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Kapitel 1 - ein seltsames Haus mit seltsamen Personen

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6 Kapitel - 4.665 Wörter - Erstellt von: DarkNightmare - Aktualisiert am: 2017-05-21 - Entwickelt am: - 217 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ein Haus, irgendwo im nirgendwo...

Hi. Ich hab mal das Quiz zu meinen OCs gemacht, die eigentlich auf nichts bestimmten basieren und dazu werde ich eine Geschichte veröffentlichen.

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    So, erstmal danke ich fürs Anklicken dieser FF, die auf nichts, nur mein Quiz mit meinen Charakteren basiert. Meine OCs basieren eigentlich auf keiner Story, wie auch in meinem Quiz erwähnt. Nicht wundern, einige Charaktere sind nun doch etwas anders.




    Müde laufe ich neben Ben, meinem besten Freund, her. Der labert mich mit dem, was bei ihm am Wochenende passierte, voll, ohne dass es ihn kümmert, dass Montag ist. Manchmal beneide ich Ben dafür. Sein Haar leuchtet in der Sonne rot wie Kupfer, mit einem gewohnten Lächeln sieht er von Zeit zu Zeit mich mit seinen meeresblauen Augen an. Es ist ein gewöhnlicher Tag, wie jeder andere.
    Wie gewohnt biege ich auf die Straße, wo die Schule ist, ab. „Finn! Pass auf!“, ruft Ben schon fast panisch zu mir, doch es ist zu spät. Ein lautes Quietschen bohrt sich in meinen Kopf. Dieses Geräusch will mich nicht verlassen. Der Schmerz, den ich erst am Körper spüre, wird durch heftigen Schmerz am Hinterkopf ersetzt. Etwas Warmes verklebt mein Haar, welches an meinem Hinterkopf wächst. Ist das… Blut? Um mich herum höre ich Geräusche, die aber allmählich durch ein lang anhaltendes Piepen übertönt werden. Mein Kopf surrt durch dieses Geräusch. Was ist gerade passiert? Meine Augenlider werden schwer, alles verblasst und ich schließe die Augen.

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    Ein seltsames Geräusch weckt mich. Es scheint eine Mischung aus Klicken, lautem Atmen und Röcheln zu sein. Langsam öffne ich die Augen. Über mir scheint Licht. Ich drehe meinen Kopf, sodass ich eine Gestalt erblicke. Sie ist undeutlich zu erkennen, aber riesig, dunkel, und sieht auch so unscharf wie ich im Moment alles sehe hässlich aus. Es scheint der Albtraum höchst persönlich zu sein. Panik steigt in mir auf. Wo bin ich? Was ist passiert? Was ist das für ein Wesen? Was soll das Ganze! Trotz der Panik kann ich mich nicht rühren, meine Stimmenbänder scheinen verschnürt zu sein. Mein Körper fühlt sich taub an. Die albtraummäsige Gestalt nährt sich, streckt eine Hand, welche dunkel mit langen Fingern ist, die lange Fingernagel besitzen, nach mir aus. Ich kriege es hin, einen erstickten Schrei von mir zu geben. Auch wenn jemand in der Nähe wäre, würde mich niemand hören. Ich bin diesem etwas ausgesetzt.

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    Panisch reiße ich meine Augen auf. Der süße Geruch von Gras und anderen Pflanzen strömt in meine Nase. Erschöpft setze ich mich auf. Mein Herz rast, jeder könnte hören, wie laut es im Moment klopft. Erschrocken schaue ich mich um, nach der Gestalt Ausschau haltend. Doch ich sehe nur, nun auch deutlich, einen Wald mit Laubbäumen. Das Gras unter mir ist weich und duftet frisch. Durch die Blattkronen fallen vereinzelte Sonnenstrahlen zu Boden, welcher durch das Licht getüpfelt wird. Alles ist ruhig. Aber wo bin ich? Was ist passiert? Und was war das für eine Gestalt? „H-Hallo? Ist hier jemand?“ Keine Antwort auf meinen Ruf. Verständlich. Ich bin ja im Wald.
    Mein erster Versuch, aufzustehen, scheitert und ich falle zu Boden. Mein Hinterkopf brummt, als ob in meinem Kopf Bienen wären. In den Baumkronen zwitschern Vögel, was mich eigentlich beruhigen würde, aber ich bin an einem fremden Ort, ich weiß nicht wo ich bin.
    Beim zweiten Versuch aufzustehen schaffe ich es stehen zu bleiben, jedoch mit zittrigen Beinen an einem Baum lehnend. Ein paar Minuten lang stehe ich so da, darüber nachdenkend, was passiert ist. Wo ist überhaupt Ben? Wovor wollte er mich überhaupt warnen? Zitternd betaste ich mit den Fingerkuppen meinen Hinterkopf. Nichts. Keine verklebten Haare, keine warme Flüssigkeit, nur Schmerz, welcher sich bei jeder Berührung meldet.
    Noch einmal schaue ich mich nach der Gestalt um und rufe noch einmal nach irgendjemandem, doch das, was ich nur höre und sehe, ist der friedliche Wald mit Vogelgezwitscher. Langsam, bei fast jedem Schritt torkelnd, setze ich mich in Bewegung. Keine Ahnung, wohin. Vielleicht finde ich einen Weg aus dem Wald heraus. Vielleicht finde ich eine Person, die mir helfen kann und wahrscheinlich kann ich auch bei einer Person Hilfe finden.
    Ich hab erst ein paar Schritte gemacht, da fliege ich auch hin, direkt auf die Nase. Jedoch falle ich nur auf weiches Gras, weshalb mich nur Schmerz, aber keine Verletzungen, erwartet. Das, worüber ich gestolpert bin, ist meine Schultasche. Ich nehme sie. In ihr finde ich mein Handy. Sofort schalte ich es an, doch… kein Empfang. Was hätte ich auch erwarten sollen?
    Nach einigen Minuten, wo ich nur durch den Wald laufe, fällt mir etwas Kaltes, Nasses auf die Nase. Eindeutig Wasser. Ich schaue hoch. Über den Bäumen bilden sich schwere Regenwolken. Einige Minuten später beginnt es auch normal zu Regnen. Ich gehe schneller, sicherer, in der Hoffnung, endlich aus dem Wald zu kommen.
    In der Ferne grollt es, der Regen klatscht wie aus dem Eimer auf den Boden herab. Nun renne ich schon stolpernd.
    Als ich schon bis auf die Knochen durchnässt bin und wegen der Kälte zittere, komme ich aus dem Wald. Ein Garten, im Weiten ein riesiges Haus, aussehend wie eine Villa. Ich sammele alle meine Kraft zusammen und stürme durch den Garten über einen Fußweg zur Tür. Heftig klopfe ich gegen die Tür. Ich möchte rein!
    Nichts. Noch einmal klopfe ich. Dieses Mal öffnet sich die Tür auch, jedoch nur einen Spalt breit, sodass ein kleines Mädchen, wahrscheinlich im Alter von 14 Jahren, gerade so mit einem Auge durchgucken kann. „T-tut mir leid wegen der Störung, aber könnte ich bitte rein, bis der Regen vorbei ist?“ Das Mädchen schweigt. In ihrem Auge, dessen Iris Jade grün ist, spiegelt sich eine leichte Verwirrung wieder. Trotzdem nickt sie, geht zur Seite und öffnet mir die Tür. Ich sehe so aus, als wäre ich in einen See gesprungen und würde den Fußboden zu einer Pfütze machen, aber trotzdem gehe ich dankbar rein. Das Mädchen, einen Kopf kleiner als ich, schließt hinter mir die Tür und geht an mir vorbei, darauf achtend, dass sie nicht in das Wasser tritt, welches von mir tropft.
    „Ein Gast?“, stellt eine männliche Stimme fest. Auf einer Treppe steht ein Junge mit sandfarbenem Haar. Freundlich lächelt er mich an. Aus einem Raum kommt eine Frau. Ich blinzele verwirrt. Scheint es mir nur so oder schwebt sie da? Sie bleibt vor mir stehen und schaut mich an. „Kindchen, wo warst du nur? Du musst sofort die Kleidung wechseln! Luca, kannst du bitte ihm das Badezimmer zeigen und ihm Kleidung von dir leihen?“ Bei ihrem letzten Satz schaut sie zu dem Jungen, welcher Luca genannt wurde. Der nickt. „Klar. Komm mit“, grinst er mich an. Zögernd folge ich ihm. Im ersten Stock sind die Flure groß und in ein schönes Braun gestrichen. Gegen die riesigen Fenster trommelt der Regen.
    Schweigend folge ich Luca, der mir wenig später eine Tür öffnet. „Geh schon mal rein, ich bringe dir schnell trockene Kleidung“, meint er und rennt schon los eine Treppe hoch. Etwas verloren gehe ich einfach ins Badezimmer und trockne mich ab. Wenig später klopft auch jemand an die Tür und Lucas Stimmer ertönt. „Kannst du mich reinlassen?“ Eilig öffne ich ihm die Tür. Er reicht mir die Kleidung. „Zieh dich um, ich werde hier auf dich warten“, verspricht er mir. Gehorsam ziehe ich mich um, öffne dann die Badezimmertür und…
    Finde auf dem Flur niemanden vor. „Luca?“ Keine Antwort. Verdammt, wo ist er hin? Ich lasse meinen Blick durch den Flur schweifen. „Was machst du hier?“ Eine knurrende, raue Stimme durchschneidet die Stille. Ich zucke zusammen und schaue mich um. Niemand ist zu sehen. „Wie nervig. Du kannst mich nicht sehen, du Opfer“, knurrt die Stimme wieder. „W-warum?“
    Bevor ich eine Antwort bekommen kann, erklingt eine andere, weibliche Stimme: „Dark, du solltest das lieber nicht machen!“ Ich schaue in die Richtung, von der die zweite Stimme kommt. Ein blondes Mädchen kommt angelaufen, in der Begleitung von Luca. „Nervig“, erklingt die Stimme wieder. Das Mädchen und Luca bleiben vor mir stehen. „Wo warst du?“ „Anna wollte Hilfe von mir. Deshalb war ich kurz nicht hier, sorry“, entschuldigt Luca sich und zeigt auf das Mädchen, welches wahrscheinlich Anna heißt. Die lächelt mich an. „Ich bin Anna, und du?“ Die Frage trifft mich wie ein Schlag. Ich merke, dass ich mich nicht an meinen Namen erinnere.
    Als ich nicht auf die Frage antworte, nickt Luca. „Verstehe. Keine Sorge, du bist nicht der Erste. Komm jetzt. Madame Air möchte mit dir sprechen.“ Und schon geht er los. Madame Air? Dieser Name kommt mir allzu bekannt vor. Schnell eile ich den beiden hinterher. „M-Madame Air? DIE Madame Air? Ein Geist der Luft?“ Luca lacht gut gelaunt. „Du scheinst dich auszukennen“, lächelt Anna. „A-aber… aber…“ Mir fällt nicht ein, was ich sagen könnte. Also folge ich den Beiden ins Erdgeschoss zu einem großen Raum, welches wohl das Wohnzimmer ist.
    Die erste Person, die mich anspricht, ist ein Junge, welcher mich aus warmen, goldbraunen Augen anschaut. „Hey there! Nice to meet you, are you new in town?“ Ich blinzele. Das überfordert mich ein bisschen. Warum redet er auf Englisch? Und warum in Songtexten aus dem Song "Surrive the night"? „Levi, sei still“, murrt ein schwarzhaariger, junger Mann, wahrscheinlich im Alter zwischen 19 und 20 Jahren. In einem Sessel sitzt die Frau von vorhin. Warm lächelt sie mich an.
    „Tut mir Leid für das Chaos. Mein Name ist Madame Air. Wie ich sehe du hast fragen. Setz dich doch, dann können wir besser dir alles erklären. Zunächst möchte ich aber wissen, wie du hierhergekommen bist.“ Etwas sehr überfordert setze ich mich auf die Couch, auf welcher sich auch Luca neben den Schwarzhaarigen niedergelassen hat. Nun erkläre ich, wie ich zu diesem Ort gekommen bin. „Ich weiß nicht, wo ich bin und was passiert ist…“, beende ich meine Erklärung. „Super, dann muss er ja hier bleiben.“ Und schon wieder diese raue Knurr-Stimme. Erschrocken fahre ich zusammen und schaue mich in diesem Raum um, doch ich sehe keine Person, die dazugekommen sein könnte. „Ich hab doch gesagt, dass du mich nicht sehen kannst. Lerne, zuzuhören, du Depp.“ Offensichtlich genervt verdrehen einige die Augen. Madame Air schaut in die Richtung, von der die Stimme kommt. „Dark, mein lieber, kannst du bitte nicht unseren Gast so erschrecken?“ Die Stimme seufzt genervt, dann, in einer dunklen Ecke, erhebt sich ein Körper. Ich kippe schon fast seitlich von der Couch runter. War dieser Körper eben leblos? Der Junge, welcher sich erhoben hat, mustert mich böse. Würde er nicht so fies gucken, würde er sofort sympathisch wirken.
    „Nun, aber Dark hat eigentlich recht“, meint Anna, die neben dem Jungen steht, welcher davor Levi genannt wurde. Luca scheint es nicht zu verstehen. Ich auch nicht. Aber ich höre eh kaum zu. Was ist mit diesem Jungen falsch? War sein Körper eben leblos? Warum habe ich den Körper nicht mal bemerkt? Tausende weitere Fragen schwirren durch meinen Kopf.
    „Hallo! Hörst du zu?“, reißt mich Lucas Stimme aus den Gedanken. „Äh… was ist?“ Dark redet los, bevor es die anderen tun können, wenn auch ziemlich genervt. „Du bist irgendwo im nirgendwo. Anscheinend ist dir etwas in der normalen Welt passiert, weshalb du hier bist. Und weil du auf dem Weg hierher von jemandem erwischt wurdest, kannst du nicht zurück, entweder, du willst sterben.“
    Ich schweige. Anna seufzt. „Das hättest du auch freundlicher erklären können, Dark“, meint Luca. Bevor noch ein Streit anfängt, frage ich: „Und was ist mit Ben?“ „Wem?“, kommt es von Anna. „Ben, mein bester Freund. Er… er…“ Ich versuche mich zu erinnern, was passiert ist. Doch da muss ich mir wieder ins Gedächtnis rufen, wo Ben wohnte. Ich war doch so oft bei ihm! Ich versuche mich zu erinnern, wie sich seine Stimme anhört, wie sein Charakter ist, wie er aussieht… Ich weiß nicht, wer Ben ist. Die anderen schauen mich fragend an. Panik steigt in mir auf. Wer bin ich? Wer waren meine Familienmitglieder? Wo wohnte ich?
    Ich kann mich an nichts mehr erinnern.
    „Verstehe“, meint der schwarzhaariger Mann. Er ist der einzige in diesem Raum, dessen Namen ich nicht weiß. „Wir könnten ja Liu fragen, der wird bestimmt helfen können“, fährt er fort. „Nein!“, wenden Luca und Anna gleichzeitig ein. „Warum denn? Der kann ihm die Erinnerungen direkt ins Gedächtnis rufen“, behauptet Dark. „Es reicht fürs erste. Wo sind Fayne und Fate?“, möchte Madame Air wissen. Levi zuckt die Schultern, Dark guckt genervt weg, der Mann lehnt sich schweigend nach hinten und Luca und Anna sagen nichts.
    „Sie sollten draußen sein“, behauptet eine leise Stimme. Ich zucke zusammen und sehe das Mädchen an, welches mir vorhin die Tür geöffnet hat. Madame Air seufzt, dann wendet sie sich an den schwarzhaarigen Mann. „Night, zeig ihm bitte das Gebäude-“ Ihr Satz wird unterbrochen, indem Darks Körper zusammensackt. Das reicht. Ich kippe seitlich von der Couch runter, um mich herum wird alles verblendet. Kein Geräusch dringt an mein Ohr. Ich höre nur Stille und sehe Dunkelheit.

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    „Der schläft ja eine Ewigkeit.“ „Sei still. Wenn’s dir nicht passt wecke ihn einfach.“ „Klar, ich hole gleich kaltes Wasser.“ „Wenn du das tust, spieße ich dich auf!“ „Chill, er meinte es bestimmt nicht so-“ „Doch, ich meinte es ernst.“
    Ich höre verschiedene Stimmen. Müde öffne ich die Augen. Etwas Schwarzes liegt auf meinem Brustkorb. „Endlich wach?“, fragt ein schwarzhaariger Junge, seine Frage klingt jedoch eher wie eine Feststellung. Drei weitere Personen stehen bei ihm, alle drei sind ebenfalls Jungen.
    Der erste Junge ist auch der einzige, welcher mich freundlich anlächelt, seine grünen Augen glänzen. Der schwarzhaarige Junge schaut mich nicht mal an, der dritte guckt genervt und ist der kleinste von der Gruppe. Der letzte Junge hat seltsamer Weise violettes Haar, sein Blick ist aggressiv. Als hätte er einen Grund dazu, mich so böse anzugucken. Das Schwarze etwas auf meinem Brustkorb ist eine schwarze Katze. Wo bin ich? Und wer sind diese Personen?
    „Beruhig dich, du bist immer noch im Haus von Madame Air“, meint der grünäugige Junge beruhigend. „Mein Name ist Toby. Freut mich dich kennenzulernen.“ Die anderen drei Jungen stellen sich ebenfalls vor, wenn auch nicht besonders freundlich. Der schwarzhaarige heißt Kamil, der kleinste Jason und der, der mich mit fuchsroten Augen aggressiv anstarrt ist Foxy. „Die Katze dort ist so by the way Gin“, meint Toby und deutet auf die schwarze Katze, die nun nicht mehr auf meinem Brustkorb liegt, sondern auf einem Schreibtischstuhl. Ich befinde mich in einem Jungenzimmer. Die Katze blinzelt seltsamer Weise. Als würde sie die Behauptung bestätigen, fast schon wie ein Mensch.
    „Alles gut bei dir? Uns wurde gesagt, du bist einfach so umgekippt“, möchte Toby wissen. Ich nicke. „Ja, alles in Ordnung.“ Wenn das nur wahr wäre. Teils neugierig mustere ich die Personen. Bei Jason fällt mir etwas auf, was mich erschaudern lässt. Der guckt mich genervt an und murrt: „Was?“ Bei der, von Jason aus gesehen, linken Hand besteht der kleine Finger doch aus… aus Puzzleteilen? Kamil seufzt genervt. „Warum können wir es ihm nicht einfach erklären?“ Die Katze faucht Kamil an und macht eine seltsame Bewegung mit der Pfote. „Ist nicht hilfreich Gin“, meint Kamil und hebt die Katze. Mir fällt auf dass er mich die ganze Zeit durch überhaupt nicht, nicht mal eine Sekunde lang, angeschaut hat.
    Durch ein Fenster leuchtet Sonnenlicht, was mir gerade erst jetzt auffällt. Das Gewitter ist also vorbei. „Es ist schon nächster Tag, falls du es möchten willst. Gestern bist du hier aufgetaucht“, erklärt Jason genervt. „Ich hab ja gesagt er schlief ‘ne Ewigkeit“, meldet sich Toby zu Wort.
    Auf einmal klopft es an der Tür und ohne eine Antwort abzuwarten öffnet sie sich auch. Ein Mädchen mit braunem Haar steckt den Kopf durch die Tür. „Essen“, benachrichtigt sie. Toby eilt sofort los, Foxy und Kamil, welcher weiterhin die Katze im Arm hat, folgen ihm langsamer. Jason reißt mich auf die Füße und zerrt mich zur Tür. Stolpernd folge ich ihm. Das Mädchen schaut mich kurz an, dann geht sie ebenfalls runter.
    Im Erdgeschoss werde ich in einen großen Raum, dem Wohnzimmer nebenan, geführt. Ein großer Tisch steht in der Mitte des Raumes, an welchem verschiedene Personen sitzen. Ich erschaudere bei dessen Aussehen.
    Ein Junge, neben dem Anna sitzt, sieht unnormal aus. Sein, von ihm aus gesehen, linkes Auge hat einen schwarzen Augapfel mit einem weißen, kleinen Kreis, welcher wohl die Iris und Pupille darstellt. Bei seinem rechten Auge ist das genau anders herum. Seine Haut ist schneeweiß, sein Haar schimmert silbern. Ein gruseliges, leichtes Lächeln ziert seine Lippen.
    Auf der anderen Seite von Anna sitzt Luca, neben dem ein Junge sitzt, welcher den Gesichtszügen nach zu Luca identisch aussieht, jedoch sind Haar- und Augenfarbe anders. Sonst sind dort zwei Personen, die eine Hälfte ihres Gesichtes mit einer Maske bedecken, eine junge Frau versteckt ihr Gesicht komplett mit einer Maske, durch die Stellen, wo ihre Augen wären, leuchten eisblaue Punkte. Ein Junge sieht wie ein schneeweißer Fleck aus, seine giftgrünen Augen sind bei seinem Aussehen eine Ausnahme. Ein Junge ist ein kleines bisschen durchsichtig, links neben ihm ist ein Mädchen mit Katzenohren und Schwanz. In der linken Augenhöhle eines Mädchens, neben die sich Jason setzt, blüht eine königsblaue Rose. Madame Air lächelt mich freundlich an.
    Die Katze springt zu Boden, während dem Sprung nimmt sie eine menschliche Form an, als ob ich nicht genug geschockt wäre. Ein Platz zwischen Dark und dem braunhaarigen Mädchen von vorhin ist frei.
    Alle Blicke sind auf mich gerichtet. „Tut mir Leid, falls wir dich nun erschrecken“, entschuldigt Madame Air. „Setz dich.“ Sie deutet auf den Platz Madame Air gegenüber. Brav setze ich mich auf den angewiesenen Platz zwischen Foxy und einem schwarzhaarigen Jungen, welcher neben dem etwas durchsichtigen Jungen sitzt.
    „Bleibt er hier?“, kommt es von einer Stimme, doch niemand hat seine Lippen bewegt. Ich schaue zu Dark. Sein Körper lebt, denn Dark dreht seinen Kopf zu mir um mich böse anzugucken. „Hier.“ Wieder diese Stimme. Einige Grinsen, andere wirken genervt. Die Stimme kommt vom freien Platz. Dort bemerke ich einen Jungen. Sein Haar fängt weinrot an und verläuft zu den Haarspitzen hin in ein Grau. Einen Ellenbogen stützt er auf den Tisch, auf die dazugehörige Hand des Armes hat er seinen Kopf gelegt.
    Madame Air sagt nichts zu dem Geschehen, sondern erlaubt anzufangen zu Essen. Gehorsam wenden sich die Personen an ihr Essen. Die Mehrheit von den Personen scheint zwischen 16 und 18 Jahren zu sein. „Wird er also bleiben?“, möchte der Junge mit roten bis grauem Haar erneut wissen. „Ja“, antwortet Madame Air. „Was ist das hier eigentlich für ein Ort? Und Haus?“, stelle ich meine Fragen. „Ich hab doch gesagt du bist irgendwo im nirgendwo“, knurrt Dark. Von beiden Seiten kassiert er von einem rothaarigen Mädchen und dem rot - bis grauhaarigen Jungen einen Schlag in die Seite. Knurrend wendet er sich wieder an sein Essen.
    „Wie dir aufgefallen ist, sind wir alle hier… anders als normale Menschen. Deshalb leben wir hier“, meint Madame Air. „Aber… Warum bin ich dann hier?“ Der Junge links neben mir wendet sich von seinem Essen an mich. „Du musst irgendeine Fähigkeit haben, wenn du hier bist.“ „Ich bin doch normal!“, werfe ich ein. Der unheimliche Junge neben Anna fragt Madame Air: „Könnte ich ihm vielleicht helfen?“ Doch Madame Air antwortet nicht auf seine Frage.
    Nach kurzem Schweigen fängt ein Tischgespräch an: Der Junge, welcher eine Hälfte seines Gesichtes mit der Maske bedeckt, schaut an Levi und einem Mädchen, ebenfalls mit verdeckter Gesichtshälfte, die ihm ziemlich ähnlich sieht, vorbei zu Madame Air. „Müssen wir heute noch irgendwo hin?“ Die Frau schüttelt den Kopf. „Nein, heute nicht. Mir scheint das heute irgendwie zu gefährlich.“ Nun fängt auch das Mädchen an zu reden: „Warum? Gestern ist doch nichts passiert…“ „Wenn ihr Bock habt, heute rauszugehen, es anfängt zu regnen und ihr eine Krankheit bekommt dann geht doch“, wirft Dark ein. Und wieder kassiert er von Links und Rechts Schläge.

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    Nach dem Essen zeigen Fayne und Fate, so heißen die Zwillinge die eine Hälfte ihres Gesichtes mit einer Maske verdecken, das Gebäude. Im Erdgeschoss sind, neben dem Speiseraum und dem Wohnzimmer, noch eine Küche, ein Badezimmer, Musikraum und leere Räume. Außerdem gehen wir an einer schweren, großen Tür vorbei, doch als ich frage, zu welchem Raum die Tür gehört, meint das Zwillingspaar nur, dass ich dort auf jeden Fall nicht hinwill.
    Im ersten Stock sind neben dem Badezimmer das Schlafzimmer und Büro von Madame Air, eine Bibliothek, noch ein Musikraum und weitere leere Räume, die auch verschlossen sind.
    Im zweiten, wie auch im dritten Stock, sind die Zimmer der restlichen Personen und ein Badezimmer dort, nebenbei wenige leere Räume. Auch im dritten Stock gibt es eine verschlossene Tür, dessen Grund der Existenz mir die Zwillinge auch nicht verraten wollen.
    „Nun…“, beginnt Fayne, Fate beendet den Satz, „…such‘ dir einen Raum aus.“ Die zwei schieben mich vor vier Türen, alle sind in ein ödes grau gestrichen. Alle sehen eigentlich gleich aus. Ich überlege, weshalb ich mir einen Raum aussuchen sollte. Aber wahrscheinlich würden die zwei mir nichts sagen wollen. Also entscheide ich mich einfach für die Tür ganz rechts und öffne diese. Der Raum ist ebenfalls in einem trostlosen Grau enthalten… Aber nur für eine Weile.
    Auf einmal fließt von mir aus Farbe. Der Fußboden wird zu einem schön braunen Holzboden. Die Wände werden grün, Möbel, mit denen ich mein Zimmer gestalten würde, tauchen auf, sodass ein schönes Zimmer entsteht. Verwirrt starre ich das Zimmer an. „Gefällt’s dir?“, möchte Fate wissen. Er steht im Türrahmen, seine Schwester ist seitlich hinter ihm. Jetzt merke ich, dass die Tür ebenfalls verändert ist. Nun ist sie eine kastanienbraune Haustür. „A-aber wie…“, fange ich an. „Personen, die hierher kommen und auch eine Fähigkeit besitzen, bekommen ein Zimmer zugeordnet. Man betritt ein leeres Zimmer und dann entsteht das Perfekte Zimmer für diese Person“, erklärt Fate.

    6
    Dunkelheit umhüllt mich. Stille. Bis auf das Rauschen der Bäume und ab und zu einem leisen Rascheln herrscht Stille. Ich schaue hoch. Nur Schwärze. Ich vermisse das sanfte Mondlicht, welches in mein Zimmer drang bevor ich einschlief. Stolpernd laufe ich durch die Dunkelheit. Unter meinen Füßen, die weder in Socken, noch Schuhen stecken, spüre ich Nadeln, die in meine Füße pieken. Ich muss in einem Nadelwald sein.
    Ein Geräusch erklingt. Röcheln, schweres Atmen, seltsames Pfeifen und ganz leises, fast überhörbares Klicken. Bei diesem Geräusch, welches eindeutig lauter wird, erstarre ich zu einer Salzsäule. Blanke Panik ist in mein Gesicht geschrieben. Nicht mal ein Blinder würde die pure Angst in mir übersehen.
    Dieses Geräusch kommt nicht von einer Richtung. Es scheint von überall herzukommen. Glühende, hässliche weiße Punkte, in deren Mitte ein bisschen Rot schimmert, werden sichtbar, doch sie erhellen nichts, egal wie stark sie leuchten.
    Schritte.
    Obwohl ich im Wald bin vernehmen meine Ohren das Geräusch von hallenden Schritten. Meine Fußsohlen spüren tatsächlich etwas kaltes, hartes, sowas wie einen kalten Steinfußboden. Die Punkte verblassen. Irgendwo in dieser Dunkelheit steht jemand, das spüre ich deutlich und gleichzeitig glaube ich das nur. Das Geräusch von vorhin verklingt.
    Beißende Stille und verschluckende Dunkelheit ist das einzige, was anwesend ist. Und trotzdem scheint mir es so, als wäre da eine weitere Präsenz. Weder menschlich, noch unmenschlich. Der Boden unter mir ist nicht mehr vorhanden, ich stürze ins nichts.
    „Ich werde ihn suchen. Ich werde ihn finden. Ich werde ihn verletzen…“
    „…Ich werde sie alle töten.“
    Töten? Warum höre ich zwei Stimmen? Woher kommen sie? Das Wort „töten“ hallt mir durch den Kopf. Was soll das? Wo bin ich! Kälte, aber auch gleichzeitig Hitze umhüllt mich, während ich weiterhin ins nichts stürze.
    Ich finde mich in einem weißen Raum wieder. Das Weiß ist grell und leuchtend, es raubt mir schon fast mein Augenlicht.
    Vor mir, ein paar Meter entfernt, erkenne ich erst jetzt eine Gestalt: Sie ist riesig, dunkel und hat lange Glieder. Es scheint über dem Boden zu schweben. Tuchähnliche, schwarze Sachen hängen leicht flatternd vom dürren Körper runter. Es erinnert mich ein kleines Bisschen an die Seelenfresser aus Harry Potter, nur dass das hier viel größer ist. Der Kopf ist für den langen Körper recht klein, Haare sind nicht zu sehen, ebenfalls keine Nase und Ohren. Ein kleines, keines Weges rundes Loch klafft im Kopf, dort, wo eigentlich ein normaler Mund wäre. Die Augenhöhlen sind leer.
    Ich kann einen Schrei von mir geben, der jedoch erstickt wiederhallt. Das etwas streckt sofort den Arm nach mir aus. Die Finger sind lang, doppelt so lang wie die dazugehörigen Fingernägel. Die Haut ist schwarzgräulich und schuppig, ziemlich ungepflegt. Ein seltsamer, widerlicher Geruch weht mir entgegen, obwohl ich in einem Raum bin, da kann es keinen Wind geben! Der Geruch ist säuerlich, besteht auch aus Blutgeruch und trägt in sich noch den Gestank von Leichen mit sich.
    Wieder dieses Geräusch: Röcheln, leises Klicken, Pfeifen und schweres Atmen. Das etwas berührt mich fast, in den leeren Augenhöhlen lodern zwei kleine, milchig weiße Punkte, in der Mitte ein Rotstich.
    Plötzlich gibt wieder der Boden unter mir nach, erneut stürze ich in die Dunkelheit, ins nichts. Raue, heisere und röchelnde Stimmen klingen an mein Ohr, jedoch kann ich kein Wort verstehen. Eine Stimme, drei verständliche Worte klingen aus diesen Geräuschen heraus und dringen an meine Ohren.
    „Hey, wach auf!“

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