Springe zu den Kommentaren

Nachtschwärmer

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 1.324 Wörter - Erstellt von: Hanekawa - Aktualisiert am: 2017-03-09 - Entwickelt am: - 877 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 3 Personen gefällt es

Seit ihrem ersten gemeinsamen Jahr auf Hogwarts haben Blaise und Emily keine Geheimnisse voreinander, doch die Dinge zwischen ihnen verändern sich gewaltig, als Blaise seine Gefühle für Emily entdeckt, während sie sich zunehmend für die Ideen von Dumbledores Armee begeistert. Wird Blaise zu seiner Freundin stehen oder wird ihre Freundschaft daran zerbrechen?

1
Blaise seufzte laut. Er wandte seinen Blick vom Kamin ab und mir zu. „Dafür liebe ich dich, Spooky. Es gibt keine wie dich.“
„Ist das etwa ein Antrag?“, fragte ich mit gespieltem Entsetzen.
Er legte mir überdramatisch die Hand auf den Mund, um mir zu bedeuten, dass ich inmitten der Nachtruhe nicht so ein Theater veranstalten solle, doch ich konnte deutlich erkennen, wie er sich das Lachen verkneifen musste. Wir saßen nun schon seit einer Ewigkeit so im Gemeinschaftsraum. Vor uns flackerte noch ein müdes Feuer, der Rest der Kerker war in Dunkelheit gehüllt. Er und ich teilten das Schicksal zweier Schlafloser. Inzwischen war es fast zu unserem Ritual geworden, uns in ungestörter Zweisamkeit die verrücktesten Geschichten des Jahrgangs und so manches persönliche Geheimnis zu erzählen, wenn wir in den frühen Morgenstunden gelegentlich aufeinandertrafen. Alles hatte damit begonnen, dass ich ihn während meiner nächtlichen Ausflüge im ersten Schuljahr einmal beinahe umgerempelt hätte - zu meiner Verteidigung, ich bin eine chronische Schlafwandlerin. Seitdem hatte Blaise mir nicht nur den Spitznamen Spooky verpasst, er war auch zu meinem besten Freund geworden.
Das erste Schuljahr lag mittlerweile weit hinter uns. Ich musterte Blaise schläfrig und musste feststellen, dass aus dem kleinen Jungen von damals ein fast schon erwachsen wirkender Teenager geworden war. Und wie wir hatten sich auch unsere Gesprächsthemen verändert. Blaise hatte schon mit dem fünften Schuljahr begonnen, sich in einen regelrechten Frauenhelden zu verwandeln und dies schien er jetzt, ein Jahr später, nahtlos fortzusetzen. Er hatte mir gerade von einem seiner Liebesabenteuer berichtet, dass wieder nicht länger als drei Wochen gehalten hatte. Zu falsch, zu zickig, zu oberflächlich… Der Junge hatte auch immer etwas auszusetzen, doch lernen wollte er daraus scheinbar nicht.
„Vielleicht solltest du es einfach ruhiger angehen“, riet ich ihm nun mit leiser Stimme.
„Es kann nicht jeder so hoffnungslos romantisch sein wie du, Spooky“, entgegnete er spöttisch.
Ich guckte ihn kurz böse an, konnte seinem unerhörten Grinsen aber nicht standhalten.
„Hör auf, mich Spooky zu nennen“, schmollte ich, „und überhaupt, was maßt du dir an, mich hoffnungslos romantisch zu nennen, wo du doch rein gar nichts über mein Liebesleben weißt?“
„Na gut, Emily“, setzte er langsam an, „aber was heißt hier Liebesleben? Hab’ ich was verpasst?“
„Das hast du nicht gesagt!“, zischte ich. Und wieder gebot er mir, still zu sein, indem er seinen Zeigefinger an meine Lippen legte. Ich nahm ihn möglichst lautlos in den Schwitzkasten, denn das war die einzig angemessene Strafe für so eine Dreistigkeit. Dabei hatte ich die Rechnung jedoch ohne ihn gemacht, der sich mit einem Handgriff aus meinen Armen wand und mir die Hände über dem Kopf zusammenhielt. Er zuckte mit den Schultern. „Widerstand ist zwecklos, Miss Belmont“, kicherte er. „Ich will zurück in die erste Klasse“, murmelte ich verdrossen, „damals war ich noch stärker als du.“
Als Blaise sich wieder sicher genug fühlte, löste er vorsichtig den Griff und versank sichtlich erschöpft im Sofa. „Wir sollten versuchen, noch ein bisschen Schlaf zu kriegen“, beendete er unseren Spaß. Ich nickte erschöpft. „Leichter gesagt als getan“, meinte ich, „ich werde in ein paar Stunden wieder über das nächste Möbelstück stolpern und du…“
Nach all den Jahren wusste ich immer noch nicht so recht, warum Blaise an so leichtem Schlaf litt. Er hatte mir einmal erzählt, dass er wohl einfach genetisch dazu veranlagt sei, doch irgendwie zweifelte ich daran, dass das schon alles war.
„Ich hoffe, ich werde mich noch ein bisschen ausruhen können. Morgen haben wir Verteidigung in aller Frühe. Ich will gar nicht dran denken…“, unterbrach er meine Gedanken.
„Du hast Glück, dass ich neben dir sitze, Zabini. Ich werde dich schon irgendwie retten. Gute Nacht!“, meinte ich munter, bevor wir uns trennten, um wieder in die Schlafsäle zu verschwinden.


Mein Wecker traf mich wie ein Schlag ins Gesicht und der Gedanke daran, in Kürze mit Umbridge in den Morgen zu starten, besserte meine Laune nicht gerade. Im Mädchenschlafsaal hatte es schon hitzige Diskussionen über den fragwürdigen Unterrichtsstil der Ministeriumsbeamtin gegeben. Wo Pansy und ihr Gefolge sie glühend verehrten, war sie Lauren, Victoria und mir innerhalb der kurzen Zeit seit Beginn dieses Schuljahrs schon regelrecht verhasst geworden. Bei all den skurrilen Lehrern, die ich seit dem ersten Schuljahr erdulden musste, - angeblich soll darunter sogar ein Werwolf gewesen sein - war Verteidigung nie so einschläfernd gewesen.
Ich verzog missmutig das Gesicht und überlegte, ob Blaise sich wirklich dazu breitschlagen ließe, mit mir zu schwänzen. Doch ich war mir sicher, dass sich Draco ein Stündchen mit Dolores nicht entgehen lassen würde und gegen Malfoy kam ich nie an.
„Schwänzen oder nicht schwänzen, das ist hier die Frage“, zitierte ich einen sehr berühmten Zauberer, während ich mich zaghaft dem Unterrichtsraum näherte. Als ich mit mir selbst beschäftigt durch die Gänge des Schlosses trödelte, in denen wie jeden Morgen Hochbetrieb herrschte, stieß ich unwillkürlich mit einem Mädchen zusammen, eine Gryffindor, wie ich bei näherem Hinsehen erkannte.
„Entschuldige“, meinte sie kurz und lief schon eilig an mir vorbei in die entgegengesetzte Richtung, wobei sie etwas fallen ließ.
Ich bückte mich und griff nach einer Galleone, die so heiß war, dass sie mir beinahe wieder aus der Hand fiel. „Was bei Merlins Bart...“, stockte ich. War das überhaupt eine Galleone? Auf den zweiten Blick erkannte ich, dass statt ihrem Wert ein Schriftzug in das Gold geprägt war: ‚Nächstes Treffen: 8:30 Uhr, dritter Stock, neben der Statue von Godor Graugreis’, ließ die geheimnisvolle Botschaft verlauten.
„Hey!“, wollte ich die Gryffindor aufhalten, aber sie hörte mich nicht.
„Rote Haare, abgenutzte Kleidung“, murmelte ich leise. „Weasley?“, versuchte ich dann auf gut Glück. Das Mädchen machte tatsächlich auf dem Absatz kehrt und blickte verwirrt in meine Richtung. Manchmal lohnte es sich eben doch, Draco zuzuhören. Als sie sah, was ich in meinen Händen hielt, zuckte sie merklich zusammen. Sie riss mir die Münze aus der Hand und zog mich am Handgelenk zur Seite.
„Hast du es gelesen?“, flüsterte sie eindringlich.
Ich wollte gerade zum Sprechen ansetzen, doch sie schnitt mir das Wort ab. „Vergiss es, ich kann dir sowieso nicht trauen“, meinte sie, während sie abschätzig das Slytherin-Wappen auf meiner Brust musterte. Ich wollte gerade meiner Empörung Ausdruck verleihen, doch sie plante scheinbar, mich heute nicht mehr zu Wort kommen zu lassen. „Wenn du wissen willst, was es mit der Galleone auf sich hat, dann komm mit“, meinte sie. Alle Beschimpfungen, die ich mir innerhalb kürzester Zeit für sie ausgedacht hatte, wichen einem verwirrten „Was?“ und so ließ ich mich von einer Weasley immer weiter weg vom Unterrichtsraum durch die Gänge schleifen in dem Gedanken, dass ich mir zumindest ums Schwänzen nun keine Sorgen mehr zu machen bräuchte.

Kommentare (0)

autorenew