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Der Fuchs aus SEEKERS

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1 Kapitel - 1.217 Wörter - Erstellt von: Oka Ruto - Aktualisiert am: 2017-03-21 - Entwickelt am: - 314 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Als Kallik, die Eisbärin, die Reise zum großen Bärensee antritt, wird sie von einem Fuchs begleitet. In meiner kurzen Fanfiktion erzählt, Chepi, die Füchsin, ihre Geschichte. Es weicht ein wenig von der Originalgeschichte ab und wird wahrscheinlich nur ein Kapitel haben.

    1
    Die Mutter der Füchsin hatte ihr immer erzählt, dass sie sicher ist, wenn sie im Revier bleibt. Jetzt wusste die junge Chepi, dass das gelogen war, oder ihre Mutter es nicht besser gewusst hatte. Die Buntpelzigen mit ihren stählernen Monstern waren gekommen und hatten ihr Zuhause in eine Hölle verwandelt. Hier war sie nicht mehr sicher, und hier wollte sie nicht leben.
    Chepi war krank vor Angst, wusste nicht mehr was sie tat und was vor sich ging. Sie wusste nur eins: Ihre Mutter, ihre Familie, ihre Heimat; all das war weg, und zwar für immer. Sie vermisste sie so sehr und wollte nicht wahr haben, dass sie sie nie wieder sehen würde. Sie wollte von ihrer Mutter getröstet werden und mit ihrer Schwester Maka und ihrem Bruder Takhi spielen, so wie früher.
    Sie lief und lief, obwohl sie vor Hunger, Müdigkeit und Trauer ganz verrückt wurde und bei jedem Geräusch aufschreckte, nur weg von diesem Ort. Den Wald gab es nun nicht mehr. Dabei hatte Chepi, als sie noch kleiner gewesen war, eine ganze Weile gedacht, er wäre die ganze Welt. Sie verscheuchte den Gedanken, es machte sie zu traurig.
    Als sie einen halben Tag gelaufen war, konnte sie nicht mehr und ließ sich einfach von den Pfoten fallen. Sie kroch in ein Gebüsch, um geschützt und vor Blicken versteckt zu sein. Langsam beruhigte sich ihr Herzschlag und ihre Gedanken wurden klarer. Sie schloss die Augen, sie wollte nichts mehr sehen, nur noch schlafen. Doch die Gedanken und Erinnerungen hielten sie wach. Sie fing an zu wimmern, bis es schließlich zu einem verzweifelten heulen wurde. Doch sie stoppte es abrupt wieder, denn ihr wurde klar: Es gab niemanden mehr, für den ihr heulen etwas bedeutete oder ihr helfen konnte. Sie war ganz alleine, alle die sie kannte waren... Sie wollte nicht zu Ende denken. Nach und nach schlief sie doch ein, schreckte jedoch bei jedem kleinsten Geräusch wieder hoch.
    Mehrere Sonnenaufgänge, sie wusste nicht, wie viele, blieb sie in dem Busch, schlief kaum, aß nichts und leckte schmutzige Regenpfützen auf. Der Hunger quälte sie, doch schlimmer waren die Erinnerungen. Wenn sie schlief, träumte sie von schreienden Buntpelzigen und sterbenden Wäldern.
    Tage später beobachtete Chepi einen jungen Bären. Ihre Mutter hatte ihr von solchen Bären erzählt, es war ein Eisbärenjunges. Zum ersten Mal verließ sie ihr Versteck. Sie hatte Angst, doch war auch neugierig, außerdem würde sie ohne etwas zu essen nicht mehr lange überleben können. Sie beschloss, dem Eisbären zu folgen. Langsam fiel ihr auf, dass sie vieles gemeinsam hatten. Sie wusste nicht viel über Eisbären, doch dieser war ganz sicher zu jung, um ohne Mutter zu sein. Also musste er sie verloren haben, genau wie Chepi. Vom Geruch her musste es ein weibliches Junges sein.
    Sie waren beide ganz allein. Doch im Gegensatz zu Chepi schaffte diese Bärin es einige Male, ein Beutetier zu erlegen, obwohl man sah, dass sie viel besser zur Jagd auf dem Eis geeignet wäre. Chepi fragte sich, warum das Junge nicht dort war. Hatten die Buntpelzigen denn auch das Eis zerstört? Oder war es, weil es langsam wärmer wurde? Chepi hatte immer angenommen, dass es auf dem Eis immer so kalt war, dass es nicht schmelzen konnte. Wenn sie jetzt darüber nachdachte, stimmte das vielleicht gar nicht.
    Immer, wenn das Bärenjunge gefressen hatte und so weit weg gelaufen war, dass dass Chepi sich sicher fühlte, schlich sie zu der Beute und fraß alles, was sie an Resten finden konnte. Das war meistens nicht viel und füllte ihren Magen nicht, doch es war besser als nichts. Manchmal sah es jedoch fast so aus, als hätte die Bärin ihr extra etwas übrig gelassen. Einmal lag an der Stelle sogar ein komplett unberührtes Tier, als hätte die Bärin es nur für sie dort hingelegt. Chepi schaute sich zuerst misstrauisch um, ob sie beobachtet wurde, doch als sie nichts entdeckte, schlug sie ihre Zähne gierig in das Fleisch.
    Chepi hatte keine Ahnung, wohin die Bärin ging und ob es eine gute Idee war, ihr zu folgen, doch sie rettete sie vor dem Verhungern und in ihrer Anwesenheit fühlte sie sich nicht so einsam. Sie versuchte, weniger an ihre Vergangenheit zu denken, und meistens gelang es ihr.
    Chepi wusste, dass sie jagen lernen und sich einen Wald zum Leben suchen musste, möglichst weit weg von den Buntpelzigen. Irgendwann würde dem Bärenjungen das sicher auch tun, oder würde herausfinden, dass Chepi es verfolgte, und sie vermutlich mit den riesigen Eisbärentatzen in die Flucht schlagen. Das einzige Problem an der Sache war nur, dass sie seit Ewigkeiten keinen Baum, geschweige denn einen Wald gesehen hatte. Nichts als Wiesen und kümmerliche Sträucher. War das auch das Werk der Buntpelzigen? Chepi wünschte sich manchmal, sie hätte so viel Macht wie diese seltsamen Tiere. Dann würde sie sicher schnell einen Ort zum Leben finden. Und niemand könnte ihn ihr wegnehmen! Wie konnte eine kleine Füchsin wie sie nur ganz alleine leben?
    Chepi beschloss, das Bärenjunge zu verlassen und ihre eigenen Wege zu gehen. Doch bevor sie das tun konnte, musste sie sich selbst beweisen, dass sie in der Lage war, zu jagen. Ohne Beute würde sie alleine nicht überleben können. In einer Nacht, in der das Bären junge sich in einer Höhle verkrochen hatte und schlief, blieb Chepi wach und schlich durch die Gegend, auf der Suche nach dem Geruch von Beute. Nach einer Weile witterte sie etwas, was sie aus ihrer Heimat kannte: Maus. Es roch nicht so moosig wie die Waldmäuse, die sie kannte, doch das war ihr egal. Sie pirschte sich an und tatsächlich schaffte sie es, das Tier zu erlegen. Voller Genuss schlug sie ihre Zähne in das warme, saftige Fleisch. Ihre erste, eigene Beute. Chepi freute sich und war stolz. Das waren Gefühle, von denen sie schon fast vergessen hatte, dass es sie gab. Ebenso wie das Gefühl, einen vollen Magen zu haben. Als sie in einer Pfütze getrunken hatte, betrachtete sie darin ihr Spiegelbild. Zum ersten Mal fiel ihr auf, wie abgemagert und kränklich sie aussah. Das würde sich ab jetzt ändern. Chepi war nun eine richtige, selbstständige Füchsin, die für sich selbst sorgen konnte!

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