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Worte für ein Wunder- Ein Teil von mir

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1 Kapitel - 1.171 Wörter - Erstellt von: Monster... - Aktualisiert am: 2017-04-20 - Entwickelt am: - 179 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Mein Beitrag zu dem Schreibwettbewerb von Torden.

    1
    Prolog~

    "Jeder verarbeitet ein Trauma anders, das ist ganz normal und verständlich. Mit den Richtigen Mitteln kann man aber jedem helfen. So auch dir, Melody."
    Dröhnten die Worte von ihm in meinem Kopf. Was wollte er? Mir ging es gut. Ich hatte sie, meine Schwester. Ich hatte eine Freundin und eine Verbündete, also worauf wollte er hinaus? Still legte ich den Kopf ins Kissen und lauschte dem Regen, der an mein Fenster prasselte. Ärzte waren komisch.

    Start:

    Mein Blick wanderte durch den Zugabteil. Teilnahmslos, so wie immer. Es war die Rückfahrt, die Rückfahrt zu einem Ort, dessen Bild sich in meinem Gedächtnis eingebrannt hatte. Nein, nicht nur eingebrannt...das Bild war fest in meinem Gedächtnis verankert und bei Gott, es war kein schönes Bild. Es war ein Bild von einem Platz, einem Flugplatz. Er war mein zweites zuhause. Es war der Flugplatz. Mein Flugplatz. Ihr Flugplatz. Unser Flugplatz. Sein Flugplatz. Der Flugplatz, auf dem es passiert war. Der Flugplatz, der mich verändert hatte, geprägt hatte und es war der Flugplatz, den ich nie wieder betreten wollte. "Nie wieder", ich lachte trocken, als ich es in meinem Kopf immer und immer wieder wiederholte. Mein "Nie wieder", hatte genau elf Wochen gehalten. Elf Wochen, die ich an einem anderen Ort verbracht hatte. Elf Wochen, die ich bewacht und kontrolliert wurde. Elf Wochen, die mich angeblich "normal" gemacht hatten. Ein Schnauben ertönte, mein Schnauben. Dann zuckte ich zusammen, als ich sie vernahm. Sie? Meine Schwester. Meine Freundin. Meine Verbündete. Meine Rettung. Auf ihr leises Lachen folgte ein quietschen und ein Ächzen. Ihre Hand, meine Hand hatte die Notbremse gedrückt und dann lächelte sie, ich. Wir stiegen aus. Sie und ich. Gemeinsam. Wir ignorierten die fragenden Rufe. Drehten uns nicht mal um. Schritt für Schritt entfernten wir uns. "Danke", hauchte ich. Ich, sie lächelte. Ich war erleichtert, denn ich wollte nicht zurück. Nicht zurück zu dem Haus, dass ich nie mehr betreten wollte. Nicht mehr zurück zu meinem eintönigen Leben. Nicht mehr zurück zu all den Erinnerrungen. "Schon gut", flüsterte sie aus meinem Mund. Ein Finger berührt meine Lippe. Mein Finger, ihr Finger. "Mach dir keinen Kopf, es endet immer gut und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es nicht das Ende.", ihre Worte...aus meinem Mund. Es war ko- nein, es reichte mit dem Denken. Jetzt ging es um das Spaß haben. "Spaß?", diesmal waren es mein Worte aus meinem Mund. "Ja, wie wäre es mit...mit...Disco?" "Disco?", fragte ich. "Ja, Disco ist spaßig", tönte es in meinem Kopf. "Dann halt Disco", ich schmunzelte.

    Sie war eigensinnig, verdammt eigensinnig. Wir schlenderten weiter. Immer der Nase nach, ohne irgendeine Orientierung. Ich sah zum Himmel. Sie sah zum Himmel. Ein kleiner Flieger zog einen langen farbigen Streifen mit sich. Ein Kunstflieger, was ja nicht schwer zu erkennen war. Ich erinnerte mich an Dads Worte "Ich lebe für meinen Job" und oh ja...er hatte für seinen Job gelebt. Er war sogar für seinen Job gestorben. "Er ist es nicht wert, komm wir gehen weiter", sie ermahnte mich und ich lächelte. Disco... "Aber ich bin zu jung.", murmelte ich. "Du bist 14, das passt.", sagte sie. "Ich sehe da etwas", rief sie plötzlich und jagte mir damit einen riesen Schreck ein. Aber da vorn war tatsächlich etwas, oder viel eher jemand. Ein Mann, der kaum, als er uns erblickte uns anstarrte, wie kein anderer. Er kam auf uns zu, bewegte sich steif und schleppend, dann nahm er mich hoch. Ich schrie: "Nyra! Nyra! Nyra!"

    Erst, als ich ihre warme Hand an meiner spürte gab ich Ruhe. Der Mann musterte mich interessiert. "Was machst du hier so allein?", fragte er. "Ich bin nicht allein", sagte ich trotzig und warf einen Blick zu Nyra. Der Mann lächelte. "Wo sind deine Eltern?", fragte er mich. Ich blickte zu Nyra. Sie sah mich warnend an. Ich schwieg. "In seiner Küche, in der zweiten Schublade hat er ein Messer. Bring es mir, Mel.", Nyras Stimme war warm und freundlich. Ich verschwand und ignorierte den mir folgenden Mann. "Kindchen, was ist los mit di-", der letzte Buchstabe blieb in seinem Halse stecken, denn da hatte Nyra auch schon das Messer in seiner Magengegend versenkt. Blut breitete sich langsam aus und tropfte auf die weißen Fliesen. Es gab einen wunderschönen, aber auch schrecklichen Kontrast. Ihre Hand zog das Messer heraus, nein...stopp...es war meine. Ich sah mich um und Nyra war weg.

    Der Arzt sah mich an. "Alles gut?", fragte er etwas besorgt. Ich nickte und verdrängte die Erinnerung. Eine Erinnerung an einen Tag, der mich klar sehen gelassen hatte. Ich wusste, wer oder was Nyra wirklich war. Nyra war ich. Ich war Nyra, oder eher meine Fantasie. Nyra war ein Ersatz, ein Ersatz für das, was ich nie bekam. Sie war ein Ersatz für Liebe, für Mut, für Freundschaft. Sie hatte mich begleitet seitdem er, mein Vater, bei einem Absturz umgekommen war. Ich hatte mir etwas, jemanden geschaffen, der mein Vaterersatz war. Im Nachhinein dumm, früher, war aber Nyra die, die mich am Leben gelassen hatte. Ein Klatschen ertönte. "Fühlen sie sich bereit?", der Arzt sah mich prüfend an. "Ja", ich war zuversichtlich. Ich wusste was ich tun musste, ich war bereit. Bereit? Wofür? Für meine Entlassung. Mein neues Leben. Meine neuen Möglichkeiten. "Egal was passiert, erinnern Sie sich, dass Nyra nicht existiert", sagte er ruhig. Ich nickte und dann stand er auf. Gab mir die Hand und ließ mich gehen. Endlich.

    "Wir sind noch nicht fertig, Mel. Ich bin ein Teil von dir.", tönte ihre Stimme in meinem Kopf und es traf mich wie ein Schlag. Meine Schritte wurden schneller. Ich musste eindeutig raus aus der Klinik. Weg. Weit weg...zu meinem neuen Leben. Weg von den komischen Ärzten. aber auch weg von Nyra.

Kommentare (1)

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Hangman of your Nightmares ( von: Lil)
vor 7 Tagen
Ich mag die Geschichte. Anfangs wirkt sie komisch, Weil man automatisch davon ausgeht, dass es wirklich 2 sind, Aber später wird das dann ja aufgelöst. Echt gelungen!