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2 Kapitel - 4.087 Wörter - Erstellt von: Zoé Way - Aktualisiert am: 2017-03-26 - Entwickelt am: - 177 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

1


Prolog


Sie hatten ihn entdeckt. Wie Raubtiere kamen sie aus dem Schatten der eng zusammenstehenden Häuser, schlossen sich zu einem Rudel zusammen und nahmen ihre Beute ins Visier. Ihn. Er beschleunigte seine Schritte, obwohl er wusste dass ihm das nichts bringen würde. Sie würden ihn einholen. Jetzt rannte er fast, stolperte, rappelte sich wieder auf, nahm Umwege, bog in eine Straße ein - Sackgasse. Sein Gesicht verzog sich zu einem offensichtlich gespielten Lächeln und er drehte sich langsam auf dem Absatz um. Die roten Backsteinwände der umliegenden Häuser schienen immer näher zu kommen, wie eine gut ausgeklügelte Falle.Einr streunende Katze schien ihn hämisch anzugrinsen, bis einer der Schläger ihr einen Tritt versetze und sie sich trollte
“Warum die Eile?” Eines der Raubtiere grinste. Sie kamen näher, umkreisten ihn, langsam, um seine Geduld auf die Probe zu stellen. Der Geruch von ungelernten Mülltonnen lag in der Luft. Sie hofften das er sich wehrte. Doch er würde stark bleiben, so wie immer, auch wenn sein Vater ihn fragend anschauen würde. Seiner Mutter hätte er von seinen Problemen erzählt, doch die Zeiten, wo er sich bei seiner Mutter ausheulen konnte waren vorbei. Seit dem Tod seiner Mutter ging es bergab.
Doch er konnte nicht verhindern dass die Hände in seinen Jackentaschen sich zu Fäusten ballten und dass er die Zähne vor unterdrückter Wut zusammenbiss. Er schloss die Augen und konzentrierte sich, holte tief Luft und öffnete sie wieder. Bleib ruhig...
Einer hatte einen Baseballschläger dabei und ließ ihn von einer Hand in die andere fallen. Es wirkte beiläufig, wie jemand der aus Langeweile mit den Fingern auf den Tisch trommelt, doch der in die Ecke gedrängte Junge wurde unweigerlich nervös. Ihre Gesichter erschienen ihm auf einmal wie hässliche Fratzen in einem schlechten Horrorfilm. Er fragte sich wie er wohl gerade aussah. Wie ein verängstigtes Kaninchen warscheinlich. Aus einem unerfindlichen Grund fand er die Vorstellung, wie ein puscheliges Nagetier auszusehen unglaublich witzig. Doch seine Freude war nur von kurzer Dauer, ein kurzer Anfall von Galgenhumor.
Sie fingen an ihn zu beleidigen, zuerst war es nur ein Flüstern, ein Zischen in seinem Kopf, wurde dann lauter, er begann Worte zu verstehen. Sie dröhnten wie Hammerschläge in seinem Kopf.
“Feigling. Scheiß Grufti. Bring dich doch um!” Allgemeines Gelächter. Einer, offensichtlich der Anführer des Rudels, versuchte ihn in den Bauch zu boxen. Geschickt wich er aus, doch das schienen die anderen als Ansporn zu nehmen. Es hagelte Schläge, die Stimmen wurden lauter, lachten, grölten. Jetzt traf ihn der erste, ein Volltreffer in die Magengrube. Er sank auf den Boden, unfähig zu atmen. Sofort wurde er von zwei Schlägern auf den Boden gedrückt und jetzt zielten sie bewusst auf seinen Kopf. Er war unfähig zu denken, die Welt bestand nur aus Schmerz. Brechreiz stieg in ihm auf. Er fragte sich, wann er bewusstlos werden würde. Endlich umfing ihn die wohlbekannte schwarze Leere, wie eine Wolldecke, seine Gedanken drehten sich nicht mehr um Schmerz, in seinem Kopf drehte sich gar nichts mehr. Er verdrehte die Augen, bis man nur noch das Weiße der Augäpfel sah, dann sank sein Kopf mit einem dumpfen “Klonk” auf den staubigen Asphalt. Sie ließen ihn liegen.

Der erste Satz, den er nach dem schmerzhaften Erinnern nach dem Aufwachen dachte war:”Du hast wieder versagt. Wann wirst du endlich einsehen dass du dich wehren musst?” Doch das wollten sie. Sie legten es darauf an dass er zurückschlug. Aber genau das wollte er ihnen nie geben.
Wie er diese Stimme hasste. Um sie zum Verstummen zu bringen schlug er sich mit der flachen Hand gegen den Kopf. Er hatte es gerade geschafft sich aufzurichten, doch der Schlag brachte ihn wieder aus dem Gleichgewicht. Er taumelte und musste sich mit einem Arm an einer Hauswand abstützen. Dabei riss er sich die Handinnenfläche an dem rauen Putz des Gebäudes auf. Neben seinen anderen Blessuren erschien ihm die brennende Schürfwunde nebensächlich.Wie lange hatte er hier gelegen? Eine halbe Stunde? Zwei? Er konnte es beim besten Willen nicht sagen. Trotzdem machte er sich auf den Weg nach Hause.

Da ihm immer noch schwindelig war taumelte er mehr schlecht als Recht die fünf Treppen zu ihrer kleinen Wohnung hinauf. Ein paar Mal wäre er gestürzt, hätte er sich nicht mit letzter Kraft am Geländer festgehalten.
Endlich war er an seiner Tür angelangt, wobei das “Home Sweet Home” Schild neben der Klingel immer einen ironischen Beigeschmack hatte. Ungeschickt holte er seinen Schlüssel heraus und schloss auf. “Hallo?” rief er fragend in den Flur. Die einzige Antwort war die altbekannte Stille, die ihm wie ein schweres Parfum entgegenschlug. Er schmiss seinen Schulranzen in die Wohnzimmerecke und machte sich auf die Suche nach seiner Nachricht. Sein Vater hatte nämlich die Angewohnheit seiner Mutter übernommen, ihm kleine Zettel zu schreiben, um ihn an irgendetwas zu erinnern oder um ihm etwas mitzuteilen. Am Kühlschrank pappte ein Zettel:

Mach dir bitte den Reis mit Zucchini im in der Mikrowelle warm. Nachtisch steht im Kühlschrank:)
Ich hab heute leider bis um 8 dienst
Hab dich lieb,
Papa

ein Lächeln huschte über sein verunstaltetes Gesicht. Die kleinen Zettel munterten ihn immer auf und er hatte jeden einzelnen aufgehoben und in einer Mappe unter seinem Kopfkissen versteckt. Er hatte immer noch schreckliche Kopfschmerzen und war sich sicher dass er jetzt nichts bei sich behalten konnte. Auch wenn es ihm nach einem Blick in den Kühlschrank wirklich leidtat. Neben Käse, Tomaten und einem halben Apfel stand eine Box mit einem Stück Sahnetorte, die sein Vater von der gestrigen Hochzeitsfeier seiner Tante mitgebracht hatte. Er war daheim geblieben, mit der Ausrede für die Englischschulaufgabe lernen zu müssen. In Wahrheit wollte er die Abwesenheit seines Vaters nutzen, um sich endlich von seinen täglich neuen blauen Flecken zu erholen. Das heißt, bis auf einige Alpträume und den Briefträger ungestört den Nachmittag auf der Couch verbringen. Bevorzugt mit einer Tasse Kamillentee und einer Wolldecke.
Mit einem nassen Tuch und viel Heftpflaster verarztete er sich notdürftig, woraufhin er sich ohne große Begeisterung an seine Hausaufgaben setzte. In Mathematik kritzelte er wahllos Zahlen hinter das “=”, um nicht das dritte Mal in Folge nachsitzen zu müssen. ‘gemacht ist gemacht’ war schon lange sein Motto in Punkto Hausaufgaben. Nach einer halben Stunde legte er sich ein wenig auf das Sofa. Nach wenigen Minuten hin und her wälzen schlief er ein.
Das nervtötende Hupen eines LKWs weckte ihn. Er wollte schon das Fenster öffnen und um Ruhe bitten, als er bemerkte dass der Lärm von vor seiner Haustür stammte. Ein Umzugslaster parkte auf dem angrenzenden Bordstein. Zwei Männer in blauen Latzhosen luden Möbel und Umzugskartons von dem Laster, woraufhin das Gepäck von drei weiteren Männern in das Haus geschleppt wurde. Es stand nur eine Wohnung im Stockwerk unter ihm frei, das wusste er von seinem Vater. Nun war sie anscheinend vermietet worden. Der 16-jährige stöhnte genervt auf. Neue Nachbarn die über sein Aussehen tuscheln würden. Die grünen Haare und der Lippenpiercing, auch “snakebites” genannt brachte ihm oft angewiderte und verwirrte Blicke ein, was ihm das seltsame Gefühl gab wie ein Außerirdischer auszusehen. Aber es war nun mal sein Stil, und seiner Meinung nach hatten andere das zu akzeptieren. Aber offensichtlich fiel das besonders Gleichaltrigen schwer. Und natürlich war es nicht förderlich für seine Beliebtheit unter den Nachbarn, wenn er mit seiner Stereoanlage Musik hörte. Laut. Sein Musikgeschmack war nämlich eher in die Kategorie “Metal und anderes satanisches Zeug” einzuordnen, wie es Frau Webber von nebenan einmal ausgedrückt hatte. Bei dem Gedanken daran wurde er immer noch rot im Gesicht, vor Wut.
Wahrscheinlich würden diese Nachbarn auch nicht besser sein, deshalb wandte er sich verächtlich ab und ging auf sein Zimmer. Allerdings blieb er dort nicht lange, denn mit einem Blick auf die Uhr stellte er fest dass er schon fast sieben Uhr war. Zeit sich bettfertig zu machen. Er benötigte in letzter Zeit viel Schlaf und außerdem würde sein Vater ihn dann nicht wecken wollen, weshalb er sich keine Ausrede für das blaugeschlagene Gesicht ausdenken musste. Obwohl ihm die Augen schon fast zufielen stellte er sich noch unter die Dusche. Er genoss das brühheiße Wasser auf seiner Haut, es gab ihm das Gefühl alle seine Sorgen würden weggespült werden. leider war es nur eine Illusion. Nach der Dusche zog er sein altes ausgeleiertes T-Shirt zum Schlafen an und putzte sich die Zähne. Dann war er fällig, der Blick in den Spiegel. Entgeistert starrte er sich an.
was vor knapp fünf Jahren noch ein etwas übergewichtiger, blonder Junge mit freundlichen, blauen Augen gewesen war, sah nun eher aus wie ein hohlwangiges Gespenst. Er hatte viel Gewicht verloren und auch sein Gesicht war schmaler geworden. Mittlerweile war er klapperdürr, das ohnehin schon ausgeleierte T-Shirt hing an ihm herunter wie ein alter Kartoffelsack. Er hatte vor ein Paar Monaten beschlossen sich die Haare grün zu färben und sie wachsen zu lassen, weshalb sie ihm nun in grünen Strähnen ins Gesicht hingen. er war blass wie eine Leiche, und wo er früher Sommersprossen gehabt hatte, sammelten sich jetzt blaue Flecken und Blutergüsse in seinem Gesicht. “Was ist nur aus dir geworden?”, fragte er sich resigniert. Zum Umfallen müde schlurfte er schwerfällig in sein Zimmer, schmiss sich auf sein Bett und hatte nicht einmal mehr die Kraft sich zuzudecken. “Wie das nur weitergehen soll?”, war der letzte Gedanke der ihm durch den Kopf ging bevor er einschlief.

Er war wieder der kleine Junge mit den blonden Haaren der die steinige Einfahrt zu dem kleinen Haus am Waldrand entlangschlurfte. Der unverkennbare Geruch von Blumen und Kiefernnadeln lag in der Luft. Er spürte die Enttäuschung, die ihn bei den Gedanken an das schlechte Zeugnis überkam. Er würde dieses Jahr wiederholen müssen. Der Schulranzen auf seinem Rücken schien Tonnen zu wiegen. Doch das alles wurde bereits von der Vorfreude auf die bevorstehenden Ferien überlagert. Er zwang sich zu einem Lächeln und sprang jetzt schon leichtfüßiger die Treppe zu der Veranda hinauf. die alten Holzdielen knarrten unter seinen Füßen als wollten sie ihm Mut zusprechen. Der Duft von verschiedensten Blumen lag in der Luft, die Sonne verbrannte die Haut in seinem Nacken. Es war Sommer. aber irgendetwas war nicht so wie sonst...etwas fehlte. Er spähte durch das Fenster Glas der Balkon für in das angrenzende Wohnzimmer. Niemand da. Nichts bewegte sich, Stille umgab das kleine rotgestrichene Haus mit dem Ziegeldach und den kleinen Fenstern, die wie kleine Augen aus der Hauswand hervorlugten. Plötzlich kam ihm das Knarzen der Holzdielen bedrohlich vor. “Mama?”keine Antwort. Panik überkam den kleinen Jungen.

Schweißgebadet fuhr er hoch. der Alptraum suchte ihn nun schon seit fünf Jahren heim, seit demselben vergängnissvollen Nachmittag. Der Tag an dem er seine Mutter tot in der Küche gefunden hatte. Der Tag, an dem feststand das er nicht versetzt werden würde, was seine täglichen Prügel vonseiten seiner Klassen”kameraden” zur Folge hatte.
Der schlimmste Tag seines Lebens.
Aus Erfahrung wusste er dass er nun nicht mehr einschlafen würde, also trottete er ohne Licht zu machen in die Küche, um etwas zu trinken. Da er die Wohnung mehr oder weniger in und auswendig kannte, gelang es ihm trotz der fehlenden Beleuchtung ohne etwas umzustoßen bis zur Küchentür zu gelangen. In der Küche tastete er nun doch nach dem Lichtschalter. Als er ihn gefunden hatte blinzelte er ein paar Mal um seine Augen an die plötzliche Helligkeit zu gewöhnen. Er schlurfte verschlafen über die kalten Bodenfliesen zum Kühlschrank und schenkte sich ein Glas Milch ein. Nur mit T-Shirt und Unterhose bekleidet setzte er sich auf den klapperigen, alten Klappstuhl auf dem engen Balkon. Es war eine klare Nacht und außerdem bitterkalt. Doch die Kälte machte ihn wach und erfüllte ihn mit Energie. Da der Himmel bis auf vereinzelte Wölkchen wolkenlos war hatte er uneingeschränkte Sicht auf einen tiefblauen, fast schwarzen Himmel, in dem eine Vielzahl an Sternen wie Diamanten um die Wette funkelte. Sein Atem kondensierte in der kühlen Luft. Lukas, Mobbingopfer, Punk und Halbwaise, schloss die Augen und genoss die Stille der Nacht.






Kommentare (1)

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Zo� Way ( von: Zoé Way)
vor 263 Tagen
und ignoriert bitte meine rechtschreibfehler, ich mach das auf dem Handy