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Sieben Worte für ein Wunder ~Vogelfrei

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1 Kapitel - 1.194 Wörter - Erstellt von: Monster... - Aktualisiert am: 2017-05-15 - Entwickelt am: - 276 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Mein Beitrag zu Tordens Schreibwettbewerb im Mai!

Link: http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewerb

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    Fangen wir direkt an xD:

    Er lag mitten in der Wiese und um ihn herum lag das erste Laub. Er sah in den Himmel, eigentlich war alles so wie sonst.
    Ja, eigentlich, denn es fehlte etwas, oder eher gesagt jemand und dieser jemand war niemand anderes als ein Seelenverwandter, ein Freund, ein Teil von ihm. Es war für ihn der erste Herbst ohne ihn und es war mit Abstand der schlimmste Herbst, den es je gab. Es war ein Herbst voll Dunkelheit, voll Leere, voll Trauer, obwohl...dieser Herbst war noch so viel mehr. Dieser Herbst war wie ein lauter Schrei, ein Schmerzensschrei. Ein Sonnenstrahl kitzelte seine Nase und brachte ihn zum Niesen, das wieder rum ihn aus jeglichen Gedanken katapultierte. Er sah auf seine Uhr. So spät? Das konnte nicht sein...er sah auf und zuckte zusammen. Bilder spielten sich langsam in seinem Kopf ab. Bilder von ihm selbst und ihm, seinem anderen Teil. Nein, es war nicht sein Bruder, es war sein Freund, sein bester Freund. Sieh es ein. Er ist weg. Weg...Weg....Weg...Weg...Weg. Die Stimme seiner Mutter hallte immer wieder in seinem Kopf wieder. Ja, er war weg, aber sollte er ihn deswegen vergessen? Sollte er deswegen loslassen? Selbst wenn er es wolle, er könnte es nicht. Er würde es nicht über sein Herz bringen und außerdem erinnerte ihn hier alles an ihn, seinen besten Freund. Seinen besten Freund, der Träume hatte. Seinen besten Freund, der Ziele hatte. Seinen besten Freund, der irgendwann flog, ganz so, als sei er ein Vogel, doch er war keiner und so kam er irgendwann auf den Boden zurück. Das, was von ihm übrig blieb, das war das Blut auf dem Asphalt und ein lebloser Körper. Was ihn zu so einer Tat gebracht hat, das war unklar. Zumindest den meisten, aber er wusste es. Beste Freunde erzählten sich alles, obwohl...er hatte ihm nie erzählt, dass er fliegen wollte wie ein Vogel, aber er sagte ihm, dass es Leute gab, die ihn hassten und ihm das Leben zur Hölle machten, zumindest wenn diese betrunken waren. Ihm war nie ganz klar, was er meinte, aber mittlerweile wusste er es. Leider. Er sah wieder in den Himmel. Er, sein Freund wollte immer schon hoch hinaus und jetzt, ja jetzt, da war er über ihm. Sein Freund war über den Wolken, dort, wo unendlich viel Platz für Träume war und dort, wo es keinen Alkohol gab. Er lachte bei dem Gedanken an das letzte Jahr, als sie zusammen hier lagen und in die Wolken blickten und darüber diskutierten, wie sich Wolken wohl anfühlten. Sein Freund hatte irgendwo das Wort "viskos" aufgeschnappt und war von da an überzeugt, dass Wolken viskos waren. "In deinem Himmel sind sie das, ganz bestimmt", flüsterte er. Er stand blitzschnell auf, als er ein Geräusch vernahm. Es war aber nicht viel mehr, als eine Krähe. Wie war es eigentlich, wenn man flog, so wie sein bester Freund? Hatte man die ganze Zeit Angst vor dem Aufprall, oder war es ein Erlösung, zu wissen, dass alles bald vorbei sein würde. Er wollte es eigentlich nicht wissen, eigentlich. Er würde nie so sterben wollen, oder? Konnte er das jetzt festlegen? Sein Handy klingelte und vertrieb seine Gedanken fürs erste. Er musste jetzt wirklich nach Hause, wenn er das Abendessen noch warm bekommen wollte, also machte er sich auf den Weg. Auf dem Weg in das Haus, wo man ihm wieder sagen würde, das er ihn vergessen solle. Er klingelte nervös, als er vor der Tür stand. Die Tür wurde wortlos und schnell geöffnet. Er streifte seine Schuhe ab, bevor er den Teppich betrat. Stumm setzte er sich an den Tisch, direkt gegenüber von seinem großen Bruder. "Na, Depri?", murmelte der nur grinsend. "Kümmer dich mal lieber um deinen eigenen Kram. Wie zum Beispiel dem Rasieren, oder dem Trainieren.", er schob sein Essen weg und verließ wortlos das Haus. "Hey, war-", doch bevor seine Mutter zu Ende sprechen konnte hatte er die Tür zugeschlagen.
    Jetzt, ein paar Stunden später, war es dunkel, stockdunkel, so dunkel, dass es schwer war, die Hand vor dem eigenen Auge zu sehen. Langsam tastet er sich voran. Die eine Hand am Geländer und die andere frei in der Luft. Er starrt für einen Moment in das tiefe schwarz, was scheinbar in die Unendlichkeit führt. Wäre er nicht an dem Ort, wo er, sein Freund fliegen lernte, so würde er hinter dem Schwarz Wasser erwarten, aber er weiß, was dort unten wartet. Nichts mehr, als ein Weg würde dort sein. Ein einfacher Weg aus grauem Asphalt. Wie schnell ein paar Stunden doch alles ändern konnten. Er wollte doch eben noch nicht fliegen, aber er war sich jetzt sicher, dass es das Beste sein würde. Fliegen. Vogelfrei sein. Eine einzige Träne füllt sein Augen und beginnt dann über sein Gesicht zu rinnen. Sofort tönt die Stimme seines Bruders in seinem Kopf. Jungs weinen nicht! Jungs dürfen nicht weinen! Ja, genau. Jungs dürfen nicht weinen, er durfte nicht weinen und sich weint er jetzt. Er war ein Feigling. Ganz klar, denn so ein Verhalten ist feige. "Du darfst nicht weinen.", spricht er zu sich selbst, dann sieht er in den Himmel. "Ich komme, Tyler. Ich komme! Es tut mir Leid. Ich kann das nicht...ich will das nicht! Wir wollten zusammen stark sein und nicht allein!", seine Stimme wird mit jedem Wort lauter und verzweifelter. Feigling. Depri. Emo. Schwächling. Loser. Immer wieder hallen die Worte in seinem Kopf wieder. Er geht weiter. Langsam und Schritt für Schritt, bis er genau den Punkt erreicht hat, an dem das Schloss angebracht ist. Darauf stehen zwei Namen. Tyler Name und sein Name. Dort ist Tyler losgeflogen, dort wird er losfliegen. Er schließt ein letztes Mal die Augen und eine zweite Träne beginnt über sein Gesicht zu fließen. "Wieso musste es soweit kommen, Tyler!", war sein letzter Satz, den er dem Himmel verzweifelt entgegen brüllte, ehe er losließ und die Arme ausbreitete. Er begann zu fliegen. Ja, er flog. Er schloss die Augen und er wusste, was Tyler fühlte.
    Erlösung, Glück und Hoffnung.
    Vielleicht würde alles besser werde.

Kommentare (2)

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Nightshadow Roseblood ( von: Werwölfin#Juniper)
vor 70 Tagen
Eine unglaublich schöne Geschichte. Aber das ist bei dir ja immer so xD
Kiara Fenyx ( von: Kiara Fenyx)
vor 157 Tagen
NIIIICE!
Du hast die Wörter gut eingebaut (vor allem viskos) und ich finde das Thema auch sehr interessant.

Allerdings: (Zitat Google:)
vogelfrei-rechtlos, geächtet. Wer für vogelfrei erklärt wurde durfte von jedermann straflos umgebracht werden.

Das war es, was mich beim Titel ein wenig verwundert hat. Aber im Nachhinein ist es natürlich klar geworden xD