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Niemals ohne Milla

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2 Kapitel - 1.201 Wörter - Erstellt von: Amethyst - Aktualisiert am: 2017-02-19 - Entwickelt am: - 267 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt - 2 Personen gefällt es

Ich habe mich zum ersten Mal seit Ewigkeiten an einen Traum erinnert und er besaß diese Rahmenhandlung. Ich habe diesen Traum geliebt und ihn ein bisschen geschmückt und an den Namen herumgebastelt, aber letzten Endes ist das hier daraus geworden. Weitere Erklärungen findest Du in Kapitel 1.

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    Hey!
    In der Einleitung stand ja das mit dem Traum und so, aber hier noch einige Infos, die das Lesen einfacher machen könnten.

    1. Dies ist KEINE Fanfiktion. Es basiert auf keinem einzigen Buch und somit probiere ich hiermit etwas ganz neues aus.
    2. Ich wollte anfangs nicht aus der Sicht einer 21-Jährigen schreiben, da dieses Alter viel älter als meins ist, aber ich wollte einen starken Kontrast zwischen Milla und der Erzählerin, da sie sich im Charakter her sehr ähneln.

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    Nein, Herr Doktor, ich bin nicht verrückt
    Milla sah den Arzt mit großen braunen Augen an. "Was wollen Sie machen?", fragte sie.
    Milla war schon oft beim Arzt gewesen. Sie war schon immer anfällig für Krankheiten. Aber diesmal hatte sie weder Fieber noch sonstiges, und das wusste Milla. Sie wusste ebenfalls, das vor kurzem so ein komisches grünes Licht ihr Bein durchleuchtet hatte, das Bein, das seit geraumer Zeit wehtat, mehr aber auch nicht. Und die Kleine würde niemals darauf kommen, dass zwischen dem Licht und diesem Arztbesuch ein Zusammenhang bestand.
    Der Doktor warf einen fragenden Blick zu mir und Mam, richtete seine Aufmerksamkeit dann aber wieder auf Milla. "Du hast gesagt, dein Bein tut weh?", fragte er. Oh Gott, dachte ich, bitte mach, dass Äffchen nichts passiert.
    "Ja", antwortete Milla.
    Ich wusste damals nicht, was meine Milla zu dem Zeitpunkt gedacht hat. Inzwischen hat sie es mir gesagt, aber was sie dachte, verrate ich noch nicht.
    "Erzähl ihm, warum dein Bein wehtut, Äffchen", sagte ich.
    Milla, meine süße kleine Milla, drehte sich kurz zu mir um und lächelte. Sie war ein kleiner Sonnenschein auf Beinen, ein kleines Trostpflaster für Mam und mich. Damals, vor acht Jahren, als Paps einen tödlichen Unfall hatte, waren Mam und ich am Boden zerstört. Mam schreib mir eine Entschuldigung für die Schule, und wir trauerten gemeinsam. Wenn irgendjemand uns gesehen hätte, eine Dreizehnjährige und eine Vierzigjährige, die stumm an einem schwarzen Tisch saßen hätte man uns für erstarrt halten können.
    Paps war ein unentbehrlicher Teil unserer beider Leben gewesen, den wir hatten entbehren müssen. Wir waren damals tief geschockt.
    Nach einer Woche, die meine Lehrer und die Arbeitgeber von Mam uns geschenkt hatten, musste ich wieder zur Schule und sie zurück zur Arbeit. Allerdings war es nie wieder das selbe ...
    bis Mam feststellte und die Ärzte ihr sagten, dass sie schwanger war. Wir haben es uns nie gesagt, aber ich wette, dass wir beide uns ein Kind wie Dad wünschten, ein enthusiastischer, optimistischer Sonnenschein. Nach ein paar Monaten war Mam wieder aus der Arbeit raus und nach einem halben Jahr kam meine kleine Schwester zur Welt. Ein Kind wie Dad. Mams und mein Wunsch warin Erfüllung gegangen. Mein kleines Geschwisterchen brachte Sonne in unseren grauen Alltag und Leben in unsere traurigen Gesichter. Milla war da.
    Und genau diese Sonne lächelte mich jetzt an.
    Ich dachte damals nicht zum ersten Mal, dass ich total froh war, Millas Schwester zu sein.
    Die zarte Stimme meines Äffchens unterbrach meine Gedanken. "Ich bin auf dem Schulhof hingefallen", erzählte sie, "beim Spielen mit meinen Freunden."
    "Wie alt und in welcher Klasse warst du da?", wollte der Doktor wissen.
    "Sieben und in der zweiten."
    "Gut. Erzähl weiter."
    Meine Schwester warf Mam und mir einen unsicheren Blick zu, ganz klar 'Soll ich?'. Ich nickte bekräftigend und aus dem Augenwinkel sah ich, dass Mam dasselbe tat. Milla lächelte und fuhr fort: "Ich habe mir das Knie verdreht."
    "Hast du deinen Eltern davon erzählt?", fragte der Arzt. Ohne es zu wollen, stieß Mam einen leisen Klagelaut aus. Ich konnte sie vollkommen verstehen. Eltern. Dieser Typ besaß absolut kein Taktgefühl.
    Ich legte ihr eine Hand auf den Arm. Bei Anspielungen auf Paps halfen wir uns gegenseitig, so war es immer schon. Mam blickte dankend zu mir, richtete ihre Aufmerksamkeit dann allerdings wieder auf ihre jüngere Tochter, die sich wieder zu uns umgedreht und unsere Reaktion beobachtet hatte. 'Sag es ihm', formte ich mit meinen Lippen.
    Milla nickte und drehte sich wieder zum Arzt. "Ich habe keine Eltern." Ich grinste leicht. Jawoll, besser hätte ich es nicht ausdrücken können. Der Blick des Doktors wanderte zu Mam und mir. 'Pokerface, Mam, bitte.'. Sie schien zu verstehen, denn sie verbannte allen Schmerz aus ihrem Gesicht.
    "Doch, sicher", sagte der Arzt verwundert, "Da steht deine Mami, und irgendwo Zuhause ist dein Papi ..."
    "Ich sage Mam", widersprach Milla, "Mami klingt total albern. Und nein."
    "Bitte was?"
    "Mein Paps ist nicht irgendwo Zuhause. Ich habe keinen Paps."
    Ich kam nicht darum herum, meine kleine Schwester zu bewundern. Den Doktor so ans Denken zu kriegen - das hätte ich nicht geschafft. "Natürlich hast du einen Vater", entgegnete der Arzt. "Sonst würdest du hier nicht stehen." Milla schaute ihm fest in die Augen. "Ich brauch keine Belehrungen in Sexualkunde, danke." Wow, Milla. Bei diesem Satz hätten 90 % aller Achtjährigen angefangen, zu kichern, meine Schwester blieb ernst und redete weiter: "Ich habe meinen Paps nicht ansatzweise kennengelernt, weil zwei Monate vor meiner Geburt ein Auto auf ihn draufgefahren ist. Und es war nicht seine Schuld! Er ist bei grün über ne Straße gegangen, aber ein Auto ist weitergefahren, obwohl es rot hatte. Mam und Mia haben mir von ihm vorgeschwärmt und ich glaube ihnen, dass Paps toll war. Weil sie mich nicht anlügen! Und Sie können so viel behaupten, wie sie wollen, ICH HABE KEINEN VATER!"
    Milla holte tief Luft. Die letzten Worte hatte sie regelrecht gebrüllt. "Und wenn Sie mir nicht glauben", sagte sie leiser, "Fragen Sie doch Mam und Mia."
    Ich konnte nicht anders, ich musste zu Milla rennen, sie umarmen und ihr ins Haar flüstern "Milla, oh Milla ..."
    Und weil es nicht nur eine dämliche Theorie gewesen war, starrte mich der Doktor noch bescheuerter an.
    Aber das war es mir definitiv wert.

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