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Tagebuch eines Soziopathen

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3 Kapitel - 1.106 Wörter - Erstellt von: KillerRabbit - Aktualisiert am: 2017-07-07 - Entwickelt am: - 828 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

“Was ich sage ist wahr... Selbstverständlich. Weil alle es glauben wollen. Weil ich immer Recht habe.“ - Lucan Finley, das Monster von Umberforth

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    ((unli))Mittwoch, 21.12.2015((eunli)) Es ist das Risiko. Dieses Buch hier könnte jeder finden. Ich habe es nicht sonderlich gut versteckt. Eigentlich
    Mittwoch, 21.12.2015

    Es ist das Risiko. Dieses Buch hier könnte jeder finden. Ich habe es nicht sonderlich gut versteckt. Eigentlich habe ich es gar nicht versteckt. Ich habe es nur wenig offensichtlich auf den Schreibtisch gelegt. Das ist der Reiz daran. Jeder könnte es lesen. Und ich habe große Pläne ... In freudiger Erregung,

    L. F.

    Donnerstag, 22.12.2015

    Sie beten den Weihnachtsmann an, scheint mir. Überall diese Lichterketten, die einen bis zur Besinnungslosigkeit blinken ... Überall diese Menschen. Am liebsten würde ich laut lachen. HAHA! Sie wissen Nichts! Sie ahnen nicht einmal etwas. Aber ich weiß es und es glüht mir bereits in den Fingerspitzen. Ich werde Geschenke besorgen.

    Freitag, 23.12.2015

    Die Geschenke habe ich besser versteckt ...

    Ich werde meine ursprünglichen Pläne ändern müssen. Diese unwürdige Kröte, ich hätte sie nicht heiraten sollen! Ihre Eltern werden mir nicht im Weg stehen. Ich bin entschlossen.

    2
    Weihnachtstag, 24.12.2015

    Frohes Fest! Grüß die Familie schön! Glückliche Weihnachten!

    Es beginnt. Heute beginnt es, gewiss. Ich werde nicht in die Kirche gehen. Nicht heute und nie wieder. Es strengt mich an. Die Frauen mit den braunen Röcken und Sauerkrautblick. Großmütterlich. Herzlich. HA! Ich werde auf meine Weise feiern. Und wer weiß. Vielleicht bleibt was über für mein liebes Frauchen. Sie kocht gut.

    Sag mir einer, warum die Zeit so langsam zieht ... Ich brenne.

    Es ist vollbracht. Haha! Der Osterhase lässt grüßen.
    Es war nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, es wäre mehr ... Es war wenig. Fast langweilig. Wie enttäuschend. Aber dennoch hat es seinen Reiz. Ich werde mehr wagen müssen. Nächstes Mal werde ich mehr wagen!

    Ich habe mich dann an den Rand gesetzt. An den symbolischen Rand. Da, wo jene herumlungern, die kein Ziel haben. Damit sich all die Zielgerichteten nicht an ihnen stoßen. Da saß ich also und lauerte wie eine Katze, die einen Löwenschatten wirft. Und wer weiß das schon? Ob die Katze der Löwe ist oder der Löwe die Katze? Wer weiß es? HA! Da saß ich also. Mein Blick saß nicht. Er folgte dem Strom. Das waren viele, viele Menschen, beinahe unerträglich viele. Sie waren einander so Nahe, dass sie sich nicht rühren konnten ohne einen anderen zu streifen. Wie Fische im Netz. Nur ich, ich war außen vor. Ich war der Jäger. Wie es sein sollte, wie es bestimmt ist und wie ich glauben mag, niedergeschrieben, in einem Buch, das keine Menschenseele öffnet darf.
    Die Menschen kamen mit kalten Händen aus der einen Richtung und gingen mit roten Wangen in die andere. Und über all den schwatzenden Mündern hingen die abgenutzten, missbrauchten Noten der Weihnachtszeit. Es tat weh in den Ohren. Hole Worte, hole Augen, hole Musik. Als wäre die Welt ein Puppentheater mit holzgeschnitzten Figuren, so notdürftig bemalt, dass man die Falschheit sehen kann. Und ich, ich wandere dazwischen und suche nach den Fäden. Ich habe die Schere! Haha!
    Das Lämmchen war spät dran. An Heiligabend kommt man nicht zu spät nach Hause. Es sei denn ... Die Straße war schon leer geworden, so leer, dass mir ganz gewiss wurde: Es muss bald geschehen. Und dann sah ich es, mein Lämmchen. Es eilte über Kopfsteingepflaster und dreimal stolperte es. Alles an ihm Schrie, dass es nicht zu spät kommen wollte. So laut, ich musste beinahe lachen. So laut, dass die Falschheit durchschimmerte. Es hatte eine Tüte, die war gerade so schwer, wie ein Geschenk der allerletzten Minute. Mein Geschenk. Wie nett, dass einmal jemand an mich denkt! Ich fragte es nach der Zeit. Meine Stimme schimmerte in der Kälte. Und es blieb stehen. Es blieb tatsächlich stehen. Vielmehr noch, es kam auf mich zu, um nicht so schreien zu müssen. Und jeder seiner Schritte flüsterte Falsch, falsch, falsch in den Schnee. Erst kurz vor acht. Aber ich muss schnell los, mein Junge muss ins Bett, meine Frau, die warten sicher schon, die haben schon früher mit mir gerechnet. Sicher, sagte ich, meine Frau wartet auch Daheim. Sie sehen nicht so aus, als wären sie in Eile. Das war eine Frage. Sie auch nicht, sagte ich. Es lachte. Gewiss bin ich das, sonst wäre ich ja nicht gerannt. Sie rennen nicht, sagte ich. Wissen Sie, ich habe ein Geschenk für Sie, für Sie, vielleicht sind sie dann noch schneller Zuhause.
    Das wollte es sehen. Welches Zuhause ich denn meinte, das fragte es nicht. Dabei ist ja Weihnachten. Man hätte es wissen können.

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    Es ist merkwürdig, mit den Menschen. Sie sind so leicht zu überraschen, so leicht zu verblüffen. Ihr Verstand wankt immer etwas hinterher, wenn er nicht gerade ganz still steht. Vielleicht bin ich kein Mensch. Nein. Vielleicht bin ich DER Mensch. Ein Ebenbild Gottes. HA! Das Lamm hat fürchterlich geblökt. Dümmlich und viel zu laut. Ich hätte es gleich aufschlitzen sollen. Dann wäre auch der Wind nicht so kalt gewesen, an den Händen. Es wollte so gern Atmen, so gern, so gern, so gern. Aber ich entscheide, wer Atmen darf. Diese riesigen Augen, größer als die eines Kindes, aber nicht ansatzweise Unschuldig. Sie wurden immer größer und röter, immer gieriger nach Luft, immer hässlicher. Mir blieb nur die Verachtung. Und dann brach es ab, dieses kümmerliche Leben. Und wenn ich jetzt auf meine Hände sehen, hier über diesem Buch, wie sie einen Stift halten und schlanke Buchstaben schwingen ... Ich spüre, wie mächtig ich bin. Die ganze Welt wird es wissen. Sie werden mir endlich den Respekt entgegenbringen müssen, der mir gebührt.

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Tagebuch eines Soziopathen
Tagebuch eines Soziopathen
“Was ich sage ist wahr... Selbstverständlich. Weil alle es glauben wollen. Weil ich immer Recht habe.“ - Lucan Finley, das Monster von Umberforth
http://www.testedich.de/quiz47/quiz/1492597956/Tagebuch-eines-Soziopathen
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2017-04-19
40J0
Horror, Krimi

Kommentare (5)

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Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 159 Tagen
Mhm. Schön, schön. Du lässt mich auf heißen Kohlen sitzen...
Imagine (13378)
vor 187 Tagen
Wie gesagt: Ich liebe deine Geschichten. Schreib unbedingt weiter!
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 217 Tagen
Wieder sehr interessant geschrieben.^^
Nun ja, wenn ich ein Tagebuch so schreiben würde, wäre es kein Tagebuch, sondern... Ich würde denke ich, zuviel hineinpacken wollen. ^^´
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 219 Tagen
Hm ...^^ Schreibt sich leichter.
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 226 Tagen
Ein Tagebuch... Das gefällt mir, mal was neues. Etwas abwechslungsreiches, etwas interessantes. Etwas, was mich dazu verleitet es weiterzulesen.^^