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Happy Christmas! Chaos inbegriffen

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1 Kapitel - 3.039 Wörter - Erstellt von: Geist - Aktualisiert am: 2017-01-11 - Entwickelt am: - 292 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Die etwas andere Weihnachtsgeschichte mit schwarzem Humor zum Schmunzeln -ob es ein Happy End gibt darfst Du gerne selber entscheiden...

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    ...Es war einmal in einer kleinen Stadt oben im Norden... Dort lebte eine Familie –Naja, eigentlich mehrere Familien, große und kleine, doch ich be
    ...Es war einmal in einer kleinen Stadt oben im Norden...
    Dort lebte eine Familie –Naja, eigentlich mehrere Familien, große und kleine, doch ich beschränke mich jetzt auf die eine kleine harmonische Familie –uns.
    Da wären an erster Stelle meine zwei chaotischen Jungs Malte und Florian, mein bemerkenswerter Ehegatte Jan, weshalb, darauf komme ich später noch zurück, unser Familienkater Balu –ach, und natürlich ich. Ich, das bedeutet eine Frau im besten Alter mitten in den Wechseljahren, arbeitstätig und, was am wichtigsten ist, Mutter. Mutter mit Leib und Seele. So ist es in der Tat. Meinen vor jugendlichem Charme strotzenden Körper habe ich meinem Mann und der Geburt meiner beiden zauberhaften Jungs geopfert, sodass ich heute, 8 Jahre später zu einer wohlgeformten Mit40gerin mit gewöhnungsbedürftigem Kleidungsstil und 15 Kilo zu viel auf der Waage mutiert bin. Soviel zu meinem Leib. Doch meine Seele ist es, die gerade in den letzten Wochen aufs Extremste auf die Zereisprobe gestellt wurde.
    Es ist nämlich Ende Dezember, und ja, es fällt Schnee, was meine Zwillinge natürlich freut. Sie haben unseren Garten in ein Schlachtfeld verwandelt. Gerade bei der gestrigen Schneeballschlacht musste ich Flo in die Klinik fahren, weil Malte ihm einen Schneeball mit voller Wucht an den Kopf gepfeffert hatte. Schade nur, dass er den Stein beim Herstellen des Schneewurfgeschosses nicht gesehen hatte. Ich also, von meinen letzten Vorbereitungen für Heiligabend abgehalten, in den Garten gesprintet. Malte heult, Flo liegt ohnmächtig vor ihm im Schnee.
    „Jaaaan! Wir müssen sofort ins Krankenhaus! Hilf mir sofort!“, brüllte ich ins Haus, oder so was in der Art. „Es geht um Flo! Jetzt schwing deinen verdammten Hintern hierher!“
    Keine Spur von Bewegung. Nicht die kleinste Regung. Jan bleibt in seinem Sessel bequem sitzen und schaut weiter Nachrichten- die Ruhe in Person. Balu ist mir auch keine große Hilfe. Flo auf dem Arm habe ich unseren lebendigen Bettvorleger natürlich nicht gesehen und falle mit meinem Kind auf den Armen über dieses störrische Stück Pelz hinweg. Nur gut, dass in der Nähe ein Stuhl stand auf dem ich mich abfangen konnte. Die daraus resultierenden Prellungen ignorierte ich, schnappte die Schlüssel und raste los.
    Der Arzt muss mich für eine Verrückte gehalten haben, denn ehe ich mir dessen Gewahr wurde, stand ich vor ihm mit einer aufgelösten Frisur, die einem Vogel als Nest hätte dienen können, einem alten ausgenudelten Pulli, einer löchrigen Jogginghose und Hausschuhen.
    Scheißegal, mein Kind war wichtiger als mein fragwürdiges Erscheinungsbild. Die Klinik war natürlich überlaufen, logisch einen Tag vor Weihnachten. Sei´s drum, als ich mit Flo, der stolz seine genähte Kriegsverletzung begutachtete, wieder zu Hause ankam, fand ich meinen Mann kaum verändert in seinem Sessel sitzend vor. Der kleine Unterschied bestand in einem Buch in seiner Hand.
    Schon beim Aufschließen der Wohnungstür empfing mich Balu mit verzweifelten Tönen, Jan hatte unser kleines Möppelchen nicht gefüttert und nun stand er natürlich dramatisch sterbend, hungernd vor mir und verlangte vorwurfsvoll seine Ration und natürlich eine extra Portion, da er ja hatte so lange warten müssen und als eine Form von Entschädigung, dass ich vorhin auf in draufgelatscht bin. Reumütig stillte ich Balus Begierden in der Küche.
    „Mama, ich hab Hunger.“, meldete sich Malte und Flo fragte beinahe im gleichen Atemzug: „Was riecht hier so komisch?“
    Das Essen! Vollkommen panisch hetze ich zum Backofen und tatsächlich –mein wundervoller Mann hat es tatsächlich versäumt den von mir so mühevoll zubereiteten Truthahn aus dem Ofen zu holen! Ich kämpfte meine Aggression herunter, ich konnte ja wohl kaum einen Streit mit dem Vater meiner Kinder vom Zaun brechen, während sie an mir zogen und zehrten und somit alles mitkriegen würden. Das konnte ich als gute Mutter nicht zulassen.
    Also griff ich, mit nichts als einem Geschirrhandtuch bewaffnet in den qualmenden Ofen und zog das heraus, was unser Weihnachtsfestmahl werden sollte.
    So schlimm ist es eigentlich nicht, versuchte ich mir einzureden, und dennoch kämpfte ich mit den Tränen.
    Der Truthahn, war das einzige, was ich dieses Weihnachtsfest nicht versauen wollte. Ich hatte doch alles so schön geplant, damit es dieses Jahr kein totales Fiasko geben würde, doch da hatte ich mich völlig verschätzt. Ich habe die Launen meines Gatten und die kreativen Aktionen meiner chaotischen Söhne, die eigentlich immer in die Brüche gingen gehörig unterschätzt. Dabei hätte ich es wissen müssen.
    Noch so ein Klassiker betraf den Tannenbaum.Ich gab meinem Mann einen Auftrag, einen verdammten Auftrag –einen schönen Tannenbaum zu besorgen. Flo und Malte wollten natürlich mit. Ich fand es super, eine Vater-Söhne-Aktion, ohne die nervige uncoole Mama. Kam mir natürlich sehr gelegen. Zu diesem Zeitpunkt musste ich ja noch Geschenke besorgen, einpacken, Dekorieren und Lebensmittel für das Festessen einkaufen. So Sachen halt, die eine durchschnittliche vernünftige verantwortungsvolle Haus- und Ehefrau nun mal macht, wenn Weihnachten vor der Tür steht. Doch weit gefehlt. Als ich mit meinen vollen Einkaufstüten nach Hause zurückkehrte, fand ich keinen Tannenbaum im Wohnzimmer, auch nicht im Garten oder im Kofferraum meines Mannes. Keine Spur. Als ich ihn darauf ansprach meinte er nur: „Mach ich morgen Anny, Schatz“ oder so was in der Art. Ich mimte die geduldige verständnisvolle Ehefrau und gab ihm mit zuckersüßem Lächeln, innerlich kochend vor Wut, denn es sprengte den Rahmen meines Plans, das Limit von einer Woche. Großzügig von mir, wenn ich bedenke, dass es zu diesem Zeitpunkt noch ganze 8 Tage bis Weihnachten waren. Ich hätte eigentlich aus langjähriger Erfahrung mit der Liebe meines Lebens vorhersehen müssen, dass er es nicht rechtzeitig schaffen würde, doch ich war zu diesem Zeitpunkt gutgläubig und ich hatte ja schon Pufferzeit mit eingerechnet.
    Die Woche verging, und ehe ich es mich versah, war der 23.12., oder besser gesagt, der Tag des Schneeballfiaskos, schon gekommen und immer noch keine Spur von einer Tanne. Jan zuckte nur mit den Schultern und meinte, dass er es zuerst für noch nicht so wichtig gehalten habe, dann hätte er es vergessen und „Naja, du machst ja heute sowieso noch ein paar Besorgungen Schatz, dann kannst du das doch einfach machen.“ Ich ließ ihn stehen, knallte die Tür hinter mir zu und trat ordentlich in die Eisen.
    Positiv denken, beruhigte ich mich selbst, du schaffst das schon. Du hast doch bisher immer alles geschafft. Und so viel steht ja auch nicht mehr auf deiner Liste. Du hast die Geschenke besorgt und verpackt, du hast alles schön dekoriert und der Truthahn muss nur noch in den Ofen. Jetzt besorgst du lediglich den Tannenbaum, schmückst ihn und machst dir dann morgen einen schönen entspannten Tag mit einer Familie...
    Plötzlich wurde ich von einem grellen Blitzlicht aus meinen Gedanken gerissen.
    Na genial! Kann´s noch schlimmer kommen! Jetzt wurde ich auch noch mit 30km/h über´m Limit geblitzt! Haben die denn nichts Besseres zu tun, als einer Mutter im Weihnachtsstress hinterhältig aufzulauern!
    Nachdem ich etliche Stände abgeklappert hatte, fand ich schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit noch einen halbwegs akkuraten Baum in der passenden Größe für unser Wohnzimmer. Halleluja!
    Jans erstes Kommentar, als ich mit dem Tannenbaum im Gepäck auftauchte, das Netz zerschnitt und eigenständig auf dem von mir vorher herausgesuchten Fuß platzierte, Hilfe von ihm war natürlich nicht zu erwarten, war: „Anny, deine Tanne ist nicht wirklich eine wahre Schönheit, wenn ich ehrlich sein soll –Schatz.“ Keuchend vor ihm stehend, hätte ich ihm am liebsten den Baum an den Kopf geworfen oder so was ähnliches...
    Hätte er den beknackten Baum schon letzte Woche besorgt, hätte er die Wahl gehabt, doch einen Tag vor Weihnachten kann sich jeder glücklich schätzen, wenn er noch einen Baum bekommt, verdammt noch mal!
    Ich glaube, ich habe die Besonderheit meines Gatten nun genügend verdeutlicht, nicht dass ich ihn nicht liebe, es sind nur Momente wie diese, in denen ich ihn aufs Tiefste verabscheue. Er trieb mich noch in den Wahnsinn. Wie dem auch sei, mittlerweile war ich schon so weit von meinem ursprünglichen Plan abgewichen, dass ich alles, was ich auftreiben konnte, wahllos an die Tanne knallte und mich den letzen Vorbereitungen den Truthahn betreffend zuwandte –bis zum Schneeballfiasko.
    Doch auch das hatte ich gemeistert und fiel todmüde in mein Bett. Im Halbschlaf bemerkte ich noch, wie sich Balu an meinen Rücken kuschelte und ich konnte mich endlich etwas entspannen.
    Heiligabend. Weihnachten. Der 24.12. Das Datum, auf das ich die letzen Wochen hingearbeitet hatte war gekommen. Der Tag verlief nicht ganz so wie erhofft.
    Anstatt, dass wir gemütlich zusammensitzen, ein paar Spiele spielen und uns auf den Abend freuen, kloppten sich die Zwillinge, meine Zwillinge darum, wer nachher den Stern an der Spitze anbringen darf und mein zauberhafter Jan war höchst damit beschäftigt die Zeitung zu durchblättern und ihren Inhalt zu studieren und natürlich zu kritisieren. Für seine Söhne hatte er nichts als einen entnervten Blick übrig. Ich musste also mal wieder uncool sein und sie davon abhalten sich gegenseitig umzubringen. Ich gebot ihnen den Stern gemeinsam anzubringen oder gar nicht, murrend und schmollend und total unzufrieden, wollten sie sich schon zurückziehen...
    Na toll, jetzt hast du es geschafft. Keiner redet mit dir und alle sind schlecht drauf, dabei ist doch Weihnachten...
    Um die Stimmung zu retten holte ich meine Notfallbackmischung für genau solch eine Situation –denn ich hatte ja alles nur Erdenkliche eingeplant– heraus, und begeisterte meine beiden von der Idee Kekse zu backen. Jan lugte kurz über seine Zeitung, ließ sich von dem aufkeimenden Chaos in der Küche aber nicht weiter beeindrucken. Mich empfing ein Hauch von Euphorie, ich war tatsächlich dem Gedanken anheimgefallen, es könnte ein normaler schöner Abend werden. Während die Jungs den Teig zubereiteten, versuchte ich den Truthahn und die dazugehörigen Beilagen zu retten –doch weit gefehlt. Ich hatte Balus Neugier und die Tatsache, dass er empört über meine Vernachlässigung seiner Streicheleinheiten in den letzten Tagen war, nicht mit einkalkuliert. Ehe ich es mir versah, spielte er mit dem Tannenbaum, kroch darunter hindurch, fegte mit seinem Schwanz die unteren Kugeln von den Ästen, kletterte am Stamm hinauf und spielte mit den oberen Kugeln, verhedderte sich im Lametta und stürzte überrascht und zugleich panisch samt Tanne zu Boden, noch im Flug sprang er ab, landete mit schauspielerisch gekünstelter Seelenruhe auf seinen pratzigen 4 Pfoten, drehte sich um und beäugte sein Werk neugierig und sich putzend. Danach wendete er seinen Blick dem kauzigen verstörtem Etwas hinter seinem Rücken zu, Augen und Mund weit und ungläubig aufgerissen, erstarrt auf die Tanne blickend... –kurzum mich. Balu blinzelte mir freundlich zu, maunzte kurz und zog dann von dannen.
    Ich war geschockt. Der Bettvorleger hatte es doch tatsächlich geschafft mich aus meinem kurzzeitigen Hoch in ein Tief zu befördern, dass ich wohl so schnell nicht wieder verlassen werde können, und dass alles in weniger als einer Minute.
    Mit Tränen in den Augen fegte ich die zerbrochenen Kugeln, Tannennadeln, Lamettareste und so weiter zusammen mit meiner Vorstellung von einem schönen Weihnachten zusammen und warf alles in den Müll.
    Kaum hatte ich eine Katastrophe nahezu beseitigt kam schon der nächste Hammer.
    Meine beiden Söhne haben meine kurze Abwesenheit dazu genutzt, die Küche in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Sie bewarfen sich mit Mehl, Eiern und dem restlichen Zeug, womit sie eigentlich Kekse backen sollten. Jan sah keinen Sinn mehr darin, seinen Platz in der Küche beizubehalten und zog kurzum mit der Zeitung in der Hand ins Wohnzimmer um. Er nahm gerade soviel von seiner Umgebung wahr, um festzustellen, dass der Tannenbaum, nicht länger geschmückt war. „Schatz, was hast du mit dem Tannenbaum gemacht? Der sieht ja noch schlimmer aus als vorher.“
    Ich brüllte ihm nur ein „Ich weiß!“ von der Küche aus zurück, damit beschäftigt, die beiden Raufbolde zu bändigen.
    „Bist du sicher, dass es dir gut geht, Anny? Ich an deiner Stelle würde den Baum schmücken, sieht einfach weihnachtlicher aus...“
    Habe ich das gerade richtig verstanden! An deiner Stelle? Als ob es meine Aufgabe ist den Baum zuschmücken? Als hätte er nichts damit zu tun!
    „Mach es doch selbst Jan! Ich bin gerade beschäftigt, wie du vielleicht mitbekommen hast!“
    Vielleicht hätte das eine tüchtige verantwortungsbewusste Ehefrau und Mutter nicht gesagt, aber verdammt noch mal, ich konnte doch nicht alles gleichzeitig machen!
    Während ich meinen Ehemann anfuhr hatten Malte und Flo schon eine neue Beschäftigung gefunden –Balu. Er war nichtsahnend in die Küche getigert und gerade dabei sich bis zu seinem Napf vorzukämpfen, als Flo sich ihn von hinten schnappte und die beiden ihn mit dem Teig voll kleckerten. Von seinen wehleidigem Gejammer mit meinen Gedanken in die Küche zurückgerufen, rettete ich ihn aus den Fängen der Zwillinge, ich spürte, wie er in meinen Armen zitterte, die Augen panisch weit aufgerissen.
    Die beiden kleinen Teufel verbannte ich kurzerhand zusammen mit Jan ins Wohnzimmer und gebot ihnen den Tannenbaum neu zu schmücken, wie sie das regelten war ihre Sache. Ich setzte Balu vorsichtig ab, wischte die Küche und war überrascht wie harmonisch es im Wohnzimmer zuzugehen schien. Kein Geplärr, kein Geschrei, ab und zu hörte ich meine Jungs lachen, doch sonst war alles verdächtig ruhig. Vorsichtig säuberte ich den Kater mit Bürste und feuchtem Lappen. Mein kleiner Tiger war so fertig, dass er es ohne irgendwelche Einwände einfach über sich ergehen ließ.
    Danach machte ich das Beste aus dem verbrannten Truthahn und begann im Wohnzimmer anzurichten. Meine drei Männer saßen auf dem Sofa und schauten sich `Ein Weihnachtsmärchen´ im Fernsehen an.
    Als wir dann alle gemeinsam versammelt am Esstisch saßen, gingen alle Blicke zum Truthahn.
    „Anny Schatz, ich will dich ja nicht kritisieren, aber der Truthahn sieht verbrannt aus. Hast du den im Ofen vergessen oder was?“
    „Ich will den nicht essen, der ist eklig“
    „Wähhhhhh“
    „Jetzt esst den verdammten Truthahn. Kommt schon, ich habe wirklich Mühe dabei gegeben. Ihr habt ihn ja noch nicht einmal probiert. Tut mir doch diesen einen Gefallen.“
    Ich war kurz davor die Fassung zu verlieren, doch ich verbarg es unter der Maske der guten Hausfrau. Ich wollte doch nichts weiter als Verständnis und die Geschehnisse der letzten Stunden -ach was, Tage -vergessen.
    „Wie findest du unseren Tannenbaum?“, fragte Flo vorsichtig, er war wohl der einzige, der die Tränen in meinen Augen bemerkt hatte. Nur waren es keine Tränen der Trauer, es waren Tränen der Verzweiflung, Tränen der Wut.
    „Zauberhaft. Habt ihr wirklich schön gemacht.“ Ich hielt die Fassade der harmonischen Familie aufrecht, nicht so Jan. Er konnte nicht widerstehen mir noch einen seiner unnötigen Kommentare reinzuwürgen.
    „Also ich finde, er ist viel schöner als dein Schmuck gewesen. Wahrscheinlich fand Balu ihn auch furchtbar und hat ihn deshalb umgeworfen.“
    Jan musste schallend lachen und entgegnete meinem Todesblick mit einem `Was ist?´ Blick.
    Das war zu viel. Ein schlechter Witz, eine Ich-bin-der-coole-Dad-du-die-uncoole-Mama-Aktion zuviel. Ich stach ihm mit dem Serviermesser, das neben dem Truthahn lag, mehrmals in den Hals und schrie dabei alle Wut, alle Verzweiflung, alle enttäuschten Hoffnungen aus mir heraus. Sein Kopf viel ungebremst auf seinen Teller, das Blut sammelte sich darin, floss auf den Tisch und tropfte auf den Boden.
    Malte und Flo begannen nach kurzer Schockstarre zu schreien wie am Spieß. Ein ohrenbetäubender Lärm, unaushaltbar.
    Ich gebot ihnen zunächst kontrolliert ruhig, dann jedoch fordernd, leise zu sein und endlich den vermaledeiten Truthahn zu essen.
    Völlig außer mir langte ich über den Tisch und brachte auch mein eigen Fleisch und Blut um. Für mich war es Notwehr. Der Notgriff zum Überleben und nicht länger zu ersticken.

    Soviel jedenfalls zu Weihnachten. Ich hatte alles so schön geplant und gleich mehrere Notfallpläne ausgearbeitet, um Weihnachten zu einem schönen Fest zu machen. Doch die Katastrophe war, wie ich jetzt begreife unvermeidlich. Aber was soll ich sagen? Ich bin glücklich, so verdammt glücklich über das Ergebnis. Niemand verlangt mehr etwas von mir außer einer -Balu. Doch Balu gibt mir meine Bemühungen mehrfach zurück. Während ich lediglich für sein Essen, seine Toilette und seine Streicheleinheiten zuständig bin, erdet er mich. Er schenkt mir Vertrauen, Geborgenheit, Wärme, Dankbarkeit und Liebe. Und so kommt es, dass ich jetzt nach all meinen vergeblichen Leiden und Mühen erschöpft in dem Sessel meines Mannes sitze, Balu auf dem Schoß und all meine Gedanken bezüglich dem Weihnachtsfiasko zu ordnen –womit ich in diesem Moment im hier und jetzt angekommen bin.
    Ich wurde sabotiert und mit Missachtungen meiner Leistungen und meines Planes gestraft.
    Trotz alledem habe ich es geschafft, den Weihnachtsstress zu überleben und mein persönliches Weihnachtsglück zu finden, mein Persönliches Happy End –Meine Beziehung zu Balu.

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Die etwas andere Weihnachtsgeschichte mit schwarzem Humor zum Schmunzeln -ob es ein Happy End gibt darfst Du gerne selber entscheiden...
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2017-01-06
40SC
Weihnachten

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