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Sieben Worte für ein Wunder: Der Weg zu ihr

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2 Kapitel - 1.558 Wörter - Erstellt von: Kalypso Valdez - Aktualisiert am: 2017-02-05 - Entwickelt am: - 190 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Das ist meine Geschichte zu Tordens Schreibwettbewerb im Januar. Viel Spaß!

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    Als erstes war da dieses Geschrei. Es war nur leise zu hören, weit entfernt, aber da. Er drehte sich nicht danach um, er blieb auch nicht stehen, nein, das Geschrei drängte ihn nur noch schneller zu laufen. Er rannte einen schmalen Feldweg entlang, ohne genau zu wissen, wo hin er führte. Doch das war sein geringstes Problem. Er wagte nicht zurück zu schauen. Ob sie ihn schon folgten? Egal, früher oder später würde er es sowieso erfahren.
    Aber warum? Er war doch einfach nur an ihnen vorbei geschlendert, mit einem wundervollen Gedanken an sie und einem Lächeln im Gesicht, als ein Mädchen mit langen blonden Haaren, fast weiß und einer leeren Glasflache in der Hand auf ihn zugegangen war. Zunächst hat das Mädchen noch normal gewirkt, es war vielleicht siebzehn. Das einzige was ihn ein wenig beängstigt hatte, waren die drei Jungs, mit jeweils einer Bierflasche in der Hand, hinter dem Mädchen. Sie hat ihn angegrinst. Er konnte das Grinsen nicht gut deuten, war es ein freundliches Grinsen oder doch eher ein irres Grinsen? Leider überlegte er zulange, da hatte sich das Grinsen des Mädchens schon in ein Lachen verwandelt. Es war ein Lachen, wie von einer Verrückten. Dazu schwenkte sie ihre Flasche. Am Anfang nahm er das Mädchen gar nicht richtig wahr, bis sie plötzlich auf ihn zugestürzt war und mit der Flasche ausgeholte hatte. Aus Reflex ist er ausgewischen, hat ihr die Flasche aus der Hand genommen und schlug zu…
    Er lief schneller und raste an einer grasenden Kuh vorbei, die ihn mit ihren schwarzen Knopfaugen schief anzugucken schien. Mehrere Abzweigungen kamen ihm in den Weg, er entschied ohne zu zögern. Er versuchte so schnell zu werden wie möglich, aber das war leichter gesagt als getan.
    Er war nicht der beste Läufer. Früher einmal, da hätte er beinahe einen neuen Schulrekord aufgestellt und er war auch mal Stürmer in einer Fußballmannschaft gewesen, aber das hatte sich geändert. Erinnerungen kamen auf, wie er seine Mannschaft mehrfach zum Sieg geführt hatte. Für kurze Zeit war er auch Kapitän gewesen. Er seufzte. Unser Käptin Robbin hieß es, aber dann…
    Robbin schüttelte sich und bemerkte erst jetzt, dass er langsamer geworden war. Jetzt war wirklich nicht der Moment um in Gedanken zu verfallen. Er fluchte und quälte sich wieder schneller zu werden, doch das war nicht so einfach. Er atmete schwer. Und sein Puls stieg jede Minute. Er war bestimmt schon mehrere Kilometer gelaufen. Es schien ihm so als würde dieser Weg nie enden. Es bildeten sich einige Schweißperlen auf seiner Stirn und er spürte wie ihm langsam die Kraft ausging, als er endlich an einer Kreuzung rechts in einen Wald abbog. Er ignorierte die Bäume dessen Blätter zu Boden fielen und vom Wind aufgefegt wurden. Er musste sich beeilen, vielleicht schaffte er es ja doch noch. Robbin zog während des Laufen eine Karte aus seiner Hosentasche und versuchte dabei nicht das Tempo zu verlieren. Eigentlich war es nur eine schlichte weiße Karte, wo ein kleines rotes Herz drauf gemalt wurde. Sie war auch nicht besonders groß, aber es genügte Robbin sie einfach in der Hand zuhalten um zu lächeln.
    Sie hatte es ihm geschenkt. An seinem Geburtstag, noch nicht lange her. Sie war persönlich gekommen um Robbin die Karte zu überreichen. Und wie er sich gefreut hatte, als sie auf der Türschwelle gestanden und ihn mit ihren bildschönen, blauen Augen angesehen hatte, so blau, wie wenn die Mittagssonne auf das funkelnde Meer schien, so funkelten auch ihre Augen. Es ist ihm schwergefallen, aufrecht vor ihr stehen zu bleiben und nicht laut los zu jubeln, als sie ihm die Karte überreicht hatte.
    So lief er eine Weile lange, die Karte an die Brust gedrückt durch den Wald und vergas fast, wovor er überhaupt weglief. Als plötzlich ein großer Windstoß aufkam. Blätter wirbelten umher und die Bäume bogen sich. Ein Ahornblatt flog Robbin genau vor die Augen, sodass er für kurze Zeit die Orientierung verlor und ihm seine schlichte, weiße Karte weggeweht wurde. Er zerrte das feuchte Blatt aus seinem Gesicht und drehte und wendete sich und suchte verzweifelt nach seiner Karte, aber sie war fort. Das einzige, was er von ihr hatte. Er schaute noch einige Zeit unter Laubhaufen und zwischen Büschen und hoffte, dass er sie doch noch fand, aber es war vergeblich. Robbin ließ sich an einen Baum auf den Boden gleiten und starrte betroffen auf seine leeren Hände. Hatte er das denn wirklich verdient? Was hatte er getan, um so viel Pech in seinem Leben zu haben? Gibt es überhaupt Glück? Für ihn bestimmt nicht. Er zog seine Beine an sich und machte sich ganz klein. Er wusste noch genau wie es war als er zuletzt so klein auf dem
    Boden zusammen gekauert saß. Aber…nein, daran mochte er jetzt gar nicht denken, es war schon schlimm genug. Auf einmal spürte er einen stechenden Schmerz in seinem rechten Bein. Er krempelte sein Hosenbein von seiner Jeans hoch und zerrte die Prothese von seinem Stumpf. Er betrachtete sein halbes Bein, aber außer einer kleinen Prellung entdeckte er nichts Ernstes. Robbin atmete erleichtert auf, mit einem entzündeten Stumpf, wäre er nicht besonders weit gekommen. Er montierte seine Prothese wieder dran und stülpte sein Hosenbein darüber.
    Die Prothese war nicht sehr alt, gerade mal zwei Jahre hatte er sie schon. Sie ist aus Edelstahl und wurde genau nach Robbins Bein angepasst. Es ist eigentlich eine ganz schön teure Prothese, aber was tuen besorgte Eltern nicht alles um ihren armen, kranken Jungen noch einmal lächeln zusehen. Trotzdem hatte Robbin sich nicht gefreut. Er wusste natürlich, dass seine Eltern ihm das Beste vom Besten geben würden und auch, dass sie ihn liebhaben, aber am liebsten wollte er doch ein richtiges Bein. Genau das hatte er auch seinen Eltern gesagt und er gab zu, es klang wirklich egoistisch, aber wie sollte er sonst darauf reagieren? Hätte er sich etwa freuen sollen, dass er statt einem echten, ein metallenes Bein hat? Hätte er sich freuen sollen, statt Gesund zu sein, kaum noch Haare zu haben und versuchte um sein Leben zu kämpfen? Nein, das einzige was ihm übrig blieb war durchzuhalten. Er musste nicht zufrieden mit seiner Situation sein, aber er sollte auch nicht in Selbstmitleid zerfallen.
    Robbin schaute auf und guckte sich um. Wo blieben sie? Er erhob sich und ging ein paar Schritte zurück. Niemand da. Er hatte die ganze Zeit damit gerechnet, dass das Mädchen mit der Glasflasche und ihre Gang, die ihren Rausch auslebten, ihm gefolgt wären, aber wie es aussah waren sie das nicht. Ein Hoffnungsschimmer trat auf. Er holte sein Handy aus seiner Jackentasche. 12: 23 Uhr. Er hatte noch neun Minuten, vielleicht schaffte er es noch rechtzeitig. Ohne lange nachzudenken, raste er los. Sofort war er aus dem Wald raus und lief eine menschenleere Straße runter. Er schaute sich nach einer Haltestelle um, aber weit und breit war keine zusehen. Er rannte so schnell er konnte, mit seiner Prothese am Stumpf. So wie er über die Wege schoss war er fast so schnell wie früher. Er bog mehrmals in Seitengassen ab und fragte mehrere Leute nach dem Weg, bis er eine Haltestelle fand. Zwischendurch schaute er auf die Uhr. 12:28 Uhr. Der Bus kam in zwei Minuten. Mist! Robbin fluchte und wippte hin und her. Er ignorierte sein in Schweiß gebadetes Hemd und seine im Gesicht klebenden Haare, er sah jetzt nicht besonders gut aus, aber wenn sie ihn wirklich mochte würde sie ihm das durchgehen lassen. Hoffentlich. Die Zeit verging, wie in Zeitlupe, doch dann bog ein mit Werbung überzogener Bus ein. Er stieg ein und bezahlte sein Ticket. 12:30. Er hoffte, dass sie ihm seine Verspätung verzeihen konnte und suchte einen Platz, als ihn jemand auf einmal von hinten antippte. Sein Herz pochte wie verrückt. Er hielt aus Angst den Atem an. War das Mädchen ihm doch gefolgt? Würden die Jungen ihn jetzt verprügeln? Aber dann sprach eine wohl bekannte Stimme zu ihm, so warm wie ein Sonnenstrahl im Sommer und so weich wie sein Lieblingskissen: „ich hoffe du verzeihst mir meine Verspätung.“ Vielleicht gibt es ja doch sowas wie Glück.

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    Link zu dem Schreibwettbewerb:
    http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewerb

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