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Die Fährte der Katzenwandlerin

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2 Kapitel - 8.868 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2017-08-07 - Entwickelt am: - 298 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 2 Personen gefällt es

Verborgen unter den Menschen leben die Gestaltwandler seit Jahrtausenden auf der Erde. Ihr oberstes Gebot: absolute Geheimhaltung. Ihr Verhältnis untereinander: kritisch. Die junge Katzenwandlerin Brianna hat in ihrem Leben schon viele schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen und versucht irgendwie in einer Gesellschaft voller Fallstricke zu überleben. In vielerlei Hinsicht ist sie für die Gestaltwandler wichtig aber die Zahl ihrer Feinde ist größer als sie ahnt. Unter ihnen der grausame Wolfswandler Rafael Déverbal. Die beiden sind wie Hund und Katze - zusammen in einen Raum eingesperrt würden sie einander zerreissen. Doch was, wenn sie ihre Feindschaft überwinden um gegen eine Bedrohung zu kämpfen, die alle Gestaltwandler betrifft?

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1. Kapitel: "Die Intrige eines Wolfes"

„Manchen Leuten sieht man ihren Charakter an – andere verstecken sich hinter Lügen um unbemerkt aus dem Hinterhalt angreifen zu können.“
Gabe Déverbal

Schwere Schritte kündigten das Nahen einer Katastrophe an. Die Ruhe wurde von dem Geheul der heimkehrenden Wölfe erschüttert. Doch das Heulen hatte eine aggressive, wütende und drohende Note. Kein Wunder, schließlich hatte ein Mitglied des Rudels gegen sämtliche Regeln verstoßen. Bei jungen männlichen Wölfen war das aggressive Aufbegehren gegen die älteren Männchen vollkommen normal. Für gewöhnlich reichten Knurren, nach der Kehle schnappen und ein paar Hiebe mit den Pfoten aus, um wieder für Ordnung zu sorgen. Aber dieses Mal hatte der älteste männliche Welpe übertrieben. Er war in Wolfsgestalt in einem Dorf aufgetaucht, hatte eine alte Frau hinterrücks attackiert, seiner menschlichen Geliebte die Wahrheit über sich und die Existenz von Gestaltwandlern erzählt und er hatte den Alpha Rafael Déverbal herausgefordert. Nun musste über sein Schicksal entschieden werden. Die Mutter glaubte oder hoffte zwar auf eine Lösung, die ihren Sohn lediglich zum Omega machte, aber die anderen waren zu klug, um solchen Illusionen Raum zu geben. Es gab exakt zwei Möglichkeiten wie das Urteil aussehen konnte: Tod oder lebenslanges Exil.
Die Türen zum Arbeitszimmer wurden aufgerissen und die ältesten Mitglieder des Rudels, der Täter sowie der stellvertretende Alpha betraten Rafaels privates Refugium. Seufzend ließ er die Papiere sinken und musterte die angespannten Gesichter. Der Raum brodelte vor Zorn, Wut, Verzweiflung, unterdrückter Aggressionen und mühsam gezügelter Triebe. Allerdings überwog der Geruch von Angst. Rafael war nicht ohne Grund mit siebzehn Jahren zum Alpha geworden. Er genoß den Ruf, listig, klug, brutal, rücksichtslos gegenüber seinen Feinden und grausam zu sein. Alles schwer verdient. Und nun hatte dieser Welpe ihn sich zum Feind gemacht. Ein schwerer Fehler, der sich noch übel rächen würde.
„Er hatte sich im Wald verkrochen.“ Sein jüngerer Bruder Gabe, der Zweite in der Hierarchie, stieß den Jungen hart nach vorne. „Für den Schaden den er angerichtet hat muss er einen Preis bezahlen oder die jüngeren Welpen werden ihm nacheifern.“ Ängstliche braune Augen richteten sich flehend auf den schweigenden Alpha. Der ignorierte die Bitte und lächelte humorlos. „Oh er wird bezahlen, das kann ich dir versichern Gabe.“ Seine Stimme war eiskalt und so schneidend, das jeder mit Ausnahme von Gabe zusammenzuckte. „Jerome, du bist siebzehn. Du bist der älteste Welpe und trägst bereits Verantwortung. Darf ich fragen, warum du dennoch gegen alle Regeln verstoßen hast, die für das Rudel und allgemein für Gestaltwandler gelten? Menschen sind grausam. Sie haben bereits mehrere Rudel ausgerottet. Verwandte von uns in der Schweiz sind ihnen zu Opfer gefallen. Desgleichen in Amerika und in Spanien. Trotzdem hast du den Nerv einem Menschen die Wahrheit über dich, über uns, zu erzählen? Deine Loyalität gehört in allererster Linie deinem Rudel und anschließend allen Gestaltwandler. Entweder hältst du dich an die Regeln oder du wirst getötet. Das weißt du.“
Jerome sank immer mehr in sich zusammen. Unter dem stahlharten Blick seines Anführers verlor er an Selbstsicherheit und an Arroganz. Die Tollkühnheit verzog sich immer mehr. Aber er wusste, das es bereits für ihn zu spät war. Rafael Déverbal hatte längst seine Entscheidung gefällt. „Ich ... weiß nicht. Vielleicht dachte ich, das ich so mehr Aufmerksamkeit bekomme.“ Dummer kleiner Welpe. Mit gesenktem Kopf und ohne jeglichen Mut, versuchte er die richtigen Worte zu finden. Ohne großen Erfolg. „Naja, Aimé liebt Wölfe und in ihrem Zimmer stehen überall Bücher über Werwölfe oder dergleichen. Da dachte ich, das sie es vielleicht verstehen und akzeptieren kann.“
„In Fantasy – Büchern und sogar Filmen mag ja das Gestaltwandeln sehr romantisch dargestellt sein, aber die Realität sieht anders aus.“ Jerome sah kurz hoch. Es wirkte als wolle er protestieren, schwieg aber. „Die Welt ist nicht so schön und rosig, wie’ s deine kleine Freundin gerne hätte. Menschen verstehen nichts. Nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie einfach nicht begreifen können, das es Dinge gibt, die sich ihrem Verständnis entziehen.“ Rafael beugte sich vor, die Hände auf der Tischplatte abgestützt und fixierte den Jungen grimmig. „Sieh mich an Jerome. Der Mensch mag zwar körperlich schwächer und geistig oft unterlegen sein, aber er hat andere Eigenschaften, mit denen er uns gefährlich werden kann. Neugierde, Erfindungsgeist, Leichtgläubigkeit gepaart mit Aberglaube können sich als tödlich erweisen. Instinktiv bekämpfen sie alles Unbekannte oder Fremde. Sie sind leichtgläubig, manipulierbar und haben den beängstigenden Drang für Selbstzerstörung. Sollten sie je erfahren, das es uns wirklich gibt, werden sie uns jagen, an uns herumexperimentieren und uns töten. Wenn’ s drauf ankommt fallen sie dir in den Rücken. In unserer Wolfsgestalt sind wir noch anfälliger für ihre effektiven Waffen als in unserer Menschlichen.“
„Also gibt es keine Möglichkeit, das wir in Eintracht nebeneinander und miteinander leben können? Mit dem Wissen, was der andere ist?“
„Nein.“ Sagte Gabe leise und trat ruhig neben seinen Bruder. „Das ist unmöglich. Selbst die Gestaltwandler, die Menschen als Partner gewählt haben verschweigen ihre wahre Identität. Die Kinder, die aus einer solchen Verbindung hervorgehen leben zwischen den Welten. Oft genug erben sie die meisten Stärken beider Spezies, aber ob sie letzten Endes mehr Wandler sind, entscheidet sich zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr. Selbst wenn sie sich niemals verwandeln können, altern sie genauso langsam wie wir. Sie können ohne Probleme zweihundert Jahre alt werden, wenn sie die richtigen Vorkehrungen treffen. Aber die meisten Mischlinge sterben bei der ersten Verwandlung.“
„Es gibt mehr Mischlinge, mehr Hybriden, als reinblütige Gestaltwandler. Vielleicht erinnerst du dich an den Familiennamen Champbell.“ Die Erwachsenen knurrten beiläufig bei dem Klang des verhassten Namen. Ja, das Wolfsrudel hatte schon ihre Erfahrungen mit dieser Familie gemacht. „Großkatzen, besser gesagt Panther und Geparden haben sich über Jahrhunderte unauffällig in den Stammbaum geschlichen. Ihre jüngsten Vertreter sind die Zwillinge Brianna und Tyler und Emmea. Alle drei befinden sich jetzt in dem zeitlichen Rahmen in dem entschieden wird, ob sie überwiegend menschlich bleiben oder zu vollblütigen Gestaltwandlern mutieren. Ob sie die Verwandlung überleben würde ist eine ganz andere Frage.“ Jerome’ s Mutter trat nach vorne. Sie sah Rafael ernst und bittend an. Er lächelte düster und zog eine Augenbraue hoch.
„Rafael bitte tu das nicht! Er ist doch nur ein Junge.“
Schweigen senkte sich herab, die nur von dem hastigen Atmen des Welpen unterbrochen wurde. Sehr lange starrte Rafael ihn an ehe er sich vom Schreibtisch abstieß und langsam um den Tisch herumging. Jede seiner Bewegungen verrieten die gezügelte Kraft und das Raubtier, das er war. Unwillkürlich schnappten einige nach Luft. Angespannt warteten Mutter und Sohn. Kurz vor Jerome blieb er stehen. Musterte den Jungen aus kalten zusammengekniffenen Augen. Dann schüttelte er entschieden den Kopf. „Für dieses Betragen gibt es keine Entschuldigung Marianne.“ Ohne sich zu ihm umzudrehen fragte er seinen Bruder gelassen: „Ist die alte Dame gestorben oder hat sie seinen Überfall überlebt?“
„Sie hat überlebt dank eines älteren Herren, der den Krankenwagen angerufen hat. Ironischerweise handelte es sich dabei um niemand anderen als den guten alten James Champbell.“
Ein Champbell in seinem Revier und er hatte nichts davon gerochen? Seltsam. Hatten die nervenden Katzen etwa angefangen Kräuter oder Tabletten zu benutzen, die ihren Erkennungsduft überdeckten? Beunruhigend, aber damit würde er sich später auseinandersetzen. „Wenigstens dieses Unglück scheint eine Besserung in Aussicht zu haben. Sorg dafür, das sie die beste Pflege überhaupt bekommt. Und jetzt zu dir Jerome.“ Rafaels Stimme wurde vollkommen ausdruckslos und leise. Ein sicheres Zeichen dafür, das von ihm echte Gefahr drohte. „Du hast eine Frau hinterrücks angegriffen, bist in Wolfsgestalt am helllichten Tag durch die Stadt gestreift, konntest dich nicht an die absolute Geheimhaltung unserer Existenz halten und hast mich herausgefordert. Für einen Siebzehnjährigen ist das Maß an akzeptierten Aufbegehren damit längst voll. Du hast nicht nur andere in Gefahr gebracht sondern auch dein Rudel. Und das, Junge, werde ich nicht tolerieren. Wir müssen unter den Menschen leben. Das können wir nur, wenn wir unerkannt bleiben. Weißt du, was für einen solchen Verrat vorgesehen ist?“ Angespannt schüttelte der Junge den Kopf. Die Augen seiner Mutter füllten sich mit Tränen.
„Tod. Und genau das blüht dir.“ Sechs Worte, die den Anwesenden Angst einjagten, denn sie waren gleichgültig ausgesprochen worden.
Mit einem Aufschrei warf sich die Mutter zwischen ihren Sohn und ihrem Alpha. Was an sich schon an Dummheit grenzte. „Rafael, bitte zeig dieses eine Mal Erbarmen!“ Flehte Marianne. „Jerome ist ein Kind. Er wusste nicht was er tat. Und er hat aus Liebe seiner Aimé alles gestanden.“ Liebe? Glaubte dieser kleine Dummkopf wirklich, das ausgerechnet ein menschliches Mädchen eine Bestie lieben konnte? Das es zu einem Wesen hielt, dessen Besonderheit es nicht einmal ansatzweise begriff! Aimé würde ihn verraten und das Rudel in Gefahr bringen. Eine solche Bedrohung musste ausgelöscht werden. Aber zuerst würde Jerome lernen, das nicht einmal seine weichherzige Mutter ihn vor dem Urteil bewahren konnte. Rafaels goldene Augen wurden zu einem kalten eisblauen Wolfsaugen. Als er nun lächelte blitzten schneeweiße Reißzähne auf. Kein schöner Anblick. „Gabe, bring Marianne nach draußen.“
Um sie würde er sich später kümmern. Sein Bruder gehorchte dem Befehl allerdings nicht ohne ihm einen scharfen Blick zuzuwerfen.
Nun waren sie alleine. „Verwandele dich Junge.“ Als der Kleine zögerte wurde seine Stimme einmal mehr tödlich scharf. „Sofort!“
Zitternd gehorchte Jerome. Mit einem spöttischen Lächeln über diese kindliche Unbeholfenheit zog sich Rafael rasch aus und verwandelte sich fließend. Er war ein ungewöhnlich großer, starker und mächtiger schwarzer Wolf. Die Narben vergangener Kämpfe aus denen er als Sieger hervorgegangen war durchzogen das dichte Fell. Knurrend wartete er.
Als der Welpe seine Wolfsgestalt angenommen hatte, stürzte der schwarze Wolf auf ihn. Scharfe Zähne durchdrangen weiches Fell und bohrten sich schmerzhaft in das Fleisch. Krallen rissen Stücke aus dem sich windenden Körper. Das Schmerzgeheul des jüngeren Wolfes stachelte den Älteren nur an. Fünf Minuten später ließ Rafael von seinem Opfer ab. Gebrochene goldene Augen starrten in die Ferne.
Der Verräter war gerichtet. Die Gefahr für das Rudel war fürs Erste gebannt. Es gab immer wieder Gestaltwandler, die gegen die Regeln verstießen. Verrat wurde streng bestraft. Brutalität, Grausamkeit und Tod waren häufig an der Tagesordnung, wenn man ein Gestaltwandler war. Sowohl die uralte Gestaltwandler – Familie Déverbal als auch die Hybriden der Champbells galten in ihren Kreisen als die grausamsten Gegner und Vollstrecker. Doch der Alpha verspürte keine Erleichterung, keine Reue über seine eigene Brutalität. Es war reine Notwendigkeit gewesen.
Er schüttelte sich und kehrte den traurigen Überresten des Jungen den Rücken. Der Geruch von Blut und Tod war überwältigend, er haftete nicht nur dem Toten an, sondern auch seinem Richter. Der Junge hatte nicht den Hauch einer Chance gehabt. Rafael hatte ihm nicht einmal gestattet sich zu verteidigen. Stattdessen hatte er seinen unterlegenen Gegner in Stücke gerissen ehe er ihm die Kehle durchbiss. Pure Brutalität.

Die anderen Rudelmitglieder hatten ihn nicht aufgehalten. Mal ganz davon abgesehen, das sie es auch nicht geschafft hätten. Dafür war er einfach zu stark. Obwohl der Wolf wahrlich vor Wut tobte, war es letzten Endes Rafaels eher menschliche Seite gewesen, die stets die Kontrolle gehabt hatte. Sicher, er hätte einfach Jerome’ s Genick brechen können aber das wäre seinem Temperament nicht entgegengekommen.
Er verwandelte sich zurück und zog sich an, ohne sich zu Jerome umzudrehen. „Rafael.“ Gabe’ s ruhige Stimme durchschnitt die von Entsetzen durchtränkte Stille. „Marianne ist zu Aimé gefahren. Ich habe Audrey hinterhergeschickt, er wird sie zurückholen.“ Rafael konnte exakt den Moment bestimmen, als sein Bruder die Überreste fand. „Alle raus. Nimmt seine Überreste mit und verscharrt sie. Ich muss mich mit Gabe unterhalten.“ Hinter ihm setzte geschäftiges Treiben ein, als die anderen gehorchte. Nachdem sie verschwunden waren, drehte er sich zu seinem Bruder um. Stellte sich dem anklagenden Blick.
„Warum konntest du nicht einfach sein Genick brechen, so wie du es bei Moira gemacht hast, als sie die Kontrolle verlor?“ Gereizt sah er ihn an. „Weil Moira und Jerome völlig unterschiedliche Regeln gebrochen haben. Außerdem war es die bessere Lösung.“
Gabe verschränkte die Arme vor der Brust. Braune Augen musterten sein Gesicht. Taxierten ihn gründlich. Dann schüttelte der Jüngere den Kopf. „Die bessere Lösung für wen? Für deinen Wolf der vor Wut tobte oder für deine Vorliebe für blutige Gewalt? Du bist eiskalt. Ohne jegliche Gefühle wenn es darum geht, Milde walten zu lassen. Ja der Junge hat sämtliche Regeln gebrochen, aber einen derartigen Tod hat er nicht verdient. Dafür wirst du in die Hölle kommen.“ Geringschätzig verzog Rafael die Lippen zu einem harten Lächeln. „Anscheinend hast du zu viel Zeit mit Zane verbracht. Ihr seid beide zu weichherzig. Genauso wie Marianne.“ Zane war der jüngste Bruder. Er hielt wenig von Brutalität, Grausamkeit und Töten. Bereits im Alter von zehn Jahren war er deshalb zum Omega erniedrigt worden. Trotzdem gab es auch Situationen in denen der Alpha auf ihn hörte. Allerdings war das in letzter Zeit immer seltener geworden. „Hör auf damit Rafael. Nur weil wir nicht den Wunsch verspüren, andere für den kleinsten Fehler an die Kehle zu gehen sind wir nicht schwach.“ „Hmpf, das sehe ich anders.“ Ruhig musterte er die Stelle, wo der Junge gestorben war. „Ich weiß noch nicht, wie ich mit Marianne verfahren soll. Aber für den Moment spielt das auch keine Rolle. Immerhin habe ich noch ein Projekt, das ich dringend Aufmerksamkeit widmen muss.“
Brianna Champbell. Wie viel von ihr mochte wohl Gestaltwandler sein? „Wenn du damit Brianna meinst, lass sie in Ruhe.“ Langsam zog Rafael eine dunkle Augenbraue hoch. „Im Ernst Rafael. Wir wissen nicht einmal, ob sie wirklich die Hüterin ist. Und selbst wenn sie es wäre würde sie es dir niemals gestatten Einfluss auf sie zu nehmen. Angenommen, sie wäre diejenige, die wir seit Jahren suchen, was würdest du von ihr überhaupt wollen? Vergiss nicht, sie gehört in allererster Linie zu den Bells. Dem mächtigsten Katzenwandler – Clan, die natürlichen Feinde unserer Familie. Die Champbells sind neben de Vil die Einzigen die alle Kriege auf der Erde überlebt haben. Sowohl in der Welt der Menschen als auch in unseren Kreisen genießen sie hohes Ansehen.“
Das entsprach der Wahrheit und trieb ihn in den Wahnsinn. Ursprünglich stammte nämlich ein Teil der Champbell – Familie aus England, Amerika und Afrika. Aber die Hauptlinie lebte seit Jahrhunderten, sogar Jahrtausenden in Frankreich. Dem Land, das die Déverbal – Wölfe und ihre Verbündeten für sich beansprucht hatten. Aber die Champbell hatten sich niemals einschüchtern lassen und konnten im Zweifelsfall selbst den mächtigsten Wolfswandlern das Fürchten lehren. Ganz gleich, ob sie in ihrer Tiergestalt kämpften oder als Menschen – wütend waren sie tödlich. Aber in den letzten zwei Jahrhunderten waren die Kämpfe weniger geworden. Es herrschte ein fragiler Waffenstillstand. Solange niemand unerlaubt das Territorium des anderen betraten blieb alles beim wachsamen Beobachten aus sicherer Entfernung.
Oft genug war Brianna Champbell in ihrem Revier gewesen, aber damals hatten sie die junge Frau geduldet, denn sie hatte nicht ihren angeborenen Familiennamen benutzt sondern den ihres Ehemannes und mithilfe von Kräutern hatte sie ihre unverkennbare Duftnote überdeckt. Tatsächlich war sie fünf Jahre lang die Erzieherin von Rafaels Söhnen Julian und Henry gewesen. Später als Mutter hatte sie die Erfahrungen gut umsetzen könnte. Aber wie Rafael durch Nachforschungen erfahren hatte, waren ihr Ehemann und ihre kleine dreijährige Tochter im letzten Jahr getötet worden. Unter mysteriösen Umständen. Noch interessanter aber war, das weder ihre Geschwister noch ihr Vater von ihrer Heirat und ihrer Tochter gewusst hatten. Warum? Etwa aus Angst?
„Brianna Champbell ist niemand anderes als Elira MacRobsion. Unsere frühere Erzieherin.“ Zufrieden bemerkte er Gabe’ s sichtbare Überraschung. Das war eine Information die sein Bruder noch nicht kannte. „Kannst du mir mit diesem Hintergrundwissen meine Neugierde verdenken? Ich will wissen, wer sie wirklich ist.“ Elira war eine warme, freundliche und liebevolle Frau gewesen. Seine Söhne vergötterten sie immer noch und fragten täglich nach ihr. Brianna Champbell dagegen zeigte kaum Schwäche oder gar liebevolle Gefühle. Kein Zweifel, sie konnte charmant, höflich und zuvorkommend sein, aber sie hielt ihr wahres Ich in Gesellschaft anderer streng unter Verschluss. Wer war sie also wirklich? Neben dieser Faszination, die das Potenzial für eine Obsession hatte, wollte er den Champbell auch endlich zwei wichtige Territorien abluchsen und Brianna einen wichtigen Auftrag wegschnappen. Denn beide waren Modedesigner oder Künstler – wobei seine Gegnerin sich mit ihren Kollektionen auf die kleineren „normalen“ Frauen konzentrierte. Außerdem hielten Brianna und er sich aus dem Medienrummel absichtlich heraus. Mundpropaganda funktionierte meistens besser – zumindest wenn man die richtigen Leute kannte.
Misstrauisch verengte Gabe die Augen zu Schlitzen. „Das ist längst nicht alles. Du hast nicht etwa vor den Champbells Montpellier und Carcassonne abzunehmen.“ Doch, genau das war sein Plan. „Du gefährdest den Waffenstillstand! Willst du etwa eines Nachts aufwachen und dein gesamtes Rudel von den de Vil abgeschlachtet vorfinden? Denn Carcassonne ist ihr Hauptsitz und sie hassen die Wölfe immer noch.“
Katzenwandler hatten sogar ein noch besseres Gedächtnis als Wolfswandler. Und sie schreckten vor heimtückischen Angriffen aus dem Hinterhalt nicht zurück wenn sie sich bedroht fühlten.
„Ich werde mir beide Städte zurückholen und den Champbells damit einen Denkzettel verpassen. Immerhin hat ihr Oberhaupt James Champbell unerlaubt unser Revier betreten. Und ironischerweise wird sein Sohn mir helfen.“ Er grinste. Seitdem er von den Heiratsplänen von Jonas Greystone gehört hatte freute er sich sogar auf diese Begegnung. Jonas hatte sich ausgerechnet für die jüngste Champbell entschieden, Emmea.
Der Engländer war mit ihm zusammen in Eton gewesen – denn Rafael war bei seiner Mutter in England aufgewachsen. Deshalb würde er auch eine Einladung zur Hochzeit bekommen. Die ideale Möglichkeit um seinen Plan ins Rollen zu bringen. Mit Tyler, der seit seinem fünfzehnten Lebensjahr von der Familie ausgestoßen war und dem zumindest die ältere Schwester feindlich gegenüberstand, hätte er die perfekte Ablenkung.
„Du wirst als Eunuch aus der ganzen Sache herausgehen!“ Prophezeite Gabe grimmig. „Tyler ist Briannas Zwillingsbruder und eine echte Plage. Er spielt nach seinen eigenen Regeln und hat eine dunkle Vergangenheit. Ich weiß nicht, was er jetzt für seine Schwestern empfindet, aber wenn er herausfindet, das ausgerechnet ein Wolf ihn manipuliert hat um zwei der wichtigsten Territorien seiner Familie an sich zu reißen wird er dich kastrieren oder umbringen. Je nach dem wie sauer er sein wird. Von der Reaktion der anderen Champbell mal ganz zu schweigen.“
„Sie werden es nicht herausfinden, verlass dich darauf!“
„Unterschätze sie nicht, nur weil in ihren Adern auch menschliches Blut fließt. Wenn sie mit dir fertig sind, wird nicht einmal etwas für eine Beerdigung übrig bleiben. Also lass die Finger davon.“
„Du bist ein unverbesserlicher Pessimist.“
Traurig schüttelte sein Bruder den Kopf.
„Nein Rafael. Ich bin ein Realist. Ich kenne die Familie Champbell gut genug um zu wissen, was wir uns ungestraft leisten können und was uns den Kopf oder unsere Männlichkeit kosten kann.“
„Ha! Das denkst du. Ich werde dir das Gegenteil beweisen.“
„ Sei vorsichtig. Manchen Leuten sieht man ihren Charakter an – andere verstecken sich hinter Lügen um unbemerkt aus dem Hinterhalt angreifen zu können.“ Nach dieser letzten düsteren Warnung verließ Gabe ihn. Mit einem Lächeln sank Rafael auf seinen Stuhl und klappte seinen Laptop auf. Suchte und fand schließlich die Akte über Elira MacRobinson.
Sie hatte beeindruckend viele Jobs schon gehabt, bevor sie bei ihm anfing. Kellnerin, Verkäuferin im MONOPRIX, Babysitterin, Praktika bei Musikproduzenten, Modemarken oder Bibliotheken. Alle ehemaligen Arbeitsgebern waren mit ihr und ihrer Arbeit sehr zufrieden gewesen. Mit dem Geld hatte sie ihr Studium finanziert und so auch ihren späteren Ehemann Nathaniel MacRobinson kennengelernt der Medizin studierte. Wenn Elira und Brianna dieselbe Person waren – warum hatte Brianna nicht ihren echten Namen benutzt? Immerhin hätte das ihr einigen Vorteil verschafft. Stattdessen hatte sie sich eine zweite Identität geschaffen.
Bis auf die Referenzen, ihre aktuelle Lebenssituation und ihr Alter hatte sie alles erfunden. Sie musste in den Behörden jemanden haben, der ihr dabei geholfen hatte. Das könnte sich gegen sie verwenden lassen.
Sein Handy klingelte. Mit einem Lächeln nahm er ab. Wie erwartet war es ein alter Freund, der sich in den Haushalt von Tyler Champbell geschlichen hatte. Da es sich dabei um einen Menschen handelte konnte der junge Gestaltwandler nicht sofort misstrauisch werden. Nach einem kurzen Austausch üblicher höflicher Floskeln kam der alte Freund zur Sache. „Monsieur Déverbal, M. Champbell ist nachhause gekommen. Er weiß, das er heute Abend Besuch bekommt. Soll ich ihm erzählen, wer Sie sind?“ Rafael überlegte kurz und entwarf diese Idee. Sobald Tyler ihn sah würde er wissen mit was er es zu tun hatte. „Nein. Sagen Sie ihm lediglich das es ein reicher Mann ist, der hofft, in Frankreich Fuss zu fassen.“ Was bedeutete das es vielleicht klüger wäre, hauptsächlich Englisch zu sprechen. Oder Deutsch, denn soweit er wusste sprach Tyler diese Sprache fließend. Ein Erbe seiner Mutter. „Gut. Welche Sprache?“
„Deutsch.“ Sein Informant und alter Freund schwieg verblüfft.
„Sie können Deutsch? Aber ich dachte für die meisten Franzosen wäre Deutsch zu schwierig.“ Das stimmte nur zum Teil. Von der Grammatik, dem Klang der Worte und manchen Formulierungen her unterschieden sich die Sprachen durchaus. Außerdem hatte er Kontakte zu deutschen Wolfsrudeln. Er hatte drei Jahre in Deutschland gelebt und zwei in der deutschsprachigen Schweiz. Um in Übung zu bleiben unterhielt er sich regelmäßig über Skype mit den deutschen Alphas in ihrer Sprache.
Hinzu kam, das seine einzige Schwester, die zwei Jahre älter war als er in eines dieser Rudel eingeheiratet hatte.
„Meine Schwester ist einem Deutschen glücklich verheiratet.“ Er sah auf die Uhr über der schweren Eichentür. „Bis heute Abend, Monsieur.“ Voller Vorfreude legte er auf und überlegte sein Vorgehen.

Tyler Champbell mochte aus einer vermögenden Familie stammen, aber sein Reichtum zeigte sich nicht in seinem Wohngegend. Er lebte in einem Mehrfamilienhaus und schien sich gut mit seinen Nachbarn zu verstehen. Als Rafael klingelte und das Treppenhaus betrat kamen ihm von oben ein älteres Ehepaar entgegen. Menschen. Er lächelte ihnen freundlich zu und hielt die Tür für sie offen. Als er die gesuchte Wohnungstür erreichte blieb er abrupt stehen. Eine orange – weiß gestreifte Katze saß davor und miaute. Tyler öffnete. Er sah ganz und gar nicht so aus, wie Rafael ihn sich vorgestellt hatte. Die kastanienbraunen Locken waren hinten zu einem kleinen Zopf zusammengefasst, er hatte ebenmäßige Gesichtszüge, einen Dreitagebart und intelligente grüne Augen. Schlank, durchtrainiert, muskulös und großgewachsen. Auch sein Kleidungsstil war angenehm. Eine saubere gebügelte Hose und ein blütenweißes Hemd dessen oberster Knopf leicht geöffnet war. „Dummes Kätzchen.“ Seine Stimme war warm und tief. „Warum vergisst du auch immer, das du eine Katzentreppe zu meinem Fenster hast? Na komm schon rein.“ Hoheitsvoll schritt die kleine Katze an ihm vorbei wobei sie sich an ihm rieb. Mit einem Lächeln sah er ihr nach. Dann atmete er ein und erstarrte. Langsam drehte er sich um und musterte Rafael kühl. „Wenn das nicht eine Überraschung ist.“ Spottete er leise und richtete sich zu seiner beträchtlichen Größe auf. „Ein Wolf in einem Gebäude, das hauptsächlich von Menschen bewohnt wird.“ Also war er mit Gestaltwandlern sehr vertraut.
„Ich weiß nicht wovon Sie reden Herr Champbell.“ Verächtlich schnaubte der junge Mann. Dann lehnte er sich entspannt gegen den Türrahmen. „Sie sind Franzose. Das höre ich Ihrem Akzent an. Also warum sind Sie wirklich hier? Immerhin haben Sie mich über meinen Hauswart über Ihren Besuch informiert. In der Zeit moderner Technologie sollte es doch möglich sein, das Sie Anrufe tätigen oder Mails schreiben, wenn Sie etwas von jemanden wollen.“ Anscheinend war der Junge klüger als er anfangs gedacht hatte. Über seine wahren Gründe würde er allerdings Stillschweigen bewahren. „Sie haben Recht, ich bin Franzose, aber ich habe Kontakte in Deutschland.“ Er zögerte. Die Möglichkeit, das einfache Menschen etwas über seine Pläne erfuhren gefiel ihm gar nicht. „Könnten wir uns vielleicht drinnen unterhalten? Hier gibt zu viele zufällige Zuhörer.“ Tyler grinste und strich eine störrische Locke aus seinem Gesicht. Gelassen ließ er seinen Blick durch das Treppenhaus schweifen ehe er seinen ungebetenen Gast fixierte.
„Die Wände hier sind sehr dünn, aber solange niemand darauf bedacht ist, etwas herauszufinden, werden sie sich kaum für die Geschicke anderer interessieren.“ Er kniff die Augen zusammen. „Glauben Sie ja nicht, das ich Ihnen Ihr unschuldiges Verhalten abkaufe. Wenn ich Sie in meine Wohnung lasse, dann unter der Bedingung, das sie meine Fragen ehrlich beantworten. Habe ich darauf Ihr Wort?“ Widerwillig nickte Rafael. „Bon. Halten Sie sich von meinem Kater fern. Er hasst Hunde und Wölfe genauso sehr wie Lügner. Glauben Sie mir einfach, wenn ich Ihnen sage, dass es in Ihrem Interesse liegt, nicht seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.“ Nach dieser Warnung ließ er ihn passieren. Rafael fiel sofort auf, wie sauber und ordentlich die Wohnung war. Er lächelte, als er bemerkte, das Tyler ihn keine Sekunde lang aus den Augen ließ oder ihm den Rücken kehrte. Anscheinend hatte der junge Champbell bereits Erfahrungen mit einigen Wölfen gehabt. Wobei ihn interessierte, mit welchen. Aber jetzt galt es erst einmal, das Vertrauen seines Gastgebers zu gewinnen. Was nicht sehr einfach werden würde. Dafür saß das Misstrauen zu tief. Vielleicht half ein wenig belangloser Konversation.
„Sie haben diese Wohnung in ein angenehmes Zuhause verwandelt.“
„Falls Sie überlegen, ob mir dabei eine Frau geholfen hat muss ich Sie enttäuschen. Und jetzt zu Ihnen: bisher haben Sie mir weder Ihren Namen noch den Grund Ihres Besuchs genannt. Oder sollte ich sagen Gründe?“ Ablenkung würde also nicht funktionieren. Aber vielleicht fruchteten Halbwahrheiten. Es gab Katzenwandler, die Lügen wahrnehmen konnten und die Angehörigen der Familie Champbell gehörten dazu. Solange seine Aussagen aber ein wenig Wahrheit enthielten könnte er vielleicht einer direkten Befragung entgehen.
„Ich heiße Henri Deboise, bin Unternehmer und wohne zeitweilig wieder in Frankreich. Und was meine Gründe für diesen Besuch angeht – könnten wir uns vielleicht hinsetzen?“ Die Miene des anderen Mannes wurde während seiner Erklärung undurchdringlich. Es gefiel Rafael ganz und gar nicht, das er den jungen Mann nicht wirklich einschätzen konnte. Vor allem wurde er das beunruhigende Gefühl nicht los, das sein Gastgeber mehr sah und mehr wusste, als er aussprach.
„Gerade aus, erste Tür rechts.“ Eine knappe Anweisung. Ihm wurde mulmig zumute. Denn statt vorauszugehen blieb Tyler dicht hinter ihm. Deutlich spürte er die mühsam gezügelte Kraft, die unnatürliche Körperhitze und die dicht an der Oberfläche lauernde Raubkatze. Mochte der Junge sich auch nicht verwandeln können, er besaß auch so über genügend Kraft um ihn ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Vielleicht sogar um ihn unschädlich zu machen. Es sei denn, Rafael verwandelte sich. Aber das musste er vermeiden. Für ihn galten dieselben Regeln wie für jeden anderen Gestaltwandler. Der schlechteste Ort, den man für eine Verwandlung wählen konnte war Mehrfamilienhaus mitten in einer Stadt. Er stieß die Tür auf. Es war ein Arbeitszimmer. Mit grimmiger Miene wartete Tyler, bis sein Gast sich gesetzt hatte ehe er selbst Platz nahm. „Warum sind Sie eigentlich so angespannt? Fast unhöflich?“
Grüne Augen musterten ihn eindringlich. Etwas blitzte in ihnen auf, dann war der Schutzschild wieder da. Rafael hatte das ungute Gefühl, das dieses Etwas eine Erkenntnis seinen könnte, vielleicht sogar ein Erkennen.
„Was haben Sie denn für eine Reaktion erwartet? Freudenschreie weil ein reicher Unternehmer sich mit mir unterhalten will?“ Ein verächtliches Schnauben. „Sie sind ein Wolfswandler und das bedeutet, das die Gründe die Sie mir freiwillig nennen werden nur Vorwände sind. Wenn es etwas mit meiner Schwester Brianna oder den Territorien zu tun hat, sollten Sie besser wieder gehen. Ich werde ein solches Ansinnen nicht unterstützen.“ Ungläubig schüttelte Rafael innerlich den Kopf. War Tyler etwa ein Hellseher? „Nein, ich bin kein Hellseher. Aber meine Mutter besaß große telepathische Fähigkeiten und sie war eine Empathin.“ Das erklärte die erschreckende Hellsichtigkeit bezüglich seiner Pläne. Ungeachtet des immer deutlicheren Unwohlseins seines Gastes fuhr er fort. „In Zukunft sollten Sie sich besser informieren, wenn sie daran denken, einem Champbell eine Falle zu stellen.“ Ein spöttisches Lächeln umspielte die Lippen des Jüngeren. „Ihr Name ist frei erfunden.“
Woher wusste er das? Erschrocken zuckte er zusammen. Mit einem zynischen Gesichtsausdruck lehnte sich Tyler nach hinten. „Sie sehen Ihrem jüngeren Bruder Zane unglaublich ähnlich, Rafael Déverbal. Ich weiß aus gut informierten Quellen, das Sie vorhaben, meiner Zwillingsschwester einen großen Auftrag wegzuschnappen, zwei ehemalige Territorien Ihres Clans zurückzuholen und zudem herausfinden wollen, wer die echte Brianna wirklich ist.“ Wie um alles in der Welt hatte er das herausgefunden? Woher kannte der Hybride seinen jüngsten Bruder Zane? Und was sollte er jetzt tun, da sein Vorhaben aufgeflogen war? Alles abstreiten? Aber das würde ihm nicht helfen.
„Zane und ich waren in der gleichen WG. Wir haben zwei Jahre zusammengewohnt. Wenn Sie ihn allerdings nach mir fragen wird er es abstreiten. Denn wie meine Schwestern habe ich jahrelang mit einer anderen Identität gelebt.“ Tyler grinste boshaft. „Wie klein doch die Welt ist, nicht wahr? Fragen Sie bei Gelegenheit Ihren Bruder Gabriel oder Gabe wie er sich jetzt nennen läßt nach einer Silversterparty, die damit endete, das er am nächsten Morgen gebrochenen Arm und aufgerissenen Rücken in einer Gasse erwachte.“ Wütend fuhr Rafael auf. Das durfte nicht wahr sein! „Sie ausgekochter Sohn einer Katzenhure!“
Blitzschnell schlug der Hybride zu. Messerscharfe Krallen schlitzten Rafaels Wange auf. Er keuchte vor Schmerz. „Meine Mutter war ein Mensch, Wolf, und sie war ganz sicher keine Hure. Verschwinden Sie, ehe ich meine Wut an Ihnen auslasse.“ Diese Warnung nahm er ernst. Rasch stand er auf und verließ die Wohnung. Sein Plan war gründlich schief gegangen. Wenn er Pech hatte, würde Tyler seine Familie informieren und alarmieren. Ja, er hatte den Jungen unterschätzt. Ein zweites Mal würde ihm das nicht passieren. Allerdings würde er seinen Plan kaum aufgeben. Gut die Ausführung musste noch einmals überdacht werden genauso wie die Strategie. Vielleicht sollte er erst mal äußerlich den Anschein erwecken, er hätte das Vorhaben aufgegeben. Das würde ihm die nötige Zeit geben um neu zu planen. Bis zu der Hochzeit würde er wissen, wie er vorgehen musste, damit so etwas wie heute nicht passierte.

„Habe ich dich nicht ausdrücklich davor gewarnt?“ Schimpfte Gabe als er Rafaels Verletzung untersuchte. „Hoffentlich war kein Gift an den Krallen. Ungestraft stiehlt man einer Raubkatze nichts.“ Sein älterer Bruder seufzte entnervt. „Hast du ihn informiert? Er wusste alles, jedes noch so kleine Detail. Außer uns war niemand im Raum als ich über meine Pläne gesprochen habe.“ Doch dann fiel sein Blick auf das große Gemälde. Konnte es sein, das Tyler sein Arbeitszimmer verwanzt hatte? Zuzutrauen wäre es ihm. Misstrauisch sah er nach und tatsächlich. Verdammte Katzen. Wie war es ihnen nur gelungen unbemerkt hier herein zu kommen und die Wanzen anzubringen ohne eine Fährte zu hinterlassen! Offensichtlich hatte er die Familie unterschätzt.

Kommentare (1)

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Sarah Laureen ( von: Sarah Lauree)
vor 55 Tagen
Schade, keine Rückmeldung. Vielleicht sollte ich bei Fanfictions für Herr der Ringe bleiben und meine eigenen Geschichten woanders vorstellen. Traurig. Drei Jahre Arbeit gefühlt umsonst.