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Miladys Rückkehr

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9 Kapitel - 1.343 Wörter - Erstellt von: Oli Lestrange<3 - Aktualisiert am: 2017-04-08 - Entwickelt am: - 119 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Milady lebt! Durch einen glücklichen Zufall ist sie ihrer Hinrichtung ein zweites Mal entgangen. Nun sinnt sie nach Rache.

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    I ich öffnete meine Augen. Um mich herum war alles blau. Ich blinzelte. Die Sonne blendete mich. Darum schloss ich meine Lider wieder. Meine Gedanken begannen zu wirbeln: War dies hier das Jenseits? Aber alles kam mir so bekannt vor: Die weißen Azaleen, die auf der saftig grünen Wiese standen, der knorrige alte Baum und der Baumstumpf, nicht weit entfernt von mir. Langsam kehrte meine Erinnerung zurück: Zuerst die an Athos' traurigen Blick, erfüllt von Schmerz. Danach die an d'Artagnans Gesicht voll Genugtuung, Porthos' vor Hass verzerrtes Antlitz und Aramis' voll Verachtung abgewandter Blick. Im Gesicht des Henkers jedoch, Entschlossenheit, und eine gewisse Gleichgültigkeit. Dies tat er ja beinahe täglich. Doch plötzlich drängte sich ein anderer Gedanke in den Vordergrund: Wenn ich mich erinnern konnte, und auch tatsächlich auf der Wiese lag, wo sie mich hatten hinrichten wollen, dann musste ich... noch am Leben sein! Konnte ein Mensch dem Tod zweimal so knapp entrinnen? Konnte ICH das? Nun, einen Versuch war es jedenfalls wert. Also öffnete ich die Augen und widerstand dem Drang, sie sofort wieder zu schließen. Langsam richtete ich mich auf. Spürte das feuchte Gras unter meinen Fingern und lachte. Ich lachte, wie ich es seit Jahren nicht getan hatte. Nun erhob ich mich vollständig. Auch das funktionierte einwandfrei.

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    Meine Hand fuhr zu meinem Nacken. Ich berührte ihn und zuckte vor Schmerz zusammen. An der Stelle, wo mich das Beil des Henkers von Lille getroffen hatte, war bereits eine Kruste entstanden, die aber bei meiner Berührung aufgerissen war. Fluchend legte ich ein mit Spitzen verziertes Taschentuch über die Wunde und band es vorne zu einem Knoten. In meinem Kopf hatte sich bereits ein Plan gebildet: Ich würde versuchen, mich bis in den nächsten Ort, zu einem Arzt, durchzuschlagen. Wenn der Arzt mich fachgemäß behandelt hatte, würde ich in einer Herberge ein Zimmer beziehen und etwas ruhen. Und danach würde ich mich rächen, oh ja, an allen, die Schuld an meinen Schmerzen hatten! Wie genau ich das allerdings anstellen wollte, wusste ich noch nicht so genau, aber da würde mir schon noch was einfallen. Ich humpelte zum Feldweg, der glücklicherweise nicht sehr weit entfernt lag. In der Ferne sah ich einen Händlerkarren auf mich zu fahren. Er wurde von zwei großen, braunen Hengsten gezogen.

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    Ich würde warten, bis der Fahrer bei mir angelangt war und ihn bitten, mich in den nächsten Ort zu begleiten. Männer hatten mir schon immer schlecht meine Wünsche abschlagen können... Es dauerte nicht lange, bis das von den zwei prachtvollen Tieren gezogene Gefährt nur noch so weit von mir entfernt war, dass der Fahrer mich hören konnte. Ich rief, mit der schwächsten Stimme, die aufzubringen vermochte:,, Oh, junger Herr, ich brauche Eure Hilfe! Ich habe eine schlimme Verletzung und kann nicht weitergehen. Wäret Ihr so hilfsbereit, mich in den nächsten Ort, zu einem Arzt, zu bringen?" Ich hatte mich nicht geirrt: Der Mann- der eigentlich eher noch ein Junge war, mit seinen kurzen schwarzen Locken, dem kindliche Gesicht, den warmen braunen Augen, die noch so schlimme Dinge zu sehen bekommen würden und dem verschmitztem Lächeln-hielt seinen Karren nur wenige Meter entfernt von mir an. Leichtfüßig sprang er vom Kutschbock und erinnerte mich dabei ein wenig an Athos.

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    Den Athos, der er gewesen war, bevor er die französische Lilie auf meiner Schulter entdeckt hatte.,, Aber natürlich doch, edle Dame, steiget ein! Ich werde Euch in den nächsten Ort bringen, wo ein Arzt euch sicher helfen wird!" Er küsste mir die Hand, als ich mich mit einem 'Habt Dank, edler Herr' neben ihn auf den Kutschbock gleiten ließ. Die Fahrt bis zum nächsten Ort verlief einigermaßen ruhig, wenn man außen vor lässt, dass die Wunde an meinem Nacken unaufhörlich schmerzte. Als wir schließlich nach einer etwa dreißgminütigen Fahrt im kleinen Dorf 'Bargème' hielten, lud der Jungspund seine Ware, alte Bücher und Tongefäße, aus und baute seinen Karren zu einer Art Verkaufsstand um. Ich dankte ihm ein weiteres Mal fürs Mitnehmen und ließ ihm eines meiner Taschentücher vor die Füße fallen. Auf dem Taschentuch war das Zeichen der la Fères abgebildet. Dieses Bild verursachte einen Stich in meinem Herzen, und ich musste an Athos denken. Der Junge hob das Stück Stoff mit stolzem Blick auf und steckte es in die Tasche seines Wamses. Ich lächelte ihm noch einmal zu, dann verschwand ich zwischen den lärmenden Menschen.

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    I ch lief in die Richtung, die mir das Schild 'Mons. Clodé, Arzt' wies. Das Haus Mons. Clodés war eine aalte Hütte mit Strohdach, gebildet aus Lehm. Ich betrat das Gebäude und sah einen jungen Mann. Seine langen, blonden Locken umspielten sein Gesicht und seine stechend blauen Augen strahlten mir entgegen. Er lächelte in meine Richtung. Ich hielt dem gewinnenden Lächeln stand und erwiderte den Blick:,, Seid ihr der Arzt, Mons. Clodé?",, Ja, der bin ich. Was führt euch zu mir?" Der Mann gefiel mir.,, Ich habe eine schlimme Verletzung am Nacken. Könntet ihr sie mir fachgemäß verbinden?" "Aber natürlich. Bitte zeigt mir die Wunde einmal."

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    Ich entblößte die inzwischen wieder blutende Stelle. Der Arzt sog scharf die Luft ein. Das musste ja wirklich schlimm aussehen... Verstohlen schielte ich auf mein einst weißes Taschentuch;es war blutverschmiert.,, Ich werde die Verletzung reinigen müssen, bevor ich sie verbinden kann." Ich spürte, wie Mons. Clodé an meinem Nacken herumhantierte. Er machte es gut; es tat nicht weh. Kaum zehn Minuten später ließ der Arzt meinen Nacken los; erleichtert atmete ich ein: Es war ein wenig unangenehm gewesen. Ich lächelte ihn noch einmal an, lies eine Liere auf den Tisch gleiten und lief aus dem Haus. Während ich die matschige Straße, die ich auch gekommen war, entlangeilte, auf der Suche nach einer Herberge, fragte ich mich das erste Mal an diesem Tage richtig: Warum hatte ich überlebt? Woran hatte es diesmal gelegen? War das Beil des Henkers stumpf gewesen? Hatte er mich an der falschen Stelle getroffen? Oder... war es gar kein Zufall gewesen, dass ich noch lebte? War es vielleicht sogar Absicht gewesen? So in meine Gedanken vertieft, wäre ich beinahe an einer Herberge vorbeigelaufen. Meine Schuhe(die inzwischen schon vor Schmutz strotzten) machten schmatzende Geräusche, als ich auf das Haus zusteuerte.

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    Es war heruntergekommen, wirkte aber gemütlich. Ich öffnete die Tür. Der Geruch von Tabak, gemischt mit einem Stich Rosmarin, schlug mir entgegen. Ich lies meinen Blick durch den Raum schweifen: Er war karg, aber dennoch behaglich eingerichtet. Hinter dem Tresen stand eine alte, gebrechlich wirkende Frau, die gerade einem Jungen mit kurzen schwarzen Locken etwas zu Trinken servierte. Ich erkannte die warmen braunen Augen in dem kindlichen Gesicht sofort: Es war der Junge, der mich auf seinem Händlerkarren nach Bargème gebracht hatte.

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    Hiiii:) Ich bin endlich dazu gekommen wieder etwas hochzuladen;) Ich hoffe euch gefällt die Idee und meine Geschichte. Ich freue mich über Feedback!
    Eure Oli Lestrange<3

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