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World of Mystik Special - Clara

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5 Kapitel - 6.329 Wörter - Erstellt von: Adhara - Aktualisiert am: 2017-05-21 - Entwickelt am: - 388 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Hat ein ganzes Stück gedauert, aber hier ist sie: Die Hintergrundgeschichte von Clara Dupin.
Sie beleuchtet die Hintergrundgeschichte von ATLAS ganz gut und stellt auch noch einmal die Trainer etwas in den Vordergrund.

    1
    Flashback 2005: Es begann an einem warmen Herbsttag im September. Die letzten Strahlen des Sommers warfen ein warmes Licht auf die kleine Dorfstraße.
    Flashback 2005:
    Es begann an einem warmen Herbsttag im September. Die letzten Strahlen des Sommers warfen ein warmes Licht auf die kleine Dorfstraße.
    Ein junges Mädchen war auf den Weg in ihre Grundschule zu laufen. Sie lief immerzu auf dem kleinen Weg neben der Straße, aber ihr Blick war nicht auf ihre Füße gerichtet. Ihre Augen huschten verträumt über die Hügel, die man hinter dem französischen Dorf noch erkennen konnte.
    Sie bemerkte es nicht gleich als zwei ältere Jungen sich ihr näherten. Viel zu sehr schien sie von ihren Gedanken gefesselt.
    Die Beiden stellten sich vor sie und zwangen sie so zum Anhalten. Erschrocken sah sie zu ihnen auf.
    "Na was machst du denn hier?" fragte der größere der beiden. Schalk blitzte in seinen Gesicht auf.
    "Ich muss in die Schule.", entgegnete das junge Mädchen und wollte weitergehen, aber der Junge stellte sich ihr in den Weg.
    "Es ist doch auch nicht so schlimm, wenn du etwas später kommst, oder?", fragte der kleinere der beiden verschmitzt.
    Panik verzerrte das Gesicht des Mädchens. "Mademoiselle Lanoux wird sicher sauer sein, wenn ich zu spät komme. Bitte lasst mich weiter."
    Der kleinere Junge verschränkte seine Arme vor der Brust und wirkte so noch kräftiger. Er bildete einen Kontrast zu dem kleinen schmächtigen Mädchen.
    "Das macht doch gar keinen Spaß.", bemerkte er.
    "Bitte..." Das Gesicht des Mädchen verzerrte sich noch mehr von Anstrengung und man konnte kaum noch etwas von ihren sanften Gesichtszügen erkennen.
    "Warte mal, ich glaube die hat einen Anfall oder so etwas. " sagte der kleinere der beiden Jungen beunruhigt. "Ich glaube wir sollten sie wirklich gehen lassen. "
    "Ach Quatsch, die macht das doch mit Absicht, damit wir sie nicht mehr ärgern."
    Der andere Junge verdrehte die Augen.
    Das Mädchen fiel auf die Knie und bildete ein Knäuel. Plötzlich schien wurde die Umgebung unglaublich kalt, als ob die gesamte Wärme aus der Umgebung gesaugt worden wäre. Das junge Mädchen glühte dagegen fiebrig.
    Wellen der Angst schienen von ihr auszugehen und die Gesichter der beiden Jungen waren nun ebenso von Panik verzerrt, wie das des Mädchens.
    Die Jungen nahmen die Beine in die Hand und brachten so viel Abstand wie möglich zwischen sich und das Mädchen.
    Sie ließen das nun weinende Mädchen allein am Straßenrand zurück.



    2
    2011
    Clara Dupin saß auf der Mauer, die das kleine Dörfchen Domrémy-la-Pucelle umgab. Sie schloss die Augen und genoss die warme Herbstsonne.
    Erst als sich ein Schatten über die Sonne legte, öffnete sie ihre Augen. Entsetzt blickte sie in das Gesicht eines ihr fremden Mannes.
    Sir hatte gar nicht realisiert, wie er sich ihr genähert hatte. Bevor sie etwas sagen konnte, legte er ihr eine Hand auf den Mund.
    Sie versuchte sich zu wehren, aber der Mann hatte einen eisernen Griff. Mit vor Entsetzen geweiteten Augen bemerkte sie, dass ihr Entführer in seiner anderen Hand ein Stück Stoff hatte. Sie vermutete, dass es chloroformgetränkt war.
    Das Mädchen fühlte sich innerlich genauso hilflos wie 6 Jahre zuvor, als sie schon einmal von Jungen bedrängt wurde. Es kam ihr vor, als wäre sie in ihr neunjähriges Ich zurückversetzt worden.
    Ihre Gedanken schrien vor Verzweiflung. Sie hatte das Gefühl, als ob sie über einen tiefen Abgrund hinge und nun mit blutigen Hände versuchte, sich wieder nach oben zu ziehen.
    Sie sah nur eine Möglichkeit, sich aus dieser Situation zu befreien: Sie aktivierte ihre Gabe.
    Sie übertrug die schlimmsten Gefühle, die sie in diesem Moment empfand.
    Angst, Panik. Das Gefühl einfach nur so schnell so weit wie möglich rennen zu wollen.
    Hilflosigkeit, mit der damit verbundenen Wut auf sich selbst.
    Schiere Verzweiflung und das Gefühl, in sich selbst gefangen zu sein.

    Die Augen ihres Entführers weiteten sich und wurden zu schwarzen Abgründen. Seine Arme zitterten und er ließ das Tuch fallen. Er wich entsetzt zurück.
    Es dauerte nicht lange und dann gaben auch seine Beine nach und er sank auf den Boden. Er wurde zu einem menschlichen Knäuel, weinend wie ein kleines Kind.
    Clara starrte ungläubig und entsetzt auf sich selbst herab. Sie hatte einen erwachsenen Mann zum Weinen gebracht; warum wurde sie erneut gezwungen, diese teuflische Gabe einzusetzen?
    Sie rannte so schnell sie konnte die Straße herunter. Ihr wurde klar, dass all die Gefühle von dem Mann weichen würden, wenn sie sich von ihm entfernte.
    Wenigstens er konnte die Verzweiflung irgendwann abschütteln.

    Nach einer Weile sah sie hinter sich, um nachzusehen, ob ihr Entführer vielleicht schon die Verfolgung aufgenommen hatte.
    Als sie sich wieder nach vorn wandte, befand sie sich das zweite Mal heute in den Armen einer fremden Person.
    Sie wich schockiert zurück und sah zu einem Jungen auf, der wohl in etwa in ihrem Alter war, vielleicht etwas älter.
    Sie erkannte ihn als den Neuen aus ihrer Schule, der schon vom ersten Tag wegen seines indischen Aussehens aufgefallen war.
    "Was ist los? Wurdest du angegriffen?" Der Junge sah sich misstrauisch um.
    "Ja. Nein. Wieso?" Clara war verwirrt.
    "Also doch. Mr Chang hatte mit seiner Vermutung also recht. " Der Junge wirkte wie ein gehetztes Reh. Einerseits unterhielt er sich mit ihr, andererseits schienen seine Gedanken ständig in Bewegung zu sein.
    "Mr Chang? Was?" Nichts von dem, was er sagte trug dazu bei, dass sie sich weniger verwirrt fühlte.
    "Ist dir irgendwas besonderes an dem Männern aufgefallen?" Der Junge ignorierte Claras Fragen einfach.
    "Keine Ahnung, alles ging so schnell. Es war auch nur ein Mann, glaube ich."
    Clara war noch immer aufgewühlt, weil sie gezwungen wurde, seit Monaten ihren Gabe wieder einzusetzen. Sie fühlte sich von der ganzen Situation überrumpelt.
    "Ist wahrscheinlich zu auffällig, mit mehreren Männern anzurücken. Mr Chang vermutet schon lange, dass irgendwelche Menschen gezielt nach Paras suchen, aus welchen Gründen auch immer. Naja egal, wir müssen dich hier wegschaffen, du bist hier nicht mehr sicher. " Der Ältere runzelte besorgt die Stirn.
    "Wegschaffen?" Clara schnaubte. "Spinnst du? Ich geh doch nicht mit dir so einfach mit! Und was sind überhaupt Paras?"
    Der Junge seufzte. "Machen wir es kurz. Paras sind Menschen mit Fähigkeiten wie deinen. Sie kommen ins Fort und werden dort trainiert, um danach vielleicht ein normales Leben führen zu können.
    Im Fort kannst du lernen deine Fähigkeiten zu kontrollieren. Das willst du doch, oder? ", erklärte er hastig.
    Nichts lieber als das, dachte Clara verzweifelt. In all den Jahren hatte Clara festgestellt, dass Kontrolle ihr größtes Problem war. Mit der Zeit hatte sie sogar gelernt, Gedanken an andere zu übertragen, aber das funktionierte nur, wenn sie ruhig und entspannt war. Wurde sie von Gefühlen überrumpelt, machten diese sich selbstständig und ihre Fähigkeit sprang an.
    "Es gibt Leute wie mich?" fragte sie. "Ich dachte, ich bin allein. " Clara gab sich alle Mühe, nicht allzu verzweifelt zu wirken. Für ihren Geschmack wusste der Junge schon viel zu viel über sie.
    "Du bist nicht allein. Und wenn es dazu beiträgt, dass du mir mehr vertraust, verrate ich dir sogar meinen Namen: Neel Jariwan."
    Er reichte ihr seine Hand.
    "Clara Dupin. Falls du den nicht auch schon kennst. Stalkst du mich eigentlich?"
    Er verdrehte die Augen. "Ich soll dich beschützen. Das ist kein Stalking. "
    "Bezahltes Stalking?" Das klang in ihren Ohren auch nicht gerade besser.
    "Wie ist es nun, kommst du mit ins Fort oder muss ich dich auch noch entführen?" Langsam hatte Clara genug von Entführungen.
    "Wenn es stimmt, was du sagst und ich wirklich lerne, all das zu kontrollieren, gehe ich mit dir. Aber was soll ich meinen Eltern erzählen und wo ist dieses Fort überhaupt?"
    "Das erzähle ich dir alles auf den Flug. Und um deine Eltern kümmert sich Mr Chang. Du solltest am besten gleich deine Tasche packen, hm?"
    "Flug?" fragte Clara verwirrt, aber Neel ließ ihre Frage wieder einmal unbeantwortet stehen.

    3
    Ihr Leben lang hatte Clara in Domrémy-la-Pucelle verbracht. Nur um zur Schule zu fahren, fuhr sie mit dem Bus in die nächst größere Stadt.
    Aber als sie das Fort betrat war es, als ob dort die ganze Welt leben würde. Menschen, aus aller Herren Länder tummelten sich. Paras, die ausgebildet wurden oder ausbilden wollten.
    Die Jugendliche musste viele Hände schütteln und sie konnte sich nicht erinnern, wie oft sie gesagt hatte: "Hello, my name is Clara Dupin and I have the skill of telepathy. I hope somebody will help me. Nice to meet you."
    Ihr Englisch war eher schlecht als recht und sie wünschte sich inständig, sie hätte damals im Unterricht besser aufgepasst.
    Englisch war die Sprache, die hier im Fort alle verband.
    Da war zum Beispiel dieser junge Norweger, der stolz darauf war Axtkampf unterrichten zu dürfen. Er erzählte dem jungen Para, dass dies sein erstes Jahr als Trainer war und dass er zuvor auch nur Schüler war. Kristoff Sandberg, wie er hieß, hatte man gefunden, als er durch die Luft geschwebt ist und die Piloten einer Flugmaschine erschreckt hat.
    ATLAS hat dann beschlossen ihn unter seine Fittiche zu nehmen, einerseits um ihn zu lehren, wie er seine Fähigkeiten kontrollieren kann, andererseits aber auch um ihn zu klarzumachen, dass man als Para einer Verantwortung unterlag.
    Denn Geheimhaltung war eine der wichtigsten Regeln, an die sich hier jeder halten musste. Soweit Clara das mitbekommen hatte, wusste die Regierung zwar von ATLAS, aber nicht von ihrem Standort.
    "Und das ist auch gut so.", erklärte der Leiter von ATLAS, Chang Ming-Hui.
    "Die Regierung ist nicht besonders begeistert von uns. Ich bin mir nicht sicher, ob sie uns ernst genug nehmen, um uns militärisch anzugreifen, aber wir wollen es auch nicht wirklich darauf anlegen."
    Der alte Taiwanese hatte dem jungen Para zuvor erzählt, dass es seine Fähigkeit war, andere Paras aufzuspüren und war danach dazu übergegangen, mehr über ATLAS zu erzählen.
    Clara hörte nur mit halben Ohr zu. Sie wusste nicht so recht, was sie von dieser geheimnisvollen Organisation halten sollte, wenn nicht einmal die Regierung ihr traute.
    Sie nickte, aber im Kopf ging sie schon Fluchtpläne durch, einer gefährlicher als der andere.
    Erst als so aus der Kommandozentrale heraustrat und Neels freundliches Gesicht sah, dachte sie darüber nach, dass ATLAS wohl nicht von Grund auf schlecht sein konnte.
    Er hatte sie zwar am Anfang etwas überfallen, aber während des Fluges waren sie ins Gespräch gekommen und sie hatte festgestellt, dass er sehr nett war. Unter anderen hatte sich auch erfahren, dass Neel selbst kein Para war, was hier im Fort wohl eher die Ausnahme war.
    Zudem begegnete er ihr immer wieder mit frappierender Ehrlichkeit, wie sie es noch bei keinem Menschen erlebt hatte.
    Er stellte ihr sogar seine Eltern vor, Mr Satyendra Jariwan und seine Frau Sumati. Die drei Jariwans stammten aus der Stadt Thiruvananthapuram, dessen Namen Clara vergaß, sobald sie ihn gehört hatte.
    Mr Jariwan erzählte, dass er seit 25 Jahren für ATLAS als Nahkampflehrer arbeite und das er ihnen aufgefallen war, wegen seiner übermenschlichen Stärke.
    "Jetzt erzähl doch nicht die ganze Zeit nur über dich, Satyendra!" Mrs Jariwan lachte.
    "Ich sollte mich doch vorstellen, oder etwa nicht?", empörte sich Mr Jariwan gespielt.
    "Vorstellen ja, aber du musst ihr doch nicht deine gesamte Lebensgeschichte erzählen." Mrs Jariwan hob eine Augenbraue.
    "Es ist schon gut, ich freue mich ihnen zuhören zu dürfen.", warf Clara kleinlaut ein.
    "Sie will nur höflich sein.", mischte sich Neel ein.
    Clara warf ihm einen wütenden Blick zu.
    "Was denn? Ist doch so." Er grinste.
    "Ich würde wahnsinnig gern noch weiter mit dir plaudern, aber ich glaube, ich muss los. Ich muss das Mittagessen noch vorbereiten."
    Mrs Jariwan seufzte. "Wenn nur nicht immer alle herummäkeln würden, wäre alles viel einfacher.
    Ich mag kein Gemüse!
    Das Essen ist zu scharf!
    Ich will Kuhfleisch!"
    Sumati imitierte die Stimmen diverser Bewohner des Forts und brabbelte auch noch vor sich hin, als sie das Haus verließ.
    "Meine Mutter beherrscht Kryokinese.", erklärte Neel. "Sie kann Temperaturen nur mit ihren Gedanken regulieren und so hat sie sich auch freiwillig dafür gemeldet in der Küche zu arbeiten."
    Mr Jariwan warf einen Blick auf die Uhr.
    "Entschuldigt mich, Kinder. Ich muss auch langsam zum Unterricht." Mr Jariwan verließ nun ebenfalls eilig das kleine Haus.
    Das Gespräch verlief kürzer als erwartet. So viel Stress war Clara von zu Hause nicht gewöhnt.
    "Tja, das waren meine Eltern. Ziemlich schräg, hm?" Neel kratzte sich am Hinterkopf.
    "Geht so. Meine Eltern sind auch nicht viel besser. Nur haben sie eben keine... Fähigkeiten."
    Neel schnaubte.
    "Komm, wir sollten weitergehen."
    Clara war verwundert über Neels Reaktion, aber sie folgte ihm.
    Dabei traf Clara auf Sangmo Dawa. Sie erzählte, dass sie aus Lhasa kam und dort als tibetanische Nonne umhergezogen war. Sie erklärte, dass sie die Paras in einer Art des Baguazhang ausbildete, eine Kampftechnik, die nur auf Abwehr baute und den Angriffen des Gegners solange auswich, bis dieser erschöpft aufgab.
    "Eine der wenigen Kampftechniken, die mit den pazifistischen Ideologien des Buddhismus übereinkommen kann.", erklärte sie. "Aber meine eigentliche Fähigkeit, ist eine andere."
    Sie schlug mit der Handseite auf Neels Arm, bevor dieser auch nur irgendwie reagieren konnte. Er schrie empört auf.
    "Sangmo!" Seine Arm baumelte wie Gummi an seinem Körper. Er schien sämtliche Kontrolle über seine Armmuskulatur verloren zu haben.
    "Ich habe sein Chi blockiert. Oder seine Lebensenergie, wie ihr Westeners es vielleicht sagen würdet."
    "Das ist unfair! Du weißt genau das ich mich nicht wehren kann!", mokierte sich Neel.
    "Der Effekt verschwindet nach ein paar Minuten wieder." Sie erzählte das alles in ernsten Ton, aber Clara konnte genau erkennen, dass die Augen der Nonne lächelten.
    Ihr Blick wurde wieder trauriger, als sie von ihrer Heimat erzählte. Tibet stand seit einigen Jahrzehnten unter der Einfluss Chinas und wurde von der chinesischen Regierung unterdrückt. Einige der friedlichen Mönche steckten sich sogar selbst in Brand, um gegen die Gewaltherrschaft der Chinesen zu demonstrieren.
    Als sie davon erzählte, schüttelte Sangmo traurig den Kopf.
    "Aber der Dalai Lama weiß auch nicht, wie er darauf reagieren soll. Im Buddhismus ist Selbstmord nicht gern gesehen, aber was sollen die Familien der Betroffenen denn sagen, wenn er diese Selbstverbrennungen zu scharf kritisiert?"
    Sie seufzte.
    "Das tut mir aufrichtig Leid." Clara fühlte sich ehrlich betroffen. "Kann ATLAS da gar nichts machen?"
    Sangmo schüttelte den Kopf.
    "Sie dürfen sich nicht in Regierungsangelegenheiten anderer Länder einmischen. Schon gar nicht in die, eines so mächtigen Landes wie China."
    "Das ist ungerecht."
    "Ja, ich weiß. Aber ich bin sicher, eines Tages werden wir in Freiheit leben dürfen." Sangmo lächelte.
    "Wie kannst du dir da so sicher sein?", entgegnete Clara verwundert.
    "Wie kann ich mir denn da nicht sicher sein?", entgegnete Sangmo mit fester Überzeugung.
    Clara warf ihr noch immer einen zweifelnden Blick zu, lächelte aber schließlich.
    "Wahrscheinlich hast du Recht." Spontan umarmte sie die junge Frau, die etwas überrascht, aber erfreut war.
    "Verliere niemals die Hoffnung!", wünschte Clara der Tibeterin.
    "Finde sie!", konterte Sangmo.
    "Tschüss, Sangmo!", warf Neel ein, der sich etwas unwohl zu fühlen schien.
    Sangmo winkte noch kurz zu Abschied, während Neel mit Clara im Schlepptau das Übungsgelände wieder verließ.

    Die anderen Treffen mit den Trainern waren selten so lang.
    Clara lernte die junge Firth Coulson lernen, die Lehrerin für Fernkampf, die ihr Ziel niemals verfehlte. Die Schottin war sehr ruppig und schien nicht besonders erfreut, gestört zu werden. Und so wurde es ein recht kurzer Besuch.
    Die Ärztin Noa Rothschild war zwar sehr freundlich, aber ziemlich beschäftigt. Sie heilte gerade einen anderen Trainer per Handauflegen.
    Ein Speer hatte kurz zuvor noch aus dem Bein des Lehrer geragt, welchen er selbst mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck herausgezogen hatte. Dabei schien der Mann manchmal zu flackern; mal war er zu sehen und mal wieder nicht.
    "Sami Ahmed Ismail. Speerkampflehrer, wie man sicher unschwer erkennen kann.", erklärte er mit einem schiefen Grinsen. "In Stresssituationen habe ich meine Fähigkeit nicht immer unter Kontrolle."
    Er flackerte erneut. "Unsichtbarkeit.", erklärte er. "Ist meistens ziemlich praktisch. Aber keine gute Idee, wenn jemand gerade Speerwurf übt und nicht sieht, wie er seinen eigenen Lehrer abschießt."
    Dr Rothschild betrachtete ihn tadelnd. "Das hättest du aber eigentlich auch voraussehen können, oder?"
    Mr Ismail grinste nur.

    4
    Als Neel und Clara ein weiteres Mal das Gelände des Forts überquerten, kamen sie an einer Menschentraube vorbei.
    Ein Mann Mitte 40 stieg in einen Helikopter ein, während weitere Männer das Gepäck in die Maschine packten.
    "Wer ist der Mann?", fragte Clara Neel.
    "Arnar Arnarsón. Er soll als Aufsichtsperson nach Island geschickt werden. Dort soll es einen jungen Para mit empfindlichen Sinnen geben.", antwortete eine ältere Dame, die sich in das Gespräch der beiden Jugendlichen eingemischt hatte.
    "Dana Wladimirowna Titowa ist mein Name. Ich glaube dich kenne ich noch gar nicht. " Sie deutete auf den Para.
    "Ja, ich bin neu hier. Clara Dupin. "
    "Interessant.", sie widmete sich erneut dem Geschehen vor ihr und ignorierte die beiden.
    "Ähm, okay?" Clara schien verwirrt. Die Frau hatte sich einfach in ihr Gespräch eingemischt und dann sehr schnell das Interesse verloren.
    Clara kam zu dem Schluss, dass die Normen der Höflichkeit hier im Fort keine ganz so große Rolle spielten, wie in der restlichen Gesellschaft.
    Ob es nun an der isolierten Lage oder daran, dass Paras sich häufig abkapselten, konnte Clara nicht sagen.
    Aber ihr gefiel ein aufrichtiges Miteinander besser als geheuchelte Höflichkeit.
    "Mrs Titowa ist schon okay.", erläuterte Neel, als sie sich ihren Weg wieder durch die Menschenmenge bahnten. "Sie ist manchmal etwas seltsam, aber ich glaube bei dem Job muss sie das auch sein."
    "Wieso? Was meinst du?"
    "Sie unterrichtet den Kurs Überleben-In-Der-Wildnis. Dazu kommt noch, dass sie die Fähigkeit hat Stimmen perfekt zu imitieren, sogar Tierlaute und so was. Das ist manchmal ein bisschen gruselig, aber man gewöhnt sich dran."
    "Gruselig, aber man gewöhnt sich dran? Das klingt ja fast nach mir!" Ein junger Mann, der vom Aussehen her eher südländisch wirkte, bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmenge direkt auf die Beiden zu.
    "Nicholás!", Neel verdrehte die Augen. "Solltest du nicht vor deinem Computer sitzen?"
    "Sollte ich wohl, ja. Aber ich habe gehört, du führst einen hübschen Neuling hier herum und ich hatte so ein Gefühl, dass du bei mir nicht vorbeischauen würdest, Blue."
    "Nenn mich nicht so." Neel wirkte gleichzeitig verärgert und traurig.
    "Nicholás Sanchez.", stellte er sich vor. "Ich bin hier der Computerexperte."
    "Das klingt, als ob du hier etwas Legales machen würdest. Erzähl doch gleich, dass du ein Hacker bist." Neel schien diesen Kerl wirklich nicht besonders zu mögen.
    "Wenigstens tue ich etwas Sinnvolles für ATLAS. Ich bin ein Para, da kann ich immerhin meine Fähigkeiten dieser Organisation anbieten. Was du hier machst ist mir noch unbegreiflich. Du konntest diesen jungen Para ja noch nicht einmal beschützen. " Anscheinend sprachen sich solche Dinge hier schnell herum.
    Neel schnaubte und Clara musste keine Gedanken lesen können, um zu wissen, dass er sich unwohl fühlte. Sie nickte in Neels Richtung. Dann warf sie Nicholás einen vernichtenden Blick zu.
    "Ich hab doch Recht!", entgegnete dieser brüskiert. Die beiden ließen Nicholás stehen.
    "Nein, hast du nicht!", rief sie zurück.
    Die beiden jungen Menschen liefen eine Weile in eine bestimmte Richtung, bis Neel scheinbar willkürlich eine andere einschlug.
    Nach einer Weile kam Clara der Gedanke, dass er kein bestimmtes Ziel hatte, sondern eher nach einen Weg suchte, sich abzureagieren.
    Er bahnte sich seinen Weg an den Menschen vorbei, aber keiner schien sich für die beiden zu interessieren; sie beobachteten wie die Rotorenblätter des Helikopters sich zu drehen begannen und dann immer schneller wurden.
    Clara zog in Betracht, Neel allein zu lassen. Manche Menschen brauchten Einsamkeit, wenn sie emotional aufgewühlt waren, aber Claras Instinkt riet ihr, bei ihm zu bleiben.
    Plötzlich fiel ihr auf, dass sie das Gelände von ATLAS verließen. Das Gebirge Ozarks sah man von überall, aber erst nachdem sie das Lager verlassen hatten, wurde ihr klar, wie riesig die Berge wirklich waren. Die Natur sah hier draußen völlig unberührt aus.
    Sie durchliefen einen gewaltigen Wald, der in den Farben des Herbstes strahlte. Die Oktobersonne schien durch das bunte Laub und eine seichte Brise ließ die Blätter rascheln.
    Es knisterte, als Clara und Neel einem abgetretenen Pfad folgten. Der junge Para war in Gedanken versunken, sodass sie gar nicht sofort bemerkte, dass ihr Begleiter stehen geblieben war.
    Er stand auf einem einem Felsplateau und blickte in ein Tal hinab. Auch dort waren weit und breit nur Bäume zu sehen. Nur ein Fluss durchzog das Tal. "Der Osage River." erklärte Neel.
    "Wir haben als Kinder immer in den Wäldern gespielt, Nicholás und ich."
    Clara beobachtete Neel interessiert, er mied ihren Blick und setzte sich. Das Mädchen setzte sich neben ihn.
    "Wir waren eine Zeit lang gute Freunde, weil er der Einzige war, der in meinem Alter war. Wenn man auf engsten Raum mit so vielen Erwachsenen zusammenlebt, sucht man sich früher oder später jemanden mit dem man seine Zeit verbringen kann. "
    Er spielte mit einem Zweig.
    "Nicholás spielte anderen Leuten besonders gerne Streiche. Seine Fähigkeit ist es, elektromagnetische Felder manipulieren zu können. Deswegen kann er auch so gut mit Computern umgehen. Manchmal wenn Touristen hier in der Gegend wandern waren, hat er dafür gesorgt, dass ihre Smartphones verrückt spielen." Er lächelte, aber sein Gesichtsausdruck verfinsterte sich schnell.
    "Aber eines Tages hat er es übertrieben. Wir waren an der alten Waldstraße und einer der Touristen schien sich verfahren zu haben. Nicholás hat sein Navigationsgerät manipuliert. Er wollte eigentlich nichts Böses, aber der Fahrer kam von der Straße ab. Er war verletzt und bewegte sich nicht mehr. Nicholás wollte ihm helfen, aber wir waren beide noch so jung und hatten keine Ahnung, was wir tun sollten. Ich wollte Mr Cummingfield um Hilfe bitten, aber Nicholás wollte mich unbedingt davon abhalten. Er wollte nicht, dass jemand davon erfährt, was er getan hat." Neel wirkte jetzt verzweifelt, auch wenn er es sich nicht ansehen lassen wollte.
    "Aber ich konnte den Mann doch nicht einfach dort liegenlassen. Ein Krankenwagen brauchte auch mindestens 2 Stunden ehe er aus der nächsten Stadt gekommen wäre. Also habe ich doch Mr Cummingfield geholt. Er hat mir geholfen den Mann zu versorgen und hat ihn in ein Krankenhaus gefahren. Nicholás scheint mich seitdem zu hassen."
    Neel zerbrach den Zweig.
    "Er wirft mir immer vor, wie unnütz ich doch sei und dass ich nur wegen meiner Eltern hier wäre und so... Manchmal glaube ich, er hat recht. Ich meine, ich bin eigentlich dein Beschützer und trotzdem habe ich fast zugelassen, dass du entführt wirst."
    Als Neel mit seiner Geschichte endete, musste Clara unwillkürlich anfangen zu lachen.
    "Was ist daran so witzig?", entgegnet dieser verletzt und wütend.
    "Du bist eifersüchtig auf mich? Mein ganzes Leben wünsche ich mir nichts anderes als ein gewöhnliches Leben. Ein gewöhnlicher Mensch zu sein. Und, du Glücklicher, hast all das, was für mich niemals möglich sein wird. Aber dennoch wünschst du dir, zu besitzen, was ich an mir selbst verfluche."
    Clara schnitt eine Grimasse.
    "Genau das ist der Grund, warum ich lache; weil das Schicksal bestimmt auch gerade über uns lacht."
    Jetzt war es an Neel zu aufzulachen.
    "Wie kann man nur solche fantastischen Kräfte nur loswerden wollen?"
    "Das geschieht, wenn sie dafür sorgen, dass andere Menschen verletzt werden. Glaub mir, dann ist man nicht mehr so scharf darauf."
    Die Jugendliche mied den Blickkontakt zu Neel.
    "Jeder Mensch kommt irgendwann einmal an den Punkt, an dem er feststellt, dass er die Macht hat, andere Menschen zu verletzen. Das jagt allen erst einmal eine Heidenangst ein, aber irgendwann stellen sie fest, dass nicht das zählt was wir können. " Neel blickte auf den Boden. "Was wirklich zählt ist, wozu wir unsere Fähigkeiten einsetzen. Und solange deine Absichten gut sind, wirst du auch niemanden ernsthaft verletzen."
    Jetzt sah Neel seinen Gesprächspartner direkt an und sie erwiderte seinen Blick. Blaue Augen trafen auf braune.
    "Woher willst du das wissen? Du kennst mich doch gar nicht."
    "Doch, ich weiß genau dass du Gut-Böse-Gut bist." Der ernste Ausdruck wich aus Neels Gesicht.
    Sie lachte. "Was?"
    "Natürlich. Es gibt da nicht viele Optionen, man kann Böse-Böse, Böse-Gut, Gut-Böse und Gut-Gut sein. Und nur wenn du wirklich Böse-Böse bist, müsstest du dir ernsthafte Sorgen machen." Er unterdrückte ein Lächeln.
    "Heilige Johanna, jetzt habe ich auch noch die einzige Aufsichtsperson erwischt, die nicht mehr alle Blätter am Baum hat!" Clara knuffte ihn lachend.
    Und plötzlich wurde ihr auch klar, warum ihr Instinkt ihr geraten hatte, ihn nicht allein zu lassen.

    5
    Als Clara den Raum betrat, fühlte sie sich, als ob eine warme Frühlingsbrise ihr Gesicht streifte. Für eine Sekunde stand sie auf den Hügeln in Grand Est und blickte auf die Felder aus Lavendel. Doch dann sprang ihre Fähigkeit an, ohne dass sie es verhindern konnte. Doch was sie wirklich verwunderte war, dass es nicht ihre Gefühle oder Gedanken waren, die sie überfluteten. Zum ersten Mal in ihrem Leben fühlte sie die Gefühle einer anderen Person.
    Da war es. Liebe, unermessliche Liebe für die Welt und alle die sie bevölkerten. Liebe gegenüber den Menschen. Allen Menschen.
    Glaube, an all diese Menschen. Der Glaube, dass trotz all der Katastrophen, die der Mensch auf dieser Erde schon verursacht hatte, er sich eines Tages zum Guten verändern würde. Dass er eines Tages aufhören würde, alles zu zerstören. Aufhören würde sich selbst zu zerstören.
    Und Hoffnung. Hell, wie ein Feuer. Nicht unbändig und verschlingend. Nicht mächtig, wie ein Flächenbrand. Sondern eher wie ein Kaminfeuer in einer Hütte, welche man aufsucht, um an einem regnerischen Herbsttag dem Sturm zu entfliehen. Der Sturm rüttelte an der Hütte und es pfiff aus allen Löchern und dennoch hatte man das ureigene Gefühl des Vertrauens, dass die Hütte nicht zerstört werden konnte. Das dieses Feuer niemals erlöschen werde.
    Als sie in die blauen Augen ihres Schwertkampftrainers sah, wusste sie auch von wem alle diese Gefühle stammten.
    Am Anfang war Clara perplex. Sie konnte all diese Gefühlen nicht einordnen, sie überforderten sie schlichtweg. Zudem hatte sie ihr ganzes Leben geglaubt, die Fähigkeit funktioniere nur in eine Richtung. Ihre ganze Welt war auf den Kopf gestellt worden. Schon wieder.
    "Zeig sie mir."
    "Was soll ich ihnen zeigen, Mr Cummingfield?", erwiderte sie schnell. Sie fühlte sich ertappt, als er sie erwartungsvoll musterte. Mr Cummingfield hatte sicher mit ihr geredet, aber ihre Gedanken flatterten in ihrem Kopf herum wie Schmetterlinge und so fiel es ihr schwer einen klaren Gedanken zu fassen.
    Clara hatte allerdings nicht das Bedürfnis, Mr Cummingfield etwas von ihrem Exkurs in seine Gefühlswelt mitzuteilen. Im Grunde war dies wohl etwas sehr Intimes.
    "Deine Fähigkeit. Zeig sie mir."
    Mr Cummingfield sah sie mit unverhohlener Neugier an.
    "Ich halte das für keine gute Idee. Meine Kräfte können anderen Menschen schaden."
    "Ich werde damit fertig, glaub mir." Mr Cummingfield blickt sie entschlossen an. "Ich schwöre es."
    Clara war noch immer nicht begeistert, aber beschloss den Bitten des Trainers nachzugeben. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich.
    Eigentlich wollte das Mädchen Mr Cummingfield die Erinnerungen an ihr bisheriges Leben übertragen. Einfache Erlebnisse. Keine Emotionen, keine Gefühle, keine Gedanken.
    Clara zeigte einige Teile ihrer Kindheit...
    ...Wie sie als Kind mit anderen Jungs den Hundertjährigen Krieg nachgespielt hatte. Ihr 7-jähriges Selbst, was stolz war, die berühmte Jungfrau von Orléans spielen zu dürfen.
    ...Clara, als sie ihre Eltern vor dem Einschlafen bat, noch einmal die Geschichte vom kleinen Prinzen vorzulesen. Die Geschichte von Antoine de Saint-Exupéry war ihre liebste.
    Doch als sie Mr Cummingfield die Erinnerung von jenem lebensverändernden Tag vor sechs Jahren zeigen wollte, ging etwas schief.
    Clara hatte ihre Emotionen nicht mehr unter Kontrolle und zusätzlich zu den Erinnerungen übertrug sie ihm auch all jene Gefühle, die sie eigentlich lieber für sich behalten wollte.
    ...Abscheu gegenüber ihrer schrecklichen, schrecklichen Fähigkeiten, die andere nur verletzen konnten.
    ... Angst, die zu ihrem unliebsamen Begleiter geworden ist. Die Angst, eines Tages die Kontrolle vollends zu verlieren und jemanden seelische Wunden zuzufügen, die diese nicht verkraften konnten.
    ...Einsamkeit. Die selbst erzwungene Einsamkeit, weil das Mädchen das Gefühl hatte, es nicht anders verdient zu haben.


    Clara sagte sich von ihren Gedanken los und kehrte wieder in die physische Welt zurück.
    Mit vor Entsetzen geweiteten Augen musterte Clara den Mann vor ihr.
    Sie selbst brachten all diese Gefühl fast um den Verstand, aber Mr Cummingfield wirkte erstaunlich gefasst.
    "Geht es... Geht es ihnen gut?"
    Er blickte sie an und für einen kurzen Moment waren seine Augen noch von Dunkelheit getrübt, doch sie verschwand schnell und machte einem Funkeln Platz. Es wirkte fast, als ob der Trainer soeben alle Dunkelheit absorbiert hätte.
    "Es geht mir gut. Ich habe doch gesagt, dass ich damit fertig werde."
    "Sind sie sicher?" Clara wirkte noch nicht überzeugt.
    "Weißt du, was meine Fähigkeit ist?", entgegnete Mr Cummingfield ungerührt.
    "Nein. Was ist es? " Sie war neugierig und etwas verwirrt.
    "Ich persönlich nenne sie gerne den "Fluch des Thanatos", auch wenn das etwas melodramatisch klingt, beschreibt das meine Fähigkeit recht genau."
    "Ist Thanatos nicht... Der Gott des Todes?" Clara hatte eine beunruhigende Vermutung.
    "Genau. Meine Fähigkeit ist es, eine Person nur anzusehen und genau zu wissen, wie und wann jemand stirbt."
    Eine Weile herrschte betretenes Schweigen zwischen den beiden Paras. Dann wurde diese allerdings von der Jüngeren durchbrochen.
    "Das ist ja schrecklich. Es tut mir Leid."
    Mr Cummingfield lachte. "Welch ungewöhnliche Reaktion. Die Meisten denen ich das erzähle, versuchen mich dann zu ihren eigenen Tod auszuquetschen."
    "Das will ich alles gar nicht wissen."
    "Sehr klug. Aber das ist eigentlich nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass ich schon schlimmeres gesehen und gespürt habe, als deinen Schmerz."
    Clara fühlte sich wie vor den Kopf geschlagen. Ihr Leben lang wurde sie von all dem verfolgt und dann war es nur... halb so schlimm?
    "Was ich damit sagen will, es ist jetzt erst einmal wichtiger, dass du deine Fähigkeit nicht nur als Fluch siehst, sondern auch als Geschenk. Es ist ein Teil von dir."
    "Und wenn ich diesen Teil nicht akzeptieren will?", entgegnete Clara störrisch.
    "Ich bin sicher, du wirst ihn akzeptieren, wenn du erstmal gelernt hast, deine Fähigkeit zu kontrollieren. Du wirst lernen, dass du deine Fähigkeit auch für Gutes einsetzen kannst."
    "Können Sie mir das versprechen?" So etwas wie Hoffnung huschte über Claras Gesicht.
    "Was?"
    "Dass ich lernen werde, diese Fähigkeit zu beherrschen?"
    Mr Cummingfield zögerte. "Nein, das kann ich dir nicht versprechen."
    Clara war enttäuscht. "Danke für ihre Ehrlichkeit."
    "Aber was ich dir versprechen kann, dass alle Trainer ihr Bestes geben werden, um dir dabei zu helfen. Du hast sie doch kennengelernt: Mrs Coulson, Mrs Titowa, Dr. Rothschild, Mr und Mrs Jariwan, Mr Ismail, Mrs Dawa, Mr Sanchez, Mr Sandberg, Mr Chang. Sie alle haben sich entschieden hier zu bleiben. Bei ATLAS. Sie haben sich entschieden, jungen Leuten wie dir zu helfen. Denn ihr seid unsere Zukunft. Und die Zukunft der ganzen Menschheit."
    "Ist ja gut.", murrte die Jugendliche. "Ich bleibe."
    "Was?" Clara hatte Mr Cummingfield aus dem Konzept gebracht.
    "Ich werde hierbleiben und mich ausbilden lassen. Zumindest solange die Möglichkeit besteht, dass ich es schaffe, meine Kräfte zu kontrollieren. Sollte ich das nicht hinbekommen, steige ich auf dem Mount Everest und komme nie mehr hinunter."
    "Das scheint ein Deal zu sein." Mr Cummingfield nickte zufrieden. Er reichte der Jugendlichen die Hand.
    Clara war zunächst verwirrt. Die meisten Erwachsenen hätten sie ausgelacht, als sie im todernsten Ton darüber sprach, als Einsiedler auf dem Mount Everest leben zu wollen. Aber der Trainer sah sie nur unverwandt an und schien nicht einmal verwundert zu sein.
    Clara schlug schließlich seufzend ein. "Jetzt schauen sie doch nicht so selbstzufrieden.", bemerkte sie mit einem grinsenden Augen.
    Er musterte sie mit ehrlichen Interesse. "Doch nicht so schüchtern, hm?"
    "Gut-Böse-Gut.", murmelte sie.
    "Was?" Das Gesicht des Schwertkampflehrers zeigte eine Mischung aus Verwirrung und Belustigung.
    "Schon gut. Vergessen Sie es." Der junge Para wand sich zum Gehen. Sie war auf dem halben Weg nach draußen, als Mr Cummingfield nach ihr rief.
    "Mademoiselle Dupin?"
    "Ja?" Clara drehte sich erneut zu ihm um.
    "Es freut mich, dass sie sich so gut mit dem jungen Jariwan verstehen."
    Er grinste.
    "Das freut... mich... auch.", erwiderte Clara etwas verwirrt.
    "Weitermachen."
    Clara grinste ebenfalls und verließ nun tatsächlich den Raum.

article
1495020620
World of Mystik Special - Clara
World of Mystik Special - Clara
Hat ein ganzes Stück gedauert, aber hier ist sie: Die Hintergrundgeschichte von Clara Dupin. Sie beleuchtet die Hintergrundgeschichte von ATLAS ganz gut und stellt auch noch einmal die Trainer etwas in den Vordergrund.
http://www.testedich.de/quiz48/quiz/1495020620/World-of-Mystik-Special-Clara
http://www.testedich.de/quiz48/picture/pic_1495020620_1.jpg
2017-05-17
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (22)

autorenew

Aquila ( von: Aquila)
vor 113 Tagen
Schönes Special, Muria. Großes Lob an dich!
Lili (50367)
vor 114 Tagen
Boa Ey ich mag das nicht bin erst acht
Muria ( von: Murialana)
vor 114 Tagen
Ja, ich weiß, und das braucht dir auch nicht leid zu tun
torden ( von: torden!)
vor 114 Tagen
Hab damals eben nicht viel dazugefunden und irgendwo stand es dann als Abkürzung von Lapislazuli.
torden ( von: torden!)
vor 114 Tagen
Ich ändere das jetzt. Tut mir leid, wenn das jetzt unhöflich klingt, aber ich finde es nicht so nett, dass du es mir erst jetzt sagst und dann auch noch auf diese Art. Das hätte man gleich richtig stellen können und nicht erst über ein halbes Jahr danach als Überprüfung.
Muria ( von: Murialana)
vor 114 Tagen
@Torden: keine Ahnung, vielleicht wollte ich einfach, dass du es selbst herausfindest....

@Kalypso: Danke
Kalypso (03087)
vor 114 Tagen
Wirklich schön geschrieben. Respekt
torden! ( von: torden!)
vor 114 Tagen
Da ich dieses Lob nicht nochmal hinkriege und du es bereits gelesen hast, bekommst jetzt einfach nochmal ein "Gut gemacht" xD

Meinst du die Bedeutung von Lapis Namen?
Und warum hast du es nicht damals beim Perso-Test gesagt?
Muria ( von: Murialana)
vor 114 Tagen
Ok, was ist jetzt passiert?
Zurück zum Fehler beim Lapis-Special: Es handelt sich um einen kleinen Fehler, den du bei einem WoM-Persönlichkeitstest gemacht hast.
torden ( von: torden!)
vor 150 Tagen
Vielen lieben dank. Es freut mich immer neue Leser für WoM begeistern zu können.
.«Gamer-Bär». (00027)
vor 150 Tagen
Ich liebe diese Geschichte, und dein schreib stiehl ist genial und super schön ^^
torden ( von: torden!)
vor 151 Tagen
Danke :)
Muria ( von: Murialana)
vor 151 Tagen
Für alle, die WoM 25 auf dem Smartphone lesen und Kalliks Gedankengang in kursiv nicht lesen können:

IchhabdieKontrolle.
EsdarfnichtüberdenFlussgelangen.
Dasistneu.
MarinaChloéJosiahCarolSolHopeNewt
RheaDjangoLéandraTayo.
NeinnichtTayo.Tayoistfort.Verbrannt.Tot.
Dingedienichthättenpassierendürfen.


Ich hätte mir die Absätze so gern erspart, aber so geht es halt sicher für alle zu lesen.
torden ( von: torden!)
vor 160 Tagen
Danke, auch wenn es sich furchtbar anfühlt sich dafür zu bedanken.
Hillory (40141)
vor 160 Tagen
Ich habe noch nie so etwas schönes gelesen. Der Text über Phyria ist echt klasse.
torden (17672)
vor 461 Tagen
Ich habe es dennoch geändert.
torden! (81341)
vor 483 Tagen
Danke für den Hinweis, ist mir gar nicht aufgefallen.
Lapis (74838)
vor 484 Tagen
Logisch gefällt es mir. Das einzige, was wirklich nicht so ...schön. ... ist, ist, dass sowohl Hannah als auch Lapis "Du bist wach" sagen. Das braucht ihr aber nicht ändern, ich reagiere überempfindlich auf Wiederholungen
torden (25791)
vor 488 Tagen
Danke Lapis, hoffentlich gefällt dir die Darstellung deines Charakters.
Lapis (26629)
vor 489 Tagen
Ihr schreibt mega! Die Spritze gefällt mir XD