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Lächeln

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2 Kapitel - 1.673 Wörter - Erstellt von: Fuchsi - Aktualisiert am: 2017-07-31 - Entwickelt am: - 370 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt - 2 Personen gefällt es

Deine Mundwinkel zucken leicht und langsam, ganz langsam wandern sie höher.

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    Ähm... ein weiterer Versuch meinerseits in einer Langeweileperiode irgendwas sinnvolles mit Worten anzustellen..
    Naja.. ich als noch recht blutiger Anfänger würde mich auf jeden Fall über Feedback freuen!

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    Lächeln. Du stehst vorm Spiegel, wie jeden Morgen. Der im Bad, in deinem kleinen Zimmer hast du ja keinen. Deine Augen sind leicht zusammengekniffen,
    Lächeln.
    Du stehst vorm Spiegel, wie jeden Morgen. Der im Bad, in deinem kleinen Zimmer hast du ja keinen. Deine Augen sind leicht zusammengekniffen, denn die Sonnenstrahlen, die durch das schmale, längliche Fenster hinter dir in den Raum fallen, werden vom Spiegel und den viel zu sauberen, weißen Fliesen zurückgeworfen und blenden dich. Die Hitze ist jetzt schon unerträglich, aber man spürt an der Schwüle, dass der nächste Regen nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Mit einem Seufzen legst du die Haarbürste beiseite und zwingst dich die Augen richtig zu öffnen und dich im Spiegel zu betrachten. Am liebsten würdest du wegsehen. Deine Haut ist blass, du bist nie richtig draußen in der Sonne, das Haar hängt leicht fettig in Strähnen in dein Gesicht, vielleicht wäre die Dusche doch keine so schlechte Idee gewesen und die Ringe unter deinen Augen sind in den letzten Tagen immer Tiefer geworden, kein Wunder ohne Schlaf. Deine sturmgrauen, leeren Augen starren zurück, als du sie anblickst und mit einem erneuten Seufzen gehst du weiter deiner Morgenroutine nach: deine Mundwinkel zucken leicht und langsam, ganz langsam wandern sie höher. Das Lächeln sieht ziemlich echt aus. Eigentlich kein Wunder mehr, nach wochenlangem Training. Eins zählst du im Kopf. Du bleibst noch einen Augenblick stehen und verlässt dann das Bad, Licht aus, den leeren Flur entlang, Treppe runter und ab in die Küche. Dein Vater schaut nicht mal von seiner Zeitung auf, als du hinein kommst. Aber darauf achtest du gar nicht mehr, immerhin ist es doch jeden Morgen so. "Los, beeile dich! Ansonsten kommst du zu spät zur Schule.", hörst du deine Mutter aus dem Bad rufen, das du bis eben noch besetzt hattest. Dir entgeht nicht der Tonwechsel mitten im Satz, als sie versucht, freundlicher zu klingen. Und auch, dass sie das Wort "Schule" besonders betont. Hätte dein Lehrer doch bloß nicht bei deinen Eltern angerufen um sie nach dem Grund für dein ständiges Fehlen zu fragen! Du rufst, immer noch dein Lächeln im Gesicht, zurück: "Ja, ich bin gleich fertig!". Dein Vater hat immer noch keine Reaktion gezeigt. Typisch, denkst du dir. Während du dir schnell irgendwas aus dem Kühlschrank zwischen zwei Scheiben Brot klatscht, damit man es als Schulfrühstück bezeichnen kann, kommt deine Mutter mit deinem Rucksack die Treppe runter und drückt ihn dir etwas zu grob in die Hände. Mit zuckersüßer Stimme und dem dazu passendem Lächeln flötet sie: "Viel Spaß in der Schule!", wieder mit der deutlichen Betonung auf "Schule", dann schiebt sie dich zur Tür hinaus. Zwei zählst du in Gedanken. Mist, schon wieder kein Geld für die Mensa oder den Bus. Dann ist das Taschengeld für diesen Monat wohl letztenendes auch futsch. Oder eher das, was noch davon übrig war. Schlecht gelaunt ziehst du eine Grimasse, steckst dir die Kopfhörer in die Ohren und wendest dich von der Tür und dem Haus ab, hin zur Bushaltestelle hinten an der Straßenecke. Die Sonne verbrennt erbarmungslos alles, was sich nicht im Schatten befindet und so verziehst auch du dich schnellstmöglich in den Schutz des Bushaltestellenhäuschens. Die E-Gitarre und das Schlagzeug, die zusammen durch die Kopfhörer in dein Ohr singen, helfen dir, die hämischen Blicke der anderen Schüler zu ignorieren, die sich wie spitze Nadeln anfühlen, groß genug, um dich zu durchstechen. Bis der Bus an der Schulhaltestelle ankommt, hast du das Gefühl dich am liebsten wieder in deinem Bett verkriechen zu wollen, die Decke über den Kopf zu ziehen und bis zu den nächsten Ferien zu schlafen. Trotzdem reihst du dich in den schier endlosen Strom von Schülern ein, der wie ein träger, schwitziger Fluss langsam zum Schulgebäude fließt. Oder Gefängnis, eine Strafanstalt für Jugendliche. So kommt es dir zumindest vor. Lange, graue Flure von denen schmutzige, weiße Türen abgehen, die zu den Klassenräumen führen und dazu noch eine schlechte Beleuchtung, die flackernd kaltes Licht auf die Schülermassen wirft, die in den Fluren warten. Du tust es ihnen gleich. Die zwei Mädchen aus deiner Klasse bemerkst du zu spät, als dass du dich noch zwischen den anderen Schülern verstecken kannst. Du erinnerst dich nicht an ihre Namen, hast sie dir noch nie gemerkt, aber vom Aussehen her erkennst du sie wieder. Die Größere mit den dunklen Haaren tritt nun vor, während ihre blonde Freundin sich eher im Hintergrund hält, beide lächeln dich breit an. Die Größere beginnt zu sprechen: "Du bist doch in unserer Klasse, nicht wahr?". Sie wartet gar nicht erst auf eine Antwort, sondern redet direkt weiter. "Es ist ja so schön dich mal wieder zu sehen, wir haben dich in der Klassengemeinschaft ja so vermisst!" Der ironische Unterton in ihrer Stimme entgeht dir nicht und du bist froh, dass das Klingeln zum Unterrichtsbeginn dir das Antworten abnimmt. Ihr Lächeln wird zu einem Lachen, Auslachen. Drei, vier zählst du im Kopf, dann direkt fünf, als dein Lehrer der Klasse verkündet, wie sehr er sich doch über deine Anwesenheit freue und dich dabei strahlend angrinst. Es steht ihm nicht. Aus der Klasse hört man ein wenig Gekicher und du würdest am liebsten aus dem Fenster springen und einfach davon fliegen, doch stattdessen setzt du einfach wieder dein perfekt eingeübtes Lächeln auf. Das Gekicher verstummt nach einer Weile und der Lehrer führt den Unterricht fort. Du solltest eigentlich aufpassen, immerhin gibt es einiges nachzuholen, doch deine Gedanken schweifen immer wieder ab, bis du es aufgibst und dich ganz der Wirklichkeit entziehst. So überstehst du für Außenstehende lächelnd, selbst aber gefangen in Gedanken einigermaßen den Schultag. Ein paar schräge Blicke, Getuschel und Gekicher, nervige Lehrer und hier und da Lächeln. In Gedanken bist du schon bei zwölf angekommen, als der Schulgong die letzte Unterrichtsstunde beendet. Dir ist es egal, dass es mittlerweile in Strömen regnet, du willst einfach nur noch raus. Nicht mal die Tatsache, dass der Bus dir vor der Nase wegfährt, stört dich. Eilig heim zu kommen hast du es eigentlich eh nicht. So schlägst du den Weg durch den Park ein, ein Umweg, der dich früher oder später zu Hause ankommen lässt. Du bist bis auf die Knochen durchweicht und kannst den Parkausgang schon sehen, als der Regen weniger wird und schließlich aufhört. Dir wäre das kleine Mädchen in ihrer himmelblauen Regenjacke, die über und über mit roten Blumen bedeckt ist und den farblich dazu passenden, roten Gummistiefeln normalerweise nicht besonders aufgefallen, das mit Eifer durch alle Pfützen auf dem Weg hüpft, denn du bist zu tief in deinen Gedanken versunken um auf die Umgebung zu achten und auch das Mädchen ist in Gedanken voll und ganz bei ihrem Spiel. So schlurft und hüpft ihr weiter aufeinander zu, bis ihr euch in der Mitte trefft. Eigentlich war schon von Anfang an klar, dass es passieren würde. Als hätte der ganze Tag nur auf diesen Moment gewartet, wie du auf deinen Bus. Die Pfütze, tiefer als alle anderen, das Timing, als ihr euch genau dort trefft, der Schwall schmutzigen Regenwassers, der dich trifft und das Mädchen, das in der Pfütze steht und erschrocken realisiert, was gerade passiert ist. So wie du. Doch anstatt wütend zu werden, bist du einfach nur leer. Da ist keine Emotion in dir, nicht eine Reaktion in deinem Gesicht. Immerhin bist du sowieso schon klitschnass. Das Mädchen schaut dir verwundert ins Gesicht, ein Zucken um die Mundwinkel und langsam, ganz langsam wandern diese nach oben. Sie lächelt dich an. Grinst. Fängt an zu kichern. Hält sich den Bauch vor Lachen. Etwas in dir regt sich. Etwas, das lange, lange geschlafen hat. Du kannst nicht anders, deine Mundwinkel machen sich selbstständig. Du lächelst das Mädchen an. Sie scheint sich darüber zu freuen und lächelt zurück, dreht sich um und macht einen Satz in die nächste Pfütze. Und dann in die übernächste. Du stehst noch auf dem Weg, da ist sie schon aus deinem Blickfeld verschwunden. Zu Hause meckert deine Mutter über die Verspätung und überhaupt, wieso bist du so nass und schmutzig, was bildest du dir bloß ein, hättest doch auch anrufen können, denn dazu hast du doch extra ein Handy, jetzt ist das Essen halt kalt, Pech gehabt. Ihr Gemoser geht einfach an dir vorbei. Als wärst du in einer Seifenblase, abgetrennt von allem. Das Mädchen, ihr Lächeln, will dir einfach nicht mehr aus dem Kopf hüpfen. Selbst am Abend, als du vorm Spiegel stehst, im Bad selbstverständlich, in deinem Zimmer hast du ja keinen, kannst du an nichts Anderes denken. Du zählst leise: eins.
    Es war das ehrlichste Lächeln, das du je gesehen hast.

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1501363685
Lächeln
Lächeln
Deine Mundwinkel zucken leicht und langsam, ganz langsam wandern sie höher.
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1501363685/Laecheln
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1501363685_2.jpg
2017-07-29
4000
Fanfiktion

Kommentare (9)

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Taui ( von: Tauschweif)
vor 22 Tagen
Richtig toll gemacht, Fuchsi! Echt schön :)
Amethyst ( von: Amethyst)
vor 59 Tagen
Wunderschöne Geschichte.
Luffy124 ( von: Luffy124)
vor 88 Tagen
Wer kommt denn auf die Idee, über das Thema Lächeln zu schreiben? Richtig... Der Ersteller dieser Geschichte! Ich finde sie auf jeden Fall total cool!
Luna nightmares (04184)
vor 105 Tagen
EndwDer bin Ich 💗 oder Ich kapir die Geschichte nicht
Ginsterminze ( von: Ginsterminze)
vor 108 Tagen
Wow, eibe echt schöne Geschichte! Ich finde deinen Schreibstil super! Ich finde auch die erste Person passt ganz gut :)
Und es ist endlich mal eine Geschichte die schön ausgeht :D
Lg Ginsterminze
Fuchsi ( von: Fuchsi)
vor 110 Tagen
Danke für die netten Worte, Aquila. Es freut mich sehr, dass dir die Geschichte und ihre Schreibweise gefällt! :)
Aquila ( von: Aquila)
vor 111 Tagen
Wunderschöne Geschichte, wirklich.
Der Text lässt sich toll lesen und das Thema ist auch interessant. Da sieht man mal, was eine kleine Bewegung alles auswirken kann :)
Die Perspektive, aus der du geschrieben hast finde ich auch sehr gelungen. Ist mal was anderes und verleiht der Geschichte noch mal einen ganz anderen Ausdruck, meiner Meinung nach.
Du bekommst ein Favoriteneintrag von mir :)
Fuchsi ( von: Fuchsi)
vor 115 Tagen
Danke Schimmi!! :D
Hehe, ich wollte mal ´ne andere Perspektive ausprobieren und irgendwie wurde dann das draus xP
ich.. du.. bei nächsten Mal (wenn es eins gibt) probier ich die dritte Person Singular aus XD
GELANGWEIIILT :) ( von: Schimmernder Stein)
vor 115 Tagen
Wow.. Das ist ja so wunderschön! Ich hab mir das Gerade echt vollkommen vertieft gelesen und wow.. Ich bin geflasht! Es war eine tolle geschichte!

Vielleicht ist die ich-perspektive nicht die beste zum lesen, aber trotzdem sehr schöne Story :3