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...when the sky is falling down

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2 Kapitel - 2.550 Wörter - Erstellt von: Zoé Way - Aktualisiert am: 2017-05-31 - Entwickelt am: - 212 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Diesmal geht es um den Weltuntergang...

    1
    Deutsch war ein äußerst langweiliges Fach, vor allem wenn man danach noch eine Doppelstunde Latein hatte. Sarah konnte nur mühsam ein Gähnen unterdrücken und versuchte sich zu konzentrieren.
    Fünf Minuten noch…

    Achtung Durchsage-

    Sarah horchte auf und hob den Kopf.

    Alle Schüler und Lehrkräfte sollen bitte sofort in den Pausenhof. Die folgenden Stunden entfallen aufgrund eines Meteoritenschauers - Ende der Durchsage.

    Fröhlich packte die Klasse ihre Sachen zusammen und ging in geordneten Zweierreihen und (wie sich das für eine Schulklasse gehört) laut plappernd die Treppe hinunter und auf den Pausenhof. Vorfälle wie diese kamen in letzter Zeit immer häufiger vor, mittlerweile schon fast jede Woche. Doch dieses Mal hatte Sarah ein mulmiges Gefühl dabei. Eher eine dunkle Vorahnung als Gewissheit, aber es verfolgte sie den ganzen Weg lang, wie ein Schatten.

    Die ganze Schule hatte sich im Pausenhof versammelt und dementsprechend dicht war auch das Gedränge. Schüler traten sich gegenseitig auf die Füße und die darauffolgenden Entschuldigungen verstärkten das allgemeine Getöse noch. Sarah bahnte sich ihren Weg durch die Menge und hielt dabei nach ihren Freunden, Jonas und Markus Ausschau. Sie hatte die beiden in einem Schwarm Fünftklässler verloren. Endlich entdeckte sie Markus‘ Kopf, der seine Mitschüler um mindestens einen Kopf überragte. Sie winkte und rief über den Lärm hinweg seinen Namen. Unter Einsatz ihres Ellebogens arbeitete sich zu ihm vor. Bei ihm angekommen blieb sie stehen und sah sich um: Über ihnen überdachte eine riesige, kugelsichere Glaskuppel den gesamten Innenhof der Schule. Nach dem ersten Meteoritenschauer in den USA waren in allen Schulen und öffentlichen Plätzen derartige Schutzvorrichtungen errichtet worden.
    „Wo ist Jonas?“, fragte sie Markus. Irgendjemand tippte ihr auf die Schulter. Sie drehte sich um und blickte direkt in Jonas‘ grinsendes Gesicht. Durch das Gedränge standen sie so nahe beisammen, dass seine braunen, langen Haare sie an der Nase kitzelten. Sie trat einen Schritt zurück, um zu einer Begrüßung anzusetzen, und wäre dabei fast in Markus gestolpert, hätte dieser sie nicht aufgefangen.
    Da traf der erste Meteorit die Glaskuppel. Viele ‚Ohhs‘ und Ahhs‘ gingen durch die Menge und einzelne schreckhafte Schülerinnen schrien erschrocken auf. Doch es kamen immer mehr. Sarah lief es bei der Wucht der Aufprälle eiskalt den Rücken hinunter. Plötzlich erschien es ihr einmal mehr absurd, dass dieses bisschen Glas eine geballte Macht aus Stein und Hitze aufhalten sollte, die mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert km/h auf die Erde zuraste. Fortwährend fielen Meteoriten vom Himmel und langsam beruhigte sie sich. Die Kuppel würde standhalten, wie immer. Lächelnd drehte sie sich zu Markus um, als das Glas einen Riss bekam.
    Der Sprung war nur fein, aber er durchzog die ganze Kuppel wie ein feines Spinnennetz. Der Sprung wurde größer. Auf einmal war es mucksmäuschenstill auf dem Pausenhof. Ein drittes Mal traf ein Stein das Glas und die Scheibe barst in tausend Stücke.
    Die Menge stob auseinander wie ein Ameisenhaufen auf den sich jemand draufgesetzt hat. Panik brach aus, sie infizierte jeden wie ein angriffslustiges Virus. Überall herrschte Chaos, Schüler versuchten wegzurennen und fielen dabei auf den Boden und der Rest trampelte über sie drüber. Sarah sah ein Mädchen das auf dem Boden lag und versuchte aufzustehen, es streckte die Hand aus und sah Sarah flehend an. Ihre Augen begegneten ihren und schienen um Hilfe zu schreien. Sarah machte einen Schritt vor, doch da schwabbte eine Welle Schüler über das Mädchen hinweg und sie verlor sie aus den Augen. Der Geruch von Angst und Verzweiflung lag in der Luft. Und der Geruch von Blut. Sarah musste würgen, unterdrückte aber den Brechreiz und sah sich nach ihren Freunden um. Sie nahm die Beiden an der Hand und versuchte sie aus der Gefahrenzone zu ziehen. „Egal was passiert, lasst meine Hand nicht los!“, brüllte sie gegen das Geschrei an. Um sie herum wurden Mitschüler von Steinen getroffen, schreiend stürzten sie zu Boden und standen nicht wieder auf. Plötzlich krampfte sich die Hand in ihrer Linken so fest zusammen, dass sie aufschrie. Gehetzt schaute sie nach links und es war als hielte jemand ihr Herz mit eiskalten Händen umklammert. „Markus!“, schluchzte sie. „Geht schon…“, keuchte ebendieser unter Schmerzen. Ein Stein hatte sein Bein getroffen, welches jetzt eher einer blutigen Masse als einem menschlichen Bein glich. Ohne ein weiteres Wort nahmen sie ihn in ihre Mitte und kämpften sich so weiter. Ein paar Mal schrie Markus unter Höllenqualen, wobei sich Sarah jedes Mal am liebsten die Ohren zugehalten hätte, so sehr litt sie mit ihm. Manchmal wurden sie von den Schockwellen umgeworfen, die die Steine beim Aufprall verursachten.
    „Wir müssen zum Bunker!“, rief sie, „Das ist unsere einzige Hoffnung!“. Doch auch in ihr keimte langsam Panik auf, denn eines wusste sie: In den Bunker passten nur zehn Personen. Und es hielten sich ungefähr tausend Personen in dem Gebäude auf.

    ( Dam Dam Daaaaaam )
    Spaß XD


    Der Bunker war ein Raum unter der Turnhalle, den man für Notfälle wie diese angelegt hatte. Dabei hatte man aber anscheinend die Schülerzahl außer Acht gelassen. Deswegen herrschte vor dem Eingang ein fast noch schlimmeres Gemetzel als auf dem Pausenhof. Bereits an die hundert Schüler hatten sich am Eingang eingefunden und versuchten mit allen Mitteln zum Eingang zu kommen. Sarah überschlug im Kopf wie viele potenzielle Gegner sie hatten. Bei dem Ergebnis wurde ihr übel. Über ihnen begann das Mauerwerk zu bröckeln, herabfallende Stücke töteten einige Schüler. Sarah begann einen Plan auszuarbeiten, als der Boden wackelte und die gesamte Decke einzustürzen begann. „Lauft!“, brüllte sie. Die anderen Schüler ließen sich das nicht zweimal sagen. Sarah rannte so schnell sie konnte, immer noch einen Arm um Markus gelegt, der mittlerweile aufgehört hatte zu schreien und nur manchmal ein leises Stöhnen von sich gab. Dann war sie an der Tür zum Bunker, Staub hüllte sie ein und sie sank zu Boden.

    Sarah war nicht lange ohnmächtig. Schon nach einer halben Minute hatte sie das Bewusstsein wiedererlangt, doch sie wollte einfach nicht aufstehen. Sie hatte an diesem Tag so viel Leid gesehen, so viel Tod und Verzweiflung. Doch aus purer Willenskraft rappelte sie sich auf und machte sich auf die Suche nach ihren Freunden, was bei dem alles einhüllendem Nebel gar nicht so einfach war. Jonas entdeckte sie als ersten. „Hast du Markus gesehen?“, krächzte sie, denn ihr Hals war durch die schlechte Luft ganz ausgetrocknet. „Hier!“, hörte sie eine leise, schmerzverzerrte Stimme gleich neben sich. Sie kniete sich hin und versuchte ihn auf die Beine zu ziehen. Oder das was davon noch übrig war. Jonas kam ihr zur Hilfe und langsam lichtete sich der Rauch. Acht schemenhafte Gestalten kamen auf sie zu. „Sarah…“ Markus‘ hustete Blut. Eine der Gestalten trat näher heran. Es war ein Zwölftklässler, den Sarah vom Sehen kannte. „Jetzt kommt! Wir sind die einzigen die noch da sind!“, befahl er barsch. „Aber Markus…“, warf Sarah ein. Jetzt begriff auch Jonas: Sie wären zu elft, würde Markus mitkommen. Der ältere Junge warf einen langen Blick auf die verstümmelte Gestalt. Dann wandte er sich mit etwas sanfterer Stimme an Sarah:
    „Wir können keine Leichen gebrauchen.“

    2
    Zehn Tage später


    Sarah schrak hoch. Völlig orientierungslos blickte sie sich um, dann kehrte die Erinnerung zurück.
    Sie war im Bunker.
    Ein Gefühl der Verzweiflung übermannte sie. Immer wieder erschienen die Bilder der vergangenen Tage vor ihrem inneren Auge und es waren Bilder von Leid, Tod und Angst. Außer ihr hatten es noch neun weitere Jugendliche in den Bunker geschafft: Jonas natürlich, der Zwölftklässler dessen Name Elias war, zwei weitere Jungs aus dessen Klasse, Andreas und Marcel, ein Neuntklässler namens Leon, zwei Mädchen aus der zehnten, Eva und Salome und ein Junge und ein Mädchen aus der Achten, Michael und Zoé. Sie selbst war in der Siebten und damit mit Jonas die Jüngste.
    Eine Weile lag sie noch still in ihrem Bett und lauschte den regelmäßigen Atemgeräuschen der Anderen. Etwa nach einer halben Stunde hörte sie ein paar Menschen leise aufstehen. Sie kickte ebenfalls ihre Decke weg und machte sich auf den Weg in die Küche. Leon und Eva waren bereits aufgestanden. Nach den zehn Tagen, in denen sie bereits auf engem Raum zusammengepfercht gewesen waren, hatte sich schon eine Art Frühaufstehergruppe herausgebildet. Leon lehnte am Kühlschrank und löffelte Müsli mit Dosenmilch. Seine dunkelbraunen Haare waren so verstrubbelt, dass sie Sarah an ein Vogelnest erinnerten. Eva war wie immer schon geduscht und angezogen und plapperte pausenlos auf Leon ein, der dazu manchmal selten schlaue Kommentare wie „Hmm“ und „Stimmt“ abgab und dabei Müsli auf den Küchenboden verschüttete. Sarah verscheuchte ihn vom Kühlschrank und nahm sich einen Kaffee aus der Tüte.
    Nach und nach fanden sich auch die anderen in der Küche ein. Darauf folgte die ganz normale Bunkerroutine: Alle gingen zum Ausgang um nachzuschauen, ob die Meteoriten aufgehört hatten zu fallen (Was nicht der Fall war) und schalteten dann den Fernseher an um auf neue Nachrichten zu hoffen. Wie schon die beiden Tage zuvor blieb der Bildschirm schwarz. Zum Glück gab es jede Menge Filme im Bunker, damit es nicht zu langweilig wurde. Zu diesem Zweck befanden sich in dem Unterschlupf auch ein halbes Schwimmbad, ein Fitnessstudio und eine Bibliothek. Für Unterhaltung war also gesorgt. Aber es blieb immer die Angst, dass sie hier nie wieder rauskommen würden.
    Sarah machte sich auf den Weg ins Schwimmbad, den schon bevor der erste Meteorit gefallen war, war sie eine leidenschaftliche Schwimmerin gewesen. An ihrem ersten Tag hatten sie den riesigen Kleiderschrank des Bunkers entdeckt. Auch in ihrer Größe gab es einen passenden Badeanzug und so zog sie ihre Bahnen durch das gechlorte Wasser, bis sie jemanden klatschen hörte. Michael, Zoé, Elias und Salome standen am Beckenrand. Sie kletterte aus dem Becken, strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht und deutete eine Verbeugung an.
    Auf einmal hörte sie ein lautes Platschen.
    Michael ruderte mit den Armen und versuchte sich wieder zu fangen. Anscheinend hatte Zoé ihn von hinten ins Wasser gestoßen, weshalb sie sich jetzt vor Lachen kaum noch halten konnte. Michael, der bis jetzt nur Wasser in der Gegend verspritzt und Zoé und Mädchen im Allgemeinen verflucht hatte, nutzte die Gelegenheit um sie ins Wasser zu ziehen. Bei ihrem Gesichtsausdruck musste Sarah unwillkürlich lachen. Sie wirkte rundum verdutzt. Jetzt nahmen auch die Anderen Anlauf und sprangen noch mit Klamotten ins Wasser. Auch Zoé hatte sich von ihrem Schock erholt und versuchte Michael unter Wasser zu tauchen. Sarah wurde sich plötzlich bewusst, dass sie seit mehr als einer Woche nicht mehr gelacht hatte, doch jetzt tat sie es, sie lachte und lachte und die gesamte Anspannung fiel von ihr ab.
    So vergingen die Wochen im Bunker.

    Zwei Monate später

    Irgendwas stimmte nicht. Sarah wachte auf und sah auf die Uhr. Zwei Minuten nach Mitternacht. Noch immer hatten sie noch keine Nachrichten von draußen, damit kein Netz und konnten keine Hilfe anfordern. Denn nur mithilfe von draußen konnte der Bunker geöffnet werden. Bis jetzt hatten sie einfach darauf gehofft, dass sie bald Hilfe bekommen würden und die Möglichkeit, hier zu sterben, verdrängt. Sarah stand auf und weckte die Anderen. Hier stimmte definitiv irgendwas nicht. Und was anfangs nur ein unangenehmes Gefühl war, wurde bald zu grausamer Gewissheit:
    Ihnen ging die Luft aus.
    Sie rannten zum Ausgang und versuchten die Tür zu öffnen, doch es gab kein Entrinnen. Die ersten von ihnen sanken schon aus Luftmangel zu Boden. Dadurch, dass sie ihre Lunge durch das viele Schwimmen und Tauchen trainiert hatte, hatte sie noch Luft und überprüfte den Puls der Anderen. Dann stolperte sie über ihre eigenen Füße, als die Welt vor ihren Augen verschwamm, und fiel der Länge nach hin. Ihr Atem ging flach und die Welt drehte sich um sie. Verschwommen nahm sie die leblosen Körper der anderen um sich herum war. Eine Gestalt fing auf einmal an zucken. Sie hatte das Gefühl ihre Lunge würde innerhalb weniger Sekunden zerplatzen. Dann wurde alles schwarz und die Welt löste sich in Schatten auf.

    War das der Tod? Sarah wusste es nicht. Jedenfalls fühlte es sich so an. Wie man sich den Tod eben vorstellt: Alles war dunkel und es war weich. Und warm. Neben sich spürte sie Jonas, der beim Atmen leicht schnaufte. Moment mal! Das war irgendwie falsch. Sarah öffnete die Augen und erblickte ein Gesicht über sich. „Hallo? Hörst du mich?“ Ein Mann Mitte dreißig leuchtete ihr mit einer Taschenlampe in die Augen. Sarah nuschelte irgendwas. „Was?“, fragte der Mann verwirrt. „Tu die scheiß Taschenlampe weg“, verlangte sie laut und deutlich. Der Mann lachte und half ihr hoch. Sie sah sich um und zählte durch. Erleichtert atmete sie durch. Sie waren vollzählig, alle hatten überlebt. Anscheinend gehörten ihre Retter zum Militär und als sie den Bunker nach zwei Monaten endlich verließen erfuhren sie auch die neuesten Nachrichten: Überall auf der ganzen Welt hatte es Vorfälle wie ihren gegeben und deswegen herrschte im Moment Chaos. Sie hätten Glück gehabt, erzählte ihnen einer der Männer, die meisten Opfer, die sie fanden, hätten nicht so viel Glück gehabt. Auf dem Weg zu den Autos, die sie in die Stadt zu einer Sammelstelle fahren sollten, entdeckten sie eine lange Reihe weißer Tücher, unter denen irgendetwas lag. Leichen. Sarah zupfte Jonas am Ärmel. „Markus.“ Jonas schloss die Augen und nickte nach einer Weile. Sie schritten durch die vielen hundert leblosen Gestalten, bis sie ihn gefunden hatten. Sarah schlug das Leichentuch zurück. Die zwei Monate Verwesung hatten bereits ihre Spuren auf seinem Gesicht hinterlassen, aber es war eindeutig seines. Sarah schluchzte, dann legte sie ihm die Hand auf seine Stirn und schloss seine Augen. Sie und Jonas saßen eine Weile einfach nur da, stillschweigend und jeweils ihren eigenen Gedanken überlassen. Dann, nachdem sie das Tuch wieder über die Leiche gezogen hatten, fassten sie sich an den Händen und schritten durch die Reihen aus verhüllten Körpern in die Sicherheit.

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