Reign - Love me like you do

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18 Kapitel - 44.757 Wörter - Erstellt von: Guren - Aktualisiert am: 2017-03-31 - Entwickelt am: - 3.396 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 20 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 5 Personen gefällt es

„Königreich Preussen. 1554.“ Versucht mein Tanzpartner mir auf die Sprünge zu helfen.
Erschrocken weite ich meine Augen… für jede normale Frau wäre dieser Ort und diese Jahreszahl nichts Besonderes, aber ich weiss ganz genau was für eine wichtige Bedeutung sie haben.
„Bash?“ nuschle ich schüchtern und kann kaum glauben wen ich vor mir habe.
Unerwartet drückt er mich plötzlich an sich: „Du erinnerst dich.“

    1
    Ankunft der Königsfamilie In Gedanken vertieft sitze ich auf einer dunklen Holzbank am Rande der riesigen Palastgärten unseres Reiches. Unser Reich
    Ankunft der Königsfamilie

    In Gedanken vertieft sitze ich auf einer dunklen Holzbank am Rande der riesigen Palastgärten unseres Reiches.
    Unser Reich hat viel zu bieten, vor den grossen Steinmauern welche das Leben in der Stadt sichern, zieren prächtige Weinberge und urige Bauernhöfe das Landschaftsbild.
    Saftige Wiesen erstrecken sich unter den Schlossgärten.
    Mein Blick hängt an den leicht verwelkten Blütenblättern einer blauen Rose, welche sanfte violette Schatten an ihren Blütenblättern hat.
    Sie ist so einzigartig auf dieser verfluchten Welt, genauso wie es unser Land ist.
    Ich lebe im Königreich Lublin oder anders gesagt in der polnisch – litauischen Adelsrepublik.
    Da das Grossfürstentum Litauen im Livländischen Krieg gegen Russland am Rande einer militärischen und politischen Katastrophe stand und einen engeren Schulterschluss mit dem polnischen Königreich suchte, taten sich die beide Reiche zusammen.
    Deshalb begann die Karriere unseres Königs unter denkbar schweren Umständen.
    Sein Vater wurde von gnadenlosen Attentätern getötet als König Radovid noch ein Kind war.
    Obwohl seine Mutter versuchte eine gute Regentin zu sein, mussten die beiden tatenlos mitansehen wie das Land von rivalisierenden Adligen aufgeteilt wurde.
    Doch der junge Radovid wuchs zu einem sehr starken und energischen Mann heran.
    Daher bekam so manch Adliger einen Schock, als der junge König zu seiner Volljährigkeit den Thron bestieg und die Alleinherrschaft über das Land an sich riss.

    Ich muss zwei Mal hingucken, jedoch verrät das etwas freizügigere Kleid meine jüngere Schwester, die elegant auf mich zu gelaufen kommt.
    Mir fallen die gierigen Blicke der Leibeigenen des Königs auf während Adda durch den Palastgarten spaziert.
    Ihre goldenen Locken fallen locker über ihre dürren Schultern.
    Sie trägt ein königblaues Kleid mit einem tiefen Ausschnitt, was nur noch mehr Blicke auf sie zieht… aber so mag es meine jüngere Schwester eben.
    Freudig setzt die Blondine sich neben mich und richtet ihre pechschwarzen Augen auf mich.
    Adda und ich sehen uns überhaupt nicht ähnlich, da wir verschiedene Mütter haben, was jedoch keine Seltenheit in diesen Zeiten ist.
    Auch wenn ich sie zuerst ziemlich herabfallend behandelte und sie ignoriert habe, habe ich sie dennoch lieb gewonnen.
    „Wie geht es dir?“ fragt sie mich so gleich mit einem aufrichtigen und zuckersüssen Lächeln.
    Ich denke nicht gross über meine Antwort nach, denn es ist sowieso ständig dieselbe: „Wie es einem hier zu ergehen hat.“
    Ich denke meine Schwester weiss ganz genau, dass ich nicht besonders glücklich über dieses Leben bin, doch ich habe gelernt meine Gefühle zu verbergen… und das ist auch gut so.
    Es bringt weniger Probleme mit sich, wenn man einfach strahlend durchs Leben geht… auch wenn man tief im inneren verletzt und traurig ist… so erspare ich mir die nervige Fragerei über mein Befinden.
    Das Lächeln von Adda schwindet, erhellt jedoch wieder als sie vor dem bevorstehenden Ereignis beginnt zu schwärmen: „Heute ist es endlich soweit! König Francis und Königin Mary kommen unser Land besuchen.“
    Voller Begeisterung plappert das junge Mädchen unaufhörlich weiter und weiter, wobei ich ihr schon lange nicht mehr zu höre.

    Lange, schimmernde braune Haare fallen offen über meinen freien Rücken.
    Grosse smaragdgrüne Augen blicken mir im Spiegel entgegen, sie sind das dominierende Merkmal in meinem Gesicht mit dem schmalen Kinn und der kleinen Stupsnase.
    Plötzlich werde ich durch ein Klopfen an der Tür von meinem Gemach unterbrochen.
    Seufzend erhebe ich mich und begebe mich zur grossen Tür.
    „Seid ihr fertig?“ vernehme ich sogleich mir eine nur allzu bekannte, raue, männliche Stimme.
    Zwei dunkelbraune Augen beäugen mich fragend und freudig zu gleich.
    Es ist Ritter Kiril, ein charmanter und treuer Ritter unseres Königs.
    Ausserdem gehört er zu jenen seltenen Rittern, welche noch ziemlich albern und humorvoll sind.
    Kiril hat etwas längeres, rabenschwarzes Haar, welches ihm leicht ins Gesicht fällt und einen kurzen Bart welcher ihn äusserst attraktiv macht.
    „Bald, gebt mir noch einen Moment.“ Antworte ich ihm und gewähre ihm Einlass in mein schön eingerichtetes Gemach.
    Ich greife nach einer golden, verzierten Haarspange und setze sie in mein Haar, welche ich so ein wenig nach hinten binde.
    Ich halte inne und betrachte mich schweigend im Spiegel… wie sehr mich die Zeit in meinen jungen Jahren doch verändert hatte.
    Früher trug ich ein zerrissenes, altes Kleid besser gesagt einen Lumpen und lebte in armen Verhältnissen bei meiner Mutter in einem heruntergekommenen Haus.
    Wir lebten ausserhalb der Stadt auf dem Land und besassen etwa 20 Schafe und ein Pferd.
    Auch wenn wir nichts hatten, fühlte ich mich glücklich und vollkommen, denn wir hatten uns.
    Da mein Vater ein Adliger ist, lud er mich eines Tages an den königlichen Hof ein, und so kam eines zum anderen.
    „Ihr seht bezaubernd aus.“ Holt mich Kiril aus meinen Gedanken.
    Ich drehe mich ihm zu und lächle den jungen Ritter schwach an.
    Er weiss wie ich mich fühle und versucht mich stetig auf zu heitern.
    Wir freundeten uns schnell an und verstehen uns einfach blendend.
    Doch schon bald merkten wir dass es nicht nur eine wahre Freundschaft ist.
    Uns verbindet eine eher unerwünschte Liebe… denn wir beide wissen, dass der König niemals eine Liebschaft zwischen uns erlauben wird.

    Gemeinsam gehen wir durch die grossen, beleuchtenden Bogengänge des Schlosses.
    Dunkle Fackeln hängen an den steinigen Mauerfassaden, hier und da hängt das Wappen unseres Reiches.
    Ein weisser, prachtvoller Adler auf feuerrotem Untergrund.
    Wir begeben uns in die goldene Halle.
    Viele Leute sind bereits versammelt und stellen sich der Königsfamilie aus Frankreich vor.
    Kiril und ich stellen uns hinter die Schlange und warten darauf, das junge Königspaar begrüssen zu dürfen.
    Ich beäuge sie aus der Ferne und stelle fest, dass sie genau wie unser König noch ziemlich jung scheinen… ungefähr in meinem Alter dürften die beiden sein.
    Mein Herz beginnt schneller zu pochen und meine Nervosität steigt, denn es ist immer etwas Besonderes einem mächtigen Herrscher oder einer berühmten Persönlichkeit gegenüber zu stehen.
    Obwohl ich schon mehrere Könige kennengelernt habe, ist es diesmal anders.
    Normalerweise spielt es für mich keine grosse Rolle welchen Herrscher ich vor mir habe, doch jetzt achte ich genau darauf, wie ich mich ihm präsentiere.
    Es ist soweit… ich stehe mit weichen Knien vor König Francis und seiner Königin Mary.
    „Eure Majestät.“ Grüsse ich die beiden und mache einen tiefen Knicks.
    Ein Glück kann ich mein, bestimmt ziemlich rotes Gesicht, einen kurzen Moment vor ihm verbergen.
    Ich bleibe in der Haltung, bis mich der König auffordert mich zu erheben.
    „Das ist Lady Anais. Sie ist eine der Hofdamen an meinem Hof.“ Stellt mich Radovid den beiden vor.
    Während mich die junge Königin etwas überheblich mustert, sehen mich die Augen ihres Ehegatten mit viel Offenheit und Wärme an.
    Ich muss mich sammeln um nicht in seinen Meerblauen Augen zu versinken.
    „Ein französischer Name?“ richtet sich der blonde König unerwartet an mich.
    Völlig perplex starre ich ihn an, da ich mit einer Frage seiner Seitz nicht gerechnet habe.
    Ich nicke zustimmend und antworte: „Meine Mutter stammt aus Frankreich. Ich selbst bin jedoch noch nie dort gewesen.“
    „Nun vielleicht dürft ihr König Radovid eines Tages zu einem Besuch begleiten.“ Schmunzelt der französische König.
    Durch einen strengen Blick von meinem Herrscher hingegen, werde ich gezwungen mich zu setzen, ohne darauf Antworten zu können.
    Während ich mich neben meine Schwester setze, spüre ich deutliche Blicke auf mir ruhen.
    Es sind zwei helle, blasse grün-blaue Eiswürfel welche mich fest fixiert haben.
    Er gehört ebenfalls zu den Adligen aus Frankreich… doch ich kann mir nicht erklären, wieso er mich so durchdringend anstarrt.
    Mit mulmigem Gefühl versuche ich der Unterhaltung zu zuhören und versuche seinen undefinierbaren Blicken auszuweichen.

    Nach ein paar Gläsern exquisitem Wein sind mir die störenden Blicke gleichgültig geworden.
    Laute und festliche Musik dringt in meine Ohren, wodurch ich und die Gäste ausgelassener werden und beginnen zu tanzen.
    Ein Ritter nach dem anderen, bittet eine Adlige um einen Tanz.
    Ich wünsche mir entweder von Kiril oder Finn aufgefordert zu werden, da ich mich mit beiden ausgezeichnet verstehe, aber die beiden Brüder sind mit angeberischem Gerede mit den französischen Rittern beschäftigt.
    Ich kichere leise in mich hinein und verdrehe meine Augen… das ist doch mal wieder typisch für die beiden.
    Ich seufze gelangweilt auf und lasse meinen Blick durch die pompöse Halle schweifen.
    Adda amüsiert sich strahlend mit einem französischen Ritter, welcher die Augen nicht mehr von ihr lassen kann.
    Das zierliche Mädchen wird schwungvoll hin und her gewirbelt, doch es macht ihr sichtlich Spass.
    Teilnahmelos nippe ich an meinem nächsten Glas.
    „Darf ich um diesen Tanz bitten?“ vor mir steht jener Mann, welcher mich vorhin intensiv beobachtet hat.
    Irritiert und verunsichert schaue ich mich hilfesuchend um, zu meinem Leiden sind jedoch alle an unserem Tisch anderwärtig beschäftigt.
    Erneut sieht er mich an, als könne er in meine Seele sehen.
    Ich mustere den Unbekannten genauer, sein kürzeres, kastanienbraunes Haar steht ihm leicht nach vorne ab, er ist gross und hat einen gutgebauten Körper.
    Alles in allem sieht er ja schon ziemlich gut aus… und das Bankett ist schrecklich langweilig… wieso sollte ich diese Gelegenheit also ausschlagen?
    Zögernd ergreife ich seine grosse Hand, als ein langsameres Lied angestimmt wird.
    Seine andere Hand legt er sanft an meine Taille, während seine Augen an meinem Gesicht kleben.
    „Ihr kommt mir bekannt vor my Lady.“ Unterbricht er das unangenehme Schweigen zwischen uns.
    Seine männliche Stimme jagt mir einen Schauer über den Rücken.
    Diese Stimme… kommt mir wirklich vertraut vor… sie hat einen wiedererkennungswert.
    „Da liegt ein Irrtum vor. Wir kennen uns nicht.“ Erwidere ich trotzdem mit monotoner Stimme und lehne mich sachte gegen seine Schulter, da die Musik noch ruhiger und romantischer wird und wir ja nicht aus der Reihe tanzen wollen.
    „Seit nicht albern… eure Augen, euer Gesicht würde ich überall wiedererkennen.“ Spricht er weiter.
    Seine Stimme ertönt direkt neben meinem Ohr, sowie auch der Hauch seines warmen Atems auf meinem Nacken.
    Ich versuche mich nicht noch mehr verunsichern zu lassen und denke über seine Worte nach.
    Wo sollte ich ihm bitte begegnet sein?
    „Königreich Preussen. 1554.“ Versucht mein Tanzpartner mir auf die Sprünge zu helfen.
    Erschrocken weite ich meine Augen… für jede normale Frau wäre dieser Ort und diese Jahreszahl nichts Besonderes, aber ich weiss ganz genau was für eine wichtige Bedeutung sie haben.
    „Bash?“ nuschle ich schüchtern und kann kaum glauben wen ich vor mir habe.
    Unerwartet drückt er mich plötzlich an sich: „Du erinnerst dich.“
    Ich schlucke… ich erinnere mich nicht nur, sondern habe ihm auch noch etwas zu beichten.

    2
    Stimmen der Vergangenheit Ich löse mich von dem gutaussehenden Mann und mustere ihn von oben bis unten. Die Zeit hat auch an ihm genagt und ihre Spur
    Stimmen der Vergangenheit


    Ich löse mich von dem gutaussehenden Mann und mustere ihn von oben bis unten.
    Die Zeit hat auch an ihm genagt und ihre Spuren hinterlassen.
    Es ist fast vier eisige Winter her, seit wir uns das erste Mal begegnet sind.
    Es war ein Hofbankett für Adlige im Königreich Preussen, zu welchem mich mein Vater mitgenommen hatte.
    Früher hasste ich Bankette… enge Klamotten, jeden muss ich anlächeln und mich an seichten Konversationen beteiligen.
    Bash ging es damals gleich wie mir, also schlichen wir uns heimlich und ungesehen davon.

    *Flash back*

    Es ist ein wolkenbedeckter Nachmittag.
    Kaum ein Sonnenstrahl kann sich seinen Weg durch die dicke, graue Wolkendecke bahnen.
    Ich musste meinen Vater zu einem Hofbankett ins Königreich Preussen begleiten.
    Doch er hatte eine wichtige Angelegenheit, mit wichtigen Adligen zu klären, weshalb er mich alleine lies.
    Er untersagte mir jegliche Abenteuer… Jedoch war ich schon immer ein neugieriges und abenteuerliches Kind gewesen und man konnte mich nur schwer von meinem Vorhaben abhalten.
    Ich sah den Jungen und seinen Vater schon von weitem wie sie sich unterhielten.
    Eigentlich dürfte ich mich gar nicht hier aufhalten, denn dies ist ein abgesperrter Bereich nur für den ganz hohen Adel und die Königsfamilien.
    Leise lausche ich dem Gespräch und verstecke mich hinter einer riesigen Steinstatue.
    Plötzlich verschwindet der Vater des Jungen.
    Alleine und mit gesenktem Kopf sitzt der Junge da und wartet während er auf eine kleine Taschenuhr starrt, welche ihm sein Vater gegeben hat.
    Ich kichere etwas um geschickt seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken.
    Überrascht blickt der Junge in meine Richtung.
    „Willst du da einfach sitzen bleiben? Komm schon!“ rufe ich ihm zu und trete hinter der mächtigen Steinstatue hervor.
    Der Junge erhebt sich abrupt von dem roten Sessel und folgt mir ohne zu zögern.
    Ein junges Mädchen wird ihn wohl nicht gleich vergewaltigen.
    Ich renne durch den geräumigen Palast, während der braunhaarige Junge mir auf Schritt und Tritt folgt.
    Hier und da treffen wir auf einige Adligen, welche uns aber ignorieren, da sie mit wichtigeren Dingen beschäftigt sind.
    Mit meinem langen Kleid und meinen etwas höheren Schuhen ist das rennen allerdings gar nicht so einfach.
    Als ich gerade in den nächsten prunkvoll ausgestatteten Raum stürme, überrumple ich beinahe einen Bediensteten der gerade warmes Essen auf einem Silbertablett serviert.
    Ich atme erleichtert aus, dass sich keine Kollision ergab, allerdings hat mein Verfolger da weniger Glück.
    Ein lautes Klirren ertönt, was durch den gesamten Raum schallt.
    „Mein Spanferkel!“ flucht der Bedienstete und sammelt das heruntergefallene Essen zusammen.
    Das ganze Ferkel, der rote Apfel und die mühsam dazu gelegten Beilagen liegen alle verstreut auf dem schönen türkisfarbenen Teppich.
    „Haltet sie auf!“ ruft ein weiterer Bediensteter.
    „Denkt nicht im Traum ans Abhauen!“ brüllt eine andere grobe Stimme.
    Der Junge und ich lassen uns dadurch nicht weiter aufhalten und eilen stürmisch weiter.
    Hoffentlich holen die Leibeigenen des Königs keine Wachen und hetzen sie auf uns.
    Ich renne ins Freie und wir kommen in einen schönen Innengarten.
    Hohe, grüne Hecken verdecken in der Mitte einen Holzpavillon.
    In der Mitte befindet sich ein Holztisch mit einem roten Tischtuch gedeckt.
    Darauf steht eine goldene Schale mit saftig aussehenden Äpfeln.
    Aufs Kommando beginnt mein Magen zu knurren.
    Schnaufend und dennoch lächelnd blicke ich zu dem Jungen mit den blau-grünen Augen.
    „Ich wette du klaust keinen!“ provoziere ich ihn und greife mit meiner flinken Hand schnell nach einem Apfel.
    Reizend beisse ich vor ihm in den leckeren Apfel.
    Selbstverständlich stiehlt der Braunhaarige ebenfalls einen saftigen Apfel.
    Jedoch haben wir nicht auf umher streifende Wachen geachtet: „Dieb! Leg ihn zurück!“
    Nervös schauen wir uns um, von welcher Seite die Stimme der Wache kam.
    Rasch verstecken wir uns hinter einer Hecke.
    Wir gehen in die Hocke und warten bis der Wachmann an uns vorbei geht.
    Intensiv schauen wir uns gegenseitig in die Augen und ich fühle plötzlich ein glückliches Gefühl in mir aufsteigen.
    Doch die Zeit drängt… es könnten jeden Moment hier nur so vor Wachen wimmeln.
    „Schnell hier entlang!“ sage ich schnell und ziehe den Jungen weiter mit mir.
    Einige Zimmer weiter, halte ich hinter einer weissen Säule an.
    Endlich sind wir ungestört.
    Ich beginne lebhaft über das Geschehene zu lachen und stecke den Jungen ebenfalls an.
    „Ich bin Bash.“ Stellt sich mir der braunhaarige unerwartet vor.
    Seine wundervollen Augen glitzern mich freudig an.
    „Anais.“ Stelle auch mich ihm höflich vor.
    Zwischen uns scheint sich langsam ein Gespräch zu entwickeln: „Ich begleite meinen Vater.“
    „Genau wie ich. Wichtige Geschäfte mit dem König.“ Offenbart er mir.
    Sein Vater muss wohl zu den hohen Adligen gehören.
    Ich wollte gerade etwas weiteres erzählen als plötzlich mein Vater neben uns steht: „Hier treibst du dich rum. Wir müssen los, bald fängt der Ball an.“
    Leicht enttäuscht verabschieden Bash und ich uns voneinander.
    Es war eine schöne Abwechslung mit ihm und ein guter Zeitvertreib.

    Lauter Feuerwerk wird in den Himmel geballert.
    Wunderschöne Muster bilden sich am schwarzen Nachthimmel und verblassen sogleich wieder.
    Auch wenn es schön anzusehen ist, so habe ich bereits kalte Arme, weshalb ich mich entscheide ins Innere des Palastes zu gehen.
    Der Klang festlicher Musik erklingt in meinen Ohren, Gerede und Gelächter sind zu hören.
    Viele hochangesehene Menschen haben sich in einem grossen, edlen Saal versammelt.
    Einige Tanzen bereits, andere stehen herum und gönnen sich ein alkoholisches Getränk.
    Ich zwänge mich durch die Menschenmenge, als ein mir unbekannter Mann den Weg versperrt: „Beehrt ihr mich um diesen Tanz junge Dame?“
    Mit einem charmanten Lächeln versucht der attraktive Mann vor mir mich um den Finger zu wickeln… aber meine Aufmerksamkeit gilt bereits jemand anderem.
    Lässig an der Wand gelehnt, mit einem Glas rotem Wein in der Hand, entdecke ich Bash.
    Seine Augen hängen ebenfalls an mir und erwartet auf meine Reaktion.
    „Danke. Ein andermal.“ Lehne ich ab und blicke über die Schulter des Mannes zu Bash.
    Verführerisch lächle ich ihn an und verschwinde absichtlich in der grossen Menschenmenge.
    Bestimmt ärgert sich der braunhaarige darüber, aber ich bin mir sicher, dass er mich nicht so einfach davon kommen lässt.
    Über einen roten Teppich mit golden verzierten Rändern, begebe ich mich zum hintersten Ende des grossen Saals.
    Ich mache auf unnahbar… denn ich habe Bash ja bereits gesehen, doch der Junge soll her kommen und mit mir spielen.
    Hübsche Frauen machen dies eben manchmal gerne, doch oft auch nur als Show.
    Unter einem Torbogen stoppe ich und halte Ausschau nach meinem Verfolger.
    Wie erwartet folgt er mir, also mache ich grössere Schritte.
    „Du lässt dich wohl gerne jagen.“ Höre ich seine Stimme hinter mir.
    Ich renne noch schneller und verstecke mich im nächsten Raum.
    Still warte ich ab, bis ich Bashs Schritte vernehme.
    Gerade als er an mir vorbei will, greife ich nach seiner Hand und ziehe ihn in den verlassenen Raum.
    „Du hast heute einen ganz schönen Aufruhr verursacht.“ Flüstere ich grinsend und gehe elegant um den jungen Mann herum.
    Bash grinst mich ebenfalls an und kontert: „Was soll ich sagen? Du warst stets ein schlechter Einfluss.“
    Mit einer leichten Handbewegung stösst Bash hinter sich die weisse Tür zu.
    „Du warst noch schlechter.“ Gifte ich ihn spasseshalber an.
    Langsam kommt er mir immer näher und ich spüre die undefinierbare Wärme in mir aufsteigen.
    Verlangend sieht er auf mich herab während er mich langsam an eine Wand drängt.
    Ich bewege mich langsam einige Schritte nach hinten, bis ich mit meinem Rücken an der Wand aufpralle.
    Das Lächeln des Braunhaarigen wird breiter und dreckiger.
    Ich kann mir denken was er vor hat…doch ich fürchte mich nicht und aus einem mir unbekannten Grund fühlte ich mich bereits heute Nachmittag zu ihm hingezogen.
    Sachte hebt er mein schmales Kinn mit seiner grossen Hand an.
    Ich fühle sein warmen Atem auf meiner Haut und merke wie er sich meinem Gesicht nähert.
    Zaghaft und bedacht legt er seine weichen Lippen auf meine.
    Viel zu schnell löst er den Kuss wieder auf und sieht mich verunsichert an.
    Anscheinend fürchtet er, dass es mir nicht gefällt, weshalb ich auf meine Zehenspitze stehe und ihn in einen viel leidenschaftlicheren Kuss verwickle.
    In dem Moment wird ihm klar, dass wir beide dasselbe wollen.
    Elegant schlinge ich meine Arme um seinen Hals während er seine linke Hand in meinem Haarschopf vergräbt und mich fester an sich drückt.
    Ich spüre wie sich sein Atem beschleunigt.
    Unerwartet werde ich schwungvoll hoch gehoben und sanft wieder auf den Boden gelegt.
    Bash beugt sich über mich und beginnt feurig meinen Hals zu liebkosen.
    Meine Haut beginnt an jeder Stelle welche er liebkost zu prickeln.
    Langsam fährt er mit der einten Hand mein Bein hoch und runter.
    Weitere Gefühle der Lust überkommen mich als ich ihm beginne sein weisses Hemd auf zu knöpfen.
    Ich fühle seinen gut gebauten Körper und kann meine Finger nicht mehr davon lassen.
    Als nächstes entblösst er mich meiner Unterwäsche und seiner zugleich ehe wir feurig und voller Verlangen miteinander verschmelzen.

    *Flashback ende*

    „Deine Ausreden waren auch schon Mal besser Anais. Du hast dich kein bisschen verändert.“ Bemerkt er und holt mich aus dem Schwelgen in meinen Erinnerungen zurück.
    Es war ein sehr schöner Moment als wir uns kennenlernten.
    Auch wenn es überstütz war, was wir taten, in jenem Moment stimmte es.
    „Tut mir leid Bash. Ich habe nicht mit dir gerechnet. Um ehrlich zu sein, so habe ich mir unser Wiedersehen nicht vorgestellt.“ Sage ich bedrückt und senke traurig mein Haupt.
    Um ehrlich zu sein… habe ich überhaupt nicht mehr damit gerechnet ihn noch einmal in meinem Leben zu sehen.
    Es ist wohl ein grosser Zufall, dass wir beide nun hier stehen oder wollte es das Schicksal womöglich so?
    „Wie denn sonst?“ kontert er sogleich und lächelt mich sanft an.
    Eine berechtigte Frage, aber es gibt leider keine Antwort darauf.
    Während ich versuche eine passende Antwort auf seine Frage zu finden, fallen mir die strengen Blicke einer jungen Frau auf, welche neben dem freien Stuhl sitzt, auf dem Bash eben noch sass.
    „Können wir kurz nach draussen gehen?“ frage ich schnell und versuche meine Unsicherheit zu überspielen.

    Draussen erwartet uns ein Meer voller Sternen am pechschwarzen Nachthimmel.
    Der helle Mond ist abnehmend und wir immer wieder von einzelnen Wolken verdeckt.
    Eine kühle Brise bläst mir ins Gesicht und lässt meine Haare zurück wehen.
    Unter uns ist das Plätschern eines pompösen Brunnens zu hören… eine moderne Steinstatue mit unserem König und seinem Pferd.
    Die frische Nachtluft tut mir gut.
    Endlich kann ich mir einen klaren Kopf fassen.
    Bash ist hier und ich sollte ihn in mein kleines Geheimnis einweihen.
    „Hör zu Bash… da gibt es etwas das du wissen solltest.“ Beginne ich stockend und knete meine zitternden Hände.
    Wie bringe ich ihm dies bloss möglichst schonend bei?
    Die Hitze steigt mir zu Kopf und meine Beine werden immer weicher.
    Mein Atem beschleunigt sich während der braunhaarige mich anlächelt und endlich darauf wartet, dass ich meinen Mund wieder öffne.
    Ich erkenne mich selbst nicht wieder, denn normalerweise bin ich selbstbewusst und lege nicht besonders grossen Wert darauf was andere denken, doch jetzt ist es anders.
    „Ich… also du bist… wir sind…“ stammle ich kaum hörbar, doch mein Gegenüber hat es gehört.
    „Was sind wir?“ will er wissen und greift bewusst nach meiner kühlen Hand.
    Seine Stimme ist so sanft und beruhigend und bewirkt doch tatsächlich Wunder.
    Mein Herzschlag verlangsamt sich wieder und meine Nervosität sinkt.
    Das hat er schon damals geschafft… und genau deswegen fühle ich mich auch sicher und wohl in seiner Gesellschaft.
    „Du weisst doch noch was auf der Feier geschehen ist?“ fange ich erneut an und hoffe inständig dass er sich noch daran erinnern kann.
    Ich kneife meine Augen zusammen… wie unangenehm mir diese Situation doch ist.
    „Ja, wir haben miteinander geschlafen.“ Antwortet er mir direkt und sieht erwartungsvoll in meine Augen.
    Erneut presse ich meine Augen zusammen und entziehe meine Hand.
    Irritiert starren seine wunderbaren blau-grünen Augen mich an.
    Seit ich ihn das erste Mal sah, war ich gefesselt von seinen Augen und auch heute noch.
    „Und danach haben wir uns nie wieder gesehen.“ Erzähle ich weiter.
    Meine Stimme bricht ab… als ich damals zurück nach Lublin musste, fühlte ich mich so unendlich traurig… denn ich wusste, ich würde diesem bezaubernden Jungen nie mehr begegnen.
    Jetzt beginnt Bash über das Geschehene nachzudenken was ich an seinen Augen erkennen kann, denn sie schwirren hin und her.
    „Willst du damit sagen wir…“ doch weiter kommt der junge Mann nicht obwohl er den richtigen Ansatz gefunden hätte.
    „Bash?“ erklingt eine weibliche Stimme und eine junge Frau mit mittelbraunem Haar betritt den Balkon und stört unser inniges Gespräch.
    Auch das noch… denke ich mir.
    Bash und ich schauen uns noch ein letztes Mal tief in unsere Augen, ehe ich mich dazu entschliesse das Gelände zu verlassen um nicht noch auf dieses Mädchen zutreffen.
    Auf falsche Anschuldigungen und eine hitzige Diskussion oder Vorwürfe kann ich beim besten Willen verzichten.
    So schnell mich meine Füsse tragen können, eile ich in die dunkle Nacht hinaus.
    Ich werde den Weg durch die Palastgärten nehmen um zu meinem Gemach zu kommen… denn es wäre zu verdächtigt, wenn ich in die grosse Halle geflüchtet wäre.

    3
    Unser kleines Geheimniss Liebevoll striegle ich das Fell meiner treuen Rappstute. Kelpie wie sie heisst ist das letzte Fohlen unseres alten Pferdes we
    Unser kleines Geheimniss



    Liebevoll striegle ich das Fell meiner treuen Rappstute.
    Kelpie wie sie heisst ist das letzte Fohlen unseres alten Pferdes welches ich damals mit meiner Mutter auf unserem Hof hatte.
    Ausserdem ist sie das einzige, was ich von zu Hause mitnehmen durfte.
    „Das ist aber ein hübsches Pferd.“ Erklingt eine sanfte, männliche, begeisterte Stimme hinter mir.
    Ein kleines Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus.
    Ja, mein anthrazitfarbenes Pferd ist in der Tat aussergewöhnlich schön… Schwarz und glänzend wie Kohle, kein Härchen heller, und anmutig!
    Während ich ihr den Hals tätschle frage ich Bash: „Müsstest du nicht bei einem wichtigen Treffen sein? Soweit ich weiss, beschliesst Radovid mit eurem Reich ein Bündnis einzugehen.“
    „Das geht nur meinen Bruder und die Königin etwas an.“ Erklärt er mir und tritt an das Pferd heran.
    Er streicht ihr sanft über ihren kleinen, wohlgeformten Kopf mit der gewölbten Stirn.
    Ich staune nicht schlecht als er mir aus freiem Gerede offenbart, dass Francis sein Bruder ist.
    Auch wenn ich neugierig bin und liebend gerne ihn darüber ausquetschen möchte, belasse ich es dabei.
    Bash ist ein Mensch, welcher sich nicht gerne in die Karten blicken lässt und viele Geheimnisse in sich trägt, welche niemals die Oberfläche erreichen sollen.
    Ich nicke deshalb nur verstehend und hole den schweren Sattel hervor.
    Es ist ein normaler brauner Sattel welchen ich gut gepflegt habe und er noch ausschaut wie neu.
    „Warte! Lass mich dir helfen.“ Der braunhaarige ist neben mich getreten und hilft mir Kelpie zu satteln.
    Ich bedanke mich freundlich bei ihm und schenke ihm ein kleines Lächeln.
    An dem ebenfalls braunem Zaumzeug führe ich die schwarze Stute aus dem Stall.
    „Und was hast du heute noch vor?“ frage ich während ich die Zügel über Kelpies Kopf lege und sie bereit mache um los zu reiten.
    Bash zuckt unwissend mit seinen Schultern: „Ich weiss nicht… vielleicht sehe ich mir mit Kenna die Stadt an.“
    „So heisst sie also.“ Sage ich verstehend und steige auf mein Pferd.
    Der Braunhaarige versteht sofort, dass er seine Worte besser hätte aussuchen sollen.
    Beschämt schaut er zu Boden: „Wir wurden zu dieser verdammten Heirat gezwungen verstehst du!“
    Ich grinse… eine Ehe scheint er sich doch anders vorgestellt zu haben.
    Ausserdem scheint er vergessen zu haben, dass es zu diesen Zeiten normal ist verheiratet zu werden auch wenn man seinen zukünftigen Partner nicht leiden kann.
    „Du bist mir keine Rechenschaft schuldig. Ich dir dagegen schon… unser Gespräch gestern.“ Erinnere ich ihn zurück, doch genau in dem Moment kommt ein Stallbursche mit zwei Eimern voller Wasser für die anderen Pferde hinein.
    Ich seufze genervt auf… es sollte wohl nicht sein dass ich es ihm erzähle, aber ich kann es ihm zeigen.
    „Begleitest du mich nach Dreiberg?“ frage ich also.
    Ich hatte mit einer direkten Antwort gerechnet… aber Bash lässt sich zeit.
    „Ich werde eine Ausrede brauchen für Kenna.“ Antwortet er schliesslich.
    „Dir wird bestimmt schon etwas einfallen.“ Sage ich zwinkernd.
    Nach weiterem überlegen holt der Braunhaarige endlich sein Pferd aus dem Stall und macht es bereit ehe wir aufbrechen können.

    Bashs Pferd ist ein brauner Fuchs mit hohem Widerrist und einem bewundernswert wohlproportionierten Körperbau.
    Wir lassen unsere Pferde in einem flotten Trab gehen und reiten zu meinem Heimatdorf.
    Dreiberg (Fiktiv) ist eine grössere Stadt in Lublin.
    Sie gehört nicht zum Schauplatz des livländischen Krieges gegen Russland und überstand ihn so fast vollkommen unbeschadet.
    Auf ihrer Südseite befindet sich mein Heimatdorf Ferneck wo wir nun hin reiten.
    Der Weg nach Dreiberg ist nicht gerade der längste, jedoch zieht es doch noch ein rechtes Stück, denn keine Häuser, Höfe oder Taverne passieren wir.
    Auf dieser langweiligen Strecke gibt es einfach überhaupt nichts ausser vielleicht wilde Tiere die umher streifen.
    Nicht mal eine Patrouille ist zu erspähen.
    Der Wind heult uns um die Ohren.
    Das Rauschen der Bäume am Waldrand zu unserer rechten Seite ist zu hören.
    Nach einer Weile können wir bereits die hohen Stadtmauern von Dreiberg ausmachen.
    Erleichtert atme ich auf… mir ist es viel wohler hinter dicken, steinigen Mauern zu sein, denn hier in der freien Wildnis lauern viele Gefahren.
    Diebe oder Banditen lauern im Unterholz und warten auf eine Gelegenheit unwissende Reisende auszurauben oder sogar schlimmeres.
    Wir reiten über eine steinige Brücke, welche voll von armseligen Menschen ist.
    Sie haben ihr Hab und Gut in Planwagen gepackt und warten entmutigt vor verschlossenen Toren.
    Seit wann sind die Tore von Dreiberg verschlossen?
    Schweigend reiten Bash und ich an den Flüchtlingen vorbei und kommen vor vielen Wachmännern zum Stehen.
    „Kein Durchgang!“ werden wir auch schon aufgehalten.
    „Ist in der Stadt die Pest ausgebrochen oder was?“ will ich wissen und starre die Wachen fragend an.
    Der Wachmann beginnt höhnisch zu lachen: „Pest? Nein. Wir dürfen niemanden in die Stadt lassen. Befehl ist Befehl nur mit Passierschein kommt ihr hier rein.“
    Eigenartig… Radovid hat gar nicht erwähnt dass er dies angeordnet hat.
    Mich lässt das Ganze nicht in Ruhe, weshalb ich weiter nachfrage: „Warum hat der König dies angeordnet?“
    „Angeblich will Radovid nicht dass ihm die schöne Stadt von Bettlern und Flüchtlingen vollgepisst wird. Und wenn man die Leute einfach reinlässt, besteht die Gefahr dass auch Spione kommen. So ist es schwieriger für sie.“ Bekomme ich als Antwort.
    Auch wenn ich meine Antwort bekommen habe, so misstraue ich all dem hier.
    Noch nie musste ich hier meinen Passierschein zeigen, warum gerade jetzt?
    Liegt es vielleicht daran, dass die Französische Königsfamilie hier ist?
    Oder spitz sich die Lage unseres Landes zu und es wird einen erneuten Krieg geben?
    Ich seufze nachdenklich auf, als Hofdame des Königs habe ich natürlich immer einen Passierschein dabei und weise diesen vor.
    Die Wachen entschuldigen sich aufrichtig bei uns und lassen uns ohne weiteres passieren.
    Endlich kommen wir ins wunderschöne, malerische Dreiberg.
    Ich finde es schrecklich, dass die Menschen auf der anderen Seite des Tors solches Elend und Leid durchmachen müssen und auf der Seite die Welt der Reichen und Adligen ist.
    Keiner hier scheint sich über das Leid der anderen Gedanken zu machen.

    Wir reiten auf dem kürzesten Weg durch die Stadt mit ihren engen und mediterranen Gassen und verlassen sie im Südtor wieder.
    Direkt an den Stadtmauern gelegenen liegt der kleine Vorort Ferneck.
    Neben dem verschlafenen Dorf liegt ein Fluss, wo viele Frauen damit beschäftigt sind ihre Wäsche zu waschen.
    Hier kennt jeder, jeden… so wie es eben in einem kleinen Dorf vorkommt.
    „Seht mal wer wieder da ist!“ vernehme ich die Worte einer jungen Frau am Flussufer, welche zu uns hinauf zeigt.
    Abrupt starren alle gleichzeitig zu uns hoch.
    Ihre Augen erhellen sich als sie den gutaussehenden Mann neben mir erblicken.
    Ja… so sind die Mädchen aus meinem Heimatdorf eben.
    „Anais! Wen hast du diesmal angeschleppt?“ will eine von ihnen wissen und stützdabei ihre Hände in die Hüfte.
    Sie will mich wie immer vor meinen Begleitern schlecht dastehen lassen.
    Anfangs habe ich mich immer gerechtfertigt, aber jetzt lasse ich mich nicht mehr auf ihre Spielchen ein.
    Verärgert rolle ich mit meinen Augen, während ich die irritierten Blicke von Bash auf mir spüre.
    Na prima… jetzt hat er bestimmt ein falsches Bild von mir.
    „Hör nicht auf sie.“ Bitte ich ihn und gehe nicht weiter auf die Provokation ein.

    Wir kommen zu einem kleinen, netten Haus, welches direkt am Fluss liegt.
    Viele blaue Rosen zieren den Eingangsbereich des Hauses, die Lieblings Blumen meiner Mutter.
    Wir binden unsere Pferde an den Holzzaun, welcher unser Haus umgibt.
    Vor der Haustür halte ich inne… jetzt wird es richtig ernst.
    Mein Herzschlag wird schlagartig schneller, meine Gefühle brodeln in mir… tue ich hier wirklich das richtige?
    Ich schlucke schwer und klopfe zwei Mal an die Tür und trete zögerlich hinein.
    Der leckere Duft von frischen, warmen Kuchen kommt uns entgegen.
    Das knistern des Kaminfeuers ist zu hören.
    Es ist gemütlich, auch wenn der Wohnbereich etwas düster erscheint.
    Meine Finger gleiten über das dunkle, alte Regal und es ist als würde sich das Holz an meine Berührung erinnern.
    Seit ich weg war, hat sich nicht besonders viel verändert… doch ich komme so oft es mir möglich ist hier her und dies aus einem ganz bestimmten Grund.
    „Anais!“ erklingt die wohlklingende Stimme meiner liebevollen Mutter.
    Augenblicklich richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf den jungen Mann neben mir.
    Misstrauisch begutachtet sie ihn von oben bis unten… so wie es eben jede besorgte Mutter macht, wenn ihre eigene Tochter ein unbekannter, junger Mann mit nach Hause bringt.
    Doch Bash, ist nicht irgendein Fremder, attraktivaussehender Mann, was ich ihr auf meine Weise versuche zu erläutern.
    „Das ist Sebastian de Poitiers… ich habe ihn damals in Preussen kennengelernt.“ Stelle ich ihn ihr kurz vor.
    „Guten Tag Frau La Valette.“ Begrüsst Bash sie höflich, wenn auch ziemlich verwirrt da er sich wohl fragt, was wir in meiner alten Heimat machen.
    Kaum habe ich sie einander bekannt gemacht, begibt sich meine Mutter in die kleine Küche um einen Einkaufskorb zu holen.
    „Ich werde kurz auf den Markt gehen. Wir sehen uns später.“ Berichtet sie uns, zieht sich einen dunklen Mantel über und verlässt das Haus.

    Es herrscht Stille… lediglich mein beschleunigter Atem ist zu hören.
    „Warum sind wir hier her gekommen?“ wendet sich nun Bash an mich.
    Ich presse für einen kurzen Moment meine Augen zusammen um mich zu sammeln.
    Ich bitte meine Begleitung einen Moment unten zu warten während ich mich in das obere Zimmer begebe.
    Vorsichtig öffne ich die Tür zu meinem Zimmer und gucke durch den schmalen Spalt hindurch.
    Ein kleiner Junge mit braunem Haar spielt fröhlich und unbekümmert mit seinen Holzfiguren.
    Eine sanfte Melodie aus einer Spieluhr ist im Hintergrund zu hören.
    „Kainan.“ Flüstere ich leise seinen Namen damit er sich nicht erschrickt.
    Mit einem freudigen Lächeln dreht sich der kleine zu mir und kommt stürmisch auf mich zu gelaufen.
    „Mama!“ begrüsst er mich und lässt sich von mir in eine geborgene Umarmung nehmen.
    Wir bleiben einen Moment so und ich vergesse die Zeit um mich herum.
    Nachdem ich mich gefasst habe, hebe ich der Kleine hoch.
    „Du bist auch schon leichter gewesen.“ Der Kleine grinst mich stolz an, immerhin kommt er seinem Ziel gross und stark zu werden immer näher.
    Auf dem Weg in das untere Stockwerk erkläre ich ihm, wen er gleich zu Gesicht bekommen wird.
    Ich schiele unbemerkt hinter der Wand hervor die den Wohnbereich und das Treppenhaus trennt.
    Kainan schmiegt sich an mich, während ich Bash auf einem Holzstuhl ausmache.
    Nachdenklich starrt dieser in das lodernde Kaminfeuer.
    „Bash... ich möchte dir jemand besonderes vorstellen.“ Beginne ich bedacht und mit sanfter Stimme.
    Der junge Mann hebt gespannt seinen Blick in meine Richtung.
    Seine grün–blauen Augen weiten sich überwältigt und er starrt wie gebannt auf das kleine Kind in meinen Armen.
    „Das ist Kainan unser gemeinsamer Sohn.“ Lasse ich die Katze nun aus dem Sack.
    Es bringt nichts weiter um den heissen Brei zu reden, denn irgendwann kommt jedes Geheimnis ans helle Licht.
    „Sagtest du unser Sohn?“ fragt er mich während er sich erhebt und langsam auf uns zukommt.
    Ich nicke und küsse Kainan auf seinen Kopf.
    Zufrieden lächelt ihn der Kleine an.
    Seine leuchtenden Augen funkeln seinen Vater warm an.
    Vorsichtig und als wäre unser Sohn zerbrechlich berührt Bash langsam die kleine Hand von Kainan.
    Ein befreites und glückliches Lächeln breitet sich auf dem Gesicht von dem jungen Vater aus.
    Ich lächle ebenfalls bescheiden: „Möchtest du ihn halten?“
    Als hätte Bash einen Geist gesehen beäugt er mich mit grossen Augen.
    Er nickt kaum erkennbar, da er immer noch sichtlich erschüttert ist.
    Behutsam übergebe ich Kainan in seine Arme und setze mich auf den Stuhl an unserem Esstisch.
    Die beide sehen einander tief in die Augen und strahlen über beide Ohren hinaus.
    „Was für ein grosser und starker Junge du schon bist!“ spricht sein Vater zu ihm und schüttelt ihn spielerisch hin und her.
    „Es sind ja auch schon über drei Jahre vergangen.“ Vermerke ich und erinnere ihn an unsere erste Begegnung zurück.
    Ich bin sichtlich beruhigt, dass alles so gut gelaufen ist und Bash seinen Sohn anerkennt.
    Überglücklich hält der junge Franzose sein eigenes Fleisch und Blut hoch in die Luft.
    „Ich habe einen Sohn.“ Spricht er mehr zu sich selbst.
    Dann überkommen ihn alle Glücksgefühle und er schreit durch das gesamte Haus: „Ich habe einen Sohn!“
    Ich beginne herzhaft zu lachen… noch nie habe ich ihn so erlebt wie eben.

    4
    Verborgene Gefühle Glücklich und zufrieden spielt Bash mit unserem Sohn Kainan vor dem gemütlichen Kamin. Meine Mutter ist inzwischen von ihrem Bes
    Verborgene Gefühle

    Glücklich und zufrieden spielt Bash mit unserem Sohn Kainan vor dem gemütlichen Kamin.
    Meine Mutter ist inzwischen von ihrem Besuch auf dem Marktplatz zurückgekehrt und hat uns warmen Tee aufbereitet.
    Draussen fallen die letzten Sonnenstrahlen auf die Erde.
    Kühle Luft dringt durch das offene Fenster hinein.
    Meine Mutter schenkt mir einen warnenden Blick… sie hat recht, leider ist es Zeit aufzubrechen.
    Dies ist jedes Mal das Schlimmste wenn ich hier her komme.
    Ich hasse Abschiede… doch ich weiss dass es kein Abschied für immer ist.
    „Bash. Wir sollten langsam aufbrechen.“ Teile ich ihm mit und erhebe mich von meinem Stuhl.
    Enttäuscht und traurig sehen seine blau-grünen Augen in die meinen: „Jetzt schon?“
    Ich nicke mit gesenktem Haupt: „Im Schloss machen sie sich bestimmt schon sorgen.“
    Auch wenn ich selbst noch gerne bleiben möchte, müssen wir aufbrechen.
    Mit traurigem Blick ziehe ich meinen Pelzumhang an und warte darauf, dass sich Bash ebenfalls bereit macht.
    Nach weiteren Augenblicken spielt der junge Vater jedoch immer noch mit seinem Sohn… doch das fröhliche Lachen in seinem Gesicht ist erloschen.
    Er weiss, dass es für ihn wohl ein Abschied für immer sein wird.
    Ich seufze nachdenklich, hocke mich zu den beiden runter und lege liebevoll meine Arme um Bashs Hals.
    Zärtlich schmiege ich mich an ihn.
    Er erwidert meine Umarmung und lehnt seinen Kopf bedrückt gegen mich.
    Unerwartet greift er mit seiner Hand die meine und streichelt diese behutsam.
    „Es ist Zeit. Komm.“ Langsam ziehe ich ihn hoch und lege seinen schwarzen Mantel um seine Schulter.
    Tränen beginnen sich in seinen wundervollen Augen zu sammeln, welche er sich jedoch schnell aus dem Gesicht wischt.
    „Es wird Zeit Kainan… Daddy und Mami müssen zurück zum Schloss.“ Verabschiedet sich Bash von ihm.
    Seine Stimme ist brüchig und von grossem seelischem Schmerz getränkt.
    Jetzt sieht auch unser Sohn enttäuscht aus: „Kommst du morgen wieder?“
    Fragend schauen die grünen Augen, seinen Vater an.
    Erneut muss sich Bash zusammen reissen: „Ich weiss nicht, Daddy hat viel zu tun. Mach’s gut mein Kleiner. Verärgere Oma nicht. Ich habe dich sehr lieb!“
    Auch in meinen Augen beginnen sich Tränen zu sammeln, weshalb ich mich rasch wegdrehe, damit niemand den Schmerz in meinem Herzen sehen kann.
    Schon immer habe ich mir eine vollkommene Familie gewünscht... jetzt hätte ich sie… doch zu viele Faktoren sprechen leider dagegen.
    Ich verabschiede mich von meiner Mutter und Kainan ehe wir das Haus verlassen.

    Auf dem Rückweg zum Schloss hat Bash kein einziges Wort mehr mit mir gesprochen.
    Wahrscheinlich ist alles zu viel für ihn… er hat einen kleinen drei jährigen Sohn den er vermutlich nie wieder sehen wird.
    Ich fühle mich schlecht… hätte ich ihm die Begegnung mit Kainan ersparen sollen?
    Unschlüssig starre ich auf die Zügel in meiner Hand, als ich einen Regentropfen auf meiner Stirn spüre.
    Ich blicke in den, mit grauen Wolken bedeckter Himmel hoch.
    Das heisst wohl, dass wir völlig durchnässt im Schloss ankommen werden.

    Vor dem Schloss angekommen, übergeben wir unsere nassen Pferde zwei Stallburschen welche sie umsorgen.
    Es kübelt immer noch wie aus Eimern.
    Grosse Regentropfen fallen auf den Pflastersteinboden vor dem Schloss.
    Schweigend begeben wir uns mit grossen Schritten die Treppe zum Palast hoch.
    Ich entschliesse mich die Hintertür zunehmen, da es mir weniger auffallend erscheint.
    Bevor wir durch die Tür gehen halte ich inne.
    Meine Gesichtszüge versteinern sich und ich drehe mich schwungvoll zu Bash um welcher hinter mir steht und mich verdutzt anstarrt: „Hör zu, du darfst mit niemandem darüber sprechen! Keiner weiss es ausser Kiril und Finn, und niemand weiteres soll es je erfahren… denn es könnte mich meinen Kopf kosten.“
    Ungläubig beäugt der Braunhaarige mich.
    Ich musste solche Massnahmen ergreifen… alles oder jeder der dem König ein Dorn im Auge ist, wird bei Seite geschafft.
    Zustimmend nickt der braunhaarige mir schliesslich zu.
    Er weiss, dass es da nichts mehr zu sagen gibt, denn er will nicht dass das Wohl unseres Sohnes in Gefahr ist.
    Ich drehe mich wieder zur Tür und öffne diese als Bash mich unerwartet zurückzieht.
    Fassungslos schaue ich ihn an und bemerke dabei, wie sinnlich und intensiv er mir in die Auge sieht.
    Gerade will ich etwas ansetzen, als er unverhofft seine weichen Lippen auf meine legt.
    Ich schliesse meine Augen und gebe mich seinem Kuss voll und ganz hin.
    Seine Lippen auf meinen zu spüren, fühlt sich so beängstigend vertraut an.
    Es gibt keine Unsicherheit, keine schüchternen Bewegungen, keine falsche Zurückhaltung.
    Wir sind in diesem Moment einfach nur Bash und Anais.
    Instinktiv schlinge ich meine Arme um seinen Nacken und ziehe ihn etwas zu mir runter.
    Seine Zunge bittet um Einlass ehe sie feurig miteinander beginnen zu tanzen.
    Zärtlich nimmt er mein Gesicht in seine Hände und küsst mich immer fordernder.
    Im Regen stehend, küssen wir uns voller Verlangen und Leidenschaft als hätten wir nie etwas anderes gemacht.

    Zögernd und widerwillig lassen wir voneinander ab, doch immer noch hält er mein Gesicht in seinen Händen.
    Sein Körper bebt… ob vor Sehnsucht, vor Verlangen oder einfach weil er glücklich ist.
    Vorsichtig berührt er meine Stirn mit seiner: „Du hast mir das wunderbarste auf der Welt geschenkt Anais.“
    Ich lächle erleichtert und gebe ihn einen letzten, sanften Kuss.
    Wir sind so aufeinander fixiert, dass wir jegliches um uns herum ausgeblendet haben.
    Als plötzlich eine Stimme uns aufweckt: „Anais!“
    Rasch fahren wir wie zwei aufgeschreckte Rehe auseinander.
    Zu unserem Glück ist es nur Ritter Kiril welcher mich warnend beäugt: „Du solltest rein gehen, ehe eine Wache euch erspäht oder du dir eine Erkältung holst.“
    Der junge Ritter hat Recht, es ist äusserst dumm von uns gewesen.
    Zum einen weil wir erwischt werden könnten und zum anderen weil Bash bereits verheiratet ist.
    Schweigend verabschieden wir uns voneinander, werfen uns noch einen letzten Blick zu und gehen in entgegengesetzte Richtungen.

    Am nächsten Tag bin ich bereits schon wieder früh auf den Beinen.
    Unser König möchte der Königsfamilie unser Reich näher bringen und hat sich so zu einem kleinen Stadtrundgang entschieden, welchen er selbst leitet.
    Dies natürlich unter dem Schutz seiner treusten Ritter… darunter zählen auch Kiril und Finn.
    Neben mir sind noch drei weitere Hofdamen mit dabei, mit eingeschlossen meiner Schwester Adda.
    Gespannt hören die Gäste aus Frankreich unserem König zu.
    Als nächstes begeben wir uns auf den belebten Stadtmarkt, der sich im Zentrum der Hauptstadt befindet.
    Der Marktplatz ist mehr als nur ein Ort wirtschaftlichen Handelns und Strebens… hier zeigen sich die verschiedenen Gesichter des unseres Landes… ausgelassenes Treiben und tief gelebte Frömmigkeit, Narrenspektakel und Geissler Umzüge, Bürger in feinen Gewändern neben Bettlern und unehrlichen Leuten wie Henker, Banditen und Totengräber.
    Während wir an den verschiedensten Ständen vorbeiziehen, bemerke ich immer wieder wie Bash mich heimlich beobachtet.
    Gekonnt versuche ich seine Blicke zu ignorieren und lasse mir nichts anmerken.
    Ich schaue mir gerade einen dunkelblauen Stoff an, welcher mit schwarzen Mustern verziert ist.
    Mit meinen Augen durchforsche ich den Stand des Kaufmannes weiter und erspähe noch einen anderen Stoff in einem helleren Blauton, der ja sogar fast schon weiss scheint.
    Dies wäre doch eine schöne Kombination für ein neues Kleid.
    Ich bin so in meiner Kreativität vertieft, dass mir nicht aufgefallen ist wie König Francis neben mich getreten ist: „Ihr scheint offenbar einen Farbtick zu haben. Habt ihr auch Kleidung welche nicht in Blautönen sind?“
    Perplex knistere ich den schönen Stoff in meinen Händen zusammen.
    Mit hochgezogenen Augenbrauen gucke ich den blonden König an, welcher mich schelmisch an grinst.
    „Mhm… Unterwäsche.“ Antworte ich ebenfalls mit einem frechen Grinsen, worauf sich die Mundwinkel des Königs noch weiter nach oben ziehen.
    Ich wende mich wieder den Stoffen zu als es plötzlich einen Trubel auf dem Marktplatz gibt.
    Eine Person mit dunkler Kapuze auf einem schnell galoppierenden Pferd reitet durch den überfüllten Platz und rammt dabei auch einige Bürger.
    Weit hinter ihm verfolgt ihn die Stadtwache, die allerdings ohne Pferde den Dieb kaum zu greifen bekommen werden.
    Die herabfallende Reaktion unseres Königs bleibt mir natürlich nicht unentdeckt.
    Sein grimmiger Blick und seine rümpfende Nase sprechen Bände.
    Er will vor dem französischen König nicht dümmlich dastehen, weshalb ich als Erste handle.
    Blitzschnell durchforsche ich den Markt und erblicke drei Pferde… eines an einem Zaun angebunden, die anderen beiden an einer leeren Kutsche befestigt.
    Schwungvoll zerre ich an meinem Kleid und ziehe den Rock somit weg… ich habe eben eine geniale Schneiderin, welche meine Kleider so anfertigt dass ich sie praktisch verwenden kann.
    Unter den Rock trage ich eine ebenso dunkelblaue, enganliegende Hose welche fast schwarz scheint.
    Die bewundernswerte Gesichtsausdrücke der anderen, entgehen mir keines Wegs, doch ich bin eben keine einfache Hofdame und dies weis unser geachteter König nur zu gut.
    Den unteren Teil meines Kleides werfe ich provokant dem jungen König aus Frankreich zu: „Gebt Acht, dass es nicht knittert.“
    In schnellem Tempo, eile ich mit meinen höheren Schuhen zu dem Pferd, welches an dem Zaun angebunden ist.
    Aus reiner Selbstverständlichkeit binde ich es los und steige auf.
    Fest presse ich meine Schenkel zusammen, treibe das Pferd an und nehme die Verfolgung auf.
    Ich kenne mich mit jeglichen Arten von Pferden aus und da ich so zu sagen im Sattel geboren wurde, bin ich eine ausgezeichnete Reiterin.

    In scharfem Galopp rase ich durch die Hauptstadt unseres Landes.
    „Macht den Weg frei!“ rufe ich um die Bürger zu warnen.
    Ich überhole die Stadtwache und erblicke in der Ferne den Flüchtigen.
    In ebenso hohem Tempo reitet er auf das Westtor zu… er darf uns nicht entkommen!
    Vielleicht handelt es sich hierbei nicht nur um einen Dieb sondern um einen gefährlichen Spion.
    Mit weiteren Tritten treibe ich das braune Pferd weiter an.
    Ich reite wie der Wind, als ich neben mir die erhoffte Unterstützung von Ritter Kiril und Finn erhalte.
    Zu dritt haben wir schon einiges erlebt und die eine oder andere Heldentat vollbracht… dies wird wieder eine.
    Wir nähern uns mit jedem Schritt unserem Ziel.
    Während Finn eine gute Pferde länge hinter mir ist, hat mich Kiril bereits überholt und ist dem Flüchtigen nur noch eine halbe Pferdelänge hinter her.
    Schon bald befindet er sich neben ihm und gibt ihm einen kräftigen Schubs von hinten, wodurch er von seinem Pferd fällt.
    Ritter Kiril und Ritter Finn kümmern sich sofort um den Dieb und binden seine Hände hinter dem Rücken zusammen.
    Ich hingegen verfolge das aufgeschreckte Pferd, greife nach seinem Zügel und bringe es so langsam zum Stehen.
    Triumphierend grinse ich meine beiden Helfer an, welche sich ein Lachen ebenfalls nicht verkneifen können.

    Siegesreich reiten wir mit dem Gefangenen zurück.
    König Radovid schenkt uns einen lobenden Blick, als wir den Dieb der Stadtwache übergeben welche ihn anschliessend in ein düsteres Verlies sperren.
    Strahlend werden wir von den anderen empfangen.
    Unauffällig tritt Bash neben mich: „So kenne ich dich.“
    Lächelnd sehe ich zu ihm hoch.
    Ein neuer Funken ist zwischen uns deutlich spürbar.
    Es ist wieder diese aufregende Energie wenn ich ihn sehe und meine Zeit mit ihm verbringen kann.
    Auch wenn ich mich mit ihm noch gerne unterhalten würde, begebe ich mich zu den anderen Hofdamen unseres Königs.
    „Das hast du gut gemacht.“ Lobt mich Radovid worauf ich mich höflich und dankend verneine.
    Auch Francis kommt zu mir: „Ihr seid wohl nicht einfach die bildschöne Hofdame des Königs.“
    Die Augen beider Könige treffen sich.
    „Langweilige Hofdamen gibt es bei uns nicht.“ Kontert Radovid mit arrogantem Unterton, während er die Hofdamen von Francis mit herabfallendem Blick mustert.
    Lublin pflegt eben nicht dieselben Sitten und Bräuche wie Frankreich.

    5
    Leidenschaft und Sehnsucht Heute ist ein besonderer Anlass im Schloss, ein sogenannter Maskenball findet statt. Ein aussergewöhnlicher Anlass, denn m
    Leidenschaft und Sehnsucht

    Heute ist ein besonderer Anlass im Schloss, ein sogenannter Maskenball findet statt.
    Ein aussergewöhnlicher Anlass, denn man erkennt die Person einem gegenüber nur an der Stimme oder an den Augen.
    Alle Gäste tragen eine Maske, ja sogar die Könige und unsere Gäste aus Frankreich.
    Wer eine Maske trägt wird nicht gefragt wer er ist… ausserdem ist es romantischer und geheimnisvoller zugleich.
    Aber die Wahrheit ist schlichter… so weiss niemand welche betrunkenen Adligen die Tänzerinnen kneifen.
    Ich habe meine Haare nach hinten gebunden und trage ein königsblaues Kleid mit golden, verziertem Muster.
    Dazu habe ich eine weisse Maske mit einem schwarz, glitzernden Muster aufgesetzt.

    Ich begebe mich nach unten in die goldene Halle, welche bereits ziemlich voll ist.
    Feierliche Musik dringt in meine Ohren, Gelächter und Gerede ist ebenfalls zu hören.
    „Du bist spät dran. Unsere Gäste werden gleich mit dem Eröffnungstanz begrüsst.“ König Radovid hat sich neben mich gestellt.
    Obwohl ich mein Gesicht verdeckt habe, erkennt er mich.
    „Ich bin pünktlich.“ Erwidere ich sarkastisch und begebe mich zu den anderen Tänzern welche sich bereits richtig positionieren.
    Da wir mehrmals den Tanz einstudiert haben, weiss ich das meine beiden Lieblingsritter sich neben mir befinden.
    Die Königsfamilie aus Frankreich haben bereits ihre Plätze an der Tafel des Königs eingenommen und sehen gebannt in unsere Richtung.
    Die Musik zum Stück beginnt... der Tanz ist ganz nach unserer gemischter polnisch-litauischer Tradition und daher für die Franzosen speziell mit anzusehen.

    Nach unserem Stück bekommen wir einen kräftigen und tosenden Applaus, auch wenn es nur eine kleine Einlage war, so hat sie alle Anwesenden mitgerissen.
    Anschliessend kommen bereits die ersten Hofdamen aus Frankreich aufs Tanzparkett.
    Sie scheinen ihre Zeit an unserem Hofe in vollen Zügen auszukosten.
    Auch die Frau von Bash ist unter ihnen… sie ist anscheinend von unseren Rittern ziemlich angetan.
    Mit strahlendem Gesicht wird sie von dem Tänzer hin und her gedreht.
    Gerade in dem Moment findet einen Wechsel der Tanzpartner statt.
    Ich muss nicht lange überlege denn ich weiss bereits, dass Ritter Kiril mir gegenüber steht.
    Behutsam legt er seine einte Hand an meine Hüfte und die andere umschlingt meine Hand.
    Sein angenehmer Geruch, seine Stimme und seine Art würde ich einfach überall wiedererkennen.
    „Also du und dieser De Poitiers…“ setzt der schwarzhaarige an und sieht mir dabei ununterbrochen in meine Augen.
    Er weiss nur zu gut, dass mich dies äusserst nervös macht.
    Ich seufze und rolle mit den Augen: „Er ist…“
    „Ich weiss. Das habe ich deutlich genug gesehen.“ Unterbricht mich Ritter Kiril und wirkt dabei alles andere als begeistert.
    Er scheint eifersüchtig zu sein, doch würde er mich nicht weiter provozieren den unsere enge Freundschaft ist ihm dafür zu wichtig.
    Wir können das Gespräch nicht weiter fortführen, denn erneut steht ein Partnerwechsel an… so ist das eben mit unseren Tänzen.
    Jeder kommt so zu seiner Chance, wenn auch nur für einen kurzen Moment.
    Diesmal habe ich keinen blassen Schimmer wen ich hier vor mir habe.
    Schwungvoll werde ich umher gewirbelt… ein guter Tänzer ist er ja, doch ich habe keine besondere Lust mich auf eine seichte Konversation einzulassen.
    Als Hofdame musste ich mich an die vielen verschiedenen Bankette dran gewöhnen, aber noch immer finde ich sie äusserst lästig.
    Plötzlich fällt mir auf, dass immer mehr Tanzpaare mitten im Tanz abbrechen und sich aufteilen, was äusserst merkwürdig ist.
    Irritiert schüttle ich mein Haupt und tanze vergnügt weiter als mein Tanzpartner plötzlich von einem unbekannten angehalten wird.
    Jedes Augenpaar ist auf uns gerichtet, ja sogar die Musiker haben aufgehört zu spielen und beobachten interessiert das Spektakel.
    Ich halte inne und stehe verwirrt und unbeholfen einfach nur da.
    Also dieser Mann ist bestimmt nicht von hier, denn der Tanz darf nicht unterbrochen werden, dies ist gegen die Tradition.
    Ausserdem gibt es auch keine extra Wünsche was die Wahl des Tanzpartners betrifft.
    Mir ist diese Situation sichtlich unangenehm und ich beginne nervös meine Hände zu kneten.
    Mein Atem wird schneller und ich fühle mich plötzlich so heiss an.
    „Ich weiss, dass dies wahrscheinlich nicht eurer Tradition entspricht, aber ich würde gerne mit dieser wunderschönen Dame tanzen.“ Offenbart der Fremde uns sein Anliegen.
    Erleichtert atme ich auf… es ist zu meinem Glück nur Bash, aber musste er so einen Aufruhr machen?
    Es kommt mir so vor wie damals in Preussen… er war es schliesslich weshalb die Wachen uns damals verfolgten.
    Mein Tanzpartner übergibt mich höflich dem jungen Franzosen und verneigt sich zum Abschied.
    „Wo bleibt die Musik?“ brüllt einer der Tänzer, worauf ein neues, langsameres und romantischeres Lied angestimmt wird.

    Höflich verbeugen wir uns voneinander, ehe er seine linke Hand an meine Taille legt und mit der rechten Hand die meine umschlingt.
    Wir tanzen einen einfachen und leidenschaftlichen Wiener Walzer.
    Ein aufrichtiges Lächeln bereitet sich auf seinem wohlgeformten Gesicht aus.
    Strahlend glitzern seine wundervollen Augen hinter der schwarzen Maske mit dem goldenen Muster.
    Wir blenden alle um uns herum aus und tanzen leidenschaftlich durch den Saal.
    Innig sehen wir uns gegenseitig in die Augen.
    Schmetterlinge, welche ich zuerst noch versucht habe ich Schacht zu halten, flattern wild in meinem Bauch umher.
    Auch ich kann meine Gefühle nicht mehr zurück halten und strahle übers ganze Gesicht… heller als jeder Stern am schwarzen Nachthimmel.
    Bash ist wirklich ein hervorragender Tänzer und weiss genau, wie er eine Frau führen muss.
    Wir sprechen nicht miteinander... wir geniessen einfach den Moment.
    Niemand weiss, dass ich es bin der mit ihm tanzt, niemand weiss dass wir eine Verbindung zu einander haben, weshalb wir uns einfach frei fühlen können.
    Diese Zeit die wir noch zusammen haben, hier am Hofe von Radovid, müssen wir ausnutzen und sie gemeinsam verbringen.
    Es wird wohl nicht mehr lange dauern, da werden sie wieder ihren Rückweg nach Frankreich ansetzen.
    Ich presse meine Augen zusammen… denn ich möchte nicht an diesen Tag und den schmerzvollen Abschied denken.

    *Währenddessen am königlichen Tisch.
    „Deine Schwester scheint glücklich zu sein.“ Äussert sich die eine Hofdame und beäugt Adda von der Seite.
    Das junge Mädchen nimmt gerade einen Schluck Wein zu sich, lässt ihre Schwester und ihr unbekannter Tanzpartner jedoch nicht aus den Augen.
    Sie hatte ihre liebevolle Schwester noch nie so glücklich lächeln sehen, wie in diesem Augenblick.
    Auch König Francis und seine Gemahlin Marry fragen sich wer die unbekannte an der Seite von Bash ist.
    „Weisst du wer das ist?“ richtet sich der Blonde an die Schwarzhaarige und beobachtet jede Bewegung des Tanzpaares.
    Die Schöne Marry zuckt jedoch nur mit ihren Schultern und nimmt einen Schluck Wein zu sich: „Vielleicht werden wir es erfahren.“
    Mit glitzernden Augen schaut Marry glücklich ihren Ehemann an… es war eine gute Idee ihr Reich einmal zu verlassen.
    Es tut immer gut neue Gesichter, neue Bräuche, neue Traditionen und ein neues Land kennenzulernen… und ausserdem frischt es die Beziehung zwischen den beiden neu auf, die ja sehr unter der grossen Belastung welche die beiden haben leidet.
    König Francis fragt sich immer noch wer die fremde Tänzerin an Bashs Seite ist und wendet sich erneut an seine Königin: „Sieh sie dir doch einmal an! Diese Haltung! Soll ich sie nicht hier her einladen?“
    Marry schüttelt lächelnd ihren Kopf: „Lass sie doch einmal miteinander tanzen.“
    Die schwarzhaarige weiss, dass sich Sebastian und seine Kenna ständig streiten und sie keines Wegs glücklich scheinen, weshalb die junge Königin nicht eingreift.
    „Ich erkenne ihn nicht wieder!“, schwärmt der junge König von Frankreich weiter, „Wer ist sie?“
    Die Schottin rollt mit ihren Augen und greift nach der Hand ihres Mannes: „Du bist ungeduldiger als dein Bruder.“

    Nachdem das Lied zu Ende gespielt ist, verneine ich mich vor dem braunhaarigen und begebe mich auf direktem Weg zu meiner Schwester und den anderen Hofdamen welche gerade vor dem Essensbuffet stehen und sich eifrig über die tanzenden Paare unterhalten.
    „Da kommt ja die glückliche.“ Werde ich sogleich von Lady Aldona begrüsst.
    Sie ist eine der Hofdamen des Königs und geniesst mit ihrem Adelstitel bestes Ansehen am Hof.
    Sie ist durchschnittlich hübsch und sticht auch nicht besonders aus der Menge hervor, jedoch punktet sie bei den Männern mit ihrer unschuldig scheinender Art und lässt bei manchem unwissenden so den Beschützerinstinkt wecken.
    Auch wenn meine Schwester Adda viel von ihr hält, so behalte ich mich ihr gegenüber eher bedeckt.
    Ich gehe nicht auf ihren Spruch ein, sondern genehme mir ein weiteres Glas vorzüglichem Wein.
    „Mit wem hast du da getanzt? War es einer aus Frankreich?“ quetscht mich nun auch noch Lady Lauryna aus.
    Sie ist von zierlicher Statur und gehört zum oberen Durchschnitt was das Aussehen anbelangt.
    Ihre Augen sind von einem warmen Braunton und tiefgründig.
    Sie sind gross und ausdrucksstark und laden so manchen Edelmann dazu ein in ihnen zu versinken.
    Laurynas porzellanener Teint wird von langen dunkelbraunen Haaren umrandet, die in glatten Strähnen über ihre Schultern fallen.
    Nur zu besonderen Anlässen steckt sie ihre Haarpracht hoch oder bindet sie zu einer aufwendigen Frisur zusammen.
    „Woher soll ich das wissen? Ich habe ja sein Gesicht nicht erkannt.“ Versuche ich mich aus der Situation zu befreien.
    Aber leider habe ich es unter ihnen nicht besonders einfach… der Neid und die Eifersucht spielt unter uns Hofdamen leider eine mächtige Rolle.
    Niemand mag dem einen etwas Gutes gönnen und so wird leider vieles zerstört.
    Ich habe keine besondere Lust auf weitere Fragen weshalb ich mich von den drein verabschiede und nach draussen zu den Palastgärten gehe.
    Draussen herrscht ebenfalls fröhliches Treiben.
    Ich begebe mich weiter in die Gärten… hier und da begegne ich einzelnen Liebespaare, welche sich ebenfalls von der Menge verbergen wollen.

    Ich setze mich alleine auf eine weisse, steinige Bank mitten in den riesigen Palastgärten.
    Um mich herum sind strauchige Hecken, welche den Anfang unseres berühmten Heckenlabyrinths darstellen.
    Ich setze die Maske ab und nippe immer wieder an dem Wein, während mein Blick über die Gärten schweift.
    Endlich keine Masken mehr… auch wenn nur für einen kleinen Moment.
    Die Aussicht von hier ist einfach toll und lässt mich in meinen Gedanken versinken.

    Einige Zeit später bin ich bereits ziemlich angetrunken.
    Ich weiss nicht wie lange ich hier draussen gesessen habe, aber ich glaube ich sollte wieder zurück.
    Langsam erhebe ich mich und merke dabei, wie sich mir der Schädel dreht.
    Ich presse meine Augen zusammen und wünschte mir dass es aufhört… warum musste ich auch so tief ins Glas schauen?
    Nimmt mich das Ganze mit Bash so sehr mit?
    Erneut öffne ich meine Augen und schwanke immer noch.
    Unerwartet verliere ich mein Gleichgewicht, aber ich spüre keinen Aufprall.
    Ich blicke in die Augen meines Retters.
    Blau-grün und ein brauner Haarschopf.
    In seinen starken Armen fühle ich mich geborgen und sicher.
    Innig sieht er mich an während er mich immer noch auf Händen trägt.
    Wir befinden uns in mitten der Hecken, ungestört von jeglichen Blicken.
    Feuerwerk knallt über unseren Köpfen und bringt die schönsten Muster und Farben hervor.
    Ich kann nicht anders… der Moment ist einfach zu romantisch und den Drang in zu küssen ist noch grösser und unkontrollierbar.
    Vorsichtig und langsam nähere ich mich seinem feingeschnittenen Gesicht und gebe ihm einen sanften Kuss.
    Er schliesst seine Augen und verwandelt ihn zu einem intensiven und feurigen Kuss.
    Ich merke wie immer mehr Gefühle für ihn in mir aufkommen und genau dies darf ich nicht zulassen, denn der Abschied wird noch schmerzhafter sein.
    Widerwillig breche ich den Kuss ab, worauf mich Bash bedacht runter lässt.
    Traurig und beschämt schaue ich zu Boden: „Tut mir leid… wir sollten nicht… es ist meine Schuld. Der Wein ist mir wohl zu Kopf gestiegen.“
    Ich ertrage das nicht mehr und will weg laufen, als er mich am Arm zurückhält: „Anais, entschuldige dich nicht. Ich hätte es tun sollen.“
    Seine Hände umschlingen fest mein Gesicht und wiederholt presst er seine Lippen verlangend auf meine.

    Traurig sitze ich in meinem weissen Nachthemd vor dem Spiegel in meinem Gemach und kämme meine lange Haarpracht.
    Das helle Licht des Mondes scheint durch das grosse Fenster hinein.
    Kerzenlicht erhellt mein Zimmer und verleiht ihm ein gemütliches Ambiente.
    Tränen sammeln sich in meinen Augen.
    Unkontrolliert kullern diese über meinen Wangen.
    Zu tief sitzt der Schmerz Bash wieder zu verlieren.
    Auch wenn ich es mir nicht eingestehen möchte, so muss ich trotzdem zugeben, dass ich mein Herz an ihn verloren habe… an einen Mann der bereits verheiratet ist und der Meilenweit weg lebt.
    Ich schluchze als es an der Tür unerwartet klopft.
    Schnell wische ich mir die Tränen aus meinen Augen und begebe mich zur Tür.
    Langsam öffne ich einen kleinen Spalt und traue meinen Augen kaum: „Bash? Was zum Teufel tust du hier? Wenn dich jemand sieht…“
    Mir fällt auf wie schnell sein Atem geht und wie er mich ansieht.
    Es ist extrem gefährlich dass er hier ist, wenn ihn jemand erspäht ist es für uns beide aus und wie hat er eigentlich mich gefunden und sich zutritt hierher verschafft?
    Plötzlich schlägt er die Tür weiter auf und betritt ohne Vorwarnung mein Gemach.
    Mit einer sanfteren Bewegung verschliesst er die Tür hinter sich und starrt mich durchdringend an.
    „Was hast du vor?“ frage ich sichtlich verwirrt und verunsichert, als er mit grossen Schritten auf mich zu stürmt und mich leidenschaftlich beginnt zu küssen.
    Ich erwidere seinen Kuss und vergrabe meine Hand in seinen Haaren.
    Verlangend keuche ich auf und hallte ihn mit meiner Hand von mir ab.
    Mein Verstand ist wie benebelt und doch fasse ich mir einen kleinen Gedanken: „Bash… ich kann nicht… das was wir hier tun ist äusserst falsch.“
    Doch von meinen Worten lässt sich der braunhaarige nicht beirren.
    Er weiss es selbst nur zu gut.
    Sanft legt er seinen Lippen auf die meinen.
    Mein Herz schwillt über vor verlangen.
    Ich lege meine Hände auf seine Oberarme und erwidere den Kuss sehnsüchtig.
    Meine Bereitschaft ihn zu küssen, lässt den Kuss leidenschaftlicher werden und meine Hände wandern von seinen Armen hoch in seinen Nacken, wo ich schließlich die Arme um ihn schlinge.
    Er umfasst meine Taille und legt die andere Hand zwischen meine Schulterblätter.
    Ich bin so fest an ihn gepresst, dass ich seinen beschleunigten Herzschlag spüren kann und er mit Sicherheit auch meinen.
    Er drückt mich gegen die nächste Wand, während seine Zunge meinen Mund erkundet.
    Unerwartet hebt er mich plötzlich hoch und ich schlinge meine Beine um ihn.
    Seine Küsse verbrennen mein Herz. „Bash“ keuche ich zwischen zwei Küssen.
    Ohne unsere Leidenschaft zu unterbrechen, trägt Bash mich auf mein grosses Bett und legt mich zaghaft darauf.
    Schwer schnaufend entblösst er sich seinem Hemd, legt sich auf mich und beginnt mein Hals zu liebkosen.
    Der Körperkontakt, genau wie sein Geruch, sein Aussehen und seine Stimme, lassen die zarten Berührungen meine Emotionen Achterbahn fahren.
    Das Verlangen, die Sehnsucht und die Leidenschaft zwischen uns explodieren als wir miteinander verschmelzen.

    6
    Gesang eines Ritterherzens Am nächsten Morgen wache ich auf noch bevor die Sonne aufgegangen ist. Zwei starke Arme halten mich fest umschlungen. Vors
    Gesang eines Ritterherzens


    Am nächsten Morgen wache ich auf noch bevor die Sonne aufgegangen ist.
    Zwei starke Arme halten mich fest umschlungen.
    Vorsichtig befreie ich mich aus seinem Griff, schlinge mir eine rote Decke um und begebe mich auf meinen Balkon.
    Kühle Morgen Luft bläst mir entgegen.
    Die Sonne befindet sich noch hinter dem Hügel, weshalb es eher noch dunkel ist.
    Ich bin glücklich… unsere gemeinsame Nacht war eine Art Befreiungsschlag für uns beide.
    Noch einmal konnte ich die innige Nähe dieses wunderbaren Mannes spüren.
    Ich hatte unsere Nacht nur für ein Traum oder ein Märchen gehalten, aber wenn man ein Märchen zu glauben beginnt, ist es keins mehr.
    Plötzlich spüre ich erneut seine starken Arme um meinen Körper.
    „Ich habe dich vermisst.“ Flüstert er in mein Ohr und liebkost erneut meinen Nacken, während er mich fest an sich presst.
    Ich geniesse seine liebevolle Umarmung und schliesse meine Augen.

    Plötzlich ein Klopfen an der Tür.
    Perplex öffne ich meine Augen und sehe Bash entsetzt an.
    Ich befehle ihm sich schleunigst hinter der Tür zu verstecken und keinen Mucks zu machen ehe ich diese öffne.
    Mit der Decke umschlungen öffne ich wieder nur einen kleinen Spalt.
    „Anais? Du bist noch nicht bereit?“ Ritter Finn steht fragend vor meiner Tür und mustert mich von oben bis unten.
    Ich kann ihm nicht folgen weshalb ich frage: „Bereit wofür?“
    Ein freches Grinsen breitet sich auf dem Gesicht des Blonden aus: „Du bist die Patronin des Turniers schon vergessen?“
    Verdammt das Ritterturnier!
    Ich schlage mir auf die Stirn… wie konnte ich dies nur vergessen.
    Bash bringt mich wirklich durcheinander und lässt mich die wichtigsten Dinge einfach so vergessen.
    Anscheinend habe ich mich doch in ihn verguckt.
    „Ich mache mich sofort bereit.“ Sage ich schnell und lasse die Tür ins Schloss fallen.
    Fragend tritt der Braunhaarige hinter der Tür hervor und beobachtet mich während ich mir eilig meine Kleidung zusammen suche.
    Für ein schönes Bad zu zweit ist leider keine Zeit mehr.
    „Was ist das für ein Turnier?“ will er nun wissen und setzt sich auf mein Bett.
    Seine Augen hängen gebannt an meinem freien Körper.
    „Das ist die Veranstaltung des Jahres. Die besten Ritter aus aller Welt strömen herbei und wetteifern um den grossen Preis… und noch mehr um die Ehre natürlich.“ Erkläre ich ihm während ich mich zu Recht mache.
    „Das heisst ich könnte auch daran teilnehmen?“ will er nun wissen und sieht mich erwartungsvoll an.
    Ich hingegen starre ihn eher entsetzt an… ein Ritterturnier ist immer gefährlich, egal um welche Disziplinen es sich handelt.
    Warum müssen sich Männer immer etwas beweisen?
    Das ist doch krank!
    „Ja könntest du aber…“ doch weiter komme ich nicht den ich werde von ihm unterbrochen.
    „Gut, dann gehe ich mich anmelden.“ Spricht er, während er seine Hose anzieht.
    Erstarrt halte ich inne und betrachte ihn voller Sorgen.
    Mit kleinen Schritten gehe ich auf ihn zu, greife nach seinen Händen und versuche an seinen Verstand zu appellieren: „Bitte tu das nicht.“
    Flehend sehen meine smaragdgrünen Augen in seine.
    „Mir wird schon nichts passieren.“ Versucht er mich zu beruhigen und gibt mir einen zärtlichen Kuss.

    Im Norden unserer Hauptstadt liegt der ritterliche Turnierplatz.
    Das Gelände ist festlich geschmückt, überall sind Zelte aufgestellt für die Ritter und auch für mich, da ich die Patronin des Turniers bin und stetig Anwesend sein muss.
    Ausserdem findet man auch eine Taverne mit Aussensitzplätzen.
    Beim Ritterturnier müssen die Teilnehmer drei Übungen absolvieren.
    Einmal im Schiessstand, wo sie sich Seite an Seite mit einem Gegner messen müssen.
    Dann gibt es noch ein Pferderennen wo die Ritter einen Parcours binnen einer festgelegten Zeit schaffen müssen.
    Die Zeit können sie verlängern in dem sie Ziele mit der Armbrust und Attrappen mit dem Schwert treffen.
    Und am Schluss steht ein Lanzenstechen an, in der sie ihren Gegner mit einer stumpfen Lanze vom Pferd stossen müssen.
    Wer gewinnt hat den grossen Preis errungen… dieses Jahr ist es ein angefertigtes Schwert von einem weltberühmten Schwertschmiedmeister.
    Zudem ist es Brauch, dass jeder Ritter einen Eid ablegt, welcher für die Dauer des Turniers gilt.
    Sie schwören auf etwas, das für die Tugend steht, die einem am wichtigsten ist.

    Einige Zeit später ist es soweit.
    Ich sitze in der Mitte der festlichgeschmückten Tribüne neben dem König wo mich alle sehen können.
    Vor mir haben sich alle Ritter aus Fernen Länder aufgereiht und blicken gespannt zu mir hoch.
    Anmutig erhebe ich mich von meinem Stuhl und trete an das Geländer.
    Eine Trompete ertönt, welche die Spiele eröffnet.
    „Edle Ritter, ich begrüsse euch. Dieses Jahr ist die Ehre und Pflicht, dem Turnier als Patronin vorzustehen, mir zugefallen. Möget ihr ehrenhaft kämpfen, auf dass ich einem von euch den grossen Preis des Turniers verleihen darf. Ihr habt eure Eide geleistet und Körper und Seele vorbereitet. Es ist an der Zeit, dass ihr euch bewährt.“ Nachdem ich die Rede gehalten habe setze ich mich wieder auf meinen Stuhl.
    Gespannt blicke ich auf das Feld wo sich die Schützen aufstellen.
    Bash ist in der zweiten Gruppe, weshalb er sich noch einen kurzen Moment gedulden muss.
    Die Sonne brennt auf den blassen Häuten der Hofdamen.
    Die Rüstungen der Ritter fangen das Licht ein.
    Sie glänzen und blenden alle Anwesenden.
    Ich zucke leicht zusammen, als ich plötzlich die kalte Hand von König Radovid an meinem Oberschenkel spüre.
    Meine Schwester welche neben mir sitzt beäugt mich kritisch von der Seite.
    Auf der anderen Seite von unserem König sitzt Aldona.
    Mit abschätzendem Blick starrt diese ebenfalls zu uns.
    Sie ist diejenige, welche den König am liebsten für sich alleine hätte, nur hat Radovid da noch andere Interessen.
    „Mein König das Turnier beginnt.“ Meine Stimme ist flehend obwohl ich mich versuche zu beherrschen.
    Radovid grinst mich nur schelmisch an und flüstert: „Das hält mich aber noch lange nicht davon ab!”
    Er kneift mir ins Bein und nimmt seine Hand anschliessend wieder zurück.
    Ich lasse meinen Blick über die Tribüne schweifen.
    Die Königsfamilie aus Frankreich befindet sich ebenfalls auf unserer Tribüne so wie auch die Frau von Sebastian.
    Sie scheint aufgeregt dass ihr Mann daran teilnimmt.
    Der braunhaarige tritt hervor und richtet seinen Blick auf die Tribüne… jedoch nicht in die Richtung von Kenna, sondern er schaut genau in meine Richtung.
    Natürlich fällt dies König Radovid auf, worauf er mich von der Seite mit einem undefinierbaren Blick streng beäugt.
    Mit einer unauffälligen Kopfbewegung versuche ich ihm zu zeigen, dass er seinen Blick von mir abwenden soll.
    Die Schiessübung beginnt, Bash muss alle blauen Ziele treffen und zwar vor seinem Gegner.
    Da er ein hervorragender Schütze ist, und weiss wie er mit dem Bolzen umgehen muss, übersteht er die Prüfung ohne Schwierigkeiten.
    Nachdem alle Teilnehmer sich bewährt haben und der Sieger dieser Disziplin feststeht, begebe ich mich hinunter auf den Platz.
    „Dein Preis Herr. Eine Armbrust, die dein Wappen trägt. Ich gratuliere dir.“ Sage ich und übergebe die spezialangefertigte Armbrust dem Sieger.
    Lächelnd nimmt sie Bash an sich: „Danke Herrin. Was gibt es sonst noch für Preise?“
    Natürlich möchte er nun wissen was er sonst noch gewinnen kann… typisch Mann eben.
    „Leider kann ich euch nicht mehr Zeit widmen als den anderen Teilnehmern. Die Pflicht ruft. Vergibt mir.“ Antworte ich und begebe mich wieder auf die Tribüne.
    Ich überspiele gekonnt, dass wir uns sehr innig kennen und zum Glück spielt der junge Franzose auch mit.
    Keiner hier am Hofe oder aus Frankreich soll Verdacht schöpfen.
    Manchmal genügt auch nur das Geständnis eines einfachen Bürger um dem Henker einen Schritt näher zu kommen.

    Als nächstes findet das grosse Rennen statt.
    Alle Zuschauer und Teilnehmer haben ihren Platz auf das andere Gelände gewechselt.
    Die Pferde sind gesattelt und stehen bereit neben ihrem Herren.
    Jeder Ritter und sein Pferd sind in einer Reihe nacheinander aufgestellt.
    Ich gehe elegant an den Rittern vorbei, während der Sprecher des Turniers alle Namen der Teilnehmer der Reihe nach vorspricht.
    „Unsere Herrin und Patronin begrüsst nun der zweiten Teil der Prüfung!“ schreit der Sprecher und alle Blicke hängen auf mir.
    „Der zweite Teil des Turniers steht an. Möge mein Vorsitz euch leiten und den Pfad von Ehre, Tapferkeit und Ruhm weisen.“ Spreche ich und begebe mich wieder auf die Tribüne, nachdem ich alle Ritter passiert habe.
    Bashs Pferd rennt in scharfem Galopp davon… hoffentlich passiert ihm nichts.
    Leider hat der Franzose bei diesem Turnier nicht als erster die Ziellinie erreicht, weshalb ich ihm leider keinen Preis übergeben darf.

    Die dritte und letzte Prüfung steht an welche alles Entscheiden wird.
    Ich befinde mich wieder oben auf der Tribüne und beobachte das Spektakel von meinem Sitz aus.
    Die Pferde und Ritter sind bereit.
    Jeder Ritter hat zwei versuche, also muss er mindestens zwei Mal seinen Gegner vom Pferd stossen um eine Runde weiter zu kommen, bis er schliesslich zum Finale kommt.
    Bash sitzt in stolzer Pose auf seinem Pferd welches ziemlich nervös scheint.
    Nachdem eine Fahne geschwenkt wurde, galoppieren beide Pferde mit samt Reitern aufeinander zu.
    Leider verfehlt Bash den anderen Ritter und wird selbst stark getroffen.
    Er stürzt von seinem Pferd und schlägt hart auf dem Boden auf.
    Ich quicke ängstlich auf und erhebe mich sorglich von meinem Stuhl.
    Über das Geländer hinweg schaue ich hinunter und hoffe dass der junge Franzose nicht ernsthaft verletzt ist.
    Erst jetzt fällt mir auf, dass Radovid dies alles scharfsinnig beobachtet.
    Schnell setze ich mich wieder hin und tue so, als wäre nichts gewesen.
    “Fürchtest du um diesen Mann?” Die Stimme des Königs klingt etwas misstrauisch aber auch sanft und besorgt.
    “Nein. Ich hatte mich nur erschrocken.”, flunkere ich und sehe nun wieder gebannt nach unten in die Arena.
    Es scheint alles in Ordnung denn Bash steigt wieder auf sein Pferd.
    Erleichtert atme ich auf und drücke ihm diesmal meine Daumen, aber so, dass es niemand mit bekommt.

    Es steht eine Pause an, auch tapfere und ehrenhafte Ritter müssen sich auch Mal ausruhen.
    Ich sitze vor einem Spiegel und überprüfe mein Aussehen.
    Mein Zelt ist komfortabel eingerichtete und hat alles was mein Herz begehrt.
    Ein grosses Bett, einen kleinen Schrank mit zwei bis drei Kleider drinnen, einen Spiegel wo ich mich zu Recht machen kann, einen Dekantier mit frischem Wein und einem Balkon, welcher direkt am Seeufer liegt.
    „Mein Herr, was sucht ihr im Zelt meiner Herrin? Inspiration? Hebt euch hinweg!“ vernehme ich die Stimme meiner Zofe Marija.
    Wer wohl vor meinem Zelt stehen mag?
    Ich lausche weiter aufgeregt dem Gespräch: „Ich wollte nur mit ihr sprechen.“
    Jetzt ist die Münze runtergefallen und ich weiss ganz genau um wen es sich handelt.
    „Lady Anais gibt den Rittern erst nach dem Turnier eine Audienz.“ Meine Zofe versucht den jungen Franzosen immer noch fort zu bekommen.
    Ich kichere in mich hinein, erhebe mich und begebe mich zum Eingang meines Zeltes wo ich die beiden sichtlich überrasche.
    „Was ist hier los?“ frage ich ganz unwissend und beäuge die beiden.
    „Dieser junge Ritter wollte ohne Einladung sich Zutritt zu eurem Zelt verschaffen.“ Erklärt mir Marija mit aufgebrachter Stimme.
    Ich entschärfe die Situation in dem ich so tue, als würde ich Bash eine Audienz anbieten.
    Somit hat meine Kammerzofe keine Einwände mehr und begibt sich wieder aufs Turniergelände.
    Ich befehle zwei Wachen niemandem Einlass in mein Zelt zu gewähren ehe die Audienz beendet ist.

    Bash lässt sich so gleich auf mein grosses Bett fallen mit dem, bordeaux roten Überbezug.
    Schelmisch grinst dieser mich an und begutachtet mich von oben bis unten.
    Ich setze mich zu ihm aufs Bett, worauf er beginnt mir liebevoll meinen Rücken zu kraulen.
    Die zarte Berührung jagt mir einen angehnehmen Schauer über den Rücken.
    Vorsichtig rückt der junge Franzose näher an mich und übersäht meinen Nacken mit vielen gefühlvollen Küssen.
    Zu gerne würde ich mich ihm bedingungslos hingeben, aber leider habe ich noch andere Pflichten.
    „Den Zuschauern macht es sicher nichts aus noch etwas zu warten.“ Haucht er in den nächsten Kuss und beginnt mit seinen Händen meine Brüste zu massieren.
    Der Braunhaarige macht es mir nicht gerade einfach, weshalb ich mit meinen Händen seine davon abhalte mich weiter zu verwöhnen.
    Jedoch lässt er nicht locker, also greife ich zu ernsteren Massnahmen.
    Mit einer flinken Bewegung, habe ich Bash auf das Bett gedrückt und befinde mich nun sitzend über ihm.
    Provozierend grinst dieser mich an und positioniert seine Hände an meinen Hüften.
    Sein Atem geht schnell, was ich an seiner auf und abgehenden Brust deutlich erkenne.
    „Das ist ungehörig und ausserdem unvernünftig.“ Mache ich ihm klar und entspanne mich wieder etwas.
    Plötzlich wirbelt der Braunhaarige uns herum, so dass er nun auf mir liegt.
    „Ich will nicht vernünftig sein.“ Offenbart er mir und drückt mir einen feurigen Kuss auf die Lippen.
    Aha, da her weht also der Wind… als ob mir das nicht schon vorher klar war.
    Die Küsse von Bash sind wie immer zum dahin schmelzen… verlangend, heiss, sehnsüchtig und wild.
    „My Lady?“ ertönt plötzlich die Stimme von meiner Zofe.
    Ich dachte sie wäre zum Turnier zurück.
    Keuchend hält Bash inne und sieht auf mich herab.
    Langsam zieht er mich zu sich hoch.
    Das Feuer in seinen Augen ist erloschen, er wirkt traurig.
    „Einen Moment Marija.“ Rufe ich ihr zu.
    Aufmunternd lächle ich mein Gegenüber an, streiche ihm behutsam über seine Wange und gebe ihm noch einen leidenschaftlichen Kuss.
    Enttäuscht lässt er von mir ab und erhebt sich von meinem Bett.
    Ich krame in meinem Nachtisch noch ein besonderes Geschenk hervor… es ist etwas Kleines aber Kostbares.
    „Ich möchte dir etwas geben. Es ist ein Andenken. Meine Mutter hat ihn mir geschenkt, dass ich an mein Versprechen denke.“ Ich überreiche ihm den kleinen Runenstein.
    Er soll ihm auf seinem weiteren Lebensweg glück bringen und ihn beschützen.
    Ungläubig schauen die grün-blauen Augen mich an: „Welches Versprechen?“
    „Dass ich zu ihr zurückkehre. Sie sorgt sich stetig um mich. Aber ich möchte dass du ihn nimmst. Denn ich sorge mich um dich.“ Mit geschlossenen Augen drücke ich ihm einen Kuss auf seine Stirn.
    Bedacht nimmt er meine Hände in seine und sieht mir tief du fest in meine Augen: „Und ich verspreche dir, dass ich zu dir zurückkehren werde, egal was geschieht.“
    Wir küssen uns ein letztes Mal, ehe wir zum Turniergeländer zurückgehen.

    Gespannt schauen wir auf die letzten Kontrahenten welche auf dem Platz stehen.
    Bash und sein Pferd haben es bis ins Finale geschafft… vielleicht bringt ihm der Runenstein tatsächlich glück.
    Auch seinen letzten Gegner wirft der Franzose vom Pferd.
    Ich bin überglücklich und erleichtert zugleich.
    Alle Zuschauer klatschen und jubeln, auch wenn ihre Favoriten ausgeschieden sind, so erweisen sie Sebastian alle Ehre.
    Der Sieger wird unter tosendem Applaus auf die Tribüne eingeladen.
    Er kniet sich nieder und wartet auf mich.
    Mit dem spezialangefertigte Schwert stolziere ich auf ihn zu: „Als Patronin dieses grossartigen Turniers, habe ich die Ehre den Gewinner auszuzeichnen. Er hat bei der Liebe seiner Herzensdame geschworen. Zweifellos hat ihn dieser Eid zum ruhmvollen Sieg getragen. Er hat grossen Mut, grosse Stärke und grosse Disziplin bewiesen. Er hat ehrenhaft gekämpft und sich damit rechtmässig den Titel des diesjährigen Siegers verdient.“
    Ich überreiche ihm mit gesenktem Haupt das Schwert und verbeuge mich vor ihm.
    „Du bist übrigens damit gemeint.“ Flüstert er mir zu während er mich mit seinen wunderbaren Augen fest fixiert hat.
    Meine Augen weiten sich, bei der Liebe seiner Herzensdame… natürlich… darauf hätte ich auch selber kommen können.
    Denn normalerweise hätte er bei der Liebe seiner Ehefrau oder so ähnlich geschworen.
    Der Zeitpunkt mir dies zu gestehen, ist äusserst schlecht… die Leute schauen zu uns hoch.
    „Jetzt nicht. Treffen wir uns nachher in meinem Zelt. Die Bürger schauen zu dir hoch, du solltest wenigsten winken.“ Flüstere ich ihm leise zu.
    Er nickt mir leicht zu und führt eine ritterliche Pose vor.
    Die Menge beginnt erneut zu jubeln und klatschen.
    Eine grosse Feier steht an… bevor der grosse und schmerzhafte Abschied kommt.

    7
    Abschiede tun immer weh Ungeduldig gehe ich in meinem Gemach auf und ab… wann kommt er endlich? Bash wollte mich treffen, immerhin haben wir erfahre
    Abschiede tun immer weh


    Ungeduldig gehe ich in meinem Gemach auf und ab… wann kommt er endlich?
    Bash wollte mich treffen, immerhin haben wir erfahren, dass sie im Morgengrauen wieder nach Frankreich aufbrechen werden.
    Also haben wir nur noch wenige Stunden welche wir gemeinsam verbringen können.
    Ein Klopfen an der Tür, lässt mein Gesicht erhellen.
    Mit schnellen Schritten eile ich auf sie zu und öffne diese mit einem grossen Ruck.
    Vor mir erblicke ich das wunderbarste Gesicht neben dem meines Sohnes.
    Seine grün-blauen Augen funkeln mich Sehnsüchtig an, sein feingeschnittenes Gesicht fängt das helle Licht des Mondes ein.
    Mit einer flinken Bewegung ziehe ich den jungen Franzosen an seiner Hand in mein Gemach.
    „Bash!“ raune ich, vergrabe meine Hand in seine Haare um ihn etwas nach unten zu ziehen und gebe ihm einen zärtlichen Kuss auf seine weichen Lippen.
    Er erwidert meinen Kuss und gleitet mit seinen Finger unter den Saum meines Nachthemds.
    Gänsehaut überzieht meinen Körper, als seine kalten Finger auf meine warme Haut treffen.
    Mit seinen starken Händen hebt mich der Braunhaarige hoch, ich umschlinge ihn mit meinen Beinen, ohne unsere heisse Küsse abzubrechen.
    Mit meinen Händen knöpfe ich sein Hemd auf und streife es ihm ab, als er mich sachte auf mein Bett legt.
    Das Verlangen ihn zu spüren… ihn ein letztes Mal zu spüren ist aussergewöhnlich mächtig was auf Gegenseitigkeit beruht.
    Seine Hände fahren meinen Körper auf und ab, seine Mund verwöhnt jeden Zentimeter von mir.
    Mein Körper bebt und zittert regelrecht unter seinen angenehmen Berührungen.
    Mit der einen Hand drück er vorsichtig mein Bein zur Seite, ehe wir uns vereinen.
    „Ich liebe dich Anais.“ Haucht er in einen feurigen Kuss und beisst mir leicht auf meine Lippen.
    „Und ich liebe dich.“ Raune ich in sein Ohr und liebkose seinen Nacken.

    Unsere gemeinsame Nacht war leider viel zu kurz.
    Diverse hohe Adlige haben sich versammelt um die Königsfamilie zu verabschieden.
    Zusammen mit Adda, Aldona und Lauryna warte ich neben unserem König.
    Schon die ganze Nacht kämpfe ich mit meinen Gefühlen… ich bin den Tränen nahe, und wie immer fällt mir der Abschied unglaublich schwer.
    Abschiede waren noch nie etwas für mich, weshalb ich mich meistens zurück ziehe und den Abschied kurz und schmerzlos mache… leider muss ich heute jedoch auch anwesend sein und unsere Gäste verabschieden.
    Das Gepäck der Franzosen wird gerade eingeladen, während sie sich verabschieden.
    Ich habe mich von Bash schon heute früh verabschiedet, denn ich weiss, dass wir jetzt keine Gelegenheit mehr dazu bekommen werden, da wir zu viel Aufmerksamkeit auf uns lenken würden.
    „Ihr werdet euch schon wieder sehen.“ Vernehme ich die raue und zugleich sanfte Stimme von Ritter Kiril.
    Tröstend hat er seine Hand auf meine Schulter gelegt.
    Traurig senke ich mein Haupt.
    „Sag mal, weinst du etwa?“ besorgt beäugt mich meine Schwester, welche neben mir steht.
    Schnell schüttle ich mein Haupt und winke ab: „Mir ist nur was ins Auge gefallen.“
    Ich wische die Tränen aus meinen Augen und schaue wieder gerade aus… aber der Schmerz sitzt zu tief.
    Wir haben uns seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen, wir wussten nicht wie es dem anderen erging, Bash wusste nicht dass er einen kleinen Sohn hatte… jetzt, wäre unsere kleine Familie glücklich und vereint, aber so einfach ist es leider nicht.
    Erneut muss ich mich zusammen reissen und ausserdem habe ich das Bedürfnis mich in mein Gemach zurück zu ziehen und zwar jetzt auf der Stelle.
    Ich schlage Kirils Hand weg und laufe zurück zum Schloss.
    So schnell wie mich meine Füsse tragen, eile ich die steinige Treppe hoch, als ich meinen Namen höre: „Anais warte!“
    Es gibt nur eine Stimme die mein Herz höher schlagen lässt und die so unverkennbar ist.
    „Geh zurück zu deinen Landsleuten!“ befehle ich und versuche mich kühl zugeben, doch erhält mich an meinem Arm zurück.
    Innig sehen wir gegenseitig in unsere Augen, welche voller Trauer gezeichnet sind.
    Sein Gehirn läuft auf Hochtouren, was ich an seinem verunsicherten Blick erkenne.
    „Komm mit mir! Wir können uns in Frankreich ein Leben zu dritt aufbauen. Wie eine richtige Familie, welche wir uns schon immer gewünscht haben.“ Seine Worte treffen mich wie ein Schlag.
    Zu gerne würde ich mit ihm gehen, doch leider spielen viele Faktoren dagegen.
    König Radovid würde mich niemals einfach so gehen lassen und ob der König von Frankreich unsere Ehe zulassen würde, wäre die nächste Frage.
    „Ich kann nicht… Radovid lässt mich niemals gehen.“ Sage ich mit erstickter Stimme und streiche zart über seine kühle Wange.
    Zudem ist es heut zu Tage nicht einfach Pläne über die Zukunft zu machen… und noch schwerer ist es an sie zu glauben.
    „Mein Herr, wir brechen auf.“ Wir werden von einem Diener der französischen Königsfamilie unterbrochen.
    Auch wenn wir beide den Abschied nicht wahr haben wollen, so ist er jetzt gekommen.
    „Anais ich…“ beginnt Bash mit Tränen in den Augen.
    Die gesunde Farbe in seinem Gesicht ist verschwunden.
    „Geh jetzt!“ bestimme ich wieder, worauf ich mich ohne ein weiteres Wort um drehe, zurück in mein Gemach gehe und mich verbarrikadiere.

    Es sind jetzt schon zwei Wochen her, seit die Königsfamilie an unserem Hof war.
    Von Bash habe ich nie wieder etwas gehört, denn ich verordnete ihm mir keine Briefe zu schreiben.
    Es hätte uns das Leben nur schwerer gemacht, sei es wegen unseren Gefühlen oder wegen den Kontrollen welche der König anordnete.
    Jegliche Lebensfreude welche ich in unserer gemeinsamen Zeit verspürt habe ist verschwunden.
    Abweisend starre ich auf eine violette Blume vor mir.
    „Anais!“ höre ich wie jemand meinen Namen brüllt.
    Ich blicke in die besagte Richtung, als ich einen schwer schnaufenden Kiril erkennen kann.
    Mit einem Ruck erhebe ich mich und gehe auf ihn zu: „Was ist los?“
    Wenn Kiril so gerannt ist, muss es etwas äusserst wichtiges sein.
    Fragend schaue ich ihm besorgt in seine rabenschwarzen Augen.
    „Der König weiss Bescheid! Du musst unverzüglich das Land verlassen!“ offenbart er mir und kommt kaum noch zum Atmen.
    Meine Augen weiten sich vorschreck… kein Wunder ist er so gerannt.
    Mein schrecklichster Albtraum ist wahrgeworden… das Leben meines geliebten Sohnes steht auf dem Spiel.
    Ich denke scharf nach doch nicht darüber wie die Informationen durchsickern konnten, sondern da rüber wie ich jetzt handeln soll… ich muss meine Stute Kelpie satteln, dann auf dem schnellsten Weg nach Ferneck reiten um Kainan zu holen und dann das Land verlassen.
    So sieht mein Plan aus: „Ich muss Kelpie satteln!“
    Ritter Kiril hält mich jedoch zurück: „Sie steht bereit zum Aufbruch, unten am Fluss.“
    Er hat bereits Vorkehrungen für meine Flucht getroffen?
    Der schwarzhaarige und ich eilen die Weinfelder hinunter zum Fluss, welcher durch das gesamte Land fliesst.
    Sogar Proviant hat er für mich in eine Satteltasche gepackt.
    Dankend stehe ich ihm gegenüber und schaue ihn ängstlich an: „Wenn du am Waldrand reitest, dürftest du ungesehen nach Ferneck gelangen.“
    „Ich danke dir Kiril… für alles was du für mich und meine Familie je getan hast.“ Ich falle ihm um den Hals und drücke ihn fest an mich um ein letztes Mal seine vertraute Wärme zu spüren.
    Kiril ist ein wahrer Freund… ohne ihn hätte ich schon manches Hindernis nicht überwunden.
    Wir lösen uns wieder voneinander als er mich unverhofft auf meinen Mund küsst.
    Dass wir gegenseitige Gefühle für einander hegen, hat sich nie geändert, aber Radovid liess unsere Ehe nicht zu, weshalb wir es nur auf einer Freundschaft Basis belassen haben.
    Ich steige auf mein Pferd, als Kiril sich noch ein letztes Mal an mich wendet: „Anais, reite schnell! Und blicke nicht zurück!“
    Ich nicke und treibe mein Pferd an.
    So schnell wie der Wind reite ich dem Waldrad entlang und hoffe auf keine hungrige Wölfe oder Bären zu treffen.

    Zu meinem Glück komme ich unbemerkt in Ferneck an.
    Mit Schwung öffne ich die Tür von unserem Haus.
    „Anais? Was tust du hier?“ überrascht kommt meine Mutter auf mich zu.
    Ich hingegen weiche der Frage aus, nehme Kainan hoch und informiere meine Mutter über meine missliche Situation: „Radovid weiss Bescheid… Ich verlasse das Land mit Kainan. Räum seine Spielsachen weg damit niemand weiss dass du darüber Bescheid wusstest. Ich liebe dich Mutter!“
    So schwer mir der Abschied von meiner Mutter auch fällt muss ich sie hier zurück lassen.
    Warme Tränen kullern über meine Wangen.
    Ich umarme meine liebevolle Mutter ein letztes Mal und drücke ihr einen Kuss auf die Stirn.
    Rasch verlassen wir das Haus, ich setze Kainan auf Kelpie und steige anschliessend selbst auf ehe wir in scharfem Galopp davon reiten.

    Seit Tagen sind wir in der unberechenbaren Wildnis unterwegs.
    Trotz der grossen Gefahren jenseits der Pfade in mitten der Wälder halten wir uns dort auf.
    Sollte uns irgendwer oder irgendwas zu nahe kommen, wird Kelpie uns schon warnen.
    Ausserdem habe ich ja noch ein Stahlschwert dabei um uns im Notfall verteidigen zu können.
    In einer Taverne Schutz zu suchen wäre in unserem Fall eine tödliche Falle, weshalb wir auch in den Wäldern unser Lager aufbauen.
    Westen… das ist unser Ziel.
    Frankreich wird wohl das einzige Land sein, welches uns aufnehmen wird… hoffe ich zumindest.
    Es ist pechschwarze Nacht, nur das Licht des Mondes dringt seicht durch das welcke Laub der Bäume.
    Unheimlich bei dieser Dunkelheit neues Feuerholz sammeln zu müssen.
    Plötzlich ein Geräusch und dann bin ich auch schon von fünf Verfolger aus meinem Land umzingelt.
    So ein Mist, warum habe ich sie nicht bemerkt… wahrscheinlich weil ich bereits dachte sie abgehängt zu haben.
    Die Grenze von Lublin liegt bereits Meilenweit hinter uns und der halbe Weg nach Frankreich dürften wir bereits passiert haben.
    „Wir haben den Befehl euch lebend nach Lublin zu eskortieren.“ Erläutert mir einer der Ritter, anscheinend ihr Kommandant.
    Wütend starre ich sie an… natürlich, aber auch nur deswegen weil ich dort auf meine Enthauptung warten kann.
    Mit zitternden Händen halte ich das Schwert schützend vor mir.
    Wir Frauen aus Lublin haben gelernt damit umzugehen, doch ob ich hiermit auch jemanden töten könnte, bleibt zu bezweifeln… aber für das Leben meines Sohnes riskiere ich alles.
    „Doch zuerst könnten wir uns doch noch etwas amüsieren mit ihr… meint ihr nicht auch?“ spricht ein anderer und sieht mich Lüstern an.
    Sie steigen von ihren Pferden und um kreisen mich bedrohend.
    Gierig wandern ihre Augen meinem Körper entlang.
    „Bleibt weg von mir oder ich töte euch!“ warne ich sie… doch es bewirkt nichts, sie kommen weiter auf mich zu.
    Unerwartet schlägt mir einer mein Schwert mit dem seinen aus der Hand.
    Schutzlos bin ich ihnen ausgeliefert als plötzlich ein Pfeil an meinem Kopf vorbei schiesst und direkt einen Ritter aus meinem Land trifft, welcher sofort tot vom Pferd fällt.
    Es ist ein Überfall! Oder meine Rettung?
    Erschrocken weiche ich zurück, greife nach meinem Stahlschwert und renne zurück zu meinem Sohn.
    Es ist eine Chance welche sich uns bietet um den Verfolgern zu entkommen.
    Ich laufe so schnell mich meine Beine noch tragen können… doch es fällt mir schwer, denn seit Tagen habe ich kaum noch etwas gegessen.
    Meine Lunge schmerzt und ich beginne schwerer zu atmen.
    Selbst mein Bewusstsein ist durch die grosse Belastung angeschlagen.
    Immer wieder wird mir schwarz vor Augen.

    Als ich unser Lager schliesslich erreiche, bietet sich mir ein schlimmer Anblick.
    Sechs Männer befinden sich in unserem Lager.
    Einer von ihnen hält meinem Sohn auf seinen Armen und lächelt ihn an, ehe er zu mir blickt.
    „Gebt mir sofort mein Kind!“ befehle ich und erhebe meine Stimme.
    Grinsend beobachtet mich der alte Mann: „Er ist einer von uns… genau wie du.“
    Unsere Augen treffen sich.
    Wovon spricht dieser Mann? Und wer sind diese Leute, die offenbar mitten im Wald leben?
    „Was meint ihr damit?“ frage ich also und versuche einen Kampf zu vermeiden.
    Ich will nicht das Kainan etwas geschieht und da sie ihn bereits in ihrer Gewalt haben, ist es für alle das Beste, wenn wir es versuchen friedlich zu lösen.
    „In ihm fliesst Heidenblut… genau wie in dir und in dem Vater dieses Kindes.“ Enthüllt der alte Mann.
    Irritiert schaue ich diesen an… ich kenne deren Glauben, jedoch habe ich damit nichts zu tun.
    Und woher sollten sie Kainans Vater kennen, oder das wir eine Verbindung zu einander haben?
    „Deine Mutter Maria-Luiza La Valette war eine von uns… genau wie es Diane de Poiters war, die Mutter von Sebastian.“ Spricht er weiter und übergibt mir meinen Sohn.
    Kainan ist unverletzt… sie haben ihm nicht mal den kleinsten Kratzer zugefügt.
    „Was wollt ihr?“ frage ich fordernd während ich meinen Sohn beschützend im Arm halte.
    Er jüngerer Mann tritt nun hervor und teilt mir ihr Anliegen mit: „Ihr tretet uns bei, zusammen mit dem Vater dieses Kindes.“
    Entsetzt schaue ich die Männer vor mir an.
    Ich kenne den blutigen Glauben der Heiden, aber ich fasse es nicht, dass meine Mutter zu ihnen gehörte.
    Andererseits haben sie mich vor einem schlimmen Übergriff bewahrt und sie haben meinem Sohn nichts getan… wenn ich jedoch ablehne, könnte es schlecht für uns enden.
    Deswegen willige ich ein, wenn auch mit grossem Bedenken.
    Die Männer setzen sich zu uns ans Feuer und überliefern mir ihren Glauben noch genauer, bei einem Becher warmen Kräutertee.

    Strömender Regen lässt mich meine schweren Augenlider öffnen.
    Der Schritt meines Pferdes weisst mich darauf hin, dass wir bereits wieder unterwegs sind.
    Eigenartig… ich kann mich erinnern, dass ich am Lagerfeuer eingeschlafen bin.
    „Schau Mama wir sind da!“ ruft mein Sohn in heller Aufregung und zeigt auf eine steinige Mauer welche sich vor uns erstreckt.
    Frankreich… wir haben es geschafft!

    8
    Mein neues Leben am französischen Hof Vor den Stadttoren welche von Wachen bewacht werden, kommen wir zum Stehen. Aus Höflichkeit steige ich erschö
    Mein neues Leben am französischen Hof

    Vor den Stadttoren welche von Wachen bewacht werden, kommen wir zum Stehen.
    Aus Höflichkeit steige ich erschöpft von meinem Pferd.
    Mein Körper ist so dermassen schwach, dass ich einknicke und mich gerade noch so am starken Körper von Kelpie festhalten kann.
    Besorgt schaut mich mein kleiner Sohn an.
    „Ich möchte eine Audienz beim König.“ Äussere ich mein Anliegen und hoffe dass sie uns ohne weitere Probleme zu ihm bringen.
    Ich bemerke wie sich die Wachen untereinander austauschen und mich verdächtigend anschauen.
    „Legt eure Hände nach vorn!“ befiehlt die eine Wache mit strenger Stimme, während mich zwei andere festhalten.
    Sie legen mir eine Fessel um meine Hände, damit ich ja keinen Widerstand leisten kann.
    Wobei dies in meiner Verfassung eigentlich nicht nötig wäre.
    Ungläubig schaue ich die Wachen an, folge ihnen jedoch.
    Kainan führen sie hinter mir, doch hat er keine Fesseln bekommen.
    Wie zwei Verbrecher führen sie uns durch die geschützte Stadt direkt zum Königspalast.
    Ich habe nicht erwartet dass sie uns so einen Empfang bereiten und uns festnehmen… doch wahrscheinlich ist es bis nach Frankreich gedrungen, dass ich eine Flüchtige aus Lublin bin.
    Das innere des Palastes ist prunkvoll und spartanisch zugleich.
    Die Fleur de Lys ist überall präsent.
    Fackeln beleuchten das Innere des Schlosses.
    Vor einer schweren Tür machen wir halt… wir stehen wohl vor dem berühmten Thronsaal.
    Grob werde ich in den Saal befördert.
    König Francis und Königin Marry sitzen auf ihrem Thron und beäugen mich erstaunt.
    Ich habe mich nur auf die beiden fixiert als ich aus meinen Augenwinkeln den Mann erspähe, der mein Herz schon lange für sich gewonnen hat.
    Entsetzen ist in seinem Gesicht zu erkennen.
    Marry und Francis scheinen mich jedoch nicht wiederzuerkennen.
    „Wir griffen diese junge Frau mit diesem kleinen Jungen vor unseren Toren auf. Laut unseren Informationen ist sie die Flüchtige aus dem Königreich Lublin.“ Teilt die Wache dem Königspaar mit.
    Bash kann seine Augen nicht von mir lassen… ich muss ziemlich mitgenommen aussehen und schäme mich in so einem Zustand vor sie zu treten.
    Der Wachmann spricht weiter: „Der Befehl lautet sie umgehend nach Lublin zurück zu bringen.“
    Ich schlucke und weite meine Augen… Radovid vergibt niemals!
    Mein Verschwinden ist bis nach Frankreich gedrungen… er tut wirklich alles, damit er mich wieder in seiner Gewalt hat.
    Auch die Hofdamen von Marry sind anwesend und tuscheln über mich.
    Die Wachen warten auf den Befehl ihres Königs, doch aus irgendeinem mir unbekannten Grund scheint dieser mit meiner Auslieferung zu warten.
    „Wir bringen sie in den Kerker bis ihr euch entschieden habt eure Majestät.“ Spricht die Wache anschliessend.
    Ich beginne mit aller Kraft die ich noch aufbieten kann zu protestieren: „Nein wartet! Nein!“
    Vergebens versuche ich mich aus ihrem festen Griff zu befreien.
    „Wartet!“ brüllt Bash durch die Halle und lässt den gesamten Saal erbeben.
    Alle Blicke richten sich auf ihn, während die Wachen inne halten.
    Dankend schenke ich ihm einen warmen jedoch schwachen Blick.
    Der Braunhaarige schreitet auf mich zu und befreit mich aus der Gewalt der Wachen.
    Ihm sind in jenem Moment alle Blicke und alles Getuschel egal.
    Durch eine Handbewegung von Francis verlassen die Wachen umgehend den Saal.
    Erleichtert und erschöpft atme ich auf.
    „Was ist passiert?“ besorgt, sanft und liebevoll klingt seine Stimme.
    Bestimmt greift er nach meinen unterkühlten Händen und begutachtet mich.
    Mit seinen Finger gleitet er über einen grossen Kratzer auf meiner Schulter.
    Auch im Gesicht habe ich kleinere Schnitte abbekommen, durch die tiefhängenden Ästen die mir ins Gesicht pirschten während unserer Flucht aus Lublin.
    Meine Kleidung ist durchnässt und zerfetzt, meine nassen Haare kleben an meinem Körper.
    „Radovid weiss Bescheid.“ Sage ich und fange verzweifelt an zu weinen.
    Sebastian nimmt mich liebevoll in seine schützende Arme und tröstet mich in dem er mir behutsam meinen Rücken streichelt.
    „Du bist hier sicher, niemand wird euch etwas tun.“ Versichert mir der braunhaarige und schliesst seinen Sohn ebenfalls in unsere Umarmung mit ein.
    Nachdem ich mich etwas beruhigt habe, nehme ich Kainan auf meine Arme.
    Bash dreht sich in die Richtung seines Königs: „Sie sind hier doch sicher?“
    Francis scheint einen Moment zu überlegen, entscheidet sich jedoch dafür uns vorerst aufzunehmen.
    Wir bleiben isoliert, bis alles oder zumindest das Wichtigste geklärt ist… denn immerhin könnten wir ja Spione aus Lublin sein.

    Einige Zeit später…
    Immer noch leicht angeschlagen liege ich in einem gemütlichen, warmen Bett.
    Die Bettdecken sind schneeweiss, genauso wie das Kissen.
    Mein Gemach am königlichen Hof ist äusserst luxuriös.
    Ich kann nicht klagen, denn sie behandeln mich wirklich gut, Kainan hat sogar sein eigenes Spielzimmer bekommen.
    Königin Mary hat ihre Schneiderin beauftragt mir neue Kleider in diversen Blautönen zu schneidern.
    Bash hat mich fast jeden Tag seit ich am französischen Hof bin besucht.
    Durch die gute Medizin welche ich dank dem Königspaar bekam, fühle ich mich schon wieder viel besser.
    Zudem hat Mary beschlossen, dass ich eine von ihren Hofdamen werden kann, was mich natürlich sehr erfreut… doch ich hätte mir auch ein einfacheres Leben als Bauernmädchen vorstellen können, denn für mich zählt nur das Kainan in Sicherheit ist.
    Ein Klopfen an meiner Tür lässt mich aufhorchen.
    „Wie ich sehe, fühlt ihr euch schon besser.“ Ein fröhlich lächelnder König betritt mein Gemach.
    Irritiert starre ich den Blonden an, während dieser mich nur schelmisch angrinst.
    Ich bin perplex… mit jedem Besuch habe ich gerechnet, doch nicht mit einem persönlichen Besuch des Königs.
    Ich erhebe mich langsam aus meinem Bett, bedacht darauf nicht schon wieder das Bewusstsein zu verlieren und mache einen höflichen Knicks vor ihm.
    „Ihr habt einiges durchgemacht oder? Die Narbe auf eurer Schulter zeigt dies.“ Er deutet auf meine verletzte Schulter und setzt sich auf mein Bett.
    Mit einer Handbewegung deutet er mir an mich neben ihn zu setzen.
    „Ja… ich habe einiges durchgemacht.“ Antworte ich ihm.
    Wenn einem nichts anderes übrig bleibt, muss man eben kämpfen um sich zu verteidigen.
    Jedoch kann ich mich kaum noch an jenes erinnern, seit wir in Lublin aufgebrochen sind.
    Ich bin nur in einem seidenen Nachthemd bekleidet, weshalb ich versuche meine freie Haut vor ihm zu verstecken, in dem ich die Decke über meine Beine ziehe.
    „Ihr solltet euch am besten in die Sauna begeben.“ Empfiehlt mir der König und steht wieder auf.
    „Wohin?“ frage ich ihn verwirrt.
    Fürsorglich versucht mich der junge König aufzuklären: „Ihr wart völlig durchnässt und kalt, als ihr hier ankamt. Wir müssen euch das Blut auftauen.“
    Mit verschränkten Armen erhebe ich mich ebenfalls und protestiere, aber in einem sanften Ton: „Nein, das ist nicht nötig. Es geht mir prima.“
    Ich versuche mich vor dem König stark zugeben und möchte keines Falls Schwäche zeigen.
    Plötzlich schreitet Francis unerwartet auf mich zu und gibt mir einen kleinen Schubs, worauf ich sogleich meine Balance verliere und auf das grosse Bett falle.
    „Ihr könnt euch kaum auf den eigenen Beinen halten!“ besorgt klingt die Stimme des Königs.
    Er hat ja recht… doch ich fühle mich überhaupt nicht wohl dabei meinen Körper zu entblössen und mit anderen in eine Sauna zu gehen.
    Ich senke meinen Kopf, als Francis sich plötzlich erneut neben mich setzt und mir aufmunternd den Rücken krault: „Ihr werdet euch danach um einiges besser fühlen.“

    Nachdem ich schliesslich widerwillig zugestimmt habe, führt Francis mich durch die grossen Gänge des Königshofs.
    Vor der Sauna des Hofes machen wir halt: „Marys andere Hofdamen befinden sich gerade drinnen. Es ist also eine gute Gelegenheit euch etwas kennenzulernen.“
    Ich nicke und verneine mich zum Abschied vor ihm.
    Die Umkleiden sind schlicht eingerichtet… ein kleiner, golden verzierter Spiegel befindet sich auf einem Tisch, eine vermoderte Kommode steht daneben mit leeren Ablageflächen für die Kleider.
    Ich rolle mit meinen Augen und ziehe mich schliesslich aus.
    Nur mit einem Schlüpfer stehe ich vor dem Spiegel und betrachte mich… ich muss mich keines Wegs schämen für meinen Körper, denn ich habe einen schönen Vorbau und bin gut proportioniert, nichts desto trotz wickle ich mir ein weisses Handtuch um und begebe mich zu den andern in die Sauna.
    Drei von Marys Hofdamen sitzen um eine dampfende Quelle herum.
    Sie begutachten mich von oben bis unten mit schrägem Blick… besonders ernte ich diesen von Kenna.
    Schüchtern setze ich mich dazu und überkreuze meine Beine.
    „Wie geht es euch?“ will die Blonde wissen und mustert mich fragend.
    „Es geht mir gut.“ Antworte ich monoton.
    Kenna beäugt mich weiter und meldet sich auch noch zu Wort: „Was willst du denn mit dem Handtuch? Das wird doch nur nass.“
    „Lass das doch Kenna. Sie ist nicht von hier und hat dies in ihrer alten Heimat wahrscheinlich gar nicht.“ Verteidigt die braunhaarige mich.
    Ich kann Kenna verstehen, dass sie mich nicht hier haben möchte, doch solange ich nicht verbannt werde oder ausgeliefert werde, bleibe ich in Frankreich.
    Wir vier sprechen noch ein bisschen Smalltalk und stellen einander vor, ehe ich die Sauna wieder verlasse.
    Doch zuerst springe ich noch in ein kaltes Bad, worauf ich mich wirklich besser fühle.

    Ich begebe mich in meine Gemächer um nach meinem Sohn zu sehen.
    Doch als ich die Tür von seinem Spielzimmer öffne, ist weder er noch meine Zofe zu sehen.
    Panik macht sich in mir breit.
    Ich suche überall in meinem Gemach, aber muss mit Entsetzen feststellen, dass er nicht hier ist.
    Verzweifelt eile ich nach draussen… hätte ich ihn doch nur nicht alleine gelassen, mit einer Kammerzofe, welche ich kaum kenne.
    Mein Herz beginnt immer schneller zu pochen und mein Puls steigt.
    Ich beschleunige mein Tempo und eile durch den Palast.
    Auch wenn dies meiner Gesundheit wieder schadet, so muss ich mein Kind finden.
    „Kainan!“ rufe ich durch die Hallen und laufe weiter in den Innenhof.
    Meine Beine werden immer schwerer und ich spüre wie mein Bewusstsein erneut zu schwinden beginnt.
    Immer wieder wird mir einen kleinen Augenblick schwarz vor Augen.
    „Lady Anais was tut ihr hier?“ ein besorgter König kommt auf mich zu gelaufen und sieht besorgt in meine Augen.
    „Kainan ist weg!“ teile ich ihm panisch mit und will mich an ihm vorbei drängen, als er mich mit seiner Hand an meinem Arm zurückhält.
    „In eurem Zustand ist Ruhe das Beste für euch. Ich werde die Wachen beauftragen ihn zu suchen und ihr begebt euch sofort in eure Gemächer!“ befiehlt Francis mir.
    Ungläubig sehe ich diesen an, ich kann doch nicht untätig in meinem Bett verweilen: „Aber ich…“
    „Ich bin euer König und wünsche es so!“ unterbricht mich der König und starrt mich warnend an.
    Ergebend nicke ich, verbeuge mich höflich und verschwinde in meinem Gemach.

    Mit Francis zusammen warte ich ungeduldig auf einen Bericht der Wachen.
    Ausserdem befinden sich zu Zeit Adlige aus dem Königreich Navarra am Hofe, was mich nur noch mehr beunruhigt.
    Besorgt folgen mir die strahlend blauen Augen des Königs während ich auf und abgehe.
    Plötzlich geht die Tür von meinem Gemach auf.
    Hoffnungsvoll schaue ich zu ihr, während Wachen, Sebastian und zu meinem Glück auch Kainan mein Gemach betreten.
    „Kainan!“ kreische ich glücklich und schliesse den Kleinen erleichtert in eine liebevolle Umarmung.
    Aus meinen Augenwinkeln erkenne ich, wie Francis seinem Bruder einen wütenden Blick zu wirft.
    „Wo seid ihr gewesen?“ will der junge König sogleich wissen und schaut Bash vorwurfsvoll an.
    Verdutzt rechtfertigt sich der Braunhaarige vor ihm: „Wir haben nur einen Ausritt gemacht.“
    „Du hättest mich fragen müssen!“ kontere ich, immerhin bin ich die Mutter von Kainan.
    Eine hitzige Diskussion beginnt zwischen den beiden Brüder.
    Bash beteuert immer wieder, dass er der Vater dieses Kindes sei und ebenfalls ein Anrecht auf ihn hat.
    Francis hingegen macht seinen Bruder auf meinen schlechten Zustand aufmerksam und dass ich mich nicht aufregen sollte.
    Natürlich hat Bash ein Anrecht auf seinen Sohn, doch er hätte mich wenigstens fragen können.
    Schlussendlich entschuldigt sich Bash aufrichtig bei mir: „Es tut mir Leid Anais, ich wollte nicht dass du dir sorgen machst und deine Gesundheit gefährdest.“
    Sanft lächle ich den braunhaarigen an: „Ist schon gut.“
    Nachdem nun alles geklärt ist verlässt Francis mein Gemach und lässt uns alleine.

    Glücklich spielt unser gemeinsamer Sohn in seinem Zimmer mit seinen geliebten Holzfiguren, während Bash und ich auf meinem Bett sitzen und ihm beim Spielen zu schauen.
    Jedoch hat der junge Franzose noch andere Absichten.
    Mit einer vorsichtigen Handbewegung streicht er meine Haare zur Seite, so dass mein Hals zu seiner Seite völlig frei ist.
    Zaghaft kommt er mir näher und liebkost die freie Stelle bis zu meiner Schulter.
    Ich geniesse seine Zärtlichkeit und schliesse meine Augen, als dieser plötzlich abbricht.
    „Was ist das?“ seine Finger gleiten meine hintere Schulterseite hinab.
    Abrupt stehe ich auf und betrachte die besagte Stelle im Spiegel.
    Beunruhigend tritt Bash an mich heran und begutachtet das Zeichen ebenfalls.
    Es ist ein eingebranntes Symbol welches uns beiden nur allzu bekannt vorkommt.
    „Dieses Zeichen gehört dem Heidentum an.“ Offenbart Bash und zeigt sich sichtlich schockiert.
    Jetzt wird mir alles klar, es muss eine Mixtur in diesem Kräutertee gewesen sein… sie haben mich betäubt und mir dann dieses Brandzeichen verabreicht.
    Dieses Mal, steht als Zeichen unseres Bündnisses welches ich mit ihnen geschlossen habe.
    Es hat den Zweck, mich an mein Versprechen zu erinnern.
    „Du gehörst zu ihnen!“ schockiert und dennoch besorgt klingt seine Stimme.
    Intensiv sehen seine Augen in meine.
    Ich senke mein Haupt: „Ja… genauso wie du!“
    Der braunhaarige taumelt einige Schritte zurück und kann nicht glauben was er da aus meinem Mund gehört hat.
    „Sie haben Kainan und mir geholfen, im Gegenzug dazu musste ich ihnen versprechen, dass wir ihnen beitreten werden.“ Erkläre ich ihm.
    Seine Augen weiten sich als ich ihm offenbare, dass ich mit ihnen einen Packt einging… auch ich bin nicht gerade begeistert davon, denn ich weiss was für ein blutiger Glaube der Heidentum ist.
    Ich erzähle ihm alles und lasse keine Einzelheiten aus… er soll wissen warum alles so gekommen ist und was wir den Heiden schulden, doch ob er ihnen ebenfalls beitreten wird bezweifle ich stark.

    9
    Die Kunst des Bogenschiessens Mittlerweile habe ich mich richtig gut am französischen Hof eingelebt. Ausserdem habe ich mich mit Prinzessin Claude an
    Die Kunst des Bogenschiessens



    Mittlerweile habe ich mich richtig gut am französischen Hof eingelebt.
    Ausserdem habe ich mich mit Prinzessin Claude angefreundet, wahrscheinlich verstehen wir uns so gut, weil auch sie Kenna nicht besonders gut leiden kann.
    Ich habe es mir wirklich anders vorgestellt hier am Hofe, zumindest dies was Bash betrifft.
    Er ist immer noch mit Kenna verheiratet, worüber ich ziemlich enttäuscht bin und was mich traurig macht.
    Immerhin haben wir ein gemeinsames Kind und ich dachte, er liebt mich.
    Natürlich ist mir bewusst dass eine Scheidung nicht so einfach ist, doch was findet er an ihr.
    Jedoch bin ich zurzeit nicht die einzige, die es in der Liebe schwer hat… auch zwischen Mary und Francis läuft es nicht so wie es sollte.
    Ein Grund dafür dürften die Königsfamilie aus Navarra sein, welche so einiges durcheinander zu bringen scheint.

    Ich bin gerade mit Claude unterwegs.
    Angeregt unterhalten wir uns und kichern hin und wieder fröhlich.
    Ich bin froh dass ich mit ihr Zeit verbringen kann, denn sie heitert mich immer wieder auf mit ihrer aufgestellten und temperamentvollen Art.
    Es hätte ein toller Tag werden können, bis wir Sebastian und seine Frau erblicken.
    Reflexartig halten wir an und verstummen gleichzeitig.
    „Ich geh mal kurz brechen.“ Erwidere ich mit kalter Stimme und mache augenblicklich kehrt.
    Auch wenn es mir für Claude ziemlich Leid tut, da wir einen schönen Tag zusammen verbringen wollten, so hat dieser Anblick mir alles verdorben.
    Ich liebe Bash und ich dachte er auch mich… doch so wie er sich mir gegenüber verhält scheine ich ihm gleichgültig zu sein.
    Traurig schlendere ich durch den Palast, als ich auf meinen König treffe.
    „Lady Anais? Ihr seht nicht gerade glücklich aus.“ Stellt er fest und sieht mich durchdringend an.
    Ertappt senke ich mein Haupt damit er nicht die Trauer in meinen Augen erkennt.
    Ich antworte ihm nicht, denn ich weiss dass er mich durchschaut hat und genauestens weiss wie ich mich fühle.
    Immerhin weiss er natürlich dass ich und Bash ein Verhältnis hatten und auch einen gemeinsamen Sohn haben.
    „Kommt.“ Spricht er mit weicher Stimme und führt mich durch den pompösen Palast, bis wir schliesslich zu seinen Gemächern kommen.
    Eine Bedienstete bereitet auf einem Silbertablett warmen Tee vor.
    Mein Blick schweift durch sein Gemach, denn nie zuvor bin ich hier gewesen.
    Francis bittet die Bedienstete uns schliesslich alleine zu lassen.
    Vorsichtig und bedacht darauf meine Zunge nicht zu verbrennen genehme ich mir ein Schluck von dem frisch aufbereiteten Tee.
    „Wie fühlt ihr euch an meinem Hof?“ stellt der Blonde so gleich die Frage.
    „Ich fühle mich sehr wohl.“ Antworte ich ihm wahrheitsgetreu, auch wenn dies nur der halben Wahrheit entspricht.
    Der junge König wirft mir einen vielsagenden Blick zu.
    „Naja… etwas anders habe ich es mir schon vorgestellt.“ Gebe ich zu und erhebe mich von meinem Stuhl.
    Francis folgt jeder meiner Bewegungen: „Ihr meint, was eure Beziehung mit meinem Bruder betrifft?“
    Ich nicke betrübt und setze mich an den Rand seines Bettes.
    Gedankenverloren schaue ich auf die Tasse in meinen Händen.
    Ich fühle mich überhaupt nicht wohl dabei, den König mit meinen Problemen zu belasten, immerhin hat er viel grössere Probleme als ich.
    Mitfühlend setzt sich der Blonde neben mich und streicht mir behutsam über meinen Rücken.
    „Ich will euch nicht zur Last fallen.“ Wispere ich und schaue bedrückt in seine Augen.
    „Das tut ihr nicht.“ Kontert Francis und nimmt meine Hände in seine.
    Intensiv schauen seine kraftvollen Augen in die meine.
    Wir beide sind mit unseren Gefühlen ziemlich beschäftigt und haben den einen oder anderen Schmerz auszuhalten.
    Die Luft zwischen uns beginnt zu knistern.
    Plötzlich presst der junge König seine Lippen auf meine.
    Es ist eher ein zurückhaltender Kuss seiner Seitz und dennoch in einer kleinen Hinsicht gefühlvoll.
    Zaghaft erwidere ich seinen Kuss… doch als er seine Hand an meine Wange legt und mich fordernder beginnt zu küssen, weiche ich zurück.
    „Wir… wir sollten das nicht tun.“ Sage ich entschlossen und verlasse sein Gemach ohne ihm die Möglichkeit zugeben mich aufzuhalten.

    Während ich durch die verschiedensten Halle spaziere, bringe ich dieses Bild nicht mehr aus meinem Kopf.
    Francis schien gekränkt als ich ihn zurückliess.
    „Anais!“ werde ich plötzlich aus meinen Gedanken gerissen.
    Aus gerechnet Bash steht vor mir.
    Entschieden kommt er auf mich zu.
    Auch ich gehe eilig auf ihn zu, denn ich kann und will so nicht mehr weiter leben.
    Ich will ihm eine Forderung stellen, die lautet Kenna oder ich.
    Sollte er sich für Kenna entscheiden muss ich mir über ihn keine Gedanken mehr machen und kann versuchen ihn aus meinen Gedanken zu verbannen.
    Auch er scheint unbedingt mit mir reden zu wollen, als seine Ehefrau unerwartet auftaucht und nach ihm ruft.
    Ich verliere mich in seinem Blick während wir augenblicklich stoppen.
    Bettelnd und dennoch mit gewissem Zorn in meinen Augen schaue ich ihn an… wenn er jetzt zu ihr geht, dann war’s das mit uns.
    Der Braunhaarige scheint hin und her gerissen zwischen uns beiden: „Anais ich…“
    Seine Stimme stockt und ist brüchig… er ist nicht in der Lage einen Satz zu formen.
    Dies braucht er auch nicht, denn ich habe seine Reaktion bereits verstanden.
    Schweigend wende ich mich von ihm ab und mache kehrt.
    Mit Tränen in den Augen eile ich den ganzen Weg zurück.
    „Bash kommst du?“ höre ich noch die Worte seiner Frau ehe ich um die nächste Ecke biege.
    Er muss mir noch nachgeschaut haben, doch ich blicke nicht zurück.
    Der einzige der mir jetzt in den Sinn kommt ist sein Bruder welchen ich zurückgelassen habe.
    Vor der schweren, braunen Holztür halte ich an und Klopfe an sein Gemach.
    Keine Sekunde später wird die Tür von innen geöffnet.
    Francis erkennt sofort dass ich geweint habe und lässt mich eintreten.
    Die schwere Tür fällt ins Schloss und ich zögere keinen Moment… verlangend lege ich meine Lippen auf seine.
    Seine wohlgeformten Lippen sind ganz weich und warm.
    Er scheint überrascht, hatte ich ihn zuvor zurück gewiesen, doch er erwidert meinen Kuss verlangend.
    Seinen Körper so nahe an meinem zu spüren, jagt mir einen heissen und zugleich kalten Schauer durch den Körper.
    Verlangend lege ich meine Arme um seinen Hals, während unsere Küsse immer heisser und sehnsüchtiger werden.
    Wir teilen zurzeit dasselbe Leid, was uns wohl zusammen schweissen lässt.
    Hastig knöpfe ich sein Hemd auf und streife es ihm ab.
    Wir taumeln unter einem leidenschaftlichen Zungenspiel zu seinem königlichen Bett.
    Francis beugt sich über mich und liebkost meinen Nacken, bis hin zu meinen Brüsten.
    Leise stöhne ich in den nächsten Kuss hinein, worauf ich spüre wie sich seine Lippen zu einem kleinen Lächeln verziehen.
    Ich schlinge die Arme um seinen Rücken und lasse zu, dass seine Hände ungehemmt über meinen Körper gleiten.
    Francis versiegelt meine Lippen erneut mit seinen, verbrennt mich von innen heraus und plötzlich ist mir völlig egal, wer er ist, wer ich bin und ob das überhaupt wichtig ist.

    Ich liege mit dem Rücken zu Francis und habe die Augen geschlossen, während er meine unbedeckte Wirbelsäule mit dem Zeigefinger nachfährt und die einzelnen Wirbel umkreist, als hätte er nie etwas Faszinierenderes gesehen.
    Was habe ich nur getan?
    Schuldbewusst drehe ich mich zu ihm um und schaue direkt in seine meerblauen Augen.
    Ich habe alles von ihm gesehen und er alles von mir.
    Bash wird rasen vor Wut, wenn er es herausfindet und das wird er.
    „Du bereust es“ sagt er mit einem bitteren Unterton und das strahlende Lächeln verschwindet.
    Bereu ich es?
    Das ist wohl das Hauptproblem, denn ich bereue es nicht, aber das sollte ich, denn was man nicht bereut, wiederholt man.
    „Nein. Nicht wirklich zumindest. Es ist nur so, dass ich mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe.“ Antworte ich ihm nachdenklich und hoffe dass er nicht verletzt wirkt.
    „Du musst dir keine Sorgen machen. Komm, lass uns den Tag noch ein bisschen an der frischen Luft geniessen.“ Erwidert der König und deckt sich ab um seine Kleider wieder anzuziehen.
    Er hat recht, es bringt nichts über das Geschehene nach zu denken… passiert ist passiert und kann nicht mehr geändert werden.
    Auch wenn ich ein schlechtes Gewissen gegenüber Mary habe… sie ist stets freundlich zu mir und behandelt mich mittlerweile wie eine Art Freundin.

    Francis und ich machen einen Spaziergang durch das Schloss.
    Neugierige Blicke hängen auf uns, denn immerhin hat man uns noch nie zusammen oder zu zweit erblickt.
    Natürlich tuscheln die Leute, doch dies scheint dem König sichtlich egal zu sein.
    Als wir gerade an dem Schiessplatz vorbei kommen, richtet sich Francis schmunzelnd an mich: „Könnt ihr mit dem Bogen umgehen?“
    Schelmisch grinsend verneine ich: „Ich bevorzuge den Nahkampf.“
    Dies versteht er so wie ich es meine, nämlich zweideutig weshalb er erwidert: „Dann lasst uns dies ausprobieren.“
    In einem der Zelte ziehe ich mich um und lege etwas Sportliches an.
    Es ist ein weisser, robuster Anzug, welcher allerdings meine Figur betont.
    Schaulustige haben sich versammelt und beobachten uns aufgeregt.
    Zuerst zeigt mir der junge König wie ich den Bogen richtig in die Hand nehmen muss.
    Francis tritt hinter mich und kommt mir dabei wieder sehr nahe.
    Ich spüre seine Körperwärme und seinen warmen Atem an meinem Hals.
    Mit seiner Hand führt er die meine und zeigt mir wie ich zielen soll.
    „Anais, Francis!“ werden wir unterbrochen und zwar von keinem anderen als dem Königsbruder.
    Francis entfernt sich ein Stück von mir als sein Bruder bedrohend näher kommt.
    „Was soll das werden?“ fragt er mit einem scharfen Unterton und mustert uns kritisch.
    Ich erkenne einen Hauch von Eifersucht in seinen Augen, doch ich verwische den Gedanken, immerhin scheine ich ihm ja gleichgültig zu sein.
    „Ich bringe ihr nur das schiessen bei.“ Antwortet ihm sein Bruder provokant und geht einen gefährlichen Schritt auf den braunhaarigen zu.
    „Und wozu soll sie das brauchen?“ kontert er in bedrohlichem Ton.
    Francis lässt sich von seinem Bruder nicht beirren und antwortet locker: „Für die Jagd.“
    Verstehend nickt der Braunhaarige und steht nun zu meiner linken, während Francis zu meiner rechten steht.
    Aus meinen Augenwinkeln, erkenne ich Claude welche amüsiert auf der Tribüne sitzt und sich über die gesamte Situation lustig macht.
    „Anais ihr müsst mit der Hand weiter nach vorn.“ korrigiert mich Francis.
    Allerdings macht es mich ziemlich nervös zwischen den beiden zu stehen, wenn sie sich so provozieren.
    „Ich weiss nicht was das bringen soll? Die Füchse sind doch in Bewegung, die stehen nicht still.“ Versuche ich ihnen klar zu machen.
    „Und passt auf, dass ihr nicht die Pfosten trefft.“ Überspielt Francis meine Frage und teilt mir weitere Anweisungen zu.
    Ungläubig starre ich diesen an, was ist denn jetzt mit ihm los?
    Vorhin ist er doch noch richtig auf mich eingegangen und jetzt überhört er meine Fragen.
    Anscheinend gibt es ein kleines Machtspiel zwischen zwei Brüdern.
    „Anais, schieb die linke Hand mehr nach unten.“ Mischt sich auch noch Bash ein, welcher seinen Bruder ignoriert.
    „So hat sie aber einen besseren Griff.“ Widerspricht Francis den Aufforderungen von seinem Bruder.
    „Ich hab das in Lublin auch schon gemacht. Ich weiss wie es geht.“ Äussere ich mich genervt doch werde glatt von dem provokanten Gefecht der Brüder überhört.
    Ich rolle mit meinen Augen.
    Bash kontert erneut: „Hat sie nicht! Deine Füsse sind zu dicht zusammen.“
    Ein wildes Durcheinander um mich herum beginnt.
    Francis sagt ich solle den Bogen so und so halten und Bash weist an ich solle ihn so und so halten.
    Jeder sagt etwas anderes, anstatt mir das Richtige zu zeigen.
    „Es ist ja nicht so, dass ich es nicht kann, ich will es nur nicht!“ erhebe ich meine Stimme und werde auch noch lauter, damit ich zwischen den beiden Streithähne nicht untergehe.
    Denn eigentlich möchte ich keine Tiere töten, dies liegt nicht in meiner Natur.
    Francis korrigiert mich weiter, oder besser gesagt seinen Bruder: „Die Füsse müssen weiter auseinander sein, damit sie ruhig steht!“
    „Ach, hör auf. Das Gewicht ist auf dem fordern Fuss.“ Der braunhaarige will seinem Bruder immer noch weise machen, dass seine Methode besser ist.
    Das angeberische Verhalten der beiden treibt mich noch zu Weissglut, weshalb ich ohne auf die beiden zu hören, einfach meinen Bogen spanne: „Hört ihr jetzt endlich mal auf!“
    In hohem Tempo fliegt mein Pfeil auf die Zielscheibe zu und trifft genau ins Schwarze.
    Triumphierend lache ich, während sich die beiden Brüder nur giftige Blicke zu werfen.
    Hat mein genialer Schuss überhaupt einen von beiden gesehen?
    Genervt von den beiden werfe ich den Bogen auf den Boden und begebe mich in das Zelt um mich wieder Hofgerecht zu kleiden.

    „Toller Schuss!“ begrüsst mich eine strahlende Prinzessin Claude.
    „Ich wusste gar nicht wie lästig deine Brüder sein können.“ Erwidere ich während wir durch die Palastgärten schlendern.
    Die Brünette beginnt herzhaft zu lachen: „Wenn einer der beiden eifersüchtig wird, kann dies geschehen.“
    Verwirrt beäuge ich Claude von der Seite, da ich ihr nicht folgen kann.
    „Bash scheint aus irgendeinem Grund eifersüchtig auf Francis gewesen zu sein.“ Klärt sie mich mit ihrer lieblichen Stimme auf.
    Dann habe ich mich vorhin doch nicht getäuscht.
    Allem Anschein nach, hat es Sebastian nicht gefallen, wie nahe mir sein Bruder stand.
    Plötzlich stürmen einige Wachen an uns vorbei und unterbrechen unsere Konversation.
    Benebelt tauschen Claude und ich Blicke aus und folgen den Wachen.
    An keinem Hof herrscht wirklich jemals Ruhe… irgendein Spektakel gibt es immer.
    An unserem Zielort angekommen ist gerade eine schwarze Kutsche eingetroffen.
    Die Wachen haben sich um die Kutsche versammelt und richten ihre Sperre bedrohlich auf sie.
    Mit einer Handbewegung bittet Francis sie allerdings die Waffen runter zunehmen.
    Ich traue meinen Augen nicht, als ich erkenne wer aus der Kutsche steigt.
    Ihr zierlicher Körper ist noch abgemagerter als er es war, bevor ich Lublin verlassen habe.
    Ausserdem ist er mit jeglichen Kratzer und blauen Flecken übersäht.
    Ihre Haare sind ungepflegt und zerzaust.
    Ich drängle mich durch die Menschenmenge, bis ich neben Francis stehe.
    Pures Entsetzen ist mir ins Gesicht geschrieben.
    Francis mustert mich besorgt und wartet meine Reaktion ab.
    Das arme Ding kann sich kaum auf den Beinen halten.
    „Adda!“ rufe ich schockiert und gehe mit grossen Schritten auf sie zu.
    Zerbrechlich fällt sie in meine Arme: „Ich bin so froh dich zu sehen Schwester.“
    Liebevoll umarme ich sie und will sogleich wissen was passiert ist: „Wer hat dir das angetan?“
    Meine Schwester beginnt zu schluchzen: „Radovid… er hat mich gefoltert und wollte Informationen über deinen Aufenthaltsort.“
    Meine Augen weiten sich vorschreck.
    „Wie bist du ihm entkommen?“ frage ich nun.
    „Ritter Kiril und Finn haben mir zur Flucht verholfen, bevor Radovid sie hinrichten liess.“ Gesteht sie mir unter Tränen.
    Wie bitte?
    Kiril und Finn sind tot?
    Das darf nicht sein!
    Meine treusten und liebenswertesten Ritter sollen hingerichtet worden sein?
    Grosser Schmerz breitet sich in meinem Herzen aus.
    Ich bin geschockt und wütend zu gleich.
    Mein Körper beginnt zu beben, meine Beine fangen an zu zittern.
    „Anais!“ Bash ist dies aufgefallen und bevor ich zusammen breche, fängt er mich mit seinen starken Armen auf.
    „Bringt beide ins Schloss!“ befiehlt Francis ehe sie mich zu meinen Gemächern bringen.

    10
    Ein Funken, der nie erlischt Betroffen schaue ich auf meine arme Schwester hinab, welche auf einem Krankenbett im Lazarett liegt. Wie konnten sie ihr
    Ein Funken, der nie erlischt

    Betroffen schaue ich auf meine arme Schwester hinab, welche auf einem Krankenbett im Lazarett liegt.
    Wie konnten sie ihr dies nur antun?
    Radovid hat viele Fehler.
    Er ist grausam, impulsiv und krankhaft ehrgeizig.
    Taktisch ist er jedoch zweifellos ein Genie.
    Wer ihn missachtet oder ihm nur ein kleiner Dorn im Auge ist, wird gnadenlos auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
    Denn Hass und Vorurteile werden niemals verschwinden.
    Und bei Hexenjagden wird es niemals um Hexen gehen.
    Es geht nur darum, einen Sündenbock zu finden.
    Inzwischen habe ich mich von meinen Schocks wieder etwas erholt.
    Ich zittere immer noch ein bisschen und bin ziemlich blass im Gesicht.
    Bash ist mir seit der Ankunft meiner Schwester nicht mehr von der Seite gewichen und beobachtet mich mit seinen scharfsinnigen Augen.
    Er hat sich auf einem holzigen Stuhl niedergelassen und schaut nachdenklich in unsere Richtung, während ich am Bett meiner schwachen Schwester sitze und ihre Hand halte.
    Es ist bereits einige Zeit vergangen, als man sie hier her brachte und seit dem, bin ich ihr nicht von der Seite gewichen.
    Ich habe Mühe meine Augen offen zu halten, was dem jungen De Poitiers nicht entgeht: „Du solltest dich ausruhen!“
    Seine Stimme klingt sanft und mitfühlend während er auf mich zu kommt und mir seine Hand liebevoll auf meine Schulterlegt.
    Er hat Recht, auch wenn ich meine Schwester in ihrem Zustand nur ungern alleine lasse, so muss ich mir eingestehen, dass es mir wohl gut tun würde, wenn ich mich ein Weilchen hinlege.

    Einige Zeit später…
    Gerade bin ich mit meiner Freundin Claude auf dem Weg zu meiner Schwester.
    Ihr geht es deutlich besser und morgen soll sie bereits das Lazarett wieder verlassen dürfen.
    Auf unserem Weg, fällt uns eine prunkvolle schwarze Kutsche auf.
    Zwei kräftige, rabenschwarze Pferde haben die Kutsche hier her gebracht.
    Wie gebannt halte ich an… das sind reinblütige Lubliner… prächtige, edle Rösser, wenn auch ziemlich eigenwillig und schwer zu beherrschen.
    Es hat wohl nichts Gutes zu bedeuten wenn diese Pferde aus meinem Land hier sind.
    Claude starrt unwissend zwischen der Kutsche und mir hin und her.
    „Was hast du denn?“ will sie wissen, als die Tür der Kutsche sich öffnet und die Person darin aussteigt.
    Entsetzt weiten sich meine Augen, als ich den schlanken und hochgewachsenen Mann erkenne… Vattier de Rideaux
    Er ist weder sonderlich dünn, noch von der stabileren, gut bemuskelten Sorte.
    Sein dunkelbraunes Haar hat er streng zurückgekämmt und lässt ihn so älter aussehen, als er eigentlich ist.
    Ich erkenne seine kühlen, grauen Augen bereits von hier… sie verbergen jegliche Emotionen was ihm aber bei seinem Beruf eine grosse Hilfe ist.
    Er ist ein Adliger und stellt sich immer als Botschafter vor, doch dies ist er keines Wegs.
    Er ist ein Spion und ein verdammt guter obendrein.
    König Francis tritt nun in mein Blickfeld, begrüsst den Botschafter und führt ihn unverzüglich ins Schloss.
    Meine Alarmglocken klingeln!
    Was ist wenn er gar keine Angelegenheiten mit dem König besprechen will sondern nur hier ist um zu prüfen ob ich und meine Schwester uns hier aufhalten?
    Denn Radovid ist zu allem fähig und er kennt keinen Skrupel vor nichts und niemandem.
    Ich werde hysterisch und bitte Claude um einen Gefallen: „Claude, geh ins Lazarett und überrede die Ärzte Adda schon heute zu entlassen! Ich muss etwas Wichtiges erledigen!“
    Ihre haselnussbraunen Augen schwirren wild umher: „Was ist denn auf einmal los mit dir? Kennst du diesen Mann etwa?“
    Ich nicke: „Das ist ein Spion aus meinem Land. Ich muss den König warnen.“
    Einsichtig nickt die braunhaarige und macht sich gleich auf den Weg zum Lazarett.

    Ein Bediensteter des Königs gab mir Bescheid, dass Francis zurzeit alleine in seinem Gemach weilt.
    Ich ergreife dies als meine Chance und klopfe an der schweren Tür.
    Die Wachen gewähren mir Einlass in seine Gemächer.
    Francis sitzt an einem grossen Tisch aus reinem Mahagoniholz.
    Die Fläche des Tisches ist mit etlichen Pergamenten und Büchern bedeckt.
    „Anais?“ überrascht schaut der Blonde von dem Pergament zu mir auf.
    Seine blauen Augen funkeln mich erwartungsvoll an.
    „Ihr dürft Botschafter de Rideaux nicht trauen!“ offenbare ich ihm mein Anliegen und setze mich ohne Erlaubnis auf den gegenüberliegenden Stuhl.
    Unsicher falte ich meine Hände auf meinem Schoss zusammen.
    „Er ist wegen des Bündnisses gekommen.“ Klärt mich Francis mit ruhiger Stimme auf.
    Das Bündnis… ich erinnere mich, sie sprachen darüber als die französische Königsfamilie an unserem Hof war.
    Jedoch glaube ich kaum, dass dieses Bündnis zustande kommen wird… nicht nur meinetwegen, sondern auch wegen den Beziehungen zu den anderen Ländern.
    Am Hofe von Radovid habe ich vieles politisches gehört und kenne mich deshalb auch ein wenig damit aus und weiss was es braucht, damit ein Bündnis zustande kommt.
    „Er ist ein Spion Francis!“ versuche ich ihm klar zu machen und hoffe inständig dass er mir Glauben schenkt.
    Botschafter bringen immer ein gewisses Risiko mit sich, und dies nutzt so manch ein König eben für seinen eigenen Nutzen aus.
    „Ich werde ein Auge auf ihn haben. Wenn du mich nun entschuldigen könntest, ich habe noch reichlich zu tun wie du siehst.“ Spricht er und konzentriert sich wieder auf das Pergament in seinen Händen.
    Fassungslos erhebe ich mich vom Stuhl und verlasse sein Gemach.
    So blind wie er scheint ist Francis hoffentlich nicht.

    Eilig laufe ich durch die beleuchteten Gänge des mächtigen Schlosses.
    In der grossen Halle findet gerade ein Bankett statt, was ich an der fröhlichen Musik erkennen kann.
    Ich entschliesse mich dazu einen kurzen Blick in die geschmückte und überfüllte Halle zu werfen.
    Es gibt nicht viele Personen, auf die Francis hört und sein Bruder ist einer davon.
    Bei seiner Frau und dem König von Navarra erbliche ich ihn schliesslich.
    Mit grossen Schritten gehe ich auf die drei zu und quetsche mich durch die vielen Menschen, welche sich köstlich amüsieren und zum Teil auch angeschwipst sind.
    Mitten im Gespräch unterbreche ich sie: „Ich muss mit dir reden, es ist wichtig!“
    Perplex richten sich alle Augenpaare verwundert auf mich.
    Na gut, etwas unhöflich ist es ja schon von mir, aber ich habe keine Wahl.
    Ich scheine sie in einem unpassenden Moment gestört zu haben.
    „Es ist gerade schlecht Anais.“ Äussert sich Sebastian und starrt den König von Navarra bedrohlich an.
    Ich kann nicht glauben, was ich da eben gehört habe.
    Warum will denn keiner mit mir reden?
    Ich reisse mich zusammen und werde ernster: „Es geht um Botschafter de Rideaux!“
    Meine Stimme hört sich kalt und monoton an und es zeigt Wirkung.
    Wenn auch widerwillig folgt mir der braunhaarige.
    Irgendetwas scheint vorgefallen zu sein, denn der junge Franzose ist alles andere als glücklich.
    Ärger im Paradies?
    Unauffällig grinse ich.
    Wir entfernen uns von der Feier und gehen ein Stück.
    „Was ist denn so dringend?“ will Bash wissen und klingt verärgert.
    „Wo hat der Botschafter sein Gemach?“ frage ich direkt.
    In seinen Gemächern könnten sich wertvolle Informationen verbergen, die um Leben und Tod entscheiden könnten.
    Bash verschränkt seine Arme vor der Brust und sieht mich warnend an: „De Rideaux scheint dich nicht eingeladen zu haben.“
    Ich verneine und richte mein Blick auf den Boden: „Nein, aber möglicherweise finden wir dort Indizien dafür, dass er aus einem anderen Grund hier ist.“

    Zu meinem Glück hat sich Bash dazu bereit geklärt mir sein Gemach trotzdem zu zeigen.
    Da der Botschafter bestimmt auf dem Bankett ist, haben ich und mein Begleiter freie Bahn.
    Auf dem Weg zu dem Quartier, teile ich dem braunhaarigen meine Sorgen mit.
    „Und du meinst er könnte wegen dir und deiner Schwester hier sein?“ erkundigt sich Bash während wir schnell zu den unteren Gemächern eilen.
    „Genau. Dies wäre bereits ein Anreiz für Radovid krieg gegen euer Land zu führen.“ Enthülle ich weiter.
    Entsetzt starren mich seine Augen an: „Du glaubst er würde wegen einer Frau einen Krieg riskieren?“
    Ich seufze… denn ich wünschte mir, dass es nicht so wäre.
    Radovid brauchte nicht lange um sich als harter und unbarmherziger Herrscher zu erweisen.
    Damals hat er sich an allen Adligen gerächt welche ihm mit Missachtung gestraft hatten.
    Mögliche politische Gegner zwingt er dazu ihm die Treue zu schwören, oder er lässt sie aus dem Weg schaffen, wenn sie sich weigern.
    Er scheint in seinen eigenen Visionen gefangen zu sein, doch macht dies ihn kein Deut dümmer.
    Geschickt manipuliert der junge Regent seine Gegner wie ein Puppenspieler.
    Mit haushoch unterlegenen Streitkräften besiegte er geschickt die Invasoren aus dem Süden.
    Deshalb will ich nicht an Krieg denken, denn Radovid findet immer einen Weg um das zu bekommen, was sein Herz begehrt.
    „Nicht wegen einer Frau, sondern wegen Verrats.“ Antworte ich meinem Begleiter während wir um eine Ecke biegen.
    Plötzlich vernehmen wir Schritte.
    Abrupt halten wir an.
    Wachen patrouillieren stets in den Gängen, aus Sicherheitsgründen natürlich und diese gehören dem Botschafter.
    Meine Augen schwirren umher und suchen nach einem passenden Versteck: „Schnell hinter den Wandteppich.“
    Ich ziehe Bash der sichtlich irritiert ist, an seinem Ärmel hinter einen grossen, schweren, verstaubten Teppich.
    Schon seit Ewigkeiten muss dieser alte Teppich hier rumhängen und als Verzierung her halten.
    Wir hören wie die Wachen sich uns nähern.
    Unsicher verharren wir in der Bewegung, als Bash sein Gesicht unerwartet zu mir dreht.
    Sein Gesicht ist dem meinen so nahe, dass ich seinen warmen Atem auf meiner Haut spüren kann.
    Intensiv schauen wir uns gegenseitig in die Augen und versinken in einer Traumwelt.
    Es ist schon ziemlich lange her, seit wir das letzte Mal Zärtlichkeiten ausgetauscht haben.
    Ich vermisse ihn… seine starken Arme welche mich schützend umschlingen, seine geborgene Wärme welche er mir vermittelt, seine zarten Berührungen wenn er mich streichelt, seine weichen Lippen während er mich küsst… ach ich vermisse einfach alles von ihm.
    Leider ist dies ein unpassender Moment und wir sind auf einer wichtigen Mission, weshalb ich kurz nachdem die Wachen an uns vorbei sind, wieder hinter dem Teppich hervor trete.
    Ich putze den Staub von meinem Kleid und wir setzen unseren Weg fort.
    Vor einer schweren Tür halten wir an.
    „Die lässt sich nur schwer öffnen.“ Spricht Bash und versucht sie zwecklos aufzubrechen.
    So ein Mist.
    Ich lasse meinen Blick durch den Gang schweifen und erblicke ein Fenster.
    „Komm, hier ist ein Sims vor dem Fenster, versuchen wir hier entlang zu gehen.“ Ich laufe voran, gefolgt von dem Bruder des Königs.
    Ein atemberaubender Anblick bekommen wir zusehen, als wir das grosse Fenster vorsichtig öffnen.
    Kalter Wind bläst uns ins Gesicht.
    Der Bergpass ist zugeschneit und sieht einfach nur majestätisch aus.
    „Ich habe schon Hässlicheres gesehen.“ Spricht der Braunhaarige albern während er mir hinterher läuft.
    Ich grinse und erwidere sarkastisch: „Sebastian de Poitieres, ein Romantiker.“
    Wir bewegen uns über einen schmalen Pfad, welcher uns zu dem anderen Fenster führt.
    Zu unserem Glück steht das Fenster offen und wir können die Gemächer des Botschafters betreten.
    Auf dem Tisch, mitten im Raum, fangen wir mit unserer Suche an.
    Es ist schwer zu sagen, welches Spiel der königliche Gesandte in Schwarz eigentlich treibt, doch selbst ein politischer Laie sieht ein, dass nichts, was de Rideaux unternimmt, auf Zufälle oder Launen zurückzuführen sind.
    Bash und ich durchsuchen jedes Pergament, jeden Brief, einfach alles was wir finden… doch wir finden nichts.
    Wütend schlage ich meine Fäuste auf den Tisch, was Bash aufschrecken lässt.
    Nicht einen einzigen Beweis haben wir gefunden.
    Ich kann es nicht glauben und will es einfach nicht wahr haben.
    Ich atme einmal tief ein und wieder aus um mich zu beruhigen dass ich das Gemach des Botschafters nicht zerstöre.

    Niedergeschlagen begeben wir uns zurück zur Feier.
    Wir laufen an vier Mädchen vorbei, welche sich ziemlich hübsch gemacht haben… allerdings weint die eine von ihnen bittere Tränen.
    „Aber wie konnte er mit dieser dürren Metze!“ heult sie, während ihre Freundinnen um sie herum stehen und sie versuchen aufzuheitern.
    An königlichen Banketten finde ich dies immer ziemlich amüsant.
    Die Tragödien welche durch ein einfaches Bankett entstehen können, die Geheimnisse welche ausgeplaudert werden, was für Pärchen es gibt und noch mehr.
    „Nun weine doch nicht, er ist doch nicht der einzige Mann auf dieser Welt.“ Versucht sie die eine zu beruhigen.
    „Aber er ist ein Baronet! Wo finde ich einen anderen Baronet?“ die weinende Frau scheint verzweifelt und untröstlich.
    Bash und ich gehen an ihnen vorbei und können uns ein Lachen nicht verkneifen.
    Amüsierend beginnen wir hell zu lachen.
    Bevor wir uns wieder in die grosse Halle begeben machen wir halt.
    Ich möchte mich bei ihm bedanken, er hat viel für mich riskiert.
    „Ich danke dir Bash! Für alles was du je für mich getan hast.“ Ich drücke ihm einen sanften Kuss auf seine Wange.
    Innig sehen wir uns wieder in die Augen.
    Die Luft beginnt zu knistern als ein ungebetener Gast direkt in unsere Richtung kommt: „Anais, ist das nicht der Botschafter?“
    Ich drehe mich nur kurz in die besagte Richtung und erkenne ihn ebenfalls.
    Panik macht sich in mir breit.
    Mein Herzschlag beschleunigt sich und mein Puls wird schneller: „Er darf mich nicht sehen!“
    Gerade will ich weglaufen, um mein Gesicht dem Diplomaten zu verbergen, als Bash mich unerwartet an sich zieht und seine Lippen auf meine presst.
    Ich bin wie erstarrt, aber willige in den Kuss hinein.
    Die Leidenschaft zwischen uns explodiert wie ein buntes Feuerwerk.
    Auch wenn es nur als Ablenkungsmanöver dient, so geniesse ich diesen Kuss, wie jeder andere Kuss von ihm.
    Der Botschafter bewegt sich ahnungslos an uns vorbei.
    Zu schnell löst sich Bash von mir, doch das Glitzern in seinen wundervollen Augen bleibt erhalten.
    Schweigend schauen wir uns in die Augen als ein gutes Musikstück gespielt wird.
    https://www.YouTube.com/watch? v=ezuUCdqs2Pg
    Ich kann gar nicht reagieren, da zieht Bash mich an meinem Arm hinter sich her, direkt in die grosse Halle: „Komm Anais, lass uns tanzen!“
    Auch wenn mir gerade nicht danach ist und ich eigentlich schlafen gehen wollte, so kann ich nicht anders und lasse mich mitreissen.
    Schwungvoll dreht Bash mich in eine erste Umdrehung als Einstieg.
    Die Stimmung in dem grossen Saal ist aus gelassen und feierlich.
    Die Menschen um uns herum tanzen fröhlich zur Musik, andere klatschen zum Takt und schauen uns Tänzern zu.
    Bei Bash und mir stimmt einfach in jeder Hinsicht die Chemie zwischen uns, was man uns auch ansehen kann.
    Ich lache freudig und kann kaum noch mit dem Tempo mithalten.
    Schwungvoll werde ich von der einen auf die andere Seite gewirbelt,
    Plötzlich wird Bash zu übermütig und zieht mich etwas zu fest in seine Richtung, worauf ich das Tempo unterschätze und mit ihm zusammenpralle.
    Zu unserem Glück kann der Braunhaarige einen Sturz verhindern und fängt mich mit seinen Armen auf.
    Gleichzeitig brechen wir in schallendem Gelächter aus, während er mich immer noch in seinen starken Armen hält.
    Erneut versinke ich in seinen Augen… doch ich weiss, dass der Kuss von vorhin eine traurige Massnahme war um den Botschafter abzuwimmeln und dass es zu keinem weiteren Kuss kommen wird.
    Als dann noch ein romantisches Lied angestimmt wird, muss ich mich zusammen reissen um nicht auch noch zu weinen.
    https://www.YouTube.com/watch? v=Zk8pgi6gQLg&index=13&list=PUC9h6FtIb58ZQCRPJ2ZQt Kg
    Es verletzt mich immer noch Bash mit Kenna zu sehen, auch wenn ich es mir nicht eingestehen möchte.
    Gerade will ich mich sammeln, als dann doch das Unverhoffte geschieht.
    Sanft und im Mittelpunkt der Menschenmenge, legt Bash seine weichen Lippen auf meine.
    Ich bin erstarrt und unfähig mich zu bewegen.
    „Ich liebe dich Anais!“ haucht Bash in den nächsten Kuss.
    „Und was ist mit…“ will ich fragen, doch ich werde von ihm unterbrochen als er mich erneut hemmungslos küsst.
    Er küsst mich mit so einer Selbstverständlichkeit, wie ich es nur von ihm kenne.
    „Ich werde mich von ihr scheiden.“ Versichert er mir und presst erneut seine Lippen auf meine.
    Ich schliesse meine Augen, schlinge meine Arme um seinen Nacken und gehe leicht mit der Musik.
    Ich bin froh, dass wir doch noch hier her gekommen sind.
    Bash und ich tanzen noch tief in die Nacht hinein, ehe wir in den frühen Morgenstunden in mein Gemach schleichen.

    11
    Hast du dafür auch eine Lösung… ich bin schwanger! Die Tage werden kälter und der erste Schnee kommt schon bald in die Täler. In dicke Pelzmänt
    Hast du dafür auch eine Lösung… ich bin schwanger!


    Die Tage werden kälter und der erste Schnee kommt schon bald in die Täler.
    In dicke Pelzmäntel umhüllt, bummeln Claude und ich durch den Jahrmarkt.
    Endlich habe ich dieses Leben, was ich mir schon immer gewünscht habe.
    Bash hat sich von Kenna getrennt und ist nun stets an meiner Seite.
    Wir gelten als offizielles Paar am französischen Hof.
    „Oh schau, in diesem Zelt ist eine Wahrsagerin!“ die Brünette deutet auf ein lilafarbenes Zelt, welches mit duzenden Sternen verziert ist.
    Natürlich möchte meine Freundin unbedingt der Hellseherin einen Besuch abstatten, ich jedenfalls glaube nicht an diesen Hokuspokus, weshalb ich beschliesse die diversen Stände noch etwas abzuklappern.
    In der Mitte des grossen Platzes wird gerade eine Feuershow aufgeführt.
    Der Feuerspuker ist sehr talentiert und hat meine Aufmerksamkeit für sich gewonnen.
    Die verzückte Menschenmenge um ihn herum, raunt über seine gefährliche Vorstellung und klatscht vergnügt in die Hände.
    Der Feuertänzer streicht sich sein blondes, tropfnasses Haar von der Stirn, während er die Flüssigkeit zu sich nimmt, die er für seinen Auftritt braucht um das gefährliche Feuer erneut tanzen zu lassen.
    „Lady Anais.“ Erklingt eine Stimme an meinem Ohr, welche mir nur allzu bekannt vorkommt.
    Ich erschrecke mich leicht, drehe mich allerdings grinsend um und erblicke in das feingeschnittene Gesicht des Königs.
    Er trägt einen königlichen, roten Umhang, der mit warmem Fell aus gefüttert ist.
    Mary und er sind immer noch distanziert zu einander… den Gerüchten zu folge, soll sie sogar eine Liebelei mit Louis Condé angefangen haben, dem Bruder des Königs von Navarra.
    „Majestät.“ Ich mache einen höflichen Knicks und senke mein Haupt.
    Ein kleines Lächeln huscht über seine wohlgeformten Lippen: „Dürfte ich euch auf ein Glas Wein einladen?“
    Natürlich lehne ich nicht ab, denn er ist schliesslich mein Gebieter.
    Ausserdem scheint er Gesellschaft zu brauchen, sei es auch nur jemanden zum Reden, denn ich habe das Gefühl, unser lieber König fühlt sich einsamer denn je.

    Vor dem brennenden Kamin in seinem Gemach, haben wir es uns gemütlich gemacht.
    Francis liess eine grosse, weiche Decke ausbreiten, auf welcher wir uns niederlassen und dem lodernden Kaminfeuer zusehen, während wir einen französischen Wein geniessen.
    Einige Wein Gläser später, ist unser lieber König bereits etwas angeheitert.
    Ich glaube die Situation zwischen Mary und ihm belastet ihn mehr als er zu gibt.
    Er versucht sich stark zu zeigen, was zu seinem eigenen Schutz dient.
    In seinem Inneren jedoch, sieht es bestimmt anders aus… ein zerbrechliches, verletzliches Wesen, welches sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt.
    „Also… wie sind wir so im Vergleich?“ fragt Francis aus heiterem Himmel, während seine Augen verloren gerade aus blicken.
    Irritiert drehe ich mein Kopf in seine Richtung und betrachte ihn fragend.
    Was ist das denn für eine Frage?
    Wen soll ich Vergleichen?
    „Was meint ihr?“ frage ich deshalb nach.
    Genervt verdreht er seine traurig, blauen Augen, doch ist er nicht von meiner Frage genervt sondern, weil ich ihn immer noch in der Höflichkeit-Form anrede.
    „Ich hab dir schon tausend Mal gesagt, wenn wir alleine sind, musst du mich nicht mit meinem Titel anreden.“ Belehrt der junge König mich lallend, während er einen weiteren Schluck des vorzüglichen Wein zu sich nimmt.
    Besorgt schaue ich ihn an… es wäre besser wenn ich ihm den Wein wegnehmen würde.
    Ich nicke unterwürfig und wiederhole meine Frage: „Nun denn, was meinst du mit welchem Vergleich?“
    So schnell wie ein Pfeil, bekomme ich auch schon meine Antwort: „Ich und Bash. Weisst du, wenn du uns vergleichen müsstest?“
    Ich lache über seine lächerliche Frage und antworte: „Das würde ich nicht.“
    Wie kommt er nur auf so einen Gedanken?
    Man sollte nie jemanden mit jemand anderem vergleichen… besonders dann nicht, wenn beide einem sehr viel bedeuten.
    Francis und Bash sind in vielen Hinsichten anders… ihr Schicksal spielt dabei eine grosse Rolle und macht sie zu dem was sie sind.
    Auch wenn Francis angetrunken ist, so scheint diese Frage einen tiefgründigen Hintergrund zu haben: „Aber wenn doch, wer würde vorn liegen?“
    Ich muss mir ein Grinsen verkneifen: „Ich soll dich einschätzen wie ein Rennpferd oder so was?“
    „Ja genau.“ Antwortet er und nippt weiter an dem Wein.
    Ich überlege einen Moment, bis mir einen Vergleich einfällt, auch wenn dieser eher zu einem Rennpferd passt, als zu ihm und seinem Bruder.
    „Na gut… wie schnell bist du denn?“ erwartungsvoll drehe ich mein Haupt in seine Richtung und warte auf seine Reaktion.
    Meine Frage scheint ihn etwas zu überfordern, denn er lässt sich mit seiner Antwort reichlich Zeit: „Na ziemlich schnell.“
    Wir fangen beide an zu lachen.
    „Dann hast du das Rennen schon verloren.“ Erwidere ich lächelnd und wende mein Blick von ihm ab.
    Wir schweigen… ich weiss nicht worauf der Blonde hinaus will, aber er scheint mit irgendetwas nicht zufrieden zu sein.
    Eigentlich müsste er den Vergleich doch mit sich und Conde machen.
    Mir fällt auf, dass Francis langsam schläfrig wird und Mühe hat seinen Augen offen zu halten.
    Ich erhebe mich vom Boden und reiche ihm schmunzelnd meine Hand.
    Freundschaftlich helfe ich ihm auf die Beine und stütze ihn vorsichtig zu seinem Bett.
    Der Blonde legt sich hin, und nistet sich in dem grossen königlichen Bett zurecht.
    „Schlaf jetzt und werde wieder nüchtern.“ Befehle ich, decke ihn zu und gebe ihm noch einen sanften Abschiedskuss auf seine Stirn.
    „Bleibst du nicht hier?“ bettelnd klingt seine Frage, und trübselig blickt er mich an.
    Auch wenn er mir ziemlich Leid tut, so kann ich nicht bei ihm bleiben.
    Er gehört zu Mary und ich bin mit Bash zusammen.
    Tröstend setze ich mich jedoch zu ihm und nehme seine Hand aufbauend in meine: „Es wird alles wieder gut werden Francis.“
    Nachdenklich schwirren die Augen des Königs umher, als er mich wieder fest fixiert.
    Seine Stimmung kippt nun ganz: „Weisst du, ich halte das nicht mehr aus… das ist alles nur Heuchelei. Mary und Condes haben eine Liebelei begonnen… und du und Bash seid nun wieder zusammen.“
    Mitfühlend rücke ich ihm ein Stück näher und schaue ihn vertraut und mit warmem Blick an.
    Mit beruhigender Stimme, spreche ich einfühlsam auf ihn ein: „Nein, das ist doch Unsinn. Mary liebt dich!“
    Jede Beziehung ist irgendwann mal an den tiefsten Punkt ihrer Ära angelangt.
    Die beiden haben es so unendlich schwer und doch schon so viel zusammen gemeistert… ihre Beziehung kann nicht so einfach vorbei sein.
    Bittere Tränen des Schmerzes sammeln sich in seinen Augen: „Manchmal wünschte ich mir ein anderes Leben, einfach gewöhnlich zu sein, mir keine Sorgen machen zu müssen, was meine Entscheidungen ausrichten.“
    Gebrochen senke ich mein Haupt, denn ich kann ihm bei seiner schweren Bürde nicht helfen.
    Viele sagen immer, dass man selbst entscheiden kann wen man sein will… doch im Grunde genommen, weiss jeder dass dies noch nie gestimmt hat.
    Plötzlich umrahmt Francis mein Gesicht mit seinen Händen und kommt mir Näher.
    Er kann mich unmöglich küssen wollen… ehe ich mich versehe umschliesst er meine Lippen mit den seinen.
    Der zarte Kuss ist mit jeglichen Gefühlen und Emotionen getränkt… ich fühle einfach alles… seinen seelischen Schmerz, seine instabile Mauer, sein Verlangen nach Geborgenheit und seine Sehnsucht nach Zärtlichkeiten.
    Langsam lösen wir den Kuss auf, doch Francis hält mein Gesicht immer noch in seinen Händen: „Siehst du Anais… es ist alles Heuchelei. Wirklich alles.“
    Ich bin zu erstarrt etwas zu erwidern.
    Eine Träne bahnt sich ihren Weg über die leicht geröteten Wangen von dem blonden König.
    Erst jetzt wird es mir bewusst… selbst dieser Kuss von eben, habe ich bloss erwidert, weil ich ihn nicht noch mehr kränken wollte.
    Ein dicker Kloss steckt in meinem Hals und ich fühle einen mir unbekannten Schmerz in meiner Brustgegend.
    Ich kann meine Tränen ebenfalls nicht mehr zurück halten, weshalb ich mich schwungvoll erhebe und aus seinem Gemach stürme.
    Die Gänge des Schlosses sind dunkel und wie leer gefegt.
    Ich lasse meinen Tränen freien Lauf und schluchze auf dem Weg zu meinem Gemach als ich von einer herrischen Stimme unerwartet aufgehalten werde: „Lady Anais. Ihr seid noch wach zu dieser Stunde?“
    Mit erhobenem Haupt kommt die Königin Mutter auf mich zu.
    Schnell wische ich die Tränen aus meinem Gesicht und versuche mich standhaft zu zeigen.
    Ihr in einem gebrochenen Zustand gegenüber zustehen, ist das fürchterlichste was einem passieren kann.
    „Sebastian und ihr versteht euch richtig gut.“ Spricht sie und sieht mich mit einem schaurigen Blick an.
    Sie spricht dieses Thema bestimmt nicht ohne Grund an.
    Catherine de Medici hat es Faustdick hinter den Ohren und das ist jedem einzelnen im Schloss bekannt.
    Trauen, tue ich ihr keines Wegs… sie ist ein Ebenbild von Radovid und nur auf ihr Eigennutz aus.
    Ich erwidere nichts auf ihre Äusserung, sondern warte ab.
    Mit meiner brüchigen und erstickten Stimme, könnte ich ihr sowieso nichts anhaben.
    „Mit Francis scheint ihr auch gut auszukommen.“ Spricht sie weiter und kommt mir drohend näher.
    Weiss sie Bescheid über uns? Oder versucht sie mich nur aus der Reserve zu locken?
    Ich versuche standhaft zu bleiben… doch meine sonst schon angeschlagene Fassade beginnt mit ihren nächsten Worten zu zerbrechen.
    „Und es kümmert euch nicht, dass sie Brüder sind?“, ihre Worte treffen mich und ich sehe sie entsetzt an, „Ihr seid wirklich eine sehr temperamentvolle junge Frau… doch ich denke, dass ihr in eurem Innersten wisst, dass ihr für keine von beiden die Richtige seid. Die beiden brauchen eine Frau an ihrer Seite, welche vernünftig und stabil ist. Wenn euch wirklich etwas an Bash oder Francis liegt, dann lasst ihr nicht zu dass es weiter geht.“
    Mit erhobenem Hauptes verlässt sie mich und führt ihren Pfad triumphierend fort.
    Ich presse meine Augen zusammen und gehe auf schnellstem Weg in mein Gemach, wo ich mir die Seele aus dem Leib weine.

    Am nächsten Morgen entschliesse ich mich trotzdem dazu der Wahrsagerin einen Blick abzustatten.
    Vielleicht kann sie mir offenbaren, wie meine Zukunft hier am Hofe aussehen wird.
    Catherine de Medicis Worte haben mir einfach zu sehr geschadet und ich frage mich ob es noch einen Sinn gibt in Frankreich zu bleiben.
    Ich habe mit niemandem über unsere Konversation gesprochen, weder mit Bash noch mit Francis… und werde dies wahrscheinlich auch nie tun.
    Unsicher betrete ich das dunkle Zelt.
    Eine ältere Frau mit langen, braunen lockigen Haaren erwartet mich freundlich.
    Kerzen und eine runde Wahrsager-Kugel stehen auf dem Tisch in der Mitte des Zeltes.
    „Geht es euch nicht gut? Ihr seht blass aus?“ stellt sie mir sogleich die Frage während ich mich auf den gegenüberliegenden Stuhl setze.
    Kritisch mustere ich das innere des Zelts weiter und antworte: „Ich fühle mich auch nicht so wohl. In den letzten Tagen schlafe ich nicht besonders viel.“
    Ein kleines Lächeln breitet sich auf dem Gesicht der Wahrsagerin aus.
    „Und was sonst?“ forscht sie weiter nach und durchdringt mich mit ihren dunklen Augen welche eine magische Wirkung zu haben scheinen.
    Ich zucke mit den Schultern: „Ich habe kaum Appetit in letzter Zeit.“
    Wieder lächelt sie mich nur geheimnisvoll an, als wüsste sie, wieso ich hier wäre.
    Auf dem Zelt stand, dass man nur eine Frage stellen darf, also muss ich mir eine gute Frage ausdenken.
    Da ich keine Frage was Bash oder Francis betrifft, stellen möchte… aber was trotzdem einen Zusammenhang mit den beiden hat, frage ich einfach: „Werde ich Frankreich verlassen?“
    Mein Gesichtsausdruck versteinert sich und mit ernstem Blick, warte ich auf ihre Antwort.
    Der Blick der Wahrsagerin wird weicher und sie lächelt mich wieder an: „Diese Frage wolltet ihr doch gar nicht stellen.“
    Verwirrt beäuge ich sie: „Wie meint ihr das?“
    „Ihr braucht gar keine Hellseherin, sondern einen Arzt.“, Offenbart mir die geheimnisvolle Frau, „My Lady ich denke ihr seid schwanger!“
    Ich lache abschätzend auf.
    Ich wusste doch, dass dieser Hokuspokus der grösste Quatsch ist... wie kann Claude nur daran glauben?
    Für nichts habe ich kostbare Zeit verschwendet.
    „Nein, bin ich nicht! Das ist albern, ich glaube sowieso nicht an Hellseherei.“ Ich erhebe mich verärgert von dem Stuhl und will das Zelt verlassen, als die Wahrsagerin mich am Arm zurückhält.
    „Damit hat das nichts zu tun my Lady. Ich habe selbst drei Kinder, ich weiss wie das ist… und ihr wisst es auch.“ Pures Entsetzen breitet sich auf meinem Gesicht aus.
    Ich habe kaum noch Erinnerungen daran, wie es war als ich mit Kainan schwanger war, doch die Symptome welche mich in den letzten Tagen plagen, scheinen eindeutig darauf hinzuweisen.
    Aber wie konnte dies passieren?
    Bash und ich haben erst vor wenigen Tagen das Bett wieder zusammen geteilt… es sei denn…Nein! Das darf nicht sein!

    Nachdenklich wandle ich mit gesenktem Blick durch den Palast.
    Ich bin zum Entschluss gekommen, dass ich das Kind nicht bekommen werde, sofern es noch nicht zu spät ist.
    Es würde für alle Beteiligte die Umstände erschweren… Francis hat sowieso bereits ein uneheliches Kind und ein zweites könnte seinem Ruf erneut schaden… ausserdem habe ich grosse Angst es Bash zu erzählen und Königin Mary möchte ich auch nicht schaden.
    „Anais! Ich hab dich schon überall gesucht!“ Claude stösst zu mir und ist ganz aus dem Häuschen.
    Ich lächle ihr bloss abwesend zu.
    „Ich habe eine Lösung gefunden! Ich muss einfach Leiths Stand erhöhen.“ Verrät sie mir und wirkt dabei überglücklich.
    Da Leith einen sehr niedrigeren Stand hat, darf er nicht um ihre Hand anhalten, doch wenn er seinen Stand erhöht, kann er dies eines Tages.
    Wenigstens eine von uns ist glücklich, doch die Brünette bemerkt schnell, dass mit mir etwas nicht stimmt.
    „Alles in Ordnung?“ will sie besorgt wissen und macht einen versteinerten Gesichtsausdruck.
    Ich halte an und atme einmal tief ein und wieder aus.
    Ich sammle meinen Mut zusammen und versuche stark zubleiben, als ich ihr meine Diagnose enthülle: „Hast du dafür auch eine Lösung… ich bin schwanger.“
    Schlagartig erhellt sich ihr Gesicht, sie beginnt zu strahlen und hüpft freudig vor mir her.
    „Warum brauchst du eine Lösung? Du hast doch die perfekte Familie! Weiss Bash die gute Neuigkeit schon?“
    Wenn es so wäre, müsste ich mir nicht so viele Gedanken machen… doch genau da liegt das Problem.
    „Das ist es ja…das Kind ist nicht von Bash… sondern von Francis.“ Erläutere ich ihr niedergeschlagen und verzweifelt.
    Das Strahlen in ihrem Gesicht verschwindet so schnell wie es gekommen ist.
    Ich erzähle ihr alles von Anfang an, bis ins kleinste Detail.
    Francis und ich hatten uns in einer schweren Zeit gebraucht… Sebastian war noch mit Kenna zusammen und Mary und Francis hatten damals auch nicht die beste Beziehung.

    Mit Claudes Beistand habe ich mich dazu entschieden es Francis zu sagen.
    Er hat ein Recht darauf es zu erfahren und sollte auch bei der Entscheidung, was mit dem Baby geschieht, seine Meinung äussern.
    Der Vater sollte es eigentlich als erster wissen, hat mir die Brünette in mein Gedächtnis geprügelt.
    Ich werde jetzt allen Mut zusammen nehmen und ihm die Wahrheit sagen.
    Ein letzter Blick zu meiner Freundin baut mich zusätzlich auf.
    Liebevoll nimmt sie meine Hand, während wir die Gemächer unseres Herrschers betreten.
    Der Blonde merkt sofort, dass irgendwas geschehen ist, da er auf meine und Claudes verschlungenen Hände starrt.
    Mit einem Ruck erhebt er sich von seinem Stuhl und kommt auf uns zu: „Anais, Claude. Stimmt irgendetwas nicht?“
    Hilfesuchend blicke ich zu meiner Freundin, welche mir allerdings einen kleinen Anstoss verpasst.
    Mit stockender Stimme offenbare ich Francis mein Geheimnis: „Ich bin schwanger… und du bist der Vater!“

    12
    Verletzende Worte Das Land liegt in einer kalten, schneeweissen Pracht. Die Mauern des Schlosses, die Dächer der Häuser, der Pflasterboden der Stras
    Verletzende Worte

    Das Land liegt in einer kalten, schneeweissen Pracht.
    Die Mauern des Schlosses, die Dächer der Häuser, der Pflasterboden der Strassen, einfach alles liegt unter einer weissen Decke.
    Auch wenn ich diese kalte, triste Jahreszeit überhaupt nicht mag, so bin ich froh, dass sie gekommen ist… denn je wärmer ich mich ankleide, umso besser kann ich meinen wachsenden Bauch verstecken.
    Aber wie lange kann ich ihn noch vor Bash geheim halten?
    Zurzeit befindet er sich noch auf einer wichtigen Reise, doch schon heute Abend soll mein Geliebter zurück sein.
    Eigentlich bin ich ja ziemlich froh ihn nach so langer Zeit wieder bei mir zu haben, doch der Gedanke ihm meine Schwangerschaft zu offenbaren und ihm zu gestehen, wer der Vater dieses Kindes ist, löst bei mir grosse Furcht aus.
    Ich schlucke bei dem Gedanke ihm ein Geständnis ablegen zu müssen.
    Ein Klopfen an der Tür reisst mich aus meinen Gedanken.
    Es ist Francis welcher den Raum betritt: „Lass uns spazieren gehen.“
    Lächelnd beäuge ich ihn und ziehe mir schnell meinen Pelzmantel über.
    Auch die Fuchsmütze lasse ich nicht in meinem Schrank, denn draussen herrschen eisige Temperaturen.
    Gemütlich laufen Francis und ich durch die zugeschneiten Palastgärten.
    Vereinzelte Schneeflocken verfangen sich in meinen dunklen Haaren.
    Seit ich Francis gestanden habe dass er der Vater des Kindes ist, ist er ständig um mein Wohlbefinden besorgt.
    Ausserdem ist er bei jedem Arztbesuch dabei und will alles genauestens wissen.
    Plötzlich rutsche ich unerwartet mit meinen hochhackigen Schuhen auf dem eisigen Boden aus.
    Francis kann nicht schnell genug reagieren und so lande ich direkt auf dem kalten Pflasterboden.
    Auch wenn es eigentlich überhaupt nicht wehgetan hat, fange ich an wie ein kleines Kind zu heulen.
    Ich reibe mir meinen Arm, welcher voller Schnee ist und bleibe weinend auf dem Boden sitzen.
    Francis kniet sich besorgt zu mir runter und sieht sich panisch nach Wachen um, welche mir zu Hilfe eilen können: „Wachen!“
    Sein lauter Schrei dringt in meine Ohren.
    Reflexartig schliesse ich meine Augen, da sein lauter Schrei mein Trommelfell belastet hat.
    Keinen Augenblick später eilen zwei Wachen hektisch herbei.
    „Holt sofort einen Arzt!“ befiehlt der junge König panisch.
    Doch ehe die Wachen sich davon machen können winke ich schluchzend ab: „Ich bin nicht verletzt!“
    Der junge König scheint nicht zu verstehen wieso ich heulend auf dem Boden sitze, wenn ich nicht verletzt bin.
    „Und was ist dann?“ unruhig mustert er mich mit seinen besorgten Augen.
    „Ich bin hingefallen! Hast du denn noch nie geweint wenn du hingefallen bist?“ frage ich weinend und fuchtle verärgert mit meinen Armen herum.
    Der Blonde tauscht einen irritierten Blick mit den Wachen aus ehe er mir schmunzelnd antwortet: „Natürlich, ungefähr mit sieben.“
    Grinsend hilft mir der gutmütige König hoch und wir machen uns auf den Rückweg.

    Bald ist es soweit und mein Geliebter kehrt heim.
    Zusammen mit Francis und Claude warte ich in meinem Gemach auf Sebastian.
    Ich mache mir grosse Sorgen darüber, wie er reagieren wird… und ob er überhaupt noch mit mir zusammen sein will.
    Plötzlich wird die Tür auf geschlagen und ein breit grinsender de Poitieres betritt das Gemach: „Ich bin wieder da!“
    Abrupt verstummt er, als er uns zu dritt erblickt.
    Fragend fixiert er uns mit seinen blau-grünen Augen.
    Francis und Claude beäugen ihn ernst und sind sichtlich angespannt.
    Meine Freundin verstärkt ihren Händedruck um meine Hand… na toll, sie ist noch nervöser als ich es bin.
    Ich versuche meine Nervosität zu überspielen und versuche ihn aufrichtig anzulächeln.
    „Bash ich muss dir etwas gestehen.“ Vorsichtig erhebe ich mich vom Stuhl und lasse die Decke um mich herum zu Boden fallen.
    Augenblicklich richtet sich der Blick von Bash auf meinen runden Bauch.
    Es ist bereits zu erkennen dass dies nicht vom vielen essen kommen kann.
    „Ich bin schwanger.“ sage ich mit bedrückter Stimme und senke meinen Blick.
    Ich habe wieder diesen Kloss im Hals und bin nicht im Stande ihm zu offenbaren wer der Vater ist.
    Jedoch ist Francis so hilfsbereit und klärt alles für mich auf: „Ich bin der Vater.“
    Geschockt starrt der Braunhaarige uns an alle.
    Es herrscht Stille… eine unangenehme Stille.
    Ich habe es geahnt… dass Bash sich von mir abwenden wird, sobald ich ihm erläutere dass nicht er der Vater ist.
    Mein Herz pocht so fest, dass ich das Gefühl habe, dass alle Anwesenden im Raum ihn vernehmen können.
    „Wann?“ bricht mein Geliebter die Stille mit brüchiger Stimme.
    Die Wahrheit bereitet ihm grosse Schmerzen, was verständlich ist.
    Auch ich wünschte es wäre nicht so.
    „Als du noch mit Kenna verheiratet warst.“ Berichtet Francis ihm und zeigt sich mitfühlend.
    Der Braunhaarige steht ruhig vor uns, doch in seinen Augen erkenne ich, dass er verletzt ist.
    Ich weiss nicht was ich tun soll… soll ich auf ihn zu gehen und ihn umarmen oder soll ich hier bleiben und warten bis er eine Reaktion von sich gibt.
    „Bash es tut mir leid.“ Ich habe mich trotzdem dazu entschieden auf ihn zu zugehen, doch er weicht gekränkt zurück.
    „Lass mir Zeit Anais.“ Spricht er betroffen, begibt sich in Kainans Spielzimmer und entschliesst sich dazu etwas mit ihm nach draussen zu gehen um auf andere Gedanken zu kommen.
    Traurig setze ich mich auf mein Bett, lege die Hände vor meine Augen und fange an zu weinen.
    Ich wusste, dass es so kommen würde… ich hätte das Kind abtreiben sollen und Francis im Ungewissen lassen sollen.
    Beruhigend setzt sich der blonde König neben mich und nimmt mich tröstend in seine Arme.
    Ich lehne mich gegen seine starke Brust und weine unaufhörlich.
    „Er beruhigt sich schon wieder.“ Spricht mir Francis Mut zu und gibt mir einen liebevollen Kuss auf mein Haupt.

    Es ist einige Zeit vergangen, seit ich Bash gestanden habe, dass er nicht der Vater meines Kindes ist.
    Seit dem ich ihm dies offenbart habe, sind wir sehr Distanziert zu einander und sprechen kaum noch ein Wort… einzig wenn es um unseren gemeinsamen Sohn geht, reden wir flüchtig miteinander.
    Francis hat mich heute auf einen kleinen Ausflug eingeladen, damit ich mich von meinem stressigen Alltag etwas ablenken kann.
    Das abgelegene Anwesen der Familie Moreau ist nicht nur für seine niedlichen Wächter und die ausschweifenden Bankette berühmt, sondern auch für die Pferderennen, die dort zu Ehren des illustren Moreau-Vorfahren Erasmus veranstaltet werden.
    Ausserdem werden auch Pferde zur Schau vorgeführt und anschliessend verkauft.
    Meine Aufmerksamkeit gilt einer grauen Stute mit schwarzer Mähne, während Francis sich angeregt mit einem Wachmann unterhält.
    Ich habe mein Gebot bereits abgegeben und warte jetzt gespannt ob ich überboten werde oder ob das schöne Mädchen mir gehören wird..
    Sie führen die Stute immer wieder im Kreis herum und präsentieren sie von all ihren Seiten.
    Francis gesellt sich zu mir und begutachtet das Pferd ebenfalls, jedoch mit kritischem Blick.
    Er scheint alles andere als angetan von diesem Pferd.
    Na gut, ich gebe ja zu, dass das Pferd nicht in bester Form ist, doch ich habe das Bedürfnis es zu retten.
    „Was fasziniert dich an diesem abgehalfterten Gaul?“ will der König wissen und beäugt mich mit schrägem Blick.
    Ich muss ihm nicht antworten, denn der Auktionator verkündet gerade das Ergebnis: „80 Livre zum Ersten… und zum Zweiten… und verkauft an Lady Anais La Valette.“
    Siegesreich grinse ich glücklich, während die meerblauen Augen von Francis mich fassungslos anstarren.
    „Hast du sie nicht alle?“ spricht er bestürzt und schaut dem Pferd nach, welches ich gerade ersteigert habe.
    „Was sollte ich machen, sie wäre beim Abdecker gelandet.“ Erkläre ich ihm meinen Kaufgrund.
    Daraufhin erwidert der junge König nichts mehr, sondern schüttelt verständnislos sein Haupt.
    Ich kann ihn ja verstehen… denn unser Leitsatz lautete, dass wir die Pferde mit Bedacht kaufen sollten.
    Da wir beide leidenschaftliche Reiter sind, wollten wir uns noch mehr Pferde zu tun und diese dann ausbilden, deshalb hat mir Francis einige Livre übergeben.
    Auch wenn wir mit ihnen keine Preise gewinnen werden, so habe ich sie vor ihrem Schicksal gerettet… zumindest drei von ihnen.

    Am französischen Hof angekommen, führen wir die Pferde in ihre Stallungen.
    Eine Wache öffnet freundlich uns das Tor zur Koppel, während Francis wieder nur herum nörgelt: „Willkommen im La Valette – De Valois Asyl für abgehalfterte Pferde.“ Spottet der blonde König weiter über meinen Kauf.
    Schon die ganze Rückfahrt in der königlichen Kutsche hat er sich darüber aufgeregt und fluchte wie ein Rohrspatz.
    „An dem Pferd ist nichts abgehalftert!“ kontere ich und führe die graue Stute herrisch auf die Koppel.
    Unsere Diskussion über die Pferde ist allerdings noch lange nicht beendet: „100 Livre für diese dicke Tante!“
    Francis deutet bestürzt auf das braune Pferd welches er hinter sich herführt.
    Ich halte an, drehe mich in seine Richtung und schreite bedrohend auf ihn zu: „Wie kommst du auf dicke Tante?“
    Daraufhin schweigt unser lieber König, denn er weiss selbst dass er in ein Fettnäpfchen getreten ist.
    Wir übergeben die neuen Pferde den Stallburschen, welche sich gut um sie sorgen werden.
    Mit gutem Futter und genügend Streicheleinheiten wird aus diesen Pferden bestimmt noch etwas.
    Gemeinsam begeben wir uns zurück zum Palast.
    Inzwischen weiss es der gesamte Hof, dass das ungeborene Baby von Francis ist.
    Auch wenn ich mich dabei immer noch unwohl fühle und ein schlechtes Gewissen habe, sorgt der Herrscher stets für mich und nimmt mich in Schutz.
    „Weisst du Anais, ich habe nachgedacht über uns.“ Spricht mein Gebieter während wir uns zum Schloss begeben.
    Fragend mustere ich ihn während er mir seine Gedanken erläutert: „Mit meinem Gedanken wären gleich mehrere Probleme gelöst… das Gerede würde aufhören, meine Mutter würde dich in Ruhe lassen und unser Kind würde legitimiert werden.“
    Ich werde hellhörig: „Was meinst du damit?“
    Francis scheint sich zu überlegen ob er seinen Gedanken wirklich aussprechen soll, oder ob er ihn doch für sich behält.
    Es macht ihn sichtlich nervös, was ich daran erkenne, wie er seine Hände knetet und die Menschen um uns herum beobachtet.
    Trotz all seinen Bedenken öffnet er sich mir, wie er es immer getan hat: „Wir könnten heiraten.“
    Geschockt halte ich inne und beäuge ihn irritiert.
    Damit würden sich wirklich viele Probleme lösen lassen… aber auch vieles spricht dagegen.
    Auch wenn Bash und ich momentan Distanziert zu einander sind, so liebe ich ihn dennoch und möchte ihn nicht noch weiter verletzen.
    Zudem ist Francis mit Mary verheiratet… zwar hat er sie frei gegeben, aber auch er liebt sie und sie ihn.
    Ausserdem wäre es unklug ihre Heirat aufzulösen… Marys Land wäre den Engländern schutzlos ausgeliefert.
    Unerwartet nimmt der Blonde meine Hände in seine und sieht mir tief in meine Augen: „Warum nicht Anais? Wir verstehen uns gut und ich würde dir viel Freiraum geben… und alles andere auch.“
    Ich werde verlegen… irgendwie schmeichelt mir das sehr.
    Lächelnd schaue ich ihn an und frage: „Was denn alles?“
    Francis räuspert sich und antwortet mit seiner sanften Stimme: „Du weisst schon… Partnerschaft und uns gegenseitig unterstützen.“
    Mit seinem Gesicht nähert er sich mir ganz langsam und vorsichtig.
    Abrupt spüre ich die vielen Blicke auf uns ruhen, welche Francis allerdings gar nicht weiter beachtet.
    Seine Augen haben meine schwungvollen Lippen im Blickfeld… ich fürchte schon was jetzt kommt.
    Ich spüre seinen warmen Atem auf meiner Haut.
    Ich höre plötzlich nichts mehr, ausser mein Herz, das in meinen Ohren dröhnt.
    Francis blickt zu mir herab, hebt seinen Arm und legt ihn um mich, ehe er mich zu sich zieht und seine warmen Lippen auf meine legt.
    Ich schliesse meine Augen, erwidere seinen Kuss, lasse mich aber nicht weiter darauf ein.
    Liebevoll lege ich meine Hand an seine leicht gerötete Wange: „Glaub es oder nicht das klingt sehr verlockend… aber das können wir nicht tun, das wäre ein Desaster.“
    Der junge de Valois wirkt verletzt: „Wieso denn?“
    Ich seufze und versuche es ihm möglichst schonend zu erklären: „Wir sind Freunde und wir sind nicht verliebt in einander oder?“
    Francis schweigt und versteckt seine Hände in seinen Manteltaschen.
    Er senkt sein Kopf ehe er bedrückt antwortet: „Nein sind wir wohl nicht.“
    Ich nicke und begründe meine Bedenken weiter: „Nach einer Zeit würde alles schief gehen und ich verliere ein Mann und einen Freund… und weisst du was, ich könnte es nicht ertragen nach allem was passiert ist, auch noch einen Freund zu verlieren.“
    Nickend stimmt mir Francis schliesslich zu, doch ich erkenne, dass er durch meine Worte gekränkt ist… jedoch ist es das Beste für uns alle.
    Vorsichtig nähere ich mich ihm und drücke ihm einen liebevollen Kuss auf seine Wange.

    13
    Das Licht der Welt Die Zeit in Frankreich vergeht wie im Flug. Inzwischen komme ich mir vor wie ein aufgeblasener Ballon. Mein Rücken schmerzt mittle
    Das Licht der Welt

    Die Zeit in Frankreich vergeht wie im Flug.
    Inzwischen komme ich mir vor wie ein aufgeblasener Ballon.
    Mein Rücken schmerzt mittlerweile, durch den grossen Fortschritt der Schwangerschaft.
    Es wird wohl noch zwei Wochen dauern bis das Baby auf der Welt ist, haben mir die Ärzte versichert.
    Ich entscheide mich dazu nach meinen gekauften Pferden zu sehen, oder nach den abgehalfterten Kleppern, wie Francis sie immer liebevoll nennt.
    Eine Wache bringt mich zur Koppel, da sie etwas abgelegener vom Schloss ist.
    Ich erkenne die graue Stute schon von weitem, wie sie grasend auf der Weide steht.
    Freudig kommt, Fabelle, so nenne ich sie, an den Zaun galoppiert und begrüsst mich wiehernd.
    Fürsorglich streiche ich ihr über den schmalen Kopf.
    Mein Blick sucht die ganze Koppel ab, doch von dem braunen Pferd fehlt jede Spur.
    Ziemlich eigenartig, weshalb ich beschliesse etwas über die Koppel zu gehen und nach ihr zu rufen: „Soleil!“
    Nichts… kein einziges Lebenszeichen von ihr.
    Ich bewege mich weiter in das innere Gelände der weitläufigen Koppel, als eine unerwartete Wehe eintritt.
    Meine Augen weiten sich durch den immensen Schmerz, der sich seinen Weg durch meinen Körper bahnt.
    Ich umklammere mit meiner Hand meinen Bauch und bücke mich.
    Mühsam bewege ich mit langsamen Schritten zurück zum Tor.
    Ausgerechnet jetzt wo ich keine vertraute Person an meiner Seite habe, müssen diese verdammten Wehen eintreten.

    Endlich habe ich es bis zu den Stallungen geschafft.
    Ich durchsuche das Gelände und kann plötzlich die Wache nicht mehr ausfindig machen, welche mich her brachte.
    „Francis!“ schreie ich verzweifelt und unter Krämpfen den Namen meines Königs, welcher sich allerdings gerade auf der Jagd befindet und mich sicher nicht hören kann.
    Da ich eigentlich versprochen hatte, keine weiten Sprünge zu machen, wird er wohl nicht damit rechnen, dass ich so weit vom Schloss entfernt bin.
    Einen weiteren Schmerz durchfährt meinen gesamten Körper und lässt ihn erzittern.
    Die graue Stute trabt unruhig neben mir hin und her, sie fühlt dass es mir nicht gut geht.
    Oh nein… es fängt an!
    Ich beginne regelmässig tief ein und auszuatmen, während ich mir meinen Rücken reibe.
    Wellenförmig breitet sich der Schmerz von meinem unteren Rücken zu meinem Bauch aus.
    Mein Bauch strafft sich erneut und ich beginne für mich die Dauer des Krampfes zu zählen.
    „Anais!“ höre ich jemanden meinen Namen schreien.
    Ich vernehme schwere, hastige Schritte und erblicke einen schwer atmenden Bash neben mir.
    Sorgevoll mustert er mich und erkennt in welchem Zustand ich mich befinde: „Oh mein Gott, du hast Wehen!“
    Panik und Verzweiflung liegen in seiner Stimme… doch ich bin heile froh ihn hier bei mir zu haben.
    „Ach ja, tatsächlich.“ Spasse ich und verziehe schmerzhaft mein Gesicht.
    „Aber das kann nicht sein, du hast noch zwei Wochen!“ spricht er weiter.
    Anscheinend hat er mit jemandem über meine Schwangerschaft gesprochen, denn nur Francis, Claude, Mary und die Ärzte wissen wie lange es eigentlich noch dauert bis das Baby zur Welt kommt.
    Jedoch ist dies jetzt die wahre Realität und ich habe das Gefühl dass der Moment da ist.
    Alles ist zu spät, es bringt nichts mehr.
    Ich schaffe den Weg zum Schloss nicht mehr und bis ein Arzt hier her kommen würde, ginge es auch zu lange.
    Stürmisch schaut sich der braunhaarige nach Hilfe oder Wachen um.
    Er will sich gerade nur einen kleinen Schritt entfernen, da halte ich ihn flehend auf: „Bash! Verlass mich nicht!“
    „Ich bleibe bei dir Anais!“ beruhigend streicht er mir über den Rücken.
    Die Schmerzen werden stärker und ich kann mich nicht länger zurückhalten und gebe einen schmerzverzerrten Schrei von mir.

    Besorgt stützt mich Bash ins Innere des kleinen Stalles.
    Es dämmert bereits und die Nacht bricht bald heran.
    Zudem ist es kühler geworden und noch immer keine Spur von niemandem.
    Der junge Franzose holt einen eckigen Strohballen damit ich mich für die Geburt abstützen kann.
    Plötzlich ertönt ein heran galoppierendes Pferd und die besorgte Stimme des langersehnten Königs: „Anais!“
    Er stürmt umgehend in den Stall und erblickt mich zusammen mit Bash.
    Der Schweiss tropft mir von der Stirn obwohl es doch eigentlich nicht mal warm ist.
    Francis ist mit der Situation sichtlich überfordert und weiss nicht was er machen soll.
    Mit wütendem Gesichtsausdruck starre ich ihn an, während er unbeholfen am Eingang des Stalles steht.
    „Es soll aufhören!“ schreie ich und stöhne immer wieder unter Schmerzen auf.
    Francis kniet sich entschlossen mir gegenüber hin und sieht mir fest in meine Augen.
    Schmerzerfüllt packe ich seinen Arm und kralle mich an ihm fest.
    Ich presse, während Francis meinen Kopf mit Wasser abkühlt und mir beruhigend durch mein Haar streicht.
    „Ich hasse das alles!“ schreie ich mir die Seele aus dem Leib.
    Bash ist hinter mir und massiert liebevoll meinen Rücken während er darauf achtete, ob das Baby bereits zu sehen ist.
    Die beiden Brüder werfen sich immer wieder panische Blicke zu.
    „Nicht mehr pressen! Lass die Wehe wirken Anais!“ befiehlt Bash unerwartet.
    Verwirrt drehe ich meinen Kopf zur Seite und starre ihn fassungslos an.
    Wieso denn nicht pressen, das wird einem doch ständig beigebracht.
    Francis versucht mich zu beruhigen: „Sieh mich an Anais!“
    Zusammen atmen wir tief ein und wieder aus, während ich mich in seinen meerblauen Augen verliere.
    Plötzlich hört der Schmerz auf… ich bin wie in Trance und kann Francis nicht aufhören anzusehen.
    Das wimmern des Babys erklärt warum der Schmerz nachgelassen hat.
    „Es ist ein kleiner Junge!“ offenbart uns Bash mit freudiger Stimme.
    Erleichtert drehe ich mich zu ihm um und beobachte wie er den Kleinen in seinen Armen hält.
    Seine Augen funkeln glücklich während er mich ansieht.
    Wie schön dass er auch noch bei der Geburt dabei war… wenn auch nicht von seinem eigenen Sohn.
    Bash wickelt ihn in eine Decke und übergibt ihn mir vorsichtig in meine Arme.
    Glücklich nehme ich ihn an mich und lächle meinen zweiten Sohn erschöpft an.
    Das erste Mal sehe ich meinem Sohn in die Augen.
    Er lacht fröhlich und ich erkenne seinen silber-blonden Flaum auf seinem Kopf und die weisse Porzellanhaut von Francis.
    Liebevoll streicht mir Bash meine Haare nach hinten und drückt mir einen zarten Kuss auf die Stirn während er seine Aufmerksamkeit auf den Kleinen lenkt.
    Wir geniessen den Moment zu viert… die Geburt des Kleinen hat uns wieder zusammen gebracht.
    Ich bin den beiden unendlich dankbar, dass sie mich hierbei unterstütz haben.
    Plötzlich vernehmen wir verschiedene Stimmen von draussen.
    Draussen ist es mittlerweile pechschwarze Nacht.
    Das Leuchten von Fackeln können wir erkennen wie es sich uns nähert.
    „Sie sind hier!“ verkündet eine Wache welche uns soeben gefunden hat und einen erleichterten Gesichtsausdruck macht.
    Weitere Wachen betreten den Stall und richten sich ihren Blick auf das neugeborene Baby in meinem Arm.

    „Es ist ein sehr hübsches Kind!“, sagt jemand, der gerade meine Gemächer betritt.
    Erschrocken starre ich zur Tür.
    Dort steht Catherine de Medici und das überrascht mich nun wirklich: „Danke!“, sage ich leise und wiege meinen Sohn in meinen Armen.
    Ich misstraue ihr immer noch und beäuge jede ihrer Bewegungen mit kritischem Blick.
    Selbst Francis sieht es nicht gerne, wenn seine eigene Mutter um mich herum schleicht.
    Catherine kommt einen Schritt auf mich zu und deutet mit ihrem Kopf auf den Kleinen in meinem Arm: „Darf ich?“
    Ich nicke, auch wenn es mir nicht geheuer ist, aber schliesslich ist sie seine Grossmutter.
    Plötzlich betritt Francis ohne Vorwarnung den Raum und erblickt seine Mutter mit unserem Sohn Arno in ihrem Arm.
    Sein Gesichtsausdruck versteinert sich schlagartig.
    Er hat mir erzählt dass sie ihren anderen Enkel, der andere Sohn von Francis entführen liess.
    „Verschwinde!“ gnadenlos wirft er seine eigene Mutter aus dem Zimmer.
    Catherine ist sichtlich wütend, übergibt Arno Francis jedoch ziemlich vorsichtig, ehe sie mit grossen Schritten den Raum verlässt.
    Wütend starrt der junge König seiner Mutter nach.
    Ich kann es nachvollziehen, dass er sie nicht in der Nähe von Arno und mir haben will.
    Seit der Geburt unseres Sohnes hat sich vieles wieder eingerenkt… ich und Bash sind nun wieder ein glückliches Paar und Francis und Mary sind verliebter denn je.
    Unerwartet klopft es wieder an der Tür und jene Frau betritt mein Gemach.
    Sie grüsst uns freundlich, verstummt jedoch, als sie ihren Ehemann mit Arno im Arm erblickt.
    Ich weiss, wie sehr sich die beiden ein gemeinsames Kind wünschen… und komme mir dabei umso schlechter vor.
    Ich entschliesse mich dazu die beiden alleine mit Arno zu lassen und begebe mich nach unten zu Bash und Kainan.
    Fröhlich spielen die beiden im unteren Hof.
    Kainan ist mittlerweile bei nahe fünf Jahre alt… wie die Zeit vergeht.

    Francis und Mary lassen mich und Bash umgehend in ihre Gemächer rufen.
    Eigenartig… irgendetwas scheint nicht zu stimmen.
    Mit grossen Schritten eilen der Braunhaarige und ich durch die Gänge.
    Mit Schwung öffnet Sebastian die Tür ehe wir eintreten.
    Überrascht starre ich meine beste Freundin an, welche ebenfalls anwesend ist.
    Ausserdem befindet sich noch ein junger Mann im Raum, welchen ich noch nie zuvor gesehen habe.
    Er ist etwas kleiner als Bash und ein wenig schlanker.
    Er hat ein feingeschnittenes, sensibles Gesicht, aus dem eine Mischung aus Leichtsinn und Nachdenklichkeit spricht.
    Seine Haare sind dunkelbraun, seine Augen wirken in einem dunklen blau... lebendige, tanzende, unbekümmerte, lachende Augen, sanft und mitfühlend im einen Moment, vor Zorn blitzend im nächsten.
    Neugierig mustern mich seine wachsamen Augen.
    Ich bin verwundert, was soll dieses geheime Treffen?
    „Ich habe euch nicht ohne Grund hier her rufen lassen.“, beginnt der König „Niemand darf von meiner Krankheit erfahren. Erfährt die Welt von meiner Krankheit werden unsere Feinde versuchen Frankreichs Schwäche auszunutzen. Der Machtwechsel muss von uns als Familie, und im geheimen vorbereitet werden.“
    Mir stockt der Atem… Francis ist unheilbar krank?
    Was wird dann aus Arno?
    Beruhigend legt Bash mir seine Hand auf die Schulter.
    Weiter erläutert der junge König, dass er Arno und John anerkannt hat und beide Ländereien besitzen… doch Könige werden beide nie.
    „Ich werde für ihren Schutz sorgen! Das verspreche ich dir!“ verspricht Bash seinem Bruder während sie sich vertraut in die Augen schauen.
    Tränen sammeln sich unauffällig in meinen Augen, als Francis dies bemerkt.
    Tröstend kommt er auf mich zu und nimmt mich in seine Arme.
    Mit sanfter und beruhigender Stimme redet er auf mich ein: „Sebastian wird auch auf Arno achtgeben und ihm ein guter Vater sein, so wie er es für Kainan ist.“
    Er löst die Umarmung auf uns sieht mir fest in meine Augen.
    Verstehend nicke ich und bleibe stumm.
    Der junge Mann neben Bash gefällt die Situation überhaupt nicht.
    Er ist noch viel zu jung um König zu werden und auf ihm lastet eine grosse Bürde.
    Anschliessend befiehlt Francis sie alleine zu lassen, worauf ich, Bash und Claude das königliche Gemach verlassen.

    14
    Neue Herrscher braucht das Land Noch am selben Abend wurde ich in die Empfangshalle gebeten. Die Wachen öffnen mir freundlich die Tür, ehe sich alle
    Neue Herrscher braucht das Land

    Noch am selben Abend wurde ich in die Empfangshalle gebeten.
    Die Wachen öffnen mir freundlich die Tür, ehe sich alle Augenpaare verschwörerisch auf mich richten.
    Ausser den sieben Rittern, welche mich alle neugierig mustern, sind Francis, Mary, Charles und Bash anwesend.
    Mit flauem Gefühl in meiner Bauchgegend setze ich mich auf den freien Stuhl neben Francis.
    Der Anführer der Ritter erhebt sich von seinem Stuhl und holt ein altes Pergament hervor.
    Das Pergament enthält einen Stammbaum von König Jan Natalais, dem temerischen Herrscher.
    Alle beugen sich über den Tisch um das Dokument genauestens zu begutachten.
    Ich verstumme abrupt als ich meinen Namen lese… ich bin ein direkter Nachkomme von Jan Natalis?
    Doch dies würde bedeuten, dass mein Vater in Lublin, gar nicht mein richtiger Vater wäre… und Adda wäre nur meine Halbschwester.
    Aber wie kann das sein?
    Ich wuchs in Lublin auf und nicht in Temerien.
    „Das bedeutet, Jan Natalis ist mein Vater?“ frage ich denn Anführer der Ritter und schaue ängstlich in seine eisblauen Augen, welche mich jedoch vertraut ansehen.
    Nickend bestätigt er mir meine berechtigte Frage: „Eure Mutter, Maria-Luiza La Valette, war eine Mätresse von König Natalis. Die Beziehung wurde geheim gehalten, war aber trotzdem ein offenes Geheimnis im temerischen Reich. Als sie schwanger wurde, hat Natalis sie verbannt. Da König Natalis eheliches Kind im frühen Alter gestorben war, beschloss er trotzallem seine unehelichen Kinder anzuerkennen… somit seit ihr nun die rechtmässige Erbin des temerischen Throns, vor eurem Bruder Arjan.“
    Mir stockt der Atem und ich habe das Gefühl, mich verloren zu haben.
    Ich kann nicht fassen, was ich gerade gehört habe.
    Unzählige Gefühle steigen in mir auf.
    Jeder hier im Saal, hat seine Augen auf mich gerichtete.
    Ich halte das nicht mehr aus!
    Schwungvoll erhebe ich mich und stürme ohne Worte aus dem Saal.

    Das Licht der Kerze flimmert, als die Tür aufgeht und erneut Gäste in das dunkle Kabarett treten.
    Ich weiss nicht, wie lange ich schon hier bin, doch mittlerweile beginnt es draussen zu dämmern.
    Greer stellt mir meinen doppelten Vodka vor meine Nase und beäugt mich misstrauisch mit ihren dunklen Augen.
    Ich nippe nicht nur an meinem Getränk, sondern trinke es in einem Zug leer, ehe ich ein weiteres bestelle.
    „Kein guter Tag heute?“, fragte die Blonde, während sie einige Gläser säubert und dann abtrocknet.
    Ich schüttele mit leerem Blick den Kopf und muss doch wieder daran denken was eben in der Empfangshalle geschehen ist...
    Erneut flimmern die Flammen der Kerzen.
    „Anais!“ vernehme ich Bashs besorgte Stimme.
    Betroffen kommt er auf mich zu und ist nicht alleine.
    Charles hat ihn begleitet, welcher mich ebenfalls sorgevoll ansieht.
    Sie setzen sich zu mir, während Bash fragt: „Wir haben dich überall gesucht! Geht es dir gut?“
    Durchdringend mustert er mich, während Charles eher vorsichtiger mit seinen Blicken ist… er will mich wohl nicht weiter verärgern.
    Mit kritischem Blick beäugt der angehende Thronfolger, das halbleere Glas in meiner Hand.
    Spöttisch lache ich auf: „Ja… alles bestens.“
    Auch wenn ich ziemlich betrunken bin, erkenne ich die Angst in ihren Augen.
    Lallend beginne ich mit meinen Fingern eine Aufzählung: „Es geht mir prima… mein alter Herr ist nicht mein Vater, meine Mutter hat mich belogen und ich soll eine Königin von einem Land werden, dass ich nicht mal kenne.“
    Schweigen herrscht…als sich Tränen in meinen Augen bilden.
    Ich versuche sie zu unterdrücken in dem ich mit brüchiger Stimme weiter spreche: „Wer ist Anais La Valette? Sie ist ein Niemand, es hat sie nie gegeben.“
    „Das ist doch Unsinn! Natürlich gibt es dich!“ kontert Sebastian sofort und nimmt mitfühlend meine Hand in seine.
    Warm schauen mich seine grün-blauen Augen an.
    Die Wärme in seinen Händen, fühlt sich so vertraut und geborgen an.
    Ich senke meinen Blick von den beiden und erwidere traurig: „Was dann? Mehr bin ich nicht.“
    Beide Jungs erwidern daraufhin nichts mehr, sondern schauen ebenfalls bedrückt zu Boden.

    Am nächsten Tag habe ich mich wieder etwas beruhigt und wir können die Angelegenheit weiter führen.
    Niemand hier kann etwas dafür, was meine Mutter und mein Vater mir angetan haben.
    Für den temerischen König bin ich kein Bankert, sondern seine Tochter!
    Obwohl das Erbrecht ausserordentlich präzise ist, scheint es mein richtiger Vater tatsächlich geändert zu haben.
    Während meiner Abwesenheit, hat sich Francis mit den Rittern aus dem fernen Landen unterhalten.
    Er ist auch nach seinem Ableben noch für seine Frau und sein Land bekümmert, weshalb er jetzt noch handeln kann.
    „Ihr müsst euren Thron so schnell wie möglich beanspruchen! Ansonsten droht das Land in verfeindetet Baronien zu zerbrechen.“ Offenbart mir der Anführer der Ritter und übt weiter Druck auf mich aus.
    Ich presse meine Augen zusammen… allem Anschein nach, habe ich nicht mal Bedenkzeit.
    Plötzlich erhebt sich unser geschwächter König: „Ausserdem gibt es da noch etwas, das du beachten solltest.“
    Francis ist für sein Alter äusserst Weise und hat viele Erfahrungen als Monarchen gesammelt, weshalb ich seinen Rat oder seine Meinung in den meisten Fällen respektiere.
    Gespannt warte ich also auf seine Rede und hänge an seinen Lippen: „In deiner Abwesenheit habe ich mit deiner Eskorte gesprochen, doch schlussendlich musst du entscheiden, was für dich das Richtige ist… doch denke immer daran, ein Monarch kann es sich nicht immer aussuchen.“
    Mein Gesichtsausdruck verfinstert sich und ich blicke ihn mit zusammengekniffenen Augen an.
    Bash blickt augenblicklich zu mir, als ob er die Gedanken seines Bruders gelesen hätte.
    „Für Frankreich, Temerien und für Schottland wäre es das Beste, meinen Rat anzunehmen. Somit würde eine neue Allianz entstehen.“ Francis setzt sich wieder hin und faltet nachdenklich die Hände vor seinem blassen Gesicht.
    Alle Blicke hängen auf dem kranken Herrscher, während er schweigt und überlegt ob er uns seinen Gedanken mitteilen sollte.
    Nach einem schweren Seufzer offenbart er uns schliesslich seine Idee mit welcher er die drei Reiche verbünden kann: „Anais… heirate Charles und verbündet euch mit Schottland.“
    Meine Augen weiten sich entsetzt und ich schaue zu Sebastian, welcher den blonden König ebenfalls zornig mustert.
    Charles hingegen, bleibt eher ruhig und lässt seine Emotionen nicht nach aussen wirken.
    Ich soll den jungen Thronfolger also heiraten?
    Aber was ist mit Bash?
    Wir hatten vor im nächsten Sommer zu heiraten und unser Familienglück wäre vollkommen gewesen.
    Als niemand etwas auf die Forderung des Königs erwidert, erhebt sich der junge Erbe und geht auf seinen Bruder zu: „Sollte dies dein letzter Wunsch sein, werde ich ihn dir erfüllen, sofern Anais der Heirat zu stimmt.“
    Nun ruht wieder die ganze Aufmerksamkeit auf mir… wenn Mary somit bessere Chancen hätte, Schottland zu halten, es für unsere Reiche von grösster Bedeutsamkeit ist und wenn es Francis letzter Wunsch ist, so werde ich es tun.
    Nicht ohne Grund hat Francis erwähnt, dass es ein Herrscher sich nicht immer aussuchen kann.
    „Ich stimme der Heirat zu.“ Sage ich mit fester Stimme und geselle mich neben Charles, welcher mir ein kleines, aber aufrechtes Lächeln schenkt.

    „Ich werde dich begleiten!“ unerwartet Betritt Sebastian mein Gemach, während meine Zofe bereits einige meiner Kleider packt.
    Nervös laufe ich im Zimmer auf und ab und spüre die Blicke von Bash auf mir.
    „Du musst an Marys Seite bleiben, falls Francis vor unserer Rückkehr sterben sollte.“ Erwidere ich und versuche mir mein mulmiges Gefühl nicht anmerken zu lassen.
    Es fällt mir unglaublich schwer einen anderen Mann als Bash zu ehelichen… doch wenn es das Schicksal so will, dann sei es nun mal so.
    Ich versuche den Blicken des braunhaarigen Auszuweichen, denn ich weiss wie schmerzerfüllt diese sind… doch ich muss meiner Bestimmung folgen.
    Plötzlich geht die Tür auf und Charles betritt meine Gemächer.
    Er verstummt als er Bash bei mir sieht und beäuft ihn mit strengem Blick.
    Ich kann mir vorstellen, dass mein zukünftiger Ehemann ihn nicht um mich haben will.
    „Die Pferde sind bereit, wir sollten schnellst möglich aufbrechen.“ Erläutert mir der dunkelhaarige und wartet darauf bis ich den Raum verlasse.
    Traurig werfe ich einen aller letzten Blick zurück in einen Raum voller Erinnerungen.
    Natürlich kehren wir nach unserer Krönung und der Heirat zurück nach Frankreich und regieren unsere Länder von hier aus.
    Bei den Adligen ist es eben so, dass die Eltern entscheiden, wen man heiratete, Zwangsehen auch genannt.
    Allerdings halten nur die wenigsten Mädchen etwas davon.
    Ich war immer der Meinung, dass man aus Liebe heiratet und nur dann wenn man dazu bereit ist.
    Doch meinen Stand als Thronfolgerin hat alles verändert.
    Schweren Herzens verabschieden wir uns von unseren Geliebten am französischen Hof.
    Ich hoffe nur eines… dass Francis noch am Leben ist, wenn Charles und ich zurückkommen.

    Zusammen mit einer zusätzlichen Eskorte, aus französischen Rittern, entfernen wir uns immer weiter vom französischen Hof.
    Mit hohem Tempo, sollten wir den temerischen Hof bereits in einem halben Tagesritt erreicht haben.
    Schweigend reite ich neben dem angehenden Thronfolger.
    Wir reiten im Trab dem Waldrand entlang… die Grenze zu Temerien ist nicht mehr weit.
    Es herrscht eine trügerische Stille… das einzige was zu hören ist, ist der kalte Wind welcher uns um die Ohren bläst.
    Ich habe das ungute Gefühl, dass wir aus dem dunklen Wald beobachtet werden.
    Seitdem wir am Wald entlang reiten, sind zudem die Pferde ziemlich unruhig geworden.
    Es gibt wohl einen bestimmten Grund, warum Charles und ich nicht in der Kutsche reisen, sondern zu Pferd.
    Auf dem Pferd ist man flexibler und schneller und meistens richtet sich der Angriff auf die Kutsche, da man dort hochrangige Leute erwartet.
    „Charles, hörst du das?“ frage ich ihn mit einem verunsicherten Unterton.
    Der angehende Thronfolger horcht der Umgebung: „Ich höre gar nichts.“
    Ich schlucke und erwidere: „Das bereitet mir auch am meisten Sorgen.“
    Immer wieder gleitet mein Blick auf das Unterholz des Waldes.
    Auch Charles beobachtet die Gegend und hält nach Feinden Ausschau.
    Plötzlich wird ein französischer Ritter am Hals mit einem Pfeil durchbohrt und fällt leblos zu Boden.
    Wildes Gebrüll ertönt aus dem Wald, ehe bemalte Krieger mit erhobenen Waffen auf uns zu stürmen.
    Augenblicklich brüllen unsere Soldaten die Kutsche zu bewachen.
    Es ist eine taktische Schliche um von mir und Charles abzulenken.
    Ein undurchschaubares Durcheinander um uns herum entsteht.
    Mehrere Pfeile durchbohren das Holz der schwarzen Kutsche.
    Instinktiv ziehen Charles und ich unsere Schwerter, wobei wir sichtlich überfordert mit der Situation sind.
    Kurz nach der Grenze werden wir am helllichten Tage überfallen und angegriffen.
    Angsterfüllt sehen mich die azurblauen Augen von Charles an, ehe ein temerischer Ritter gerade so verhindert, dass mein Zukünftiger angegriffen wird.
    Unerwartet beginnt Kelpie zu scheuen und ich falle von ihrem Rücken.
    Hart pralle ich auf dem Boden auf und versuche wieder aufzustehen.
    „Anais!“ schreit Charles, steigt von seinem Pferd und stellt sich beschützend vor mich.
    Dadurch, dass wir beide auf dem Boden sind, sind wir eine leichte Beute für unseren Gegner.
    Vier Ritter stellen sich schützend um uns und verteidigen uns mit ihrem Leben.

    Der Überfall ist überstanden.
    Erleichtert falle ich Charles um den Hals und drücke ihn an mich.
    Ich spüre seinen rasenden Herzschlag welcher durch die Adrenalinstösse angetrieben wird.
    Mit beschleunigtem Atem erwidert der dunkelhaarige meine Umarmung und drückt mich erleichtert an sich.
    Ich hätte es mir nie verziehen wenn ihm etwas zugestossen wäre, denn schliesslich ist er meinetwegen soweit fort von seiner sicheren Heimat.
    Plötzlich stürmt unerwartet ein einzelner bemalter Krieger mit erhobener Axt auf uns zu.
    „Wartet!“ rufe ich die temerischen Ritter zurück, ehe sie ihm seinen Kopf abschlagen können.
    Mit ihren Waffen halten sie den Angreifer in Schacht während ich mich ihm nähere.
    Mit durchdringendem Blick starren mich seine dunklen Augen an.
    Als ich vor ihm zum Stillstand komme, lässt er seine Axt fallen und geht vor mir untergeben auf seine Knie.
    Ich greife nach meiner Klinge und halte sie schützend vor mich: „Warum wurdet ihr her geschickt?“
    Fragend schaue ich auf ihn herab, als ich plötzlich eine schützende Hand um meine spüre.
    Ich blicke über meine Schulter hinweg und erkenne Charles, welcher mir zur Seite steht.
    „Antwortet eurer Königin!“ befiehlt der dunkelhaarige mit forderndem Unterton und beäugt den bemalten Krieger zornig.
    Überrascht mustert dieser mich von oben bis unten und spricht irgendetwas in einer sonderbaren Sprache.
    Ich verstehe kein einziges Wort, ebenso wenig wie die Sprache.
    „Heb die Waffe auf!“ kommandiere ich, während ich meinen Griff um das Schwert verstärke.
    Die Ritter um uns herum schweigen, während der Feind vorsichtig seine Axt greift.
    Charles und ich stehen beide für Gerechtigkeit und ich bin mir sicher, dass sich der Anführer der bemalten Krieger in den Wäldern versteckt hält und uns beobachtet.
    Ich wende mich von dem Krieger ab und lasse ihn ohne weiteres laufen: „Du kannst gehen!“
    Die Menschen in diesem Land sollen wissen, dass wir auch Gnade zeigen können und wir anders herrschen werden, als es mein Vater getan hat.
    Ich ziehe Charles mit mir und wir begeben uns zu unserem Anführer.
    „Wieso haben sie uns angegriffen?“ frage ich fordernd und stütze meine Hände in die Hüfte, worauf einige meiner Ritter zu schmunzeln beginnen.
    „Sie sind temerische Rebellen, die den König verabscheuen und die ihr Land wieder haben wollen.“ Bekomme ich von einem braunhaarigen Ritter die barsche Antwort.
    Seine Antwort reicht mir und ich verstehe wohl die Zusammenhänge.
    Wir steigen wieder auf unsere Pferde und setzen den Weg fort… ich bin froh wenn wir endlich hinter dicken Stadtmauern sind.

    Als wir uns endlich der mächtigen Burg nähern, ist die Stimmung wieder entspannter.
    Die Ritter nerven sich gegenseitig mit dämlichen Sprüchen.
    Bauern welche auf den Feldern arbeiten schauen Charles und mich neugierig und bewundernswert an.
    Es scheint wirklich wahr zu sein, dass jeder von mir Bescheid weiss und da wir mit einer Sondereskorte reisen, weiss jetzt jeder wer ich bin.
    Eine schwarze Flagge mit silbernen Lilien darauf wird von einem Soldat hin und her geschwenkt.
    In weiterer Entfernung wird ebenfalls eine Flagge bewegt.
    Anscheinend wird darauf Aufmerksam gemacht, dass wir angekommen sind.
    Wir beschleunigen unser Tempo etwas und reiten durch die grossen Tore.
    Ich spüre unzählige Blicke auf mir ruhen.
    Soldaten oben auf dem Wall haben sich zur inneren Seite der Burg gedreht und schauen gespannt auf uns herab.
    Im Burghof machen wir halt und werden sogleich von neugierigen Bürgern umkreist.
    Hier gehöre ich also hin…

    15
    Rivalität unter Geschwistern Charles und ich sind endlich in Itrilar, der Hauptstadt von Temerien angekommen. Die von hohen Stadtmauern umgebene Stad
    Rivalität unter Geschwistern

    Charles und ich sind endlich in Itrilar, der Hauptstadt von Temerien angekommen.
    Die von hohen Stadtmauern umgebene Stadt liegt an den Ufern des Itrilar-Sees.
    Der Hintergrund der Burg wird vom Gipfel Chiava geziert, er ist der höchste Punkt des Falkengebirges und deren Ausläufer.
    „Willkommen zu Hause Majestät.“ Ein in edlen Kleidern gekleideter Mann verneigt sich höfflich vor mir.
    Er bittet Charles und mich ihm zu folgen und stellt sich als den Kämmerer Pierre des verstorbenen König Natalis vor.
    Da dieser nicht mehr unter uns weilt, ist er von jetzt an mir unterstellt.
    Er führt uns durch das grosse, geräumige, prunkvolle Schloss und ist stets überfreundlich zu uns.
    Überall hängen Flaggen in den Farben des Reiches.
    Es ist viel Betrieb im Schloss… Bedienstete schwirren in hohem Tempo an uns vorbei, die Gänge werden pompös ausgeschmückt, die Hecken der Schlossgärten werden zurecht gestutzt… und dies alles nur wegen der Hochzeit.
    Im Thronsaal angekommen werden ebenfalls die Wände geschmückt und alles wird auf Hochglanz geputzt.
    Es soll immerhin eine perfekte Hochzeit und Krönung werden.
    Charles und ich werden schon bald die Macht über dieses Reich erhalten.
    Draussen in den Palastgärten sind bereits Zelte aufgestellt.
    Talentierte Künstler aus fernen Ländern sind angereist um ihre besten Kunststücke vorzuführen und die Hochzeitsgäste zu unterhalten.
    „Ein Bankett für 1500 Gäste, eine Militärparade mit den neusten Gewändern, welche eine berühmte temerische Schneiderin angefertigt und designt hat, zur Unterhaltung werden diverse Aufführungen vorgeführt und königliche Festspiele angeboten.“
    Unauffällig werfe ich einen vielsagenden Blick meinem Zukünftigen zu.
    Dies alles muss ein Vermögen gekostet haben… kann Temerien sich dies überhaupt leisten?
    Jedoch demonstrieren wir dadurch Macht und das müssen wir, wenn wir uns als starke Herrscher demonstrieren wollen!
    Charles und ich sind beide noch sehr jung und eher unerfahren und keine Monarchie kann es sich leisten zerbrechlich zu wirken.
    50 Herrscher aus verschiedenen Ländern nächtigen in den Pavillons… Löwen, die jeder unserer Schritte auf Anzeichen von Schwäche untersuchen werden.

    „Hallo Schwester.“ Werde ich von einem schwarzhaarigen, mir unbekannten Mann begrüsst.
    Elegant lehnt er sich gegen den kalten Stein der Schlossmauer.
    Sein pechschwarzes Haar ist perfekt gescheitelt und frisiert.
    Eine einzelne Strähne hängt wie zufällig in seinem Gesicht und lässt seine eisgrauen Augen heller und kälter erscheinen.
    Das also ist mein berühmter Bruder Arjan Natalis.
    Mir fallen die verliebten Blicke der verschiedenen Dienstmädchen im Raum auf, welche immer wieder unauffällig zu meinem Bruder linsen.
    Mit erhobenen Hauptes kommt der junge Mann auf uns zu und redet mich mit meinem ganzen Titel an: „Anais Mia Léon La Valette Natalis, Königin von Temerien, Baronin von La Valette, und bald auch Königin von Frankreich wie ich hörte.“
    Misstrauisch beäuge ich ihn, während er mit abschätzigem Blick Charles neben mir fixiert hat.
    Jeder Bürger um uns herum verbeugt sich respektvoll vor meinen Füssen, nachdem Arjan mich mit meinem Titel begrüsst hat.
    Irritiert schaue ich zu meinem Zukünftigen als Arjan wieder sein Wort erhebt: „Gewöhn dich dran. Schon bald wird jede Seele von Temerien bis zum Falkengebirge vor dir niederknien.“
    Meine ich nur, oder spüre ich einen Hauch von Verachtung in seinem Unterton.
    Er verabschiedet sich sogleich wieder mit einem verächtlichen Lächeln und lässt Charles und mich alleine da stehen.
    Mein Herzschlag beschleunigt sich und Unruhe macht sich in mir breit, was meinem Gegenüber erstaunlicher Weise auffällt.
    „Was hast du?“ will Charles beunruhigt wissen.
    Nervös suche ich die Umgebung ab, um sicher zu gehen, dass uns niemand belauscht: „Ich habe keine Ahnung wem ich hier vertrauen kann.“
    Ich habe es mir hier wirklich anders vorgestellt… vor allem was mein Bruder Arjan betrifft.
    Er hat irgendetwas an sich, was mich irritiert und ich ihm gegenüber eher vorsichtig und misstrauisch bin.
    Charles hat nicht mal Zeit mir zu antworten, da tritt auch schon die nächste Person auf uns zu.
    Er hat längeres, zurückgekämmtes Haar, in einem warmen kastanienbraunen Ton.
    Seine Augen wirken in einem eisigen Blau, welche uns respektvoll betrachten.
    Höfflich verneigt er sich vor uns: „Majestäten, mein Name ist Milan Voorhis. Kommandant der Division Alba. Meine Männer haben euch hier her eskortiert.“
    „Wir danken euch dafür, dass ihr uns diese tapferen und vertrauenswürdigen Ritter zugesandt habt.“ Erhebt Charles sein Wort und bedankt sich aufrichtig in unserem beiden Namen.
    Wir wechseln noch einige Worte miteinander ehe wir uns verabschieden.

    Der Tag geht langsam zu neige und die Müdigkeit in uns gewinnt überhand.
    Unser Kämmerer führt uns in die königlichen Gemächer.
    Unsere Augen weiten sich fasziniert, nachdem die Wachen uns die massive Holztür öffnen.
    Das Schlafgemach ist riesig und einfach überwältigend.
    Der grosse Raum wirkt hell und einladend… an den Bogenfenster hängen schwarze Gardinen mit silbernen Lilien drauf, das Feuer im Kamin knistert und lodert und verleiht dem Zimmer eine gemütliche Atmosphäre.
    Dunkelblaue Kerzen in einem goldenen Stehkerzenleuchter erhellen das königliche Schlafgemach ebenfalls.
    In der Mitte befindet sich ein runder Tisch aus verarbeitetem Nussbaumholz mit zwei prunkvollen Stühlen, welche an den Rändern golden verziert sind.
    Im Raum befinden sich neben den aufgezählten Möbel noch einen grossen, komfortablen Schrank, einen Schminktisch mit Spiegel, so wie ein Bücherregal mit einem grossen Schreibtisch.
    Doch der wahre Hingucker des Gemachs ist das königliche Himmelbett, in welches ich mich sofort verliebt habe.
    Es wirkt verlockend und gemütlich zu gleich.
    Ebenso wie die meisten Möbel im Raum ist es mit goldenen Rändern verziert.
    Die Kissen sind ordentlich hingelegt und in einem königlichen Blauton gehalten.
    Aber bei dem Gedanke daran, wird mir doch etwas mulmig… immerhin gibt es nur ein Bett im Raum.
    Ich schlucke kurz ehe ich dem Prinzen antworte: „Geh du schlafen, ich muss mir noch einige Dokumente ansehen.“
    Charles nickt verstehend und begibt sich zum Bett um sich umzuziehen, während ich meinen Blick über die Pergamente gleiten lasse, welche ich von Kommandant Voorhis erhalten habe.
    Jedoch kann ich mir einen Blick in die Richtung meines Zukünftigen nicht verkneifen.
    Unauffällig mustere ich seinen nackten Oberkörper… für sein Alter ist er gutgebaut, doch gegen den Körper eines richtigen Mannes, kommt er noch nicht ganz hin.
    „Gefällt dir was du siehst?“ ertappt mich ein schelmisch grinsender Charles, während er sich ein weisses Nachthemd überstreift.
    Ich räuspere mich und wende mich wieder dem Pergament zu.
    „Wer weiss…“ stottere ich verlegen und verdecke beschämt mit dem Dokument mein bestimmt tomatenrotes Gesicht.

    Als ich am nächsten Morgen durch das herein scheinen des hellen Sonnenlichtes aufwache, spüre ich eine Hand an meiner Hüfte.
    Vorsichtig drehe ich mich auf die andere Seite und erblicke einen zufrieden schlafenden Charles neben mir.
    Sein Teint wirkt durch das Sonnenlicht noch heller und makelloser.
    Plötzlich wird die Tür zu unserem Gemach aufgeschlagen und unser Kämmerer betritt den glamourösen Raum.
    „Noch im Bett zu dieser Stunde?“ spricht er, während er die Vorhänge zur Seite schiebt und die grossen Fenster öffnet.
    Charles neben mir streckt sich ausgiebig ehe er seine azurblauen Augen öffnet.
    Allem Anschein nach muss es schon ziemlich spät sein, denn die Sonne steht schon hoch am Himmel.
    „Es müssen noch einige Vorbereitung getroffen werden, die Kleider für die Hochzeit und die Krönung müssen noch angepasst werden und vieles anderes muss erledigt werden.“ Berichtet uns der Kämmerer und scheint sichtlich genervt.
    Erschrocken blickt der dunkelhaarige unser Kämmerer an und zieht die Decke etwas höher um sich zu bedecken.
    Charles und ich versichern ihm, dass wir keine Zeit vergeuden werden und uns an die Arbeit machen.

    Ich betrachte mich überwältigend im Spiegel während meine einzige Zofe, die ich schon längere Zeit kenne, an meinem Kleid herum zupft, während eine berühmte Schneiderin aus Temerien noch einige Kleinigkeiten anpasst.
    Leider findet unsere Hochzeit nicht aus Liebe statt, sondern wurde wegen einer politischen Wirkung arrangiert.
    Unsere Vermählung dient lediglich dazu aus zwei Ländern eine Allianz zu schaffen und einen Krieg zu vermeiden.
    Gefühle haben hier keinen grossen Platz… und dennoch konnten sich auch einige glückliche Ehen entwickeln.
    Ein Klopfen an der Tür lässt mich aufhorchen.
    Pierre und mir vier unbekannte Mädchen betreten mein Gemach.
    Sie begutachten mich von oben bis unten mit grossen, neugierigen Augen.
    „Eure Hoheit, dies sind die Hofdamen eures verstorbenen Vaters. Sie werden euch treu ergeben sein.“ Berichtet er mir.
    Sie waren also die Hofdamen meines Vaters… und bestimmt noch weitaus mehr.
    Mir wird schlecht beim Gedanke, daran dass sie vielleicht seine Mätressen waren.
    Ausserdem habe ich ein ungutes Gefühl dabei sie in meiner Nähe zu haben.
    Vielleicht denke ich Momentan einfach zu schwarz, doch schlimme Szenarien spielen sich in meinem Kopf ab.
    Ein Beispiel dafür, wie eine von ihnen mit einem spitzen Haarschmuck mir in den Rücken rammt und mich so gnadenlos umbringt, ehe die Wachen reagieren können.
    „Ich brauche keine Hofdamen. Sie sollen unverzüglich meine Gemächer verlassen und sind somit aus meinen Diensten entlassen.“ Befehle ich in herrischem und bestimmtem Ton.
    Ihre lieblichen Augen weiten sich entsetzt und sie können nicht glauben was ich eben befohlen habe.
    Mir ist meine Zofe viel lieber, als so viele Menschen um mich herum welche ich nicht einmal kenne.
    Es mag komisch klingen, aber ich fühle mich in Frankreich deutlich sicherer und wohler als ich es hier tue.
    Wütend, verzweifelt und weinend stapfen die vier Mädchen aus dem Raum.
    Ich lasse keine Emotionen nach aussen wirken, sondern bleibe kühl und distanziert.
    Eine kurze Zeit später wird plötzlich die Tür zu meinem Gemach mit einem lauten Knall aufgerissen und ein tobender Arjan tritt ohne Einladung in mein Zimmer.
    „Was hast du dir dabei gedacht?“ will er aufgebracht wissen und kommt drohend auf mich zu.
    Meine Zofe und die Schneiderin weichen erschrocken zurück, als Arjan direkt vor mir anhält.
    Obwohl ich auf einem kleinen Podest stehe, kann ich meinem Bruder direkt in seine kalten, aufblitzenden Augen sehen.
    „Ich brauche keine Hofdamen.“ Erwidere ich monoton und halte seinem Blick stand.
    Zornig hält der schwarzhaarige allerdings dagegen: „Du kannst sie nicht einfach aus ihrem Dienst entlassen, sie waren…“
    Ich unterbreche ihn: „Mätressen des Königs? Da irrst du dich Arjan, ich kann. Denn ich bin die Königin und jeder hier hat mir zu gehorchen!“
    Mein Bruder verstummt augenblicklich.
    In seinem eisigen Blick ist ein Hauch von Verwunderung zu erkennen.
    Er macht Anstalten meine Gemächer wieder zu verlassen, als er die Wachen genauer mustert.
    „Du hast französische Wachen?“ stellt er fest und wirkt dadurch noch wütender.
    „Wachen, welche mir treu ergeben sind.“ antworte ich ausdruckslos, ehe er fluchend das Zimmer verlässt.

    Gerade spaziere ich mit General Voorhis durch das grosse Schloss.
    „Derzeit ist es unklug für kleine Länder, völlig unabhängig zu bleiben.“ Erklärt er mir und informiert mich über wichtige politische Angelegenheiten von Temerien.
    „Neutralität ist schwierig zu bewahren.“ Bestätige ich mit nachdenklicher Stimme.
    Man versucht sich aus Dingen rauszuhalten und dann kommt ein dringlicher Ruf oder ein Angebot, das man nicht ablehnen kann.
    Unsere Vermählung wird einiges ändern… statt zwei schwache Gegner, hat der Feind dann ein starken Gegner gegenüber… und nicht zu vergessen ist Schottland.
    Wir sind so sehr in unser Gespräch vertieft, als ich Charles gar nicht bemerkt habe, welcher sorgevoll auf mich zu gerannt ist.
    Ehe ich mich versehe, drückt er mich unerwartet fest an sich und schliesst mich in eine liebevolle jedoch kräftige Umarmung.
    Ich bin völlig perplex um zu reagieren und schaue irritiert zu meinem General, welcher das Verhalten meines Zukünftigen auch nicht nachvollziehen kann.
    „Gott sei Dank! Dir geht es gut!“ raunt er in mein Ohr und hält mich fest umschlungen.
    Beruhigend streiche ich über seinen Rücken und frage: „Wie sollte es mir denn gehen?“
    Er löst die Umarmung auf, sieht mir jedoch fest in meine Augen.
    Irgendetwas Seltsames liegt in seinem Blick, was ich nicht deuten kann.
    Zudem hätte ich nicht erwartet, dass er mich aus heiterem Himmel grundlos so liebevoll umarmt.
    „Ich habe Arjan gesehen… er war ausser sich vor Wut und hat gedroht dass du dies bereuen wirst.“ Sprudelt es aus dem jungen Prinzen heraus.
    Kommandant Voorhis und ich tauschen einen vielsagenden Blick aus.
    Ein Glück ist Charles mit seiner Beobachtung sofort zu mir gekommen… ich wusste es, dass auf Arjan nicht verlass ist und dass man ihm nicht trauen darf.
    Diese Worte bleiben nicht ohne Konsequenzen, weshalb ich einige Wachen zusammen rufe und mich unverzüglich auf die Suche nach ihm mache.

    Im Innenhof des Schlosses finden wir ihn schliesslich, zusammen mit seinen Kumpanen.
    Mit düsterem Blick fixieren mich seine emotionslosen Augen.
    „Eure Majestät.“ Er verbeugt sich vor mir, jedoch mit verräterischer Stimme.
    Seine Höflichkeit ist sichtlich gespielt, was nicht nur mir auffällt.
    „Lass deine gespielte Freundlichkeit!“ fauche ich und mache einen drohenden Schritt auf ihn zu.
    Arjan und seine Gefolgsleute sind bewaffnet, weshalb meine Wachen ihre Griffe um ihre Schwerter verstärken.
    Schon seit meiner Ankunft hier im Schloss, fühle ich mich in seiner Nähe unwohl.
    Er strahlt Furcht und Unbehagen aus.
    Es muss einen tiefen Grund dafür geben, weshalb Vater mich zur Königin machte und nicht Arjan, welcher sein ganzes Leben schon in Temerien lebt.
    Natürlich hatte er es nicht leicht… welcher Bastard hat dies schon?
    Er wurde abgesondert, weggestossen, und geächtet.
    Er scheint wütend auf die ganze Welt… er fühlt sich minderwertig, verletzt und versteckt dies hinter seinem Selbstvertrauen und seiner Arroganz.
    Ich kenne meinen Bruder noch nicht wirklich lange, kann jedoch sagen, dass er besitzergreifend und eifersüchtig auf alles ist, was ich habe und er nicht.
    Rivalität ist eigentlich ganz normal unter Geschwistern... doch ich habe ernsthafte Bedenken wegen ihm.
    „Du scheinst ziemlich aufgebracht zu sein, das gefällt mir.“ Spasst der schwarzhaarige weiter und weiss wohl nicht wie prekär seine Lage ist.
    Ich weiche nicht zurück und kontere: „Ach was? Hüte deine Zunge Arjan! Deine hochverräterischen Drohungen sind mir keineswegs entgangen!“
    Meine Worte scheinen ihn nicht zu stören und er provoziert mich weiter: „Wer garantiert uns, dass du uns nicht allen den Gar ausmachst? Ich wäre der bessere Herrscher für dieses Land!“
    Es geht ihm also tatsächlich um die Krone.
    Bedrohlich kommt er auf mich zu, ehe sich ihm zwei Wachen in den Weg stellen.
    Mein Herz rast vor Wut… wenn ich jetzt nichts unternehme, fürchte ich um mein Leben.
    Wegen seiner Drohung, wegen seinem Hass auf mich und weil ich ihm den Platz als Herrscherin wegnehme.
    „Sperrt sie in den Kerker! Alle ausser Arjan, er wird an einen anderen Ort gebracht!“ befehle ich mit aufgebrachter Stimme.
    Kein Augenaufschlag vergeht, da führen meine Wachen mein Befehl aus.
    Dankend schaue ich Charles an und greife instinktiv seine Hand.
    Er ist der einzige hier, welchem ich blind vertrauen kann und der stets loyal zu mir hält.

    16
    Die Hochzeit Heute ist unser grosser Tag! Charles und ich werden heiraten. Die Krönung folgt anschliessend drei Tage später. Mein Gewissen plagt mic
    Die Hochzeit

    Heute ist unser grosser Tag!
    Charles und ich werden heiraten.
    Die Krönung folgt anschliessend drei Tage später.
    Mein Gewissen plagt mich schon eine ganze Weile… um genauer zu sein, seit dann, als ich Arjan eingesperrt habe.
    Er befindet sich nicht wie seine Getreue in den Kerkern, sondern in einem geheimen Zimmer versteckt in einem östlichen Turm der Burg.
    Ich musste zu diesen Massnahmen greifen, denn das Volk verlangte nach einer Strafe für Arjan.
    Er möchte mich vom Thron stossen und die Herrschaft über Temerien an sich reissen… aber er ist auch mein Bruder.
    Zwar verbindet uns keine gemeinsame Kindheit aber wir haben dieselbe Blutsbande.
    Ich werde nicht zulassen, dass er gelyncht wird.
    Die Massen könnten sich erheben und mit Fackeln und Mistgabeln das Gefängnis stürmen… deshalb befindet sich Arjan an einem sicheren Ort.

    Mein Herz pocht und ich bin sichtlich aufgeregt da ich hin und her gehe.
    Tausende Gäste aus Nah und Fern sind anwesend und nur wegen Charles und mir hier.
    Adlige, Fürsten und sogar Herrscher aus anderen Ländern sind hier, weshalb heute alles gelingen muss.
    Charles und ich könnten verbündete gewinnen, wenn wir unserer Rolle gerecht werden.
    Zusammen mit den sieben Rittern, welche Charles und mich aus Frankreich eskortiert haben, warte ich etwas abseits vom Schloss bis es losgeht.
    Ich habe mir etwas ganz spezielles ausgedacht denn unsere Hochzeit soll allen noch lange in Erinnerung bleiben und etwas Besonderes sein.
    Nur Schade, dass unsere Freunde und Familie aus Frankreich nicht anwesend sein können, aber ich und Charles haben Verständnis dafür.
    Normalerweise würde ich diesen Auftritt mit meinen Hofdamen aufführen, aber da ich meine Hofdamen aus meinen Diensten entlassen habe, bleibt mir keine andere Wahl.
    Mein silbergewirktes Hochzeitskleid besteht aus weissem Brokatstoff.
    Die Borte am Dekolleté, Ärmel und Unterbrust sind aus verschiedenen Borten zusammengefügt und mit Perlen bestickt.
    Die Schleppe und Ärmel bestehen aus Seiden-Chiffon.
    Dazu trage ich eine Kette an welcher ein blaues Amulett hängt… das sogenannte Herz von Temerien.
    Auf meinem Haupt trage ich ein ebenso weiss-silbernes Krönchen, welches mir Perlen verziert ist.
    Es ist schlicht, kommt jedoch in meinen dunklen Haaren, welche mir meine Zofe glamourös hochgesteckt hat gut zur Geltung.
    Endlich das Schwingen der temerischen Flagge, welches unser geheimes Zeichen ist.
    Artorius der Anführer der Ritter hilft mir, mit meinem Brautkleid auf mein Pferd.
    Selbst die Pferde tragen teuren und edlen Schmuck.
    https://www.YouTube.com/watch? v=DN87mVzL28s&list=PL8B2594BB7C0FB81A&index=2
    Ich reite in der Mitte und etwas weiter vorn als die anderen Rittern welche mich begleiten, in einer Art Pfeilformation.
    Die äussersten Ritter halten in ihren Händen jeweils eine Flagge mit dem temerischen Symbol.
    Im Schritttempo begeben wir uns auf das Schloss zu, unter tausenden Augenpaare welche uns überwältigend anschauen.
    Die Männer sind alle mit edlen und teuren Anzügen gekleidet und die Frauen tragen prächtige und bestimmt noch viel teurere Kleider.
    Jedoch trägt keine ein weisses Kleid, und keines ist so schön und edel wie das meine.
    Ja… ich bin die Schönste.
    In einigen Augenpaaren, besonders vom weiblichen Geschlecht, erkenne ich sogar Tränen… und dies obwohl ich die Personen gar nicht kenne.
    Die Gäste und auch Charles blicken überrascht in unsere Richtung, da sie nicht mit so einem Auftritt gerechnet haben.
    Sein Gesicht erhellt sich und er sieht mich strahlend an.
    Vor der Hochzeitgesellschaft kommen wir zum Stehen.
    Ich lächle ihn ebenfalls an… auch wenn es eine arrangierte Hochzeit ist, so bin ich glücklich.
    Charles und ich haben hier in Temerien viel Zeit zusammen verbracht und uns besser kennengelernt.
    Der Kuss bei der Hochzeit wird allerdings unser erster sein.
    Wir haben viel Zeit damit verbracht um einen erfolgreichen Hochzeitstanz aufzuführen.
    Es war lustig und wir haben ziemlich herum gealbert, bis schlussendlich jeder Schritt, jede Bewegung sass.
    Der junge Prinz kommt grinsend auf mich zu und hebt mich mit seinen starken Armen von meinem Pferd.
    Innig schauen wir uns in die Augen, während er seine Hände immer noch um meine Taille hält.
    „Du bist so wunderschön.“ Gesteht er und begutachtet mich mit seinen azurblauen Augen von oben bis unten.
    Ich lächle ihn an, als mir auffällt dass sein Kragen nicht richtig sitzt.
    „Du siehst auch nicht übel aus.“ Erwidere ich während ich fürsorglich den Kragen seines Anzuges richte, als mir auffällt dass Charles meine Lippen fixiert hat.
    „Hey! Ihr seid noch nicht verheiratet!“ ruft ein Ritter uns amüsant zu und lässt uns peinlich berührt auseinander fahren.
    Die Hochzeitgäste grinsen vor sich hin, was uns noch verlegener werden lässt.
    Wollte Charles mich tatsächlich küssen? Oder habe ich mir dies nur eingebildet?

    https://www.YouTube.com/watch? v=eZhzFE2C-_w
    Vor dem Traualtar ist es endgültig um mich geschehen.
    Nervös stehen wir vor dem Pfarrer unter strenger Beobachtung all unserer Gäste.
    Mein Magen droht zu rebellieren und eine seltsame Art von Angst überkommt mich.
    Aber ich glaube es ist die natürliche Furcht bei einer Hochzeit, die jede Frau an ihrem grossen Tag hat.
    Mein ganzer Körper bebt vor Aufregung und meine Beine fühlen sich weich an wie Wackelpudding.
    Ich werfe einen kurzen Blick zu Charles und frage mich ob er auch so nervös ist, wie ich es bin.
    „Wir sind heute zusammen gekommen, um Charles und Anais Hochzeit zu feiern. Die Fähigkeit der Liebe zueinander kommt von Gott selbst. Er hat euch angenommen, er liebt euch. Er befriedigt in euch die tiefsten Sehnsüchte, so seid ihr frei füreinander. Ihr beide seid für grosses bestimmt, so werdet ihr bald zwei Königreiche gemeinsam regieren.“ Der Pfarrer beginnt mit einer langen Rede und irgendwann, höre ich ihm einfach nicht mehr zu.
    Charles bemerkt meine Nervosität und flüstert: „Anais! Sieh nur mich an.“
    Ich komme seinem Rat nach und fixiere mich voll und ganz auf meinen Bräutigam.
    Es bewirkt Wunder!
    Alle um mich herum blende ich aus und verliere mich in seinen einfühlsamen Augen.
    So fühlt sich alles angenehmer an und ich spüre wie sich mein Herzschlag wieder normalisiert.
    Dann fängt Charles mit seiner einstudierten Rede an.
    Er sieht mir tief in meine Augen und hält meine Hände liebevoll in den seinen.
    „Anais… als ich dich das erste Mal sah, hätte ich niemals gedacht mit dir vor dem Traualtar zu stehen. Auf dich kann ich immer zählen, wenn ich mal in Schwierigkeiten stecke. In guten Zeiten freust du dich mit mir… und du sagst mir dass ich ein Idiot bin, wenn ich mich beim Tanzen wieder tollpatschig aufführe. Ich verspreche dir, dass ich dich ehren werde… dass ich mit dir lache… dich liebe und beschütze… deine beiden Söhne liebe wie meine eigenen Kinder… und jeden Tag werde ich mich fragen, womit ich dieses riesige Glück verdient habe.“ Charles rede berührt mich zu tiefst und ich kämpfe mit den Tränen.
    Allerdings weiss ich nicht, ob er sie selbst schrieb, oder ob er ein Schreiber für ihn die Arbeit machen liess.
    Wir müssen als starkes Paar auftreten, weshalb es lohnenswert ist, wenn man sich Rat holt.
    Noch nie zuvor, habe ich solche intensive Blicke von ihm gespürt wie ich es jetzt tue.
    Entwickeln sich zwischen uns vielleicht doch noch echte Gefühle?
    Ich atme tief ein ehe ich meine Rede halte.
    Eigentlich hatte sie mir ein Schreiber vorgeschrieben, doch ich fühle mich ungewöhnlich gut und glücklich, weshalb ich meine Worte frei wähle: „Charles… auch ich hätte es mir nie zu träumen gewagt mit dir Seite an Seite hier zu stehen. Du gibst mir das Gefühl lebendig zu sein und dass ich fliegen kann wie ein Vogel. Ich konnte es mir nie vorstellen und habe es auch nie gewagt nur davon zu träumen, dass ich irgendwann so glücklich werden könnte… aber genau dieser Traum ist wahr geworden… jetzt erlebe ich eine Märchenhochzeit. Charles ich verspreche dich zu lieben… und werde dich immer weiter lieben! In guten Tagen liebe ich dich, ebenso wie in schlechten… in traurigen Zeiten und in glücklichen… mit allem was ich zugeben habe… ohne Bedingungen und für Ewig!“
    Die azurblauen Augen meines Gegenübers beginnen glücklich zu leuchten.
    Auch sein Lächeln wird breiter und er lässt seine weissen Zähne aufblitzen.
    Der Pfarrer spricht weiter, während Charles und ich uns innig in die Augen schauen.
    Anschliessend tauschen wir die Ringe aus ehe wir für Mann und Frau erklärt werden.
    Jetzt kommt der Teil, vor dem ich ein bisschen Bange habe… unser erster Kuss und dazu noch vor so vielen Leuten.
    Wie werden sich seine Lippen wohl anfühlen?
    Wie wird er küssen?
    Viele Fragen gehen durch meinen Kopf, als Charles mit seiner Hand sanft mein Gesicht anhebt und mir einen sanften Kuss auf meine Lippen haucht.
    Der Kuss fühlt sich äusserst leicht und vorsichtig an und ich weiss nicht mehr wie mir geschieht.
    Als er den Kuss langsam unter dem tosenden Applaus auflöst, spüre ich ein prickeln auf meinen Lippen.
    Es fühlt sich gut an… und ich habe das Verlangen auf mehr Zärtlichkeit.
    Charles ist mir mit seinem Gesicht immer noch sehr nahe, so dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüre.
    Sein Blick weicht zwischen meinen Augen und meinen Lippen hin und her.
    Verlangen und Sehnsucht ist in seinen wunderbaren Augen zu lesen, ehe er erneut seine weichen und warmen Lippen auf meine legt und sie mit einem intensiven Kuss versiegelt.
    Ich erwidere vorsichtig seinen Kuss, während weisses Konfetti auf uns hinab fällt und sich in unseren Haaren verfängt.
    Wir lösen uns voneinander und irgendein Gefühl in mir möchte den jungen Prinzen umarmen.
    Glücklich schlinge ich meine Arme um ihn und drücke ihn liebevoll an mich.
    Lächelnd zupft er liebevoll das weisse Konfetti aus meinem Haar und hält mit der anderen Hand mein Gesicht umrahmt.

    Unter der Augen aller Anwesenden Hochzeitsgästen eröffnen Charles und ich den Tanz.
    Lange und intensiv haben wir trainiert, bis wir schliesslich den Tanz so hin bekommen haben.
    Die Musik erklingt https://www.YouTube.com/watch? v=G5c3bWaMPbU
    Langsam und stolz führt Charles mich in die Mitte des grossen, geschmückten Raumes.
    Jeden Abend seit wir in Temerien sind, haben wir auf diesen Moment hingearbeitet.
    Wir haben uns mehr auf unseren Hochzeitstanz konzentriert als auf alles andere.
    Er drückt mir einen zarten Kuss auf meine Hand, ehe wir den ersten Tanzschritt wagen.
    Wir tanzen äusserst elegant und anmutig und dennoch traditional.
    Immer wieder ändern wir die Figur und die Position unserer Hände.
    Graziös wirbelt mich Charles durch den Saal und ist selbst ziemlich stolz auf uns oder wohl eher auf sich, denn er führt die ganze Zeit über wie es sich für einen Mann gehört.
    Ich kann mich einfach zurück lehnen, führen lassen und den Tanz geniessen.
    An einem bestimmten Punkt des Musikstücks, packt Charles mich an der Hüfte, hebt mich hoch und dreht mich, ehe ich mit einer perfekten Pirouette lande.
    Während des Tanzes nehme ich Charles unglaubliche Wärme, die von seinem Körper ausgeht wahr und der unvergleichliche Geruch nach Sandelholz, den er verströmt.
    Der Tanz mit Charles ist so friedlich und harmonisch… und ich kann mir tatsächlich vorstellen, dass er ein guter Ehemann und König sein wird.

    Wir feiern, tanzen, essen und lachen bis spät in die Nacht hinein.
    Unerwartet hören die Musiker auf zu spielen, ehe Charles mit einem Messer gegen ein Glas schlägt um die Aufmerksamkeit der Hochzeitsgäste auf sich zu lenken.
    Abrupt wird es ruhig im grossen Saal und alle Augenpaare richten sich auf uns.
    Mein Herz schlag beschleunigt sich wieder, doch ich bewahre meine stolze Haltung.
    Bestimmt nimmt Charles meine Hand in seine und spricht zu unseren Gästen: „Wir bedanken uns bei allen Gästen für ihr Kommen. Meine Frau und ich verabschieden uns nun von euch… möget ihr noch lange feiern!“
    Aber so leicht kommen Charles und ich doch nicht davon… es folgt noch eine lange Prozedur von Glückwünschen, Händeschütteln, Verabschieden, gekünsteltem Lächeln und eingespielten Höflichkeitsfloskeln.
    Zum Schluss werden wir ausserhalb des Schlosses auf unserem Weg zu einer schwarzen mit Silber verzierten Kutsche mit Reis beworfen.
    So schnell wie ich mit meinen Schuhen laufen kann, rennen wir in die Kutsche.
    Wir werden nun etwas abseits des Schlosses fahren um dort in unser Chateau zu gehen.
    Während der Fahrt halten wir unsere Hände und sind gespannt wie es dort aussehen wird.
    Zur Sicherheit begleitet uns die Division Alba bis zu dem grossen Haus.
    Neugierig schauen wir aus dem Fenster während wir ein schwarzes Eisentor passieren.
    Es ist ein parkähnliches, weiträumiges Gelände mit einem Springbrunnen und Pfauen.
    Das Herrenhaus zeugt von Wohlstand und Eitelkeit.
    Über einen breiten Kiesweg gelangen wir zu einem schicken Gebäude, in dessen Eingangshalle Ahnen-Porträts der Königsfamilie hängen.
    Charles steigt aus der Kutsche und reicht mir fürsorglich seine Hand um mir beim Ausstieg zu helfen.
    Ich ergreife mit der linken Hand die angebotene Hilfe und hebe mit der rechten Hand mein Kleid an, damit ich nicht stolpere.
    Wir verabschieden uns von unseren Ritter, ehe wir das Herrenhaus betreten.

    Die Einganshalle ist riesig und wie erwähnt mit den Portraits der Königsfamilien von Temerien dekoriert.
    Am anderen Ende des Raumes befinden sich zwei breite, mit königsblauen Läufern ausgelegte Treppen, welche in einem weiten Bogen schliesslich am Flur der oberen Etage wieder in der Mitte zusammen finden.
    Charles und ich erkunden das Anwesen als wir schliesslich das Schlafzimmer entdecken.
    Das Zimmer ist im Vergleich zu unseren königlichen Gemächern eher klein, aber gemütlich eingerichtet.
    Mein Blick richtet sich auf das grosse Himmelbett… es ist unsere Hochzeitsnacht.
    Obwohl sich der Kuss mit Charles aussergewöhnlich schön anfühlte, habe ich jetzt kalte Füsse vor unserem nächsten Schritt.
    Während der junge Prinz sich im Umkleideraum umzieht, stehe ich immer noch da, wie in Trance.
    Als Charles sich umgezogen hat und mich erblickt kommt er langsam auf mich zu.
    „Wir müssen es nicht tun.“ Spricht er aus heiterem Himmel und nimmt zaghaft meine Hand.
    Irritiert schaue ich den dunkelhaarigen an: „Was?“
    Eines erstaunt mich an dem jungen Valois immer wieder… als wäre ich ein Buch, kann er mich lesen.
    Er weiss wie ich mich fühle oder woran ich denke… und dies hat noch keiner vor ihm getan.
    „Du bist noch nicht über Bash hinweg… das verstehe ich. Deshalb werde ich dir Zeit geben.“ verspricht er mir, während er mir innig in meine verunsicherten Augen schaut.
    Charles begibt sich hinter mich und hilft mir aus meinem Hochzeitskleid.
    Vorsichtig öffnet er die Schnüre des Korsetts.
    „Warum tust du das?“ frage ich und drehe mich zu ihm um.
    Fragend und verwirrt beäuge ich ihn.
    „Wenn unsere Beziehung funktionieren soll, müssen wir lernen auf unsere Bedürfnisse einzugehen… und deines ist im Moment noch Zeit.“ Antwortet er mir, ehe er sich zum grossen Bett begibt.
    Ich verschwinde kurz im Umkleideraum, ehe ich mich in einem seidenen, kurzen Nachthemd bekleidet unter die Bettdecke kuschle.
    Es herrscht Schweigen zwischen uns.
    Charles blickt nachdenklich hinauf in die weisse Decke.
    Ich bin ihm dankbar, für das was er für mich tut, weshalb ich mich zu ihm drehe, einen Arm um ihn schlinge und meinen Kopf auf seine Brust lege.
    „Ich danke dir Charles.“ Sage ich und drücke ihn fester an mich.
    Ich spüre wie sein Herz durch meine Worte ein paar Takte schneller schlägt.
    Sanft schlingt er ebenfalls seinen Arm um mich und streicht mir behutsam durchs Haar, ehe wir auch schon einschlafen.

    17
    Schlechte Nachrichten Die grossen Mauern des Schlosses von Frankreich sind bereits in der Ferne zu erkennen. Leider ist alles anders gekommen und Char
    Schlechte Nachrichten

    Die grossen Mauern des Schlosses von Frankreich sind bereits in der Ferne zu erkennen.
    Leider ist alles anders gekommen und Charles und ich mussten früher nach Frankreich zurück als es geplant war.
    Unsere Krönung fand nur in einem kleinen Kreis statt.
    Nur die wichtigsten Leute waren anwesend.
    In meiner Abwesenheit wird Artorius Temerien regieren, da ich Arjan mein Land niemals anvertrauen könnte.
    Artorius hingegen hat sich mir gegenüber immer loyal verhalten und war auch eine geheime Empfehlung meines Vaters.
    Wir erhielten die schreckliche Nachricht dass Francis bei einem Überfall ums Leben gekommen ist, weshalb wir auf schnellstem Weg zurück ins Schloss sind.

    Nach einer Weile passieren wir endlich das grosse, eiserne Tor.
    Wachen nehmen uns herzlich in Empfang und bringen unsere Pferde so gleich in ihre Ställe wo sie umsorgt werden.
    Wir kommen gerade rechtzeitig zur Beerdigung unseres all geliebten Königs.
    Kaum bin ich von meiner schwarzen Stute gestiegen, kommt auch schon eine völlig in schwarz gekleidete Königin auf mich zu gerannt.
    Ich blicke kurz in ihre leeren, trauernden Augen, ehe sie weinend in meinen Armen zusammen bricht.
    Francis Tod kam überraschend und schnell zugleich.
    Er lässt Mary alleine und verletzlich zurück, wo durch die Engländer sie für ein leichtes Ziel halten.
    Während Mary immer noch in meinen Armen weint und völlig ausser sich ist, kommt Catherine auf uns zu stolziert.
    Mit ihrem kalten Blick hat sich mich fixiert, doch anders als sonst zwingt sie mich nicht in die Knie: „Geht euch passend umziehen, ich kümmere mich um sie.“

    Ganz Frankreich liegt in tiefer Trauer, sogar der Himmel hat sich verdunkelt.
    Graue, dicke Wolken ziehen über unseren Köpfen vorbei und ein kühler Wind bläst durch die leere Burg.
    Vor uns liegt ein in schwarzbezogener Sarg.
    Der Gedanke daran, dass Francis darin liegt, zerreisst mich fast und ich muss tief schlucken.
    Warum musste er jetzt gerade sterben?
    Unsere Zeit bei den Lebenden ist nur ein Wimpernschlag.
    Was bleibt am Ende von uns übrig?
    Wie werden wir in Erinnerung bleiben?
    Mit traurigem Gesichtsausdruck, legt Bash die Krone und Francis Schwert auf den Sarg.
    Ich erinnere mich an die kurze und dennoch wunderschöne Zeit, welche ich mit ihm haben durfte.
    Er war für mich da, als ich Liebeskummer wegen Bash hatte… und ich war für ihn da, als er Liebeskummer wegen Mary hatte.
    Eine warme Träne, bahnt sich ihren Weg über mein kühles Gesicht, was meinem Gemahl nicht entgeht.
    Liebevoll drückt er mich an sich und fährt mir behutsam über meinen Rücken und versucht mich zu trösten.
    Das Leben ist zu kurz und deshalb sollte man jeden Tag geniessen und daraus das Beste machen.
    Für jene die übrig bleiben, darf der Tod nie Vorrang vor dem Leben haben.

    Drei Wochen sind bereits seit Francis Tod wieder vergangen.
    Auch wenn es schwer ist für uns, so müssen wir unser Leben weiterführen.
    Da ich bereits volljährig bin, braucht Charles keinen Regenten an seiner Seite, was vielen hier im Schloss nicht gefällt.
    Ich bin ihnen ein Dorn im Auge und fühle mich deshalb oft unsicher und habe lieber ein paar treue Wachen um mich.
    Dazu kommt noch, dass die Position als Regenten noch lukrativer ist, da derjenige auch über Temerien herrschen würde.
    Deshalb schleimen sich einige Mitglieder des Kronrates schamlos bei Charles ein.
    Mir gegenüber sind sie dafür eher misstrauisch und gehen mir aus dem Weg.
    Ich bin gerade dabei mir die Beschreibungen von Bürgern anzusehen und sie auszuwerten.
    Bereits vor meiner Ankunft hat es immer wieder unerklärliche Morde rund um unsere Burg gegeben… seit ich allerdings an die Macht gekommen bin, sind sogar Adlige unter den Opfern.
    Leider unterscheiden sich die Zeichnungen des mutmasslichen Täters sehr… ich fürchte die Zeugen reden Unsinn.
    Der Mörder hinterlässt keine Spuren.
    Auch heisst es, dass sich der Täter schwarzer Magie bedient.
    Zudem kommt noch dass bald ein Turnier ansteht und die Gäste, Teilnehmer und Anverwandte der Königsfamilie bereits da sind, weshalb Charles und ich die Veranstaltung nicht mehr abbrechen können.
    Also sind nicht nur unsere Untertanen bedroht.
    Wenn Adlige aus einem fernen Land in unserem Schloss sterben ist dies ein Skandal und im schlimmstenfalls ein diplomatischer Vorfall.
    Bisher ist es noch keinem unserer Ritter gelungen den Mörder zu fassen, da er stets klug und überrascht angreift.
    Ich habe Artorius von unserem Problem berichtet und er versprach einer seiner besten Krieger und Fährtenleser nach Frankreich zu senden.
    Unerwartet klopft es an der grossen Holztür und Bash betritt den von Kerzenlicht erleuchteten Raum.
    „Was gibt es?“ frage ich sogleich und hoffe nicht auf noch weitere schlechte Nachrichten.
    „Königin Elizabeth hat Linlithgow erobert.“ Offenbart der Braunhaarige mir sogleich und ich traue meinen Ohren kaum.
    Das hat uns gerade noch gefehlt.
    Frankreich hat ohnehin schon genug Probleme und die Schulden häufen sich.
    Wir haben nicht genügend Truppen die wir zur Unterstützung schicken könnten… anderer Seitz hat Temerien zurzeit mehr Krieger zur verfügung… doch der Vertrag des Bündnisses ist noch nicht fertiggestellt.
    Ich spüre wie mir alles zu Kopf steigt.
    Was tue ich hier überhaupt?
    Was habe ich mir nur dabei gedacht über ein Land herrschen zu können?
    Meine Hände beginnen unkontrolliert zu zittern, was Bash natürlich sofort auffällt.
    „Anais, was hast du?“ besorglich klingt seine Stimme.
    „Der Kronrat hat recht, ich bin Frankreichs Untergang.“ Stottere ich.
    Tröstend kommt der Franzose auf mich zu und nimmt mich in seine starken Arme: „Das bist du nicht! Du und Charles stehen beide für das Frankreich von Morgen. Ihr werdet zwei grossartige Herrscher, da bin ich sicher.“
    Schluchzend schmiege ich mich an seine starke Brust.
    Wenn seine Worte doch nur wahr wären… aber Charles und ich sind zu denkbarschweren Umstände an die Macht gelangt.
    Es wird schwer werden hier etwas zu verändern und Frankreich in ein erfülltes Königreich zu verwandeln.
    Plötzlich tritt erneut jemand ein und ich erkenne ihn an seiner hellen Stimme: „Anais du glaubst nicht was…“
    Er hält inne und bleibt abrupt stehen, als er mich und Bash erblickt.
    Augenblicklich löse ich mich von ihm und wische eine Träne weg.
    Wutentbrannt fixiert der junge König den Mann neben mir.
    „Was tut er hier?“ richtet sich mein Mann an mich, während er Bash nicht aus den Augen lässt.
    Ich trete einen Schritt auf den jungen Monarchen zu und versuche ihn etwas zu besänftigen: „Er hat mir davon berichtet, dass Linlithgow erobert wurde.“
    „Und warum habt ihr euch umarmt?“ hackt er sofort nach und wirkt misstrauisch.
    Bash ergreift das Wort: „Ich habe Anais bloss getröstet.“
    „Mit dir habe ich nicht geredet! Verschwinde aus diesem Raum!“ befiehlt mein Gemahl und erhebt seine Stimme.
    Ohne Widerworte kommt Bash seinem Befehl nach.
    Nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, spricht Charles weiter: „Ich will ihn nicht mehr in deiner Nähe sehen!“
    Mein Gemahl ist völlig ausser sich.
    „Charles er ist deine rechte Hand.“ Kontere ich und versuche ihn zur Vernunft zu bringen.
    „Nicht mehr!“ erwidert er mit lauter Stimme und begibt sich zum Fenster um nach draussen zu sehen.
    Diese dunkle, eifersüchtige Seite von ihm, habe ich zuvor noch nicht gekannt.
    Vorsichtig gehe ich auf ihn zu.
    Zaghaft lege ich eine Hand auf seine Schulter und spreche mit ruhiger Stimme: „Zwischen Bash und mir läuft nichts. Du bist mein Mann und ich würde dich nie hintergehen.“
    Ich fühle wie sich sein Herzschlag wieder normalisiert.
    „Francis dachte bestimmt auch nicht, dass Mary ihn je betrügen würde… und weisst du was der Unterschied ist? Mary hat Francis geliebt.“ Mit diesen Worten verlässt Charles den Raum und lässt mich alleine zurück.
    Seine Worte versetzen mir einen grauenvollen Stich in mein Herz.

    18
    Der Krieger aus Temerien Die Situation zwischen Charles und mir hat sich in der zwischen Zeit wieder etwas gebessert. Wir dürfen keine Schwäche zeig
    Der Krieger aus Temerien

    Die Situation zwischen Charles und mir hat sich in der zwischen Zeit wieder etwas gebessert.
    Wir dürfen keine Schwäche zeigen und ein streitendes Königspaar ist für Feinde ein gefundenes Essen.
    Ironischerweise hatte Catherine ihre Hände im Spiel und hat mich und Charles einander wieder näher gebracht.
    Zusammen mit Charles begebe ich mich zu Hauptmann de la Tour.
    Der aussergewöhnliche Krieger von Temerien soll eingetroffen sein.
    Als wir am besagten Ort ankommen, fällt mir augenblicklich der grosse, muskulöse Mann auf.
    Hauptmann de la Tour verbeugt sich höfflich vor uns und stellt uns den unbekannten Mann vor: „Das ist Korin von Toledo, der Krieger, welcher von Artorius geschickt wurde.“
    „Edle Herrin. Majestät.“ An Manieren scheint es dem Krieger nicht zu mangeln, wobei ich auch schon anderes gehört habe.
    Korin hat längeres, dunkles, leicht gewelltes Haar.
    Seine Augen bergen eine merkwürdige Mischung aus braun und grün, welche ich nicht richtig definieren kann.
    Er ist hochgewachsen und hält anscheinend viel von körperlichen Ertüchtigungen.
    Unter seinem dunklen Mantel, trägt er ein abgewetztes Lederwams, das am Hals und über den Achseln zugebunden ist.
    Mit einem verschmitzten Lächeln sieht der Krieger mich unaufhörlich an, doch zum Glück ergreift unser Hauptmann das Wort wieder und lenkt die Aufmerksamkeit des Kriegers auf sich: „Ihr solltet wissen, dass ich dagegen war, euch herzuholen. Ich habe von euch gehört… ihr bringt immer Ärger mit euch… und wir haben schon genug Ärger. Wir werden den Mörder auch alleine zur Strecke bringen, da muss uns kein Fremder helfen.“
    Ich greife ein, denn dies hat mein Hauptmann nicht zu entscheiden: „Enzo, die Frage, ob Korin angeheuert wird, ist schon länger endgültig entschieden worden. Da du dennoch davon anfängst sprechen wir über Korins Bezahlung.“
    Von hier an übernimmt mein Gemahl das Reden: „Wir haben entschieden, dass ihr das Weingut Vermentino sowie eine Geldsumme erhalten werdet, sobald ihr den Auftrag erfüllt habt. Sicher scheint euch dies angemessen.“
    Während Charles dies ausspricht, bemerke ich wie Enzo de la Tour seinen Kopf schüttelt.
    „Ihr werdet das Weingut sofort beziehen, da ihr auf der Jagd gewiss eine Unterkunft gebraucht. Das Geld erhaltet ihr allerdings erst, wenn ihr den Mörder gefasst habt.“ Erläutert Charles dem Krieger weiter.
    Dankend nimmt Korin den Schlüssel an, welcher einer unserer Diener ihm übergibt.
    Jetzt möchte er die benötigten Informationen über die ersten Opfer wissen.
    Charles und ich haben schon lange die Befürchtung dass es sich nicht mehr um einen Mörder handelt, sondern um zwei verschiedene.
    Denn immerhin waren es zunächst eher unbedeutende Menschen die ihm zum Opfer fielen… da es nun aber Adlige sind, welche sich im Schloss aufhalten haben wir noch mehr bedenken als zuvor.
    Hauptmann de la Tour beginnt mit den Informationen zum ersten Opfer: „Bernard Denaux war der erste Adlige. Er war einst für seine Zahlreichen Turniersiege berühmt. Im Alter hat er das Schwert über seinen Kamin gehängt und ist auf Weinbau umgestiegen.“
    Dazu habe ich etwas zu ergänzen, was mir auch als wichtige Information erscheint: „Denaux war nicht gerade beliebt unter den Weinhändlern. Er war ein rücksichtsloser Geschäftemacher und hat offenbar gerne mal betrogen. Uns hat er um einen Dispens von allen Hofzeremonien ersucht. Den konnten wir ihm nicht gewähren, da ein Ritterschwur bis ans Lebensende gilt.“
    Denaux war während einem Bankett spurlos verschwunden.
    Eine Stunde später als man sein Vermissen bemerkte, fand ihn die Stadtwache… auf Händen und Knien, gegen den Pranger gelehnt, das Schwert um den Hals gehängt.
    Nun will Korin mehr über den zweiten Adligen wissen, was ihm Enzo erläutert: „Es gibt Ecken in dieser Stadt, in die sich nachts niemand wagen würde, der bei Verstand ist. An einem solchen Ort wurde die Leiche von Damien de la Serre gefunden. Nachdem Mord von Denaux war die Stadt in Angst. Die Einwohner waren vorsichtig und blieben in sicheren Gegenden. Daher erhielten wir die Nachricht über den Tod von de la Serre von einer Bande besorgter Taschendiebe.“
    Korin schien nachzudenken und will wissen ob man die Taschendiebe als Täter ausschliessen kann.
    Jedoch haben einige Nachforschungen ergeben, dass die Banditen nicht als Täter in Frage kommen.
    Ich erkläre Korin wo man seine Leiche fand: „ Er wurde in der Gosse gefunden… in Nachthemd und Schlafmütze, den Kopf auf einem Kissen und das Schwert durch einen Bettwärmer ersetzt. Ausserdem war er der frühere Berater von König Henry.“
    Irgendjemand scheint sich grosse Mühe gemacht zu haben de la Serre lächerlich zu machen, deshalb vermutet Korin, dass das Motiv Rache sein könnte.
    Während sich die Männer über den Täter und die Opfer unterhalten, spüre ich einen Blick auf meinem Rücken, weshalb ich mich umdrehe und die Gegend prüfend absuche.
    „Was hast du?“ will Charles wissen und blickt mich fragend und besorgt an.
    „Jemand beobachtet uns.“ Flüstere ich, worauf er ebenfalls umher schaut.
    Doch es ist eher unwahrscheinlich dass uns jemand belauschen kann.
    Wir befinden uns zwar in den Schlossgärten, aber die Wachen sorgen dafür, dass niemand unser vertrautes Gespräch mitbekommt.
    Korin kommt nun zu einem Entschluss, nachdem de la Tour ihn über die vorherige Morde informiert hat: „Ich fürchte es handelt sich, wie ihr bereits vermutet, um zwei verschiedene Täter. Zwischen den Morden von Denaux und de la Serre gibt es hingegen viele Ähnlichkeiten. Die Leichen wurden an seltsamen Orten und unter ungewöhnlichen Umständen gefunden. Offenbar will der Mörder eine Botschaft hinterlassen.“
    Charles scheint die Situation mehr mitzunehmen als er zu gibt: „Das waren ehrenhafte Männer. Wir sind bestürzt über die Respektlosigkeit, mit der sie behandelt wurden. Verflucht, das waren Ritter von Frankreich!“
    Ich versuche meinen Gemahlen zu beruhigen in dem ich seine Hand in die meine Nehme.
    Abrupt treffen sich unsere Blicke und ich spüre diese vertraute Wärme wieder, welche ich tatsächlich vermisst habe.

    In den nächsten Tagen gehen Charles und ich unseren Pflichten als Monarchen nach.
    Leider hat es einen weiteren Mord an einem Adligen gegeben.
    Korin hat den Möder zwar verfolgt, doch dieser konnte leider entkommen.
    Es hätte uns viele Probleme erspart wenn Korin beim ersten Mal erfolgreich gewesen wäre, jedoch konnte er auch weitere Informationen beschaffen und zwar vom Täter höchstpersönlich.
    Vor ihrem Kampf sprachen sie kurz miteinander in dem der Mörder ihm gestand, dass ihm nur noch ein einziges Opfer fehlt, ehe er das Land verlässt.
    Gerade bin ich mit Claude unterwegs als uns meine Schwester über den Weg läuft.
    „Adda!“ freudig winke ich sie zu uns.
    Ich konnte mit ihr schon länger nicht mehr sprechen, da ich immer beschäftigt war.
    Sie kommt auf uns zu und lächelt mich gequält an.
    Eigenartig, denn sonst ist sie immer freundlich und eigentlich ziemlich glücklich wenn wir uns sehen.
    „Wie geht es dir?“ frage ich sie.
    Sie zuckt abwesend mit ihren Schultern und antwortet: „Danke, ganz gut.“
    Dann herrscht Schweigen, was mich ziemlich irritiert.
    Normalerweise plappert sie wie ein Wasserfall oder ein offenes Buch, doch seit einiger Zeit ist dem nicht mehr so.
    Aber dann stellt sie mir doch noch eine Frage: „Wie läuft es zwischen Charles und dir? Ich habe von eurem Streit gehört.“
    Überrascht schaue ich sie an… woher weiss sie von unserem Streit?
    Jedoch werde ich sie nicht nach der Quelle fragen, allerdings erscheint mir ihre Bemerkung ziemlich schleierhaft.
    Ich weiss nicht, was ich ihr darauf antworten soll… noch immer gibt es eine kleine Spannung zwischen Charles und mir.
    Sein Vertrauen zu mir bröckelt und ich kann sein Verhalten nachvollziehen.
    Gerade in dem Moment als ich ihr antworten will, schlingen sich unverhofft zwei Arme um mich.
    Augenblicklich rieche ich der angehnehme Duft von meinem Ehemann.
    Ungläubig drehe ich mich um und er steht tatsächlich vor mir.
    „Charles was tust du hier? Müsstest du nicht bei einem Treffen mit Hauptmann de la Tour sein?“ frage ich überrascht und mit grossen Augen.
    Es klingt tragisch, doch seit dem vierten Mord an einem älteren Ritter sind Charles und ich uns wieder näher gekommen.
    Wir lassen uns von diesem Mörder nicht kaltkriegen und zeigen uns als starkes Königspaar.
    „Das müsste ich, aber ich habe eine kleine Überraschung für dich.“ Offenbart er euphorisch und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf meine Lippen.
    Ich bin so perplex, dass ich kein Ton rausbekomme.
    „Wenn ihr mich und meine Frau nun entschuldigen würdet.“ Mit einem schelmischen Grinsen, nimmt der junge Monarch mich an seine Hand und entführt mich.

    Lachend und mit schnellen Schritten begeben Charles und ich uns zum Schloss.
    Was für eine Überraschung könnte Charles für mich bereit haben?
    Wir biegen gerade um die nächste Säule als Korin vor uns auftaucht.
    Abrupt halten wir vor ihm und das Glück und das freudige Lachen verschwindet aus unseren Gesichtern.
    Korin hat einen Hinweis gefunden… ein paar Zettel auf denen die Namen der Opfer stehen.
    Ausserdem denkt der schwarzhaarige, dass der Mörder nicht der eigentliche Drahtzieher ist.
    Auf einem der Zettel ist ein kleiner Weinfleck, weshalb Charles auf der Stelle unser königlicher Sommelier herbestellt.
    Es mag nicht sehr aussagekräftig sein, doch in Frankreich ist Wein heilig.
    Hier gibt es keine einfachen Weinflecke… hier gibt es nur Weinflecke, die aus Tropfen von Bordeaux, Bourgogne, Fiorano bestehen…
    Einen kurzen Moment später trifft unser Weinkenner auch schon ein: „Der König von Frankreich wünscht mich zu sprechen? Was kann ich für euch tun?
    Korin übergibt dem Sommelier das Papier mit dem Weinfleck.
    Der begabte Sommelier muss nur einmal daran riechen, bis er den Weinfleck analysiert hat: „Eindeutig an der Saône angebaut, in Fässern aus Eichenholz gereift, die Farbe kirschrot bis tief Rubin mit violetten Reflexen, sehr klar… das ist Mâcon Rouge. Jahrgang 1490.“
    Kaum hat der Sommelier diese Worte ausgesprochen, schauen Charles und ich uns gleichzeitig an.
    Wir wissen beide, dass dies unmöglich ist.
    Dieser Wein wird auf Castello des Alisiers gekeltert… und eigentlich nur für den französischen Hof.
    Vielleicht wurde der Mâcon gestohlen?
    Wir müssen zum Weingut, denn vielleicht hat es dort einen Vorfall gegeben.
    „Mâcon Rouge… nie davon gehört.“ Mischt sich nun Korin ein.
    Charles erklärt ihm den Grund, warum er davon wahrscheinlich noch nie etwas gehört hat: „Es ist höchst unwahrscheinlich, dass ihr ihn je kosten konntet, da er der nur der Königsfamilie vorbehalten ist.“
    Wie ist dieser Wein nur auf diesem Papier gelandet?
    Ich verdrehe meine Augen… wenn der Mörder dort ist, müssen wir umgehend dahin: „Wir haben keine Zeit darüber zu diskutieren! Unser Sommelier irrt sich nie, also worauf warten wir?“
    Natürlich werden Charles und ich selbst Nachforschungen anstellen, weshalb wir Korin begleiten werden.
    Allerdings ist der alles andere als begeistert davon: „Moment, ihr beide möchtet mich begleiten? Kommt nicht in Frage.“
    Charles und ich tauschen erneut Blicke aus ehe ich weiter spreche: „Ihr glaubt ja wohl nicht, dass wir auf unseren königlichen Hintern rumsitzen, während das Königreich in ernster Gefahr ist?“
    Wir haben die bestmögliche Eskorte… Krieger Korin von Temerien und Hauptmann de la Tour und seine Männer.
    Ausserdem beschliesse ich noch dass wir inkognito reisen werden, da das Schloss keinen Anlass braucht zum Tratschen.

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Reign - Love me like you do
Reign - Love me like you do
„Königreich Preussen. 1554.“ Versucht mein Tanzpartner mir auf die Sprünge zu helfen. Erschrocken weite ich meine Augen… für jede normale Frau wäre dieser Ort und diese Jahreszahl nichts Besonderes, aber ich weiss ganz genau was für eine wich...
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2016-10-31
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Liebesgeschichten

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Guren ( von: Gure )
Abgeschickt vor 185 Tagen
Danke fuer deinen lieben Kommi!! :D
geht bald weiter ;)
Nimgaled ( 20856 )
Abgeschickt vor 186 Tagen
Ich mag die Geschichte total weil ich Bash liebe also bitte bitte weiter schreiben
Guren ( von: Gure )
Abgeschickt vor 204 Tagen
Danke Lara :)
Kapitel 2 & 3 habe ich heute hochgeladen... sollte also nächste Woche erscheinen ;)
Lara ( 84898 )
Abgeschickt vor 204 Tagen
Vollllll Cute schreib bitte bitte weiter