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Tagträumer

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1 Kapitel - 1.243 Wörter - Erstellt von: Oona - Aktualisiert am: 2017-06-16 - Entwickelt am: - 291 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Hier ist die zweite Geschichte, die ein bisschen was über mich erzählen soll. Lest sie und nehmt vielleicht etwas davon für euch selbst mit...

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    Ich wünschte, ich könnte dir jetzt erzählen, wie toll mein Leben ist. Ich wünschte, ich könnte dir erzählen, dass ich mit meinem Vater und meine
    Ich wünschte, ich könnte dir jetzt erzählen, wie toll mein Leben ist.

    Ich wünschte, ich könnte dir erzählen, dass ich mit meinem Vater und meiner Mutter in einem grossen Haus am Meer wohnen.

    Ich wünschte, ich könnte dir erzählen, wie gut es uns geht, wie viel wir miteinander unternehmen.

    Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass ich der glücklichste Mensch auf der Welt bin. Aber mir wurde das Lügen von klein auf abgewöhnt. Vielleicht hast du schon meinen ersten Text gelesen, vielleicht weisst du schon etwas über mich. Wenn nicht ist das auch nicht schlimm. Lehn dich zurück und tauch ein...


    Ich will nicht behaupten, mein Leben sei scheisse. Es gibt so viele depressive Menschen auf dieser Welt, um denen helfen zu können, muss man stark bleiben, und sich selbst tut man damit auch keinen Gefallen. Aber es gibt vieles, was an meinem Leben nicht so rosig ist. Viele Menschen haben unsere Hilfeschreie schon verspottet. Ihr lebt in einem grossen Haus, eure Söhne spielen beide in einem Club Tennis, eure Tochter reiten und geht an die Kanti, in eurem Garten habt ihr einen Swimmingpool. Was wollt ihr mehr? Aber dabei verstehen sie nicht, wie oft wir uns gewünscht haben, das alles nicht zu haben, wenn wir doch nur normal sein könnten. Normal. Ein Wort, dessen Bedeutung mir schon fast entfallen ist. Niemand versteht, warum ich abends am Tisch meine Mutter anschreie, wenn sie meinen behinderten, im Rollstuhl sitzenden Vater ausschimpft, weil er das Glas umgeworfen hat.
    Niemand versteht, warum ich nachts bitter weinend einschlafe.
    Niemand will hören, wie ich stumm nach einer Rettungsleine kreische, um in diesem Ozean voller Verwirrung, Hass, Angst und Verzweiflung nicht zu ertrinken.
    Sie realisieren nicht, dass mir das Wasser bereits bis zum Hals steht und ich nicht mehr lange aus eigener Kraft schwimmen kann. Oder, hätte ich das anders schreiben sollen? Vielleicht wäre es passender gewesen, alles in der Vergangenheit zu formulieren. Denn wenn man ein Kind ins Wasser wirft, lernt es irgendwann zu schwimmen. Niemand hat mich in all der Zeit, die vergangen ist, verflogen wie Wolken im Föhnsturm, gerettet. Keine Menschenseele hat ihre Hand ausgestreckt, um die meine zu ergreifen. Ich musste selbst das sichere Ufer suchen. Und nach einer halben Ewigkeit, da habe ich es gefunden. Der Sturm in mir drin hat sich gelegt. Beinahe könnte ich sagen, mich bin zur. Ruhe gekommen. Nicht mehr jede Nacht ist mein Kissen tränennass. Wie?


    Mein Leben ist nicht perfekt, es ist alles andere als das, auch wenn es für manche nach aussen hin so scheint. Aber wenn es so scheint, als wäre da kein Licht in der Dunkelheit, dann schliesse ich die Augen und beginne zu träumen.
    Und wenn ich träume, dann geschehen die seltsamsten Dinge. Mir wachsen Flügel und endlich schaffe ich es, der Anziehungskraft der Verwirrung zu entkommen und entreisse mich ihren Fängen. Den kühlen Wind in den Haaren zu spüren tut gut. Zuletzt habe ich mich so gefühlt als...
    Die erfrischende Gischt spritzt unter mir in die Höhe und zeichnet Ein Lächeln in mein Gesicht. Mit völlig neuen Farben malt die. Freiheit ein Bild des Glücks in mein Inneres, sodass mir ein Schrei entfährt, der über das Meer in die unendliche Weite des Horizontes entweicht. Es ist kein Angstschrei oder Trauerschrei, obwohl er von beidem durchzogen ist. Es ist ein Schrei, in dem alles hinausweicht, was in mir drin keinen Platz mehr hatte.
    Als meine Füsse warmen Sand berühren, verschwinden die Flügel. Unter meinen Sohlen, zwischen den Zehen, überall ist das weiche Pulver und kitzelt mich. Die Sonne liebkost mein Gesicht, streichelt es mit zarten Fingern, als ich ihr entgegenlaufe. Und nicht wie die Träume in der Realität, bleibt sie an Ort und Stelle, als würde sie auf mich warten. Die Wellen umtanzen meine Beine, als ich tiefer in das Wasser hineinwate. Bald reicht es mir bis zur Brust, dann tauche ich ab. Das einladende Blau der Lagune begrüsst mich, genau wie die schillernden Orange-, Grün- und Gelbtöne der Fische, die um mich herumschwimmen. Rosafarbene Anemonen schwingen ihre Tentakel umher, wie in einem mysteriösen Tanz. Ein Hai zieht seine Bahnen neben mir, sein mächtiger Körper bewegt sich anmutig in der angenehm kühlen Strömung, aber Angst verspüre ich keine. Wir sind beide aus demselben Grund hier, um mit der berauschenden Schönheit des Korallenriffs hier etwas von der eigenen Trauer abgeben zu können. Mit sanftem Blick wendet der Hai sich ab von mir und verschwindet im endlosen Weit des Ozeans. Friedvoll verharre ich einige Sekunden, bis ich mit kräftigen Zügen der Oberfläche entgegenschwimme.
    Erneut mit den Füssen im Sand gehe ich ruhig dahin. Ich spüre, dass Zeit hier keine Rolle spielt. Vor mir erhebt sich erst ein Baum, dann dahinter immer mehr. Fremdartige und exotische Laute dringen an mein Ohr und ohne Furcht betrete ich den Regenwald. Mit einer unglaublichen Intensität schlagen die Eindrücke über mir zusammen. Süsse Gerüche beflügeln meine Sinne wie im Rausch. Zahllose Tiere und Pflanzen, deren Namen man in keinem Buch finden wird, vor meinen Augen. Die warme Feuchte der Luft schwer und dennoch so angenehm auf meiner Haut. Das starke Holz eines Baumes, höher als Menschen je werden bauen können, als Widerstand gegen meine Stirn, die ich dagegenlehne.
    Die Umgebung ändert sich auf einmal in einem Wirbel aus Färben und Formen, und plötzlich liege ich auf einem Feld. Weiches Gras drückt gegen meinen Rücken und kitzelt in meinem Gesicht. Der Duft nach Sommer und Heu in der Nase, ein erfüllendes Gefühl von Seeligkeit im Bauch. Grillen zirpen. Meine Hand hält eine andere, sie ist warm und stark. Ich will mich aufsetzen und das Gesicht der Person neben mir sehen, doch alles verschwimmt wie auf Teer gemalte Kreidebilder nach einem Regenfall. Die Felder verschwinden und an ihre Stelle tritt mein Zimmer. Das Zirpen der Grillen wird zum Brummen der Automotore und die Seeligkeit verschwindet aus mir. Stattdessen macht sich das Bedürfnis, erneut zu flüchten in mir breit. Wieder und wieder, bis es kein zurück mehr gibt. Bis ich dem Hai in die Unendlichkeit des Meers gefolgt bin, bis ich das Gesicht der Person gesehen habe, die neben mir liegt und meine Hand hält, als wolle sie sie nie loslassen...


    Was ich sehe, wenn meine Augen geschlossen sind, verwundert mich manchmal selbst, aber stets bin ich gewillt, wieder jene Orte zu finden, die mich so trösten.

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1497218446
Tagträumer
Tagträumer
Hier ist die zweite Geschichte, die ein bisschen was über mich erzählen soll. Lest sie und nehmt vielleicht etwas davon für euch selbst mit...
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2017-06-12
40C0
Eigene Geschichten

Kommentare (5)

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Oona ( von: Oona)
vor 59 Tagen
Das hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Danke.
Ich (60829)
vor 91 Tagen
Schließe deine Augen. Les aber bitte erst den Text:

Stell dir vor. Du fliegst. Hoch. Irgendwann ist dein Haus ein kleiner Punkt unter deinen Füßen. Irgendwann. Irgendwann spürt du keine Grenzen mehr. Du fliegst höher. Irgendwann löst dein Körper sich auf. Dann bleiben nur noch deine Gedanken, dein Universum. Und du bist Frei.
Rolling in the deep (68233)
vor 151 Tagen
Danke *verlegen lächeln*
Oona ( von: Oona)
vor 152 Tagen
Hey Rolling in the deep!

Genau so habe ich früher auch immer gedacht! Schön, dass es jemanden gibt, der ähnlich denkt! ;)
Rolling in the deep (35097)
vor 154 Tagen
Wow...
Endlich mal ein Tagträumer, endlich jemand anderes mit einer blühenden Fantasie!
Manchmal dachte ich,ich sei die einzige die gegen den Strom fließt...
Aber manchmal redete ich mir ein das es noch mehr Leute gibt die anderes sind!

Jetzt wird mir bewusst, das es wahrhaftig auch Menschen gibt die nicht “ normal“ sind, sowie wie ich...