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In meinem Kopf ein Universum

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1 Kapitel - 1.743 Wörter - Erstellt von: Oona - Aktualisiert am: 2017-06-06 - Entwickelt am: - 453 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

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    ((big))Über was ich hier schreibe((ebig)) Hast du manchmal auch das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen? Nicht dazuzugehören, anders zu sein? Ich
    Über was ich hier schreibe

    Hast du manchmal auch das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen? Nicht dazuzugehören, anders zu sein? Ich kenne das. Auch wenn dieses Gefühl bei tausend andern vielleicht tausendmal schlimmer ist, so glaube ich doch, dass es bei mir gar nicht so falsch ist, dies zu denken. Warum? Das erzähl ich dir jetzt...



    Meine nicht so rosige Vergangenheit

    Ich glaube, wenn ich dir oder euch erklären will, warum ich anders bin, fange ich bei meiner familiären Situation an.
    Eigentlich hätte mein Leben perfekt angefangen: zwei recht wohlhabende Eltern, ein Dach über dem Kopf, genug zu Essen. Aber es sollte wohl nicht sein. Als ich ein halbes Jahr alt war, hörte das Herz meines Vaters auf zu schlagen, und über Nacht wurde er zum Pflegefall.
    Ich könnte mich glücklich schätzen - und das tu ich auch - das man Vater überlebte. Aber er ist für immer gezeichnet, äusserlich wie innerlich. Die ersten Jahre machte er Fortschritte, konnte wieder etwas laufen. Aber auch das wurde uns nicht gegönnt. Mehrere Krankenhausbesuche, unter anderem wegen einem Schädelbruch und rapide Verschlechterung seines Zustands standen uns bevor. Es war wie altern, nur rückwärts. Plötzlich konnte er nicht mehr ohne Rolator gehen, dann sich nicht mehr ohne Rollstuhl bewegen. Es ist ihm nicht möglich, sein Essen normal einzunehmen, da er fast blind und mechanisch stark behindert ist. Er erkennt mich nicht einmal, gibt mir den Namen meiner bereits erwachsenen Halbschwester, meiner Mutter den seiner Exfrau. Er will täglich aufstehen, weil er meint, zur Arbeit gehen zu müssen. Wird er nicht zurückgehalten, fällt er um, weil ihn seine Beine nicht tragen und er das nicht weiss...

    Früher dachte ich nie gross darüber nach, warum mein Vater so war, wie er nunmal war. Er war halt einfach mein Papi, es war mir egal, dass er im Rollstuhl sass und auch, dass er den ganzen Tag beobachtet von einer Pflegerin auf dem Sofa liegt. Doch jetzt, da ich 13 bin, belastet es mich doch zunehmend. Es belastet mich, meine Schulkameraden glücklich mit ihren Vätern zu sehen, es belastet mich, nach Hause zu gehen, wo jemand auf mich wartet, der nicht weiss, wer ich bin. Immer öfters bin ich wütend auf ihn, auch wenn ich weiss, dass er für nichts von alledem die Schuld trägt. Mit Schrecken denke ich dann daran, wie oft er schon hätte tot sein können. Und wie bald er es schon sein könnte...



    Frühe Kindsjahre

    Nun aber zum eigentlichen Thema. Schon immer hatte ich eine blühende Fantasie. So blühend, dass mein Schulweg schonmal zur Reise zu einem verwunschenen Hexenhaus werden konnte. Immer glaubte ich, das wäre normal. War es ja vielleicht auch, zumindest für mich. Aber ich vergesse bestimmt nicht, wie ich meine Lehrerinnen später angesehen habe. Auch das hielt ich für normal, auch, mir ihre Geschichten bis hin zu ihrem Tod auszudenken. Wie sie sterben würden, dass malte ich mir ganz besonders aus. Nicht, dass ich sadistisch gewesen wäre oder es mir Freude bereitet hätte, sie sterben zu sehen, für mich war Geburt, Leben und Tod einfach so ein faszinierender Vorgang. Ich schätze, ich war nur neugierig auf alles, was die Welt mir zu bieten hatte. Ich würde es für mein späteres Leben brauchen, denn mir standen viele einsame Stunden bevor, die ich füllen musste. Und daraus entwickelte sich meine spätere grösste Leidenschaft. Aber dazu komme ich noch...


    Als ich zum Teenager wurde

    Mit der Mittelstufe und den neuen Einflüssen veränderte sich alles. Noch nie war ich die Beliebteste der Klasse gewesen. Zwar hatte ich stets den Platz der zu Respektierenden eingenommen, niemand wagte es, mich zu verspotten, doch nie hatte ich zu den Coolen gehört. Ich hatte gemerkt, dass man mich beäugte. Ich wusste auch warum. Ich wusste sogar, was sie von mir dachten: Hey, das ist ja die seltsame Streberin! Ich fühlte mich geehrt, wenn man mich Streberin nannte, schliesslich wusste ich, dass sie mich mit diesem Begriff als schlau und klug erklärten. Aber dass sie mich seltsam fanden, wurde mir erst bewusst, als ich ins Aus getrieben wurde. Das machte mir nichts aus, ich liebte die Einsamkeit, war verliebt in das Gefühl, ungestört zu sein und einfach nur nachzudenken. Ja, ich war sehr nachdenklich. Ich konnte ganze Stunden damit verbringen, irgendwo zu sitzen und mir nur Dinge vorzustellen. Irgendwann stand ich dann auf, steife Glieder, Verwirrung in meinem Kopf. Mir war es nur recht, dass sich niemand mit mir beschäftigte. Von mir aus konnten sie mich für immer in Ruhe lassen, denn meine Gedanken würde ich mit niemandem teilen. Meine süssen und weniger süssen Geheimnisse...


    Wie sich alles erneut änderte

    Den grössten Wandel vollzog mein Leben, als ich elf wurde. Auf einmal hatte ich das Bedürfnis, meine Gedanken aus meinem Kopf rauszulassen, das ganze Universum an Wissen, Sätzen, Überlegungen endlich rauszulassen. Es war verführerisch, alles aufzuschreiben, wie der Wind im Frühling dein Gesicht liebkost und flüstert komm mit mir, flieg! Doch nein, mittlerweile war ich schlau genug um zu wissen, dass man mich für verrückt, absolut wahnsinnig erklären würde, wenn jemand meine Gedanken sehen würde, die keineswegs immer bei den Themen blieben, die sich für ein junges Mädchen gehörten. Also spinn ich aus Träumen und Wünschen, die ich hatte, Geschichten. Erst nur zögerlich, doch dann entwickelte sich immer mehr, und immer mehr wollte raus. Anfangs musste ich wohl ziemlich laienhaft geschrieben haben, meine Bücher waren aber immerhin 40 Seiten lang. Ich fühlte mich dazu angespornt, besser zu werden, denn im Schreiben hatte ich eine Welt gefunden, die mich aufnahm, wie ich war. Eine Zuflucht, wo man mich in Ruhe liess, wenn ich allein sein wollte, und wo man mich tröstete, wenn ich weinend zusammenbrach. Und Ideen hatte ich genug, in all meinen Jahren hatte ich genug in mir aufgesogen, dass ich verwenden wollte.


    Wie ich fühle...

    Nun war ich bereits 12, und einiges entwickelte sich in meinem Inneren. Mehr, als ich erwartet hätte. Normalerweise blicken Mädchen in diesem Alter vielleicht süssen Jungs nach. Aber bei mir löste ein Junge nichts aus. Das einzige, was ich über sie dachte war Idioten. Nein, mit diesen Machos wollte ich nichts zu tun haben. Lange redete ich mir ein, das wäre normal, denn normal zu sein war das, was ich schon lange sein wollte, aber nie geschafft hatte zu werden. Dann tröstete ich mich damit, dass die Jungen in meiner Klasse halt einfach zu kindisch für mich waren, denn ich fühlte mich bereits als Frau. Aber ich konnte mich daran erinnern, wie ich eines Tages der jungen Lehrerin unserer Parallelklasse hinter her starrte, genau auf die Weise, wie es meine Kolleginnen bei den Jungs tun. Keine Sorge, das ist bestimmt nur eine Übergangsphase, redete ich mir ein. Das geht schon vorbei. Ich hatte Angst, grosse Angst. Nur allzu gut wusste ich, wie Homosexuelle ausgelacht wurden, wie sie verstossen und verachtet wurden. Die süssen Geheimnisse in mir drin wäre. Nicht länger süss, sondern dreckig und verschmutz von Schande. Ich hatte nichts gegen Schwule oder Lesbische, aber ich hatte genug Probleme. Damit klarzukommen müssen wollte ich nicht auch noch. Aber die Zeit verging und nichts an meiner Art zu fühlen veränderte sich. Im Gegenteil. Immer öfters erwischte ich mich dabei, mir vorzustellen, eine Frau zu küssen. Immer öfters erkannte ich, wie ich Sängerinnen oder Schauspielerinnen ansah, ob in Heftern oder im Fernsehen. Und dann endlich, als ich bereits 13 war, akzeptierte ich es. Es war schon weit nach elf Uhr, als ich eine Erkenntnis hatte. Ich stellte mir vor, ein Leben als Lesbe oder Bisexuelle zu führen. Und - meine Güte - es fühlte sich gar nicht so schlimm an. In dieser Nacht weinte und lächelte ich zugleich. Und am Morgen danach war ich wie ausgewechselt.


    In meinem Kopf ein Universum

    Ja, vieles ist in meinem Leben geschehen, und vielleicht wirst du jetzt verstehen, warum ich mich so anders fühle. Mittlerweile habe ich selbst erkannt, dass ich Bisexuell bin. Ich kann damit leben, es fühlt sich nicht mehr schmutzig an, im Gegenteil. Schreiben tu ich immer noch extrem gerne. Und wie seit Anbeginn meines Lebens sauge ich Eindrücke und alles in mir auf. Ich bin immer traurig über das, was mit meinem Vater geschieht, aber ich werde stark sein. Klingt doch nach einem Happy End, oder? Na ja, mal sehen, was noch passiert. Bis auf weiteres werde ich wohl einfach weiter mein Leben leben, so gut es geht. Und das Universum, das in meinem Kopf immer noch wächst und wächst, begleitet mich, wie das
    Flüstern des Frühlingswindes. Flieg. Lebe. Lache.


    Bleib auch du stark!

    Was denkst du über meine Geschichte? Manche werden denken, dass ich Lüge oder übertreibe, doch ich hoffe, du wirst mir glauben und vielleicht etwas Hoffnung für dich selbst mitnehmen. Sei du selbst, auch wenn du anders bist, denn das ist okay! Steh zu dem, was du fühlst, denn du kannst es nicht ändern! Bleib stark, denn fast alles nimmt ein gutes Ende! Bis dahin, halt den Kopf über Wasser und hoffe, dann wird alles gut!

    Viel Glück!
    Oona

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1496695644
In meinem Kopf ein Universum
In meinem Kopf ein Universum
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2017-06-05
40C0
Eigene Geschichten

Kommentare (10)

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Oona ( von: Oona)
vor 28 Tagen
Aw, das ist ein richtig schöner Kommentar! Viel Glück und glaube immer an dich!
lost_hope ( von: lost_hope)
vor 28 Tagen
Hey Oona,
du kannst wirklich toll schreiben!
Ich habe die ganze Zeit mitgefühlt und dich bewundert,dafür,dass du immer stark geblieben bist und dazu stehst,dass du "anders" bist.
In der Grundschule sah ich noch so aus wie ein pummeliges Kindergartenkind,ich wurde fett genannt.In der vierten Klasse habe ich angefangen zu hungern,ohne dass meine Eltern es bemerkt haben,heute bin ich magersüchtig und schaffe es oft nicht einmal,in den Spiegel zu schauen,weil ich mich selbst so hässlich und fett finde,auch wenn mir alle sagen,ich hätte Untergewicht und meine BFF findet,ich solle Model werden.Ich schaffe es nicht.
Ich bewundere dich dafür,dass du es schaffst,du selbst zu sein.
Danke,dass du mir Hoffnung gegeben hast❤
Ganz liebe Grüße,
lost_hope
Oona ( von: Oona)
vor 173 Tagen
Liebe #thecranberries
Ich hoffe von ganzem Herzen für dich, dass sie aufwachen wird! Verlier nicht den Mut und vor allem nicht due Hoffnung!
#thecranberries ( von: #thecranberries)
vor 173 Tagen
*das hoffentlich besser wird
#thecranberries ( von: #thecranberries)
vor 173 Tagen
Liebe Oona,
Du bist echt nett und trotzdem hat mich dein Kommentar traurig gemacht, weil Sie vielleicht nie mehr aufwacht. Aber danke und dir noch ein wunderschönes leben das besser wird als das meiner Freundin
Oona ( von: Oona)
vor 173 Tagen
Hey, #thecranberrIes
Danke vielmals für deinen motivierenden Kommentar. Sag deiner Freundin, wenn sie wieder aufwacht, dass ich ihr viel Glück für ihr Leben wünsche. Sie soll sich nicht unterkriegen lassen! Ich wünsche euch beiden alles Gute! Und wenn ihr das macht, was ihr liebt, was euch Spass macht und euch Halt gibt, dann werdet ihr ein schönes Leben haben!
Liebe Grüsse
Oona
#thecranberries ( von: #thecranberries)
vor 173 Tagen
Du hast übrigens wunderbar geschrieben, dein Schreibstil ist echt Klasse!! Ich beneide dich darum
#thecranberries ( von: #thecranberries)
vor 173 Tagen
Hallo Oona,
Das ist das Handy meiner Freundin die durch Krebs im koma liegt, Sie sagte ich s solle an ihre stelle hier aktiv sein. Sie hätte zu deinem
Bericht gesagt:

die arme, aber schön wie sich viele für die zum guten wendete.

Ihr leben ist schlimm und Sie hat viele Probleme, auch mit ihrem Vater, wenn auch auch auf eine andere Art. Er schlägt sie und Sie wurde oft vom Jugendamt besucht. Sie hätte dir gesagt wie erstaunlich Sie es findet das du stark geblieben bist. Sie ist auch anders, und drückt das in Musik aus. Ihr lieblingslied war Angst von lafee. Sie kann wunderschön singen wenn man das aber sagt glaubt sie es nicht. Sie ist ein tolles Mädchen. Und stark, genau wir du. Wenn sie erwacht und wieder bei Kräften ist zeige ich ihr deine Autobiografie. Warsc heinlich wir sie den Text ausdrucken und immer bei sich tragen als Zeichen dass alles gut wird.
Viel Glück noch in deinem leben.
Oona ( von: Oona)
vor 186 Tagen
Danke vielmals. Dein Kommentar hat mich richtig gefreut! :-) Schön, dass es dir gefällt...
Imagine (56957)
vor 186 Tagen
Wow.....irgendwie, ich weiß nicht was ich schreiben soll. Während ich gelesen habe war ich voll im Geschehen. Es war als hätte nur dieser Text existiert. Also wirklich ein großes Lob: Mit deinem Schreibstil kannst du sicher viele hypnotisieren und für dich gewinnen! DDas du viel schreibst kauf ich dir sofort ab.