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Das Biest und der Tyrann - Teil 44

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1 Kapitel - 9.427 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2017-07-23 - Entwickelt am: - 442 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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    Grits Sicht
    „Kann ich jetzt gehen?“, frage ich ungeduldig. „Nein!“, entgegnet der Doc genervt. Ich stöhne auf. Ungeduldig trommle ich mit den Fingern auf der Bettkante rum, auf welcher ich sitze. „Siehst du verschwommen?“ „Nein!“ „Siehst du doppelt?“ „Nein!“ „Ist dir schwindelig?“ „Nein, nein, nein! Mir geht es gut. Ich bin topfit!“ „Du bist gegen eine Wand gelaufen und ohnmächtig geworden. Außerdem meinte Kid, dass du ein verändertes Verhalten gezeigt hast. Ich glaube kaum, dass du topfit bist!“ „Bin ich aber. Hab halt zu wenig getrunken und gegessen, ansonsten ist alles in Ordnung. Der kleine Zusammenstoß mit der Wand macht mir nichts aus. Hab ja schließlich einen Dickschädel.“ Der Doc seufzt. „Schön!“, sagt er genervt. „Wenn du alles besser weißt, dann trainiere halt weiter!“ Ich verdrehe die Augen und rutsche vom Krankenbett runter. Ohne ein weiteres Wort verlasse ich den Raum und gehe zurück zur Gummizelle. „Heat?“, rufe ich in den Raum rein, aber natürlich ist er nicht da. Schließlich kann ich ihn auch nicht sehen. Hm… ich gehe zurück zum Speisesaal und öffne die Tür. Hier ist er auch nicht. Hier ist absolut niemand. Nicht mal Thomas oder Markus in der Küche. Verwundert durchquere ich den großen Raum. Durch die Bullaugen kann ich sehen, dass alle sich auf dem Deck aufgestellt haben und Kraftübungen machen. Heat ist auch dabei. Jemand geht am Fenster vorbei. Kid! Ich ducke mich. Sieht so aus, als würde ich erst einmal auf Heat verzichten müssen. Was machen die da eigentlich? „Auf den Boden!“, ertönt Kids Stimme, gedämpft durch die Wand. Hm… was auch immer es ist, ich werde mitmachen. Schnell drehe ich mich um und renne durch die unteren Gänge nach vorne in den Navigationsraum. Ich stehle mich durch die Tür und füge mich in die hinteren Reihen mit ein. Da alle gerade auf dem Boden Liegestützen machen, falle ich natürlich auf. Kids Blick liegt auf mir. Von hier kann ich ihn nicht deuten. Ich gehe in Stützposition und verschmelze in die auf und ab Bewegungen. Die Übungen sind kräftezehrend, aber ich befolge jede Anweisung meines Käpt’n.

    Ich kann nicht mehr. Mein Körper ist am Ende. Allein aufrecht zu stehen ist schon anstrengend. Ich lasse mich aufs Bett fallen. Die Tränen laufen einfach. Ich kann sie nicht stoppen. Ich bin vollkommen am Ende. Nicht nur körperlich. Auf dem Flur ertönen Schritte. Schnell stehe ich wieder auf und wische mir die Tränen aus den Augen. Die Schritte werden wieder leiser. War doch nicht Kid… ich lasse mich rückwärts wieder auf das Bett fallen und strecke mich aus. Mein Training mit Heat ist noch nicht beendet. Ich weiß echt nicht, wie ich das schaffen soll. Zum Glück gibt es bald erst einmal Mittagessen. Dadurch habe ich eine Pause.

    Kids Sicht
    Seitdem ich sie ins Krankenzimmer gebracht habe, haben Grit und ich kein Wort gesprochen. Den ganzen Nachmittag hat sie mit Heat trainiert. Ich habe mir vorgenommen mit ihr zu reden, sobald sich eine Gelegenheit bietet. Auf noch so einen Tag habe ich keine Lust. Plötzlich höre ich Geschepper. Ich schaue auf. Franko und Bill kommen mit den Putzmaterialien durch die Tür herein in den Speisesaal. Ihre Mienen sind sichtlich geknickt. Ich habe ihren morgendlichen Ausraster mit einem intensiven Deckputz bestraft. Immerhin scheint das geholfen zu haben. Da sind sie auch gerade rechtzeitig fertig geworden. Es gibt bald Abendessen. Durch die Tür von der anderen Seite kommt Heat rein. Na endlich! Das Training ist vorbei. Heat kommt zu mir und setzt sich auf einen freien Stuhl neben mich. „Boss!“, sagt er und nickt mir zu. Ich nicke ebenfalls. Seine Haare sind nass. Anscheinend hat er schon geduscht. Ich könnte jetzt mit Grit reden, aber ich glaube vorm Essen ist es keine so gute Idee. Sie wird ausgehungert sein und dann wird eine Konfrontation sicherlich nicht sehr gut verlaufen. Ich warte bis nach dem Essen. „Ist sie noch mal ohnmächtig geworden?“, frage ich. „Nein“, antwortet Heat mit seiner monotonen Stimme. „Nochmal gegen eine Wand gelaufen?“ „Nein!“ „Sonst irgendwie verletzt?“ „Nein!“ Schon mal eine gute Neuigkeit!

    Beim Essen versucht Grit mit so wenigen Bewegungen, wie möglich auszukommen. Ihr muss der ganze Körper höllisch wehtun. Sie sieht müde aus. Ohne ein Wort essen wir unser Essen. „Grit?“, sage ich hinterher. Sie ist meinen Blicken die ganze Zeit ausgewichen, darum musste ich sie ansprechen. Grit schaut böse auf. „Komm!“, sage ich. Sie verschränkt zwar trotzig ihre Arme, folgt mir aber in die Kajüte. Ich schließe die Tür hinter ihr. „Was ist los mit dir?“ Ich versuche so ruhig, wie möglich zu bleiben. Grit verengt ihre Augen. Anscheinend war das keine gute Wortwahl. „Garnichts!“, erwidert sie störrisch. Okay! Ruhig bleiben. „Warum bist du so sauer?“, versuche ich es mit einer anderen Frage. „Hm… keine Ahnung, sag du es mir!“ „Grit, ich versuche hier mit dir zu reden!“ „Pft!“ „Kannst du mir jetzt bitte mal sagen, warum du so wütend bist?“ Ich merke, wie ich lauter werde. Sie kann einen aber auch wirklich zur Weißglut treiben. Sie scheint einen Augenblick ihre Worte zu sammeln, dann sagt sie: „Ich will trainieren, okay? Einfach nur trainieren. Stärker werden, besser werden. Aber wenn ich das mache, bist DU sauer auf mich und strafst mich mit Gleichgültigkeit.“ „Das ist nicht wahr!“ „Ist es wohl!“ „Nein! Ich habe doch nichts dagegen, wenn du trainierst! Aber sieh dich an! Dein Körper ist komplett zerschunden!“ „Ja und? Ist doch mein Körper! Das geht dich überhaupt nichts an!“ Ich starre sie an. In mir brodelt es schon wieder. Es kostet mich alle Kraft nicht laut zu schreien. „Ich kritisiere dich doch auch nicht. Ich stelle deine Art deine Crew zu führen auch nicht in Frage! Aber ich! Ich werde ständig kritisiert. Ich habe die Schnauze voll!“ Grit ist wirklich aufgebracht und ziemlich laut. „Vielleicht sollte ich lieber wieder alleine losziehen. Dann muss ich mich wenigstens nicht für alles rechtfertigen.“ „Was sagst du da?“, sage ich laut und böse grollend. Hat sie einen Knall? Grit verschränkt die Arme vor der Brust und hält meinem Blick trotzig stand. Das kann sie unmöglich ernst meinen. „Willst du meutern? Du kannst jetzt sofort über die Planke laufen, wenn du willst!“, schreie ich. „Vielleicht sollte ich das tun! Dann hast du ein ungehorsames Crewmitglied weniger und musst dich nicht mehr mit mir rumplagen!“, schreit Grit zurück. Ich mache eine Faust und hole mit dem Arm aus. Wütend funkle ich sie an. Scheiße ey! So weit bin ich schon. Wütend schreie ich auf, reiße die Tür auf und knalle sie laut hinter mir wieder zu. Auf dem Gang schauen mich schockierte Augen an. Ich schubse Kalle zur Seite. Daraufhin weichen alle schnell an die Seite. „Raus hier!“, schreie ich Till und Phil an, die im Trainingsraum gerade trainieren. Sie packen ihre Sachen und ducken sich an mir vorbei aus dem Raum.

    Grits Sicht
    Die Tür knallt zu. Ich schreie auf. Ich bin ja soooo wütend. Ich kann es nicht glauben, dass er zum Schlag ausgeholt hat. „Alles oke?“, ertönt plötzlich eine leise Stimme. Ich schaue erschrocken zur Tür. John hat seinen Kopf durch die Tür gesteckt. „Verpiss dich!“, sage ich. Schnell macht er die Tür wieder zu. Ich kann diese Wut nicht in mir halten. Ich schlage auf das Bett und die Kissen ein. Meine Arme tun so weh. Laut heulend bleibe ich auf dem Bauch liegen. Was habe ich da bloß gesagt? Heftige Schluchzer schütteln mich. Plötzlich spüre ich etwas auf meinem Rücken. Kid ist es nicht. Ich schaue auf. John streichelt meinen Rücken. Einen Augenblick lasse ich mich ein wenig trösten. Ich werde etwas ruhiger. Mir kommt auf einmal in den Sinn, dass ich noch gar nicht geduscht habe. Zwar habe ich schon in Eis gebadet, aber nicht richtig geduscht. Ohne ein Wort, aber noch immer weinend, gehe ich ins Bad. Ich ziehe mich aus und stelle mich unter die Dusche. Heißes Wasser prasselt auf meinen Körper und massiert meinen Nacken. Ich komme etwas zur Ruhe. Benommen lasse ich mich aufwärmen. Nach dem Eisbad war mir die ganze Zeit kalt. Nun wärme ich langsam wieder auf. Ich massiere die Seife in meine Haut ein. Das Wutknäuel in meinem Bauch entspannt sich. Das tut gut. Nach einiger Zeit steige ich aus der Dusche, trockne mich ab und ziehe mich wieder an. Ich rubble kräftig durch meine Dreads. Die werden noch eine Ewigkeit tropfen. Ich lege mir ein Handtuch um die Schultern und setze mich vor den Spiegel. Emotionslos beobachte ich mich. Schaue mir jede Einzelheit meines Gesichtes an. Schaue, wie die Falten des Pullovers liegen und wie meine Beine aussehen, wenn ich im Schneidersitz sitze. Ich sitze so eine Ewigkeit. Aufgeschreckt schaue ich zur Tür. Kid kommt wieder. Einen Moment später geht die Tür auf. Er ist total durchgeschwitzt. Seine nackte Haut glänzt. Aus seinem Gesichtsausdruck kann ich nichts ablesen, dann ist er auch schon im Bad verschwunden. Ich schaue noch auf die Tür. Ist unser Streit schon beendet? War das, was wir vorhin gesagt haben, das Ende? Werde ich die Kid Piraten verlassen? Werde ich Kid verlassen? Dabei habe ich überhaupt noch gar nicht gesagt, wie ich mich eigentlich fühle. Das kann doch nicht das Ende sein. Ich muss ihm noch sagen, was mich eigentlich stört und weshalb ich eigentlich so verletzt bin. Angsterfüllt wende ich mich wieder dem Spiegel zu. Jetzt sieht mein Gesicht ganz anders aus. Wieder studiere ich die Einzelheiten meines Gesichtes. Begleitet von dem Gefühl der Unsicherheit. Bange warte ich darauf, dass Kid fertig ist mit duschen. Endlich verstummt das Rauschen des Wassers, aber die Badezimmertür geht nicht auf. Wie lange noch? Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnet Kid die Tür. Er bleibt im Türrahmen stehen und schaut mich an. Ich schaue ihn ebenfalls an. Was wird nun kommen? Kid schließt die Tür und lässt sich daran hinabgleiten. Er winkelt seine Beine an, legt seine Ellbogen auf die Knie und starrt auf seine verschränkten Hände. Einen Augenblick sagt keiner etwas. Ich weiß nicht so genau, ob ich anfangen soll oder ob Kid das machen will. „Grit!“, fängt Kid dann schließlich an. Ich bin erleichtert. Ich hätte nicht gewusst, was ich sagen soll. „Es tut mir Leid, was ich vorhin gesagt habe. Das habe ich nicht so gemeint.“ „Ich auch nicht“, gebe ich leise zu. Kid ringt um weitere Worte. „Ich weiß einfach nicht, was du willst. Du lässt dich Tag für Tag von einem anderen meiner Crewmitglieder verdreschen und ich kann nichts anderes tun, als zuzusehen!“ In seiner Stimme klingt Schmerz mit. Ich seufze. „Kid, ich weiß, dass dir das nicht passt. Aber da muss ich jetzt einfach einmal durch, verstehst du? Das ist wichtig für mich!“, erkläre ich. Kid schaut das erste Mal auf und in meine Augen. „Das einzige, das ich von dir verlange ist, dass du mich unterstützt. Du musst nicht toll finden, was ich da mache und ich erwarte nicht von dir, dass du mit mir trainierst, aber könntest du mir bitte den Rücken stärken? Ich halte das sonst nicht durch.“ Aus meinen Augen laufen schon wieder die Tränen. Kid schaut mich nur an. Ich warte seine Antwort ab. Nervös, wie sie wohl lauten wird. Er schließt die Augen und seufzt. „Komm her!“, sagt er schließlich und streckt mir seine Hand entgegen. Vor Erleichterung entfährt mir ein Schluchzer. Ich krabble zu ihm hin und umarme ihn. Kid hält mich fest, während ich vor Freude weine. Mir fällt ein riesiger Stein vom Herzen. Ich fühle mich so leicht, wie eine Feder. „Ich liebe dich so!“, schluchze ich. Kid gibt mir einen Kuss auf den Kopf. „Ich weiß“, sagt er ruhig. „Ich dich doch auch!“ Meine Tränen versiegen. Ich bin unglaublich glücklich. Mit geschlossenen Augen bleibe ich einfach an Kid gekuschelt. „Grit!“ Erschrocken mache ich die Augen auf. „Das ist nicht gemütlich!“ Überrascht setze ich mich auf und schaue ihn an. „Ich meine wegen deinen Haaren. Sie sind nass!“ Oh ja! Ein bisschen enttäuscht nicke ich. Er hat ja recht! Ich hatte es nur gerade so genossen bei ihm zu sein. Kid schiebt mich von seinem Schoss runter. „Bin gleich wieder da!“, sagt er und verschwindet nach draußen. Ich schaue ihm etwas wehleidig hinterher. Schade! Ich rutsche zurück vor den Spiegel und beobachte wieder mein Gesicht. Jetzt sieht es wieder total anders aus. Kid ist zurück. Er schaut mich skeptisch an. Ich bin irritiert. Er kommt zu mir und schaut vorsichtig in den Spiegel. „Was ist?“, frage ich. „Nimmst du Kontakt mit anderen Welten auf, oder warum sitzt du die ganze Zeit davor?“ Ich breche in Kichern aus. Kid grinst. Es fühlt sich alles so leicht an. „Was hast du da in der Hand?“ Mir fällt erst jetzt auf, dass Kid etwas in seiner rechten Hand hält. Er zeigt es mir. „Ein Winddial“, sagt Kid. Diesmal schaue ich skeptisch. „Komm setz dich auf den Sessel, dann puste ich dir deine Haare trocken.“ Ich bin begeistert und setze mich rückwärts auf den Stuhl. Aus dem Dial kommt warme Luft. Das fühlt sich total gut an. Auf so eine Idee wäre ich gar nicht gekommen. Kid pustet mir durch die Haare. Ich genieße es. „Das war‘s dann wohl“, sagt Kid, als das Dial seinen Geist aufgibt. Ich drehe mich um. „Danke schön“, sage ich lächelnd. Kid stützt sich auf den Armlehnen ab und gibt mir einen Kuss auf den Mund. In mir dreht alles durch. Ich habe Ewigkeiten darauf verzichten müssen. „Ich habe das ganz allein aus Eigennutz gemacht“, sagt Kid grinsend. Ich ziehe grinsend die Augenbrauen hoch. „Ich wollte nicht mehr deine eklig nassen Haare anfassen müssen.“ „Ja genau. Wieso solltest du auch etwas für mich tun, nicht wahr?“, entgegne ich sarkastisch. Es klopft an die Tür. „Jaa?“, sage ich laut. Kid schaut über die Schulter nach hinten. Ich lehne mich etwas zur Seite, um die Tür sehen zu können. Markus steckt seinen Kopf herein. „Störe ich?“, fragt er. „Ja!“, sagt Kid bestimmt. Das hätte ich zwar nicht so gesagt, aber Kid hat Recht. Er stört. „Ich wollte nur nachschauen, ob es hier Tote gibt“, sagt er. Ich grinse. „Keine Sorge!“, erwidere ich. „Dann ist gut!“ Markus schließt wieder die Tür. Kid wendet sich mir zu. Er schaut mir lächelnd in die Augen. Er sieht so gut aus. Mein Herzschlag erhöht sich nur davon, dass ich Kid angucke. Sein Gesicht ist nicht weit entfernt von meinem und während ich Kid in die Augen schaue, komme ich ihm automatisch immer näher. Ich lege eine Hand an Kids Hals und überbrücke den letzten Abstand. Es ist so lange her, dass wir uns geküsst haben. Wie ich das vermisst habe. Kid hebt mich hoch, wir drehen uns und plötzlich sitze ich auf seinem Schoss. Ich lächle. Kid streichelt mir über die Wange und unterbricht den Kuss. Unsere Gesichter sind noch ganz nah aneinander. Er schaut mir einfach nur in die Augen, aber es fühlt sich so unwahrscheinlich gut an. Schließlich breche ich den Bann und kuschle mich an ihn. Kid hält mich fest und streichelt mir mit dem Daumen über den Arm. „Kid?“, sage ich. „Hm?“ „Es tut mir Leid, dass ich so unachtsam war. Du wirst mich nie wieder retten müssen!“ „Grit!“ „Ich hätte nicht in diese Situation kommen dürfen, ich weiß.“ „Grit!“ „In Zukunft werde ich keine Schande mehr für dich sein. Das verspreche ich.“ „Grit!“ Ich verstumme. „Du bist für mich keine Schande. Und du weißt doch: Männer finden es gut, wenn sie hin und wieder mal den Helden spielen können.“ Ich kichere und schließe die Augen. Ich bin so fertig von dem Training.

    Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, aber ich stehe auf. So wie die letzten Tage auch. Mein Körper schmerzt. Die Bewegung tut mir gut. Ich ziehe mich um und gehe leise raus. Kid soll ruhig noch weiter schlafen. Es ist ganz still auf den Gängen. Alle schlafen noch. Ich gehe leise nach draußen aufs Deck. Auch hier ist es still. Kleine Wellen schwappen gegen den Rumpf des Schiffes, ansonsten hört man nichts. Ich lockere ein bisschen meine Arme und meinen Nacken. Dann wollen wir mal… mit geschmeidigen Bewegungen wärme ich mich auf. Die Muskelschmerzen werden schnell weniger. Der Horizont färbt sich rot und nach und nach wird es heller. Ich übe ein paar Schlagabfolgen, die ich von Heat gestern gelernt habe. Mit geschlossenen Augen verinnerliche ich die Bewegungsabläufe. In einem echten Kampf muss ich ganz automatisch reagieren können. Jemand greift mich an! Ich drehe mich herum, packe die linke Schulter des Angreifers und hebe den rechten Arm zum Schlag. Verwirrt schaue ich Kid in die Augen. Er grinst. „Bemerkenswerte Reaktion!“, sagt dieser. Ich lasse ihn los. „Du hast mich erschreckt!“, erwidere ich. Er nickt. „Das habe ich bemerkt. Ich wollte dir nur Guten Morgen sagen!“ Er lehnt sich vor und gibt mir einen Kuss auf die Wange, dann geht er wie immer nach vorne. Verdattert schaue ich ihm hinterher. Wie auch immer! Weiter geht’s!

    Ich bin jetzt definitiv aufgewärmt. Mir ist sogar ziemlich warm. Ich schiebe die Ärmel meines Pullis hoch. Da drunter habe ich nur das bauchfreie Top an. Daher würde ich jetzt ungerne den Pullover ausziehen. Ich gehe rein in den Speisesaal und setze mich hin. John ist schon da. „Guten Morgen!“, sage ich. John schaut auf und grinst mich an. „Na, gab es gestern noch Versöhnungssex!“, fragt er mich. „Hat Markus das nicht erzählt? Wir waren doch mittendrin, als er die Tür aufgemacht hat“, antworte ich. John schaut mich ungläubig an. „Nein, das hat er nicht erzählt!“ Ich lache. „Naja, so war das ja auch gar nicht!“, sage ich. John versteht und schmollt gespielt. „Weißt du, wir haben gestern ausgelost, wer gucken muss. Euer Streit war wirklich laut!“, sagt John grinsend. Ich zucke mit den Schultern und schaue zu Kid, welcher gerade durch die Tür reinkommt. „So ist das manchmal“, murmle ich und wende mich einem unbestimmten Fleck auf dem Tisch zu. „Alles in Ordnung?“, fragt John leise. Ich nicke. Ich weiß auch nicht, was plötzlich mit mir los ist. Der Streit gestern, war tatsächlich ziemlich laut und ziemlich intensiv. Wir haben beide Dinge gesagt, die wir nicht so gemeint haben. Gehört sowas dazu, wenn man in einer Beziehung ist? Darf man sich auch mal so richtig die Meinung sagen? „Grit! Hallo! Griiit!“ Ich bekomme einen Tritt gegens Bein. „Ey!“, sage ich empört. „Du darfst nun essen!“, sagt Kid. Ich schaue mich überrascht um. Alle essen schon. „Oh!“, sage ich und mache mich gleich übers Brot her. Ich brauche Kraft. Fürs Training. Heute trainiere ich mit Wire. Der Typ ist riesig. Ich weiß echt noch nicht, wie ich ihn bekämpfen soll.

    Kids Sicht
    Was für ein beschissener Tag schon wieder. Heute trainiert sie mit Wire. Das ist reiner Selbstmord! Beim Mittagessen war sie schon so fertig. Ich frage mich, wie sie das Nachmittagstraining durchstehen will. Mich kostet es eine Menge Willensstärke gute Miene zu bösem Spiel zu machen. Wenigstens dann wenn, Grit oder die Männer in meiner Nähe sind. Okay, aber das darf ich jetzt alles mal aus meinem Kopf verbannen. Ich strecke mich und drehe meinen Oberkörper. Heute trainiere ich selber. Wenigstens ein bisschen. Den ganzen Vormittag habe ich keine Zeit gefunden, dafür kann ich nun den verbliebenen Nachmittag dafür nutzen. Der Doc meinte, dass die Rippe verheilt ist. Ich mache einige Bewegungen, der Schmerz bleibt aus. Das ist schon mal sehr gut. Ich beginne mit was Einfachem. Fünfzig Liegestütze. Einhändig. Das klappt gut. Dann kann ich ja weitermachen.

    Bald wird es Essen geben. Leider war das Training nicht so lang, wie es wünschenswert gewesen wäre. Aber mir kam eine Idee. Ich hebe meinen Waffengürtel und die Brille vom Boden auf und wische mir den Schweiß von der Stirn. Grit wird extrem ausgepowert sein und allein die Mahlzeiten werden ihr wohl kaum das geben, was ihr Körper braucht. Ich gehe in die Küche. „Hey Thomas“, sage ich und schaue was es gibt. „Essen ist fertig“, erwidert er beschäftigt. Ich schaue mich um. „Jaik! Essen ist fertig!“, rufe ich. Er nickt und verbreitet dies gleich. Also von dem Abendessen heute bekommt Grit niemals genug Energie. Dann kann sie das mit dem Muskeltraining auch gleich lassen. Ich gehe an den Kühlschrank. Aus Milch, Quark, Nüssen und Erdbeeren mache ich einen Eiweißshake. Ich probiere ein bisschen. Für mich wäre es so okay, aber ich glaube Grit mag es lieber etwas süßer. Dann noch ein bisschen Honig rein. Ich stelle den Drink zu Grit an den Platz. Sie ist gerade dabei in den Raum zu kommen und sieht wirklich fertig aus. Ich warte bis sie sitzt. Sie ist wie es aussieht die letzte. „Guten Appetit!“ Grit legt ihren Kopf auf die Tischkante und stöhnt. „Grit“, fange ich an. Sie unterbricht mich. „Es ist alles okay. Ich bin nur müde. Kein Grund zur Sorge.“ „Ich habe dir einen Eiweißshake gemacht!“, sage ich. Sie schaut erstaunt auf. „Oh! Danke!“ Scheint als hätte sie etwas Anderes erwartet. Grit greift nach dem Glas. Ihre Fingerknöchel sind blau und teilweise aufgerissen. Ich wende mich schnell meinem Teller zu und lasse mir nichts anmerken. Der Rest ihres Körpers wird kaum besser aussehen. Da ich nicht weiß, was ich sagen könnte, sage ich so gut wie gar nichts während des Essens. Hinterher gehe ich in die Gummizelle. Ich habe keine Lust auf die kleinen Streitigkeiten zwischen den Männern die so ziemlich jeden Abend anfangen. Und jetzt habe ich auch noch Zeit ein zwei Stündchen ungestört zu trainieren. Ich mache einfach da weiter, wo ich aufgehört habe. Morgen treffen wir den Rest meiner Crew. Da sollte ich nicht all zu schwach aussehen. Durchgeschwitzt aber glücklich, gehe ich zu meiner Kajüte. Unterwegs trockne ich den Schweiß mit einem Handtuch ab. Ich öffne die Tür. Grit steht vorm Spiegel und schaut zu mir. Sie scheint etwas nervös zu sein. Ich mustere sie. Anscheinend kommt sie gerade aus der Dusche, denn sie trägt nur ein Handtuch. Ihre nackten Arme und Beine sind mit Blutergüssen übersäht. Besonders ihre Ellenbogen sehen dunkelrot und lila aus. Auch am Hals und an den Schultern hat sie Kampfspuren. Wut keimt in mir auf. Mühsam schlucke ich dieses Gefühl runter. Vielleicht muss ich mich nachher doch noch einmal mit etwas Alkohol ablenken. Ich lege mir gezwungen ruhig mein Handtuch um den Hals und gehe zu Grit. Es ist eine Spannung zwischen uns. Jetzt wird mein Versprechen ihr den Rücken zu stärken auf die Probe gestellt. Ich lege meine Arme um ihren Bauch und gebe ihr von hinten einen Kuss auf die Schulter. Grit schmiegt ihren Kopf an meinem. Ich schaue in den Spiegel. Sie lächelt mich an. Seufzend lächle ich zurück. „Morgen treffen wir auf den Rest der Crew“, sage ich. Das ist wenigstens etwas Neutrales. „Oh!“, erwidert Grit und scheint nicht ganz glücklich, denn für einen Moment sieht sie besorgt aus. „Weißt du schon wann ungefähr?“ „Mika meinte um und bei mittags. Vielleicht etwas früher. Vielleicht etwas später.“ „Achso!“ Sie scheint einen Moment nachzudenken, dann fragt sie: „Sind das auch nur Männer?“ „Natürlich! Frauen kommen mir nicht an Bord, das weißt du doch!“ „Klar doch!“, murmelt sie. „Damit keine schwanger wird!“ „Ich geh jetzt duschen!“, sage ich und gebe ihr einen Kuss auf die Wange.

    Grits Sicht
    Er geht ins Bad, aber ich bleibe vorm Spiegel stehen. Mein Körper sieht schrecklich aus. Ich kann es Kid eigentlich nicht verübeln, wenn er sauer deswegen ist. Zum Glück hat er nicht meinen Bauch und meinen Rücken gesehen. Schnelle, bevor Kid wieder aus der Dusche kommt, ziehe ich mich an. Heute Abend mache ich gar nichts mehr. Das Training mit Wire war echt brutal. Ich lasse mich aufs Bett fallen. Au! Natürlich war ich viel wendiger als er, aber er hat mich paar Mal richtig heftig erwischt. Einmal bin ich so derbe auf den Rücken gefallen, dass mir für einen Moment der Atem wegblieb. Ich streiche mir über den Arm. Und morgen trainiere ich mit Killer. Davor habe ich echt Angst. Tja, aufgeben geht nicht. Das muss jetzt durchgezogen werden. Aber wir werden wohl nur den halben Tag trainieren können. Ich bin ein bisschen glücklich und ein bisschen traurig darüber. Nach dem halben Tag werde ich wahrscheinlich eh schon voll knorke sein. Und dann treffen wir ja noch auf den anderen Teil der Crew. Da bin ich echt mal gespannt. Aber es werden auch nur alles Männer sein. Ich seufze. Keine Frau. Ich komme super mit den Jungs zurecht, aber manchmal… manchmal hätte ich schon ganz gerne eine Freundin. Ich würde viel darum geben, wenn Pepper hier wäre, aber auch jede andere nette Frau, wäre mir willkommen. Eine Freundschaft zwischen Frauen ist immer noch etwas Anderes, als mit einem Mann befreundet zu sein. Tja, aber das wird wohl niemals passieren. Kid möchte schließlich keine Babys an Bord. Schade… ich würde gerne Kinder haben. Aber Kid scheint Kinder zu hassen. Mir läuft eine Träne au dem Augenwinkel. Die Dusche geht aus. Hastig wische ich mir die Träne weg und lege mich zum Schlafen zu recht. Jetzt nicht mehr dran denken. Ich bin wirklich richtig kaputt. Ich sollte versuchen zu schlafen. Aber meine Gedanken kreisen noch immer um die Sache mit den Babys. Kid kommt aus dem Bad. Ich tue einfach so, als würde ich schlafen. Das mache ich eh bald. Es war immer mein Traum Kinder zu haben. Jetzt, wo ich endlich einen Mann habe, wird das wahrscheinlich doch nicht passieren. Ich kann nicht anders und wieder entflieht überschüssige Tränenflüssigkeit aus meinem Auge. Mist! Wenn ich nur wüsste ob Kid gerade guckt, dann würde ich es wegwischen. Plötzlich spüre ich, wie Kid mir die Träne wegwischt und dann einen Kuss auf die Wange gibt. Ich rühre mich wieder nicht. Ich will jetzt nicht darüber reden und ihm auch keine Lüge auftischen. Einen Augenblick später verlässt Kid den Raum. Augenblicklich öffne ich die Augen und drehe mich auf den Rücken.

    Scheiß drauf, wie dunkel es ist, ich stehe jetzt einfach auf. Ich bin schon zigmal aufgewacht und mich immer auf die andere Seite gerollt. Aber es geht einfach nicht mehr. Auf jeder Seite tut es gleich viel weh und wenn ich das noch länger durchstehe, bekomme ich auch noch Kopfschmerzen, also hoch jetzt. Ich wühle mich mit schmerzenden Gliedern aus dem Bett. Boah ey, mein Nacken! Mit ein paar Bewegungen versuche ich ihn ein wenig zu lockern. Schlurfend gehe ich zum Bad. Autsch! Ich bin mit dem Fuß wogegen gestoßen. Ohne viel sehen zu können heb ich eine Flasche auf. Ich rieche dran. Sake! Ach Mensch Kid! Hoffentlich hat er nicht zu viel gesoffen. Ich mache mich fertig und gehe leise aufs Deck, so wie die letzten Tage auch. Es ist noch dunkel. Im Osten ist es kaum merklich heller. Es ist angenehm so ganz alleine auf dem Deck zu sein. Und dann noch diese kühle Luft dazu. Ich lockere meine Muskeln und wärme mich auf. Schon bald lassen sich Arme und Beine problemlos bewegen. Danach gehe ich in ein paar Bewegungsabfolgen über, die ich in den letzten Tagen gelernt habe. Ich kämpfe mit einem imaginären Feind. Plötzlich taucht Kid auf. Ich hätte gedacht, er pennt noch länger. Aber anscheinend hat er gestern gar nicht so viel getrunken. Er beobachtet mich eine Weile, aber ich mache unbeirrt weiter. Erst als er näher kommt und sich zu mir stellt, unterbreche ich mein Aufwärmtraining. „Die meisten deiner Feinde werden größer sein als du“, sagt er. „Daher solltest du dich bemühen deine Angriffe dementsprechend auszurichten. Deine Deckung natürlich auch. Hier stell dich vor mich. Siehst du! Eine Kinnharke nützt dir nur etwas, wenn du sie ganz zu Ende durchführst und deinen Arm ganz lang machst. Wenn dein Gegner noch größer ist als ich, solltest du wahrscheinlich eh besser drauf verzichten. Das nützt dir sonst nichts. Aber dann hast du einen anderen Vorteil. Dann kommst du ganz gut an den Bauch und nun ja, die wohl schmerzhafteste Stelle des Mannes ran. Seine Eier.“ Ich grinse. „Du musst je nach Gegner deinen Angriff anders einstellen. Das weißt du ja, aber je nach Gegner verändert sich auch die Angriffszone. Wenn du jetzt noch einmal deine Übungen machst denke daran. Stell dir einen Gegner vor, der so groß ist wie ich oder sogar noch größer.“ Ich nicke und setze den Tipp gleich um. Kid beobachtet mich von der Reling und lässt mich eine Weile ausprobieren. „Das hat Wire dir beigebracht, oder? Das ist gar nicht schlecht. Aber auch hier musst du bedenken, das deine Gegner größer sein werden. Wire, bei seiner Größe, wendet dies meist nach unten gerichtet an. Oder auch für gleich große Gegner. Für dich ist es schwerer, weil du die Attacke nach oben richten musst. Versuche für dich herauszufinden, wie du diese Abfolge ausführen kannst, sodass sie auch wirkungsvoll bleibt. Vielleicht musst du etwas daran verändern.“ Stimmt! Es ist wirklich nicht so ganz leicht diesen Angriff nach oben auszuführen. Ich probiere ein bisschen rum. „Kannst du mal kurz herkommen!“, sage ich zu Kid. Er stellt sich vor mich. Es ist einfacher ein Maß vor Augen zu haben. Ich führe die Angriffe aus. Also nicht so ganz. Ich treffe Kid nicht wirklich. Plötzlich hält er mein Bein in der Bewegung auf. Allerdings überrascht es mich nicht allzu sehr, weil ich es durch mein Haki schon erahnen konnte. Ich verliere also nicht mein Gleichgewicht. Kid dreht mein Fuß ein wenig und hebt mein Bein höher. „Schau! Wenn du mich mit der Ferse hier triffst“ er zeigt auf seine Taille „dann wird dein Gegner aus Reflex kippen. Vorausgesetzt dein Gegner hat noch Reflexe. Aber selbst dann kann er noch die Schmerzen spüren. Viel höher würde ich allerdings nicht gehen. Dann besteht die Gefahr, dass dein Gegner dein Bein zu fassen bekommt. Versuch es mal! Mach es ruhig mit Kraft.“ Er lässt mein Bein wieder los. Ich geh in Position. Also dann… Mit Kraft! Ich führe die Abfolge aus. Da Kid sie ja jetzt bereits kennt, wehrt er jeden Schlag ab und als ich schließlich den Kick ausführe, hält ein meinen Fuß auf, kurz bevor er ihn trifft. Er nickt zufrieden. „Sehr gut! Dein Bein ist schon stramm und dein Fuß fest. Die Höhe ist auch okay.“ „Danke!“, entgegne ich. Kid geht wieder zur Reling und beobachtet mich weiter. Er sagt eine ziemlich lange Weile nichts. Es wird schon hell, da unterbricht er mich noch einmal. „Deine Bewegungen müssen noch geschmeidiger werden und du solltest dich von den festen Abfolgen trennen. Im Kampf ist es wichtig, flexibel zwischen verschiedenen Abfolgen hin und her zu wechseln.“ Er zögert. „Tschuldigung, das weißt du natürlich. Aber vor allem bei Killer nachher ist das wichtig. Er kennt die Art wie Heat und Wire kämpfen sehr gut und Franko sollte ihm auch nicht ganz fremd sein. Versteife dich also nicht darauf, die ganze Abfolge unbedingt durchzuführen. Du musst ihn überraschen.“ „Alles klar!“ „Ich muss jetzt gehen“, sagt er. Ich nicke. Er geht zum Speisesaal. „Kid!“, rufe ich ihm hinterher. Er bleibt stehen und ich gehe zu ihm. „Guten Morgen!“, sage ich lächelnd und gebe ihm einen Kuss. Er lächelt. „Guten Morgen Süße!“ Er geht durch die Tür in den Speisesaal. Ich bin glücklich. Seine Tipps sind wirklich hilfreich und es bedeutet mir echt viel, dass er sie mir gegeben hat. Bis zum Frühstück habe ich noch etwas Zeit. Ich arbeite noch ein bisschen an meiner Geschmeidigkeit. Die Bewegungsabläufe kann ich mittlerweile wenigstens auswendig. Nun kann ich damit rumspielen. Das ist gar nicht so einfach, wenn ich keinen Gegner habe. Vielleicht bin ich jetzt auch erst einmal fertig. Ich habe heute schon viel länger trainiert als die letzten Tage vor dem Frühstück. Jetzt wird mir auch wirklich warm. Während ich mir die Ärmel meines Pullis hochschiebe, gehe ich zum Speisesaal. Ich will gerade die Tür aufmachen, da drehe ich mich schnell zur Seite. Die Tür wird aufgetreten und jemand stapft wütend aus der Tür raus. Puh! Das ist ja gerade noch einmal gut gegangen. Es ist Luke. Was mit dem wohl los ist? Ohne mich weiter darum zu kümmern gehe ich zu meinem Platz. Ich sitze noch nicht lange, da sagt Kid: „Ihr könnt anfangen!“ Er stellt mir wieder einen Drink vor die Nase. Ich bin eigentlich kein großer Fan von diesen Shakes, aber gestern hat er mir tatsächlich ziemlich geholfen. Habe mich viel besser danach gefühlt. „Dankeschön“, sage ich darum lächelnd und trinke ihn bevor ich mein Frühstück esse. Immerhin ist das Zeug süß und schmeckt heute nach Banane. „Heute treffen wir auf die anderen“, sagt Kalle freudig. „Ich kann es kaum erwarten. Hoffentlich haben sie genug Alkohol auf der Insel.“ John lacht. „Das kannste haben. Du kennst Teddy doch! Der hat seine Leute wahrscheinlich extra noch einmal losgeschickt, um auf der Nachbarinsel welchen zu holen“, antwortet er. „Das hoffe ich nicht!“, entgegnet Kid kühl. „Sollten nachher nicht alle an Land sein, dann wird Teddy sein blaues Wunder erleben!“ John wendet sich schnell seinem Essen zu und sagt für die restliche Zeit nichts mehr. Nach dem Frühstück folge ich ihm in die Gänge. „Hey John! Alles klar?“, frage ich und halte ihn am Arm fest. Er schaut an mir vorbei. Wahrscheinlich um zu gucken, ob Kid kommt. „Ich wollte Teddy da nicht so in die Scheiße ziehen“, sagt er halblaut. „Ich meine, ich bin mir ziemlich sicher, dass er so weit geht, um für Alkohol zu sorgen. Ich weiß nur nicht, welche Befehle er von Kid bekommen hat.“ „Mach dir keine Sorgen! Kid ist im regelmäßigem Kontakt mit ihm. Er wird genau wissen, wann wir mit unserem Schiff dort ankommen und sicherlich nicht so dumm sein, gerade dann unterwegs zu sein.“ John nickt. Ob er überzeugt ist, kann ich nicht genau sagen. „Bis später!“, sage ich und lächle. „Mit wem trainierst du heute!“, fragt er. „Killer!“ Er zieht die Augenbrauen hoch. „Ich packe das schon!“, erwidere ich. „Na dann bis später!“, sagt er. Ich winke und gehe zur Gummizelle.

    „Wir sollten aufhören! Es wird sicherlich gleich Essen geben!“, rät Killer. Ich sitze auf meinen Knien und keuche. Mir fehlt die Kraft zu antworten. „Du hast dich wirklich richtig gut geschlagen! Ich habe echt Respekt vor dir, Grit! Du bist so ausdauernd.“ Er hebt meinen Pullover auf und reicht ihn mir. „Heute Nachmittag werden wir vermutlich keine Zeit mehr haben, da wir mittags ja schon ankommen. Ist alles in Ordnung?“ Ich keuche und atme schnell. Oh man! Ich bekomme Panik. „Los Grit! Steh auf!“, sagt Killer forsch. Er packt mich an den Schultern und richtet mich ohne Probleme auf. Je mehr ich atme, umso weniger Luft bekomme ich. Was ist hier los? Killer presst mir den Pulli auf den Mund panisch versuche ich ihn wegzuschlagen. „Beruhige dich. Atme langsamer! Du hyperventilierst sonst. Einatmen und ausatmen. Einatmen und ausatmen. Ja so ist gut!“ Ich komme wieder runter. Killer nimmt den Pullover von meinem Mund weg. „Geht es wieder?“ Ich nicke. „Komm, wir gehen an die frische Luft!“ Ich ziehe mir den Pulli über und zusammen gehen wir an Deck. Mein Körper ist so zerschunden. Das Training war richtig brutal. Selbst meine Schnelligkeit hat mir nichts genützt. Killer ist nämlich auch verdammt schnell. Ich atme die frische Seeluft in vollen Zügen ein. „Wenn du dir noch ein bisschen Kraft antrainiert hast, sollten wir das noch einmal wiederholen“, schlägt Killer vor. Ich nicke. „Kannst du eigentlich noch reden?“, fragt er belustigt. „Ja“, krächze ich. „Ich frag mal eben, wann es Essen gibt. Würde vorher nämlich gerne noch duschen.“ Ich nicke wieder. Zu mehr habe ich kaum Kraft. Einen Augenblick später ist er wieder da. „Zwanzig Minuten! Zeit genug zum Duschen.“ Das ist gut. Ich würde gleich noch einmal ins kalte Wasser springen. Naja springen ist vielleicht zu übermütig. Kriechen trifft es wohl eher. Killer ist schon ein paar Schritte gegangen, da dreht er sich noch einmal um. „Kommst du?“ Ich löse mich von der Reling. Ich bin so schwach. Meine Füße können mich kaum noch tragen. Verbissen kämpfe ich mich durch die Prozedur des Gehens. Du bist stark, du schaffst das! Schließlich bin ich in meiner Kajüte und letztendlich auch in der eiskalten Badewanne. An das kalte Wasser habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Es tut mir gut. Mittlerweile bleibe ich auch so lange im Wasser, bis es anfängt wärmer zu werden. So nach zehn Minuten gehe ich raus. Duschen werde ich nach dem Mittagessen. Ich ziehe mir lange Kleidung an. Eine grünbraune Cargo Hose und einen dicken Pulli. Nach dem Eisbad ist mir immer ziemlich kalt. „Essen!“, ertönt der Ruf. Na dann! Ich ziehe mir noch dicke Socken an und gehe zum Essensraum. Mein Körper fühlt sich schon viel besser an, nichtsdestotrotz bin ich ziemlich kaputt von dem Training. Ich lasse mich auf den Stuhl zwischen John und Kalle fallen. „Du lebst ja noch“, meint John sarkastisch. Ich nicke. „Ich hatte schon Angst, dass Killer dich zerquetscht.“ „Mich doch nicht“, erwidere ich grinsend. Kid kommt mit Killer durch die Tür. Sie reden miteinander. Schnell ziehe ich den Pullikragen ein wenig zurecht und verstecke meine Finger in den Ärmeln. Ich weiß ja selber, dass ich total zermatscht aussehe. „Männer! Die Insel wird recht bald nach dem Essen in Sicht kommen. Die Dämonen sind bereits seit einigen Tagen da und haben ein Lager errichtet. Wir werden später unseren gesamten Proviant mit an Land nehmen. Schiffswache fällt weg. Die gesamte Stadt“, Kid macht eine dramatische Pause und grinst, „ist ein einziger Spielplatz!“ Die Jungs grölen vor Begeisterung. Ich lache darüber. „Guten Appetit!“, übertönt Kid seine Crew. Er hat wirklich ein beachtliches Stimmorgan. Das muss man Kid lassen. Ich mache mich, wie alle anderen auch, über das Essen her. „Wie lange bleiben wir denn auf der Insel?“, frage ich mit vollem Mund. Kid zuckt mit den Schultern. „Wird sich ergeben. Vermutlich so eine Woche.“ Dann werde ich sicherlich genug Zeit zum Trainieren finden. Vielleicht gibt es ja auch ein paar weitere Gegner. Nach dem Essen dusche ich und richte mich ein wenig her. Der erste Eindruck ist immer der Wichtigste. Ich will nicht schwach oder unsicher wirken. Möglicherweise würde der Eindruck ewig an mir haften bleiben und ich weiß nicht wie cool die Dämonen drauf sind. Ich ziehe mir wieder die gleiche Hose an, aber nun ein schwarzes langärmliches Shirt, welches ich in die Hose stecke. Dann meine Wanderstiefel und natürlich meinen Waffengürtel. Ich schaue in den Spiegel. Okay. Die restliche Zeit verbringe ich draußen an Deck. Wie schön es ist. Die Sonne scheint, wir machen schnelle Fahrt und da wir in Inselnähe sind, kreischen ein paar Möwen weit über uns. Ich beobachte die Insel beim Näherkommen. Da bin ich nicht die Einzige. Ziemlich viele können es kaum erwarten endlich anzukommen. Endlich! Die Segel werden gerafft und Mika dirigiert das Anlegeverfahren. „Vertäut das Schiff!“, gibt Kid den Befehl. Ich springe mit an Land und mache mich an die Arbeit. „Hey Booooss!“, ertönt eine Stimme, die ich schon einmal gehört habe. Auf dem Steg kommt ein Typ zu uns. Obwohl es ja recht warm ist, trägt er einen Bärenfellmantel und eine Mütze, die aussieht als wäre es mal ein Kopf von einem Babybären gewesen. Unter seinem Mantel trägt er nur eine Hose, aber kein Oberteil. Er erinnert ein wenig an Kid. Allerdings nur ganz minimal. Das scheint Teddy zu sein, obwohl er wirklich nicht wie ein Teddybär aussieht. Er erblickt mich und pfeift durch die Zähne. „Ohlala! Na sieh mal einer an! Die Bi…“ Seinen Satz kann Teddy nicht beenden, da er mit einer Eisenstange abgeworfen wird und erst einmal zu Boden geht. Überrascht ziehe ich die Brauen hoch. Kid springt vor mich auf den Steg und packt Teddy am Mantel, um ihn hochzuziehen. „Was wolltest du gerade sagen?“, grollt er bedrohlich. "Äh… ähm… die Biiiii-lder auf den Steckbriefen werden ihr nicht gerecht. Ja genau. Das wollte ich sagen. Nur das nichts anderes! Ich schwöre es!“, stottert er sich aus der Sache raus. Kid lässt ihn fallen und reicht ihm dann die Hand. Teddy ergreift sie und wird hochgezogen. Kid breitet die Arme aus und ruft freudig: „Teddy! Schön dich wieder zu sehen!“ Auch Teddy ist freudig und die beiden umarmen sich brüderlich. Ich schaue mir das alles überrascht und mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich verstehe gar nichts mehr. „Keine Sorge, das ist bei denen normal“, raunt mir Steve zu. „Aha!“, sage ich skeptisch. Nachdem diese merkwürdige Begrüßung beendet wurde, stellt Kid mich vor. „Das ist Grit. Meine Frau!“ Das letzte Wort betont er extra und mit viel Nachdruck. Teddy breitet enthusiastisch seine Arme aus und drückt mich fest. Umarmung kann man es eigentlich nicht nennen. „Es freut mich dich kennen zu lernen!“, lacht er. Er lässt mich wieder los und ich lächle nett, um meine anderen Gefühle zu verbergen. Teddy begrüßt auch noch Killer, welcher ihm eher kühl begegnet. Ich muss lächeln. „So! Los jetzt!“, drängt Kid. „Aber natürlich!“, schleimt Teddy. Oh man! Ob ich mich mit dem anfreunden kann, weiß ich noch nicht. Kid legt seinen Arm um meine Schulter. Ich lächle und lege meinen Arm ebenfalls um ihn. Das wird den anderen definitiv klar machen in welcher Position ich mich befinde und ich muss mir nicht ganz so viele Sorgen um mein Auftreten machen. Ein Glück! Teddy brabbelt die ganze Zeit. Mal mit uns, mal mit Killer und mal mit irgendwem anderen. Die Stadt ist schon gut verwüstet. Einige Häuser sind zerstört, aber der Weg auf dem wir gehen ist davon befreit. Kein Bauschutt und keine großen Steine liegen auf dem Weg. Man hat sicherlich darauf geachtet, dass der Weg heute für Kid frei ist. Irgendwie macht es Spaß hier so durch zu schreiten. Es fühlt sich so an, als wären wir die Herrscher. Kid der König und ich die Königin. Ich grinse. Allerdings hoffe ich, dass wir bald da sind. Meine müden Muskeln sind auch in den Beinen zu spüren. „Da vorne! Da ist es!“, ruft Teddy. Er hat sich ein Stückchen hinter uns wohl ein paar Leuten angeschlossen. Auf der linken Seite ist ein recht großes Gebäude zu sehen. Allem Anschein nach war das mal ein Hotel. Auf dem Dach sind eine Menge Männer zu sehen. Sie jubeln uns zu und schießen voll Freude in die Luft. Ein Knall ertönt und das Gebäude gegenüber vom Hotel wird gesprengt. Kid lacht leise auf. „Diese Idioten!“, sagt er leise. Ich schaue grinsend zu ihm. Er schaut mich ebenfalls an. „So, und nicht anders, wird der König der Piraten empfangen!“ Ich nicke. Kid zieht eine Knarre und schießt zweimal in die Luft. Jeder der eine Pistole oder ein Gewehr hat, schießt in die Luft. Was für ein Willkommen! Wir sind nun beim Hotel und Kids Männer kommen fröhlich und ganz sicher angetrunken heraus, um uns zu begrüßen. Es ist ein freudiges Wiedersehen. Alle drücken sich begeistert und laut. Auch ich werde von allen möglichen Leuten gedrückt. Das ist mir tatsächlich ein wenig unangenehm, weil so ziemlich jeder obenrum nackt ist. So viel nackte Haut bin ich nicht gewohnt. Schon gar nicht wenn sie mich berührt. Sie stellen sich mir alle vor, aber ich kann mir keinen Namen merken. Huch! Die eine Umarmung war reichlich merkwürdig. Ich schaue dem Typen hinterher. Er ist zierlicher als die meisten anderen. Das ist nicht ganz das Merkwürdigste. Schon bald habe ich ihn in dem Gedränge verloren. Seine Stimme war für einen Mann recht hoch und weich, aber auch das war nicht das Merkwürdigste. Der Körperbau war so ganz anders. Kein typischer Männerkörper. Haben sie einen von einer anderen Rasse in der Crew? War das ein Fischmensch? Ich habe nicht auf das Gesicht geachtet. Jemand greift nach meiner Hand. Erschrocken drehe ich mich um und will mich schon verteidigen, aber es ist Kid. Er lächelt mir begeistert zu und führt mich ins Hotel rein, wo noch mehr Crewmitglieder sind. Du meine Güte! Während sich weiter begrüßt wird, bewegt sich dieser ganze Pulk einmal durch zwei drei große Räume und dann wieder raus. Im Garten des Hotels gibt es offensichtlich einen Pool und dort scheint es eine Pool Party zu geben. Soweit ich das erkennen kann. Es ist so ein großer Tumult und ich habe Kid wieder verloren. Ich muss einfach nur ins Innere des Knäuels und dann werde ich Kid sicherlich finden. Boah ey wie nervig. „Ich helfe dir!“, sagt John und geht mir voraus auf den Menschenhaufen zu. „Danke“, rufe ich ihm zu. Es ist laut. Schließlich dringen wir zu ihm vor. Kid sieht mich und lacht. Er streckt einen Arm nach mir aus. Ich ergreife seine Hand und gelange schließlich zu ihm. Er ist lässig an einen Tisch gelehnt. Neben ihm ist natürlich alles voll, aber er schubst einen seiner Jungs vom Tisch runter, sodass ich neben ihm Platz habe. Er legt seinen Arm wieder um mich. Ich bin erleichtert, dass ich jetzt wenigstens einfach nur hier stehen darf und einen gesicherten Platz habe. Die ganzen neuen Leute überfordern mich. Jeder versucht etwas zu sagen und alle lachen laut und grölen. Es dauert eine ganze Weile bis die anfängliche Begeisterung etwas nachlässt und der Lärm sich etwas legt. Ich trinke einen Schluck von meinem Bier. Natürlich hatte man Kid und mir gleich mit Getränken versorgt. Die Jungs brachten Kid auf den neuesten Stand ihrer Kampfkünste, Errungenschaften und sonstigen Ereignissen und Kid fragte auch von selber nach. Er interessierte sich für die Veränderungen. Auch mit mir unterhalten sich einige und es sind auch ganz nette dabei, aber ich viele andere betrachten mich etwas argwöhnisch und ich würde vielleicht sogar sagen abschätzig. Nach und nach werden es weniger Leute um uns herum. Zwischen einige Köpfe hindurch sehe ich wieder diesen komischen Typen. Ich bin neugierig. Dem muss ich nachgehen. Schnell bevor ich ihn wieder aus den Augen verliere. Ich stelle mein Bier auf den Tisch und will gehen. Kid hält mich auf. Mit einem Kopfnicken fragt er was los ist. „Ich bin gleich wieder da!“, sage ich leise in sein Ohr. Er lässt mich gehen. Zum Glück machen die Jungs mir jetzt Platz. Ich schaue umher. Da! Er holt sich ein Bier. Ich gehe hin und lehne mich neben ihm rückwärts an den Tisch. „Hey“, sage ich. Er schaut auf „Hey“, sagt er kurz angebunden. Er trägt ein Kopftuch, ein Muskelshirt und weite Hosen. Um den Hals hat er eine dicke Kette mit Haifischzähnen. Seine Arme und das Gesicht sind schmutzig. Er sieht ganz schön abgewrackt aus. „Ich bin Grit!“ Er nickt. „Conni.“ Ich muss mich mehr mit ihm beschäftigen, um herauszufinden, was los ist. Ein Fischmensch ist er schon einmal nicht. „Das ist ja ein endloses Durcheinander hier“, plaudere ich fröhlich. Conni weicht meinen Blicken aus und brummt vor sich hin. Ich mustere ihn von der Seite. Nein! Das kann nicht sein! Das ist unmöglich! Niemals! „Sorry, ähm… könntest du mir zeigen, wo die Klos sind?“ Ich muss mich wirklich beherrschen. Er brummt wieder und schlurft mir voraus ins Haus rein. Ich schaue mich um. Niemand da. Als wir um die Ecke kommen halte ich ihn fest und drücke ihn an die Wand. Erschrocken schaut Conni mich an. Wir schauen uns einen Augenblick in die Augen. „Du bist eine Frau“, flüstere ich. Angst ist in ihrem Gesicht zu lesen. Panisch schaut sie sich um, aber wir sind allein. „Bitte verrate mich nicht“, fleht sie mich an. „Bitte nicht!“ Stimme sind zu hören. Ich packe sie bei der Schulter und öffne irgendeine Tür. Scheint ein Büro zu sein. Schnell schiebe ich sie da rein und schließe die Tür. „Du bist eine Frau!“, sage ich wieder. Immer noch schockiert. „Bitte, bitte verrate mich nicht! Ich trainiere hart, damit ich mit den anderen mithalten kann. Ich will doch nur bei den Kid Piraten mitsegeln. Bitte sage nichts dem Käpt’n!“ „Wie lange bist du schon in der Crew?“, frage ich perplex. „Seit fast drei Wochen! Ich hatte Ärger und musste von der Insel runter!“ Das Mädchen hat so viel Angst, dass sie versucht durch ihre bereitwillige Auskunft Gnade zu erflehen. „Drei Wochen?“ Ich kann‘s kaum glauben. „Und du wurdest nicht entdeckt?“ Sie schüttelt den Kopf. Immer noch steht ihr die Angst ins Gesicht geschrieben. „Aber wie?“ Sie zieht sich das Kopftuch runter, unter welchem verstrubbelte kurze Haare zum Vorschein kommen. Dann zieht sie ihr Shirt hoch. Sie hat ihre Brust mit Bandagen abgebunden. Autsch! „Ich kann es nicht fassen, dass dir niemand auf die Schliche gekommen ist. Du siehst noch immer so weiblich aus.“ Sie zuckt mit den Schultern. „Meistens trage ich weite Shirts. Oh bitte verrate mich nicht!“ „Jetzt ist es aber mal gut mit diesem Betteln! Hast du es etwa nicht gemerkt? Du lebst noch!“, fahre ich sie genervt an. Sie verstummt und nickt gehorsam. Ich mustere sie besorgt. „Du sitzt ganz schön in der Patsche! Glaub mir!“ Angst überkommt das Mädchen wieder. „Wie alt bist du?“ „Sechzehn!“ „Sechzehn erst? Aiaiai!“ Was macht man da nur? „Du bist doch die Freundin von Käpt’n Kid?“ „Frau“, korrigiere ich sie. „Kannst du nicht mit ihm reden? Auf dich hört er doch bestimmt!“ „Das ist ein heikles Thema!“, gebe ich zu und gehe nachdenklich auf und ab. Ich könnte es in der Tat versuchen und mit ihm reden. Ihn darauf vorbereiten. Aber selbst dann ist es heikel. „Du musst verschwinden“, sage ich schließlich. „Nein!“, sagt Conni und scheint dazu ihren ganzen Mut aufzubringen. „Es gefällt mir bei euch. Ich möchte bei den Kid Piraten bleiben. Ich bin Piratin!“ Einen Augenblick schaue ich sie an. Dann gehe ich wieder auf und ab. „Ich kann versuchen Kid davon zu überzeugen, dass die Neulinge auf unser Schiff überwechseln sollten. Dann könnte ich auf jeden Fall ein Auge auf dich haben und weiter dran arbeiten. Auf jeden Fall brauche ich Zeit. Du darfst dich auf gar keinen Fall verraten!“ Sie nickt eifrig. „Wie stark bist du?“ „Also naja, wie soll man das sagen“, druckst sie herum. „Schlag mir in den Bauch!“ Sie schaut mich schockiert an. „Hör schon auf damit. Schlag einmal mit voller Kraft zu!“ „Ist das eine Falle?“ Ich verdrehe die Augen. „Nein!“ Ich spanne meine Bauchmuskeln an.es ist bei meinem Körper jetzt eh egal. Auf einen Schlag mehr oder weniger kommt es nicht an. Sie schlägt zu. Ja das war ganz ordentlich. „Nicht schlecht!“ Ich reibe mir den Bauch. Schließlich sind da ein paar Blutergüsse. „Immerhin hast du schon mal Kraft. Welche Waffe benutzt du?“ „Ich habe eine Teufelsfrucht!“ „Oh!“, erwidere ich überrascht. „Ich kann mich in eine Antilope verwandeln!“ „Exotisch! Aber das ist gut. Eine gute Ausrede dafür, dass du nicht ins Wasser gehst. Dann musst du dich auch nicht ausziehen.“ Ich weiß echt nicht, wie Teddys Leute sie nicht enttarnt haben, aber Killer und Kid sind nicht so blind. Das bereitet mir Sorgen. So wie ich Kid kenne, wird er sich sicherlich die Neuen vorknöpfen. Da muss sich doch irgendetwas arrangieren lassen? Sobald er sich Conni genauer anschaut, wird er es merken. Bei Kid und seinen ganzen Frauengeschichten bin ich mir da ganz sicher. Er ist sehr vertraut mit dem weiblichen Körper. „Alles klar! Ich werde drüber nachdenken!“ „Worüber?“ „Darüber, wie ich dich beschützen kann. Jetzt müssen wir erst einmal wieder zurück zur Party!“ Conni nickt. „Folge mir mit etwas Abstand. Damit niemand auf doofe Ideen kommt.“ Ich lausche an der Tür und öffne diese dann vorsichtig. Niemand zu sehen. Ich gehe den Weg ganz selbstsicher wieder zurück nach draußen. „Jo Schwester! Komm mal her!“ Bob und seine Leute sitzen in einer Sofaecke mit ein paar mir unbekannten Leuten. Es ist aber ganz unverkennbar, dass sie vom selben Schlag sind. Bob macht ganz lässig Platz, so dass ich zwischen Malcom und ihm mich hinsetzen kann. Steve drückt irgendetwas Glimmendes aus und pustet den Rauch weg. Scheint wieder eine Droge zu sein. „Hey!“, protestiert einer gechillt. „Der Joint ist doch noch gar nicht alle!“ „Wir können später weiterrauchen“, erwidert Steve ruhig aber bestimmt. Er zwinkert mir zu. Ich grinse. „Lass uns ein bisschen grooven, Schwester. Meine Freunde hier haben ein paar heiße Beats auf Lager“, sagt Bob. Ich lache. „Alles klar, Bruder!“ Hier so gechillt zu sitzen macht Spaß. Sie stimmen eine groovige Melodie an und ich suche mir ein passendes Lied dazu. So kann man seine Sorgen vergessen. Hier fühle ich mich wohl. Die neuen Freunde haben tatsächlich einige „heiße Beats“ und vor allem sind sie voll korrekt. Wir machen eine ganze Weile Musik. Einige haben sich zu uns gesetzt um mitzuhören. Plötzlich höre ich Kid laut schreien. Augenblicklich unterbreche ich meinen Gesang und widme mich der Situation, in der er steckt. Teddy versucht ihn zu beschwichtigen. „WIE VIELE MÄNNER HAST DU VERLOREN?“ „Naja sieben, aber das waren wirklich ziemlich heftige Schlachten. Dafür haben wir eigentlich noch Glück gehabt und…“ „GLÜCK GEHABT? SOWAS GIBT ES NICHT BEI MIR. ENTWEDER MAN IST STARK ODER MAN IST ES NICHT!“ So geht das weiter. Ist also nichts worüber ich mir Sorgen machen müsste. Die anderen haben ebenfalls aufgehört Musik zu machen. Ich fange wieder an zu singen und die anderen setzen mit ein.

Kommentare (118)

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Ronja (60192)
vor 9 Tagen
Ich freue mich wirklich sehr über euer Feedback. Das ermutigt mich weiterzuschreiben. Ich gebe mir immer Mühe also möglichst realitätsnah und grammatisch Korrekt zu schreiben. Die Fiete, habe Geduld. Vielleicht wird dein Wunsch ja schon bald in Erfüllung gehen. Wer weiß! Ich kann ja schliesslich nicht in die Zukunft schauen :P
Die Fiete (84825)
vor 12 Tagen
Ich bin Leserin seit der 21 Episode oder so (also als die gerade aktuell war). Und ich bin immernoch gefesselt! Dir fällt immer wieder was neues ein und du schreibst alles sehr lebendig. So viel Kreativität und Mühe nimmt man selten war in Fanfictions! Naja hier ubd da sind noch ein paar Kommata zu viel, aber im Allgemeinen ist auch die Rechtschreibung super! (Auch das ist ja leider selten der Fall bei Fanfictions, deswegen sag ichs mal) Außerdem ist die FF nicht nur auf diese ganze Liebesgeschichte fokussiert. Dasbist auch mal ganz angenehm im Gegensatz zu dem Schnulzenkram, den man sonst so liest. Trotzdem würde ich mir auch hin und wieder mal eine etwas intimere Szene von Grit und Kid lesen, wenn du verstehst, was ich meine ;D
Monkey D. Sophie (49701)
vor 43 Tagen
cool das du weiter schreibst ich hatte schon argst das es nicht weiter geht
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 44 Tagen
Endlich geht's weiter mit Teil 47 \^o^/
~ £∆D¥ ~ (14139)
vor 84 Tagen
Finde deine Geschichte wirklich spannend und extrem fesselnd.
Man kann gar nicht genug davon bekommen.
Die Charaktere kann man sich wirklich bildlich vorstellen in ihrer Mimik und Gestik.
Hoffe du schreibst schnell weiter (:
Denn das ist bis jetzt die beste Story die ich je gelesen habe. ❤
Natürlich hoffe ich des weiteren das deine Geschichte noch kein schnelles Ende findet!
Denn ich denke nämlich es gibt noch so einiges zu erzählen (;
Dafür das deine Geschichte so faszinierend und auch so ‚‚man denkt man ist hautnah dabei'' ist würde ich dir gerne mehr als nur 5 Sterne geben!
Mach bloß weiter so! ❤
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 87 Tagen
Ich liebe deine Geschichte lese sie von Anfang an und warte immer fleißig auf ein neues Kapitel

Freue mich schon wieder aufs nächste :D
Ronja (17555)
vor 92 Tagen
Herzlichen Dank! Man tut ja was man kann nicht wahr?!
Ayumi (20597)
vor 97 Tagen
Wow was für eine lange und schöne Story *-*
Das gibt erstmal 5 fette Sterne *-* Probs an den Autor ich bin so gefesselt...da muss ich dich fast schon anzeigen wegen Freiheitsberaubung xD
Rosa (03587)
vor 121 Tagen
Wann schreibst du wieder weiter?
Bahar (99888)
vor 404 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen
Hikari (52165)
vor 415 Tagen
Nein würde ich nicht Ronja , aber deswegen iSt es so blöd weil es genau wirklich die spannendste stelle ist
Ronja (57034)
vor 415 Tagen
Ich weiß, ich weiß. Würdest du schlecht über mich denken, wenn ich dir sage, das war mit Absicht? Fortsetzung folgt bald...
Hikari (52165)
vor 415 Tagen
OMG! SO ETWAS DARF MAN KEINEM ANTUN😱 an der spannendsten
Stelle einfach aufhören.......Bitte schreib schnell weiter!!!!!!!
P.S.
Respekt, ich könnte Soetwas nicht . Mach weiter so😉
alegssa (22446)
vor 419 Tagen
Ich hab schon so gespannt gewartet. Bitte schreib schnell weiter 😍😍
Bahar (10063)
vor 421 Tagen
Respekt du kannst schreiben wie ne Profi.
P.S
Mich hast du schon als Bewunderer
angle of life (63895)
vor 422 Tagen
Coool der neue Teil ist echt so toll 😊
Ich finde die Story eine von den besten ! Bitte mach schnell weiter!
Ich möchte gern wissen wie es weiter geht. Mach weiter so!
loliee (10932)
vor 492 Tagen
Das ist DIE BESTE ff, die ich bis jetzt gelesen hab, um ehrlich zu sein;)
♥☺♥☺♥☺♥☺♥☺
Monkey D Woosmann (89282)
vor 502 Tagen
cool der neue Teil
SAKURA (64916)
vor 529 Tagen
Wann kommt der 36 Teil die Geschichte is voll cool
Ronja (14911)
vor 545 Tagen
Ich find es super cool, dass du dir so Gedanken machst, wie es wohl weitergeht. Ob Grit Königshaki hat weiß ich nicht so genau. Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen, aber wer weiß. Sie überrascht einen immer wieder ;)