Schattengespräche

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1 Kapitel - 1.203 Wörter - Erstellt von: Laory. - Aktualisiert am: 2016-09-27 - Entwickelt am: - 82 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Eine junge Frau muss ihre Gefühle wiederfinden...

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    Ich stützte den Kopf in die Hände und zog die Decke enger um mich. Die kalten Novembernächte krochen in alle Zellen und ich fror. Mit zitternden Fingern entzündete ich ein Streichholz. Mehrmals ging es aus, doch schließlich funktionierte es und ich ließ eine Kerze brennen. Zumindest war das ein bisschen Licht und Wärme in dieser kalten Welt.,, Du kannst deinen Weg noch wählen", sagte mein Schatten im Licht der Kerze.,, Ich habe mich selbst dazu entschieden, nicht mehr der Welt der Menschen anzugehören", entgegnete ich und wärmte meine Hände am Hals.,, Stimmt", sagte der Schatten,,, doch du kannst es nicht ändern, dass du immer noch ein Mensch bist. Willst du wirklich weiter einsam sein? In dieser Kälte?" Die Kälte im Außen ist mir gleich, denn in meinem Inneren ist es kälter, dachte ich. Ich komme ganz gut alleine klar. Mein Finger fuhr gedankenverloren durch die Kerze, bis er fast angesengt war. Die Flamme erlosch plötzlich, als ein kalter Wind durch den Felsvorsprung pfiff, in dem ich Schutz gefunden hatte. Ich brauche niemanden, dachte ich, und niemand braucht mich. Es sollten mich am besten alle in Ruhe lassen.
    Der Morgen brach heran, doch die Sonne war hinter dunklen Wolkenschleiern verborgen. Nicht mal den Sonnenaufgang darf ich noch sehen, dachte ich. Aber vielleicht würde bald eh alles vorbei sein - keine Kälte mehr. Vielleicht war ich schon in der anderen Welt, wenn die Kristalle des Schnees schmolzen. Der erste Schnee war noch nicht gefallen, doch es musste bald soweit sein. Ich nahm meine Decke und den Rucksack, machte mich auf den Weg und setzte meine stille Wanderung fort. Stundenlang fand ich nichts als tropfende, kalte Bäume, die genauso leer schienen wie mein Herz. Meine Winterschuhe waren schon fast durchweicht und die Decke hielt auch nur noch mäßig warm.,, Vielleicht solltest du doch zurückgehen", riet mein Schatten.,, Nein", sagte ich,,, ich habe es so gesagt, ich ändere jetzt nicht einfach meine Meinung.",, Ob du tropfnass im tiefen Wald sitzt oder Hilfe annimmst, ist keine Meinung", flüsterte mein Schatten. Ich bat ihn mit einer Handbewegung, zu schweigen. Ich träumte nicht. Auf einer Lichtung stand ein Zelt, aus dem Rauch zog. Da waren bestimmt Menschen. Menschen, die normal fühlten, normal dachten und ... Moment. Ich hatte noch nie zuvor gesehen, dass jemand im Winter zeltete. Diese Leute konnten nicht normal sein. Mögen würden sie mich bestimmt nicht, das war schließlich beinahe unmöglich. Mich hatten zwar einige gemocht, doch ich hatte nie verstanden, warum man ausgerechnet mich mögen sollte. Meine Neugier ließ sich nicht mehr länger bezwingen und ich läutete an einem kleinen Glöckchen. Ein Mann mit schwarzen Haaren öffnete eine Klappe.,, Du bist ja ganz durchgefroren, komm rein. Wie heißt du denn?", fragte er.,, Ich bin mir nicht sicher", sagte ich und rührte mich nicht vom Fleck. Eine Frau tauchte hinter ihm auf:,, Komm ruhig rein!" Ich ließ mich von den beiden ins Zelt führen. Es sah aus wie ein magisches Indianderzelt, wenn es soetwas gab. Alles war im Kreis angeordnet, in der Mitte brannte ein kleines Feuer und rundherum saßen Menschen auf Strohballen. Sie sahen sehr glücklich aus, schnitzten und unterhielten sich. Als sie mich sahen, standen alle auf und begrüßten mich. Ich nickte allen höflich zu und setzte mich auf eine Filzmatte neben eine schöne Frau mit grauen Haaren, die wie eine Schamanin aussah. Hinter ihrem Strohballen lag ein schwarzer Hund, der auch gleich aufsprang und mich seltsam ansah.,, Wir wollten sowieso gerade Redekreis machen", sprach eine junge, sehr schlanke Frau. Sie gab einen Stab an eine Familie.,, Wir sind sehr glücklich, hier zu sein. Unseren Jungs gefällt es hier auch sehr gut. Ahau", sagte der Vater. Er gab den Stab an die Mutter, die Folgendes berichtete:,, Ich habe ein ganzes Stück mehr zu mir gefunden. Im Alltag habe ich nie Zeit, einfach nur am Feuer zu sitzen und zu schnitzen. Es fühlt sich so richtig an. Ahau." Die schlanke Frau lächelte, während alle im Kreis ein positives Feedback zu etwas gaben, was mir noch verborgen war. Dann kam der Stab zu mir und alle sahen mich erwartungsvoll an.,, Ich habe keine Ahnung, worum es hier geht, aber ich glaube, dass ich so eine Gemeinschaft noch nie gesehen habe. Was macht ihr hier eigentlich?", fragte ich.,, Wir haben ein Wildnisprojekt", sagte die schlanke Frau,,, wir sind alle hier, um in der Natur wieder unsere Ursprünglichkeit zu finden.",, Okay", sagte ich,,, das wollte ich eigentlich auch. Aber ich weiß nicht, wie.",, Du kannst ruhig von deinen Problemen erzählen", sagte die schlanke Frau,,, wir gehen hier ganz offen damit um.",, Ich weiß nicht... ich kenne Sie ja alle nicht-" Ich zögerte.,, Wir duzen uns hier alle", sagte der Mann mit den schwarzen Haaren. Ich nickte.,, Nun gut. Irgendwas wird dich ja bei dem Wetter zu uns geführt haben, vielleicht ist das ein Zeichen", sagte die schlanke Frau.,, Das ist durchaus möglich", stimmte die Frau mit den grauen Haaren zu und wendete sich an mich:,, Möchtest du irgendwas? Tee?" Ich nickte und nahm dankbar, aber leicht misstrauisch, den Tee aus ihrer Kanne.,, Und? Was führt dich nun zu uns?", fragte die Frau, die mich hereingeführt hatte. Sie grinste und alle sahen mich weiterhin an. Nervös senkte ich den Blick.,, Das ist nicht so wichtig. Eigentlich ... na gut. Ich bin weggelaufen", murmelte ich.,, Warum?", fragte die Frau mit den grauen Haaren und nahm einen Schluck Tee.,, Naja... so verrückt, wie ich bin, kann man mich doch nicht mehr unter Menschen lassen. Und in Behandlung will ich nicht. Niemand auf dieser Welt kann mich verstehen, da ich mich nicht mal selbst verstehe. Daher wollte ich das einfach alles beenden, aber umbringen wollte ich mich nicht, das wäre unlogisch gewesen. Darum bin ich weggelaufen. Ein Ziel im Leben habe ich eh nicht, ich weiß gar nicht, was ich hier soll und ich rede mit meinem Schatten. Kann ich jetzt gehen und erfrieren, bitte?", hielt ich einen Monolog.,, Ich schätze mal, du brauchst ein bisschen Gesellschaft", sagte die schlanke Frau,,, und ´ne Aurareinigung."

    Ich blieb noch eine Weile dort. Diese Menschen lehrten mich, dass es auch Gutes in der Welt gibt und dass auch in den dunkelsten Stunden, so schattenhaft sie auch sein mögen, immer kleine Lichter scheinen.














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