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World of Mystik 24

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2 Kapitel - 3.534 Wörter - Erstellt von: Torden! - Aktualisiert am: 2017-07-18 - Entwickelt am: - 148 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos au den Grund gehen sollen. Basierend auf Phyria's MMFF

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    ((bold))Sherbrooke((ebold)) Sie wussten nicht, was sie mit den Söldnern tun sollten, deshalb fesselten sie sie mit Klebeband und sperrten sie in ihre
    Sherbrooke

    Sie wussten nicht, was sie mit den Söldnern tun sollten, deshalb fesselten sie sie mit Klebeband und sperrten sie in ihre Wagen, nachdem sie die Reifen durchstochen hatten.
    Sherbrooke, Sherbrooke, Sherbrooke, spukte Karu durch den Kopf, während er Kolja dabei half, den bewusstlosen Andrej in den Van zu verfrachten. Django ist ein Verräter. Und wenn er doch keiner ist, dann hat er zumindest etwas mit alldem hier zu tun. Wie viele Menschen auf der Welt tragen den Namen Sherbrooke?
    Sie hatten Kolja alles erzählt. Von den Fähigkeiten, von ATLAS und ihrem Auftrag.
    „Ich habe immer etwas in diese Richtung geahnt“, berichtete Kolja, „Aber nie so weit. Vor Jahren war ich bei ihm zu Besuch, als es an der Tür klingelte. Zwei junge Leute standen dort, vielleicht ein paar Jahre älter als ihr, mit großen Rucksäcken und diesen Leuchten in den Augen als würden sie bald etwas großartiges leisten. Sie unterhielten sich eine Weile mit meinem Bruder und dann fuhren sie los. Ich sah sie nie wieder. Als mein Bruder zurückkam, schloss er sich in seiner Werkstatt ein und kam stundenlang nicht heraus. Tatjana hat durch die Tür auf ihn eingeredet, aber er wollte nicht herauskommen. Als er es irgendwann doch tat, wirkte er völlig fertig und mit den Nerven am Ende. Tatjana erzählte mir später, dass das schon vorher passiert wäre und sie selbst nicht wusste, wer diese Leute waren, die unbedingt in die Wälder wollten. Erst dachte sie, es seinen nur Bekannte von früher, die wandern wollten, aber für Bekannte blieben sie nie lange genug und das Verhältnis war zu kühl. Sie machte sich Sorgen um Andrej und um das, was in den Wälder womöglich geschah. Heute hat sie mich gebeten, mitzufahren. Nicht umsonst, wie es scheint.“ Er lachte bitter: „Verdammte Telekinese.“
    Karu übersetzte für die anderen. Seine Gliedmaßen fühlten sich noch immer an wie Kaugummi, das zu lange in der heißen Sonne gelegen hatte und seine Zunge ähnelte Sandpapier. Noch länger in den Gedanken des Söldners und er wäre komplett ausgekühlt. Keine Söldner. „Inoffizielle Sicherheitsbeauftragte“ hatte die Frau sie genannt.
    Hjördis schenkte ihm etwas von dem lauwarmen Tee ein. Er klammerte den Becher als wäre er ein Rettungsanker. Wenn er ihn losließe, würde er im Schnee versinken. Inzwischen saßen sie im Van. Die Heizung lief, konnte die Kälte in Karus Knochen aber kaum vertreiben.
    „Was werdet ihr jetzt tun?“, fragte Kolja. „Die Wälder sind zu gefährlich und womöglich gibt es noch mehr von diesen Typen.“ Er tippte gegen die Scheibe der Fahrertür und deutete so auf die Wagen der inoffiziellen Sicherheitsbeauftragten.
    „So sind die einzigen zwischen hier und Jakutsk.“, widersprach Karu.
    „Woher willst du …,“ setzte Kolja an, murmelte dann jedoch, „ach stimmt ja.“ Er fuhr sich die schmierigen Haare.
    „Das ist unsere letzte Chance,“ warf Hjördis ein.
    „Man kann euch nicht davon abbringen, was?“, Koljas klang beinahe verzweifelt.
    Karu schüttelte den Kopf. Er wusste ohne hinzusehen, dass die beiden Mädchen es ihm gleichtaten. Sie würden gehen. Die Entscheidung hatten sie bereits am Morgen getroffen. Die Entscheidung hatten sie bereits vor Wochen getroffen, als sie im Fort geblieben waren.
    „Immerhin wissen wir jetzt mehr,“ sagte Karu. „Wir wissen, warum ATLAS nie eine Lösung gefunden hat. Und wer noch damit zu tun hat.“ Aber warum wurde uns nie erzählt, dass die anderen verschwunden sind? Ihm war natürlich bewusst gewesen, dass sie nicht die einzigen waren, die ATLAS in all den Jahren losgeschickt hatte, um herauszufinden, was mit den Bäumen los war. Seit zwanzig Jahren suchten sowohl ATLAS als auch die Regierungen der Welt - allen voran Russland, Kanada und die USA – nach der Antwort auf das rasante Wachstum.
    „Dann geht,“ erwiderte Kolja bitter. „ Es wird zwar ganz bestimmt euer Untergang sein, aber ich werde euch wohl kaum aufhalten können.“ Der traurige Blick des Mannes ruhte auf Hannah.
    „Es tut uns leid,“ sagte Hjördis und lächelte schwach. „Aber wir müssen das tun. Kommst du mit Andrej zurück, wenn
    er aufwacht?“
    „Ja, als wir jünger waren, habe ich auch immer gewonnen. Telekinese hin oder her, er ist kein Kämpfer.“ Er lachte trocken. „Und Tatjana wird sich um den Rest kümmern.“

    Der Van suchte sich seinen Weg durch den schmutzigen Schnee, während Hannah, Hjördis und Karu ihm hinterherwinkten. Ein mulmiges Gefühl breitete sich in Karu aus. War es wirklich eine gute Idee, sich auf Kolja zu verlassen? Er hatte zwar versprochen in zwei Wochen an diesen Ort zu kommen um sie gegebenenfalls abzuholen, doch womöglich vergaß er dies im Suff.
    Karu betete darum, dass Kolja wenigstens sein Versprechen hielt und die Polizei hierher schickte, damit sie sich um die „inoffiziellen Sicherheitsbeauftragten“ kümmerte. Er hatte den anderen noch nicht alles erzählt, was er in den Erinnerungen gefunden hatte. Stattdessen hatte er Kolja nur einen Zettel mit der Nummer des Forts gegeben mit der Bitte, Cummingfield oder irgendwen, der gerade dranging zu sagen, dass man Django nicht trauen durfte. Und das einer der größten amerikanischen Industriekonzerne darin verwickelt war. Mehr hatte er Kolja nicht anvertrauen wollen. Vermutlich kommt er Anruf eh nicht durch.
    Er drehte sich um als es hinter ihm rumpelte. Aus dem Inneren eines der beiden Wagen hörte er gedämpfte Kampfgeräusche. Hjördis und Hannahs Spuren führten zum halb geöffneten Laderaum des Transporters. Er sprintete zur Tür und riss sie auf.
    Seine Panik verwandelte sich in Überraschung und dann in ein belustigtes Grinsen. Hannah stand neben einem der am Boden liegenden Männer und zog sich gerade eine viel zu große Jacke mit Camouflage-Muster an. Sie reichte ihr fast zu den Knien und die hochgekrempelten Ärmel rutschen immer wieder nach unten. Der Mann zappelte wie ein Fisch auf dem Trockenen, während er versuchte sich von seinen Duck Tape-Fesseln zu befreien. Seine Kameraden sahen ihm nur mitleidig dabei zu. Sie hatten es aufgegeben, sich gegen die Knebel und Fesseln zu wehren.
    Hjördis hockte neben einer Metallkiste und wühlte darin herum. Auch sie trug eine der Jacken und hatte die Kapuze aufgesetzt. Eine hellbraune Strähne lugte darunter hervor.
    „Die hier sollte dir passen.“, sagte sie ohne aufzusehen und warf Karu eine dicke Hose zu, ebenfalls in Winter-Camouflage. Er fing sie unbeholfen auf und streifte sie sich über seine eigene alte Hose. Es war dadurch etwas zu eng, aber es hielt die Kälte ab.
    „Gute Idee,“ lächelte er und nahm auch noch eine Jacke entgegen. Die Winterausrüstung der Männer war gut, sehr gut sogar. Was hatte er auch erwartet? Dass die Western Oil Company ihr Vertuschungskommando schlecht ausrüstete?
    „Die Stiefel passen nicht,“ meldete sich Hannah. Karu drehte sich zu ihr um und schmunzelte. Die Stiefel, die sie wohl aus der Kiste neben sich genommen hatte, waren vier Nummern zu groß und wirkten an ihr wie Clownslatschen.
    „Gibt es kein kleineres Paar?“, fragte er belustigt und warf einen Blick in die Kiste.
    „Nein. Hast du dir die Typen mal angeguckt? Die sind alle mindestens einen Kopf größer als ich,“ beschwerte sich Hannah.
    „Stopf das vorne rein,“ meldete sich Hjördis zu Wort und drückte ihr ein Paar Socken in die Hand.
    „Das ist doch ekelhaft!“, sträubte sich Hannah. „Wer weiß, wer die schon anhatte.“
    „Das sind Socken und keine Uranbrennstäbe,“ erwiderte Hjördis streng. „Besser das als Frostbeulen. Außerdem sind sie gewaschen.“
    Karu hätte sich Hannah gerne angeschlossen, aber das Wohlbefinden seiner Füße war ihm dann doch lieber als sein Bedürfnis nach Hygiene. Außerdem wirkten die Socken tatsächlich frisch gewaschen – sie dufteten leicht nach Lavendel – und er schenkte den Männern einen anerkennenden Blick zu. Er stopfte sie in ein paar Stiefel und schlüpfte hinein. Sie passten zwar nicht optimal, würden aber ihren Zweck erfüllen.
    Anschließend durchstöberten sie die restlichen Kisten und räumten Dinge in ihre Rucksäcke, die sie selbst gebrauchen konnten. Hauptsächlich stockten sie ihre eigenen Vorräte mit Energieriegeln und Tütensuppen auf.
    Die anderen beiden hatten den Wagen bereits verlassen und Karu wollte es ihnen gerade gleichtun, als er sein Blick an einer kleineren Kiste hängen blieb. Wie die anderen war sie ebenfalls aus Metall und wies einige Beulen und schrammen auf. Ihm war die ganze Zeit nicht wohl dabei gewesen, als sie die Sachen geplündert hatten, doch er wollte wissen, was sich in dieser Kiste befand.
    Der Verschluss klemmte und er musste viel Kraft aufwenden, bis er sie schließlich geöffnet hatte. Als er hineinsah, schluckte er. Handfeuerwaffen und Munition fein säuberlich in ihren Schachteln. Eine der Pistolen war sogar dasselbe Modell wie er es selbst in seinem Rucksack mit sich führte. Das selbe Modell mit dem Hjördis geschossen hatte. Er schauderte und wollte die Kiste schließen, aber etwas blitze zwischen den Munitionsschachteln auf. Er schob sie beiseite. Darunter befand sich ein langes Jagdmesser, das halb aus seiner Scheide gerutscht war. Die Klinge funkelte ihn brutal an. Zögernd nahm er es aus der Kiste. Im Fort hatte er mit einem Schwert trainiert, aber das konnte er verständlicherweise nicht mit nach Japan nehmen. Das Messer war nicht das gleiche, aber stellte eine gute Alternative dar.
    Hinter ihm stöhnte jemand und Karu fuhr herum. Einer der Männer, der bisher ruhig geblieben war, warf ihm einen mörderischen Blick zu. Das ist kein Spielzeug für Kinder, schien er zu sagen, Das ist mein Messer. Wehe du nimmst es.
    Ohne sich noch einmal umzudrehen, sprang Karu aus dem Wagen und trat die Tür hinter sich zu. Das Messer verstaute er sicher in seinem Rucksack.

    „Wir müssen uns beeilen. Die Sonne geht in vier Stunden unter und wir müssen so viel Abstand zwischen uns und die Männer bringen wie möglich,“ meinte Karu und stapfte durch den Schnee voraus.
    „Mach drei Stunden daraus. Wir brauchen noch eine Stunde um ein Lager zu finden und aufzuschlagen,“ korrigierte Hjördis, die ganz hinten ging. Hannah lief zwischen ihnen und nutze Karus Fußabdrücke, um sich nicht selbst einen Weg durch den Schnee bahnen zu müssen. Kluges Mädchen, dachte er.
    Sie liefen bereits seit einer Stunde und die Wagen lagen ein gutes Stück hinter ihnen.
    „Woher wusstest du eigentlich, dass Djangos Mutter Sherbrooke mit Nachnamen heißt?“, fragte Hannah ein wenig atemlos.
    „Erinnerungen. Ich hab ihn einmal versehentlich berührt und dabei ein Gespräch zwischen ihr und Djangos Vater mitbekommen. Es ging darum, dass Django seinen Nachnamen immer wechselt und ob das so ein pubertäres Verhalten wäre. Ich würde Sherbrooke auch McFadden vorziehen.“
    Hjördis schnaubte belustigt.
    „Dein Vorname klingt jetzt auch nicht viel besser,“ rief Hannah frech. Etwas traf Karu in den Rücken und er drehte sich um.
    „Sorry, der Schneeball sollte nicht dich treffen,“ entschuldigte sich Hjördis.
    „Ist doch wahr!“, kicherte Hannah. „Hjördis. Das klingt wie ein zu lang geratener Nieser.“
    „Er bedeutet Schwertgöttin,“ erklärte Hjördis grummelnd, formte zu Karus Erleichterung aber keinen weiteren Schneeball. „Ein normaler isländischer Name, den ihr teilweise immer noch falsch aussprecht.“ Sie sah Karu dabei scharf an.
    Er hob abwehrend de Hände: „Unsere Aussprachen unterscheiden sich nun mal. Meiner bedeutet Dichter.“
    „Dichter?“, fragte Hannah und nieste. „Ihr solltet Namen tauschen.“
    Danach stapften sie weiter schweigend durch den Wald. Unter den Bäumen lag der Schnee nicht ganz so hoch, dafür war es jedoch dunkler. Nur wenig Licht viel durch das Nadelgeäst der Lärchen, die wegen des unerwarteten Wintereinbruchs ihre jungen Nadeln schon wieder verloren. Nur die vereinzelten Tannen und Kiefern standen in beinahe trotzigen Grün dazwischen.
    „Alles okay, Hannah?“, fragte Karu seufzend als das Mädchen nun zum x-ten Mal in einer Stunde nieste.
    „Ja, ja“, schniefte sie mit geröteter. „Ich hab nur eine Tannenallergie.“
    „Wenn wir Pause machen sollen, sag Bescheid,“ erwiderte er freundlich. Insgeheim wünschte Karu sich jedoch, dass sie schneller vorankämen. Der Schnee bedeckte ihre Spuren nur langsam. Für ihn waren die Fußabdrücke wie Ariadnes roter Pfaden, dem man einfach nur folgen musste, um den Ausgang aus dem Labyrinth beziehungsweise den Weg zu ihnen zu finden.
    Hjördis schien seine Gedanken zu erraten, denn sie setzte ihren Rucksack ab und kletterte auf einen Baum. Kurz darauf fiel ein Ast herab und sie sprang hinterher.
    „Die unteren Äste sind zu kahl,“ erklärte sie auf Karus fragenden Blick hin. „Die mit mehr Nadeln sind besser zum Spuren verwischen.“
    Er nickte und bereute, dass er so viel Zeit auf dem Kampfplatz und nicht beim Survivaltraining verbracht hatte. Während Hjördis hinter ihnen die Spuren verwischte, suchte er weiter einen Weg zwischen den Bäumen hindurch.
    Erst hielt er das Geräusch für das Rauschen der Äste im Wind. Mit jedem Schritt wurde es jedoch lauter; wurde zu einem Tosen und schließlich zu Donner. Eher er sich versah, stand er am Ufer eines schmalen, aber reißenden Flusses. Eisschollen trieben auf dem Wasser. Sie ähnelten Booten kurz vorm Kentern.
    „Was jetzt?“, nieste Hannah und stellte sich neben ihn. Die Ärmel waren ihr wieder zu weiter herunter gerutscht.
    „Wir laufen am Ufer entlang und suchen einen Weg hinüber.“, sagte er und zuckte mit den Schultern.
    Hjördis trat neben ihn und warf den Ast in den Fluss. Er wurde von den Fluten mitgerissen und untergetaucht. Karu verlor ihn schnell aus den Augen.
    „Wird schwierig,“ meinte Hjördis. „Wir sollten hier unser Lager aufschlagen und morgen weiterziehen.“
    Sie schlugen ihr kleines orangenes Zelt im Windschatten eines umgekippten Baumstammes auf. Während Hjördis und Hannah versuchten ein Feuer zu entfachen, erkundete Karu das Flussufer. Er hätte ihnen gerne geholfen, befürchtete aber, dass er eher im Weg stände. 500 m flussauf- und flussbawärts fand er keine Möglichkeit übers Wasser zu gelangen. Das einzig interessante, das er entdeckte, war die Packung eines Müsliriegels. Es stimmte ihn traurig, das man selbst in dieser Wildnis noch den Müll von unachtsamen Wanderern fand.
    Womöglich sind die Katastrophen nur eine Bestrafung für uns Menschen, weil wir für alles schlechte auf diesem Planeten verantwortlich sind, kam ihm in den Sinn.

    Sie saßen ums Feuer gedrängt. Mit dem Sonnenuntergang war es noch einmal stark abgekühlt und trotz der dicke Klamotten und der Flammen zitterten sie am ganzen Leib.
    „Ich glaube, ich sollte euch jetzt alles erzählen, was ich heute gesehen habe,“ bibberte Karu und rückte näher ans Feuer. Die Wärme taute sein Gesicht auf.

    Der Mann sitzt in einem bequemen blauen Sessel in einem Wartezimmer. Die Wände sind weiß gehalten und ein große Zimmerpflanze steht in einem ebenfalls blauen Topf in einer Ecke des Raumes. Die einzigen Geräusche sind das Ticken der Uhr über ihm und das Tastaturgeklapper der Sekretärin. Sie ist Ende fünfzig und trägt die offensichtlich rot gefärbten Haare in einem Dutt. Ab und zu wirft sie ihm einen verhalten missbilligenden Blick zu.
    Er ist nicht nervös. Das ist er nie. Dennoch wippt er unruhig mit einem Fuß auf und ab. Es ist die Neugierde, die ihn dies tun lässt. Seitdem er vor zwei tagen die Email der Chefin erhalten hat, lässt ihn diese Neugierde nicht mehr ruhig schlafen.Was wollte sie von ihm?
    Er war Bridgette Sherbrooke noch nie persönlich begegnet. Aber er kannte ihren Namen. Schließlich genoss die Frankokanadierin eine legendären Ruf in der Western Oil Company. Frisch von der Uni gekommen hatte sie in der Personalabteilung einer Raffinerie in Alberta angefangen und hatte sich innerhalb von zehn Jahren zur Sicherheitschefin der gesamten Firma hochgearbeitet. Auch ihre Schwangerschaft konnte sie nicht daran hindern, weitere Sprossen auf der Karriereleiter zu erklimmen.
    „Sie werden jetzt erwartet“, verkündete die Sekretärin hinter ihrem Schreibtisch und deutete zu der Milchglastür. Der Mann stand auf und klopfte an. Die Frau, die öffnete, hatte er sich anders vorgestellt. Ihre braunen Augen blickten ihn freundlich an. Ihr Händedruck war warm und angenehm.
    „Nehmen Sie doch bitte Platz,“ sagte sie und deute auf einen Stuhl vor einem großen Eichenholzschreibtisch. Der Mann tat wie ihm geheißen und musterte die Einrichtung, während Sherbrooke ihm gegenüber Platz nahm und die Hände auf dem Tisch verschränkte. Stahl und Glas herrschten im Raum vor. Der einzige persönliche Gegenstand schien ein gerahmtes Foto neben dem Computer zu sein, dessen Motiv er aber nicht erkennen konnte.
    „Nun… Sie fragen sich bestimmt, warum ich Sie hierher gebeten habe,“ kam Sherbrooke sofort zum Punkt. „Sie werden versetzt.“
    „Ich werde entlassen?“, fragte er ungläubig.
    „Versetzt. In den Außendienst.“
    „Aber die Western Oil Company hat keinen Außendienst im Sicherheitssektor,“ erwiderte er und versuchte sich dem ganzen irgendeinen Sinn abzugewinnen.
    „Natürlich hat die WOC das nicht. Zumindest nicht offiziell. Aus ihrer Personalakte entnehme ich, dass Sie früher beim Militär waren?“
    „J-ja,“ stammelte er. „Bei der Navy um genau zu sein. Zwölf Jahre lang.“
    „Und Sie bekleideten auch einen Offiziersposten. Sehr gut. Warum haben Sie aufgehört?“
    „Ach, Sie wissen schon: Die Liebe.“, erwiderte er etwas verlegen.
    Sie sah ihn wieder mit diesen warmen Augen an, doch für einen kurzen Moment blitzte Stahl dahinter auf, als wolle sie sagen: „Weiß ich das?“ Für einen kurzen Moment erinnerte er sich an die Geschichte, dass Sherbrooke einmal jemanden entlassen hatte, weil er ihr Schokolade neben den morgendlichen Kaffee gelegt hatte. Natürlich hätte sie einen anderen Grund genannt, aber seitdem wagte es niemand mehr sie bei ihrem Vornamen anzusprechen.
    „Scheidung nehme ich an?“
    Er nickte.
    „Militärische Erfahrung, keine Familie, Loyalität zur Firma… Sie sind genau derjenige, den wir brauchen.“
    „Ist das so?“, fragend hob er eine Augenbraue. Das mit der Familie und der Loyalität zur Firma wurmte ihn.
    „Sie werden nach Russland geschickt,“ fuhr sie fort ohne auf seine Frage einzugehen.
    „Was ist wenn ich Nein sage?“
    „Dann ist Ihre Karriere bei WOC beendet.“, lächelte Sherbrooke freundlich. Langsam verstand er, woher ihr eiserner Ruf stammte. „Natürlich gäbe es eine angemessene Vergütung.“ Sie nannte ihm sie Summe. Er fiel fast vom Stuhl.
    „Was würde ich in Russland tun?“, wollte er wissen.
    „Sie führen ein Team an, das Gefährdungen von Betriebsinterna eliminieren soll. Sicherheitslecks ausmerzen. Weitere Instruktionen würden Sie später erhalten.“
    „Darf ich das Team selbst zusammenstellen?“
    „Aus Personen, die wir Ihnen vorschlagen,“ antwortete sie.
    „Klingt fair. Habe ich Bedenkzeit?“
    „Zwei Tage,“ sie erhob sich und geleitete ihn mit eleganten Schritten zur Tür. Sie gaben sich erneut die Hand und in der Tür sagte sie noch: „Sie verstehen, dass dieses Gespräch nie stattgefunden hat?“
    „Welches Gespräch?“, entgegnete er ernst und verließ den Raum.


    „Djangos Mutter hat diese Männer hierher geschickt?“, fragte Hannah ungläubig. Karu nickte und starrte in die Flammen. Er hätte gerne mehr erfahren, doch die Erinnerung war schon Recht lang gewesen und es gehörte auch immer Glück dazu eine brauchbare zu finden. Durchs Feuer sah er zu Hjördis. Wenn sie einem nicht gerade gezeigt werden.
    Er gähnte: „Können wir morgen weiterreden?“
    Hjördis nickte. „Ich übernehme die erste Wache.“

    2
    Ist ein bisschen lang geworden.

    Über konstruktive Kritik, Anregungen und Rückmeldungen würde ich mich sehr freuen.
    Hier der Link zu Phyrias Original: http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik-MMFF

article
1500139629
World of Mystik 24
World of Mystik 24
Die Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos au den Grund gehen...
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1500139629/World-of-Mystik-24
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1500139629_1.jpg
2017-07-15
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (22)

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Aquila ( von: Aquila)
vor 89 Tagen
Schönes Special, Muria. Großes Lob an dich!
Lili (50367)
vor 90 Tagen
Boa Ey ich mag das nicht bin erst acht
Muria ( von: Murialana)
vor 90 Tagen
Ja, ich weiß, und das braucht dir auch nicht leid zu tun
torden ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Hab damals eben nicht viel dazugefunden und irgendwo stand es dann als Abkürzung von Lapislazuli.
torden ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Ich ändere das jetzt. Tut mir leid, wenn das jetzt unhöflich klingt, aber ich finde es nicht so nett, dass du es mir erst jetzt sagst und dann auch noch auf diese Art. Das hätte man gleich richtig stellen können und nicht erst über ein halbes Jahr danach als Überprüfung.
Muria ( von: Murialana)
vor 90 Tagen
@Torden: keine Ahnung, vielleicht wollte ich einfach, dass du es selbst herausfindest....

@Kalypso: Danke
Kalypso (03087)
vor 90 Tagen
Wirklich schön geschrieben. Respekt
torden! ( von: torden!)
vor 90 Tagen
Da ich dieses Lob nicht nochmal hinkriege und du es bereits gelesen hast, bekommst jetzt einfach nochmal ein "Gut gemacht" xD

Meinst du die Bedeutung von Lapis Namen?
Und warum hast du es nicht damals beim Perso-Test gesagt?
Muria ( von: Murialana)
vor 90 Tagen
Ok, was ist jetzt passiert?
Zurück zum Fehler beim Lapis-Special: Es handelt sich um einen kleinen Fehler, den du bei einem WoM-Persönlichkeitstest gemacht hast.
torden ( von: torden!)
vor 126 Tagen
Vielen lieben dank. Es freut mich immer neue Leser für WoM begeistern zu können.
.«Gamer-Bär». (00027)
vor 127 Tagen
Ich liebe diese Geschichte, und dein schreib stiehl ist genial und super schön ^^
torden ( von: torden!)
vor 127 Tagen
Danke :)
Muria ( von: Murialana)
vor 127 Tagen
Für alle, die WoM 25 auf dem Smartphone lesen und Kalliks Gedankengang in kursiv nicht lesen können:

IchhabdieKontrolle.
EsdarfnichtüberdenFlussgelangen.
Dasistneu.
MarinaChloéJosiahCarolSolHopeNewt
RheaDjangoLéandraTayo.
NeinnichtTayo.Tayoistfort.Verbrannt.Tot.
Dingedienichthättenpassierendürfen.


Ich hätte mir die Absätze so gern erspart, aber so geht es halt sicher für alle zu lesen.
torden ( von: torden!)
vor 136 Tagen
Danke, auch wenn es sich furchtbar anfühlt sich dafür zu bedanken.
Hillory (40141)
vor 136 Tagen
Ich habe noch nie so etwas schönes gelesen. Der Text über Phyria ist echt klasse.
torden (17672)
vor 437 Tagen
Ich habe es dennoch geändert.
torden! (81341)
vor 459 Tagen
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen.
Lapis (74838)
vor 460 Tagen
Logisch gefällt es mir. Das einzige, was wirklich nicht so ...schön. ... ist, ist, dass sowohl Hannah als auch Lapis "Du bist wach" sagen. Das braucht ihr aber nicht ändern, ich reagiere überempfindlich auf Wiederholungen
torden (25791)
vor 464 Tagen
Danke Lapis, hoffentlich gefällt dir die Darstellung deines Charakters.
Lapis (26629)
vor 465 Tagen
Ihr schreibt mega! Die Spritze gefällt mir XD