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Kapitel 2 - Fragen über Fragen und ein Vampir

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5 Kapitel - 3.483 Wörter - Erstellt von: DarkNightmare - Aktualisiert am: 2017-05-21 - Entwickelt am: - 231 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Das zweite Kapitel von "Das Haus seltsamer Personen", hoffe euch gefällt's.

    1
    „Hörst du mich? Wach auf!“, wiederholt die Stimme. Ich schlage mit rasendem Herz meine Augen auf. Große, sorgenvolle Augen schauen mich an. Ich sehe in ein Jungengesicht. Erschrocken rappele ich mich auf. Der etwas durchsichtige Junge schaut mich sorgenvoll an. Meine Angst spiegelt sich in seinen silberfarbenen Augen wider.
    „Was ist los mit dir? Ich habe dich gehört, also habe ich vorbeigeschaut was los ist…“, meint der Junge. Zugegeben, ich hab keinen Plan wie er überhaupt heißt. Auf jeden Fall ist er kein Mensch, sonst wäre seine Haut nicht schneeweiß und etwas durchsichtig.
    „Alles in Ordnung?“, fragt der Junge, als ich nichts sage. „N-n-ne-nei-nein“, stottere ich. „Was ist denn passiert?“, fragt der Junge weiter, sanft, aber neugierig. Wieder antworte ich nicht.
    „Entschuldige. Ich bin zu neugierig“, entschuldigt sich der Junge und stellt sich dann vor: „Mein Name ist Sascha. Weißt du nun wie du heißt?“ Ich schüttele zitternd den Kopf. Saschas Anwesenheit beruhigt mich ein bisschen, trotzdem bin ich weiterhin wegen dem von vorhin, was nur ein Albtraum war, in Angst getränkt. Sascha mustert mich durchdringend, was nun doch etwas unheimlich ist.
    Nach einer schweigenden Weile steht er auf und geht zur Tür. „Zieh dich schnell um, gleich gibt’s Frühstück. Kleidung ist im Schrank.“ Und schon schließt er hinter sich die Tür. Weiterhin zitternd ziehe ich mich eilig um und gehe mit unordentlichem Haar runter. Im Speiseraum decken gerade das braunhaarige Mädchen und das Mädchen, welches mir die Tür öffnete, den Tisch.
    „Soll ich euch helfen?“, biete ich sofort an. „Nein“, meint das eine Mädchen. Sie schaut mich an. Schon bei dem Moment, wo sie mich durch den Türschlitz anschaute, fand ich ihre Augen seltsam.
    Ich zucke zusammen, als eine Stimme erklingt. „Das ist Kate“, stellt Sascha, welcher plötzlich neben mir steht, sie vor. Dann deutet er mit einem Kopfnicken zu dem braunhaarigen Mädchen. „Und sie ist Caroline.“ Caroline lächelt mich schwach und schüchtern an und wendet sich wieder an das Tisch decken.
    Nun kommen auch andere Personen. Night setzt sich, mit der jungen Frau, die die Maske trägt, diskutierend, auf seinen Platz. Aus ihrem Gespräch schnappe ich den Namen „Axel“ auf, welcher wohl der Name der jungen Frau ist.
    Der unheimliche Junge von gestern betritt mit einem weißhaarigen Jungen den Raum. Kamil setzt sich auf seinen Platz, Gin, das Mädchen, welches ich zuerst als eine Katze sah, nimmt neben ihm Platz. Jason, in Begleitung von dem Mädchen, welche diese Rose in der einen Augenhöhle hat, Foxy und einem anderem Mädchen lässt sich auf seinem Platz rechts neben Kamil nieder.
    Nach und nach kommen die Personen, die hier wohnen, in den Speiseraum. Als alle da sind, erlaubt Madame Air das Frühstück zu beginnen. Heute wirken alle lebendiger als gestern. Die einzige bedrückte Person bin wohl ich. Ich bin noch geschockt von dem Traum. Da hat eine Stimme gesagt, sie will jemanden töten. Aber wer? Und wen? Der schwarzhaarige Junge neben mir schielt mit einem fragenden Gesichtsausdruck zu mir. Ich sehe zurück. Anstatt wegzuschauen starrt er mir nun direkt in meine Augen. Irgendetwas. Irgendetwas weiß er. Nach einer Minute, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, schaut er eilig weg und wendet sich wieder an sein Essen.

    2
    Nach dem Frühstück gehe ich raus. Ich brauche frische Luft. Plötzlich spüre ich, wie etwas sich schon fast mir in meinen Rücken bohrt. Erschrocken drehe ich mich um. Ein Mädchen, so im Alter von 15 Jahren, schaut mich mit ihren dunkelgrünen Augen an. Eine Spur Silber erkenne ich in ihren Augen. Sie hat mir in den Rücken gepiekt.
    „Was ist los? Du siehst so ängstlich aus…“ Ihre leise, sanfte Stimme wirkt so unnormal. Doch wovor habe ich Angst? Das war doch nur ein Albtraum… Bevor ich etwas sagen kann geht die junge Frau, Axel genannt, an uns vorbei, ohne uns wenigstens ein Mal anzusehen. Sie biegt vom Pfad ab in die Richtung eines dunklen Nadelwaldes. „Guck sie nicht so an, sie wird dadurch aggressiv“, meint das Mädchen leise. Nun schaue ich sie wieder an. Ich merke, dass ich nicht weiß wie sie überhaupt heißt.
    Gerade denke ich es, da stellt sie sich auch vor: „Evie. Und nun?“ „Warum glaubst du dass ich ängstlich bin?“ Schlechte Gegenfrage. „Sonst hättest du nicht so reagiert…“ Die Verständnis, lieber nicht zu diskutieren, macht sich in meinem Kopf breit, also sage ich auch, dass ich nur einen Alptraum hatte. Wovon der Alptraum handelte verschweige ich aber. Evie fragt aber auch nicht weiter nach. Sie könnte auch nicht dazu kommen, denn Kate kommt zu Evie angelaufen.
    „Komm. Wir sollen rein.“ Mit ihr ist etwas falsch. Doch Evie fragt nicht. Sie packt mich am Handgelenk und läuft ins Haus, ich folge ihr. Was soll das jetzt plötzlich? Kate schließt die Haustür von innen ab, als wir ins Haus gekommen sind.
    „Verdammt, was soll das jetzt?“, will ich wissen. Das alles ist viel zu kompliziert und nervig. Irgendetwas. Irgendetwas, sehr wichtiges sogar verschweigen sie mir. „Sei still oder ich schneide dir die Zunge ab“, knurrt eine raue Stimme neben mir. Ich drehe mich um, sehe aber niemanden. „Wie oft muss ich dir noch einmal sagen, dass du mich in so einer Phase nicht sehen kannst?“, knurrt wieder die Stimme. Eindeutig ist es Dark. Nur… Wo liegt dann sein Körper? Irgendwo muss er doch sein... Lieber suche ich seinen Körper nicht mal und schaue stattdessen aus dem Fenster im Wohnzimmer. Was soll das Ganze? Genervt lasse ich meinen Blick über die Gegend draußen schweifen. Plötzlich verharre ich. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken. Dort draußen ist etwas. Etwas, was dort gerade eine Person fast tötet. Ich halte es nicht aus. Die Person dort braucht Hilfe!
    Ich stürme zur Tür, will sie aufschließen, doch da werde ich mit voller Wucht zurückgerissen, sodass ich zu Boden falle. Dark lehnt an der Tür, nun auch nicht mehr unsichtbar. Doch er hat mich nicht umgestoßen. Diese Kraft, die mich zurückzog, kam von hinten. Toby beugt sich über mich. Sein Lächeln ist verschwunden, dafür guckt er ernst, als ob unser Leben von allem abhängt. „Hör auf! Das ist gefährlich!“ Ich schweige. Was ist gefährlich? Was verheimlichen sie mir? Seufzend zieht Toby mich wieder auf die Füße, obwohl ich dabei fast wieder hinknalle.
    „Komm bitte mit“, bittet mich eine Stimme. Madame Air schaut mich an. Gehorsam gehe ich los, ihr in den nächsten Stock in Madame Airs Büro folgend. Durch große Fenster wird das Zimmer beleuchtet, in der Mitte des Raumes steht ein Schreibtisch, an den Wänden sind Regale platziert. Madame Air stellt sich vor die Fenster.
    „Komm her.“ Zögernd nähre ich mich ihr. Was ist jetzt schon wieder los? „Ich weiß, dass du viele Fragen hast. Aber zu deinem Wohl verschweigen wir dir das Problem an diesem Ort.“ Die Frau schaut mich an, ihr Blick ist voller Sorge. Erst schweige ich, dann will ich eine Sache wissen: „Warum zu meinem Wohl? Alle anderen scheinen über dieses Problem zu wissen… Vertraut ihr mir nicht?“ Sie schüttelt langsam den Kopf. „Wir vertrauen dir. Doch es geht um dein Leben. Um das Leben aller Personen hier. Niemand sollte von diesem Problem wissen… Eigentlich.“ „Warum?“, frage ich, schon fast verzweifelt, aber Madame Air schweigt nur, wieder aus dem Fenster sehend. Ich schaue ebenfalls raus, ihrem Blick folgend, wobei ich mich fast ganz ans Fenster lehnen muss. Ihr Blick ist zu dem Nadelwald gerichtet, wo die Gestalt und Person nicht mehr sind. „Es ist zu spät…“, murmelt Madame Air zu sich selbst.

    3
    Ich verstehe es nicht. Es ist bereits Mittag, und jeder, wirklich jeder benimmt sich so, als wäre das Geschehen nach dem Frühstück nicht abgelaufen! Ich bin da eine Ausnahme, was ich aber eh die ganze Zeit durch bin.
    Ich fühle mich leer, habe keinen Hunger. Wie denn? Wie kann ich nur hungrig sein, als diese eine Gestalt… Niemand hat geholfen! Und was meinte Madame Air mit „Es ist zu spät“?
    „Hey…“, ertönt eine leise Stimme neben mir. Ich versuche meinen schwarzhaarigen Sitznachbarn am Tisch normal anzuschauen. Seine hellvioletten Augen – ich habe aufgegeben, zu überlegen, ob einige von ihnen Kontaktlinsen tragen oder nicht – schimmern, weshalb ich nun wieder etwas mehr beunruhigt bin. Beunruhigt genug, damit Foxy auf meiner anderen Seite mich kurz genervt anschaut. Der Junge beugt sich vor. „Du solltest aufhören zu überlegen was hier los ist. Hör einfach damit auf, es wäre besser für dich.“ Und schon wendet er sich wieder an sein Essen, ohne dass ich etwas erwidern kann.
    Nun zwinge ich mich dazu, die Mahlzeit zu mir zu nehmen, die unberührt vor mir auf dem Tisch steht. Warum will jeder, dass ich nicht weiß, was hier los ist? Das ist doch unfair, mich von Erklärungen über diesen Ort fern zu halten. Ich will so vieles wissen, doch ich weiß nicht mal, wie ich selbst heiße… Mein Name ist mir immer noch nicht eingefallen. Ich weiß gar nichts, meine Erinnerungen scheinen weiß wie leere Blätter zu sein.
    Die Stimmen der Personen, die ruhig ein Tischgespräch führen, dringen nur kaum verständlich an mein Ohr. Nun merke ich, dass der Platz neben Night, wo eigentlich Axel sitzt, frei ist. Das Essen, welches dort auf dem Teller ist, ist unberührt. Ich unterbreche das Tischgespräch, wo ich nicht weiß worum es geht, mit meiner Frage: „Wo ist Axel?“
    Alle Blicke richten sich schlagartig auf mich. Hab ich was Falsches gesagt? „Sie ist nicht da, später kann sie sich ihr Essen aufwärmen“, sagt Madame Air knapp. Und schon wieder verschweigen die Leute hier mir etwas. Sehr nett.

    4
    Nach dem Essen – ich bot Kate und Caroline beim Aufräumen vom Tisch Hilfe an, sie haben aber abgelehnt – verschwinde ich in meinem Zimmer. Was soll ich nun tun?
    Plötzlich öffnet sich die Tür und Dark kommt, sichtbar wenigstens, in mein Zimmer. Vor Schreck knalle ich von meinem Bett runter. Genervt nährt sich Dark mir und hält mir etwas entgegen. Verwirrt blinzele ich. An einem Lederband hängt ein ziemlich flacher Stein mit einer Spiralmusterung. Wozu gibt er mir das? Was hat das zu bedeuten? Und weshalb gibt er mir das? Ich dachte, er kann mich überhaupt nicht leiden. „Nimm das jetzt verdammt“, faucht er mich an. Schnell nehme ich es.
    „Warum…“ Ich unterbreche mich, als er mich böse anguckt. Trotzdem stelle ich, wenn auch mit gesengtem Blick, meine Frage: „Warum gibst du mir das?“ Er schnaubt verächtlich. „Woher soll ich das wissen? Ich sollte es dir nur geben. Madame Air denkt sich immer seltsame Dinge aus, basierend auf der Fähigkeit einer Person.“ Jetzt fängt schon wieder jemand damit an. „Aber ich bin doch ein normaler Mensch! Ich-“ Dark unterbricht mich, indem er mich mit einem eisernem Griff zu Boden drückt. „Wärst du normal, wärst du nicht hier, sondern durch irgendeinen Tod verreckt“, faucht er mir ins Gesicht. Der Geruch von Minze weht mir ganz kurz entgegen.
    Für einen Bruchteil glaube ich ein lautes Quietschen und darauf kommendes, durchgehendes Piepen zu hören. Dark scheint es aber nicht zu vernehmen. Das Geräusch scheint aus meinem Gedächtnis zu kommen.
    Bevor ich weiter darüber nachdenken kann zieht mich Dark auf die Füße, auch wenn er gerade so aussieht, als könnte er mich in jedem Moment töten. „Trage es einfach bei dir“, murrt er, bevor er mein Zimmer wieder verlässt. Brav binde ich mir das Band um den Hals, dann verlasse ich ebenfalls mein Zimmer. Ich möchte mit ihm reden. Auf dem Flur knallt eine Tür gerade zu. Mir ist klar, dass durch diese eben Dark in einen Raum gegangen ist. Also betrete ich den Raum, jedoch habe ich vergessen anzuklopfen. Innerhalb einiger Sekunden fliegt mir etwas Hartes gegen den Kopf. Ein Wecker. „Verdammt, kannst du nicht anklopfen? Was willst du von mir? Und wenn du schon in mein Zimmer kommst, mach die Tür zu!“, zickt Dark mich an. „T-tut mir leid.“ Sofort schließe ich hinter mir die Tür und hebe den Wecker auf, dann lasse ich meinen Blick durch das Zimmer schweifen.
    Zwei gegenüberliegende Wände sind schwarz – oder dunkel, denn sie sind halt sehr dunkel - die zwei anderen hell, welche Farbe weiß ich aber nicht, dazu ist es zu dunkel. Die Möbel sind hell, wahrscheinlich weiß, gestrichen. Unter seinem Schreibtisch liegt ein Teppich, welcher weich wirkt. Auf dem Schreibtisch befinden sich ein Laptop, welcher die einzige Lichtquelle im Zimmer ist, Stifte, Blöcke und Notizbücher, sowie eine Lampe und ein kleiner, weißer Blumentopf, in diesem jedoch – so wie ich es sehe – nur Erde ist. Das Licht von draußen wird durch Jalousien fern gehalten. In Wandregalen erkenne ich Bücher, welche kann ich aber nicht sehen. Auch hier strömt mir leichter Geruch von Minze in die Nase.
    „Was willst du?“, zischt Dark, offensichtlich ziemlich genervt von mir. Im Licht des Laptops sieht er wie ein Geist aus, um seine Augen sind heftige dunkle Kreise. Mir ist schon vorher aufgefallen, dass er Augenringe hat, wodurch seine Augen beim genaueren Hinsehen schon fast wie Panda Augen aussehen. „Dark… Kannst du mir bitte sagen, was mit diesem Ort los ist? Sag es mir, bitte! Niemand erklärt mir etwas, als würde mir niemand vertrauen. Ich-“ Dark unterbricht mich. „Wir vertrauen dir ja auch nicht ganz. Ich hab schon mitbekommen, was Madame Air gesagt hat. Aber sie lügt auch manchmal. Es ist eine Zeitverschwendung, dir irgendetwas zu erklären.“ Verdattert sehe ich ihn an, doch der setzt sich wieder an seinen Schreibtisch und schreibt, meiner Meinung nach unglaublich schnell, etwas auf seiner Tastatur herum. Neugierig stelle ich mich hinter ihn, doch der beugt sich vor und verdeckt einen Text auf seinem Laptop. Warum? Ist das so wichtig? „Kannst du gehen? Du nervst“, knurrt er. Ich sammele meinen Mut zusammen. Anstatt wieder sein Zimmer zu verlassen, aus Angst er killt mich, setze ich mich auf die Couch, die in der einen Ecke des Zimmers neben dem Schreibtisch steht. Seltsamer Weise meckert Dark nicht an mir herum, sondern wendet sich wieder an das Schreiben, wenn auch mit einem sehr schweren Seufzen. Mit schief gelegtem Kopf betrachte ich Dark. Wenn man genau darüber nachdenkt ist er gar nicht so schlimm, nur zu direkt und viel zu schnell genervt. Aus einem Glas, welches ich bisher nicht bemerkt habe, trinkt er etwas, wahrscheinlich Wasser.
    Schweigen. Bis auf das Tippen auf der Tastatur herrscht Stille.
    „Sag mal… Wie heißen alle hier? Ich kenne nicht alle und… könntest du mir auch Dinge über die Personen hier verraten?“ Ich sehe, wie Dark zusammenzuckt, als ich angefangen habe zu reden. Ist er schreckhaft? Er hat aufgehört zu schreiben, starrt jedoch den Bildschirm an. „Ich rede nicht über andere.“ „Und warum ist das so mit dir und… deinem Körper?“, bohre ich weiter. „Bin mal gestürzt, hier aufgetaucht und habe öfters meinen Körper verloren. Dann steigt meine Seele aus meinem Körper und ich laufe als Geist durch die Gegend, dann sieht man mich nicht. Das geht dich aber eh nichts an“, erklärt er mürrisch. Ich schweige, Dark wendet sich wieder an sein schnelles Geschreibe. „Kannst du mir erklären was…“ Ein sehr genervtes Seufzen von Darks Seite „…was diese Gestalten sind?“
    Schweigen ist die einzige Antwort.
    Auf einmal geht die Tür auf, ein Junge mit blondem Haar und roten Augen geht zu Dark. Der schaut zu ihm. „Niemand möchte mich Blut trinken lassen. Jeder hat gesagt ich soll zu dir“, meint er. Ich habe ihn noch nie gesehen. Also, jedenfalls nie am Tisch beim Essen. Durch die Kleidung ähnelt der Junge jedoch meinem Sitznachbarn mit den hellen, violetten Augen. Mit einem Seufzen krempelt Dark seinen Ärmel hoch, der Junge beißt daraufhin mit spitzen Zähnen in seinen Arm. Ist das ein… Vampir! Warum lässt Madame Air einen Vampir ins Haus? Vampire sind gefährlich! Im Licht des Bildschirms sehe ich, wie das Haar des Jungen dunkler wird, bis es schwarz ist. Ein Ohrring, der mir nicht aufgefallen ist, leuchtet rot auf und verfärbt sich in ein violett, als er sich das Blut vom Mundwinkel wegwischt sieht er mich mit glänzenden, hellvioletten Augen an. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken. Das ist mein Sitznachbar! Und er ist einfach ein Vampir!
    „Danke Dark“, bedankt sich der Junge bei ihm. Er kniet sich nieder und macht sich daran, die Bissstelle mit weißem Stoff zu verbinden. Warum bedankt sich ein Vampir, dass er von jemandem das Blut getrunken hat? Und er heilt die Wunde wieder? „Später könnte ich deine Wunde vernünftig versorgen, ok?“ Nun wendet er sich an mich. „Unhöflich von mir, dass ich mich nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Ren, ich würde dich bitten, mich nicht so verschrocken anzuschauen.“ Eilig senke ich meinen Blick. Vielleicht war mir deshalb auch vorhin so unwohl, als ich ihm in die Augen schaute. Er mustert mich mit einem prüfenden Blick. Schließlich möchte er wissen: „Was ist mit deiner Stirn passiert?“ Ich schaue ihn an. Ren geht zur Tür, ich höre ein Klicken und das Licht ist im Zimmer an. Dark zischt kurz durch das plötzliche helle Licht. Nun geht Ren auf mich zu und begutachtet meine Stirn. Fragen muss ich nicht, er erklärt es schon ohne Aufforderung: „Du hast da eine rote Stelle. Es blutet fast, darum rieche ich dein Blut auch intensiver als sonst. Komm, ich mache etwas mit deiner Stirn.“
    Und schon verlässt er das Zimmer. Dark hat sich desinteressiert wieder an seinen Laptop gewendet. Schnell folge ich Ren. Durch die Fenster sehe ich, dass es draußen in Strömen regnet. Kurz bleibe ich an einem der großen Fenster stehen. Draußen, in der Dunkelheit, erkenne ich gerade so eine Gestalt, die auf das Haus zusteuert. Etwas Helles leuchtet schwach. Ren folgt meinem ängstlichen Blick. „Das ist nur Axel. Komm.“
    Unten angekommen kommt Axel gerade ins Haus, triefnass. An ihrer Kleidung sind hier und da seltsame, schwarze Flecken. Leise fluchend geht sie an Ren und mir vorbei, ohne uns zu beachten. Was ist los mit der? Ren rümpft leicht die Nase, als sie an ihm vorbeiläuft. So einen Gesichtsausdruck würde jemand ziehen, wenn für jemanden ein Geruch zu bitter ist. Ich kann nicht lange überlegen, denn Ren geht auch schon weiter. Im Badezimmer nimmt Ren aus einem kleinen Wandschrank einen Pflaster und Desinfektionsmittel. Auch wenn ich zurückweiche versorgt er diese leichte Wunde, die höchstwahrscheinlich wegen dem Wecker ist.

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    Der Regen hat sich zum Gewitter gebildet. Teils in Gedanken sitze ich am Tisch, wie immer dem Tischgespräch nicht zuhörend.
    Mir ist aufgefallen, dass der seltsame Junge neben Anna oft mich seltsam anstarrt. Ich schaue zu ihm. Warum guckt er so? "Darum", erklingt eine Stimme. Alle anderen hören die Stimme nicht, denn sie reden weiter. "Ich bin Liu, der Junge neben Anna." Sofort schaue ich zu dem Jungen. Was? "Ich könnte dir in einigen Dingen helfen, wenn du möchtest", fährt die Stimme in meinem Kopf fort. "Ich könnte morgen zu dir in dein Zimmer kommen um dir zu helfen, heute aber nicht." Warum nicht heute? Wie viele Dinge verschweigen die Personen hier mir? Aber die Stimme in meinem Kopf sagt nichts mehr.

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