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Mörder und Tod! (FF)

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56 Kapitel - 32.521 Wörter - Erstellt von: Alphawölfin - Aktualisiert am: 2017-11-30 - Entwickelt am: - 4.729 mal aufgerufen - User-Bewertung: 3.75 von 5.0 - 8 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 7 Personen gefällt es

Begebt euch in die Welt eines Mörders.......

    1
    (Hier einige Hinweise: Das was im Text ((unli))kursiv((eunli)) geschrieben ist, wird gedacht und wenn etwas in ((unli)),, "((eunli)) Anführungsz
    (Hier einige Hinweise:
    Das was im Text kursiv geschrieben ist, wird gedacht und wenn etwas in ,, " Anführungszeichen ist, wird es gesprochen, das was fett ist wird getan, dazu gibt es verschiedene Sichten.
    Viel Spaß!)
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    Kapitel 56 ist da!
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    Ein Kreischen zerriss die Nacht, dann Stille......


    Vergangenheit

    Seine Sicht

    Die Nächtliche Stille war erdrückend. Sie drückte auf die Trommelfelle und ich schüttelte meinen Kopf, damit sich das darauffolgende Fiepen auflöste.
    Ich legte mich bequemer hin, packte mein Opfer an der Schulter und schloss meine Augen.

    So leicht. Es war so leicht ein Opfer zu finden, es unwissend zu lassen und dann nach dem Spaß es ein für allemal zu beenden.
    Sie drehte sich um und schmiegte sich an meine Brust. Ich guckte schräg runter und musterte sie angewidert.
    Warum waren alle Frauen nur so naiv? Sie sprangen einem förmlich in die Arme, dachten es wäre alles gut und dann kreischten und bettelten sie um ihr Leben.
    Auf diesen Gedanken hin lächelte ich und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
    Oh ja, mir machte es Spaß meine Opfer leiden zulassen. Zu sehen wie sie bettelten und knieten, wie sie krochen, nur um ihr erbärmliches Leben behalten zu dürfen. Aber sie begriffen nicht, dass es nicht ging. Sie hatten mich gesehen und da sie sich eh die ganze Zeit über ihr abscheuliches Leben beklagten, tat ich ihnen im Grunde genommen auch nur einen Gefallen. Vielleicht einen Gefallen, der ihnen nicht gefiel, aber im Grunde waren sie doch dankbar.
    Sie drehte sich wieder um und riss die Decke von mir hinunter. Genervt setzte ich mich auf und musterte den noch so sauberen Raum.
    Bald werde ich wieder zuschlagen und Spaß haben. Ich werde mich am Leiden dieser Frau ergötzen, so wie es sich für einen wohl erzogenen Mörder gehört.

    2
    Gegenwart

    Ich begutachtete mein Werk und schnalzte enttäuscht mit meiner Zunge.
    Das war eigentlich schon zu leicht für mich, sie hat sich ja fast gar nicht gewährt, nur einmal gekreischt, gebettelt und dann war sie auch schon auf tragische und völlig unerwarteter und bedauerlicher Weise von uns gegangen. Aber tot ist und bleibt tot und daran lässt sich nichts ändern.
    Ich packte meine Sachen ein, räumte alles auf und legte einen Zettel auf meine tote, nächtliche Beschäftigung.
    Hoffentlich wird mein nächstes Opfer befriedender, sonst werde ich mir was einfallen lassen müssen, wie es interessanter werden kann.
    Ich richtete meine Krawatte noch einmal, packte meinen Koffer und verließ die kleine Wohnung in aller Ruhe und stieg in ein Taxi.
    ,, Wo darf ich sie hinbringen, Sir?"
    ,, Ins nächste Café, bitte."
    Ich setzte mich auf die Hinterbank, schloss die Tür und schnallte mich an.
    ,, Wie Sie wünschen."
    Mit diesen Worten drückte der Taxifahrer aufs Gas und ich musterte die an uns vorbeiziehenden Häuser.
    Schon bald kam das Taxi zum stehen, ich bezahlte und stieg aus.

    ,, Ihnen einen schönen Tag noch, Sir."
    Ich nickte dem Taxifahrer noch einmal zu, gucke mich um und betrat das kleine Café. Sofort rümpfe ich meine Nase, als ich den starken Geruch von Alkohol in die Nase bekam. Ich gucke mich um und sah einen alten Mann, sabbernd mit dem Kopf auf einem Tisch schlafend.
    Wie widerlich, selbst in dem kleinsten Café konnte man heutzutage nicht mehr klarstellen, dass solches Gesindel in einer zivilisierten Gesellschaft nicht willkommen war.
    Ich schüttelte meinen Kopf, ging zum Tresen, bestellte mir einen Café und setzte mich Geduldig an einen Tisch am Fenster.
    ,, Hier, Ihr Café."
    ,, Herzlichen Dank."
    Ich nahm meine Tasse entgegen und spitze meine Ohren, als ich Polizeisirenen hörte.
    ,, Entschuldigen Sie, könnten Sie die Nachrichten anschalten?"
    Die Frau musterte mich und gucke aus dem Fenster.
    ,, Natürlich, wird sehr wahrscheinlich was passiert sein."
    Sie nahm eine Fernbedienung aus ihrer Schürze, wendete sich zum Fernsehern und schaltete ihn ein, zeppte ein bisschen herum und hielt bei den Nachrichten an.

    3
    (FBI) Dianas Sicht

    Die Beamten stiegen aus ihren Fahrzeugen und betraten das kleine Familienhaus.

    ,, Ich möchte, dass Sie alles genauestens untersuchen. Fragen Sie Nachbarn, Freunde und Familie über das Opfer aus. Verstanden?"
    Das Team nickte und legte los. Ich betrat das Schlafzimmer und schüttelte traurig meinen Kopf.
    Schon wieder ein Opfer und wieder ein weibliches.
    ,, Diana, wir haben den hier gefunden."
    ,, Danke, Martin."
    Ich nahm den Brief entgegen und musterte ihn.
    ,, Lag er auf der Leiche?"
    Martin nickte und schoss ein paar Fotos, umrundete das Bett und schoss noch mehr Fotos. Ich drehte die Öffnung zu mir und musterte sie, drehte den Brief um und steckte ihn anschließend in eine Tüte.
    ,, Martin, ich überlasse Ihnen
    ich machte mit meiner Hand eine kreisende Bewegung
    das hier und bringe den Brief zur Analyse. Sie wissen ja was zu tun ist."
    ,, Natürlich weiß ich was zu tun ist."
    Gespielte beleidigt drehte er sich mit verschränkten Armen zu mir um und machte eine Schmolllippe.
    Wie professionell er doch immer war.
    Abwehrend hob ich meine Hände und die Tüte raschelte dabei.
    ,, Ich vertraue Ihnen, aber dann machen Sie jetzt auch weiter."
    Lächelnd drehte er sich um und machte noch mehr Fotos. Ich drehte mich um, verließ das Gebäude, stieg in mein Auto und fuhr los.

    ,, Das ist ein ganz gewöhnlicher Brief, normales Papier, normaler Umschlag und stinknormale Druckertinte!"
    Der Analytiker fuhr sich genervt mit den Händen durch die Haare.
    ,, Nichts besonderes, warum haben Sie meine Zeit mit sowas verschwendet?"
    ,, Gab es nicht mal einen Fingerabdruck? Kein Haar? Nichts, woran wir nur ein bisschen feststellen könnten, wer der Mörder, oder die Mörderin ist?"
    Er setzte sich auf seinen Drehstuhl, drehte sich und schüttelte den Kopf.
    ,, Danke, Ben."
    ,, Wofür?"
    ,, Dafür, dass Sie sich trotzdem Mühe gegeben haben."
    ,, Pfft."
    Ich nahm den Brief und machte mich zu meinen Schreibtisch auf.
    Warum hatte die Mörderin oder der Mörder einen Brief hinterlassen, was stand auf dem normalem Papier mit normaler Druckertinte?

    4
    Schwer atmete ich aus und schmiss den Brief vor meinen Computer.
    Warum zöger ich? Warum lese ich diesen verdammten Brief nicht einfach durch und bringe es hinter mich?
    Wütend nahm ich den Briefumschlag, zog den Brief heraus, faltete ihn auf und las ihn durch.
    ,, Nein....."
    Schnell stand ich auf, nahm mein Handy und rief mein Team zurück.


    Seine Sicht

    Ich nahm noch einen Schluck, tupfte mir anschließend den Mund ab, legte Geld auf den Tisch und stand auf.
    Er war viel zu bitter gewesen, ein bisschen Milch und Zucker, dann hätte ich aus diesem Gesöff etwas trinkbares machen können.
    ,, Auf Wiedersehen."
    Ich winkte noch einmal öffnete anschließend die Tür und trat an die frische Luft.
    ,, Taxi!"
    Ich hob meine Hand und schon hielt ein Taxi vor mir an. Schnell stieg ich ein, sagte dem Fahrer das Zielort und schon fuhren wir los.


    (FBI) Dianas Sicht

    Ich warf den Brief Martin zu, lehnte mich an meinen Tisch und bat alle leise zu sein.

    ,, Martin, lesen Sie bitte."
    Er drehte den Brief um, faltete ihn auf und las.
    ,, Laut vorlesen, wir wollen alle wissen, was im Brief steht."
    ,, Oh, natürlich......

    Wie schön, dass Sie meinen Brief gefunden haben.
    Lesen Sie ihn aufmerksam durch.
    Ist Ihnen schon was aufgefallen?
    Dieses Opfer ist nicht das erste, haben Sie die anderen schon gefunden?
    Nein?
    Nun, dann hier ein Tipp:
    Suchen Sie an einer Stelle, wo sich nie eine Frau hinbegeben würde, wo es so offensichtlich ist, dass es wieder unauffällig ist.


    Na toll und wer hat diesen Brief geschrieben?"
    ,, Ist das nicht offensichtlich, Martin? Natürlich der Mörder."
    ,, Mörder, also ein er?"
    ,, Erraten. Alles deutet darauf hin. Die Berichte vom Facharzt sind gekommen und ich denke Sie alle wissen was da drin gestanden hat. Nur wie die Frau gestorben ist, fand ich komisch. Sie ist an einem Herzinfarkt gestorben, obwohl sie keine Herzprobleme hatte und sie kaum Spuren von Misshandlung aufwies."
    ,, Dann ist sie am Schock gestorben?"
    ,, Genau das nehmen wir an."

    5
    Seine Sicht

    Ich setzte mich an meinen Schreibtisch, startete meinen PC, lehnte meine Tasche an den Schreibtisch und setzte mich auf meinen schwarzen mit Leder überzogenen Bürostuhl. Langsam lehnte ich mich nach vorne und drückte einen Knopf vom Telefon.

    ,, Sie können mir die Erste rein schicken."
    Durch einen kleinen Lautsprecher kam eine leicht rauschende Antwort.
    ,, Natürlich, ich schicke sie jetzt hoch."
    ,, Dankeschön."
    Mit einem knirschen des Leders lehnte ich mich in den Sitz und musterte mein Büro.
    Alles ordentlich, wie es sich gehört. Aber eine Renovierung würde noch einmal guttun.
    Leise ertönte ein Klopfen an der Tür und ich legte ein Lächeln auf.
    ,, Herein."
    Sacht öffnete sich die Tür und eine junge Dame kam in mein Büro.
    ,, Guten Morgen."
    ,, Schließen Sie bitte erstmal die Tür und dann setzten Sie sich doch. Dann lässt es sich viel besser über Probleme unterhalten."
    Leicht überrumpelt schloss sie die Tür und setzte sich vor mich.
    Und schon habe ich sie in meinen Bann gezogen.
    ,, Sie sind also Kim Lebrech?"
    ,, Ja, aber bitte nur Kim."
    Und jetzt nur noch Sicherheit ausstrahlen, freundlich und persönlich antworten und sie liegt mir schon im Schoß.
    ,, Wenn du es so wünscht."
    Mit einem flüssigem Zug nahm ich eine Mappe zur Hand und schlug sie auf. Schnell las ich sie und musterte ihr Foto.
    ,, Hier steht, dass du Kim
    ich schaute auf und lächelte ihr noch einmal freundlich zu
    finanzielle, familiäre und noch viele weitere Probleme hast."
    ,, Ja, mein Leben ist kein Traum."
    Ich legte die Mappe wieder an ihren Platz und nahm Kims Hand.
    ,, Du hast dich an den richtigen gewendet, ich werde mit dir einen Termin für einen Hausbesuch ausmachen."
    ,, Wofür, wenn ich fragen darf."
    ,, Damit ich mir einen besseren Einblick in deine Probleme bekomme und wir uns noch einmal ausführlicher darüber unterhalten können. In einem Büro fühlt man sich doch nur gefangen, gezwungen etwas zu sagen. Daher habe ich lieber Hausbesuche."
    ,, Da haben Sie recht."
    Erleichtert atmete sie aus und entspannte sich.
    Es hat eben gewisse Vorteile so zu sein wie ich.
    Wir machten einen Termin aus und nach einem kleinem Gespräch, verließ sie mein Büro. Ich betätigte wieder den Knopf und atmete gelangweilt aus.
    ,, Die nächste, bitte."
    Den ganzen Tag, so wird es jetzt den ganzen Tag laufen.

    6
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich stand wieder am Tatort und musterte alles.

    ,, Ich bin der Mörder. In der Nacht hatte ich mit dem Opfer Geschlechtsverkehr, danach habe ich sie ermordet. Aber warum? Ich habe anscheinend eine Abneigung gegen arme Frauen und sie ist nicht mein erstes Opfer. Wie soll ich ein Profil erstellen, wenn ich noch kein weiteres Opfer..."
    Es gibt nicht nur ein weiteres Opfer, sondern weitere... Warum ist mir das nicht schon vorher aufgefallen? Er hat es mir selbst verraten!
    "Dieses Opfer ist nicht das erste, haben Sie die anderen schon gefunden?"
    Anderen! Wie viele sind es wohl und wo sind sie?

    Ich rannte aus der Wohnung und stieg in mein Auto.
    Das Opfer hatte, wenn man es so betrachtet keine Familie, beide Eltern tot, Geschwister hat es nie gegeben und die einzig lebende Verwandte die wir finden konnten war die Großmutter mit Alzheimer im Altenheim!
    Wenn es so weiter geht, wird dieser Fall ungeklärt bleiben....

    ,, Aaaaaa!"
    Ich haute aufs Lenkrad, es hupte laut und ich zucke zusammen.
    Ich muss diesen Fall klären, sonst war es das mit meiner Karriere!
    Ich drehte den Schlüssel um und das Auto sprang an.
    Immerhin funktioniert mein Auto noch, bei meinem Glück...
    Mein Handy klingelte und ich ging dran.
    ,, Ja?"
    ,, Diana, wir wissen wo die zweite Leiche ist!"
    ,, Wo ist sie, Martin!"
    Er nannte mir die Nummer und ich fuhr los.

    ,, Wissen wir schon den Namen?"
    Fragend schaute ich Martin an und er schaute auf einem Blatt nach.
    ,, Ihr Name war...einen Moment. Sie hieß Annabel Brüning und wird seit drei Monaten vermisst........"
    ,, Tja, jetzt nicht mehr."

    7
    Kims Sicht

    Er war wirklich nett gewesen, so einfühlsam, so freundlich und verständnisvoll. Dazu kommt, dass er ein Mann ist und so eine Kombination findet man echt selten!
    Ich räumte schnell noch einige Zeitschriften weg und schaute mich in meiner kleinen Wohnung um.
    Wirklich erbärmlich, aber wenn er mir wirklich helfen kann, dann wird schon bald alles besser. Ich werde ein glücklicheres Leben führen und wer weiß vielleicht auch eine Beziehung... Den richtigen Mann habe ich ja schon vor Augen.
    Ich haute mir gegen die Stirn und stöhnte auf.
    Kim! Hör sofort auf so zu denken, sonst wird er dir nicht helfen können, du wirst enttäuscht sein und wieder weinen.
    Ich stemmte meine Hände in die Seite und schaute auf die Uhr.
    Noch zwei Stunden bis er kommt, dann kann ich mich noch frisch machen......
    Ich drehte mich um ging ins Badezimmer und ließ mir ein Bad ein.
    Mango, oder Zitrone? Riecht beides gleich gut.
    Ich zuckte mit den Schultern schüttete beides ins Wasser, zog mich aus und stieg in die Badewanne.

    Ich stand vor meinem Spiegel und hielt verschiedene Kleider an mich.
    Welches wird ihn beeindrucken? Das nicht, indem sehe ich zu armselig aus.
    Ich zog ein Knielanges himmelblaues luftiges Kleid an und drehet mich mehrmals im Kreis. Als es an der Tür schälte hielt ich inne und betrachtete mich noch einmal.

    Er ist da!

    Ich öffnete sanft die Tür, sah hoch und blickte direkt in seine sanft funkelnde Augen.
    ,, Hi...."
    Ich ging einen Schritt zur Seite, damit er eintreten konnte und lächelte einladend.

    8
    Seine Sicht

    Wie sie mich anlächelt und dieses gehauchte "Hi", ja sie wird ein leichtes Opfer sein, aber auch das richtige?
    ,, Hallo."
    Ich betrat die kleine aufgeräumte Wohnung, stellte meine Tasche auf den Boden und zog meine Jacke aus.
    ,, Oh, geben Sie mir die doch."
    Ich schaute zu Kim, sah ihr warmes Lächeln, die Freude in ihren Augen mich wiederzusehen und ihre zitternde ausgestreckte Hand, die darauf wartete meine Jacke aufhängen zu können.
    Wie normal sie doch ist.
    Ich lächelte und gab ihr meine Jacke. Sie drehte sich um hing sie auf und führte mich in ein kleines Wohnzimmer.
    ,, Kann............"
    Ich hob meine Hand und machte es mir etwas bequemer auf der knartschenden Couch.
    ,, Ich nehme eine Tasse Tee, wenn es recht ist."
    Fragend schaute ich auf und sah mit Freuden, wie sie verdutzt in einen Nebenraum ging um wohl meinen Tee zu machen.

    Wo bleibt sie!
    Ich schaute auf meine hochwertige Uhr und stellte fest, dass ich bereits eine halbe Stunde auf eine normale Tasse Tee wartete.
    Hat sie etwa keinen und kauft welchen, oder ist sie eingeschlafen?
    ,, Kim?"
    Stille. Ich stand auf, was der Couch noch ein knartschen entlockte.
    Ob sie wohl einen Herzinfarkt hatte, oder sitzt sie mit Verstopfungen auf der Toilette?
    Ich ging leise über den Teppich in den Raum, in welchem sie verschwunden war und klopfte sanft an die Tür, als ich sie am Fenster stehen sah. Sie zuckte zusammen und schaute mich geschockt an.
    ,, Es tut mir leid, der Tee ist wieder kalte... Ich werde neuen machen."
    ,, Es ist doch alles gut, mach dir keine Umstände."
    Sie nickte, kam auf mich zu, schmiss sich mir in die Arme und fing an zu weinen.
    Oh Mann! Sie ist aber ein schwerer Fall von "Erlös mich, mein Leben ist so grausam!" Das wird ein leichtes Spiel, aber ist sie es wert?
    ,, Was ist denn?"
    Sanft streichelte ich ihr übers Haar und drückte sie an mich.
    ,, Mein Leben, es ist so... so ungerecht und bitte, ich brauche Hilfe!"
    Bingo!

    9
    (FBI) Dianas Sicht

    Sie weinte aus Leibeskräften und schaute mich nicht mal mehr an. Ihr Mann umarmte sie dolle, hielt seine Tränen zurück, starrte mich an und seine Lippen bebten.

    ,, Sie wissen wirklich nicht, wer der Mörder ist?"
    Wenn ich es wüsste, dann würde ich wohl kaum hier sitzen!
    ,, Nein, noch nicht, Sir. Aber glauben sie mir, mein Team und ich tun unser bestes, aber wir brauchen Ihre Hilfe."
    ,, Wie sollten wir Ihnen helfen können? Wir haben schon alles gesagt! Sie ist vor drei Monaten einfach abgehauen, was sie häufiger tat, aber nie solange. Sie war Drogenabhängig, hatte auch wenn wir ihr Geld gaben Finanzielle Probleme! Sie war ein Problemkind, aber niemand hätte sie töten wollen!"
    Anscheinend doch, denn das wurde sie.......
    Ich riss mich zusammen und nickte.
    ,, Hatte sie einen Freund, oder eine zerbrochene Beziehung?"
    ,, Nicht, dass ich wüsste, sie hatte viele, aber wer hätte ihr was angetan?"
    Die Frau schaute mich mit rötlichen Wangen und verweinten Augen an und schniefte.
    ,, Andree Brown, sie waren einige Jahre ein Paar, aber sie haben sich wegen eines Streites getrennt und er hat ihr Drohbriefe hinterlassen..."
    ,, Was! Das wusste ich gar nicht! Warum hast du mir das nicht gesagt, Schatz?"
    ,, Sie wollte nicht, dass du es erfährst..."
    Ich schrieb mir neue Notizen auf und musterte die beiden.
    ,, Könnten Sie mir sagen, wo dieser Andree Brown wohnt?"
    ,, Ja...Er wohnte zuletzt in der Fairstreet, Nummer 82, in einer kleinen schäbigen Wohnung."
    Ich nickte der Frau zu und bedankte mich.
    ,, Ich werde jetzt gehen, sollte Ihnen noch was einfallen, dann zögern Sie nicht, mich anzurufen."
    Ich verließ das Haus, rief Martin an und gab ihm die neuen Informationen.

    10
    (In diesem Kapitel könnt ihr lesen, was zwischen Kim und Riley passiert, hier geschieht noch nicht der Mord!
    Das Kapitel findet ihr unter diesem Link:

    http://www.testedich.de/quiz46/quiz/1485954566/Moerder-und-Tod-FF

    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Mörder und Tod (FF+)")

    11
    (In diesem Kapitel könnt ihr den ersten Teil des Mordes lesen.
    Das Kapitel findet ihr unter diesem Link:

    http://www.testedich.de/quiz46/quiz/1485954566/Moerder-und-Tod-FF

    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Mörder und Tod (FF+)")

    12
    (FBI) Dianas Sicht

    ,, Was soll das bedeuten, Ben?"
    Ungeduldig starrte ich auf den Laptopbildschirm und sah Ben an.
    ,, Das soll heißen, dass das neue Opfer, welches ihr vorgestern gefunden habt sehr gelitten hat und das andere Opfer, das was wir davor gefunden haben nicht gelitten hat, weil dieses an einem Herzinfarkt gestorben ist! Verstehst du nicht! Sein letztes Opfer war für ihn enttäuschend, das heiß er sucht sich schnell ein neues und dieses wird sehr zu leiden haben und wenn ich sehr sage, dann meine ich sehr!"
    Das darf doch alles nicht wahr sein! Er muss schnell gefunden werden, wahrscheinlich hat er auch schon ein neues Opfer!
    ,, Ben, ist Martin wieder da?"
    ,, Nein, er ist immer noch auf der Suche nach diesem Andree Brown, er ist wie vom Erdboden verschwunden."
    ,, Die Adresse war auch nicht aktuell?"
    ,, Nicht wirklich, alles was wir gefunden habe, war ein offenes Fenster und einen dreckigen Kamin. Diese habe ich natürlich gründlich untersucht, genau wie die beiden Leichen noch einmal, aber nichts!"
    ,, Beruhig dich, du bist der Beste auf deinem Gebiet, wenn du ihn nicht finden kannst, dann niemand."
    Mein Handy brummte, ich schaute auf die Nummer und atmete aus.
    ,, Das ist Martin, warte einen Moment."
    ,, Klar... Ich habe nichts besseres zu tun."
    Schnell ging ich ans Handy und konnte kein Wort verstehen.
    ,, Martin, langsam, ich verstehe dich nicht!"
    ,, Ich habe diesen Andree Brown nicht direkt gefunden, aber ich weiß, dass er jeden Dienstag um siebzehn Uhr in ein Sportcenter geht und dort dann zwei Stunden ist."
    ,, Das ist fantastisch und in welchem Sportcenter?"
    ,,Ähhh... Ich glaube es war das Powerfitcenter."
    ,, Du glaubst?"
    ,, Ich bin mir sicher."
    ,, Gut, dann müssen wir nur am Dienstag dorthin und ihn uns holen, gut gemacht Martin."
    Ich legte auf und sah, dass Ben nicht wirklich erfreut dreinblickte.
    ,, Er hat ihn gefunden, was?"
    ,, Joa, so kann man das nenne. Bitte find für mich alles über das Powerfitcenter heraus, danke."
    ,, Klar, ge..."
    Schnell unterbrach ich die Verbindung und puste aus.
    Wir kommen ihm immer näher!

    13
    (In diesem Kapitel könnt ihr den zweiten Teil des Mordes lesen.
    Das Kapitel findet ihr unter diesem Link:

    http://www.testedich.de/quiz46/quiz/1485954566/Moerder-und-Tod-FF

    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Möder und Tod (FF+)")

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    Seine Sicht

    Ich ließ ihren Kopf angewidert los und ihre Leiche fiel zurück aufs Bett. Ich betrachtete meine Hände und ballte sie zu Fäusten. Langsam glitt mein Blick zu ihren starren leblosen Augen und das einzige was man noch sehen konnte, war der Schock. Ein Schock den man nur einmal erlebt und zwar, wenn man ermordet wird. Leise pustete ich aus und ließ meine Hände sinken.
    Sie hat durchgehalten...überraschend. Vielleicht sollte ich mich langsam anziehen, es ist schon spät...
    Ich schaute in den Spiegel und sah meinen mit Blut bespritzten Körper.
    Waschen kann auch nicht schaden...aber das hat Zeit.
    Ich hob meine Klamotten vom Boden auf und zog mich langsam an. Als letztes hob ich meinen Gürtel auf und musterte ihn.
    Den kann ich nicht anziehen, ich brauche einen neuen.
    Ich legte diesen und meine anderen Werkzeuge wieder in den Koffer, schnallte meine Uhr um mein Handgelenk, ging ins Bad und wusch mein Gesicht. Anschließend trocknete ich mich ab und ging wieder ins Schlafzimmer.
    ,, Kim, es war schön mit dir und ich hoffe du findest jetzt den Frieden, den du gesucht hast."
    Nachdem ich das Schlafzimmer aufgeräumt, sie zugedeckt und meinen Koffer genommen hatte, ging ich zu Tür, entfernte den Elektroschocker geübt und ersetzte ihn wieder durch die Türklinke.
    ,, Ah, fast vergessen."
    Schnell nahm ich noch die Fernbedienung vom Sofa, verließ die kleine Wohnung und schaute in den Himmel.
    Ich sollte wieder nach Hause.
    Ich setzte einen Fuß vor den anderen, versank in meinen Gedanken und vergaß die Welt um mich herum.

    15
    (FBI) Dianas Sicht

    Er wird bald kommen.
    Ich schaute auf meine Uhr und atmete tief ein. Zwei Tage hatte ich auf diesen Moment gewartete, meinen eventuellen Mörder endlich zu sehen.
    Nur noch wenige Minuten, dann sehe ich ihn hoffentlich.
    Ein Mann kam durch die Umkleidetür und schmiss sich ein Tuch über die Schulter. Unauffällig musterte ich noch einmal das einzige Bild von Andree Brown, faltete es zusammen und blickte zu Martin rüber, der wachsam an der Tür stand und etwas trank.

    Das kann nicht wahr sein! Er kommt nicht!
    Der Zeiger meiner Uhr sprang auf siebzehnuhrzwanzig und ich schaute zum Mann.
    Er sieht angespannt aus... Naja kein Wunder er hebt ja auch Hundertkilo.
    Er gab das schwere Ding einem anderen Mann, setzte sich auf wischte sich Schweiß aus dem Gesicht und lächelte mir zu. Ich lächelte, sah wie er aufstand, zu mir kam und neben mir stehen blieb.
    ,, Suchen Sie jemanden?"
    Äääää..... Mist! Konzentrier dich!
    ,, Eigentlich ja..."
    Ich zog das Foto aus meiner Tasche und gab es ihm. Mit geschickten Fingern faltete er es auseinander und musterte Andree Brown.
    ,, Sie suchen Andree Brown?"
    Er kennt ihn!
    ,, Ja, das tue ich, wissen Sie wo er sich befindet?"
    Er gab mir das Foto wieder, wischte sich erneut etwas Schweiß aus dem Gesicht und reichte mir seine Hand.
    ,, Ja, ich kenne ihn."
    Verwirrt nahm ich seine Hand, hatte eigentlich damit gerechnet, dass er sich mir vorstellten würde und schüttelte sie.
    ,, Und wo ist er?"
    Er lächelte warm und befreite seine Hand aus meiner.
    ,, Nicht hier."
    ,, Das habe ich auch bemerkt. Ich bin vom FBI und bin in einer wichtigen Ermittlung, daher ist es sehr wichtig, dass Sie mir sagen, wo er sich befindet."
    ,, Soweit ich weiß, ist er nicht im Land...eine Geschäftsreise hat er gesagt."
    Was! Er war doch arbeitslos! Das kann nicht wahr sein! Nur die Ruhe bewahren.
    ,, Wann kommt er wieder?"
    ,, Wenn es Ihnen recht ist, dann ziehe ich mich erst lieber um und dann können wir weiter sprechen."
    ,, Oh, natürlich."
    Er wand sich ab und ging wieder in den Umkleideraum.

    16
    Seine Sicht

    Ich legte das Tuch ab und fuhr mir durch meine nassen Haare.

    Vielleicht sollte ich noch einmal duschen? Ob sie so geduldig ist? Und dann noch dieser andere Mann! Wie er sie anstarrt, entweder bemerkt sie es nicht und ist dumm, oder sie ignoriert es. Mal gucken, ob es mein Problem wird.
    Kopfschüttelnd ging ich meine Sachen holen und in eine Dusche.

    Das hat gut getan, meine letzte Dusche war eher...wie kann man das nennen...notwendig.
    Ich ging wieder durch die Tür und sah die beiden schon ungeduldig warten. Sie schaute auf und lächelte erleichtert. Leicht lächelte ich zurück und sah zu ihm. Er ging etwas näher an sie und musterte mich angewidert.
    Lächerlich, wie er sich benimmt, so kindisch. Einfach ignorieren und höflich bleiben.
    ,, Ich dache schon, dass Sie..."
    ,, Das ich es mir anders überlegt habe?"
    ,, Genau."
    Sie machte eine vage Handbewegung und deute auf den Ausgang.
    ,, Wartet, wartet!"
    Fragend sah ich den anderen Mann an und schloss meine Augen.
    ,, Ja?"
    ,, Sie haben sich noch gar nicht vorgestellt."
    Ach so, das ist es nur. Naja, er ist wachsamer als sie.
    ,, Nun, Sie sich auch nicht."
    ,, Dann holen wir das ganz schnell nach, das ist Diana Smith und ich bin Martin Schulz. Damit wären Sie dran."
    Wie viel soll, oder eher wie viel kann ich sagen?
    ,, Riley, einfach nur Riley."
    Er zog eine Augenbraue hoch und sie klatschte einmal laut in die Hände.
    ,, Damit wäre alles geklärt. Also können wir endlich Gentlemans?"
    ,, Von mir aus ja."
    Zur Bestätigung ging ich auf den Ausgang zu und Martin seufze hinter mir noch schnell seine Zustimmung.
    Mal schauen, was ich alles herausfinden kann.
    Lasst das Spiel beginnen!

    17
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich trat durch die Tür, welche er freundlich aufhielt und als er mich fast berührte wurde mein Atem flacher.

    Was ist so anders an ihm? Ich kann ja kaum richtig denken!
    Ich schaute zu Martin und runzelte verwundert meine Stirn, als ich sah wie er zu Riley starrte.
    Was ist denn mit Martin los? So habe ich ihn ja noch nie erlebt? Männer, alle sagen, es wären einfache Geschöpfe, ich habe zwei vor mir und verstehe sie nicht. Also ist nur noch die Frage, stimmt was mit ihnen nicht, oder mit mir?
    ,, Und wo gehen wir hin?"
    Seine warme, sanfte, beruhigende Stimme riss mich aus meinen Gedanken und verlegen schaute ich zu ihm hoch.
    ,, In mein Büro, dort können wir uns ungestört unterhalten. Müssen Sie noch ihren Wagen holen?"
    Martin trat näher und man konnte den Dampf aus seinen Ohren schon förmlich aufsteigen sehen.
    Was hat er bloß? Ist es wegen ihm? Nein, das kann nicht sein.
    ,, Nein, ich bin zu Fuß unterwegs."
    ,, Und warum? Sie wirken nicht auf mich, als würden Sie alles zu Fuß erledigen."
    Mensch! Martin, reiß dich zusammen! Aber er hat recht, Riley ist nicht der Typ für sowas und wie war sein Nachname noch einmal? Ach ja, den hat er verschwiegen, warum?
    Ein belustigtes Lächel umspielte Rileys Lippen und er zuckte nur mit den Schultern.
    ,, Das tue ich auch nicht, aber um meinen Körper in Form zu halten, komm ich ab und zu nicht drum herum."
    Oh weier... Reiß dich zusammen! Du bist im Dienst!

    18
    Seine Sicht

    Ich genoss es zu sehen, wie Martin um Beherrschung rang und sie sich versuchte zusammenzureißen.

    ,, Also, müssen Sie noch ihren Wagen holen?"
    Das ich das Schweigen durchbrochen hatte, überraschte wohl beide und ich spürte wieder wie sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen schlich. Martin presste seine Lippen aufeinander und verkrampfte sich, als Diana mich weiter anstarrte.
    ,, Ja. Diana, holst du den Wagen?"
    Sie verzog etwas ihr Gesicht und ich sah schon, wie sie ihn schickte um den Wagen zu holen, doch kaum merklich schüttelte sie den Kopf, um sich wohl an etwas zu erinnern und seufzte.
    ,, Gerne."
    Sie drehte sich schwungvoll herum und ging Richtung Parkplatz.
    Steif kam Martin neben mich und musterte mich mit kalter Miene.

    Dieses Spiel kannst nicht nur du, aber lassen wir dich erstmal in diesem Glauben.
    Fragen musterte ich ihn und setze meine Unschuldsmiene auf.
    ,, Kann ich Ihnen helfen, Martin?"
    Er verengte etwas seine Augen und seine Nasenflügel zitterten leicht.
    Belustigt hielt ich mich zurück und wartete geduldig auf seine Antwort.
    ,, Ja, halten Sie sich von Diane fern."
    ,, Kann ich machen, aber ob sie es kann, ist die andere Frage."
    Er wollte irgendetwas erwidern, doch er wurde von einem lautem Hupen überrascht.
    ,, Bitte einsteigen."

    19
    (FBI) Dianas Sicht

    Belustig sah ich wie sich Martin erschrocken an die Brust fasste und Riley ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken konnte.

    ,, Na kommt. Wir können nicht den ganzen Tag nur hier herum stehen und uns unterhalten."
    Das tun wir schön in meinem Büro, wo es vernünftigen Kaffee gibt!
    Martin strecke eine Hand aus, öffnete die hintere Tür und zu unserer Überraschung stieg Riley vorne ein.
    Okay...so hatte das Martin sicherlich nicht geplant, aber nun ja, wenn man es so sieht hätte man auch denken gekonnt, dass er hinten einsteigen will... Warum zerbreche ich mir darüber den Kopf?
    Martin knirschte hörbar mit den Zähnen, stieg ein und knallte die Tür lauter als nötig zu. Riley schaute aus dem Fenster und ein kleines Zucken umspielte seine Mundwinkel.
    Er will nicht lächel, er unterdrückt es, aber warum? Und warum frage ich mich das?
    Ich drückte aufs Gaspedal, lenkte den Wagen auf die Straße und fuhr Richtung FBI-Gebäude.

    ,, Wir sind da."
    Ich fuhr auf eine Absperrung zu, hielt bei einem Mann, zeigte meinen Ausweis vor und fuhr nach einem kurzem Gespräch auf den Parkplatz. Schnell stieg Martin aus, rannte um den Wagen herum und öffnete mir die Tür.
    Okay, ist wahrscheinlich nur um Riley zu ärgern...oder nicht? Argh! Diana, zerbrich dir nicht den Kopf darüber, sonst analysierst du alles wieder nur zu tode!

    20
    Seine Sicht

    Mit einer hochgezogenen Augenbraue schaute ich zu Martin, der Diana die Tür aufhielt und ihr heraushalf. Ich schnallte mich ab, packte meine Sachen, öffnete die Tür und stieg aus.

    Ob er mich herausfordern wird? Nur wegen Diana und dass ich vorne eingestiegen bin? Ist mir recht, ich liebe Herausforderungen.
    ,, Kommt."
    Ich ließ die Tür zufallen und folget Diana. Martin dicht hinter mir, als wäre ich ein Krimineller.
    Ich bin kein Krimineller... Ich habe... Wie kann man es ausdrücken? Verhaltensstörungen? Zwänge? Nein, das ist einfach meine Art... Darüber sollte ich mir vielleicht mal Gedanken machen. Oder nicht? Im Moment sollte ich mich auf was ganz anderes konzentrieren!

    Ich musterte ihr Büro und setze mich auf einen Stuhl vor ihrem Tisch.
    Langweiliges Büro, so...schlicht, normal und dazu so viel Staub!
    ,, Brauchen Sie einen Kaffee?"
    Ich musterte sie und setzte ein schlichtes Lächeln auf.
    ,, Eine Tasse Tee genügt und bitte Diana, nenn mich doch Riley."
    Martin kam ins Büro und schaute misstrauisch zwischen Diana und mir hin und her.
    ,, Ich habe die Mappe, Boss."
    Sie starrte auf meinen Mund, musterte meine Lippen und leise räusperte sich Martin, was sie aus ihrer Trance riss.
    ,, Hm? Ach Martin, danke und könntest du bitte einen Kaffee und einen Tee holen?"
    ,, Aber...okay..."
    Er drückte ihr die Mappe in die Hand, musterte mich warnend und verließ das Büro wieder.
    ,, Du musst Martin entschuldigen, er ist heute generell etwas neben der Spur."
    ,, Aber natürlich."
    Sie setzte sich vor mich und las sich die Mappe durch. Geduldig legte ich meine Hände in meinen Schoß und beobachtete sie.

    21
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich las die Mappe aufmerksam und runzelte meine Stirn.

    ,, Diana, kann ich dir helfen? Du siehst so verzweifelt aus."
    Ich liebe es wie er meinen Namen ausspricht! Reiß dich zusammen!
    Ich entspannte mich wieder, schaute auf und sah in seine unglaublich wunderschönen grauen Augen.
    ,, Nein, aber danke."
    Immerhin ist es deine Mappe...
    ,, Gerne."
    ,, Darf ich dich was fragen?"
    Er hob eine Braue und musterte mich wartend.
    ,, Natürlich, darfst du das."
    ,, Als was arbeitetest du?"
    Er lehnte sich in den Sitz musterte mich weiter und spielte mit einem Ring um seinen Mittelfinger.
    Ist er etwa verheiratet? Oh mein Gott, bitte nicht!
    Schnell ließ ich meinen Blick wieder über das Papier gleiten und atmete erleichtert aus.
    Keine Ehe vorhanden, zum Glück!
    ,, Ich bin ein Berater."
    ,, Was für ein Berater?"
    Ehe er antworten konnte, öffnete Martin die Tür gab mir meinen Kaffee, hielt den Tee Riley hin, welcher ihn gerade nehmen wollte und ließ ihn abrupt los, sodass der Tee auf Rileys Hose verschüttete.
    ,, Oh, das tut mir aber leid. Ich dachte Sie hatten ihn schon in der Hand."
    Martin!
    Riley nahm den Plastikbecher, stellte ihn auf meinen Schreibtisch und musterte seine Hose.
    Wie wird er reagieren?
    Langsam schaute er zu Martin hoch und atmete tief ein.
    ,, Halb so wild, haben Sie ein Tuch für mich, oder kann ich die Toilette benutzen?"
    Schnell stellte ich den Kaffee ab, stand auf und deutete mit der Hand auf die Tür.
    ,, Ich bringe dich zu den Toiletten."
    Er stand auf, ohne den Blick von Martin zu richten und er lächelte.
    ,, Danke für den Tee."
    Ich verkniff mir das Lachen, während Martin den Mund zu einer Erwiderung öffnete und wieder schloss. Riley drehte sich um, öffnete die Tür und hielt sie mir auf.
    ,, Danke."
    Schnell ging ich an ihm vorbei und er folgte mir den weißen langen Flur entlang.

    22
    Seine Sicht

    Sie blieb vor der Tür stehen und lächelte mich an.

    ,, Danke."
    Ich betrat die Toilette, schloss sacht die Tür hinter mir, ging zu einem Spiegel und musterte mich.
    Unwiderstehlich.
    Ich ließ mein Blick zu meiner nassen Hose gleiten, ballte meine Hände zu Fäusten und versuchte nicht die Kontrolle über mich zu verlieren.
    Soll ich sie zu mir reinholen? Wäre bestimmt interessant zu sehen, wie sie reagieren würde...
    Langsam öffnete ich wieder meine Hände nahm ein billiges Papiertuch und versuchte meine Hose halbwegs trocken zu bekommen.

    Als ich die Tür öffnete packte mich eine Hand von der Seite zog mich etwas runter und küsste meinen Mund. Ich verharrte und blickte in Dianas Augen, während sie mich langsam losließ.
    ,, Das tut mit leid...ich..."
    Amüsiert hob ich eine Augenbraue und lächelte sanft.
    ,, Tut es dir wirklich leid?"
    Sie musterte mich etwas schüchtern und schüttelte den Kopf.
    ,, Nein, das sollte es aber, mein Verhalten war völlig unangemessen."
    Mach dir nichts draus Süße, mir konnte bis jetzt niemand widerstehen.
    ,, Wenn du willst, dann ist das nicht passiert. Ich kann schweigen wie ein Grab."
    Jetzt hob sie eine Augenbraue und eine Strähne viel ihr über die Augen. Sanft hob ich meine Hand und strich die Strähne wieder hinters Ohr, wobei ich ihre Wange sacht berührte und sie schloss die Augen.
    ,, A-am besten wäre es wirklich, wenn wir es vergessen würden."
    Sie räusperte sich, öffnete wieder die Augen und starrte mich finster an.
    Was hat sie denn jetzt? Ist es etwa meine Schuld, dass sie mich geküsst hast? Naja, irgendwie schon.
    ,, Dann vergessen wir es. Wolltest du mich nicht noch irgendetwas Fragen, oder so was?"
    ,, Ja, kommen Sie mit."
    Oh, wir sind wieder beim Sie, das wird ein Spaß.
    Sie ging vor und ich folgte ihr aufmerksam.

    23
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich betrat wieder mein Büro, sah, dass Martin immer noch an der selben Stelle stand
    und mich fragend musterte. Irgendwie brachte ich ein kleines Lächeln zustande und setzte mich wieder auf meinen Platz. Riley schloss elegant die Tür, setzte sich vor mich und musterte mich durchdringlich.

    Oh mein Gott, diese Augen! Nein! Reiß dich zusammen, noch einen Ausrutscher darfst und kannst du dir nicht leisten! Das was schon peinlich genug...aber seine Lippen waren so weich und...ach!
    ,, Martin, setz dich doch und dann können wir auch schon weitermachen."
    Ganz leicht verzog er sein Gesicht und schlurfte zu einer kleinen Couch neben einem Regal, welcher mit Reisebilder und verschiedenen Büchern gefüllt war. Riley schaute zum Regal und wieder zu mir und lächelte sanft.
    ,, Du reist gerne?"
    ,, Ja, das tue ich und bitte belassen wir es fürs erste beim Sie...das ist angebrachter."
    Man konnte regelrecht sehen, wie sich Martins Ohren spitzen und ein kleines gemeines Grinsen schlich sich auf sein Gesicht.
    Versuch es erst gar nicht, das Grinsen zu analysieren, du kommst eh nicht dahinter...
    ,, Wenn Sie es wollen, gerne."
    Etwas neues irritierte mich in seinem Blick, in seiner Ausstrahlung und ich zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein, was Martin das Grinsen schlagartig verschwinden ließ.
    ,, Ja..."
    Ich räusperte mich kurz um meine leise Stimme wieder in den Griff zu bekommen und versuchte meinen Puls wieder unter Kontrolle zu bekommen.
    ,, Also, woher kennen Sie Andree Brown?"
    ,, Er ist mein Bruder."
    ,, Also heißen Sie Riley Brown?"
    ,, Nein, das tue ich nicht."
    Hä, muss man das verstehen? Wie heiß er dann? In der Mappe...oder indem, was man lesen konnte gab es so gut wie nichts!
    Ich machte mir ein Blatt zurecht und holte einen Stift hervor.
    ,, Und wie heißen Sie dann?"
    ,, Riley, einfach nur Riley, das hatte ich aber auch schon mal gesagt, meine ich."
    ,, Ja, das hatten Sie, aber jeder Mensch hat einen Nachnamen und Ihren würde ich jetzt gerne erfahren."
    Riley atmete tief ein und Martin spannte sich an.
    ,, Riley Shepherd."
    Riley Shepherd...hmmm... Diana Shepherd...hihihi... Du benimmst dich wie ein kleines Mädchen und nicht wie jemand vom FBI!
    Ich schrieb meine neuen Information ordentlich auf und musterte ihn.
    ,, Und warum ist Ihr Bruder im Ausland?"
    ,, Sein Beruf ist es Reisebücher zuschreiben und daher muss er auch viel Reisen."
    Er lügt doch, nur wegen meinem Regal!
    Der Stift kratze laut auf dem Papier, als ich mir wieder was aufschrieb.
    ,, Sie haben bestimmt auch ein Buch von ihm und wenn nicht, dann leihe ich Ihnen gerne eins."
    ,, Aha...und was machen Sie beruflich?"
    Scheiße, das ist mir so rausgerutscht...aber wäre doch interessant zu erfahren was genau...
    ,, Ich bin Berater."
    Keine Ahnung, was Martin auf einmal hatte, aber er sprang auf und blieb vor Riley stehen.
    ,, Hören Sie mir jetzt zu! Ihr Bruder ist ein Verdächtiger, der bis jetzt zwei unschuldige Frauen getötet haben könnte, wahrscheinlich sogar schon mehr! Also, wo genau befindet er sich!"
    Okay, so habe ich ihn noch nie erlebt...
    Riley musterte Martin ruhig und zuckte mit den Schultern.
    ,, Keine Ahnung, aber ich könnte ihn anrufen und hierherbestellen."
    ,, Nein, nicht hierhin, dann kommt er gar nicht!"
    ,, Dann in unsere Bar, also soll ich ihn jetzt sofort anrufen?"
    Meine Hände zitterten vor Freude ihn endlich zu sehen, unseren Verdächtigen!
    ,, Ja, tun Sie das."

    24
    Zeitsprung

    Ich schlug mit meiner Faust laut auf den weißen Tisch und starrte Andree Brown wütend an.
    ,, Gestehen Sie!"
    Seine Miene blieb unbeeindruckt und er legte seine rechte Hand auf sein Knie.
    ,, Wie kann ich etwas gestehen, was ich nicht getan habe?"
    Dieser...dieser...! Er war's, ich sehe es doch! Er ist die Ruhe selbst, nur er kann es gewesen sein!
    ,, Warum hätte ich diese Frauen töten wollen?"
    Woher soll ich das denn wissen!
    ,, Sagen Sie es mir Andree."
    Er lachte laut auf und lehnte sich weiter in den Stuhl zurück.
    ,, Das ist doch absurd, wo bleibt mein Anwalt?"
    Ich nahm meine Faust vom Tisch und musterte ihn stinkwütend.
    ,, Sie sehen ganz schön süß aus, wenn sich kleine Wutfältchen auf ihrer Stirn bilden."
    ,, Wie bitte!"
    Süß! Wutfältchen! Was fällt diesem...Mann nur ein!
    ,, Sagen Sie das noch einmal, dann...."
    ,, Dann was Süße? Werde ich dann in einer Ihrer Käfige gesperrt und bewacht?"
    Ehe ich es mich versehe, habe ich ihm meine Faust gegen das Kinn geschlagen.
    ,, Was soll das?"
    Natürlich muss der Anwalt jetzt auftauchen!
    ,, Mr. Brown und ich werden jetzt gehen, Sie haben meinen Mandanten körperlich verletzt, ohne einen guten Grund und nachweisen können Sie ihm auch nichts!"
    Andree zwinkerte mir noch einmal zu, bevor er mit seinem Anwalt verschwand. Und schon kam das nächste Problem zu mir hereingeplatzt und dieses Problem nennt sich Boss.
    ,, Sind Sie verrückt! Ich würde Sie auf der Stelle feuern, wenn Sie nicht an einem Fall dran wären!"
    ,, Es tut mir leid, Sir."
    Es tut dir nicht leid. Ach halt die Klappe Unterbewusstsein! Aber das stimmt doch! Klappe habe ich gesagt! Ja, Sir!
    ,, Diana, Sie müssen sich unter Kontrolle bekommen, als ich Ihnen ein Team gab, geschah dies nur aus dem Grund, dass Sie sehr gut waren."
    Waren? Was soll das heißen?
    ,, Sir, es wird nie wieder vorkommen und ich werde diesen Fall bald lösen."
    ,, Das will ich Ihnen auch geraten haben, aber womit wollen Sie jetzt weitermachen, Sie haben nicht mal mehr einen Verdächtigen."
    Doch Andree Brown! Streich ihn dir aus dem Kopf, der war es nicht! Klappe!
    Gerade als ich antworten will, reißt Martin die Tür auf und sprudelt nur so die Worte heraus.
    ,, Ein neues Opfer! Eine Kim irgendwas! Gleich um die Ecke!"
    ,, Entschuldigen Sie mich Sir, ich muss weiter arbeiten."

    25
    Seine Sicht

    Keine Ahnung, warum sie mich geholt hatte, doch nun war ich wieder in dieser kleinen Wohnung und stand im Wohnzimmer.

    Sie können unmöglich wissen, dass ich es war. Es gibt keine Beweise, die sie gefunden haben könnte.
    ,, Mister Shepherd, kommen Sie bitte mal her."
    Ich ging ins Schlafzimmer und musterte Kim gespielt neugierig.
    ,, War das der selbe Mörder?"
    ,, Wir nehmen es an."
    Martin machte Fotos, während hier und da andere Personen was einsammelten und Diana stellte sich neben mich.
    ,, Wie kann jemand so etwas nur tun, was kann einen Menschen nur so grausam sein?"
    Wieso? Da gäbe es viele Gründe.
    ,, Sie sieht noch jung aus."
    ,, Das war sie auch. Wollen Sie mich nicht fragen, warum ich Sie habe holen lassen?"
    ,, Doch, aber ich nehme an, dass Sie es mir eh gleich sagen werden."
    Sie schaute mir fest in die Augen und verschränkt ihre Arme vorm Bauch.
    ,, Sie war bei dir, einige Tage vorher."
    Jetzt sind wir wieder bei "dir", echt diese Frau kann sich nicht entscheiden, vielleicht sollte ich sie mal...nein, besser nicht.
    Ich hob meinen Zeigefinger, musterte meinen Nagel und nickte.
    ,, Ja, das war sie, wie gesagt, ich bin Berater und sie hat einen Berater gebraucht."
    ,, Was bist du für ein Berater?"
    Sie tippe mit ihrem Fuß auf den Boden und am liebsten würde ich sie für dieses nervige Geräusch verprügeln.
    Tief einatmen....
    Ich holte tief Luft und strich meine Unterlippe mit meinem Zeigefinger nach.
    ,, Ich bin kein richtiger Berater, der sich auf eine Sache spezialisiert, ich helfe in vielen Bereichen, bei vielen Problem und werde daher nur Berater genannt, aber ein fester Berater als solchen kann man mich nicht bezeichnen."
    ,, Als was dann?"
    Ich zucke einmal mit meinen Schultern und strich jetzt mein Kinn entlang. Ihr Blick ist fest auf diesen gerichtet und sie leckt sich über die Unterlippe.
    So ist brav.
    ,, Brauchst du mich noch länger hier, oder darf ich gehen?"
    ,, Du darfst gehen."
    Leicht schüttel sie ihren Kopf und ich wende mich lächelnd ab.
    ,, Man sieht sich, Diana."
    ,, Hoffentlich..."
    Ich höre wie sie sich erschrocken eine Hand vor den Mund schlägt und lächelnd gehe ich los.
    Hoffentlich, das beruht auf Gegenseitigkeit Diana, das kannst du mir glauben.
    Gerade als ich an der Garderobe vorbeigehe, erkenne ich etwas schwarzes und langsam drehe ich mich zu meiner Jacke herum.
    Wie konnte ich die nur hier vergessen!
    Langsam nehme ich sie vom Hacken und höre hinter mir Schritte.
    ,, Shepherd, geben Sie mir bitte die Jacke, soweit ich mich entsinne, sind Sie ohne gekommen."
    Ich schaute aus der Tür.
    Das Wetter ist fantastisch, also kann ich das nicht zur Ausrede nutzen.
    Ich drehte mich langsam zu Martin herum, lächel und gebe Sie ihm.
    ,, Ich wollte sie Ihnen gerade bringen."
    Misstrauisch nimmt er sie mir aus der Hand, ich nicke noch einmal und verschwinde durch die Tür.

    26
    Die Ruhe selbst. Die Ruhe selbst. Die Ruhe selbst... Scheiß drauf!
    Wütend zerbreche ich die Glasschüssel zwischen meinen Händen und die Scherben fielen klirrend auf die Fliesen.
    Wie ein Knochen, so leicht zu zerbrechen...so leicht...so schmerzvoll...so befriedigend.
    Ich lasse die restlichen Scherben aus meinen Händen fallen und beobachte, wie kleine rote Blutstropfen auf und neben die Scherben tropften.
    Ein Spiel und es ist an der Zeit einen entscheidenden Zug zu wagen, der mir aus diesem...aus diesem Schlamassel hilft, oder helfen könnte.
    ,, Sir, ist alles gut, ich ha..."
    Ich packe sie wütend am Hals und noch mehr Blut quoll aus den Schnitten.
    ,, Bringen Sie mir mein Telefon. Sofort!"
    Angewidert ließ ich sie los, mit einer Hand packte sie sich an den Hals und starrte mich entsetzt an.
    ,, Sir, aber sie Blute und..."
    ,, SOFORT!"
    Wie ein angestochenes Schwein lief sie davon und ich wischte mein Blut an meinem weißem Hemd ab.
    Weiß und rot. Unschuld und Tod. Ein Spiel, alles nur ein Spiel, was ich vielleicht verlieren werde...die andere Leiche...die andere Leiche haben sie noch nicht gefunden....es waren mit Kim vier, sie haben nur drei... JA!


    ,, Ja, kommen schnell her, die Adresse habe ich dir gerade gegeben und alleine."
    Ich legte auf, musterte meine zweite und für sie die vierte Leiche und ließ den Mord in meinem Kopf noch einmal Gestalt annehmen.
    Du warst ein gutes Opfer, der Tod steht dir gut Paula...der Tod steht dir sehr gut und in deinen Augen früher auch der Mörder und jetzt, wo bist du?
    ,, Ich habe dich getötet, ins Jenseits geschickt, aber wo ist das Jenseits, wo bist du Paula?"
    Ich lauschte, wartete auf die Antwort, doch sie blieb aus, kam einfach nicht aus ihrem stummem Mund. Aus ihren starren Augen stach immer noch das Entsetzen, als ich sie erwürgt hatte.
    Ich schloss meine Augen und sah sie alle, alle Augen meiner Opfer. Einfach alle starrten sie mich unterschiedlich an und doch hatten sie eines gleich, der Tod stand ihn in die Augen geschrieben.

    27
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich fuhr immer schneller und schneller und schneller.

    Er hat noch eine Leiche gefunden! Ob es die Letzte ist? Ob es noch eine gibt, oder zwei, vielleicht holt er sich auch gerade ein neues, vielleicht versteckt er eine neue Leiche gerade... Konzentration! Du musst dich konzentrieren! Warum wollte er, dass ich alleine komme? Pass auf!
    Gerade noch rechtzeitig stoppe ich das Auto nur wenige Zentimeter vor dem Mann, der mich so verzauberte, der so anders ist als alle anderen...so anders.
    Mein Unterbewusstsein sah aus wie der Schrei von Edvard Munch. Du hast ihn fast überfahren! Oh mein GOTT!
    Mit einer zittrigen Hand winke ich ihm zu und er nickte knapp.
    Nun wink nicht wie das Schulmädchen, dass der Lehrerin auf Wiedersehn sagt, sonder steig aus und ENTSCHULDIGE DICH!
    Wie in Trance öffnete ich den Gurt, packte meine Sachen, stieg aus und ging mit wackligen Beinen auf ihn zu.
    ,, Riley...es...tut...mir..."
    Er hob eine in Verband gewickelte Hand und schnitt mir das Wort einfach ab.
    ,, Es ist nichts passiert, mir nicht, aber der schon."
    Er machte eine Geste auf eine Leiche, die nicht gerade begeistert aussah.
    Wer sieht auch schon begeistert aus, wenn man ermordet wird? Niemand du trottel! Das war ironisch gemeint!
    ,, Die vierte Leiche... Wie hast du sie gefunden?"
    ,, Ich war joggen und dann habe ich eine Gestalt am Boden gesehen, dachte sie wäre ein besoffener, der dort eingeschlafen ist und wollte helfen."
    ,, Joggen und das hier?"
    Er deutete auf den Wanderweg und zuckte mit den Schultern.
    ,, Ja, ich war hier Joggen."
    Ich blieb dicht vor der Leiche stehen und musterte sie.
    ,, Kennst du sie vielleicht so wie das letzte Opfer... Wie hieß sie noch Kim?"
    Er trat dicht hinter ich und ich bekam eine Gänsehaut.
    ,, Ja, das war Paula Bretch und zufälligerweise auch eine Patientin, oder Kundin, wie man es sehe will."

    28
    ,, Wie man es sehen will?"
    Gott, wie sich das anhört!
    Ein leichtes Schmunzel umspielte seine Mundwinkel und er beugte sich etwas zu meinem Ohr hinunter.
    ,, Ja, wie man es sehen will."
    Ich schnappte kurz nach Luft und ein angenehmer Schauer überkam mich.
    ,,Ähm...und warum wolltest du, dass ich alleine komme? Hast du etwas gegen mein Team?"
    Seine Lippen berührten nun fast mein Ohrläppchen und ganz leise flüsterte er jedes einzelne Wort sehr sanft.
    ,, Nein, nur ich habe eine Bitte."
    Alles! Reiß dich zusammen, du weist doch noch gar nicht was!
    ,, Eine Bitte?"
    Meine Stimme zitterte und ich trat etwas unsicher von einem Fuß auf den anderen.
    ,, Ja, eine Bitte."
    Langsam drehte er mich zu sich herum und blickte mir eindringlich, dennoch warm und vertrauenswürdig in die Augen.
    ,, Meine Jacke. Martin hat sie mir gestern abgenommen. Ich hatte Kim mal besucht und habe meine Jacke bei ihr vergesse. Dies ist mir dann gestern dort aufgefallen und er hat sie mitgenommen."
    Und was soll ich jetzt machen?
    ,, Ich möchte nicht, dass da falsche Eindrücke entstehen."
    Ich zog leicht eine Braue hoch und kaute auf meiner Unterlippe.
    ,, Verstehen wir uns?"
    Sanft zog er an meinem Kinn, sodass ich meine Lippe nicht mehr erreichte.
    ,, Ja, wir verstehen uns. Riley..."
    ,, Ja?"
    Mein Unterbewusstsein fächelte sich hastig Luft zu, während ich nach den richtigen Worten suchte.
    ,, Fass mich an..."
    Die Worte waren nicht mehr als ein verlangendes Flüstern. Dennoch konnte man jedes einzelnen sehr gut verstehen, als hätte ich sie in einen leeren Gang gerufen.
    ,, Das tue ich doch schon."
    Er streichelte sacht mit seinem verbundenem Daumen über meine Unterlippe.
    ,, Ich...ich will mehr."
    Er hauchte mir einen Kuss auf die Wange und ich schloss meine Augen.
    ,, Mehr kann ich dir nicht geben."
    Lass deine Augen spielen! Benutz deinen Körper!
    ,, Warum nicht?"
    Langsam öffnete ich meine Augen und war direkt von seinen gefesselt.
    ,, Martin würde es sicher nicht wollen."
    ,, Martin?"
    MARTIN! Mit diesem Mann werde ich ein Hühnchen rupfen!
    ,, Ja, Martin. Er will, dass ich mich von dir fernhalte."
    Er ließ mich los und trat einen Schritt zurück.
    ,, Außerdem haben wir eine Leiche hier und ich denke nicht, dass wir die einfach so vergessen sollten."
    Oh, da war ja noch etwas.

    29
    Seine Sicht

    ,, Also, was machen wir mit ihr?"
    Man sah förmlich, wie es in ihrem Kopf ratterte.
    Wie kann man nur eine Leiche vergessen?
    Ich ließ meinen Blick an mir hinab schweifen und schmunzelte.
    Ach ja.
    ,, Ich werde jetzt erstmal das restliche Team zusammenrufen...am besten wartest du dann im Auto."
    ,, Im Auto?"
    Ernsthaft?
    ,, Ja, aber erst, wenn sie da sind. Ich kann dich nicht weiter joggen lassen, du musst noch eine Aussage machen, wie du sie gefunden hast."
    ,, Muss ich wohl..."
    Dabei gäbe es viel interessantere Sachen, die man anstellen könnte.

    Ich schaute aus dem Fenster zu Martin hinüber, der mit Diana über irgendwas diskutierte. Das Ergebnis war, dass sie ihm eine überzog und er sich schmollend an die Arbeit machte.
    Ging es jetzt um die Tatsache, dass ich hier im Auto sitze, oder darum, dass ich ihr nicht zu nah kommen soll?
    Schulterzuckend zog ich meinen iPod aus der Hose, schloss ihn ans Auto an und scrollte die Liste hinunter.
    Hmm...Skin von Rag'n'Bone? Come von Jain, oder... Aaaa!
    Erst leise und immer lauter werdende Klänge von Geigen, Querflöten und einem Klavier erfüllten das Auto. Ich schloss meine Augen und lauschte der samt weichen Stimme einer Frau, die summend dazu kam. Ich entspannte mich immer mehr, je länger ich es hörte und die Frau immer höher wurde.
    Wunderschön.

    Jemand tippte mir auf die Schulter und langsam öffnete ich ein Auge.
    ,, Entschuldigung. Habe ich dich geweckt?"
    Ich öffnete auch mein anderes Auge und lächelte Diana warm an. Ich hielt ihr meinen verbundene Zeigefinger knapp vors Gesicht und sie schielte ihn an.
    ,, Hättest du mich geweckt, dann hätte ich vermutlich nach dir geschlagen, sobald du mich berührt hättest."
    Sie küsste ihn sacht und ich musterte sie überrascht dabei.
    Hmmm... Damit habe ich jetzt nicht gerechnet.
    ,, Sind wir hier fertig, oder muss ich noch länger hier warten?"
    Ich zog meinen Finger zu mir und lehnte mich wieder in den Sitz.
    ,, Wir sind hier fertig. Hast du Durst?"
    ,, Ja."

    30
    (FBI) Dianas Sicht

    Die ganze Zeit über lauschte ich der Musik, die mich fesselte.

    Zum Glück fährt er, sonst wäre was weiß ich schon passiert! Ja, vielleicht hättest du dann schließlich wirklich jemanden überfahren! Wir sind immer noch ein und die selbe Person.
    Ich schaute auf seine Hände. Eine lässig am Lenkrad, die andere schlug den Tackt der Musik auf sein Knie.
    ,, Riley, was hast du gemacht?"
    Kurz richtete er seinen Blick von der Straße zu mir und dann wieder auf die Straße.
    ,, Mir ist eine Glasschale zerbrochen."
    ,, Ah."
    Zerbrochen...in den Händen? Wow.
    ,, Da ist es."
    Ich zeigte auf eine kleine Bar.
    Hoffentlich gefällt sie ihm!

    Er saß neben mir auf dem hohen Barhocker und musterte sein Whiskyglas.
    ,, Und, gefällt es dir hier?"
    Er ließ seinen wachsamen Blick durch die Bar gleiten.
    Er muss sie mögen, sie ist wunderbar!
    Ich tat es ihm gleich und nahm die angenehme Atmosphäre in mich auf. So gut wie alles bestand aus Buchenholz. Die Bänke und Hocker waren mit rotem Leder überzogen und die Lampen gaben ein warmes wohltuendes Licht von sich. Es fanden sich verschiedene Bilder von Landschaften an den Wände und die ein oder andere Auszeichnung. Hier und da wurde gelacht, oder auf einen Tisch gehauen. Doch das aller schönste war, dass er neben mir saß, in der Bar, die ich so liebte.
    ,, Sie ist...besonders."
    ,, Ja, dass ist sie. Ich war früher immer mit meinem Cousin hier."
    ,, Warst?"
    ,, Ja, er lebt jetzt in Schottland."
    Er nickte und trank einen Schluck.

    Wir unterhielten uns, lachten, tranken, spielten Dart und vergaßen die Zeit.

    31
    Seine Sicht

    ,, Nein, ich fahre!"
    Wie stur sie doch sein kann!
    ,, Gibt mir die Schlüssel! Mein Wagen! Ich fahre!"
    Sie schwankte und packe meinen Arm.
    ,, Du bist betrunken, das heißt du fährst nicht!"
    Sie machte eine Schmolllippe und schlang ihre Arme um einen Hals.
    ,, Du bist aber auch betrunken. Ich könnte dich jetzt verführen, weist du?"
    Gott hilf mir!
    ,, Ich bin angetrunken und nicht betrunken."
    Ich löste sie sanft von mir und schob sie weiter Richtung Wagen.
    ,, Du hast aber mehr getrunken als ich!"
    Ich öffnete die Tür und half ihr mit viel Geduld rein.
    ,, Ja, das habe ich und wie du merken kannst, vertrage ich einiges mehr als du."
    Langsam schnallte ich sie an und sie schaute mir breit grinsend in die Augen.
    ,, Du hast unfassbar schöne Augen. Ich will sie haben."
    ,, Danke, aber du kannst sie nicht haben, denn sie sind in meinem Kopf und ich hatte vor sie bis zu meinem Tod zu behalten."
    Sie strich mein Kinn entlang und biss sich auf die Unterlippe.
    ,, So habe ich das nicht gemeint, Riley."
    Sacht zog ich an ihrem Kinn und befreite ihre Lippe.
    ,, Ich weiß."
    Was soll ich bloß mit ihr machen?
    Ich schloss die Tür, ging beobachtet von ihr ums Auto herum und stieg ein.
    Als ich nach dem Gurt griff, wanderte ihre Hand mein Bein hoch und ich zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein.

    ,, Diana, lass das."
    ,, Riley, nein."
    ,, Diana, ich will es nicht."
    ,, Riley, du willst es wohl."
    Was ist das für ein dummes Spiel!
    Sie wanderte etwas weiter hoch und ich legte meine Hand auf ihre.
    ,, Nimm jetzt deine gierigen Grabscher zu dir, oder ich setze dich mitten im Wald aus."
    Sie hielt inne und musterte mich misstrauisch.
    ,, Das würdest du nicht, ich gehöre zum FBI."
    ,, Leg es darauf an und du wirst es erfahren."
    Sie überlegte kurz und nahm ihre Hand wieder zu sich.
    ,, Braves Mädchen und jetzt sag mir, wo wohnst du?"
    ,, Warum?"
    Unglaublich.
    Ich atmete tief ein, schloss die Tür und schnallte mich an.
    ,, Ich will dich nach Hause fahre, da du betrunken bist halte ich das für sehr angemessen."
    Sie legte ihren Kopf schräg und tippte sich gegen die Wange.
    ,, Nun?"
    ,, Ich weiß es gerade nicht."
    Einatmen und ausatmen...ein...aus...ein...puh.
    ,, Ist das dein Ernst?"
    Leicht verlegen schaute sie mich an und nickte.
    ,, Fahren wir jetzt zu dir?"
    Oh Mann...
    ,, Ich würde dich jetzt zum FBI-Gebäude fahren."
    Sie verschränkte die Arme vor der Brust und starrte stur aus dem Fenster.
    ,, Da will ich nicht hin."
    ,, Diana..."
    ,, Da will ich nicht hin."
    ,, Sei doch..."
    ,, Nein."
    ,, Doch."
    ,, Nope."
    Sie schüttelte ihren Kopf und ich seufzte.
    Stures Ding!
    Ich startete den Motor und fuhr los.
    ,, Wo bringst du mich hin?"
    ,, In ein Bett, damit du etwas Schlaf bekommst und mich nicht mehr nervst."
    ,, Ich nerve dich also?"
    Ich nickte und sie kicherte.

    32
    Ich schaute kurz zu ihr und lächelte leicht, als ich sah, dass sie eingeschlafen war.
    Schlafende Frauen gefallen mir am besten. Sie reden nicht und drängen sich einem nicht auf.
    Ich hielt vor einem reich verziertem im florenzianischen Stil gehaltenem Eisentor und gab einen Code in ein Tastenfeld ein, worauf es lautlos aufschwang. Ich fuhr die Auffahrt zu einem großen Backsteinhaus hoch und musterte die Pflanzen, die den Weg zur Tür zierten.
    Soll ich sie rein tragen, oder soll ich sie wecken?
    Ich schaltete den Motor aus und schnallte mich ab. Leise stieg ich aus und öffnete die Beifahrertür.
    ,, Diana?"
    Sie schlief tief und fest weiter und vorsichtig öffnete ich ihren Gurt.
    ,, Diana, komm wach auf. Bitte."
    Als sie sich immer noch nicht regte hob ich sie sacht aus dem Wagen und trug sie sicher im Arm zur Tür. Als ich den Schlüssen umdrehte öffnete sie die Augen.
    ,, Riley, ich muss kotzen."
    ,, Hältst du es noch kurz aus?"
    Sie nickte und hielt sich eine Hand vor den Mund. Schnell trat ich durch die Tür, trat sie hinter mir zu und trug Diana in ein modernes Badezimmer. Ich ließ sie vor der Toilette auf den Boden und schon übergab sie sich.
    Ohwei...
    Ich hielt ihre Haare zurück und schaute währenddessen aus dem Fenster.
    Ich muss den Code ändern...
    Langsam setze sie sich gegen die Wand und ich ließ ihre Haare los.
    ,, Wasser?"
    Sie nickte und so holte ich ihr ein kaltes Wasser, welches sie gierig trank.
    ,, Langsam trinken."
    Zu spät.
    Sie gab mir das Glas wieder und rülpste laut.
    ,, Tut mir leid..."
    Leicht presste ich meine Lippen aufeinander und stellte das Glas aufs Waschbecken.
    ,, Kannst du gehen?"
    Müde schüttelte sie den Kopf und schloss ihre Augen. Ich unterdrückte einen Seufzer und hob sie sacht hoch.
    ,, Du musst nicht mehr kotzen, oder?"
    ,, Nein..."
    Was soll ich bloß mit dir machen?
    Ich trug sie in eines der Gästezimmer und legte sie auf das weiße Bett.
    ,, Umziehen?"
    Sie nickte leicht und streckte die Arme nach mir aus.
    ,, Schaffst du das nicht alleine?"
    Wieder schüttelte sie den Kopf und so zog ich ihr langsam die Bluse aus.
    Unglaublich, dass ich das tue.
    Ich holte aus meinem Schrank ein Shirt und hielt es ihr hin.
    ,, Den Rest musst du machen."
    Mit einem leisen Seufzer zog sie sich den BH aus und ich hielt meinen Atem an.
    Einfach wegschauen...
    Ich schaute aus einem der riesigen Fenster und als sie mir das Shirt aus der Hand nahm drehte ich mich um und verließ das Zimmer.

    33
    Mal ein bisschen Abwechslung und ich hoffe sie gefällt euch. ^^

    Martins Sicht

    Wo ist sie? Was macht sie? Diana, wo steckst du mit diesem Schwein!
    ,, He..."
    Wie ein Raubtier, was zum Angriff bereit war drehte ich mich zu Ben um und funkelte ihn wütend an.
    ,, Was!"
    Leicht hob er seine Hände und drehte sich etwas mit seinem Drehstuhl zur Seite.
    ,, Fauch mich nicht an. Ich wollte dir ja nur sagen, dass Diana eine erwachsene Frau ist und sie kann auf sich aufpassen."
    Frustriert fuhr ich mir durchs Haar und schüttelte meinen Kopf.
    ,, Nicht bei ihm. Bei ihm vergisst sie alles! Sie ist in Gefahr!"
    ,, So und woher willst du das wissen?"
    Ich hob meine Hand und streckte meinen Daumen in die Luft.
    ,, Ersten, die Jacke."
    Gelangweilt musterte Ben wie ich auch den Zeigefinger in die Luft streckte.
    ,, Zweitens, schau ihn dir an!"
    Er setzte an mich zu unterbrechen, doch ich hob schon den dritten Finger.
    ,, Drittens, schau was er mit ihr macht!"
    Er hob eine Braue und nun strecke ich den vierten Finger hoch.
    ,, Viertens, kommt er dir nicht auch... Ich weiß nicht... Merkwürdig vor? Nur ein bisschen?"
    Er wollte wieder etwas sagen, aber ich hob auch den letzten Finger, was ihn weiter schwiegen ließ.
    ,, Fünftens..."
    Ich stellte mich ganz nah vor ihn und schaute ihm ernst in die Augen.
    ,, Ich spüre, dass er gefährlich ist. Ich habe ein Gespür für sowas und bei ihm hat es Alarm geschlagen und zwar hoch zehn!"
    Er rückte etwas von mir ab, als hätte ich eine ansteckende Krankheit und musterte meine Finger.
    ,, Hoch zehn?"
    Er schaute mir in die Augen und ich meinte etwas wie Sorge in ihnen zu sehen.
    Sorge um Diana, oder Sorgen um mich?
    ,, Ja, hoch zehn und das ist nicht gut."
    ,, Alter, ich mache mir Sorgen um dich."
    Frage geklärt, aber die Falsche Antwort.
    Frustriert streckte ich meine Arme in die Luft und sprach ein lautloses Gebet zu Gott.
    ,, Mach dir keine Sorgen um MICH, sondern um SIE!"
    ,, Martin..."
    ,, Die JACKE! Ich habe sie dir gegeben, hast du etwas herausgefunden?"
    ,, Ja, das habe ich."
    Ich packte ihn an den Schultern und rüttelte ihn kräftig.
    ,, Spuck es aus! Was hast du herausgefunden?"
    ,, Pass auf, sonst spuck ich gleich wirklich!"
    Ich ließ ihn los und lauschte, als er erzählte.
    ,, Ist das alles?"
    ,, Ja, das ist alles. Was hast du dir denn erhofft? Dass ich in der Jacke eine Mordwaffe finde, oder was?"
    ,, Wäre mir lieber gewesen, als bloß Haare."
    Ich muss ihm seine Jacke wiedergeben, sonst zieht mir Diana wieder das Fell über die Ohren. Mensch war sie sauer, als sie das mit dem fernhalten erfahren hat...
    Ich fasste an meine Wange und spürte noch den kräftigen Schlag.
    ,, Was ist denn jetzt los, Martin?"
    ,, Weist du wo die Diana und Riley jetzt sind?"
    ,, Nein, das weiß ich jetzt gerade nicht, da ich kein Stalker bin."
    Ich nahm mein Handy und rief sie an. Wieder und wieder, doch sie nahm nicht ab.
    Was wenn er sie...
    Ich dachte den Gedanken lieber nicht weiter und schob Ben vor seinen Computer.
    ,, Orte das Auto, es hat GPS."

    34
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich schaute ihm nach und zog mir das viel zu große Shirt an. Langsam stand ich auf und zog mir meine Hose aus.

    Mein Schädel... Mein Hals und...meine Blase...
    Ich hielt mich am Bettpfosten fest, als sich kurz alles drehte und fuhr mir durchs Gesicht.
    Wo ist die Toilette? Soll ich ihn rufen?
    ,, Riley?"
    Es war eher ein heiseres Krächzen, als ein Ruf und so wunderte ich mich nicht, dass er nicht antwortete.
    Einfach auf gut Glück...
    Benommen schwankte ich los.

    Keine Ahnung wie ich es geschafft hatte die Toilette zu finden, ich wurde nur plötzlich geweckt und schaute zu Riley hoch.
    Ich sitze auf der Toilette...und Riley ist da...hmmm... Mist! Ich sitze auf der Toilette!
    Verlegen wurde ich rot und er sah nicht gerade erfreut aus. Er murmelte etwas und verließ das Bad wieder.
    Wie peinlich! Kann es noch schlimmer werden?
    Mein Unterbewusstsein nickte träge und griff nach der Schachtel mit der dicken Aufschrift "Schmerztabletten"

    Ich wurde davon geweckt, dass ich einen aufgebrachten Mann an der Tür fast brüllen hörte und riss erschrocken meine Augen auf.
    MEIN KOPF!
    Ich nahm mein Kopf in die Hände und stöhnte auf.
    Dagegen ist alles andere leichtes Zwicken am Hirn!
    Langsam schaute ich auf den Nachttisch und entdeckte ein Glas mit Wasser und Tabletten. Ich griff nach beidem und schmiss mir dir die Tabletten ein, trank wie ein verdurstender und ignorierte mein auf dem Boden liegendes Unterbewusstsein, welches mich vorwurfsvoll anstarrte.
    Ich schaute langsam aus dem riesigen Fenster und kniff meine Augen zu.
    Zu hell...
    Langsam rieb ich mir meine Augen, gähnte, streckte mich und hielt schlagartig inne.
    Wo bin ich eigentlich? Ach ja, bei ihm... Was ist alles passiert?
    Ich versuchte den vergangenen Tag in meinem Hirn abzurufen, doch es kam mir vor, als würde ich eher klägliche Reste von dessen Wänden kratzen.
    Ich war auf Toilette... Bin ich da eingeschlafen? Wie peinlich... Wie bin ich von der Toilette wieder im Bett gelandet? Oh mein Kopf...
    Ich massierte meine Schläfen und kniff meine Augen fester zu.
    Liege ich in seinem Bett?
    Schnell öffnete ich meine Augen und musterte das schlichte, aber modern eingerichtete Zimmer. Ein Kleiderschrank, ein Regal mit Spiegel, ein Nachttisch, ein Mülleimer und alles in Weiß.
    Nein, zum Glück nicht. Das sieht eher nach Gästezimmer aus.
    Ich hörte meinen Magen leise rumoren und stand vorsichtig auf.
    Es dreht sich alles...nie wieder...
    Langsam ging ich los und hielt mich am Geländer der Treppe fest, als sie sich leicht neigten.
    Ich vertrage auch nichts!
    Leise hörte ich seine Stimme und folge ihr in eine riesige Küche. Als ich ihn und Martin an der Kücheninsel stehen sah, blieb ich überrascht stehen. Martin starrte mich knallrot und mit offenem Mund an und Riley atmete sichtlich tief ein und strich sich durchs Gesicht.
    Was haben sie denn?
    Mein Unterbewusstsein schlug sich gegen die Stirn und ich wurde bis über beide Ohren rot, als mir einfiel, dass ich nicht mehr als ein zu großes Shirt trug und naja darunter meinen Slip natürlich.

    35
    Martins Sicht

    Ich starrte sie knallrot und mit offenem Mund an.

    Dieses SCHWEIN!
    Langsam drehte ich mich wieder ihm zu, packte ihm am Kragen und riss ihn zur Seite, sodass er fast vor meine Füße flog.
    ,, Was hast du mit ihr gemacht!"
    Klar, ich wusste was er mit ihr gemacht hatte, aber ich wollte es aus seinem Mund hören, damit es mir noch mehr Spaß machte ihm in die Fresse zuschlagen.
    ,, MARTIN!"
    ,, Diana, sei still!"
    Es war mir egal, dass sie mich anbrüllte und dass sie überrascht nach Luft schnappte, als ich ihr einen Befehl gab. Kurz sah ich zu ihr und fiel hart auf den Boden, als sich Riley schnell meinen Griff entwand.
    ,, Wag es noch einmal mich in meinem Haus anzufassen, zu brüllen wie ein aufgebrachtes Kind und du wirst eine Lektion lernen, die du so schnell nicht vergessen wirst. Haben wir uns da verstanden?"
    Er sprach die ganze Zeit über bedrohlich ruhig und langsam und starrte abfällig auf mich hinab.
    Was fällt ihm ein! Mich zu behandeln wie ein kleines unbedeutendes Kind, was sich nicht wehren kann!
    Schnell stand ich auf und schlug ihn kräftig gegen die Nase. Diana kreischte erschrocken auf.
    ,, Ha!"
    Ausversehen brüllte ich meinen Triumph laut hinaus. Genugtuung überkam mich, als sein Kopf in den Nacken flog und ich seine blutende Nase sah. Wütend knurrte er, packte mich erstaunlich fest am Kragen, schleifte mich in den riesigen Garten auf den Pool zu, kniete sich mit mir hin und drücke mein Kopf unter das kalte Wasser. Ich brüllte ins Wasser und schluckte etwas davon. Er zog meinen Kopf aus dem Wasser.
    ,, Ich habe gesagt, fass mich nicht an!"
    Er drückte mein Kopf wieder unters Wasser und ich versuchte mich verzweifelt zu befreien. Er zog mich wieder aus dem Wasser und zog meinen Kopf an meinem Haar fest in den Nacken.
    ,, Ich habe gesagt, dass du nicht in meinem Haus brüllen sollst!"
    ,, RILEY!"
    Diana! Lauf, er ist gefährlich!
    Er schaute mir angewidert in die Augen und musterte dann die blasse Diana. Langsam schaute er mich wieder an und ich schnappe nach Luft, als ich seinen gefährlichen Blick sah, der mich fest packte und zu zerreißen drohte.
    ,, Eine Lektion!"
    Leise zischte er mir die Worte entgegen und schubste mich ins Wasser. Ich zappelte wild mit meinen Armen und Beinen und tauchte laut prustend auf. Er stand auf, wischte sich etwas Blut aus dem Gesicht und ging an Diana vorbei in sein Haus.
    Diana kam an den Pool gerannt und zog mich aus dem Wasser.
    ,, IDIOT!"
    Ich drehte mich auf die Seite und spuckte etwas Wasser aus.
    ,, Etwa nur ich!"
    Wie kann sie ihn nur weiter in Schutz nehmen, nachdem er mich fast ertränkt hätte!
    ,, Ihr beide! Was hast du dir nur dabei gedacht!"
    Ich wischte etwas Wasser aus meinem Gesicht und funkelte sie wütend an.
    ,, Er hat dich angefasst!"
    Sie wurde rot und stand wütend auf.
    ,, Ich wüsste nicht, was dich das angeht! Benimmst dich wie ein vierzehnjähriger und schlägst auf ihn ein!"
    ,, Diana..."
    Sie wendete sich ab.
    ,, Er hat mich nicht angefasst! Mit keinem Finger, er hat mir geholfen, weil ich getrunken habe!"
    Was?
    ,, Diana..."
    Wütend stapfte sie ins Haus und verzweifelt und verletzt sah ich ihr nach.

    36
    Seine Sicht

    Ja, ich hatte die Beherrschung verloren. Ja, ich hatte mich meiner Wut hingegeben und ja, ich hatte es genossen. Ich hatte es sogar sehr genossen, denn dieser Mann hatte es herausgefordert, hatte mich herausgefordert.
    Ich hörte wie jemand irgendetwas murmelte und ich nahm ein Glas und füllte es mit Whiskey.
    ,, Riley..."
    Ihre Stimme...
    Ich kippte den Inhalt des Glases in mich hinein und schaute in ihr noch rotes und um die Nase etwas blasses Gesicht.
    ,, Hm?"
    Ich schwenkte das Glas kurz in meiner Hand und stellte es dann in die Spüle.
    ,, Es tut mir leid..."
    Ich nahm mir ein Tuch und wischte mir etwas Blut aus dem Gesicht.
    ,, Was tut dir leid, Diana?"
    Ich schaute zu ihr und beschämt schaute sie auf ihre Füße.
    Wie mir dieser Anblick gefällt. Hör auf so zudenken.
    ,, Das mit Martin...das ist alles..."
    Ich musterte mein Blut auf dem Tuch und legte es weg. Ich lehnte mich an den Kühlschrank und verschränkte meine Arme.
    ,, Willst du mir jetzt ernsthaft weismachen, dass das alles deine Schuld sein soll? Für das Verhalten dieses Martins?"
    Sie setze an um etwas zusagen, doch ich hob meinen Zeigefinger und deutete ihr still zu sein.
    ,, Ich bin noch nicht fertig. Ich habe eine Frage. Diana, siehst du nicht wie verliebt er in dich ist?"
    Sie schaute mich an und dann sah sie raus, zu ihm.
    ,, Antworte, Diana."
    Ich hasse es zu warten.
    ,, Warum sagst du sowas, Riley?"
    Warum ich sowas sage?
    ,, Weil es stimmt. Sieh ihn dir an und dann denk an das, was gerade eben geschehen ist."
    Bist du so Blind?
    Sie massierte ihre Schläfen und seufzte.
    ,, Ich werde jetzt lieber gehen..."
    Sie verschwand aus der Küche die Treppen hoch und ließ mich alleine in der Küche stehen. Ich strich kurz über meine pochende und etwas angeschwollene Nase und zuckte zusammen.
    Neuer Schmerz. Ich wette das ruiniert mein Aussehen.
    Ich schaute zu ihm und sah zu, wie er langsam aufstand und sich verzweifelt durchs Haar fuhr.
    Hätte ich dich am leben gelassen, wenn Diana mich nicht aus meinen inneren tiefen gerissen hätte? Hätte ich mich unter Kontrolle bekommen?
    Langsam taumelte er auf mein Haus zu und ich seufzte.
    Was soll ich mit ihm machen? Was soll ich mit ihr machen? Ich werde mein Tor keinem fremden mehr öffnen, das war ein fataler Fehler. Naja, immerhin habe ich meine Jacke wieder.
    Er kam in mein Haus und sah mich nicht an. Sah nur auf den Boden und machte ihn nass, machte meinen Boden nass. Er fuhr sich wieder durchs Haar und noch mehr Wasser tropfte auf meinen Boden. Am liebsten würde ich ihm ein Tuch ins Gesicht schmeißen, damit er meinen Boden trocknete, doch ich blieb am Kühlschrank gelehnt stehen und musterte ihn Ausdruckslos.
    Mach etwas, jag ihn aus deinem Haus. Jag ihn von deinem Grund und Boden.
    Ich schüttelte meinen Kopf und schaute zu Diana, die angezogen in die Küche kam.
    ,, Danke, Riley. Danke, dass ich bei dir übernachten durfte und für deine Hilfe."
    Martin atmete tief ein und ich ignorierte ihn, als ich auf Diana zuging und sacht in meine Arme zog. Ich beugte mich zu ihrem Ohr hinunter und spürte ihren zittrigen Atem an meinem Hals.
    ,, Selbstverständlich. Du bist mir noch eine Antwort schuldig."
    ,, Du kennst sie sicherlich schon."
    ,, Sehr wahrscheinlich schon, aber ich will sie aus deinem Mund hören."
    Ich schaute ihr fest in die Augen und ich hörte wie Martin unwohl von einem Fuß auf den anderen trat.
    ,, Leb wohl, Riley."

    37
    (FBI) Dianas Sicht

    ,, Leb wohl, Riley."
    Mir kamen diese Worte so schwer über die Lippen, aber sie waren nötig. Ich durfte ihn nicht mehr sehen, wenn sowas geschah. Er ließ mich los und trotzdem lächelte er sanft.
    Ob er versteht, dass ich ihn nicht mehr sehen will? Du willst ihn noch sehen... Ja, das will ich, aber ich kann es nicht mehr...
    ,, Diana."
    Er nahm meine Hand und hauchte einen Kuss auf meinen Handrücken.
    ,, Fahr vorsichtig."
    Ich schloss meine Augen und bekam eine Gänsehaut. Langsam entzog ich ihm meine Hand und nickte zum Abschied.
    ,, Martin, komm."
    Ich sah ihn nicht noch einmal an, es würde mir das Herz brechen, noch einmal seine grauen Augen zusehen. Seine Augen, die mich so fesselten. Seine kantigen Gesichtszüge, welche so unverschämt gut aussahen. Also drehte ich mich nur um und verließ das Haus und ging zu meinem Auto. Ich hörte wie Martin mit schlurfenden Schritten zu seinem Wagen ging und als ich einstieg, mich anschnallte, den Motor anschaltete umgab mich eine bedrückende Traurigkeit. Ich fuhr zum Tor, welches schon geöffnet war und schaute nur auf die graue leere Straße.
    Leere. Erdrückende Leere.
    Es war so still und ich spürte einige Tränen meine Wangen hinab laufen und schmeckte die salzigen Tränen, wenn sie meine Lippen, meine Mundwinkel streiften. Ich wollte das Radio anschalte und streifte seinen iPod.
    Warum ist er noch in meinem Auto? Soll ich ihn zurückgeben? Nein, dann muss ich ihn wiedersehen und dafür bin ich nicht stark genug.
    Ich schaltete ihn ein und lauschte einem mir unbekanntem Musikstück, welches sich sehr nach Oper anhörte.
    Ich mag es.
    Eine hohe Stimme, Geigen, Cello, Flöten und Trommeln, all diese Instrumente und noch ein paar mehr erfüllten das Auto. Das Auto, in welchem er gesessen hatte, genau auf diesem Platz.
    Gott, Diana! Reiß dich zusammen, du weist nicht ob er so für dich empfunden hat, wie du für ihn empfindest!
    Ich versuchte mein Unterbewusstsein auszublenden, doch es redete weiter auf mich ein. Immer weiter und weiter, bis ich so wütend war, dass ich die Musik aufdrehte und nur noch sie hörte.
    Das kenne ich, das ist von Nicole Cross mit Awesome. Das er ausgerechnet das hat, das ist mein Lieblingssong.
    Unwillkürlich sang ich mit und ein kleines Lächeln stahl sich auf mein Gesicht, denn von diesem Lied bekam ich einfach gute Laune und ich vergaß alles um mich herum.

    38
    Arbeiten. Weiter Ermitteln. Fakten durchgehen. Neues Profil erstellen. Ihn vergessen.
    Dieses Mantra sagte ich mir immer weiter vor, als ich auf den Parkplatz fuhr.
    Arbeiten. Weiter Ermitteln. Fakten durchgehen. Neues Profil erstellen. Ihn vergessen.
    Ich schaltete den Motor aus und nahm den iPod.
    Den kann ich nicht im Auto lassen.
    Schnallte mich ab und stieg aus. Sah zum wieder halbtrockenem Martin, der auf mich zugeschlurft kam und strickt auf den Boden schaute.
    Arbeiten. Weiter Ermitteln. Fakten durchgehen. Neues Profil erstellen. Ihn vergessen.
    Als er etwas näher war musterte ich ihn kurz und hätte am liebsten etwas gebrüllt, ihn angebrüllt. Ihm an den Kopf geworfen, dass das alles nur seine Schuld gewesen war und doch tat ich es nicht.
    Diana, siehst du nicht wie verliebt er in dich ist?
    Ich schloss meine Augen und unterdrückte eine Träne. Nur die Erinnerung an seine Stimme und dann an diesen Satz brachten mich ganz aus dem Konzept und ich dachte an ihn.
    Herrgott! Reiß dich zusammen und lenk dich ab! Aber mit was? Was kann meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen? Was kann mich so fesseln, wie er?
    ,, Diana?"
    Ich öffnete meine Augen und sah seinen verletzten Blick, der um Verzeihung bat.
    Martin... Liebst du mich wirklich?
    ,, Martin?"
    Er schaute wieder auf den Boden und strich sich unbehaglich über den Arm.
    ,, Es tut mir leid, ich weiß nicht, was mich geritten..."
    ,, Martin, liebst du mich?"
    Ehe ich nachdenken konnte, hatten diese Wörter schon meinen Mund verlassen und mein Unterbewusstsein schloss ungläubig die Augen, kräuselte die Lippen und versuchte die Beherrschung nicht zu verlieren.
    Oh Gott! Was habe ich getan?
    Martin schaute mich mit aufgerissenen Augen an und öffnete seinen Mund um etwas zusagen, doch er schloss ihn wieder und wurde rot.
    ,, Ich... Wir sollten denke ich an die Arbeit... Nicht, Boss?"
    Boss... Dieses Wort hörte ich sonst nur aus seinem Mund, wenn er mich aufziehen wollte.
    ,, Du hast recht."
    Ich drehte mich um und ging in das riesige Gebäude. Ich hörte wie er mir leise folgte und spürte wie er mich von hinten im Auge behielt, als könnte ich jederzeit wegrennen.

    39
    Seine Sicht

    Als ich auf dem Bildschirm sah wie sie durchs Tor fuhren, drückte ich sofort auf den Knopf und sah wie es sich problemlos schloss. Ohne weitere Gedanken zu verschwenden ging ich sofort ins Bad und schaute in den riesigen Spiegel.

    Ich bringe ihn um.
    Ich musterte das rote, angeschwollene etwas in meinem Gesicht und krallte mich am Waschbecken fest.
    Nicht gebrochen... Trotzdem werden es alle sehen können und das eine ganze Weile! Ich bringe ihn um.
    Ich strich mit meinem Zeigefinger über meine Nase und zuckte wieder kurz zusammen. Es pochte so sehr, dass man es eigentlich hätte sehen müssen und sie brannte, als würde sie gerade in Flammen stehen.
    Die selben Schmerzen lasse ich ihm zukommen und ich werde es genießen. Männer standen zwar noch nie auf meiner Liste, aber das kann man ändern.
    Ich schloss kurz meine Augen und spannte meine Muskeln bei dem Gedanken an, wie ich ihm seine Nase brach, wie ich seinen Kopf wieder unter Wasser drückte und kurz bevor er ertrank wieder rauszog und wieder unter Wasser drückte. Ich wollte sehen, wie dieser Mann litt, wie dieser Mann bettelte, flehte um sein klägliches Leben, genau wie die Frauen, die mich weiter mit ihren Augen verfolgten. Ich wollte auch seine Augen in meinem Kopf haben, dass sie mich verfolgten, denn das hieß, dass ich und zwar nur ich ihn umgebracht hatte. Dass ich mich gerächt hatte für das, was er mir angetan hatte.
    Er hat mich in meinem Haus angefasst.
    Er hat mich in meinem Haus geschlagen.
    Er hat mich in meinem Haus angebrüllt.
    Er hat meinen Boden nass gemacht.
    Er hat mich dazu gebracht, die Kontrolle zu verlieren.
    Er hat mich herausgefordert und ich habe gewonnen und doch will ich ihn sehen und zwar tot in meinen Händen.
    Ich will, dass er leidet, ich will ihm wehtun.
    Ich will, dass er winselt und mich ansieht, wenn sein Leben aus seinem Körper weicht.

    Ich ging wieder in die Küche und musterte die kleine Pfütze. Ich nahm das Tuch mit meinem getrocknetem Blut und wischte den Boden trocken. Die ganze Zeit über dachte ich daran, wie ich ihn umbrachte und noch an etwas anderes, an etwas mir unerklärliches. Ich dachte an sie. An sie, wie sie meinen Namen rief, damit ich von diesem Mann abließ, ihn nicht ertränkte. Langsam schlichen sich mehr Bilder von ihr in meinen Kopf. Wie sie im Auto schlief. Wie sie mich angemacht hatte. Wie sie versucht hatte mich zu verführen. Als wir in der Bar gesessen hatten und tranken. Wie sie einen Dartpfeil genau in die Mitte geworfen hatte und sie sich lächelnd vor mir verneigte. Wie sie sich übergeben hatte und ich ihr Haar gehalten hatte. Ihr schönes Haar...
    Verdammte Scheiße! Was denke ich da? Warum geistert sie in meinem Kopf herum? Da hat sie nichts zu suchen!
    ,, Was zur Hölle suchst du noch in meinem Kopf, kleines Mädchen?"
    Warum?
    Elegant stand ich auf und brachte das nasse und blutverschmierte Tuch zur Wäsche und meine Füße trugen mich ins Gästezimmer.
    Sie hat das Bett gemacht. Ob es noch nach ihr riecht?
    Ehe ich es mich versah lag ich auf dem Bett und vergrub meine Nase in der Decke.
    Es riecht noch nach ihr. Sie riecht so gut. Scheiße!
    Schnell stand ich auf und riss das Fenster auf. Zog das Bett ganz ab und wusch alles.
    ,, Reiß dich zusammen, du bist keines von diesen primitiven Wesen!"
    Ich beobachtete kurz die Wäsche in der Maschine und ging dann in mein Schlafzimmer.
    Anzug.
    Ich musterte kurz das ganz in schwarz eingerichtete Zimmer und zog mich um.
    Riley, eine Kundin wartet, also vergiss jetzt das kleine Mädchen und komm deiner Pflicht nach.
    Ich richtete kurz die Krawatte und nahm meine Tasche. Schaute noch einmal kurz in den Spiegel und mein Blick verfinsterte sich, beim Anblick meiner Nase.
    Ich werde ihn umbringen, nur noch etwas Geduld.
    Ich ging in die Garage und stieg in meinen Wagen ein und fuhr los.

    40
    (In diesem Kapitel könnt ihr lesen, was Riley zu schaffen macht und wie er sein neues Opfer kennenlernt.
    Das Kapitel findet ihr unter diesem Link:

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    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Mörder und Tod (FF+)")

    41
    (In diesem Kapitel könnt ihr die Fortsetzun von Kapitel 40 lesen.^^
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    42
    Martins Sicht

    Ich nahm den Kugelschreiber wieder in die Hand und ließ ihn wieder auf den Tisch fallen.

    Sie...
    Ich wiederholte es immer und immer wieder.
    Er...
    Der Kugelschreiber rollte weiter und fiel auf den Boden.
    Ich...
    Ich fuhr mir durchs Haar und spürte mehr und mehr den Schlafmangel in meinen Knochen.
    Sie hat mich gefragt...
    Ich griff nach der Flasche mit dem totem Wasser und trank es angewidert.
    Totes Wasser schmeckt nicht...
    Ich sah mich im großem Raum um. Überall die selben Bürotische und die unbequemen Stühle.
    ,, Ablenkung..."
    Ja, ich brauche Ablenkung...
    Ich rieb mir über die Augen und schaute aus dem Fenster, welches einen Blick auf den grauen schweren Himmel zuließ.
    Wasser...
    Ich schüttelte mich kurz und schloss meine Augen.
    Ich hasse Wasser, seitdem es mein Feind geworden ist. Seitdem dieser Arsch es zu meinem Feind gemacht hat...
    Ich biss mir auf die Wange und sah mich noch einmals um.
    Niemand da, wo sind sie eigentlich alle? Wo ist sie jetzt schon wieder?
    Ich stand auf und streckte mich.
    Vermutlich bei Ben unten. Ihr Zufluchtsort, wenn sie genug von mir hat... Von mir... Warum musste ich zu ihm fahren?
    Wütend trat ich gegen den Tisch und fluchte auf.
    ,, Scheiße verdammt!"
    Warum hatte ich ihr nicht einfach sagen gekonnt, dass ich sie liebte? Dass sie es war, die mich so fesselte schon vom ersten Augenblick an?
    Ich fuhr den PC hoch und setze mich wieder hin, auf diesen unbequemen Stuhl.
    Ablenkung! Aber jetzt richtig!
    Ich wusste zwar, dass ich ganz alleine war und trotzdem sah ich mich vorher um, bevor ich doch noch erwischt wurde.
    Hmmm... Wie lange ich wohl ungestört bleibe?
    Ich klickte meine Musikliste und einige Onlineshops an und genoss die Musik aus "Der Hobbit".
    Vielleicht kann ich ja endlich Gollum ersteigern!
    Ich grinste vorfreudig und war mir vollkommen bewusst, dass ich ein Hobbit Fanatiker war.
    Jeder Mensch hat nun mal seine Angewohnheiten, wenn man es so bezeichnen will, oder kann.
    Ich sah, dass gerade Frodo zu versteigern war und sah traurig auf den Preis.
    Für meinen habe ich fast das doppelte bezahlt!
    Die Musik wurde etwas lauter und ich grinste wie ein kleines Kind.
    Das gefällt mir.
    ,, Martin!"
    Ertappt zuckte ich zusammen und drehte mich langsam zu Diana um.
    ,, Boss?"
    Ich versuchte wie ein kleiner Engel auszusehen, hatte aber eher das Gefühl, als würden mir gerade in diesem Moment ein Schwanz und Hörner wachsen.

    43
    (FBI) Dianas Sicht

    Das gibt es doch wohl nicht!
    ,, Was soll das?"
    Ich stellte mich neben ihn und sah ihn fragend an.
    ,, Nun... Also... Ääää..."
    ,,Ääää? Was ääää?"
    Ich betrachtete den Bildschirm und biss mir auf die Lippe.
    Gott, wie süß! Ein kleiner Fan vom Hobbit sitzt da ja vor mir!
    ,, Entschuldige Boss..."
    Ich ging zum Kaffeeautomaten und nahm eine Tasse.
    ,, In der Zeit, wo ich bei Ben war, hast du irgendwas herausgefunden?"
    ,, Herausgefunden?"
    Er hat wohl alles vergessen...
    ,, Der Mörder..."
    Ich machte mit meiner Hand eine kreisende Bewegung um ihm auf die Sprünge zu helfen.
    ,, Ach ja, der Mörder!"
    Er wurde etwas rot und belustigt drückte ich den Knopf und grinste, als der dampfende Kaffee kam.
    Ich liebe diesen Geruch von Kaffee.
    ,, Und?"
    Ich hörte förmlich, wie er sich innerlich einen Tritt in den Allerwertesten verpasste und nahm meine Tasse.
    ,, Ich...habe das voll verpeilt..."
    Mit dem Kaffee in der Hand drehte ich mich langsam zu ihm, trank einen kleinen Schluck und verbrannte mir prompt die Zunge.
    Toll, ganz toll! Es reicht nicht nur, dass ich seelische Schmerzen habe und jetzt kommen auch noch körperliche dazu!
    ,, Warst du etwa zu sehr abgelenkt?"
    Ich unterdrückte eine Träne, als ich spürte wie der nächste Schluck heiß meinen Hals runter floss.
    Was hältst du mal von Pusten? Ich möchte ja nichts sagen, aber... Dann halt deine Klappe, wenn du nichts sagen willst!
    ,, Nein, eigentlich nicht... Ich habe es nur gerade nicht im Kopf gehabt, es war denke ich gerade einfach aus meinem Hirn gelöscht wurden."
    Ich pustete in den Kaffee und ignorierte das gehässige Lächeln meines Unterbewusstseins.
    ,, Zum Glück waren Ben und ich erfolgreicher."
    ,, So?"
    Neugierig lauschte er auf und machte die Musik aus.
    ,, Vorher will ich dich aber etwas fragen."
    Du willst doch nicht etwa wieder fragen, ob er dich liebt! Nein! Was denkst du von mir? Das war so peinlich, ich hätte sterben können! Das weiß ich!
    Er wurde etwas blass und dachte wohl an die jüngsten Geschehnisse, genau wie ich.
    ,, Warum hattest du nicht die Haare an seiner Jacke erwähnt?"
    Er wurde rot und schaute verlegen auf seine Füße.
    ,, Ich hatte das vergessen..."
    ,, Aha..."
    Dabei sind das wichtige Informationen, auch wenn ich es nicht in Betracht ziehen will. Ach hör doch auf dir etwas vorzulügen! Es waren seine Kundinnen! Er war ihr Berater, klingelt es da nicht irgendwie!
    Ich trank den Kaffee schnell leer und machte mir gleich noch einen.
    Dazu der Bruder! Sei doch bitte einfach mal still!
    Die Kopfschmerzen machten sich wieder bemerkbar und ich seufzte.
    ,, Martin, geh bitte zu Ben, der wird dir alles erzählen was wir gefunden haben. Ich muss mir eben noch etwas gegen diese lästigen Kopfschmerzen einwerfen."
    Besorgt musterte er mich und schnell verschwand ich mit meiner Tasse in meinem Büro.
    Warum macht er sich Sorgen um mich?

    44
    Seine Sicht

    Mein Bein bewegte sich ohne Unterlass. Es war einfach zu langweilig bei der Familie zu sitzen und sich das Gebrüll des Bruders anzuhören. Die Beleidigungen gegenüber Diana waren für mich, als würde mir jemand einen Nagel in die Schläfe rammen. Und das nicht einmal, sondern immer und immer wieder. Mein Vater fluchte lauthals mit und seine Speichel flog über den Tisch. Angewidert schloss ich meine Augen und zählte innerlich bis zehn.

    ,, Riley!"
    Vater bellte meinen Namen, als sei es ihm nicht recht, dass ich diesen trug. Meine Mutter strickte in ihrem Sessel und ignorierte den Geruch des angebrannten Essen auf dem Herd.
    ,, Warum musst du deinen Bruder immer in solche Situationen bringen?"
    Tief atmete ich ein, erhob mich und schob den Topf von der Platte.
    ,, Antworte!"
    Ich nahm den Deckel vom Topf und hörte wie mein Vater mit einem Ruck aufstand und dabei den Stuhl auf den Boden beförderte. Mein Bruder lachte und trank noch großzügig etwas vom Bier.
    ,, ANTWORTE!"
    Mit einem Satz war er bei mir und packte mich an den Schultern. Scharf zog ich die Luft zwischen den Zähnen ein und drehte mich ruckartig herum.
    ,, Lass mich los."
    Noch war meine Stimme ruhig und beherrscht, doch dies änderte sich schlagartig.
    ,, Wie soll ich dich ernst nehmen, wenn du so ein fettes und hässliches Ding mitten im Gesicht hast?"
    Andree verschluckte sich an seinem Schluck und lachte noch lauter drauf los.
    Bring ihn um... Nein... Doch... Nein! Dann...
    Ich packte seinen Kragen und überrascht sah er mich an. Als er sich seines überraschten Blickes bewusst wurde, schüttelte er wütend seinen Kopf und schlug mit seiner Stirn fest gegen meine Nase. Mein Kopf flog in den Nacken und ich schmeckte Blut auf meinen Lippen.
    Déjà-vu. Inakzeptabel!
    Wütend knurrte ich auf und ließ den Kragen los, um gleich darauf in seinen Magen zu treten. Zufrieden beobachtete ich, wie er mit Schwung auf den Tisch flog. Andree brüllte überrascht auf und meine Mutter regte sich nicht. Sie strickte weiter und ihr lebloser Blick war fest auf einen leeren Bilderrahmen an der Wand gerichtet.
    Ich wischte mir das Blut von den Lippen und ballte meine Fäuste. Vater schnappte nach Luft und richtete sich leicht zittrig auf.

    ,, Dreckiger Mörder!"
    Ich zuckte zusammen und spannte meine Muskeln an.
    ,, Diese Bezeichnung passt auch zu dir, Vater!"
    Kalt lachte er und ich spürte sowas wie eine alte Angst in meine Knochen kriechen.
    ,, Da hast du recht! Du bist mir eben ähnlicher, als wir beide bis jetzt wussten!"
    Ein Dolch wurde in mein Herz gerammt und ich stürmte auf meinen Vater zu. Schlug auf ihn ein und er ließ es über sich ergehen.
    ,, Ich bin dir kein bisschen ähnlich, du... Köter!"
    Er fing meine Fäuste auf und drückte fest zu. Ich spürte wie meine Finger gequetscht wurden und wenn er nur noch etwas fester zudrücken würde, dann gäben meine Knochen bald ganz nach.
    ,, Ach komm schon! Köter? Das kriegst du besser hin!"
    Verachtung schwang in seiner Stimme mit und ich zog an meinen Händen um endlich aus dieser misslichen Lage zu kommen.
    Scheiße!
    Er musterte mich verächtlich und ich hatte das Gefühl, als würde ich unter seinem Blick wie eine gefallene Mauer einstürzen.
    ,, Hat der kleine Riley etwa sein zartes Stimmchen verloren?"
    Ich bekam keinen Ton hinaus und er baute sich vor mir auf, sodass ich nun zu ihm hochschauen musste.
    ,, Was macht der kleine Riley jetzt? Denkst du wieder nach? Ein Mörder denkt nicht, er tut einfach etwas!"
    Falsch...
    Kalt grinste er und zeigte seine schlechten Zähne.
    ,, Zittert der kleine Riley etwa? Hat der kleine Riley etwa Angst?"
    Meine Nasenflügel bebten und meine Beine zitterten.
    Reiß dich zusammen!
    ,, Macht sich der kleine Riley etwa gleich ins Höschen? Ist er wie zu Stein geworden?"
    Ich presste meine Lippen aufeinander und sah aus dem Augenwinkel, wie meine Mutter weiter strickte und den Rahmen anstarrt.
    ,, Du bist ein NICHTS! Ein streunender Köter ist mehr als du!"
    Ich kniff meine Augen zu und mich überschwammen Erinnerungen von welchen ich gehofft hatte, sie niemals wieder erblicken zu müssen.

    45
    Martins Sicht

    Ich schlurfte die Treppen hinunter, da sie mir im Moment einfach viel lieber waren, als der alte Fahrstuhl. Meine Schritte waren auf den kalten Stufen zu hören und meine Gedanken schweiften immer wieder ab. Immer wieder zu ihr.

    Sie hat Kopfschmerzen. Warum? Immer noch vom Alkohol? War es ihr zu viel Stress? Warum!
    Langsam öffnete ich die weiße Tür und schlurfte zu Ben, welcher mich mitleidig musterte.
    ,, Alter, das mit Diana..."
    Ich hob eine Hand und schüttelte meinen Kopf.
    ,, Bitte nicht jetzt..."
    Nachdenklich nickte er und deutete auf einen leeren Tisch.
    ,, Setz dich doch."
    ,, Mhm..."
    Unmotiviert setze ich mich auf den Tisch und wippte mit meinen Füßen vor und zurück.
    Ob ich ihr...
    Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als Ben auf seinem alten Drehstuhl dicht vor mich rollte und seine Hände auf meine Knie legte.
    ,,Äää..."
    ,, Psst."
    Er schnitt mir das Wort ab, indem er mir einen Zeigefinger auf die Lippen legte.
    Okay? Schräg...
    ,, Martin, es liegt doch wohl auf der Hand, dass du Liebeskummer hast. Wir beide wissen, dass Diana dich gefragt hat, ob du etwas für sie empfindest."
    ,, Also..."
    Er drückte seinen Finger stärker auf meine Lippen.
    ,, Pscht! Ich bin noch nicht fertig! Also... Hust... Wo war ich? Ach ja!"
    Schräger...
    ,, Du weiß, Onkel Ben ist glücklich verheiratet und hilft gerne, also beantworte mir folgende Fragen. Warum hast du es nicht einfach gestanden?"
    Ich öffnete meine Lippen erneut um zu antworten, doch er hielt sie noch weiter zu.
    Am schrägsten!
    ,, Wieso hast du diese Chance nicht genutzt und warum zum Donnerwetter noch einmal musstest du dich mit Riley prügeln?"
    Ich schlug seinen Finger weg und lehnte mich nach hinten um etwas Abstand zwischen uns zu bringen. Doch er rückte mir nur noch mehr auf die Pelle.
    ,, Ben! Abstand! Bitte!"
    Verwundert sah er mich an und bemerkte erst jetzt, dass seine Hände auf meinen Oberschenkeln ruhten und seine Nase fast die meine berührte. Er lief knallrot an, stieß sich schnell von mir ab und rollte mit seinem Stuhl wieder zurück.
    Verdammt! Das hat sich jetzt in mein Gedächtnis eingebrannt und wird mich auf ewig verfolgen!
    ,, Sorry..."
    ,, Hmpf..."
    Ich versuchte ein kleines Lächeln als Zeichen, dass es schon vergessen war zustande zu bringen.
    Nun ja, Versuch gescheitert...

    46
    Seine Sicht

    Erinnerung

    ,, Mama! Mama!" Meine kleinen Hände streckten sich verzweifelt nach ihr aus. Versuchten sie zu erreichen.,, Mama! Mama!" Ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Sie war so nah und doch unerreichbar.,, Halts Maul!" Er packte mich am Nacken und zog mich wieder auf die Beine.,, Papa! Aua!" Heiße Tränen schossen mir in die Augen und verschleierten meinen Blick.,, Hör auf zu heulen, du Nichts!" Er packte mich fester und ich spürte, wie sich seine kräftigen Finger immer weiter um meinen Hals schlossen.,, Wehr dich!" Ich versuchte die riesige Hand mit meinen winzigen Händchen zu lösen. Ohne Erfolg. Ich versuchte verzweifelt nach ihm zu treten.,, Mama! Mama!" Sie regte sich nicht. Sie regte sich nie. Sie schaute nur kurz und wand sich wieder ab, als wäre nichts.,, Schnauze!" Ich schrie erstickt auf und ich spürte, wie die Luft langsam aus meiner Lunge wich.,, WEHR DICH!" Ich versuchte mich schwach aus seinem Griff zu befreien, vergeblich. Immer wieder vergeblich.,, Bäh!" Gerade, als ich drohte ohnmächtig zu werden, ließ er mich wieder auf den Boden fallen. Ich hatte mir in die Hose gemacht, aus lauter Angst er würde mich umbringen.,, Pisser!" Er zog seine Schuhe angewidert aus und warf sie hart auf mich.,, Aua!" Ich weinte dicke Tränen und versuchte mich in einem unsichtbaren Kokon zu verstecken.,, Mach alles sauber! ALLES!" Angewidert drehte er sich um und ging zu meinem Bruder. Ich schniefte und versuchte die Tränen aufzuhalten. Hilfesuchend schaute ich zu Mama, doch sie regte sich nicht.,, Mama! Mama?" Mit meinen dünnen Beinchen versuchte ich aufzustehen, doch schon brach ich wieder zusammen. Mein ganzer Körper brannte und fühlte sich angeschwollen an. Ich drückte auf einen der vielen blauen Flecke und zuckte zusammen. Weitere Tropfen fielen auf den Boden und angewidert musterte ich meine nasse Hose. Ich kroch zum wackligem Stuhl und zog mich schwach an diesem hoch. Aua... Ich wischte mir die Tränen aus den Augen und musterte die Pfütze, die ich hinterlassen hatte.,, Mama..." Ich hoffte auf Hilfe, dabei wusste, dass sie nicht kommen würde. Meine dünnen Beinchen trugen mich zittrig zum Spülbecken und ich tastete mit meinem Händchen nach einem Tuch. Erneut weinte ich, als ich mit meinem blauen Fleck (welcher meinen gesamten Unterarm bedeckte), gegen etwas metallenes stieß. Nach weiteren Tasten, hielt ich endlich ein altes Tuch in der Hand und stolperte zu der Pfütze und den Schuhen.
    Während ich alles putze, sah ich immer wieder zu Mama. Sie regte sich immer noch nicht.,, Mama..." Konnte sie nicht einmal reagieren? Warum half sie mir nicht? Ich war doch ihr Kind? Warum half sie mir nie!
    ,, He!" Ich zuckte zusammen, als mein Bruder zu mir gerannt kam.,, Papa will, dass du in die Scheune kommst!" Er trat nach mir und erwischte lachend mein Bein. Wütend warf ich den Schuh nach ihm, doch verfehlte ihn.,, Lusche!" Weiter lachend rannte er wieder davon. Ich mag die Scheune nicht, da kommen immer so komische Geräusche raus... Aber ich muss hin, sonst ist Papa sauer... Und wenn Papa sauer ist, dann tut er mir weh. Immer tut er mir weh. Nicht Andree. Nicht Mama. Immer mir. Nur mir.
    Ich stolperte hinaus und blieb vor der riesigen, dunkel wirkenden Scheune stehen. Schnell schloss ich meine Augen, als ich ein gedämpftes Kreischen hörte. Ich will nicht...

    ,, Siehst du? Du packst sie am Haar und ziehst den Kopf nach hinten in den Nacken." Mit einem Ruck riss er den Kopf der Frau in den Nacken und sie schrie auf. Mit großen Augen verfolgte ich alles und hielt schnell meine Ohren zu. Mama...
    ,, PISSER!" Ich zuckte zusammen und nahm schnell meine Finger aus meinen Ohren.,, Ich will, dass du aufpasst. Ich zeige dir gerade, wie du mit schwachen Wesen umgehst." Ich starrte einfach nur weiter und nickte kaum merklich.,, Es gibt viele Möglichkeiten eine Frau umzubringen. Einige... Argh!" Sie biss Papa in den Finger und er trat ihr in den Rücken.,, Schlampe!" Ich zuckte zusammen und machte mich kleiner.,, Einige verlieren nach ein paar... Anwendungen an reiz... He, wo willst du hin!" Ich rannte hinaus, als ich gesehen hatte, wie er ein Messer genommen hatte. Meine kleinen Füße stolperten und ich landete auf dem trockenen Boden. Ich hörte schwere Schritte hinter mir...


    (Für den Rest der Erinnerung, müsst ihr wiedermal in die Spezialausgabe gehen, diese findet ihr unter diesem Link:

    http://www.testedich.de/quiz46/quiz/1485954566/Moerder-und-Tod-FF

    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Mörder und Tod (FF+)")

    Gegenwart

    Entschlossen öffnete ich meine Augen und spannte meinen gesamten Körper an.
    ,, Ich bin kein Nichts. Du selbst hast mich zu etwas gemacht. Du selbst hast mich aus meiner Schwäche befreit und mir die Wahrheit gezeigt."
    Verwirrt sah er mich über meinen Wandel an und tatsächlich hatte meine Stimme auch fast liebevoll geklungen.
    ,, Deshalb warne ich dich jetzt, Vater. Lass mich los und wage es ja nicht, mich je wieder anzufassen, oder zu beleidigen. Wage es nie wieder, mich herauszufordern. Verstanden?"
    Ich merkte, wie er bröckelte. Wie er angestrengt versuchte mein Verhalten einzuordnen. Seine Hand weiter fest um meine.
    Fehler.
    ,, Soll ich dir was erzählen?"
    Fest sah er mir in die Augen und ich starrte zurück.
    Beende es mit deinem Feind!
    ,, Nicht nur Frauen sind schwachen Wesen. Alle die schwächer sind als ich, gehören von ihrem Leid befreit und du..."
    Ich hob meine andere Hand und legte sie an seine Wange.
    ,, Du bist eines davon, denn du denkst, dass ein Mörder nur handelt ohne zu überlegen. Du denkst ein Mörder tötet nur, dabei ist es so viel mehr. So viel mehr!"
    Ich lachte laut und riss meine Hand aus seinen rauen Fingern.
    ,, Dir wird die Ehre zuteil, mein erstes männliches Opfer zu werden! Fühl dich geehrt!"
    Er presste seine Lippen aufeinander und grinste mich dann siegessicher an.
    ,, Du wirst deinem eigenen Vater doch nicht umbringen! Nicht nach allem, was ich dich gelehrt habe! Nicht nachdem ich dich anscheinend stark gemacht habe!"
    Ich trat dicht vor ihn und er sank unter meinem Blick zusammen.
    ,, Du nimmst an, dass die Tatsache, dass du mein Vater bist und mich stark gemacht hast ausreicht um am Leben zu bleiben?"
    Er nickte und trat einen Schritt zurück.
    ,, Doch du vergisst alter Mann, dass du nicht stärker als ich bist und sieh, dein anderer Sohn, mein Bruder scheint dir nicht zur Hilfe zu eilen."
    Andree beobachtet uns mit dümmlichen Gesicht und war unfähig sich zu bewegen.
    ,, Du hast von Anfang an auf ihn gebaut. Hast mich zwar gelehrt das zu sein, was ich jetzt bin, aber du hast auf den falschen Sohn gesetzt. All die Jahre des Leidens, die du mir hast zukommen lassen... Auch sie haben dazu beigetragen, dass ich wachse und stark werde. Ich bin dir also was schuldig, alter Mann."
    Sein Gesicht wurde vor Wut immer röter.
    ,, Nenn mich nicht einen alten Mann!"
    ,, Aber warum denn nicht? In meinen Augen bist du nicht mehr als das und jetzt werde ich dich von deiner Schwäche befreien."
    Er riss seine Augen auf, als sich meine Hände um seinen Hals legten und ich fest zudrückte. Solange, bis er aufhörte zu zappeln und sich zu wehren. Solange, bis ich das letzte Fünkchen seines Lebens seine Augen verlassen sah und er leblos zusammensackte.
    Perfekt!
    Ich ließ die Leiche auf den Boden fallen und wand mich meiner Mutter zu.
    ,, Mutter, weist du warum ich dich immer so nenne und nicht mehr Mama?"
    Mama... So kindisch!
    Ich kniete mich vor sie und hielt ihre arbeitende Hände fest.
    ,, Du hast mein Leben unbewusst beeinträchtigt. Mit deinem Nichtstun hast du mir doch irgendwie geholfen."
    Ihr leeren Augen waren weiter auf den Bilderrahmen gerichtet und ich erinnerte mich daran, wie ich das Bild an meinem sechzehnten Geburtstag vernichtet hatte. Dies hatte ich nur getan, weil es mich aufgeregt hatte in meine verängstigten Augen zu sehen, als ich noch nicht stark war. Ich hörte im Hintergrund, wie Andree aus dem Haus floh und schüttelte meinen Kopf.

    47
    (FBI) Dianas Sicht

    Ich wusste, was ich machen musste und doch saß ich nur in meinem Stuhl und spielte mit der Mappe.

    Warum eigentlich eine Mappe und keine Datei?
    Ich schaute aus dem Fenster. Ins trostlose hinaus. Es kam mir alles trostlos vor, seitdem ich aus seiner Tür gegangen war. Seitdem ich mich verabschiedet hatte. Verabschiedet für immer. Doch jetzt sah es so aus, als würde ich ihn bald wiedersehen. Auf der einen Seite war ich glücklich und auf der anderen hatte ich schreckliche Angst. Angst davor, wie er reagieren würde. Schreckliche Angst, dass er mich nicht ansah. Angst, wie ich sie noch nie verspürt hatte.
    Denk nicht darüber nach...
    Langsam schob ich meine Hand in meine Tasche und holte den iPod heraus. Musternd hielt ich ihn mir vors Gesicht und presste meine Lippen aufeinander. Keine Ahnung, nach was ich suchte, aber als ich einen kleinen Kratzer fand, war ich zufrieden. Der Kratzer zeigte mir, dass selbst er nicht perfekt, unfehlbar war.
    Toll und was bringt es mir jetzt? Wie soll mir das jetzt helfen, wenn ich vor ihm stehe und bitten muss, mich zu begleiten?
    Verzweifelt wartetet ich auf eine Antwort, eine Reaktion, irgendwas. Aber wer konnte mir diese Frage auch schon beantworten? Wer? Niemand. Ich warf den iPod von einer Hand in die andere und versank immer weiter in Gedanken. Vergaß einfach die Zeit und meine Situation. Als ich irgendwann das Gewicht des iPods in meiner Hand vermisste, blinzelte ich kräftig und musterte meine leeren Hände.
    ,, Och nö, ne."
    Suchend sah ich den Boden ab und versuchte ihn mit meiner bloßen Willenskraft zu mir zu rufen.
    Soweit kann er doch gar nicht sein!
    Ich stand auf und schob meinen Stuhl zurück.
    Das ist nicht wahr.
    Ich drehte mich im Kreis und als ich spürte, wie mein Fuß gegen etwas kleines stieß, war der iPod schon unters Regal gerutscht.
    Das gibt es doch gar nicht!
    Mein Unterbewusstsein lachte sich ins Fäustchen, während ich zum Regal ging, mich auf den Bauch legte und mit der Hand nach ihm tastete.
    Wie kann ein Unterbewusstsein nur so... eigenständig sein?
    Als es mit den Schultern zuckte, knurrte ich auf und tastete bis zur Wand weiter. Als ich so etwas wie in ein Spinnennetz packe und mich etwas am Arm kitzelte, sprang ich auf und beobachtete regungslos die Spinne, welche meinen Arm gemächlich immer weiter hinauf krabbelte.
    Eine Spinne... Spinne... Spinne!


    Martins Sicht

    Als ich den farblosen Flur in Richtung ihres Büros gegangen war, hatte ich mir verschiedene Situationen vorgestellt, wie ich sie im Büro auffinden würde. Aufgelöst, weinend oder vielleicht auch schreiend und fluchend, aber nicht auf dem Boden liegend und unterm Regal tastend.

    Also wenn das nicht...
    Ich stand einfach nur da und beobachtete sie, oder eher ihren Hintern in der engen Hose.
    Martin!
    Aus reiner... Höflichkeit räusperte ich mich und sie sprang auf. Ich setzte an, um mich zu entschuldigen, dafür dass ich sie erschreckt hatte. Als ich jedoch sah, dass sie auf ihren Arm starrte und mich anscheinend doch nicht bemerkt hatte, wunderte ich mich.
    Was hat sie denn? Ist das eine Art... Schockstarre, die neuerdings bei Frauen auftritt? Sollte... sollte man damit zu Arzt?
    Als sie kurz quietschte, zuckte ich zusammen.
    So ein Geräusch hat sie doch noch nie von sich gegeben...
    ,, Sp... Sp... Spinne"
    Ich musste mir das laute Lachen verkneifen, als ich ihr zittrige Stimme hörte. Zittrig wegen einer Spinne!
    Wie niedlich.
    Als ich sah, dass sie sie tot schlagen wollte, trat ich schnell an ihre Seite und hielt ihre Hand auf.
    ,, Nicht doch. Es ist nur eine kleine Spinne, Diana."
    Mit großen Augen, sah sie von mir zu meiner Hand und zur Spinne.
    ,, Martin... Da... ist..."
    Geduldig wartete ich auf die letzten Wörter. Sie schien mit der Spinne auf dem Arm wohl nicht gerade in der Lage zu sein, einen ganzen Satz zustande zu bringen.
    Süß und amüsant zugleich.
    ,, Eine Spinne... auf meinem... Arm..."
    ,, Ja, ja das sehe ich. Es ist eine kleine Spinne. Sie tut dir nichts. Sie krabbelt nur deinen Arm hinauf."
    Mit einem Blick, der sagte: Ach-Was-Sag-Bloß-Was-Neues, sah sie mir fest in die Augen.


    (FBI) Dianas Sicht

    Was fällt ihm ein? Sie krabbelt nur meinen Arm hinauf! Verdammt, das weiß ich auch! Ich sehe es! SEHE!
    Wütend sah ich ihm in die Augen und sah seine Belustigung.
    Wie kann er das nur lustig finden?
    ,, Nimm sie weg!"
    Sacht hielt er der Spinne den Finger entgegen, aber sie schien strickt auf meinem Arm weiterlaufen zu wollen. Eine Gänsehaut breitet sich auf meinem Arm aus und meine Härchen stellten sich auf.
    ,, Hmm..."
    Ich presste meine Lippen aufeinander und als sie endlich auf seinen Finger krabbelte, trat ich einen Schritt zur Seite und schüttelte mich. Ein unangenehmer schauer lief mir über den Rücken und ich rieb meine Arme.
    Wieso ekelt man sich so vor Spinnen? Es heißt doch immer, dass sie mehr Angst vor uns haben, als wir vor ihnen.
    Als Martin die Spinne aus dem Fenster gelassen hatte, legte er sich vor dem Regal auf den Boden und fischte den iPod hervor. Langsam stand er auf und musterte ihn neugierig.
    ,, Hast du den hier gesucht?"
    Als er ihn mir hinhielt, griff ich sofort danach und ließ ihn in meiner Tasche verschwinden.
    ,, Ja und danke."
    Er kräuselte seine Lippen und nickte.
    ,, Du hast mit Ben gesprochen?"
    ,, Ja, das habe ich."
    ,, Und was denkst du?"
    Er hob eine Braue und sah mich überrascht an.
    ,, Dich interessiert noch, was ich denke?"
    Was soll das jetzt bitteschön?
    ,, Natürlich. Martin, egal was... passiert ist, wir sind immer noch ein Team. Wir müssen zueinanderhalten. Das mag jetzt kitschig klingen, aber so ist es."
    Er strich sich durchs Haar und schien nachzudenken.
    ,, Das was wir haben reicht um ihn hierherzuholen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es reicht um ihn auch alle Morde anzuhängen. Oder überhaupt einen... "
    Er war von allen der... Berater. Er hatte von allen Haar an der Jacke. Er schien nie wirklich überrascht und die Kraft und...
    ,, Diana? Diana?"
    ,, Hm?"
    Ich schüttelte kurz den Kopf.
    ,, Du hast recht, es reicht nicht, um ihn die Morde anzuhängen. Wir brauchen mehr, viel mehr."

    48
    Seine Sicht

    Stumm hatte ich die Leiche betrachtete, ehe ich sie hinter mir hergeschleift hatte um sie hinter der alten Scheune zu begraben. Bei all den anderen Leichen, mit den ich in meiner Kindheit schon Kontakt hatte.
    Alles alte bekannte... Alles. Jetzt bist du da, wo du hingehörst, alter Mann.
    Die Schaufel lag noch in meiner Hand und angewidert musterte ich sie. Ich hatte es immer gehasst mit Schaufeln zu arbeiten. Immer. Früher hatte ich mir die Hände an ihr blutig gearbeitet, nur für meinen alten Mann.
    Und das nur, um ihn stolz zu machen... Wie primitiv. Am Ende sind wir wohl doch alle bloß irgendwelche Wesen, die nach Anerkennung lechzen und nach der Aufmerksamkeit der Allgemeinheit suchen. Ja, ich bin nicht besser... Doch, natürlich bin ich das! Ich tue es immerhin anders... spezieller. Ich versuche nicht wie ein Welpe um andere herumzuhüpfen und auszudrücken Hier-ich-bin-hier-schau!
    ,, Neiiinnn..."
    Ein gurgelndes Lachen entstiegt meiner Kehle und verzerrte das 'Nein' zu etwas abstoßendem... etwas sonderbarem. Ich sank auf die Knie und umklammerte das alte Holz der Schaufel, bis meine Knochen weiß hervortraten und... ich lachte. Lachte, wie ich noch nie gelacht hatte und dann... dann weinte ich.
    ,, Absurd! Absurd! ABSURD!"
    Stop!
    Die Tränen brannten in meinen Augen, auf meiner Haut, auf meinen Lippen... Tränen, die ich solange zurückgehalten hatte.
    Stop!
    Sie tropften auf die trockene Erde, auf meine Hände, auf meine Klamotten.
    STOP!
    Mit einem Schlag versiegten meine Tränen, als hätte jemand den Wasserhahn zugedreht, oder einen Brunnen trockengelegt.
    Absurd! Absurd! ABSURD!
    Ich kauerte mich zusammen, zitterte am ganzen Körper und starrte mit geweiteten Augen ins Nichts.

    Wie lange liege ich nun schon hier?
    Der Nachteil, wenn man mit sich in Gedanken spricht ist, dass man keine, oder nicht hilfreiche Antworten bekommt. Dies wurde ich mir wieder schmerzlich bewusst.
    Steh auf.
    Langsam setzte ich mich auf und versuchte die Schaufel aus meinen steifen Fingern zu entlassen.
    ,, Verdammt!"
    Wütend knurrte ich, als sich meine Finger weiter um die Schaufel geschlossen hielten und als ich sie konzentriert anstarrte, hatte ich trotzdem das Gefühl, als würde es nichts bringen.
    ,, Hmpf."
    Wie kann es sein, dass sie mir nicht gehorchen?
    Recht ungeschickt kam ich auf die Beine und schwankte kurz vom langen Liegen.
    Meine Füße... sie schlafen.
    Ein dicker Tropfen fiel mir auf die Nase und irritiert schaute ich in den dunklen Himmel.
    Wie kann die Zeit nur so schnell vergehen und wie kann es der Himmel wagen, jetzt einfach anzufangen zu weinen?
    Ich schleppte mich ins Haus und versuchte weiter die Schaufel loszulassen, aber es war, als wäre sie nun ein Teil von mir.
    Es stinkt immer noch nach dem Essen.
    Als ich meine Jacke nehmen wollte, entschieden sich meine Finger endlich dafür, die Schaufel einfach auf den Boden fallen zu lassen, doch meine Jacke wollten sie nicht ergreifen.
    Das ist doch...
    Ich packte sie mit den Zähnen und ohne noch einmal auf meine Mutter zu schauen, verließ ich das Haus, welches so viele Geheimnisse hatte und ging den kleinen Weg zu meinem Wagen entlang.



    (FBI) Dianas Sicht

    Das Tor wollte und wollte sich nicht öffnen. Ich stand schon ein paar Stunden hier und ich war mir nicht sicher, ob er einfach nicht da war, oder ob er mir nicht öffnen wollte. Weder wusste ich, was ich davon halten sollte. Das Schnarchen von Martin riss mich aus meiner Konzentration und still musterte ich ihn.

    Wieso ist alles so gekommen? Ist Riley daran schuld? Martin, oder ich? Wir alle?
    Frage um Frage drang sich in meinen Kopf und es waren alles Fragen, die ich nicht beantworten konnte. Manche würde ich auch nie beantworten können, andere vielleicht mit der Zeit und andere... Andere würden sich vielleicht sogar in den nächsten Sekunden klären, als ich das Licht von einem Auto hinter uns wahrnahm.
    Wer ist das? Ist er das? Ist das mein Riley? Warte... Moment... Mein?
    Schnell schüttelte ich meinen Kopf und rüttelte Martin wach.
    ,, Hmm?"
    ,, Martin, da ist ein Auto."
    ,, Ah... schön."
    Ungläubig beobachtete ich, wie er kurz schmatzte und es sich dann wieder bequem machte um in Ruhe weiterzuschlafen.
    ,, Martin!"
    ,, Hmm... Ja?"
    Schon drang ein leises Schnarchen aus seinem Mund.
    ,, Da ist Riley!"
    ,, Was! Wo?"
    Ich verdrehte meine Augen, als er von jetzt auf gleich auf hundertachtzig war.
    ,, Nun, er könnte es zumindest sein."
    Ich deutete nach hinten, wo das Fahrzeug stehengeblieben war.
    Warum bleibt es da stehen?
    Als der Wagen wendete und davonfuhr, startete ich den Motor und folgte ihm.
    Riley, bist du es?



    Seine Sicht

    Wo. Ist. Mein. Auto!
    Ungläubig musterte ich den leeren Platz, wo ich mir ganz sicher war, dass ich mein Wagen geparkt hatte. Ich hatte immer hier geparkt, er konnte gar nicht woanders stehen und auf mich warten. Er musste hier sein.
    Das ergibt ke... Andree!
    Ich knurrte und ließ die Jacke einfach auf den Boden fallen um mir fest auf die Lippen zu beißen und nicht wütend aufzubrüllen.
    Dieser Bastard! Wie kann er es wagen? Wie?
    Dicke schwere Tropfen, schlugen auf die Erde und mich nieder, während ich stumm dastand und wartete.
    Auf was warte ich?

    49
    (FBI) Dianas Sicht

    Das Auto verschwand kurz und schon halb wahnsinnig raufte ich mir das Haar.

    Da!
    Erleichtert stieß ich die Luft zwischen den Zähnen aus und trat das Gas etwas mehr durch.
    ,, Bist du dir sicher, dass das Riley ist?"
    Ich kniff meine Augen etwas zu, um die Gestalt im Auto besser erkennen zu können, was natürlich unsinnig war. Da das Auto immer noch zu weit weg war, um irgendwas zu erkennen.
    ,, Nein, bin ich nicht. Aber wenn er es nicht ist, möchte ich trotzdem mit dem Fahrer sprechen und meine Neugierde drängt mich dazu, zu erfahren, wo der Fahrer hinfährt."
    ,, Hmm... Ja, wäre wirklich sinnvoll zu erfahren."
    Kurz schielte ich zu ihm herüber, als er nach Luft schnappte und seine Augen aufriss.
    ,, STOP!"
    Reflexartig trat ich auf die Bremse und wer heute noch nicht genickt hatte, holte dies nun nach.
    ,, Gott!"
    Martin klammerte sich am Sitz fest und erst jetzt fiel mir auf, dass dicke Tropfen aufs Auto prasselten und dass der Fahrer vor uns mit seinem Wagen eine andere Gestalt beleuchtete.
    Wo sind wir?
    Während Martin lautstark fluchte, versuchte ich unsere Umgebung zu erkennen, doch dicke Wolken verdeckten die Sonne, welche vermutlich schon verschwunden war.
    ,, Martin..."
    Ich hielt ihm eine Hand vor den Mund und er atmete zittrig ein, während er mich aus großen Augen anschaute.
    Die Vollbremsung setzt ihm wohl zu. Aber wenn der vor uns auch einfach anhält...
    ,, Lass uns aussteigen und die beiden Personen unter die Lupe nehmen."
    Ich zuckte erschrocken zusammen, als die Tür des anderen Wagens zugeknallt wurde und eine männliche Gestalt mit großen Schritten auf die andere zuging.
    Was...
    Als die männliche Gestalt ankam, holte sie aus und schlug der anderen mit solcher Wucht ins Gesicht, dass diese nach hinten auf den Boden flog.
    Scheiße!
    Mit gezückter Waffe, stiegen wir schnell aus und rannten auf die Gestalten zu.
    ,, FBI! Hände hoch!"
    Langsam hob die Gestalt die Hände, drehte sich noch langsamer herum und als ich Andree erkannte, wusste ich auch, wer die Person am Boden war.
    ,, Hände an den Hinterkopf und an den Wagen!"
    Nur nebenbei nahm ich war, wie Martin meinen Part übernahm und Andree festnahm, während ich nur Riley beobachten konnte, wie er langsam auf die Beine kam.
    Riley...
    Ich hatte einen ganz trockenen Gaumen und ein innerer Sturm schien in mir zu wüten.
    Warum...
    Keines der Wörter, die fielen drangen zu mir durch. Meine gesamte Aufmerksamkeit galt Riley, welcher nun aufrechter den je dastand und sich durchs Gesicht strich.
    Jetzt ist sie definitiv gebrochen...
    ,, Diana!"
    erschrocken zuckte ich zusammen, als Martin mir ins Ohr flüsterte.
    ,, Ich habe Andree ins Auto gesetzt... Was machen wir mit Riley?"
    Mit zittrigen Händen ließ ich die Waffe sinken und atmete tief ein.
    ,, Wir nehmen ihn mit."



    Seine Sicht

    Sie hatten mich neben meinen Bruder gesetzt. Hatten mich nicht mit meinem Wagen fahren lassen wollen und nun schaute ich aus dem Fenster.

    Sie sitzt in meinem Auto, fährt uns nach und dieser... In meinem Auto!
    Scharf zog ich die Luft zwischen den Zähnen ein und drückte das nasse Tuch fester auf meine angeschwollene Nase. Wütend schaute ich Martin an und ballte meine freie Hand zur Faust.
    Nicht mehr la...
    Ungläubig starrte ich auf meinen iPod.
    Fuck! Verdammte Scheiße!
    Mein gesamter Körper spannte sich an und laut keuchte ich auf, als ich meine Nase noch fester drückte.
    ,, Hmpf..."
    Am liebsten wäre ich vorgeschnellt und hätte meinen Eigentum ergriffen.
    ARGH!
    Meine Nägel kratzen über das Leder des Sitzes und Andree sah mich ausdruckslos an.
    ,, Wenn Sie den Wagen beschädigen, müssen Sie für den Schaden aufkommen."
    Nur vage bekam ich die Worte von Martin mit, während in meinem Kopf zwei Fragen herumstreiften.
    Wie kommt er hier hin?
    Wieso habe ich sein Fehlen nicht bemerkt?


    Wir hielten vor diesem Gebäude und alles zog sich in mir zusammen.
    Ich hasse es. FBI-Gebäude... Ich hasse es einfach nur!
    Ich stieg aus und bekam nur am Rande mit, dass Martin meinen Bruder aus dem Wagen zog. Mein Blick war fest durch die Autoscheibe auf mein Eigentum gerichtet und fast hätte ich ihn einfach gepackt und in meine Tasche gesteckt.
    Es geht schief. Es geht alles schief.
    ,, Kommen Sie."
    Widerwillig ging ich hinein und sah noch, wie Diana meinen Wagen in einen Eingang lenkte.
    Warum? Diana...

    Ich saß in einer dieser Räume, indem es einen Tisch, zwei unbequeme Stühle und diese Scheibe gab, durch der man beobachtet wurde.
    Alles schief... Diana... Warum... Alles schief... Falsch... Scheiße!



    Martins Sicht

    Was mag in seinem Kopf vorgehen?
    Ich beobachtete ihn durch die Scheibe, während er sich das bereits rote Tuch gegen die Nase drückte.
    Der Arzt wird bald da sein...
    Ich kratzte mich am Kopf und konnte ein Schmunzeln nicht verdrängen, als die Erinnerung hochkam, wie ich ihm gegen die Nase geschlagen hatte. Wie sein Kopf in den Nacken geflogen war.
    Erfüllung pur.
    Mein Blick verdüsterte sich, als die Erinnerung, die auf den Schlag gefolgt hatten, folgten.
    Dieser Typ ist so krank. Wie kann man nur so enden und wie kann Diana nur auf ihn stehen? Warum sieht sie nicht, was für ein... ein... Rrrrr!
    Ich blies meine Wangen auf und verschränkte meine Arme wütend.
    Ich werde sie vor ihm beschützen. Mit allem, was mir zur Verfügung steht. Er darf sie nicht verletzten. Nie! Das könnte ich mir nie verzeihen! Wenn ich sie nicht haben kann, dann kann er sie erstrecht nicht haben! Das wäre nicht fair!
    Ich kratzte mir die Haut von den Armen und senkte den Blick.
    Warum liebt sie mich nicht? Ich kenne sie doch... Sie kennt mich... Warum zieht sie ihn vor? Er wollte mich ertränken!
    Mit loderndem Blick schaute ich wieder auf. Starrte ihn vernichtend an.
    Fahr zur Hölle. Wärst du doch nie aufgetaucht!
    Während ich ihn weiter in Gedanken bis sonst wohin verwünschte, versorgte ihn ein Arzt, welchen ich am liebsten daran gehindert.
    Er hat es nicht verdient versorgt zu werden!
    Eingehend massierte ich meine Schläfen.
    Martin, du verhältst dich wie ein kleines Kind, welches vor Eifersucht die Luft anhält und auf etwas absurdes besteht.

    50
    (FBI) Dianas Sicht

    Kurz schielte ich auf die Uhr und lauschte Andree nur halb.

    ,, Hören Sie, es ist so wie ich erz..."
    Blablabla... Er ist jetzt bei Riley drinnen.
    Abwesend nickte ich und versuchte meine spärliche Konzentration aufrecht zu halten.
    ,,... Ich sage es Ihnen, er ist völlig ausge..."
    Was er ihn wohl alles fragt? Vermutlich das, was er soll. Hmpf...
    ,,... Dann hat er einfach gela..."
    Langsam blinzelte ich und beobachtete, wie sich sein Mund unaufhörlich bewegte.
    Hässlicher Mund. Hässliche Zähne. Hässliche Worte...
    ,,... Einfach gepackt hat er ihn..."
    Nicht so, wie Rileys Mund. Volle Lippen, welche geradezu schreien "Küss mich". Eine kleine Narbe am rechten Mundwinkel und er leckt sich häufig über die Unterlippe. Als würde er einen locken wollen, mit seiner Zunge. Dann noch sein kantiges Kinn, welches man einfach entlang knabbern möchte. Ab und zu, da zieren Bartstoppeln seine Wangen und hin und wieder, liegen seine Haare in der Stirn. Seine Nase, welche gerade doch sehr mitgenommen ist...
    Missbilligend schaute ich Andree fester an.
    Er hat noch einmal draufgeschlagen! Sie sah so perfekt aus. Jetzt wird sie bestimmt immer etwas krumm sein.
    Nur mit Mühe unterdrückte ich es, mit den Zähnen zu knirschen.
    ,,... Gedrückt und gedrückt hat er, wie ein Verrü..."
    Und seine Augen! Konzentration... Wie sie funkeln, wenn er wütend ist! Arbeiten... Wie Stahl! Und wenn Licht auf sie fällt, dann ist es, als ob alle Grautöne vertreten wären! Wichtig... Unglaublich! Am liebsten würde ich sie immer anstarren!
    ,,... Tot zusammengesackt, in seinen Händen..."
    Und nie wieder... Tot?
    Schnell blinzelte ich und vergewisserte mich kurz, dass ich nicht gesabbert hatte.
    ,,... Ich meine, ich habe Panik geschoben! Er hätte auch mich einfach so erwürgen können! Mann, ich wette, ich bin gerade noch so davongekommen."
    Erwürgt? Scheiße, fette Lücke...
    ,, Könnten Sie das bitte wiederholen?"
    Ungläubig starrte er mich an.
    ,, Nur den Teil, mit dem Erwürgen."
    Ich denke, den Teil davor, habe ich noch halbwegs mitbekommen... Hoffe ich.
    ,, Er hat meinen Vater nach seiner Predigt, über seine Entwicklung seines Lebens am Hals gepackt. Hat zugedrückt und gedrückt, bis mein Vater aufgeh-"
    ,, So, das reicht jetzt. Mein Mandat sagt kein Wort mehr."
    Entnervt wanderte mein Blick zum Anwalt und fest biss ich mir auf die Lippe.
    Immer kommen die, wenn es am unpassendsten ist!
    ,,Überhaupt hatten Sie kein Recht, ihn hierher zu bringen. Nicht nachdem, was letztes Mal passiert ist."
    ,, Hören Sie mir zu, Sir. Ihr Mandant hat wichtige Informationen, die mir freiwillig mitgeteilt werden. Ich betone noch einmals: Freiwillig. Dazu-"
    ,, Das reicht. Mister Brown und ich, werden Sie nun verlassen."
    ,, Nein, das werden wir nicht. Sie können gehen, danke. Ihre Dienste werden nicht länger benötigt."
    Mein Blick wanderte zwischen Andree und seinem Anwalt hin und her.
    ,, Nun, wenn dem so ist."
    Schwungvoll drehte sich der Anwalt in der Tür herum und rauschte davon.
    ,, Nun, wo war ich? Ach ja. Er hat meinen Vater umgebracht. Kaltblütig umgebracht! Dann bin ich weg, mit seinem Auto."
    Verlegen kratzte ich mich am Kopf.
    ,, Und warum, hat Ihr Bruder, Ihren Vater getötet?"
    Langsam blinzelte Andree und lehnte sich zurück, um die ganze Geschichte von vorne zu erörtern.



    Seine Sicht

    Desinteressiert spielte ich mit dem neuen Kühlpack und lauschte den Fragen, die mir um die Ohren geworfen wurden.

    ,, Es war ein Familientreffen.
    Nein, das ist mir nicht bekannt.
    Was wollen Sie damit sagen?
    Kann ich was dafür?"
    Langweilig!
    Genauso wenig Lust wie ich hatte, hatte auch dieser Martin. Welcher mir eher giftige, statt professionelle Blicke entgegenschleuderte.
    ,, Soll ich vielleicht Ihren Anwalt kommen lassen?"
    Damit kommt er aber früh.
    Langsam verdrehte ich meine Augen, beugte mich vor und stütze mich mit einem Ellenbogen am Tisch ab.
    ,, Wieso sollte ich einen Anwalt benötigen?"
    Zu meiner Genugtuung lehnte er sich zurück und wand kurz den Blick ab.
    ,, Nun, weil Ihr Bruder-"
    Mit einer schlichten Handbewegung, brachte ich ihn zum Schweigen.
    Dass er so leicht aufgibt...
    ,, Ich benötige keinen Anwalt, danke. Ich weiß mich selbst sehr gut zu verteidigen."
    Seine Kiefermuskeln spannten sich an, als er aufstand und seine Papiere nahm.
    ,, Wären Sie noch so gütig und würden mir einen Tee bringen lassen? Am besten von Diana."
    Langsam wand er mir seinen Kopf zu und ein drohender Ausdruck stand ihm ins Gesicht geschrieben.
    ,, Wir sind hier nicht die Wohlfahrt und Sie..."
    Er stützte sich am Tisch ab und beugte sich zu mir, doch ich wich nicht zurück, sondern lächelte nur süffisant.
    ,, Sie halten sich von Diana fern, verstanden?"
    Ich habe das Hündchen geweckt, wie schön.
    ,, Und wenn nicht?"



    Martins Sicht

    Fest biss ich mir auf die Wange und drückte meine Finger in den wackelnden Tisch.

    ,, Wollen Sie das wirklich herausfinden?"
    Sein Lächeln wurde breiter und am liebsten hätte ich das hässliche Ding in seinem Gesicht noch einmal in Mitleidenschaft gezogen.
    Ruhig. Nur die Nerven nicht verlieren, sonst verlierst du bald schon sehr viel mehr...
    ,, Ich nehme jede Herausforderung glücklich an."
    Ich hatte das Gefühl, als würde mir gleich ein Knurren entgleiten und als ob ich meine Zähne in seiner Kehle vergraben wollte.
    ,, Dann werden Sie ja diese lieben."
    Amüsiert schmunzelte er und kam etwas näher.
    ,, So, wie du Diana liebst?"
    Dieser...!
    Scharf zog ich die Luft zwischen den Zähnen ein und kniff kurz meine Augen zusammen.
    ,, Ich wüsste zu gerne, was sie zu dir gesagt hat, als ich ihr offenbarte, dass du sie liebst."
    Ein lautes Knurren entglitt meiner Kehle und ich packte Riley am Kragen.
    ,, Ich wette mit dir, dass sie nicht dasselbe für dich empfindet. Oder du hattest nicht den Mann in der Hose und konntest es ihr sagen."
    Wie ein Tier bleckte ich meine Zähne und ließ ihn abfällig los.
    Das habe ich nicht nötig!
    Mit Schwung machte ich kehrt und stapfte auf die Tür zu.
    ,, Also konntest du es ihr nicht sagen!"
    Laut lachte er und aus meinem Versuch, die Tür leise zu schließen, wurde ein lauter Knall.
    Einfach tief Atmen und einen Kaffee holen, um die Nerven wieder unter die Kontrolle zu bekommen.

    Ich stellte die Tasse zurecht, drückte den großen schwarzen Knopf und genoss den Geruch, meines Kaffees. Langsam nahm ich die warme Tasse und wollte mich gerade hinsetzen, als ich laut gerufen wurde.
    ,, Martin! MARTIN!"
    Ich drehte mich herum und schaute Ben entgegen.
    ,, Ben! Ben!"
    Keuchend blieb er stehen und hielt seine Seite, während er schnell atmete.
    ,, Ein Wettrennen vom Aufzug bis hierhin?"
    Belustigt schaute ich den Gang hinunter und sah die Aufzugtür aufgehen und Diana aussteigen.
    Hmm...
    Ben packte mich am Arm, zog mich wieder in die kleine Küche und verschüttete so den halbe heißen Kaffee auf meiner Hand.
    ,, Mhmhmm..."
    Ich presste meine Lippen aufeinander und stellte die Tasse schnell ab, um meine Hand unter kaltes Wasser zu halten.
    ,, Ben... Was ist los, du angestochenes Schwein?"
    Mit einer Hand an der Küchenplatte abgestützt, schaute er mich an.
    ,, Ihr habt doch das gesamte Grundstück durchsuchen lassen und da haben sie so viele gefunden! Da war auch der Vater bei und noch eine andere ist aufgetaucht!"
    Konzentriert lauschte ich seinem Geflüster und legte dann meine Hand an seinen Mund.
    ,, Was haben sie gefunden? Ben, wer ist aufgetaucht?"
    Er schob meine Hand beiseite und blinzelte hektisch.
    ,, Leichen, Martin. Unfassbar viele Leichen, da wo ihr diese Kerle gefunden habt! Und noch eine andere Leiche, am Ende der Stadt!"
    Hmm...
    ,, Ben, du erzählst Diana von der einen Leiche, aber nichts von den anderen... Ich übernehme das lieber alleine. Verstanden?"
    Wer weiß, ob sie dem gewachsen wäre...
    ,, Martin, aber..."
    ,, Ben, bitte. Du bist auch jetzt bei mir und nicht bei ihr, oder? Schick sie dahin."

    51
    Ich fuhr über den holprigen Weg und hielt vor der Scheune.
    Und hier ist er aufgewachsen...
    Als ich ausstiegt, schmatzte der Matsch unter meinen Füßen und saugte sich an meinen Schuhen fest. Kurz seufzte ich auf und schaute zum kleinen Häuschen, aus welchem eine ältere Frau geführt wurde. Eine Krähe kreischte auf und glitt über ein kleines Beet, landete auf der nassen Erde und pickte fleißig los.
    ,, Hm."
    Mit großen Schritten und begleitetem Schmatzen, ging ich auf die Frau zu, schickte den jungen Mann weg und half der Frau sich in einen Krankenwagen zu setzen.
    ,, Sind Sie die Mutter von-"
    ,, Schlinge um den Daumen. Arbeitsfaden um den Zeigefinger."
    Eine Gänsehaut lief mir den Rücken hinunter, als sie leise vor sich hinmurmelte, die Hände ohne Unterlass bewegte und ins leere starrte.
    ,, Mit der Nadel von unten durch die Daumenschlinge, Arbeitsfanden aufnehmen und durch die Schlinge ziehen."
    Ich hockte mich etwas vor sie, nahm ihre Hände in meine und beobachtete kurz, wie die Finger arbeiteten.
    ,, Sind Sie die Mutter von Andree und Riley?"
    Kurz schloss sie die blassen Augen und bewegte die Lippen schneller.
    ,, Die Kettmasche bilden. Dann kommt noch eine Luftmasche und der Anfangsring ist geschafft... Den Faden einmal um die Häkelnadel legen. Durch die Einstichstelle, den Faden aufnehmen und durch die Masche ziehen..."
    ,, Was Häkeln Sie denn schönes?"
    Langsam blickte sie auf und entblößte ihre gelben Zähne.
    ,, Eine Mütze!"
    ,, Eine Mütze?"
    Hektisch nickte sie und ging die nächsten Schritte durch.
    Ob ihr klar ist, dass sie den ein oder anderen vergisst zu erwähnen?
    ,, Einen Arbeitsfaden durch die Schlinge holen... Aus elf Maschen werden zweiundzwanzig Maschen."
    ,, Welche Farbe hat die Mütze denn?"
    ,, Grün!"
    Sie lächelte breiter und kurz rümpfte ich die Nase, um ihren Mundgeruch etwas zu entkommen.
    ,, Grün?"
    Erneut nickte sie hektisch und hielt die Luft-Mütze hoch.
    ,, Fast fertig! Für Andree mein Schätzchen. "
    Immerhin habe ich diese Bestätigung schon mal.
    Als mir jemand auf die Schulter tippte, wand ich meinen Kopf kurz zum jungen Mann, welcher einen reichlich mitgenommenen Anblick bot.
    ,, Wir... haben die letzten rausgeholt..."
    Kurz nickte ich und richtete mich wieder auf, als ich mich umwand, wurde meine Hand gepackt und ich schaute die Frau noch einmal an.
    ,, Riley bekommt eine blaue. Aber er wird sie vermutlich wieder nicht tragen. Er findet sie kratzen. Brot. Ich mag Brot. Vor allem, wenn mein Mann welches backt. Schön warm. Äpfel... Die mag ich auch. Andree nicht, er schmeißt sie auf Vögel."
    Sanft lächelte ich und tätschelte ihre Hand.
    ,, Soll ich Ihnen etwas Brot und einen Apfel bringen lassen?"
    Erfreut, folgte wieder ein hektisches Nicken. Dann ließ sie mich los und machte sich an die zweite Mütze.
    Sie ist bei weitem noch nicht in diesem Alter, aber ich habe den schweren Verdacht auf den Anfang von Alzheimer, oder starken Verdrängungen.
    Als ich die Scheune umrundet hatte, bot sich mir ein Anblick, welcher mich noch in meinen Träumen verfolgen sollte. Leichen. Unbeschreiblich viele Leichen. In verschiedenen Verwesungsstadien.
    Kein Wunder, dass der vorhin so mitgenommen aussah...
    ,, Wie viele sind es?"
    ,, Wir haben vierzehn gezählt."
    Vierzehn...
    ,, Konnten Sie schon einige andere identifizieren, außer den Vater?"
    ,, Zwei andere."
    Hmpf.



    (FBI) Dianas Sicht

    Ich fuhr durch die heller werdenden Straßen und gähnte ausgiebig.

    Schlaf, ich brauche Schlaf.
    Ich fuhr langsamer und betrachtete die Häuser.
    Armesviertel. Nicht viel los... Da steht auch schon der Polizeiwagen.
    Mit einem Seufzer, stellte ich den Wagen ab und ging zur Wohnung. Schnell rümpfte ich meine Nase und wurde von einem Polizist über das gröbste aufgeklärt.
    Frau, Ende der Zwanziger. Familie, wird kontaktiert. Beziehung, noch unbekannt. Sie hi-
    ,, Fuck!"
    Schnell hielt ich mir eine Hand vor den Mund und drehte mich herum, um dieses scheußliche Bild nicht weiter ansehen zu müssen.
    Wie... kann man sowas jemanden nur antun?



    Seine Sicht

    Es überrascht mich ja immer wieder, wie nachlässig sie mit den Sicherheitsvorkehrungen sind. Man kann hier ein- und ausgehen, wie es einem passt.
    Ich nahm meinen Tee und nippte kurz an ihm, nur um herauszufinden, dass ich auch auf ihn hätte verzichten können.
    Nun fast. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mir einen schlechten Tee holen kann, ohne aufgehalten zu werden.
    Abfällig stellte ich den Tee weg und ging den Gang wieder hinunter.
    Eins, zwei, drei und da ist auch noch eine Kamera.
    Als ich die Tür öffnete, sah mein Bruder auf und Überraschung und Entsetzen spiegelte sich in seinen Augen wieder.
    Habe Angst vor mir.
    Leise schloss ich die Tür, trat auf den freien Stuhl zu, drehte ihn mit dem Rücken zum Tisch und setzte mich hin. Mein Kinn stütze ich auf meine Arme, welche ich auf den Stuhl gelegt hatte.
    ,, Was willst du hier?"
    Angst schwang in seiner Stimme mit und vor Zufriedenheit hätte ich fast breit gegrinst.
    ,, Och, ich dachte, ich besuche meinen lieben Bruder mal. Immerhin warst du es doch, der uns hierher verfrachtet hat."
    ,, Und soweit ich mich entsinne, warst du ein entscheidender Auslöser, oder etwa nicht?"
    Da wird ja jemand tapfer.
    Leicht seufzte ich und beugte mich etwas vor.
    ,, Ja, das kann ich wohl nicht leugnen."
    Ein triumphierendes Lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht ab.
    Das müssen wir vernichten.
    Ich hob meine Hand, betrachtete meine Nägel, als wäre es das Normalste auf der Welt.
    ,, Dir ist hoffentlich bewusst, dass sie nicht nur mich für den Rest meines Lebens hinter Gitter stecken könnten?"
    Kurz schaute ich auf und sah zu meiner Befriedigung den Schock in seinem Gesicht.
    ,, Wie ich sehe, ist es dir gerade bewusst geworden."
    ,, Aber..."
    ,, Was? Denkst du etwa, du kannst das Geschehene rückgängig machen, indem du sagst, das alles war ein großer Irrtum?"
    ,, Fuck..."
    Ich zog eine Braue hoch und lehnte mich etwas zurück, um die Kamera zu betrachten.
    Auch immer interessant, dass sie die nur eingeschaltet haben, wenn die Befragungen durchführen.
    ,, Tja, es ist so, wie es ist, Andree."
    Elegant erhob ich mich.
    ,, Und du, du kannst nichts daran ändern."
    Ich ging auf die Tür zu und ehe ich die Klinke berührte, packte er mich an der Hand und ein Lächeln umspielte meine Lippen.
    ,, Und du schon, oder was, Riley?"
    Langsam sah ich ihn an und genoss seine Verzweiflung. Spürte das Zittern seiner Hand, an meiner und beobachtete, wie er auf seiner Wange kaute.
    ,, Wer weiß?"
    Entschlossen öffnete ich die Tür, trat hinaus und ergötze mich noch einmals an seinem Anblick, ehe ich sie schloss und in mich hinein lachte.

    52
    Martins Sicht

    Kurz musterte ich das Brötchen und den Apfel in meiner Hand. Schwer schluckte ich, als ich an das Bild hinter der Scheune dachte. Jede einzelne Leiche wurde an mir vorbeigetragen, während ich das Essen für die Frau hielt. Nur schwer unterdrückte ich den Würgereiz, als einzelne Gliedmaßen vorbeigebracht wurden.

    Da muss doch jeder gesunden Appetit bekommen...
    Kurz schüttelte ich mich und setzte meine schmatzende Schritte fort. Irritiert schaute ich in den leeren Krankenwagen und blinzelte langsam.
    Wo ist sie?
    ,, Ihr könnt sie nicht haben! Sie gehören meinem Mann! Vergrabt sie wieder!"
    Gefunden!



    Seine Sicht

    Im Kopf fertigte ich die Liste an, welche für mich jetzt wichtiger war, als alles andere.

    Erst Diana sprechen, dann den iPod und dann den Wagen. Irgendwie dieses Arsch von Bruder hier herausholen... Oder? Na, mal schauen. Das kommt nach unten auf die Liste. Es gibt da etwas, was mir eher am Herzen liegt.
    Ich schnitt eine Grimasse, was meine Nase mit einem stetigen Pochen quittierte.
    Alle Rechnungen müssen beglichen und alle Versprechen eingelöst werden. Der Tod muss sein Opfer bekommen, um des höheren Willen. Und wenn ich das gemacht habe, dann kommt mein nächstes Opfer und dann, dann sind meine schändlichen Gedanken und mein schwacher Geist endlich frei!
    Ich breitete meine Arme aus, lachte und kippte mit dem Stuhl fast nach hinten.
    Ihn werde ich los sein und sie, sie werde ich auch noch vom Antlitz der Erde entfernen und aus meinen Gedanken fegen!
    Ich legte den Kopf in den Nacken, lachte lauter und schriller und der Stuhl kippe langsam nach hinten und hart landeten wir beide auf dem Boden.
    ,, Frei werde ich sein!"
    Gurgelnd lachte ich und beobachtete, wie schwarze Schuhe den Raum betraten.
    ,, Wie ich sehe, haben wir es hier mit einem Verrückten zu tun."
    ,, Verrückten?"
    Ich gluckste und erhob mich recht unelegant.
    ,, Wer sind Sie?"
    Ich bückte mich, hob den Stuhl auf und setze mich vor das fremde Gesicht, welches mich aus markanten Zügen, blassen Lippen und grauen Augen, süffisant betrachtete.
    Grau trifft auf grau...
    ,, Ich bin der neue Spieler am Tisch, Riley."



    (FBI) Dianas Sicht

    Ein aus, ein und wieder aus... Ein und einfach aus... Gott...
    Das kalte Geländer drückte hart gegen meinen Rücken und trotzdem lehnte ich mich weiter dagegen, um vermutlich nicht die Besinnung zu verlieren. Ich strich mir durchs Gesicht und atmete die frische Luft, welche mir jedoch viel zu stickig vorkam einfach tief ein.
    ,, Alles wieder in Ordnung?"
    Der Beamte kam aus der Haustür und musterte mich besorgt von der Seite.
    ,, Ja ja..."
    Ich machte eine vage Handbewegung und lächelte schwach.
    ,, Schon wieder in Ordnung..."
    Lügen bis sich die Balken biegen... Ach, sei still!
    ,, Können wir dann wieder damit rechnen, dass Sie hinaufkommen?"
    Am liebsten hätte ich ihm einen Vogel gezeigt und wäre einfach in die nächste Bar gefahren.
    ,, Ja, nur noch einen kleinen Augenblick."
    Er verdrehte die Augen und in Gedanken holte ich schon für den Arschtritt aus, welcher zu seinem Glück ausblieb. Ich ließ mich auf die Stufe gleiten und versuchte das Bild von der Frau, mit dem Schuh im Ohr aus den Gedanken zu bekommen.
    Nächstes mal, da nehme ich Martin wieder mit! Wieso habe ich mich dazu überreden lassen, das alleine zu machen? Ich bin müde, hungrig und meine Nerven hängen am seidenen Faden!
    Wütend ließ ich meine Finger knacken und stand mit solchen Schwung auf, das ich mich fast mit der Schnauze voraus auf die Straße katapultiert hätte.
    Rrrr!
    Zwei Stufen nehmend, ging ich wieder zur Wohnung hinauf und biss mir kräftig auf die Wange, als ich das Opfer wieder sah.
    ,, Nun, was haben Sie noch alles?"

    53
    (Das Kapitel findet ihr unter diesem Link:

    http://www.testedich.de/quiz46/quiz/1485954566/Moerder-und-Tod-FF

    oder bei meinem Profil bei "Quizzes über mich" unter "Mörder und Tod (FF+)"

    Fortsetzung findet ihr unter dem schon veröffentlichten Teil.)

    54
    (FBI) Dianas Sicht

    Meine Gedanken kreisten. Kreisten um die Frage in meinem Kopf, ob die jetzigen Beweise zutrafen. Die Aufzugstür glitt auf und ein ätzender Gestank stieg mir in die Nase. Ich rümpfte sie und ging mit beinahe schüchternen Schritt in die Richtung, aus der ich den beißenden Gestank vermutete. Beinahe hätte ich laut gelacht, als ich Ben zu einer schrägen Musik an einem Tisch hantierend und dabei tanzend sah… sehr ungeschickt tanzend. Der weiße Kittel schlang sich hier und da um seine Beine und seine Haare wippten auf und ab, als er heftig den Kopf wippte. Amüsiert über diesen Anblick trat ich zum Radio und drehte die Lautstärke runter. Mit einem erschrockenen Aufschrei, drehte Ben sich herum und fasste sich schnell an die Brust. Dabei rutschte der Atemschutz von seinem Gesicht und entblößte seine vor Scham geröteten Wangen.

    ,, Diana! Du… Ich… Das… Wir-“
    Er unterbrach sich von selbst, da nichts als lose Wörter seinen Mund verließen.
    ,, Schon gut, das kann unter uns bleiben.“
    Das breite Grinsen, welches sich auf mein Gesicht geschlichen hatte, konnte ich einfach nicht verbergen.
    ,, Ahm…“
    Kurz blinzelte er und räusperte sich.
    ,, Ben, was stinkt hier so?“
    Glücklich über diese Ablenkung lächelte er und deutete auf einige Gefäße und Chemikalien auf den Tisch. In den verschiedenen Gefäßen waren mehrere Beweise in Flüssigkeiten, mit denen ich nichts anzufangen wusste.
    ,, Nun, das sind Diana…“
    So sehr ich mich auch bemühte seinen Erklärungen zu folgen und alles in ein logisches Licht zu ziehen, verstand ich nur Bahnhof. Vermutlich sah ich auch nicht gerade verständnisvoll drein, denn nach dem dritten Anlauf mich einzuweihen, lächelte Ben sacht.
    ,, Im großen und ganzem sind das Beweise und ich versuche mehr über sie herauszufinden. Die vom letzten Opfer sind auch schon angekommen. Komm mit.“ Ich folgte ihm zum nächsten Tisch, auf welchem die Beweise ausgebreitet lagen. Er nahm den Schuh in die Hand und drehte ihn kurz.
    ,, Voller Abdrücke. Einer Sticht besonders hervor. Es gab einen halben Abdruck, der gerade durch die Maschine läuft und weitere sucht, die übereinstimmen könnten. Ich mache mir zwar nicht viel Hoffnung, aber ein halber Abdruck ist besser als keiner.“
    Er deutete auf einige Kleidungsstücke.
    ,, Ich habe Haare und Schuppen vom Täter finden können. Zwar war die Ausbeute rar, aber damit konnte ich unseren Verdacht bestätigen… Es wundert mich nur, dass Täter und Oper kein Geschlechtsverkehr hatten, was zuvor immer der Fall war. Dazu hat sich das Opfer gewährt. Leider gab es keine Kameras in der Nähe, oder irgendwelche Zeugen. Die Familie -“
    Ein Donnerschlag übertönte ihn und erschrocken zuckten wir zusammen.



    Martins Sicht

    Autsch!
    Ich zog schnell die Hand von meiner Wange, als ich über die vielen Kratzer strich, welche von einem Raubtier hätten stammen gekonnt. Ich verrieb das wenige Blut zwischen den Finger und war dankbar dafür, dass die meisten nicht mehr bluteten.
    Diese Frau…
    Ich schloss die Augen und sah das Bild vor Augen, als sie auf mich zugestürmt war und mein Gesicht mit ihren Krallen bearbeitet hatte.
    Wegen dieser… Leichen!
    Kurz ließ ich meinen Blick zum Rückspiegel gleiten und betrachtete mich.
    Als hätte sie sich in meine Wangen gekrallt, sie über meine Haut gezogen und dies immer und immer wiederholt… Hmm… War ja auch der Fall…
    ,, Hmpf…“
    Entnervt seufzte ich auf, als ich in den Himmel schaute und die verheißungsvollen Wolken betrachtete, die über der Stadt standen und in meine Richtung zogen. Ohne auf die Anzeige zu achten, trat ich das Gas durch und betete einfach stumm vor mich hin, dass man mich nicht blitzen möge. Ich ließ die CD laufen und lauschte den Abenteuern von der Hobbit.
    Gerade als sie den Wargs entkamen, musste ich die Scheibenwischer einschalten um wenigstens etwas von der Stadt zu erkennen. Während die Donnerschläge lauter wurden, kamen die Abenteurer im Gebirge an und die Steinriesen erwachten. Nicht einen Moment später verstand ich schon nichts mehr, schaltete das Radio aus und bemerkte am Rande meines Sichtfeldes das ständige Zucken der Blitze am Himmel.

    Vorne oder hinten…? Vorne… Dann komme ich schneller zur Tür und hinein…
    Da die Straßen wie tot waren, ging ich nur etwas vom Gas. Irgendetwas irritierte mich und so beugte ich mich über das Lenkrad und schaute in den Himmel. Irgendetwas fiel und landete vor mir auf der Straße.
    ,, Scheiße!“
    Ich trat voll auf die Bremse und Kupplung, doch mein Tempo ließ es nicht zu, dass ich direkt zum stehen kam und so fuhr ich über das Etwas, was vom Himmel gefallen war. Eine Gänsehaut schoss mir den Rücken hinab, als ich auf der nassen Straße quietschend zum stehen kam und nur den Regen auf den Scheiben und meinen schnellen Herzschlag im Ohr hörte. Zittrig schnallte ich mich ab, öffnete die Tür und stieg aus.
    ,, Oh…“
    Mir wurde schwarz vor Augen und schnell stütze ich mich am Auto ab, während ich eine lose Hand auf der Straße betrachtete.

    (Fortsetzung findet ihr unter FF(+) )

    55
    Seine Sicht

    Ich hätte gehen gesollt…. Ich war mir sogar sehr sicher und doch… und doch blieb ich hier und war durchnässt bis auf die Knochen. Das Gewitter war gegangen wie es gekommen war… plötzlich. Ich spürte die winzigen Wassertröpfchen auf meinen Wimpern. Spürte wie die Sonne auf mich schien und mir ihre Wärme spendete. Spürte ein Ziehen in meinen Armen und hob sie verwundert. Er hatte mich gekratzt… Ich hatte es nicht gespürt.

    Warum…?
    Sie waren tief und zahlreich. Bluteten etwas und sahen… scheußlich aus! Angewidert verzog ich das Gesicht, zog meine Ärmel hinunter und wurde durch die pochenden Schmerzen meiner Nase nur noch inniger an meine Situation erinnert.
    Es werden keine Narben bleibe… aber sie wird immer etwas krumm sein… immer.
    Ich ließ meinen Blick in die Tiefe schweifen und konnte, wo es nun endlich heller war, die Straße unten betrachten. Sah ein Auto quer auf der Straße und einen winzigen Punkt ein Stück weiter hinten. Menschen kamen wie aufgebrachte Ameisen aus den Gebäuden und mit einem zufriedenen Lächeln zog ich mich zurück.

    Ich saß auf meinem Platz, die Sachen waren wieder getrocknet, und betrachtete den leeren Stuhl vor mir, während ich meine Hände unterm Kinn gefaltete hatte. Das Gespräch mit diesem Lorenz Nardo O’Neal ging mir nicht aus dem Kopf und leise seufzte ich.

    Ich werde sie grüßen… sobald sich eine passende Gelegenheit ergibt und ich…
    ,, Riley!“
    Es war als hätte ihre scharfe Stimme mit dem leisen Touch der Verletzlichkeit mich geschnitten… geschnitten quer durchs Herz. Langsam hob ich meinen Blick und zuckte innerlich zusammen.
    ,, Komm mit… bitte.“
    Missbilligend musterte ich die dunklen Ringe unter ihren Augen. Las ihre Erschöpfung in den trockenen Augen und lauschte dem unterdrückten Gähnen.
    Schwach…
    Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte sie in meine starken, schützenden Arme genommen und sie behutsam in mein weiches Bett getragen.
    Verdammt!
    Beinahe hätte ich meine Zähne gebleckt und laut über mich geknurrt, doch ihr Anblick ließ keine Wut in mir zu. Nur… dieses unbeschreiblich widerliche und doch zugleich starke Gefühl.
    Reiß dich zusammen, das kannst du dir nicht leisten!
    Kaum merklich schüttelte ich meinen Kopf und erhob mich.
    ,, Nun, wohin möchtest du mich denn entführen?“
    Ich strich mit meinen Fingern über den Tisch und die Stuhllehne, während ich achtsam auf sie zuging.
    ,, Hinunter.“
    Die knappe Antwort überraschte mich, wo meine Diana doch so gesprächig war.
    Meine…
    Ich atmete tief ein und folgte ihr aus der Tür. Sofort spürte ich die Blicke ihrer Kollegen auf mir ruhen und interessiert musterte ich jeden einzelnen.
    Mehr als ich dachte… mehr als ich dachte…
    Der Schock stand in ihren Gesichtern geschrieben und fast jeder stank nach einem klitzekleinen Hauch von Angst. Doch es war mir egal. Meine Augen suchten etwas anderes… jemand anderes.
    ,, Hier lang.“
    Sie öffnete mir die Tür zum Treppenhaus und dicht folgte ich ihr hinab und atmete mit jedem Atemzug ihren Duft tiefer ein. Erinnerte mich daran, wie sie in meinem Haus geschlafen hatte und wie ich mich wie ein Verrückter auf das Bett gestürzt hatte, als sie gegangen war.
    Ich nehme mir meinen zustehenden Besitz.

    ,, Ist er es?“
    Martin, Diana und ein mir unbekannter Mann standen hinter diesem kalten Tisch, auf dem das Nichts lag, dem ich ein Ende bereitet hatte. Ich ließ mir Zeit mit dem Antworten. Warum hätte ich auch diesen Anblick nicht erstmal in mich aufsaugen gedurft? Mein Blick glitt rastlos über die Leiche und mit einem Schauer begutachtete ich mein Werk.
    Beinahe perfekt… dennoch nur beinahe.
    Meine wachsamen Augen blieben beim geschockten Gesicht hängen und beinahe hätte ich erfreut gegluckst. Langsam ließ ich meinen Blick zu Martin gleiten, um zu beobachten was dies mit ihm machte. Er sah recht mitgenommen aus. Machte einer lebenden Leiche alle Ehre. Mit Genugtuung hatte man mir mitgeteilt, dass er es gewesen war, der über mein Werk gestolpert war.
    ,, Er ist… oder zumindest war es.“
    Von jedem einzelnen der Drei wurde ich aufmerksam gemustert und zum ersten Mal war ich überfordert. Sie sahen mich an, als hätte ich etwas falsches getan… als würde ich etwas falsches tun. Aufmerksam betrachtete ich ihre Gesichter und schaute tief in ihre Augen und sah mich breit und zufrieden lächeln. Ein Lächeln was aus tiefen Herzen kam und ich somit nicht aufhalten konnte. Diana wäre einen Schritt zurückgetreten, wenn Martin sie nicht festgehalten hätte. Nichts entkam meinen Blicken und warnend schaute ich den anderen Mann an, der einen von diesen nervenden Kitteln trug.
    ,, Nicht anfassen.“
    Ich klickte missbilligend mit den Zähnen und sprach mit samtweicher Stimme zu ihm, als er mein Werk berühren wollte.
    ,, Aber-“
    ,, Ben... Nein.“
    Ben…
    Leicht neigte ich meinen Kopf und betrachtete Ben durchgehend.
    ,, Sagen Sie mir, Ben… Was haben Sie jetzt mit diesem Leichnam vor?“
    Er räusperte sich kurz und richtete sich auf, um meinen starrenden Blick standzuhalten.
    ,, Nun, ich werde den Leichnam gründlich untersuchen-“
    ,, Untersuchen? Gehen Sie etwa nicht von Selbstmord aus?“
    ,, Ich gehe von gar nichts aus, dennoch muss ich alles berücksichtigen und meine Aufgaben gewissenvoll erfüllen. Ich hoffe Sie verstehen das.“
    ,, Natürlich! Wenn es jemand verstehen kann, dann ich. Machen Sie nur Ihre Arbeit und sobald Sie etwas gefunden haben werde ich doch informiert, nicht wahr?“
    Meine Stimme hatte ungewollt einen scharfen Unterton angenommen und so erntete ich nur erneut wachsame Blicke.
    ,, Wo ich heute den ganzen Tag war? Nun, ich war hier und habe Konversation geführt.“
    Sie saß aufrecht mir gegenüber und musterte mich eingehend. Ihr Zopf löste sich und eine fettige Strähne hing ihr in der Stirn. Mühsam hielt ich mich zurück und faltete meine Hände.
    Bald… schon bald. Die Zeit vergeht und alles rückt näher.
    ,, Und mit wem?“
    ,, Mit einem gewissen Lorenz Nardo O’Neal, der meinte ich solle dich von ihm grüßen.“
    ,, Was?“
    Ihre Augen öffneten sich weit und ihre Pupillen wurden größer. Sie presste die flachen Hände auf den Tisch und starrte mich ungläubig an.
    ,, Wie sah er aus?“
    ,, Nun… große Ohren, fürchterlich kurze blonde Haare und einen roten Bart… Eine kräftige… muskulöse Gestalt und graue Augen… Sage mir… Wer ist er? Ich hatte das starke Gefühl ihn zu kennen…“
    ,, Das… es- Tut mir leid.“
    Sie sprang wie ein gejagtes Tier auf und stürmte aus der Tür. Nachdenklich blickte ich ihr nach und richtete meine Augen auf die laufende Kamera.
    Und der Antwort bin ich dennoch nicht näher gekommen…



    Dianas Sicht

    Das kann nicht sein!
    Ich stand vor meiner angelehnten Haustür und atmete zittrig ein.
    ,, Lorenz!“
    Ich trat durch die Tür und sah dieses zufriedene Grinsen.
    ,, Wie schön, er hat dich also gegrüßt.“
    ,, Arsch!“

    (Erinnerung findet ihr unter FF(+) )

    Fortsetzung

    Mit großen Schritten trat ich an ihn heran und trommelte auf seine Brust ein.
    ,, Arsch! Arsch! AR-“
    Er hielt meine Hände behutsam jedoch eisern fest und schaute leicht zu mir herunter.
    ,, Nun ist aber gut, du kleine Wilde.“
    ,, Grins nicht so!“
    Wütend zerrte ich an meinen Händen, während mein Unterbewusstsein sich schon einen Zopf gemacht, Boxhandschuhe angezogen hatte und von einem Bein auf das andere sprang.
    ,, Du gibst mir aber jeden Grund zu grinsen.“
    ,, Und du gibst mir jeden Grund dich zu beleidigen und zu schlagen!“
    ,, Ist das so?“
    ,, Ja!“
    Er ließ meine Hände los und machte eine traurige Miene.
    ,, Wie habe ich das geschafft?“
    Ich schnaufte schwer und zwang mich die geballten Fäuste zu sinken.
    ,, Du bist einfach gegangen! Von jetzt auf gleich warst du einfach in Schottland und hast mich alleine gelassen!“
    Tief seufzte er und betrachtete mich hilflos.
    ,, Ich habe dich nie alleine gelassen… Das hatte ich dir doch versprochen. Ich hatte doch gesagt, dass ich immer bei dir sein werde, aber nicht direkt bei dir sein kann…“
    ,, Da war ich neun! Das sind jetzt schon siebzehn Jahre her!“
    ,, Diana-“
    ,, Pscht!“
    Ich stapfte in die Küche und achtete nicht auf die zaghafte Schritte die mir folgten.
    ,, Ich habe dich aber besucht…und jetzt bin ich doch hier…“
    Ich drehte mich mit Tränen in den Augen zu ihm herum und verschränkte die Hände vor der Brust.
    ,, Und?“
    ,, Und ich werde bleiben…“
    Misstrauisch hob ich eine Braue und wischte mir diese dämlichen Tränen von den Wangen.
    ,, Wie kann ich mir da so sicher sein?“
    ,, Weil ich ab jetzt beim FBI tätig sein werde.“
    Das kann doch nicht…
    ,, In welchem Team?“
    ,, Ich… werde mein eigenes bekommen.“
    Seine zögerliche Stimme ließ mich aufhorchen und ich spitze die Ohren neugierig.
    ,, Und wen bekommst du alles?“
    ,, Ahm… Willst du nicht duschen oder so?“
    Ich verfinsterte meine Miene und zischte mahnend.
    ,, Wen!“
    Er strich sich über die kurzen Haare und trat nervös von einen Fuß auf den anderen.
    ,, Martin… Ben und nun ja… dich… aber erst wenn ihr den jetzigen Fall gelöst habt!“
    Kann das denn…!

    56
    Seine Sicht

    Er schrie er schrie er schrie er schrie und er schrie und schrie… Nicht er… es… Es schrie und schrie… Er… Es… Was schrie? Es… Er… Es… Er war mein Bruder… Es war ein Nichts… Nein… nein… nein!
    Ich hielt meinen Kopf und presste die Augen zu. Bewegte unablässig meine Lippen und murmelte zusammenhanglose Wörter vor mich hin.
    Er war so… Es war seine Schuld. Seine… Seine! Nichts. Nichts. Nichts… Er war mein Bruder… Nein… Nein! Ich wollte das nicht! Er… Es wollte es! Es war seine Schuld! Seine! Seine! Ich war nur der Henker! Es war meine Pflicht! Aber… es war er… Bruder… Nein... Still. Nichts… Bruder… Es.. Er… Still!
    Verständnislos schüttelte ich meinen Kopf und biss mir auf die Lippe.
    Warum nimmt es mich jetzt mit? Wieso…? Er war es und es ist Nichts. So gehört es sich… Das ist das Gesetzt und ich führe es nur aus. Ich muss es tun. So ist es richtig. Nur so… nur so…
    Ich atmete tief ein und leckte mir das Blut von der Lippe.
    ,, Alles hat seine Richtigkeit… Alles.“
    Ich wiederholte die Wörter immer wieder, als würden sie mir Bestätigung geben.

    ,, Wo bin ich hier?“
    Hastig hob ich meinen Kopf und hielt die Luft an. Lauschte auf die Stimmen und blinzelte ungläubig.
    Sprich… Sprich noch einmal!
    ,, Bring mich zurück!“
    Das kann doch nicht…? Nein.
    Leise stand ich auf, so als würde ich befürchten, dass sie mich hören würde.
    ,, Jetzt!“
    Ich riss die Tür auf und blinzelte ungläubig in das Gesicht meiner Mutter und das des verzweifelten Martins.
    ,, Was…“
    Ich ballte die Fäuste, packte Martin am Kragen und zog ihn zu mir herein.
    ,, Was sucht sie hier?“
    Wütend starrte er mich an und legte die Hand auf meine, welche weiter den Kragen gepackt hielt.
    ,, Ist das etwa eine ernstgemeinte Frage?“
    Ich zog ihn näher an mich heran und bleckte die Zähne.
    ,, Ja!“
    Grob löste er meine Hand und trat einen Schritt zurück.
    ,, Vernehmung.“
    Ich presste ihn gegen die Wand, als er an mir vorbeitreten wollte.
    ,, Das verbiete ich! Sie ist geistig krank und…“
    Und eine miserable Mutter…
    ,, Und nicht zurechnungsfähig.“
    ,, Das werde ich wohl selbst herausfinden und jetzt…“
    Grob stieß er mich weg und trat zur Tür.
    Noch nicht…
    Ich stieß zittrig den Atem aus und folgte ihm Schritt für Schritt.
    Meine Mutter stand weiter vor der Tür und zitterte am gesamten Körper. Musterte mich, als wäre ich eines dieser Raubtiere im Zoo, welches die Zähne bleckte und viel Aufstand um nichts machte.

    ,, Mutter…“
    Sprich… Bitte sprich…
    Man konnte förmlich sehen, wie sie in sich zusammensank und nur noch dieses Häuflein Elend war. Zu nichts fähig und zu nichts zu gebrauchen.
    Wieso?
    ,, Kommen Sie.“
    Ungläubig und zutiefst enttäuscht, beobachtete ich, wie Martin meine Mutter den Gang entlang führte und in einen der Räume brachte.
    Nun…
    Ehe ich es mich versah, saß ich wieder im Raum und betrachtete ein mir fremdes Gesicht desinteressiert und achtete nicht auf die Fragen und Beschuldigungen. War mit den Gedanken woanders.
    Wie war das noch einmal? Er…
    Ich schloss die Augen und blendete eine weitere Beschuldigung aus.
    Er hat sie geschlagen… Einmal… Sie hat meinen Namen geschrien… Und ich… Ich…?



    Martins Sicht

    ,, Wissen Sie, wer all die Leichen ermordet hat?“
    Ich beobachtete sie aufmerksam und versuchte das Bild ihres toten Sohnes und die Erschöpfung zu verdrängen. Es kam keine Reaktion.
    ,, Wissen Sie, wer Ihren Mann ermordete?
    Keine Reaktion.
    ,, Wissen Sie, wer Grund hätte… Ihren Sohn zu ermorden? Wissen Sie, was Riley-“
    Ich horchte auf, als sie die Lippen bewegte und leise wisperte, zu leise.
    ,, Wie bitte?“
    Ich sah auf ihre Hände, welche sich wieder unaufhörlich bewegten.
    ,, Rauf und runter…“
    Nicht schon wieder. Dafür fehlen mir die Nerven…
    ,, Wir wissen, dass Ihr Sohn ein Mörder ist.“
    Ihre Hände wurden langsamer und ich wusste, dass ich den richtigen Punkt getroffen hatte.
    ,, Wir wissen ebenfalls, dass Riley Frauen gefoltert und ermordet hat.“
    Ihre Hände glitten vom Tisch und spielten mit der Jacke.
    ,, Und wir wissen, dass Riley Ihren Sohn getötet hat, welcher meinte, dass Riley auch Ihren Mann getötet hat. Wir haben Beweise und die Aussagen Ihres verstorben Sohnes. Wir haben alles, um Ihren Sohn festzunehmen.“
    ,, Und wieso tun Sie das dann nicht?“
    Ihre Stimme war von den verschiedensten Gefühlen erfüllt und die Augen voller Mütterlichkeit.
    Diana…
    ,, Wissen Sie, wer all die Leichen ermordete?“
    ,, Sie müssen wieder zurückgebracht und vergraben werden. Sie müssen!“
    ,, Wieso? Wieso müssen sie wieder vergraben werden?“
    ,, Bitte…“
    ,, Wieso?“
    ,, Sie gehören meinem Mann.“
    Jetzt kommen wir der ganzen Sache doch schon etwas näher.
    ,, Also hat Ihr Mann all die Menschen ermordet? Warum?“
    Sie sank in sich zusammen und murmelte hastig etwas vor sich her und fuchtelte wild mit den Fingern. Sie achtete gar nicht mehr auf mich.



    Seine Sicht

    ,, Nein! Nein, bitte!“ Sie kreischte… Kreischte und dann…
    Ich kniff meine Augen fest zusammen und versuchte all die winzigen Puzzleteile zusammenzusetzen.
    Trampelnde Schritte und eine heisere Stimme die laut brüllte… Das laute Splittern von Glas…
    Jemand räusperte sich und unsanft wurde ich aus meiner Konzentration gerissen. Perplex blickte ich Martin entgegen, welcher mich abschätzend musterte.
    Wie viel Zeit ist vergangen? Ich muss gehen… Die Schafe müssen gerichtet werden… Ich muss…
    ,, Riley… Ihr Vater… Hat er gemordet?“
    Reiß dich zusammen… Es ist alles gut… Du hast dein Schaf… Deine Schafe. Sie sind nur im falschen Stall… Ich muss sie in meinen bringen… Muss. Es ist zu lange her…
    Erneut räusperte er sich und ich zuckte zusammen.
    Eine Maske… Irgendeine Maske.
    Ich atmete tief ein und leckte mir die trockenen Lippen.
    ,, Dies hat er getan…“
    Ja… Es ging um Leichen… Sie kreischte… Und ich…?
    ,, War meine Mutter gesprächig?“
    ,, Nun… Auf ihre Art und Weise schon… denke ich.“
    Sie war mal gesprächig… Sie hat gesungen. Nur für mich gesungen… Warum hat sie das nicht mehr getan?
    ,, Riley…“
    Ich zuckte mit der Nase und schaute wieder auf.
    Meine Schafe… Jetzt… Nein… Jetzt ist es zu früh… Ich warte… warte schon so lange… Etwas mehr Geduld… Nur noch ein bisschen mehr Geduld.
    ,, Ja?“
    Ganz langsam werde ich es machen… Ich will es genießen.
    ,, Haben Sie Ihren Vater getötet?“
    ,, Nein, das habe ich nicht.“
    Ich töte nicht! Nie! Was für eine Beleidigung! Ich erlöse und töte nicht! Ich bin kein Mörder! Ich bin nur der Henker!
    Ich presste meine Lippen zu einem schmalen Strich zusammen und nahm mit einem Schnauben das Pochen der Nase zur Kenntnis.
    ,, Mein Vater hat gemordet. Mein Bruder hat gemordet. Und ich-“
    ,, Was?“
    Ich schüttelte den Kopf und lachte.
    ,, Und ich habe nie in meinem ganzen Leben getötet. Nie!“
    Sein Gesichtsausdruck verriet, dass ich ihm an die letzten Nerven ging und mein Lachen die ganze Situation ins lächerliche zog.
    ,, Du bist verrückt, Riley.“
    Und wieder beim bekannten DU!
    Ich gluckste und betrachtete ihn amüsiert.
    ,, Vielleicht mag ich verrückt sein, jedoch nur für die, die mich und mein Wesen nicht verstehen.“
    ,, Wir werden dich hierbehalten.“
    ,, Aus welchen Gründen?“
    ,, Wegen Mordes.“
    Mordes… Wegen Gerechtigkeit!
    Ehe ich etwas sagen konnte, war er schon durch die Tür geflüchtet.
    Eine Tür knallte… Meine kleine Händchen umfassten das Bein des Tisches und jemand weinte…

article
1483177355
Mörder und Tod! (FF)
Mörder und Tod! (FF)
Begebt euch in die Welt eines Mörders.......
http://www.testedich.de/quiz45/quiz/1483177355/Moerder-und-Tod-FF
http://www.testedich.de/quiz45/picture/pic_1483177355_1.jpg
2016-12-31
40J0
Horror, Krimi

Kommentare (50)

autorenew

KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 18 Tagen
Oh, ich denke, das ist eindrücklich. 😂

Das ist ein schönes Zitat: “Ich bin kein Mörder. Ich bin der Henker.“ Könnte man eine Philosophiearbeit drüber scheiben. 😏
Alpha ( von: Alphawölfin)
vor 18 Tagen
Siehe Link, Rabbit. So ungefähr, aber vielleicht noch etwas gesünder. 😂

https://pixabay.com/de/faulen-tomate-mittelwert-w%C3%BCtend-148357/
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 41 Tagen
Jetzt frage ich mich, wie Tomaten aussehen, wenn sie wütend sind.😏)
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 43 Tagen
Eher weniger. ^^"
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 43 Tagen
Seine Nas.e wird nie wieder dieselbe sein. 😢
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 44 Tagen
Allerdings. 😂
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 65 Tagen
Tja, in diesem Sinne ist Ohnmacht doch etwas schönes😂
Alpha ( von: Alphawölfin)
vor 65 Tagen
Tja ja. So ist das Leben eben. Es passieren Dinge genau dann, wenn man es nicht erwartet.
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 65 Tagen
Oh man ... da hört man ganz gemütlich Hobbit und dann sowas😫
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 68 Tagen
Riley ist eben... Riley. XD ^^
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 88 Tagen
(Wie eine Filmszene. ⚡)
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 88 Tagen
(Das ist irgendwie amüsant. Rileys Laune ist wie Schüttelfrost. 😂 👌)
Alpha ( von: Alphawölfin)
vor 88 Tagen
Das ist vom Vorteil.^^ Danke.
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 109 Tagen
Wahh... Die Spannung hält sich. Sehr gut geschrieben, die Bilder waren da. 😊)
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 119 Tagen
Danke.^^
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 137 Tagen
Andree nicht, er schmeißt sie auf Vögel 😂 Sehr gut!
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 138 Tagen
“Ich sage dir ja, Id.iote.n überrumpeln mich immer, weil ich sie nicht begreife.“
-Nacht über der Prärie, L. Welskopf
Alpha ( von: Alphawölfin)
vor 138 Tagen
Weis.e gewählt, Sherlock. ^^
KillerRabbit ( von: KillerRabbit)
vor 152 Tagen
“Aus Erde konnte man einen Umschlag machen, der das Fieber kühlte. Man konnte Samen in die Erde stecken und Getreide auf ihr wachsen lassen, um seine Kinder zu füttern. Erde konnte einen ernähren, während das Feuer einen verzehrte, dennoch würden sich Narren und Kinder und junge Mädchen stets für das Feuer entscheiden.“

-Das Lied von Eis und Feuer, George Martin
Alpha ( von: Alphawölfi)
vor 162 Tagen
Thx. ^-^

(xD Nun, ich habe geschätzt fünf Anläufe gebraucht, um mir den Film ganz anzusehen, weil alle behauptet haben, der Film sei so... großartig... Ich fand ihn sehr ermüdend und enttäuschend. ^^´)