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WELLEN AUS EIS

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11 Kapitel - 10.348 Wörter - Erstellt von: Eisblatt - Aktualisiert am: 2017-07-07 - Entwickelt am: - 1.877 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Die Heilerin Fischflosse soll keinesfalls die Fischflosse aus den Büchern sein!

    1
    WIE ALLES BEGANN Als Erstes war alles dumpf. Dann hörte ich einen entzückten Aufschrei: "Bravo, Silberwind! Dein zweites Junges ist da! Du hast
    WIE ALLES BEGANN


    Als Erstes war alles dumpf. Dann hörte ich einen entzückten Aufschrei: "Bravo, Silberwind! Dein zweites Junges ist da! Du hast es geschafft!"
    Kurz darauf hörte ich ein leises Blatsch, und es wurde kühler um mich herum. Es war laut. Ich wurde panisch. Von überall strömten Gerüche auf mich ein, von überall kamen Geräusche. Ich nahm einen zittrigen Atemzug, und kroch hilflos im Bau herum. Wo sollte ich hin? Dann spürte ich ein sanftes Lecken zwischen meinen Ohren, und dann strich es auch über meinen Rücken und meine Brust. In meinem Bauch machte sich ein Gefühl breit, dass ich noch nicht zu deuten wusste. Es rumorte in meinem Bauch und tat ein bisschen weh. Dann wurde ich etwas nach hinten gezogen. Ich roch einen Vertrauten Duft, und kuschelte mich an das warme Fell meiner Mutter. Von ihr ging auch noch ein anderer Geruch aus, einer, der mich gerade zu anzog. Ich kroch näher an meine Mutter, und begann zu trinken. Das Rumoren in meinem Bauch ließ langsam nach und plötzlich spürte ich einen zweiten Pelz, der sich an meine Seite presste. Er roch auch etwas nach mir und auch etwas nach Mama.
    Die Katze, die ich als erstes gehört hatte, begann zu sprechen: "Deine Jungen sind wohlauf und gesund, Silberwind. Es sind beides Kätzinnen."
    Meine Mutter schnurrte. "Danke, Fischflosse", erwiderte sie.
    Eine dritte Stimme meldete sich zu Wort. Sie klang anders, dunkler und tiefer als die meiner Mutter und Fischflosse.
    "Sie sind wunderschön. Die Rechte sieht genauso aus wie du", polterte die Stimme.
    Was war rechts? Und wer sah so aus wie meine Mutter? Ich? Oder meine Schwester?
    "Und die andere sieht genauso aus wie du- als Kätzin", schnurrte Silberwind.
    Sie hörte mit lecken auf, um zu antworten, und ich maunzte empört.
    Ein Schnurren von weiter hinten erregte meine Aufmerksamkeit. "Na, da weiß aber eine, was sie will", bemerkte die Kätzin, die sprach.
    Ich stimmte ihr in Gedanken zu. Ich weiß, was ich will! Und zwar will ich nicht frieren!
    "Das könnte ein gutes Zeichen sein", meinte die tiefe Stimme.
    "Sie werden hervorragende FlussClan-Kriegerinnen abgeben!", bekräftigte die andere Stimme, Fischflosse.
    Was war eine Kriegerin?
    "Natürlich werden sie das!", rief die hintere Stimme jetzt wieder. "Wie sollen sie denn heißen?"
    Ich spürte eine Bewegung, als meine Mutter sich drehte. "Was meinst du, Schattensturm?", fragte sie.
    Die tiefe Stimme antwortete. "Ich würde diese hier" -neben mir Bewegte sich meine Schwester, als er sie antippte- "gerne Wellenjunges nennen. Was hältst du davon?"
    "Wellenjunges ist ein wunderschöner Name", schnurrte meine Mutter. "Und das andere könnten wir Eisjunges nennen."
    "Wir können sie nennen, wie du willst, solange du einverstanden bist", schnurrte Schattensturm, der wohl mein Vater war.
    Eisjunges! Ich bin Eisjunges! "Miau!", stimmte ich zu und die Anwesenden im Bau brachen in amüsiertes Schnurren aus.
    "Also, es sieht ganz so aus, als würden sie dir zustimmen", meinte Schattensturm. Ich hörte Schritte hinter mir und der Geruch meines Vaters wurde stärker, als er mir über den Kopf leckte. Dann hielt er inne. "Oh, schau an! Wellenjunges hat das gleiche schmale Gesicht wie du!", rief er. Meine Mutter antwortete mit einem Schnurren. Kurz darauf war die Stimme meines Vaters wieder zu hören: "Ich muss gehen, Silberwind", murmelte er. "Ich bin für die Grenzpatrouille eingeteilt."
    "Schade", entgegnete meine Mutter. "Doch ich weiß, dass du jetzt nicht zu spät kommen darfst. Teichpelz würde dir den Schwanz ausreißen!"
    "Darum geht es gar nicht", gab Schattensturm zu. "Wegen der Geburt musste ich schon die Morgenpatrouille schwänzen. Nicht, dass ich dir einen Vorwurf machen möchte", fügte er hinzu. "Froststern hat den Grund verstanden, Teichpelz ebenso. Allerdings meinte er, ich sollte zur Grenzpatrouille mitgehen, und die will jetzt los."
    "Ist in Ordnung", schnurrte meine Mutter. "Keine Sorge, ich weiß, wie man sich um Junge kümmert. Aber komm uns bald wieder besuchen."
    "Das mach ich!", versprach Schattensturm und ein Rascheln verkündete, dass er den Bau verlassen hatte.
    Ich war froh, als auch Fischflosse den Bau verließ. Ich war sehr müde und mir schwirrte der Kopf von den vielen Begriffen. Was war die Grenzpatrouille? Und wer waren Teichpelz und Froststern? Und was bedeutete schwänzen? Das würde ich früh genug erfahren. Ich drängelte meine Schwester Wellenjunges etwas zur Seite und kuschelte mich dichter an meine Mutter. Dann schloss ich die Augen und schlief ein.

    2
    EIN BLÖDES GEFÜHL Als ich wieder aufwachte wunderte ich mich zuerst, wo ich war. Es war so laut. Dann erinnerte ich mich. Es war gestern passiert. G
    EIN BLÖDES GEFÜHL

    Als ich wieder aufwachte wunderte ich mich zuerst, wo ich war. Es war so laut. Dann erinnerte ich mich. Es war gestern passiert. Gestern war alles ganz ruhig und plötzlich ging alles ganz schnell. Und niemand hatte mir erklärt, warum es jetzt so kalt war. Aber ich hatte einen Namen bekommen. Eisjunges. Der Name gefiel mir. Und der Name meiner Schwester Wellenjunges auch. Aber…meiner war natürlich viel schöner. Und besser! Ich hob den Kopf und gähnte.
    "Hey, meine Süße, du bist schon wach", hörte ich meine Mutter flüstern. Kurz darauf schleckte sie mir über den Kopf. Ich schnurrte und begann zu trinken.
    Dann stellte ich mich hin und schüttelte mich. Ich war nicht mehr müde! Plötzlich kribbelte meine Nase.
    "H-hatschi!", nieste ich. Dadurch wurde auch Wellenjunges wach.
    "Laut!", beschwerte sie sich. "Du hast mich aufgeweckt!"
    " 'tschuldigung!", piepste ich.
    Dann hörte ich plötzlich von meiner Schwester ein"Oh!" Und meine Mutter rief erstaunt: "Du hast die Augen geöffnet! Wellenjunges, deine Augen sind offen!"
    "Hallo!", sagte Wellenjunges und sprang neben mich. Ich kann dich sehen! Du hast-"
    "Ich will selbst herausfinden, wie ich aussehe!", knurrte ich und wollte wieder zu meiner Mutter kriechen. Doch die war nicht mehr da.
    "Mama?", fragte ich. "MAMA!"
    "Sie ist nur kurz nach draußen gegangen." Das war wieder meine Schwester. Sie wusste scheinbar alles. Das nervte langsam! Plötzlich hörte ich es rascheln und ich nahm den Geruch meiner Mutter war. Und noch einen zweiten, der mir auch ein bisschen bekannt war.
    "Fischflosse, Wellenjunges hat die Augen aufgemacht!", rief meine Mutter ganz außer sich. Ah, der andere Geruch war Fischflosse gewesen.
    Fischflosse schnurrte. "Das ist ja schön", miaute sie. "Aber warum hast du deswegen die Heilerin gerufen?"
    Meine Mutter schnurrte ebenfalls. "Naja…ist das nicht ein wenig früh?"
    "Es ist tatsächlich sehr früh", gab Fischflosse zu. "Aber manche Jungen öffnen ihre Augen eben früher."
    "So wie ich!", prahlte Wellenjunges.
    "So wie du", bestätigte Fischflosse.
    Silberwind klang, als würde sie gleich platzen. "Ich bin so stolz auf dich! Die Augen gleich am ersten Tag geöffnet! Das macht nicht jedes Junge", jubelte sie.
    Wellenjunges miaute erfreut und ich schob mich wieder zu meiner Mutter. Die schien meine Eifersucht zu spüren. "Du öffnest deine Augen vielleicht nicht am ersten Tag…dafür erkundest du die Welt erst einmal nur mit der Nase und mit den Ohren. Das ist auch eine Kunst", tröstete sie mich. Ich nickte. "Du musst auch deine Augen nicht sofort aufmachen, nur weil Wellenjunges ihre Augen geöffnet hat", erklärte Sturmwind.
    Ich nickte nocheinmal. "Okay." Ich legte meinen Kopf auf ihrer Flanke ab und döste wieder ein.

    3
    HEY, NICHT SO HELL! Als ich ein paar Tage später aufwachte sprang Wellenjunges um mich herum. "Hallo, Eisjunges!", miaute sie. "Mach a
    HEY, NICHT SO HELL!

    Als ich ein paar Tage später aufwachte sprang Wellenjunges um mich herum. "Hallo, Eisjunges!", miaute sie. "Mach auch endlich mal deine Augen auf! Ich will endlich raus! Und Mama hat gesagt, ich darf erst raus, wenn deine Augen auf sind!"
    Ich kuschelte mich noch enger an den Bauch meiner Mutter. "Och nö", murmelte ich und gähnte.
    Wellenjunges tapste auf mich zu und stupste mein Auge an. "Vielleicht kann ich dein Auge ja auch selbst aufmachen?", fragte sie sich. Ich fuhr nach oben. "Nein! Lass mich in Ruhe!"
    Meine Schwester zuckte zurück. "Ist ja gut, ich mach ja nichts."
    Silberwind mischte sich ein. "Wellenjunges, du sollst Eisjunges doch nicht immer ärgern! Sie wird ihre Augen schon früh genug öffnen!"
    Ich schnurrte. Immerhin hatte ich Sie auf meiner Seite.
    der restliche Tag war ziemlich träge, das einzig interessante war, dass mein Vater herein kam, um Silberwind Frischbeute zu bringen. Plötzlich wurde mir alles viel zu langweilig. Ich wollte raus aus der Kinderstube! Ich wollte wirklich was erleben! Mit einem Ruck öffnete ich die Augen und musste erstmal gegen das helle Sonnenlicht anblinzeln. Ich miaute unwillig, so hell hatte ich es mir nicht vorgestellt. Als meine Augen sich an das Licht gewöhnt hatten, drehte ich mich zu Wellenjunges. Meine Schwester schlief. Sie hatte hellgraues Fell mit einigen weißen Flecken. Meine Mutter war vollständig silbergrau. Sie hatte das gleiche schmale Kinn wie Wellenjunges. Doch ich hatte ihr glattes, silbergraues Fell geerbt. Außerdem war Wellenjunges etwas stämmiger als ich. Ich war eher schlank und klein, so wie Silberwind. Wellenjunges war vermutlich auch größer als ich, aber das ließ sich bisher schwer sagen, da sie ja noch eng an unsere Mutter gekuschelt schlief. Ich blickte mich weiter im Bau um. Hinter meiner Mutter lag eine braun getigerte Katze. Sie hieß Erdglanz und hatte noch keine Jungen. Als sie mich erblickte schnurrte sie erfreut. "Eisjunges! Du hast die Augen geöffnet!"
    Ich nickte stolz. Sofort schoss der Kopf meiner Mutter nach oben, und ich schaute in ihre blauen Augen. Waren meine Augen blau, wie die meiner Mutter? Oder waren Wellenjunges' Augen blau?
    Durch die Bewegung wachte auch Wellenjunges auf. "Eisjunges, du hast grüne Augen!", rief sie als erstes. "Meine sind blau!"
    "Ich seh's", entgegnete ich. "Mama, dürfen wir rausgehen?"
    Meine Mutter starrte mich an. "Du hast die Augen geöffnet!"
    Ich nickte ungeduldig. "Ich weiß. Dürfen wir raus?"
    Meine Mutter starrte immer noch mich an. "Du hast die Augen geöffnet!"
    "Mama! Dürfen wir RA-HAUS?", rief ich.
    Silberwind schüttelte sich energisch. "Ähm…natürlich mein Schatz. Aber putzt euch vorher das Fell! So kommt ihr mir auf keinen Fall aus dem Bau!" Sie schleckte uns beiden ein paar mal über den Kopf und ergänzte: "Und bleibt zusammen! Das Lager ist groß! Und tut, was euch die Krieger sagen! Außerdem geht ihr in keine fremden Baue! Das gehört sich nämlich nicht, hört ihr?"
    "Ja, Silberwind", erwiderten Wellenjunges und ich im Chor und schossen aus der Kinderstube.
    "Und seid spätestens bei Sonnenuntergang wieder hier!", rief uns unsere Mutter noch hinterher.

    4
    ERSTE ERKUNDUNG Draußen, außerhalb der Kinderstube, war die Welt riesengroß und voll. Überall waren Katzen. Vor einem Stein saß ein weißer Kater
    ERSTE ERKUNDUNG

    Draußen, außerhalb der Kinderstube, war die Welt riesengroß und voll. Überall waren Katzen. Vor einem Stein saß ein weißer Kater, ihm gegenüber ein brauner Kater mit struppigem Fell. Ich drehte mich um; die Kinderstube war also ein Brombeerdickicht. Aha. Wellenjunges stürmte auf die Lichtung in der Mitte des Lagers und bedeutete mir, ihr zu folgen. Sie stoppte kurz vor einem Kater mit grauem Fell und ebenfalls einigen weißen Flecken. Er hatte grüne Augen und wirkte ebenso stämmig wie Wellenjunges. Das muss unser Vater Schattensturm sein! Meine Schwester stellte sich direkt vor ihn. "Schattensturm, Eisjunges hat ihre Augen geöffnet!", rief sie.
    Mein Vater drehte sich überrascht zu mir um. "Eisjunges!", rief er und musterte mich intensiv. "Du hast meine grünen Augen geerbt", stellte er schließlich fest.
    Ich nickte. "Toll, oder?"
    Schattensturm nickte. "Hm", machte er abweisend. Wellenjunges berührte mich an der Schulter. "Komm, Eisjunges, wir gehen weiter!", miaute sie. Ich nickte uns lief hinter ihr her. Sie blieb stehen, als plötzlich zwei Katzen vor uns auftauchten.
    "Ich hab's dir doch gesagt, Wasserpfote, sie war riesig!", sagte die eine.
    Die andere nickte. "Ja, ich weiß! Aber hast du den Fisch von Forellenpfote gesehen? Er war fast so groß wie Riesenkralle!"
    Die erste Katze schaute skeptisch und erblickte plötzlich uns.
    "Oh, schau mal, Wasserpfote! Wellenjunges und Eisjunges sind aus der Kinderstube gekommen!"
    Wasserpfote fuhr erfreut herum. "Hallo, ihr 2!", rief er. "Cool, dass ihr euch auch mal blicken lasst! Aber wir müssen jetzt leider weiter, zum Training, Wattpelz und Glitzerbart warten nicht. Adieu, ihr beiden!"
    Die Schüler entfernten sich und wir hörten sie im weitergehen quatschen. "Und wenn ich's dir doch sage, Maispfote! Er war mindestens so groß wie Riesenkralle!"
    "Aber klar, und du bist ein Baum", erwiderte Maispfote sarkastisch.
    Ich schnippte Wellenjunges mit dem Schwanz gegen die Schulter und rannte über die Lichtung, auf einen Bach zu. Er war relativ schmal und über ihm wuchs ein Dornbusch. Unter den Wurzeln befand sich ein weiterer Bau. Ich steckte meine Nase hinein und von innen ertönte eine Stimme, die ich schon sehr oft gehört hatte. "Wer ist da?"
    "Fischflosse!", rief ich.
    "Eisjunges?" Eine rauchschwarze Katze trat aus dem Bau. "Wellenjunges? Oh, ihr macht einen Ausflug aus der Kinderstube!"
    Ich nickte. "Genau, Fischflosse", sagte ich so höflich wie möglich.
    Wellenjunges konnte sich nicht so gut beherrschen. "Ist das nicht toll, Fischflosse?", jauchzte sie.
    Fischflosse schnurrte amüsiert. "Ja, ganz toll, Wellenjunges!" Sie hielt kurz inne. "Wollt ihr, dass ich euch mal den Heilerbau zeige?", fragte sie.
    Ich wäre fast in die Luft gesprungen vor Freude.
    "Au ja!", miaute ich aufgeregt. "Komm schon, Wellenjunges, dass wird lustig!"
    Wellenjunges nickte. "Na gut", stimmte sie zu.
    Fischflosse führte uns unter den Wurzeln des Dornbuschs hindurch und wir betraten einen gemütlichen Bau. Er war nicht sehr groß. Gerade so groß, das ein paar Katzen darin liegen könnten. Im hinteren Teil des Baus lagen viele kleine Häufchen sorgfältig neben einander aufgereiht. Bestimmt Heilkräuter!, die es mir durch den Kopf. Interessiert kam ich ein bisschen näher und schnupperte an ein paar Blättern. Sie rochen fürchterlich. Nase rümpfend sprang ich zurück. "Igitt, die stinken ja!", fauchte ich entrüstet.
    Fischflosse beobachtete mich amüsiert. "Das ist Schafgarbe, Eisjunges. Wenn du sie isst, wird dir schlecht."
    Ich schüttelte mich und wandte mich dem nächsten Häufchen zu. Es waren kleine, rote Beeren. Auch Wellenjunges kam jetzt interessiert näher. Sie öffnete den Mund, um zu probieren. Ich runzelte die Stirn. "Wellenjunges, ich bin mir nicht sicher, ob du die einfach so essen darfst", sagte ich unsicher.
    Wellenjunges zuckte lässig mit dem Schwanz. "Ach, da passiert schon nichts!", meinte sie.
    Jetzt wurde Fischflosse auf uns aufmerksam. Und ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen. "Wellenjunges, komm hierher!", verlangte sie.
    Wellenjunges seufzte. "Warum denn?" Sie wandte sich wieder den Beeren zu. Da fauchte Fischflosse los: "Rühr sie nicht an!"
    Wellenjunges quiekte erschrocken und sprang ein paar Schritte rückwärts.
    "Was ist denn, Fischflosse?", fragte ich vorsichtig.
    Fischflosse deutete auf die Beeren. "Das sind Todesbeeren!", knurrte sie. "Wenn ihr sie esst, werdet ihr nicht nur krank, sondern sterbt an der Krankheit."
    Wellenjunges quiekte noch einmal und auch mir fuhr der Schreck in alle Glieder. Wellenjunges wäre also beinah gestorben!
    "Entschuldige, das habe ich nicht gewusst", piepste diese.
    Fischflosse entspannte sich wieder und berührte Wellenjunges tröstend mit dem Schwanz. "Jetzt weißt du es ja", miaute sie beruhigend und Wellenjunges nickte.
    Wir sahen uns weiter die Kräuter an und Fischflosse erklärte uns den Namen und die Funktion. Es machte mich stolz, dass ich mir die Kräuter so gut merken konnte. Das musste ich Silberwind erzählen! Wir schnupperten gerade an ein paar schwarzen Körnern. "Das sind Mohnsamen", sagte Fischflosse. Sie beruhigen und lindern Schmerzen."
    Ich nickte. "Und was ist das dahinter?", fragte ich und deutete mit dem Schwanz auf ein paar Blätter.
    Fischflosse musterte sie kurz, dann sagte sie: "Das ist…"
    Sie wurde von einer Stimme unterbrochen, die ich nur allzu gut kannte: Tropfenpelz. Der graue Älteste schleppte sich erschöpft in den Bau und hustete. Etwas Schleim flog aus seinem Maul und ich sprang zurück. Der Schleim flog an mir vorbei und traf Wellenjunges. Meine Schwester betrachtete den gelblich-grünen Klumpen. "Igitt!", rief sie angewidert. Sie fuhr sich mit der Pfote durchs Fell um den Schleim wieder loszuwerden.
    Tropfenpelz hustete abermals, doch diesmal flog kein Klumpen durch die Gegend.
    "Fischflosse, ich glaube…" Er wurde von einem erneuten Hustenanfall geschüttelt und holte zitternd Luft. "Ich glaube, ich habe mir Grünen Husten eingefangen", krächzte er.
    Fischflosse zuckte ein bisschen zusammen, dann fasste sie sich wieder. Ich war verwirrt. War Grüner Husten so schlimm? Fragend drehte ich mich zu der Heilerin um. Die schaute uns ebenfalls an. "Ich denke, ihr solltet jetzt wieder in die Kinderstube gehen", miaute sie leise.
    Jetzt war ich es, die protestierte. "Ich will aber noch viel mehr sehen!", beschwerte ich mich, während Wellenjunges sich schon auf den Weg zum Ausgang machte. Ihr war das Ganze wohl nicht so wichtig. Fischflosse durchbohrte mich mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete, doch ihre Stimme blieb sanft, als sie nur antwortete. "Du darfst sicher bald wiederkommen, Eisjunges. Aber jetzt muss ich mich um Tropfenpelz kümmern. Für heute bist du wirklich lange genug hier gewesen."
    "Okay." Ich nickte und folgte Wellenjunges nach draußen. Als wir in der Kinderstube ankamen erzählten wir Silberwind, was wir erlebt hatten. Dann kuschelte ich mich an meine Mutter und schlief ein.

    5
    HUCH, WAS IST DENN JETZT LOS? Am nächsten Morgen erwachte ich, weil jemand nieste. Ich öffnete müde die Augen und blinzelte. Neben mir saß Wellenj
    HUCH, WAS IST DENN JETZT LOS?

    Am nächsten Morgen erwachte ich, weil jemand nieste. Ich öffnete müde die Augen und blinzelte. Neben mir saß Wellenjunges, die wieder niesen musste und dabei fast in die Luft sprang.
    "Wellenjunges!", rief ich. "Was ist denn mit dir los?"
    "Haaa-tschi!", machte meine Schwester. "Hatschi-Hatschi!" Sie schniefte und sagte dann: "Es ist nichts, Eisjunges."
    Ich schüttelte den Kopf. "Das kann nicht sein, Wellenjunges. Du schniefst und niest und…-" Meine Worte gingen in einem lauten Hustenanfall von Wellenjunges unter.
    "…und du hustest!", ergänzte ich triumphierend. Dann stupste ich meine Mutter an. Wellenjunges schüttelte den Kopf und öffnete den Mund um zu protestieren, doch zu spät! Silberwind schlug die Augen auf.
    "Eisjunges?", fragte sie schlaftrunken. "Was ist los?" Plötzlich wirkte sie um einiges wacher. "Ist etwas passiert?"
    "Wellenjunges ist krank!", verkündete ich, während meine Schwester leise maunzte und den Kopf schüttelte.
    Silberwind sprang vor und schnupperte an Wellenjunges' Pelz.
    Wellenjunges schüttelte abermals den Kopf. Sie öffnete wieder ihr Maul um zu protestieren, und hustete Silberwind mitten ins Gesicht.
    Silberwind zuckte zurück. "Du lieber Himmel, Wellenjunges, du glühst ja!"
    Wellenjunges schüttelte erschöpft den Kopf. "Das kann nicht sein. Ich friere nämlich." Sie prustete, da sie husten musste, dies aber zu unterdrücken versuchte.
    Silberwind schob ihren Kopf in eine andere Richtung. "Und huste bitte in eine andere Richtung, du steckst noch alle an!"
    Wellenjunges drehte den Kopf. Meine Mutter schrie auf. "Neiiiin, nicht zu Erdglanz! Soll sie etwa so kurz vor der Geburt ihrer Jungen auch noch krank werden? Ich bringe dich sofort zu Fischflosse in den Heilerbau. Hier klappt das nicht. Und du bist ganz eindeutig krank!"
    Sie verließ mit meiner Schwester den Bau und ich blieb drinnen sitzen. Jetzt, wo Wellenjunges draußen war, war die Luft in der Kinderstube nicht mehr ganz so stickig, und ich steckte den Kopf aus dem Brombeerdickicht. Erdglanz drehte besorgt den Kopf zu mir herum.
    Kurze Zeit später kam eine aufgeregte Silberwind ohne meine Schwester zurück in die Kinderstube. "Wellenjunges hat Grünen Husten!", keuchte sie aufgelöst. Dann musterte sie mich prüfend. "dir geht's aber gut, oder?", erkundigte sie sich dann bei mir.
    Ich nickte. "Alles okay."
    Meine Mutter war sichtlich erleichtert. "Na dann ist ja gut!", keuchte sie.

    Den restlichen Tag verbrachte ich damit, mich mit Erdglanz zu unterhalten, weil Silberwind fast die ganze Zeit im Heilerbau hockte.

    In dieser Nacht schlief ich schlecht. Ich hatte Träume von kranken Katzen, die sich schmerzerfüllt in ihren Nestern wälzten. Ich träumte von Wellenjunges, wie sie immer schlechter atmen konnte. Ich sah Fischflosse über meine Schwester gebeugt. Ich konnte sogar fast schon die Trauer des Clans über den Tod meiner Schwester spüren.
    Am nächsten Morgen war mir eins klar: Während Wellenjunges' Krankheit würde ich keineswegs einfach nur in der Kinderstube hocken und nichts tun!

    6
    ALS HEILER-ASSISTENTIN Ich stand auf, streckte meine Beine und sagte Silberwind bescheid, dass ich in den Heilerbau gehen wollte. Meine Mutter schütt
    ALS HEILER-ASSISTENTIN

    Ich stand auf, streckte meine Beine und sagte Silberwind bescheid, dass ich in den Heilerbau gehen wollte. Meine Mutter schüttelte den Kopf.
    "Das ist zu gefährlich", meinte sie. "Es ist schon schlimm genug, dass Wellenjunges Grünen Husten hat. Ich könnte es nicht ertragen, euch beide zu verlieren."
    Ich presste ihr meine Schnauze in die Flanke. "Ich werde aufpassen", versprach ich. "Bitte, darf ich?" Meine Mutter schaute mir in die Augen und ich starrte ernsthaft zurück.
    "Na gut", sagte schließlich zögerlich. "Aber nur, wenn du Fischflosse nicht im Weg bist."
    "Natürlich nicht!", rief ich; ich war schon fast draußen.

    Ich stürmte durch das Lager, so schnell ich konnte. Dabei stieß ich fast mit Dunkelschilf zusammen. Ich wich ihm aus und rief ihm ein schnelles "'tschuldigung!" über die Schulter, was zur Folge hatte, dass ich prompt in Wasserpfote reinstolperte.
    Der sprang erschrocken zurück. "Du lieber Himmel, Eisjunges! Pass doch mal auf!", maunzte er erschrocken.
    "Tut mir leid!", piepste ich und lief dann weiter zu Fischflosses Bau.
    Die Heilerin stand über meine hustende Schwester gebeugt. Als ich den Bau betrat drehte sie sich erstaunt um. "Huch! Eisjunges! Was machst du denn hier?" Sie zögerte kurz, dann fragte sie: "Du hast dir jetzt aber keinen Husten eingefangen, Eisjunges?"
    Ich schüttelte den Kopf. "Ein Glück", seufzte sie sichtlich erleichtert. "Das hätte mir auch gerade noch gefehlt."
    Ich schaute auf meine Schwester, die jetzt ganz ruhig dalag. "Geht es Wellenjunges besser?"
    Fischflosse schüttelte bedauernd den Kopf. "Kurz bevor du geboren wurdest hatten wir eine große Welle Grünen Husten. Dabei ist mir die Katzenminze ausgegangen. Jetzt habe ich kaum noch welche, um deine Schwester zu behandeln…" Ihr rauchschwarzer Schwanz malte Kreise auf den Boden. "In dieser Welle ist auch mein Mentor gestorben, Eisfrost."
    Ich starrte sie überrascht an. "Dein Mentor hieß Eisfrost? Eis? So wie ich?"
    Die Heilerin nickte. "So wie du. Ich muss immer an ihn denken, wenn ich dich sehe." Sie schüttelte sich kurz, dann sagte sie: "Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Warum bist du eigentlich hier?"

    "Ich möchte dir helfen, Wellenjunges zu behandeln", sagte ich stolz.
    Fischflosse riss erstaunt die Augen auf. "Du bist hier, weil du mir helfen willst?", wiederholte sie.
    Ich nickte nachdrücklich.
    "Aber…warum?", wollte Fischflosse wissen. Frag nicht soviel! Sag, wie ich meiner Schwester helfen kann!
    "Meine Schwester ist schwer krank. Ich möchte nicht einfach daneben stehen und…nichts tun", erklärte ich. "Und außerdem ist es in der Kinderstube so…laaangweilig!", gähnte ich.
    Fischflosse nickte bedächtig. "Okay", sagte sie. "Dann zeige ich dir, was du machen kannst."
    Ich nickte eifrig und sie führte mich zu ihren Vorratslöchern. Sie deutete auf ein fast leeres. "Siehst du das? Das ist Katzenminze. Ich brauche unbedingt mehr davon. Bitte geh und sag such 2 Krieger, die für mich Katzenminze sammeln", trug sie mir auf.
    Ich nickte und verließ den Bau.

    Draußen traf ich Riesenkralle an, der sich mit dem 2. Anführer Teichpelz unterhielt. Ich hüpfte auf die beiden zu. "Riesenkralle!", miaute ich. "Teichpelz!" Die beiden Krieger fuhren herum.
    "Eisjunges!", rief Riesenkralle. "Was machst du denn hier? Solltest du nicht in der Kinderstube sein?"
    Ich schüttelte verärgert den Kopf. "Nein. Ich bin im Heilerbau und helfe Fischflosse. Sie braucht Katzenminze."
    "Oh, braucht sie die für Wellenjunges?", schaltete Teichpelz sich ein. "Ich habe gehört, dass sie Grünen Husten hat. Stimmt das?"
    Ich nickte, während Riesenkralle erschrocken aussah. "Sie braucht welche, die Katzenminze für sie sammeln. Sie hat kaum noch welche und musste schon ziemlich viel für Tropfenpelz benutzen. Könnt ihr welche sammeln?"
    Riesenkralle wechselte einen Blick mit dem zweiten Clan-Anführer.
    Teichpelz nickte. "In Ordnung, das werden wir tun. Tropfenpelz ist also auch krank? Wollen wir hoffen, dass es ihm bald besser geht."
    Riesenkralle nickte und die beiden Kater verließen das Lager.

    Ich trabte wieder zu Fischflosses Bau. Die rauchschwarze Katze saß neben Tropfenpelz. Als sie mich wahrnahm blickte sie auf und schaute mich aus trüben Augen an. Ich schaute sie fragend an.
    "Er ist gestorben", murmelte sie, ihre Stimme war rau vor Kummer. "Er jagt jetzt mit dem SternenClan."
    Ich presste mich an ihre Seite und schluckte. Man kann an Grünem Husten sterben!, dachte ich entsetzt. Wird Wellenjunges auch sterben? Mir fielen die Worte meiner Mutter wieder ein: Es ist schon schlimm genug, dass Wellenjunges Grünen Husten hat. Ich könnte es nicht ertragen, euch beide zu verlieren. In schluckte abermals. Ich könnte es nicht ertragen, euch beide zu verlieren, euch beide zu verlieren, euch beide zu verlieren, zu verlieren, verlieren, verlieren… Ich setzte mich hin. In meinem Kopf drehte sich alles; mir war schwindelig.
    Irgendwann hörte ich Fischflosses Stimme wie aus weiter Ferne an mein Ohr dringen. "Alles in Ordnung, Eisjunges?"
    Ich schniefte. Die Heilerin beugte sich über mich. "Eisjunges! Ach, Eisjunges, was ist denn los?"
    Ich schniefte ein zweites Mal. "Tropfenpelz ist an Grünem Husten gestorben", krächzte ich. Ich räusperte mich, dann fuhr ich fort. "Und Wellenjunges hat auch Grünen Husten. Wird Wellenjunges jetzt sterben?"
    Fischflosse schaute mich mitfühlend an. "Das kann niemand so genau sagen", erklärte sie mir. "Ich verstehe, dass du dir Sorgen machst, aber du musst jetzt Geduld haben." Sie schaute mir fest in die Augen. "Ich werde alles tun, damit ich es verhindern kann." Ich nickte und sie stand auf. "So. Und jetzt muss ich es Froststern sagen."
    Ich nickte und blieb zitternd zurück.

    Nach der Ansage kehrten Riesenkralle und Teichpelz mit ganz viel Katzenminze zurück. Ich miaute entzückt und gab sofort Fischflosse bescheid. Diese wirkte fast so entzückt wie ich, versuchte jedoch, es zu verstecken. Sie nahm die Katzenminze dankend entgegen und befahl mir, Wellenjunges etwas davon zu fressen zu geben. Meine Schwester hustete schwach, als ich ihr die Kräuter vor die Nase hielt. Sie richtete sich auf und ich sah, dass sie zitterte. Sie sah wirklich krank aus.
    "Ich will das nicht essen", protestierte sie leise, doch ich stopfte ihr die Blätter einfach in den Mund. Danach legte sie sich wieder in ihr Nest und ich lief zu Fischflosse, die ihre Kräuter sortierte. Ich half ihr dabei und ging nach einiger Zeit wieder zu meiner Schwester, um nach ihr zu sehen.

    So machte ich das viele Tage lang und allmählich merkte ich, dass meine Schwester auf dem Wege der Besserung war. Nach 6 langen, anstrengenden Tagen erlaubte Fischflosse ihr endlich, den Heilerbau zu verlassen.
    An diesem Abend konnte ich nach langer Zeit wider richtig gut einschlafen. Die Kinderstube ohne Wellenjunges- das hatte sich irgendwie nicht richtig angefühlt.
    Doch eins wusste ich nach dieser Zeit ganz genau: Ich wollte unbedingt wieder was im Heilerbau machen!

    7
    AUFREGUNG IN DER KINDERSTUBE 2 Monde vergingen und ich besuchte Fischflosse oft im Heilerbau. Wellenjunges und ich waren 3 Monde alt; es würde noch e
    AUFREGUNG IN DER KINDERSTUBE

    2 Monde vergingen und ich besuchte Fischflosse oft im Heilerbau. Wellenjunges und ich waren 3 Monde alt; es würde noch einmal doppelt so lange dauern, bis wir endlich Schülerinnen werden würden. Ich wollte unbedingt jagen lernen. Kämpfen gefiel mir nicht so; ich hasste es schon immer, anderen weh zu tun. Auch mit Worten. Deshalb kann ich manchmal meine Wut nicht richtig auslassen, weil ich Wellenjunges weder beschimpfen noch schlagen will. Dann bestrafe ich Wellenjunges' Nest.

    Als ich eines Tages aufwachte wunderte ich mich: Es war doch noch gar nicht morgens! Was hatte mich dann geweckt? Vorsichtig, um Silberwind und Wellenjunges nicht zu wecken, stand ich auf. Ich plusterte mein Fell gegen die Frische vom Blattfall auf und stieg über den Schwanz meiner Mutter. Und dann sah ich, was ich gehört hatte: Erdglanz wand sich auf dem Boden der Kinderstube. Allein das gab mir das Gefühl, das etwas nicht stimmte. Außerdem hatte ich das Gefühl, dass ihr etwas weh tat: sie stöhnte immer wieder schmerzerfüllt. Ich tapste vorsichtig zu ihr.
    Als sie mich sah seufzte sie und holte schwer atmend Luft. "Hol Fischflosse", keuchte sie stockend. "Die Jungen kommen!" Ich nickte und sprang aus der Kinderstube. Draußen war es kühl und windig. Ich versuchte mein Fell noch mehr aufzuplustern.
    Während ich auf dem Weg zu Fischflosse war fragte ich mich, warum Wellenjunges und meine Mutter nicht aufgewacht waren. Außerdem war ich mir nicht sicher, ob ich rausdurfte. Junge sollten nachts eigentlich in der Kinderstube bleiben. Allerdings war dies hier ein Notfall.
    Ich beschleunigte meine Schritte und stürmte in den Heilerbau. Dort lag Fischflosse in ihrem Nest und schlief.
    "Fischflosse!", krähte ich.
    Sie schreckte auf. "Eisjunges!", rief sie. "Nicht so laut! Hast du mich erschreckt! Was machst du hier? Ist etwas mit Silberwind oder mit Wellenjunges? Oder…" Sie sah meinen Gesichtsausdruck und schien es wie durch ein Wunder erraten zu haben. "Ich muss sofort zu ihr. Gib mir bitte ein paar Wacholderbeeren in ein Blatt, ich hole so lange Kerbelwurzel", befahl sie. Ich stand regungslos da.
    "Nun mach schon!", rief sie. "Es muss schnell gehen!"
    Mit einem Satz war sie bei ihrem Kräutervorrat und ich folgte ihr. Ich wickelte 3 Wacholderbeeren in ein Blatt und gab ihr das Bündel. Fischflosse schnurrte dankend. "Und jetzt geh am besten in den Kriegerbau", schlug sie mir vor. Du solltest dem werdenden Vater bescheid sagen. Er möchte doch bestimmt dabei sein, wenn seine Junge geboren werden."
    Ich nickte und lief aus dem Heilerbau.
    "Und geh danach direkt in die Kinderstube!", rief mir die Heilerin hinterher. Ich schnippte kurz mit dem Schwanz und schob mich dann vorsichtig durch die Zweige zum Kriegerbau. Dunkelschilf lag zusammen gerollt in seinem Nest. Als ich durch die Zweige lugte öffnete er blinzelnd die Augen. "Was? Eisjunges? Was machst du denn hier?", murmelte er verschlafen. "Du gehörst in die Kinderstube."
    Ich schüttelte mich kurz. "Erdglanz bekommt ihre Jungen!", trompetete ich.
    Der dunkel getigerte Kater fuhr hoch. "Was!", rief er. "Sag das doch gleich!" er sprang auf die Pfoten und bahnte sich unvorsichtig einen Weg durch die anderen Krieger. Riesenkralle hob müde den Kopf. "Was ist los?", wollte er wissen.
    "Ich werde Vater!" Dunkelschilf setzte über Regentropfen's Körper hinweg und sprang aus dem Kriegerbau. Ich folgte ihm. Der starke Wind blies mir ins Gesicht und hinderte mich am Rennen. Trotz aller Mühe war Dunkelschilf natürlich schneller als ich.
    Als ich keuchend in der Kinderstube ankam hatte sich Fischflosse über die braun getigerte Katze gebeugt. Dunkelschilf stand am Rand und beobachtete das Ganze mit wachsamen Augen.

    Ich drängte mich an meine Mutter, die inzwischen auch wach war. Wellenjunges stupste mich an. "Warst du es, die Fischflosse bescheid gegeben hat?", fragte sie.
    Silberwind musterte mich nun ebenfalls. Ich nickte. "Und Dunkelschilf", sagte ich.
    Meine Mutter schnurrte stolz. Dann wandten wir uns wieder der Geburt zu.
    Plötzlich hörten wir Fischflosse und Dunkelschilf jubeln und danach ein jämmerliches Maunzen. "Dein erstes Junges ist da, Erdglanz!"
    Dunkelschilf musterte es. "Es ist ein Kater", schnurrte er.
    Plötzlich fegte eine kühle Windbö durch die Kinderstube. "Brr, ist es kalt!", knurrte Dunkelschilf. Dann wurde er von Fischflosse unterbrochen, die erneut jubelte. "Dein Zweites ist da!", jubelte sie.
    "Eine Tochter", stellte Dunkelschilf fest.
    "Da kommt noch eins, jeden Augenblick! Du schaffst das, Erdglanz, du schaffst das!", feuerte Fischflosse die junge Katze an.
    Erdglanz stöhnte. Dann ertönte ein erneutes Blatsch! und Dunkelstreif miaute entzückt. "Noch eine Tochter!", schnurrte er. "Wir haben einen starken Sohn und zwei wunderschöne Töchter."
    Fischflosse schnippte mit dem Schwanz. "Deine Jungen sehen gesund aus", meinte sie. "Ich werde mich wieder in meinen Bau begeben. Ruf mich, falls du etwas brauchst."
    Erdglanz nickte. "Vielen Dank für deine Hilfe, Fischflosse!", miaute sie und Dunkelschilf schnurrte zustimmend.
    Fischflosse verließ mit einem letzten, prüfenden Blick auf die Jungen die Kinderstube.
    Erdglanz wandte sich an mich. "Und vielen Dank an dich, Eisjunges, dass du Fischflosse und Dunkelschilf geholt hast." Ich nickte stolz und sie wandte sich an meine Mutter und Wellenjunges. "Und auch an euch, dass ihr mir Mut zugesprochen habt, als Fischflosse und Dunkelschilf noch nicht da waren."
    Wellenjunges miaute begeistert, während Silberwind bescheiden nickte.

    Dunkelschilf tippte einem dunkelbraunen Jungen auf den Kopf. "Wie wollen wir sie nennen?", fragte er seine Gefährtin.
    Diese musterte das Junge eingehend. "Wir wollen sie Windjunges nennen. Nach dem kühlen Windstoß, der bei ihrer Geburt in die Kinderstube geweht ist." Dunkelschilf schnurrte zustimmend. "Der Name passt gut zu ihr", flüsterte er und Windjunges kniff ihn mit ihrem Zahnlosen Mäulchen in die Pfote. Dunkelschilf zog sie erstaunt zurück und schaute seine Tochter fragend an. "Was ist denn los mit dir, kleine Tochter?" Windjunges presste ihren Kopf in das Fell ihrer Mutter.
    Diese deutete auf das älteste Junge mit orangenem Fell. "Er ist der einzige Kater", erklärte sie. "Gib du ihm seinen Namen."
    Dunkelschilf nickte. "Ich werde ihn Feuerjunges nennen. Feuerstern war zwar der Anführer des DonnerClans, doch er hat den Wald gerettet und unser Sohn hat es verdient, den Namen dieses gewaltigen Elementes zu tragen."
    Erdglanz schnurrte und warf ihrem Gefährten einen verliebten Blick zu. "Wer weiß…vielleicht wird er ja auch mal Anführer des FlussClans?"
    Wellenjunges schüttelte den Kopf. "Nein, das werde ICH!", rief sie.
    Silberwind, Erdglanz und Dunkelschilf brachen in Gelächter aus und meine Schwester strahlte.
    "Und wie soll unsere jüngste heißen?", fragte Erdglanz.
    "Das darfst du entscheiden", entgegnete ihr Gefährte.
    Die braune Katze überlegte. "Sie hat blaugraues Fell", überlegte sie. "Ich nenne sie Blaujunges."
    Dunkelschilf schleckte ihr über die Ohren. "Ihr Name ist wunderschön", flüsterte er.
    "Das sind sie alle." Silberwind mischte sich ein. "Ich würde sagen, ihr habt die schönsten Namen für Junge schon reserviert. Tja, Pech für Sonnengelb!"
    Während ich mich noch darüber ärgerte, dass sie die Namen der Jungen als die schönsten bezeichnete wunderte Erdglanz sich über etwas ganz anderes.
    "Sonnengelb erwartet Junge!"
    Meine Mutter zuckte mit dem Schwanz. "Ja. Habt ihr das noch nicht gewusst?"
    Windjunges und Feuerjunges schrien und Erdglanz zog ihre Junge mit dem Schwanz dichter zu sich heran während sie antwortete. "Nein, von wem denn?"
    Dunkelschilf redete dazwischen, bevor Silberwind antworten konnte. "Von Riesenkralle?" Er schwieg kurz. "Entschuldige, Silberwind, ich habe dich unterbrochen."
    Meine Mutter nickte kurz. "Schon gut. Du hast immerhin richtig geraten."
    Erdglanz schnurrte über ihren dunkelbraunen Gefährten. "Dann wird es hier also bald noch voller werden", seufzte sie. "Ein Glück das Eisjunges und Wellenjunges schon so groß sind!" Sie schaute erst Wellenjunges an, die inzwischen eingeschlafen war, dann mich.
    Ich streckte mich und unterdrückte ein Gähnen, damit sie sehen konnte, wie groß und wach ich war.
    Meine Mutter schnurrte. "Gib nicht so an, Eisjunges", miaute sie. "Wir wissen alle, wie groß du schon bist. Deine Müdigkeit brauchst du trotzdem nicht zu verstecken. Ich habe dein Gähnen durch mein Fell hindurch gespürt." Das war mir peinlich und ich vergrub mein Gesicht in ihrem Fell.
    "So ist es richtig", schnurrte meine Mutter. "Schlaf gut, meine Kleine, damit du morgen fit genug bist für den Tag!"
    Ich seufzte kurz, dann fiel ich in einen tiefen Schlaf.

    8
    6 AUGEN ÖFFNEN SICH Nach der Geburt von Windjunges, Feuerjunges und Blaujunges verbrachten Wellenjunges und ich den Tag immer damit, aus der Kinderst
    6 AUGEN ÖFFNEN SICH

    Nach der Geburt von Windjunges, Feuerjunges und Blaujunges verbrachten Wellenjunges und ich den Tag immer damit, aus der Kinderstube zu verschwinden, weil wir laut Erdglanz zu viel Radau machten. Dann streunten wir durch das Lager, ließen uns von den Ältesten Geschichten erzählen und probierten unsere erste Frischbeute. Manchmal unterhielten wir uns auch über Erdglanz' Junge und schlossen Wetten ab, wann sie ihre Augen öffnen würden. Abends kehrten wir dann wieder in die Kinderstube zurück.

    Ungefähr eine Woche nach der Geburt von Erdglanz' Jungen wurde ich morgens von lautem Geschrei geweckt. Ich öffnete blinzelnd die Augen und sah Windjunges, die ihre Augen zum ersten Mal geöffnet hatte. Nun krakeelte sie stolz herum und schaute umher. Plötzlich trafen sich unsere Blicke. Ihre blauen Augen funkelten mich herausfordernd an und einen Herzschlag später stürzte sie sich fauchend auf mich. Ich wand mich und schlug mit eingezogenen Krallen nach ihrer Nase. Erdglanz riss erschrocken die Augen auf und Silberwind wollte mich gerade tadeln, als sie bemerkte, dass wir nur Spaß machten.
    Schließlich sprang Windjunges schnurrend von meinem Rücken. "Na gut, du bist besser", gab sie fröhlich zu. "Aber man kann sich ja steigern."
    Ich nickte zustimmend und wollte etwas erwidern, als wir von Feuerjunges unterbrochen wurden. "Kann mal jemand die Sonne ausschalten?", piepste er. "Hier ist es so hell!
    Auch Blaujunges stierte uns aus ihren blauen Augen an, bei denen man jetzt schon erkennen konnte, dass sie später einmal grün sein würden. Bei Windjunges und Feuerjunges konnte man das noch nicht so gut definieren.
    Als Erdglanz sah, dass alle ihre Jungen die Augen geöffnet hatten stieß sie einen verzückten Schrei aus. "Oh, ihr süßen! Ihr habt eure Augen geöffnet! Ich bin zu stolz auf euch!"
    Feuerjunges und Windjunges miauten erfreut und Blaujunges fragte: "Dürfen wir jetzt endlich das Lager erkunden?" Ihre Geschwister maunzten zustimmend.
    Erdglanz nickte. "Okay, dürft ihr. Aber bleibt im Lager!"
    "Eisjunges und ich könnten sie herumführen!", bot Wellenjunges an.
    Ich nickte und auch Silberwind und Erdglanz' Junge schienen nichts dagegen einzuwenden zu haben.
    Erdglanz nickte wieder. "Gut, aber zuerst putzt ihr euch- alle drei!"
    Feuerjunges und Blaujunges senkten sofort den Kopf um ihr Brutfell zu putzen, doch Windjunges schüttelte den Kopf. "Warum denn?", meckerte sie. Ich stöhnte innerlich. Windjunges war zwar nett, aber sie war auch eine ziemliche Mecker-Liese.
    Erdglanz verdrehte die Augen. "Weil ich möchte, dass ihr nicht wie drei Streuner ausseht, wenn ihr auf den Clan trefft."
    Windjunges kniff die Augen zusammen, begann dann jedoch sorgsam, ihr Brustfell zu säubern.

    Kurz darauf traten wir aus der Kinderstube. Doch sobald wir den Bau hinter uns gelassen hatten kam es sofort zu Streit. Windjunges wollte unbedingt den Heilerbau sehen, während es Feuerjunges und Blaujunges eher zu den Kriegerbauen und zu den Bächen zog. Schließlich beschlossen wir, uns aufzuteilen: Ich ging mit Windjunges zum Heilerbau, Wellenjunges zeigte Feuerjunges und Blaujunges die Bäche.
    Ich lief los und bedeutete Windjunges mit Schwanz, mir zu folgen. Die tat sie auch, doch ihre Beine waren kürzer als meine- immerhin war ich 3 Monde älter. Ich wartete vor dem Heilerbau auf sie und hob dann meine Stimme. "Fischflosse!"
    Ein paar Sekunden später erschien Fischflosses Kopf am Eingang des Baues. "Nanu?", fragte sie. Eisjunges? Windjunges? Was macht ihr denn hier?"
    "Ich wollte ihr den Heilerbau zeigen", erklärte ich.
    Die schwarze Heilerin schnurrte. "Na dann kommt rein!", rief sie und trat zur Seite. Ich nickte ihr dankbar zu und trat in den Heilerbau. Windjunges folgte mir und den Schluss bildete Fischflosse.
    Das kleine braune Junge steuerte auf die Kräuteransammlung zu. "Was ist das?", wollte sie wissen und deutete auf ein paar Ampferblätter.
    "Das ist Ampfer", erwiderte Fischflosse wie ich es erwartet hatte.
    "Und das?" Windjunges blieb vor der Katzenminze stehen.
    "Das ist Katzenminze", sagte Fischflosse.
    "Und das?"
    "Das ist Borretsch."
    "Und das?"
    "Das sind Mohnsamen." Fischflosse wandte sich um und schnüffelte an einem Vorrat an Schafgarbe auf der gegenüberliegenden Seite.
    "Und das?" Windjunges steuerte auf das Vorratsloch mit Todesbeeren zu. "Die sehen lecker aus!"
    "NEIN!" Ich schoss vor, landete neben Windjunges und rempelte sie zur Seite.
    Windjunges schaute mich verdutzt an. "Was sollte das denn jetzt?", fragte sie.
    Fischflosse wandte sich um. "Was ist denn? Ist etwas passiert, Eisjunges?"
    "Windjunges wollte Todesbeeren essen", erklärte ich und schleckte der verängstigten Windjunges über die Ohren.
    Fischflosse riss die Augen auf. "Ich konnte doch nichts dafür", piepste Windjunges kleinlaut. "Ich wusste ja nichts davon."
    Die Heilerin schnurrte mitfühlend. "Alles gut, es ist ja nichts passiert!", maunzte sie. "Hör zu: das sind Todesbeeren. Sie wachsen an der Eibe. Wenn du ihren Kern isst, stirbst du."
    Windjunges erstarrte. "Oh", miaute sie kläglich. "Und warum hast du sie dann hier?"
    "Weil das Pflicht ist", erklärte Fischflosse. "Sie gehören zu der Ausstattung an Kräutern und Pflanzen. Ihr Fruchtfleisch kann man essen, doch die Kerne sind hochgiftig. Schon eine davon könnte dich töten."
    Windjunges nickte und Fischflosse für fort: "Ich habe das Fruchtfleisch abgekratzt, damit keine Katzen auf die Idee kommen, das Fleisch zu naschen und sich dann am Kern zu vergiften."
    Windjunges gab keinen Laut von sich. Sie stand stocksteif da und zitterte. Fischflosse trat auf sie zu und untersuchte sie vorsichtig mit der Schnauze. "Du hast einen Schock", stellte sie fest. "Leg dich kurz dahin." Sie deutete auf ein Nest. "Ich bringe dir Thymian", murmelte sie, während Windjunges sich hinlegte. "Eisjunges, gehst du bitte in die Kinderstube und sagst Erdglanz bescheid?"
    Ich nickte und machte mich auf den Weg.

    In der Kinderstube angekommen weckte ich Erdglanz, die eingedöst war. Als ich ihr von Windjunges' Schock erzählte sprang sie auf und stürzte in den Heilerbau. Ich blieb den Rest des Tages bei meiner Mutter in der Kinderstube. Auch für mich war der Tag ein ziemliches Erlebnis gewesen!

    9
    KAAAALT! Am nächsten Tag ging es Windjunges schon viel besser und sie kam zurück zu uns in die Kinderstube. Dann ging das Leben wie gewohnt weiter.
    KAAAALT!

    Am nächsten Tag ging es Windjunges schon viel besser und sie kam zurück zu uns in die Kinderstube.
    Dann ging das Leben wie gewohnt weiter.

    Einen Mond später wachte ich auf und steckte den Kopf aus der Kinderstube, um zum Schmutzplatz zu gehen. Da schrie ich überrascht auf. "Mama!", schrillte ich. "Was ist das?"
    Silberwind tauchte hinter mir auf. "Das ist Schnee", erklärte sie mir. "Er kommt in der Blattleere."
    "Ist Schnee gefährlich?", fragte ich.
    "Nein, das ist er nicht", beruhigte die hellgraue Katze mich.
    Ich schnippte mit dem Schwanz und sprang in den Schnee. Dann zuckte ich zusammen. Er war so kalt, dass ich am liebsten wieder zurückgesprungen wäre.
    Nach einer kurzen Zeit gewöhnte ich mich jedoch an die Kälte und ich stapfte fröhlich durch den Schnee und machte Spuren.
    Etwas später kam auch Wellenjunges aus dem Bau gesprungen. Sie lief zu mir und stupste mich an. Ich schob meinen Schwanz unter die Schneedecke und schaufelte ihr eine Ladung Schnee über den Kopf. Meine Schwester quiekte empört und sprang mich an, sodass ich umkippte und rücklings im Schnee landete. Mit funkelnden Augen kam sie näher und schnippte mir ebenfalls Schnee ins Gesicht. "Aaah!", kreischte ich. Ein Fehler. Der Schnee rutschte mir in den Mund und meine Zunge fühlte sich komplett taub an. Wellenjunges blitzte mich spöttisch an und ich rappelte mich auf. Das konnte ich unmöglich auf mir sitzen lassen!

    Als die Morgenpatrouille sich auf den Weg machte und im Lager alles in Gang kam scheuchte uns Silberwind zurück in die Kinderstube.
    Den Rest des Tages mussten wir uns drinnen aufhalten, was uns total nervte.
    Doch Silberwind und Erdglanz blieben hart.

    10
    EIN BESONDERER TAG 2 Monde später war es etwas wärmer geworden. Die Blattfrische hatte eingesetzt. Wellenjunges und ich wachten schon sehr früh am
    EIN BESONDERER TAG

    2 Monde später war es etwas wärmer geworden. Die Blattfrische hatte eingesetzt. Wellenjunges und ich wachten schon sehr früh am Morgen auf und tanzten durch die Kinderstube.
    "Schüler, Schüler, heute werden wir Schüler!", trällerten wir im Chor.
    Feuerjunges und Blaujunges starrten uns neidisch an und Windjunges war schon wieder am Maulen. "Warum dürft ihr und ich nicht? Das ist gemein! Ich will auch Schülerin werden!"
    Erdglanz schleckte ihrer Tochter tröstend über den Kopf. "Ich weiß, Windjunges. Bald bist du auch Schülerin. 3 Monde nur noch."
    "3 Monde!", schimpfte das dunkelbraune Junge. "Ich bin doch selber 3 Monde alt! Soll das etwa heißen, dass ich noch einmal 3 Monde alt werden muss?"
    Ihre Mutter nickte. "JA, Windjunges. Und jetzt probier deinen ersten Vogel. Wie wäre es mit einem Buchfink?"
    Sofort war Windjunges wieder gut drauf. "Au ja!", maunzte sie aufgeregt. "Buchfink! Buchfink!" Ihre Mutter schnurrte und verschwand aus dem Bau.
    Kurz darauf kehrte sie mit einem Vogel zwischen den Zähnen wieder. "Bitte sehr, meine Schätze", sagte sie und legte den Vogel vor ihren Jungen nieder.
    Wie sich Windjunges, Feuerjunges und Blaujunges über den Buchfink hermachten bekam ich nicht mehr mit. Ich war viel zu sehr damit beschäftig, mir unsere Verkündung auszumalen. Welchen Mentor ich wohl bekommen würde? Und wen Wellenjunges wohl bekam? Was, wenn ich auf dem Weg zur Steinbrücke stolpern würde? Was, wenn niemand unsere Namen rief?
    Ich seufzte und konzentrierte mich auf meine Pfoten. Ich ließ die Krallen ein- und ausfahren und zerrte an meinem Nest herum. Ich würde Sonnengelbs Einzug in die Kinderstube verpassen. Sie wollte morgen einziehen. Als ich von hinten angestupst wurde drehte ich mich um und sah Silberwind. "Putz dein Fell", riet sie mir. "Es geht bald los."
    Ich schüttelte mich, leckte meine Pfote an und zog sie mir über die Ohren. Neben mir sah ich Wellenjunges, die ebenfalls ihre Ohren wusch. Nach dem Gesicht war mein Brustfell dran. Glücklicherweise war mein Fell nicht sehr lang und verstrubbelte sich deswegen nicht so leicht. Danach putzte ich meine Flanke und meine Pfoten, bis meine Mutter meinte, man könnte denken, der SternenClan persönlich hätte mir den Pelz geputzt.

    "Alle Katzen, die alt genug sind ihre eigene Beute zu fangen, mögen sich vor der Steinbrücke zu einem Clantreffen einfinden!"
    Als Froststerns Jaulen hörte fuhr ich hoch. "Das ist sie! Das ist unsere Schülerzeremonie!", kiekste ich.
    Draußen setzte ich mich mit meiner Mutter und Wellenjunges zu den anderen Katzen.
    "Wir haben uns heute hier versammelt", hob unser Anführer an, "um 2 Junge zu Schülern zu machen. Eisjunges und Wellenjunges haben ihren 6ten Mond erreicht und sind nun bereit, ihr Training aufzunehmen."
    Silberwind stupste uns an und wir traten vor.
    "Tümpelsee", rief Froststern. "Du bist tapfer und klug. Du wirst der Mentor von Wellenpfote sein."
    Der braune Kater trat vor und berührte meine Schwester an der Nase, dann zogen die beiden sich zurück.
    "Eisjunges!", rief der weiße Kater nun und mich überkam ein kurzes Schwindelgefühl. "Von diesem Tag an, bis du dir deinen Kriegernamen verdienst wirst du Eispfote heißen." Der Blick des Anführers schweifte durch die Menge, doch ich konnte nicht erkennen, auf wem sein Blick liegen blieb. "Schneerose", jaulte Froststern nun, "du wurdest von Dunkelschilf hervorragend ausgebildet und hast bewiesen, dass du mutig und loyal bist. Du wirst die Mentorin von Eispfote sein. Ich bin überzeugt, dass du all dein Wissen an sie weitergeben wirst."
    "Das werde ich", versprach Schneerose und kam zu mir, um meine Nase zu berühren. Ich entschied, dass Schneerose eine gute Wahl war. Sie war noch jung, aber schlau.
    "Eispfote! Wellenpfote! Eispfote! Wellenpfote!", jaulte der FlussClan. Ich könnte platzen vor Stolz und ich nahm an, dass es meiner Schwester ähnlich ging.

    Nach der Zeremonie wurden uns die anderen Schüler vorgestellt:
    Maispfote, Forellenpfote, Wasserpfote, Schilfpfote und Traumpfote.
    Schilfpfote war der Älteste von uns und würde wahrscheinlich bald zum Krieger ernannt werden.

    Ich trabte zu meiner Mentorin und fragte sie, was wir als erstes machen würden. Sie war mir einen prüfenden Blick zu.
    "Als erstes ruhst du dich bitte aus", meinte sie. "Du siehst erschöpfter aus als ein Faultier." Ich nickte und lief folgsam in den Schülerbau, obwohl ich ein bisschen enttäuscht war. Es roch fremd, aber Wellenjunges-nein, Wellenpfote lag auch dort. Sie klopfte mit dem Schwanz auf das Nest neben ihr und mit dem Geruch meiner Schwester und den Erinnerungen an die Zeremonie schlief ich ganz schnell ein.

    11
    TERRITORIUMS-ERKUNDUNG An Sonnenhoch wurde ich von Wellenpfote geweckt, die mich mit ihrer Schnauze anstupste. „Aufwachen, Schwesterherz!“ Müde s
    TERRITORIUMS-ERKUNDUNG

    An Sonnenhoch wurde ich von Wellenpfote geweckt, die mich mit ihrer Schnauze anstupste. „Aufwachen, Schwesterherz!“
    Müde schlug ich die Augen auf.
    „Tümpelsee und Schneerose wollen uns das Territorium zeigen!“, miaute Wellenpfote aufgeregt. Komm, schnell!“
    Ich sprang aus meinem Nest, fuhr mir mit der Zunge ein paar mal übers Fell und folgte meiner Schwester aus dem Bau. Draußen warteten schon Tümpelsee und Schneerose auf uns.
    „Wo gehen wir als erstes hin?“, fragte ich eifrig, als wir die beiden erreicht hatten.
    Schneerose schnurrte über meine Begeisterung. „Ich würde sagen, wir führen euch 2 erst einmal aus dem Lager“, bestimmte sie.
    Tümpelsee gab nickend seine Zustimmung und wir liefen bis ganz an den Rand des Bachs, der unser Lager neben dem Heilerbau zum Teil schützte. „So, jetzt nehmt bloß gut Anlauf“, riet uns Tümpelsee, „bevor ihr noch in den Bach fallt.“
    Ich tauschte einen aufgeregten Blick mit meiner Schwester und wir nickten beide.
    „Ich zuerst“, bestimmte Tümpelsee. „Dann du, Wellenpfote. Und danach du, Eispfote. Schneerose springt als letzte.“
    Wir nickten und beobachteten, wie Wellenpfotes Mentor Anlauf nahm und elegant über den Fluss sprang. Ich tauschte einen kurzen Blick mit Wellenpfote, bevor Tümpelsee „Jetzt du!“, rief.
    Wellenpfotes Ohren zuckten vor Aufregung, als sie Anlauf nahm und in hohem Bogen über den Bach flog. Sie landete auf der anderen Seite, schüttelte sich den Sand aus dem Pelz und stand auf.
    Jetzt bin ich dran! Meine Pfoten kribbelten vor Nervosität und ich ging ein paar Schritte zurück. Dann nahm ich Anlauf und sprang. Es fühlte sich großartig an. Ich war noch nie so weit gesprungen und hatte das Gefühl, ich würde fliegen.
    Dieses Gefühl verflüchtigte sich jedoch wieder, als ich hart auf der Erde aufkam. Ich landete auf der Seite und rollte mich ab.
    Schneerose sprang zu uns auf die Seite, als ich gerade aufgestanden war. Ich schüttelte mich und drehte mich zu meiner Mentorin um. „Und jetzt?“, fragte ich.
    „Jetzt gehen wir am Monsternest vorbei zur SchattenClan-Grenze“, erklärte sie mir.
    „Monsternest?“, wollte nun Wellenpfote wissen. „Was ist ein Monsternest?“
    „Da schlafen manchmal Monster drin. Aber keine Sorge, im Moment hat die Blattfrische gerade erst angefangen. Die Monster kommen erst zum Ende der Blattfrische dorthin.“
Wellenpfote nickte und die beiden Krieger führten uns durch unser Territorium.
    Ich schnupperte und war erleichtert, nirgendwo feindliche Gerüche wahrzunehmen, obwohl ich diese wahrscheinlich gar nicht erkannt hätte.
    Wir kamen an einer beeindruckend großen Tanne vorbei und Tümpelsee blieb abrupt dort stehen. „Dies ist die große Kiefer“, belehrte er uns. Also doch keine Tanne! Kiefer, aha! „Wir versuchen manchmal, dort hoch zu klettern, doch normalerweise überlassen wir es dem DonnerClan, halbe Eichhörnchen zu sein.“
Ich sah meine Schwester an und wir beide glucksten amüsiert.
    Wir streiften weiter durch das Territorium und hielten vor einem schwarzen, übel riechenden Streifen an. Ich rümpfte die Nase. „Was ist das denn?“, fragte ich angeekelt.
    „Das ist der Donnerweg“, entgegnete Schneerose. „Er trennt unser Territorium von dem des SchattenClans.“
    Ich nickte. Plötzlich erregte eine Bewegung auf der anderen Seite des Donnerwegs meine Aufmerksamkeit. „Da!“, zischte ich.
    Meine Schwester und unsere Mentoren fuhren herum. „Was?“
    Mit der Schwanzspitze deutete ich auf die Stelle, doch das wäre gar nicht mehr nötig gewesen. 3 SchattenClan-Katzen traten aus dem Gebüsch. Als sie uns erblickten, legten sie drohend ihre Ohren an.
    „Was macht ihr so dicht bei der Grenze?“, knurrte eine schildpattfarbene Katze.
    Tümpelsee blieb ruhig. „Wir zeigen unseren Schülern das Territorium“, miaute er gelassen. „Schließlich sollten sie die Grenzen kennen, nicht wahr, Musterschweif?“
    Die Kriegerin namens Musterschweif schien immer noch misstrauisch und ihre Clangefährten ebenfalls.
    „Woher sollen wir wissen, dass ihr nicht lügt?“, forderte ein schwarzer Kater Wellenpfotes Mentor heraus und machte einen Schritt nach vorne. „Vielleicht plant ihr auch einen Angriff.“
    Mein Herz begann wild zu klopfen. Was, wenn sie angriffen? Wellenpfote und ich hatten doch noch gar keine Kampftricks gelernt! Ich wechselte einen ängstlichen Blick mit meiner Schwester.
    Nun trat Schneerose vor, ihr Nackenfell war gesträubt. „Es ist nicht verboten, dicht an der Grenze zu stehen!“, zischte sie. „Solange wir auf unserer Seite des Donnerwegs bleiben, ist alles in Ordnung!“
    Der schwarze Kater fauchte, doch Musterschweif miaute: „Sie hat recht, Schwarzfell. Reg dich ab.“
Schwarzfell funkelte uns an. „Das werde ich Himmelstern berichten!“, warnte er uns.
    Tümpelsee nickte und die SchattenClan-Katzen verschwanden in ihrem Territorium hinter den Bäumen.
    Schneerose fauchte gereizt. „Diese Fuchsherzen! Immer sind sie so aggressiv!“
    Tümpelsee nickte. „Du hast recht“, miaute er. „Doch ich denke nicht, dass wir Froststern davon berichten müssen. Allerdings sollten wir uns auf den Heimweg machen“, fügte er mit einem Blick in den Himmel hinzu, „Die Sonne geht unter.“
    Schneerose nickte und wir gingen zurück. Ich kam mittlerweile um vor Hunger und konnte es kaum erwarten, mir etwas vom Frischbeutehaufen zu nehmen.

    Im Lager angekommen, erlaubten uns unsere Mentoren, dass wir uns etwas zu Essen nahmen. Ich miaute freudig, steuerte auf den Frischbeutehaufen zu und wählte für mich eine fette Maus. Wellenpfote hatte sich einen Fisch geschnappt und wir trugen unser Essen zu den anderen Schülern.
    Traumpfote, Forellenpfote und Wasserpfote aßen bereits unter den Schilfhalmen. Als Traumpfote Wellenpfotes Frischbeute entdeckte, verzog sie angewidert das Maul. „Wie kannst du das nur essen?“, murmelte sie. „Mir persönlich wird von dem Zeug kotzübel.“
    Wellenpfote zuckte mit dem Schwanz und nahm einen Bissen, während ich begann, von den Ereignissen an der SchattenClan-Grenze zu erzählen.
    Wasserpfote starrte mich beeindruckt an. „Ihr habt echt SchattenClan-Krieger getroffen?“, miaute er. „Ich bin so neidisch! Ich hab noch nie Katzen eines anderen Clans getroffen!“
    Das wunderte mich. Er war doch schon anderthalb Monde lang Schüler! „Warst du noch nie auf einer Großen Versammlung?“, wollte ich wissen.
    Wasserpfote schüttelte den Kopf. „Nee, leider nicht. Aber ich hoffe, dass ich dieses Mal mitdarf!“ Er nahm sich einen Bisse von seiner Wasserratte.
    Nun mischte sich auch Forellenpfote mit leiser Stimme ein. „Du hast doch schonmal Samenglanz und Thymianpfote aus dem WindClan getroffen“, miaute sie.
    Wasserpfote schluckte seinen Bissen herunter und schnippte sich mit der Schwanzspitze gegen den Kopf. „Ach stimmt ja, du hast recht!“ Er zögerte kurz, dann sagte er. „Aber Samenglanz und Thymianpfote sind Heilerkatzen. Ich würd zu gerne mal WindClan-Krieger treffen! Oder DonnerClan-Krieger.“
    Wir unterhielten uns noch bis die Sonne lange untergegangen war. Forellenpfote erzählte von ihrer ersten Tour durch unser Territorium und Schilfpfote, der sich mit Maispfote zu uns gesellt hatte, berichtete von seiner ersten Großen Versammlung und den Katzen aus anderen Clans.
    Erst, als Dunkelschilf uns aufforderte, gingen wir in den Schülerbau und verkrochen uns in unseren Nestern.
    „Gute Nacht“, miaute ich.
    „Gute Nacht“, kam ein 5-stimmiger Chor von Wasserpfote, Wellenpfote, Forellenpfote, Traumpfote und Maispfote zurück.
    „Gute Nacht“, tönte Schilfpfote dumpf hinterher und alle lachten.
    Hier im Schülerbau roch es anders als in der Kinderstube. Doch die Stimmung war gut. Lustiger als bei Mama und Erdglanz.
    Mit den Gedanken bei unserer aufregenden Territoriums-Erkundung schlief ich ein.

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1477575152
WELLEN AUS EIS
WELLEN AUS EIS
Die Heilerin Fischflosse soll keinesfalls die Fischflosse aus den Büchern sein!
http://www.testedich.de/quiz44/quiz/1477575152/WELLEN-AUS-EIS
http://www.testedich.de/quiz44/picture/pic_1477575152_1.jpg
2016-10-27
406A
Warrior Cats

Kommentare (7)

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Eisblatt ( von: Eisblatt)
vor 88 Tagen
@Blütenstern/Froststern: Jup^^ Und danke!^^

@Fatie &Co: Danke, ich arbeite schon dran!^^
Fatie &Co (70046)
vor 113 Tagen
Bitte, schreib weiter. Die Geschichte ist super geschrieben und ICH WILL EINE FORTSETZUNG, BITTEEEEEEEEEEE
Blütenstern/Froststern ( von: Blütenstern/Frostster)
vor 121 Tagen
OMG, der Anführer heißt... FROSTSTERN?! 😱
Die Geschichte ist total cool!!!
Pfunkenpfote ( von: Pfunkenpfote)
vor 122 Tagen
Jeeyyyyy!!!!
Eisblatt ( von: Eisblatt)
vor 123 Tagen
@Pfunki: Jup, mach ich!^^

@Vera: Thx!!^^
Pfunkenpfote ( von: Pfunkenpfote)
vor 135 Tagen
sreibst du bitte witer ? :-)
Vera ( von: Vera)
vor 136 Tagen
Cool😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎😎