209 Wörter - Erstellt von: Torden! - Aktualisiert am: 2017-08-07 - Entwickelt am: - 95 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf den Grund gehen sollen.
Basierend auf Phyria's MMFF

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    ((bold))Ànemos((ebold)) Manchmal stellte sie sich vor, wie sich hinter ihrer Netzhaut kleine Kolben in Bewegung setzten, um noch kleinere Zahnräder
    Ànemos

    Manchmal stellte sie sich vor, wie sich hinter ihrer Netzhaut kleine Kolben in Bewegung setzten, um noch kleinere Zahnräder klickend anzutreiben, die dann ihr Sichtfeld umstellten. Léandra rieb sich über die Augen und sah dabei gleichzeitig durch ihre Finger hindurch. Vor ihr lief Marina, den Kopf gesenkt und mit den Nerven am Ende.
    Sie meinte, Kallik sei tot, dachte Léandra. Aber das ist unmöglich. Er kann nicht durch Feuer sterben. Er ist Feuer.
    Sie erinnerte sich an seine letzten Worte: „Er ist definitiv neu!“ Als sie damals auf dem Dach gestanden hatte mit Blick zum Himmel, bereit über die Kante zu treten, hätte sie nicht gedacht, dass das die letzten Worte von jemanden sein könnten. Zumindest befand es sich nicht auf ihrer Liste der hundert besten Todeszitate.
    Hier ist ein neuer Stoff beteiligt, den ich nicht kenne. Er ist definitiv neu. Was soll das bedeuten?
    Er hat das Feuer analysiert und dabei etwas gefunden, dass nicht hineingehört, meldete sich eine Stimme in ihrem Kopf.
    Da wäre ich nie drauf gekommen, erwiderte Léandra kühl. Und jetzt: RAUS AUS MEINEM KOPF, CAROL!
    Ist ja gut, murrte Carol und Léandra sah sie ein Stück weiter vorn herumdrucksen. War echt schwer, das ganze übersetzen, aber ich bin schon weg.
    Stille kehrte in Leándras Kopf ein. Sie war wieder allein mit ihren eigenen Gedanken. Erleichtert ließ sie sich ans Ende des Gruppe zurückfallen. In ihrer Nähe lief Rhea, aber von ihr musste sie nicht befürchten, dass sie ein Gespräch anfangen würde.
    Die Stadt ruhte gespenstisch ruhig. Kaum ein Mensch war auf den Straßen unterwegs und wenn sie jemanden trafen, war sein Kopf gesenkt und er hastete an ihnen vorbei. Die Fenster der Läden und Häuser waren vernagelt; schmale Streifen Licht quollen zwischen den Brettern hindurch und zeichneten Muster auf den Schnee. An einigen Ecken standen Soldaten. Sie machten keine Anstalten sie aufzuhalten.
    Sie haben wohl noch nicht mitbekommen, was am Fluss geschehen ist. Sonst würden sie uns aufhalten, dachte Léandra und ein Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. Die Soldaten am Fluss hatten auf sie gezielt und waren ihnen in den Weg getreten, doch ihre Hände zitterten. Mit einem gezielten Röntgenblick hatte Léandra bemerkt, dass einige vor Panik vergessen hatten, ihre Waffen zu laden. Schließlich hatte ein Offizier – der Leutnant von der Brücke – einen Befehl gegeben. Die Waffen wurden gesenkt und sie durften unbehelligt passieren. Kluger Mann. Marina ist am Ende. Wer weiß, was sie sonst getan hätte, um Django und Chloé zu folgen.
    „Ich hab sie!“, rief Newt und klatschte triumphierend in die Hände. „Sie sind in einem Krankenhaus.“ Er legte zögernd den Kopf schief, als würde er auf eine ferne Stimme lauschen. „Beißer ist auch dort, er sitzt neben Django und ist gefesselt.“
    Léandras Züge entgleisten. „Und das ist auch ganz sicher keine Falle?“, rief sie nach vorn. Wie solle Django das hinbekommen haben? Er war viel zu inkompetent dafür.
    „Keine Falle,“ Newt schüttelte den Kopf. „Beißers Bein ist gebrochen und jetzt sitzen sie einfach im obersten Sto...“
    „Wo ist Chloé?“, unterbrach ihn Marina unwirsch.
    „Liegt im OP,“ murmelte Newt und wisch Marinas Blick aus. Er tat Léandra leid. Er konnte schließlich auch nichts dafür.
    Die Gruppe folgte Newt durch die Straßen mit Léandra als Schlusslicht. Kurz bevor sie das Krankenhaus erreichten, wurde Marina schneller. Der Eingang kam nicht Sichtweite und das Mädchen rannte los. Josiah stieß einen Fluch aus und sprintete hinter ihr ihr und eh sie sich versah, lief Léandra eiligst hinter den anderen her.
    In ihrem Rucksack klirrte es und sie kam schlitternd zum Stehen. Mist! Das verdammte Ding habe ich ja ganz vergessen!, schoss ihr durch den Kopf. Sie wurde langsamer und setzte jeden Schritt mit Bedacht. Sollte das Glas kaputt gehen, würde es zu einer Katastrophe kommen. Zumindest würde sie Tulio zutrauen, Menschenleben durch eine so unsinnige Sache zu gefährden. Bitte geh nicht auf oder hab einen Sprung. Bitte geh nicht auf. Warum habe ich das Ding nicht einfach im Fort gelassen?
    Léandra war bereits kurz vor der Menschenmenge vorm Eingang des Krankenhauses, als es wieder klirrte. Okay, jetzt reicht‘s! behutsam setzte sie den Rucksack ab und schob einige Sachen beiseite. Sie nahm ein Kleiderbündel heraus. Vorsichtig, als würde sie mit einer Bombe hantieren, wickelte sie es auf. Unter einer Schicht Zeitung blitzte das Glas aus.
    Der Tornado hatte am Morgen ihrer Abreise neben ihrem bereits gepackten Rucksack gestanden. Dichte Wolken hatten sich am Verschluss des Einmachglases gesammelt und manchmal glaubte sie, dass es im Inneren blitzte. Der Tornado selbst war etwa so groß wie ihre Handspanne. Er drehte sich rasend schnell und wirbelte einige Staubteilchen auf, da Tulio wohl vergessen hatte, das Glas richtig auszuspülen. Ein paar tropfen Kondenswasser rannen an den Seiten hinab und würden vom Rüssel des Tornados wieder angesaugt. Am Deckel haftete ein gelber Notizzettel: Mit freundlichen Grüßen. Er ist sehr pflegeleicht. Unten stand in klein ein weiterer Satz in derselben unleserlichen Handschrift: Nicht aufmachen!
    Im trüben Licht des Vormittags wirkte es auf Léandra als habe der Mini-Sturm an Tempo verloren. „Du wirst doch nicht etwa krank?“, murmelte sie und kam sich augenblicklich albern vor. So weit ist es mit dir schon gekommen: Du redest mit einem Tornado.
    Natürlich gab der Tornado keine Antwort.
    „Léandra, kommst du?“, rief Sol ihr vom Rand der Menge aus zu. Hastig rollte sie das Glas in ihre Klamotten ein und verstaute das Bündel in ihrem Rucksack. Die anderen sollten nicht erfahren, dass sie einen Tornado durch die halbe Apokalypse trug. Die Fragen wollte sie sich ersparen.
    Die anderen rätselten darüber, wie sie an der Polizei vorbei ins Krankenhaus kämen, als Léandra dazustieß. Desinteressiert hörte sie zu. Ihr Blick glitt über die Menge. Überall Verletzte oder besorgte Angehörige. Ein Kloß bildete sich in ihrer Kehle. Genauso hatten die Menschen zuhause auch ausgesehen. Traurig rieb Léandra über ihr Lederarmband.
    Das Armband, ihre Jeansjacke, ihre Schuhe und der Tornado. Die einzigen Sachen, die ihr gehörten. Ihre Schultasche hatte sie am Tag X irgendwo in den Ruinen verloren und ihre Klamotten waren so verdreckt, eingerissen und voller Blut, dass Léandra sie hatte wegschmeißen müssen. Ihre Ausrüstung und ihre jetzigen Kleider stammten von ATLAS. Im Fort war ihr zwar gesagt worden, dass sie sie behalten konnte, aber es fühlte sich nicht richtig an. Diese vier Sachen waren ihre einzigen Besitztümer, auch wenn sie eins davon Tulio bei der nächstbesten Gelegenheit an den Kopf knallen würde.
    Ein Schrei ertönte und ein dutzend Köpfe drehte sich in ihre Richtung. Ein Junge, kaum älter als Nicolas, deutete wild in ihre Richtung. Léandra verstand zwar kein Wort, von dem was er schrie, aber sie konnte es sich denken. Das sind sie. Das sind die vom Fluss.
    „Newt, such den nächsten Notausgang. Carol, funke Django an und sag ihm, er soll ihn von Innen öffnen,“ wies Léandra sie an. Dieses Geplänkel ging ihr auf den Keks und sie sollten sich schleunigst aus dem Staub machen, wenn sie nicht doch noch verhaftete werden wollten.

    „Das nächste Mal könnt ihr auch anrufen,“ maulte Django und sprang einen Schritt zurück, um nicht von Marina umgerannt zu werden. Das Mädchen stürmte in den Gang und war schon fast um eine Ecke, als Newt rief: „Zum OP geht‘s in die andere Richtung!“
    Léandra schmunzelte, aber dieses kurze Lächeln erstarb sofort wieder. Sie wäre genauso kopflos losgerannt, wäre es um Alexandros oder Nicolas gegangen.
    „Hoffentlich macht sie nichts dummes,“ murmelte Josiah neben ihr. „Wo hast du Beißer gelassen?“
    „Er sitzt oben an ein Bett gefesselt,“ erwiderte Djngo und deutete die Treppe hinauf.

    Beißer bot einen traurigen Anblick. Sein Bein war dick eingegipst und ein langer Kratzer zog sich über seinen Hals. Seine Arme zierten einige Brandwunden und seine Kleidung war genau wie seine Haare angesenkt. Der stechende Geruch von Rauch umgab ihn, aber Léandra wusste, dass es bei ihr nicht anders war.
    Er sah zu ihnen auf, die Hände hinter den Rücken gedreht und am stählernen Bettpfosten fixiert. In seinen dunklen Augen funkelte Wut. Léandra wich seinem Blick aus, denn sie war sich nicht sicher, ob er in diesem Zustand noch seine Fähigkeit einsetzen konnte.
    „Werdet ihr mich jetzt zu ATLAS bringen?“, fragte der Mann und sah zu Boden.
    Können wir das überhaupt entscheiden? Eigentlich ist das Marinas Aufgabe, aber sie ist ja noch mit Chloé beschäftigt.
    „Wir nehmen sie mit,“ sagte Sol entschieden und verschränkte die Arme. „Sie müssen sich für das verantworten, was Sie getan haben.“
    „Ich habe meinen Job getan,“ Beißers Stimme war kalt, doch Léandra, glaubte, ein leichtes Zittern darin zu hören.
    „Erzählen Sie uns, was geschehen ist und wir überlegen es uns,“ sagte Josiah freundlich und kniete sich neben den Satōri Industries-Agenten. Beißer rutschte so weit von ihm weg, wie es die Fesseln zuließen. „Warum haben Sie Angst, es uns zu verraten?“, bohrte Josiah weiter nach.
    Für einen kurzen Augenblick wirkte Beißer als würde er Josiah mit Schmerzen auf den Boden schicken, aber schließlich sank er müde gegen den Bettpfosten und seufzte. „Satōri Industries,“ begann er, „gehört zu einer größeren Gesellschaft namens SIA. Stellt euch ATLAS vor, nur das es eine Einrichtung der US-Regierunng wäre und mit mehr Mitarbeitern. SIA wurde nach dem zweiten Weltkrieg gegründet und hatte die primäre Aufgabe die Paras zu beobachten, sicherzugehen dass sie keine Bedrohung darstellen und herauszufinden, warum sich die Fähigkeiten entwickeln und ob man sie gezielt herbeiführen kann. Einige Jahre nach Hiroshima und Nagasaki stellte SIA fest, dass in diesen Gegenden vermehrt Paras geboren wurden und man gründete Satōri Industries.“ Beißer schnaubte verächtlich. „Satōri: Erleuchtet. Später, während des Kalten Krieges, widmete sich SIA vermehrt der Entwicklung von neuen Waffen und Energieformen; alles, was den Russen gegenüber ein Vorteil war. Da sich SIA seit seiner Gründung mit Paranormalen beschäftigte, wussten sie sehr gut, das wissenschaftliche Grenzen Auslegungssachen waren.“
    Léandra lauschte gebannt. Strahlung. Das ist viel zu einfach. Sie sagte jedoch nichts dazu, weil sie sich denken konnte, dass das auch nicht die Lösung war. Schließlich waren weder sie, noch ihre Eltern, noch ihre Großeltern jemals radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen.
    „Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber das blaue Feuer wurde von SIA als chemische Waffe entwickelt. Und euer ach so geliebtes ATLAS wusste davon und hat nichts getan, um es zu verhindern,“ lachte Beißer bitter.
    „Aber das Feuer hat sich nicht von Russland aus ausgebreitet,“ warf Newt ein. „Es begann in...“
    „Nordkorea,“ vervollständigte Léandra seinen Satz. „Der Kalte Krieg ist vorbei, aber Nordkorea stellt eine Bedrohung dar. Ihr habt das Geisterfeuer gegen sie eingesetzt.“
    „Genau,“ erwiderte Beißer. „Aber es sollte nie eingesetzt werden. Es sollte nur ein Druckmittel sein, um Angriffe zu verhindern.“
    „Hat ja großartig geklappt. Es hat keinen Angriff gegeben und trotzdem ist Nordkorea niedergebrannt. Genauso wie weite Teile Südkoreas und ein Teil von China. Wirklich ganz große Klasse!“, schimpfte Sol.
    „Es war Absicht, oder?“, flüsterte Rhea. „Es wurde erst nach dem Vulkanausbruch in Europa entzündet.“
    Léandra sah das Mädchen überrascht an. Sie hat recht. „Aber… aber keine Bombe ist stark genug, um Italien von Europa zu reißen.“
    „Ich bin kein Wissenschaftler und stehe auch nicht hoch genug, um zu erfahren, was alles in SIA und Satōri Industries vor sich geht. Alles was ich weiß, ist, dass der Vulkan kein Angriff war. Aber er wurde von einige als Angriff aufgefasst, als noch nicht klar war, dass niemand etwas damit zu tun hatte,“ erklärte der Gefangene.
    „Sie meinen, dass das alles nur geschehen ist, weil jemand nicht abwarten konnte, bis alle Informationen gesichert waren?“, fragte Josiah fassungslos.
    Léandras Herz sackte in den Keller. Es hat keinen Grund gegeben und dennoch sind tausende, wenn nicht Millionen Menschen verbrannt oder obdachlos? Obwohl: Die Menschheit würde das Kommende, den jahrelangen Winter und die Ressourcenkriege kaum überstehen. Da konnte man ihre Vernichtung auch verkürzen und einfach schon mal ein ganzes Land abfackeln.
    „Es gab Gerüchte über eine Revolte in einem der SIA-Stützpunkte, die für den Einsatz und die Überwachung des Feuers zuständig waren,“ nickte Beißer. „Ich hielt es für ein Gerücht, bis ich das Feuer selbst gesehen habe. Nur ein Idiot würde es einsetzen und man kann von SIA halten, was man will, aber die Zuständigen sind keine Idioten.“
    Keine Idioten, dachte Léandra verächtlich. Sie haben ihre eigenen Waffen und Männer nicht mehr unter Kontrolle.
    Wie Dominosteine hatte eins zum Anderen geführt. Ein Vulkanausbruch führte zu einem Putsch führte zum Entfesseln einer Super-Waffe führte zur beschleunigten Apokalypse. Und Léandra mittendrin. Schade nur, dass niemand den ersten Dominostein angestupst hatte. Demjenigen würde sie nämlich gerne die verbrannten Ruinen Nord-Seouls und die Trümmer von Ioannias zeigen.
    „Und die Bäume?“, unterbrach Hope ihren Gedankengang. Stimmt, da war ja noch was.
    „Die Bäume...“, murmelte Beißer nachdenklich. „Dazu kann ich euch beim besten Willen nichts sagen.“
    „Sind sie sich sicher?“, bohrte Hope nach und Léandra registrierte das unterschwellige Drohen in ihrer Stimme. „Das klingt nämlich sehr nach SIA.“
    Django legte dem Mädchen eine Hand auf die Schulter. „Lass ihn. Ich glaube ihm.“
    Hope funkelte ihn wütend an und Léandra war sich sicher, dass sie Django an die Kehle gehen würde. Doch sie schüttelte Djangos Hand ab und schwieg. Beißer beobachtete die Szene amüsiert.
    Die Tür zum Treppenhaus öffnete sich und Marina betrat den Gang. Sie wirkte erschöpfter als zuvor auf Léandra, aber auch entspannter.
    „Sie wird es überstehen,“ verkündete Marina und plumpste neben Sol auf den Boden.
    „Ihre Hand?“, fragte Rhea vorsichtig.
    Marina sah betreten zu Boden und Léandra hörte ihr Schlucken.
    „Sie haben ihr den Arm bis zum Ellbogen abgenommen. Da sei nichts mehr zu retten gewesen.“, erwiderte sie belegt.
    „Oh Wunder,“ sagte Beißer trocken, doch sie alle waren zu ausgelaugt, um etwas zu entgegnen.

    Es gibt bequemere Ort als den Flur eines überfüllten Krankenhauses um zu schlafen, doch das war Léandra herzlich egal. Anstelle ihres Rucksacks diente ihre ausgeblichene Jeansjacke als Kopfkissen.
    Die Etage ruhte still. Gedämpft drangen Rufe zu ihnen. Unten auf dem Platz ertönte die Sirene eines Krankenwagens. Blaue Lichtreflexe tanzten vor dem Fenster. Ein leises Säuseln drang an Léandras Ohr. Genervt schlug sie die Augen auf und stellte fest, dass sie sich im Schlaf auf ihren Rucksack zubewegt hatte. Ihr Ohr ruhte an der Stelle, an der der Tornado sich fröhlich in seinem Glas drehte.
    Missmutig schob Léandra den Rucksack zur Seite und schloss wieder die Augen. Tulio wird inzwischen auch viel herausgefunden haben, dachte sie müde.
    Nachdem sie sich eine Weile unruhig hin und hergedreht hatte, gab sie einen weiteren Schlafversuch auf. Leise erhob sie sich und schlich ans Fenster. Der Krankenwagen war inzwischen fort, doch einige Straßen weiter flackerte sein Signal über die Hauswände. Das Notausgangsschild spiegelte sich in der Glasscheibe vor ihr.
    Plötzlich überkam Léandra der unbändige Drang an die frische Luft zu stürmen. Dieser Gang erstickte sie.
    Vorsichtig schlich sie an den Schlafenden vorbei. Die Stahltür am Ende des Flures war einen spaltbreit geöffnet. Verwundert schwebte ihre Hand über den Türgriff und sie musterte das gelbe „BETRETEN VERBOTEN“-Schild. Kalte Luft sickerte durch den Spalt in den Flur und die Härchen auf ihren Armen stellten sich auf. Zögerlich öffnete sie die Tür und trat auf die Treppe zum Dach.
    Knietiefer Schnee bedeckte die Dachpappe. Sofort war Léandras Hose durchnässt, aber sie stapfte auf den Rand zu, nur um im nächsten Moment verdutzt stehen zu bleiben. Die Silhouette einer kleinen Gestalt hob sich vor den Lichtern der Stadt ab.
    Léandra trat neben sie. „Was machst du…?“, setzte sie an, doch Rhea bedeutete ihr mit dem Zeigefinger auf den Lippen still zu sein. Statt einer Erklärung deutete das indische Mädchen lächelnd in den Himmel. Léandra folgte ihrem Blick und riss sprachlos die Augen auf.
    Die Wolkendecke war aufgerissen, ein kleines Stück zwar nur, doch das reichte dem Mond, um den Schnee auf dem Nachbardach in silbernes Gleißen zu verwandeln. Vereinzelte Sterne zeigten sich durch die Lücke in den Wolken und versuchten dem Schnee Konkurrenz zu machen.
    Ehrfürchtig starrte Léandra nach oben. Eine Träne sammelte sich im Winkel ihres linken Auges, doch sie wischte sie weg, bevor sie ihre Wange herunterrinnen konnte. Sie wagte kaum zu atmen. Jede falsche Bewegung würde den Moment zerstören.
    Schweigend standen die beiden Mädchen auf dem Dach und sahen in den Himmel, in dem es hinter dem Rauch, der Asche und den Wolken doch noch Sterne gab.


    2
    Falls ihr einen Tornado als "Haustier" hättet, wie würdet ihr ihn nennen? (Man merkt, dass mir die Fragen ausgehen xD)

    Über konstruktive Kritik, Anregungen und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen. Hier ist noch einmal der Link zum Original: http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik-MMFF

article
1502025157
World of Mystik 29
World of Mystik 29
Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf den Grund gehe...
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1502025157/World-of-Mystik-29
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1502025157_1.jpg
2017-08-06
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (22)

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Aquila ( von: Aquila)
vor 88 Tagen
Schönes Special, Muria. Großes Lob an dich!
Lili (50367)
vor 89 Tagen
Boa Ey ich mag das nicht bin erst acht
Muria ( von: Murialana)
vor 89 Tagen
Ja, ich weiß, und das braucht dir auch nicht leid zu tun
torden ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Hab damals eben nicht viel dazugefunden und irgendwo stand es dann als Abkürzung von Lapislazuli.
torden ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Ich ändere das jetzt. Tut mir leid, wenn das jetzt unhöflich klingt, aber ich finde es nicht so nett, dass du es mir erst jetzt sagst und dann auch noch auf diese Art. Das hätte man gleich richtig stellen können und nicht erst über ein halbes Jahr danach als Überprüfung.
Muria ( von: Murialana)
vor 90 Tagen
@Torden: keine Ahnung, vielleicht wollte ich einfach, dass du es selbst herausfindest....

@Kalypso: Danke
Kalypso (03087)
vor 90 Tagen
Wirklich schön geschrieben. Respekt
torden! ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Da ich dieses Lob nicht nochmal hinkriege und du es bereits gelesen hast, bekommst jetzt einfach nochmal ein "Gut gemacht" xD

Meinst du die Bedeutung von Lapis Namen?
Und warum hast du es nicht damals beim Perso-Test gesagt?
Muria ( von: Murialana)
vor 90 Tagen
Ok, was ist jetzt passiert?
Zurück zum Fehler beim Lapis-Special: Es handelt sich um einen kleinen Fehler, den du bei einem WoM-Persönlichkeitstest gemacht hast.
torden ( von: torden!)
vor 126 Tagen
Vielen lieben dank. Es freut mich immer neue Leser für WoM begeistern zu können.
.«Gamer-Bär». (00027)
vor 126 Tagen
Ich liebe diese Geschichte, und dein schreib stiehl ist genial und super schön ^^
torden ( von: torden!)
vor 126 Tagen
Danke :)
Muria ( von: Murialana)
vor 126 Tagen
Für alle, die WoM 25 auf dem Smartphone lesen und Kalliks Gedankengang in kursiv nicht lesen können:

IchhabdieKontrolle.
EsdarfnichtüberdenFlussgelangen.
Dasistneu.
MarinaChloéJosiahCarolSolHopeNewt
RheaDjangoLéandraTayo.
NeinnichtTayo.Tayoistfort.Verbrannt.Tot.
Dingedienichthättenpassierendürfen.


Ich hätte mir die Absätze so gern erspart, aber so geht es halt sicher für alle zu lesen.
torden ( von: torden!)
vor 135 Tagen
Danke, auch wenn es sich furchtbar anfühlt sich dafür zu bedanken.
Hillory (40141)
vor 135 Tagen
Ich habe noch nie so etwas schönes gelesen. Der Text über Phyria ist echt klasse.
torden (17672)
vor 437 Tagen
Ich habe es dennoch geändert.
torden! (81341)
vor 458 Tagen
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen.
Lapis (74838)
vor 459 Tagen
Logisch gefällt es mir. Das einzige, was wirklich nicht so ...schön. ... ist, ist, dass sowohl Hannah als auch Lapis "Du bist wach" sagen. Das braucht ihr aber nicht ändern, ich reagiere überempfindlich auf Wiederholungen
torden (25791)
vor 464 Tagen
Danke Lapis, hoffentlich gefällt dir die Darstellung deines Charakters.
Lapis (26629)
vor 464 Tagen
Ihr schreibt mega! Die Spritze gefällt mir XD