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Rubinrot: Liebe geht durch alle Zeiten

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1 Kapitel - 1.073 Wörter - Erstellt von: Ella G. - Aktualisiert am: 2017-07-10 - Entwickelt am: - 167 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Manchmal ist es ein echtes Kreuz, in einer Familie zu leben, die jede Menge Geheimnisse hat. Der Überzeugung ist zumindest die 16-jährige Gwendolyn. Bis sie sich eines Tages aus heiterem Himmel im London um die letzte Jahrhundertwende wiederfindet. Und ihr klar wird, das ausgerechnet sie das allergrösste Geheimnis ihrer Familie ist. Was ihr dagegen nicht klar ist: Dass man sich zwischen den Zeiten möglichst nicht verlieben sollte. Dann das macht die Sache erst recht kompliziert!

    1
    Kerstin Gier
    Rubinrot. Liebe geht
    durch alle Zeiten


    Prolog
    Hyde Park, London
    8. April 1912

    Während sie sich auf die Knie fallen liess und anfing zu weinen, schaute er sich nach allen Seiten um. Wie er vermutet hatte, war der Park um diese Uhrzeit menschenleer. Joggen war noch lange nicht in Mode und für Penner, die auf der Parkbank schliefen, nur zugedeckt mit einer Zeitung, war es zu kalt. Er schlug den Chonografen vorsichtig in das Tuch ein und verstaute in seinem Rucksack. Sie kauerte neben einem der Bäume am Nordufer des Serpentine Lake in einem Teppich verblühter Krokusse. Ihre Schulter zuckten und ihr schluchzen hörte sich an wie die verzweifelten laute eines verwundeten Tiers. Er konnte es kaum ertragen. Aber er wusste aus Erfahrung, dass es besser war, sie in Ruhe zu lassen, also setzt er sich neben sie ins Taufrische Gras, starte auf die spiegelglatte Wasseroberfläche und wartete. Wartete darauf, dass der Schmerz abebbte, der sie wahrscheinlich nie ganz verlassen würde. Ihm war ganz ähnlich zumute wie ihr, aber er versuchte sich zusammen zu reissen. Sie sollte sich nicht auch noch Sorgen um ihn machen müssen. " Sind die Papiertaschentücher eigentlich schon erfunden?", schniefte sie schließlich und wand ihm ihr tränennasses Gesicht zu. "Keine Ahnung", sagte er. "Aber ich hätte ein stilechtes Stofftaschentuch mit Monogramm anzubieten." "G.M. Hast du das etwa von Grace geklaut?" "Sie hat es mir freiwillig gegeben. Du darfst es ruhig vollschmieren, Prinzessin." Sie verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln, als sie ihm das Taschentuch zurückgab. " Jetzt ist es ruiniert. Tut mir leid." " Ach was! In dieser Zeit hängt man es zum Trocknen auf und benutzt es noch einmal", sagte er. " Hauptsache, du hast aufgehört zu weinen." Sofort traten ihr wider Tränen in die Augen. " Wie hätte sie nicht im Stich lassen dürfen. Sie braucht uns doch! Wir wissen gar nicht, ob unser Bluff funktioniert, und wir haben keine Chance, es je zu erfahren." Ihre gaben ihm einen Stich. " Tot hätten wir ihr noch weniger genutzt." " Wenn wir uns nur mit ihr hätten verstecken können, irgendwo im Ausland, unter falschem Namen, nur bis sie alt genug wäre ...." Er unterbrach sie, indem er heftig den Kopf schüttelte. " Sie hätten uns überall gefunden, das haben wir doch schon tausend Mal durchgesprochen. Wir haben sie nicht im Stich gelassen, wir haben das einzig richtige getan: Wir haben ihr ein Leben in Sicherheit ermöglicht. Zumindest die nächsten sechzehn Jahre." Sie schwiegen einen Moment. Irgendwo in der Ferne war ein wieherte ein Pferd und vom West Carriage Drive hörte man stimmen, obwohl es noch beinahe Nacht war. "Ich weiß, dass du recht hast", sagte sie schliesslich. "Es tut nur so weh zu wissen, dass wir sie nie wiedersehen werden." Sie fuhr sich mit der Hand über die verweinten Augen. " Wenigstens Weden wir uns nicht langweilen. Früher oder später werden sie uns auch in dieser Zeit aufstöbern und uns die Wächter auf den Hals hetzen. Er wird weder den Chronografen noch seine Pläne kampflos aufgeben." Er grinste, weil er die Abenteuerlust in ihren Augen aufblitzen sah, und wusste, das die Krise vorerst überstanden war. "Vielleicht waren wir ja doch schlauer als er und das andere Ding funktioniert am Ende gar nicht. Dann sitzt er fest." " Ja, schön wär's. Aber wann doch, sind wir die einzigen, die seine Pläne durchkreuzen können." " Schon deshalb haben wir das Richtige getan." Er stand auf und klopfte sich den Dreck von seinen Jeans. " Komm jetzt! Das verdammte Gras ist nass und du sollst dich noch schonen." Sie ließ sich von ihm hoch ziehen und küssen. " Was machen wir jetzt? Ein Versteck für den Chronograf suchen?" Unschlüssig sah sie zur Brücke hinüber, die den Hyde Park von den Kensington Gardens trennte. " Ja. Aber erst mal plündern wir die Depots der Wächter und decken uns mit Geld ein. Und dann können wir denn Zug nach Southampton nehmen. Dort geht am Mittwoch die Titanic auf ihre Jungfernfahrt." Sie lachte. " Das ist also deine Vorstellung von schonen! Aber ich bin dabei." Er war so glücklich darüber, dass sie wieder lachen konnte, dass er sie gleich nach einmal küsste. "Ich dachte eigentlich.... Du weisst doch, dass Kapitäne auf hoher See die Berechtigung haben, Ehen zu schliessen, nicht was, Prinzessin?" " Du willst mich heiraten? Auf der Titanic? Bist du irre?" " Das wäre doch sehr romantisch." " Bis auf die Sache mit dem Eisberg." Sie legte ihren Kopf an seine Brust und vergrub ihr Gesicht in seiner Jacke. " Ich liebe dich so sehr", murmelt sie. " Willst du meine Frau werden?" " Ja", sagte sie, das Gesicht immer noch an seiner Brust vergraben. " Aber nur, wenn wir spätestens in Queenstown wieder aussteigen." " Bereit für das nächste Abenteuer, Prinzessin?" " Bereit, wenn du es bist", sagte sie leise.



    Ich werde versuchen jeden Monat ein Kapitel hochzuladen. Hinterlässt mir gerne einen Kommentar.
    Tschüss 😋

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