Springe zu den Kommentaren

Attack on Titan – Verliebt in einen Kommandanten

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
6 Kapitel - 14.204 Wörter - Erstellt von: Guren - Aktualisiert am: 2017-05-30 - Entwickelt am: - 2.934 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 12 Personen gefällt es

Wir sind die Soldaten des Aufklärungstrupps. Wir wollen der Menschheit die Freiheit schenken… und sie erlösen von der Grausamkeit und der Willkür der Titanen. Diese Worte klingen toll und heldenhaft, doch als Neuling beim Aufklärungstrupp zu sein, ist alles andere als ein Spaziergang. Dazu kommt noch dass ich mit meinen ungeschickten Aktionen, die Aufmerksamkeit von einem gewissen Kommandanten auf mich gezogen habe. Kommandant Levi ist ziemlich ätzend… und dennoch hat er etwas Faszinierendes an sich, was ich nicht leugnen kann.

    1
    Hartes Training Warmes Sonnenlicht scheint auf meine porzellanfarbene Haut. Nachdenklich betrachte ich die vereinzelten Wolken am sonst strahlend blau
    Hartes Training



    Warmes Sonnenlicht scheint auf meine porzellanfarbene Haut.
    Nachdenklich betrachte ich die vereinzelten Wolken am sonst strahlend blauen Himmel.
    Ich frage mich immer noch, warum ich mich damals für den Aufklärungstrupp entschieden habe, und mich gegen den Willen meines Vaters gestellt habe.
    Vater ist ein angesehener Mann in der Stadt und ist Soldat bei der Militärpolizei.
    Bereits im Kindesalter hat er mich einem harten Training unterzogen, damit ich später unter die besten zehn meiner Trainingseinheit komme und so ebenfalls in die Division komme.
    Allerdings hatte ich andere Pläne… ich will etwas verändern und das geht nicht wenn ich in den inneren Distrikten arbeite.
    Dazu muss ich dort sein… an der Front.
    Seit diesem Vorfall haben wir uns stets nur gestritten, weshalb ich ihn, meine Mutter und meinen jüngeren Bruder schon länger nicht mehr gesehen habe.
    „Keira! Wo bleibst du denn? Wir haben gleich Training!“ die helle Stimme meiner Zimmergenossin und Freundin Olara reisst mich aus meinen Gedanken.
    Mein Blick wandert zur besagten Blondine, welche mich mit grossen Augen erwartungsvoll ansieht.
    Natürlich, das Training bei Hauptgefreiter Levi… wie ich mich freue.
    Dieses Training ist alles andere als ein Spaziergang… es ist die Hölle.
    Widerwillig erhebe ich mich und folge ihr schliesslich auf das Trainingsgelände.

    Da ich noch einen kleinen Umweg machen musste, um meine Ausrüstung zu holen, habe ich glück, dass ich gerade noch rechtzeitig und vor allem vor meinem Kommandanten eintreffe.
    Alle Soldaten stehen bereits aufrecht in einer Reihe und warten ehrfürchtig auf Ackermann.
    Keiner Zuckt auch nur mit einem Muskel, denn niemand will freiwillig 20 Runden laufen.
    Gerade will ich den Platz neben meiner Freundin einnehmen als ich direkt hinter mir eine kühle, verärgerte Stimme vernehme: „Du bist nicht auf deinem Posten Soldat!“
    Augenblicklich nehme ich meinen Platz ein und stelle mich gerade hin und begrüsse meinen Vorgesetzten.
    „Glaubst du etwa, du bist zum Spass hier Merigold? Ich habe verdammt noch einmal besseres zu tun, als dich in die Schranken zu weisen, also nimm das Training gefälligst ernst!“ belehrt mich der schwarzhaarige, welcher vor mir steht.
    Emotionslos schauen seine wolkengrauen Augen in meine.
    Er versucht mich noch mehr einzuschüchtern.
    Ich weiss nicht was ich ihm getan habe, doch aus irgendeinem Grund scheint er mich zu hassen und immer wieder stellt er mich auf die Probe.
    „Tut mir leid Kommandant.“ Entschuldige ich mich höflich und schaue beschämend zu Boden.
    Ein selbstgefälliges Grinsen huscht über seine Lippen: „Nach dem Training 10 Runden.“
    Ungläubig schaue ich Levi hinter her.
    Natürlich nehme ich jedes Training ernst, aber unser lieber Kommandant kritisiert den kleinesten Fehler den ich mache.

    Zum Aufwärmen müssen wir mit schwerem Gepäck einen Parcours absolvieren.
    In den dichten Wäldern durchqueren wir ein weitläufiges Gebiet voller Gefahren.
    Die Strecke verläuft jedes Mal anders.
    Sie prüfen uns in dem sie es uns absichtlich erschweren.
    Ich krieche unter einem umgestürzten Baumstamm hindurch und verlangsame dabei mein Tempo.
    Schliesslich muss ich ja auch mal verschnaufen.
    „Merigold!“ die Stimme des Kommandanten lässt mich zusammen zucken.
    Erschrocken richte ich meinen Blick nach oben und erspähe ihn auf einem Ast.
    Er scheint überall zu sein und nichts entgeht ihm.
    Wie ein Schatten wandelt er im Verborgenen.
    Mit zornigem Blick schaue ich zu ihm hoch, ehe ich mein Tempo wieder beschleunige und den Parcours fortsetze.
    Das nächste Hindernis, dass ich überqueren muss sind zwei Felsen über einem Hohlweg, der im Sprung zu überqueren ist.
    Ich nehme Anlauf und springe elegant und ohne Probleme über den Graben.
    Auf der anderen Seite jedoch, knicke ich unglücklicherweise ein.
    Ich stolpere und kann mich gerade noch mit beiden Händen abstützen.
    „Verdammt.“ Fluche ich mit mir selbst und durchsuche rasch die Gegend ab.
    Zu meinem Glück ist der Hauptgefreite nirgends zu sehen… das hätte wieder eine Szene gegeben.
    Unter leichten Schmerzen setze ich den anspruchsvollen Pfad fort.
    Mit diesen lästigen Hindernissen prüfen sie nicht nur unsere Beweglichkeit, sondern sie dienen auch dazu unsere Atmung beim schnellen Laufen zu kontrollieren.
    Zudem fördert der Parcours unsere Kondition welche wir beim Kampf mit dem Schwert gegen die Titanen brauchen.
    Endlich komme ich am Ziel an, wenn auch eine von den letzten.

    Nach einer kleinen Pause geht es auch schon weiter.
    Als nächstes steht Training mit dem 3D-Manöver-Apparat an.
    Hierbei prüft Ackermann immer zwei bis vier Soldaten gleichzeitig.
    „Winter, Lehmann und Merigold, bereit machen!“ Verkündet Levi die ersten Namen.
    Ich schlucke schwer, muss ich unbedingt anfangen?
    Und dazu noch mit den beiden?
    Es bleibt mir nicht mal Zeit um meinen Knöchel zu verbinden.
    Mit schmerzverzerrtem Gesicht lege ich meinen 3D-Apparat an.
    Fies grinst mich die Brünette neben mir an.
    Emma Winter ist die schlimmste, arroganteste Kuh, die man sich vorstellen kann.
    Sie ist ignorant, macht anderen das Leben schwer und hält sich für was Besseres.
    Ich kann sie einfach nicht ausstehen, genauso wenig wie Bast Lehmann.
    „Ich sehe du hast noch die Narbe von dem Stein, den ich auf dich geworfen habe. Eine schöne Erinnerung.“ Provoziert mich der Blonde mit den blauen Augen, von einem Ereignis, was noch im Kindesalter geschah.
    Tatsächlich ist über meiner linken Augenbraue, bei genauerem Hinsehen, eine kleine Narbe zu erkennen.
    Ich koche vor Wut und könnte ihm direkt auf die Fresse hauen, aber ich mache es nicht.
    Ich will Levi nicht noch einen weiteren Grund geben um mich fertig zu machen.
    „Du hast Angst zu verlieren.“ Erwidere ich mit emotionsloser Stimme und versuche ihn ebenfalls zu reizen.
    Da Bast ziemlich impulsiv ist beisst er ohne zu zögern an: „Hah, ich habe keine Angst vor dir! Ich habe vor gar nichts Angst! Und von so einer wie dir, lasse ich mich nicht besiegen.“
    Gerade als ich etwas darauf antworten will, gibt Levi uns den Startschuss.
    Schnell visiere ich den ersten Baum an, und schiesse den Anker los.
    Der Eisendraht zieht mich an den anvisierten Baum an, ehe ich den nächsten ins Visier nehme und mich so flink von Ast zu Ast bewege.

    So schnell wie der Wind, bewege ich mich von einem Ast zum anderen.
    Die erste Attrappe taucht vor mir auf.
    Ich hole zum Schlag aus, als eine meiner Klinge durch ein schnelles Geschoss zerbricht.
    Meine Augen weiten sich geschockt, ehe ein hinterlistig grinsender Bast an mir vorbei rauscht und die Imitation erledigt.
    Wütend kneife ich meine Augen zusammen, setze allerdings meinen Weg fort, ohne darauf einzugehen.
    Ich darf mich von ihm nicht mehr provozieren lassen.
    Je tiefer ich in den Wald gehe, desto mehr Nachahmungen tauchen auf.
    Gezielt schlage ich eine Kerbe nach der anderen in die Imitationen.
    Als ich auf dem nächsten Ast landen will, passiert es.
    Das stechende Ziehen in meinem Knöchel breitet sich aus und ich falle unkontrolliert von dem Baum.
    Ich handle reflexartig, visiere einen anderen Baum an und lasse mich langsam zu Boden gleiten.
    Anscheinend habe ich mich doch mehr verletzt als ich angenommen habe.
    Wieder versuche ich den Schmerz zu ignorieren und will zum nächsten Sprung ansetzten als ich erneut einknicke.
    „So ein Mist!“ schimpfe ich und ärgere über mich selbst.
    Warum muss ich manchmal nur so ein Tollpatsch sein?
    Ein glück ist dies nur ein harmloses Training… würden wir heute gegen echte, furchteinflössende Titanen kämpfen, wäre ich zum Zeitpunkt eine gefundene Mahlzeit für diese widerlichen Bestien.
    Mühsam rapple ich mich wieder auf und visiere einen Baum an, als ich bemerke, dass ich das ganze Gas verbraucht habe.
    Das darf doch nicht wahr sein!
    Ich bin mitten im Wald und habe keinen Antrieb mehr.
    Mir bleibt keine andere Wahl als zurück zu humpeln.

    „Merigold! Was zur Hölle treibst du da?“ abrupt presse ich meine Augen zusammen.
    Widerwillig drehe ich mich in die Richtung aus der die Stimme von Ackermann kommt.
    „Der Tank ist leer.“ Antworte ich ihm und weiche seinen durchdringenden Blicken aus.
    Genervt verdreht der schwarzhaarige seine Augen und verschränkt die Arme vor seiner Brust: „Und warum spurtest du dich dann nicht mehr?“
    „Weil ich mich verletzt habe.“ Offenbare ich ihm mit gereizter Stimme.
    Upps… ich sollte wohl besser auf meinen Tonfall achten.
    Daraufhin springt der schwarzhaarige von dem Ast und landet vor mir.
    Prüfend gleiten seine grauen Augen meinen Körper auf und ab.
    Er bittet mich, mich hinzusetzen und zieht mir anschliessend einen Stiefel aus.
    Wie hat er die verletzte Stelle so schnell gefunden?
    Man sieht doch überhaupt nichts, wenn man es nicht wüsste.
    Hat er mich bei meinem Sturz beobachtet?
    Der Anblick des geschwollenen Fusses schmerzt nur noch mehr, habe ich das Gefühl.
    „Du musst zur Krankenstation.“ Spricht der schwarzhaarige und seine Stimme ist aussergewöhnlich ruhig und mit einem Hauch von Fürsorge getränkt.
    „Ach, ich verbinde ihn einfach, wenn wir zurück sind.“ Winke ich ab, doch werde von einem kalten Blick zum Schweigen gebracht.
    Nachdem Levi meine Verletzung begutachtet hat, erhebt er sich wieder und reicht mir seine Hand.
    Mit überraschtem Gesichtsausdruck ergreife ich diese und lasse mich von ihm auf meine Beine ziehen.
    „Los! Halte dich an mir fest.“ Befiehlt er anschliessend worauf mir die Kinnlade runterfällt.
    Was hat er eben gesagt?
    Habe ich richtig gehört?
    Ich soll mich wie ein Klammeraffe an ihm halten?
    „Kommandant ich… schicken sie einfach jemand mit Nachschub, dann komme ich alleine zurück.“ Versuche ich zu widersprechen.
    Genervt verdreht der Hauptgefreite seine Augen und kommt auf mich zu und ehe ich mich versehe, liege ich auch schon in seinen Armen.
    Die Röte steigt mir augenblicklich zu Kopf und mein Herzschlag erhöht sich.
    Die Nähe zu Levi ist mir sichtlich unangenehm… nicht weil ich ihn abstossend finde, im Gegenteil… es ist nur… keine Ahnung wie ich dies am besten Ausdrücke… ich habe einfach ein mulmiges Gefühl dabei.
    Immerhin scheint er mich nicht zu mögen und dennoch zeigt er sich besorgt um mich.
    „Halt dich fest.“ Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, geht es auch schon los.
    Instinktiv lege ich meine Arme um seinen Hals und lehne meinen Kopf gegen seine Schulter.
    Auch wenn ich es mir nicht eingestehen will, so fühle ich eine Gewisse Sicherheit bei ihm.
    Da Levi nicht besonders gross ist, hätte ich nicht gedacht, dass er so starke Arme hat… naja ich bin ja auch etwas kleiner als er und eher zierlich gebaut.

    Im Hauptquartier angekommen bringt er mich unverzüglich zur Krankenstation, wobei ich dies ziemlich übertrieben finde.
    Unbeholfen setzte ich mich auf das Krankenbett.
    „Die Ärztin sollte bald da sein.“ Unterbricht Levi die Stille und macht sich bereit zum Gehen.
    Schnell bedanke ich mich noch bei ihm: „Vielen Dank, Sir.“
    Es ist nur ein nuscheln, was dem schwarzhaarigen allerdings nicht entgangen ist.
    „Deine zehn Runden wirst du nachholen sobald du wieder fit bist.“ Kontert dieser, worauf sich meine Mundwinkel zu einem Lächeln nach oben ziehen.
    Typisch Levi.
    „Natürlich Kommandant.“ Sage ich zum Abschied, ehe er den Raum verlässt.

    2
    Die Verteidigung von Trost Zusammen mit meinem besten Freund, Liam Bianchi, geniesse ich einen freien Tag in der Stadt. Von meiner Trainingsverletzung
    Die Verteidigung von Trost

    Zusammen mit meinem besten Freund, Liam Bianchi, geniesse ich einen freien Tag in der Stadt.
    Von meiner Trainingsverletzung habe ich mich bestens wieder erholt… war ja auch nichts Ernstes.
    Die Sonne scheint hoch am stahlblauen Himmel und kein Wölkchen ist in Sicht.
    Die Vögel zwitschern und in den vielen kleinen, idyllischen Gassen der Stadt ist zurzeit ziemlich viel los.
    Man kann den Menschen wirklich ansehen, dass sie sich wieder erholt haben.
    Seit fünf Jahren ist nichts mehr passiert und die Bewohner sind viel zuversichtlicher geworden.
    Ich betrachte den jungen Mann neben mir von der Seite während er sich ein Teigbällchen gönnt.
    Liam ist das jüngere Ebenbild seines Vaters, mit dem gleichen dunklen Haar und dem ernsten Ausdruck im Gesicht.
    Er trägt einen kurzen Pony und zwei lange Strähnen, die sein Gesicht einrahmen.
    Am Hinterkopf steht ihm sein Haar nach hinten weg ab.
    Seine Augen bergen eine merkwürdige Mischung aus braun und grün, welche man nicht richtig definieren kann.
    Durch das harte Training und die richtige Ernährung hält er sich selbst stets in gut trainierter Form und so halten sich Körpergrösse und Körpergewicht bei ihm die Waage.
    Während ich ebenfalls in mein Teigbällchen beisse, erklingt wie aus dem Nichts ein lauter Knall.
    Aufgeschreckt blicken wir auf und erheben uns gleichzeitig.
    Was war das?
    Keinen Augenblick später erklingt der dröhnende Klang der Turmglocken, welcher mich zusammen zucken lässt.
    Es ist das Zeichen für alle Bürger sich in Sicherheit zu bringen.
    Ein weiterer lauter Glockenschlag und die ersten Menschen rennen panisch an mir vorbei und flüchten in den inneren Kreis.
    Kam der schallende Knall etwa von der Mauer?
    Ich kann meinen Gedanken nicht mal zu Ende denken, als auch schon die Militärpolizei auftaucht: „Titanen greifen die Stadt an! Alle Bürger begeben sich auf der Stelle in den inneren Distrikt und bitte bewahren sie Ruhe!“
    Geschockt weiten sich meine Augen.
    So lange ist nichts geschehen und jetzt beginnt der Albtraum von neuem?
    Liam und ich tauschen einen vielsagenden Blick aus, vergeuden keine Sekunde und eilen auf direktem Weg zum Hauptquartier.
    Normalerweise ist unser Einsatzgebiet ausserhalb der Mauern, aber jetzt ist es anders.
    Wir werden hier gebraucht… wir können die Ereignisse zwar nicht aufhalten aber wir können vielleicht die Opferzahlen begrenzen.

    Im Hauptquartier angekommen werden wir beinahe umgerannt.
    Es ist das reinste Chaos und ein unübersichtliches Durcheinander.
    Soldaten stürmen hin und her, ziehen sich ihre Ausrüstung an und machen sich bereit für den Kampf.
    Auch die neuen Rekruten welche gerade ihre Ausbildung abgeschlossen haben sind hier.
    „Bianchi! Merigold!“ ein Ranghöherer Soldat kommt auf uns zu gerannt.
    Eilig teilt er uns mit, dass wir dem mittleren Militärtrupp zugeordnet werden und die Rekruten unterstützen sollen.
    Mit gemischten Gefühlen lege ich den Gurt meines 3D-Manöver-Apperates an.
    Vor langer Zeit begannen die Menschen in einer Welt voller Monster mit dem Bau von Mauern, um sich zu schützen.
    Doch da es einem Titan gelungen ist die Stadtmauern zu durchbrechen, müssen sich die Menschen weiterhin fürchten.
    Die Wahrheit ist, dass Mauern keine Sicherheit garantieren können.
    Der Ort, an dem man sich ein- und alle anderen ausschliesst, ist kein Zuhause.
    Zuhause ist ein Ort, den man erst nach langen Reisen findet…
    Gerade möchte ich mich zum Versammlungsplatz begeben, als ich drei unsichere Rekruten bemerke.
    Entschlossen nähere ich mich ihnen vorsichtig.
    Mit zitternden Händen füllen sie ihren Gasvorrat nach: „Ich brauche bloss einen Moment mich wieder zu beruhigen. Aber das ist gar nicht gut… momentan verfügen wir noch nicht über die Technik ein Achtmeter hohes Loch sofort wieder zu schliessen. Wir konnten ja nicht mal den grossen Felsblock der in der Nähe des Vorderen Tores liegt zurückwerfen. Wenn wir das Loch nicht schliessen können, dann wird diese Stadt aufgegeben! Und es ist nur noch eine Frage der Zeit bis auch die Mauer Rose überrannt wird. Das ist doch alles sinnlos! Wenn sie es wirklich wollen, können sie die Menschheit sowieso vollständig vernichten!“
    Ich bin wie erstarrt.
    Seine Worte fliessen von meinen Ohren in mein Gehirn.
    Wie konnte es nur so weit kommen?
    Ich habe selbst grosse Furcht davor… aber ich werde diese Stadt mit meinem Leben verteidigen, damit meinen Geliebten nichts passiert!
    Als ich mich noch ein Stück nähere, traue ich meinen Augen kaum: „Armin? Eren! Mikasa!“
    Verblüfft drehen sich alle in meine Richtung und können es selbst nicht glauben dass ich in voller Grösse vor ihnen stehe.
    „Keira? Was machst du denn hier?“ fragt Eren sogleich und sieht mich ungläubig an.
    Ein Funkeln liegt in seinen sinnlichen, braun-grünen schimmernden Augen, während er direkt vor mir steht.
    Wir alle sind zusammen im Bezirk Shiganshina aufgewachsen.
    Anders als die drei, bin ich und meine Familie vor dem Fall von Shiganshina, in einen anderen Distrikt gezogen, da Vater in die Militärpolizei berufen wurde.
    Somit wurde mir all das Grauen und Elend erspart, was sie hingegen kläglich miterleben mussten.
    Ehe ich Eren antworten kann, legt er unerwartet seine Arme um mich und schliesst mich in eine liebevolle Umarmung.
    Sein angenehmer Duft steigt mir in die Nase und lässt mich alles um mich herum vergessen.
    Er riecht so klar wie die Luft nach einem Sommergewitter und es erinnert mich an die Tage in Shiganshina, als wir noch kleiner waren und stundenlang die Wolken am Himmel beobachtet haben.
    „Ich bin so froh, dass es dir gut geht.“ Haucht er in mein Ohr und drückt mich ein letztes Mal an sich, ehe wir uns voneinander lösen.
    Gemeinsam begeben wir uns anschliessend zum Versammlungsplatz.

    Auf dem Aussenplatz des Hauptquartieres, steht ein Soldat nach dem anderen in einer Reihe.
    Von einem General bekommen wir die schreckliche Nachricht dass der Voraustrupp bereits vollständig vernichtet wurde.
    Das äussere Tor wurde durchbrochen, was den Titanen erlaubt hat in die Stadt einzudringen.
    Meine Augen weiten sich geschockt.
    So schlimm ist die Lage schon?
    Verunsichert schaue ich zu Liam, welcher allerdings emotionslos geradeaus starrt.
    Er lässt sich nicht gerne in die Karten blicken und trägt viele Geheimnisse mit sich, welche niemals die Oberfläche erreichen sollen.
    Nachdem die Rede zu Ende ist, geht es auch schon los.
    Adrenalin fliesst ungebremst durch meinen Körper.
    Ich werde mit meinem ganzen können die Mauer so lange verteidigen, bis die Evakuation aller Bürger abgeschlossen ist.

    „Gruppe 34, zu mir!“ rufe ich laut über den Platz.
    Ich soll eine kleine Gruppe, aus Rekruten bestehend, anführen.
    Einen kurzen Moment später stehen sie auch schon vor mir und zu meiner Überraschung sind Armin und Eren unter ihnen.
    Zum einen ist dies gut, denn so kann ich sie beschützen und habe sie im Blickfeld… zum anderen, was wenn es mir nicht gelingt sie zu beschützen?
    Die ganze Verantwortung und ihr Leben liegen in meinen Händen.
    „Lasst uns gehen!“ befehle ich, ehe ich noch weitere schwarze Gedanken habe.
    Ich muss mich ablenken und dabei meine Gefühle wieder zügeln.
    Zielstrebig folgt mir die Gruppe auf Schritt und Tritt während wir uns auf machen um die vorderen Wachen zu unterstützen.
    Unaufhaltbar sprinten wir über die Dächer als wir bereits nach kurzer Distanz, schwarzer, dichter Rauch aufsteigen sehen.
    Unzählige Gebäude und kleine Häuser sind von den Titanen bereits zerstört worden, oder stehen lichterloh in Flammen.
    „So viele Titanen sind schon hier?“ kommt es von der schwarzhaarigen, welche sich hinter mir befindet.
    Die Vorhut ist schon völlig vernichtet worden.
    Ich wusste dass es heftig wird, aber das ist doch Wahnsinn!

    Plötzlich erspähe ich auf einem der Dächer ein Abnormer.
    „Ausweichen!“ kommandiere ich und weiche blitzschnell auf die linke Seite.
    Rasant stehe ich in Verteidigungsposition auf und halte nach ihm Ausschau, doch der Titan ist mit voller Wucht gegen einen Glockenturm geprallt.
    Anschliessend überprüfe ich ob keiner verletzt ist, als ich mit Entsetzen feststelle, dass Thomas fehlt.
    Hilflos ist er in dem riesigen Maul des Monsters gefangen.
    Nein! Bitte nicht!
    In diesem Moment halte ich den Atem an und mein Herz setz einige Schläge aus.
    Regungslos blickt der Rest aus meinem Team in seine Richtung, als Eren plötzlich ohne Vorwarnung auf den Titan zustürmt.
    „Eren!“ schreit Armin seinem Kameraden nach, welcher fuchsteufelswild weiter rennt und unsere Rufe gekonnt ignoriert.
    Mein Hirn rattert auf Hochtouren… was soll ich tun?
    Blindlings über die Dächer laufen ist doch Irrsinn und ein Selbstmordkommando.
    Ich muss einen gutüberlegten Befehl erteilen und darf nicht zu viel Zeit vergeuden: „Ihr bleibt hier und verteidigt euch! Ich helfe Eren.“
    So schnell ich kann, eile ich dem braunhaarigem in hohem Tempo hinter her.
    Jedoch ist es schwieriger als gedacht den jungen Rekruten einzuholen.
    Mein Atem geht äusserst schnell, mein Herz pocht und ich spüre ein leichtes Ziehen in der Seite.
    Das ist wohl ein Zeichen, dass ich das Training beim Hauptgefreiten Levi ernster nehmen sollte.
    „Eren!“ brülle ich ihm nach, als wie aus dem Nichts ein Titan in die Luft springt und Eren beinahe zu fassen kriegt.
    Unkontrolliert stürzt der braunhaarige auf das nächste Dach und bleibt leblos liegen.
    Ein kalter Schauer jagt mir über den Rücken.
    Nein bitte nicht Eren!
    Das darf nicht sein!
    Meine Emotionen fahren Achterbahn und ich beschleunige schlagartig mein Tempo.
    Mit einem sauberen Schritt erledige ich den Titan, welcher Eren angegriffen hat, ehe ich neben dem braunhaarigen zum Stehen komme.
    Die untere Hälfte seines Beines wurde abgetrennt.
    Behutsam drehe ich Eren auf den Rücken, beuge mich zu ihm runter und lausche seinem Herzschlag.
    Baboom… sein Herzschlag ist langsam, aber er ist am Leben.
    Instinktiv presse ich meine Hand auf die Wunde, welche sofort blutüberströmt ist.
    „Keira, was ist…“ Armins Stimme bricht ab.
    Mit angsterfülltem Blick starrt er auf den regungslosen Körper von Eren.
    „Armin komm her! Zieh deine Jacke aus!“ befehle ich um den Jungen aus seinem Schockzustand zu holen.
    Zitternd kommt er meinem Befehl nach und zieht mit einer raschen Bewegung seine braune Jacke aus.
    „Also, wir müssen auf diese Stelle drücken.“, erkläre ich ihm während ich seine Jacke auf Erens Wunde presse, „Leg deine Hand drauf und drück immer weiter. Wir müssen seine Blutung stoppen.“
    Als nächstes ziehe ich mein Halstuch ab und binde es oberhalb von Erens Bein fest.
    Allerdings muss ich feststellen, dass er weiterhin viel Blut verliert und das Abbinden nicht funktioniert.
    Ich muss den Blutfluss zu seiner Oberschenkelarterie stoppen, doch dazu kommt es nicht, denn ein weiterer Titan greift uns an.
    Schlagartig erhebe ich, ehe die anderen aus meiner Gruppe erscheinen.
    Sie können uns zwar vor dem einen Titanen retten, aber plötzlich kreuzen vier weitere miteinander auf.
    Die Mission droht zu scheitern… ich kann sie nicht alle beschützen.
    Ich überlege mir einen Plan, ehe ich einen dumpfen Schlag auf dem Hinterkopf bekomme und ich das Bewusstsein verliere.

    3
    Für die Menschheit Lied zum Kapitel: https://www.YouTube.com/watch? v=c8xtGXsueXA Dunkelheit überkam mich, alles um mich herum wurde schummrig, die
    Für die Menschheit

    Lied zum Kapitel:
    https://www.YouTube.com/watch? v=c8xtGXsueXA

    Dunkelheit überkam mich, alles um mich herum wurde schummrig, die Umrisse der Gebäude, die Soldaten um mich herum und nicht zuletzt Armin und Eren.
    „Keira… Hörst du mich?“ eine Stimme tritt zu mir durch, doch sie ist gedämpft von dem tosenden Geräusch der kämpfenden Soldaten um uns herum.
    Meine Augenlieder fühlen sich so schwer an und nur mit viel Mühe gelingt es mir meine Augen zu öffnen.
    Ich brauche ein paar Minuten um mich zu orientieren.
    Vertraute braun-grüne Augen schauen mir besorgt entgegen.
    Liam? Aber was tut er hier?
    Was ist passiert?
    Alles woran ich mich erinnern kann, ist dass ich aus unerklärlichen Gründen bewusstlos wurde.

    Plötzlich wird mir alles wieder klar… Bilder von dem Vergangen, spielen sich wie ein Videoband, in meinem Kopf ab und mir schiesst nur ein Namen durch den Kopf.
    „Eren!“ ich reisse schlagartig meine Augen auf und erhebe mich schwungvoll, wobei mir immer noch etwas schwindlig ist.
    Ich fasse mir vorsichtig an meinen schmerzenden Hinterkopf und bemerke einen Verband.
    Jemand hat mich versorgt… Armin?
    Der Blonde sitzt wie in Trance einfach nur da, während ein anderer Rekrut auf ihn einredet und nachfragt was geschehen ist und wo sich der Rest aus unserer Gruppe befindet.
    „Lass gut sein Connie.“, erklingt eine emotionslose Frauen Stimme, „Ausser den beiden wurden alle ausgelöscht.“
    Ich beäuge die junge Frau aus der Distanz.
    Ihrem Abzeichen nach zu urteilen gehört sie zu den Rekruten.
    „Ach halt doch die Schnauze! Armin hat noch nichts gesagt!“ verteidigt Connie ihn.
    Auch wenn sie seinen Zorn auf sich gerichtet hat, lässt die braunhaarige nicht nach: „Sieh dich doch um, es ist offensichtlich. Uns bleibt keine Zeit um noch länger mit ihnen rumzutrödeln. Ihre Gruppe wurde wohl von mehreren Titanen gleichzeitig angegriffen.“
    Eine hitzige Diskussion beginnt zwischen den beiden.
    Allem Anschein nach ist Liam ihr Gruppenführer, doch wieso greift er nicht ein?
    Stattdessen hat er mich mit seinen wunderbaren Augen fest fixiert und begutachtet mich mit nachdenklichem Gesichtsausdruck.
    Sein Blick bleibt auf meiner Verletzung gerichtet und erschrocken sehe ich jetzt zum ersten Mal das Blut, das an meiner weissen Bluse und an meinem grünen Umhang klebt.
    „Das reicht jetzt du blöde Schlampe! Ich werde dir ein für alle Mal das Maul stopfen!“ kontert der grauhaarige zornig.
    In seinen gelb-goldenen Augen ist purer Hass zu erkennen.
    „Ich wusste schon immer dass du nichts drauf hast. Du konntest nicht mal den Tod deiner Kameraden verhindern, wie erbärmlich.“ Auch die noch… Emma Winter erspähe ich neben der anderen jungen Frau.
    Abschätzig sieht sie auf mich herab.
    Ihre Worte treffen mich hart, denn sie entsprechen leider der traurigen Wahrheit.
    Ich konnte keinen aus meiner Gruppe von diesen gefrässigen Biestern bewahren.
    Ich war zu spät um ihnen zu helfen… sie alle sind gestorben, weil sie uns retten wollten.
    „Wir sollten sie und das Weichei zurücklassen.“ Provoziert Emma weiter und nimmt überhaupt keine Rücksicht auf uns.
    Wir sind immer noch angeschlagen und ziemlich verwirrt von den schrecklichen Ereignissen, während sie gnadenlos auf uns herum hackt und uns in den Dreck zieht.
    Damit ist sie allerdings zu weit gegangen und ich kann meine Wut nicht mehr zurück halten.
    Unsanft stosse ich Liam bei Seite, sprinte auf Winter zu und packe sie mit festem Griff an ihrem Kragen.
    Auch wenn sie einiges grösser ist als ich, schrecke ich nicht vor ihr zurück.
    „Du hast ja keine Ahnung!“ brülle ich sie an, worauf sie abrupt verstummt.
    Auch wenn ich nur halb so mutig bin, wie ich es vorgebe zu sein, zeigt meine vorgespielte Furchtlosigkeit doch etwas Wirkung, denn ihr verachtender Blick verschwindet.
    Niemand wagt es einer meiner Freunde zu beleidigen.
    Unerwartet kommen auch noch Bast und seine Gruppe in jenem Moment angerückt.
    „Merigold, was soll das?“ spielt er sich gleich gross auf und stellt sich schützend neben Emma.
    Ich fixiere ihn ebenfalls und bin nur knapp davor ihm eine rein zu hauen.
    Bast hat eine scharfe Zunge und kann ziemlich unhöflich sein, vor allem mir gegenüber.
    Er spricht mich extra mit Nachnamen an da er weiss, dass ich dies nicht ausstehen kann.
    „Keira, das reicht jetzt.“ Liam stellt sich zwischen mich und die beiden um die Situation zu entschärfen.
    Knurrend gebe ich schliesslich nach und weiche einen Schritt nach hinten.
    Momentan haben wir nämlich ganz andere Sorgen.
    Geliebte Kameraden sind im Kampf gefallen, was ich immer noch nicht glauben kann, und dies obwohl es beim Aufklärungstrupp praktisch zur Tagesordnung gehört.
    Unsere Nerven sind am Ende, denn immer mehr Titanen finden den Weg durch das beschädigte Tor in unsere Stadt und die Lage wirkt aussichtslos.
    Weitere Soldaten werden in der Schlacht fallen, wenn nicht bald ein Wunder geschieht.
    Es darf nicht so enden wie vor fünf Jahren als wir die Mauer Maria aufgeben mussten.

    Plötzlich schiesst mir einen Gedanken durch den Kopf.
    Das ist es!
    „Du hast Recht Liam… das ist genug. Ich habe einen Plan.“ Äussere ich mich zögerlich.
    Alle Soldaten um mich herum richten ihre Aufmerksamkeit gespannt auf mich, Armin eingeschlossen.
    Ich weiss nicht ob mein Vorhaben funktioniert, dennoch teile ich ihnen mein Gedankenblitz mit.
    „Es nützt nichts, wenn wir einen Titanen nach dem anderen eliminieren, denn weitere werden folgen. Wir müssen die Titanen erledigen bevor sie überhaupt durch das Loch eindringen.“ Stille… mit grossen Augen und weit aufgerissene Mäulern betrachten mich die einen, während die anderen keinen Gesichtsmuskel verziehen.
    Ich weiss mein Plan klingt waghalsig, doch so können wir verhindern, dass weitere Monster in die Stadt dringen.
    Wir müssen gegen die Ursachen kämpfen, nicht gegen die Folgen, deshalb bin ich auch dem Aufklärungstrupp beigetreten.
    „Du willst die Titanen also in den Wäldern abfangen?“ spricht Liam mit ruhiger und bestimmter Stimme.
    Ich nicke zustimmend: „Wir müssen ja nicht gegen sie kämpfen, aber wir können sie mit dieser Taktik von der Stadt fernhalten.“
    Daraufhin scheint Liam in sich zu gehen und sich die Strategie durch den Kopf gehen zu lasen.
    Allerdings ist er wohl der einzige, welcher sich darauf einlassen würde, denn die anderen sehen mich mit entsetzten Gesichtern an.
    Wir vom Aufklärungstrupp sind uns gewohnt ausserhalb der Mauern zu agieren, weshalb wir so einen Vorteil haben.
    Ein Jäger, der seine Beute kennt, kehrt selten mit leeren Händen heim.
    Wenn man weiss, welche Waldpfade die Rehe nehmen, in welchen Pfützen sich die Wildschweine suhlen, wann das Kaninchen aus dem Bau kommt, dann hat man die Beute schon halb erlegt und genau so läuft es mit den Titanen ab.
    „Aber Keira… du warst doch gerade eben noch Ohnmächtig. Dein Körper ist noch zu schwach für solch eine Belastung.“ Sorgenvoll ist Armin neben mich getreten und beäugt mich mit seinen meerblauen Augen.
    Ich senke mein Haupt und blicke bedrückt auf das orange getränkte Hausdach, auf welchem wir uns befinden.
    Womöglich hat der schmächtige Junge Recht.
    „Wie ist das überhaupt passiert?“ will ich wissen und schaue ihn fragend an.
    „Es war ein Unfall… Nac hat mit seinem Anker nicht richtig gezielt, was den Schlag auf deinen Hinterkopf erklärt. Du hattest grosses Glück den der Anker hat deinen Kopf nur gestreift.“ Berichtet Armin mir mit ängstlicher Stimme.
    Wie bitte?
    Das darf doch nicht wahr sein.
    Wegen diesem blöden Fehler wurde ich bewusstlos und meine ganze Gruppe wurde ausgelöscht!
    Ich bin so in meine Gedanken vertieft, als ich die Stimme von Bast beinahe überhört habe: „Bin dabei!“
    Überrascht richte ich meinen Blick auf ihn.
    Er ist der erste der meinem Plan zustimmt.
    Nicht mal mein bester Freund Liam hat sich als erster mir angeschlossen… nein, es ist mein Erzfeind Bast… aber es geht nicht darum ob wir uns leiden können oder nicht… es geht darum die Menschheit zu beschützen, weshalb alles andere keine Rolle spielt.
    „Bist du verrückt!“ äussert sich Emma sogleich, hält ihn an seinem Arm fest und will ihn davon abhalten mich zu unterstützen.
    Genervt verdrehe ich meine Augen ehe sich der nächste uns anschliesst.
    Es ist Liam, der sich dazu bereit erklärt.
    Anders als Bast, denkt Liam erst nach bevor er handelt, deshalb hat er zuerst gezögert.
    Dankbar lächle ich den dunkelhaarigen an.
    „Ich helfe auch!“ kommt es überraschend von einem Rekruten.
    Es ist jener Soldat, welcher zuvor Armin verteidigt hat.
    Auch wenn man in seinen Augen die Furcht erkennt, so schliesst er sich tapfer uns an.
    „Ich ebenfalls.“ Ein weiterer Rekrut meldet sich zu Wort.
    Er hat kurze, hellbraune Haare die an der Seite und hinten noch kürzer sind.
    Ein Funkeln von Mut liegt in seinen bernsteinfarbenen schimmernden Augen.
    Zum Schluss entscheidet sich tatsächlich noch Emma dazu, sich uns anzuschliessen.

    Kräftiger Wind bläst uns in unsere Gesichter und lässt meine Haare sanft zurück wehen.
    Wir befinden uns hoch oben auf den Mauern.
    Mein Herz pocht vor Aufregung, auch den anderen ist ihre Unsicherheit deutlich anzusehen.
    Wir stehen vor einer grossen Aufgabe… aber tun wir das nicht immer?
    Jede Bewegung kann unseren Tod bedeuten.
    Entfernen wir uns von dem Punkt an dem wir begonnen haben, können wir unseres Endes nicht mehr sicher sein.
    War ich mir meines Endes schon mal sicher?
    Keiner von uns weiss wirklich wie sein Ende aussehen wird oder wessen Hand ihn dorthin führen wird…
    Entschlossen nicken wir uns gegenseitig zu, ehe wir mit einem Satz von der Mauer springen.
    Kaum sind wir auf der anderen Seite des Walls, ziehen wir auch schon die Aufmerksamkeit der ersten beiden Titanen auf uns.
    Mit ihren übergrossen Händen, versuchen sie nach uns zu greifen, jedoch sind wir zu schnell und weichen ihnen geschickt aus.
    Wie erhofft folgen sie uns.
    „Es klappt!“ ruft Connie euphorisch, welcher von einem Ast zum anderen schwingt.
    Immer weitere Titanen tauchen hinter den Bäumen auf und nehmen die Verfolgung auf.
    Zu sehen wie sie uns nach laufen ist ein gutes und schlechtes Gefühl zugleich.
    Unsere Strategie geht zwar auf, doch das Risiko für uns wird immer grösser.

    So schnell wie der Wind, flitzen wir immer weiter durch die Wälder.
    Die Sonne senkt sich hinter dem Horizont und das Licht des Tages verblasst.
    Die Wolken sind bereits in einem gelb-orange getränkt und der Himmel verdunkelt sich immer mehr.
    Erschöpft lassen wir uns hoch in den Bäumen nieder.
    Einzelne Schweissperlen sind auf jeder Stirn sichtbar.
    Seit Stunden sind wir damit beschäftigt die Titanen mit Erfolg abzulenken.
    Wir sind mit unseren Kräften am Limit und nicht nur das… unser Gas geht zu neige.
    Verlieren wir unsere Beweglichkeit, haben wir keine Chance mehr gegen die Titanen.
    Wo bleibt Armin bloss?
    Wir haben ihn damit beauftragt dem Versorgungstrupp zu berichten, wo wir uns aufhalten, damit wir schnellst möglichst Nachschub bekommen.
    Viel Zeit ist seither vergangen und noch immer ist keine Hilfe bei uns angekommen.
    Um uns herum scharen sich acht gefrässige Titanen.
    Sie strecken sich zu uns hoch und versuchen uns in ihre Fänge zu bekommen.
    Lange werden wir nicht mehr durchhalten und sollte ein Titan der zehn Meterklasse oder noch grösser aufkreuzen, können wir unseres Ende sicher sein.
    „Wo bleibt der Versorgungstrupp?“ spricht Connie nervös vor sich hin und wirft mir einen fragenden Blick zu.
    Ratlos suche ich die Gegend ein weiteres Mal ab, jedoch ohne Erfolg.
    Sie werden nicht kommen… diesen Gedanke trage ich schon eine ganze Weile mit mir rum.
    Plötzlich erbebt unerwartet die Erde.
    Reflexartig halte ich mich an einem Ast fest.
    Ein Titan der 14 Meterklasse kommt auf uns zu gelaufen.
    Angsterfüllt reissen wir unsere Augen auf und blicken in seine Richtung.
    Mit grossen Schritten nähert er sich uns.
    Schutzlos sind wir ihm ausgeliefert.
    Selbst wenn wir von ihm weglaufen würden, wäre die Möglichkeit gering dies lebend zu überstehen.
    Mein Herz schlägt mir bis zum Hals
    Ich lehne mich niedergeschlagen gegen den rauen Baumstamm und rutsche schliesslich daran herab auf den dicken Ast wo ich sitzen bleibe und auf das Schlimmste warte.
    Das nähernde Rascheln seiner Schritte bereitet mir eine Gänsehaut.
    Das ist das Ende…

    Jeder von uns versucht mit seinem Leben abzuschliessen, als die langersehnte Unterstützung eintrifft.
    Mit einem kräftigen Hieb in den Nacken, fällt der riesige Titan mit einem dumpfen Geräusch auf die Erde.
    Was passiert hier?
    Verwundert schauen wir uns um, als die Spezialeinheit des Aufklärungstrupp, die restlichen Titanen niedermetzelt.
    „Kommandant Erwin!“
    „Hauptgefreiter Levi!“
    Wir sind glücklich und erleichtert über ihre Unterstützung, haben allerdings mit dem Versorgungstrupp gerechnet.
    „Wir sind wohl gerade noch rechtzeitig gekommen.“ Selbstsicher grinst uns Kommandant Erwin an.
    Eines seines äusserst seltenen Lächelns.
    Vorsichtig steigen wir von den Bäumen herunter.
    Mein gesamter Körper zittert und ich kann mich kaum noch auf den Beinen halten.
    Arlert hatte recht behalten… es war wohl eine zu hohe Belastung für meinen angeschlagenen Körper.
    Zuvorkommend greift mir Liam unter die Arme.
    Ich stütze mich an ihm ab und bemerke dabei wie Hauptgefreiter Levi jede meiner Bewegungen beobachtet… jedoch wie immer emotionslos und gleichgültig.
    Elegant steigt Kommandant Erwin von seinem edlen Pferd und kommt auf uns zu.
    Prüfend beäugt er uns: „Wessen Idee war das?“
    Seine Stimme ist ernst und berechnend wie immer.
    Alle verstummen und blicken befangen in meine Richtung.
    Peinlich berührt schaue ich zu Boden und gestehe: „Es war meine Idee.“
    Abrupt richtet der Blonde seine ganze Aufmerksamkeit auf mich und kommt vor mir zum Stehen.
    „Sehr gut gemacht, Soldat Merigold. Auch für die andern spreche ich grossen Dank und Respekt aus. Mit eurer Hilfe ist es gelungen, das durchbrochene Tor wieder zu schliessen. Nur noch vereinzelte Titanen fanden den Weg in die Stadt, welche unsere Soldaten allerdings schnell zur Strecke brachten. Ihr habt der gesamten Stadt mit eurem Handeln einen grossen Dienst erwiesen. Kommt nun… wir bringen euch sicher zurück.“ Stolz betrachtet uns der 13. Kommandant des Aufklärungstrupps.
    Also hat unsere Strategie wirklich Wirkung gezeigt und wir konnten unsere Stadt vor einer Titan-Invasion bewahren.
    Aber wie ist es ihnen gelungen das Tor so schnell zu schliessen?
    Wir verfügen doch nicht mal über diese Technik.

    4
    Ungezähmt https://www.YouTube.com/watch? v=zuvm0zJpVFs Während Kommandant Erwin Smith und seine Leute den Rückweg planen, stehe ich etwas abseits u
    Ungezähmt

    https://www.YouTube.com/watch? v=zuvm0zJpVFs

    Während Kommandant Erwin Smith und seine Leute den Rückweg planen, stehe ich etwas abseits und richte mein trauriger Blick in die weite Ferne.
    Ein Meer aus Gras erstreckt sich vor mir, weiter als man reiten kann.
    Unendlich erstreckt sich der Himmel.
    Das war Erens Traum… die Welt ausserhalb der hohen Mauern.
    Tränen sammeln sich in meinen Augen, wenn ich an das Geschehene zurück denke.
    Es tut mir so leid Eren… mit jeder Sekunde brennen mehr Tränen in meinen Augen, bis es so viele sind, dass ich sie nicht mehr wegblinzeln kann und sie unkontrolliert über meine kalten Wangen kullern.
    „Quäl dich nicht. Kein Soldat stirbt je in seinem Bett.“ Ich habe nicht bemerkt, wie Hauptgefreiter Levi neben mich getreten ist.
    Ich schweige... so hart seine Worte auch klingen mögen… sie entsprechen der bitteren Realität.
    Ich frage mich wie er das macht?
    Er hat sich immer unter Kontrolle und ist immer konzentriert, egal was passiert.
    „Weisst du wie das ist? Geliebte sterben zu sehen… wegen dir, für dich?“ frage ich ihn mit erstickter Stimme.
    Daraufhin verdunkelt sich sein Blick und er hält kurz inne ehe er mir monoton antwortet: „Das ist die Pflicht eines Soldaten… alle wussten worauf sie sich einlassen.“
    Das stimmt nicht so ganz… aber ich widerspreche nicht, denn ich habe nicht die Kraft dazu.
    Die neuen Rekruten wussten bestimmt nicht, worauf sie sich eingelassen haben.
    Ich schluchze und wische die warmen Tränen aus meinem Gesicht.
    War ja klar, dass er mir auf so eine Frage ausweichen würde.
    Wieso bin ich nur so blöd und frage ihn solchen Schwachsinn?
    Mir ist die Situation sichtlich unangenehm, weshalb ich mich an ihm vorbei drängen will, als er mich plötzlich am Arm zurückhält.
    Der Ausdruck in seinen Augen lässt mich mehr frieren als die kälteste Winternacht.
    Mein Blick gleitet irritiert von seinen Sturmgrauen Augen zu seinem festen Griff.
    Wortlos will ich mich von ihm losreissen, jedoch gelingt es mir nicht.
    Schweigend schaut er intensiv in meine Augen, während ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch bin.
    „Es war nicht deine Schuld.“ Spricht er mit sanfter Stimme, was mich nur noch mehr verwirrt.
    Erneut sammeln sich Tränen in meinen Augen, welche ich versuche zurück zu halten.
    In jenem Moment fühle ich etwas… etwas dass ich nicht beschreiben kann und ich glaube Levi ergeht es nicht anders.
    Ich fühle mich zu ihm hingezogen und habe das Gefühl, dass die Luft um uns herum zu knistern beginnt.
    Der Ausdruck auf seinem Gesicht ändert sich.
    Etwas Wildes und Sehnsüchtiges liegt in seinen Augen.
    „Hey Keira sieh mal wer hier ist!“ Wie aus dem Nichts ist Abteilungsführerin Hanji Zoe aufgetaucht.
    Während sie spricht, scheint Levi bewusst zu werden, dass er mich immer noch fest hält.
    Abrupt lässt er mich los und lässt uns ohne ein weiteres Wort zurück.
    Was hatte das eben zu bedeuten?
    Im nächsten Moment, begreife ich wieso die Brünette so übermütig reagiert hat.
    Sie hält ein schwarzes Pferd am Zügel… doch es ist nicht nur ein gewöhnliches schwarzes Pferd.
    Das Schwarz ist glänzend wie Kohle und kein Härchen heller.
    Sie hat einen geraden, schlanken Hals, der dennoch sehr muskulös ist.
    Ihr Kopf ist klein und wohlgeformt mit einer gewölbten Stirn.
    Ihr Widerrist ist hoch und ihr Körperbau wohlproportioniert.
    Ausserdem ist sie eines der schnellsten Pferde und hat mich so schon einige Male vor Schlimmerem bewahrt.
    „Blaze!“ ich bin erstaunt und erfreut zugleich.
    Eigentlich sollte sie in den Ställen bei den anderen Pferden sein, doch weshalb ist sie ausserhalb der Mauern?
    Grinsend klärt mich Hanji auf: „Du solltest dich bei Levi bedanken. Er konnte sie als einziger zähmen, da sie durch den Angriff der Titanen völlig verstört war und sich losgerissen hat.“
    Zögerlich richte ich mein Blick auf den schwarzhaarigen, welcher mich von seinem Ross aus emotionslos betrachtet.
    All das, was ich vorhin in seinen kühlen Augen sehen konnte, ist wie verblasst.
    „Danke.“ Presse ich zwischen meinen Lippen hervor, ehe wir uns endlich auf den Rückweg machen.

    Im Bezirk Trost angekommen, ist nichts mehr so wie es war.
    Viele Häuser und Gebäude wurden zerstört… einige von ihnen brennen immer noch lichterloh.
    Die einst in kräftige Farben, vor allem Gelb- und Orangetöne, aber auch Pastellfarben und glutrote getränkten Dächer sind nun grau oder schwarz, völlig verrusst und zerstört.
    Nichts als Tod und Zerstörung erwarten uns hier.
    Viele Kameraden sind im Kampf gegen die Titanen verletzt worden oder gefallen.
    Alles ist voller Leichen… schwerer Blutgestank liegt in der Luft, verbranntes Fleisch… was die Menschen irre machen kann.

    Die Säuberung des Bezirks hat bereits begonnen.
    Leichen, welche bereits identifiziert wurden, werden weggeschafft um Epidemien zu vermeiden.
    Verwundete Soldaten werden ins überfüllte Lazarett gebracht.
    Befehlshaber Erwin hat befohlen, dass wir vom Aufklärungstrupp uns in unsere Quartiere begeben sollen.
    Deshalb haben wir für Trauer keine Zeit… doch als ich einen völlig stillstehenden Jean entdecke, halte ich an.
    Ich weiss, dass ich den Befehlen unseres Anführers Folgeleisten muss, aber der braunhaarige hat mich bei meinem Plan unterstützt, weshalb ich nicht einfach wegschauen kann.
    Ich übergebe mein Pferd einem Stallburschen und begebe mich vorsichtig neben den braunhaarigen.
    Sein Körper ist steif und bebt zugleich, beim Anblick der vielen Toten und Verletzten um uns herum.
    Behutsam streiche ich sanft über seinen Arm und will ihn von dem Grauen wegführen: „Komm, wir gehen.“
    Meine Stimme ist beherrschend ruhig… auch wenn es mir schwer fällt meine Emotionen zu kontrollieren, denn so gut bin ich darin leider noch nicht.
    „Marco hat hier gekämpft… seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.“ Offenbart er mir mit zittriger Stimme.
    Dieser Marco ist wohl einer der Vermissten uns sein engster Freund.
    Zusammen wollten sie der Militärpolizei beitreten und jetzt ist sein Kamerad verschollen.
    „Wir sollten uns hier umsehen.“ Schlage ich vor und ziehe ihn so aus seiner Schockstarre.
    Dann werde ich mir wohl von Kommandant Erwin etwas anhören müssen… wenn ich nicht sogar extra Runden laufen muss oder Schlimmeres.
    Die Verweigerung eines Befehls, ist in allen Divisionen ein strafbares Vergehen oder sogar ein Verbrechen, das mit schweren Strafen geahndet wird.
    Doch dies ist mir gleichgültig.
    Jean ist ein Kamerad und ich will ihn hierbei nicht im Stich lassen.

    Da die Schlacht gegen die Titanen noch nicht so lange zurückliegt, besteht die Chance Marco noch lebend zu finden.
    Jeans Freund muss hier irgendwo sein… unter zahllosen weiteren.
    Es wird nicht einfach sein ihn ausfindig zu machen, was ich dem braunhaarigen auch mitteile: „Es könnte dauern jeder gefallene Soldat einzeln zu untersuchen.“
    „Ich will ihn finden, auch wenn es nur seine Leiche ist. Ich will nicht dass er zusammen mit diesen widerwärtigen Titanen in der Sonne verwest…“ antwortet er mir mit erhöhter Stimme.
    Ich könnte mich selbst ohrfeigen… warum musste ich wieder so unsensibel sein.
    Wir schweigen beide, als Jean weiter spricht: „Marco hatte auf seinen Klingen, so wie auf seinem 3D-Manöver-Apperat ein Erkennungszeichen… es zeigt sein Familienwappen. Wenn wir also nach Kleeblättern suchen, finden wir ihn bald.“
    Schwer atme ich aus: „Nichts für ungut, aber… viele Soldaten haben ihre Schwerter fallen gelassen. Vor allem auf der Verliererseite.“
    Auch wenn die Suche aussichtslos scheint, so fangen wir an.

    Wir sind nun seit einiger Zeit mit der Suche beschäftigt.
    Leichter Ascheregen prasselt auf die mit Pflaster bedeckten Strassen.
    Kein Vogelgezwitscher ist zu hören, kein heulen eines Hundes, einfach überhaupt nichts.
    Plötzlich hält Jean unerwartet inne.
    Vor ihm liegt ein gefallener Soldat mit halb zerfetztem Gesicht.
    Erneut beginnt der braunhaarige am ganzen Leib zu zittern und sein Gesichtsausdruck versteinert sich auf einmal.
    Ist das jener Rekrut den wir suchen?
    „Kennt ihr zufällig seinen Namen?“ eine Frau aus dem Identifizierungsteam kommt auf uns zu.
    Unschlüssig beäuge ich den braunhaarigen von der Seite.
    Nur Jean kann ihn identifizieren, aber kann er die Kraft für diese schmerzerfüllten Worte aufbringen?
    Um eine noch grössere Katastrophe zu verhindern, müssen die Leichen schnellst möglich identifiziert werden, damit die leblosen Körper verbrannt werden können.
    Unverhofft antwortet Jean der Frau nachdem er sich wieder einigermassen gefasst hat: „Er war Gruppenführer. Von Gruppe 19 des 104. Rekrutentrainingskurs. Marco Bott.“
    Ich bin wie befangen… Jean hat sich zusammen gerissen und ihr den Namen seines besten Freundes genannt.
    Was für eine unglaubliche Kraft er für diese Worte aufbringen musste...
    Eine seelische Wunde, die niemand sieht, braucht viel länger um zu heilen als eine körperliche Verletzung… es dauert Jahre, diesen Schmerz zu verarbeiten… und manchmal heilen diese Verletzungen ein Leben lang nicht.
    Es ist wichtig, den Blick heben zu können und nach vorn zu schauen, um den Schmerz zu überwinden.
    Er soll uns nicht untergehen lassen, sondern uns stärker machen… aber dies ist einfacher gesagt als getan.
    Im Verlaufe unseres Lebens begegnen uns Situationen, in denen wir siegen, und andere, in denen wir verlieren.
    Niemand ist immun gegen das Leid, aber nur Wenige sind in der Lage, so zu handeln, dass ihr seelischer Schmerz zu einer Lektion wird, aus der sie lernen können.

    Erschöpft und benommen von den vergangenen Ereignissen, wandle ich durch die leeren Gänge unseres Quartiers.
    Fackeln beleuchten das wirre Muster zu meinem Zimmer.
    Gerade biege ich um die letzte Ecke, ehe ich unerwartet gegen die kalte Mauer gedrückt werde.
    Zwei unverkennbare, wolkengraue Augen blicken mir entgegen.
    Keine Wärme oder Freundlichkeit liegt in ihnen.
    Sie betrachten mich auf eine Art, die mich fürchten lässt.
    Es ist Hauptgefreiter Levi, welcher mich ohne Grund gegen die Steinmauer drängt.
    Mit seinem Gewicht presst er mir die Luft schmerzhaft aus der Lunge.
    Während er den einen Arm an meine Kehle drückt und mir beinahe die Luft abschnürt, hält er mit der anderen Hand meine beiden Handgelenke über meinem Kopf fest.
    Unwillkürlich beginnt meine Unterlippe zu zittern.
    Mein Herz schlägt mir bis zum Hals.
    Ich habe Ackermann noch nie so boshaft erlebt.
    Seine sonst so gelassene Miene ist wutverzerrt und strahlt wellenförmigen Hass aus.
    Levi beugt sich nah an mein Gesicht heran, seine Lippen sind nur Millimeter von meiner Haut entfernt.
    Sein warmer Atem streift meine Lippen, während er mir ununterbrochen in meine Augen sieht als er mich plötzlich unkontrolliert anbrüllt: „Bist du verrückt geworden solch ein waghalsiges Manöver durchzuführen? Wie konntest du euch in solche Gefahr bringen?“
    Ungeduldig funkeln mich seine Augen bedrohlich an.
    Was ist mit ihm los?
    Und was tut er überhaupt hier?
    Ich sollte ihn nicht länger warten lassen, weshalb ich ihm mit trockner Stimme antworte: „Wir mussten es tun… du hättest an meiner Stelle dasselbe getan.“
    Daraufhin lässt er von mir ab und blickt nachdenklich zu Boden.
    „Es ist gut ausgegangen… aber es hätte auch anders enden können.“ Erwidert er mit einer viel ruhigeren Stimme als zuvor.
    Nein das ist unmöglich… er kann sich um mich keine Sorgen gemacht haben oder etwa doch?
    „Ich weiss. Aber das Loch ist nun verschlossen… das ist das einzige was zählt.“ Gebe ich mit gebrochener Stimme zurück.
    Mit meiner Hand halte ich mir den Hals, welcher leicht schmerzt.
    Betroffen folgt Levi mit seinem Blick meiner Bewegung.
    Ihm leuchtet ein, dass er wohl etwas übertrieben hat.
    Daraufhin senkt er reuevoll sein Haupt und spricht: „Geh dich duschen und ausruhen, bring deine Kleidung in die Reinigung und sieh zu, dass du morgen pünktlich bist.“

    Ich geniesse das warme, herabfliessende Wasser auf meiner nackten Haut, welches meine Muskeln entspannt.
    Ich trockne mich ab, föhne meine Haare und betrachte mich in dem kleinen Spiegel über dem Waschbecken.
    Meine Augen sind von einem warmen Braunton und tiefgründig.
    Sie sind mandelförmig, ausdrucksstark und laden dazu ein in ihnen zu versinken.
    Mein feingeschnittenes Gesicht wird von langen dunkelbraunen Haaren umrandet, die in glatten Strähnen über meine Schultern fallen.
    Meistens trage ich sie offen, es passiert nur selten, zu besonderen Anlässen oder wenn mir mal danach ist, dass ich meine Haare zusammenbinde oder hochstecke.
    Gedankenverloren betrete ich mein Zimmer, nachdem ich mich fertig umgezogen habe um schlafen zu gehen.
    „Ist irgendetwas passiert? Du bist so abwesend.“ Ich schrecke tatsächlich hoch, denn ich war mit den Gedanken ganz wo anders.
    Bin ich etwa so durch den Wind, dass meine Gefühle vom Gesicht ablesbar sind?
    Auch wenn meine Gedanken eigentlich bei meinem Kindheitsfreund Eren sein sollten… so sind sie beim Hauptgefreiten.
    „Levi ist passiert.“ Erkläre ich ihr mit einem Schaudern.
    Belustigend guckt sie mich mit ihren smaragdgrünen Augen an: „Hat er wieder wegen irgendetwas rumgenörgelt?“
    Ich nicke, entschliesse mich jedoch im letzten Moment dazu, ihr nicht mehr darüber zu erzählen.
    Der Hauptgefreite hatte sich in jenem Moment aus unerklärlichen Gründen nicht unter Kontrolle.
    Ausserdem möchte ich kein schlechtes Licht auf ihn werfen.
    Der erste Eindruck den die meisten von Levi haben, ist nicht unbedingt positiv.
    So ist die Aura, welche den schwarzhaarigen umgibt, stets erhaben, kühl, arrogant und emotionslos.
    Seinen Respekt muss man sich verdienen und es gibt nur ein paar Wenige, welche diesen bereits besitzen.
    Sämtliche Andere, sind entweder als minderwertig zu betrachten, oder entgehen seinem Interesse völlig.
    Jedoch glaube ich dass tief in seinem Inneren, ein ganz anderes Wesen schlummert.

    5
    Das Schicksal der 103. Trainingseinheit Pünktlich warte ich am nächsten Tag auf dem Aussenplatz des Hauptquartieres, zusammen mit all jenen aus mein
    Das Schicksal der 103. Trainingseinheit


    Pünktlich warte ich am nächsten Tag auf dem Aussenplatz des Hauptquartieres, zusammen mit all jenen aus meiner Trainingseinheit, welche sich damals ebenfalls für den Aufklärungstrupp entschieden haben.
    Ratlos schaue ich mich um… weshalb wurden wir hierher berufen?
    Mit erhobenem Haupt, steht Kommandant Erwin vor uns, zusammen mit der Haupteinheit des Aufklärungstrupps.
    Zudem haben sich noch einige Schaulustige um uns herum versammelt.
    Mit einem lauten Räuspern beginnt der Kommandant zu sprechen: „Euch ist bestimmt aufgefallen, dass alle Soldaten der 103. Trainingseinheit hier anwesend sind. Dies natürlich nicht ohne Grund… die Verteidigung von Trost liegt erst seit ein paar Stunden zurück und dennoch werdet ihr erneut mit den Titanen konfrontieren.“
    Ein Raunen geht durch die Menge.
    Emotionslose sowie entsetzte Gesichter sind zu erkennen.
    Was hat Erwin Smith vor?
    Hilfesuchend schaue ich zum Hauptgefreiten.
    Als sich unsere Blicke treffen, wendet er sich unerwartet ab und verlässt das Gelände.
    „Es wird fünf Gruppen geben. Jede Gruppe wird ein anderes Ziel bekommen. An diesem Ort müsst ihr etwas Bestimmtes mitbringen… was das ist, werdet ihr dort erfahren. Da sich die Zielorte alle ausserhalb der sicheren Mauern befinden, müsst ihr wachsam sein. Alles weiter erfahrt ihr, wenn ihr zurück seid und bestanden habt.“ Nachdem er diese Worte ausgesprochen hat, werden wir über unseren Zielort informiert.
    Die folgende Stille drückt auf unsere Gemüter.
    Irritiert blicke ich zu meiner Freundin Olara, welche ebenfalls keinen Schimmer hat, was hier abläuft.
    Seit dem Auftauchen des Kolossalentitans, scheinen nicht nur die Bewohner angespannt zu sein, sondern auch viele Oberhäupter.
    Aber wir dürfen den Befehl nicht verweigern, weshalb wir uns bereit machen.

    Unruhig sitze ich auf meiner schwarzen Stute und tätschle ihren Hals.
    Blaze stapft aufgeregt mit ihren Vorderhufen und wiehert vor sich hin.
    Ich bin weder mit Olara noch mit Liam in einer Gruppe, was mich etwas nervös macht.
    Liam und ich sind ein eingespieltes Team… warum also sollte man uns bei dieser Aufgabe trennen?
    Es ist alles still, bis plötzlich Kommandant Erwins Stimme ertönt:,,Öffnet die Tore!“
    Da wir nicht wie gewohnt durch das Tor von Trost können, müssen wir zum ersten Mal durch das Tor von Karanese.
    Auf den Befehl hin beginnt das schwere Tor sich zu bewegen.
    Langsam kriecht das Licht unter dem Stein hervor und mir wird bewusst dass es jeden Augenblick losgeht.
    Ich mache mich bereit und wünsche mir selbst erst mal eine grosse Portion Glück, danach sind Liam und Olara dran.
    Ein mulmiges Gefühl macht sich in mir breit, wie jedes Mal wenn sie die Tore öffnen und wir in das Unbekannte reiten.
    Ich erinnere mich noch gut an meine erste Expedition… mein ganzer Körper hat vor Aufregung gebebt und mir war zum Weinen zumute.
    Heute ist dies anders… ich habe mich zwar noch nicht daran gewöhnt aber ich reite mit dem Gedanken heute nicht zu sterben.
    „Keira!“ aus dem Augenwinkel erspähe ich Armin und Mikasa mitten in der Menschenmenge.
    Die beiden schauen mich mit einem bestürzten Gesichtsausdruck an.
    Jedoch habe ich keine Zeit mich von ihnen zu verabschieden, denn es geht bereits los.
    Mit einem Druck, welchen ich durch meine Schenkel ausübe, beginnt Blaze in den Trab überzugehen und anschliessend in den Galopp.

    Kaum sind wir unter dem grossen Tor hindurch, erstreckt sich ein wolkenbedeckter Himmel vor uns.
    Ich hebe meinen Kopf, als ich bereits den ersten Regentropfen auf meiner Stirn spüre.
    Genervt ziehe ich die Kapuze meines dunkelgrünen Umhangs über.
    Nach einer kurzen Strecke, trennen sich die verschiedenen Gruppen in unterschiedliche Richtungen.
    Der Regen wird stärker.
    Regentropfen pirschen mir ins Gesicht, laufen meinen Wangen runter und hinterlassen nichts als Kälte und Nässe.
    Meine Haare fallen im wirren Durcheinander über meine Schultern, sind feucht und völlig zerzaust.
    Wir sind noch nicht lange unterwegs als plötzlich jemand:,, Titan!“, ruft.
    Abrupt reisse ich meinen Kopf zur Seite und entdecke etwa dreissig Meter von meinem Flügel entfernt einer von ihnen auf uns zu stürmen.
    Wir befinden uns immer noch in der Mauer Maria, weshalb unsere Verteidigungsmöglichkeiten noch besser sind.
    Ausserdem müssen wir auf keine Erlaubnis für einen Angriff warten, was uns mehr Spielraum gibt.
    Ich überlege nicht lange und handle schnell: „Ich übernehme ihn.“
    Die Zügel von Blaze übergebe ich jenem Soldat, der neben mir reitet.
    Dann fixiere ich einen günstigen Punkt an und feure den Anker los.
    Elegant gleite ich durch die Luft, mache eine kleine Umdrehung um den Titanen, ehe ich ihn mit einem gezielten Schnitt beseitige.
    Der riesige, leblose Körper des Titans knallt zu Boden.
    Langsam und immer schön im Gleichgewicht lande ich direkt neben meiner Gruppe, welche auf mich gewartet hat.
    „Klasse gemacht Keira!“ loben sie mich sogleich, während ich auf meine Stute steige.
    Wir setzen unseren Weg fort.
    Bis Sonnenuntergang müssen wir mit der Mission zu Ende sein, ansonsten gilt die Prüfung als nicht bestanden und wir haben uns umsonst einem hohen Risiko ausgesetzt.
    Jedoch frage ich mich immer noch was das eigentlich soll?
    Es kam so plötzlich und unangekündigt, was noch nie der Fall war
    Immerhin haben wir schon vor einem Jahr bestanden… sind lebend von gefährlichen Expeditionen zurückgekommen und jetzt schicken sie uns ohne erklärlichen Grund auf eine waghalsige Mission und prüfen unser Können?

    Wir beschleunigen noch ein letztes Mal das Tempo, ehe wir vor einem Höhleneingang zum Stehen kommen.
    „Wir sollen hier rein?“ quickt ein schwarzhaariges Mädchen aus meiner Gruppe, welche am ganzen Leib zittert.
    Auch den anderen ist dies alles andere als geheuer.
    „Ich bleibe hier und bewache die Pferde.“ Kommt es von einem anderen, der sich ebenfalls von dem Betreten der Höhle drücken will.
    Ich verdrehe genervt die Augen: „Wir sind hier um einen Auftrag auszuführen, also reisst euch gefälligst zusammen!“
    Natürlich bin ich auch nicht begeistert in diese dunkle, kalte Höhle zu gehen.
    Es wird nicht gerade ein Spaziergang, aber es ist ein Befehl, den wir befolgen müssen.
    „Kein Grund zum Trödeln. Lasst uns gehen!“ motiviert Teb seine Kameraden.
    Er ist der einzige aus dem Team den ich beim Namen kenne.
    Widerwillig betreten schlussendlich alle die Höhle.
    Viele Gedanken gehen durch meinen Kopf.
    So eine Expedition braucht normalerweise einen richtigen Anführer wie Kommandant Erwin, weshalb lassen sie uns also alleine losziehen?
    Wir sind noch alle eher jung und unerfahren was eine Führungsposition betrifft.
    Die meisten von uns gehen mit dem Kopf durch die Wand… so wie ich was dazu geführt hat, dass ich mein gesamtes Team ins Verderben geführt habe.

    Mit leisen Schritten begeben wir uns immer weiter und weiter in die dunkle Höhle, bis wir vor einem schlafenden Titan zum Stehen kommen.
    Gehört der etwa zur Prüfung?
    Ich durchsuche mit meinen Augen die Höhle, kann jedoch nichts ausfindig machen, was wir von hier als Beweis mitbringen sollen.
    „Verschwinden wir von hier.“ Das schwarzhaarige Mädchen zieht mich ängstlich an meinem Ärmel zurück.
    Ich seufze, sie hat Recht, wir werden hier nichts finden.
    „Ja, aber erst wenn er tot ist.“ Mit diesen Worten stürmt einer aus meiner Gruppe, ehe ich es verhindern kann, furchtlos und ohne Vorwarnung auf den Titanen zu.
    Mit seinen lauten Schritten, weckt er den Titanen vor ihm auf.
    Als dieser sich erhebt, müssen wir mit schrecken feststellen, dass es ein Abnormer ist.
    Er reisst sein riesiges Maul auf, drückt sich mit seinen Beinen an der Felswand ab und springt direkt auf unseren Kameraden zu.
    Der braunhaarige hat keine Chance mehr um auszuweichen und landet direkt in seinem Maul.
    Meine Augen weiten sich, während unser Gefährte in zwei geteilt wird.
    Das warme Blut fliesst aus dem Mund des Titanen und tropft auf den Boden.
    Ich bin erstarrt und unfähig mich zu bewegen… wir haben überhaupt keine Option um den 3D-Manöver-Apperat anzuwenden.
    Wie wollen wir diesen Titan der sieben Meterklasse ohne unsere Ausrüstung besiegen?
    Plötzlich visiert uns das gefrässige Monster an und springt auf uns zu.
    Er fuchtelt mit seinen grossen Händen wild umher und ehe ich mich versehe, werde ich voller Wucht gegen die Höhlenwand geschleudert.
    Hart pralle ich auf und falle auf den kalten Boden.
    Einen kurzen Moment dreht sich alles um mich herum und wirkt verschwommen.
    Ich vernehme nur noch die Umrisse meiner Kameraden… drei versuchen gegen den Titanen anzukommen, während sich ein anderer aus dem Staub macht.
    Ich muss ihnen helfen!
    Benebelt stehe ich langsam wieder auf und suche einen Ausweg.
    Wir haben keine andere Wahl als ihn vom Boden aus anzugreifen.
    Wenn wir an seine Achillessehne kommen, können wir ihn so zum Fallen bringen und dann ausschalten.
    Mit festem Griff umklammere ich meine Klingen.
    Mein Herz pocht in einem schnellen Rhythmus und Adrenalin strömt durch meinen bebenden Körper.
    Mit lauter Stimme rufe ich: „Wir müssen seine Achillessehnen treffen!“
    Somit habe ich die Aufmerksamkeit von allen auf mich gelenkt.
    Der groteskhässliche Titan stürmt nun auf mich zu.
    Die beiden übrigen aus der Gruppe starten zum Angriff, während die schwarzhaarige ebenfalls aus der Höhle flieht.
    Mit einem kräftigen Hieb gelingt es Teb den wunden Punkt zutreffen, aber der Feind fällt nicht.
    Stattdessen dreht er sich um und bekommt den Jungen neben Teb zu fassen.
    Keinen Augenaufschlag später verschlingt er ihn vor unseren Augen.
    Ich presse meine Augen zusammen um die schrecklichen Bilder zu verdrängen.
    Das darf nicht sein!
    Erneut muss ich mit ansehen, wie meine Kameraden sterben, ehe ich erneut gegen die Felswand geschleudert werde.
    Doch diesmal bin ich zu langsam um wieder aufzustehen.
    Mit seiner Hand, drückt mich der Titan gewaltsam auf den Boden.
    Mit weit aufgerissenen Augen, sehe ich meinem Ende entgegen, als plötzlich Teb unerschrocken auf seinen Rücken klettert und ihm einen kräftigen Schlag in den Nacken verpasst.
    Im selben Zug befreit er mich aus den Fängen und setzt mich behutsam auf dem Boden ab.
    Dabei fällt mir auf, dass er sich mit einer blutverschmierten Hand den Arm hält.
    Er atmet schwer und scheint verletzt zu sein.
    Instinktiv ziehe ich meine Lederjacke aus und binde sie fest um seinen offensichtlich gebrochenen Arm.
    „Scheisse!“ stöhnt er mit schmerzverzerrtem Gesicht, worauf ich ihm sage er soll seinen Mund halten um nicht noch mehr Energie zu verschwenden.
    Jedoch scheint nicht nur sein Arm gebrochen zu sein.
    Seine Rippen schmerzen höllisch und er kann kaum einen Fuss vor den anderen setzen.
    Nachdem ich ihn notfallmässig versorgt habe, schaue ich mich in der Höhle um.
    „Sieh mal dort unter diesem Stein nach.“ Mit seiner gesunden Hand deutet der schwarzhaarige in eine Richtung.
    Ich komme seinem Hinweis nach, hebe den Stein auf und entdecke ein feuchtes Pergament auf dem etwas geschrieben steht: „Glückwunsch. Ihr habt die Prüfung erfolgreich bestanden. Wenn ihr zurückseid, erklären wir euch alles weitere.“
    Wutentbrannt zerknülle ich das Papier und verstaue es in meiner Tasche.
    Ist das ihr ernst?
    Wegen diesem verfluchten Pergament mussten unsere Kameraden sterben?
    Was haben sie mit uns vor?
    „Was ist das?“ will der verwundete Soldat wissen.
    Ich winke ab, denn ich will nicht dass er sich unnötig aufregt und seine Gesundheit noch mehr gefährdet.
    „Stütz dich an meiner Schulter ab. Ich bringe uns hier raus.“ Mit schmerzendem Gesichtsausdruck legt er seinen intakten Arm auf meine Schulter und wir setzten unseren Pfad fort.

    https://www.YouTube.com/watch? v=pGDb__Js6pg

    Es gelingt uns die Höhle ohne weiteren Schaden zu verlassen.
    Draussen angekommen, ist von den anderen keine Spur in Sicht.
    Elende Feiglinge.
    Wahrscheinlich sind sie bereits ohne uns zurückgeritten.
    Verwundet und angeschlagen haben sie uns rücksichtslos zurückgelassen.
    Ich helfe dem schwarzhaarigen auf sein Pferd, ehe ich selbst auf Blaze steige und wir uns auf den Rückweg machen.
    Wachsam durchsuche ich die Gegend ab und fixiere mich auf das kleineste Geräusch.
    Ich will nicht dass wir noch überraschenden Besuch bekommen.

    Nach einem langen Ritt, können wir endlich die Mauern sehen.
    Der Regen hat nachgelassen und die sturmgrauen Wolken beginnen sich aufzulösen.
    Auf unserem gesamten Rückweg ist uns lediglich ein Titan in die Quere gekommen, welchen ich allerdings einfach und schnell besiegen konnte.
    Wir werden bereits erwartet.
    Zuvorkommend helfe ich meinem verwundeten Kameraden von seinem Pferd.
    Mit langsamen Schritten begeben wir uns zum Kommandanten.
    Tonlos und mit zornigem Blick übergebe ich ihm das zerknitterte Pergament.
    „Ihr habt beide bestanden.“ Spricht er mit ruhiger Stimme.
    Der schwarzhaarige neben mir lächelt gequält ehe, er von zwei anderen Soldaten ins Lazarett gebracht wird.
    „Keira!“ die Stimme von Liam dringt in meine Ohren.
    Ich drehe mich in seine Richtung, ehe er mich erleichtert in seine Arme schliesst.
    „Ich bin so froh, dass dir nichts passiert ist!“ haucht er mit müder Stimme und drückt mich fest an sich.
    Sein Hemd ist durchnässt und völlig blutverschmiert und sein Körper ist glühend heiss.
    „Nur wir beide aus unserer Gruppe haben es geschafft.“ Offenbare ich ihm und löse mich aus seiner Umarmung.
    Wut kocht in mir auf.
    Zornig balle ich meine Fäuste, während ich Kommandant Erwin im Blickfeld habe, welcher mir den Rücken zugedreht hat.
    Ich bin stocksauer auf ihn und kann meine Gefühle nicht zurückhalten.
    Mit grossen Schritten stapfe ich auf den Blonden zu, der mich schon kommen hört.
    Er dreht sich ruckartig um und fängt geschickt meine Faust mit seiner Hand ab.
    Purer Hass blitzt in meinen Augen auf.
    Reflexartig hole ich mit meiner anderen Hand zum Schlag aus, als mich plötzlich jemand von hinten festhält.
    Zwei starke Arme, ziehen mich von Smith weg, welcher mich monoton betrachtet.
    „Was zum Teufel sollte die Prüfung!“ schreie ich mein Gegenüber an und halte mich mit meinen Worten nicht mehr zurück.
    Zu welchem Zweck mussten wir eine solche Tortur durchstehen?
    Obwohl ich fuchsteufelswild bin und dem Kommandanten am liebsten eine reinhauen würde, sammeln sich Tränen in meinen Augen.
    „Bring sie an einen sicheren Ort Levi.“ Befiehlt der Blonde, ehe er sich zurückzieht.
    Wutentbrannt schaue ich ihm nach und versuche mich aus dem Griff zu befreien.
    „Komm jetzt!“ vernehme ich Levis Stimme hinter mir.
    Er ist es also der mich zurück hält.
    „Lass mich los!“ knurre ich und winde mich hin und her… doch Ackermann ist stärker als er aussieht.
    Ich sammle all meine Kräfte und schliesslich gelingt es mir mich mit einem Arm zu befreien.
    Jetzt muss ich nur noch meine andere Hand befreien, aber dies lässt der Hauptgefreite nicht zu.
    Mit viel Schwung presst er mich gegen eine nahegelegene Hausfassade und mustert mich durchdringend.
    „Hast du sie nicht mehr alle?“ kreische ich ihn an und kann mich vor Wut kaum noch halten.
    Dass sich Kommandant Erwin ohne jegliche Rechenschafft zurückzieht und aus meinem Blickfeld verschwindet macht mich nur noch rasender.
    „Keira, das ist eine der Situationen, in der du wahnsinnig angefressen bist, dich aber lieber zügeln und auf mich hören solltest! Lass uns gehen.“ Beruhigend und dennoch berechnend redet er auf mich ein.
    Erwin hätte meine Faust verdient.
    Wie kann er uns unnötig opfern?
    Es war nicht mal eine Expedition und es hat nicht mal etwas für die Menschheit gebracht.
    Wieso?
    Wieso mussten wir eine solche hirnrissige Prüfung machen?

    6
    Jetzt oder nie https://www.YouTube.com/watch? v=SGA7oTu_A9k Langsam schlage ich meine Augen auf. Ich befinde mich in einem dunklen Raum, welcher ledig
    Jetzt oder nie

    https://www.YouTube.com/watch? v=SGA7oTu_A9k

    Langsam schlage ich meine Augen auf.
    Ich befinde mich in einem dunklen Raum, welcher lediglich durch Fackeln an den Steinwänden beleuchtet wird.
    Es ist feucht und kalt.
    Verwirrt möchte ich mich auf richten und das ungemütliche Bett verlassen, als mich etwas grob daran hindert.
    Widerstandsfähige Ketten umgeben meine Handgelenke.
    Wo bin ich?
    Mit wachsamen Augen durchsuche ich den kleinen Raum und bemerke Kommandant Erwin und Hauptgefreiter Levi in einer Ecke.
    Während es sich der Blonde auf einem Stuhl gemütlich gemacht hat und mich mit undefinierbaren Blicken beobachtet, lehnt sich der schwarzhaarige lässig und mit verschränkten Armen gegen die Wand.
    Jetzt wird mir bewusst, dass ich mich in einer Zelle befinde.
    Ich fühle mich unbehaglich und werde deshalb etwas aufbrausend: „Was sollen die Fesseln?“
    „Du hast mich angegriffen, deshalb… aber keine Sorge du bist in einem Verlies von uns und nicht in einem der Militärpolizei.“ Antwortet mir Smith mit gelassener und nachdenklicher Stimme.
    Mit grimmigem Blick beäuge ich ihn.
    Warum habe ich ihn wohl angegriffen?
    Seine hellblauen Augen gleiten durch den kahlen Raum: „Hier hast du viel Zeit über dein Leben und deine Entscheidungen nachzudenken.“
    Jedoch beharre ich weiterhin auf eine Antwort: „Warum mussten wir eine solch hirnrissige Prüfung ablegen?“
    Verärgert seufzt Kommandant Erwin tief aus, denn er weiss, dass ich nicht locker lassen werde: „Na schön… diese Prüfung diente auf der einen Seite dazu euer Können zu testen, denn wir brauchen die Besten. Auf der anderen Seite wissen wir nun, wem von dieser Trainingseinheit wir vertrauen können. Jene die bestanden haben und die wir gezielt ausgesucht haben, werden in ein spezielles Team eingeteilt, welches sich hauptsächlich um die Sicherheit von Eren Jäger kümmern wird und direkt mir unterstellt ist.“
    Verwirrt schaue ich meinen Anführer an.
    Was redet er für ein Stuss?
    Eren ist tot!
    Ich lasse bedrückt meinen Kopf senken und erwidere mit brüchiger Stimme: „Eren ist tot…“
    Eine verworrene, längst vergessene Erinnerung spielt sich in meinem Kopf ab, in der mein Kindheitsfreund auftaucht.
    Wieso ist der Tod immer so traurig und schrecklich?
    Erneut vernehme ich das schwere Ausatmen des Kommandanten: „Bringt ihn herein.“
    Schlagartig hebe ich meinen Kopf und blicke mit grossen Augen in Richtung Zellentür.
    Was hat er eben gesagt?
    Zwar habe ich Eren nicht sterben sehen, doch Armins verstörtes und trauriges Verhalten war für mich Beweis genug, dass Jäger nicht mehr am leben ist.
    Langsam nähern sich drei verschieden grosse Schatten dem Verlies.
    Mit jedem Stück in dem sie näher kommen, beginnt mein Herz schneller zu schlagen.
    Das Klackern ihrer Schritte hallt durch die leeren Gänge und gibt mir zu verstehen, dass sie bald vor mir auftauchen werden.
    Scharf ziehe ich die Luft ein, denn mittlerweile ist es totenstill geworden.
    Schlüsseln klirren und im nächsten Moment steht er tatsächlich in voller Lebensgrösse und aus Fleisch und Blut vor mir.
    Geschockt weiten sich meine Augen.
    „Eren!“ rufe ich fassungslos und werde wieder daran erinnert, dass ich gefesselt bin.
    Zu gerne würde ich ihn in meine Arme schliessen und ihn fest an mich drücken.
    Ein wohlwollendes Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus: „Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen.“
    Ich traue meinen eigenen Sinnen nicht: „Ein Geist würde mich nicht halb so sehr verblüffen… glaub mir. Wie ist das nur möglich?“
    Ab hier ergreift Kommandant Erwin wieder das Wort und klärt mich über alles Weitere auf, während ich Eren unentwegt anstarre.

    Der Himmel hat beschlossen heute um alle gefallenen Soldaten der 103. Trainingseinheit zu weinen.
    Dicke Tropfen prasseln auf den Pflastersteinboden der Strassen.
    Bereits am Morgen hat der Regen begonnen und er wird wahrscheinlich den ganzen Tag nicht nachlassen.
    Nachdenklich und schweigend studiere ich die Namen auf dem Denkmal welches für meine verstorbenen Kameraden angefertigt wurde.
    Blumensträusse, Kränze und Kerzen wurden an das Denkmal gelegt.
    Männer, Frauen und Kinder… viele haben sich hier versammelt.
    Es sind ihre Töchter, Söhne, Geschwister, Enkeln, Freunde, Kammeraden und Geliebte… welche bei dieser Operation ihr Leben liessen.
    Die Menschen um mich herum schluchzen und weinen, bittere Tränen der Trauer und des Schmerzes.
    Es fühlt sich so an, als würde der Tod selbst neben dem Denkmal stehen.
    Ein schwarzer Umhang mit einer Kapuze, die tief in sein Gesicht gezogen ist.
    Skelettierte Hände, die eine uralte Sense halten mit Einkerbungen, wo der Rost nagte.
    Einen schwarzen Raben auf der Schulter, der unheilverkündend krächzt.
    Mit traurigem Gesichtsausdruck, lege ich einen Strauss mit weissen Rosen neben das Monument, als mir Olaras ins Auge fällt.
    Mir stockt augenblicklich der Atem und alles in mir zieht sich schmerzhaft zusammen.
    Stumme Tränen laufen unkontrolliert über meine Wangen.
    „Keira?“ ruft jemand meinen Namen.
    Abrupt drehe ich mich in diese Richtung und erkenne Olaras Familie und Angehörige… doch ich kann ihnen nicht mal in die Augen sehen.
    Ohne nachzudenken, renne ich weinend vom Platz.
    Ich brauche jetzt einen Ort, wo ich alleine sein kann um das Geschehene zu verarbeiten.

    Mit einer Flasche schlechten Fusels, sitze ich da, schaue in die Ferne und versuche meinen Kummer zu ertränken.
    Es gibt eben Sorgen, bei denen hilft einfach keine andere Medizin.
    Die kalte Luft der Nacht verfängt sich in meinem Haar und meiner Kleidung.
    Obwohl ich meine Uniformjacke trage, fröstele ich leicht, da ich bereits seit Stunden hier draussen bin und völlig durchnässt bin.
    Ich muss einen ziemlich erbärmlichen Anblick bieten, weswegen ich froh bin, dass sich niemand anderes hierher verlaufen hat, denn eigentlich ist dieser Bereich von der Stadtregierung abgesperrt worden… doch der Ausblick in die Ferne und auf den zugeschneiten Bergpass ist einfach atemberaubend… sofern es noch hell wäre.
    Völlig in Gedanken versunken, habe ich meinen Blick in die weite Ferne gerichtet.
    Die Kälte ist mir bereits schon in die Knochen gezogen weshalb ich leicht mit den Zähnen klappere.
    Ich versuche es zu ignorieren, denn ich habe keine Lust jetzt schon ins Hauptquartier zu gehen.
    Zögernd genehmige ich mir einen weiteren Schluck des billigen Branntweines, in der Hoffnung, es würde mich zumindest etwas aufwärmen.
    Unerwartet vernehme ich hinter mir Schritte, welche den Waldboden zum Knirschen bringen.
    Ich drehe mich zu dem Störenfried um… es ist Hauptgefreiter Levi.
    „Hier bist du“ stellt er fest und setzt sich zu mir unter den Baum, welcher mir etwas Schutz vor dem Regen gibt.
    Mit missbilligendem Blick beäugt er die halbleere Flasche in meiner Hand.
    „Wieso bist du hier?“ frage ich mit bissigem Unterton und betrachte ihn von der Seite.
    „Ich habe dich gesucht“ antwortet er mir neutral.
    Ich schnaube: „Das ist mir klar. Was mir aber nicht klar ist, ist warum du mich gesucht hast.“
    „Ich musste in letzter Zeit über dich nachdenken.“ Offenbart er mir schleierhaft.
    Überrascht ziehe ich eine Augenbraue hoch und beobachte den schwarzhaarigen neben mir, welcher völlig entspannt gegen den Baum gelehnt dasitzt und sich die inzwischen sanften Regentropfen ins Gesicht und Haar fallen lässt.
    „Und was denkst du so?“ möchte ich wissen und versuche meine Stimme möglichst gewöhnlich klingen zu lassen.
    „Du bist anders als ich dachte.“ Enthüllt er mir, öffnet seine Augen und das leuchtende Grau beleidigt jeden noch so hellen Stern am Himmel.
    Irritiert sehe ich ihn an und möchte etwas darauf erwidern, doch plötzlich erhebt sich der schwarzhaarige.
    Ist wahrscheinlich besser so… denn in meinem angetrunkenen Zustand, würde ich wohl kein normaler Satz über meine Lippen bringen.
    Hilfsbereit reicht er mir seine Hand: „Komm, du hast schon ganz blaue Lippen.“
    Dankbar nehme ich sie an und lasse mich von ihm hochziehen, wobei mir leicht schwindlig wird.
    Das war wohl ein Tropfen zu viel Alkohol.
    Den ganzen Weg zurück berühren sich sanft unsere Finger, es ist kein Händchen halten, aber es ist Körperkontakt.
    Allem Anschein nach befürchtet der Kommandant, dass ich mein Gleichgewicht verlieren könnte, da ich immer noch ziemlich angeheitert bin.
    Immer wieder spüre ich seine wachsamen Blicke auf mir ruhen.
    Seit mir der Hauptgefreite damals mit meinem verstauchten Knöchel geholfen hat, fühle ich mich stärker von ihm angezogen.
    Auch wenn er sich eher kühl und distanziert gibt und uns Soldaten hin und wieder grob zurechtweist, fühle ich keine Abneigung oder Hass gegen ihn.
    Selbst als er mich vor meiner Dummheit bewahrt hat und mich von Kommandant Erwin zurückgezogen hat.
    Genau wie sein Geruch, sein Aussehen und seine Stimme, lässt die zarte Berührung mit unseren Fingern meine Emotionen Achterbahn fahren.
    Was ist nur los mit mir?
    Natürlich ist mir bewusst, dass ich zu viel von diesem schlechten Zeugs getrunken habe, aber dass ich solche extremen Gefühle wahrnehme hätte ich nie für möglich gehalten.
    Mein Verstand und meine Sinne sind völlig benebelt, während sich vor uns das Hauptquartier erstreckt.
    Unerwartet setzen meine Gehirnfunktionen komplett aus und ich bleibe abrupt stehen.
    Durch unsere, sich leicht festhaltenden Finger, registriert Levi dies sofort und bleibt ebenfalls wie angewurzelt stehen.
    Meine Alarmsignale läuten, welche ich jedoch entschlossen missachte.
    Seine Worte von vorhin, haben mich völlig durcheinander gebracht und ich muss es jetzt unbedingt wissen.
    Jetzt oder nie… auch wenn ich ihm danach nie mehr in die Augen sehen kann.
    „Ich möchte etwas versuchen.“ flüstere ich und fühle die Hitze welche mir zu Kopf steigt.
    Fragend beäugt mich Levi.
    Vorsichtig stelle ich mich auf die Zehenspitzen und hauche ihm einen federleichten Kuss auf seine Lippen.
    Er zuckt zurück und meine Lippen prickeln von der zärtlichen Berührung.
    „Tut mir leid, ich…“ aber ich kann den Satz nicht beenden… ich weiss nicht einmal was ich sagen soll.
    Der Hauptgefreite schüttelt bloss sein Haupt: „Ist ja nichts weiter passiert.“
    Verzweifelt versuche ich die Situation zu retten: „Vergiss das einfach wieder… ich habe lediglich zu viel getrunken.“
    Auch wenn dies nicht der Wahrheit entspricht, schiebe ich mein Verhalten auf den Alkohol.
    Ackermann muss von meinen wahren Gefühlen, welche ich für ihn hege nichts wissen.
    Zweifelnd beäugt mich der schwarzhaarige, als sich unerwartet Tränen in meinen Augen sammeln.
    Schnell wische ich sie mit einer raschen Bewegung aus meinen Augen, während Levi mich intensiv und ernst mit seinen sturmgrauen Augen mustert.
    Warum war der Drang den Hauptgefreiten zu küssen in jenem Moment so unbeschreiblich stark?
    Wollte ich dies schon vorher und habe den Wunsch einfach verdrängt?
    Levi kommt einen Schritt auf mich zu, geht allerdingst schlagartig wieder zwei zurück.
    Als würde ein grösserer räumlicher Abstand ihm Klarheit verschaffen.
    Seine Augen betrachten mich als wäre ich ein wildes, exotisches Tier.
    „Hör auf mich so anzusehen.“ knurre ich ihn an.
    „Weil sonst was passiert?“ kontert er sogleich und starrt mich mit ernstem Gesichtsausdruck an.
    Benebelt schüttle ich mein Haupt: „Ich weiss es nicht. Ich kann nicht klar denken.“
    Lässt eine Frau einen Mann wissen, dass sie sich in ihn verliebt hat, wird es ihr nicht helfen, sondern übergibt dem Mann somit alle Macht über sie.
    „Wieso wolltest du mich küssen?“ will er unerbittlich wissen.
    „Ich weiss es nicht! Kannst du bitte einfach gehen Hauptgefreiter?“ kreische ich ihn an und führe einen innerlichen Kampf mit meinen Gefühlen.
    „Was glaubst du wird passieren, wenn ich nicht gehe?“ kontert er geschickt und kommt zögerlich auf mich zu, als wüsste er selbst nicht, ob er die Idee gut findet.
    „Ich glaube, ich habe mehr Angst vor dem was nicht passieren würde“ flüstere ich kaum hörbar und mein Herzschlag beschleunigt sich.
    Was hat Levi vor?
    Ich weiche nicht vor ihm zurück, sondern warte bis er so dicht vor mir steht, dass ich seinen warmen Atem auf meinem nassen Gesicht spüren kann.
    Er kann mich unmöglich küssen wollen… schiesst es mir durch den Kopf, als urplötzlich ein Soldat aufkreuzt.
    Wie erschreckte Rehe, fahren wir ruckartig auseinander.
    „Hauptgefreiter Levi. Soldat Merigold. Wir haben schon überall nach euch gesucht.“ Äussert sich der Soldat schnaufend.
    Genervt verdreht der schwarzhaarige seine Augen und setzt einen gelangweilten Blick auf: „Was gibt es denn so dringendes?“
    „Kommandant Erwin wünscht jene Soldaten der 103. Trainingseinheit in seinem Büro zusehen.“ antwortet der Soldat und schwirrt mit seinem Blick zwischen Levi und mir hin und her, als wäre ihm bewusst, dass er zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekommen ist.
    „Ich werde mich gleich auf den Weg zu ihm machen.“ Wispere ich mit trauriger Stimme.
    Was wäre geschehen, wenn uns keiner in die Quere gekommen wäre?
    Der Hauptgefreite lässt mich ohne weiteres ziehen… wahrscheinlich um keine Aufmerksamkeit zu erregen.

article
1491768071
Attack on Titan – Verliebt in einen Kommandanten
Attack on Titan – Verliebt in einen Kommandanten
Wir sind die Soldaten des Aufklärungstrupps. Wir wollen der Menschheit die Freiheit schenken… und sie erlösen von der Grausamkeit und der Willkür der Titanen. Diese Worte klingen toll und heldenhaft, doch als Neuling beim Aufklärungstrupp zu sein, ...
http://www.testedich.de/quiz47/quiz/1491768071/Attack-on-Titan-Verliebt-in-einen-Kommandanten
http://www.testedich.de/quiz47/picture/pic_1491768071_1.jpg
2017-04-09
407LR
Attack on Titan

Kommentare (12)

autorenew

jacqueline (16066)
vor 55 Tagen
kannst du die geschichte weiter schreiben die ist echt so süß
Tomo (26841)
vor 74 Tagen
Bitte schreib weiter es machtut so viel Spaß diese Geschichte zu lesen :3
I- chan (81305)
vor 77 Tagen
Bitteeeeee, schreib weiter! Die Geschichte ist sooooo schön!
.Yuuka.chan. ( von: .Yuuka.chan.)
vor 82 Tagen
Wann schreibst du weiter ? Finden die Story wirklich süß
Melina (76539)
vor 82 Tagen
Tut mir leid hab mich verschrieben meinte nicht=noch*
Melina (76539)
vor 82 Tagen
Wirst du nicht weitere Kapitel schreiben👍Bitte bitte schiebt weiter ich hab mich so sehr in dieinem Story verliebt😍ich finde es ist eine sehr süße Geschichte und bittttteeeeee schreibt weiter😍😣😣
dragon girl (36500)
vor 93 Tagen
Hey
Deine Story ist echt gut
Freu mich schon aufs nächste Kapitel Wann schreibst du weiter?
akuma-girl (28310)
vor 106 Tagen
nice freu mich schon auf die nächsten kapitel^^
Miakis Warinja (03142)
vor 127 Tagen
Wann Schreibst du weiter????
Boa Hancock (03142)
vor 135 Tagen
Schreib weiter bitte schreib
Guren ( von: Gure)
vor 152 Tagen
Lade heute zwei neue Kapitel hoch :)
Dann dauert es vielleicht 3 Tage bis sie aufgeschalten sind
GLG Guren
akuma-girl (76793)
vor 155 Tagen
schreibe bitte weiter^^