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Sternenfeder

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2 Kapitel - 885 Wörter - Erstellt von: Copperflight - Aktualisiert am: 2017-05-26 - Entwickelt am: - 238 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Alles war zerbrochen. Zersplittert wie Eis in der Blattleere auf einer Pfütze. Ich fühlte nichts mehr, sah nichts mehr, hörte nichts mehr. In mir war eine tiefe Leere. Nichts konnte sie ausfüllen. Dieses Loch konnte nie wieder verschlossen werden.

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    ((cur))Amselflugs Sicht:((ecur)) Sterben. Ich hatte nicht gedacht, dass es so friedlich sein würde. So unbekümmert, schmerzlos. Ein dumpfer Schmerz,
    Amselflugs Sicht:

    Sterben. Ich hatte nicht gedacht, dass es so friedlich sein würde. So unbekümmert, schmerzlos.
    Ein dumpfer Schmerz, ein roter Lichtblitz – das waren meine letzten Erinnerungen an das Leben auf dieser Welt.
    Nun lag ich sanft, wie auf einem Moospolster. Geheilt von allen Wunden, friedlich. Die verzweifelten Gedanken, die quälenden Gefühle, nichts war mehr.
    Leise glitt ich in die Luft, leicht wie ein Windhauch. Ich schwebte einen Moment auf der Stelle, der auch eine Ewigkeit hätte sein können. Vorsichtig öffnete ich meine Augen und blicke mich um. Unter mir lag auf dem weichen Waldboden eine dunkelbraune Kätzin. Sie regte sich nicht. Ihr zerschlagener Körper war blutverkrustet, ihre Pfote schlammverdreckt. Wie klein sie im Schlaf war.
    Zufrieden seufzte ich, ließ die andere Welt kommen. Nicht mehr lang und die Sterne würden aufgehen. Kalt würden sie funkelnd vom Silbervlies herabschauen. Und ich würde eine von ihnen sein. Neben der Kätzin kauerte ein hellgrau-getiegerter Kater, schweigend. Sein Gesicht sagte nichts aus, seine Miene war verschlossen. Zerbrochen. Als hätte man ein Stück seiner selbst genommen. Ich spürte einen Schmerz, einen Schmerz, tief in mir, der nicht sein durfte. Jetzt war ich der Frieden, nichts stand mir im Weg. Ich war frei. Doch der Kater, der wie versteinert auf dem Waldboden kauerte, zwang mich zu bleiben. Ich hatte gehofft, das es so sein würde. Monde lang, nachdem die Sternenkatze zu mir gekommen war, hatte ich mich vor dem Tod gefürchtet. Ich hatte in Verzweiflung gelebt, mich verschlossen. Eingeengt und krampfhaft hatte ich mich an mein Leben geklammert, das nur dazu bestimmt war, beendet zu werden. Jetzt war ich befreit von diesen Fesseln. Ich wusste was jetzt kam. Die Sonne schickte ihre letzten Strahlen über die Gipfel der großen Berge und versank hinter ihnen. Bald würde der Mond am Himmel leuchten, hell und kalt.
    Ich spürte eine weiche Brise in meinem Pelz und erblickte sie. Die Sternenclan-katzen, wunderschön mit Sternen im Fell und einem leuchten in den Augen. Genauso frei wie ich. Lächelnd
    nahmen sie mich in ihre Mitte und führten mich an meinen Platz. Hier würde ich Frieden finden und über meine Gefährten wachen, als leuchtender Stern am Himmel. Für eine Ewigkeit. Oder noch einen Herzschlag länger.

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    Flechtenpelz Sicht:

    Alles war zerbrochen. Zersplittert wie Eis in der Blattleere auf einer Pfütze. Ich fühlte nichts mehr, sah nichts mehr, hörte nichts mehr. In mir war eine tiefe Leere. Nichts konnte sie ausfüllen. Dieses Loch konnte nie wieder verschlossen werden. Zitternd betrachtete ich sie. Niemals hatte sie aufgegeben, selbst als sie in den letzten Monden beinahe den Verstand verloren hätte. Immer hatte sie weitergemacht. Schon als Junges hatte sie vor Lebensenergie gesprüht. Jetzt war sie nicht mehr. Und würde auch nie wieder zu ihm zurückkommen. Der Fuchs würde es bereuen. Diese helle Wut flammte so plötzlich wieder in mir auf. Er würde bezahlen, für das, was er getan hatte. Aber nicht jetzt. Ich fühlte sich zerschlagen und erschöpft. Mein Pelz war bedeckt mit unzähligen kleinen Wunden. Unwichtig. Nichts war jetzt noch wichtig. Langsam begann ich, das Blut aus ihrem dunkelbraunen Fell zu lecken. Der bittere Geschmack brannte mir auf der Zunge. Würde ich jemals wieder normal leben können? Aufstehen, ohne diesen Schmerz zu spüren? Ohne mit jedem Tag, den ich lebte, an ihren Tod zu denken? Ich ließ meinen Gefühlen freien Lauf. Mit einem Mal war es so, als hätte jemand meine Gedanken befreit. Ein Klagelaut entwich mir und hallte in die Nacht hinein. Es war dunkel geworden, ohne, das ich es gemerkt hatte. Über mir glitzerte bereits das Silbervlies der Sternenahnen. Sie würde jetzt dort oben sein. Sie würde über mich wachen und dort ihren Frieden finden. Dieser Gedanke traf mich so schlagartig, dass ich zurückzuckte. Eine heiße Träne lief meinen Pelz hinunter. Ich wusste es. Sie hatte sich auf ihren Tod vorbereitet. Niemals würde ich das bereuen, was ich getan hatte. Sie war glücklich, wo auch immer sie war. Ein angenehmes Kribbeln durchfuhr mich. Sie war gar nicht fortgegangen. Sie war immer noch bei mir. Ich spürte eine sanfte Brise Nachtluft. Vor mir schwebte langsam etwas zu Boden. Es war eine kleine, dunkelbraune Amselfeder. Was auch immer das bedeuten mochte.



    Endlich ließ ich sie los.

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Sternenfeder
Sternenfeder
Alles war zerbrochen. Zersplittert wie Eis in der Blattleere auf einer Pfütze. Ich fühlte nichts mehr, sah nichts mehr, hörte nichts mehr. In mir war eine tiefe Leere. Nichts konnte sie ausfüllen. Dieses Loch konnte nie wieder verschlossen werden.
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2017-05-23
406A
Warrior Cats

Kommentare (4)

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Maddy29 ( von: Maddy29)
vor 16 Tagen
Wow das ist echt gut geschrieben! Respekt!
Taui ( von: Tauschweif)
vor 142 Tagen
Dein Schreibstil ist wunderschön! Die zwei Kapitel haben mich richtig gefesselt, wow! Großes Lob an dich! :)
Sonnenfell (80847)
vor 142 Tagen
Wunderschön! Ich musste fast heulen! So schön, so emotional geschrieben! Und gleichzeitig trotzdem kurz und knackig! Einfach wunderbar! Mindestens 10 Sterne!
*Silberherz* (20130)
vor 143 Tagen
Oh... Schön...
Dein Schreibstil zieht mich in den Bann. Beeindruckend. Mach schnell weiter :3
Einmal hast du kurz die Perspektive gewechselt, aber Flüchtigkeitsfehler sind normal, passiert jedem.