Springe zu den Kommentaren

World of Mystik 22

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
2 Kapitel - 3.609 Wörter - Erstellt von: Torden! - Aktualisiert am: 2017-07-18 - Entwickelt am: - 197 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf dem Grund gehen sollen.
Basierend auf Phyria's MMFF.

    1
    ((bold))Straße der Knochen((ebold)) Der Blick erinnerte Hannah unangenehm an ihre Eltern, wenn sie wieder „Erwachsenengespräche“ geführt hatten
    Straße der Knochen

    Der Blick erinnerte Hannah unangenehm an ihre Eltern, wenn sie wieder „Erwachsenengespräche“ geführt hatten. Das letzte Mal hatte sie ihn gesehen, als ihre Mutter ihr vorsichtig versucht hatte beizubringen, dass sie umziehen würden. Sie war damals alles andere als begeistert gewesen und hatte das auch gesagt. Ihre Mutter hatte ihrem Vater einen undeutbaren Blick zugeworfen und er hatte ihn erwidert.
    Diese stumme Konversation jetzt bei Karu und Hjördis zu sehen, machte Hannah wahnsinnig. Seit gestern Nacht hatte sich etwas verändert. Sie wusste nicht was, aber sie fühlte sich noch ausgegrenzter als vorher. Sie war immer nur die Kleine, die Jüngste. Der, der man nichts anvertrauen konnte, weil sie nicht damit fertig werden würde. Dabei hatte sie genauso viel erlebt wie die anderen, wenn nicht noch mehr.
    Seufzend verstaute sie ihren Rucksack auf der hintersten Bank des klapprigen Vans. Immerhin durfte sie mit. Hannah hätte Karu und Hjördis zugetraut, dass sie sie einfach bei Andrej und seiner Familie zurückließen, damit sie bis in alle Ewigkeit mit Petja Dame spielte. Sie mochte den Jungen zwar, aber sie hatte eine Mission. Und die würde sie erfüllen selbst wenn sie sich dafür in einen stinkenden Kofferraum verstecken müsste.
    „Seid ihr euch wirklich sicher?“, riss sie Andrejs Stimme aus den Gedanken, „Ihr könnt gerne noch ein paar Tage bleiben, bis es wärmer wird.“
    Woher dieser Sinneswandel?, dachte Hannah, Gestern hieß es noch, dass sie nicht genügend Vorräte für drei weitere Personen hätten. Aber da war noch etwas in Andrejs Stimme, dass ihr keine Ruhe ließ. Sie konnte es nicht genau benennen. Zweifel? Sorge? Nein, das passte alles nicht richtig.
    „Es wird nicht wärmer werden.“, hörte sie Hjördis murmeln. Die Kälte fiel ihr wieder ein. Für einen kurzen Moment hatte Hannah sie aus ihren Gedanken verbannt, doch nun überkam sie sie wieder wie eine eisige Dusche. Schon jetzt waren es -7ºC, was selbst für Magadan im Mai unter dem Durchschnitt lag. Der Schnee hatte inzwischen alles mit einer dünnen Schicht grauer Zuckerwatte bedeckt.
    Hannah kletterte aus dem Wagen. Andrej sah aus als wolle er etwas erwidern, schloss dann aber den Mund und schüttelte leicht den Kopf. Er grummelte etwas auf Russisch und schob seine Brille gerade. Sie folgte seinem Blick zu Karu, der gegen die Beifahrertür lehnte.
    „Mach mir keinen Kratzer rein, junger Mann!“, wies der Lehrer in Andrej Karu streng zurecht. Hannah schmunzelte. Der Wagen war gefühlte dreißig Jahre alt, der vormals weiße Lack war von rotbraunem Rost zerfressen und er hatte mehr Beulen als ihre Cousine Juli, wenn sie sich mal wieder mit den Nachbarsjungen angelegte. Das Schmunzeln verschwand aus ihrem Gesicht und sie sah traurig auf ihre Füße.
    Eine Hand legte sich auf Hannahs Schulter. Sie wusste ohne aufzuschauen, wer es war. Tatjanas Lächeln war warm und zuversichtlich. Es erinnerte sie an all die guten Dinge, die sie vor der Katastrophe gehabt hatte. Die staubigen Räume der Musikschule und der Gesangsunterricht, heißer Kakao, ihre Freunde. Wegen Tatjana wäre sie vielleicht hier geblieben und wegen Malina und Petja auch. Die drei gaben ihr das Gefühl, wieder ein Zuhause zu haben. Selbst mit Andrej konnte sie sich abfinden. Nur dieser Kolja war ihr suspekt. Er roch nach Alkohol und ab und zu spürte sie seine Augen unangenehm auf ihrem Rücken.
    Ein lautes Hupen schreckte sie auf. Tatjana grinste und Hannah blickte in Petjas feixendes Gesicht hinter der Windschutzscheibe. Der Junge sprang aus dem Wagen und verschwand lachend hinter einer Hausecke, während Andrej laut schimpfte.
    „Wir sollten jetzt los.“, schloss er seine Verwünschungen und stapfte durch den Schnee zu Hannah und Tatjana. Seine Brille saß schon wieder schief. Tatjana gab Andrej eine innigen Abschiedskuss und Hannah dreht sich beschämt weg. Zum Glück war ihr Gesicht durch die Kälte bereits gerötet. Einen Augenblick später wurde sie von Tatjanas Umarmung beinahe erstickt.
    „Ist ja gut, ich werde euch auch vermissen.“, keuchte Hannah und machte sich los. Ich will hier nicht weg, bitte, flehte sie innerlich und war von sich selbst enttäuscht. Eben hatte sie sich noch geschworen, auf jeden Fall mitzukommen. Aber bevor sie es sich anders überlegen konnte, rief Karu: „Hannah, kommst du?“ und verschwand im Van. Seufzend trottete sie zum Wagen und quetschte sich neben Hjördis auf die mittlere Bank.
    Stotternd sprang der Motor an als Andrej den Schlüssel drehte. Sie rollten die Einfahrt hinab. Vor der Haustür standen Tatjana und Malina und sahen ihnen nach. Eine Bewegung zwischen den Bäumen am Gartenzaun erregte Hannahs Aufmerksamkeit. Der Schneeball traf das Fenster neben ihr mit einem dumpfen „Pflupp“. Petja stand hinter einigen Sträuchern und winkte ihr zu. Zaghaft hab sie die Hand erwiderte die Geste.
    Sie waren gerade auf die Straße abgebogen als die Beifahrertür aufgerissen wurde und Kolja in den Wagen sprang. Die Bremsen quietschten und Hannah gegen in ihrem Gurt gepresst. Neben ihr schnappte Hjördis nach Luft. Was folgte, war eine hitzige Diskussion von der Hannah kein Wort verstand. Fragend sah sie Karu an, der nur mit den Schultern zuckte.
    „Das ist viel zu schnell. Er will anscheinend mitkommen.“, erklärte er und lockerte seinen Gurt, der sich festgezogen hatte. Danke, da wäre ich jetzt nicht selbst drauf gekommen.
    Vier Minuten später gab Andrej sich mürrisch geschlagen und ließ den Motor wieder an. Hjördis hatte inzwischen die Kapuze ihres Hardrockcafe-Hoodies aufgezogen und sich die Hände auf die Ohren gelegt.
    Auf ihren Weg aus Magadan heraus sah Hannah schwerbewaffnete Soldaten, die mit grimmiger Miene vor Geschäften Wache standen. Lange Schlangen hatten sich vor einigen Läden gebildet, obwohl eisiger Wind wehte. Mit hängenden Schultern und mit gesenkten Blicken standen sie da. Sie hoben nur die Köpfe, wenn jemand mit einer Tüte Lebensmitteln aus dem Gebäude trat.
    „Vor drei Wochen haben sie angefangen die Nahrung zu rationieren. Jetzt muss man alle drei Tage nachweisen wie groß die seine Familie ist und kriegt dann eine genau abgemessenen Menge Essen.“, erklärte Andrej resigniert und beschleunigte, „In den Orten weiter draußen ist die Infrastruktur inzwischen komplett zusammengebrochen.“
    Ein Schrei ließ Hannah herumfahren. Durch die Heckscheibe sah sie wie zwei Soldaten einen Mann zurück in die Schlange stießen. Er stolperte nach vorne und rutschte auf den glatten Steinen aus. Anstatt ihm zu helfen, duckten sich die anderen Menschen nur noch mehr zusammen und sahen nicht auf.
    „Sollten wir ihm nicht helfen?“, fragte sie. Ihre Augen klebten an der Szene.
    „Das können wir nicht. Entweder du spurst oder du und deine Familie werden von der Rationierungsliste gestrichen.“, antwortete Andrej erschöpft. Seine Finger krallten sich um das Lenkrad.
    „Aber...“, setzte sie an.
    „Lass gut sein, Hannah.“, murmelte Karu. Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust.
    „Warum? Es ist doch unsere Aufgabe zu helfen.“, erwiderte sie trotzig.
    „Wir können nicht allen helfen. Willst du, dass Andrej und seine Familie wegen uns Probleme kriegt?“, mischte sich Hjördis ruhig ein.
    „Nein, natürlich nicht.“, knurrte Hannah und biss sich auf die Zunge.

    Sie fuhren noch eine Weile durch die Stadt. Geplant war, dass Andrejs sie an an einer Stelle 200km entfernt absetzte, in einem Tal, das etwas geschützter lag. „Dort habe ich auch die anderen von abgesetzt, die von ATLAS geschickt worden waren,“ hatte er am Vorabend erklärt, „Sie hatten alle keinen Erfolg bei ihrer Suche. Einige sind nie zurückgekommen.“
    Irgendwann wurden die Häuser weniger und heruntergekommener. Schnee lag auf der Straße, weil keine Räummaschine bis hierher gekommen war. Nur aus wenigen Schornsteinen rauchte es. Der Van tuckerte weiter. Seine Schneeketten fraßen sich gemütlich ihren Weg. Als sie ein blau-weißes Straßenschild erreichten, bekreuzigte Kolja sich. Sämtliche Farbe war aus seinem Gesicht gewichen und Hannah glaubte, dass seine Hände zitterten. Er sagte etwas zu seinem Bruder.
    „Was meint er damit? Straße der Knochen?“, fragte Karu nervös. Andrej schwieg eine Weile und starrte auf die Straße.
    „Das ist die R504 Kolyma, eine der unwegsamsten Strecken Russlands. Leider auch die einzige Straße, die zu unserem Ziel führt.“, sagte er nach einigem Zögern.
    „Ach, und warum Knochen? Gibt es hier etwa so viele Unfälle?“, warf Hjördis überraschenderweise ein. Hannah war davon ausgegangen, dass sie schlief.
    „Nein,“ antwortete Andrej, „Nicht direkt. Es ist zwar immer noch wirklich gefährlich sie zu fahren, aber eigentlich heißt sie wegen der Zwangsarbeiter so, die sie angelegt haben. Hier ab es früher sehr viele Gulags und die Gegend, durch die die Straße führt, ist sehr reich an Bodenschätzen. Tausende Häftlinge kamen beim Bau ums Leben; sie sind erfroren, verhungert, an Erschöpfung gestorben. Ihre Leichen ließ man einfach liegen oder verbaute sie in der Straße, wie einige sagen. Deshalb Straße der Knochen.“
    Für ihn war das Thema damit beendet, denn er stellte sich keinen weiteren Fragen mehr. Hannah schluckte. Wir fahren über Leichen.
    Die Landschaft war wunderschön. Berge und Wälder und kleinere Flüsse, über die marode Brücken führten. Die Wälder waren dichter als sie es von zuhause kannte. Sie hatte solche Wälder bisher nur ums Fort herum gesehen. Es gab Studien darüber wie sich die Wälder in Russland und Nordamerika seit über zwanzig Jahren ausbreiteten. Die Bäume wuchsen schneller als die auf den anderen Kontinenten und man musste wirklich aufpassen, dass man nicht eines Tages einfach überwuchert wurde. Trotz der Forschungen hatte noch niemand eine Erklärung für das rasante Wachstum gefunden. Vielleicht haben ja die Geister der Bauarbeiter etwas damit zu tun. Vielleicht ist das ihre Rache, dachte sie und schallte sich sofort selbst, Das ist albern. Kein Wunder, dass die anderen dich wie ein Kind behandeln.
    Andrej setzte den Blinker, obwohl niemand außer ihnen auf der Straße war und lenkte den Wagen auf einen schmaleren Weg, der offenbar nur für die Forstwirtschaft genutzt wurde.
    „Sollten wir nicht weiter dieser Todesstraße folgen?“, fragte Hannah und drehte sich im Sitz um.
    „Das hier ist eine kleine Abkürzung.“, erwiderte Andrej und wich einem Felsen aus. Der Wagen ächzte. Zweifel stiegen in Hannah auf und sie warf einen nervösen Blick zu Karu. Hjördis Füße scharrten unruhig unter dem Vordersitz.
    „Wo bringst du uns hin?“, fragte nun Karu mit angespannter Stimme.
    „Das hier ist nur eine Abkürzung. Keine Sorge.“, beruhigte Andrej sie.
    Als der Wagen um eine Kurve fuhr, wusste Hannah, dass alles eine Lüge gewesen war. Zwei Geländewagen warteten dort auf sie und versperrten den Weg.
    Was hat das zu bedeuten?, schoss ihr durch den Kopf.
    „Freunde von mir. Ihre Wagen sind besser, weshalb sie euch weiter fahren.“, bekamen sie als Erklärung geliefert. Hannah glaubte ihm kein Wort. Die anderen offenbar auch nicht, denn Hjördis beugte sich über sie und versuchte die Tür zu öffnen. Vergeblich. Hannah rüttelte selbst am Griff, doch die Tür blieb verschlossen. Panik stieg in ihr auf.
    Der Van hielt vor den Geländewagen, aus denen jetzt einige Männer stiegen. Sie alle waren athletisch gebaut und trugen Camouflage-Sachen, passend zu der verschneiten Landschaft. Ihre Gesichter waren grimmig und vor Kälte gerötet. Einer trat zu Andrej ans Fenster und sie unterhielten sich leise. Schließlich rief der Mann den anderen etwas zu und einer zog die Tür des Vans mit Schwung auf.
    Hannah drückte sich enger an Hjördis um aus der Reichweite des Mannes zu gelangen, doch dieser löste einfach ihren Gurt und versuchte sie aus dem Auto zu zerren. Verzweifelt hielt sich Hannah an Hjördis und Karu fest und trat nach dem Mann, doch er war wohl aus Stein. Mit einem kräftigen Ruck riss er sie los. Hannah schrie und kratzte nach ihm, aber spätestens als ein zweiter Mann dazukam, musste sie sich ihrem Schicksal fügen. Beide hielten sie so fest, dass es wehtat und sie sich nicht rühren konnte.
    Andrej war ausgestiegen und gestikulierte wild in Koljas Richtung, den man mit vorgehaltener Waffe aus dem Wagen komplementiert hatte. Der Bruder des Verräters stand stocksteif im Schnee und zitterte am ganzen Körper. Hjördis und Karu hatte man inzwischen ebenfalls aus dem Wagen gezerrt und unter Kontrolle gebracht. Karu blutete aus der Nase und einen der Männer, die Hjördis festhielten, zierten drei lange Kratzer quer übers Gesicht.
    Verschwommen nahm Hannah wahr wie Kratzergesicht laut aufschrie und zu Boden ging. Hjördis riss sich los und stürmte davon, immer auf die Bäume zu. Hannah nutzte die Verwirrung ihrer Wächter und trat einem von ihnen kräftig gegen die Kniescheibe wie sie es im Training gelernt hatte. Dafür erhielt sie einen Schlag auf den Hinterkopf. Grelle Sternchen tanzten vor ihren Augen und die Welt drehte sich. Aus dem Augenwinkel sah sie wie Hjördis kurz vor den Bäumen von einer unsichtbaren Kraft in den Schnee gerissen wurde. Sie rührte sich nicht mehr.
    Hannah tat das einzige, dass ihr einfiel. Sie öffnete ihren Mund und sang.
    Es war eine Melodie ohne Text, ein einziger Ton, der auf und ab klang, sich immer weiter fortsetzte und an den Grundfesten des Universums rüttelte. Die Zeit wurde zu Sirup. Die Menschen um sie herum erstarrten in der Bewegung. Schneeflocken hingen in der Luft. Sie würden den Boden nicht erreichen.
    Ohne mit dem Singen aufzuhören, wand sie sich aus dem Griff der Männer und nahm ihnen die Waffen ab. Einer von ihnen besaß einen Taser. Das kriegt ihr alles zurück, dachte sie kalt und stellte den Elektroshocker an. Sie berührte ihre beiden Wächter mit dem Gerät am Nacken und wartete ein bisschen. Dann tat sie das gleiche mit den restlichen Männern.
    Andrej stand mit ausgestreckten Armen in Richtung Hjördis gewandt und starrte verbissen auf einen Fleck vor dem Mädchen. Warum hast d uns das angetan!, hätte Hannah am liebsten geschrien, Wir haben dir vertraut und du lieferst uns bei der erstbesten Gelegenheit aus! Stattdessen sang sie weiter und rammte ihm den Taser in den Nacken.
    Erschöpfung breitete sich in ihr aus. Ihre Lunge brannte und sie wollte sich einfach nur noch in den Schnee legen und schlafen. Sie taumelte zu Kolja und nahm dem Mann, der auf ihn zielte die Waffe aus der Hand. Erst dann brach sie ab und sackte in sich zusammen.
    Ihre Brust zog sich zusammen. Durch das laute Pochen in ihrem Schädel vernahm sie Schmerzensschreie. Schnee knirschte unter schweren Stiefel. Jemand hob sie hoch, doch sie hatte nicht mehr die Kraft um zu erkennen, wer es war. Ihr ganzer Körper schrie nach Sauerstoff und sie hustete sich die Seele aus dem Leib. Das Universum wollte sich wohl an ihr rächen. Behutsam wurde sie auf etwas weiches gelegt und jemand schob ihr etwas hartes in den Mund. Der widerliche Geschmack von Asthmaspray legte sich auf ihre Zunge und sie schnappte keuchend nach Luft.
    Kolja und Hjördis sahen besorgt von oben auf Hannah herab. Sie rappelte sich auf und nahm noch einen tiefen Zug vom Spray. Juli hätte sie jetzt wieder Darth Vader genannt.
    „Haben wir gewonnen?“, hustete sie und spähte durch die trübe Scheibe des Vans nach draußen. Die Männer und Andrej lagen mit Klebeband an Händen und Füßen gefesselt im Schnee und zuckten leicht. Karu kniete neben dem Anführer. Seine Hand ruhte auf dem Hals des Mannes, der mit schreckgeweiteten Augen in den Himmel starrte.
    „Ja. Ich würde sagen eindeutig ja.“, sagte Hjördis und folgte ihrem Blick, „Karu durchforstet gerade ihre Erinnerungen. Irgendeinen Hinweis muss es ja geben.“
    Das ältere Mädchen sprang auf als Karu umkippte. Sie rannte zu ihm und Hannah war mit Kolja allein. Er wurde genauso bedroht wie wir. Er war genauso geschockt. Er hat nichts mit der Sache zu tun, rief sie sich ins Gedächtnis. Sie schenkte ihm ein zaghaftes Lächeln.
    „Erinnerst mich an meine Tochter.“, murmelte Kolja.
    „Du sprichst Englisch?“, fragte Hannah überrascht.
    „Nicht gut.“
    Sie zögerte: „Wo ist deine Tochter?“
    „Moskau.“
    Am liebsten hätte sie geschrien. In seinen Augen stand so viel Schmerz und Trauer und sie verstand es erst jetzt. Moskau war verstrahltes Land. Die Stadt war von den Beben nicht so stark betroffen gewesen, doch eins der Atomkraftwerke weiter südlich hatte es schwer erwischt. Und spätestens seit die Rauchwolke, die über ganz Europa hing auch Russland erreicht hatte, herrschte im östlichen Teil des Landes absolutes Chaos. Kolja war nicht einfach nur ein Trinker. Wenn seine Familie in Moskau saß…
    „Leute, wir haben hier ein kleines Problem!“, rief Hjördis. Sie hockte neben Karu im Schnee. Er lag unter einer der Tarnfleckjacken der Männer und zitterte stark.
    „Was ist mit ihm?“, Hannah taumelte aus dem Wagen und wurde von Kolja am Stolpern gehindert. Hjördis machte ihr Platz und sie kniete sich neben sie. Karus Lippen waren leicht bläulich. Er flüsterte etwas, dass Hannah nicht verstand.
    „Er hat sich nur überanstrengt. Wenn er das mit den Erinnerungen macht, fällt er in Ohnmacht.“, erklärte Hjördis. Hannah schluckte. Warum hatte ihr nie jemand davon erzählt? Vermutlich damit sie sich keine Sorgen machte.
    „Und wo liegt dann das Problem, wenn ihm das öfters passiert? Er wacht doch bald wieder auf.“, grummelte sie missmutig und erntete dafür einen strengen Blick von Hjördis.
    „Ja, er wacht bald wieder auf, aber erklär mir bitte warum er die ganze Zeit einen Namen flüstert. Sherbrooke.“



    2
    Phyria

    Wir kannten sie unter dem Namen Phyria. Einige kannten sie auch unter dem Namen Liya.
    Sie hat Lesen geliebt und behauptete von sich selbst, alles zu lesen, was sie in die Finger bekam, vor allem Science-Fiction. Das war auch der Grund, warum ich meinen Plan, WoM als Dark Fantasy zu schreiben, verwarf und die Geschichte als Science-Fiction weitergeführt wurde. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, denn sonst wäre das Ende ziemlich dämlich geworden.

    Phyria hatte unglaublich viele Ideen und war kreativ. SIA stammt von ihr, ebenso wie die Idee in Japan zu beginnen. Und natürlich noch die gesamte Rahmenhandlung und so vieles mehr, das ich es gar nicht alles aufzählen kann. Gemeinsam haben wir Endzeitszenarien durchgespielt und die Erde in verschiedenen Versionen in den Untergang gedrängt.
    Ihr Lieblingspairing war Tupis (Tulio + Lapis).
    Sie mochte Kallik, weil er ihrer Meinung nach eine Außenseiter war.
    Was ich noch über sie sagen kann: Sie war witzig und klug. Ich glaube, ich habe mich noch nie mit jemand so intensiv über die Naturkatastrophen unterhalten wie mit ihr.

    Oder alle Menschen sind plötzlich zu Vampiren mutiert. Diese Theorie können wir allerdings sofort über den Haufen werfen, da ich sie nicht einmal in einer Fantasy-Geschichte verwenden würde...
    - Phyria, 11.09.16


    Irgendwann fingen wir an, uns immer auf verschiedenen Sprachen zu begrüßen und zu verabschieden. Und anstatt das sie Django bei seinem Namen nannte, nannte sie ihn nur Snob. Außerdem musste sie bei der Titelmelodie von Django Unchained immer lachen.
    Sie mochte antike Waffen lieber als Hightech-Revolver.

    Ich wünschte, ich hätte sie besser gekannt als nur über die 17 Emails, die wir letzten September geschrieben haben und über ein paar Posts in den Kommentaren. Sie hat uns so viel hinterlassen, hat uns einander näher gebracht und das Fundament für ein großartiges Projekt gelegt. Ich vermisse sie und werde sie ganz bestimmt nicht vergessen. WoM wird nicht aufgegeben. Denn es ist ihre Geschichte und sie muss einfach fortgeführt werden.

    Ihrer Familie und allen Menschen, die sie kannten, wünsche ich viel Kraft in dieser schweren Zeit.
    Vielen geht es genauso, wenn man einen Blick in die Kommentare ihrer MMFF wirft.


    Ich beende das hier genauso, wie sie es immer beendet hat,

    Salut, Ciao, Bye, Liebe Grüße, Au Revoir

article
1498999333
World of Mystik 22
World of Mystik 22
Die Welt, wie wir sie kannten, existiert nicht mehr. Europa wurde in Stücke gesprengt und Asien steht in Flammen. Nordamerika und Russland sind zu einem gigantischen Waldgebiet verschmolzen. Mittendrin einige Jugendliche, die dem Chaos auf dem Grund geh...
http://www.testedich.de/quiz49/quiz/1498999333/World-of-Mystik-22
http://www.testedich.de/quiz49/picture/pic_1498999333_1.jpg
2017-07-02
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (22)

autorenew

Aquila ( von: Aquila)
vor 112 Tagen
Schönes Special, Muria. Großes Lob an dich!
Lili (50367)
vor 113 Tagen
Boa Ey ich mag das nicht bin erst acht
Muria ( von: Murialana)
vor 113 Tagen
Ja, ich weiß, und das braucht dir auch nicht leid zu tun
torden ( von: torden!)
vor 113 Tagen
Hab damals eben nicht viel dazugefunden und irgendwo stand es dann als Abkürzung von Lapislazuli.
torden ( von: torden!)
vor 113 Tagen
Ich ändere das jetzt. Tut mir leid, wenn das jetzt unhöflich klingt, aber ich finde es nicht so nett, dass du es mir erst jetzt sagst und dann auch noch auf diese Art. Das hätte man gleich richtig stellen können und nicht erst über ein halbes Jahr danach als Überprüfung.
Muria ( von: Murialana)
vor 113 Tagen
@Torden: keine Ahnung, vielleicht wollte ich einfach, dass du es selbst herausfindest....

@Kalypso: Danke
Kalypso (03087)
vor 113 Tagen
Wirklich schön geschrieben. Respekt
torden! ( von: torden!)
vor 113 Tagen
Da ich dieses Lob nicht nochmal hinkriege und du es bereits gelesen hast, bekommst jetzt einfach nochmal ein "Gut gemacht" xD

Meinst du die Bedeutung von Lapis Namen?
Und warum hast du es nicht damals beim Perso-Test gesagt?
Muria ( von: Murialana)
vor 113 Tagen
Ok, was ist jetzt passiert?
Zurück zum Fehler beim Lapis-Special: Es handelt sich um einen kleinen Fehler, den du bei einem WoM-Persönlichkeitstest gemacht hast.
torden ( von: torden!)
vor 149 Tagen
Vielen lieben dank. Es freut mich immer neue Leser für WoM begeistern zu können.
.«Gamer-Bär». (00027)
vor 150 Tagen
Ich liebe diese Geschichte, und dein schreib stiehl ist genial und super schön ^^
torden ( von: torden!)
vor 150 Tagen
Danke :)
Muria ( von: Murialana)
vor 150 Tagen
Für alle, die WoM 25 auf dem Smartphone lesen und Kalliks Gedankengang in kursiv nicht lesen können:

IchhabdieKontrolle.
EsdarfnichtüberdenFlussgelangen.
Dasistneu.
MarinaChloéJosiahCarolSolHopeNewt
RheaDjangoLéandraTayo.
NeinnichtTayo.Tayoistfort.Verbrannt.Tot.
Dingedienichthättenpassierendürfen.


Ich hätte mir die Absätze so gern erspart, aber so geht es halt sicher für alle zu lesen.
torden ( von: torden!)
vor 159 Tagen
Danke, auch wenn es sich furchtbar anfühlt sich dafür zu bedanken.
Hillory (40141)
vor 159 Tagen
Ich habe noch nie so etwas schönes gelesen. Der Text über Phyria ist echt klasse.
torden (17672)
vor 460 Tagen
Ich habe es dennoch geändert.
torden! (81341)
vor 482 Tagen
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen.
Lapis (74838)
vor 483 Tagen
Logisch gefällt es mir. Das einzige, was wirklich nicht so ...schön. ... ist, ist, dass sowohl Hannah als auch Lapis "Du bist wach" sagen. Das braucht ihr aber nicht ändern, ich reagiere überempfindlich auf Wiederholungen
torden (25791)
vor 487 Tagen
Danke Lapis, hoffentlich gefällt dir die Darstellung deines Charakters.
Lapis (26629)
vor 488 Tagen
Ihr schreibt mega! Die Spritze gefällt mir XD