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Federschweif - Lügenengel

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1 Kapitel - 1.072 Wörter - Erstellt von: Scherbenengel - Aktualisiert am: 2017-04-24 - Entwickelt am: - 282 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

In diesem One Shot geht es um Federschweif. Er ist vielleicht ein bisschen kurz geworden, aber ich habe versucht, Gefühle reinzustecken.

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    Schatten. Sie kriechen an den Wänden der Höhle entlang, wie der Atem des schlafenden Stammes. Doch eigentlich meine ich nicht diese Schatten, sondern die Schatten in mir, die stumm in der gähnenden Leere meines Herzens umherhuschen. Doch, in gewissem Sinne könnte ich mein Herz mit dieser Höhle vergleichen. Ich meine, früher konnte ich das. Jetzt sind nur noch die Schatten gleich. Doch mein Herz lebt nicht mehr, atmet nicht mehr. Ist nicht mehr von dem sanften Frieden der Liebe erfüllt. Das Nichts hat auch die letzte kleine Flamme des Lebens erstickt. Es gibt nichts mehr außer der eisigen Leere, die mich von innen verschlingt. Die Schatten sind die kläglichen Überreste, die zeigen sollen, dass es auch einmal in mir Licht gab. Jetzt bin ich an der Stelle, an der ich gestorben bin. Damals, als ich glücklich war. Als ich dachte, ich hätte das Richtige, das einzig Wahre getan. Doch jetzt weiß ich, dass die Wahrheit viele verschiedene Seiten hat. Und jede dieser Seiten hat auch einen kleinen Schatten. Damals hatte ich das Gefühl, nichts könnte mir Krähenpfote nehmen, nicht könnte unsere neugeborene Liebe zerreißen, nicht einmal der Tod. Doch jetzt weiß ich, dass ich ihn in dem Moment, in dem ich mich in ihn verliebt hatte, bereits verloren hatte. Damals dachte ich, wenn ich dann beim SternenClan wäre, würde ich warten. Bis Krähenpfote zurückkommen würde und alles so wäre wir früher. Ich habe auch gewartet, aber er ist nicht gekommen. Und er wird es auch nie. Niemals wird es wieder so sein wie früher. Das Leben geht weiter. Nur dass ich nicht mehr dazugehöre. Er dachte immer an mich und weinte. Ich habe mir so sehr gewünscht, etwas würde kommen und ihn aufmuntern. Mein Wunsch ging auch in Erfüllung. Doch nicht so wie ich es mir erdacht hatte. Denn als die andere Kätzin kam, hat sie ihm das Herz gestohlen. Und mir hat sie ihn genommen. Oft kann ich ihn sehen, wie er in seinem Nest träumt. Von einer Kätzin. Einer Kätzin die nicht mehr ich bin. Die ich nie wieder sein werde.

    Das Leben ist eine einzige große Wahrheit, die aus Lügen besteht. Erst wenn man gelernt hat, durch alle Lügen hindurch zu blicken, kann man auf die wahre Seele des Schicksals sehen. Eine dieser Lügen ist, dass man nach dem Tod in ewigem Frieden lebt. Die Wahrheit ist aber, dass man in ewiger Gefangenschaft lebt, dem Zwang der Erinnerung ausgesetzt. Gefangen in wunderschön glitzernden Fesseln aus Sternenstaub. Ja, ihr denkt jetzt sicher, ich bin doch die freundliche, liebevolle Katze, die Blattsee dafür liebt, dass sie ihren Krähenpfote so glücklich macht. Doch auch das ist eine der Lügen. Nur das ich sie erschaffen habe. In Wirklichkeit bin ich schon lange nicht mehr so. Die Wahrheit ist, dass ich jedes Mal, wenn ich seine Sehnsucht nach Blattsee spüre, wenn ich das Leuchten in seinen Augen sehe, immer wenn sie in der Nähe ist, dass ich dann innerlich sterbe. Es tut so weh, dass ich Angst habe zu platzen, zu bersten. Manchmal wünsche auch ich mir, dass ich einfach heulend wegrennen kann, weg vor dem Leben, weg vor dem Schmerz, weg von allem. Und dass dann jemand kommt, seinen Schwanz um mich legt und mir sagt, dass alles gut wird. So wie früher. Aber nichts ist mehr wie früher. Jetzt bin ich die, die trösten muss. Jetzt muss ich all die Lügen weiter erzählen. Sodass sie nie aufhören werden, sodass niemand irgendwann erkennen wird, dass auch der SternenClan nicht die Macht hat, alles wieder in Ordnung zu bringen. Manchmal würde ich am liebsten weinend zu Mami laufen und mich ausheulen. Manchmal würde ich auch gerne einfach nur hassen dürfen. Blattsee, das Leben, den SternenClan, alle Lügen. Und vor allem mich selbst. Dafür, dass ich mich selbst immer nur bemitleide. Dafür dass ich so egoistisch bin und Krähenpfote sein Glück nicht gönnen kann. Dafür, dass ich alles Glück zerstören will. Weil ich nie glücklich werden durfte. Aber das geht nicht. Im SternenClan darf man nur lieben aber niemals hassen.

    Manchmal sehe ich Krähenfeder und wünsche mir, er wäre noch mein Krähenpfote, der Schüler, der noch von blauen Augen träumte, nicht von grünen. Und wenn ich sehe, wie sich die beiden anblicken, wie sie sich lieben, dann bin ich manchmal wieder kurz die junge Katze, die in allem das Schönste sieht und weiß, dass Liebe das Allerschönste von Allem ist. Aber Liebe ist nicht schön. Die Hoffnung ist schrecklich. Ich würde die Hoffnung so gerne hassen, die Hoffnung, die ich nicht aus mir vertreiben konnte, die Hoffnung, die mich von innen zerstört, die Hoffnung, die mir sagt, dass Krähenpfote irgendwann kommen wird. Aber er ist nicht mehr Krähenpfote, sondern Krähenfeder und Krähenfeder liebt nicht Federschweif sondern Blattsee. Blattsee, die ich so gerne hassen würde. Doch ich kann nicht hassen, immer nur lächeln. Aber ich kann warten. Und ich weiß, dass ich warten werde. Bis in die Unendlichkeit hinein…


    Kleine Anmerkung: Diese Geschichte ist eigentlich nicht auf Federschweif bezogen, sondern auf alle, die sich so fühlen. Ich habe Warrior Cats und Federschweif sozusagen als Rahmen benutzt, weil es einfacher ist, sich auf einen einzelnen Charakter zu beziehen, als allgemein an alle zu schreiben. Danke, dass ihr euch durch meine Gedanken hindurchgequält habt❣

    Lasst doch einen Kommentar da, ich bin offen für Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik (ich übernehme keine Garantie dafür, dass ich nicht ausraste😆).

Kommentare (2)

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Morgen (66162)
vor 166 Tagen
Wow... richtig coole Idee! Die FF ist super... Man hat sich richtig gut in Federschweif hineinversetzten können...
amelone7 ( von: amelone7)
vor 182 Tagen
Ich freue mich über Kommentare, Meinungen und Kritik