Springe zu den Kommentaren

Icarus~ Kapitel 1

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
1 Kapitel - 3.259 Wörter - Erstellt von: Miwa Sugawara - Aktualisiert am: 2017-02-05 - Entwickelt am: - 641 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Das Bauernmädchen "Miwa Seilan Prudence Maria Perch" lebt in einer Zeit geprägt von Krieg zwischen den vier großen Königreichen Cala, Niriss, Imalayan und Skalos. Der Vater ist bereits in die Schlacht gezogen, als das Kind noch sechs Jahre alt war und nun nach acht Jahren folgen noch ihre zwei älteren Geschwister dem Weg des verstorbenen Familienmitglieds. Miwa jedoch ist mit einer Zukunft ohne ihren Geschwistern nicht einverstanden und erfährt vom "Schatten" von einer sagenumwobenen Kristallkugel, die drei Wünsche erfüllen soll. Um Frieden und ihren verstorbenen Vater zurück zu holen macht sich das junge Mädchen auf die Suche nach dem Schatz. Das jedoch bringt sie auf eine lange und gefährliche Reise, die sie so schnell nicht mehr vergessen wird...

1
Vor acht Jahren...
Das Vögelchen setzt sich auf ihren Zeigefinger, den sie ihm als Landeplatz entgegen streckt. Mit dem Schnabel fährt sich der Spatz in sein hellbraunes Gefieder, während das Mädchen das Tier lächelnd bei seinem Tun beobachtet. Schon seit dem frühen Vormittag wie sonst jeden Tag sitzt die kleine Miwa auf der Wiese, beobachtet die Vögel und füttert sie mit Brotkrumen, die sie immer bei sich trägt. Doch die untergehende Sonne kündigt mit ihrem sanften Leuchten bereits den Abend an und verschwindet hinter dem Hügel auf dem das Bauernhaus der Familie des Mädchens steht. Die Grillen, welche sich noch vorhin im dichten Gras der Wiese versteckten, krabbeln langsam die grünen Halme hinauf, um das junge Kind mit ihren Zirpen zu erfreuen. Ein angenehmer Wind streift durch die Wiese, die letzten Sonnenstrahlen kitzeln noch Miwa's Nase, bevor sie verschwinden und auch wagen sich kleine Glühwürmchen hervor um ihre Umgebung mit einem seichten Licht zu erhellen. Noch einmal wirft das Mädchen mit ihrer anderen freien Hand die Krümel über den Boden, weswegen dann zugleich die Tiere in Scharen wild umher flattern und um das Futter gierig kämpfen. „Das wars für heute, Freunde.“, kichert sie hell, während sie sich wieder auf den von weichen Gras bewachsenen Boden setzt. „Mehr habe ich leider nicht dabei.“
Ihr Blick schweift über die Landschaft. Über die mit vielen Wildblumen bewachsene Wiese fällt ihr im Horizont die Stadt ins Auge mit dem Namen Skalos, weiter hinten die gewaltige Festung und die vielen Luftschiffe in der Höhe, die ihre Kreise um das Gebäude ziehen. Die Lichter der Reklametafeln, Laternen und Häuser machen die vielen Menschen auf die Stadt aufmerksam, doch vor allem der gigantische Hafen im Westen. Der Hafen Skalos' leuchtet besonders wegen der vielen Schiffe und Zeppeline, die alle ablegebereit in der Luft schweben, nein nicht im Wasser. Diese Bauwerke sind dafür gedacht zu fliegen, denn es gibt kein großes Gewässer in der Nähe und außerdem sind die Schiffrümpfe mit ausreichend Turbinen bestückt wie auch mit anderen futuristischen Bestandteilen. Aufgrund dieses Anblicks seufzt Miwa sehnsüchtig auf, da der sehnlichste Wunsch zu Fliegen wieder in ihr zu brennen beginnt. Wenigstens einmal will sie fliegen, wie ein Vogel in der Luft, durch die Wolken und zur Sonne. Wie ein Vogel.. Wie ihre liebsten Tiere, die schon seit ihrer Geburt in ihrer Nähe waren, sie begleitet haben bis sie nun schließlich sechs Jahre alt geworden ist, Tag für Tag besuchten und ihr ein Vorbild wurden. Durch diese Geschöpfe weckte sie erst diesen Wunsch in sich. Und eines Tages würde Miwa ihn in Erfüllung bringen. Eines Tages würde sie fliegen und dann ihren Vater mit sich nehmen. So, wie sich das die Beiden immer ausgemalt haben.

Die Vögel picken die letzten Krumen auf und steigen dann gesättigt mit flatternden Flügeln in die Luft, hinfort fliegend in den Himmel. Auch der kleine Spatz auf dem Finger des Mädchens erhebt sich in die schwüle Luft, umkreist Miwa noch einmal zwitschernd und folgt dann anschließend dem Schwarm seiner Genossen. Sehnsüchtig blickt das Mädchen den Tierchen hinterher, ebenfalls auch leicht enttäuscht, da sie doch diese Geschöpfe über alles liebt. Zwar kommen sie jeden Tag wieder und auch hat ihre Familie noch genug von den Küken der Spatzen in ihrem Stall, aber dennoch macht sich das Mädchen große Sorgen um die fliegenden Lebewesen, schließlich lauern auf dieser Welt viele Jäger und andere Gefahren. Allein gelassen bei dem Zirpen der Grillen und den Glühwürmchen streicht sich das Mädchen die Krümel von ihrem von Flicken übersäten Rock und streckt sich anschließend. Nach einer Weile erhebt sie sich dann auch und wendet sich dem Hügel leise gähnend zu, welchen sie hinauf steigt um nach Hause zu kommen. Als sie die Hälfte des Hügels bewältigt hat, kann sie schon vom Weiten einen besonderen Duft wahrnehmen: Das berühmte Yakisoba ihrer Mutter. Dieser Fakt treibt sie an ihr Tempo zu erhöhen und nach circa zwei Minuten platzt sie keuchend vor Anstrengung in das Haus. „Ich bin wieder da!“, verkündet das Kind mit lauter Stimme und streift sich hastig die Schuhe von den Füßen. Ihr Hunger macht sich mit einem leisen Knurren aus ihrem Magen bemerkbar. „Jaja, gleich gibt’s was..“, murmelt sie leise als Antwort und hüpft dann aufgeregt in die Küche, in welcher sich ihre Mutter befindet. Diese steht mit dem Rücken zu ihr gedreht vor dem Herd und wendet geschickt die Nudeln in der Pfanne, bevor sie dann ihre Tochter bemerkt. Wie das Mädchen hat auch die Mutter Mahagoni-farbenes Haar und smaragdgrüne Augen. Sie sehen sich körperlich und bei den anderen Details sehr ähnlich, doch das Gesicht ist bei den Beiden sehr unterschiedlich. „Ahh, Miwa-chan! Ich wollte gerade nach dir sehen.“ Die Mutter wendet sich nur mit dem Kopf zu Miwa und lächelt warm, wobei sie erneut mit dem Pfannenwender die Nudeln wendet. Der lange, graue Rock der Frau weht leicht durch die Bewegung und auch bekommt die Tochter die wenigen Fettflecken auf der rotweiß karierten Schürze zu sehen. Das Kleidungsstück liegt über einer waldgrünen Bluse, welche im Gegensatz zur Schürze sauber und rein geblieben ist. Das lange Haar hat sich die Mutter zu einem lockeren Zopf gebunden und nur wenige Haarsträhnen rahmen das blasse, aber auch schön geschnittene Gesicht ein. Die Mutter ist wahrlich hübsch, auch für ihr Alter von neununddreißig Jahren. Kurz nimmt sie den Salzstreuer zur Hand und wendet ihren Kopf wieder der Pfanne zu, was sie jedoch nicht am sprechen hindert. „Das Essen ist noch nicht fertig, aber schau doch mal nach deinem Vater. Er sitzt wieder in der Werkstatt... Eigentlich wollte er vor zwei Stunden wieder hier sein und mir beim Aufräumen helfen!“, seufzt sie resigniert und stemmt ihren Arm gegen ihre Hüfte. „Aber wahrscheinlich hat er wieder die Zeit vergessen. Man kann's ihm ja auch nicht übel nehmen.“ Werkstatt? Aber warum denn wieder? Neugierig schaut das Kind ihre Mutter an, nachdenklich, ob ihr Vater wieder einen Auftrag bekommen hat. Nein, da war nichts. Vielleicht repariert er ja was. „Weißt du denn was da Paps wieder repariert? Von einem Auftrag habe ich ja nichts gehört .. Ist die Waschmaschine wieder kaputt?“ Die Augen des Mädchens wurden größer. Nein, das geht doch nicht! Die hat er letztens in Behandlung gehabt, da die Katze die Kabel durchgebissen hat. Und so schnell würde sie ja auch nicht wieder kaputt gehen. Man lernt ja aus den Fehlern. Als Antwort auf Miwa's Frage kommt jedoch nur ein belustigtes Lachen der Mutter. „Nein, es ist etwas anderes. Das darf ich dir aber nicht sagen.. Nun los! Hol' ihn jetzt her, bald bin ich ja fertig.“ Mit dem Pfannenwender winkt sie ihre Tochter anschließend aus der Küche und widmet sich dann voll und ganz dem Kochen. Naja, da bleibt mir nichts anderes übrig als selber nachzusehen, denkt sich Miwa und spaziert dann schnurstracks aus dem Zimmer durch den kleinen Gang links zur Werkstatt. Der Korridor ist mit vielen Uhren geschmückt und anderen selbstgebauten Gegenständen aus Blech oder Kupfer. Diese ganzen Gegenstände hat ihr Vater gebaut, er selbst hat auch den Beruf als Mechaniker ausgeübt. In der heutigen Zeit verdient man mit dieser Arbeit nicht mehr so viel wie damals, aber der Lohn reicht aus um die Familie zu versorgen. Das Mädchen bleibt vor einer hölzernen Tür stehen und drückt die Klinke bemüht leise hinunter, da sie ihren Vater nur ungern erschrecken will oder aus seinen Gedanken reißen möchte. Lautlos schleicht sie in das große Zimmer, welches aber durch die vielen Tische und Schränke kleiner wirkt und entdeckt auch schon einen groß gewachsenen Mann mit schwarzem, wilden Haar und dunkelblauen Augen, die hinter den Gläsern seiner rechteckigen, schwarzen Brille zu sehen sind. Konzentriert sitzt er vor seinem großen Tisch und verbindet gerade einige Kabel mit einander von einem Apparat, das einem Paar Flügel gleicht. Angenehmes Licht, das von einer Tischlampe kommt beleuchtet sein Werk, an welchem Federn befestigt wurden, soweit Miwa erkennen kann und die Neugierde beginnt Besitz von ihr zu ergreifen, weswegen sie sich auch weiterhin ihrem Vater mit kleinen Schritten nähert. „Was baust du denn da, Paps?“, spricht sie interessiert, aber auch ungewollt laut. Aus Reflex hält sie sich die Hand vor dem Mund und bringt nur ein verlegenes „Ups“ zustande, als ihr Vater mit einem lauten Aufschrei in die Höhe fährt: „Heilige Mutter Maria!“
Die Zange für das Verbinden der Kabel in seinen Händen fliegt gegen die Decke und landet dann dumpf auf dem mit einem roten Teppich gepolsterten Boden. „Verdammt noch einmal, Miwa, du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt!“, atmet der Mann erleichtert aus, nachdem er seine Tochter entdeckt hat. Sofort zieht er ein altes Tuch hervor und bedeckt damit sein unvollständiges Werk, dann bückt er sich nach der Zange auf dem Boden. „'Tschuldigung, Paps..“, murmelt sie schuldbewusst und schaut kurz zu Boden, doch dann hebt sie wieder ihren Blick und legt diesen auf das abgedeckte Gestell. „Aber was baust du denn jetzt da?“ „Nanana, das sage ich dir erst, wenn es fertig ist.“, kommt als Antwort. Miwa schmollt. Warum sagt er ihr das nicht? Ist es vielleicht gefährlich?
Bei dem Anblick muss der Vater jedoch lächeln und winkt sein Kind zu sich. „Hör doch jetzt auf zu schmollen. Du wirst es bald erfahren. Schließlich ist es für dich.“, kommt es mit einem sanften Unterton von ihm. Erfreut läuft das Mädchen auf ihn zu und lässt sich von ihm hochnehmen. Seine Hand streicht durch ihr braunes, kinnlanges Haar und seine kalten Lippen legen sich auf ihre Stirn. Hitze steigt Miwa's Wangen hinauf und ein Auge muss sie schließen, da sonst das schwarze Haar ihres Vater in ihr Auge fällt. Als er seine Lippen wieder von ihrer Stirn löst schaut er seine Tochter mit einem liebevollen, aber auch tieftraurigem Blick an. „Ich liebe dich sehr, Miwa. Vergiss das niemals, okay?“ Das Mädchen nickt.
„Ich dich auch, Paps... Aber jetzt komm!“ Sie zupft leicht an seinem Haar. „Mama hat gesagt, dass ich dich zum Essen holen soll, sonst würdest du noch die ganze Nacht durcharbeiten. Wie letztes Mal.. Weißt du noch?“, kichert sie verstohlen. „Du bist dann einfach eingeschlafen und Seth hat dir den Schnurrbart aufgemalt .. Hehehe.“ „Ja hey! Wärme hier keine alten Geschichten auf, ich bin erst vor kurzem wieder darüber hinweggekommen.“, lacht er belustigt und verlässt währenddessen mit seiner Tochter auf dem Arm die Werkstatt. In der Küche haben sich mittlerweile die ältesten Geschwister, Seth, ein fünfzehnjähriger Junge und Eunice, die zweitälteste und dreizehnjährige Schwester von Miwa, eingefunden. Der Sohn ähnelt dem Vater aufs Haar, wie auch die Tochter, bloß mit dem Unterschied, dass Eunice grüne Augen besitzt. Beide, auch die Mutter sitzen am Tisch und essen bereits, doch dann fallen ihre Blicke auf die zwei Neuzugänge. „Ihr habt euch mal wieder Zeit gelassen.“, murmelt die Mutter kopfschüttelnd dennoch auch leicht lächelnd. Der Vater setzt Miwa auf ihrem Stuhl ab und lässt sich dann selber auf seinen Platz fallen. „Du warst einfach zu schnell fertig, Nell.“, schmunzelt er, während er die hölzernen Essstäbchen ergreift. Geschickt erwischt er mit den Stäbchen eine der Nudeln aus seinem Teller und beginnt ebenfalls wie die anderen zu essen. Auch Miwa nimmt die Gabel zur Hand und schiebt sich gierig die erste Portion in den Mund, während sie den Gesprächen zwischen ihren Familienmitgliedern lauscht.

Nach dem Abendessen und dem Geschirrspülen hat sich die sechsjährige zu Bett gelegt und schläft bereits seit ungefähr dreieinhalb Stunden in ihrem Bett. Das Mondlicht scheint in ihr kleines Zimmer, das sich im ersten Stock des Bauernhauses befindet. Eine kleine Kommode aus gewöhnlichem Kiefernholz und ein Schrank aus dem selben Material schmücken das Zimmer mit den vielen Blech Uhren, alten Weltkarten und besonders vielen Bildern von Vögeln. Das Bett des Kindes steht neben dem großem Kastenfenster auf einem ebenso hölzernem Boden, auf welchem ein schwarzer Teppich ausgelegt wurde. Die Wand ist kaum durch die Dekoration zu sehen, aber eine tiefe, dunkelblaue Farbe scheint noch hervor. Unruhig wälzt sich Miwa im Bett herum, leise murrend zieht sie sich die Decke über den Kopf. Von draußen dringen Motorengeräusche zu ihr hinauf, wie auch Männerstimmen und grelles Licht. Die Gespräche zwischen den Leuten werden für eine kurze Zeit lauter, dann springt die Haustür auf. Und von da an erwacht das Kind sichtlich genervt aus ihrem Halbschlaf. Die Decke zieht sie wieder von sich, mit den Händen reibt sie sich ihre Augen um eine etwas klarere Sicht zu erlangen. „Was zur Hölle ist denn da unten los?“, dröhnt es leise aus ihr und mit müdem Blick richtet sie sich auf in eine sitzende Position. Wer auch immer das ist, dem verpasse ich einen Satz warme Ohren, denkt sich das Kind mit einer leicht angesäuerten Miene. Wer kann es überhaupt auch nur wagen ihren kostbaren Schlaf zu rauben? Ungehobelte Frechheit. Ein paar mal blinzelt sie noch, bevor sie ihren Kopf zum Fenster wendet und ihren Blick den Geschehnissen draußen widmet. Doch bei dem, was sie zu Gesicht bekommt, bleibt ihr Herz stehen. Erneut blinzelt sie, reibt sich hastig über die Augen und hat die Hoffnung, dass sie nur halluziniert. Aber nein, es ist keine Halluzination. Draußen, vor dem Haus steht ein Wagen des Militärs Skalos', Soldaten mit Gewehren sitzen im Fahrzeug oder stehen neben diesem. Aber das ist es nicht, was sie so erstarren lässt. Ihr Vater .. Ihr geliebter Vater steht in derselben Uniform wie die anderen Männer, und einem Gewehr, vor seiner Familie. Die Mutter mit einem betrübten Ausdruck im Gesicht und Tränen in den Augen, ein Taschentuch in den Händen, die Geschwister Arm in Arm mit demselben Gesicht. Der Vater geht auf seine Frau zu, küsst sie noch ein letztes Mal und gibt dann auch seinen ältesten Kindern einen Abschiedskuss. Er wird gehen .. Er wird in diesen furchtbaren Krieg ziehen, der zwischen den vier Königreichen herrscht. Eunice hat ihr davon schon erzählt. Viele Menschen starben bereits im Kampf, auch ein guter Freund der Familie musste gehen und verstarb traurigerweise nach wenigen Monaten. Und jetzt... Jetzt wird ihr Vater gehen. Das kann nicht sein. Was ist, wenn er stirbt! „Paps..!“ Sofort springt Miwa auf, ein angsterfüllter Ausdruck ziert ihr nun kreidebleiches Gesicht. Ihre Schritte gewinnen immer mehr an Tempo, aber auch die Verzweiflung wächst. Er kann doch nicht gehen! Er kann und darf seine Familie nicht sich selbst überlassen, nicht in diesen Zeiten! Was soll Miwa denn ohne ihn tun? Hastig stolpert sie die Treppen hinunter, rennt eilend durch den Korridor hinaus aus dem Haus, ohne auf die Zurückgebliebenen zu achten, die sofort nach ihr zu rufen beginnen, als diese sie entdecken. Doch der Wagen mit den Soldaten und ihrem Vater ist bereits den Hügel hinunter gefahren und steuert auf den Waldweg zu. „Papa, warte! Geh' nicht weg! Bitte!“, schreit das kleine Mädchen dem Gefährt laut hinterher, mit der Hoffnung, dass sie wieder umkehren würden. Der Vater vernimmt mit geweiteten Augen die Rufe seiner jüngsten Tochter und wendet nur langsam seinen Kopf zu ihr. Sie steht aber nur da, weiß, dass sie ihnen nicht mehr folgen kann und starrt ihnen hinterher, gekränkt, dass ihr eigener Vater sich nicht verabschiedet hat. Mit bebendem Körper wendet er wieder den Kopf nach vorn, versucht nicht zurückzublicken, aber trotzdem. Trotzdem perlen wenige, kleine Tränen aus seinem Auge, die er sofort wieder wegwischt. „Alles klar bei dir, Yusaku?“, fragt einer der Soldaten im Wagen. „Sollen wir anhalten?“ „Nein.“, antwortet der Vater ruhig und wischt sich noch ein letztes Mal über die noch leicht tränenden Augen. „Der Abschied würde mir nur schwerer fallen. Und auch ihr..“
Als der Wagen immer noch nicht anhält und sogar in der Schwärze des Waldwegs verschwindet, bricht für Miwa die Welt zusammen. Zitternd schluchzt sie auf, unterdrückt verkrampft einen Gefühlsausbruch und schüttelt nur ungläubig den Kopf. „Nein.. Bitte, Papa. Ich bitte dich. Tu mir das nicht an. Lass uns nicht zurück .. Lass mich nicht zurück. Wir .. Wir wollten doch fliegen..!“ Nach und nach gleichen ihre bemüht ruhigen Worte einem kraftlosen Schluchzen, die Tränen haben bereits den Weg aus ihren Augen gefunden und werden immer mehr und mehr. Kraftlos sinkt sie auf die Knie, fassungslos wendet sie ihren Blick nicht von dem Wald ab, in welchem ihr Vater verschwand und langsam schlingt sie ihre Arme um sich selbst. Sie will nicht fallen. Nicht in dieses dunkle, schwarze Loch voll von Trauer und Verzweiflung .. „Miwa?“ Es war Seth. Er ist ihr wohl gefolgt, will vermutlich auf sie aufpassen. Seine Schritte nähern sich, bis er hinter seiner kleineren Schwester steht. Langsam und ruhig geht er vor ihr auf die Knie, schaut sie erst forschend an und ist sich nicht sicher, ob er sie trösten dürfte oder überhaupt sollte. Doch bevor er etwas tun kann, wirft sich das junge Mädchen ihrem Bruder um den Hals und bricht in Tränen aus. Bitter weinend klammert sie sich an ihn, versucht an ihm Halt zu finden und um nicht in tiefer Trauer zu ertrinken. Etwas perplex von dieser Tat Miwa's legt auch schließlich der Bruder seine Arme um den kleinen Körper und drückt sie stumm und fest an sich. Wenigstens zeigen die Sterne mit ihrem sanften Licht wie auch der Mond, dass nicht alles in der Dunkelheit verschwunden ist.


Fortsetzung folgt...

Kommentare (0)

autorenew