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Alptraum

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7 Kapitel - 649 Wörter - Erstellt von: Amethyst - Aktualisiert am: 2017-04-03 - Entwickelt am: - 301 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Der Grund, warum ich plötzlich angsterfüllt die Augen aufreiße. Der Grund, warum ich mich plötzlich an irgendwas festklammern muss. Dieser Traum verfolgt mich ständig und überall. Und ich weiß nicht, ob ich ihn je wieder loswerde.

    1
    Nachdem ich eine Schwerhörige "kennengelernt" hatte, habe ich mir auf dem Busweg zur Schule aus Jux vorgestellt, wie es sei, taub zu sein.
    Im Bus höre ich immer Musik, und ich stellte mir vor, wie ich mich aus Versehen auf den "Lauter"-Knopf meines Handys setzen würde und die Musik so laut werde, dass ich taub werden würde. Es war zum Teil auch die Schuld von Samsung, weil die immer einblenden: "Das Hören bei zu lauter Lautstärke über einen längeren Zeitraum kann schwerhörig oder taub machen". Aber ich stellte es mir halt vor.
    In der Nacht darauf fingen die Träume an.
    Ich sah mich selbst in einem Gang meiner Schule, und alle lachten und redeten um mich herum. Plötzlich verstummten die Gespräche der anderen. Ich fand mich selbst. In bodenloser Stille.

    2
    Danach war ich kein Bus mehr gefahren. Ich redete mir den Traum aus, aber die komplette, endgültige Stille hatte mir so Angst gemacht, dass ich es nicht ganz verdrängen konnte.
    Und dann geschah das Dümmste, was ich je getan hatte.

    3
    Weil ich kein Bus mehr fuhr, nahm ich zwangsläufig das Fahrrad. Normalerweise fuhr ich mit einer Freundin, aber Dienstags war ich im Schulorchester, welches sie nicht besuchte.
    Und an einem Dienstag, als ich nach dem Orchester nach Hause fuhr, dachte ich an die Baustelle von der Fußgängerzone neben dem Seniorenheim. Und an das, was wir in Biologie gelernt hatten. Dass große Knalle Leute taub machen könnten.
    Ich begann wieder mit meiner Taubheitstheorie.
    In dieser Theorie fuhr ich besagte Fußgängerzone entlang, als ich an der Baustelle vorbeikam. Dann ging alles ganz schnell: vor mir lud ein Bagger seine Ware ab, hinter mir fiel das Transportgut eines ungeschickten Gabelstaplerfahrers zu Boden, sehr laut. Zu laut.
    Gleichzeitig.
    Und ich vernahm nichts.
    Nichts außer lähmender Stille und dem Nachhall des Knalles in meinen Ohren.

    4
    In der darauffolgenden Nacht durchlebte ich das Baustellen-Szenario noch einmal. Aber ich wachte nicht bei der Stille auf. Ich träumte noch eine halbe Ewigkeit, bis der Hall des Krachens verschwunden war.
    Stille.
    Stille.
    Die ganze Zeit.
    Stille.

    5
    Mein Herz beginnt zu rasen. Ich trete schneller in die Pedale. Vor Angst vergesse ich das Atmen. Meine Augen sind weit aufgerissen. Ich möchte nur hier raus. Bitte.
    Das Ende kommt in Sicht.
    Ich lege einen Endspurt hin.
    Ich biege nach links ab.
    Ich habe es geschafft.
    Ja, das war die Fußgängerzone mit der Baustelle.
    Ja, ich habe Angst vor diesem Traum.
    Mein Alptraum ist nun auch ein Tagtraum geworden.

    6
    Und jetzt bin ich hier. Schreibe auf meinem Handy über das, was mich quält. Muss manchmal die Hände zu Fäusten ballen, um die Bilder für einige Zeit zu verdrängen.

    7
    Das alles ist echt so. Und das in Kapitel 5 passiert jeden Morgen und jeden Nachmittag echt so.
    Ich kann es nicht vergessen.

    Bis dann,
    Amethyst.

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