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World of Mystik 28

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2 Kapitel - 3.368 Wörter - Erstellt von: Torden! - Aktualisiert am: 2017-08-03 - Entwickelt am: - 67 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf den Grund gehen sollen.
Basierend auf Phyria's MMFF

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    … so schallt es zurück

    Die Brücke lag einsam und verlassen vor ihnen. Eisschollen hatten sich trotz des tosenden Wassers unter ihr angesammelt. Sie führte über den Fluss, dem sie bereits seit Tagen gefolgt waren. Falls einmal eine Straße über die Brücke hinweggeführt hatte, war sie von den Bäumen verschluckt worden.
    Das die Brücke überhaupt noch stand, glich einem Wunder, fand Hannah. Sie hing wie ein Betrunkener über dem Wildwasser. An vielen Stellen waren Steine in den Fluss gedonnert und kleine Bäume wuchsen auf ihr. Aber sie war der einzige Weg hinüber, dem sie bis jetzt begegnet waren und der einzige im Umkreis von hundert Kilometern, wenn sie Amechi Glauben schenkte.
    Die Afrikanerin war Hannah suspekt. Wie jemand es schaffte, drei Jahre in der Wildnis zu überleben, von der Außenwelt abgeschnitten, war ihr ein Rätsel. Ihr Gang war zu aufrecht, zu fließend, als ob ihr die Einsamkeit Spaß machte. Aber Karu und Hjördis vertrauten ihr, weshalb Hannah nichts sagte.
    „Darüber?“, fragte sie zweifelnd und unterdrücke ein Niesen. Verdammte Tannen. Ob genverändert oder nicht, die Allergie bleibt.
    „Sie ist sicherer als es den Anschein hat,“ bestätigte Amechi mit einem Nicken. Hannah sah ihr dabei zu, wie sie ihren Speer wie einen Blindenstock dazu benutzte, lockere Steine unter der dicken Schneeschicht zu ertasten. Zögerlich folgte sie Hjördis und versank bis zu den Oberschenkeln im Schnee. Hier, wo die Bäume noch nicht so groß wie ihre Verwandten ein paar Meter weiter weg waren, hinderte kein ausladendes Nadeldach die graue Masse daran, sich aufzutürmen. Trotz der gestohlenen Hose kroch Kälte in Hannahs Glieder.
    „Noch etwa 30 Minuten und wir sind da,“ verkündete Amechi und bahnte sich einen Weg um einige kleinere Tannen.
    Unter ihnen brauste der Fluss. Hjördis presste sich die Hände auf die Ohren und hatte Mühe dabei ihren eigenen Speer festzuhalten.
    „Lass mich!“, rief Hannah und Hjördis reichte ihr den Speer mit einem gequälten Blick. Wenn wir wieder im Fort sind, besorge ich ihr diese Tabletten. Da kann man ja kaum zusehen.
    Hinter sich hörte Hannah einen leisen Aufschrei. Sie fuhr herum, bereit es mit jedem Bären, Auftragsmörder oder Para aufzunehmen, der sich ihnen näherte. Womit sie nicht gerechnet hatte, war ein karuförmiges Loch im Schnee. Aus dem Loch drang ein dumpfes Stöhnen und einen Hand tastete über den Rand. Hannahs Kichern wurde zu einem Niesen und dann zu einem Lachen. Sie reichte Karu ihre Hand und hievte ihn aus dem Schnee.
    Eiskristalle klebten in seinen dunklen Haaren, ein Schneebart zierte sein Gesicht. Hannah brach in schallendes Gelächter aus.
    „Was!“, knurrte Karu missmutig und klopfte sich Schnee von der Kleidung.
    „Du,“ japste Hannah, „Siehst aus wie ein kubanischer Weihnachtsmann.“
    „Was habt ihr Europäer eigentlich immer mit dem Weihnachtsmann?“, grummelte Karu. „Ihr zieht das ganze immer so groß auf.“
    „Entschuldige mal aber Weihnachten ist wichtig!“, rief Hannah entsetzt. Weihnachten ist toll. Plätzchen, Geschenke, Lichterketten. Gut, da ist diese nervige Sache mit der Kirche, aber die dauert zum Glück nicht lange.
    „Genau, was habt ihr Festländer eigentlich immer mit dem Weihnachtsmann?“, fiel ihr Hjördis in den Rücken und lachte, ohne die Hände von den Ohren zu nehmen. „Auf Island gibt es dreizehn. Und eine Katze.“
    „Ihr Isländer müsst aber auch in allem speziell sein. Entscheidet euch erst mal für eine Kontinentalplatte, dann reden wir weiter,“ schimpfte Hannah gespielt beleidigt.
    Hjördis warf die Haare in einer arroganten Geste zurück, konnte sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen: „Tja, wir sind halt besonders.“
    „Ich unterbreche euer Geplänkel ja nur ungern,“ verkündete Amechi vom anderen Ende der Brücke, „Aber wir sollten uns beeilen. Ich friere mir gleich den … ich friere mir gleich alles ab.“
    Hannah seufzte und trottete hinter ihr her. Aber Amechi hatte Recht. Auch sie war froh, wenn sie ins Trockene kamen und den Schnee eine Weile hinter sich ließen.
    Karu schloss zu ihr auf. Der obere Reißverschluss seines Rucksacks stand ein Stück weit offen und sie zog ihn zu.
    „Danke,“ sagte er freundlich, den Blick auf den Boden geheftet, um nicht wieder zu stolpern.
    „Kein Problem. Erzählst du mir von Weihnachten bei euch?“, fragte sie neugierig.
    „Da gibt es nicht viel zu erzählen,“ seufzte er. „Weihnachten und andere religiöse Feiertage sind auf Kuba nicht mehr so wichtig wie früher. Seit der Revolution kontrolliert der Staat auch die Religionen. In meiner Familie wird gemeinsam gegessen, danach geht es in die Kirche und ein paar Wochen später gibt es Geschenke. Das war‘s.“
    „Bei uns war Weihnachten immer das Fest des Jahres. Die ganze Familie ist gekommen und wir standen schon morgens in der Küche und habe gemeinsam gekocht. Juli und ich haben den Baum geschmückt und nach der Kirch gab es Geschenke und Essen. Am nächsten Tag habe ich es immer bereut so viel gegessen zu haben, aber es hatte sich gelohnt. Das ist jetzt alles vorbei,“ gegen ihren Willen schossen ihr Tränen in die Augen. „Juli und ich haben immer auf Schnee gehofft. Richtigen Schnee und nicht diese graue Pampe,“ schnaubte Hannah wütend und trat gegen eine Schneeverwehung. Sie wehrte sich nicht, als Karu ihr den Arm um die Schulter legt und sie weiterführte.
    Hannah Blick fiel zu einem Schild, das an einem Baum genagelt hing. Der Wegweiser war alt und verwittert. Selbst wenn sie Kyrillisch hätte lesen können, war die Schrift zu verblasst um sie zu entziffern.
    „Tesnina,“ erklärte Amechi. „Das Dorf war schon immer klein, aber als die Bäume kamen, zogen auch die restlichen Bewohner fort. Heute ist dort nichts als schlecht erhaltene Ruinen und Wald. Wir bräuchten drei Stunden.“
    „Nein, die Höhle klingt gut,“ erwiderte Hannah und zwang sich zu einem Lächeln.

    Die Höhle war klein, aber trocken. Man quetschte sich durch einen schmalen Spalt, um in einer vielleicht drei Parkplätze großen Kammer mit niedriger Decke herauszukommen. Der Boden war mit vertrocknetem Laub und Nadeln bedeckt. Zwischendrin lagen Knochen von kleinen Tieren, die von einem Fuchs oder anderem Tier angeschleppt worden waren.
    Hannah schob die Knochen mit der Schuhspitze beiseite und ließ sich auf den Boden fallen. Die Nadeln waren bequemer als sie aussahen und all zu viele Tannennadeln waren nicht dabei. Ihren Rucksack lehnte sie neben sich.
    „Nett hier,“ sagte Hjördis als sie durch den Spalt hineinstolperte.
    „Ja,“ meinte Amechi. „Ich fand sie, als ich mich vor einem Bären verstecken musste, der die Brombeeren nicht mit mir teilen wollte. Den Rest der Nacht durfte ich dann mit einem zornigen Dachs verbringen, der sich hier niedergelassen hatte.“
    „Echt?“, fragte Hannah. Alle Bären, die sie kannte, waren traurige Geschöpfe in Zoos. Einen in der freien Wildbahn zu sehen, musste toll sein. Wenn man nicht gerade von ihm gejagt wurde.

    Das Feuer loderte hell und einladend. Hannah sah dem Rauch hinterher, der durch den Spalt davon zog. Über einem Bereich Glut köchelte die vorletzte ihrer Tütensuppen. Ab Morgen würden sie jagen müssen und auf die Energieriegel zurückgreifen, aber Amechi meinte, dass Jagen kein Problem für sie sei. Hannah war sich nicht sicher, ob sie das essen würde. Sie war zwar keine Vegetariern, aber als sie im Surival-Training ein Kaninchen häuten und ausnehmen sollte, war sie aufgestanden und gegangen.
    Welcher gesunde Mensch verlangte von einer Dreizehnjährigen bitte schön ein Tier auszuweiden!
    „Wohin werdet ihr gehen, wenn alles vorbei ist?“, fragte Karu in die Stille hinein. Hannah wandte den Kopf zu ihm. Er starrte in die Flammen, so als würden sie ihm Ort ganz weit weg zeigen.
    „Ich will nachhause zurück,“ meinte Hjördis. Ihre Stimme war belegt. „Island hat es nicht so schlimm erwischt und vielleicht hat mein Bruder es vorm Tsunami in hohes Gebiet geschafft.“
    „Ich dachte, euer Haus wäre zerstört worden,“ hackte Hannah nach und bemerkte erst im nächsten Moment, dass das kein gutes Thema war. „Tut mir leid.“
    „Schon okay. Ja, es wurde zerstört, aber meine Großeltern haben einen Hof in den Westfjorden. Die Wellen kamen nicht bis dorthin. Außerdem hat auf der Wiederaufbau bestimmt schon begonnen.“
    „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht,“ sagte Amechi. „Ich stamme aus Nigeria, kam aber mit dreizehn in ein Trainingslager von ATLAS in Südafrika. Mit siebzehn ging ich dann ins Fort, weil das Lager aufgelöst wurde und begann eine Betreuerausbildung. Cielo und ich haben uns freiwillig für diese Aufgabe gemeldet. Wir wollten auf eine Mission, bevor wir irgendwo hingeschickt wurden, um Ausschau nach jungen Paras zu halten.“
    „ATLAS nimmt dich wieder auf. Keine Sorge,“ erklärte Hannah zu ihrem eigenen Erstaunen.
    „Werden sie bestimmt, aber ich weiß nicht, ob ich das will,“ erwiderte Amechi und schenkte ihr ein trauriges Lächeln.
    Sie war solange allein im Wald, dass sie sich nicht mehr in der „normalen“ Welt vorstellen kann. Wir sind uns gar nicht so unähnlich, beides Heimatlose.
    „Mein Zuhause und alles, was ich kannte, wurde beim Erdbeben zerstört,“ sagte Hannah leise. „Meine Eltern sind höchstwahrscheinlich tot, genauso wie der Rest meiner Familie.“ Jetzt wo sie es aussprach, kam es ihr schrecklich endgültig vor. Sie hatte es bereits vorher gewusst, aber nicht wahr haben wollen. Tränen traten ihr in die Augen, aber dieses mal wischte Hannah sie nicht weg oder versuchte sie zu verstecken. Schluchzer erschütterten ihren Körper, bis Hjördis sie in den Arm nahm.
    „Ich kann dir nicht versprechen, dass alles gut wird. Nur, dass es besser wird,“ flüsterte das ältere Mädchen ihr ins Ohr. Hannah vergrub ihr Gesicht in Hjördis Halsgrube. Wie gerne würde sie ihr glauben.
    „Hey, wir sind jetzt deine Familie,“ schloss sich Karu Hjördis an und rückte ein Stück näher. „Wir lassen dich nicht allein.“
    „Doch,“ Hannah hob den Kopf. „Ihr werdet nachhause gehen. Du nach Kuba, sie nach Island.“
    Karu lächelte leicht und Hannah sah, dass er Hjördis in die Augen blickte. Wieder trafen die beiden eine stille Entscheidung.
    „Weißt du, Island klingt gar nicht so schlecht mit seinen dreizehn Weihnachtsmännern,“ meinte Karu schließlich. „Die Katze nicht zu vergessen.“
    „Willst du nicht nach Kuba zurück?“, fragte Hannah und wischte sich eine Träne weg.
    „Ich hatte eigentlich vorgehabt meine Eltern zu suchen, aber die können mir gestohlen bleiben,“ verkündete er trotzig. „Meinem Onkel und meiner Tante sag ich Bescheid, die sind bestimmt froh, mich los zu sein.“ Sie wusste, er meinte den letzten Teil nicht ernst.
    „Du kannst natürlich auch mitkommen, Amechi,“ sagte Hjördis und drehte sich um, „Wir Paras müssen zusammenhalten.“
    „Danke,“ deutlich hörte Hannah das Zögern und das Lächeln in der Stimme der jungen Frau. „Ich werde darüber nachdenken.“
    Familie, dachte Hannah, bevor sie wenig später einschlief. Mama, Papa vielleicht könnt ihr das ja sehen: Hier sind Menschen, die auf mich aufpassen. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, es sind gute Menschen und an Amechi werde ich mich gewöhnen. Wir haben es zusammen so weit geschafft, da werden wir das letzte Stück auch noch bewältigen. Ich liebe euch und werde euch nicht vergessen, aber ich habe jetzt eine neue Familie.

    Am nächsten Morgen gingen sie zu einem nahegelegenem Bach, um ihre Wasservorräte aufzufrischen. Eine dicke Eisschicht hatte sich darauf gebildet, doch Hannah konnte des Wasser darunter fröhlich glucksen hören. Amechi hackte ein Loch ins Eis, damit sie an aschefreies Trinkwasser gelangten.
    Hannah reichte Karu ihre Feldflasche, der sich über das Loch beugte. Er drehte sich zu ihr um und wollte ihr die Flasche gerade zurückgeben, als der Schnee auf dem er kniete, nachgab und in den Bach rutschte. Karu verlor das Gleichgewicht und fiel bis zur Schulter in das Eisloch. Ein kurzer Schmerzensschrei drang aus seiner Kehle. Hannah sprang auf und half ihm gemeinsam mit Hjördis aus dem Bach.
    Blut tropfte seine Hand hinab.
    „Was ist passiert?“, fragte Hannah entsetzt und starrte auf den unordentlichen Schnitt auf Karus Handfläche.
    „Ich hab in einen scharfen Stein gegriffen,“ mutmaßte er und verzog das Gesicht vor Schmerz. „In meinem Rucksack ist noch Verbandszeug.“
    Sie liefen zur Höhle zurück. Karus Jacke verfärbte an einige Stellen rot, wenn er die Hand dagegen presste. Es ist nichts ernstes, aber wir können es dennoch nicht gebrauchen. Wenigstens muss der Schnitt nicht genäht werden, ging Hannah durch den Kopf.
    „Hier ist kein Verbandskasten,“ rief Hjördis, nachdem sie in Karus Rucksack gewühlt hatte.
    „Da muss aber einer sein. Hast du auch richtig nachgesehen?“, Karu stand auf und beugte sich über die Tasche.
    „Er stand offen, als du gestern in den Schnee gefallen bist,“ warf Hannah ein. „Vielleicht hast du ihn auf der Brücke verloren.“
    Zustimmendes Gemurmel.
    „Ich geh ihn holen, bin gleich zurück,“ sagte Hjördis und ging zum Eingang.
    „Das ist doch nur ein Schnitt,“ Amechi hielt sie zurück.
    „Der sich entzünden kann,“ kam Hannah ihr zur Hilfe. Vielleicht vergaß Amechi so etwas, wegen ihrer Fähigkeit.
    „Na gut,“ seufzte Amechi und trat einen Schritt zurück.

    Als Hjördis nach anderthalb Stunden nicht wieder da war, begann Hannah sich Sorgen zu machen. Unruhig tigerte sie in der Höhle auf und ab und warf immer wieder einen Blick nach draußen. Die Blutung an Karus Hand war inzwischen zurückgegangen und er hatte ausgewaschen, aber dadurch wurden die hässlichen Ränder nur noch deutlicher.
    „Setz dich hin,“ sagte er zu Hannah und legte ihr seine gesunde Hand auf die Schulter. „Sie braucht nur etwas beim Suchen.“
    „Das glaubst du wohl selbst nicht,“ schnaubte Hannah und lief weiter.
    „Ich gehe ihr entgegen, wenn es dich beruhigt,“ bot Amechi an und Hannah nickte. Es ist nichts. Ich mache mir umsonst Sorgen.
    Amechi verließ die Höhle und Hannah setzte sich neben Karu. Sie spielten eine runde Tic-Tac-Toe. Hannah gewann.
    „Was arbeiten dein Onkel und deine Tante?“, fragte sie Karu und setzte ihr Kreuz in die rechte obere Ecke im nächsten Feld, dass sie in den Boden gekratzt hatten.
    „Meiner Familie gehört eine kleine Gärtnerei in Santiago de Cuba. Meine Großeltern haben sie gegründet,“ meinte er und zuckte mit den Schultern.
    „Klingt schön. Meine Eltern waren...“ ein lauter Knall ließ sie zusammenzucken. Hannah sprang auf und rannte zum Höhleneingang. Nichts war zu sehen.
    „Was war das?“, fragte sie, wusste die Antwort aber bereits.
    „Ein Schuss,“ bestätigte Karu ihre Vermutung. Sie drehte sich zu ihm um und sah wie er etwas aus seinem Rucksack zog.
    „Du… du hat eine Waffe?“, stammelte sie entgeistert.
    „Haben alle ab 16 bekommen,“ erwiderte er knapp. „Komm!“
    Hannah rannte hinter ihm her und wünschte sie hätte ihre Bogen mitnehmen können. Stattdessen zog sie ihr Taschenmesser aus der Jackentasche und kam sich ziemlich albern vor.
    Sie rannte beinahe in Karu, als er abrupt vor ihr stehen blieb. Ihr Blick glitt nach unten und sie schrie. Ihr Schrei endete in einem dumpfen Nuscheln, als Karu ihr die Hand auf den Mund presste. Sie schmeckte Blut war sich aber nicht sicher, ob seines oder ihr eigenes war. Er legte einen Finger auf seine Lippen und nickte zu einem Gebüsch. Sie schlich hinter ihm her, auch wenn es bedeute über Amechis leblosen Körper mit der Einschussstelle direkt zwischen den Augen zu steigen.
    „Hab ich euch!“, knurrte eine Stimme aus dem Unterholz. Es knackte und einer der WOC-Männer trat hervor. Er trug die selben Camouflage-Kleidung wie sie selbst, oder auch andersherum. Hannah erkannte ihn nicht sofort, aber beim näherem Hinsehen identifizierte sie ihn als einen der Männer, der sie festgehalten hatte.
    Sein Messer ruhte auf Hjördis Kehle. Gerade fest genug, um die Haut einzudrücken, gerade leicht genug, um ihr nicht versehentlich den Hals aufzuschlitzen. Dennoch entsprang eine Kette aus roten Perlen dort, wo die Klinge ihre Haut berührte.
    Hjördis leistete keine Gegenwehr. Ihr rechtes Auge war geschwollen und ihre Lippe war aufgeschlagen. Hannah konnte es nicht sehen, aber unter der Kleidung warteten bestimmt noch mehr Blutergüsse.
    „Ich möchte,“ sagte der Mann, „dass ihr eure Waffen ablegt und zu mir kommt. Und keine Tricks.“ Seine braunen Augen durchbohrten Hannah. Sie schloss ihren Mund und schluckte die Melodie herunter.
    „Was wollen Sie von uns?“, fragte Karu betont ruhig, doch Hannah spürte wie es in ihm brodelte. Sie hatte noch nie erlebt wie Karu ausflippte, nicht mal im Training, wenn er von Aaron besiegt und zusammengestaucht worden war, hatte er die Fassung verloren. Jetzt kam er ihr wie ein Vulkan kurz vorm Ausbruch vor.
    „Ihr kommt jetzt mit mir mit. Schön ruhig und brav.“ Ihr ehemaliger Wächter musste nicht betonen, was geschehen würde, wenn sie nicht schön ruhig und brav wären.
    Hannah warf das Taschenmesser vor sich in den Schnee. Es leuchtete genauso rot wie Amechis Blut hinter und Hjördis Blut vor ihr. Karus Pistole landete daneben.
    „Aber, aber,“ tadelte der Mann. „Hat man euch nicht beigebracht, dass man Schusswaffen niemals werfen sollte.“ Er schüttelte den Kopf. Hjördis zuckte zusammen, als das Messer an ihrem Hals leicht verrutschte.
    „Lassen Sie uns gehen. Bitte,“ flehte Hannah. „Wir erzählen auch niemanden, was wir gesehen haben.“
    „Das würde alles so viel einfacher machen. Aber hier geht es nicht mehr nur um die verdammten Bäume. Sherbrooke wird mich umbringen lassen, wenn sie erfährt, dass etwas schief gelaufen ist und dann ist da noch die Sache mit dem Messer. Danke übrigens, dass ihr es liegen gelassen habt.“
    Das Messer? Was hat das Messer damit zu tun? Hannah blickte zu Karu, der kreidebleich geworden war. Sein Blick ruhte auf der Klinge, die sich in Hjördis Hals bohrte. Karu, was hast du getan!
    Hannah sah zu spät, dass sich Hjördis Lippen unmerklich bewegten. Sie wusste aber auch so, was ihre Freundin sagen wollte. Zu spät.
    „LAUFT!“, brüllte Hjördis und trat nach hinten.
    Der inoffizielle Sicherheitsbeauftragte zog ihr das Messer über die Kehle.

    2
    Als ich dieses Kapitel begonnen habe, haben Lilian* und Kalypso mir viel Spaß gewünscht. Meine Erwiderung darauf war: "Den werde ich haben" *sadistisches Grinsen*
    Inzwischen fühlt es sich an als hätte ich mir mein eigenes Herz aus der Brust gerissen.

    Über konstruktive Kritik, Anregungen und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen. Hier ist noch einmal der Link zum Original: http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik-MMFF

article
1501528074
World of Mystik 28
World of Mystik 28
Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf den Grund gehe...
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1501528074/World-of-Mystik-28
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1501528074_1.jpg
2017-07-31
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (22)

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Aquila ( von: Aquila)
vor 56 Tagen
Schönes Special, Muria. Großes Lob an dich!
Lili (50367)
vor 57 Tagen
Boa Ey ich mag das nicht bin erst acht
Muria ( von: Murialana)
vor 57 Tagen
Ja, ich weiß, und das braucht dir auch nicht leid zu tun
torden ( von: torden!)
vor 57 Tagen
Hab damals eben nicht viel dazugefunden und irgendwo stand es dann als Abkürzung von Lapislazuli.
torden ( von: torden!)
vor 57 Tagen
Ich ändere das jetzt. Tut mir leid, wenn das jetzt unhöflich klingt, aber ich finde es nicht so nett, dass du es mir erst jetzt sagst und dann auch noch auf diese Art. Das hätte man gleich richtig stellen können und nicht erst über ein halbes Jahr danach als Überprüfung.
Muria ( von: Murialana)
vor 57 Tagen
@Torden: keine Ahnung, vielleicht wollte ich einfach, dass du es selbst herausfindest....

@Kalypso: Danke
Kalypso (03087)
vor 57 Tagen
Wirklich schön geschrieben. Respekt
torden! ( von: torden!)
vor 57 Tagen
Da ich dieses Lob nicht nochmal hinkriege und du es bereits gelesen hast, bekommst jetzt einfach nochmal ein "Gut gemacht" xD

Meinst du die Bedeutung von Lapis Namen?
Und warum hast du es nicht damals beim Perso-Test gesagt?
Muria ( von: Murialana)
vor 57 Tagen
Ok, was ist jetzt passiert?
Zurück zum Fehler beim Lapis-Special: Es handelt sich um einen kleinen Fehler, den du bei einem WoM-Persönlichkeitstest gemacht hast.
torden ( von: torden!)
vor 93 Tagen
Vielen lieben dank. Es freut mich immer neue Leser für WoM begeistern zu können.
.«Gamer-Bär». (00027)
vor 93 Tagen
Ich liebe diese Geschichte, und dein schreib stiehl ist genial und super schön ^^
torden ( von: torden!)
vor 94 Tagen
Danke :)
Muria ( von: Murialana)
vor 94 Tagen
Für alle, die WoM 25 auf dem Smartphone lesen und Kalliks Gedankengang in kursiv nicht lesen können:

IchhabdieKontrolle.
EsdarfnichtüberdenFlussgelangen.
Dasistneu.
MarinaChloéJosiahCarolSolHopeNewt
RheaDjangoLéandraTayo.
NeinnichtTayo.Tayoistfort.Verbrannt.Tot.
Dingedienichthättenpassierendürfen.


Ich hätte mir die Absätze so gern erspart, aber so geht es halt sicher für alle zu lesen.
torden ( von: torden!)
vor 103 Tagen
Danke, auch wenn es sich furchtbar anfühlt sich dafür zu bedanken.
Hillory (40141)
vor 103 Tagen
Ich habe noch nie so etwas schönes gelesen. Der Text über Phyria ist echt klasse.
torden (17672)
vor 404 Tagen
Ich habe es dennoch geändert.
torden! (81341)
vor 426 Tagen
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen.
Lapis (74838)
vor 427 Tagen
Logisch gefällt es mir. Das einzige, was wirklich nicht so ...schön. ... ist, ist, dass sowohl Hannah als auch Lapis "Du bist wach" sagen. Das braucht ihr aber nicht ändern, ich reagiere überempfindlich auf Wiederholungen
torden (25791)
vor 431 Tagen
Danke Lapis, hoffentlich gefällt dir die Darstellung deines Charakters.
Lapis (26629)
vor 432 Tagen
Ihr schreibt mega! Die Spritze gefällt mir XD